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Förderpreis

des
Deutschen
Stahlbaues
2006
Herausgeber:

Danksagung BAUEN MIT STAHL e. V.


Sohnstraße 65
BAUEN MIT STAHL dankt allen Jury- 40237 Düsseldorf
mitgliedern für ihren Einsatz und ihr Postfach 10 48 42
Engagement, der KölnMesse sagen wir 40039 Düsseldorf
Dank für die großzügige Unterstützung Telefon (02 11) 67 07-828
und die Zurverfügungstellung der Telefax (02 11) 67 07-829
Räumlichkeiten. zentrale@bauen-mit-stahl.de
www.bauen-mit-stahl.de
Unser besonderer Dank gilt auch der
Fachhochschule Köln, insbesondere Oktober 2006
den Herren Dipl.-Ing. Axel Kotitschke
und Dipl.-Ing. Heiner Rosenkranz, die Ein Nachdruck dieser Publikation –
uns bei der Gesamtorganisation eine auch auszugsweise – ist nur mit
großartige Hilfe waren. schriftlicher Genehmigung des
Herausgebers bei deutlicher
Und natürlich sagen wir Dank allen Quellenangabe gegen ein Beleg-
teilnehmenden Studierenden, die mit exemplar gestattet.
ihren Arbeiten zum Gelingen des Wett-
bewerbs beigetragen haben sowie den
Professoren und Dozenten für ihren Titelbild:
Einsatz an den Hochschulen. Förderpreis des
Deutschen Stahlbaues 2006
1. Preis
„HH-Lighthouse – A suspended
tower on a former dumpsite“

Preisträger:
Sebastian Junghänel, Burkhart Trost
und Matthäus Wirth
Förderpreis des
Deutschen Stahlbaues
2006
Förderpreis

des Deutschen Stahlbaues 2006

Vorwort der Vorsitzenden der Jury

In einer Halle der Messe Köln Wir denken: Stahl ist vor allem Beim Architekten erweitern sich
präsentieren sich 81 Beiträge aus hart! Wir wissen, Produkte aus die Handlungsspielräume und
den Werkstätten deutscher Hoch- ihm sind oft gigantisch: Brücken, Tätigkeitsfelder nicht nur, weil der
schulen den kritischen Augen der Ozeanriesen, Eisenbahnen. Aber Marktdruck und die Konkurrenz-
Jury. Sie wollen bewertet werden, die meisten der ausgezeichneten situationen steigen, sondern weil
locken mit aufwendigen Plänen, Beiträge zeigen an der Schwelle er als Vertreter einer der letzten
farbigen Bildern, frechen Visio- zum neuen Jahrtausend, dass generalistischen Disziplinen im-
nen. In der Ausstellung schlägt Adolph Menzels realistisch-düs- stande ist, in anderen Kausalitäten
uns die Kühle des frühen April- terer Leinwand-Eindruck vom und Dimensionen zu denken, als
morgens und die gefühlvolle „Eisenwalzwerk“ einer Ästhetik es standardisierte Planungsmetho-
Wucht der Beiträge einer neuen und Leistungsfähigkeit des Materi- den zulassen.
Generation junger Professionals als gewichen ist, die in den stu-
entgegen. dentischen Entwürfen durchaus Immerhin, einige der prämierten
Beschreibungen wie zart, schön, Arbeiten dokumentieren eine
Es fallen hintergründige Bemer- raffiniert und aufregend verdient. Welt, in der das Visuelle sich ver-
kungen, spitze Ironie stochert in selbständigt und die Unterschei-
den Arbeiten, welche auffallend Mit dem Stahl ist es wie mit dem dung zwischen Fiktion und Reali-
enge verwandtschaftliche Bezie- Berufsbild des Architekten: Beim tät nicht mehr eindeutig gelingen
hungen zu berühmten Projekten Stahl stellt sich angesichts seiner will – eine Thematik, die mehr mit
geschätzter Kollegen unterhalten. vielfältigen Einsatzmöglichkeiten unserer Gegenwart als mit einer
Das muss es auch geben, das ken- immer wieder die Frage, ob mit fernen Welt oder Phantasien zu
nen wir schon. Aber dazwischen, einem anderen Material nicht ähn- tun hat. Das beschert uns Stoff für
unbescheiden und eigensinnig, liche Ergebnisse spezieller, effi- die kontroverse Diskussion, was
Projekte, die uns fordern. Keine zienter, umweltfreundlicher und Architekten zu ihren originären
Scherze mehr. Wir staunen, lassen kostengünstiger zu erreichen sind. Aufgaben zählen sollten.
uns verführen, verblüffen.
Die besten Beiträge zeichnen sich
Die Bewertungsmaßstäbe waren nicht nur durch ihre professionelle
im Vorfeld besprochen worden, Bearbeitung oder Fachkenntnis
die Erwartungen sind hoch, denn aus, sondern vor allem durch ihre
schließlich ist in diesem Wettbe- Emotionalität. In der Jury sind wir
werb nicht zuletzt entscheidend, uns einig: Das ist das Verständnis
ob es den Autoren gelingt, in ihren von Architektur, an dem sich Bau-
Beiträgen das Material Stahl in kunst weiterentwickelt!
neue, innovative Zusammenhänge
zu stellen.
Förderpreis

des Deutschen Stahlbaues 2006

Doch jenseits der Emotionalität Arbeiten, die von kooperierenden Die prämierten Arbeiten beweisen,
haben wir die Entwürfe auch da- Teams aus Architekten und Bau- dass sich der Wettbewerb, wie er
nach zu bewerten, wie gut sie ingenieuren eingereicht wurden. von BAUEN MIT STAHL ausge-
qualitativ durchgearbeitet sind, ob Speziell der Siegerentwurf „HH- richtet wird, innerhalb der akade-
sie bei aller planerischen Freiheit Lighthouse – A suspended tower mischen Leistungslandschaft zu
stimmig und plausibel sind, stati- on a former dumpsite“ zeigt, wie einer Instanz entwickelt hat. Der
sche Grundregeln beachtet und durch die Zusammenarbeit von Förderpreis gibt Anreize im Bil-
notwendige Details ausgearbeitet Architekten und Ingenieuren Form dungsbereich, fordert den Aus-
wurden. Mancher auf den ersten und Funktion optimal in Einklang tausch und die Kooperation von
Blick hervorragend präsentierte gebracht werden. Disziplinen und die Anerkennung
Entwurf musste bei genauerer des guten Ausbildungsstandes an
Betrachtung doch wieder zurück- Viele Aufgabenstellungen beweg- den deutschen Hochschulen. Vor
gestellt werden, da er den Nach- ten sich auf traditionellen Pfaden allem aber schafft er die Grund-
weis der Umsetzbarkeit schuldig mit klassischen Themen wie Hal- lage für das Bewusstsein, dass
blieb. Erfreut stellten wir fest, dass len, Dächern und Brücken. Die in noch lange nicht alles erfunden,
gerade viele der reinen Bauinge- Zukunft immer wichtigere Ausein- erdacht und gemacht wurde, was
nieurarbeiten sich durch bauprak- andersetzung mit anderen Materi- das Material Stahl in der Archi-
tisch anwendbare wissenschaft- alien im Verbund mit Stahl fand tektur zu leisten vermag. Mit dem
liche Aufbereitungen von komple- sich in dem Entwurf „Prototypic Förderpreis werden Erfindungsgeist
xen Themen auszeichneten. Antarctic Research Station“, der und Leistungsbereitschaft des be-
mit dem 2. Preis gewürdigt wurde ruflichen Nachwuchses in beson-
Der gemeinsame Blick auf ein und durch die Kombination von derem Maße unterstützt und dafür
Projekt und über den Horizont Stahl mit „Pycrete“ hervorsticht. dankt die Jury dem Auslober.
erweist sich oftmals als besonders
produktiv, vor allem, wenn Inge-
nieure und Architekten die ganz-
heitliche Betrachtung und eine Vorsitzende der Jury zum
interdisziplinäre Lösung beim Ein- Förderpreis des Deutschen Stahlbaues 2006
satz von Stahl zu einem gemein-
samen Ziel erklären. Dann entsteht Ina-Marie Orawiec
ein Dialog aus Perfektion und Dipl.-Ing. Architektin BDA, OX2architekten
Disziplin, rationalem Kalkül und (Vorsitzende Architektur)
poetischer Vision. So freuten wir
uns über die große Anzahl an Prof. Dr.-Ing. Jens Kina
HRA Ingenieurgesellschaft mbH
(Vorsitzender Bauingenieurwesen)
Förderpreis

des Deutschen Stahlbaues 2006

Der Wettbewerb den erste bis dritte Preise, wobei In der vorliegenden Broschüre wer-
jeweils mehrere Arbeiten prämiert den die prämierten und belobigten
Der alle zwei Jahre von BAUEN werden können. Je nach Entschei- Arbeiten des Wettbewerbs um den
MIT STAHL ausgelobte Förder- dung der Jury werden weitere Förderpreis 2006 dokumentiert.
preis des Deutschen Stahlbaues Einreichungen mit einem Lob aus- Die Entwürfe sollen Ansporn und
für den studentischen Nachwuchs gezeichnet. Die Gewinner des Wegweiser für den Nachwuchs
der Architekten und Bauingeni- 1. Preises werden anlässlich des sein und können vielleicht sogar
eure besteht seit 1974. Der Preis Deutschen Stahlbautages (13. Okt- innovative Wege für die Zukunft
wird verliehen für fortschrittliche ober 2006 in Dresden) vorgestellt. des Bauens mit Stahl weisen.
und zukunftsweisende Ideen und
Lösungen auf den Gebieten des
Hoch- und Brückenbaues. Den Die Jurysitzung Die Ausstellung
Arbeiten sollen Stahlkonstruktio-
nen zugrunde liegen. Die Jury unter den Vorsitzenden Die Wettbewerbsergebnisse zum
Dipl.-Ing. Arch. Ina-Marie Orawiec „Förderpreis des Deutschen Stahl-
Um den Förderpreis können sich (Vorsitzende Architektur) und baues“ für den studentischen
Studierende der Architektur und Prof. Dr.-Ing. Jens Kina (Vorsitzen- Nachwuchs werden gemeinsam
des Bauingenieurwesens an deut- der Bauingenieurwesen) tagte am mit dem „Preis des Deutschen
schen Universitäten, Hoch- und 6. April 2006 in der KölnMesse. Stahlbaues“ für Architekten in
Fachhochschulen bewerben sowie einer Wanderausstellung gezeigt,
deutsche Staatsangehörige, die Von den insgesamt 153 Teilneh- die ca. zwei Jahre lang die ver-
an einer entsprechenden auslän- mern wurden 81 Arbeiten (ein- schiedensten Ausstellungsorte in
dischen Einrichtung studieren. Es schließlich Gruppenarbeiten) ein- der Bundesrepublik durchläuft.
können sich sowohl Einzelperso- gereicht, davon 62 von Architek- Interessenten, insbesondere Hoch-
nen als auch Arbeitsgemeinschaf- ten, 10 von Bauingenieuren und schulen, wird die Ausstellung kos-
ten beteiligen. Die Entwürfe sol- 9 von Gruppen beider Disziplinen. tenfrei zur Verfügung gestellt.
len im engen Einvernehmen mit Beteiligt waren 19 Technische Zum „Preis des Deutschen Stahl-
entsprechenden Lehrstühlen der Hochschulen/Universitäten mit baues 2006“ (Architektenwett-
Hoch- und Fachhochschulen 46 Entwürfen und 15 Fachhoch- bewerb) erscheint gleichfalls eine
durchgeführt werden; sie können schulen mit 35 Entwürfen. Dokumentation im Verlag Georg
im Rahmen einer Seminar- oder D.W. Callwey.
Diplomarbeit behandelt werden. Da die Themenstellung des Stu-
dentenwettbewerbs traditionell
Der Wettbewerb erfolgt anonym offen ist, zeigen die Entwürfe ein Der nächste Wettbewerb
über Tarnzahlen, die mit einem breites Spektrum von Arenen und
Formblatt bei BAUEN MIT STAHL Hallenbauten, Türmen und Ver- Im Frühjahr 2008 lobt BAUEN MIT
vorher anzufordern sind. Arbeiten, kehrsbauten, Industrie- und Büro- STAHL wieder den Förderpreis des
die bereits am Wettbewerb um bauten bis hin zu futuristischen Deutschen Stahlbaues aus. Aus-
den Förderpreis des Deutschen Baukörpern. lobungsbedingungen und Einrei-
Stahlbaues beteiligt waren, dürfen chungstermin werden rechtzeitig
nicht erneut eingereicht werden. Die Einreichungen wurden in drei bekannt gegeben und sind im
Die Teilnahme an anderen Wett- Wertungsdurchgängen beurteilt. Internet unter www.bauen-mit-
bewerben ist kein Hinderungs- Nach ausführlichen Diskussionen stahl.de/wettbewerbe.htm abruf-
grund. wurden ein erster, ein zweiter und bar. An den Hochschulen wird
zwei dritte Preise sowie zwölf Lobe auf den Wettbewerb aufmerksam
Eine unabhängige Jury bewertet ermittelt. Die Preisgelder betragen gemacht.
die eingereichten Arbeiten in nicht 3.000 Euro für den 1. Preis, 2.000
öffentlicher Sitzung. Ihre Entschei- Euro für den 2. Preis und je 1.000
dung ist endgültig, der Rechtsweg Euro für die 3. Preise. Die mit
ist ausgeschlossen. Vergeben wer- einem Lob ausgezeichneten Stu-
denten erhalten Buchpreise.
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des Deutschen Stahlbaues 2006

Die Jury bei der Arbeit

Die Jury 2006 (Foto v. l. n. r.): Dipl.-Ing. Architekt BDA Thomas Deilmann (Deilmann Koch Architekten Stadtplaner, Düsseldorf),
Prof. Dipl.-Ing. Architekt Gunther Vettermann (Corporate Architecture KölnMesse, Köln), Dipl.-Ing. Architekt Peter Ackermann
(Ackermann und Partner, München), Prof. Dr.-Ing. Jens Kina (HRA Ingenieurgesellschaft, Bochum), Dipl.-Ing. Architekt BDA Eike Becker
(Eike Becker Architekten, Berlin), Dipl.-Ing. Architektin Ina-Marie Orawiec (OX2architekten BDA, Aachen), Dipl. Oec. Ralf Becker
(Leiter Vertrieb Peiner Träger GmbH, Peine), Prof. Dr.-Ing. Rainer Hempel (Prof. Dr.-Ing. Rainer Hempel & Partner Ingenieure, Köln),
Dipl.-Ing. Dipl.-Wirtschaftsing. Marc Blum (Geschäftsführer Arcelor Sections Commercial Deutschland GmbH, Köln)
Fachliche Beratung seitens BAUEN MIT STAHL: Dipl.-Ing. Horst Hauser, Dipl.-Ing. Ronald Kocker, Dipl.-Ing. Walter Suttrop
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HH-Lighthouse –
A suspended tower on a former
dumpsite

1. Preis:
Sebastian Junghänel,
Burkhart Trost,
Matthäus Wirth

Universität der Künste Berlin/


Fakultät Architektur
Prof. Dr.-Ing. Eddy Widjaja
Universität Stuttgart/
Fakultät Bau- und Umwelt-
ingenieurwissenschaften
Univ.-Prof. Dr.-Ing.
Ulrike Kuhlmann,
Prof. Dr.-Ing. Werner Sobek

Laudatio der Jury

Dem im Entwurf vorgestellten


LIGHTHOUSE gelingt es, durch
die komplexe und vielschichtige
Verknüpfung der sich gegenseitig
bedingenden Wirkungen von loka-
ler Gegebenheit, Konstruktion und
Material, eine ästhetische Qualität
zu entwickeln, die den Aussichts-
turm zum verdienten Wahrzeichen
der BUGA machen könnte.

Ein ausgeklügeltes statisches


System lässt den Turm über dem
Krater der Mülldeponie „balancie-
ren“ und trägt somit geschickt den
schwierigen Gründungsverhält-
nissen Rechnung. Diese ausglei-
chende Beweglichkeit steht im
spannungsvollen Widerspruch zur
ursprünglichen Eigenart eines Tur-
mes, dem tradierten Sinnbild für
Standfestigkeit. Durch die „Reak- der Doppelhelix als Treppenver- Stahl wird in seiner ganzen Viel-
tionsfähigkeit“ des Bauwerkes auf lauf optimierte Funktionsraum, falt als metallischer Werkstoff ver-
das flexible Terrain gewinnen die das durchdachte, die Gestalt und wendet. Die differenzierte und
Autoren einen ehemaligen Unort ihre Eigenschaften unterstreichen- detaillierte Ausgestaltung des
als Ereignis zurück. Die luftige de Lichtkonzept zeugen von einem Turms „porträtiert“ die Material-
Leichtigkeit, mit der sich der ganzheitlichen Lösungsansatz, der eigenschaften des Stahls sowohl
schlanke Turm in den Himmel bis in die Materialanwendung in der Möblierung, der Hülle als
reckt, der durch die Anwendung schlüssig vollzogen worden ist. auch in der Konstruktion.
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Konzept Der Mastfuß wird mittels Spann-


seile von einem Druckring getra-
Auf dem renaturierten Gelände gen. Durch unterschiedlich große
eines ehemaligen Müllbergs soll Stahlkugeln im Anschlusselement
anlässlich der IBA und der BUGA wird ein entsprechendes Gegen-
2013 in Hamburg ein 100 m gewicht erreicht.
hoher Aussichtsturm entstehen.
Der Druckring leitet die horizon-
Der weiche Untergrund gibt für talen Kräfte in die Stützen weiter.
die Gründung strikte Restriktionen In vertikaler Richtung ist der Ring
vor: Aufgrund aggressiver Säuren durch Eigengewicht überdrückt,
im Müll darf nicht mehr als 2 m wodurch die Stützen in keinem
in den Boden eingedrungen wer- Fall Zugkräfte erhalten. Gelenkig
den. Der weiche Boden lässt nur angeschlossene, computergesteu-
geringe Druckspannungen und erte Hydraulikteleskopstützen lei-
keine Zugspannungen zu. Die zu ten die Kräfte ins Fundament ein
erwartenden Setzungen sind nicht und passen sich kontinuierlich
abschätzbar. allen Setzungen an. Das Ringfun-
dament leitet die Lasten über die
Entwurfsidee ist ein „hängender geschaffene Kreisringfläche in den
Turm“ in Leicht(Light)-bauweise weichen Boden ein.
und ein statisches System mit
einer großflächigen Lagerung.
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Prototypic Antarctic Research


Station – Prototypische
Antarktische Forschungsstation

2. Preis:
Dirk Krolikowski

RWTH Aachen/
Computergestütztes Planen
in der Architektur
Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Arch.
Peter Russel (M. Arch. BEDS)

Laudatio der Jury

Die Wahl der Aufgabe, Lebens- Dabei aktiviert er ebenso meta- tenberufes gerecht: der universel-
raum und Forschungseinrichtungen phorische als auch tradierte Ele- len Wirkung seines Schaffens. Die
in einer extrem menschenfeind- mente unserer Vorstellungswelt – notwendige ganzheitliche Heran-
lichen Umgebung wahrscheinlich von der urtümlichen Sinnhaftig- gehensweise bei der Lösung viel-
werden zu lassen, kommt dem keit des Iglos bis hin zu vergesse- schichtiger Aufgaben durch den
konstruktiv und funktional gepräg- nen Innovationen, wie z.B. dem Architekten basiert somit nicht nur
ten Entwurf sehr entgegen. Baustoff „Pycrete“. Durch den auf wirtschaftlichen und kommer-
plausiblen Einsatz von „Pycrete“ ziellen Erfordernissen, sondern ist
Der Pinoneergeist und der Wis- statt Beton im Bereich der Grün- auch als Beitrag zum Fortschritt
sensdurst, die Menschen in diese dung und dessen Kombination von Wissenschaft und Technik,
unwirtliche Gegend treiben, wer- mit Stahl gelingt es dem Entwurf, zur Ausgestaltung unserer Gesell-
den durch die detaillierte Aus- Materialien und Themen aus schaft, zur Weiterentwicklung un-
arbeitung in Thema und Graphik dem Kuriositätenkabinett der Bau- serer Kultur zu verstehen. Die vor-
dokumentiert. Der Autor entführt geschichte zu ziehen und in die gestellte Arbeit zeigt hierin eine
uns mit einer großen Informations- Welt des Möglichen zu stellen. besondere Reife und preiswürdige
dichte und -vielfalt in die kom- Damit wird die Arbeit einem we- Haltung.
plexen Strukturen seines Projekt- sentlichen Merkmal des Architek-
universums. Skizzen von Pionier-
brücken, Photos von Eisbrechern
(schiffen), Diagramme von Auf-
bau- und Konstruktionsanleitun-
gen der Station, Ansichten, die wie
Perspektiven wirken, reich möb-
lierte Grundrisse, In-Shore Riggs,
Schneeballwerfer, deutsche Be-
sucher und vieles mehr, werden
zu einem dichten Darstellungs-
teppich verwoben und machen die
Betrachtung der Pläne zu einer
Freude.
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Konzept Daraus werden die Stützen (jacks)


der Forschungsstation gebildet.
In der Antarktis ist Eis der ideale Um die Probleme des Baugrunds
Baustoff. Reines Eis ist aber sehr zu lösen, wird die Station jedes
spröde. Vor rund 60 Jahren ent- Jahr um ca. 1,5 m angehoben.
wickelte Geoffrey Pike in Kanada Dies geschieht durch ein Verfah-
ein Komposit aus Eis und 14% ren ähnlich der Kletterschalung
Masseanteil Holzspäne, das nach im Betonbau, wobei am Stützen-
ihm benannt wurde: PYCRETE. kopf neues Pycrete-Material her-
Das Material zeichnet sich durch gestellt wird.
herausragende Druck-, Schub- und
Zugfestigkeit aus. Langfaserige Das Primärtragwerk besteht aus
Holzspäne nehmen, ähnlich wie Stahlfachwerken, die gefaltet zur
im Lehmbau, Zug und Schubkräfte Baustelle geliefert werden. Nach
auf und bewehren so das Material. Montage der Fachwerke werden die
Raumelemente (pods) durch einen
Kran an ihre Position gebracht.
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HMS UNICORN –
Leichte Schutzüberdachung
für die Fregatte HMS Unicorn
in Dundee/GB

3. Preis:
Yann Friedl,
Daniel Gärtner

Technische Universität München/


Lehrstuhl für Tragwerksplanung
Prof. Dr.-Ing. Rainer Barthel,
Dipl.-Ing. Lars Schiemann

Laudatio der Jury

Den Autoren der Arbeit ist es in


überzeugender Weise gelungen,
durch die sensible Wahl des Mate-
rials, die sorgfältige Konstruktion
und geschickte gestalterische Kom-
position, die Anmutung des Schif-
fes auf großer Fahrt atmosphä- Belastbarkeit und Beständigkeit Das leichte Membrandach über-
risch in den Entwurf des „letzten bei gleichzeitiger Sparsamkeit im spannt Dock und Schiff und lässt
Hafens“ der HMS Unicorn zu Materialgebrauch erforderlich beide zu einer Einheit verschmel-
übersetzen. sind, in poetischer Weise zu über- zen, denn der Unicorn fehlt die
tragen. typische Morphologie eines Segel-
Dabei erzeugen sie ausgeglichene schiffes mit Takelage und Segeln.
Beziehungen zwischen konstruktiv Für die Hauptmembran wurde
funktionalen Aspekten des Ent- PTFE-Folie mit höherer Festigkeit
wurfs und der Metaphorik der Konzept verwendet, während in den Augen-
Seefahrt. Das alte steinerne Dock, bereichen zur Erzielung einer bes-
die in ein Aramidfasernetz gehäng- Die „Unicorn“ (Stapellauf 1824) seren Lichtstreuung ein hochtrans-
te Unicorn und die schützende, ist das älteste, noch schwimmen- luzentes Fluorpolymergewebe ein-
textile Spannkonstruktion stellen de britische Holzschiff. Um sie im gesetzt wird. Da beide Materialien
eine Einheit von hoher architekto- Trockendock des Hafens von ein unterschiedliches Dehnverhal-
nischer und konstruktiver Gestalt Dundee vor Witterungseinflüssen ten aufweisen, ist eine statische
dar. Der Kontrast des schweren zu schützen und gleichzeitig für Entkopplung erforderlich.
Steindocks zu dem darüber liegen- Besucher zugänglich zu machen,
den leichten Flächentragwerk mit soll eine Schutzüberdachung ent- Das Schiff wird in ein großes
dem darin scheinbar schwebenden worfen werden. Kevlarnetz gebettet, um die auf-
Schiff überzeugt. tretenden Kräfte flächig auf den
Gewählt wird hierzu eine Mem- Rumpf zu verteilen und Schäden
Mit ihrem Beitrag vermögen die branüberdeckung mit einem außen zu vermeiden. Zwischen den
Autoren, den Kampf menschlichen liegenden Seilbinder-Tragwerk Druckstützen des Tragsystems
Geistes gegen die Elemente, wie und Pylonen. Dieses Tragwerk spannen Seile, von denen das
er sich im Schiffsbau materialisiert, ermöglicht eine ungestörte Sicht Netz abgehängt wird.
auf die Leistungsfähigkeit filigraner auf das Schiff und eine besonders
Stahlseilkonstruktionen, wo hohe filigrane Konstruktion.
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Bemessung von Flachdecken mit Laudatio der Jury Konzept


Stahltrapezprofilen in Verbund-
bauweise für die Grenzzustände Geschossdecken bei Hochbauten Hergeleitet wird ein Bemessungs-
der Tragfähigkeit und Gebrauchs- werden überwiegend als unter- konzept für das Slim-Floor System,
tauglichkeit zugfreie Flachdecken in Ortbeton- das eine praxisgerechte Dimen-
bauweise erstellt. Für die hier vor- sionierung und Nachweisführung
3. Preis: gestellte Ausführungsvariante als erlaubt.
Markus Schäfer Flachdecke mit Stahltrapezprofilen
in Verbundbauweise ergeben sich Bei dem untersuchten Slim-Floor
Bergische Universität Wuppertal/ durch den hohen Vorfertigungs- Träger handelt es sich um einen
Fachbereich Bauingenieurwesen grad erhebliche Vorteile bei der geschweißten, trapezförmigen
Fachgebiet Stahlbau und Montage. Die Bauweise ist z. Zt. Kastenquerschnitt, der im End-
Verbundkonstruktionen allerdings nicht durch die gültigen zustand ausbetoniert wird. Die in
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Vorschriften abgedeckt. den Stegen angeordneten runden
Gerhard Hanswille Öffnungen wirken planmäßig als
Ausgehend von Bauteilversuchen Verbundmittel. Möglich ist eine
und Vergleichsrechnungen an Ausführung des Trägers in Kombi-
FE-Modellen wird ein für die Inge- nation mit Ortbeton, Fertigteil-
nieurpraxis verwendbares Inge- platten und Aufbeton sowie mit
nieurmodell entwickelt, mit dem schlaff bewehrten oder vorge-
sämtliche Nachweise für den Bau- spannten Fertigteilen.
und Endzustand sowie für den
Brandfall geführt werden können. Für den Nachweis der Längsschub-
Die Arbeit zeichnet sich besonders tragfähigkeit zwischen Kernbeton
durch die klar strukturierte wissen- und Stahlprofil des untersuchten
schaftliche Aufbereitung aus. Slim-Floor Trägers lag bisher kein
Ingenieurmodell vor. Auf der
Grundlage von Push-Out Ver-
suchen konnten Bemessungs-

Flachdecken in Verbundbauweise
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gleichungen zur Ermittlung der Momententragfähigkeit


Tragfähigkeit der Öffnungen als
Verbundmittel hergeleitet werden.

Ein weiterer Vorteil der Slim-Floor


Konstruktionen ist der integrierte
Brandschutz. Die in den Kernbe-
ton eingelegte Längsbewehrung
kann im Brandfall den unmittel-
bar beflammten Untergurt substi-
tuieren. In den Regelwerken wer-
den bisher jedoch keine Tempera-
turverteilungen zur Ermittlung
der Tragfähigkeit solcher Systeme
Querkrafttragfähigkeit
angegeben. Im Rahmen dieser
Diplomarbeit wurde in einem ers-
ten Ansatz das Nachweisverfah-
ren der Stufe 2 (EN 1994-1-2) auf
das untersuchte Verbundsystem
übertragen und eine gute Überein-
stimmung mit den aus thermischen
und mechanischen Analysen ge-
wonnen Tragfähigkeiten erzielt.

Längsschubtragfähigkeit

Spannungen im Bauzustand Torsion

Brandbemessung
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Hangar 7XX lässt sie durch ihre Leichtigkeit


und Filigranität eine Metapher für
Lob: die Technologie des Flugzeugbaus
Markus Wiring, werden. Die Grundfläche der
Max Brüninghold Halle leitet sich aus einem Qua-
drat ab, von dem zwei Ecken aus
Technische Universität funktionalen Gründen stark abge-
Braunschweig/ rundet sind.
Institut f. Industriebau u.
konstruktives Entwerfen Das Dach, das in der Diagonalen
Prof. Dipl.-Ing. Arch. Carsten Roth, eine Weite von 120 m überspannt,
Prof. Dr.-Ing. Udo Peil, ist an Seilen abgehängt, die – über
Prof. Dr.-Ing. Thomas Ummenhofer zwei einander gegenüber stehende
Pylone geführt – im Boden rück-
verspannt sind. Die Angriffspunkte
der am First liegenden Seile sind
Konzept dabei unterhalb des Daches mit-
einander wiederum durch Seile –
Für Wartungsarbeiten an Groß- den Kehlriegel – verbunden, um
raumflugzeugen benötigt die Luft- die Dachhälften gegeneinander
hansa Technik (LHT) einen Han- abzuspannen.
gar mit den lichten Innenmaßen:
L = 72 m, B = 79 m, H = 24 m für Die Pylone sind zur besseren Kraft- Das Dachtragwerk besteht aus ei-
den sogenannten D-Check, den ableitung schräg aufgestellt. Sie nem Raster aus Sparren und Pfet-
umfangreichsten Wartungscheck bestehen aus speziell gefertigten ten. Sie stoßen am Dachrand auf
für Passagierflugzeuge mit einer runden Hohlprofilen. Die „Beine“ einen umlaufenden Riegel, der die
Standdauer von ca. 50 Tagen. sind im Gegensatz zum Bogen horizontalen Kräfte aufnimmt. Das
konisch ausgebildet, um der Knick- Dach liegt in seinen Eckpunkten
Der Hangar 7XX ermöglicht zum last standzuhalten. Die Seilkraft unter den Pylonen auf „Böcken“
einen eine flexible, maximale wird durch am Pylonkopf aufge- aus drei durch Seile ausgekreuzte
Flächennutzung. Sein optimiertes schweißte Schellen aus Gussstahl Stützen auf. Diese Böcke nehmen
statisches System macht die Kon- umgelenkt. zugleich die anfallenden horizon-
struktion sehr ökonomisch und talen Lasten auf.

Im Firstbereich sind die Sparren


durch Bögen miteinander verbun-
den, die die auftretenden Druck-
kräfte übertragen. Sie sind unter-
spannt durch die sogenannten
Kehlriegel. Diese übertragen die
durch die Seilabspannung auf-
tretenden Zugkräfte. Das statische
System erlaubt eine Minimierung
der Trägerquerschnitte. Der Firstbe-
reich ist zur Belichtung der Halle
mit einer Membran überspannt,
die weiteren Dachflächen sind mit
einer geschlossenen Dachhaut be-
kleidet.
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Die vertikalen Lasten des Daches Der Sonnenschutz auf der Südseite
werden außerdem über die Stüt- der Halle wird durch Lamellen her-
zen der Fassaden abgetragen. Sie gestellt, die zwischen den Vieren-
bestehen aus Vierendeel-Trägern deelträgern angebracht sind. Die
und sind am umlaufenden Riegel Halle ist großflächig verglast, um
des Dachtragwerks angeschlos- das Dach optisch abzuheben und
sen. An ihnen ist die Fassade als die filigrane Konstruktion hervor-
Pfosten-Riegel Konstruktion ange- zuheben.
schlossen.
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Drunken Sailor – Konzept


Hochbauentwurf Elbbrücken-
zentrum Hamburg Grundlage des Hochhausentwurfs
sind die Masterpläne „HafenCity“
Lob: und „Stadttor Hamburg Süd-Ost“.
Philipp Derksen, Vom Masterplan „Stadttor Süd-
Annette Donat Ost“ wird der Gedanke aufgegrif-
fen, einen prägnanten Hochpunkt
Technische Universität Berlin/ am Elbbrückenzentrum als Ein-
Konstruktives Entwerfen u. gang und Orientierungspunkt zur
klimagerechtes Bauen Innenstadt zu schaffen.
Prof. Dipl.-Ing. Rainer Hascher
Der Hochhauskomplex steht
auf dem Sockel, am „Knick“ der
Elbbrücken in die Innenstadt.
Er wird umrahmt von zwei auf-
geständerten, zweigeschossigen
Riegelbauten. Der Sockelbau soll
als Park&Ride-Parkplatz dienen.
In den Riegelbauten soll die in
Hamburg geplante „International
School of Logistic“ angesiedelt
werden.

Die Hochhaustürme beherbergen


Dienstleistungsangebote, Gastro-
nomie, Hotel, Büros und Wohnen.
Die Flächen der Türme können
je nach Bedarf zusammen oder
getrennt genutzt werden. Sky-Bar
und Casino laden in den oberen
Geschossen über den Dächern
Hamburgs und der Elbe zum Ver-
weilen und Amüsieren ein.

Das Hochhaus besteht aus zwei


punktsymmetrischen Türmen mit
jeweils 40 Geschossen (150 m
Höhe), die im Atrium durch ge-
schossweise angelegte Brücken
und Skygärten miteinander ver-
bunden sind. Den Türmen liegt Das Tragwerk der Türme besteht
im Erdgeschoss ein gleichschenk- aus einer Tube-in-Tube-Konstruk-
liges, rechtwinkliges Dreieck zu- tion. Die innere Röhre bildet der
grunde. Die Gebäudeform ergibt 8 m x 12,50 m große Kern mit der
sich aus den Verbindungslinien senkrechten Erschließung. Die
zwischen dem im Erdgeschoss äußere Röhre ist eine Gitterröhre
liegenden Dreieck und dem iden- aus diagonalen IPE-Profilen. Der
tisch im 40. Geschoss um 180° vertikale Lastabtrag erfolgt über
gedrehten Dreieck. die Kernwände, die innenliegen-
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Zur weiteren Stabilisierung sind Alle tragenden Stahlteile sind mit


die beiden Türme alle vier Ge- Brandschutzmaterialien für F90
schosse durch halbseitig durch- ummantelt. Zum Brandschutz-
gehende Deckenplatten mitein- konzept gehören außerdem Sicher-
ander verbunden. Dem Tragwerk heitstreppenhäuser, ausgewiesene
liegt ein Raster von 1,60 m x Fluchtwege und Sprinkleranlagen.
1,60 m parallel zu den Katheten
des Grunddreiecks zugrunde.

Die Gliederung des Gebäudes ist


durch die Fassade klar ablesbar.
Beide Türme erhalten eine Doppel-
fassade mit einer innenliegenden
Klimafassade und einer außen-
liegenden Wetterschutzfassade.
So wird eine manuelle Zuführung
von Frischluft ermöglicht.

den Stützen und die diagonalen


Stützen der Gitterröhre. Die Hori-
zontalaussteifung des Gebäudes
erfolgt über die Gitterröhre und
den Kern, der über die gelenkig
gelagerte Deckenplatte mit den
innenliegenden Stützen und der
außenliegenden Gitterröhre ver-
bunden ist.
Förderpreis

des Deutschen Stahlbaues 2006

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Schwimmende Start- und


Landeplattform für Zeppelin
LZ N07

Lob:
Dipl.-Ing. Stefan Unnewehr

RWTH Aachen/
Lehrgebiet Konstruktives Entwerfen
Univ.-Prof. Dipl.-Ing. (TH Prag)
Mirko Baum

Konzept wird in infrastrukturell schwachen Wasserlinienfläche dieser Stützen


Gebieten gesehen, wo die Kom- sorgt für eine erhöhte Kippsicher-
Start- und Landemanöver von bination aus Wasserflächen und heit und Querstabilität der Gesamt-
Luftschiffen müssen immer gegen Luftweg sich für ein sinnvolles Ver- anlage. Das Gebäude wird in der
den Wind erfolgen. Bodenständige kehrskonzept anbieten. Daher wird für die Meerestechnik typischen
Hallen, obwohl in Richtung des nicht nur ein Einzelobjekt, sondern Spantenbauweise ausgeführt. Alle
überwiegend herrschenden Win- ein auf Vorfertigung und Export statisch wirksamen Bauteile wer-
des gebaut, können zeitweise angelegtes Bauwerk angestrebt. den aus Stahl gefertigt.
nicht genutzt werden; drehbare
Hallen sind zu unwirtschaftlich. Die Entwurfsidee des Schwimm- Die Halle ist als komplett öffen-
Deshalb ließ bereits Graf Zeppe- körpers beruht auf dem aus der bare Konstruktion geplant. Das
lin seine Luftschiffhallen auf dem Meerestechnik bekannten Prinzip peripher klappbare Dach ist mit
Bodensee schwimmend errichten, des Halbtauchers und einem zylin- einer Vertikalbewegung der eigent-
die richtige Drehung besorgte der drischen Hallenkörper. Sowohl lichen Plattform gekoppelt, um
Wind. die Halle, als auch ihre beidseitig den Start- und Landevorgang zu
angeordneten Torverschlüsse sind inszenieren und eine freie Sicht
Anknüpfend an diese Idee, wird als mobile Faltwerke konzipiert. der Passagiere an Deck zu gewähr-
der Entwurf eines schwimmenden leisten. Der Öffnungsmechanis-
Luftschiffhangars auf dem Boden- Über Ballastwasser in den beiden mus des Hallendaches wird über
see für den seit 1997 in Friedrichs- Hauptauftriebskörpern kann die Hydraulikzylinder angetrieben.
hafen gebauten Zeppelin LZ NO7 Eintauchtiefe geregelt werden. Über einen Pleuel wird die Platt-
vorgestellt. Eine weitere Nutzung Die vierzehn voluminösen Stützen form angehoben; eine Scheren-
dienen als Restauftriebskörper für konstruktion hält die Plattform in
verschiedene schnell wechselnde Position und dient als zusätzliches
Lasten (z.B. Wind). Die geringe Auflager. Transluzente GFK-Dop-
pelstegplatten bilden die seitliche
Raumhülle des Hangars.

Durch das statische Konzept, den


klaren modularen Aufbau der Ge-
samtanlage, durch Verwendung
möglichst vieler gleicher Bauteile
und durch den weitgehenden Ver-
zicht auf komplexe, biaxial ge-
krümmte Stahlflächen eignet sich
der Hangar ideal zur Vorfertigung
und kann sehr wirtschaftlich her-
gestellt werden.
Förderpreis

des Deutschen Stahlbaues 2006

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Convertible Gliding Center –


Entwurf eines Segel-
und Solarflugzentrums

Lob:
Sebastian Jud,
Benjamin Krampulz,
Michael Meyer,
Martin Völkle,
Moritz von Pein

Universität Stuttgart/
Institut für Baukonstruktion
Prof. Dr.-Ing. Stefan Behling,
Dipl.-Ing. Peter Seger,
Prof. Dr.-Ing. Jan Knippers,
Dr.-Ing. Jürgen Graf

Konzept Das Tragwerk bilden Rohr-Fach-


werkträger, die mit einer Architek-
Für ein Segelfluggelände am Rande turmembran bespannt sind. Es ist
der Schwäbischen Alb soll eine auf die Hälfte zusammenfaltbar
neue Anlage errichtet werden. Da und ermöglicht ähnlich große Öff-
der Sponsor des Vereins – ein re- nungen wie ein verschiebbares
nommierter Hersteller von Hoch- Tragwerk – mit wesentlich gerin-
leistungssegelfluggeräten – gleich- gerem Materialbedarf. Das Falt-
zeitig einen repräsentativen Aus- system besteht aus parallel zuein-
stellungshangar für seine Flug- ander angeordneten, verfahrbaren
zeuge benötigt, soll das neue Bau- Der Montageplatz als Zentrum der Fachwerkrahmen. Dabei sind die
werk den Anforderungen beider Kommunikation und der Segel- in den Längswänden angeordne-
Nutzer entsprechen. flugaktivität bildet das Bindeglied ten Fachwerkstäbe gelenkig ver-
zwischen Innen und Außen. Da- bunden, um die Faltung zu er-
bei nehmen die Funktionsboxen möglichen.
mit den öffentlichen Räumen eine
zentrale Rolle ein.
Förderpreis

des Deutschen Stahlbaues 2006

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Arena am Ostbahnhof

Lob:
Ulf Müller,
Irena Bogacev,
Niklas Klonek

Technische Universität Berlin/


Konstruktives Entwerfen u.
klimagerechtes Bauen
Prof. Dipl.-Ing. Rainer Hascher,
Dipl.-Ing. Joachim Dieter

Konzept

Die Arena liegt in Berlin zwischen


dem Ostbahnhof und der War-
schauer Straße. Entsprechend dem
Masterplan soll sie zum Zentrum
eines neuen Quartiers werden. Als Zur Stabilisierung der Form wurde Der äußere Bereich des Daches
Multifunktionshalle mit Schwer- am oberen und unteren Ende je bildet einen lichtdurchlässigen
punkt Eishockey geplant, soll die ein Stahlbetonring geplant. Der Kranz aus Glas, der das Dach
Arena unterschiedlichen Nutzern Druckring übernimmt drei wich- leicht und schwebend erscheinen
zur Verfügung stehen. tige Aufgaben im Bauwerk. Er lässt. Die Gläser werden von den
stabilisiert die Form des Arena- Druckspreizen aus über Stäbe und
Vorbild für die Entwurfsidee ist körpers, dient dem Seiltragwerk Punkthalter gehalten. Verstellbare
das antike Kolosseum – übersetzt des Dachs als Druckring und ist Lamellenkonstruktionen über dem
in die zeitgenössische Architektur. Anschlusspunkt für die Pfosten Glasring ermöglichen eine Ver-
Die Gebäudestruktur gliedert sich der Fassade. dunklung der Halle.
in zwei Hauptteile: den sich nach
außen möglichst eindeutig ab- Das Dachtragwerk besteht aus Die Glasfassade entlang der
bildenden Veranstaltungsbereich Seilbindern in zwei Richtungen im Rampe wurde als Wärmeschutz-
und das sich als Rampe empor Abstand von 5 m, die gegen den Isolierverglasung in einer Pfosten-
schraubende Nebengebäude. Die Druckring der Schale gespannt Riegelkonstruktion vorgesehen,
geschwungene, dynamische Form sind. Ein Seilbinder setzt sich da- die an einer Stützen- und Balken-
der Rampe dient der Haupter- bei aus Tragseil (d = 43 mm) und konstruktion aus Hohlkastenpro-
schließung und wird zum verbin- Spannseil (d = 38 mm) zusammen, filen befestigt ist. Diese werden
denden Element. die über Spreizen gegeneinander mit einem Momentengelenk für
verspannt sind. Die Vorspannung Hohlkastenprofile miteinander
Die Arena besteht aus zwei statisch im Seilbinder wurde so gewählt, verbunden. Der Stützenabstand
voneinander getrennten Baukör- dass auf die Trag- und Spannseile beträgt 5 m. Ihre Form folgt idea-
pern. Den ersten bildet das Neben- immer nur Zugkräfte wirken. Im lisiert der Momentenlinie. Auf-
gebäude mit seinem als Erschlie- mittleren, linsenförmigen Bereich grund der sich verringernden Höhe
ßung dienenden Dach. Der Last- des Dachs ist eine feste Dachhaut der Fassade entlang der Rampe ist
abtrag wird durch Stützen und aus Trapezblechen auf einer auf es notwendig, auch die Wandung
tragende Wände gewährleistet. den Druckspreizen aufgeständer- der Rechteckhohlprofile variieren
Den zweiten Baukörper bildet der ten Sekundärkonstruktion aufge- zu lassen.
Arenakörper mit seinen in 45 % bracht. Als Verblendung der Sekun-
geneigten Tribünen. därkonstruktion und der Dach-
haut dienen Alulochplatten.
Förderpreis

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Tensegrity-Bridge Die Inspiration zu der vorliegen-


den Arbeit lieferte der „Needle-
Lob: Tower“ von Kenneth Snelson, der
Manuel Loesaus, aus einer Stapelung von Tenseg-
Axel Linde rity-Systemen besteht. Durch die
Analogie der Normalkraftsysteme
Bergische Universität Wuppertal/ ‚Turm‘ und ‚Bogen‘ lässt sich aus
Fachbereich Architektur, Design, dem Needle-Tower das Konstruk-
Kunst tionsprinzip für ein Brückenbau-
Univ.-Prof. Dr.-Ing. werk ableiten.
Karl Schwalbenhofer
Ziel dieser Forschungsarbeit ist es,
die Möglichkeiten eines solchen
Tragwerks für die Nutzung als Fuß-
Konzept gängerbrücke zu untersuchen. Da-
zu wurde zunächst das Konstruk-
Die „Tensegrity-Bridge“ ist ein tionsprinzip des Turms analysiert
experimentelles Brückenbauwerk, und für die Bogenform adaptiert.
das die Grenzen der klassischen Die Dimensionierung des Brücken-
Tragwerklehre berührt. Konstruktionsprinzip querschnitts ergibt sich dabei aus
der erforderlichen Durchgangs-
Die Konstruktion besteht aus voll- Durch das scheinbare Chaos der höhe für einen Steg im inneren
ständig isolierten Druckstäben, fliegenden Stäbe zieht sich ein des Tragwerks. Berechnungen im
die scheinbar fliegend in einem schmaler Steg, der an den Enden Simulationsprogramm SCIA bele-
Netzwerk aus Stahlseilen gehal- einzelner Stäbe abgehängt ist und gen die prognostizierte Lastab-
ten werden. Die stringente Geo- in einem kühnen Schwung die tragung und ermöglichen eine
metrie, die diesem Tragwerk zu- 90 Meter überspannt. Gehalten Dimensionierung der Druckstäbe
grunde liegt, offenbart sich aus- wird die Tensegrity Struktur von und Zugseile. Maßgebend für die
schließlich in der orthogonalen massiven Betonrahmen, die die Tragfähigkeit des Systems ist dabei
Projektion, aus der Perspektive aus der Bogenform resultieren- das Vorspannen der Konstruktion
der Passanten lässt sie sich kaum den Normalkräfte ins Erdreich durch die horizontale Verschie-
entschlüsseln. ableiten. bung der Auflager.
Förderpreis

des Deutschen Stahlbaues 2006

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REVOLVIENT auf eine max. Geschwindigkeit


von ca. 300 km/h beschleunigt.
Lob: Die Motoren befinden sich in
Lukas Reichel Streckenpylonen und Bahnhöfen.

BTU Cottbus/ Die REV-Muster-Gondel der Deut-


Entwerfen: Wohn- u. Sozialbauten schen Bahn in der Langstrecken-
Prof. Dipl.-Ing. Bernd Huckriede version der Komfortklasse 1 hat
eine Kapazität von 28 + 2 Passa-
gieren. Eine Nutzung für Logistik-
unternehmen ist denkbar.
Konzept
Die Kabinensegmente der Fahr-
Entwurfsidee ist eine Hochge- Die Form der Gondel ähnelt einer gastkabine sind als fachwerkarti-
schwindigkeitsseilbahn, die Ver- überdimensionalen Express- oder ge Stahlelemente konstruiert.
bindungen schafft zwischen gro- Schnellbauschraube, die sich mit Umlaufende Vouten gewährleis-
ßen Ballungsräumen oder inner- Hilfe eines komplexen Walzen- ten den Lastabtrag in der Vertika-
städtischen Kommunikationszen- seilübergabesystems in das Seil- len und sind gleichzeitig die Auf-
tren, wie Flughäfen, Bahnhöfen ende eindreht. Da sich der Passa- lagerpunkte des Trittbodens. Die
oder Stadtkernbereichen mit einer gierraum bei dieser Primärbewe- „Trommeln“ bilden somit im Ge-
hohen Frequentierung. gung mitdrehen würde, musste die samten das statische Grundgerüst
äußerste Trägerstruktur von der und werden an die verbindenden
Der REVOLVIENT ist ein neuar- inneren Hülle entkoppelt werden. Kranzlagerringe angeschlossen
tiges Seilbahnsystem. Beim Ver- Infolge dessen ruht das Seilfüh- und miteinander verbunden.
drillen von sechs Stahlseilen zu rungssystem auf vier Kranzwalzen-
einem wird Druck auf das hintere lagern und einem selbstschmie- Bei einer Reisegeschwindigkeit
Ende der Gondel ausgeübt. Auf der renden Wellenlager im vorderen von 300 km/h könnten entfernte
gegenüberliegenden Seite wiede- Bereich. Ziele nahezu linear miteinander
rum lösen sich die Kabel von der verbunden werden. Das System
ersten Gondelhaut aufgrund einer Die Gondel selbst verfügt über wäre eine Alternative zum Flug-
entgegengesetzten Bewegung und keinen eigenen Antrieb. Die Be- zeug oder zu großen Brücken.
bewirken, dass sich die Kabine wegungsenergie wird durch das Mit Hilfe von schwimmenden
nach vorne schiebt. Drehen am Ende der Seile erreicht. Ponton-Pylonen ließen sich auch
Große Antriebsmotoren erzeugen Ziele in Übersee ansteuern.
Auf der ersten Gondeloberfläche, jene Drehleistung, die die Kabine
die aus sinusförmig gekrümmten
Stahlprofilen besteht, befinden sich
Vertiefungen, die die Stränge auf-
nehmen können. Die Amplituden-
höhen dieser Vertiefungslinien ge-
währleisten ein bremsfreies Gleiten
der Litzenseile. Funktionsprinzip und Seilführungsplan
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des Deutschen Stahlbaues 2006

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Walderlebnisturm
„Heimliche Liebe“ in Essen

Lob:
Arnd Dewald

Fachhochschule Bochum/
Fachbereich Architektur
Prof. Dipl.-Ing.
Hermann Kleine-Allekotte,
Prof. Dipl.-Ing. Klaus Legner,
Prof. Dr.-Ing. Karsten Tichelmann

Konzept Hauptseile angreifen. Zur Stabili- Die Plattform selbst wird durch
sierung des Systems dienen die einen Trägerkranz gebildet, der
Der Aussichtsturm liegt zwischen (je zwei auf jeder Seite) Sekundär- von dem auf den Druckstäben
dem Stadtwald und dem Schellen- seile, die 10 m vor dem Pylon seit- aufliegenen Ringträger auskragt.
berger Wald an dem Ausflugs- lich verankert sind, und die den Ein äußerer Ringträger wirkt zu-
lokal „Heimliche Liebe“. Mit einer Hauptpylon bzw. die Sekundär- sammen mit dem inneren Träger
Höhe von 30 m über dem Gelände pylone halten. und dem Kragträger als liegender
würde er zum höchsten Aussichts- Vierendeelträger. Die Kragträger
punkt im Revier. Er soll dem Forst- Den Zugang zur Plattform bildet sind mit einem Winkelabstand von
amt Essen als Peileinrichtung für eine 90 m lange Stahltreppe mit 10° angeordnet und ermöglichen
Waldbrände dienen und gleich- beiderseitigen Brettschichtholz- so eine natürliche Orientierung
zeitig im Rahmen der Waldpäda- wangen, die auch als Brüstung auf der nach Süden ausgerichteten
gogik mit Schulkindern genutzt und Handlauf der Treppe dienen. Plattform. Die Plattform selbst ist
werden. Diese werden bei jedem zweiten beplankt mit Holzbohlen, die auf
Podest von den Primärseilen ab- Trägern auflagern, die wiederum
Die Gestalt des Turmes bricht gehängt, um auftretenden Schwin- auf den Kragträgern aufliegen.
mit der traditionellen Vorstellung gungen zu widerstehen.
von der Massivität eines Turmes. Durch die Auskragung des Haupt-
Die Neuinterpretation erzeugt ein Die Höhe der Holzbrüstungen pylons samt Plattform von 50 m
gegenteiliges Bild: Anstelle der Sta- variiert von 1,5 m am oberen und entsteht ein neuartiges Erleben des
bilität wird der Eindruck von Fra- unteren Ende bis 3 m in Treppen- Waldes, wie „schwebend“ über
gilität und Instabilität provoziert. mitte. Dort wird ein Podest ausge- den Baumkronen.
bildet, das gerade über den Baum-
Die Konstruktion besteht aus einer kronen liegt.
auskragenden, elliptischen, stähler-
nen Plattform (25 m lang und 16 m
breit), die sich auf einem schräg-
stehenden, 50 m langen Druckstab
(Hauptpylon) und zwei weiteren
kleineren Druckstäben (Sekundär-
pylone) abstützt. Stabilisiert wird
die Konstruktion durch zwei Pri-
märtragseile, die rückwärtig im
Fels verankert sind, wobei die auf-
tretenden Kräfte vom Hauptpylon
über die Plattform in die Sekundär-
pylone geleitet werden, wo die
Förderpreis

des Deutschen Stahlbaues 2006

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Museum für Documenta


(Museumspark/Documenta
Kassel)

Lob:
Kathrin Wiertelarz

Universität Kassel/
Fachgebiet Digitale
Entwurfstechniken
Prof. Lars Spuybroek

Konzept

Entwurfsaufgabe war, für die alle Die Tragkonstruktion sollte frei 1, 1,25 und 1,50 m), um Vergla-
fünf Jahre stattfindende „docu- generierbare Flächen adaptieren sungs- bzw. Abdeckelemente an-
menta“ in Kassel ein Museum mit können. Nach Analysen der Topo- zubringen. Zur Findung der opti-
Mediathek, Workshops und Café logie von nurbs-Flächen, Flächen- malen Tragkonstruktion wurde ein
zu entwickeln. Die Nutzfläche Kurvaturen (bezüglich maximaler Voronoi-Algorithmus entwickelt
sollte ca. 6000 m2 betragen. und minimaler Krümmung, Her- und auf die polygonisierte Fläche
stellungsprozessen/cnc-miling etc.) im Programm angewandt. Als
In einem ersten Schritt wurden sowie in der Natur vorkommenden Lösung ergab sich ein radiolarien-
zeitgenössische Museen (Zaha Tragwerksprinzipien (Wabenstruk- ähnliches, stählernes Raumfach-
Hadid Museum of Contemporary tur und Radiolarien) wurde ein ers- werk.
Art/Cincinatti, Mario Botta/Rem tes Tragwerkskonzept entwickelt.
Kunsthaus etc.) hinsichtlich ihrer Entsprechend den analysierten Opazität, Transluzenz und Trans-
Bewegungsströme, Raumgrößen geometrischen Prinzipien (hier die parenz variieren je nach Nutzung
etc. analysiert. Die Ergebnisse wur- Tessalierung der Flächen) wurde der Räume durch unterschied-
den in einer Matrix zusammen- ein Polygonisierungs-Skript ge- liche Abdeckmaterialien sowie
gefasst und hieraus der Museums- schrieben und dann in ein FEM- Verschattungsmöglichkeiten.
körper entwickelt. Bewegungs- Programm (Finite Elemente Metho-
abläufe und Aufenthaltszeiten de) umgesetzt. Die „frei geformte“
flossen in ein Relationsdiagramm. Fläche wurde weitestgehend tri-
Verhältnisse und Interaktionen anguliert, so dass die Anzahl der
zwischen Raumgrößen und -höhen variierenden Stäbe gering gehalten
bildeten die Basis für die Kon- wurde (hier Variation zwischen
struktion.
Förderpreis

des Deutschen Stahlbaues 2006

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HAC – Hamburg Aviation Center definiert. Die obere Ausstellungs- der Rastergröße dient als Vorgabe
ebene scheint gleichsam im Raum das maximale Herstellungsmaß für
Lob: zu schweben. Glasscheiben in herkömmlichen
Johannes Leskien, Fabrikationsstraßen (3,20 m x 6 m).
Svend Jørgensen, Für das großzügige Raumkonzept Somit bestimmt die Seitenlänge
Johannes Staudt, wurde eine weit spannende Fach- (3,20 m) = Diagonale (4,50 m) ei-
Stefan Sass werk-Rahmen-Konstruktion ge- nes Fassadenelementes die Größe
wählt. Dabei wurde großer Wert des Rasters – und damit die Ab-
Technische Universität Berlin/ auf die Standardisierung der Bau- stände der Rahmen und letztlich
Konstruktives Entwerfen u. teile gelegt. Das gewählte Kon- die genauen Ausmaße des gesam-
klimagerechtes Bauen struktionsraster ermöglicht es, die ten Gebäudes.
Dipl.-Ing. Ulrike von Schenck, obere Ausstellungsebene einzu-
Prof. Dipl.-Ing. Rainer Hascher hängen und schwebend erschei- Durch Drehung des Rasters um
nen zu lassen. Für die Ausstel- 45° konnte der Rahmenabstand
lungsebene wird ein Raumfach- auf 9 m maximiert und die Größe
werk gewählt, dem ebenfalls das der Fassadenelemente auf das
Konzept Raster der Rahmenkonstruktion Herstellermaß optimiert werden.
zugrunde liegt. Es wurde eine Deckungsgleichheit
Mit dem Hamburg Aviation Center durch alle Tragstrukturen erreicht.
(HAC) soll ein Besucherzentrum Die Primärstruktur besteht aus So entspricht die Diagonale eines
entstehen, das imagewirksam das 13 Rahmen mit einem diagonalen Fassadenelements dem Abstand
Unternehmen und die Marke Air- Stabwerk. Die Rahmen überspan- der inneren Enden eines Stab-
bus repräsentiert. Der Besucher nen 31,5 m. Bei einer statischen paares (4,5 m); das Diagonalmaß
erhält einen Einblick in die Welt Höhe von 2,25 m liegen sie im zweier Elemente (9 m) dem Achs-
des Fliegens, in die technischen Abstand von 9 m. Der äußere abstand der Rahmen und die
Zusammenhänge und in den Flug- Fachwerkknoten wird an die dia- Hälfte einer Diagonalen der stati-
zeugbau. gonale Pfosten-Riegel-Konstruk- schen Tiefe der Rahmenkonstruk-
tion gelenkig angeschlossen. Diese tion (2,25 m).
Die Form des HAC orientiert sich Rautenstruktur überspannt alle
an den vorhandenen Montage- Rahmen und bildet im Verbund Das faltbare Hangartor besteht
hallen auf dem Airbusgelände. die Quer- und Längsaussteifung aus einzelnen Segmenten, die
Ein Flugzeuggeschwader empfängt des Gebäudes. über Scharniere miteinander ver-
den Besucher. Er wird von Leit- bunden sind. Die Segmente sind
objekten (besondere Exponate wie Den äußeren Abschluss des Ge- über den Rahmen, der als Drei-
Turbinen etc.) durch eine Ausstel- bäudes bilden die Fassadenplatten, gurt ausgeführt ist, in ein Schie-
lungstopographie geführt, die sich die an die Diagonalstruktur über nensystem eingehängt.
durch die verschiedenen Themen- abdichtende Klemmprofile ange-
bereiche als eine Hügellandschaft schraubt werden. Bei der Wahl
Förderpreis

des Deutschen Stahlbaues 2006

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Zum Einfluss von


aufgeschweißten Längsrippen
auf das Ermüdungsverhalten
hoch- und ultrahochfester
Feinkornbaustähle

Lob:
Jennifer Bergers

Universität (TH) Karlsruhe/


Versuchsanstalt für Stahl,
Holz und Steine
Univ.-Prof. Dr. Eur.-Ing.
Ram Puthli,
Dr.-Ing. Stefan Herion

Konzept

Aufgeschweißte Längsrippen
werden im Kranbau für verschie-
dene Installationen wie Leitungen,
Abspannungen und Anschlüsse
eingesetzt. Da das Eigengewicht
einen wesentlichen wirtschaftli-
chen Faktor darstellt, werden heute
hochfeste Stähle mit einer Streck-
grenze von bis zu 1100 N/mm2
verwendet.

In dieser Arbeit werden sechs


verschiedene Ausführungsvarian- • Durch eine hohe Ausführungs- • Die numerische Untersuchung
ten der aufgeschweißten Längs- qualität der Schweißnaht kann zeigt, dass abgeschrägte Rippen
rippe experimentell und nume- das Ermüdungsverhalten positiv mit Schweißsteg im Vergleich
risch untersucht und daraus Norm- beeinflusst werden. zu Rechteckrippen gleicher
empfehlungen entwickelt. • Den größten Ermüdungswider- Länge keinen Vorteil bieten.
stand erzielen Rippen, die mit • Die Parameterstudie in Bezug
Alle Rippen werden auf ein Gurt- einlaufenden Nähten auf das auf die Rippenlänge zeigt, dass
rohr (100 x 100 x 5 mm) von Gurtrohr geschweißt werden. eine lineare Abhängigkeit zwi-
1600 mm Länge geschweißt, das Bei einer sorgfältigen und vor- schen SCF und Rippenlänge
aus einer U-Schale und einem schriftsmäßigen Schweißung besteht, wobei der SCF mit stei-
Gurtblech zusammengesetzt wird. kann dieses Detail in die Kerb- gender Rippenlänge zunimmt.
Zum Einsatz kommen Stähle mit klasse 90 eingestuft werden. • Anhand der Parameterstudien
einer Streckgrenze von 460, 690, • Auch eine ausgerundete Rippe mit variierender Dicke von Gurt
960 und 1100 N/mm2. mit beschliffener Schweißnaht und Rippe wird deutlich, dass
erzielt bei sachgerechter Aus- die Spannungskonzentrations-
Die wichtigsten Ergebnisse: führung gute Ergebnisse. faktoren bei gleicher Blechdicke
• Die Kerbschärfe hat den größ- • Der Einfluss der Streckgrenze von Gurt und Rippe ein Mini-
ten Einfluss auf den Ermüdungs- spiegelt sich in der Wöhlerlinien- mum erreichen.
widerstand von aufgeschweiß- neigung wider, die mit steigen-
ten Längsrippen. der Streckgrenze zunimmt.
Förderpreis

Kern des Deutschen Stahlbaues 2006

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Systematische Untersuchung Outrigger


der Aussteifung von Hochhäusern
mittels Auslegersystemen
(Outrigger)

Lob:
Daniel Wingenfeld
Außenstützen
Hochschule Darmstadt/
Fachbereich Bauingenieurwesen
Prof. Dr.-Ing. Steffen Kind

Konzept

Ziel der Arbeit war eine Analyse


von Outrigger-Tragwerken bei
schlanken Hochhäusern, die opti- Idealisierte
male Anordnung des Stahlfach- Pfahlgründung
werk-Outrigger über die Gebäude-
höhe und die Auswirkungen von
verschiedenen Stützen- und Out-
rigger-Steifigkeiten bei unterschied-
lichen Systemen. durch eine scheibenartige Ausbil- wickelt werden, um eine schnelle
dung von verlängerten Wandschei- Abschätzung der Kopfverformung
Die Aussteifung eines Hochhau- ben des Kerns gebildet, die an Stüt- bei unterschiedlichen Systemen
ses mit nur einem Kern hat bei zen, oft Verbundstützen, in der und Steifigkeiten zu ermöglichen.
ca. 120 – 170 m Gebäudehöhe die Fassadenebene anschließen. Mit
Grenze der Wirtschaftlichkeit er- der Einbindung der Stützen hat Die Arbeit gibt dem Ingenieur ein
reicht. Danach ist die Verwendung man ein leistungsstarkes Ausstei- Handwerkszeug an die Hand, mit
von anderen Aussteifungssystemen fungssystem, das mit dem maxi- dem er schnell, ohne Computer,
sinnvoll. Eine Möglichkeit stellt malen Hebelarm der gesamten abschätzen kann, welches System
die Aussteifung mit Outrigger dar, Gebäudebreite am Lastabtrag des für das entsprechende Gebäude
z. B. beim Hochhaus Taipei 101. Momentes aus horizontalen Lasten am wirkungsvollsten ist. Es wur-
beteiligt ist. den Tabellen mit einem selbstent-
Das Outrigger-System besteht aus wickelten Berechnungsprogramm
Wandscheiben im Inneren des Ge- Im Rahmen dieser Arbeit wurden für alle gängigen Grundrissabmes-
bäudes, die über eine schubfeste komplizierte Hochhaussysteme sungen, Höhen, Outrigger- und
Verbindung mit räumlich, sehr auf einfache Systeme minimiert, Stützensteifigkeiten erstellt, die
steifen Stahlfachwerkträgern, den die leichter und übersichtlicher zu eine schnelle Abschätzung der
Outrigger, in einer oder mehreren berechnen sind und eine schnelle Hochhauskopfverformung unter
Bauwerkshöhen mit vertikalen Abschätzung der Verformungen Windbelastung ermöglichen. Es
Bauteilen (Verbundstützen z. B. und Schnittgrößen ermöglichen. sind Vergleiche möglich, ob meh-
Megastützen) in der Gebäudeperi- Für diese Systeme wurden die rere Outrigger mit einer geringeren
pherie gekoppelt sind. Die Wand- allgemeinen Formeln nach dem Stützen- und Outrigger-Steifigkeit
scheiben sind meist Bestandteil Prinzip des Kraftgrößenverfahrens oder weniger Outrigger mit einer
des Kerns und bilden eine Innen- ermittelt. erhöhten Stützen- und Outrigger-
röhre, die aus einem Stahlfach- Steifigkeit sinnvoll sind oder wie
werk oder einer Betonwandschei- Da es eine Vielzahl von Möglich- sich eine Erhöhung der Kernstei-
be bestehen kann. Die schubfeste keiten für Outrigger-Tragwerk gibt, figkeit auf die Kopfauslenkung
Verbindung wird im Allgemeinen musste eine Berechnungshilfe ent- auswirkt.