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Der Prophet Jona

Kommentar mit Fragen zur Diskussion im Bibelkreis

von Torsten Schwanke

Luther, Martin - Vorrede auf den Propheten Jona

Diesen Propheten Jona wollen etliche halten, wie Hieronymus zeigt, er sei der Witwe Sohn
gewesen zu Zarpath bei Zison, die den Propheten Elias näherte zur teuren Zeit, im ersten Buch
der Könige im 17. Kap. (V. 9.) und Lk. 4. (V. 26.) nehmen dess Ursache, dass er hier sich
selbst nennt ein Sohn Amithai, das ist, ein Sohn des Wahrhaftigen, weil seine Mutter zu Elias
sprach, da er ihn vom Tod erweckt hatte: Nun weiß ich, dass die Rede deines Mundes
wahrhaftig ist.

Das glaube, wer da will, ich glaubs nicht, sondern sein Vater hat Amithai geheißen, auf
Lateinisch Verax, auf Deutsch Wahrhaftig. Und ist gewesen von Gath-Hepher, welche Stadt
liegt im Stamm Sebulon, Josua im 19. Kap. (V. 13.) Denn also steht geschrieben im 14. Kap.
(V. 25.) im andern Buch der Könige: Der König Jerobeam brachte wieder herzu die Grenze
Israel von Hemath an bis ans Meer im Blachfeld, nach dem Wort des HERRN, des Gottes
Israel, welches er geredet hatte durch seinen Diener Jona, den Sohn Amithai, den Propheten
von Gath-Hepher. Auch so war die Witwe zu Zarpath eine Heidin, wie Christus auch meldet in
Lk. im 4. Kap. (V. 26.). Aber Jona bekennt hier im 1. Kap. (V. 9.), er sei ein Hebräer.

So haben wir nun, dass dieser Jona gewesen ist zur Zeit des Königs Jerobeam, dessen
Großvater war der König Jehu, zu welcher Zeit der König Usia in Juda regierte. Zu welcher
Zeit auch gewesen sind in dem selben Königreich Israel die Propheten Hosea, Amos, Joel, an
andern Orten und Städten. Daraus man wohl nehmen kann, wie ein trefflicher, teurer Mann
dieser Jona im Königreich Israel gewesen ist, und Gott große Dinge durch ihn getan hat,
nämlich, dass durch seine Predigt der König Jerobeam so glückselig war, und gewann alles
wieder, was Hasael, der König zu Syrien, hatte dem Königreich Israel abgeschlagen.

Aber das ist über alles, was er in seinem Volk getan, dass er ein solch großes mächtigs
Königreich zu Assyrien angreifen kann, und so fruchtbar predigt bei den Heiden, der bei den
Seinen nicht so viel hätte mögen mit vielen Predigten ausrichten; als wollte Gott damit
anzeigen den Spruch Jesajas: Wer es nicht gehört hat, der wird es hören. Zum Exempel, dass
alle, die das Wort reichlich haben, dasselbe verachten, und die es nicht haben können, es gerne
annehmen. Wie Christus in Matth. 21. (V. 43.) selbst sagt: Das Reich Gottes wird von euch
genommen und den Heiden gegeben, die ihre Früchte bringen.

FRAGE:

Habt ihr Luther verstanden? Aber so redete der Reformator. Habt ihr schon mal Texte von
Luther gelesen‘?
Einleitung aus der Einheitsübersetzung

Das Buch Jona ist keine Prophetenschrift, sondern eine Lehrerzählung über den in 2 Könige
14,25 erwähnten Propheten Jona. Der Verfasser ist unbekannt, ist aber wegen des
Spätcharakters seiner Sprache und wegen der Bezugnahme auf die bereits vor ihm liegende
Heilige Schrift unter den Schriftgelehrten des 4./ 3. Jahrhunderts vor Christus zu suchen.

Diese theologisch außerordentlich bedeutsame Parabel will nicht historisch ausgelegt werden,
weil sie offensichtlich jeden geschichtlichen Rahmen sprengt. Das 612 v. Chr. zerstörte Ninive
ist bereits zum Typus der gottfeindlichen Stadt geworden, die aber – anders als Jerusalem –
nach einem einzigen Tag prophetischer Predigt sich bekehrt und Buße tut (vgl. 3,4 f.) Im
ganzen Verlauf der Erzählung reiht sich Wunder an Wunder, womit Gott den engstirnigen und
widerspenstigen Jona zwingt, dem göttlichen Willen zum universellen Erbarmen zu dienen.
Am Ende ist Gott sogar nachsichtig gegenüber seinem eigenartigen Propheten.

Auch Parabeln können, ähnlich wie die Gleichnisse Jesu im neuen Testament, eine bedeutsame
Gottesbotschaft verkünden. Das Buch Jona ist einschließlich des Dankpsalms für die rettende
Bergung im Bauch des Fisches (Kap. 2) ein inspiriertes Lehrzeugnis für den alle Schranken
durchbrechenden allgemeinen Heilswillen Gottes, den auch seine Berufenen nicht
eigenmächtig einschränken dürfen. Wenn Mt 12,41 und Lk 11,29-32 die Bekehrung der
Niniviten als nachzuahmendes Beispiel hinstellen und Mt 12,40 die Erzählung von Jona im
Bauch des Fisches auf Jesu Begräbnis und Auferstehung hindeuten lässt, folgt daraus nicht die
Geschichtlichkeit des Buches Jona, vielmehr seine große theologische Bedeutung.

FRAGE:

Wass meint ihr, wenn der Prophet Jona gar nicht existiert hat, sondern eine literarische
Erfindung – und wenn das mit dem Walfisch gar nicht stattgefunden hat – ist dann die Bibel
für euch glaubwürdig? Oder ist die Bibel doch eben nur ein Märchenbuch?

Kapitel 1: Der Prophet flieht vor seinem Auftrag

1 Das Wort des Herrn erging an Jona, den Sohn von Amittai, er sagte zu ihm:

Jona heißt übersetzt Taube. Die Taube ist ein Symbol der Reinheit, der Liebe, der Treue, der
Geistseele, des Friedens, der Hoffnung, des Heiligen Geistes. Jona bedeutet also: Gott ist rein
und heilig, Gott ist Liebe, Gott ist ein treuer Bräutigam, Gott ist der Liebhaber der Seele, in
Gott ist Friede, Gott schenkt Hoffnung, Gott ist Geist.

FRAGE:

Warum kommt der Heilige Geist „wie eine Taube“? Sind die Tauben etwa nicht die „Ratten
der Lüfte“?
2 »Geh nach Ninive, der großen Stadt, und kündige ihr mein Strafgericht an! Ich kann nicht
länger mit ansehen, wie böse die Leute dort sind.«

Ninive war die Hauptstadt des assyrischen Großreichs, im heutigen Irak, das den ganzen Nahen
Osten beherrschte, eine militärische Großmacht war, an viele Götter und Göttinnen glaubte,
der politische, militärische und religiöse Feind Israels. Jona wird also zu den Heiden, zu den
Feinden Israels gesandt. Gott kündet Strafgerichte an. Auch heute gibt es Propheten, die
„Strafgerichte“ Gottes ankündigen, in Form von Erdbeben, Meeresbeben, Vulkanausbrüchen,
Taifunen, Asteroiden-Abstürze. Wenn Gott sein Strafgericht ankündigt, dann nicht, um die
Menschen ohne Hoffnung zu verdammen, sondern um den Geist der Buße, der Umkehr zu
Gott, zu erwecken. Allerdings wollen viele Christen gerne, dass der Gott des Neuen
Testaments ein liebender und barmherziger Gott ist, der keinen Zorn kennt, der keine Strafen
androht, das sei alles alttestamentlich. Die Apokalypse spricht aber auch von Zorn des
Lammes.

FRAGE:

Gibt es auch heute Prophetie? Ist Greta Thunberg eine Prophetin?

Sind Naturkatastrophen oder Pandemien Strafen Gottes oder durch die Menschen selbst
verschuldet?

3 Jona machte sich auf den Weg, aber in die entgegengesetzte Richtung. Er wollte nach
Tarschisch in Spanien fliehen, um dem Herrn zu entkommen. In der Hafenstadt Jafo fand er
ein Schiff, das dorthin segeln sollte. Er bezahlte das Fahrgeld und stieg ein.

FRAGE:

Warum ist Jona vor dem Auftrag Gottes geflohen?

Die erste Antwort könnte sein, dass er einfach vor der Größe des Auftrags zurückgeschreckt
ist. Es ist, als ob ein ammerländischer Bauer zum us-amerikanischen Präsidenten geschickt
werde. Da kann die geballte politisch-militärische Macht dem armen Prediger schon Angst
einflößen. Die zweite Antwort könnte auch dies sein: Im weiteren Verlauf des Buches sieht
man, dass Jona mit der universellen Barmherzigkeit Gottes hadert und lieber hätte, wenn Gott
den Heiden mit strafender Gerechtigkeit begegnet. Dann wäre Jona geflohen, um nicht den
Feinden Israels den Aufruf zur Buße zu überbringen. Wie dem auch sei, es gibt auch heute bei
vielen Christen ein Misstrauen Gott gegenüber, was die Berufung betrifft. So sagte eine
Christin: Ich glaube, Gott beruft mich zur Evangelisierung der indigenen Völker im
Amazonas-Gebiet, aber ich habe große Angst, dass es Gott einfallen könnte, mich zu den
Eskimos zu senden, denn da ist es mir zu kalt. Und ein Christ sagte: Es mag ja sein, dass Jesus
Menschen zur Ehelosigkeit beruft, aber ich hatte immer große Angst, dass es dem Herrn
einfallen könnte, auch mich zur Ehelosigkeit zu berufen. So ist es, wir wollen ja gerne berufen
werden, aber nur zu dem, was unseren Lebensentwürfen, unseren Plänen und Wünschen
entspricht. Wir sagen wohl zu Jesus „Herr, Herr“, wollen aber doch lieber selbst über unser
Leben entscheiden, denn wir trauen dem Herrn immer noch nicht recht und vermuten, er
könnte etwas ganz Schreckliches von uns erwarten.

FRAGE:

Habt ihr Vertrauen, dass Gott es besser mit euch meint, als ihr selbst? Wenn ihr im Vaterunser
betet: Dein Wille geschehe – habt ihr dann vielleicht Angst, das könnte tatsächlich geschehen?

So flieht also auch Jona vor dem Ruf Gottes, und zwar geht er nicht in den Nahen Osten,
sondern in den Fernen Westen, das heißt nach Tarsis. Einige fragen, wo denn Tarsis liege, aber
es scheint wohl eine phönizische Kolonie in Spanien gewesen zu sein. Spanien und die Säulen
des Herkules zwischen dem Kap Gibraltar und der Nordküste Afrikas war das Ende der damals
bekannten Welt. Die Erde war eine Scheibe, jenseits von Tarsis gibt es nur noch das
Weltmeer, das von Ungeheuern wimmelt, und am Horizont stürzt das Meer dann in den leeren
Weltraum ab, ins Nichts.

FRAGE:

Die Juden kannten Amerika nicht. Wenn nun die Bibel Gottes Wort ist, warum kommt dann
Amerika nirgends vor?

In der Bibel steht oft eine Physik der Antike, das führt dazu, dass heute viele die B ibel als
veraltet ansehen. Wie steht ihr dazu?

Der Hebräer wird von fremden Seeleuten beschämt

4 Da schickte der Herr einen Sturm aufs Meer, der war so heftig, dass das Schiff auseinander
zu brechen drohte. 5 Die Seeleute hatten große Angst und jeder schrie zu seinem Gott um
Hilfe. Um die Gefahr für das Schiff zu verringern, warfen sie die Ladung ins Meer. Jona war
nach unten gegangen, hatte sich hingelegt und schlief fest.

FRAGE

Habt ihr auch diese Seelenruhe wie Jona, in den Stürmen des Lebens euch einfach schlafen zu
legen?

Der Herr lässt Jona nicht einfach gehen. Gott braucht Jona. Er schickt einen Sturm. Der Herr
ist also mächtig, durch Wettererscheinungen seinen Willen zum Ausdruck zu bringen. Donner
und Meeresrauschen erinnerte die Menschen des Altertums an die Stimme Gottes. In unserer
modernen Zeit sind wir gewohnt, Wetterphänomene rein naturwissenschaftlich, rein
physikalisch zu erklären. Wir „glauben“ an die Naturgesetze. Uns ist die Natur nicht mehr eine
Sprache Gottes. In den Naturkatastrophen unserer Zeit sehen wir die wissenschaftlich
erklärbaren Gesetze, Folgen menschlicher Umweltverschmutzung, und versuchen, das mit
politischen, naturwissenschaftlichen und technischen Mitteln zu bekämpfen, erkennen aber
nicht, dass die Schöpfung gegen die sündige Menschheit rebelliert und dass „Mutter Natur“ in
ihrem Ächzen und Krächzen uns aufruft, zu Gott dem Schöpfer zurückzukehren. Wir sind
Materialisten geworden.

Was meint ihr, was hat die „Klimakatastrophed“ mit Gott zu tun? Was würde Jesus dazu
sagen? Unbd in der Pandemie – ist unsdere Hoffnung der Impfstoff oder ist auch hier unsdere
Hoffnung Jesus?

Die Menschen sind aber dennoch rettungslos religiös, und so sehen wir die Heiden auf dem
Schiff zu ihren Naturgöttern beten. Die Phönizier beteten vielleicht zu ihrem fischgestaltigen
Gott Dagon. Die Griechen beteten vielleicht zum Gott Okeanos oder zu den Doriden, seinen
fünfzig Töchtern, oder zu den Windgöttern wie Äolus oder Boreas, die Römer beteten
vielleicht zu Neptunus, dem blauhaarigen Meeresgott mit dem Dreizack. De spanischen Kelten
beteten vielleicht zu ihrer Weißen Dame, der Göttin der Kelten in Iberien.

FRAGE:

Zu welchen Göttern oder höheren Mächten beten heute die Menschen? Und die Christen –
beten sie überhaupt? Glauben die Christen überhaupt noch, dass Gebete „was nützen“?

Was sind die Götter? Die Bibel nennt sie einerseits nur „Machwerke von Menschenhänden“.
Zum Beispiel, wer war Aphrodite? Für ihre Statuen, von großen Künstlern geschaffen, standen
die schönsten Hetären (das waren gebildete Freudenmädchen) Modell. So dass der
Kirchenvater Clemens von Alexandrien sagen konnte: „Wenn ihr zu Aphrodite betet, betet ihr
eure Huren an!“

Wird auch heute noch die Venus angeb etet? Etwa im Eros-Center oder Aphrodite-Club? Oder
in der „Anbetung“ von Supermodells im Bikini? Oder in der „Anbetung“ von Pop-
Prinzessinnen in Unterwäsche?

Andererseits nennt die Bibel die Götter auch „Hauchwesen“, es gibt also Götter, aber sie sind
„Dämonen“. Betet wenigsten Jona zu Jahwe? Nein, sondern er begibt sich in den „Bauch“ des
Schiffes, legt sich schlafen.

FRAGE:
Wenn die europäischen und amerikanischen Feministinnen wieder zur Mondgöttin Diana
beten, oder wenn die Hindus zu ihren drei Millionen Göttern beten oder die Afrikaner zu ihren
Geistern, was meint ihr, beten sie dann Dämonen an?

Das Buch Jona ist auch ein reiche Fundgrube für eine tiefenpsychologische Deutung. Wir
sehen in Jona auch das Problem einer Depression behandelt. Die Not ist so groß, die Angst ist
so groß, der Kummer ist so groß, dass Jona einfach die Decke über den Kopf zieht. Das
kennen wir auch, dass wir in seelischen Nöten den Kopf in den Sand stecken oder die Decke
über den Kopf ziehen oder vor Kummer einfach einschlafen. So war es, als Jesus in letzter
Einsamkeit betrübt bis zum Tode war, dass seine Freunde „vor Traurigkeit eingeschlafen“
waren.

FRAGE:

Hab t ihr so etwas auch schon einmal erlebt? Was macht ihr, wenn ihr traurig oder verzweifelt
seid, und euer Ägebet euch nicht davon befreit?

6 Der Kapitän kam zu ihm herunter und sagte: »Wie kannst du schlafen? Steh auf, rufe zu
deinem Gott! Vielleicht hilft er uns und wir müssen nicht untergehen!« 7 Die Seeleute wollten
durch das Los herausfinden, wer an ihrem Unglück schuld sei. Da fiel das Los auf Jona. 8 Sie
bestürmten ihn mit Fragen: »Sag uns: Warum sind wir in diese Gefahr geraten? Wer bist du
eigentlich? Was für Geschäfte treibst du? Zu welchem Volk gehörst du, wo ist deine Heimat?«

Der Kapitän ist ein tief religiöser Heide und weckt Jona aus seinem „apathischen Tiefschlaf“
auf und fordert ihn heraus, nun auch zu „seinem“ Gott zu beten. So ist es auch heute: Die
Christen in Europa sind „apathisch“ und „lethargisch“ geworden. Während in Deutschland von
den jugendlichen Katholiken nur noch sieben Prozent beten, beten bei den muslimischen
Jugendlichen in Deutschland siebzig Prozent. Während die Mehrzahl der europäischen
Christen nicht mehr an die Auferstehung und das Ewige Leben glauben, sondern ans Nichts
oder die Reinkarnation, glauben die europäischen Muslime fest an den Garten Eden und die
Huris, wie es ihnen der Prophet Mohammed verheißt.

FRAGE:

Die Stärke des Islam ist bedingt durch die Schwäche des Christentums in Europa. Seht ihr das
auch so? Und sind denn die Freikirchler wirklich fleißigere Beter als die Katholiken?

Auch finden wir das Phänomen, dass deutsche Atheisten und Materialisten in Krisenfällen, wie
etwa einer lebensbedrohlichen Krankheit, sich an gläubige Christen mit der Bitte um hr Gebet
wenden. Manche Christen lehnen das ab und sind versucht zu sagen: Betet gefälligst selbst!
Aber so sollen die Christen „Salz der Erde“ sein, die die Welt vorm ewigen Verfaulen
bewahren, indem sie „stellvertretend“ für andere ihnen das Heil erflehen. Viele Menschen
kommen in die Hölle, weil niemand für sie betet. Umgekehrt ist es ebenso wahr: Viele
Menschen kommen in den Himmel, weil Christen ihnen das Heil erfleht haben.

FRAGE:

Bitten euch Menschen um euer Gebet? Tgraut ihr euch, zu Ungläubigen zu sagen: Ich bete für
dich? Betet ihr überhaupt für andere oder lieber nur für euch selbst?

Zurück zu Jona: Der Kapitän und die Seeleute suchen nun einen Schuldigen für „den Zorn der
Götter“, und da befragen sie Jona, ob er eventuell der „Frevler sei, der den Zorn der Götter
provoziert habe“. Sie erkundigen sich nach seiner Person, nach seinem Volk, nach seiner
Religion, und welchem der Götter er dient.

FRAGE:

Im Altertum hatte jedes Volk seinen Gott. Und wenn die Völker miteinander Krieg führten,
führten auch die Götter der Völker Krieg. So ist es auch im berühmten Trojanischen Krieg von
Homer. Nun kommt der Gott Israels, und behauptet, er sei der einzige existierende Gott. Ist
das „rassistisch“? Oder ist das die Hoffnung auf Völkerfrieden, wenn es nur einen Vater im
Himmel gibt, und alle Menschen sind Brüder? Will Gott, dass alle Menschen Christen werden?
Oder ist die Vielzahl von Religionen von Gott gewünscht? Was sagt ihr zu den deutschen
Neonazis, die wieder die alten germanischen Götter Odin und Thor ausgraben? Oder im ersten
Weltkrieg: Kämpfte da der „deutsche Heiland“ gegen den „russischen Christus“?

9 Jona antwortete: »Ich bin ein Hebräer und verehre den Herrn, den Gott des Himmels, der
Land und Meer geschaffen hat.« 10 Er sagte ihnen auch, dass er auf der Flucht vor dem Herrn
war. Da bekamen die Männer noch mehr Angst und sie fragten ihn: »Wie konntest du das tun?
11 Was sollen wir jetzt mit dir machen, damit das Meer sich beruhigt und uns verschont?«
Denn es war inzwischen noch stürmischer geworden.

Hierauf erwacht in Jona wieder sein Glaube, den er in seiner Mutlosigkeit fast ganz
aufgegeben hatte. Er erinnert sich, dass er zum auserwählten Volk Gottes gehört, dass er an
den „Vater im Himmel“ glaubt, den „Gott der Götter, den einzigen Gott“, den Schöpfer von
Himmel, Erde und Meer. Er gibt ein Zeugnis seines Glaubens ab. Wir sehen ihn nicht, wie
gewisse Missionare, mit listiger Taktik der Diskussion die anderen Menschen von seinem
Glauben zu überzeugen, oder eigentlich, sie zu überreden. Er redet einfach von seinem
Glauben und überlässt es Gott, ob das eine oder andere Wort seines Zeugnisses in dem einen
oder anderen Menschen Glauben findet.

FRAGE:

Glaubt ihr, dass man Menschen mit logischen Argumenten vom christlichen Glauben
überzeugen kann? Oder wie kann man Menschen zu Christus führen? Wer hat euch zu
Christus geführt, und wie? Wollt ihr überhaupt Menschen zu Jesus führen? Oder denkt ihr:
Jedem Tierchen sein Pläsierchen, soll jeder glauben, was er will?

Jona ist vor seiner Mission in den Nahen Osten geflohen, aber er ist dennoch der Berufene,
und so, fast gegen seinen Willen, beginnt nun eine missionarische Aktivität im Fernen Westen.

FRAGE:

Habt ihr schon mal erlebt, dass Gott etwas anderes von euch wollte als ihr? Und dass Gott sich
dennoch durchgesetzt hat?

Aber Jona, nach seinem Bekenntnis zum Herrn von allem, gesteht auch, dass er auf der Flucht
ist vor dem Einen und Allmächtigen. Die Heiden erschrecken. Sie sind es gewohnt, dass die
Götter in ihrem Zorn durch Opfer, ja, sogar durch Menschenopfer zu versöhnen sind. Und so
fragen sie, was sie tun müssen, um das Meer zu beruhigen. Sind erkennen oder ahnen
zumindest, dass Jona „einen besonderen Draht zur Gottheit“ hat und fragen ihn um Rat. Fast
kann man ihre Gedanken lesen: Wen oder was müssen wir opfern, um die erzürnten
Meeresgötter zu befriedigen?“ Menschenopfer waren im vorchristlichen und nichtjüdischen
Altertum weit verbreitet, bei den Völkern des Nahen Ostens, aber auch die Griechen brachten
der Göttin Artemis Menschenopfer dar, auch die Kelten und Germanen kannten
Menschenopfer. Jahwe lehnt (in der Geschichte von der Opferung Isaaks) Menschenopfer ab.
Die Propheten schelten, weil die Israeliten wie die Kanaanäer „ihre Kinder durchs Feuer gehen
ließen“, das heißt, ihre Kinder verbrannten als ein Menschenopfer an den Götzen oder Dämon
Moloch. Die Bibel spricht auch vom „Aufschlitzen der Schwangeren“.

FRAGE:

Werden auch heute dem Moloch Kinderopfer gebracht? In der weltweiten, millionenfachen
Abtreibung von Kindern im Mutterschoß, sehen wir da nicht, wie „die Schwangeren
aufgeschlitzt und die Kinder geopfert“ werden, auf dem Altar des Moloch, nämlich der
verantwortungslosen Sexualität und der egoistischen Selbstverwirklichung? Oder findert ihr
das übertrieben?

12 Jona sagte: »Werft mich ins Meer, dann wird es sich beruhigen. Ich weiß, dass dieser Sturm
nur meinetwegen über euch gekommen ist.« 13 Die Seeleute machten einen letzten Versuch,
durch Rudern das Land zu erreichen; doch sie schafften es nicht, denn der Sturm tobte immer
heftiger. 14 Da beteten sie zum Herrn: »Herr, strafe uns nicht, wenn wir diesen Mann jetzt
opfern müssen! Rechne uns seinen Tod nicht als Mord an. Es war dein Wille, und alles, was du
willst, geschieht.« 15 Dann nahmen sie Jona und warfen ihn ins Meer. Sofort wurde es ruhig.
16 Da packte sie alle große Furcht vor dem Herrn. Sie schlachteten ein Opfertier für ihn und
machten ihm Versprechen für den Fall ihrer Rettung.
Nun wenden sich die Heiden an „den Gott des Jona“. Statt zu „Jupiter“ beten sie nun zu
„Jahwe“, behalten aber ihre heidnische Denkweise: „Wen müssen wir schlachten, um Jehova
zu besänftigen?“ Hier sehen wir schon erste Früchte der Mission des Jona, die Menschen um
ihn herum beginnen, sich an „seinen“ Gott zu wenden. Aber in der Bibel geht es nicht darum,
andere zu opfern, sondern sich selbst freiwillig als ein Opfer darzubringen. Jona opfert sich
freiwillig selbst, um die Strafende Gerechtigkeit des Vaters zu „versöhnen“ (eigentlich
„versühnen“) und ist damit eine Prophezeiung auf den Menschen Jesus, der sich freiwillig
geopfert hat am Kreuz, um die Gerechtigkeit und Heiligkeit Gottes zu „versühnen“. Gott
nimmt das Opfer des Jona an, das Meer beruhigt sich. Die Heiden erkennen die Macht
„Jahwes, des Gottes des Jona“ über Sturm und Meer und preisen Seinen Willen als allmächtig.
Die ganze Menschheit hat ein einziges Menschenopfer gebracht, indem sie den Menschen
Jesus geopfert haben. „Rechne uns seinen Tod nicht als Mord an“. Nicht nur die Juden (in
Herodes) haben Jesus ermordet, auch die Heiden (in Pilatus), ja mehr noch, auch „die Christen
sind Gottes-Mörder“ (im Apostel und Bischof Judas Iskarioth). Jesus hat sich ins „Meer des
Todes“ werfen lassen, um den „Sturm des Zornes Gottes über die Sünde zu versühnen“.

Das bringt uns auf die Frage nach dem (Selbst-)Opfer in unserem Leben. Viele Christen sagen:
Das Opfer Jesu genügt, wir müssen keine Opfer bringen. Sie berufen sich auf das Wort:
„Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer“. Aber in Wahrheit sollen wir „unsere Leiber als
wohlgefällige Opfer dem Herrn darbringen“, wie Paulus sagt. Liebe gibt es nicht ohne Opfer.
Wenn ein Mann einer Frau sagt, er liebe sie, aber nicht bereit ist, für sie auch Opfer zu
bringen, ist seine Liebeserklärung nur Süßholzgeraspel. Wir sehen es an unseren lieben Frauen.
Wie bringen die Mütter Opfer für ihre Kinder. Sind die Kinder klein, opfern die Mütter ihren
Schlaf. Auch wenn die Mutter pubertierende Jünglinge hat, liebt sie sie weiterhin, ohne im
mindesten Liebe und Dankbarkeit bei ihnen zu ernten. Das ist opferbereite Liebe. Die Mütter
werden so zur Ikone der „selbstlosen Liebe Gottes“.

FRAGE:

Kennt ihr den Ausdruck: Gott ein Opfer bringen? Habt ihr schon einmal für einen geliebten
Menschen ein Opfer gebracht? Was meint ihr dazu, dass unter den heutigen Jugendlichen „du
Opfer“ ein Schimpfwort geworden ist?
Der Prophet Jona

Kapitel 2: Ein Gebet in höchster Not

1 Der Herr aber ließ einen großen Fisch kommen, der verschlang Jona. Drei Tage und drei
Nächte lang war Jona im Bauch des Fisches.

Wir erinnern uns, dass das Buch Jona eine Art „philosophischer Roman“ ist, kein „historischer
Bericht“. Darum ist es auch müßig, darüber nachzudenken, was für eine Art Fisch es war, der
Jona aufgenommen hat. Manche sagen, es kann nur ein Wal groß genug sein, und ein Wal ist
kein Fisch, sondern ein Säugetier. Manche sagen, in einem Haiwal wurde schon einmal ein
Mensch gefunden. Aber der Wal oder Riesenfisch ist ein SYMBOL. Wofür steht dieses
Symbol? Jesus erklärt es: „So wie Jona drei Tage im Bauch des Fisches war, so wird der
Menschensohn drei Tage im Bauch der Erde sein.“ Jona ist also im Meer versunken. Das
„Meer“ ist in der Bibel nicht das schöne Mittelmeer, aus dem Venus aufgetaucht ist, nicht die
schöne Ostsee vom Kinderurlaub. Das Meer lag an der Küste der Heiden, der Philister und
Kanaanäer. Israel war ein Hirtenvolk, sie Liebten die Berge und die „grünen Auen“. Dagegen
steht das „Meer“ für das Chaos und den Tod. Am Anfang schwebte der Geist über dem Meer:
Der schöpferische Geist schwebte über dem Chaos der Urmaterie. Jesus gebot dem Sturm auf
dem See Genezareth und dem aufgepeitschten Meer: Jesus gebietet den dämonischen Mächten
der Tiefe, des Chaos, des Unheils und des Todes. In der Johannes-Offenbarung heißt es: „Und
das Meer wird nicht mehr sein“, das heißt: Im Himmel gibt es kein Chaos mehr, keine
Abgründe der Trauer, keine Tiefen des Totenreichs. Und in diesem „Meer des Todes“ sind nun
Jona und Jesus versunken. Aber da sind sie nicht in der „Leere“, im „Nichts“ versunken (wie
im Buddhismus), sondern sie sind gewissermaßen auch noch im Tode „geborgen“: Jona „im
Bauch des Fisches“, Jesus „im Schoß der Erde“. Der Tod – Geborgenheit im Mutterschoß! Ein
schönes Bild. Der Tod nicht als Sensemann, ein Skelett mit einer Sense, sondern als Mutter. Im
berühmten „Sonnengesang“ des heiligen Franziskus heißt es: „Sei gepriesen, Herr, von Bruder
Tod!“ Im Italienischen heißt es aber: „Sorella Morte“: „Schwester Tod“. Wenn die katholische
Kirche einen Menschen heilig spricht und damit sagt, dass er oder sie definitiv im Himmel ist,
feiert die Kirche den irdischen Todestag als himmlischen Geburtstag: Der Tod ist eine Geburt
in den Himmel. Der Tod ist ein Mutterschoß, der uns in den Himmel gebiert! So sagt es auch
ein Witz: Zwei Zwillinge als Embryos unterhalten sich im Schoß der Mutter darüber, „ob es
ein Leben nach dem Mutterschoß gibt“: Nein, sagt der eine, nach dem Mutterschoß gibt es nur
das Nichts, doch, sagt der andere, nach dem Mutterschoß schaue ich das Angesicht der Mutter!
So gibt es für Jona auch in der tiefsten Versunkenheit in Trauer, in der Verlorenheit, noch die
Geborgenheit bei Gott. Nach dem terroristischen Anschlag auf die twin-towers in den USA
sagte eine evangelische Bischöfin: „Wir fallen nicht ins Nichts, niemand kann tiefer fallen als
in die Hand Gottes!“ Paulus sagte in Athen: „In Gott leben, weben und sind wir“, wir sind also
gewissermaßen in Gottes Mutterschoß verborgen und geborgen, bis wir in den Himmel
geboren werden und das Angesicht unseres Vaters im Himmel schauen.

FRAGE:

Habt ihr schon einmal den Tod als eine ‚Geburt ins ewige Leben betrachtet?
Kennt ihr das Gefühl, auch in Trauer und Not in Gott geborgen zu sein?

2 Dort betete er zum Herrn, seinem Gott: 3 »In meiner Not rief ich zu dir, Herr, und du hast
mir geantwortet. Aus der Tiefe der Totenwelt schrie ich zu dir und du hast meinen Hilfeschrei
vernommen.

Jona betet: In meiner Not betete ich zu dir, aus der Tiefe betete ich zu dir! Das finden wir auch
in vielen Klagepsalmen: Aus der Tiefe rufe ich zu dir: de profundis, domine! Wir wundern uns
nur, wie schnell Jona bekennen kann: Und du hast mir geantwortet, du hast meinen Hilfeschrei
vernommen! Das können wir uns nur so erklären, dass der Jona-Text sehr knapp eine lange
Erfahrung zusammenfasst.

FRAGE:

Denkt ihr manchmal: Ich schrie zum Herrn, und er schwieg? Ich schrie zum Herrn um Hilfe,
und er ließ mich im Stich!?

Es heißt zwar bei Johannes: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott
war das Wort“ - Gott ist ein redender, ein sprechender Gott. Aber machen wir nicht auch oft
die Erfahrung, dass Gott „ein schweigender Gott“ ist, dass unsre Gebete nicht durch die
Zimmerdecke dringen, dass Gott „sich die Ohren zugestopft hat“? Dann möchten wir Johannes
umdichten und sagen: „Am Anfang war das Schweigen, und das Schweigen war bei Gott, und
Gott war das Schweigen!“ Ja, Gott spricht, er offenbart sein Innerstes im Wort, das Jesus ist,
aber Gott ist kein Schwätzer, Gott kann auch schweigen. „Reden ist Silber, Schweigen ist
Gold“, sagt der Volksmund. „Wenn er geschwiegen hätte, wäre er weise gewesen“, sagt die
Bibel. Können wir auch Gottes Schweigen aushalten? Und auf unserer Seite: Schreien wir
immer nur zu Gott, schwatzen wir vor Gott, labern ihn voll? Oder schweigen wir auch einmal
vor Gott und lauschen einfach nur? Oder kann es nicht eine sehr intime Vereinigung mit Gott
sein, wenn der schweigende Gott und der schweigende Beter einfach nur miteinander
schweigen? Ist es nicht ein Zeichen von Liebenden, Mann und Frau, dass sie miteinander
schweigen können? Und im tiefen Schweigen Gottes und des Beters bildet sich dann vielleicht
doch ein Gedanke, eine Eingebung, ein leises Wort, so dass wir dann doch sagen können: „Und
du hast mir geantwortet, Herr?“

4 Du hattest mich mitten ins Meer geworfen, die Fluten umgaben mich; alle deine Wellen und
Wogen schlugen über mir zusammen. 5 Ich dachte schon, du hättest mich aus deiner Nähe
verstoßen, deinen heiligen Tempel würde ich nie mehr sehen. 6 Das Wasser ging mir bis an die
Kehle. Ich versank im abgrundtiefen Meer, Schlingpflanzen wanden sich mir um den Kopf. 7
Ich sank hinunter bis zu den Fundamenten der Berge und hinter mir schlossen sich die Riegel
der Totenwelt.

Wir finden, dass hier vom Ertrinken eines Menschen im Meer gesprochen wird. Von Gefühlen
oder Gedanken ist nicht die Rede. Oder doch? Denn man kann die Bibel auch
tiefenpsychologisch auslegen, und dann sehen wir hier in poetischen Bildern ausgedrückt den
Seelenzustand einer klassischen Depression. Ein achtzehnjähriger Mann in seiner Reifekrise
hat das Gefühl, im Sumpf zu versinken oder im Treibsand, und je mehr er strampelt, desto
tiefer versinkt er. Kein Freund und keine Geliebte reicht ihm die rettende Hand.

FRAGE

Habt ihr so etwas schon mal erlebt?

Es gibt zwei Formen von Depressionen: endogene und exogene. Die endogene Depression ist
die Folge einer biochemischen Störung im Gehirn („zu wenig Glückshormone“) und wird vor
allem mit Medikamenten behandelt. Die exogene Depression ist eine Lebenskrise, oft eine
Sinnkrise, und wird vor allem mit Seelsorge und Psychotherapie behandelt. Beide
Depressionen fühlen sich aber an wie ein Versinken im Meer, in einem Abgrund, in der
dichtesten Nacht, in der kein Stern mehr scheint. Solche Menschen finden sich in unserem
Jona-Text wieder. Ohne dass sie schon an die Rettung glauben können, ist es für sie tröstlich,
solche Texte in der Bibel zu finden, denn dann fühlen sie sich vom Heiligen Geist verstanden:
„Mir geht es grottenschlecht, aber Gott fühlt mit, wie es mir geht. Gott weiß um mein
Herzeleid, Gott kennt es, Gott ist da.“

FRAGE

Habt ihr auch schon Bibelstellen gefunden, wo ihr gedacht habt: Guck, Gott weiß ganz genau,
wie es mir geht? Fühlt ihr euch von Gott verstanden?

Viele Christen sagen: „Nach Regen kommt Sonnenschein und nach dem Kreuz kommt auch
wieder die Auferstehung.“ Und sie tun so, als ob Gottes Gnade nur dann da ist, wenn die Sonne
wieder scheint. Das ist oberflächlich. In Wahrheit ist Gott auch da, wenn wir in Nacht
versunken sind: „Der Himmel trauert mit dir!“ Menschen, die in der Finsternis versunken sind,
werden oft angefochten von Selbstmordgedanken: „Lieber der Tod als diese unerträglichen
Leiden!“

FRAGE:

Kann der Glaube gegen die Anfechtung zum Selbstmord helfen? Ist es einem Christen erlaubt,
Selbstmord zu begehen? Oder einem anderen Menschen zum Serlbstmord zu helfen, wie in der
passiven Sterbehilfe?

Die Depression ist wie ein Trichter: Oben ist der Ring noch weit, da kann der Depressive noch
sagen: „Aber was ich auch leiden muss, ich bringe mich nicht um!“ Aber wenn keine Hilfe
kommt, sinkt der Depressive tiefer in den Trichter hinab, der Ring zieht sich immer enger um
ihn zusammen. Auf dem Boden der Verzweiflung hilft der Glaube nicht mehr. Es ist eine
Form von Wahnsinn. Menschen, die aus wahnsinniger Verzweiflung heraus Selbstmord
begehen, sollten von den Christen nicht verurteilt werden. Gott sieht ihre
Unzurechnungsfähigkeit durch ihren Wahnsinn. Beten wir, dass Gottes Barmherzigkeit auch
die Selbstmörder rettet!

FRAGE

Sind euch Menschen persönlich bekannt, die Selbstmord begangen haben? Kennt ihr
Menschen, die öfter Selbstmordgedanken haben?

Etwas anderes ist die Propaganda für den Selbstmord aus Gottlosigkeit und Atheismus heraus.
Das ist eine schwere Sünde gegen den Schöpfer und das Leben.

Erinnern wir uns, dass das Buch Jona ein Propheten-Buch ist. Und erinnern wir uns, dass Jesus
das „Zeichen des Jona“ auf sein Leben, Sterben und Auferstehen bezieht. So können wir in
diesem Versinken des Jona im Meer der Traurigkeit und des Todes auch ein Vor-Bild sehen
für das SEELISCHE Leiden des Messias. Das Mittelalter stellt uns in vielen Bildern und
Kruzifixen die KÖRPERLICHEN Leiden des Messias vor Augen: Sein Rücken ward blutig
gepeitscht, er ward angespuckt, der Dornenkranz ließ seine Stirn bluten, seine Hände und Füße
wurden von Nägeln durchbohrt, er starb am Kreuz den Erstickungstod, seine Seite wurde von
einer Lanze durchbohrt und Blut und Wasser flossen heraus. Was die Maler aber nicht zeigen
können und was viele Christen nicht bedenken, sind die SEELISCHEN Leiden Jesu.

FRAGE

Was können das für seelische Leiden Jesu gewesen sein?

Schon vor seiner Kreuzigung sagte Jesus im Garten Gethsemane: „Meine SEELE ist zu Tode
BETRÜBT!“ Am Kreuz schrie Jesus: „MEIN GOTT, MEIN GOTT, WARUM HAST DU
MICH VERLASSEN!?“ Jona sagt das so: „Ich dachte, ich sei von deinem Angesicht
verstoßen“. Jesus, der in Ewigkeit mit dem Vater eins war, „im Schoß des Vaters war“, der in
der ewigen Glückseligkeit Gottes war, der ward ein Sklave am Kreuz, „für uns zur Sünde
gemacht“, das heißt, er FÜHLTE IN SEINER SEELE unsere ganze Sünde und Schuld, unsere
Gottverlassenheit, unsern Todesschmerz, unsere inneren Höllen, unsere Verdammnis! Jesus,
der ewig glückselige Gott, empfand unsere ganze Verdammnis! Das ist das SEELISCHE
LEIDEN JESU. Wenn Jesus im Garten Gethsemane sagte: „Meine Seele ist zu Tode betrübt“,
dann war sein seelischer Schmerz dies: Er sah, dass er am Kreuz FÜR ALLE sterben wird, um
ihnen das ewige Leben zu verdienen, aber er sah auch, WIE VIELE sein Heil nicht annehmen
werden, dass er für VIELE UMSONST STERBEN WIRD. Und dennoch starb er für alle. Das
war auch ein tiefer seelischer Schmerz für Jesus. Wenn aber nun Jesus, der Sohn Gottes,
schrie: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? - Dann ist für alle kommenden
Menschen, die sich VON GOTT VERLASSEN FÜHLEN, ein abgrundtiefer Trost da: Sie sind
GOTTVERLASSEN WIE JESUS, DER GOTTVERLASSENE GOTT, so ist in ihrer
Gottverlassenheit doch Gott da: der gekreuzigte Christus!

FRAGE

Habt ihr euch auch schon mal von Gott verlassen gefühlt? War eure Seele auch schon mal zu
Tode betrübt? Habt ihr auch schon mal existentielle Todesangst gehabt?

Was Jona hier erlebt, das Versinken in der Tiefe, das nennen die Mystiker „die dunkle Nacht
der Seele“. Bei Dichtern (wie Hölderlin), die wahnsinnig geworden sind, spricht der Deutsche
von „Umnachtung“. Der Begriff „dunkle Nacht der Seele“ stammt von dem spanischen
Mystiker Johannes vom Kreuz aus der katholischen Reformation des 16. Jahrhunderts. Er
wollte eine Reform, eine Erneuerung des katholischen Lebens, ist aber von seinen Feinden,
den verweltlichten Katholiken gefangen genommen worden, in einem dunklen Kerker bei
Wasser und Brot eingesperrt, ausgepeitscht und verspottet worden. Da erfuhr er die dunkle
Nacht der Seele, er verstand Gott nicht mehr, er fühlte Gott nicht mehr. Und dennoch! Er
dichtete als ein Dichter-Mystiker ein großes Liebeslied von der Vereinigung Gottes und der
Seele (wie im Hohelied Salomos). Eine zweite Mystikerin der dunklen Nacht der Seele war
Mutter Teresa von Kalkutta. Sie wird als Missionarin der Nächstenliebe nicht nur von
Katholiken und anderen Christen verehrt, sondern auch über die Grenzen des Christentums
hinaus ist sie anerkannt und zum Sprichwort geworden: „Bin ich Mutter Teresa?“ Was aber
kaum einer weiß: Sie lebte 35 (!) Jahre in der dunklen Nacht der Seele! Sie war „umnachtet“,
von tiefer Trauer erfüllt, fühlte die süße Liebe Gottes nicht, fühlte sich verlassen und verloren.
Jedes Gebet, dass sie zum Himmel sandte, kam wie ein Pfeil in ihr Herz zurück!

FRAGE

Oder meint ihr, wenn Gott mir ganz nah ist und ich gesegnet bin, dann muss ich doch Licht
und Freude im Herzen fühlen? Und wer so verdüstert ist, der muss wohl insgeheim ein Sünder
sein?

Aber du, Herr, mein Gott, hast mich lebendig aus der Grube gezogen. 8 Als mir die Sinne
schwanden, dachte ich an dich und mein Gebet drang zu dir in deinen heiligen Tempel. 9 Wer
sich auf nichtige Götzen verlässt, bricht dir die Treue. 10 Ich aber will dir danken und dir die
Opfer darbringen, die ich dir versprochen habe; denn du, Herr, bist mein Retter.« 11 Da befahl
der Herr dem Fisch, ans Ufer zu schwimmen und Jona wieder auszuspucken.

Der Abschnitt fängt so an: „Aber du, Herr!“ Das taucht auch unzählige Mal in den Psalmen
auf. Eine heilige evangelische Diakonin („Mutter Eva“) liebte diese Formulierung sehr. Es
stimmt immer. In der Welt gibt es keine Liebe für mich, aber du, Herr, bist die Liebe! In der
Welt ist überall Krieg und Terror, aber du, Herr, bist der Friedefürst. In der Welt gibt es Mord
und Selbstmord, Abtreibung und Euthanasie, aber du, Herr, bist der Liebhaber des Lebens. In
der Welt, in Politik und Kultur und Wirtschaft herrschen Lug und Trug vor, aber du, Herr, bist
die Wahrheit. In der Welt, und oft auch in der Kirche, herrscht die Torheit, aber du, Herr, bist
die Weisheit. Und so weiter. Merken wir uns das: Aber du, Herr!

„Du hast mich lebendig aus der Grube gezogen.“ „Und der Fisch spie Jona aus.“ Das ist eine
Prophezeiung der Auferstehung Christi. Das Totenreich, der Hades, hat Jesus „ausgespien“.
Gott hat Jesus als Ersten aus dem Totenreich auferweckt. Eine jüdische Theologin meinte,
man solle nicht von Jesu „Auferstehung“, sondern seiner „Auferweckung“ durch Gott
sprechen. Das Neue Testament nennt Gott Vater den, der Jesus auferweckt hat, Jesus, den
Gottessohn, den, der aus eigener Kraft auferstanden ist, und den Heiligen Geist die Kraft der
Auferstehung. „Ich glaube an die Auferstehung der Toten.“ So heißt es im Apostolischen
Glaubensbekenntnis. Ursprüngliche Fassung: „Ich glaube an die Auferstehung des Fleisches“.
Wir werden natürlich nicht kraft unserer menschlichen Natur „auferstehen“, sondern kraft der
dreifaltigen Gottheit „auferweckt“. Wir können aber auch auf Erden schon Momente der Kraft
und Freude der Auferstehung erleben. Nur gibt es nicht wie bei manchen gewünscht einen
Dauer-Jubel und immerwährendes Halleluja-Singen, sondern wir müssen auch oft Kreuz und
Tod erleben. Doch lässt uns Gott nicht im Stich. Das sagt uns unsere Erfahrung: Wer treu bei
Gott blieb, als er das Kreuz zu schmecken bekam, der wird von Gott gesegnet mit neuen
Gnaden und Auferstehungsfreuden. Ja, das Durchschreiten der Dunkelheit bereitet
gewissermaßen den Empfang immer größerer Gnadeneinflüsse vor. Wir dürfen nur in unserm
Glauben an den Auferstandenen und die Freude des Heiligen Geistes nicht vergessen, dass zu
leben bedeutet, täglich tausend kleine Tode zu sterben. So dass Johannes vom Kreuz dichten
konnte: „Wann sterbe ich, dass ich nicht mehr sterbe?“

FRAGE

Kennt ihr das auch, Momente des Kreuzes und des Todes im Leben, Verluste, Enttäuschungen,
Verbitterung, Gram usw. und dann Momente der Auferstehung, Jubel, Freude, wo man am
liebsten „mit dem Heiligen Geist tanzen“ möchte?
Der Prophet Jona

Kapitel 3: Die erfolgreiche Bußpredigt

1 Zum zweiten Mal erging das Wort des Herrn an Jona, er sagte zu ihm: 2 »Geh nach Ninive,
der großen Stadt, und rufe dort aus, was ich dir auftrage!«

Hier wird Jona zum zweiten Mal vom Hern berufen. Bei der ersten Berufung hieß es: „Geh
nach Ninive und drohe ihr die Strafe an.“ Jetzt heißt es: „Geh nach Ninive und sage ihr, was
ich dir sage.“

FRAGE

Habt ihr schon einmal von der Notwendigkeit einer „zweiten Bekehrung“ gehört? Manche
nennen sie auch „Taufe mit dem Heiligen Geist“. Was könnte das sein?

Gott kommt dem Propheten entgegen, er legt ihm seine Worte in den Mund und verspricht
ihm, durch ihn zu reden und mit ihm zu sein. So sehen wir es auch bei anderen Propheten. Zu
Hesekiel spricht Gott: „Geh zu dem widerspenstigen Haus Israel und verkünde ihnen alles, was
ich dir sage. Aber sie sind wie Schlangen und Skorpione, ein Haus des Widerstands. Ich aber
mache deine Stirn so hart wie Diamant, fürchte dich nicht vor ihnen.“ Und zu Jeremia sagt
Gott: „Du sollst mein Mund sein. Ich mache dich zur eisernen Mauer gegen dieses Volk. Du
bekehre dich nicht zu ihnen, sondern sie sollen sich zu dir bekehren. Fürchte dich nicht, denn
ich bin mit dir.“

FRAGE

Könnt ihr auch die Worte Gottes an eure Mitmenschen weitergeben?

Wir sehen auch, dass Gott doch zu seinem Ziel kommt, nämlich Jona nach Ninive zu schicken,
obwohl Jona erst nicht wollte, aber „Gott hat ihn doch noch rumgekriegt“. So heißt es im
berühmten Sprichwort: „Gott schreibt auch auf krummen Zeilen gerade“.

FRAGE

Habt ihr in eurem Lebenslauf schon festgestellt, dass Gott auch auf krummen Zeilen gerade
schreibt, also aus unsern Dummheiten doch noch was Gutes macht?

3 Diesmal gehorchte Jona dem Herrn und ging nach Ninive. Die Stadt war ungeheuer groß;
man brauchte drei Tage, um vom einen Ende zum andern zu kommen. 4 Jona ging eine
Tagesreise weit in die Stadt hinein, dann stellte er sich hin und rief: »Noch vierzig Tage und
Ninive ist ein Trümmerhaufen!«

Ninive ist eine große Stadt. Es leben in ihr 120 000 Menschen. Wir können Ninive also mit
Oldenburg vergleichen. Die Pastorin der lutherischen Kirche würde auf dem Schlossplatz eine
Rede halten und Oldenburg den Untergang ankündigen, wenn nicht ganz Oldenburg sich zu
Jesus bekehrt. Wir hören auch heute Propheten, die in den Katastrophen, die weltweit
geschehen, einen Aufruf zur Umkehr und Bekehrung sehen.

FRAGE

Habt ihr in unsderer Zeit von Kirchenleuten oder Predigern schon gehört, dass sie das Volk in
dieser Krisenzeit zur UMKEHR zu GOTT aufrufen?

5 Die Leute von Ninive setzten ihre Hoffnung auf Gott. Sie beschlossen zu fasten; und alle,
Reiche wie Arme, legten zum Zeichen der Reue den Sack an. 6 Jonas Botschaft war nämlich
dem König von Ninive gemeldet worden. Der stieg von seinem Thron, legte den Königsmantel
ab, zog den Sack an und setzte sich in die Asche.

Die Heiden tun also Buße. Jesus sagt im Evangelium über seine Zeitgenossen und
Volksgenossen: „Die Leute von Ninive werden kommen und euch verurteilen, denn sie taten
Buße auf die Predigt des Jona hin. Ihr aber tut nicht Buße. Und ich bin doch mehr als Jona.“
Wir sehen, dass Reiche und Arme Buße tun. Die Botschaft der Bekehrung zu Gott richtet sich
an Reiche und Arme, alle müssen sie ihr Herz von den irdischen Gütern lösen und nach den
himmlischen Gütern streben. Denn wenn die Bibel die Armen auch die Lieblinge Jahwes
nennt, so doch nicht im kommunistischen Sinn. Denn der kommunistische Materialismus ist
doch nur Sozialneid, sie wollen nur das Geld der Reichen, sie hängen genauso am Geld wie die
Reichen. Ein Armer, der nur nach Geld strebt, ist in Jesu Augen reich, und ein Reicher, der
sein Herz nicht an seinen Besitz hängt und mit seinem Geld viel Gutes tut, ist in Jesu Augen
arm. „Selig sind, die arm im Geiste sind“, die nicht nach irdischem Hab und Gut streben,
sondern nach den himmlischen Schätzen, nach der Liebe und Weisheit Gottes allein. Wir
sehen auch, dass der König von Ninive der Anführer der Buße ist. Stellen wir uns wieder
Oldenburg vor, das auf die Bußpredigt der Pastorin Buße tut: Der Bürgermeister von
Oldenburg geht voran und weiht sich und seine Stadt öffentlich dem Herzen Jesu.

FRAGE

Was heißt das eigentlich, „Buße tun“? Und müssen Christen auch Buße tun? Und wenn ja, wie
geht das, wie macht man das? Tut ihr Buße?
Dass sich mi der Bekehrung des Königs auch das Volk bekehrt, das war auch die Strategie der
christlichen Missionare im Altertum undd frühen Mittelalter. Zum Beispiel in den
skandinavischen Ländern bekehrten die Missionare die Könige, die daraufhin die Ausbreitung
des Christentums im ganzen Land erlaubten, es wurde getauft, gepredigt, Klöster und Kirchen
gebaut. Noch im sechzehnten Jahrhundert versuchten die christlichen Missionare diese
Strategie in China: Bekehren wir den Kaiser von China, dann erlaubt er die christliche Mission
im ganzen Land, so christianisieren wir China. Das war damals gescheitert, der Kaiser
bekehrte sich nicht. Viele moderne Christen lehnen diese Missionsstrategie ab. Ich finde, wir
sollten unsere christlichen Väter und Mütter nicht hochmütig verurteilen, sie haben es
geschafft, aus einem heidnische Europa ein christliches Europa zu machen (das heute fast
schon wieder Geschichte ist).

FRAGE

Wie steht ihr zur Christianisierung Europas? Gab es je ein christliches Europa? Und wenn ja,
woran ist es zugrunde gegangen?

Nur hat dieses Prinzip: Erst der König, dann das Volk, auch negativ funktioniert. Nach der
europäischen Glaubensspaltung im 16. Jahrhundert und dem verfluchten Dreißigjährigen Krieg
legten die Fürsten für ihre Untertanen die Konfession fest, katholisch oder evangelisch.

FRAGE

Ist für euch die Spaltung der Christenheit in katholisch, orthodox und protestantisch ein Fluch
oder ein Segen?

Heute ist weltweit die Missionsstrategie eine andere. Zum Beispiel in Indien wenden sich die
Missionare vor allem an die Ärmsten der Armen, die vom hinduistischen Kastensystem
ausgestoßenen Unberührbaren. Die Missionare wenden sich an das Volk, hauptsächlich an die
Armen.

FRAGE

Was habt ihr gehört von der Art und Weise derr Christen, zu missionieren? Und – müssen wir
alle Missionare in Deutschland sein, um Seelen zu Jesus zu führen? Beginnend bei den eigenen
Kindern (oder Eltern)?

7 Er ließ in der ganzen Stadt ausrufen: »Hört den Befehl des Königs und seiner Minister:
›Niemand darf etwas essen oder trinken, weder Mensch noch Rind noch Schaf! 8 Menschen
und Vieh sollen den Sack anlegen und laut zu Gott rufen. Alle sollen von ihrem bösen Weg
umkehren und aufhören, Unrecht zu tun.

Wir sehen hier, dass zur Buße nicht nur Bekehrung und Gebet gehört, sondern auch das Fasten.
Das Fasten ist in der zeitgenössischen Christenheit fast vergessen. „Durch Fasten können
Kriege und Naturkatastrophen aufgehalten werden.“ Ein starkes Wort. Wessen Evangelium
aber dies ist: „Lasst uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot“, der wird am Fasten
keinen Geschmack finden. Protestanten reden sich oft heraus, das Fasten sei eine katholische
Sache. In der Welt von heute ist allerdings ein anderes „Fasten“ populär, nämlich die strenge
Askese einer Diät, um – abzunehmen. So kennen wir auch moderne Christinnen, die fasten für
eine gute Bikinifigur“.

FRAGE

Habt ihr schon mal gefastet? Was ist der Sinn des christlichen Fastens? Oder lehnt ihr das
Fasten ab?

Aber uns fällt besonders auf, dass nicht nur die Menschen Buße tun und fasten, sondern auch
die Tiere. Das amüsiert uns oberflächlich. Wie können Tiere sich in Sack und Asche hüllen,
wie können Tiere fasten und Buße tun? Aber darin steckt, auf naive Art ausgedrückt, eine tiefe
„Schöpfungstheologie“, die wir heute so dringend nötig haben. Die Bibel schildert am Anfang
einen ungefallenen Urzustand. Da lebt der Mensch in Harmonie mit Gott, die Menschen in
Harmonie miteinander und mit der Kreatur. Mit dem Abfall des Menschen von Gott geriet
(auf wahrhaft tragische Weise) auch die Natur in einen gefallenen Zustand. So kommt es, dass
Paulus im Römerbrief davon spricht, dass „die Schöpfung in Wehen liegt, ächzt und stöhnt und
in Hoffnung erwartet das Offenbarwerden der Söhne und Töchter Gottes.“ So spricht die Bibel
am Ende von einem neuen Himmel und einer neuen Erde, in denen Gott alles in allem ist. Wir
fragen uns, ob die heute sich häufenden Naturkatastrophen Strafgerichte des Zornes Gottes
sind, die die Menschheit zur Buße aufrufen. Jesus spricht im Evangelium v,on den letzten
Zeiten, da sich Kriege und Erdbeben und Hungerkatastrophen und Seuchen häufen. So meinen
manche, dass wir heute in diesen letzten Zeiten leben, das heute die Apokalypse aktuell wird.
Vielleicht ist es nicht so, dass Gott Vater auf dem Thron uns diese endzeitlichen Katastrophen
schickt, sondern dass die Natur rebelliert gegen eine weitgehend gottlos gewordene
Menschheit. Wenn die Menschheit in ihrem gottlosen Materialismus den Menschen und die
Natur nur als tote Materie betrachtet, die nach Belieben ausgebeutet werden kann, dann
entstehen als Folge der Gottlosigkeit Armut, Hunger, Elend, Seuchen, Naturkatastrophen. Was
wir heute brauchen, ist nicht das kleingeistige Geschwätz der Politiker, ob zehn oder vierzig
Euro die CO2-Steuer kosten soll, sondern wir brauchen eine „ökologische Bekehrung“, wir
brauchen eine Bekehrung der Menschheit zu Gott dem Schöpfer, wir müssen die Schöpfung
wieder sehen als Geschenk Gottes, als Bild Gottes. Wir müssen wie Sankt Franziskus von
Bruder Sonne, Schwester Mond, Mutter Erde, keuscher Schwester Wasser, und Bruder Esel
(dem menschlichen Leib) reden. Es gibt eine „Schöpfungsgemeinschaft“ zwischen dem
Menschen und der Kreatur. Wenn der Mensch sich wieder zu Gott bekehrt, dann kommen
auch die Beziehungen unter den Menschen in Ordnung, dann endet der Klassenkampf, der
Geschlechterkampf, die Ausbeutung der Armen und Krieg und Terror, dann kommt aber auch
die Schöpfung in Ordnung, dann lieben wir die Mutter Erde, dann sehen wir die Schöpfung als
unsere Schwester an, die wir nicht vergewaltigen, sondern hüten, pflegen und kultivieren. Zu
dieser „ökologischen Bekehrung“ gehört auch die Entwicklung einer „neuen Wirtschaft“, die
nicht dem Götzen Geld dient, sondern dem Menschen, die nicht räuberisch mit der Natur
umgeht, sondern brüderlich. Allerdings ist die Alternative zum materialistischen Kapitalismus
nicht der materialistische Sozialismus, der ja de facto noch grausamer mit der Schöpfung
umging. Nur fehlen heute noch die realistischen Visionen für diese „neue Wirtschaft“.

FRAGE

Was meint ihr, was kann der christliche Glaube dazu beitragen, die Schöpfung anders zu
behandeln. Geht die Krise der Schöpfung Christen überhaupt etwas an, oder wollen wir nur
sehen, dass wir in den Himmel kommen? Kann das Christentum Visionen entwickeln einer
gerechteren Wirtschaftsordnung? Oder sind solche Fragen zu weltlich? Müssen Christen auch
Buße tun und die Schöpfung anders betrachten?

9 Vielleicht lässt Gott sich umstimmen. Vielleicht können wir seinen schweren Zorn
besänftigen und er lässt uns am Leben.‹« 10 Gott sah, dass sie sich von ihrem bösen Treiben
abwandten. Da tat es ihm Leid, sie zu vernichten, und er führte seine Drohung nicht aus.

Kann Gott etwas „reuen“? Wir Menschen können, dürfen und sollen unsre Sünden bereuen,
aber Gott sündigt ja nicht, er macht keine Fehler. Aber wir sehen hier, dass Gott sein Herz von
den Menschen bewegen lässt. Gebet bewegt das Herz Gottes! Im Christentum gibt es keinen
Fatalismus: „Allah entscheidet wie er will, und wir haben alles anzunehmen und zu gehorchen.“
Nein, Gott ist kein starrer unbeweglicher Herrscher, sondern ein liebender Vater. Wenn Gott
in seiner Gerechtigkeit Strafen androht, dann rumort es in seinem Inneren, und er hofft
insgeheim, dass die Menschen sich bekehren, und er ihnen alles verzeihen kann. Gott ist ein
gerechter Richter und ein barmherziger Vater. Das Neue Testament sagt: „Gnade lacht über
das Gericht!“ Zu einer polnischen Mystikerin sagte Jesus einmal: „Die Welt ist im Inneren
meiner Barmherzigkeit tiefer geborgen, als ein Kind im Schoß seiner Mutter!“ Das hebräische
Wort für Barmherzigkeit leitet sich ab vom Wort Mutterschöße. Gottes Barmherzigkeit wohnt
in Gottes Mutterschoß. Man sagt: „Wer nicht durch seine Buße durch das Tor der göttlichen
Barmherzigkeit zu Gott gehen will, der muss durch das Tor der göttlichen Gerechtigkeit zu
Gott gehen, und da wird es ihm schwer, seine Seele zu retten.“ Die heutigen Propheten sagen:
„Jetzt ist die Zeit der Gnade und Barmherzigkeit, bekehrt euch, solange es noch Zeit ist, denn
es wird eine Zeit der Gerechtigkeit kommen.“ Bewegen wir also das barmherzige Herz des
Vaters durch unsere Gebete für uns und für die ganze Welt. „Betet, betet, betet, euer Leben
soll vollständig zum Gebet werden!“ Uns muss das Gebet wie das Atmen sein!

FRAGE

Macht Gott eh, was er will? Oder bewegen ihn unsere Gebete? Warum überhaupt beten, da
Gott ja schon weiß, was er vorhat. Und nützt es etwas, wenn im Ipweger Moor sieben Christen
für ein Ende des Bürgerkriegs in Syrien beten? Oder haben wir schon aufgegeben, an die
Macht des Gebetes zu glauben? Oder lässt uns das Schicksal der Welt kalt und gleichgültig?
Der Prophet Jona

Kapitel 4: Gottes Menschenliebe geht seinem Erwählten zu weit

1 Das gefiel Jona gar nicht und er wurde zornig. 2 Er sagte: »Ach Herr, genau das habe ich
vermutet, als ich noch zu Hause war! Darum wollte ich ja auch nach Spanien fliehen.

Im ersten Kapitel war die Frage, warum Jona nicht nach Ninive ging. Ich sagte: Weil er die
Botschaft der Barmherzigkeit nicht den Feinden Israels verkünden sollte. Eine alte Schwester
sagte: Das hört sich ja schön an, aber Jona hatte einfach Angst vor solch einer großen Stadt
und solch einem mächtigen König. - Die Bibel legt sich selbst aus. Hier finden wir die
Antwort: Jona wollte nicht Gottes Barmherzigkeit den Heiden bringen.

FRAGE

Gibt es solche Typen auch heute in der Christenheit?

Ich wusste es doch: Du bist voll Liebe und Erbarmen, du hast Geduld, deine Güte kennt keine
Grenzen. Das Unheil, das du androhst, tut dir hinterher Leid.

Hier finden wir den „Gott des Alten Testaments“. Viele Christen lieben nur das Neue
Testament (eine uralte Irrlehre) und nennen den „Gott des Alten Testaments einen Gott des
Zornes und der Rache“. Im Grunde ist das Gnostizismus, denn die Gnostiker unterschieden
zwischen dem „bösen Schöpfergott Zebaoth“ und dem „lieben Vater Jesu“, was natürlich
Unsinn ist. Wir sehen, wie das Buch Jona hier Formeln für Gott wiederholt, die im ganzen
Alten (oder Ersten) Testament verstreut sind: Gott ist 1. gnädig, 2. barmherzig, 3. geduldig, 4.
langmütig, 5. langsam zum Zorn, 6. treu und 7. wahrhaftig. Wenn das nicht ein schöner,
liebenswerter Gott ist, dann weiß ich nicht weiter.

FRAGE

Und haben wir auch etwas von diesen Wesenszüghen Gottes 1 – 7? Erforschen wir unser
Gewissen, tun wir Buße, bitten wir Gott um unsere Heiligung?

3 Deshalb nimm mein Leben zurück, Herr! Sterben will ich, das ist besser als weiterleben!« 4
Aber der Herr fragte ihn: »Hast du ein Recht dazu, so zornig zu sein?«

Wir gewinnen einen Einblick in Jonas Seele (Psyche). Bei der geringsten Frustration wünscht
er sich den Tod. - So wie wir auf Erden wohl nie verstehen werden, warum Glück und Unglück
so ungleich verteilt sind, so bleibt es vielleicht auch ein Geheimnis, warum einige Menschen
einen unbändigen Lebenswillen haben und selbst im Konzentrationslager von Nazis oder
Kommunisten das Leben bejahen, dagegen andere mit einem derart schwachen Lebenswillen
ausgestattet sind, dass sie oft schon in der Jugend beim ersten Liebeskummer ihre Vernichtung
wünschen und Selbstmord begehen. Der katholische Dichter Reinhold Schneider, im
Widerstand gegen Hitler aktiv, der in seiner Jugend einen Selbstmordversuch unternahm,
schrieb, dass es „geborene Selbstmörder“ gibt. Er nannte übrigens auch die Nazi-Bande eine
„Bande von Selbstmördern“. Solch eine Bande fanden wir dreißig Jahre später auch in der
Roten Armee Fraktion. Das waren Menschen, die das Leben der anderen und ihr eigenes
zutiefst verachteten. Nach Sigmund Freund gibt es im Menschen zwei Grundtriebe, die Libido
(der Lust-Trieb) und den Thanatos (den Todestrieb). Warum der Thanatos, der Todestrieb, bei
manchen Menschen so stark ist, weiß ich nicht. In einem Buch mit buddhistischen Legenden
stand diese Legende: Ein buddhistischer Heiliger nahm Buddhas Lehre von der
Lebensverneinung wörtlich und wollte Selbstmord begehen, um im Nirwana vernichtet zu
werden. Da kam der buddhistische Teufel Mara in Gestalt eines nackten Weibes und wollte
den Heiligen versuchen, das Leben zu genießen. Aus der Ferne sandte Buddha seine rettende
Energie, vertrieb den Teufel, und der Heilige konnte sich das Leben nehmen. - - Auch bei den
Griechen der Antike, die von den Gelehrten immer die „heiteren Griechen“ genannt werden,
gab es den Spruch: „Wen die Götter lieben, den lassen sie jung sterben.“ Und der griechische
Tragödien-Dichter Sophokles sagte: „Besser ist es, jung zu sterben, aber noch besser, nie
geboren zu sein.“ Was ist das für eine Heiterkeit? Aber auch in der Bibel gibt es starke Worte
der Todessehnsucht. Der Prediger Salomo sagte: „Besser als die Lebenden haben es die Toten,
und besser als die Toten haben es die, die nie geboren wurden.“ Der große Hiob verflucht den
Tag seiner Geburt und wünscht sich den Tod. Der leidende Prophet Jeremia sagt: „Weh mir,
meine Mutter, dass du mich geboren hast, der ich nichts als Jammer sehen muss!“ Und Paulus
sagt: „Ich hätte nicht übel Lust abzuscheiden und beim Herrn zu sein.“ - Und das waren doch
keine Wahnsinnigen, das waren weise und heilige Männer! Die Mystikerin Mechthild von
Magdeburg aus dem 13. Jahrhundert schrieb: „Ein Mann wollte sterben, um beim Herrn zu
sein. Der Herr sagte: Warte auf mich! Der Mann sagte: Aber es verlangt mich so sehr, bei dir
zu sein! Der Herr sprach: Ich begehrte dich schon vor Anbeginn der Welt! Wo zwei so große
Verlangen zusammenkommen, da ist die Liebe vollkommen.“ - Und der englische
Renaissance-Dichter Ben Jonson schrieb: „O Himmel, wenn ich mir den Tod wünsche, dann ist
es vielleicht mehr aus Lebensüberdruss als aus Liebe zu dir!...“

FRAGE

Kennt ihr die Sehnsucht, in den Himmel zu kommen? Oder seid ihr so zufrieden mit eurem
Leben, dass der Gedanke an den Tod nur schrecklich ist?

Gott entlarvt die Selbstsucht seines Erwählten

5 Jona verließ die Stadt in Richtung Osten. In einiger Entfernung hielt er an und machte sich
ein Laubdach. Er setzte sich darunter in den Schatten, um zu sehen, was mit der Stadt
geschehen würde. 6 Da ließ Gott, der Herr, eine Rizinusstaude über Jona emporwachsen, die
sollte ihm Schatten geben und seinen Ärger vertreiben. Jona freute sich riesig über diese
wunderbare Staude.

Die Rizinusstaude wuchs im Nahen Osten sehr schnell und erreichte in kurzer Zeit eine Höhe
von zwei bis drei Metern und breitete ein breites Laubdach aus, das willkommenen Schatten
dem Wanderer vor der sengenden Sonne bot. Und nun „freut sich Jona riesig“. Fast ist er
geeignet, einen charismatischen Lobpreis-Gottesdienst mit Halleluja-Gesängen und Tanz zu
feiern! Er, der kurz zuvor noch sterben wollte. Es gibt Persönlichkeiten, die sind „himmelhoch
jauchzend, zu Tode betrübt“, wie Goethe sagte. Er kannte das selbst wohl auch, denn er schrieb
nach dem Tod seiner Schwester: „Alles geben die Götter, die unendlichen, ihren Liebling ganz:
Alle Freuden, die unendlichen, alle Leiden, die unendlichen, ganz!“ In der klinischen
Psychiatrie nennt man das im Extremfall „manisch-depressiv“. Jona ist solchen extremen
Stimmungsschwankungen unterworfen. Aber wie ein moderner Songwriter schrieb: „Inner
feelings come and go“. Die Gefühle großen Jubels, großer „Freude im Heiligen Geist“ sind
kein sicherer Maßstab für eine echte Nähe zu Gott, und das Gefühl der Gottverlassenheit ist
kein Maßstab für eine wirkliche Gottesferne. Gerade die Kreuzes-Mystik sagt, dass in
Momenten der Gottverlassenheit in Wahrheit Gott uns besonders nah ist. Wir sehen aber den
liebevollen Gott sehr geduldig und einfühlsam mit Jonas Stimmungsschwankungen umgehen,
fast wie ein guter Therapeut oder eine liebevolle Mutter: „Wie geht es dir, mein Kind?“

FRAGE

Kennt ihr das auch, himmelhopch jauchzernd, zu Tode betrübt? Sind in der Jugend die
Gefühle vielleicht schwankernder? Wie geht es da mit Kindern, die weinen auch und lachen im
nächsten Moment, oder wie ist das=

7 Aber früh am nächsten Morgen schickte Gott einen Wurm. Der nagte den Rizinus an, sodass
er verdorrte.

Die Rizinusstaude ist hypersensibel. Eine kleine Verletzung an ihrem Stamm lässt sofort die
ganze Staude verwelken. Ein kleiner nagender Wurm – und schon ist Jonas „riesige Freude“
wieder dahin. Ein kleiner Misserfolg in der Schule – und der Knabe wünscht sich den Tod...

8 Als dann die Sonne aufging, ließ Gott einen heißen Ostwind kommen. Die Sonne brannte
Jona auf den Kopf und ihm wurde ganz elend. Er wünschte sich den Tod und sagte: »Sterben
will ich, das ist besser als weiterleben!«

Nun ist Jona nach dem „himmelhoch jauchzend“ wieder „zu Tode betrübt“. Der Autor des
Jona-Buches stellt diese extremen Stimmungsschwankungen etwas kritisch dar. Aber Gott geht
auf die Gefühle seines Propheten ein. Gott nimmt seine seelische Unausgeglichenheit ernst. Im
Mittelalter begannen Künstler, Maria unter dem Kreuz wie eine antike Klagefrau darzustellen,
die sich beim Mit-Leiden mit ihrem Sohn auf den Boden wirft, heult und jammert, sich die
Haare rauft und an die Brüste schlägt. Aber die Kirche unterband diese Darstellungen, da es im
Evangelium heißt: „Maria STAND unter dem Kreuz.“ Daher kommt das Gedicht Stabat Mater,
„es stand die Mutter“. Maria war in ihrem Mitleiden nicht hemmungslos aufgewühlt, sondern
blieb innerlich gefasst und ertrug ihr Leiden mit „männlichem“ Mut (weiblichem Mut!). Der
römische Konsul Festus sagte zu Paulus: „Paul, du bist verrückt! Das viele Studieren hat dich
wahnsinnig gemacht!“ Aber Paulus sagte: „Nein, ich rede nicht im Wahnsinn (Manie), sondern
in Vernunft (Logos) und Besonnenheit (Sophrosyne).“ Sophrosyne ist eine Tugend, die schon
der edle Sokrates sehr hoch geschätzt hat. Zur Zeit des Paulus schrieb der römische Philosoph
Seneca von der „Gemütsruhe, die stärker ist als das Schicksal“. So empfiehlt also die Weisheit
drei Tugenden: Die Standhaftigkeit der Madonna, die Besonnenheit des Paulus, und die
Seelenruhe der Philosophie.

FRAGE

Wie schätzt ihr euch selbst ein? Wie ein stürmisch bewegtes Meer? Oderr wie ein fester Fels?
Und kann der #Glaube an Gott zu mehr Seelenruhe verhelfen?

9 Aber Gott fragte ihn: »Hast du ein Recht dazu, wegen dieser Pflanze so zornig zu sein?«
»Doch«, sagte Jona, »mit vollem Recht bin ich zornig und wünsche mir den Tod!« 10 Da sagte
der Herr: »Schau her, du hast diese Staude nicht großgezogen, du hast sie nicht gehegt und
gepflegt; sie ist in der einen Nacht gewachsen und in der andern abgestorben. Trotzdem tut sie
dir Leid. 11 Und mir sollte nicht diese große Stadt Ninive Leid tun, in der mehr als
hundertzwanzigtausend Menschen leben, die rechts und links nicht unterscheiden können, und
dazu noch das viele Vieh?«

Gott sagt hier zu Jona, dass er sich um die Assyrer kümmert. Gott kümmerte sich nicht nur um
sein Volk Israel, sondern auch um die Heiden (Nicht-Juden) und zwar auch schon vor der Zeit
Jesu, des Königs aller Völker. Im Römerbrief heißt es, dass Gott sich den Heiden offenbarte
durch die (Schönheit der) Schöpfung. In der Apostelgeschichte heißt es, Gott war den Heiden
gnädig, indem er ihnen Regen und Fruchtbarkeit – und Fröhlichkeit gab! Die apostolischen
Väter und Missionare der Urkirche bezeugten, dass Gott den Heiden auch in ihren Mythen und
vor allem in ihren Philosophien „Samenkörner der Wahrheit (logos spermatikos)“ geschenkt
habe, die es nun aufzugreifen, zu bereinigen und mit dem Christusgeheimnis zu vereinigen
gelte. (Und das gilt auch heute noch.) So gab es bei den heidnischen Völkern rund ums
Mittelmeer in den Mythen immer einen höchsten Himmelsvater und einen Sohn von ihm, von
einer Jungfrau-Mutter geboren, der (alljährlich) starb und auferstand und dessen Fleisch in den
Mysterienriten kultisch verzehrt wurde. Die Christen hielten immer sehr viel von Platon und
Sokrates, oder von Konfuzius und Lao Tse in China.

FRAGE

Gibt es Elemente der Wahrheit in anderen Religionen? Oder sind andere Religionen als das
Christentum ganz und gar vom Teufel?
Nun heißt es, dass in Ninive 120 000 Menschen wohnten. Manche sagen, es waren 120 000
Kinder! Gott liebt die Kinder! Jesu Kinderliebe war sehr groß! Die Situation der Kinder im
antiken Rom war sehr schlecht, das Christentum erst hat den Kindern die Menschenwürde
zugesprochen. Afrikanische Kinder schrieben Papst Franziskus einen Brief: „Lieber Papst,
warum müssen so viele unschuldige Kinder leiden und sterben?“ Der Papst schrieb zurück:
„Liebe Kinder, das weiß selbst der Papst nicht. Aber Gott liebt die Kinder!“ Man spricht von
„unschuldigen“ Kindern. Augustinus in seinen Bekenntnissen sagt, er war schon als Säugling
nicht so ganz unschuldig, sondern schrie, wenn er nicht sofort die Brust gereicht bekam. Aber
Kinder sind für ihre Sünden gewissermaßen noch nicht verantwortlich. Man sagt, etwa mit
dem siebten Lebensjahr beginnt das „Zeitalter der Vernunft“ und damit auch der
Verantwortlichkeit der Knaben und Mädchen für ihre Sünden.

FRAGE

Woran sehen wir, dass Jesus die Kinder liebte? Und wie ist die soziale Not von Kindern
weltweit? Abtreibung, sexueller Missbrauch, Sexsklavinnen, Kindersoldaten, Kinderhunger
und Kinderarbeit – was sagt Gott dazu?

Und Gott kümmert sich auch um die Tiere. Hier ist vor allem das zahme Hausvieh gemeint,
Schafe, Ziegen, Rinder. Aber Gott kümmert sich auch um den Schoßhund, die Hauskatze, das
Meerschweinchen und Kaninchen. Salomo sagt: Der Gerechte kümmert sich um sein Vieh.
Gott kümmert sich auch um die wilden Tiere. Tierschutz ist durchaus christlich und die
Auswüchse der Massentierhaltung kann man auch als eine Sünde gegen den Schöpfer ansehen.
Aber zuerst werden die Menschen (Kinder) genannt und dann die Tiere. Eine moderne
Ideologie, die die Frösche rettet, aber die Kinder abtreibt, ist nicht im Sinne Gottes.

FRAGE

Was meint ihr, wie denkt Gott über Tiere? Und wie sollen Christen mit Tieren umgehen?
Weder anbeten – noch ausbeuten – sondern wie?

Laut UNO werden jährlich weltweit etwa 40 Millionen Kinder abgetrieben. Aber es ist auch
heute wie damals bei den Kindern von Ninive: Sie können ihre rechte Hand nicht von der
linken Hand unterscheiden. Wer Kinder erzogen hat, weiß, dass es für Kinder gar nicht leicht
ist, den Unterschied von rechts und links zu lernen. Im übertragenen Sinn sind aber auch
unsere Zeitgenossen Kindermenschen, die Gut und Böse nicht unterscheiden können, die
Saures süß nennen und Süßes sauer.

FRAGE

Kennt ihr Beispiele für die „Welt“ von heute, wo man Gutes böse nennt und Böses gut?
GEBET DER BUSSE

Gott,

wir kommen zu dir mit einem Herzen, das erkennt, wie weit wir noch davon entfernt sind, dir
ähnlich zu sein. Wir bekennen, dass wir kleingläubig sind und zu träge zum Beten und Fasten.
Schenke uns eine zweite Bekehrung und eine Taufe mit dem Heiligen Geist, dass wir zu
brennenden Christen werden, die von Liebe zu Jesus entflammt sind und eifrig der Heiligkeit
nachjagen! Das bitten wir durch Jesus, deinen Sohn und unsern Herrn. Amen.