Sie sind auf Seite 1von 74

Jugend und Arbeit in Österreich

Berichtsjahr 2019/2020
Impressum

Medieninhaber und Herausgeber:


Bundesministerium für Arbeit, Familie und Jugend (BMAFJ)
Untere Donaustraße 13-15, 1020 Wien

Verlags- und Herstellungsort: Wien


Autorinnen und Autoren: Ingrid Nagl, Valerie Bösch, Tanja Jandl-Gartner (Abteilung
III/A/3) unter Mitarbeit von Kai Hartig, Renate Schirmbrand und Sonja Schmöckel (Abtei­
lung III/B/4a)
Übersetzung: Eva Holzmair-Ronge
Titelbild: ©istockphoto.com/Delphine Poggianti
Wien, 2020

Alle Rechte vorbehalten:


Jede kommerzielle Verwertung (auch auszugsweise) ist ohne schriftliche Zustimmung des
Medieninhabers unzulässig. Dies gilt insbesondere für jede Art der Vervielfältigung, der
Übersetzung, der Mikroverfilmung, der Wiedergabe in Fernsehen und Hörfunk, sowie für
die Verbreitung und Einspeicherung in elektronische Medien wie z. B. Internet oder CD-
Rom.

Im Falle von Zitierungen im Zuge von wissenschaftlichen Arbeiten sind als Quellenangabe
„BMAFJ“ sowie der Titel der Publikation und das Erscheinungsjahr anzugeben.

Es wird darauf verwiesen, dass alle Angaben in dieser Publikation trotz sorgfältiger Bear­
beitung ohne Gewähr erfolgen und eine Haftung des BMAFJ und der Autorin/des Autors
ausgeschlossen ist. Rechtausführungen stellen die unverbindliche Meinung der Auto­
rin/des Autors dar und können der Rechtsprechung der unabhängigen Gerichte keinesfalls
vorgreifen.

Bestellinfos: Kostenlos zu beziehen über das Broschürenservice des Sozialministeriums


unter der Telefonnummer 01 711 00-86 2525 oder per E-Mail unter broschuerenser­
vice@sozialministerium.at.

Jugend und Arbeit in Österreich 2 von 74


Inhalt

Einleitung ..................................................................................................................... 4

1 Zahlen, Daten, Fakten .............................................................................................. 5

1.1 Demografische Entwicklung ................................................................................... 5


1.2 Bildungsstand ......................................................................................................... 8
1.3 Jugendbeschäftigung und -arbeitslosigkeit ............................................................. 9
1.4 Jugendliche nach Beendigung der Ausbildung: Bildungsbezogenes
Erwerbskarrierenmonitoring....................................................................................... 17
1.5 Lehrlingsstatistik und Lehrstellenmarkt ................................................................ 18

2 Das österreichische Bildungs- und Ausbildungssystem .......................................... 23

2.1 Schule und Lehre .................................................................................................. 23


2.2 Tertiäre Bildung .................................................................................................... 29
2.3 Bildungs- und schulpolitische Schwerpunkte ........................................................ 33

3 Berufsbildung und Unterstützung am Übergang .................................................... 40

3.1 Berufs- und Bildungsinformation .......................................................................... 40


3.2 Die Lehre .............................................................................................................. 43
3.3 Übergangsmanagement Schule–Beruf.................................................................. 56
3.4 Angebote für bestimmte Zielgruppen ................................................................... 61

4 Aktivitäten der Europäischen Union ...................................................................... 67

4.1 Der Europäische Sozialfonds................................................................................. 67


4.2 Europäische Jugendgarantie ................................................................................. 68
4.3 ERASMUS+ ........................................................................................................... 69

Tabellenverzeichnis.................................................................................................... 70

Abbildungsverzeichnis ............................................................................................... 71

Abkürzungen .............................................................................................................. 72

Jugend und Arbeit in Österreich 3 von 74


Einleitung
Die Angebote der österreichischen Arbeitsmarktpolitik unterstützen Jugendliche dabei, die
für sie passende Ausbildung und einen adäquaten Arbeitsplatz zu finden. Sie reichen von
Berufsberatung und Jugendcoaching über die überbetriebliche Berufsausbildung bis hin zu
niederschwelligen Angeboten wie AusbildungsFit. Diese breit gefächerten Programme und
Projekte werden laufend adaptiert und erweitert, um den Jugendlichen bessere Chancen zu
ermöglichen, ihnen Qualifikationen und Kompetenzen zu vermitteln und eine individuellere
Unterstützung zu bieten. So wurde 2013 das Jugendcoaching flächendeckend eingeführt,
2014 AusbildungsFit pilotiert. Die 2016 beschlossene Ausbildungspflicht ist ein besonders
wichtiges Projekt. Mit der Umsetzung der AusBildung bis 18 schließt an die allgemeine
Schulpflicht eine Ausbildungspflicht an, um Jugendliche über die allgemeine Schulpflicht
hinaus zu qualifizieren und ihnen damit bessere Zukunftschancen zu ermöglichen. Aber
auch für junge Erwachsene (19- bis 25-jährige) hat die Arbeitsmarktpolitik mit der Umset­
zung der Ausbildungsgarantie bis 25 reagiert und den Fokus auf Bildung und Ausbildung
zwecks nachhaltiger Arbeitsmarktintegration gelegt.

Ziel der Broschüre „Jugend und Arbeit in Österreich“ ist es, über Bildung, Ausbildung und
Beschäftigung von Jugendlichen in Österreich zu informieren. Sie stellt insbesondere das
breite arbeitsmarktpolitische Angebot für Jugendliche dar und beschreibt Neuerungen und
Veränderungen. Wir danken allen, die an dieser Broschüre mitgewirkt und uns Informatio­
nen zur Verfügung gestellt haben und für ihre Unterstützung!

Das erste Kapitel der Broschüre gibt einen Überblick über die demografische Situation sowie
über Daten zu Bildung und Arbeit. Im zweiten Kapitel werden das österreichische Bildungs­
system und aktuelle Schwerpunkte im Bereich der Bildungspolitik beschrieben. Im dritten
Teil „Berufsbildung und Unterstützung am Übergang“ werden zunächst die Angebote zur
Berufsinformation sowie das Lehrsystem und hier insbesondere die Förderungen und
neuen Entwicklungen dargestellt. Dann wird das Übergangsmanagement Schule-Berufe mit
den arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen für Jugendliche und bestimmte Zielgruppen be­
schrieben. Das vierte Kapitel „Aktivitäten der Europäischen Union“ behandelt Initiativen
und Programme, die von europäischer Ebene ausgehen.

Jugend und Arbeit in Österreich 4 von 74


1 Zahlen, Daten, Fakten
Bevölkerung, Bildungsstand, Beschäftigung: Dieses Kapitel gibt einen Einblick zur Entwick­
lung der Bevölkerung, zur Ausbildungs- und Arbeitsmarktsituation von Jugendlichen sowie
zu Übergängen von Ausbildung zu Beruf. Dazu ziehen wir einerseits nationale Daten zu Be­
völkerung, Arbeitslosigkeit, Beschäftigung, Bildung und Lehrstellen heran. Andererseits ver­
wenden wir internationale Befragungsdaten, um die Situation Österreichs mit anderen
Ländern im Vergleich darstellen zu können.

1.1 Demografische Entwicklung

Am 1. Jänner 2020 lebten in Österreich 8.901.064 Menschen. Das bedeutet einen leichten
Zuwachs um 0,5% gegenüber 2019. Im Jahr 2000 waren es noch 8 Mio. Personen. Rund
49,2% der Bevölkerung sind männlich und 50,1% weiblich. Der Anteil der unter 20-Jährigen
ist im Jahr 2020 auf 19,3% weiter zurückgegangen (2000: 23,1%). 61,6% (2000: 61,5%) sind
Personen im Erwerbsalter von 20 bis 64 Jahren. Der Anteil der Personen ab 65 Jahren be­
trägt 19% (2000: 15,4%).1 Gründe für die leichte Zunahme der Bevölkerung sind die Zuwan­
derung und auch die positive Geburtenbilanz. Im Jahr 2019 sind 40.613 Personen mehr nach
Österreich zugezogen als das Land verlassen haben. Daher erhöhte sich die Netto-Zuwan­
derung gegenüber dem Vorjahr um rund 15%.2

Am 1. Jänner 2020 lebten insgesamt ca. 1,5 Mio. Menschen mit ausländischer Staatsange­
hörigkeit in Österreich. Das entspricht einem Anteil von 16,7% an der Gesamtbevölkerung
Österreichs. Unter den nicht-österreichischen Staatsangehörigen stammte etwas mehr als
die Hälfte (52,4%) aus anderen EU- und EFTA-Ländern. Den größten Anteil daran bilden mit
13,5% Personen aus Deutschland. 47,6% sind Drittstaatsangehörige, davon 17,3% Serbin­
nen und Serben und 16,% Türkinnen und Türken.3

Österreichs Bevölkerung wird in Zukunft stärker wachsen als zuletzt prognostiziert. Schon
ab 2030 wird Österreich bei anhaltender Entwicklung ca. 9,2 Mio. Einwohner und Einwoh­
nerinnen haben. Bis zum Jahr 2080 wird die Bevölkerung in Österreich weiterhin wachsen,

1
Quelle: Statistik Austria, Tabelle Bevölkerung seit 1869 nach Geschlecht, breiten Altersgruppen und Staatsange­
hörigkeit
2
Quelle: Statistik Austria, Pressemitteilung: 12.272-112/20
3
Quelle: Statistik Austria, Pressemitteilung: 12.274-114/20

Jugend und Arbeit in Österreich 5 von 74


und zwar auf 9,9 Mio. Menschen. Parallel dazu wird sich die Altersstruktur deutlich hin zu
den Älteren verschieben. Die Zahl der unter 20-jährigen wird zwar weiterhin steigen, aber
deren Anteil an der Bevölkerung zurückgehen (von 19,4% im Jahr 2019 auf 18,6% bis 2080),
während der Anteil der Bevölkerung im Alter von 65 und mehr Jahren von 18,8% im Jahr
2019 auf 29,3% im Jahr 2080 steigen wird4 (siehe Abbildung 1 auf Seite 6).

Abbildung 1: Bevölkerung nach breiten Altersgruppen 1950 bis 2080 (mittlere Variante)

Quelle: Statistik Austria, Bevölkerungsprognose 2018

Die Zahl der Lebendgeborenen lag in den 1980er und 90er Jahren bei durchschnittlich
90.000 pro Jahr, wobei Höchstwerte in den Jahren 1982 und 1992 erreicht wurden (siehe
Abbildung 2 auf Seite 7). Seither ist kein einheitlicher Trend mehr erkennbar und die Zahl
der Neugeborenen bewegt sich zwischen 70.000 bis 90.000 im Jahr. Die Geburtenbilanz fiel
im Jahr 2019 mit +1.566 erneut positiv aus, etwas höher als im Vorjahr (2018: +1.560). 2019
wurden 84.952 Kinder geboren5. Die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau (Gesamtfertili­
tätsrate) verringerte sich seit den 1980er Jahren von rund 1,5 auf rund 1,39 im Jahr 2009.
2019 lag die Rate bei 1,45 Kinder pro Frau. Zum Vergleich: Im Jahr 1963 hatte die Gesamt­
fertilitätsrate ein Nachkriegsmaximum von 2,82 erreicht und war somit fast doppelt so hoch

4
Quelle Statistik Austria, Tabelle: Vorausberechnete Bevölkerungsstruktur für Österreich 2018 bis 2100 laut
Hauptszenario
5
Quelle: Statistik Austria, Pressemitteilung: 12.273-113/20

Jugend und Arbeit in Österreich 6 von 74


wie heute. Laut Prognose von Statistik Austria wird bis 2040 die durchschnittliche Kinder­
zahl pro Frau bei 1,55 stagnieren6, während die Lebenserwartung für Frauen wie Männer
weiterhin steigen wird7.

Abbildung 2: Geburten und Sterbefälle 1950 bis 2080 (mittlere Variante)

Quelle: Statistik Austria, Bevölkerungsprognose 2018

Die Bevölkerungspyramide (siehe Abbildung 3 auf Seite 8) zeigt die Zusammensetzung der
Bevölkerung in Österreich für die Jahre 2018, 2030 und 20608.

6
Quelle: Statistik Austria, Tabelle Österreich: Ausführliche Tabellen der Hauptvarianten (Schnellbericht)
7
Quelle: Statistik Austria, Tabelle Bevölkerungsstand- und Bevölkerungsstruktur
8
Quelle: Statistik Austria, Bevölkerungsstand 2018

Jugend und Arbeit in Österreich 7 von 74


Abbildung 3: Bevölkerungspyramide 2018, 2030 und 2060

Quelle: Statistik Austria

1.2 Bildungsstand

Die Entwicklung des Bildungsstandes seit 1971 zeigt den Anstieg des Bildungsniveaus der
österreichischen Bevölkerung. 1971 hatten 58% der österreichischen Wohnbevölkerung
(zwischen 25 und 64 Jahren) maximal eine Pflichtschule als höchsten Bildungsabschluss. Im
Jahr 2019 betrug dieser Anteil nur mehr ca. 14%. Deutliche Zuwächse gibt es auch bei allen
weiterführenden Ausbildungen. Seit 1971 verdoppelte sich der Anteil der Personen mit
BMS-Abschluss von 7,5% auf 13% im Jahr 2019 oder mit dem Abschluss einer höheren
Schule von 6% auf 17%. 1971 hatten nur rund 3% der österreichischen Wohnbevölkerung
einen Hochschulabschluss; im Jahr 2019 betrug der Anteil 20% (darin enthalten sind auch

Jugend und Arbeit in Österreich 8 von 74


hochschulverwandte Lehranstalten); 37% der 25- bis 64-jährigen Wohnbevölkerung hatten
im Jahr 2019 einen Lehrabschluss.9

Vor allem Frauen haben in den letzten Jahrzehnten beim Bildungsstand deutlich aufgeholt:
1971 hatten 70,4% aller Frauen im Alter von 25 bis 64 Jahren einen Pflichtschulabschluss
und 1,3% einen Hochschulabschluss. Im Jahr 2019 hatten nur mehr 16% der Frauen im Alter
von 25 bis 64 Jahren einen Pflichtschulabschluss (Männer: 11%). 28% hatten eine Lehre ab­
geschlossen (Männer: 46%), 16% eine BMS (M: 9%) und 18% (M:17%) eine Höhere Schule
absolviert. 22% (M: 18%) haben eine Hochschule abgeschlossen. Unter den jüngeren Frauen
(25 bis 34 Jahre) hatten 2019 bereits 31% einen Hochschulabschluss (M: 22%).

Im EU Vergleich liegt Österreich bei Personen mit mindestens Sekundarabschluss II im vor­


deren Mittelfeld, bei Personen mit Tertiärabschluss im Mittelfeld: 2019 hatten in Österreich
87,3% der 20- bis 24-jährigen mindestens einen Sekundarabschluss II, während es im EU-
28-Durchschnitt 84% waren. Kroatien hatte mit 97,3% die höchste Quote, gefolgt von Grie­
chenland mit 94,5% und Irland. Den geringsten Anteil hatten Spanien mit 74%, Dänemark
mit 75,6% und Deutschland mit 77,5%. Der Anteil der Personen mit Tertiärabschluss (ISCED
5–8) lag 2019 in Österreich bei 42,4%10. Der EU-28-Durchschnitt betrug 41,6%. In Zypern
war der Anteil bei diesem Indikator mit 58,8% am höchsten, gefolgt von Litauen mit 57,8%
und Luxemburg 56,2%. Am niedrigsten war er in Rumänien mit 25,8%, gefolgt von Italien
mit 27,6%11.

1.3 Jugendbeschäftigung und -arbeitslosigkeit

Im Zuge der Covid-19-Pandemie ist die Jugendarbeitslosigkeit angestiegen und die Jugend­
beschäftigung gesunken. In diesem Kapitel wird anhand internationaler und nationaler Da­
ten auf die Situation vor der Pandemie eingegangen, denn 2019 sind die letztverfügbaren
Jahresdaten. Am Ende des jeweiligen Kapitels wird kurz die aktuelle Entwicklung anhand
aktueller Monatsdaten beschrieben.

9
Quelle: Statistik Austria: Tabelle B1 Bevölkerung ab 15 Jahren nach höchster abgeschlossener Schulbildung - nati­
onale Gliederung, Alter und Geschlecht - Jahresdurchschnitt 2019, Prozentanteil: eigene Berechnungen des
BMAFJ.
10
Berufsbildende höhere Schulen fallen unter ISCED 5.
11
Quelle: EUROSTAT

Jugend und Arbeit in Österreich 9 von 74


1.3.1 Arbeitslosigkeit und Beschäftigung im internationalen Vergleich
Die Beschäftigungsquote der Jugendlichen (15- bis 24-Jährigen) ist laut EUROSTAT im Jahr
2019 um 0,3 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr auf 51,6% (Männer: 53,8% +0,9 Pro­
zentpunkte, Frauen: 48,4%, -0,3 Prozentpunkte) gestiegen. Damit lag Österreich im europä­
ischen Vergleich auch im Jahr 2019 wieder an dritter Stelle hinter Dänemark mit 55,0% und
den Niederlanden mit 65,3%. Der EU-28-Durchschnitt weist 2019 bei diesem Indikator
35,8% aus (siehe Abbildung 4 auf Seite 10)12.

Abbildung 4: Beschäftigungsquote der 15- bis 24-Jährigen im internationalen Vergleich im


Jahr 2019

80,0
65,3

70,0
55,0
51,6
50,9

60,0
50,3
48,5
44,6
43,9
41,2

50,0
39,7
35,8
33,3
32,9
32,4
31,8
31,7

40,0
29,7
28,7
28,5
28,0
28,0
27,7
26,6
24,9
24,7
22,3
21,8
30,0

18,5
14,6
20,0

10,0

0,0
Deutschland
Finnland

Belgien
Schweden

Bulgarien
Irland
Estland

Lettland

Luxemburg
Niederlande

EU 28
Großbritannien

Spanien

Italien
Rumänien
Österreich

Slowenien

Zypern

Tschechische Republik

Kroatien
Malta

Frankreich

Portugal

Slowakei
Litauen

Griechenland
Dänemark

Polen

Ungarn

Quelle: ELIS; EUROSTAT-Abfrage vom 6. Mai 2020; Anmerkung: Anteil der 15- bis 24-jährigen Erwerbstätigen an
der entsprechenden Wohnbevölkerung im Jahresdurchschnitt 2019

Analytische Daten, wie z.B. der Arbeitskräfteumschlag zeigen, dass der Arbeitsmarkt für Ju­
gendliche von einer überdurchschnittlichen Dynamik gekennzeichnet ist. Der jährliche Ar­
beitskräfteumschlag dieser Altersgruppe beläuft sich auf rund 100%.

12
Quelle: EUROSTAT; Arbeitskräfteerhebung

Jugend und Arbeit in Österreich 10 von 74


Im internationalen Vergleich der Arbeitslosenquoten der 15- bis 24-Jährigen lag Österreich
im Jahr 2019 mit 8,5% - das bedeutet eine Abnahme der Arbeitslosigkeit um 0,9 Prozent­
punkte gegenüber dem Jahr 2018 (Männer: 9,2%, -0,2 Prozentpunkte; Frauen 7,8%, -1,6
Prozentpunkte) - an fünfter Stelle hinter Slowenien mit 8,1%, Niederlande mit 6,7%,
Deutschland mit 5,8% und der Tschechischen Republik mit 5,6%. Der EU-28-Deutschnitt lag
2019 bei 14,3%. Die höchste Arbeitslosigkeit der unter 25-Jährigen weisen Griechenland mit
35,2%, Spanien mit 32,5% und Italien mit 29,2% auf (siehe Abbildung 5 auf Seite 11).

Abbildung 5: Jugendarbeitslosenquoten im internationalen Vergleich im Jahr 2019

50

45

40

35,2
32,5
35

29,2
30

25

20,1
19,6
18,3
17,2
17,0
16,8
16,6
16,6
16,1

20
14,3
14,2
12,5
12,4
11,9
11,4
11,2
11,1

15
10,1
9,9
9,2
8,9
8,5
8,1
6,7

10
5,8
5,6

0
Deutschland

Finnland
Belgien
Bulgarien

Schweden
Estland

Lettland
Irland
Niederlande

EU 28

Luxemburg
Großbritannien

Italien
Spanien
Tschechische Republik

Rumänien
Slowenien
Österreich

Zypern
Kroatien
Malta

Slowakei

Portugal
Frankreich
Litauen

Griechenland
Polen
Dänemark

Ungarn

Quelle: ELIS; EUROSTAT-Abfrage vom 15. Mai 2020

Die Jugendarbeitslosenquote bezieht sich nur auf die Erwerbsbevölkerung, also auf jene
Personen, die (potentiell) arbeiten (wollen). Damit werden zum Beispiel Personen, die aus
verschiedensten Gründen keinen Job (mehr) suchen, nicht berücksichtigt. Da bei Jugendli­
chen dieser Anteil größer ist (z.B. aufgrund von Ausbildung), ist es aussagekräftiger, die ar­
beitslosen Jugendlichen im Verhältnis zur gleichaltrigen Gesamtbevölkerung zu
betrachten. Im Jahr 2019 waren in der Tschechischen Republik 1,7%, in Slowenien 2,9% und
in Deutschland 3% aller Jugendlichen von 15–24 Jahren arbeitslos. In Österreich waren es

Jugend und Arbeit in Österreich 11 von 74


4,8% (Frauen: 4,1% und Männer 5,5%). Der EU-28-Durchschnitt lag 2019 bei 6%. Am höchs­
ten war ihr Anteil in Schweden mit 11,1%, gefolgt von Spanien mit 10,7%. Bei den jüngeren
Jugendlichen im Alter von 15 bis 19 Jahre ist der Anteil der Arbeitslosen im Jahr 2019 in
Schweden mit 12%, gefolgt von Finnland mit 9,2% am höchsten. Die Tschechische Republik
hat den niedrigsten Anteil mit 1%, gefolgt von Polen mit 1,2%. Österreich hat im Jahr 2019
bei diesem Indikator einen Anteil von 3,9% (Frauen: 3%, Männer 4,7%), der EU 28-Durch­
schnitt: 3,7%. Bei den älteren Jugendlichen im Alter von 20 bis 24 Jahren ist der Anteil in
Spanien mit 16,4% und in Griechenland mit 14,4% am höchsten und in der Tschechischen
Republik mit 2,3% und Deutschland mit 3,8%, am niedrigsten. Österreich liegt mit 5,6%
(Frauen: 5%, Männer: 6,2%) an achter Stelle. Der EU-28-Durchschnitt bei diesem Indikator
lag 2019 bei 8,2%.

Die Langzeitarbeitslosenquote der Jugendlichen (12 Monate und länger arbeitslos) im Al­
ter von 15 bis 24 Jahren ist im Jahr 2019 in Dänemark mit 0,5% am niedrigsten und in Grie­
chenland mit 19% am höchsten. Österreich liegt bei diesem Indikator mit 1,5% (Frauen:
1,4% und Männer: 1,6%) an siebenter Stelle.

Die NEET-Quote (Not in Education, Employment or Training) zeigt den Anteil der Jugendli­
chen im Alter von 15 bis 24 Jahren, die keine Schule besuchen, keiner Arbeit nachgehen und
sich nicht in non-formaler Ausbildung befinden an der Wohnbevölkerung (15 bis 24 Jahre)
– ist also breiter gefasst als die Arbeitslosenquote. Dieser Indikator ist in den Niederlanden
mit 4,3% am geringsten, gefolgt von Schweden mit 5,5% und Luxemburg mit 5,6%. Öster­
reich liegt 2019 mit einem Anteil der NEET von 7,1% (Frauen: 7,3% und Männer 7%) an
achter Stelle. Der EU 28-Durchschnitt liegt bei 10,1% (Frauen: 10,4% und Männer 9,9%). Die
höchste NEET-Quote verzeichnet Italien mit 18,1% (siehe Abbildung 6 auf Seite 13).

Jugend und Arbeit in Österreich 12 von 74


Abbildung 6: NEET-Quote, 15 bis 24 Jahre, 2019

20

18,1
18

14,7
16

13,7
13,7
12,5
14

12,1
11,8
11,0
10,6
10,5
10,3
12

10,1
10,1
9,3
10

8,6
8,2
8,1
8,0
8,0
7,9
7,7
7,1
7,0
6,9

8
5,7
5,7
5,6
5,5

6
4,3

0
Deutschland

Finnland

Belgien
Schweden

Bulgarien
Luxemburg

Estland

Lettland

Irland
Niederlande

EU 28

Großbritannien

Spanien

Italien
Tschechische Republik

Rumänien
Slowenien
Österreich

Zypern
Kroatien
Malta
Portugal

Slowakei

Frankreich
Litauen

Griechenland
Dänemark

Polen

Ungarn

Quelle: EUROSTAT; Abfrage: 17. Juni 2020; die NEET-Quote ist der Anteil jener Jugendlichen, die sich weder in
Ausbildung, noch in Beschäftigung oder Weiterbildung befinden.

Nachdem sich die Lage am Arbeitsmarkt im EU-Durchschnitt in den letzten Jahren kontinu­
ierlich verbessert hat, ist die Arbeitslosenquote 2020 aufgrund der COVID-19-Pandemie und
den damit verbundenen Maßnahmen gestiegen. Dies betrifft vor allem auch Jugendliche.
Im September 2020 waren in der EU knapp 3 Millionen Jugendliche unter 25 arbeitslos (zum
Vergleich September 2019: 2,7 Mio.). Damit lag die Jugendarbeitslosenquote im EU-
Durchschnitt bei 17,1%, während sie im September 2019 noch bei 15,0% lag. Die Gesamt­
arbeitslosenquote stieg von 6,6% auf 7,5%. In Österreich ist die Jugendarbeitslosenquote
von 9,0% auf 9,4% gestiegen und die Arbeitslosenquote insgesamt von 4,5% auf 5%.13

13
Die internationale Arbeitslosenquote bildet in der jetzigen Situation die Zahl der Arbeitslosen wahrscheinlich
weniger genau ab, als normalerweise. Denn arbeitslos sind Personen, die laut Befragungsdaten innerhalb der letz­
ten vier Wochen aktiv nach Arbeit gesucht und in den nächsten zwei Wochen eine Arbeit beginnen können. Insbe­
sondere während des Lockdowns war die Möglichkeit zu Suchen und einen Job zu beginnen jedoch eingeschränkt,
zum Beispiel auch wegen Kinderbetreuung. Quelle: EUROSTAT, Abfrage vom 30.10.2020

Jugend und Arbeit in Österreich 13 von 74


1.3.2 Jugendarbeitslosigkeit und -beschäftigung in Österreich

Im Jahr 2019 ist der Bestand an unselbständiger Beschäftigung Jugendlicher (15 bis 24
Jahre) im Vergleich zum Vorjahr um -1% auf 447.461 Personen zurückgegangen (nationale
Daten). Davon sind 134.492 im Alter von 15 bis 19 Jahre und 312.969 im Alter von 20 bis 24
Jahre. Sowohl bei der Altersgruppe der 15-bis 19-Jährigen gab es einen Rückgang von 0,5%
als auch bei den 20- bis 24-Jährigen mit 1,2%.

Die Arbeitslosigkeit der Jugendlichen im Alter von 15 bis 24 Jahren reduzierte sich 2019 um
6,7% (-2.174 Jugendliche) im Vergleich zum Vorjahr. Bei 15- bis 19-Jährigen ging sie um
7,3%, bei 20 bis 24-Jährigen um 6,6% zurück (siehe Abbildung 7 auf Seite 14). Geschlechts­
spezifisch differenziert reduzierte sich die Arbeitslosigkeit der männlichen Jugendlichen um
6,9% und die der weiblichen Jugendlichen um 6,4%. Im Vergleich dazu verringerte sich auch
die Gesamtarbeitslosigkeit im Jahr 2019 um 3,5% bzw. -10.779 auf 301.328 vorgemerkte
Personen.14

Abbildung 7: Arbeitslose Jugendliche von 15 bis 19 Jahren und von 20 bis 24 Jahren – 2012
bis 2019

50.000
45.000
8.115
8.106

7.533
8.228

40.000
8.415

6.064

35.000
5.188

30.000
4.812

25.000
38.587
37.041

36.625

20.000
34.516
31.880

31.693

27.256

25.458

15.000
10.000
5.000
0
2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019

arbeitslose Jugendliche 20 bis 24 Jahre arbeitslose Jugendliche 15 bis 19 Jahre

14
Nationale Administrativdaten/ELIS

Jugend und Arbeit in Österreich 14 von 74


Quelle: AMS (nationale Daten); BALI-Abfrage: 18. Juni 2020

Die Registerarbeitslosenquote (d.h. nationale Definition) der Jugendlichen (15- bis 24-Jäh­
rigen) verringerte sich im Jahr 2019 im Vergleich zum Vorjahr um 0,4 Prozentpunkte auf
6,3%. Gemessen an der Arbeitslosenquote ist das durchschnittliche Arbeitslosigkeitsrisiko
für Jugendliche zwar etwas höher als bei bereits länger am Arbeitsmarkt etablierten Grup­
pen, gleichzeitig ist jedoch bei den unter 25-Jährigen die durchschnittliche Dauer einer Ar­
beitslosigkeitsepisode deutlich geringer als in den anderen Altersgruppen. So hat 2019 die
durchschnittliche Verweildauer, also die Dauer bis zum Abgang aus der Arbeitslosigkeit, bei
jugendlichen Arbeitslosen 62 Tage (+1 Tag über dem Niveau von 2018) betragen, während
der Gesamtdurchschnitt aller Arbeitsloser bei 121 Tagen (+4 Tage über dem Niveau des
Vorjahres) lag15.

Die Schulungsteilnahmen von unter 25-Jährigen verringerten sich im Jahr 2019 um 10,5%
auf 26.366 Jugendliche im Vergleich zum Vorjahr (Jahresdurchschnittsbestand). Sie sind da­
mit etwas stärker zurückgegangen als die Zahl aller Schulungsteilnahmen, welche um 9,9%
auf 61.959 sank. Die Schulungsteilnahmen von jungen Männern reduzierten sich 2019 um
13,2% und die der jungen Frauen um 6,7% gegenüber dem Vorjahr; siehe Abbildung 8 auf
Seite 1616. Im Jahresdurchschnitt 2019 hatten 12.343 Jugendliche einem Ausbildungsver­
trag in einer Überbetrieblichen Lehrausbildung im Rahmen der Ausbildungsgarantie. 17

Von den 25.458 arbeitslosen Jugendlichen im Alter von 20 bis 24 Jahren hatten im Jahr 2019
43% maximal einen Pflichtschulabschluss, etwa 34% hatten eine Lehrausbildung, ca. 7%
eine mittlere Ausbildung absolviert, ca. 16% verfügten über einen höheren oder akademi­
schen Bildungsabschluss (siehe auch Tabelle 1 auf Seite 16). Im Vergleich dazu hatten etwa
68% aller 20–24-Jährigen, von denen sich viele noch in Ausbildung befinden, max. Pflicht­
schulabschluss, ca. 28% einen Lehrabschluss, 9% eine mittlere Ausbildung und ca. 50% eine
höhere Schule bzw. einen Tertiärabschluss absolviert18.

15
Nationale Administrativdaten/ELIS und BALI-Abfrage vom 18. Juni 2020.
16
Quelle: Nationale Administrativdaten/ELIS und BALI-Datenbankabfrage vom 18. Juni 2020.
17
Quelle: Nationale Administrativdaten/ELIS
18
Quelle: Statistik Austria, Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung 2019; Tabelle B 1 Bevölkerung ab 15 Jahren nach
höchster abgeschlossener Schulbildung – nationale Gliederung, nach Alterskategorien und Geschlecht, Jahres­
durchschnitt 2019

Jugend und Arbeit in Österreich 15 von 74


Abbildung 8: Arbeitslose Jugendliche und Jugendliche in Schulungsmaßnahmen von 15 bis
24 Jahren – 2010 bis 2019

80.000 Jugendliche in Schulungsmaßnahmen arbeitslose Jugendliche

70.000

60.000

46.702

44.158
45.147

37.757
40.084

42.744
50.000

32.444
40.295
38.847

30.270
40.000

30.000

20.000

29.861

29.450
28.328
28.016

27.499

27.378
26.537

26.366
25.144

25.021

10.000

0
2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019

Quelle: AMS (nationale Daten); BALI-Abfrage: 22. Juli 2019

Tabelle 1: Arbeitslose Jugendliche (20 bis 24 Jahre) nach höchstem Bildungsabschluss


2012 bis 2019

Ausbildung 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019

Pflichtschule 13.825 14.729 15.725 16.329 15.352 13.162 11.291 10.951

Lehre 11.951 13.066 13.391 14.422 13.416 11.491 9.751 8.758

Mittlere Ausbildung 2.235 2.275 2.416 2.442 2.323 2.012 1.768 1.669

Höhere Ausbildung 3.762 4.317 4.833 5.263 5.435 4.945 4.377 4.016

ungeklärt 108 129 135 131 99 82 69 64

Gesamt 31.880 34.516 37.041 38.587 36.625 31.693 27.256 25.458

Quelle: BMAFJ, AMS-DWH-Abfrage vom 18. Juni 2020; die höhere Ausbildung umfasst höhere Schulen und akade­
mische Ausbildung, da in dieser Altersgruppe viele Jugendliche ihr Studium noch nicht beendet haben.

Jugend und Arbeit in Österreich 16 von 74


Im Jahr 2020 zeichnet sich, verursacht durch die COVID-19-Pandemie und -Maßnahmen
eine negativere Entwicklung ab. So gab es im Oktober 2020 mit 35.000 Personen um 19,0%
mehr arbeitslose Jugendliche als im Vorjahr und um 4,9% mehr Lehrstellensuchende. Ende
Oktober waren 7.800 Personen lehrstellensuchend und 7.300 sofort verfügbare offene
Lehrstellen beim AMS vorgemerkt bzw. beim AMS gemeldet.

1.4 Jugendliche nach Beendigung der Ausbildung: Bildungsbezogenes


Erwerbskarrierenmonitoring19

Mit dem bildungsbezogenen Erwerbskarrierenmonitoring können die Erwerbskarrieren von


Jugendlichen, die in den Jahren 2008-2016 die Schule, Ausbildung oder Universität beendet
haben, analysiert werden.

Nach einer Lehre wechseln Jugendliche besonders häufig in Beschäftigung, während nach
Pflichtschule und AHS eher fortführende Bildungswege gewählt werden. Von den Jugendli­
chen, die im Schuljahr 2015/2016 eine Lehrausbildung abschlossen hatten, waren 18 Mo­
nate nach Abschluss 74% erwerbstätig, 5% in einer weiteren Ausbildung, 10% in AMS-
Vormerkung und 11% hatten einen anderen Status. Von den BMS-Absolventen und BMS-
Absolventinnen waren hingegen 43% in Beschäftigung, 41% in Ausbildung, 4% in AMS-
Vormerkung und 11% hatten einen sonstigen Status. Bei den AHS-Maturanten und AHS-
Maturantinnen absolviert der Großteil eine weitere Ausbildung: nur 6% waren 18 Monate
nach Abschluss erwerbstätig, 82% in Ausbildung, 1% in AMS-Vormerkung und 11% hatten
einen sonstigen Status. Die BHS-Absolventen und -Absolventinnen waren 18 Monate nach
Abschluss zu 44% erwerbstätig, zu 47% in Ausbildung, 2% waren in AMS-Vormerkung und
8% hatten einen sonstigen Status.

Innerhalb der ersten zwei Jahre nach Abschluss beginnen nur 2% der Pflichtschulabsolven­
ten und -absolventinnen und 11% der AHS-Absolventen und -Absolventinnen keine weitere
Ausbildung. Nach einer BMS sind es 48% und nach einer BHS 47%. In den ersten beiden
Jahren nach einer Lehre beginnen hingegen 91% keine weitere Ausbildung.

Bei den Jugendlichen, die innerhalb der ersten zwei Jahre nach Abschluss keine weitere
Ausbildung beginnen, ist das Arbeitslosigkeitsrisiko nach einer Pflichtschule besonders groß

19
Quelle: Statistik Austria; nach der Ausbildung …. Ergebnisse aus dem Bildungsbezogenen Erwerbskarrierenmoni­
toring (BibEr) im Auftrag von Sozialministerium und AMS für die Schuljahre 2008/2009 bis 2010/2011, Wien, Juni
2015 – eigene Aktualisierung der Daten für das Schuljahr 2014/2016; September 2020

Jugend und Arbeit in Österreich 17 von 74


und nach einer BHS und Universität am geringsten: 18 Monate nach Abschluss der Ausbil­
dung waren von den Pflichtschulabgängern bzw. Pflichtschulabgängerinnen 12% erwerbs­
tätig, 19% arbeitslos und 68% hatten einen sonstigen Status. Bei den Absolventen und
Absolventinnen einer Lehre waren rund 79% erwerbstätig und 10% in AMS-Vormerkung,
Bei den BMS-Absolventen und -Absolventinnen waren 76% in Beschäftigung und 7% in
AMS-Vormerkung. Unter den AHS-, BHS- und Universitäts-Absolventen und Absolventinnen
waren nur 2–3% vorgemerkt. Wobei nach einer AHS nur 36% erwerbstätig waren, nach ei­
ner BHS hingegen 84% und nach einer Hochschule 76%.

Das Median-Einstiegseinkommen der ersten unselbständigen Erwerbstätigkeit (Vollzeit)20


lag nach Lehrabschluss und BHS brutto bei circa € 2.020 nach einer BMS bei € 1.990, nach
einer AHS bei € 1.710 und nach einer Hochschule (Universität, Fachhochschule, Pädagogi­
sche Hochschule inkl. Doktorat) bei € 2.47021. Nach Geschlecht betrachtet lag das Einkom­
men der BMS-Absolventinnen bei € 1.770, während Absolventen rund € 2.130 verdienen;
nach einer BHS verdienen Frauen im Durchschnitt € 1.810, Männer € 2.190. AHS-
Absolventinnen verdienen rund € 1.580 und Absolventen € 1.840. Noch größer ist der Ein­
kommensunterschied nach einem Lehrabschluss, nach welchem Männer mit € 2.170 um
30% mehr verdienen als Frauen, welche im Durchschnitt € 1.670 verdienen. Nach einem
Studium liegt das Medianeinkommen der Frauen bei € 2.350, bei Männern bei € 2.650. Die
Unterschiede liegen nicht nur an der unterschiedlichen Gewichtung der Ausbildungsfelder,
sondern auch innerhalb der Ausbildungsfelder gibt es große Unterschiede nach Geschlecht.

1.5 Lehrlingsstatistik und Lehrstellenmarkt22

In Österreich ist das System der Lehrausbildung ein zentraler Baustein für Berufsausbildung
und Berufseinstieg. Mit Stichtag 31. Dezember 2019 gab es 109.111 Lehrlinge, die in 29.034
Ausbildungsbetrieben (inklusive Betriebe der Überbetrieblichen Lehrausbildung – ÜBA) ihre
Ausbildung absolvierten. Zwei Drittel der Lehrlinge sind männlich und nur ein Drittel weib­
lich. Die Zahl der Lehrlinge ist im Jahr 2019 im Vergleich zum Vorjahr um 1.196 Personen
oder 1,1% gestiegen. Von den 109.111 Lehrlingen wurden 7.422 Lehrlinge im Rahmen der
ÜBA ausgebildet und 8.213 von den gesamten Lehrlingen im Jahr 2019 hatten einen Ausbil­
dungsplatz in der Berufsausbildung gemäß § 8b (6.625 in einer verlängerten Lehrausbildung

20
Einstiegseinkommen (brutto), von jenen Personen, die in den ersten zwei Jahren nach Abschluss keine weitere
Ausbildung begonnen haben.
21
Für Universitätsabsolventinnen/-absolventen: Personen, die die Ausbildung unter 30 Jahren beendet haben,
unabhängig davon, ob sie eine weitere Ausbildung absolvieren.
22
Quelle: Wirtschaftskammer Österreich; Lehrlingsstatistik 2019

Jugend und Arbeit in Österreich 18 von 74


und 1.588 in Teilqualifizierungen); 5.714 werden in Unternehmungen und 2.499 in Einrich­
tungen ausgebildet.

In den letzten zehn Jahren ging die Zahl der Lehrlinge im ersten Lehrjahr kontinuierlich zu­
rück und lag 2019 nur mehr bei ca. 33.900 Lehrlingen (2010: ca. 39.800). Gegenüber dem
Vorjahr ist die Zahl damit um 1,5% niedriger. Gleichzeitig gibt es auch weniger 15-Jährige.
2010 waren es noch rund 94.600, 2019 nur mehr 85.800. Die Lehrlingsquote, das ist der
Anteil der Lehrlinge im 1. Lehrjahr an der Anzahl der 15-Jährigen, lag im Jahr 2019 bei 39,5%.
Sie ist gegenüber dem Vorjahr um 0,5 Prozentpunkte gesunken) - siehe Abbildung 9 auf
Seite 20. Der Anteil der Lehrlinge ohne österreichische Staatsbürgerschaft im 1. Lehrjahr
betrug 2019 15,8%23, das bedeutet einen Rückgang gegenüber dem Jahr 2018 um 0,1 Pro­
zentpunkte. Sie sind damit in der dualen Ausbildung stark unterrepräsentiert.

Betrachtet man die Vorbildung der Schüler und Schülerinnen in ersten Berufsschulklassen,
so zeigt sich, dass die größte Gruppe zuvor eine Polytechnische Schule besucht hat, aber
viele auch aus BMS und BHS wechseln: 29,2% der Lehrlinge (Berufsschüler/Berufsschülerin­
nen) haben im Schuljahr 2018/2019 zuvor eine Polytechnische Schule, 13,8% eine berufs­
bildende mittlere Schule, 12,7% eine berufsbildende höhere Schule, 0,8% eine Hauptschule
und 13,1% eine Neue Mittelschule, 11,2% eine Berufsschule (z.B. im Falle von Wiederholen
oder Lehrberufswechsel) sowie 6,6% eine AHS-Oberstufe und 0,8% eine AHS-Unterstufe be­
sucht. 6% haben bereits zuvor eine weiterführende Ausbildung absolviert, davon hat der
Großteil eine BMS abgeschlossen24.

23
Quelle: Wirtschaftskammer Österreich; Stabsabteilung Statistik
24
Quelle: Statistik Austria, Schulstatistik, Tabelle „Vorbildung der Schülerinnen/Schüler in ersten Berufsschulklas­
sen 2018/2019“

Jugend und Arbeit in Österreich 19 von 74


Abbildung 9: Lehrlinge im 1. Lehrjahr und Lehrstellensuchende – 2010 bis 2019

Lehrlinge im 1. Lehrjahr Lehrstellensuchende

45.000
5.752

5.504

5.531
40.000

5.727

6.205

6.830
6.154
6.067

6.369
6.256
35.000

30.000

25.000
39.761

39.467

38.211

20.000
35.580

34.402

33.882
33.721
33.508

32.693
32.484
15.000

10.000

5.000

0
2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019

Quellen: Lehrlingsstatistik 2019 der Wirtschaftskammer Österreich und BALI-Abfrage vom 18. Juni 2020 (Bestand
Lehrstellensuchende); Lehrlinge im ersten Lehrjahr jeweils zum Stichtag Ende Dezember des Jahres; Jahresdurch­
schnittsbestand der sofort verfügbaren Lehrstellensuchende ohne Einstellzusage

Der Bestand an Lehrstellensuchenden stieg im Jahr 2019 im Vergleich zum Vorjahr um


10,1% auf 6.830 an, während sich auch die beim AMS gemeldeten offenen Lehrstellen um
14% auf 6.247 erhöhten. Die Nachfrage nach Lehrstellen hat im Jahresdurchschnitt 2019
das Angebot der Unternehmen um 583 überstiegen. Der Lehrstellenandrang, das ist das
Verhältnis der beim AMS gemeldeten sofort verfügbaren Lehrstellensuchenden zu den so­
fort verfügbaren offenen Lehrstellen, hat im Jahresdurchschnitt 2019 1,1 betragen. Der Ein­
schaltgrad25des AMS bei Lehrstellen betrug 81,5% 26.

Im Jahr 2019 wurden in der Sparte Gewerbe und Handwerk in 16.307 Lehrbetrieben 46.390
Lehrlinge (das sind 42,5% aller Lehrlinge; +1,4% gegenüber dem Vorjahr) ausgebildet.
16.446 (+4,4%) Personen bzw. 15,1% machten 2019 eine Lehrausbildung in einem der 1.224

25
Einschaltgrad des AMS (Lehrstellen) = Zugänge an offenen Lehrstellen dividiert durch alle aufgenommenen Lehr­
verhältnisse. Der Wert kann 100% überschreiten, wenn die Zahl der Zugänge an offenen Lehrstellen höher liegt als
die Zahl der Aufnahmen von Lehrverhältnissen.
26
Quelle: Endel et.al, Lehrlingsausbildung: Angebot und Nachfrage 2020; Synthesis Forschung, März 2020

Jugend und Arbeit in Österreich 20 von 74


Lehrbetriebe in der Sparte Industrie und 15.283 (+2,2%) oder 14% in einem der 3.854 Lehr­
betriebe in der Sparte Handel (siehe Abbildung 10 auf Seite 21). Der größte Rückgang nach
Sparte gegenüber dem Vorjahr erfolgte im Jahr 2019 bei der Überbetrieblichen Lehrausbil­
dung mit -10,6%. Die Sparte Bank und Versicherung hatte 2019 den stärksten Zuwachs mit
+8,3%, gefolgt von der Sparte Information und Consulting mit +7,5% gegenüber dem Vor­
jahr.

Die Entscheidung für einen Lehrberuf wird neben persönlichen Interessen und Fähigkeiten
auch durch das Angebot an verfügbaren Lehrstellen und die Wirtschaftslage beeinflusst. In
Österreich ist die Auswahl der Lehrberufe jedoch immer noch sehr traditionell geprägt. Von
den weiblichen Lehrlingen im Jahr 2019 wählten 22,3% den Einzelhandel mit allen Schwer­
punkten, 10,6% Bürokauffrau und 8,5% Friseurin (Stylistin). Bei den männlichen Lehrlingen
dominierten bei der Lehrberufswahl die Modulberufe Metalltechnik mit 13,3%, Elektrotech­
nik mit 12% und Kraftfahrzeugtechnik mit 10%. Im Jahr 2019 wurden 63% aller weiblichen
Lehrlinge in den zehn häufigsten Lehrberufen ausgebildet. Bei den männlichen Lehrlingen
ist die Streuung der Berufswahl ähnlich: 64% wurden in den zehn häufigsten Lehrberufen
ausgebildet.

Abbildung 10: Anteil der Lehrlinge nach Sparten in Prozent im Jahr 2019

6,8%
7,4%

2,3%

8,2% 42,5%

2,6%

1,1%

14,0%

Gewerbe und Handwerk Industrie 15,1% Handel


Bank und Versicherung Transport und Verkehr Tourismus und Freizeitwirtschaft
Information und Consulting Sonstige Lehrberechtigte ÜBA

Quelle: Lehrlingsstatistik 2019 der Wirtschaftskammer Österreich; Anmerkung: Sonstige Lehrberechtigte = Nicht
der Kammer der gewerblichen Wirtschaft zugehörige Betriebe (z.B. Rechtsanwälte, Magistrate, etc.). Der Bereich
"Sonstige Lehrberechtigte" wurde bis zum Jahr 2012 als "Nichtkammer" bezeichnet. ÜBA = Überbetriebliche Lehr­
ausbildung (Ausbildungseinrichtungen nach dem Berufsausbildungsgesetz, z.B. Überbetriebliche Lehrausbildung
im Auftrag des AMS, selbständige Ausbildungseinrichtungen).

Jugend und Arbeit in Österreich 21 von 74


1.5.1 Verbleib in Ausbildungsbetrieb und -branche27
Nach Ende der Lehre geht für einen Teil der jungen Frauen und Männer das Lehrverhältnis
direkt in ein reguläres Beschäftigungsverhältnis über. 2014 waren mehr als ein Drittel (37%)
aller ehemaligen Lehrlinge (Frauen: 32,3%, Männer: 39,5%) auch nach zwei Jahren noch in
dem Unternehmen beschäftigt, in dem sie die Ausbildung absolviert hatten. Laut Prognose
von Synthesis Forschung wird sich allerdings die Verbleibsquote im Ausbildungsbetrieb bis
2019 auf ca. 35% verringern. Von allen Personen, die ihre Lehrzeit auf einer vom AMS ge­
förderten Lehrstelle absolviert haben, sind nach zwei Jahren im Jahr 2014 noch 26,7% in
ihrem Lehrbetrieb beschäftigt. Am höchsten ist bei den geförderten Lehrstellen die Ver­
bleibsquote der Mädchen mit Förderung in Lehrberufen mit geringem Frauenanteil (2014:
34,7%).

Rund 43% der Lehrlinge waren zwei Jahre nach Erfüllung der Lehrzeit nicht mehr in ihrer
Ausbildungsbranche beschäftigt. Etwas mehr als die Hälfte (56,5%) der jungen Facharbeiter
bzw. Facharbeiterinnen (54,7% der Frauen und 57,5% der Männer) waren zwei Jahre nach
Erfüllung der Lehrzeit noch – oder wieder – in der Branche, in der die Ausbildung absolviert
wurde, beschäftigt. Die Verbleibsquote in der Ausbildungsbranche wird sich lt. Prognose
von Synthesis Forschung bis 2019 auf 56,9% erhöhen. Die Verbleibsquote der Facharbeiter
bzw. Fachbarbeiterinnen nach Branche, die durch AMS-geförderte Lehrstellen ihre Lehraus­
bildung absolviert haben, betrug im Jahr 2014 48,6%; der Anteil der Mädchen mit Förderung
in Lehrberufen mit geringem Frauenanteil ist auch hier am höchsten (53,6%).

27
Quelle: Frick et.al; Lehrlingsausbildung: Angebot und Nachfrage, Entwicklung und Prognosen 2014 bis 2019;
Synthesis Forschung, Juni 2015 (letztverfügbare Zahlen)

Jugend und Arbeit in Österreich 22 von 74


2 Das österreichische Bildungs- und
Ausbildungssystem
Eine Vielzahl von Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten mit unterschiedlichen Speziali­
sierungen prägen das Österreichische Bildungs- und Ausbildungssystem. Daher wird im Fol­
genden, unterlegt mit Zahlen zu den unterschiedlichen Typen, das Bildungssystem von
Schule bis Tertiärbildung beschrieben. Das dritte Unterkapitel geht schließlich auf die schul­
politischen Schwerpunkte ein.

2.1 Schule und Lehre

Abbildung 11 auf Seite 24 gibt einen Überblick über das österreichische Bildungssystem vom
Kindergarten bis zur tertiären Bildung. Nach dem Kindergarten und der Volksschule gibt es
eine immer größere Anzahl an Schul- und Ausbildungstypen mit unterschiedlichen Speziali­
sierungen. Die Zuständigkeit in der Gesetzgebung im Schulwesen und in der Vollziehung ist
zwischen dem Bund und den Ländern aufgeteilt.

Jugend und Arbeit in Österreich 23 von 74


Abbildung 11: Das österreichische Bildungssystem

Quelle: Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF), August 2020

2.1.1 Bis zur Sekundarstufe I


Die allgemeine Schulpflicht in Österreich dauert neun Jahre und beginnt im Alter von sechs
Jahren. Zur vorschulischen Bildung können Kinder bis zum Schuleintritt eine elementare Bil­
dungseinrichtung (z.B. Kindergarten) besuchen. Im letzten Jahr ist der Besuch für Kinder,

Jugend und Arbeit in Österreich 24 von 74


die bis zum 31. August des jeweiligen Jahres das fünfte Lebensjahr vollendet haben, im Aus­
maß von 20 Stunden an mindestens 4 Tagen pro Woche verpflichtend und beitragsfrei. Kin­
der, die die Schule vorzeitig besuchen, sind von der Besuchspflicht ausgenommen. Die
Besuchspflicht kann auf Ansuchen auch im Rahmen der häuslichen Erziehung oder bei Ta­
gesmüttern und -vätern erfüllt werden. Dies setzt voraus, dass das Kind keiner Förderung
in der Bildungssprache Deutsch bedarf und dass die Erfüllung der Bildungsaufgaben und der
Werteerziehung gewährleistet ist.

Die Betreuungsquote der Dreijährigen erhöhte sich seit 1995 von 45,3% auf mittlerweile
86,5%. Bei den Vierjährigen stieg im gleichen Zeitraum der Anteil von 80,4% auf 96,1% und
bei den Fünfjährigen von 86,3% auf 98,5%28. Bei Kindern von 0 bis 2 Jahren stieg die Betreu­
ungsquote von 4,6% auf 30,1%29.

Der Großteil der schulpflichtigen Kinder (mehr als 98%)30 besucht in der Primarstufe die
vierjährige Volksschule. Die verbleibenden 2% besuchen Sonderschulen, sonstige allge­
meinbildende Schulen mit Organisationsstatut (wie z.B. Realschulen, Waldorf- oder Mont­
essori-Schulen) oder auch Schulen mit ausländischem Lehrplan. Für Kinder, die das
Pflichtschulalter erreicht haben, die jedoch noch nicht "schulreif" für den Eintritt in die
Volksschule sind, ist der Besuch eines Vorschuljahres bzw. der Vorschulstufe vorgesehen,
um allmählich in das Schulleben hineinzuwachsen.

Nach der Volksschule, in der Regel im Alter von zehn Jahren, treten die Kinder in die Sekun­
darstufe I über. Die Sekundarstufe I dauert vier Jahre. Bei der Wahl der Schule findet die
erste Differenzierung in der Bildungslaufbahn der Kinder statt: In Allgemeinbildende Höhere
Schulen (AHS-Unterstufe) oder Mittelschulen (MS siehe Punkt 2.3.6 auf Seite 38). Für die
Aufnahme in eine AHS müssen die Kinder die vierte Klasse Volksschule mit guten oder sehr
guten Noten in Deutsch/Lesen/Schreiben und Mathematik beenden oder eine Aufnahme­
prüfung absolvieren. Das Schulwahlverhalten zu Beginn der Sekundarstufe I ist von mehre­
ren Faktoren abhängig: Neben dem regionalen Bildungsangebot bzw. der Pendeldistanz
zum bevorzugten Schultyp, spielen das soziale Umfeld und der sozioökonomische Hinter­
grund eine wichtige Rolle.

28
Quelle: Statistik Austria, Kindertagesheimstatistik 2019/2020, Quote inklusive der vorzeitig eingeschulten Kinder
29
Quote inklusive der Betreuung bei Tageseltern
30
Quelle: Statistik Austria, Bildung in Zahlen 2018/2019

Jugend und Arbeit in Österreich 25 von 74


2.1.2 Die Sekundarstufe II
Nach Abschluss der Sekundarstufe I mit der achten Schulstufe beginnt die Sekundarstufe II.
In der Sekundarstufe II gibt es die Polytechnischen Schulen (PTS; Dauer: 1 Jahr), allgemein­
bildende höhere Schulen (AHS Oberstufe; 4 Jahre), berufsbildende mittlere Schulen (BMS;
1 bis 4 Jahre) und berufsbildende höhere Schulen (BHS; 5 Jahre). Nach der neunten Schul­
stufe bzw. dem neunten Schuljahr ist die allgemeine Schulpflicht beendet und die Schüler
und Schülerinnen können entweder weiterhin eine allgemeinbildende oder berufsbildende
mittlere oder höhere Schule besuchen oder eine duale Ausbildung absolvieren.

Die Polytechnische Schule (PTS) schließt an die achte Schulstufe an und dauert ein Jahr. Sie
bietet Allgemeinbildung, Berufsorientierung und Berufsgrundbildung. Mit der Einführung
der AusBildung bis 18 müssen alle Jugendlichen unter 18 nach Beendigung der allgemeinen
Schulpflicht verbindlich eine weitere schulische oder berufliche (Aus-)Bildung absolvieren.
Details dazu finden sich unter Punkt 3.3.1 auf Seite 56.

Schüler und Schülerinnen, die nach der neunten oder etwaigem freiwilligen zehnten Schul­
stufe die 4. Klasse Mittelschule (und damit Sekundarstufe I) nicht erfolgreich abgeschlossen
haben, dürfen in einem freiwilligen 10. bzw. 11. Schuljahr diese Schulen mit Zustimmung
des Schulerhalters und mit Bewilligung der zuständigen Schulbehörde besuchen. Unter den­
selben Bedingungen sind Schüler und Schülerinnen, die eine (N)MS oder PTS im neunten
Schuljahr der allgemeinen Schulpflicht als außerordentliche Schülerinnen und Schüler be­
endet haben, berechtigt, diese Schulen ein weiteres Jahr als ordentliche oder außerordent­
liche Schüler und Schülerinnen zu besuchen.

Darüber hinaus wurde durch das Pädagogikpaket 2018 (BGBl. I Nr. 101/2018) der gesetzli­
che Rahmen geschaffen, dass Schülerinnen und Schüler, die ihre allgemeine Schulpflicht (9.
Schulstufe) an mittleren und höheren Schulen negativ abgeschlossen haben, in Zukunft wie­
der die Möglichkeit eines freiwilligen 10. Schuljahres an Polytechnischen Schulen erhalten.
Damit bekommen diese Schülerinnen und Schüler die Chance, sich auch nach der 9. Schul­
stufe vertiefend beruflich und bildungsmäßig (neu) zu orientieren und die Berufsgrundbil­
dungs- sowie Berufsorientierungsangebote der Polytechnischen Schule für sich zu nutzen.
Diese Bestimmung ist mit September 2019 in Kraft getreten.

Die allgemeinbildende höhere Schule (AHS) umfasst entweder Sekundarstufe I und II, also
Unterstufe und Oberstufe, oder nur die Sekundarstufe II, die vier oder bei Sonderformen
fünf Jahre dauert. Die AHS wird mit Matura (Reifeprüfung) abgeschlossen, die zum Studium
an Universitäten, Fachhochschulen, Pädagogischen Hochschulen und Akademien berech­
tigt.

Jugend und Arbeit in Österreich 26 von 74


Berufsbildende Schulen bieten ab der neunten Schulstufe eine Vielzahl von Ausbildungs­
möglichkeiten in Form von berufsbildenden höheren Schulen (BHS) oder berufsbildenden
mittleren Schulen (BMS) an. Sie vermitteln neben einer fundierten Allgemeinbildung eine
berufliche Erstausbildung mit unterschiedlicher Dauer und unterschiedlichen Niveaus ab
der neunten Schulstufe.

Zu den berufsbildenden Schulen gehören die Berufsschulen, technische, gewerbliche und


kunstgewerbliche Schulen, kaufmännische Schulen, Schulen für wirtschaftliche Berufe, Tou­
rismusschulen, Schulen für Mode, Schulen für Kunst und Gestaltung, Schulen für Produkt­
management und Präsentation, Schulen für Sozialberufe, land- und forstwirtschaftliche
Schulen, Bildungsanstalten für Elementarpädagogik und Bildungsanstalten für Sozialpäda­
gogik einschließlich deren Sonderformen. Sie können in verschiedenen Formen mit unter­
schiedlicher Dauer (1 – 5 Jahre) geführt werden:

Die drei bzw. vierjährigen BMS-Angebote sind Vollzeitschulen mit verpflichtendem Praxi­
santeil (Pflichtpraktikum). Sie werden ab der 9. Schulstufe geführt und vermitteln eine ab­
geschlossene berufliche Erstausbildung. Absolventen und Absolventinnen einer BMS haben
Zugang zur Berufsreifeprüfung, mit deren Abschluss ein allgemeiner Hochschulzugang er­
öffnet wird. Ferner ist der Abschluss einer mindestens dreijährigen berufsbildenden mittle­
ren Schule dem NQR 31­Niveau 4 zugeordnet. Die 1- bzw. 2-jährigen BMS-Angebote sind
Vollzeitschulen ab der 9. Schulstufe und dienen einer beruflichen Vorbildung.

Die fünfjährigen BHS-Angebote sind Vollzeitschulen mit verpflichtendem Praxisanteil


(Pflichtpraktikum). Sie werden ab der 9. Schulstufe geführt und schließen mit einer Reife-
und Diplomprüfung ab. Absolventen und Absolventinnen einer BHS verfügen über eine
Doppelqualifikation. Einerseits erwerben sie den allgemeinen Hochschulzugang und ande­
rerseits eine abgeschlossene berufliche Erstausbildung. Der Abschluss einer BHS ist dem
NQR-Niveau 5 zugeordnet. Der 4. und 5. Jahrgang der BHS entspricht nach ISCED (Interna­
tionalen Vergleich von Bildungsabschlüssen) der Stufe 5; diese wird als "short-cycle tertiary
education" bezeichnet. Damit stehen Kompetenzen, die an BHS erworben wurden, in direk­
tem Vergleich mit akademischen Angeboten.

Alternativ zum weiterführenden Schulbesuch kann nach der Beendigung der allgemeinen
Schulpflicht eine duale Ausbildung, die Lehre, absolviert werden. Sie kombiniert praktisches
Training in einem Betrieb (80%) und die Ausbildung in einer Berufsschule (20%). Die Lehre
ist eine formale Ausbildung, die mit einer Lehrabschlussprüfung abgeschlossen wird. Der

31
NQR = Nationaler Qualifikationsrahmen

Jugend und Arbeit in Österreich 27 von 74


Abschluss einer Lehre ist dem NQR-Level 4 zugeordnet. Es gibt 215 anerkannte Lehrberufe
in unterschiedlichsten Bereichen. 39,5% der Jugendlichen jedes Jahrgangs absolvieren nach
Beendigung ihrer Schulpflicht eine Lehre32. Eine genauere Beschreibung des Übergangs von
der Schule in den Beruf, des dualen Systems, der Überbetrieblichen Lehrausbildung etc. lie­
fern die Punkte 3.3 auf Seite 56, 3.2 auf Seite 43 und 3.3.4 auf Seite 59. Weiterführend kann
nach der Lehre eine Bauhandwerker-, Meister- bzw. Werkmeisterschule besucht werden.
Außerdem kann nach Lehrabschluss eine Studienberechtigungsprüfung oder Berufsreife­
prüfung absolviert werden, die zum Eintritt in das tertiäre Bildungssystem bzw. zu einem
bestimmten Studiengang im tertiären Bildungssystem berechtigt.

2.1.3 Schülerinnen und Schüler nach Schultyp


Im Schuljahr 2019/20 gab es 1.115.318 33 Schüler und Schülerinnen, 47,9% davon waren
weiblich. Zu Beginn der Sekundarstufe I in der 5. Schulstufe besuchen 59,8% der Schüler
und Schülerinnen eine (N)MS, 35,5% eine AHS-Unterstufe, 1,9% eine Sonderschule, 1,5%
eine (N)MS an AHS und 1,2% Statutschulen. Von der AHS-Unterstufe wechseln über 90%
der Schüler und Schülerinnen in eine AHS-Oberstufe (61%) oder BHS (31,9%). Von der (N)MS
wechseln rund 42,4% in AHS oder BHS, davon der Großteil in BHS (33,7%).34

In der 9. Schulstufe, zu Beginn der Sekundarstufe II, sind 35,5% der Schüler und Schülerin­
nen in einer BHS, 28,4% in einer AHS, 16,3% in Polytechnischen Schulen und 16,1% in BMS,
2,4% in Sonderschulen und 0,6% in berufsbildenden Statutschulen. Über 60% der Schüler
und Schülerinnen in der 9. Schulstufe befinden sich also in einer Schule, die mit einer Reife­
prüfung abgeschlossen wird. 1980 waren dies lediglich 40%. Der Frauenanteil ist bei den
höheren Ausbildungsformen35 höher (Frauenanteil AHS-Unterstufe: 52,1%; AHS-Oberstufe:
58,2%, BHS: 53%, Berufsschulen: 33%, Polytechnische Schule: 35,9%)36.

32
Quelle: Lehrlingsstatistik 2019 der WKÖ (Anteil der Lehrlinge im 1. Lehrjahr an den 15-jährigen im Jahresdurch­
schnitt 2019).
33
inklusive Statutschulen mit eigenem Organisationsstatut
34
Bildungsübertritte vom Schuljahr 2017/18 auf Schuljahr 2018/19, Quelle: Statistik Austria
35
Grundlage: alle Schulstufen
36
Quelle: Statistik Austria, StatCube

Jugend und Arbeit in Österreich 28 von 74


2.2 Tertiäre Bildung

Die Reife- bzw. Reife- und Diplomprüfung, die Studienberechtigungsprüfung oder die Be­
rufsreifeprüfung berechtigen zum Studium an Universitäten, Fachhochschulen, Pädagogi­
schen Hochschulen und Akademien (für einzelne Studienrichtungen bedarf es
Zusatzprüfungen). Zusätzlich gibt es den nichtuniversitären postsekundären Bereich, der
aus Kollegs und berufsbildenden Akademien sowie auf einem Beruf aufbauenden Ausbil­
dungsgängen, die zum Erwerb eines Meister- oder Werkmeisterabschlusses führen, be­
steht. Für den Besuch der Kollegs und Akademien ist eine Reife- bzw. Reife- und
Diplomprüfung, eine Berufsreife- oder eine Studienberechtigungsprüfung Voraussetzung.
Für den Besuch einer Meister-/Werkmeisterschule ist hingegen eine abgeschlossene Be­
rufsausbildung (Lehre) erforderlich.

Im universitären Bereich gibt es Pädagogische Hochschulen, Universitäten und Fachhoch­


schulen. In Österreich verfügten im Jahr 2019 über 40% der Altersgruppe der 30- bis 34-
Jährigen über einen tertiären oder gleichwertigen Bildungsabschluss (ISCED 5–8)37.

Etwas mehr als drei Viertel aller Studierenden werden an den 16 wissenschaftlichen und
sechs künstlerischen öffentlichen Universitäten ausgebildet. Neben den öffentlichen Uni­
versitäten sind die Fachhochschulen der zweite große Ausbildungsbereich. In den letzten
Jahrzehnten ist die Zahl der Studienabschlüsse und der Studierenden stark gestiegen. Im
Wintersemester 2018/19 befanden sich 381.845 Personen (davon 54% Frauen) in akademi­
scher Ausbildung (mit Lehrgang-Studierenden), davon studierten 288.492 an Universitäten,
61.744 an Fachhochschulen, 16.546 an Pädagogischen Hochschulen und 15.063 an Privat­
universitäten. Der Anteil der ausländischen Studierenden beträgt etwa 28%. Die in Öster­
reich studierenden Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft kommen überwiegend
aus Deutschland, Italien und den übrigen Ländern der EU-28. Diese Länder stellen gemein­
sam rund 70% aller ausländischen Studierenden38.

2.2.1 Universitäten
Die 22 öffentlichen Universitäten in Österreich bieten über 1.000 eingerichtete Studien­
möglichkeiten. Die Umstellung der Studienarchitektur vom zweistufigen System (Dip­
lom/Doktorat) auf drei Stufen (Bachelor/Master/Doktorat) wird in den nächsten Jahren

37
Quelle: EUROSTAT LFS; Abfrage vom 24. Juli 2019
38
Quelle: Statistik Austria, Bildung in Zahlen 2018/2019

Jugend und Arbeit in Österreich 29 von 74


abgeschlossen sein. Die Zahl an Studien mit bisheriger Diplomstudienform ist schon sehr
gering.

Wie in Tabelle 2 auf Seite 30 ersichtlich, sind von den 308.538 ordentlichen Studien im Win­
tersemester 2019 etwa ein Viertel geistes- und kulturwissenschaftliche Studien (22%), 22%
ingenieurwissenschaftliche, 15% naturwissenschaftliche, 14% sozial- und wirtschaftswis­
senschaftliche und etwa 12% rechtswissenschaftliche Studien. In geistes- und kulturwissen­
schaftlichen Fächern beträgt der Frauenanteil 70% und in veterinärmedizinischen sogar
etwa 80%. Am geringsten ist der Frauenanteil mit etwa 30% in ingenieurwissenschaftlichen
Fächern. In einzelnen Studienrichtungen (wie z.B. Mechatronik) liegt der Anteil der Studen­
tinnen sogar unter 10%.

Tabelle 2: Ordentliche Studien nach Gruppen von Studien (gesamt), Wintersemester 2019
(Stichtag: 28. Februar 2020)

Ordentliche Studien nach Gruppen


von Studien Frauen Männer Gesamt Frauenanteil

Geistes- u. kulturwissenschaftliche 47.527 20.308 67.835 70,1%


Studien

Ingenieurwissenschaftliche Studien 20.267 46.182 66.449 30,5%

Interdisziplinäre Studien 872 569 1.441 60,5%

Künstlerische Studien 4.402 3.297 7.699 57,2%

Lehramtsstudien 12.916 7.431 20.347 63,5%

Medizinische Studien 7.729 6.682 14.411 53,6%

Naturwissenschaftliche Studien 25.815 19.236 45.051 57,3%

Rechtswissenschaftliche Studien 20.454 16.108 36.562 55,9%

Sozial- u. wirtschaftswissenschaftliche 22.474 21.763 44.237 50,8%


Studien

Theologische Studien 962 1.168 2.130 45,2%

Veterinärmedizinische Studien 1.368 349 1.717 79,7%

Individuelle Studien 313 320 633 49,4%

Sonstige Studienaktivitäten 16 10 26 61,5

Gesamt 165.115 143.423 308.538 53,5%

Jugend und Arbeit in Österreich 30 von 74


Quelle: uni:data; Datenmeldungen der Universitäten auf Basis UniStEV zum jeweiligen Stichtag (ohne Erweite­
rungsstudien)

2.2.2 Fachhochschulen
Es gibt zurzeit 21 Fachhochschulen in ganz Österreich. An den Fachhochschulen entfallen
von den 55.203 ordentlichen Studierenden im Wintersemester 2019 71% auf Bachelorstu­
diengänge und 29% auf Masterstudiengänge. Die Diplomstudiengänge an den Fachhoch­
schulen sind bis auf einzelne Studierende (im Wintersemester 2019 waren es nur zwei
Personen) nahezu ausgelaufen.

Tabelle 3: Ordentliche Studierende in Fachhochschul-Studienlehrgängen nach Ausbil­


dungsbereichen, Wintersemester 2019 (Stichtag: 15. November 2019)

Ordentliche Studierende an Fachhoch­


schul-Studiengängen/Ausbildungsbe­
reiche Frauen Männer Gesamt Frauenanteil

Gestaltung, Kunst 514 362 876 58,7%

Gesundheitswissenschaften 6.516 1.491 8.007 81,4%

Militär- und Sicherheitswesen 29 347 376 7,7%

Naturwissenschaften 435 373 808 53,8%

Sozialwissenschaften 3.031 1.016 4.047 74,9%

Technik, Ingenieurwissenschaften 5.072 15.247 20.319 25,0%

Wirtschaftswissenschaften 12.260 8.510 20.770 59,0%

Gesamt 27.857 27.346 55.203 50,5%

Quelle: uni-data; Datenmeldungen der Universitäten auf Basis UniStEV zum jeweiligen Stichtag; Datenaufberei­
tung: BMBWF, Abteilung IV/9

Tabelle 3 auf Seite 31 gibt einen Überblick über die Studierenden an Fachhochschulen. Im
Wintersemester 2019 gab es die meisten Studierenden in den Bereichen Wirtschaftswis­
senschaften (38%), Technik und Ingenieurwissenschaften (37%) sowie Gesundheitswissen­
schaften (15%). Informationstechnologie und Elektronik stehen im technischen Bereich im

Jugend und Arbeit in Österreich 31 von 74


Vordergrund. Die Wirtschaftsstudiengänge sind v.a. betriebswirtschaftlich orientiert. Rund
vier von zehn Studiengängen werden in berufsbegleitender Form belegt39.

2.2.3 Pädagogische Hochschulen


An 14 pädagogischen Hochschulen wird bundesweit Aus-, Fort- und Weiterbildung in päda­
gogischen Berufsfeldern insbesondere für Lehrerinnen und Lehrer angeboten. Die Ausbil­
dungsangebote umfassen Lehramt für die Primarstufe, für die Sekundarstufe
Allgemeinbildung (in Kooperation mit Universitäten) und für die Sekundarstufe Berufsbil­
dung, jeweils als Bachelor- und Masterstudium – siehe Tabelle 4 auf Seite 32. Die Ausbil­
dung erfolgt nun nach Altersbereichen und nicht mehr wie früher nach Schularten.40Für die
Durchführung der gemeinsam eingerichteten Studien für das Lehramt Sekundarstufe Allge­
meinbildung haben sich die Pädagogischen Hochschulen und Universitäten in vier regiona­
len Verbünden zusammengeschlossen.

Tabelle 4: Lehramt (LA)-Studierende an Pädagogischen Hochschulen nach Lehramtsstu­


dien 2019/2020

Lehramt-Studierende nach Lehramts­


studien Frauen Männer Gesamt Frauenanteil

Bachelor Elementarbildung 455 3 458 99%

Bachelor Lehramt (LA) Primarstufe 5.903 811 6.714 88%

Bachelor LA für Volksschulen 127 19 146 87%

Master LA Primarstufe 1.448 118 1.566 92%

Bachelor LA Sekundarstufe AB 3.209 1.954 5.162 62%

Master LA Sekundarstufe AB 149 71 221 68%

Bachelor LA für (N)MS 115 98 713 54%

Bachelor LA für Sonderschulen 13 8 21 62%

Bachelor LA für Polytechn. Schulen 1 0 1 100%

Bachelor LA Sekundarstufe BB 750 810 1.560 48%

Master LA Sekundarstufe BB 124 87 211 59%

Bachelor LA für Berufsschulen 12 20 32 38%

39
Quelle: Statistik Austria, Bildung in Zahlen 2018/2019
40
Schulartenspezifische Lehramtsstudien sind nur mehr auslaufend geführt; Zulassungen sind nicht mehr möglich.

Jugend und Arbeit in Österreich 32 von 74


Lehramt-Studierende nach Lehramts­
studien Frauen Männer Gesamt Frauenanteil

Bachelor LA für Fachbereich an BMHS 58 49 107 54%

Bachelor LA für Religion an Pflicht­ 61 27 88 69%


schulen

Master Quereinsteigerstudium Lehr­ 15 11 26 57%


amt Musikerziehung

Gesamt 12.440 4.087 16.526 75%

Quelle: Statistik Austria, Statistische Datenbanken – Studien an Pädagogischen Hochschulen, Wintersemester


2019/20 Stand: 28.08.2020;
Anmerkung: Lehramt Sekundarstufe Allgemeinbildung (AB): Gemeinsames Studium von Universitäten und Päda­
gogischen Hochschulen, die zähltechnische Abbildung der Studien erfolgt auf Basis des Verteilungsschlüssels ge­
mäß § 24 UHSBV. Dadurch sind Studien auf ganze Zahlen zu runden und es kann zu Abweichungen zwischen der
Gesamtsumme und den addierten Detailergebnissen kommen.

2.3 Bildungs- und schulpolitische Schwerpunkte

Eine gute Ausbildung ist nicht nur wichtig für die persönliche Entwicklung des Menschen,
sondern auch Voraussetzung für einen erfolgreichen Eintritt in den Arbeitsmarkt. Um den
Kindern und Jugendlichen gute und faire Bildungschancen zu ermöglichen, wird das öster­
reichische Bildungssystem laufend weiterentwickelt. Erfolgreiche Bildungsprojekte werden
fortgesetzt, neue Angebote und Reformen sollen für mehr Chancengerechtigkeit sorgen.

Im Dezember 2018 wurde vom Ministerrat das Pädagogik-Paket, das sich aus sechs Vorha­
ben zusammensetzt, beschlossen. Sie umfassen folgende Arbeitspakete: Weiterentwick­
lung Volksschule- (Neue) Mittelschule, individuelle Kompetenzmessung PLUS (iKMPlus) als
multifunktionales Konzept, Weiterentwicklung der Lehrpläne, Leistungsbeurteilungsver­
ordnung (LBVO)/Kompetenzraster, Bildungspflicht und Schulreife. Diese Maßnahmen tre­
ten schrittweise ab dem Schuljahr 2019/2020 in Kraft. Ziel des Pädagogik-Pakets ist es, das
österreichische Schulsystem zu modernisieren und an die Anforderungen der heutigen Ge­
sellschaft anzupassen. Dazu ist es erforderlich, österreichweit vergleichbare Standards zu
schaffen, grundlegende Kompetenzen zu vermitteln und dafür zu sorgen, dass kein Kind die
Schule ohne diese Kompetenzen verlässt. Talente und Interessen sollen gefördert und schu­
lische Leistungsdefizite ausgeglichen werden, sodass alle Kinder ihren Bildungsweg erfolg­
reich durchlaufen können und für eine weiterführende Bildung oder eine Ausbildung in der
Berufswelt gut gerüstet sind.

Jugend und Arbeit in Österreich 33 von 74


Maßnahmen im Bereich der Lehre, wie die Modularisierung des Lehrsystems oder die Lehr­
stellenförderung, werden unter Punkt 3.2 auf Seite 43 beschrieben.

2.3.1 Bildungsreform 2017


Die Bildungsreform 2017 umfasste eine wesentliche Erweiterung der Autonomie der Schule
und mit der Einrichtung der Bildungsdirektionen, die wahrscheinlich größte Schulverwal­
tungsreform seit Beginn der zweiten Republik. Rund zwei Jahre nach Kundmachung des Ge­
setzes kann auf eine erfolgreiche Umsetzung in den beiden Bereichen zurückgeblickt
werden.

Mit der Umsetzung der Bildungsreform 2017 werden folgende Ziele verfolgt: maximale pä­
dagogische Gestaltungsfreiheit am einzelnen Schulstandort zur Erstellung innovativer Bil­
dungsangebote bei gleichzeitiger Planungs- und Ressourcensicherheit; die Ermöglichung
regionaler Bildungskonzepte, in denen Schulprofile sinnvoll aufeinander abgestimmt und
Übergänge für Schülerinnen und Schüler optimal gestaltet werden; eine bessere Qualifizie­
rung von Schulleiterinnen und Schulleitern und bedarfsgerechte, autonom am Schulstand­
ort ausgerichtete Fort- und Weiterbildung für Lehrerinnen und Lehrer; Erhöhung der
Transparenz und verbesserte Steuerung des Schulsystems durch eine gemeinsame einheit­
liche Bund–Länder–Bildungsbehörde; Gezielte Qualitätsentwicklung durch besseres Quali­
tätsmanagement und einheitliches Bildungscontrolling.

2018 lag der Schwerpunkt auf der Umsetzung der Erweiterung der Schulautonomie. Schul­
leitungen an Bundesschulen können sich seit 1. Jänner 2018 ihre Lehrkräfte selbst aussu­
chen, um die am besten geeignete Personen für das jeweilige Team auszuwählen. Auch die
ersten Schulcluster wurden gegründet. Seit September 2018 finden sich Bundesschulcluster
in der Steiermark und in Vorarlberg, Pflichtschulcluster im Burgenland, 2019 kamen Cluster
in Kärnten und Tirol hinzu. Weitere Cluster sind in Planung.

2019 lag der Fokus auf der Umsetzung der neuen Mischbehörde der Bildungsdirektion. An­
fang 2019 wurden die Bildungsdirektionen eingerichtet und ihre Leitungen, die Bildungsdi­
rektorinnen und Bildungsdirektoren bestellt bzw. betraut. Diese Veränderung bringt klare
Verwaltungsstrukturen und eine klare Abgrenzung der jeweiligen Verantwortung des Bun­
des und der Länder mit sich. Diese Behörden werden nun erstmals sowohl Bundes- als auch
Landeslehrerinnen und Landeslehrer verwalten.

2020 folgen weitere Neuerungen in der Schule, die auf die Bildungsreform 2017 zurückge­
hen.

Jugend und Arbeit in Österreich 34 von 74


Eine große Veränderung im Zuge der Bildungsreform 2017 ist die Organisation der Schul­
aufsicht nach Bildungsregionen. In den einzelnen Bundesländern sind je nach Größe zwei
bis sieben Bildungsregionen eingerichtet worden. Pro Bildungsregion gibt es ein regionales
Schulaufsichtsteam, das nun mit einer über den einzelnen Schulstandort bzw. dem
Schulcluster hinausgehenden Perspektive und Verantwortung jene regionalen Strategien,
Konzepte und Maßnahmen entwickelt und implementiert, die zur Verbesserung der Bil­
dungsqualität und der Erhöhung der Chancen- und Geschlechtergerechtigkeit in der Region
führen. Diese neue Struktur der Schulaufsicht ist mit 2020 sichtbar. Für die Weiterentwick­
lung des Qualitätsmanagements bedeutet dies eine Entwicklung einer Definition und Be­
schreibung von Schulqualität. Dabei werden operationalisierbaren Kriterien und
Indikatoren verwendet. In diesem Sinne wurde bereits ein Qualitätsrahmen für Schulen er­
arbeitet. Er liegt in einer Entwurfsversion vor und wird voraussichtlich im kommenden
Schuljahr 2020/21 an Schulen implementiert.

2.3.2 Nationale Strategie zur Verhinderung von frühzeitigem (Aus-)Bildungsab­


bruch
Diese Strategie zur Verhinderung von frühzeitigem (Aus-)Bildungsabbruch wurde entlang
der drei Bereiche Prävention, Intervention und Kompensation erstellt. Ein stärkerer Fokus
auf Berufs- und Bildungswegorientierung, Kompetenzerwerb und verstärkten Praxisbezug
im berufsbildenden Schulbereich, aber auch die Verhinderung von Klassenwiederholungen
leisten einen Beitrag zur Verhinderung des Schulabbruchs. Ebenso wird angestrebt, eine die
Abstimmung im Bereich der psychosozialen Unterstützungssysteme (Schulsozialarbeit,
Schulpsychologie, Schüler- und Bildungsberatung, Jugendcoaching) kontinuierlich zu ver­
bessern, vor allem in und für Schulen mit hohem Anteil sozial benachteiligter Schüler und
Schülerinnen.

2.3.3 Integration von Flüchtlingskindern und – Jugendlichen


Für die Integration von Flüchtlingskindern und -jugendlichen werden seit 2016 gezielt Maß­
nahmen u.a. zur Sprachförderung und Einrichtung mobiler interkultureller Teams (MIT) zur
Unterstützung der Schulstandorte (etwa bei Kommunikationsproblemen mit den Eltern o­
der Konfliktlösungen in der Schule) sowie Fördermaßnahmen für nicht mehr schulpflichtige
Flüchtlinge im Alter 15+ gesetzt41 .

41
Quelle: BMBWF

Jugend und Arbeit in Österreich 35 von 74


Wenn auch das spezifisch auf die Unterstützung von Flüchtlingskindern und –jugendlichen
ausgerichtete Projekt „Mobile interkulturelle Teams“ in dieser Form mit Ende August 2019
ausgelaufen ist, werden in der Mehrzahl der Bundesländer die Mitarbeiterinnen und Mitar­
beiter im Rahmen neu geschaffener psychosozialer Unterstützungsstrukturen (psychosozi­
ale Unterstützungskräfte auf Basis §11 Bildungsinvestitionsgesetz) weiterhin eingesetzt. Sie
stehen damit nach wie vor auch für entsprechende Integrationsaufgaben zur Verfügung.
Für begleitende pädagogische Integrationsmaßnahmen an Volksschulen und (Neuen) Mit­
telschulen, die besondere Unterstützung brauchen, wurden zusätzlich 250 Planstellen ge­
schaffen.

Außerdem wurden Maßnahmen erarbeitet um Sprachkompetenzen zu verbessern und der


Fokus auf die Förderung von Kompetenzen in der Bildungssprache in Deutschförderklassen
und Deutschförderkursen gelegt. Sprachkompetenz nimmt einen wichtigen Stellenwert in
allen Bereichen der Ausbildung ein, denn oftmals ist diese eine erste Hürde, an der u.a. auch
Jugendliche scheitern und in Folge beispielsweise eine berufliche Ausbildung vorzeitig be­
enden (müssen).

Ziel des 2018 etablierten Modells der Deutschförderklassen und Deutschförderkurse ist die
nachhaltige Steigerung der Deutschkompetenz, um die Erfolgschancen von allen Kindern
und Jugendlichen in der weiteren Bildungs- und Berufslaufbahn merklich zu erhöhen. Des
Weiteren sollen die Schüler und Schülerinnen intensiver als bisher gefördert werden, damit
ein rascher Umstieg in das Regelschulwesen möglich ist. Die Einführung von Deutschförder­
klassen bedeutet eine Erhöhung von 11 auf 15 Förderstunden in der Volksschule bzw. 20
Förderstunden in der Sekundarstufe; darüber hinaus mehrere Stunden gemeinsamer Un­
terricht mit Schülern und Schülerinnen der Regelklasse (z.B. Musik, Sport), einheitliche
Sprachstandüberprüfung nach jedem Semester und damit semesterweise Übertrittmöglich­
keit in den Regelunterricht. Die Deutschförderkurse ermöglichen eine gezielte Begleitung
für außerordentliche Schüler und Schülerinnen nach dem Übertritt in den Regelunterricht
im Ausmaß von 6 Stunde pro Woche.

Auslaufend wurden 2018 spezielle Maßnahmen der Basisbildung für 15- bis 19-jährige
Flüchtlinge nach den Qualitätsstandards der Initiative Erwachsenenbildung angeboten. Da­
bei geht es um die Vermittlung von Kompetenzen in Deutsch, Rechnen, IKT und Lernen.
Darüber hinaus wurden auch zusätzliche Maßnahmen im Bereich Bildungsberatung bzw.
Bildungsbegleitung und Kursangebote zum Nachholen des Pflichtschulabschlusses durchge­
führt. Weiterhin zur Verfügung stehen die Angebote der Initiative Erwachsenenbildung und
der kostenlosen Bildungsberatung Österreich.

Jugend und Arbeit in Österreich 36 von 74


2.3.4 Reflexive Geschlechterpädagogik und Gleichstellung
Seit November 2018 gilt der Grundsatzerlass „Reflexive Geschlechterpädagogik und Gleich­
stellung“ (Rundschreiben Nr. 21/2018) für das gesamte Schulwesen. Schulen und die ganze
Schulverwaltung werden damit aufgefordert, eine klare Haltung im Umgang mit Gewalt und
Sexismus einzunehmen und einen reflektierten Umgang in der Schule zu fördern, vor allem
durch den Aufbau der nötigen Kompetenzen auf allen Ebenen. Hier sind vor allem die Insti­
tutionen der Pädagoginnen-/Pädagogenausbildung gefordert. Ziel ist, dass allen – unabhän­
gig von ihrem Geschlecht oder ihrem kulturellen Hintergrund – gleiche Handlungs- und
Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet werden. Die Bildungsdirektionen in den Bundeslän­
dern erstellen Pläne zur Umsetzung des Grundsatzerlasses für die Jahre 2021 bis 2023.
Diese werden vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung abgenom­
men.

Der Grundsatzerlass soll u.a. dazu beitragen,

• Vorurteile abzubauen und individuelle Handlungsspielräume zu erweitern,


• geschlechterstereotype Zuweisungen und Festschreibungen zu überwinden,
• Vorurteile gegenüber Buben bzw. jungen Männern, die sich für Ausbildungen im Erzie­
hungs- und Gesundheitsbereich interessieren, abzubauen,
• vorhandene Potentiale von Mädchen und Frauen im MINT-Bereich besser zu aktivie­
ren,
• reflektierte Entscheidungen bezüglich der eigenen Berufs- und Lebensplanung zu tref­
fen,
• zu einem höheren Maß an Selbstbestimmung im Bereich der eigenen Gesundheit im
Sinne der WHO und der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG 5) zu befähigen,
• ein differenziertes Denken jenseits bipolarer, verengter Geschlechterbilder zu entwi­
ckeln und damit präventiv gegen Homophobie zu wirken und
• Geschlechtersegregationen in Bildung, Arbeitswelt und Gesellschaft zu minimieren
und damit die Lebens- und Berufsperspektiven sowie Teilhabechancen der jungen
Menschen zu verbessern.

Weiterführende Informationen zum Grundsatzerlass Reflexive Geschlechterpädagogik und


Gleichstellung finden sich auf den Seiten des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft
und Forschung (BMBWF): bmbwf-Gleichstellungspolicy an Schulen.

Jugend und Arbeit in Österreich 37 von 74


2.3.5 Neue Lehrpläne im berufsbildenden Schulwesen42
In den letzten Jahren wurden im Rahmen des Lehrplanpakets neue Lehrpläne für verschie­
den Bereiche in Kraft gesetzt: fünf kaufmännische, 28 technische, gewerbliche und kunst­
gewerbliche in den mittleren und höheren berufsbildenden Schulen (für Handelsschule,
Handelsakademie, höhere technische Fachrichtungen), zwölf land- und forstwirtschaftliche
Lehrpläne43 und 29 humanberufliche Lehrpläne (u.a. Tourismus, Mode, wirtschaftliche Be­
rufe). Für alle Ausbildungsschwerpunkte, Fachrichtungen und Unterrichtsgegenstände wer­
den "berufsbezogene Lernergebnisse“ angeführt (diese sind auch für europäische und
internationale Einstufungen relevant). In jedem Kompetenzmodul sind Bildungs- und Lehr­
aufgaben enthalten, welche die im jeweils aktuellen Semester zu erreichenden Kompeten­
zen sowie die entsprechenden Lehrstoffe spezifizieren.

Alle Lehrpläne der berufsbildenden Schulen können abgerufen werden unter: berufsbilden­
deschulen.at.

2.3.6 Mittelschule (MS)


Ab dem Schuljahr 2020/21 werden die Neuen Mittelschulen im Rahmen des Pädagogik Pa­
kets in Mittelschulen umbenannt. Die Mittelschule hat die Aufgabe, die Schüler und Schü­
lerinnen je nach Interesse, Neigung, Begabung und Fähigkeit für den Übertritt in
weiterführende mittlere und höhere Schulen zu befähigen sowie auf das Berufsleben vor­
zubereiten. MS sollen mit einer neuen Lehr- und Lernkultur, in welcher flexible Differenzie­
rung, Individualisierung und die Arbeit im Team im Mittelpunkt stehen Schüler und
Schülerinnen gezielt fördern. Der Lehrplan ist in den Fachlehrplänen ident mit der AHS. Eine
aussagekräftige Leistungsbeurteilung in Standard AHS bzw. Standard ab der 6. Schulstufe,
die ergänzende differenzierende Leistungsbeschreibung (EDL) sowie die Kind–Eltern–Leh­
rer- bzw. Lehrerinnen-Gespräche (KEL-Gespräche) sollen auf die Stärken der Schüler und
Schülerinnen fokussieren. Die Berechtigungen zum Übertritt in eine höhere Schule sind klar
geregelt. Im Rahmen der autonomen Möglichkeiten können die Schulen eigene Schwer­
punkte setzen44.

42
Quelle: BMBWF; Anmerkung: Die Lehrpläne für HAS, HAK, AUL und Zweisprachige HAK Slowenisch wurden
schon 2014 umgesetzt, die berufstätigen Formen (HAK B, Kolleg und Kolleg B) folgten 2015.
43
Neun Fachrichtungen, davon eine neue Fachrichtung (5-jährige Regelform und für drei Fachrichtungen zusätz­
lich AUL)
44
Quelle: BMBWF

Jugend und Arbeit in Österreich 38 von 74


2.3.7 Die neue Oberstufe (NOST)45
Der nachhaltige Kompetenzerwerb der Schülerinnen und Schüler ist oberstes Ziel der NOST.
Dabei soll Eigenverantwortung der Schülerinnen und Schüler sowie ein sorgfältiger Umgang
mit ihrer Lern- und Lebenszeit gefördert werden. Dafür werden bedarfsgerechte Förder­
maßnahmen für Schülerinnen und Schüler verankert sowie die Semestrierung, die wesent­
lich zu einer schrittweisen und kontinuierlichen Leistungserbringung aller Schülerinnen und
Schüler – von begabten bis hin zu lernschwächeren Schülerinnen und Schüler – beiträgt. Im
Rahmen der neuen Oberstufe bleiben positive Leistungen erhalten; negative Leistungen
sind auszubessern. Damit ist die Wiederholung von Schulstufen nur in bestimmten Fällen
notwendig. Das soll die Motivation der Schülerinnen und Schüler als auch die Erfolgsquoten
erhöhen. Die neue Oberstufe wird seit dem Schuljahr 2017/18 an rund 230 allgemeinbil­
denden und berufsbildenden Schulen umgesetzt. Derzeit wird an inhaltlichen Adaptierun­
gen und Weiterentwicklungen gearbeitet, die sich aus dem kontinuierlichen Begleitprozess
sowie aus den Ergebnissen der NOST-Evaluation ableiten.

45
Quelle: BMBWF

Jugend und Arbeit in Österreich 39 von 74


3 Berufsbildung und Unterstützung
am Übergang
Das (Aus-)Bildungssystem wird laufend adaptiert, um die Entwicklungsmöglichkeiten und
Berufschancen der Jugendlichen zu verbessern (siehe auch Punkt 2 auf Seite 23). Dazu zäh­
len die Berufsberatung, Förderungen und Neuerungen im Lehrsystem sowie Programme am
Übergang zwischen den Schultypen hin zum Beruf. Die AusBildung bis 18 soll garantieren,
dass jeder und jede Jugendliche eine Ausbildung absolviert. Sie wurde 2017 eingeführt und
gilt nun flächendeckend. Wichtige Angebote sind auch das Lehrlingscoaching, das Jugend­
coaching oder AusbildungsFit. Zielgruppenspezifische Angebote ergänzen diese Angebote
und werden im Folgenden genauer beschrieben.

3.1 Berufs- und Bildungsinformation

Die Phase der Berufsfindung ist für junge Menschen aufgrund der oft unüberschaubaren,
vielfältigen Angebote und Möglichkeiten eine besondere Herausforderung. Einen Überblick
über das breite Berufsspektrum mit den damit verbundenen zukünftigen Chancen am Ar­
beitsmarkt zu geben und dabei auf die individuellen Fähigkeiten und Interessen der jungen
Menschen einzugehen, ist eine komplexe Aufgabe.

Dienstleistungen der Berufsorientierung sind in Österreich breit gefächert. Neben dem


AMS, zu dessen Kernaufgaben die Berufsberatung und Arbeitsvermittlung zählen, bieten
Institutionen wie z.B. die Arbeiterkammer und die Wirtschaftskammer Beratung an. Die Be­
rufsorientierung in der Schule beinhaltet unter anderem die Förderung von Grundkompe­
tenzen im Unterricht, eine verbindliche Übung zur Berufsorientierung in der 7. und 8.
Schulstufe, Projekte und Realbegegnungen (berufspraktische Tage, Betriebserkundungen,
Besuche in Informations- und Beratungszentren, usw.), sowie Informationen durch Schüler­
berater/Schülerberaterinnen und Bildungsberater/Bildungsberaterinnen.

3.1.1 Berufs- und Bildungsinformation im Schulbereich


Die Unterstützung der Berufswahl erfolgt im Schulbereich durch die Stärkung von Orientie­
rungskompetenzen („Career Management Skills“) im Unterricht, Informations- und Bera­
tungsangebote sowie die Ermöglichung von praktisch erlebbaren Einblicken ins

Jugend und Arbeit in Österreich 40 von 74


Berufsleben. Diese kontinuierlichen, vielschichtigen Unterstützungen werden unter dem
Begriff „ibobb“ (Information, Beratung und Orientierung für Bildung und Beruf) zusammen­
gefasst und zielen in erster Linie darauf ab, Schüler und Schülerinnen dazu zu befähigen,
eigenständige Bildungs- und Berufsentscheidungen entlang ihrer Interessen und Fähigkei­
ten treffen zu können. Eine enge Kooperation mit außer- bzw. nachschulischen Einrichtun­
gen – z. B. BerufsInformationsZentren des AMS, Informations- und Beratungsangebote der
Sozialpartner sowie des tertiären Bildungssektors sind hier wesentliche Bestandteile. Nä­
here Informationen sind unter nachstehendem Link des BMBWF abrufbar: ibobb

Das ibobb-Portal bietet Informationen und Materialien zu Berufsinformationen und Berufs­


orientierung: portal.ibobb.at

"18plus – Berufs- und Studienchecker" (Link: 18plus) unterstützt Schülerinnen und Schüler
der letzten beiden Schulstufen (7./8. Klasse AHS bzw. 4./5. Jahrgang BHS), ihre Ausbildungs-
und Studienwahl besser ihren Neigungen und Fähigkeiten anzupassen. Dieses Projekt zielt
darauf ab, die individuellen Neigungen, Interessen sowie Stärken der Schüler und Schüle­
rinnen in den Mittelpunkt zu stellen.

Im Schuljahr 2019/2020 nahmen 326 Schulen mit 17.067 Schülerinnen und Schülern am
kostenlosen Programm 18plus teil. Es beteiligten sich daran 98 BHS-Standorte (36,2%) und
173 AHS-Standorte (63,8%) sowie 10 AHS/BHS und 45 andere Schulen.

3.1.2 Berufsberatung und -orientierung des AMS


Das AMS ist die zentrale Anlaufstelle für Informationen über Arbeitsmarkt und Beruf. Jun­
gen Menschen, die ihre Schulpflicht erfüllt haben, kurz vor dem Ende der Schulpflicht ste­
hen oder eine Lehrstelle suchen, bietet das AMS Erstberatungsgespräche an. Das AMS
unterstützt aber auch beim Nachholen von Bildungsabschlüssen. Bei Interesse werden die
Jugendlichen als lehrstellensuchend vorgemerkt und nach Möglichkeit in ein Ausbildungs­
verhältnis bzw. bei Bedarf in eine überbetriebliche Lehrausbildung vermittelt. In Wien ist
eine eigene regionale Geschäftsstelle für Jugendliche eingerichtet.

Die Berater und Beraterinnen der BerufsInformationsZentren (BIZ) unterstützen die Jugend­
lichen bei der Informationsrecherche, stehen bei Fragen zu Berufs- und Bildungswahl zur
Verfügung und bieten Vorträge, Workshops, Seminare oder Hausmessen an, die sich mit
Fragen rund um Arbeit und Beruf beschäftigen. Die vielfältigen Serviceleistungen der BIZ an
72 Standorten in ganz Österreich wurden im Jahr 2019 von rund 499.000 Personen genutzt.

Jugend und Arbeit in Österreich 41 von 74


Das AMS bietet Schulen spezielle Dienstleistungen an, wie z.B. einen betreuten Klassenbe­
such im BIZ, bei dem die Schüler und Schülerinnen die Möglichkeit haben, ihre beruflichen
Interessen und Neigungen zu entdecken. Der Besuch eines BIZ in der 7. oder 8. Schulstufe
ist verbindlich vorgeschrieben. Die Schüler/Schülerinnen können sich auf diese Weise selb­
ständig über Berufe und Ausbildungswege informieren und so zu fundierten Berufs- und
Bildungsentscheidungen gelangen. Informationen für Eltern und Lehrkräfte runden das An­
gebot der BerufsInformationsZentren ab. Die BIZ-Berater/BIZ-Beraterinnen leisten somit
nicht nur einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der im Lehrplan verankerten Bildungs­
ziele, sondern stärken auch die Informationskompetenz der Schülerinnen und Schüler. Im
Schuljahr 2018/2019 wurden österreichweit über 97.600 Schülerinnen und Schüler vorwie­
gend der 7. und 8. Schulstufe unterstützt46.

Die Online Angebote des Arbeitsmarktservice (AMS) bieten die Möglichkeit sich online lehr­
stellensuchend zu melden (Lehrstellensuchend melden), sowie zahlreiche Informationen:

Das interaktive Bewerbungsportal des AMS enthält Anleitungen, Übungen und Tipps zu al­
len Schritten des Bewerbungsprozesses (AMS-Bewerbungsportal). Als praktische Hilfsmittel
stehen Checklisten und viele Beispiele für Bewerbungsschreiben und Lebensläufe aus ver­
schiedenen Berufsbereichen zur Verfügung. Der Bewerbungscoach unterstützt Schritt für
Schritt bei der Erstellung eines Bewerbungsschreibens sowie eines Lebenslaufs.

Berufskompass (AMS-Berufskompass) und Jugendkompass (AMS-Jugendkompass) dienen


als Orientierungshilfe zur Berufswahl. Anhand eines Online-Tests können wichtige perso­
nen- und arbeitsplatzbezogene Fragen beantwortet werden und man erhält eine Liste von
passenden Berufsvorschlägen und eine individuelle Auswertung der Ergebnisse. Der Ausbil­
dungskompass (AMS-Ausbildungskompass) bietet detaillierte Informationen über das ös­
terreichische Bildungssystem, Bildungsmöglichkeiten und Ausbildungseinrichtungen.

Die AMS-Jugendplattform (AMS-Arbeitszimmer) bietet Informationen rund um die Schul-,


Berufs- und Studienwahl für Schüler und Schülerinnen, Lehrlinge und Studierende. Beson­
ders gefragt waren im Jahr 2019 Informationen zu Schule und Lehre sowie die konkrete
Suche nach Lehrstellenangeboten. Des Weiteren wurden die Bereiche Studium und "Cle­
vere Girls" für die Informationssuche genutzt.

Im AMS-Berufslexikon (Berufslexikon-Startseite) können Jugendliche ausführliche Beschrei­


bungen der Berufe nach Bildungsebene abrufen; über 300 Online-Videos ergänzen die Texte

46
Quelle: AMS-Geschäftsbericht 2019

Jugend und Arbeit in Österreich 42 von 74


und Bilder. Des Weiteren stehen allgemeine Informationsvideos und „virtuelle Betriebsbe­
suche“ zur Verfügung. Eine interessante Ergänzung sind die „FemTech“-Videos, die exemp­
larisch Frauen in technischen Berufen präsentieren und Mädchen zum Ergreifen eines
Berufs in diesem zukunftsträchtigen Bereich anregen.

Das AMS-Berufsinformationssystem (Berufsinformationssystem – BIS) richtet sich zwar vor­


wiegend an Experten und Expertinnen, doch auch ein Fünftel der Gesamtbevölkerung nutzt
dieses System. Im AMS-Berufsinformationssystem sind ca. 500 Berufsbeschreibungen, De­
tails zu Ausbildungen, Einkommen, Qualifikationen und Ähnliches dargestellt.

Die Online-Bildungs- und Berufsinformationsplattform des privaten Vereins Bildung und Be­
ruf (Beratung Bildung und Beruf) bietet Schülerinnen und Schülern, Personen mit höherem
Bildungsabschluss, aber auch Berufstätigen Informationen zu Fragen der Bildungs- und Be­
rufswelt. Außerdem werden Trainings, Schulungen und Coaching-Aktivitäten im Zusam­
menhang mit der Bildungs- und Berufswahl, Karriereplanung, Life-Long-Learning, etc.
angeboten.

3.2 Die Lehre

Zahlen und Daten zu Lehre sowie die Verankerung im Bildungssystem wurden bereits in den
vorangegangenen Kapiteln beschrieben. Dieses Kapitel geht genauer auf Rahmenbedingun­
gen, neue Entwicklungen und Förderungen im Lehrsystem ein.

3.2.1 Rahmenbedingungen der dualen Berufsausbildung


Dem dualen System kommt in Österreich ein großer Stellenwert zu, denn es verbindet pra­
xisorientierte Ausbildung in einem Betrieb und fachtheoretische Ausbildung (an ein bis zwei
Tagen in der Woche oder geblockt über mehrere Wochen) in einer Berufsschule. Die Dauer
der Ausbildung beträgt je nach dem gewählten Lehrberuf zwei, zweieinhalb, drei, dreiein­
halb oder vier Jahre und schließt mit der Lehrabschlussprüfung ab. Für einzelne Lehrberufe
sind branchenspezifische Schwerpunkte eingerichtet. Die Lehrlinge erhalten als „Lohn“ ein
Lehrlingseinkommen, deren Mindesthöhe in den Kollektivverträgen festgelegt wird. Das
Lehrlingseinkommen steigt in jedem Lehrjahr an und beträgt im letzten Lehrjahr durch­
schnittlich etwa 80% des entsprechenden Fachkräftegehalts. Das Einkommen beträgt zum
Beispiel für einen Einzelhandelskaufmann/eine Einzelhandelskauffrau im ersten Lehrjahr
zwischen € 550 und € 730, im zweiten Lehrjahr zwischen € 590 bis € 820 und im dritten

Jugend und Arbeit in Österreich 43 von 74


Lehrjahr € 710 bis € 950 (2019). Abgeschlossen wird die Lehre mit einer Lehrabschlussprü­
fung. Rund 35% der Jugendlichen in Österreich erlernen nach Beendigung der Pflichtschule
einen gesetzlich anerkannten Lehrberuf. Die duale Ausbildung ist damit der zahlenmäßig
stärkste Bildungsweg der Sekundarstufe II. Gewählt werden kann aus ca. 200 Lehrberufen.
Durch die stetige Weiterentwicklung der Ausbildungsordnungen und die Neuentwicklung
von Lehrberufen kann auf die Erfordernisse der Wirtschafts- und Arbeitswelt reagiert wer­
den und die Ausbildungen können dem Bedarf entsprechend angeboten werden.

Die Lehre wird im Berufsausbildungsgesetz (BAG) und Schulorganisationsgesetz (SCHOG)


sowie im Land und forstwirtschaftlichen Berufsausbildungsgesetz (LFBAG) geregelt. Im Fol­
genden werden die wichtigsten Neuerungen der letzten Jahre beschrieben.

3.2.2 Modularisierung in der Lehrausbildung


Seit 2006 besteht die Möglichkeit der Modularisierung von Lehrberufen. Ein Modullehrbe­
ruf gliedert sich in drei Module: dem Grundmodul (zwei Jahre, Erwerb grundlegender Tätig­
keiten), dem Hauptmodul (mindestens ein Jahr, Erwerb von für einen Lehrberuf typische
Kenntnisse und Fertigkeiten), dem Spezialmodul (ein halbes bis ein Jahr, Erwerb fachspezi­
fischen Detailwissens).

Das gemeinsame Grundmodul sichert eine einheitliche Ausbildungsbasis und die verschie­
denen Haupt- und vertiefenden Spezialmodule stellen die Grundlage für unterschiedliche
Kombinationsmöglichkeiten des jeweils erlernten Lehrberufs dar. Innerhalb eines Gesamt­
zeitraumes von vier Jahren können die Grund-, Haupt- und Spezialmodule absolviert wer­
den.

3.2.3 Verlängerte Lehrausbildung und Teilqualifizierung (Berufsausbildung nach §


8b BAG)
Durch die Novelle zum Berufsausbildungsgesetz (BAG) im Jahr 2003 wurde die gesetzliche
Grundlage für eine integrative Berufsausbildung für benachteiligte Personen mit persönli­
chen Vermittlungshindernissen47 geschaffen.

47
Das sind Personen, die nicht in eine reguläre Lehre vermittelt werden konnten und zusätzlich einer der folgen­
den Gruppen angehören: Personen mit sonderpädagogischen Förderbedarf am Ende der Pflichtschule, die zumin­
dest teilweise nach dem Lehrplan einer Sonderschule unterrichtet wurden, Personen ohne Hauptschulabschluss

Jugend und Arbeit in Österreich 44 von 74


Bei einer verlängerten Lehrausbildung kann die Lehrzeit um ein Jahr – in Ausnahmefällen,
wenn dies für die Erreichung der Lehrabschlussprüfung notwendig ist, auch um bis zu zwei
Jahre – verlängert werden. Der Erwerb einer Teilqualifikation ist innerhalb von einem bis
drei Jahren möglich. Personen mit verlängerter Lehrzeit sind hinsichtlich der Berufsschul­
pflicht den Lehrlingen gleichgestellt. Eine verlängerte Lehrausbildung sowie eine Teilquali­
fikation kann sowohl im Rahmen einer betrieblichen Lehrausbildung als auch im Rahmen
einer Überbetrieblichen Lehrausbildung (ÜBA) absolviert werden. Sie wird durch die Berufs­
ausbildungsassistenz begleitet. Die Berufsausbildungsassistenten und -assistentinnen un­
terstützen benachteiligte und behinderte Jugendliche während des
Ausbildungsverhältnisses im Betrieb (oder in der Einrichtung) und in der Berufsschule.

Von insgesamt 109.111 Lehrlingen mit Stichtag Ende Dezember 2019 hatten 8.213 Jugend­
liche einen Ausbildungsplatz in der Berufsausbildung gem. § 8b BAG. Von diesen Lehrlingen
befanden sich 6.625 in verlängerten Lehrausbildungen und 1.588 in Teilqualifizierungen48.

3.2.4 Lehre mit Matura


Seit 2008 können Lehrlinge kostenfrei die Reifeprüfung („Berufsmatura“) absolvieren. Drei
der vier Teilprüfungen (Deutsch, lebende Fremdsprache, Mathematik und ein Fachbereich
aus dem jeweiligen Lehrberuf) können bereits vor der Lehrabschlussprüfung abgelegt wer­
den, die letzte nach Vollendung des 19. Lebensjahres.

Um die Berufsreifeprüfung im Rahmen des Förderprogramms „Berufsmatura: Lehre mit Rei­


feprüfung“ kostenlos absolvieren zu können, muss zumindest eine Teilprüfung während der
Lehre erfolgreich abgelegt werden, die Übrigen können bis spätestens drei oder fünf Jahre
nach dem Lehrabschluss kostenfrei absolviert werden. Eine Eingangsphase bestehend aus
Potenzialanalyse, Basiskursen in Deutsch und Mathematik sowie einem Beratungsgespräch
bereitet Lehrlinge optimal auf den Einstieg in das Förderprogramm vor.

In jedem Bundesland gibt es eine Koordinierungsstelle, die für die Anmeldung und Organi­
sation der Vorbereitungskurse zuständig ist. Der Einstieg in die Vorbereitungskurse ist in
allen Lehrberufen ab dem ersten Lehrjahr möglich. Die Vorbereitungskurse werden u.a. von
WIFI, BFI, Volkshochschulen, Berufsschulen oder höheren Schulen angeboten. Die Vorbe­
reitungskurse können außerhalb der Arbeitszeit besucht werden. Mit Einverständnis des

bzw. mit negativen Hauptschulabschluss, Behinderte im Sinne des Behinderteneinstellungsgesetzes (Landesbehin­


dertengesetzes) oder sozial benachteiligte Personen, bei denen aufgrund einer Berufsorientierungsmaßnahme
feststeht, dass sie eine Lehrausbildung voraussichtlich nicht schaffen werden.
48
Quelle: Lehrlingsstatistik 2019 (Tabelle: Lehrlinge nach Bundesländern), Wirtschaftskammer Österreich

Jugend und Arbeit in Österreich 45 von 74


Lehrbetriebs können die Kurse aber auch während der Arbeitszeit absolviert werden. Im
Einvernehmen mit dem Lehrling kann dafür die Lehrzeit um maximal 18 Monate verlängert
werden. Eine Verlängerung der Lehrzeit ist jedoch nicht zwingend.

Der Abschluss der Berufsreifeprüfung berechtigt uneingeschränkt zu einem Studium an ös­


terreichischen Universitäten und Fachhochschulen sowie zum Besuch von Kollegs und an­
deren Ausbildungseinrichtungen, die eine Reifeprüfung voraussetzen.

3.2.5 Lehre nach Abschluss einer Matura


In relativ kurzer Zeit können Absolventen und Absolventinnen einer allgemeinbildenden o­
der berufsbildenden höheren Schule eine Lehre als zusätzliche praxisorientierte Berufsaus­
bildung absolvieren. Absolventen und Absolventinnen einer mindestens dreijährigen
berufsbildenden mittleren Schule, Maturanten und Maturantinnen sowie Jugendliche, die
bereits einen Lehrberuf erlernt haben, können einen mindestens dreijährigen Lehrberuf in
um ein Jahr verkürzter Lehrzeit erlernen. Der Berufsschulbesuch erfolgt dann in kompri­
mierter Form.

3.2.6 Betriebliche Lehrstellenförderung


Mit betrieblicher Förderung werden Anreize zur Ausbildung von Lehrlingen geschaffen- und
die Qualität in der Lehrlingsausbildung erhöht. Ausbildungsverbünde, Aus- und Weiterbil­
dung von Ausbilderinnen und Ausbildern, Zusatzausbildungen von Lehrlingen, die Ausbil­
dung in Lehrberufen entsprechend dem regionalen Fachkräftebedarf, ein gleichmäßiger
Zugang von jungen Frauen und jungen Männern zu den verschiedenen Lehrberufen werden
gefördert. Die Förderung von Beratungs-, Betreuungs- und Unterstützungsleistungen trägt
zur Erhöhung der Chancen auf eine erfolgreiche Berufsausbildung und auch zur Anhebung
zur Ausbildungsbeteiligung insbesondere in Bereichen mit wenigen Ausbildungsbetrieben
oder Lehrlingen bei.

Seit 2008 gibt es die betriebliche Lehrstellenförderung gemäß dem Berufsausbildungsge­


setz (BAG). Die Richtlinien werden vom Förderausschuss festgelegt, der beim Bundes-Be­
rufsausbildungsbeirat eingerichtet ist und sich aus Mitgliedern des BMDW, des BMAFJ, der
WKÖ und der AK zusammensetzt. Bestimmte Richtlinien wie das Coaching für Lehrlinge
und Lehrbetriebe werden ausschließlich von der Bundesministerin für Wirtschaft im Ein­
vernehmen mit der Bundesministerin für Arbeit festgelegt.

Jugend und Arbeit in Österreich 46 von 74


Die betriebliche Lehrstellenförderung wird über die Lehrlingsstellen der Wirtschaftskam­
mer abgewickelt und aus Mitteln des Insolvenzentgeltfonds (IEF) gespeist. Insgesamt wur­
den im Jahr 2019 vom Insolvenzentgeltsfonds rund € 229,5 Mio. (Planwerte49) für die
betriebliche Lehrstellenförderung aufgewendet. Detaillierte Informationen zur betriebli­
chen Lehrstellenförderung sind auf folgenden Seiten zu finden:

• BMDW zu Lehre Fördern: Themen/Lehre- und Berufsausbildung/Lehrlingsausbildung-


Duales System/Lehre fördern
• WKO zu Förderungen Lehre: Service/Bildung-Lehre/Förderungen-Lehre
• Qualitätsbezogene Maßnahmen/Aktivitäten: Qualität der Lehre

a) Basisförderung

Die Basisförderung orientiert sich an der Höhe der Lehrlingseinkommen. Sie beträgt im ers­
ten Lehrjahr drei kollektivvertragliche Brutto-Lehrlingseinkommen, im zweiten Lehrjahr
zwei Brutto-Lehrlingseinkommen und im dritten und vierten Lehrjahr ein Brutto-Lehrlings­
einkommen.

Für die Lehre von Erwachsenen (Personen über 18 ohne berufsbildenden Sekundarab­
schluss, wenn sie nicht die Förderung des AMS in Anspruch nehmen) steht eine Variante
der Basisförderung zur Verfügung. Die Förderhöhe wird dann auf Grundlage des Entgelts
für Hilfskräfte berechnet, mit dem Lehrlinge ab 18 entlohnt werden.

b) Zwischen- und überbetriebliche Ausbildungsmaßnahmen

Förderbar sind Lehrberechtigte, deren Lehrlinge eine zwischen- oder überbetriebliche Aus­
bildungsmaßnahme absolviert haben. Das sind zum Beispiel Ausbildungsverbundmaßnah­
men, berufsbezogene Zusatzausbildungen von Lehrlingen, die über das Berufsbild
hinausgehen, Vorbereitungskurse auf Lehrabschlussprüfungen oder Vorbereitungskurse
auf die Berufsreifeprüfung ohne Verlängerung der Lehrzeit unter Anrechnung auf die Ar­
beitszeit.

c) Maßnahmen zur Weiterbildung für Ausbilderinnen und Ausbilder

49
Quelle: BMAFJ, Mitteleinsatz für Jugendliche

Jugend und Arbeit in Österreich 47 von 74


Um die Qualität der Lehre zu erhöhen, wird die Weiterbildung der Ausbilderinnen und Aus­
bilder gefördert. Die Weiterbildung muss eine Mindestdauer von 8 Stunden betragen. Ge­
fördert werden Weiterbildungsmaßnahmen mit Bezug zur Ausbilderqualifikation wie z.B.
Ausbildungsrecht, Umgang mit Lehrlingen und Persönlichkeitsbildung.

d) Eine Prämie für Lehrabschlussprüfungen mit gutem Erfolg oder Auszeichnung

Förderbar sind Lehrberechtigte, deren Lehrabsolventen und Lehrabsolventinnen LAP-


Ergebnisse mit Auszeichnung oder mit gutem Erfolg bei erstmaligem Antritt zu einer Lehr­
abschlussprüfung im betreffenden Lehrverhältnis erreichen.

e) Maßnahmen und Projekte, die den gleichmäßigen Zugang von Frauen und Männern
zu den Lehrberufen fördern

Mit dieser Maßnahme werden Projekte gefördert, die das Ziel eines gleichmäßigen Zugangs
von Frauen und Männern in die Lehre haben. Das betrifft zum Beispiel Job Coaching, die
Sensibilisierung von Unternehmen oder Initiativen zur Förderung von Frauen in technikori­
entierten Lehrberufen.

f) Maßnahmen für Lehrlinge mit Lernschwierigkeiten

Übernommen werden Kosten bei der Wiederholung einer Berufsschulklasse, für Vorberei­
tungskurse auf Nachprüfungen oder Nachhilfekurse auf Pflichtschulniveau. Auch ein zusätz­
licher Besuch von Berufsschulstufen wird unterstützt (bei Lehrzeitanrechnungen, verkürzter
Lehrzeit oder Versäumen einer Berufsschulstufe durch Lehrplatzwechsel).

g) Förderung der Internatskosten während des Besuches der Berufsschule

Diese Förderung ersetzt die Kosten für die Unterbringung und Verpflegung während des
Besuchs der Berufsschule, die sonst vom Betrieb getragen werden müssten.

h) Prämie für Ausbildung von Lehrlingen aus überbetrieblicher Ausbildungseinrichtung

Diese Förderart steht Unternehmen zur Verfügung, die Lehrlinge, die die Ausbildung in ei­
ner überbetrieblichen Ausbildungseinrichtung gemäß § 30 BAG oder § 30b BAG begonnen
haben, in ein betriebliches Lehrverhältnis übernehmen. Die Förderung wird in Form einer
einmaligen Prämie von € 1.000,- gewährt. Es gelten folgende Bedingungen:

• Die Ausbildung erfolgt im selben – oder in einem verwandten Lehrberuf;

Jugend und Arbeit in Österreich 48 von 74


• die bereits absolvierte Ausbildungszeit wird angerechnet;
• es wird keine AMS Förderung für den oder die Jugendliche/n in Anspruch genommen
(Frauen in „Männerberufen“) und
• der Lehrvertrag wurde zwischen 1. August 2018 und 31. Dezember 2020 abgeschlos­
sen (eine Ausweitung auf das Jahr 2021 ist in Planung).

i) Förderung von Beratungs-, Betreuungs- und Unterstützungsleitungen

• Qualität in der Ausbildung – Ausbildungsleitfäden

Ausbildungsleitfäden dienen Betrieben als Angebot zur Strukturierung und Qualitätssi­


cherung. Sie beinhalten Handlungsanleitungen, Tipps und Best-practice Beispiele zur
Vermittlung komplexer Lerninhalte. Für diesen Zweck werden aus Mittelns gemäß
§ 13e IESG 2019 € 814.29350 bereitgestellt.

• Lehrabschlussprüfung

− Clearingstelle LAP: Die Clearingstelle wurde eingerichtet, um die Qualität von Prü­
fungsbeispielen für alle Lehrlingsstellen zu sichern. Sie soll unter anderem Prü­
fungsfragen und Beispiele überprüfen, neue ausarbeiten und diese mit einem
„Qualitätssiegel“ kennzeichnen. So wurde durch die Clearingstelle etwa ein Kon­
zept für die Vorbereitung von Prüfern und Prüferinnen auf die Prüftätigkeit und
Entwicklung eines Zertifikates („zertifizierte/r LAP-Prüferin bzw. LAP-Prüfer“) er­
stellt. Für diese Maßnahme konnten im Jahr 2019 insgesamt bis zu € 330.65751
aus Mitteln zur Verfügung gestellt werden.
− Übernahme der Kosten bei wiederholtem Antritt zur Lehrabschlussprüfung: Bei
einem erforderlichen wiederholten Antritt bei der Lehrabschlussprüfung werden
die Kosten der Prüfungstaxe sowie die Kosten für die erforderlichen Prüfungsma­
terialien für Lehrlinge, die die LAP beim ersten oder zweiten Antreten nicht ge­
schafft haben, übernommen.
− Teilnahme an Schulungen zur Vorbereitung auf die Prüftätigkeit: Kosten, die durch
die Teilnahme an einer Schulung entstehen, die Prüferinnen und Prüfer in pädago­
gisch-didaktischer Hinsicht auf ihre Prüftätigkeit vorbereitet bzw. weiterbildet,
werden auf Antrag von der Lehrlingsstelle ersetzt. Ebenso werden Lehrlinge bei
dem Besuch von Vorbereitungskursen für die Lehrabschlussprüfung unterstützt.

50
Quelle: Jahresbericht WKÖ Inhouse
51
Quelle: Jahresbericht WKÖ Inhouse

Jugend und Arbeit in Österreich 49 von 74


• Unterstützungsleistungen zur Förderung der Internationalisierung der dualen Ausbil­
dung

− Um die Internationalisierung zu unterstützen gibt es eine Vielzahl an Förderungen:


das betrifft den Ersatz der Lehrlingseinkommen bei Auslandspraktika, Sprachkurse
für Lehrlinge im Zusammenhang mit Auslandspraktika, eine Praktikumsprämie für
Lehrlinge bei Auslandsaufenthalt, Serviceleistungen für Lehrlinge und Lehrbe­
triebe im Zusammenhang mit Auslandspraktika sowie die Teilnahme an internati­
onalen Berufswettbewerben.
− So können zum Bespiel Unternehmen, die Lehrlinge bzw. Lehrabsolventen und -
absolventinnen zu internationalen Berufswettbewerben (World Skills – Berufs­
weltmeisterschaften, Euro Skills - Berufseuropameisterschaften) entsenden, durch
einen Zuschuss unterstützt werden. Sie erhalten bei der Lehrlingsstelle die auf die
vorgesehene (externe) Vorbereitungszeit sowie die Wettkampftage aliquot entfal­
lende Lehrlingseinkommen bzw. das aliquote Gehalt bzw. den aliquoten Lohn als
Zuschuss. 2019 wurden € 1,2 Mio52 aus Mitteln für diesen Zweck zur Verfügung
gestellt.

• Ergänzende Maßnahmen zur Unterstützung der Qualität der Betrieblichen Lehrlings­


ausbildung

Ziel ist es, das Qualitätsmanagement und die Qualitätssicherung der betrieblichen Aus­
bildung zu unterstützen und systemrelevante Instrumente in Pilotversuchen zu erpro­
ben oder weiterzuentwickeln. Um die Qualität in der dualen Ausbildung zu erhöhen,
wird ein flächendeckendes und datenbasiertes Qualitätsmanagement-System für die
Lehrlingsausbildung („Qualitätsmanagement in der Lehre“) angeboten. Die bundes­
weite Koordination erfolgt durch den Qualitätsausschuss des Bundes-Berufsausbil­
dungsbeirates.

• Ergänzende Maßnahmen zur Unterstützung der Integration in die Lehrausbildung und


in den Arbeitsmarkt

Ergänzend zu den oben angeführten Unterstützungsleistungen können zum Zweck der


besseren – auch überregionalen – Integration von Personen in die Lehrlingsausbildung
und den Arbeitsmarkt folgende Maßnahmen finanziert werden. Der Schwerpunkt liegt
bei Personen mit Migrationshintergrund sowie Asylberechtigten bzw. subsidiär Schutz­

52
Quelle: Jahresbericht WKÖ Inhouse

Jugend und Arbeit in Österreich 50 von 74


berechtigten (siehe auch „Überregionale Lehrstellenvermittlung“). Die Finanzierung er­
folgt durch zusätzlich zur Verfügung stehenden Mittel gemäß § 13e IESG. Im Jahr 2019
wurden für diese Maßnahmen. € 3,4 Mio.53 zur Verfügung gestellt:

− Zielgruppenspezifische Unterstützungsleistungen im Rahmen des Programms


„Coaching und Beratung für Lehrlinge und Lehrbetriebe“ (siehe Infobox 1);
− Organisation und Bereitstellung von begleitenden Unterstützungsmaßnahmen er­
gänzend zu den Förderarten in Punkt III der Richtlinie gemäß § 19c Abs. 1 Z 1-7
BAG sowie bei Bedarf, psychosozialer Betreuung;
− Unterstützende Projekte und Instrumente zur Begründung einer betrieblichen
Lehrausbildung;
− Projekte zur betrieblichen Ausbildung von jungen Erwachsenen mit dem Ziel der
Ablegung der Lehrabschlussprüfung

Konkret geht es dabei um folgende Vorhaben:

− Überregionale Besetzung offener Lehrstellen für Jugendliche mit besonderem In­


tegrationsbedarf (siehe Infobox 2);
− „JUST Integration“ - Stiftung für junge Erwachsene mit Integrationsschwierigkei­
ten für individuelle, begleitete und unterstützte arbeitsplatznahe Ausbildungen
mit Lehrabschluss (Schwerpunkt Asyl- und subsidiär Schutzberechtigte);
− „JUST 2 JOB“ – Implacement Zielgruppenstiftung für junge Erwachsene zwischen
20 und 30 Jahren (siehe Infobox 3) und
− vorgelagerte Unterstützung beim Zugang zur Lehrausbildung.

53
Quelle: Jahresbericht WKÖ Inhouse

Jugend und Arbeit in Österreich 51 von 74


Infobox 1: Coaching und Beratung für Lehrlinge und Lehrbetriebe

Ziel des Lehrlings- und Lehrbetriebscoachings (Link: Lehre statt Leere) ist es, die
Zahl der Drop-Outs aus der Lehrausbildung zu verringern, die Zahl der bestandenen
Lehrabschlussprüfungen zu erhöhen und die Qualität in der Lehrausbildung zu ver­
bessern, indem Lehrlinge und Betriebe bei Problemen durch Coaches unterstützt
werden. Das Angebot startete im Sommer 2012 als Pilotprojekt in den Bundeslän­
dern Oberösterreich, Steiermark, Tirol und Wien. Im Jahr 2015 erfolgte eine Aus­
dehnung auf ganz Österreich.

Coaching für Lehrlinge: Bei Schwierigkeiten im Rahmen der Ausbildung können


Lehrlinge (für sich selbst), Ausbildner bzw. Ausbildnerinnen/Ausbildungsverant­
wortliche in den Betrieben, Berufsschulen oder Eltern bei der Lehrlingsstelle eine
Begleitung durch einen professionellen Coach beantragen. Aufgaben der Coaches
sind: Führung eines Erstgespräches mit dem Lehrling, Aufzeigen von Perspektiven,
evtl. Durchführung eines Mediationsverfahrens, Betreuung bei der Auswahl von
Nach- bzw. Höherqualifizierungen oder Weiterbildungsmaßnahmen sowie bei der
Vorbereitung auf die Lehrabschlussprüfung. Die erforderlichen Maßnahmen wer­
den im Erstgespräch sondiert und festgelegt, Folgegespräche zur Standortbestim­
mung werden je nach Bedarf zwischen Lehrling und Coach vereinbart.

Coaching für Lehrbetriebe: Zur Gestaltung der Ausbildung im Betrieb, bei Fragen
im Umgang mit Lehrlingen oder zu Förderungen sowie zur Information über Bil­
dungsangebote für Lehrlinge und Ausbildner bzw. Ausbildnerinnen kann Ausbil­
dungsunternehmen über Antrag bei der Lehrlingsstelle ein Coach zur Verfügung
gestellt werden. Beratungstätigkeit und -intensität richten sich nach dem Bedarf
des Unternehmens und werden individuell vereinbart.

Info-Line: Um allen Betroffenen und Interessierten rasch und unkompliziert wich­


tige Informationen bezüglich des Fachbereichs Lehre während des Lockdowns auf­
grund der COVID-19-Pandemie im Frühling 2020 bereit zu stellen, wurde eine
telefonische Info Line geschaffen, die auch in der Zeit nach dem Lockdown weiter­
geführt wird.

In den letzten Jahren konnte die Inanspruchnahme des Angebots deutlich gestei­
gert werden. Im Jahr 2019 nahmen rund 2.200 Lehrlinge ein Lehrbetriebscoaching

Jugend und Arbeit in Österreich 52 von 74


in Anspruch. Außerdem wurden über 200 Betriebe vom Lehrbetriebscoaching be­
treut. Seit Einführung des Programms im Dezember 2016 wurden bis Ende Dezem­
ber 2019 insgesamt 7.133 Lehrlinge und 1.018 Lehrbetriebe vom Lehrlings- und
Lehrbetriebscoaching unterstützt.

In den nächsten Jahren soll das Angebot verstärkt präventiv wirken und auf Bera­
tungsangebote im digitalen Setting wird ergänzend Wert gelegt. Zudem soll, wenn
nicht bereits Berufsausbildungsassistenz involviert ist, der Übertritt von der über­
betrieblichen Lehre in einen Betrieb durch das Lehrlingscoaching begleitet und das
Beratungsangebot erweitert werden.

Infobox 2: Überregionale Lehrstellenvermittlung

In einem Wiener Pilotprojekt werden anerkannte jugendlichen Flüchtlingen unter


25 Jahren durch die überregionale Lehrstellenvermittlung berufliche Perspektiven
in Berufen mit Lehrlingsmangel angeboten. Dabei werden im Vorfeld die Kompe­
tenzen und Interessen der Jugendlichen erhoben, um ein optimales Matching mit
den angebotenen Lehrstellen zu gewährleisten. Die Jugendlichen werden auf das
Lehrverhältnis vorbereitet und auch nach der Vermittlung begleitet. Sie haben vor
Ort mit einem Lehrlingscoach einen fixen Ansprechpartner bzw. eine fixe Ansprech­
partnerin für berufliche und private Fragestellungen. Der Lehrlingscoach bereitet
auch den Betrieb auf das Ausbildungsverhältnis mit dem jugendlichen Flüchtling
vor.

Infobox 3: JUST 2 JOB Implacementstiftung

Junge Erwachsene zwischen 18 und 30 Jahren mit ausschließlich Pflichtschulab­


schluss, die beim AMS trotz erfolgter Vermittlungsbemühungen weiterhin arbeits­
los vorgemerkt sind und sich für einen Lehrabschluss und anschließendem
Dienstverhältnis interessieren werden hier gefördert. Die Zahl der förderbaren Per­
sonen ist auf 1.000 begrenzt.,

Jugend und Arbeit in Österreich 53 von 74


Infobox 4: Europass54

Mit dem Europass ist es möglich, Ausbildungen europaweit einheitlich zu dokumen­


tieren. Somit werden Informationen über die erlernten Ausbildungsinhalte und die
Anrechnung in anderen europäischen Staaten erleichtert. Im Europass sind der Eu­
ropass Lebenslauf (einheitliches Format für die Abfassung eines individuellen Le­
benslaufes), Europass Mobilitätsnachweis (zur Dokumentation von im Ausland
erworbenen Fertigkeiten, Qualifikationen und Kompetenzen), Europass Zeugniser­
läuterung und Europass Diplomzusatz (Begleitblätter zu Abschlusszeugnissen) und
der Europass Sprachenpass (Kompetenznachweis über Fremdsprachenkenntnisse)
enthalten.

Infobox 5: Begabtenförderung durch Mobilitätsprojekte – Auslands-Praktika für


begabte Lehrlinge

Seit 2014 werden in einem eigenen Programm Auslandspraktika von begabten


Lehrlingen gefördert. Im Rahmen dieses Projektes – welches von der Wirtschafts­
kammer Österreich und dem Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und
Wirtschaft initiiert wurde – können Lehrlinge, die eine besondere Leistung nach­
weisen können (Nachweis eines Notendurchschnitts von max. 2,0 im letzten Be­
rufsschulzeugnis), ein Auslandspraktikum absolvieren. Zielgruppe sind Lehrlinge in
einem aufrechten Lehrverhältnis nach § 2 BAG sowie Lehrabsolventen und -absol­
ventinnen bis längstens ein Jahr nach abgelegter Lehrabschlussprüfung. Nähere
Hinweise und Informationen finden sich unter folgendem Link: ifa-Begabtenförde­
rung/Mobilitätsprojekte.

54
Quelle: BMBWF

Jugend und Arbeit in Österreich 54 von 74


Infobox 6: Lehrlingsbonus

Seit Juli 2020 gibt es den Lehrlingsbonus – dieser kann bis zu € 3.000 betragen. Aus­
bildungsbetriebe erhalten für neu aufgenommene Lehranfänger € 2.000 und
Kleinst- und Kleinunternehmer erhalten einen Zusatzbonus von bis zu € 1.000. Der
Lehrvertrag muss zwischen dem 14. 3. und dem 31. 10. 2020 erfolgt sein; für Lehr­
linge, die aus einer überbetrieblichen Ausbildung (ÜBA) übernommen werden, gilt
die Frist bis zum 31. 3. 2021.

3.2.7 Lehrstellenförderung des AMS


Zusätzlich zur betrieblichen Lehrstellenförderung, die unter Punkt 3.2.6 auf Seite 46 be­
schrieben wird, fördert das AMS Lehrstellen von folgenden Personengruppen:

• Mädchen/Frauen in Lehrberufen mit geringem Frauenanteil55,


• besonders benachteiligte56 Lehrstellensuchende57,
• Teilnehmer und Teilnehmerinnen an einer Lehrausbildung mit verlängerter Lehrzeit
oder einer Teilqualifikation sowie
• über 18-Jährige deren Qualifikationsmängel durch eine Lehrausbildung gelöst werden
können oder die Schulabbrecher bzw. Schulabbrecherinnen sind;

Diese Förderung können Unternehmen und Ausbildungseinrichtungen erhalten. Die Förde­


rung wird als monatlicher Zuschuss zu den Kosten der Lehrausbildung bzw. der Lehrausbil­
dung mit verlängerter Lehrzeit oder Teilqualifizierung (Lehrlingseinkommen, Personal- und
Sachaufwand) ausbezahlt. Die Beihilfe wird jeweils für ein Lehr-/Ausbildungsjahr bewilligt
und kann für maximal drei Jahre gewährt werden.

Ein Wechsel von nicht geförderter Lehrausbildung in eine geförderte Lehrausbildung mit
verlängerter Lehrzeit oder eine Teilqualifikation ist möglich, wenn am Ende der Lehrzeit

55
Alle Lehrberufe, deren Anteil der weiblichen Lehrlinge an der Gesamtzahl der Lehrlinge im vorangegangenen
Ausbildungsjahr unter 40% lag.
56
Die Beihilfe beträgt bei Betrieben € 400 und bei Ausbildungseinrichtungen € 453, sofern ein Landesdirektorium
des Arbeitsmarktservice Schulabbrecher/Schulabbrecherinnen zum förderbaren Personenkreis hinzuzählt.
57
Zum Beispiel: mit physischer, psychischer oder geistiger Einschränkung; mit sozialer Fehlanpassung; wenn die
Schulpflicht zur Gänze oder teilweise in der Sonderschule oder Hauptschule/Neue Mittelschule mit sonderpädago­
gischen Förderungsbedarf absolviert wurde; lernschwache Pflichtschulabsolventen/-absolventinnen, etc.

Jugend und Arbeit in Österreich 55 von 74


eine verlängerte Lehrzeit vereinbart wird. Förderbar ist nur der zusätzliche Zeitraum, der
für die Verlängerung nötig ist.

Für die personenbezogene Förderung des Arbeitsmarktservice wurden im Jahr 2019 vom
diesem ca. € 38,5 Mio.58 aufgewendet.

3.3 Übergangsmanagement Schule–Beruf

Dieser starke Schwerpunkt auf Jugendliche und junge Erwachsene unter 25 Jahren im Rah­
men der Arbeitsmarktpolitik spiegelt sich auch im Mitteleinsatz wider: Im Jahr 2019 setzte
die Bundesregierung für die Eingliederung von Jugendliche in den Arbeitsmarkt ein Budget
von rund € 920 Mio. ein. Davon wurden € 579 Mio. über Förderungen und Beihilfen des
Arbeitsmarktservice umgesetzt. Rund € 230 Mio. flossen in die betriebliche Lehrstellenför­
derung. Rund € 111 Mio. standen für die unterschiedlichen Angebote des Sozialministerum­
service zur Verfügung. Für den zielgerichteten Ausbau der Angebote der „AusBildung bis
18" standen im Jahr 2019 zusätzliche Mittel in Höhe von € 53 Mio. zur Verfügung. Für den
Vollausbau ab 2020 werden hierfür jährlich rund € 57 Mio. vorgesehen.

Der Übergang von der Schule in den Beruf ist für Jugendliche mit vielen Herausforderungen
verbunden und gestaltet sich nicht immer linear. Es gibt daher ein breites Angebot an Pro­
grammen und Projekten für Jugendliche, das sich an ihren unterschiedlichen Ansprüchen
und Fähigkeiten orientiert. Im Mittelpunkt stehen Beratungs- und Betreuungsleistungen so­
wie Nachreifungs- und Qualifizierungsangebote. Sie sollen jungen Menschen Orientierung
und Begleitung durch die oftmals unübersichtliche Berufs- und Bildungslandschaft geben.

3.3.1 AusBildung bis 18 (Ausbildungspflicht)


Seit Juli 2017 soll jede/r Jugendliche nach der Pflichtschule verpflichtend eine weiterfüh­
rende (Aus-)Bildung absolvieren. Dies kann beispielsweise der Besuch einer mittleren oder
höheren Schule oder das Absolvieren einer Lehrausbildung sein. Benachteiligten Jugendli­
chen stehen Programme wie Produktionsschulen oder die überbetriebliche Lehrausbildung
zur Verfügung. Die "AusBildung bis 18" hat zum Ziel, ineinandergreifende Angebote, not­
wendige Unterstützung und die richtigen Anreize zu schaffen und damit die Verbindlichkeit
der Wahrnehmung von Bildungs- und Ausbildungsangeboten zu erhöhen.

58
Quelle: BMAFJ; Mitteleinsatz für Jugendliche

Jugend und Arbeit in Österreich 56 von 74


Während die meisten Jugendlichen derzeit nach dem Ende der Schulpflicht ohnehin schon
den Schulbesuch fortsetzen oder eine Lehre absolvieren, trifft dies für eine kleine Gruppe
nicht zu. Sie brechen ihren Schulbesuch oder ihre Ausbildung ab, nehmen Hilfstätigkeiten
an oder ziehen sich phasenweise ganz aus den Systemen Bildung, Ausbildung und Arbeits­
markt zurück. Besonders jene Jugendlichen, die bisher nicht den nachhaltigen Zugang zu
weiterführender Bildung gefunden haben, werden im Rahmen der „AusBildung bis 18“
durch entsprechende Angebote bedarfsgerecht unterstützt.

Dies wird dadurch gewährleistet, dass einerseits die bereits vielfältige Angebotslandschaft
besser koordiniert und effizienter genutzt wird und andererseits Angebotslücken geschlos­
sen werden. Die dazu erforderlichen (Weiter-)Entwicklungen betreffen die Unterstützung
bei der Ausbildungswahl, die Vermeidung von Bildungs- und Ausbildungsabbrüchen, die
Vorbereitung auf weiterführende Ausbildungen für benachteiligte Jugendliche sowie die
betriebliche und überbetriebliche Lehrausbildung.

Verantwortlich für die Umsetzung der AusBildung bis 18 sind das Bundesministerium für
Arbeit, Familie und Jugend (BMAFJ), das Bundesministerium für Soziales, Gesundheit,
Pflege und Konsumentenschutz (BMSGPK), das Bundesministerium für Bildung, Wissen­
schaft und Forschung (BMBWF), das Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschafts­
standort (BMDW). In den Prozess einbezogen sind auch weitere relevante Akteure bzw.
Akteurinnen wie das Arbeitsmarktservice (AMS) und das Sozialministeriumservice (SMS),
Länder, Sozialpartner, Bundesjugendvertretung (BJV) und Gemeinden.

Dieses mit der AusBildung bis 18 verbundene Ausbildungspflichtgesetz wurde im Juli 2016
durch das Parlament beschlossen und ist am 1. August 2016 in Kraft getreten, wobei die
Ausbildungspflicht nach dem Aufbau der entsprechenden Maßnahmen ab dem 1. Juli 2017
wirksam wurde.

3.3.2 Jugendcoaching
Zielgruppe des Jugendcoachings sind alle Schüler und Schülerinnen in ihrem neunten Schul­
besuchsjahr, „systemferne“ Jugendliche unter 19 Jahren sowie Jugendliche unter 25 Jahren,
wenn ein sonderpädagogischer Förderbedarf festgestellt wurde oder eine Behinderung vor­
liegt, sie individuelle Beeinträchtigungen oder soziale Benachteiligungen aufweisen oder
gefährdet sind, keinen Abschluss auf der Sekundarstufe I oder II zu erlangen („early school
leavers“). Das Jugendcoaching ist in drei Stufen eingeteilt, von denen je nach Jugendli­
chem/r nur die erste Stufe bis hin zu allen drei Stufen absolviert werden können. In der
ersten Stufe findet ein Erstgespräch statt, in der zweiten eine detailliertere Beratung und in

Jugend und Arbeit in Österreich 57 von 74


der dritten Stufe eine Begleitung, die bis zu einem Jahr dauern kann. Es zielt also darauf ab,
Jugendliche durch Beratung, Begleitung und Case Management Perspektiven aufzuzeigen.
Gemeinsam mit den Coaches eruieren die Jugendlichen Stärken und Fähigkeiten und erar­
beiten darauf aufbauend einen Entwicklungsplan.

Die Jugendlichen sollen befähigt werden, eigenständig die für sie passende Entscheidung
für ihre (Aus-)Bildung nach Beendigung der Pflichtschulzeit zu treffen. Beim Jugendcoaching
handelt es sich noch um keine konkrete Ausbildung, sondern lediglich um eine Beratungs­
maßnahme, damit Jugendliche nicht auf der Straße landen und aus dem Sozialsystem fallen.
Ziel ist ein erfolgreicher Übertritt ins zukünftige Berufsleben.

Im Jahr 2019 gab es insgesamt 60.196 Jugendcoaching-Teilnahmen (33.714 männlich,


26.482 weiblich) (Stufen 1–3)59. Die Umsetzung erfolgt im Projektförderungssystem des So­
zialministeriumsservice.

3.3.3 AusbildungFit
Für einige benachteiligte Jugendliche sind Angebote wie z.B. die Überbetriebliche Lehraus­
bildung zunächst zu ambitioniert. Sie benötigen andersartige Unterstützungsangebote, um
an das Lernen und Arbeiten langsam herangeführt zu werden. Durch dieses Angebot – Be­
rufsorientierung, persönliche Nachreifung, grundlegende und praktisch orientierte Lernpro­
zesse – erfolgt eine Vorbereitung auf eine weiterführende Ausbildung und es werden
(Berufs-)Perspektiven eröffnet. Die Umsetzung erfolgt im Projektförderungssystem des So­
zialministeriumservice.

Im Jahr 2013 wurde mit dem AMS ein inhaltlich abgestimmtes Angebot „AusbildungsFit“
entwickelt. Die Pilotierung für das österreichweite Programm erfolgte innerhalb von „Nach­
reifungsprojekten“ im Fördersystem des Sozialministeriumservice. Anfang 2016 erfolgte
mit der synergetischen Zusammenführung des Programmes AusbildungsFit des Sozialminis­
teriumservice (SMS) und den Produktionsschulen des AMS und der Länder eine qualitäts-
und effizienzsteigernde Strukturbereinigung.

AusbildungsFit soll Jugendlichen mit Unterstützungsbedarf, bei denen ein Eintritt in eine
weiterführende Berufsausbildung oder dessen erfolgreicher Besuch an Defiziten im Bereich
von definierten Basiskompetenzen scheitert, fit für eine Ausbildung machen, wobei der Fo­
kus auf den Erwerb der fehlenden individuellen Fähigkeiten für den nächsten Schritt zur

59
Quelle: BMSGPK, Abteilung IV/A/6 Sonderauswertung TN 0-24 Jahre, UeW_v3, Export vom 14.08.2020.

Jugend und Arbeit in Österreich 58 von 74


Ausbildung gelegt wird. Dieses niederschwellige und flächendeckend standardisierte Ange­
bot für benachteiligte, noch nicht ausbildungsreife Jugendliche zielt konsequent darauf ab,
dass der Jugendliche durch individuelle Förderung ohne Zeitverlust (Umwege) in eine (Be­
rufs-)Ausbildung oder in den Arbeitsmarkt mündet.

Seit dem Jahr 2019 werden flächendeckend Vormodule für Jugendliche mit schwerwiegen­
den Problemlagen angeboten. Damit wird den Jugendlichen mehr Zeit zur Stabilisierung,
zur Motivation und zum Beziehungsaufbau sowie eine Tagesstruktur eingeräumt.

2019 wurden in den AusbildungsFit-Projekten (inklusive Vormodul) insgesamt 5.277 Teil­


nahmen (3.119 männlich, 2.158 weiblich) verzeichnet.60

3.3.4 Ausbildungsgarantie für Jugendliche – Überbetriebliche Lehrausbildung (ÜBA)


- § 30 BAG
Jugendlichen, die nicht auf eine betriebliche Lehrstelle vermittelt werden, wird seit 2008
ein Platz in einer überbetrieblichen Ausbildungseinrichtung gewährleistet, die eine gleich­
wertige Lehrausbildung bis zum Lehrabschluss bietet.

Es gibt zwei verschiedene Modelle der überbetrieblichen Ausbildung: ÜBA 1 und ÜBA 2.

Die ÜBA 1 ist ein Lehrgangsmodell, welches die Absolvierung der gesamten Lehrausbildung
in einer Ausbildungseinrichtung bzw. einer Ausbildungseinrichtung in Kooperation mit einer
betrieblichen Lehrwerkstätte ermöglicht. Auch wenn die Absolvierung der gesamten Lehre
in der ÜBA 1 möglich ist, ist die Vermittlung in ein betriebliches Lehrverhältnis während der
Ausbildung ein wichtiges Ziel.

Die ÜBA 2 beruht auf Ausbildungsverträgen, die nicht die ganze Lehrzeit umfassen, wobei
die praktische Ausbildung in entsprechenden Partnerbetrieben erfolgt. Ziele sind die Ver­
mittlung und der Abschluss der Lehre in einem Betrieb.

Eine verlängerte Lehrzeit oder Teilqualifizierung nach §8b BAG ist auch in der ÜBA möglich.

Im Ausbildungsjahr 2019/2020 nahmen rund 10.700 Jugendliche an einer überbetrieblichen


Lehrausbildung teil. Dafür wurden Kosten in der Höhe von rund € 150 Mio. bewilligt.

60
Quelle: BMSGPK, Abteilung IV/A/6 Sonderauswertung TN 0-24 Jahre, UeW_v3, Export vom 14.08.2020.

Jugend und Arbeit in Österreich 59 von 74


Lehrberechtigte Betriebe, die seit 1. August 2013 eine/n Jugendliche/n aus der ÜBA über­
nommen haben, können nach dem ersten Jahr der Ausbildung bzw. nach dem Ende der
Weiterverwendungszeit unter gewissen Voraussetzungen eine Förderung in der Höhe von
€ 1.000 beantragen – Näheres siehe unter Punkt 3.2.6 h) auf Seite 48.

3.3.5 Ausbildungsgarantie bis 25


Die Ausbildungsgarantie bis 25 ist das zentrale Programm zur Höherqualifizierung von jun­
gen Menschen zwischen 19 und 24 Jahren in Österreich. Mit einer Vielfalt an verschiedenen
abschlussorientierten Qualifizierungsangeboten werden jungen Erwachsenen mit maximal
Pflichtschulabschluss langfristig gute Arbeitsmarktperspektiven eröffnet und dem drohen­
den Fachkräftemangel in Österreich effektiv entgegengewirkt. Die Ausbildungsgarantie bis
25 wird vom Arbeitsmarktservice seit 2017 umgesetzt.

Im Jahr 2019 erhielten rund 12.200 Personen eine Qualifizierung. Hierfür wurden finanzielle
Mittel in Höhe von rund € 77,14 Mio. aufgewendet. Im Jahresdurchschnitt 2019 waren rund
13.500 Jugendliche zwischen 18 bis 24 Jahren mit maximal Pflichtschulabschluss als arbeits­
los vorgemerkt (ca. 45% aller Arbeitslosen dieser Altersgruppe). Die Umsetzung erfolgt im
Rahmen geltender Bundesrichtlinien durch Förderungen von AMS-Programmen, die vor­
rangig auf einen Berufsausbildungsabschluss abzielen.

Folgende Instrumente werden eingesetzt:

• Lehrausbildung von über 18-jährigen


• Facharbeiter- und Facharbeiterinnen-Intensivausbildung
• Überbetriebliche Berufsausbildung
• Vorbereitung auf die Lehrabschlussprüfung
• Arbeitsplatznahe Qualifizierung
• Ausbildungen im Rahmen einer Arbeitsstiftung/Implacement-Stiftung
• schulische Ausbildungen.

Jugend und Arbeit in Österreich 60 von 74


3.4 Angebote für bestimmte Zielgruppen

3.4.1 Maßnahmen für Jugendliche mit gesundheitlichen Vermittlungseinschränkun­


gen61
Das Arbeitsmarktservicegesetz (AMSG) sieht für benachteiligte Personen eine besondere
Betreuung vor. Das AMS wendet daher – im Rahmen dieses gesetzlichen Auftrags, für mehr
Chancengleichheit am Arbeitsmarkt Sorge zu tragen – einen erweiterten Behindertenbegriff
an. Es orientiert sich daher bei der Betreuung von arbeitslosen Jugendlichen mit gesund­
heitlichen Vermittlungseinschränkungen nicht nur an gesetzlich festgestellten Behinderun­
gen (begünstigte Behinderte gemäß Behinderteneinstellungsgesetz, Opferfürsorgegesetz
oder Landesbehindertengesetz), sondern an den realen beruflichen Integrationsmöglichkei­
ten der betroffenen Personen. Es berücksichtigt daher auch physische, psychische und geis­
tige Einschränkungen, sofern diese durch ärztliche Gutachten belegt wurden und sich
daraus maßgebliche Schwierigkeiten bei der Vermittlung oder nur eingeschränkte Berufs­
möglichkeiten ergeben. Zusätzlich werden seit 2010 auch Inhaber und Inhaberinnen eines
Behindertenpasses erfasst. Im Jahr 2019 waren jahresdurchschnittlich 2.430 Jugendliche
mit gesundheitlichen Vermittlungseinschränkungen beim Arbeitsmarktservice arbeitslos
vorgemerkt.

Dieser Zielgruppe steht grundsätzlich das gesamte Dienstleistungsangebot des Arbeits­


marktservice zur Verfügung; insbesondere unterstützt sie auch das Jugendcoaching (Details
siehe unter Punkt 3.3.2 auf Seite 57) bei ihren individuellen Bedürfnissen und Anliegen. Ein
Schwerpunkt des AMS liegt in der Förderung der Ausbildung von gesundheitlich und sozial
benachteiligten Jugendlichen (siehe auch unter Punkt 3.2.3 auf Seite 44).

2019 wurden 9.555 Jugendliche mit gesundheitlichen Vermittlungseinschränkungen mit


Beihilfen des Arbeitsmarktservice gefördert, davon nahmen rund 1.400 an Beschäftigungs­
maßnahmen und ca. 3.200 an Unterstützungsmaßnahmen teil. Einem besonders großen
Teil wurde die Teilnahme an einer Aus- oder Weiterbildung ermöglicht: 2019 betrug die
Anzahl der vom Arbeitsmarktservice mittels Qualifizierungsmaßnahmen geförderten ju­
gendlichen Personen mit gesundheitsbedingten Vermittlungseinschränkungen 8.00062.

61
Begünstigte behinderte Personen haben eine Einstufung (Feststellungsbescheid) nach dem Behinderteneinstel­
lungsgesetz, dem Opferfürsorgegesetz oder/und den Landesbehindertengesetzen. Aufgrund eingeschränkter kör­
perlicher oder psychischer Einsetzbarkeit für den Arbeitsmarkt werden Personen auch vom Arbeitsmarktservice
als gesundheitlich eingeschränkt eingestuft.
62
Quelle: AMS-DWH, Würfel: fdg personen 2019, Anzahl Personen

Jugend und Arbeit in Österreich 61 von 74


3.4.2 Maßnahmen des Sozialministeriums zur Förderung der Beruflichen Teilhabe
von jungen Menschen mit Behinderungen
Berufliche Teilhabe ist ein – wenn nicht sogar das zentrale – Element für eine gesamtgesell­
schaftliche Teilhabe von Jugendlichen mit Behinderungen und für eine inklusive Gesell­
schaft.

In den letzten Jahren hat das Sozialministeriumservice auf einen sich ändernden Arbeits­
markt mit Verschiebungen der strategischen Ausrichtung ihres Angebotes reagiert. Stand
Anfang der Neunziger Jahre noch die/der begünstigte Behinderte im Zentrum der Maßnah­
men beruflicher Integration, so wurde der Kreis förderbarer Personen seit damals sukzes­
sive geöffnet und orientiert sich am persönlichen Unterstützungsbedarf von Menschen mit
Behinderungen. Spezifischer Unterstützungsbedarf ergibt sich aus besonderen Lebenssitu­
ationen, aus dem Lebensalter und -verlauf, aus besonderen Formen der Beeinträchtigung
oder aus dem Zusammentreffen von Behinderungen mit anderen Hintergründen, die eine
berufliche Integration möglicherweise erschweren. Grundsätzlich haben alle Jugendlichen
mit Behinderungen im Sinne des Disability Mainstreaming den Zugang zu allen Maßnahmen
der allgemeinen Arbeitsmarktpolitik und auch auf entsprechende Unterstützung. Manche
Beeinträchtigungen bringen aber spezifische Unterstützungserfordernisse am Arbeitsplatz
oder auf dem Weg in den Arbeitsmarkt mit sich.

Zentrales Programm zur Verbesserung der beruflichen Situation von Menschen mit Behin­
derungen war der „BABE 2014–2017“ (Behinderung–Ausbildung–Beschäftigung). Mit dem
Inklusionspaket, das im Oktober 2017 im Nationalrat beschlossen wurde, steht die Stärkung
der beruflichen Teilhabe und die Weiterentwicklung und Weiterführung bestehender An­
gebote für Menschen mit Behinderungen weiterhin im Zentrum der Behindertenpolitik. In
diesem Sinne wurde unter Einbeziehung der wesentlichen Stakeholder ein Maßnahmenpa­
ket erarbeitet, welches eine Kombination aus neuen unternehmenszentrierten wie auch
personenzentrierten Angeboten sowie einen bedarfsgerechten Ausbau bestehender Ange­
bote vorsieht und schrittweise umgesetzt werden soll.

Mit dem Inklusionspaket wurden neben einer Ausweitung des Rechtsschutzes für Men­
schen mit Behinderungen ebenso die jährlichen Budgetmittel für die Verbesserung der be­
ruflichen Teilhabe von Menschen mit Behinderungen angehoben.

Vom Sozialministerium wird zur beruflichen Teilhabe von Menschen mit Behinderungen ein
breit gefächertes Förderinstrumentarium von unterschiedlichen Projekt- und Individualför­
derungen, oder einer Kombination aus beiden, v.a. auch für Jugendliche (15- bis 24-Jährige)

Jugend und Arbeit in Österreich 62 von 74


angeboten. Jugendliche mit Assistenzbedarf, das sind Jugendliche mit Behinderungen oder
mit aufgrund individuell-sozialer Faktoren beruhenden Beeinträchtigungen, können alle
Förderangebote zur beruflichen Teilhabe von Menschen mit Behinderungen nutzen. Spezi­
ell für Jugendliche wurden innovative Maßnahmen entwickelt, die im Folgenden genauer
beschrieben werden.

Das Netzwerk Berufliche Assistenz (NEBA) des Sozialministeriumservice nimmt bei der
Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen sowie im Kampf gegen Armut und Aus­
grenzung eine zentrale Rolle ein. NEBA liefert ein sehr differenziertes System zur Unterstüt­
zung von jungen Menschen mit Behinderungen sowie ausgegrenzten und von Ausgrenzung
gefährdeten Jugendlichen am Übergang von Schule zu Beruf, u.a. durch Jugendcoaching,
AusbildungsFit (vormals Produktionsschulen), Berufsausbildungsassistenz, Arbeitsassistenz
und Jobcoaching.

Mit NEBA werden Jugendliche mit Assistenzbedarf über die verschiedenen Schritte der In­
tegration – Jugendcoaching, AusbildungsFit (vormals Produktionsschulen), Berufsausbil­
dung gem. § 8b BAG (Teilqualifizierung, verlängerte Lehrberufsausbildung),
Jugendarbeitsassistenz, Jobcoaching und Qualifizierungsprojekte – kontinuierlich in ein
Dienstverhältnis begleitet.

Jugendcoaching
Jugendcoaching ist eine zentrale Maßnahme, um Jugendliche mit Assistenzbedarf oder Be­
einträchtigungen zu unterstützen. Die Jugendlichen sollen befähigt werden, eigenständig
die für sie passende Entscheidung für ihre (Aus-)Bildung nach Beendigung der Pflichtschul­
zeit zu treffen. Jugendcoaching wird ausführlich im Punkt 3.3.2 auf Seite 57 beschrieben.

AusbildungsFit
AusbildungsFit (vormals Produktionsschulen) soll Jugendliche dabei unterstützen, den Weg
in eine weiterführende Ausbildung zu finden. Die Maßnahme wird im Detail in Punkt 3.3.3
auf Seite 58 beschrieben.

Berufsausbildungsassistenz
Das Ziel der Berufsausbildungsassistenz ist die Verbesserung der Eingliederung von benach­
teiligten Jugendlichen mit individuellen Beeinträchtigungen in das Berufsleben. Die Berufs­
ausbildungsassistenz (BAS) unterstützt junge Menschen mit Behinderungen und anderen

Jugend und Arbeit in Österreich 63 von 74


Vermittlungshemmnissen im Rahmen einer integrativen Berufsausbildung, begleitet die Ju­
gendlichen sowohl im Betrieb als auch in der Schule und sichert damit nachhaltig diesen
Ausbildungsweg ab. Durch Angebote der Vorbereitung, Unterstützung und Begleitung soll
den jungen Menschen ein erfolgreicher Abschluss der gewählten Ausbildung ermöglicht
werden. Im Jahr 2019 konnten insgesamt 9.806 Teilnahmen (6.942 männlich, 2.864 weib­
lich) verzeichnet werden.63

Jugendarbeitsassistenz
Die Arbeitsassistenz unterstützt bei der konkreten Arbeitsplatzsuche als ein zentrales In­
strument der Beruflichen Assistenzen in Österreich. Im Wesentlichen verfolgt das Konzept
drei Ziele: Die Sicherung eines Arbeitsplatzes (präventive Funktion), die Unterstützung bei
der Suche eines Arbeitsplatzes (integrative Funktion) und die kommunikative Funktion als
zentrale Ansprechpartner bzw. Ansprechpartnerin für benachteiligte Arbeitsuchende, Ar­
beitnehmer und Arbeitnehmerinnen, Dienstgeber und Dienstgeberinnen, Vorgesetzte, Kol­
legen und Kolleginnen usw.

Die Aufgaben der Arbeitsassistenz reichen von der gemeinsam mit den Jugendlichen vorge­
nommenen Situationsanalyse und Einschätzung zu den individuellen beruflichen Möglich­
keiten über die Begleitung der Arbeitssuche bis hin zur Unterstützung in der Anfangsphase
des Dienstverhältnisses. Eine zweite zentrale Funktion der Arbeitsassistenz ist die Krisenin­
tervention, um gefährdete Arbeitsplätze zu abzusichern. Im Jahr 2019 konnten insgesamt
7.368 Teilnahmen (4.392 männlich, 2.976 weiblich) bei der Jugendarbeitsassistenz verzeich­
net werden.64

Jobcoaching
Jobcoaching wendet sich an Jugendliche mit besonderem Förderbedarf infolge einer kogni­
tiven Beeinträchtigung oder einer körperlichen Behinderung sowie deren Arbeitgeber ober
Arbeitgeberinnen. Es wird de facto v.a. für Jugendliche mit Lernbehinderung eingesetzt.

Die Job-Coaches bieten direkte, individuelle Unterstützung am Arbeitsplatz und fördern so


fachliche, kommunikative und soziale Kompetenzen. Dies soll dem/der Jugendlichen mit
Behinderungen ermöglichen, die betrieblichen Anforderungen selbständig zu erfüllen.

63
Quelle: BMSGPK, Abteilung IV/A/6 Sonderauswertung TN 0-24 Jahre, UeW_v3, Export vom 14.08.2020.
64
Quelle: BMSGPK, Abteilung IV/A/6 Sonderauswertung TN 0-24 Jahre, UeW_v3, Export vom 14.08.2020.

Jugend und Arbeit in Österreich 64 von 74


Gleichzeitig soll damit das betriebliche Umfeld für behinderungsbedingte Anliegen sensibi­
lisiert werden. Im Jahr 2019 gab es insgesamt 908 Teilnahmen (569 männlich, 339 weiblich)
im Angebot Jobcoaching.65

Persönliche Assistenz am Arbeitsplatz


Für Jugendliche mit einer schweren Funktionsbeeinträchtigung ist es meist sehr schwierig,
einen Arbeitsplatz zu finden und diesen zu halten, auch wenn sie fachlich geeignet wären.
Die persönliche Assistenz für Jugendliche am Arbeitsplatz soll ihnen eine bedarfsgerechte,
selbstbestimmte und gleichberechtigte Teilhabe am Erwerbsleben ermöglichen. Assistenz­
nehmer/Assistenznehmerinnen erhalten jene individuelle Unterstützung, die zur Ausübung
einer beruflichen Tätigkeit oder zur Absolvierung einer Ausbildung erforderlich ist. Im Jahr
2019 konnten rund 150 Jugendliche (75 männlich, 75 weiblich) vom Angebot Persönliche
Assistenz am Arbeitsplatz profitieren.66

Qualifizierung
Ziel der Qualifizierungsangebote ist es, neben den Produktionsschulen spezifische Bildungs­
maßnahmen unter Einbeziehung der individuellen Fähigkeiten zu ermöglichen. Außerdem
dienen sie der Stabilisierung, um auf die Arbeitssituation in der Privatwirtschaft vorzuberei­
ten. In den letzten Jahren wurden etliche Qualifizierungsangebote in Produktionsschulen
nach dem standardisierten Konzept „AusbildungsFit“ umgewandelt. Im Jahr 2019 konnten
insgesamt 1.064 Teilnahmen (585 männlich, 479 weiblich) in den verschiedenen Qualifizie­
rungsprojekten verzeichnet werden.67

Integrative Betriebe
Die Integrativen Betriebe sind seit rund 40 Jahren ein bewährtes Instrument der beruflichen
Integration von Menschen mit Behinderungen. In dieser Zeit entwickelten sich die Integra­
tiven Betriebe zu modernen und leistungsfähigen Unternehmen mit sozialer Verantwor­
tung. Die Integrativen Betriebe konnten sich als verlässliche Arbeitgeber für Menschen mit

65
Quelle: BMSGPK, Abteilung IV/A/6 Sonderauswertung TN 0-24 Jahre, UeW_v3, Export vom 14.08.2020.
66
Quelle: SMS-Reporting: Anzahl Personen gesamt; da aus technischen Gründen eine Auswertung nach Alter nicht
möglich ist, wurde die Verteilung 2018 als Grundlage für die Berechnung der Verteilung 2019 herangezogen.
67
Quelle: BMSGPK, Abteilung IV/A/6 Sonderauswertung TN 0-24 Jahre, UeW_v3, Export vom 14.08.2020.

Jugend und Arbeit in Österreich 65 von 74


Behinderungen und kompetente Partner der Wirtschaft etablieren. Per 1. Jänner 2020 wur­
den von den Integrativen Betrieben im Modul Beschäftigung insgesamt 2.256 Arbeitsplätze
bereitgestellt, davon 1.687 Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen.

Neben Arbeitsplätzen stellen die Integrativen Betriebe auch Ausbildungsplätze für Men­
schen mit Behinderungen bereit. Im Herbst 2015 erfolgte mit dem Start der "IBL – Integra­
tive Betriebe Lehrausbildung" eine neue Schwerpunktsetzung. Menschen mit
Behinderungen soll nicht nur eine niederschwellige Qualifizierung, sondern auch ein Zugang
zu einer hochwertigen beruflichen Ausbildung mit einem formalen Abschluss angeboten
werden. Mit der in den Integrativen Betrieben vorhandenen Infrastruktur (Ausstattung,
Fachpersonal etc.) ist eine hochwertige Qualifizierung gewährleistet. Ziel der Ausbildung ist
es, die Vermittlungsfähigkeit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch die Ablegung der
Lehrabschlussprüfung zu erhöhen, sodass eine nachhaltige Integration am allgemeinen Ar­
beitsmarkt möglich ist. Per 1. Jänner 2020 betrug der Stand der Teilnehmerinnen und Teil­
nehmer der „IBL-Integrative Betriebe Lehrausbildung“ insgesamt 127, davon befanden sich
117 in der Ausbildung und 10 in einer Behalte-Frist. Bis zum Jahr 2021 ist ein weiterer Aus­
bau auf 130 Lehrausbildungsplätze geplant. Die Ausgaben des Ausgleichstaxfonds für die
Integrativen Betriebe beliefen sich im Jahr 2019 auf rd. € 41,5 Mio.

Jugend und Arbeit in Österreich 66 von 74


4 Aktivitäten der Europäischen Union
4.1 Der Europäische Sozialfonds

Der Europäische Sozialfond (ESF) unterstützt Beschäftigungsmaßnahmen und die wirt­


schaftliche und soziale Kohäsion in den Mitgliedsstaaten der EU und kofinanziert nationale,
regionale und lokale Projekte, deren Ziel eine stärkere Arbeitsmarktintegration und eine
Erhöhung der Beschäftigungsquote ist.

Das „Operationelle Programm Beschäftigung Österreich 2014–2020“ (ESF OP) richtet sich
an der „Europa 2020“-Strategie und dem Nationalen Reformprogramm aus. Die für den ESF
wesentlichen EU-2020 Ziele sind die Steigerung der Erwerbsbeteiligung, die Verringerung
der Schulabbrüche und die Bekämpfung der Armut. Das ESF Budget für Österreich 2014–
2020 beträgt rund 442 Millionen Euro zuzüglich Kofinanzierung durch nationale Partner.
Österreich engagiert sich in den Bereichen Gleichstellung von Frauen und Männern, Aktives
und gesundes Altern, Aktive Inklusion, Verringerung des vorzeitigen Schulabbruchs, Zugang
zum Lebenslangen Lernen, Beschäftigung für Arbeitsuchende und die Anpassung an den
Wandel.

Der Europäische Sozialfonds unterstützt dabei benachteiligte Jugendliche und junge Er­
wachsen, die sich weder in Ausbildung noch in Beschäftigung befinden (NEET). Ziele sind
die Rückführung in das Ausbildungssystem sowie flankierende Maßnahmen zur Stabilisie­
rung und Persönlichkeitsbildung.

Um die Zahl der Schulabbrecherinnen und Schulabbrecher zu verringern, unterstützt der


ESF Maßnahmen an denen bis Ende des Jahres 2019 bereits annähernd 90.000 Auszubil­
dende teilgenommen haben, die in der Anfangsphase an den berufsbildenden Schulen der
Gefahr entgegenwirken, dass Schüler und Schülerinnen die an sie gestellten Anforderun­
gen nicht bewältigen können. Dies erfolgt beispielsweise durch Lernbegleitung oder Lern­
beratung oder durch intensives Training in den Bereichen der Sprachförderung, der
Mathematik und der Naturwissenschaften.

Für Jugendliche mit Behinderung oder beeinträchtigte Jugendliche werden ergänzend zu


den bereits durchgeführten Maßnahmen Unterstützungsleistungen in Form des Jugend­
coachings, des AusbildungsFit, der Berufsausbildungsassistenz, der Arbeitsassistenz und
des Jobcoachings angeboten.

Jugend und Arbeit in Österreich 67 von 74


Darüber hinaus unterstützt der ESF noch eine Reihe weiterer Angebote, wie zum Beispiel
Bildungsberatungsangebote oder Entwicklungsprojekte, die einen zeitgemäßen Pflicht­
schulabschluss unterstützen und die Anschlussfähigkeit an weiterführende Bildung in den
Mittelpunkt stellen.

4.2 Europäische Jugendgarantie

2013 wurde die Empfehlung zur Europäischen Jugendgarantie vom Rat beschlossen. Ju­
gendlichen unter 25 Jahren, die weder in Ausbildung noch in Beschäftigung sind, soll inner­
halb von vier Monaten eine hochwertige Arbeitsstelle, eine Aus- bzw. Weiterbildung oder
ein hochwertiger Ausbildungs-/Praktikumsplatz angeboten werden. So soll verhindert wer­
den, dass Jugendliche lange außerhalb des Bildungs- und Ausbildungssystems bzw. des Ar­
beitsmarktes stehen.

Im Herbst 2020 wurde eine verstärkte Jugendgarantie mit dem Titel „Eine Brücke ins Ar­
beitsleben – Stärkung der Jugendgarantie“ verankert. Wie die bereits 2013 beschlossene
Jugendgarantie sieht sie vor, dass alle Jugendlichen innerhalb von vier Monaten ein quali­
tativ hochwertiges Angebot erhalten. Neu ist, dass die Altersgruppe auf alle Jugendlichen
unter 30 ausgedehnt wird. Die Jugendgarantie unterscheidet nun stärker zwischen tempo­
rären NEETs und längerfristigen NEETs. Damit soll der Fokus nun stärker auf die zweite
Gruppe gelegt werden, was stärkere individuelle Betreuung, Coaching, mehr Basisqualifika­
tion etc. bedeutet. Außerdem sollen Kompetenzen im Hinblick auf eine digitale und grüne
Wirtschaft eine stärkere Rolle spielen. Die Jugendgarantie orientiert sich künftig stärker an
den vier Phasen: Bestandsaufnahme (Mapping), Information (Outreach), Vorbereitungs­
phase und Angebot:

• Bestandsaufnahme/Mapping: Identifikation der Zielgruppe, der verfügbaren Angebote


und der benötigten Kompetenzen. Stärkere Prävention durch Frühwarnsysteme und
Maßnahmen.
• Information/Outreach: eine Kommunikations- und Kontaktstrategie, insbesondere für
schwer erreichbare Jugendliche (vgl. z.B. AusBildung bis 18, offene Jugendarbeit).
• Vorbereitungsphase: Entwicklung von individuellen Aktionsplänen, die die Bedürfnisse
der Jugendlichen berücksichtigen. Durchführung von Beratung, Begleitung und Men­
toring. Verbesserung der digitalen Fähigkeiten durch vorgeschaltete Maßnahmen. Be­
wertung, Förderung und Validierung anderer wichtiger Fähigkeiten.

Jugend und Arbeit in Österreich 68 von 74


• Angebot: Die vierte Phase ist die Aufnahme des Angebotes, mit dem das Jugendgaran­
tie-Programm verlassen wird. Ein qualitativ hochwertiges Angebot kann – jeweils ge­
fördert oder nicht gefördert – Beschäftigung, (Weiter-)Bildung, Lehre oder Praktikum
umfassen.

Kern der österreichischen Umsetzung der Jugendgarantie sind die AusBildung bis 18, die
Überbetriebliche Lehrausbildung, Jugendcoaching, AusbildungsFit und die Ausbildungsga­
rantie bis 25 (siehe Punkt 3.3 Übergangsmanagement Schule–Beruf auf Seite 56). Aktuelle
Entwicklungen sind auf folgender Website der Europäischen Kommission abrufbar: EU-
Jugendgarantie.

4.3 ERASMUS+

Erasmus+68 ist das EU-Programm für die Bereiche Bildung, Jugend und Sport für die Jahre
2014–2020. Es ermöglicht Jugendlichen und jungen Erwachsenen u.a. im Ausland Erfahrung
zu sammeln, sei es durch Studium, Arbeit oder Freiwilligenarbeit.

Erasmus+ soll einerseits die Mobilität von Personen wie (Hochschul-)Lehrenden, Studieren­
den, Schülern und Schülerinnen und auch Lehrlingen unterstützen. Sie können durch Prak­
tika, Austauschsemester, etc. Auslandserfahrung sammeln. Andererseits sollen die
internationale Zusammenarbeit und Partnerschaften zwischen Institutionen und Ländern
gefördert werden, wie im Schulbereich durch das Netzwerk für Schulen, und zwar eTwin­
ning.

Wichtige Bestandteile von Erasmus+ sind zudem Rahmenwerke für Standards und Anerken­
nungen von Qualifikationen, Bildungseinrichtungen oder Bildungsabschlüssen. Dafür gibt es
eine große Bandbreite an Werkzeugen, wie den europäischen Qualifikationsrahmen (EQR),
das Europäisches System zur Anrechnung von Studienleistungen (ECTS), das Europäische
Leistungspunktesystem für die Berufsbildung (ECVET), den europäischen Bezugsrahmen für
die Qualitätssicherung in der Berufsbildung (EQAVET) u.v.m.

68
Mehr Informationen sind unter der Erasmus+ Website der Europäischen Kommission zu finden. Link: EU-
Erasmus+ sowie auf der österreichischen Website: National-Erasmus+.

Jugend und Arbeit in Österreich 69 von 74


Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Arbeitslose Jugendliche (20 bis 24 Jahre) nach höchstem


Bildungsabschluss 2012 bis 2019 16
Tabelle 2: Ordentliche Studien nach Gruppen von Studien (gesamt),
Wintersemester 2019 (Stichtag: 28. Februar 2020) 30
Tabelle 3: Ordentliche Studierende in Fachhochschul-Studienlehrgängen nach
Ausbildungsbereichen, Wintersemester 2019 (Stichtag: 15. November
2019) 31
Tabelle 4: Lehramt (LA)-Studierende an Pädagogischen Hochschulen nach
Lehramtsstudien 2019/2020 32

Jugend und Arbeit in Österreich 70 von 74


Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Bevölkerung nach breiten Altersgruppen 1950 bis 2080 (mittlere


Variante) 6
Abbildung 2: Geburten und Sterbefälle 1950 bis 2080 (mittlere Variante) 7
Abbildung 3: Bevölkerungspyramide 2018, 2030 und 2060 8
Abbildung 4: Beschäftigungsquote der 15- bis 24-Jährigen im internationalen
Vergleich im Jahr 2019 10
Abbildung 5: Jugendarbeitslosenquoten im internationalen Vergleich im Jahr 2019 11
Abbildung 6: NEET-Quote, 15 bis 24 Jahre, 2019 13
Abbildung 7: Arbeitslose Jugendliche von 15 bis 19 Jahren und von 20 bis 24 Jahren –
2012 bis 2019 14
Abbildung 8: Arbeitslose Jugendliche und Jugendliche in Schulungsmaßnahmen von
15 bis 24 Jahren – 2010 bis 2019 16
Abbildung 9: Lehrlinge im 1. Lehrjahr und Lehrstellensuchende – 2010 bis 2019 20
Abbildung 10: Anteil der Lehrlinge nach Sparten in Prozent im Jahr 2019 21
Abbildung 11: Das österreichische Bildungssystem 24

Jugend und Arbeit in Österreich 71 von 74


Abkürzungen

Abk. Abkürzung

EU Europäische Union

EFTA Europäische Freihandelsassoziation

NMS Neue Mittelschule

AHA Allgemeine höhere Schule

PTS Polytechnische Schule

BHS Berufsbildende höhere Schule

BMS Berufsbildende mittlere Schule

BMHS Berufsbildende mittlere und höhere Schulen

HAS Handelsschule

HAK Handelsakademie

AUL Aufbaulehrgang

IKT Informations- und Kommunikationstechnik

NQR Nationaler Qualifikationsrahmen

ISCED Internationale Standardklassifikation im Bildungswesen

WKÖ Wirtschaftskammer Österreich

AMS Arbeitsmarktservice

DWH Datawarehouse

BABE Behinderung, Ausbildung, Beschäftigung

ÜBA Überbetriebliche Lehrausbildung

Ibobb Information, Beratung und Orientierung für Bildung und Beruf

BMBWF Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung

BMASGK Bundesministerium für Arbeit, Gesundheit, Soziales und Konsumen­


tenschutz

BMDW Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaft

BKA Bundeskanzleramt

Jugend und Arbeit in Österreich 72 von 74


Abk. Abkürzung

BJV Bundesjugendvertretung

EUROSTAT Statistisches Amt der Europäischen Union

LA Lehramt

LBVO Leistungsbeurteilungsverordnung

LAP Lehrabschlussprüfung

MIT Mobiles interkulturelles Team

NEET Nicht in Ausbildung, Arbeit oder Schulung

BGBl Bundesgesetzblatt

BAG Berufsausbildungsgesetz

SCHOG Schulorganisationsgesetz

LFBAG Forstwirtschaftliches Berufsausbildungsgesetz

IESG Insolvenz-Entgeltsicherungsgesetz

IFA Internationaler Fachkräfteaustausch

ERASMUS Förderungsprogramm der Europäischen Union

Jugend und Arbeit in Österreich 73 von 74


Bundesministerium für
Arbeit, Familie und Jugend

Untere Donaustraße 13-15, 1020 Wien


+43 1 711 00-0
www.bmafj.gv.at