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In Ländern mit einem konservativen Wohlfahrtregime, wie Österreich und

Deutschland, galt außerschulische Kinderbetreuung lange als familiäre Aufgabe.


Der Ausbau der außerschulischen Kinderbetreuung wurde daher lange kritisch
gesehen. In diesen Ländern änderte sich dies erst in den letzten Jahren.

Leistungsgerechtigkeit : gleicher Lohn für gleiche Leistung.

Welche der folgenden Aussagen zu einer sozialökologischen Steuerreform


ist/sind korrekt?

Die soziale Verträglichkeit einer solchen Steuerreform könnte durch einen


pauschalen Bonus für einkommensschwächere Haushalte verbessert werden.

Höhere Steuern auf Ressourcenverbrauch sind indirekte Steuern. Sie würden vor
allem Geringverdiener*innen treffen und wirken deshalb regressiv.

Ein zentrales Element einer sozialökologischen Steuerreform ist der Abbau von
Subventionen für fossile Brennstoffe.

Welche der folgenden Aussagen zur Bewältigung wirtschaftlicher Krisen ist/sind


richtig?

Laut Markteffizienzhypothese werden Kosten aufgrund möglicher Pandemien von


den Marktteilnehmern eingepreist.

Die aktuelle wirtschaftspolitische Strategie der österreichischen Bundesregierung


zur wirtschaftlichen Bewältigung der Coronakrise steht dem Keynesianismus
näher als der Neoklassik.

Welche der folgenden Aussagen zu wirtschaftlichen Ungleichgewichten und zur


Saldenmechanik ist/sind korrekt?
Laut der Saldenmechanik können nur dann alle inländischen Sektoren
kontinuierlich sparen, wenn sich das Ausland kontinuierlich bei dem jeweiligen
Land verschuldet (d.h. das Ausland Leistungsbilanzdefizite aufweist).

Staatliche Konsumausgaben werden in der Saldenmechanik nicht dem Sektor


Konsum, sondern dem Sektor Staat zugerechnet.

Laut Saldenmechanik sollen weltweit möglichst alle Länder


Leistungsbilanzüberschüsse erzielen, um auf diese Weise nachhaltig zu
wirtschaften. FALSCH

Laut Saldenmechanik muss der Sektor Staat immer dann Defizite schreiben, wenn
das jeweilige Land Leistungsbilanzdefizite aufweist. FALSCH

Welche der folgenden Aussagen zu EU-Klimazöllen ist/sind korrekt?

Dem Leitbild des Wohlfahrtskapitalismus folgend könnte folgendermaßen gegen


EU-Klimazölle argumentiert werden: Durch diese Zölle erhöhen sich die Preise von
importierten alltäglichen Konsumgütern wie Kleidung und Lebensmittel. Diese
werden teurer und daher besonders für Menschen mit niedrigen Einkommen
schwerer leistbar. In der Folge steigen deshalb Ungleichheit und Armut.

Bei den EU-Klimazöllen würde es sich um eine Abgabe handeln, die bei der Einfuhr
von Waren nach Europa fällig wird und die sich am CO2-Ausstoß bei der
Herstellung und beim Transport der Produkte bemisst.

Welche der folgenden Aussagen zu Ungleichheit ist/sind korrekt?

In Österreich ist die Vermögensungleichheit größer als die


Einkommensungleichheit.

In der Ära des Wohlfahrtskapitalismus kam es vielerorts zur Reduktion der vitalen
und existentiellen Ungleichheit.

In Österreich sind die Vermögen deutlich ungleicher verteilt als im EU-


Durchschnitt
In Österreich ist der Gender Pay Gap deutlich geringer als im EU-Durchschnitt.
FALSCH

Welche der folgenden Fragen zu Globalisierung ist/sind korrekt?

Der Europäische Binnenmarkt ist von der neoliberalen Regulationsweise und der
damit einhergehenden Außenorientierung geprägt.

Staatliche Regulierungen von Gütern- und Finanzmärkten waren insbesondere in


der Phase der liberalen Regulationsweise ausgeprägt. FALSCH

Derzeit wächst der Welthandel um einiges schneller als das globale


Bruttoinlandsprodukt. FALSCH

Im Gegensatz zum Strukturalismus streicht die Regulationstheorie hervor, dass


Außenorientierung für die wirtschaftliche Entwicklung von Ländern sinnvoller ist
als Binnenorientierung. FALSCH

Welche der folgenden Aussagen zum EU-Mercosur Abkommen ist/sind korrekt?

Europäische Kritiker*innen des EU-Mercosur Abkommens fürchten unter anderem


negative Auswirkungen auf die Umwelt sowie die Untergrabung europäischer
Lebensmittelstandards. Viele der Kritiker*innen verfolgen Strategien der
planetarischen Koexistenz.

Befürworter*innen des Globalismus sind oftmals aus unterschiedlichen Gründen


für das EU-Mercosur Abkommen. Sie erwarten sich durch die Hyperglobalisierung
Wohlfahrtsgewinne, erhoffen sich durch das Abkommen aber auch, dass Länder
wie Brasilien leichter dazu gebracht werden können, Umweltstandards
(insbesondere in Bezug auf Abholzung und Bränden im Regenwald) einzuhalten.

Die Befürworter*innen des EU-Mercosur Abkommens sind insbesondere


wirtschaftliche Interessensvertretungen wie Wirtschaftskammer,
Industriellenvereinigung und Landwirtschaftskammer. Diese wollen die
Hyperglobalisierung nicht aufgeben, weil nur diese unternehmerische Initiative
ermöglicht. FALSCH

Das EU-Mercosur Abkommen ist ein Handelsabkommen, das einen freien


Welthandel schaffen will. Es strebt ausschließlich eine intensivere wirtschaftliche
Zusammenarbeit zwischen der EU und dem Mercosur durch Senkung von Zöllen
an. Eine engere politische Zusammenarbeit zwischen diesen beiden Regionen ist
nicht vorgesehen. FALSCH

Das EU-Parlament stimmte im Oktober 2020 mehrheitlich gegen das Abkommen.


Dabei war eine klare Spaltung zwischen linken (hierzulande: Grüne, SPÖ), welche
das Abkommen ablehnten, und konservativen bzw. rechten Fraktionen (ÖVP, FPÖ),
welche das Abkommen befürworten, bemerkbar. FALSCH

Welche der folgenden Aussagen zu Dekommodifizierung ist/sind korrekt?

Vertreter*innen des Leitbilds einer radikalen sozialökologischen Transformation


befürworten Dekommodifizierung.

Ein zentrales Ziel des EU-Mercosur Abkommens ist es, die Dekommodifizierung
voranzutreiben. FALSCH

Polanyi sieht es als zentrale Aufgabe von Staaten, den Prozess der
Dekommodifizierung zu stoppen. FALSCH

Der Ausbau von sozialökologischen Infrastrukturen behindert die


Dekommodifizierung. FALSCH

Hayek befürwortet eine Dekommodifizierung, da es für die Wettbewerbsfähigkeit


eines Landes nicht sinnvoll ist, sich auf standardisierte Handelswaren wie
Rohstoffe und landwirtschaftliche Erzeugnisse zu fokussieren. FALSCH

Das Klimaschutzprogramm ist ein Beispiel für Kommodifizierung.

Das Klimaschutzprogramm baut auf Grundannahmen der starken Nachhaltigkeit


auf. FALSCH

1. Was ist das Ziel des AK-Wohlstandsberichts?

Der AK-Wohlstandsbericht soll die umfassende Wohlstandsentwicklung in


Österreich in den

Blick nehmen, da Wohlstand der Zweck des Wirtschaftens ist. Die derzeitige
öffentliche

Debatte sei noch zu stark auf Wirtschaftswachstum fokussiert. Sie soll deshalb um
weitere

wichtige Dimensionen erweitert werden, und nachhaltigen gesellschaftlichen


Fortschritt

sowie die Erreichung der SDGs unterstützen (Leodolter, Marterbauer, 2019).

2. In welcher der Zieldimensionen schneidet Österreich am besten ab? Warum?

Am besten schneidet Österreich in der Zieldimension 3, Lebensqualität, ab. Dies


ist darauf

zurückzuführen, dass sowohl Lebenszufriedenheit als auch subjektives


Sicherheitsempfinden

sehr hoch sind und auch der Zugang zu sowohl Bildung als auch Wohnen eher gut
ist.

Steigende Wohnkosten erhöhen allerdings den wirtschaftlichen Druck und


schmälern die

Lebensqualität. Eine positive Entwicklung war im Bereich der Reduktion von


Armut und

Ausgrenzung, sowie bei den gesundheitsbezogenen Verbleibchancen in der Arbeit


zu

erkennen (Leodolter, Marterbauer, 2019).

3. In welcher der Zieldimensionen schneidet Österreich am schlechtesten ab?


Warum?

Am schlechtesten schneidet Österreich in der Zieldimension 4, intakte Umwelt,


ab. Vor allem

die sehr schlecht bewerteten Indikatoren Treibhausgasemissionen und


energetischer

Endverbrauch zeigen, dass Österreich noch viel Aufholbedarf hat, um Klimaziele


zu erreichen

(Leodolter, Marterbauer, 2019).

4. Wählen Sie eine Zieldimension aus. Recherchieren Sie für diese, wie sich die
Coronakrise

auf die Indikatoren dieser Dimension auswirken könnte. Beschreiben Sie dies
kurz und

geben Sie dafür mindestens zwei Quellen an.

Zieldimension 4, intakte Umwelt:

Wie vielfach berichtet wurde, sind die Treibhausgasemissionen während des


harten

Lockdowns im März/April kurzfristig deutlich gesunken (Laufer, 2020). Auch die

Feinstaubbelastung in vielen Städten, wie Wien, Linz, Salzburg, Graz und


Innsbruck war

während des Lockdowns deutlich geringer (Umweltbundesamt, 2020). Da die


Wirtschaft

jedoch ohne konsequente Klimaschutzmaßnahmen wiederaufgebaut wurde, ist zu


erwarten,

dass die Emissionen nach einem 7-prozentigen Rückgang heuer im kommenden


Jahr erneut

stark steigen. Nach der Finanzkrise 2008 beispielsweise, stiegen die Emissionen
um 5,5%

nachdem sie 2008 ähnlich stark wie 2020 gefallen waren (WIFO, 2020). Der AK

Wohlstandbericht für 2020 reflektiert diese negative Zukunftsaussicht. Wiederholt


sich diese

politische Strategie eines BAU (Business as usual), dann wird der Lockdown keine
signifikant

positiven Auswirkungen auf die Zieldimension intakte Umwelt haben. Die

Treibhausgasemissionen beispielsweise werden trotz kurzfristigen Absinkens wie


im Vorjahr

mit -1 bewertet. Es besteht also weiterhin dringender politischer Handlungsbedarf

(Schultheiss et al., 2020).

Auf längere Sicht wird sogar befürchtet, dass die Coronakrise die Klimakrise
verschärfen

könnte, falls Länder im Krisenmodus ihre Bemühungen zu mehr Umweltschutz


zugunsten von

Wirtschaftswachstum zurückfahren (Laufer, 2020). Ob sich Indikatoren wie


Verkehrslärm,

Treibhausgasemissionen und öffentlicher Verkehr in Zukunft verbessern oder


sogar

verschlechtern, hängt daher maßgeblich von der Ausgestaltung und Umsetzung


der

Konjunkturmaßnahmen zur Bewältigung der Corona Krise ab (Kröger et al., 2020;


Laufer,

2020).

1) Um welche Art von Wachstum handelt es sich, wenn davon gesprochen wird,
dass eine
Volkswirtschaft jährlich um 3% wächst?

Ein Wachstumsprozess nimmt eine exponentielle Form an, wenn sich die
Bestandsgröße, von

der das Wachstum berechnet wird, in jeweils gleichen Intervallen um denselben


Faktor

verändert. Wächst eine Volkswirtschaft jährlich (= gleiche Intervalle) um 3% (=


gleicher

Faktor), handelt es sich um exponentielles Wachstum. Eine konstante Prozentrate


bedeutet,

dass das Bruttoinlandsprodukt (= die Bestandsgröße) jährlich wächst. Je länger die


Zeitreihe

fortgesetzt wird, desto größer sind diese jährlichen Anstiege. Grafisch lässt sich so
ein Prozess

mit Hilfe einer immer steiler ansteigenden Kurve darstellen (=


Exponentialfunktion).

Historische Studien zeigen, dass es nach 1700 zu einem exponentiellen Wachstum


der

Wirtschaftsleistung (sowie der Bevölkerung und des Ressourcenverbrauches)


gekommen ist

(Novy, Bärnthaler, Heimerl 2020, S. 63).

2) Was sind Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Wachstum bei

* Volkseinkommen

* Pflanzen

* Coronavirus (Covid-19)

* Kleinkindern
Die Steigerung des Volkseinkommens und die Ausbreitungen von Viren (wie
Covid-19) können

eine exponentielle Form annehmen. Das individuelle Wachstum von Kleinkindern


und

Pflanzen verläuft linear und ist ab einem bestimmten Punkt abgeschlossen. Jedoch
kann auch

die Bevölkerung oder die Ausbreitung einer bestimmten Pflanzenart exponentiell


zunehmen.

Ein anschauliches Beispiel, um darzustellen, was exponentielles Wachstum in


biophysischen

Prozessen bedeuten würde, ist die Ausbreitung von Seerosen in einem Teich
(Novy,

Bärnthaler, Heimerl, S.60). Exponentielle Entwicklungen werden oft als


unbegrenzte bzw.

unbeschränkte Wachstumsprozesse aufgefasst. In der Realität kommt ein


unbegrenzter

exponentieller Verlauf jedoch nicht vor, dafür gibt es viele Gründe: Die
exponentielle

Wachstumskurve einer Virusausbreitung flacht etwa durch soziale Distanzierung


ab oder

wenn eine gewisse Sättigungsgrenze erreicht wird. Ebenso endete in einzelnen


Ländern,

insbesondere in Europa, das exponentielle Bevölkerungswachstum nach Erreichen


eines

bestimmten Entwicklungsniveaus im 20. Jahrhundert.

Wirtschaftswachstum, d.h. ein Anstieg des Volkseinkommens, ist ein zentrales Ziel
der

europäischen und nationalen Wirtschaftspolitik. Bei dieser Zielgröße handelt es


sich nicht um

lineares, sondern um exponentielles Wachstum, da sich die Bestandsgröße


jährlich erhöht.

Wachstum des Volkseinkommens muss aber nicht Wachstum des


Ressourcenverbrauchs

bedeuten. Vielmehr versucht die Wirtschaftspolitik, „Wirtschaftswachstum durch

Effizienzsteigerungen von Materialverbrauch und Emissionen zu entkoppeln“


(Novy,

Bärnthaler, Heimerl, 2020, S.72). Dies ist bis heute jedoch wenig erfolgreich
gewesen. Ein

Grund dafür ist der Reboundeffekt (Novy, Bärnthaler, Heimerl, 2020, S. 73).

Feedback Freiwillige Übung Ökologischer Fußabdruck

Überlegen Sie, in welchen Bereichen Sie über dem österreichischen Durchschnitt


liegen und

in welchen darunter. Was sind die Gründe dafür?

Hätten weltweit alle Menschen den durchschnittlichen österreichischen


Fußabdruck,

bräuchten wir mehr als drei Erden. Wohnen, Ernährung, Mobilität und Konsum
sind Bereiche,

die die Höhe des ökologischen Fußabdrucks stark beeinflussen. Wichtig sind dabei
unter

anderem Faktoren wie die Größe und Energieeffizienz der Wohnung, der Konsum
von Fleisch
sowie von regionalen Lebensmitteln, regelmäßige Flüge und Autofahrten, und der
Kauf von

neuen Produkten. Ein erheblicher Anteil des ökologischen Fußabdrucks, der


sogenannte graue

Fußabdruck, in Österreich 1,5 gha pro Person, ergibt sich aus Bau und Erhalt
öffentlicher

Infrastrukturen, wie öffentliche Gebäude und Verkehrswege, die allen zur


Verfügung stehen

(Novy, Bärnthaler, Heimerl 2020). Einige Studierende in vergangen Kursen haben


berichtet,

dass ihr Fußabdruck um einiges höher ist als der österreichische Durchschnitt, da
sie viel

fliegen. Andere sahen in ihrem Wohnverhältnis in Wohngemeinschaften einen


Grund für ihren unterdurchschnittlichen Fußabdruck. Ihre eigenen Ergebnisse und
Gründe können jedoch

selbstverständlich nur Sie selbst analysieren.

Feedback Freiwillige Übung Carbon Map

Welche zwei empirischen Beobachtungen sind besonders bedeutsam?


Begründen Sie diese

Auswahl.

Im Video auf der Homepage http://www.carbonmap.org werden verschieden


wichtige empirische Beobachtungen vorgestellt. Es zeigt sich, dass große Teile der
Weltbevölkerung in

Asien leben. In Asien (insbes. auf der arabischen Halbinsel und in Russland) wird
ein großer

Teil der fossilen Brennstoffe gefördert. Der CO2 Ausstoß von konsumierten Gütern
und

Dienstleistungen pro Land war 2012 in den folgenden Ländern am höchsten:


China, USA,

Indien, Japan, Russland und Deutschland. Auch viele weitere europäische Länder
haben als

vergleichsweise kleine Länder einen sehr hohen CO2 Ausstoß aufgrund des hohen
Konsums

von Gütern und Dienstleistungen. Betrachtet man die gesamten Emissionen von
1850 bis 2011

wird die überproportionale historische Verantwortung der USA und Europas


deutlich. Derzeit

leidet die Bevölkerung in Teilen von Asien und Afrika überproportional an Dürren,

Überschwemmungen oder extremen Temperaturen, da sie in den am meisten von

Klimaveränderungen betroffenen Regionen leben. Die am meisten gefährdeten


Länder

verantworten jedoch typischerweise nur sehr geringe historische CO2 Emissionen.

Es obliegt Ihnen zu entscheiden, welche Beobachtungen Sie als besonders


bedeutsam

ansehen und dies dann schlüssig zu begründen.

Feedback Bonusaufgabe: Budgetäre Antwort auf die Covid-Krise

Lesen Sie den am 14.10.2020 erschienen Artikel "Blümel präsentiert „budgetäre


Antwort

auf Covid-Krise“". Sie finden diesen hier: https://orf.at/stories/3185163/


Diskutieren Sie in einem kurzen Text bezugnehmend auf die Lehrbuchkapitel zu
Hayek versus

Polanyi, Neoklassik versus Keynesianismus sowie Stabilisierung der Wirtschaft die


Aussage

von Finanzminister Blümel, dass kurzfristig Keynes und langfristig Hayek recht
habe.

Gehen Sie dabei auf die kurzfristigen sowie langfristigen Vorschläge zur
Krisenbewältigung

der beiden ökonomischen Denkkollektive ein.

Österreichs Finanzminister Gernot Blümel plädiert in seiner Budgetrede dafür,


kurzfristig

antizyklische Budgetpolitik zu betreiben und damit hohe Schulden in Kauf zu


nehmen, um die

Wirtschaft nach dem Corona Einbruch zu stabilisieren (ORF, 2020). Damit folgt er
kurzfristig

den Vorschlägen keynesianischer Stabilisierungspolitik (dem „keynesianischen

Denkkollektiv“), die einer sinkenden privaten Nachfrage mit hohen


Staatsausgaben

entgegenwirkt. Damit soll ein negativer Teufelskreis von sinkendem Konsum und

Steuereinnahmen, hoher Arbeitslosigkeit und sich stetig verschlechternder


Stimmung

vermieden werden. Der Staat nimmt auf diese Weise (kurzfristig) eine
dominierende Rolle ein

– insbesondere in unsicheren Zeiten oder bei einer tiefen Wirtschaftskrise. Keynes


sah jedoch
nicht nur in der Bewältigung von Wirtschaftskrisen eine wichtige Rolle für den
Staat, sondern

auch langfristig, denn es ist wichtig, Marktprozesse (und deren Tendenz zu


Ungleichgewichten)

aktiv durch öffentliche Regulierung zu steuern, um politische Ziele wie


Vollbeschäftigung zu

erreichen (Novy, Bärnthaler, Heimerl, 2020).

Langfristig fordert Finanzminister Blümel jedoch, sich an den


wirtschaftspolitischen

Empfehlungen Friedrich Augusts Hayek und damit einem marktliberalen


Denkkollektiv und

einer neoliberalen Wirtschaftspolitik zu orientieren (ORF, 2020). Hayek und das


marktliberale

Denkkollektiv sehen den Markt als zentrale wirtschaftliche Institution, um


optimalen

Ressourceneinsatz zu gewährleisten. Staatliche Interventionen tendieren dazu,

Marktprozesse zu behindern. Stattdessen solle sich der Staat primär darauf


konzentrieren,

effiziente Märkte durch Vertrags-, Rechts- und Eigentumssicherheit zu schaffen.


Jegliche

staatliche Einmischung, die über diese Kernaufgaben hinausgeht, verzerre


automatisch den

effizienten Einsatz von knappen Ressourcen, da das kollektive Wissen des Marktes
immer

größer ist als ExpertInnenwissen von Individuen. Würde der Staat also kurzfristig
ein
Haushaltsdefizit in Kauf nehmen, um private Nachfrage zu ersetzen, dann würden
rationale

private Akteure automatisch Investitionen zurückhalten und mehr Sparen, da sie


erwarten,

dass zukünftig höhere Steuern zu zahlen sind. Der Staat verdrängt also durch
öffentliche

Ausgabenprogramme private Investitionen. Marktliberale wie Hayek fordern


deshalb auch in

Krisen diszipliniertes Haushalten, um keine Schulden aufzunehmen. Somit ist die


markliberale

Stabilisierungspolitik, anders als die von Keynes geforderte, prozyklisch, denn der
Staat spart

(auch) in der Krise, um die fehlenden Steuereinnahmen auszugleichen (Novy,


Bärnthaler,

Heimerl, 2020).

Ist es Ihrer Meinung nach sinnvoll, kurzfristig und langfristig die Strategien von
Keynes und

Hayek zu mischen? Begründen Sie, warum oder warum nicht.

Keynes und Hayeks Verständnis von Wirtschaftspolitik beruht auf grundlegend


verschiedenen

Annahmen und Verständnissen von Wirtschaft, das heißt unterschiedlichen


Denkkollektiven

mit verschiedenen Denkstilen. Dessen muss man sich bewusst sein, wenn beide
Strategien,

wie von Finanzminister Blümel gefordert, kombiniert werden.


Sie sollen hier Ihre eigene Meinung entwickeln, erneut gilt, dass es kein richtig
oder falsch gibt,

sondern klug abgewogen werden muss. Generell kann jedoch gesagt werden, dass
eine

Kombination beider Strategien verspricht, mehrere Perspektiven zu kombinieren.


Dagegen

spricht, dass die Gefahr besteht, keine klare wirtschaftspolitische Strategie zu


ververfolgen.

Erklären Sie die im Text erwähnten wirtschaftlichen und politischen


Zusammenhänge

anhand der Saldenmechanik. Welche Rolle weist Schulmeister welchen Sektoren


für die Erreichung der Klimaziele zu und wie begründet er dies?

Schulmeister (2020) weist dem Sektor Staat die zentrale Rolle beim Erreichen der

österreichischen Klimaziele zu. Der Staat soll seine Ausgaben erhöhen, damit
Investitionen in

teure, jedoch notwendige klimafreundliche Infrastrukturen vorgenommen


werden. Dies

bedeutet nicht, dass der Staat all diese Aufgaben selbst durchführt: er kann die
Durchführung

auch an Private übertragen (z.B. mit Konzessionen) oder private Investitionen


mittels

Förderungen (z.B. Forschungsförderung, ökologische Wohnbauförderung, …)


lenken.
Derartig große Investitionen können jedoch nicht aus dem laufenden Haushalt
finanziert

werden, solange der Staat an strengen Fiskalregeln gebunden ist, die


Möglichkeiten der

Staatsverschuldung stark einschränken (wie bspw. dem „Nulldefizit“ oder dem Ziel
einer

niedrigen Staatsquote). Der Autor fordert deshalb, dass der österreichische Staat
höhere

Schulden (und damit einen negativen Saldo des Staatssektors) in Kauf nimmt, um
die

Klimaziele zu erreichen (Schulmeister, 2020).

Schulmeister begründet diese Forderungen damit, dass private Unternehmen


ohne staatliche

Unterstützung oftmals keinen ausreichenden Anreiz haben, Investitionen für den


Klimaschutz

zu tätigen: Sei es, weil die notwendigen Ausgaben zu hoch oder zu unsicher sind,
oder weil die

Umwelt ein sogenanntes „öffentliches Gut“ ist, dessen Konsum durch eine Person
nicht

automatisch den Konsum anderer Personen ausschließt (d.h. nur weil eine Person
saubere

Luft atmen kann, können andere Personen nicht weniger saubere Luft atmen). Da
also

tendenziell kein ausreichend hoher Preis für öffentlichen Güter gezahlt wird,
bieten

profitorientierte private Unternehmen solche Güter nicht (oder in zu geringem


Ausmaß) an.

Es liegt ein Marktversagen vor, weshalb der Staat für die Bereitstellung öffentliche
Güter

sorgen muss (Schulmeister, 2020).

Welche Konsequenzen ergeben sich aus den saldenmechanischen


Zusammenhängen?

Laut Saldenmechanik führt ein Defizit in einem Sektor automatisch zu


Überschüssen in einem

oder mehreren anderen Sektoren (Novy et al., 2020, S. 75–76). Wenn der
österreichische Staat

große Defizite erwirtschaftet (z.B. durch grüne Investitionen oder


Transferzahlungen, wie von

Schulmeister gefordert; oder aktuell im Zuge der Coronakrise), muss dies mit
Überschüssen

(„Sparen“) in anderen Sektoren einhergehen: Entweder bei österreichischen


Unternehmen

(die nicht investieren), österreichischen Haushalten (die nicht konsumieren) oder


dem

Ausland (das mehr Exporte nach Österreich verkauft).

Feedback EU-Klimazölle (CO2-Grenzausgleich)


Welche Argumente für und gegen EU-Klimazölle könnten Vertreter*innen des

marktliberalen, wohlfahrtskapitalistischen, pragmatischen sozialökologischen und


radikalen

sozialökologischen Leitbilds jeweils vorbringen? Notieren Sie pro Leitbild ein


Argument für

oder eines gegen die Einführung von EU-Klimazöllen. Sie können dazu die im
Artikel

verwendeten Argumente aufgreifen, andere Argumente recherchieren oder


eigene

Argumente ausformulieren.

Marktliberales Leitbild

Pro:

Der internationale Transport führt zu einem erhöhten CO2-Ausstoß. Es liegt ein

Marktversagen vor, das staatliche Interventionen rechtfertigt, da diese


gesellschaftlichen

Kosten am Markt nicht berücksichtig werden – insbesondere bei CO2-Emissionen


handelt es

sich um negative Externalitäten. Das derzeitige Emissionshandelssystem mit


Klimazöllen zu

ergänzen, stellt eine effiziente Maßnahme dar, um diese Kosten zu internalisieren,


einem

„Carbon Leakage“ vorzubeugen und faire Wettbewerbsbedingungen für Gütern


herzustellen,

die im Rahmen dieses Emissionshandelssystems produziert wurden.


Contra:

Freihandel ist eine Win-win-Situation für alle beteiligten Länder. Zölle führen
jedoch zu

Marktverzerrungen und Effizienzverringerungen, die sich negativ auf den

gesamtgesellschaftlichen Wohlstand auswirken. Nationale Unternehmen werden


durch Zölle

künstlich vor internationalem Wettbewerb geschützt. Die Kosten tragen


schlussendlich die

KonsumentInnen. Des Weiteren könnten Länder mit protektionistischen

Vergeltungsmaßnahmen auf Klimazölle antworten und so diese negativen Effekte


verstärken.

Leitbild des Wohlfahrtskapitalismus

Pro:

Im Leitbild des Wohlfahrtskapitalismus nimmt die öffentliche Hand eine zentrale


Rolle ein, um

gemeinwohlorientierte Politik umzusetzen. Klimazölle könnten öffentliche


Einnahmen

erhöhen. Diese könnten genutzt werden, um soziale Maßnahmen umzusetzen,


wie zum

Bespiel Verteilungskonflikte zu lösen.

Contra:

Klimazölle (so wie alle Zölle) erhöhen den Preis von Produkten. Wenn Diskonter-
Ware (von TShirts bis Tropenfrüchten) teurer wird, treffen derartige
Preiserhöhungen Menschen mit
geringen Einkommen besonders.

Leitbild einer pragmatischen sozialökologischen Transformation

Pro:

Das Ziel der pragmatischen sozialökologischen Transformation ist es,


Wirtschaftswachstum

von steigendem Ressourcenverbrauch zu entkoppeln. Klimazölle senden das


richtige Signal,

um innovative CO2-neutrale Technologien auszubauen: „Denn käme die


neuseeländische

Zwiebel mit dem Solarfrachter, hätte sie ihren Platz in den heimischen Regalen

zurückerobert“ (Schnauder & Widmann, 2019).

Leitbild einer radikalen sozialökologischen Transformation

Pro:

Klimazölle können den Umstieg auf eine andere Art zu leben und zu wirtschaften
fördern.

Regionale und ökologische Produktion sowie Kreislaufwirtschaft könnten


gefördert werden

und somit zu „Wohlbefinden ohne Wachstum“ führen.

Contra:

Mit „business as usual“ ist keine radikale sozialökologische Transformation


umzusetzen.
Klimazölle sind keine ausreichend weitreichende Maßnahme, um regionale

Kreislaufwirtschaft zu fördern. Es braucht auch Einfuhrbeschränkungen, um lokale


und

regionale Produktion zu schützen.

Feedback Videos Jörg Krämer und Jens Spahn zu Globalisierung

1. Mit welchen empirischen Beobachtungen beschreibt Jörg Krämer den Trend


der

Deglobalisierung?

Der Handelskonflikt zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China
belastet

die Weltwirtschaft. Jörg Krämer argumentiert aber, dass Unternehmen bereits seit
der

letzten Finanzkrise begonnen haben, globale Wertschöpfungsketten zu verkürzen.


Der

Welthandel wächst seither langsamer als das globale Bruttoinlandsprodukt.


Außerdem

deuten zahlreiche neue bilaterale Handelsabkommen darauf hin, dass die


Regionalisierung

der Weltwirtschaft voranschreitet. Schließlich erwähnt Krämer soziale


Bewegungen, die sich

gegen neue Freihandelsabkommen wie TTIP positioniert haben, sowie neue


Technologien wie

den 3D Druck, welche dafür sorgen könnten, dass mehr Produkte direkt beim
Kunden vor Ort

produziert werden können, anstatt sie über globale Lieferketten zu verschicken.

2. Welche Faktoren machen die deutsche Wirtschaft laut Jens Spahn vom
chinesischen Markt besonders abhängig?

Es gibt in der deutschen Wirtschaftspolitik einen breiten Konsens (allen voran bei

Unternehmen und Gewerkschaften), dass Freihandel und Weltoffenheit vereinbar


sind

(ähnlich wie dies Michael Löwy argumentiert). Deutsche Wirtschaftspolitik hat


sich daher

immer für einen freien Marktzugang eingesetzt. Bevorzugung nationaler


Unternehmen hat

es immer kritisiert. Institutionen wie die WTO oder Schiedsgerichte sollten dies
sicherstellen.

Daher lassen die Aussagen des deutschen Gesundheitsministers aufhorchen: Jens


Spahn

meint, dass es auf Grund der niedrigen Vielfalt an Lieferketten in


Schlüsselindustrien zu

Versorgungsengpässen kommen kann. Er denkt daher laut darüber nach, ob nicht


bestimmte

Unternehmen wieder Produktionskapazitäten in Deutschland und Europa


aufbauen sollten.

Gerade weil Deutschland eine international verflochtene Volkswirtschaft ist, ist es


von

Entwicklungen in China, dem größten Handelspartner, besonders stark betroffen.


Sollte
Spahns Ideen umgesetzt werden ist zu vermuten, dass andere Nationen ähnliche

industriepolitische Maßnahmen beschließen werden.

3. Beschreiben Sie mit Hilfe des Lehrbuchs, welche zusätzlichen Faktoren China
zu einem wirtschaftlichen Schlüsselakteur in Europa machen.

Die Volksrepublik China, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, ist nicht nur ein
begehrter

Markt für europäische Unternehmen, sondern zunehmend ein wichtiger Financier


von

Infrastrukturprojekten in Südosteuropa. Die „Belt and Road Initiative“ (BRI)


veranschaulicht

eindrucksvoll, wie viel Geld in die Hand genommen wird, um Handel


voranzutreiben und

neue Märkte zu erschließen. Die BRI gibt China die Möglichkeit, sich als zentraler
Akteur zu

positionieren und seine Einflussmöglichkeiten in Richtung Europa auszuweiten


(Novy,

Bärnthaler, Heimerl, 2020, S. 96)

Feedback Übung Managergehälter und Gerechtigkeitskonzepte

Lesen Sie den Text "AK Report: Managergehälter weiter hoch - Boni in der Kritik",
abzurufen
unter https://www.arbeiterkammer.at/managergagen. Analysieren Sie das
Verhältnis von

ATX-Manager*innengehältern und mittleren österreichischen Einkommen aus der

Perspektive von mindestens zwei verschiedenen Gerechtigkeitskonzepten.

Laut der Analyse der AK Wien sind die ATX Vorstandsgehälter "weiterhin
astronomisch hoch":

ATX-Manager*innen verdienen das 57-fache eines mittleren Einkommens.

Laut dem Konzept der Marktgerechtigkeit ist, was auch immer am Markt als Preis
geboten

wird, gerecht. Laut Neoklassik leitet sich die Bewertung von Leistungen aus
subjektiven

Präferenzen ab. Die (immer subjektiven) Präferenzen der Marktteilnehmer*innen


spiegeln sich

in den Preisen (Entlohnungen) wider. Jeder Marktpreis ist somit gerecht.

Das stimmt nicht immer mit dem Konzept der Leistungsgerechtigkeit überein. Laut
diesem

sollte sich die Entlohnung direkt nach der Leistung der einzelnen Person richten

("Medizinisches Personal rettet Leben", Kassiererinnen sichern die


Grundversorgung, ...).

Ungleiche Entlohnung ist dann gerecht, wenn die, die mehr leisten, auch mehr
verdienen. Wie

viel eine Person im Vergleich zu anderen Personen leistet, ist jedoch niemals
einfach und

objektiv festzustellen. Daher wird Leistungsgerechtigkeit oft als Marktgerechtigkeit


definiert
(damit erspart man sich Diskussionen darüber, was objektiv gute Arbeit ist).
Manchmal

werden an Stelle (objektiv messbarer) Leistungen Faktoren wie Ausbildung oder


Erfahrung

(Vordienstzeiten) verwendet, um gerecht zu entlohnen. Die Diskussion um

Leistungsträger*innen, die wichtige Arbeiten auch in der kritischen Zeit der


Corona-Pandemie

leisteten (die hoch gelobten "Systemerhalter*innen" im Einzelhandel, dem

Gesundheitswesen, der Pflege), zeigt, dass manchmal auch von objektiv


feststellbaren

Kriterien von Leistung ausgegangen wird. So ist deren Leistung ohne Zweifel
systemrelevant.

Ob sich dies in höherer Entlohnung niederschlagen wird, wird sich zeigen.

Bezüglich der ATX-Manager*innengehältern lautet die Frage nach


Leistungsgerechtigkeit, ob

die Manager*innen tatsächlich rund 57 Mal so viel leisten wie der oder die
durchschnittlich

bezahlte Person in Österreich. Oft wird als Begründung der Unternehmenserfolg


angeführt.

Dagegen wird argumentiert, dass dies nicht allein die "Leistung" der
Unternehmensführung,

sondern aller Beschäftigten ist. Begründet kann die gerechte Entlohnung der
Leistung der

Manager*innen weiters damit werden, dass es eine "Leistung" ist, die


Arbeitsplätze der
Beschäftigten des Unternehmens zu sichern. Keine Begründungen ergeben sich
aus Fleiß, z.B.

bezogen auf die unterschiedlichen Arbeitszeiten (auch wenn Manager*innen


mehr arbeiten,

oftmals auch zu nicht typischen Zeiten). Auf jeden Fall ist das Ausmaß der

Einkommensunterschiede (rund 57 Mal höher als Durchschnittseinkommen) ein


weiteres

Argument dafür, dass in diesem Fall Markt- und Leistungsgerechtigkeit


auseinanderfallen.

Ausgehend von der gleichen Würde aller Menschen soll laut dem Konzept der

Bedürfnisgerechtigkeit jede Person in der Lage sein, seine oder ihre


Grundbedürfnisse zu

befriedigen. Die Aufforderung an die Manager*innen angesichts der massiven


Arbeitslosigkeit

auf Bonuszahlungen zu verzichten, kann auch als Forderung nach mehr


Bedürfnisgerechtigkeit

gewertet werden. So wird es als ungerecht angesehen, wenn manche hohe Boni
einstreifen,

während andere aufgrund unverschuldeter Arbeitslosigkeit Schwierigkeiten


haben, ihre

eigenen Grundbedürfnisse sowie die ihrer Kinder oder anderen


betreuungsbedürftigen

Angehörigen angemessen zu decken.

Laut dem Konzept der Chancengerechtigkeit sollen alle Menschen die gleichen
Startchancen
haben, laut dem Konzept der Teilhabegerechtigkeit soll jede und jeder die Chance
haben, am

gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben teilzuhaben. Einen Arbeitsplatz zu


haben, ist

eine zentrale Form der Teilhabe am wirtschaftlichen Leben, welche über die
finanzielle

Vergütung die Teilhabe in anderen Bereichen erlaubt, so zum Beispiel am


kulturellen Leben.

Aus diesen beiden Konzepten heraus kann argumentiert werden, dass es


gerechter wäre,

Manager*innengehälter zu senken und mehr Arbeitsplätze zu erhalten, um den


betroffenen

Mitarbeiter*innen weiterhin die Teilnahme zu ermöglichen.

Der Gender Pay Gap, auch genannt geschlechtsspezifisches Lohngefälle,


bezeichnet den

Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenlohn von Frauen und


Männern.

Er wird als Prozentsatz des Verdienstes von Männern, der den Unterschied
zwischen dem

durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von weiblichen und männlichen


Arbeitnehmern
ausmacht, angegeben. Ein Gender Pay Gap von 15% würde somit aussagen, dass
Frauen

durchschnittlich brutto um 15% weniger für eine Arbeitsstunde verdienen. Der


unbereinigte

Gender Pay Gap berücksichtigt unter anderem folgende Faktoren nicht: Bildung,

Arbeitsmarkterfahrung, Anzahl der gearbeiteten Stunden und Art der Tätigkeit.


Beim

bereinigte Gender Pay Gap wird der Teil des Verdienstunterschieds


herausgerechnet, der auf

strukturellen Unterschieden wie Branche, Beruf, Bildungsniveau, Alter, Dauer der

Unternehmenszugehörigkeit, Vollzeit/Teilzeit, Art des Arbeitsvertrags sowie


Region und

Unternehmensgröße beruht. Der bereinigte Gender Pay Gap ist somit der
Lohnunterschied,

der auch unter Berücksichtigung der oben angeführten Faktoren unerklärt bleibt.

Beantworten Sie mithilfe des Textes und den Definitionen die folgenden Fragen:

1a) Wie groß ist der unbereinigte Gender Pay Gap in Österreich?

Der unbereinigte Gender Pay Gap beträgt in Österreich rund 20% (laut Eurostat:
20,4% im Jahr

2018). Daher: Frauen verdienen in Österreich pro Arbeitsstunde rund 20%


weniger als

Männer.

1b) Wie groß ist der bereinigte Gender Pay Gap in Österreich?

Der bereinigte Gender Pay Gap in Österreich beträgt 13,6%. Dieser berücksichtigt
Merkmale
wie Branche, Bildungsniveau, Alter, Arbeitszeit, Art des Arbeitsvertrags, Region
oder

Unternehmensgröße. Auch wenn diese Merkmale berücksichtigt werden (d.h. der


Umstand,

dass Frauen in geringer entlohnten Branchen tätig sind), verdienen Frauen für
eine

Arbeitsstunde weniger als Männer.

1c) Um wie viel Prozent niedriger ist das Bruttojahreseinkommen von Frauen in
Vergleich zu dem von Männern?

Das Bruttojahreseinkommen von Frauen ist in Österreich fast um 40% geringer, als
jenes der

Männer (laut Statistik Austria: 36,7% im Jahr 2018). Dies erklärt sich wesentlich
aus dem

Umstand, dass viel mehr Frauen teilzeitbeschäftigt sind.

1d) Wie könnten Fakt 2 und 3 (Frauen arbeiten oft umsonst, vor allem Frauen
kümmern

sich um die Kinder) mit dem geringeren Bruttojahreseinkommen der Frauen

zusammenhängen?

Frauen kümmern sich mehr um die Betreuung von Kindern und pflegebedürftigen

Erwachsenen und leisten insgesamt mehr unbezahlte Arbeit. Dies beeinflusst, wie
viel Zeit sie

für Erwerbsarbeit zur Verfügung haben. Dass Frauen öfter Teilzeit arbeiten als
Männer ist ein

wichtiger Faktor für das geringere Bruttojahreseinkommen.

Und wie könnten Fakt 2 und 3 mit dem bereinigten Gender Pay Gap
zusammenhängen?

Selbst auf den bereinigten Gender Pay Gap kann es eine Auswirkung haben, dass
Frauen mehr unbezahlte Arbeit (z.B. Betreuungsarbeit) leisten. Eine der
Erklärungen für die niedrigeren Löhne der Frauen ist die statistische
Diskriminierung. Da Unternehmen bei Frauen eine geringere Erwerbsbeteiligung
erwarten und mit größerer Fluktuation für Kinderbetreuung rechnen, stellen sie in
manchen Bereichen weniger Frauen ein und gewähren Frauen weniger
Weiterbildung. Frauen finden somit letztlich schwerer einen Arbeitsplatz, erhalten
weniger Lohn und haben geringere Karrierechancen. Eine mögliche Reaktion
darauf ist, dass sich Frauen weiter aus dem Berufsleben zurückziehen, was
Unternehmen darin bestärkt, mit einem geringeren beruflichen Engagement der
Frauen zu rechnen. Somit kann ein höheres Ausmaß an unbezahlter Arbeit und ein
geringeres Ausmaß an Erwerbsarbeit auch den

ungleichen Lohn pro geleisteter Arbeitsstunde mit beeinflussen.

Interessant dazu: Es ist verboten, in Bewerbungsgesprächen nach einem


Kinderwunsch zu

fragen, um Nachteile wie eine Nichteinstellung aufgrund eines Kinderwunsches zu

unterbinden. Ob Personalverantwortliche im Zweifelsfalls jedoch "lieber nicht zu


viele Frauen

um die 30, die dann ohnehin gleich wieder weg sind" einstellen, bleibt jedoch
offen. Dies wird

als statistische Diskriminierung bezeichnet. Diese kann Frauen mit und ohne

Kinder(betreuungs)wunsch gleich treffen, wenn gesellschaftlich angenommen


wird, dass sich

die Frauen um die Kinderbetreuung kümmern.

2. Recherchieren Sie Lösungsstrategien zur Geschlechtergleichstellung (zum


Beispiel von
bekannten Persönlichkeiten, Journalist*innen, politischen Parteien,
Wirtschaftskammer,

Arbeiterkammer, Think Tanks, NGOs, oder Gesetzen in anderen Ländern).


Beschreiben Sie

eine Strategie kurz und geben Sie Ihre Quelle(n) an (mindestens eine). Begründen
Sie,

welcher Gerechtigkeitstheorie dieser Lösungsvorschlag nahe steht.

Gerechtigkeitskonzept Potentielle Lösungsvorschläge

Bedürfnis Bedarfsorientierte Mindestsicherung.

Leistung Löhne offenlegen damit die Bezahlung von „Leistung“ transparenter wird;

Unterstützung von Frauen bei der Einforderung ihres Rechts auf

Gleichberechtigung.

Markt Gleichheit vor dem Recht durchsetzen. Es ist beispielsweise in Österreich

erst seit der Familienrechtsreform von 1975 möglich, dass Frauen ohne

Zustimmung des Ehemannes Erwerbsarbeit nachgehen dürfen;

Information über Arbeitsmarktchancen verbessern.

(Start-)Chancen Information über und Förderung des Zugangs zu


Ausbildungswegen.

Teilhabe Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen, um Eltern Zugang zum

Arbeitsmarkt zu ermöglichen; Genderquoten; Förderung von Väterkarenz.

Generationen Fokus auf nachhaltige Lösungen (z.B. mehr Zeitwohlstand durch


kürzere

Erwerbsarbeitszeiten für Männer und Frauen, sowie den Ausbau von


Kinderbetreuungseinrichtungen).

Welche ökonomischen Denkkollektive spiegeln sich in den beiden Texten ihrer


Meinung

nach jeweils wider?

Baldinger, Crespo und Oberhofer (2020) stehen mit Ihren Ansichten dem
neoklassischen

marktliberalen Denkkollektiv nahe, Novy und Bärnthaler (2020) stehen dem

sozioökonomischen Denkkollektiv, insbesondere Karl Polanyi nahe.

Woran machen Sie das fest? Inwiefern beeinflussen die Grundannahmen der

Denkkollektive, wie Globalisierung gesehen wird?

Baldinger, Crespo und Oberhofer fordern mehr anstatt weniger Globalisierung als
Antwort

und Lehre aus der Covid-19 Pandemie. Märkte sollen global möglichst frei sein,
um die

effiziente Verteilung von wichtigen Ressourcen sicherzustellen. Globaler Handel


hat nämlich

klar positive Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum und somit auch auf das
globale

Gesundheitsniveau. Durch mehr Globalisierung haben auch ärmere Staaten die


Chance, bei
Wohlstand und Wachstum gegenüber reicheren Ländern aufzuholen. Weitere im
Artikel

angeführte Vorteile von Globalisierung sind die bessere geographische


Risikostreuung der

Produktionsnetzwerke, welche zu mehr Widerstandsfähigkeit der heimischen


Wirtschaft

führt, und die Unterstützung globaler Kommunikationssysteme für mehr Effizienz


in

Wissenschaft und Entwicklung, was dringend benötigte Durchbrüche in der


Forschung

wahrscheinlicher macht.

Mit dieser Sicht auf Globalisierung folgen die Autoren dem marktliberalen und
neoklassischen

Denkkollektiv basierend auf Grundannahmen bezüglich Wirtschaftswachstum,


Wettbewerb,

Effizienz und Märkten. Eingriffe in den globalen Markt werden demgegenüber als

„Protektionismus und überbordendem Wirtschaftsnationalismus“ negativ


eingeschätzt.

Novy und Bärnthaler plädieren in ihrer Argumentation für den Ansatz der
Multiperspektivität

und eine differenzierte Betrachtung von Globalisierung jenseits einfacher


gut/schlecht

Schemata. Vor- und Nachteile werden aus verschiedenen Perspektiven betrachtet.


Zwar habe

die Globalisierung positive Auswirkungen auf Wohlstand und globale


Forschungskooperation
gehabt, jedoch gebe es auch Schattenseiten wie eine zunehmende Konzentration
von Macht

und Vermögen, die den Zusammenhalt in der Gesellschaft untergraben. Die


Autoren fordern

deshalb eine bessere Regulierung globaler Lieferketten, der Finanzmärkte und


fossiler Infrastrukturen. Mehr Globalisierung ist nämlich nicht immer
wünschenswert, denn in einigen Bereichen wie beispielsweise der
Reparaturwirtschaft, nachhaltiger Futtermittelproduktion oder krisenfester
Versorgungsstrukturen sind lokale bzw. europäische Lösungen der

Versorgung über den Weltmarkt vorzuziehen. Effiziente globale politische


Zusammenarbeit sollte es jedoch vor allem zur Vermeidung potentiell
destruktiver lose-lose-Situationen geben: insbesondere bei globalen
Gemeingütern (z.B. Klimawandel, Biodiversität, Frieden). Die Kritik an der
aktuellen nicht nachhaltigen Hyperglobalisierung ist in ihren Grundannahmen
vom keynesianischem Denkkollektiv und Karl Polanyi inspiriert. Die Autoren
kritisieren ein blindes Vertrauen in Märkte und sehen somit auch eine überzogene
wirtschaftlichea Globalisierung als von vornherein zum Scheitern verurteilt an,
denn unregulierte Märkte führen tendenziell zu wirtschaftlichen
Ungleichgewichten. Innovative lokale, nationale und europäische Regulierung und
nicht alleinig Marktentscheidungen sind nach Meinung der Autoren wichtig für
zukunftsfähiges Wirtschaften