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Erfahrungen über die Fortpflanzung der


- Wirkſamkeit homöopathiſcher Arzneien,
nebſt einigen Ideen über die Art und .
Weiſe, wie dieſelbe vor ſich geht. ;
Vom .
Herrn von Korſakoff.
(Aus dem Franzöſiſchen des Originals.) .

inem jüngſt mitgetheilten Berichte, habe ich ein


ficheres und leichtes Verfahren , die homöopathiſchen Verbün =
nungen zu einem bisher unerhörtem Grade zu bringen , bea
ſchrieben ; ich berührte dabei kürzlich die Wirkungen , welche
ich von der 1000 (millieme attenuation centesimale) des
Schwefels und der 150. des Merkurs beobachtet hatte.
2 . Seit dieſer Zeit bin ich fortgefahren , den Schwefel
bis zur 1500ſten Verdünnung ( 1500me attenuation centesi
male), zu bringen , und habe immer gefunden , daß ſeine Urz
neikraft, weit entfernt fich zu vermindern , immer ſichtbarer
wohlthátig auf die Kranken einwirkt.
3. Ich hatte bisher , um die erſten 1000 Verdünnungen
herzuſtellen , Schneewaſſer angewendet ; zu Bereitung der
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folgenden :500 bediente ich mich des gewohnlichen, Quella
maflets, ohne Beeinträchtigung des Erfolgs der Operation *).
4 . Obgleich ſchon das von mir angewendete Verfahren,
dieſe höchſten Verdünnungen darzuſtellen , keinen Zweifel an
der Realität derſelben übrig låßt, ro , ftrđubt ſich, doch der
Berſtand ,, an die Möglichkeit ſo ungeheuer kleiner Brucha
theile zu glauben , was mich ,zu :neuen Verſuchen veranlaßte,
um aufs vollſtändigſte mich ,zu perfichern , daß nicht die ges.
ringſte Iduſchung dabei,obwalte. : :
5. Ich habe zu viel gültige Beweiſe,, um ,noch daran ,
zweifeln mit können , daß eine 1500mal wiederholte Verdúna :
nung ein Produkt gebe, welches die arzneilichen Eigenſchafa .
ten der unverdünnten Subſtanz in einem faſt noch vollkomm= :
neren Grade beſikei; aber konnte ich mich nicht etwa tấua.
fchen über, die Art der Mittheilung jener. Eigenſchaften ? Ich
betrachtete: ſie als eine wahrhafte materielle Theilung;: das .
konnte nun nur eine Fortpflanzung durch Anſtedung ſein, oder ,
felbſt eine Art generation moleculaire, und ſogleich war dię.
* ).Und doch würden wir jedenfaus nuf.Das chemiſch reinſte Waſſer .
zu .Berſuchen , diefer Urt anzuwenden , dringend rathen , da die .
mannichfachen mineraliſchen Beimiſchungen , von denen kein
Quelupaſſer mehr oder weniger frei iſt, wohl keineswegs hiebei
gleichgültig und ohne weſentlichen Einfluß auf die Beſchaffenheit
des Pfaparata , bleiben können . Selbſt Schneemaller würden wir .
nicht ganz unbedenklich finden , wiewohl es immer um vieles ,
reiner: ſein mag, als jedes Quellwaſſer, um ſicherſten iſt die
Anwendung de& in vdlig , reinen , glæſernen Gefäßen bereiteten
deſtilirten Waſſers oder. des. Regenwaſſers . fepteres verſchafft
man ſich am beſten , indem man an einem offenen , freien , ruhia.
gen Drt,ein großcs.Porzellanenes .Gefäß,, wenn es , bei reiner .
Luft , ſchon eine Viertelſtunde lang geregnet hat und noch fort: .
regnet, hinſtellt und ro. Das Waſſer auffångt, was dann in wohl
verſchloſſenen Flaſchen im Dunkeln und Kalten lange aufbewahrt
werden kann, ohne zu verderben . Der erausgeber.
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Frage ganz anders geſtellt. Was im erſten Falle abfurd und
aller Vernunft entgegen geſetzt erſchien, gewann, fo angeſehen,
eine Wahrſcheinlichkeit , beſtätigt durch zahlreiche, tågtich in
der Natur beobachtete Thatſachen , deren Realität weder ein
Mathematiker noch ein Phyſiker beſtreiten wird. *
6 ."Um mich von der Wahrheit der einen oder der an
dern jener Annahmen zu verfichern,machte ich Erfahrungen,
die ich unverzüglich mittheilen werde, und welche mich zu
Reſultaten geführt haben , die zu erwarten ich weit ents
fernt war. *
* 7. Ich nahm ein Einziges trockenes, mit der hundert:
fachen Verdünnung des Schwefels befeuchtetes Streufügela
chen , ſchüttete es in ein kleines Glas , welches bereits tau.
Fend einfache , unarzneiliche Streufügelchen enthielt, und
nachdem ich bas Glåschen mit ſeinem Stópfel wohl ver
ſchloſſen hatte, ſchüttelte ich es während einer Minute ſtark.
Ich ließ pforiſche Kranke an dieſes Glåschen riechen , und
alle empfanden ganz deutlich die entſchiedenen Schwefels
wirkungen .
8. Undern geeigneten Kranken gab ich innerlich, ein eins
ziges von dieſen Streufügelchen und alle empfanden die
wohlthåtigen Wirkungen jener hohen Schwefelverdúnnung. :
9. In ein andres Gläschen vol unarzneilicher Streus
kügelchen ſchüttete ich ein einziges Kügelchen mit Schwefel
befeuchtet, und nachdem ich es während einer Minute lang
ſtark geſchüttelt, ließ ich alles 24 Stunden lang in Ruhe.
Nach Verlauf dieſer Zeit nahm ich das arzneiliche Kugels
chen , welches ich hinein gethan, heraus, was ich, ohne mich
zu tåuſchen , wohl thun konnte , da ein Kügelchen , einmal
mit Weingeiſt befeuchtet, eine eigene opaliſirénde Farbe bes
kommt, welche es von jedem andern zu unterſcheiden geſtats
tet. Ich ließ hierauf mehrere Kranke an dieß Glaschen
riechen , welches nichts als unbefeuchtete Kügelchen ents
hielt, die nur während 24 Stunden mit jenem arzneilichen
in Berührung geweſen wären ; und gab andern Kranken nur
eins von denſelben innerlich , ,und konnte mich aufs unzweis
deutigſte åberzeugen ), daß alle dieſe in dem Glåschen ents
haltenen Kügelchen die Eigenſchaft beſaßen , auf den Orga :
nismus die Wirkung der Deziljonderdünnung des Schwes
fels hervor zu bringen . .
10. Diefelbéni Verſuche ſtellte ich mit Rheum X ., įga
natia X ., Mercur X . und mehrern andern Arzneien an , uns
erhielt immer dem jedesmaligen Stoffe analoge Erſcheinungent.
. 11. In ein großes Glas, in welchem 13,500 Kügel:
chen enthalten waren , ſchüttete ich ein einziges mit Schives
fel X . befeuchtetes und getrocknetes Streukügelchen und ſchůt
telte das kaum bis zur Hälfte angefüllte Glas während 5
Minuten . Alle in dem Glas enthalteñen Rúgelchen gewana
nen dadurch , wie durch Anſteckung, die Eigenſchaft, auf den
Organismus wie Schwefel X . eigenthümlich zu wirken .
12. Ich bereitete mir ein Taſchenetuis mit 30 kleinert
Gläſern , deren jedes ich zur Hälfte mit unarzneilichen Streu
kugelchen anfülte und that darauf hiezu in jedes Ein mit
einer der gebräuchlichſten . Arzneien befeuchtetes Kügelchenta
Alle die Urzneien dieſer kleinen Apotheke ſind außerſt kraftig
und entwiđeln bei Kranken die einem jeden eigenthümlichen
Wirkungen aufs entſchiedenſte. Ich habe mich ſeitdem ihrer
unzählichemale bedient und verſichere mich tåglich mehr und
mehr von der großen Wirkſamkeit derſelben . . . . .
. . 78 -
*13. So wäre ich denn fo glücklich , den Homdopathett
ein neues , eben ſo leichtes als ficheres Mittel an die Hand
gegeben zu haben , die arzneilichen Kräfte fortzupflänzert- und
nach Bedürfniß zu erneuern
}" 14. So vortheilhaft nun auch dieſe Art der Bereitung
und Aufbewahrung der Urzneién ſein mag, ſo ift doch zu
befürchten , daß durch das beim Tragen der Gidſet in dec
Taſche unvermeidliche gelinde Reiben der Kügelchen ' urter
fich, die arzneilichen Kräfte derſelben allzuſehe entwiđelt wers
den , was in manchen Fällen nicht wünſchenswerth iſt. Um
bieß zu vermeiden, würde es vortheilhaft ſein, den Vorſchlag
zu benügen , welchen ich in meinem Briefean Herrn Höfrath
Hahnemann (f. Archiv VIII. 2.) mittheilte, in Anwendung
zu bringen . über alles bieß muß die weiter Fortgeſepte 'Era
*Fahrung entſcheiden .
15. Die Möglichkeit, arzneiliche Kräfte einem indiffes
frenten Körper ohne Mitwirkung einer Flüſſigkeit,'ohne Reis
ben, ohne innige Miſchung, ja ohne materielle Theilung mit
zutheilen , iſt eine in der Homöopathie neue und für Theorie
und Praxis höchſt wichtige Thatſache.
16. Die eben mitgetheilten Erfahrungen beweiſen, daß
dic Berührung eines arzneilichen Atoms, unterſtúkt von einec
kurzdauernden Reibung , hinreicht , um einer im Verhältniß
ungeheuern Maſſe indifferenter und trodner Maſſe alle die
Eigenſchaften dieſes Atoms "mitzutheilen . Man kann eine
to auffallende Thatſache nur inſofern erflåren , als man ſie
als eine arzneiliche Anſteckung (contagion ou infection medi
camenteuse) betrachtet, denn in dieſem Falle findet nicht eins
mal der Schein ' einer "materiellen Theilung ſtatt, wie bei
den flüſſigen Verdünnungen .
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1 17. Es ſcheint, als ob jene Mittheilung oder Forts
pflanzung der Arzneikräfte Schritt vor Schritt (proche en
proche) geſchehe, D . h. daß bei 14 bis 15 . unarzneilichen
Streukügelchen , welche ſich in unmittelbarer Berührung mit
den arzneilichen Kügelchen befinden , fehr ſchnell die Arznei
kraft deſſelben nicht allein , ſondern auch die Eigenſchaft ges .
winnen , ſie den übrigen mitzutheilen . Es wåte ſonſt ſchwer
ſich zu erklären , wie die 13,500 unarzneilichen Kügelchen ,
deren wir oben Nr. 11. gedachten , die Arzneikräfte des Einen
ihnen beigemiſchten arzneilichen Kügelchens in dem kurzert
Zeitraume einige Minuten annehmen könnteri. , Jinsi
18 . Da nun die Erfahrung unwiderleglich beweiſt, daß
arzneiliche Eigenſchaften durch die bloße Berührung an ina.
differente Körpeč ohne irgend eine materielle Sheilung mits ,
getheilt werden können , ſo iſt es wohl erlaubt, nicht mehr
Zweifel an der Realität ſo hoher homöopathiſcher Theilungen :
zu erheben , d. h . folcher, welche, wie es ſcheint, in geraden
Widerſpruche ſtehert mit den übrigen mathematiſchert und
phyſiſchen Wahrheiten .
19. Könnte man nicht viel eher voraus Tetzen , daß fich
die hundertſte materielle Verdünnung, wirklich nicht weitec
fortſekt, als bis zu dem Grad, wo der Arzneiſtoff bis zu
ſeinen eigenthümlichen Atomen herab gebracht iſt. Dieſe
Zurückführung zu den Atomen findet vielleicht ſchon bei einec -
materiellen Theilung ſtatt , welche ein Million oder Billiontel
eines Grans nicht überſteigt; ein Theilungsgrad, welcher bez
reits allen chemiſchen Reagenzien unzugånglich und ſo una ,
nachweisbar iſt.
20. Man kann auch annehmen , daß die drzneilichen
Atome, von fremdartigen Theilen befreiet, eine Kraft erkuns :
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gent, welche ſie vorher nie beſaßent, Pern nach der Anſicht
der erleuchteteſten Geifter gewinnen ja die Naturkräfte " um
ſo mehr Gewalt, entwickeln thre Eigenthümlichkeiten um 10
freier , " je "mehr ſie von ihren materiellen Banden befreiet
find. Hahnemann hat bereits,die Bemerkung geinacht, 0216
urſprünglich in Waſſer “unauflösbare Körper , ſich Tchon bei
-millionfacher, durch Keiben mit Milchzucker bewirkter Verdüns.
nung, in Flüffigkeiten ohne Rücſtand auflöſen. Es iſt ferner
*hinlänglich bewahrheitet, daß:viete urſprünglich indifferente,:
oder mit nur geringer Wirkſamkeit auf den Drganismus bés
gabte Körper , bei einem gewiſſen Grade der Verdünnunga .
" To gewaltige Kräfte erlangen , daß man bei ihrer homöopas
thiſchen Anwendung ſehr vorſichtig ſein muß. Wir erinnern
hier nur an Silicea, Lycopodium , Gold, Kohle, Kochſalz a .
* m ai, deren Wirkſamkeit auf den lebenden Organismus, bei
hoher Verdünnung , gånz außer Verhältniß ſteht zu der in
ihrem gewöhnlichen Zuſtande.
21. Wenn die Zurütführung der Arznejen zu ihrert
urſprünglichen Atomen bei einer Theilung ſtatt findet, welche
**Den " millionſten oder billionſten Theil eines Gians nicht über- ,
ſteigt, wie will man dann die Fortpflanzung ihrer Eigena ,
Tchaften in den weitern , hóhern Verdünnungen anders, erklas
ren , als durch Annahme einer neuen Eigenſchaft , welche ſie
dann annehmen , ihre Eigenſchaften andern indifferenten Kors
perchen (molecules inertes) durch Anſteckung oder Contagion ,
mitzutheilen , denn ein Atom kann keiner Theilung mehr
Fähig fein . Uebrigens unterſtüßt die Mittheilung der
Arzneikraft durch trockene Kügelchen dieſe Annahme und wis
berſtreitet durchaus der Erklärung jener Thatfache durch wirk
Kiche, materielle Theilung. i ;
22. Pflans
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. 22. Pflanzen ſich ſo viele anſteckende Krankheiten nicht


auf gleiche Weiſe fort ? Das Peſtgift, das Gift der Blats
tern , der Syphilfs , der Pſora , iſt für unſere Sinne nicht
wahinehmbar. Theilen ſie ſich nicht durch materielle Gegenz
ſtånde mit, welche fich in Berührung mit von dieſen Krank:
heiten angeſteckten Perſonen befinden ? Ergreifen die Krank:
heiten des menſchlichen Geſchlechts die Individuen nicht auf
dieſe Weiſe und verbreiten ſich mit mehr oder weniger großer
Schnelligkeit über die ganze Bevölkerung ?
23. Wenn es ausgemacht iſt, daß in der Natur eitt
beſonderer Prozeß beſtehet, die Krankheitskeime zu vermehrent,
kann man dann nicht mit einiger Wahrſcheinlichkeit vorauss
ſeßen , daß die Wirkſamkeit der homöopathiſchen Verdünnun.is
gen auf demſelben Prinzip beruhet, und daß ſie nur als
eine glückliche Anwendung deſſelben zu betrachten ſind, zum
Bohle der leidenden Menſchheit ?
24. Man könnte noch andere Thatſachen anführen , 'um
zu zeigen , daß die Natur oft Bewegung und Reibung aite
wendet, um den Zuſtand der Körper zu verändern und neue
Eigenſchaften darin hervorzubringen . Die Art der Entwickes
lung des Licht- und Warmeſtoffes , der Elektrizität, des mia
neraliſchen und animaliſchen Magnetismus bieten ſprechende
Beiſpiele dafür dar.
25 . Auch die Gährung iſt eine Art Fortpflanzung und
Entwidelung befonderer Eigenſchaften . Jedermann weiß,
daß der kleinſte Theil eines Ferments unter günſtigen Pers
hältniſſen, in einer großen flüſſigen Maſſe eine Bewegung
det Grundtheilchen derſelben erregt , welche nur mit ganzlis
cher Vernichtung der Eigenſthaften dieſer Flüſſigkeit endiget.
Ordio XI. Bd. I oft. 6 .
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4 .- 26 . Auch die Befruchtung, Bekeimung und oft die unges
beuere Vermehrung der Individuen des Thier a und Pflan =
zenreichs könnte uns vielleicht zu Unalogieen führen mit dem
Verfahren , deſſen ſich die Homöopathie bedient, ihre Arznei
kräfte zu entwickeln und fortzupflanzen ; aber keine Erklås
rungsweiſe ſcheint fo anſprechend zu ſein , als die Verglei
chung deſſelben mit der Art und Weiſe, wie ſich die Keime
der kontagiðſen Krankheiten fortpflanzen , D. h. mitder Anſtek
kung durch Berührung.
27. Dieſe Hypotheſe, geſtükt auf neue, leicht zu beglau
bigende Erfahrungen und alte, långſt bekannte und unbes
zweifelte Chatſachen , wird den Vortheil haben , die Verfah
rungsweiſe der Homöopathie mit der geſunden Vernunft zu
verſöhnen , von deč ſie ſich in den Augen vieler Perſonen zu
entfernen ſcheint, welche ihr" arithmetiſche Berechnungen ent
gegen ſtellen , und ſo die Unmöglichkeit einer ſo weit ges
triebenen Theilung, deren ſich die Homöopathie bedient,
beweiſen wollen .
28. Nehmen wir die Hypotheſe an, daß die arzneilia
chen Atome ihre Eigenſchaften durch ein , der Anſteckung áhn
liches Verfahren , indifferenten Körpern mittheilen , ſo wird
män auch eine Analogie in der Art und Weiſe finden , wie
die einen und die andern ſich verdünnen und ſchwächen .
Die homoopathiſchen Verdünnungen verlieren in dem Grade
ihrer Zunahme; an Intenſitåt ihrer Erſtwirkung, und die
homöopathiſche Verſchlimmerung wird am Ende kaum mehr
wahrnehmbar, während die Reaktion des Organismus oder
der Heileffekt der Mittel fortfährt , ſich heilſam zu entwik
keln . So ſind auch die Krankheitsmiašmen bei ihrer Ent
ftehung von größter Heftigkeit, und verlieren nach und nach
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immer mehr an Kraft , ſo daß dann nur wenig Perſonen


und leichter davon affizirt werden . Vielleicht könnten auch
ſcharfe Beobachter bei den Individuen , welche von unges
ſchwachten Miasmen ergriffen werden , nach ihrer Heilung
noch dauernde Reſte derſelben entdecken , welche mit den
Nachwirkungen der homöopathiſchen Mittel Ähnlichkeit hätten .
' 29 . Indem ich dieſe Erfahrungen und Ideen hier mitz
theile , iſt es meine Abſicht und mein Wunſch , homóopathi:
ſche und alle aufgeklärten Ärzte zu veranlaſſen , noch tiefer
gehende Unterſuchungen über dieſen wichtigen Gegenſtand an :
zuſtellen . " .. .

N ach ich rift


i des Herrn Hofrath S . Hahnemann.
. Ich ſollte nicht glauben , daß der ſorgfältig unterſcheis
dende. Herr Graf Korſakoff im §. 21. dieſer ſchönen Abs
handlung, die der Homöopathik eignen Theilungen und Pos
tengirungen ſchon bei Million - und Bilion - Entwidelung
für vollendet und keiner weitern Entkörperung und Vergeis
ſtigung ihrer arzneilichen Kräfte zu einem immer höhern
Grade durch ferneres Reiben der trodnen und durch ferneres
Schütteln der flüſſigen weitern Verdünnungen - was doch
keinem Zweifel unterliegt - fähig halten , oder dieſe wohl går
für ſchwächer (S. 28.) anſehn könnte. Wer ſagt uns, daß
bei Milion - und Billion - Entwickelung die kleinen Theilchen
der Arzneia Subſtanz ſchon zu ferner untheilbaren Utomen
(von deren Beſchaffenheitwir durchaus keinen Begriff haben )
geworden ſind ? Denn wenn der menſchliche, lebende Dr.
6 *
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ganism bei den höher potenzirten Verdünnungen, eine immer


ſtårkere.Gegenwirkung auf deren arzneilichen Gebrauch đußert
(wie die Erfahrung lehrt und der Herr Verf. ſelbſt im g. 28 .
fugiebt) , ſo müſſen auch ſolche höhere Arznei - Bereitungen
für ſtårker angeſehen werden , indem es keinen andern Maßs
ſtab für den Grad dynamiſcher Kräftigkeit einer Arznei geben
kann , als den Grad Der Reaktion der Lebenskraft dagegen .
- „ So viel aber geht aus ſeinen Verſuchen (S. 7. 8. 9. 10 .
11.) hervor, daß , indem ein einziges , mit hoher Arzneis
Kraft- Entwicklung tingiętes , trocknes Streukügelchen in
13500 unarzneilichen Streụkügelchen , mit denen es 5 Mis
nuten geſchüttelt worden , volle und gleiche Arzneikraft, als
es felbft beſikt, zuwege bringt, ohne ſelbſt Kraft- Abnahme
zu erleiden , dieſe wunderbare-Mittheilung durch Nähe und
Berührung zu erfolgen und eine Art Infektion zu ſein ſcheint,
von großer Ähnlichkeit mit der Unſteckung geſünder Perſonen
durch ein, ihnen nahe gebrachtes oder ſie berührendes ſons
tagium (S. 22.) = eine ganz neue, finnreiche und wahrs
ſcheinliche Anſicht, die wir dem Herrn Grafen zuerſt zu vers
banken haben : ; ? . ,
• Dieſe Mittheilung odeč Anſtecüng ſcheint zu erfolgen
durch die ſich immerdar, wie durch Ausdúnſtung oder Emas
nation umher verbreitende Kraft ſolcher, ſelbſt trockner Kóra
pet , dergleichen die Senfſamen großen , ehedem mit flüffiger
Arznei von hoher Kraft- Entwickelung:befeuchteten , in Glass
chen verwahrten Streukügelchen ſind, deren wir Kranke ſich
zum Riechen bedienen laſſen , um ſie zu heilen . Ein folches
Streukugelchen z. B . von Staphisa gria X , woran 'in 20
Jahren ſchon mehre hundert Mal, nach Deffnung des Glass
" ehens,-gegen eine gewiſſe, gleichartig wieder kommende Bes
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fchwerde gerochen worden war , befitt noch dieſe Stunde
gleich ſtarke Arzneikraft, wie zuerſt, was nicht ſein könnte,
wenn es nicht fortwährend feine Arzneikraft unerſchöpflich
aushauchte.
Die Vermuthung (§ . 14.) aber , daß ſolche mit Arznei
pon einem gewiſſen Grade von Kraft- Entwickelung tingir
ten , trodnen Kugelchen durch Schütteln oder Tragen in
der Taſche ſich in ihrem Behåltniſſe, wie weiter,geſchüttelte
Arznei - Flüſſigkeiten , höher potenziren und höhere Arzneikraft
dadurch annehmen könnten , iſt durch keine Zhatſache erwies
ſen und ſcheint mir To lange unglaublich , bis ſie durch
triftige Erfahrungs- Beweiſe unterſtützt worden iſt.
Im Ganzen ſind wir dieſem ſinnreichen und unermüdes
ten Forſcher vielen Dank für gegenwärtige reichhaltige Ab
handlung fchuldig. .
- - Köthen Den 30. Mai 1832. itis .