Sie sind auf Seite 1von 5

06/2017

Know-how

Kernel- und Treiberprogrammierung mit dem Linux-Kernel – Folge 92

Kern-Technik
Kern-Technik

74
www.linux-magazin.de

Viele Schreibzugriffe und hartes Stromabschalten mögen Flashspeicher gar nicht gerne. Wer der SD-Karte sei-
nes Raspberry Pi ein langes Leben schenken und Anwendungen und Anwender trotzdem nicht reglementieren
will, garniert sein Himbeertörtchen mit einem Overlay-Filesystem. Hier die Backanleitung. Eva-Katharina Kunst, Jürgen Quade

über den PC einfach land und mit den Applikationen treten


auf die SD-Karte zu Schreibzugriffe auf – und das nur, wenn
transferieren, und das es explizit passieren muss. Beispielsweise
im Vergleich zur Fest- legen Unix-Systeme für jede Datei drei
platte reduzierte Spei- Zeitstempel ab: den Erzeugungszeitpunkt
chervolumen erweist (Creation), den Zeitpunkt der letzten Än-
sich für kaum einen derung (Modification) und den des letz-

92
Einsatzzweck als zu ten Zugriffs (Access).
gering. Jedes Lesen einer Datei löst daher einen
Wer aber länger und Schreibzugriff auf den zugehörigen Zeit-
häufiger mit einem stempel aus – eigentlich, denn die Linux-
Raspberry Pi arbei- Entwickler haben diese Abhängigkeit vor
tet, diesen vielleicht einigen Jahren zurückgefahren und aktu-
sogar im 24/​ 7-Be- alisieren standardmäßig den Zugriffszeit-
trieb nutzt, bekommt stempel nur beim allerersten lesenden Zu-
eine eingeschränkte griff. Das Verhalten bekommt der Kernel
Zuverlässigkeit des beim Mounten eingeimpft (Tabelle 1).
Speichermediums zu
© psdesign1, Fotolia

spüren. Robuste Systeme


Flashspeicher kämp-
fen auch 2017 mit Für Systeme, die weitgehend unbeauf-
einer limitierten Zahl sichtigt laufen, reicht das Reduzieren
Die klassische Festplatte ist ein Auslauf- von Schreibzyklen. Linux reagiert auf von Schreibzugriffen jedoch nicht aus.
modell, kein Zweifel. Noch punktet sie diese Problematik mit Flash-optimierten Wer sein Internet-of-Things- oder Indus-
mit ihrem Preis und üppigem Speichervo- Spezial-Dateisystemen, zum Beispiel trie-4.0-Gerät schützen will – der Fach-
lumen, doch den ungleich besseren Zu- F2fs. Damit lässt sich tatsächlich bei mann spricht von Ruggedizing –, hängt
griffszeiten der Flashspeicher hat die SSDs eine hohe Zuverlässigkeit errei- die Dateisysteme nur lesend ein [1]. Al-
Festplatte nichts entgegenzusetzen. chen. Mit den (billigen) SD-Karten, auf lerdings mucken einige nun schreibge-
Hinzu kommt die mechanische Anfällig- denen klassisch die alten Dateisysteme hemmte Applikationen auf und verwei-
keit ihrer bewegten Teile. Smartphones, (Ex)-FAT und Ext 4 liegen, ist das nicht gern den Betrieb.
Tablets oder die Gruppe der Microcompu- so. Da gibt es keinen besseren Schutz, als Auch der Ansatzpunkt, die SD-Karte zu
ter à la Raspberry Pi setzen schon jetzt Schreibzugriffe komplett zu meiden oder partitionieren und die kritische Boot- und
rein auf Flash, Letzterer in Form von wenigstens zu minimieren. Rootpartition nur lesend, eine unkritische
leicht handhabbaren SD-Karten. Das Be- Für Linux ist das prinzipiell kein Prob- Homepartition für die Applikationen zu-
triebssystem für den Minicomputer ist lem. Der Kernel selbst muss zunächst nur sätzlich schreibend einzuhängen, führt
lesen. Erst in Kombination mit dem User- nicht zum Ziel. Hier funkt die Hardware

Die Autoren Tabelle 1: Einfluss des Mount-Kommandos auf den Zugriffszeitstempel


Eva-Katharina Kunst ist seit den Anfängen von Mount-Option Verhalten
Linux Fan von Open Source. Jürgen Quade ist
»relatime« Das erste Lesen nach einem Write aktualisiert den Zeitstempel.
Professor an der Hochschule Niederrhein. Ihr
»noatime« Der Zeitstempel wird nie aktualisiert.
gemeinsames Buch „Linux-Treiber entwickeln“
»atime« Bei jedem Lesen wird der Zeitstempel aktualisiert.
ist Ende 2015 in vierter Auflage erschienen.
06/2017
Know-how
des Flashspeichers quer: Das so genannte
Root-Filesystem im Hauptspeicher
Wear Leveling macht nämlich nicht vor

Kern-Technik
Partitionsgrenzen halt und tauscht Sek- »/boot« »/«
toren zwischen den Partitionen, um eine
gleichmäßige Verteilung der Schreibzu-
griffe zu erreichen.
Für ein zuverlässiges System geht also RAM »/« Initram-FS
kein Weg an einem rein lesenden Zugriff 75

www.linux-magazin.de
vorbei. Folglich sind die Schreibzugriffe
umzulenken, beispielsweise auf einen
zweiten Flashspeicher (USB-Stick) oder SD-Karte »/boot« »/«
eben – falls ausreichend vorhanden – auf
den Hauptspeicher. Für Letzteres bietet Abbildung 1: Schlanke Selbstbau-Linuxe können beim Hochfahren ihr Root-Filesystem komplett in den Haupt-
der Linux-Kernel gleich zwei Techniken: speicher kopieren.
Erstens das Initram-FS [2] und zweitens
das in der letzten Kern-Technik vorge- ten schreibenden Zugriff für das Mission- 290 Zeilen fürs Abdrucken zu groß ist,
stellte Overlay-Filesystem [3]. critical-Rootverzeichnis auf die SD-Karte reflektiert Listing 1 nur die entscheiden-
ein Overlay nötig. Eine funktionierende den (Mount)-Kommandos zum Anlegen
Filesysteme im RAM Lösung in Form eines Skripts stammt des Overlay.
ursprünglich aus den Entwicklerhänden Zum besseren Verständnis des kompli-
Der Initram-FS-Ansatz benötigt den von Axel Heider und ist unter [7] zu zierten Vorgangs sollte man wissen, dass
Flashspeicher nur während des Boot- finden, die Installation beschreibt der drei (Root-)Dateisysteme beteiltigt sind:
prozesses, um den Kernel und ein Root- Kasten „Overlay auf dem Raspberry Pi Als erstes das zum Bootzeitpunkt aktive
Filesystem in den Speicher zu schubsen einrichten“ detailliert. Root-Filesystem des initialen RAM-File-
(Abbildung 1). Das Root-Filesystem ist systems, als zweites das Root-Filesystem
als Initram-FS ausgeprägt, das sämtliche Booten im Hauptspeicher auf der SD-Karte, auf das nur lesende Zu-
Dateien und Verzeichnisse im Hauptspei- griffe erlaubt sein sollen, und als drittes
cher abbildet. Ein klassisches Dateisys- Um das Overlay vor dem ersten schrei- das Overlay-Filesystem, das aus Sicht des
tem wie Ext 4 gibt es nicht mehr, der benden Zugriff aufzusetzen, kommt das laufenden Betriebssystems das eigentli-
Kernel greift ohne Umwege besonders bereits erwähnte Initram-FS als Sprung- che Root-Filesystem werden wird.
effizient auf die Daten zu. brett zu Ehren. Das für den Raspberry Das Skript »root‑ro« erzeugt dazu nach
Der einzige Nachteil besteht im limitier- Pi noch zu generierende Initram-FS legt Auswertung der Bootparameter im (noch
ten Platzangebot des Hauptspeichers. der Raspberry-Besitzer – wie den Kernel aktiven) Init-Filesystem ein Verzeichnis
Systeme mit komplexen grafischen Ober- auch – auf der Bootpartition der SD-Karte als Mountpoint für das Filesystem auf
flächen oder umfangreichen Datenban- ab, und der Bootvorgang wird ihn vom der SD-Karte (»/mnt/root‑ro/«) und ein
ken sind so nicht realisierbar. Wer jedoch Bootloader in den Hauptspeicher trans- Verzeichnis als Mountpoint für das neue
sein System selber baut, etwa mit Hilfe ferieren. Overlay-Filesystem (»/mnt/root‑rw/«).
von Buildroot [4], schafft zudem noch Der Kernel startet aus dem im Hauptspei- Da das Initsystem die SD-Karte bereits
den Raum, um einen einfach handhabba- cher liegenden Initram-FS das Programm mit lesendem Zugriff eingehängt hat, ver-
ren Update-Mechanismus zu etablieren. »init«. Dies lädt normalerweise die wich- schiebt das Kommando
Allerdings gehen bei Stromausfall neue tigsten Treiber, schaltet auf das auf der
Daten verloren und solche, die sich zwi- Festplatte beziehungsweise auf der SD- mount ‑o move /root /mnt/root‑ro

schenzeitlich geändert haben. Karte liegende Orginal-Root-Filesystem


Für komplexere Systeme ist der Hybrid- um und mutiert schließlich zum dort Overlay-FS im RAM
Ansatz geeignet. Dann liegen die Daten abgelegten (Standard-)Init.
wie bisher auf dem Flashspeicher, schrei- »/«
bende Zugriffe fängt aber ein Overlay- Drei Root-Filesysteme
Filesystem ab, die geänderten Daten lan-
den entweder auf einem Filesystem im Für ein robustes (ruggedized) System RAM »/« Overlay
Hauptspeicher (Abbildung 2) oder auf klinkt sich das vorgestellte Setup in den
einem USB-Stick (Abbildung 3). ersten Initprozess ein, und zwar nach-
Wer im Internet nach Anleitungen zur dem Init – wie es seine Art ist – das Root-
Realisierung sucht, wird zwar schnell Filesystem ohnehin erst einmal read-only SD-Karte »/«
fündig (zum Beispiel [5]), ist bei der eingehängt hat. Init startet danach das
Umsetzung aber selten erfolgreich [6]. Skript »root‑ro«, welches nach Auswer- Abbildung 2: Wer ein System mit Speicher-genügsa-
Die saubere Integration in den Bootpro- tung der Bootparameter das Overlay- men Applikationen betreibt, fährt oft gut mit einem
zess ist nicht trivial. So ist vor dem ers- Filesystem etabliert. Da das Skript mit Overlay im RAM.
06/2017
Know-how

den Mountpoint der SD-Karte auf das Overlay auf USB-Stick


neu kreierte Verzeichnis »/mnt/root‑ro/«
Kern-Technik

(Listing 1). Dieses Verschieben macht »/«


den Weg frei, um das Overlay auf das
von Init verwendete Verzeichnis »/root/«
für die SD-Karte umzuhängen. Ab diesem USB-Stick »/« Overlay
Zeitpunkt würden schreibende Zugriffe
76 auf das Root-Filesystem bereits im Haupt-
www.linux-magazin.de

speicher landen (Abbildung 4).


RAM »/boot« »/« Initram-FS

Trick mit der Fstab


Problematisch ist allerdings, dass Init
nach getaner Arbeit in der ersten Stufe SD-Karte »/boot« »/«
das Init-Filesystem wieder freigibt und als
neues Root-Filesystem das Verzeichnis Abbildung 3: Für komplexe Systeme, auch für Raspbian, eignet sich der Ansatz, das Overlay auf einem
»/root/« verwendet. Bei der Freigabe fal- USB-Stick abzulegen.
len damit aber auch die von »root‑ro«
dort angelegten Verzeichnisse »/mnt/ und schreibend mounten. Der Trick, um normal hochfahren. Dazu gehört, dass
root‑ro/« und »/mnt/root‑rw/« weg. Da- das zu verhindern: Im Overlay schreibt das vom Initram-FS vorbereitete Root-
her muss das Skript sie vorher noch nach das Skript die Fstab neu und modelt bei verzeichnis »/root/« per Kommando
»/root/« verschieben, also in das neue der Kopie den Eintrag für die Rootparti- »switch_root« zum neuen, letztgültigen
Temp-Filesystem (siehe Kasten „Tempo- tion (»/dev/mmcblk0p2«) auf read-only Wurzelverzeichnis (»/«) wird und dass
räres Filesystem“). um (Abbildung 5). Linux dank modifizierter Fstab das Root-
Jetzt gilt es, den weiteren Bootverlauf Filesystem der SD-Karte auch nur read-
anzupassen, denn Linux wird gemäß Jetzt funktioniert’s only einhängt (beziehungsweise es ein-
»/etc/fstab« – die steuert beim Bootpro- gehängt bleibt).
zess das Einhängen der Dateisysteme – Mit diesen Änderungen ist die eigentli- Das vorgestellte Setup mountet die
die Rootpartition von der SD-Karte lesend che Arbeit erledigt und das System kann Bootpartition »/dev/mmcblk0p1« (auf

Listing 1: »
 root‑ro« (modifizierter Overlay auf dem Raspberry Pi einrichten
Auszug)
Falls noch nicht geschehen, installiert der cd /etc/initramfs‑tools/scripts/U
[...]
01  Raspi-Besitzer Raspbian (in der Version »2017 init‑bottom
02 ROOT_RO=/mnt/root‑ro ‑03‑02‑raspbian‑jessie«) auf eine SD-Karte. wget https://gist.github.com/niun/U

03 ROOT_RW=/mnt/root‑rw Außerdem richtet er das System ein, indem er 34c945d70753fc9e2cc7/raw/3d60338cd8d8U

04 ROOT_RW_UPPER=${ROOT_RW}/upper n das Passwort mit dem Kommando »passwd« daf740692f426a5a1ec17839d613/root‑ro

05 ROOT_RW_WORK=${ROOT_RW}/work
für den Default-User »pi« ändert, chmod +x root‑ro
n den SSH-Server per »raspi‑config« akti-
06 rootmnt=/root
viert, Danach geht es weiter mit dem Generieren
[...]
07  des Initram-FS:
n die Systemsoftware aktualisiert: »apt‑get
08 
mount ‑t tmpfs tmpfs‑root ${ROOT_RW}
update; apt‑get dist‑upgrade« und update‑initramfs ‑c ‑k $(uname ‑r)
[...]
09 
n eventuell einen neuen User anlegt und mit
10 
# root is mounted on ${rootmnt}, move it to Admin-Rechten ausstattet (»adduser login- Das Initram-FS ist damit zwar gebaut, liegt
${ROOT_RO}. name; adduser loginname sudo«). aber noch im Bootverzeichnis »/boot/« unter
11 
mount ‑o move ${rootmnt} ${ROOT_RO} Nun loggt sich der Benutzer in das vorbereitete einem unhandlichen Namen. Der Aufruf
[...]
12  System ein und wird durch Eingabe von »sudo mv initrd.img‑$(uname ‑r) initrd7.img
13 
# mount virtual fs ${rootmnt} with rw‑fs ${ROOT_RW} su« zum Superuser. Jetzt geht es ans Konfek-
tionieren des Initram-FS: benennt es daher um. Der letzte Schritt vor
on top or ro‑fs ${ROOT_RO}.
n Damit der Kernel das Modul »overlay« lädt, dem Reboot aktiviert das Initram-FS auf dem
14 
mount ‑t overlay ‑o \
trägt der Superuser den Modulnamen in die Raspberry Pi, indem
15  lowerdir=${ROOT_RO},upperdir=
Datei »/etc/initramfs‑tools/modules« ein: cd /boot
${ROOT_RW_UPPER},workdir=${ROOT_RW_WORK} \
echo "overlay" >> /etc/U echo "initramfs initrd7.img" >>config.txt
16  overlay ${rootmnt}
initramfs‑tools/modules
[...]
17  den Bootloader anpasst. Achtung: Diese Konfi-
18 
# move mount from ${ROOT_RO} to ${rootmnt}${ROOT_RO} n Für die eigentliche Aktivierung des Overlay gurationsoption verlangt kein Gleichheitszei-
19 
mount ‑o move ${ROOT_RO} ${rootmnt}${ROOT_RO} muss er das Skript »root‑ro« an der richti- chen zwischen Optionsname und Wert.
gen Stelle in das Initram-FS aufnehmen und Fertig! Mit dem nächsten Reboot ist der Zugriff
20 
# move mount from ${ROOT_RW} to ${rootmnt}${ROOT_RW}
ausführbar machen: auf die SD-Karte nur noch lesend möglich.
21 
mount ‑o move ${ROOT_RW} ${rootmnt}${ROOT_RW}
06/2017
Know-how
»/boot/«) übrigens lesend und schrei-
bend. Das ist zunächst unkritisch, da auf Ergibt virtuell: writable

Kern-Technik
Merged »etc/fstab« »etc/password« »home/pi/foo.c/« »...«
diese Partion im laufenden Betrieb keine »/«
Schreibzugriffe stattfinden. Andererseits
müssen für den rein lesenden Zugriff Im RAM: Upper writable
»/mnt/root-rw/« »etc/fstab« »home/pi/foo.c/«
in der orginalen Fstab nur die Mount­
optionen »defaults« durch »ro,noatime«
Auf SD-Karte: read-only
getauscht werden. »etc/fstab« »etc/password« »...« 77

www.linux-magazin.de
Lower
Nach dem Reboot zeigt der Mountbe- »/mnt/root-ro/«
fehl in Abbildung 6 den Erfolg an: Die
Rootpartiton ist nur lesend (»ro«) im Ver- Abbildung 4: Die SD-Karte ist die untere, ein Temp-Filesystem die obere Schicht des Overlay-Filesystems.
zeichnis »/mnt/root‑ro/« eingehängt, das
Root-Filesystems selbst als Overlay mit Logdaemon »rsyslogd« im Moment noch trieb keinen Sinn ergibt. Die Option »ro«
Schreibrechten. regelmäßig Logdateien unter »/var/log/«. schließlich sorgt ebenfalls dafür, dass der
Über den Pfad »/mnt/root‑ro/« gelingt es Diese lassen sich beispielsweise per »log­ Kernel nur read-only mountet.
übrigens, jederzeit auf die Orginaldateien rotate« in Schranken halten. Alternativ
lesend zuzugreifen (wie in Abbildung 5), de­installiert der Admin Rsyslogd per Updates würden ins Leere
die nachträglichen Änderungen sind un- »dpkg ‑‑purge rsyslog« und ersetzt ihn
laufen
ter »/mnt/root‑rw/« zu finden. So listet durch die Busybox-Variante (Kommando
»ls ‑R /mnt/root‑rw/upper« rekursiv die »apt‑get install busybox‑syslogd«). Diese Wichtig: Mit dem Overlay finden alle Än-
dort abgelegten Dateien auf. Mittels »du behält die Lognachrichten im RAM und derungen im Filesystem im RAM statt.
‑sh /mnt/root‑rw« lässt sich feststellen, stellt mit »logread« ein passendes Werk- Mit dem nächsten Bootvorgang gehen
wie viel Hauptspeicher das Overlay-File- zeug zum Log-Lesen bereit. diese verloren. Sollen Wartungs- bezie-
system belegt. Ein absolutes No-Go für das Ruggedized hungsweise Konfigurationsarbeiten län-
Dies sind nach dem Booten gut 100 System ist Swapping. Beim Raspberry Pi gerfristig Wirkung entfalten, muss der
MByte von den rund 450 zur Verfügung ist der Auslagerungsmechanismus nor- Besitzer sein System erst ohne Overlay-
stehenden. Denn Linux reserviert beim malerweise auch abgeschaltet. Wer si- Mechanismus booten. Dazu kommen-
Anlegen eines Temp-Filesystems rund die chergehen will, entfernt ihn per »apt‑get tiert er in der Datei »/boot/config.txt«
Hälfte des vorhandenen Hauptspeichers. purge dphys‑swapfile« komplett. nur die letzte Zeile (»initramfs initrd7.
Da der Raspberry Pi 3 etwa 1 GByte Wer mag, gibt alternativ dem Kernel Pa- img«) durch Einfügen eines Hashtag »#«
RAM hat, sind das 463 MByte. Wer mehr rameter mit auf den Weg, die der beim am Zeilenanfang aus. Das sonst so es-
braucht, ergänzt in dem Skript »root‑ro« Booten auswertet. Die Parameter gehören senzielle Herunterfahren von Linux darf
die Zeile 166 um »‑o size=550M«, wobei in der Datei »/boot/cmdline«. Ein dort man sich übrigens im gerade noch akti-
»550M« für 550 MByte steht und durch eingetragenes »noswap« setzt Swapping ven robusten Modus sparen und schadlos
die benötigte Größe zu ersetzen ist. Im ebenfalls außer Gefecht. Ebenfalls hilf- einfach den Strom abschalten.
Ganzen sieht die Zeile dann so aus: reich: »fastboot« überspringt den Filesys- Mit dem nächsten Reboot kehrt nun das
temcheck, der in einem reinen Lesebe- normale, mit Schreibrechten auf die SD-
mount ‑t tmpfs ‑o size=550M \
tmpfs‑root ${ROOT_RW}

Aber Vorsicht: Mehr Speicher für das


Overlay-Filesystem bedeutet zugleich
weniger Speicher für die Anwendungen.
Wer also mit größeren Datenbanken han-
tiert oder mit anderen Applikationen, die
viele Daten schreiben, muss nach Alter-
nativen suchen. So könnte er die Daten
auf ein Netzwerklaufwerk oder einen
USB-Stick transferieren. Letzterer eignet
sich freilich auch als Lagerstätte für ein
Overlay-Filesystem (Abbildung 3).

Häufige Schreibvorgänge
ausdünnen
Da der Raspberry Pi jetzt ruggedized ist,
sollte dessen Besitzer ihn noch für den
Langzeitbetrieb sichern. So schreibt der Abbildung 5: Während des Bootens wird die originale Fstab (oben) modifiziert (unten).
06/2017
Know-how
Kern-Technik

78
www.linux-magazin.de

Abbildung 6: Erfolg! Das Root-Filesystem ist als Overlay gemountet.

Karte versehene System zurück. Aktuali- von »/boot/config.txt« den Hashtag am beseitigen. Bleibt der Memory-Footprint
sierungen, beispielsweise mittels »apt‑get Zeilenanfang wieder. Diesmal muss er aber konstant, spricht nichts mehr gegen
dist‑upgrade«, sind in diesem Zustand das System sauber herunterfahren, und den Einsatz als eingebettetes Ruggedized
persistent. Sind alle Arbeiten erledigt, die SD-Karte arbeitet mit dem nächsten System. Und damit etwas sonst Verbote-
entfernt der Sysadmin in der letzten Zeile Start wieder im Schongang. nes ungestraft tun zu dürfen – zack: Ste-
Wegen kleiner Änderungen, die zum cker raus! – ist für den Raspberry-Pi-Fan
Temporäres Filesystem Beispiel ein Backup bewirkt, das System das Sahnehäubchen. (jk) n

Linux hat mit Kernel 2.4 die klassische RAM- rebooten zu müssen, erscheint nicht son-
Disk durch das temporäre Filesystem Tmp-FS derlich elegant. Und tatsächlich lässt sich
ersetzt. Dies hält alle Daten im Hauptspei- das System auch live in den SD-Karten- Infos
cher, auch im ausgelagerten. In Abgrenzung Schreibmodus setzen. Dafür hängt Root [1] Michael Kofler, „Raspbian-Lite für den
zur RAM-Disk benötigt ein Tmp-FS keinen das read-only eingehängte Filesystem read­only Betrieb konfigurieren“:
Dateisystemtreiber, da es direkt auf die in- neu mit Schreibrechten (read-write) ein: [https://​­kofler.​­info/​
ternen Schnittstellen für den Dateizugriff
­raspbian‑lite‑fuer‑den‑read‑only‑betrieb/]
aufsetzt. Damit arbeitet es effizienter. sudo mount ‑o remount,rw /mnt/root‑ro
[2] Quade, Kunst, „Kern-Technik“, Folge 39
Linux nutzt das Tmp-FS in diversen Varian-
ten extensiv (Abbildung 6). Als Initram-FS Das Backup selbst kann Rsync erledigen. (über Initram-FS): Linux-Magazin 05/​08,
beispielsweise beherbergt es ein rudimentä- Einige Dateien und Ordner, zum Beispiel S. 98
res Userland. Dort liegen insbesondere Pro- »/etc/fstab«, »/var/«, »/tmp/«, sollte ein [3] Quade, Kunst, „Kern-Technik“, Folge 91
gramme zur Systemkonfiguration und zum Restore besser aussparen. Ein (über Overlay-Filesysteme): Linux-Magazin
Laden von Treibern. 04/​17, S. 78
sudo mount ‑o remount,ro /mnt/root‑ro
Ubuntu setzt es als so genanntes Early User- [4] Quade, „Embedded Linux lernen mit dem
land ein, um den Kernel ohne Treiber – die nach dem Schreibvorgang macht alles Raspberry Pi“: Dpunkt-Verlag, 1. Auflage,
befinden sich nämlich dann im Initram-FS –
wieder rückgängig. 2014
auszuliefern. Nach dem Laden der Treiber
[5] „Raspbian with Read-only Root“:
wechselt Ubuntu auf die eigentliche Root-
partition über und löscht das Early Userland Hart abschalten ohne Reue [https://​­www.​­raspberrypi.​­org/​­forums/​
wieder aus dem Hauptspeicher. ­viewtopic.​­php?​­f=63&​­t=161416]
Dadurch verbleiben keine überflüssigen So oder so: Bevor er sein haltbar gemach- [6] „Raspberry Pi Forum“:
Treiber oder Konfigurationen im RAM. Für tes Himbeertörtchen in den Dauerbetrieb [https://​­www.​­raspberKastenrypi.​­org/​
den User ist der Vorgang unsichtbar. Gibt es überführen kann, hat der Besitzer die ­forums/​­viewtopic.​­php?​­f=63&​­t=145084]
aktualisierte oder zusätzliche Treiber, muss Speicherauslastung über einen längeren [7] Axel Heider, „Read-only Root-FS with over-
Ubuntu im Übrigen nur das Initram-FS neu Zeitraum zu beobachen und eventuelle layfs for Raspian“: [https://​­gist.​­github.​
installieren, nicht den Kernel selbst.
Speicherfresser zu identifizieren und zu ­com/​­niun/​­34c945d70753fc9e2cc7]