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Die Entscheidung des Achilleus

auf dem Nearchos-Kantharos Akr. 611


Heide Mommsen

Abstract

The fragments of the large Nearchos-kantharos depicting the harnessing of Achilles’ chariot have been paid much
attention and have seen different interpretations since the drawings were first published by Graef in 1925. New
measurements of the original remains and of two newly ascribed fragments enable us to reconstruct the shape
- at least partly - and also the main picture of the oversize kantharos thus providing a new basis for interpre-
tation. It turns out that the female figure holding Achilles’ famous arms was not accompanied by Nereids nor
is she part of any action. She is a by-figure holding just those pieces of arms and armour which would be in
Achilles’ way while he is bridling one of his immortal horses, an activity which demands both hands and full
concentration. The motive shows the close contact between Achilles and his horses, one of whom speaks to him
in the Iliad with a human voice and foretells him his imminent death. The harnessing of a chariot is a new topic
in the pictorial art of the time, which Nearchos introduced as a delaying motive, a moment of reflection before
the departure of Achilles to the decisive battle, in which he kills Hector and seals his own fate.*

Abb. 1. Kantharosfragment mit der Signatur des


Nearchos, Athen, NM 15155 (Akr. 611).

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Lieber Herman, als wir uns vor vielen Jahren bei
dem Vasensymposion in Tübingen zum ersten Mal
begegneten, haben wir unsere Beiträge jeweils mit
dem Beazley-Zitat eingeleitet, in dem er sich für
das Studium der attischen Töpfer einsetzt.1 Seither
verbindet uns das Interesse an den Gefäßformen,
das auch hier zur Sprache kommen soll. Um mich
auf das Thema der Festschrift und den Schwer-
punkt Deiner Forschung zu beziehen, möchte ich
die Relevanz der Gefäßform an einem übergroßen
Trinkgefäß untersuchen, das um 560 v.Chr., also
in der Blütezeit der Sianaschalen entstanden ist.
Das oft gewürdigte Fragment mit der Anschir-
rung von Achills Gespann wurde in Athen auf
der Akropolis gefunden und trägt die Maler- und
Töpfersignatur des Nearchos (Abb. 1).2 Die Form
und Größe des Gefäßes, das sich mit Hilfe weite-
rer Fragmente als Kantharos rekonstruieren läßt
(Abb. 2), sind wichtige Voraussetzungen für die
Komposition des Bildes und für die Interpretation
der Darstellung. Nach dem erhaltenen Bruchstück
erscheint der Kantharos zunächst nicht überdi-
mensional, denn der Figurenfries ist nur 16,5 cm
hoch. Der obere Durchmesser des Kelches beträgt
jedoch 44 cm und übertrifft damit die Größe eines
Trinkgefäßes bei weitem. Nach den Fragmenten
vom unteren Rand des Kelches betrug dessen
kleinster Durchmesser 32 cm. Die Neigung der
19,8 cm hohen Kelchwand ergibt sich aus der
Differenz zwischen dem oberen und unteren
Radius. Außerdem ist noch der untere Ansatz
eines Henkels (Abb. 8) und der Rand des Beckens
erhalten. Da am oberen Rand des Kelches kein
Henkelansatz erhalten ist, hat Graef die Gefäß-
form nur mit Vorbehalt als Kantharos bestimmt.3
Es gibt jedoch zwei charakteristische Details, die
deutlich zeigen, daß die Fragmente zu einem Abb. 2. Profil des Kantharos Abb. 1.
Kantharos gehören: das Profil des Absatzes zwi-
schen dem Kelch und dem Becken mit dem plas- Gefäßform, da die Proportionen sehr großer Gefäße
tischen Ring in der Kehlung und der Ansatz des eigenen Gesetzen folgen. Der Unterschied zeigt
Henkels am unteren Kelchrand. sich schon im Verhältnis zwischen der Höhe und
Herman Brijder hat die frühesten attischen Kan- dem Durchmesser des Kelches, wonach der Kan-
tharoi untersucht und vertritt deren Ableitung tharos des Nearchos einen weiteren Kelch hatte
von etruskischen Metallvorbildern.4 Darstellungen als der des Sokles-Malers. Wahrscheinlich kommt
von Kantharoi zeigen, daß diese Gefäßform schon der stämmigere Kantharos London 94.7-18.1,7 der
in der ersten Hälfte des 6. Jhs. in Athen in Ge- am oberen Rand auch einen Zungenfries hat, dem
brauch war.5 Tönerne Beispiele sind jedoch selten Nearchos-Kantharos in der Form etwas näher.
und nur in Ausnahmefällen ganz erhalten, wie Der hohe Fuß beim Kantharos des Sokles-Malers
der Kantharos des Sokles-Malers in Berlin,6 der entspricht den gleichzeitigen Kleinmeisterschalen,
etwa ein Jahrzehnt nach dem Nearchos-Kantharos während die Füße der Nearchos-Kantharoi eher
entstanden ist. Wenn wir den Nearchos-Kantharos wie die Füße der Randschalen dieses Töpfers er-
nach diesem Modell ergänzen, wäre er mit den gänzt werden müssen.8 Diese sind, ähnlich wie bei
Henkeln 59 cm hoch. Der Vergleich gibt uns eine den Gordion-Schalen, etwas niedriger und trom-
Vorstellung von seiner monumentalen Größe, eig- petenförmig und haben keinen abgesetzten Rand.
net sich aber nicht für eine Rekonstruktion der In Athen war der Kantharos nie eine alltägli-

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che Gefäßform. Nach der Mitte des 6. Jhs. ist er bieten die großen Kantharoi sehr geeignete Bild-
hauptsächlich das Attribut des Dionysos und fast flächen für figurenreiche Kompositionen wie die
ausschließlich in dessen Umkreis anzutreffen, erst Gigantomachie, den Amazonenkampf oder die
seit dem letzten Viertel des 6. Jhs. auch als Trink- Anschirrung eines Gespanns.
gefäß des Herakles.9 Zur Zeit des Nearchos ist die Ebenso ungewöhnlich wie die Größe der Near-
Verwendung dieser besonderen Gefäßform weni- chos-Kantharoi sind auch deren Bilder in der Zeit
ger festgelegt, denn Dionysos hält in der ersten ihrer Entstehung. Die Gigantomachie auf dem
Hälfte des 6. Jhs. in der Regel ein Trinkhorn.10 Der kleineren Kantharos ist eines der ersten Vasenbilder
Kantharos des Nearchos war durch seine Größe dieses Themas, das in der Folgezeit vor allem auf
jedem praktischen Gebrauch entzogen und kann der Akropolis häufig wiederkehrt.16 Aufregend
daher im Zusammenhang mit seinem Fundort neu ist auch die Anschirrung, ein Thema, von
nur als Weihgeschenk gedient haben. Auch das dem keine frühere oder gleichzeitige Darstellung
Thema, die Anschirrung von Achills Streitwagen, überliefert ist.17 Nearchos hat die Szene und die
paßt gut zu einem Weihgeschenk für Athena, Beischriften sorgfältig vorgezeichnet.18 Auch bei-
denn sie war die Schutzgöttin dieses Helden.11 Es geschriebene Pferdenamen begegnen uns hier
ist nicht der einzige überdimensionale Kantharos zum ersten Mal. Tiernamen waren auf attischen
des Nearchos, der auf der Akropolis gefunden Vasenbildern bis dahin nur für die Hunde der
worden ist. Fragmente eines weiteren großen Kalydonischen Eberjagd bekannt. Nearchos ist der
Kantharos mit Resten seiner Signatur tragen die erste attische Vasenmaler, der auch den Pferden
Darstellung einer Gigantomachie, die noch deut- Namen gibt. Eines von ihnen heißt ΧΑΙΤΟΣ von
licher auf Athena als Empfängerin des Weihge- χαÝτη = Mähne, das andere ΕΥΘΟΙΑΣ von θοÞσ
schenks Bezug nimmt.12 Die beiden Gefäße bilden = schnell.19 Zwei weitere Namen scheinen senk-
jedoch kein Paar, denn der zweite Kantharos ist recht unter den Pferden gestanden zu haben, wo
etwas kleiner und hat ein konventionelles Zun- wir noch ein Π und den Rest eines anderen
genmuster ohne weiße Grundierung am oberen Buchstabens sehen.20
und unteren Rand des Kelches. Fragmente eines Die Bedeutung dieses Kantharosfragments be-
dritten Kantharos mit Herakles’ Kampf gegen die ruht auch auf dem monumentalen Figurenstil und
Amazonen wurden ebenfalls dem Nearchos der lebendigen Farbigkeit, die eine Vorstellung
zugewiesen.13 von der verlorenen großen Malerei aufscheinen
Wir wissen nicht, weshalb Nearchos gerade läßt. Einzigartig ist die weiße Grundierung unter
diese Gefäßform mehrfach als Weihgeschenk für den schwarzen und roten Zungen am oberen und
Athena gewählt hat, die sonst nicht mit dem unteren Rand des Kelches,21 die bei dem
Kantharos assoziiert wird. Auf einen möglichen Fragment Akr. 611 d (Abb. 7) am besten erhalten
Grund verweist uns das Werkstattbild auf einer ist. Die Innenseite der Lippe schmücken rote und
Kalpis des Leningrad-Malers.14 Dort sitzt in der weiße Bänder. Eine Rarität ist das rote Pferd,22
Mitte ein junger Handwerker und bearbeitet einen und ungewöhnlich ist auch die schmale schwarze
Kantharos von exzeptioneller Größe. Vor ihm auf Konturlinie, die der Maler bei allen weißen Partien
dem Boden steht ein zweiter ebenso großer von der schwarzen Grundierung hat überstehen
Kantharos; zum Vergleich ist ein Kantharos nor- lassen. Mit der Doppelsignatur, ΝΕΑΡΧΟΣΜΕ
maler Größe rechts oben am Bildrand aufgehängt. ΓΡΑΦΣΕΝΚΑ[ΠΟΙΕΣΕΝ], kennzeichnet der Töp-
Da die übergroßen Kantharoi für den praktischen fer und Vasenmaler das Weihgeschenk als ein
Gebrauch als Trinkgefäße ganz ungeeignet sind, Meisterwerk von seiner Hand.23
handelt es sich wahrscheinlich auch hier um Im Gegensatz zu dem großen Bruchstück mit
Weihgeschenke.15 Während die beiden Hand- Achill, das sehr oft abgebildet und besprochen
werker rechts und links, die jeweils einen Krater worden ist,24 haben die kleineren Fragmente
verzieren, von Niken bekränzt werden, ist es bei wenig Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Sie sind
dem Jüngling mit den Kantharoi Athena selbst, leider sehr verbrannt und unansehnlich, weshalb
die mit einem Kranz auf ihn zueilt. Vielleicht sie fast alle nur in den Zeichnungen bei Graef-
wird er von der Göttin in ihrer Eigenschaft als Langlotz bekannt sind.25 Der Großzügigkeit des
Ergane bevorzugt, weil die übergroßen Kantharoi Direktors des Athener Nationalmuseums, Dr. Niko-
eine besondere Kunstfertigkeit erfordern? Dies laos Kaltsas, ist es zu verdanken, daß sie hier zum
könnte auch für Nearchos der Beweggrund gewe- ersten Mal farbig abgebildet werden können. Ein
sen sein, die ausgefallene Form als Weihgeschenk näherer Blick auf diese Fragmente und die Gefäß-
für Athena zu wählen: ein Meisterwerk der Töpfer- form ermöglicht es, die Komposition des Haupt-
kunst für die Göttin des Handwerks. Außerdem bildes zu rekonstruieren.

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stärke bei diesem Fragment deutlich geringer ist
als bei dem Hauptfragment, hat Graef es über-
zeugend an dessen linke Ecke angefügt. Er erklärt
die unterschiedliche Dicke mit einer Schrump-
fung des Bruchstücks durch höhere Temperaturen,
denen es wahrscheinlich beim Persersturm aus-
gesetzt war. Der weiße Schwertgriff mit den
schwarzen Nieten stimmt in der Machart und der
Form mit den Resten auf dem großen Bruchstück
genau überein, und auch die Bruchkante paßt an.26
Wir müssen uns also mit den Schwierigkeiten
auseinandersetzen, die dieses Fragment bereitet.
In anderen Szenen der Waffenübergabe, die gerade
in der Zeit des Nearchos beliebt sind,27 steht
Achill immer Thetis gegenüber und nimmt die
Waffen in Empfang. Meist wird sie von anderen
Nereiden begleitet, die auch Waffen und Rüstungs-
teile tragen. Auf dem Nearchos-Kantharos widmet
Achill jedoch seine ganze Aufmerksamkeit dem
Gespann und kehrt der Waffenträgerin den Rüc-
ken zu. Auch der Beischriftenrest neben der Figur
ist verwirrend. Er beginnt mit ΧΟ..., kann also
nicht zu Thetis gehören. Friis Johansen hat vor-
geschlagen, den Nereidennamen Χορñ zu ergän-
Abb. 3. Fragment des Kantharos Abb. 1. Seite A. zen und vermutet, daß Thetis vielleicht hinter ihr
Athen, NM Akr. 611 c. ging, so daß das Sigma am linken Rand der letzte
Buchstabe ihres Namens sein könnte.28 Die Waffen-
trägerin hinter Achill hält jedoch schon alle Waf-
fen, die diesem fehlen, so daß für Thetis oder
andere nachfolgende Nereiden kein Teil mehr
übrigbleibt.
Das zweite Fragment (Akr. 611 f; Abb. 4)
bewahrt das linke beschiente Bein eines Kriegers,
einen Teil seines kurzen Chitons und eines böoti-
schen Schildes, den er über den Rücken gehängt
hat, wie das nur bei Wagenlenkern üblich ist, da
sie beide Hände für die Zügel frei haben müssen.
Die Haltung seines linken Beines läßt darauf
schließen, daß der Wagenlenker das rechte Bein
in den Wagenkorb gesetzt hatte, zumal das ver-
zierte Deichselende, das hinter dem Wagenrad
hervorschaute, vor seinem Schienbein erkennbar
ist. Die Beischrift beginnt mit ΧΑ..., kann also
nicht zu Automedon ergänzt werden, den die Ilias
als Wagenlenker des Achill überliefert. Ein wei-
Abb. 4. Fragment des Kantharos Abb. 1. Seite A. teres Bruchstück, das Semni Karouzou hier ange-
Athen, NM Akr. 611 f. fügt hat, ergänzt den stehenden Mann hinter dem
Wagenlenker bis zu den Füßen. Er ist in einen
Am wichtigsten ist das Fragment mit dem weißen, mit geritzten Wellenlinien charakterisier-
Unterkörper einer Frau, die einen kunstvollen ten Chiton gekleidet und trägt darüber einen lan-
böotischen Schild mit einem weißen Gorgoneion gen schwarz-rot gestreiften Mantel. Nach dieser
in der Mitte hält (Akr. 611 c; Abb. 1. 3). Unter den Bekleidung handelt es sich um einen würdigen
schönen Füßen dieser Frau ist ein Rest des Zun- Mann, der nicht mehr in den Kampf zieht, aber
genornamentes auf weißem Grund vom unteren mit seinen Ratschlägen und Ermahnungen bei
Rand des Kelches erhalten. Obwohl die Wand- der Abfahrt zugegen ist; vielleicht ist es Phoinix,

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Bevor wir die Rekonstruktion erläutern, noch
ein Blick auf die übrigen drei Fragmente (Akr. 611
e. d. b; Abb. 6-8), die zur anderen Seite des Kantha-
ros gehören müssen, da auf der signierten Haupt-
Abb. 5. Fragment des seite kein Platz für weitere Figuren ist. Bei den
Kantharos Abb. 1. zwei Fragmenten vom unteren Rand des Kelches
Seite A. Athen, ist das Zungenornament auf weißem Grund und
NM Akr. AP 67. der Ansatz des Beckens erhalten. Das größere
Fragment (Akr. 611 d; Abb. 7) bewahrt die Füße
der Erzieher des Achill, der auch in einer Szene von zwei weiblichen Figuren nach rechts und
der Waffenübergabe vorkommt.29 gegenüber die Füße einer männlichen und einer
Das dritte Fragment von dieser Seite (Akr. AP weiblichen Figur; die Spuren von Weiß in der
67; Abb. 5)30 ist am Nordabhang der Akropolis ge- rechten Ecke gehören wohl zu einem weiteren
funden worden, wohin der Perserschutt teilweise Frauenfuß: eine dichte Komposition von stehen-
abgeräumt wurde. M.Z. Pease schreibt zu diesem den Figuren. Bei dem anderen Fragment (Akr. 611
Fragment: ‘The piece evidently once formed part b; Abb. 8) ist der eine Henkelansatz erkennbar
of a quadriga scene. At the right is part of a char- und links daneben ein Schnürstiefel und ein
iot wheel; behind, the leg of a white horse; also weiblicher Fuß nach rechts. Wegen des Henkel-
behind, three other legs to the left. In the left fore- ansatzes muß das Fragment an den rechten Rand
ground is still another leg, a red one, on either von B gehören. Stiefel werden regelmäßig von
side of which hang three looped and bound tails. Hermes getragen, häufig aber auch von Hephaistos,
(...) From its condition, its fabric, and its general der auf dem dritten Fragment (Akr. 611 c; Abb. 6)
dimensions the North Slope fragment must be- inschriftlich genannt ist: ΗΕΦΑΣΤΟΣ (in der
long to the Achilles vase of Nearchos. But for the Vorzeichnung fehlt das Iota nicht). Er trägt einen
fact that two of the horses on A are black and two kurzen gemusterten Chiton und hält den Griff
white, the new piece should form part of the char- eines Werkzeugs in der gesenkten rechten Hand,
iot of Achilles. The white leg is behind the others wahrscheinlich ist es wie gewohnt seine Doppel-
as the white horse is being led up last. The car of axt. Links von ihm im Vordergrund der bunt ge-
the chariot would have been at the right. As it is, musterte Mantel einer weiteren Figur, rechts Figu-
the fragment must provisionally be placed in a renreste, die ich nicht erklären kann. Da wegen
similar place in a similar scene on the other side des Henkels vor dem Schnürstiefel kein Platz für
of the kantharos.’ Der Kommentar von Pease klingt die rätselhaften Figurenreste ist, kann der Stiefel
so, als hätte sie zunächst das Fragment anhand auf dem Fragment Akr. 611 b (Abb. 8) nicht zu
der originalen Akropolisfragmente dem Gespann Hephaistos gehören. Es muß sich um einen Fuß
des Achill zugewiesen. Bei der Überarbeitung des Hermes handeln,34 der hier wie so oft die
ihrer Texte zog sie jedoch nur die sehr guten aber Szene zurückblickend verläßt.
unfertigen Zeichnungen von Émile Gilliéron in Hephaistos kommt in der schwarzfigurigen
Graef-Langlotz heran,31 wo die roten Partien bei Vasenmalerei nur bei wenigen, feststehenden
den beiden Fragmenten Akr. 611 a und c nicht Themen vor. Bei seiner Rückführung zum Olymp
wie üblich gekennzeichnet sind, so daß es sich und als Gast bei der Hochzeit von Peleus und
um zwei weiße und zwei schwarze Pferde zu Thetis reitet er auf einem Esel, in der Giganto-
handeln scheint. Daraufhin hat sie das Fragment machie ist er wie alle anderen Teilnehmer kämp-
der anderen Gefäßseite zugewiesen. Beazley hatte fend wiedergegeben. Nur die Athenageburt, bei
Zweifel, daß auf der Gegenseite genug Platz für der Hephaistos als Geburtshelfer häufig mit sei-
einen Wagen sei, und hat das Fragment daher mit ner Doppelaxt dargestellt ist, kann hier nicht aus-
einer separaten Nummer in die Liste der Nearchos- geschlossen werden und wäre auf einem Weih-
Werke aufgenommen.32 Die Fotos zeigen jedoch, geschenk für Athena auch nicht unpassend.35 Die
daß das linke Jochpferd auf dem großen Frag- Athenageburt ist daher für die Gegenseite des
ment rot ist,33 ebenso wie das entsprechende Kantharos das wahrscheinlichste Thema, es sei
Pferdebein auf dem Fragment vom Nordabhang. denn Nearchos hätte auch hier eine ganz neue
Rote Pferde sind äußerst selten, und da die roten, Bildschöpfung verwirklicht, zu der wir keine
schwarzen und weißen Pferdebeine in ihrer Stel- Parallele kennen. Es ist verlockend, Hephaistos mit
lung den Pferden auf dem Hauptfragment genau den neuen Waffen des Achill in Zusammenhang
entsprechen, gehört das Fragment vom Nordab- zu bringen,36 aber wir kennen bisher keine ver-
hang eindeutig zu dieser Szene. gleichbare Szene im 6. Jh.v.Chr. und können außer-

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der böotische Schild, das Schwertgehänge, der
korinthische Helm und die beiden Lanzen lassen
sich mühelos vervollständigen. In Gilliérons Zeich-
nung sehen die dicken schwarzen Linien alle aus
wie Lanzen, aber auf dem Foto (Abb. 1) wird deut-
lich, daß die Linie links entschieden dünner ist
und sich nach unten verjüngt. Es kann sich daher
um das Ende des Helmbusches handeln. Auch
die beiden senkrechten Linien sind dünner als die
Lanzen. Da sie zum oberen Rand der Schwert-
scheide führen, muß es sich um den Schwert-
Abb. 6. Fragment des Kantharos Abb. 1. riemen handeln,38 der über dem Handgelenk der
Seite B. Athen, NM Akr. 611 e. Waffenträgerin hing. Unter dem Rest des Helmes
ist keine Hand zu sehen, so daß die Frau oder
Göttin den Helm an seinem Buschträger gehalten
haben muß, wie es die Nereiden zuweilen auch
tun.39 Für die Lanzen hatte die Waffenträgerin
keine Hand mehr frei; nach der Richtung der
erhaltenen Partie lehnten diese an ihrer Schulter,
wodurch auch die Größe der Figur annähernd
festgelegt ist.
Bei den Pferden und dem Wagen war eine
Orientierung am Klitias-Krater naheliegend, da
die Zeichnung der Pferde, vor allem ihre Inskrip-
tionen, die dicken Schlaufen an den Schweifenden
und ihre Mähnen dort ihre nächsten Parallelen
haben; auch das untere Deichselende kommt auf
dem Klitias-Krater gelegentlich hinter dem Rad
Abb. 7. Fragment des Kantharos Abb. 1. zum Vorschein.40 Die Beine des Achill sowie die
Seite B. Athen, NM Akr. 611 d. Pferdebeine ließen sich nach den originalen Resten
beziehungsweise dem jeweiligen Stand- oder
Bewegungsmotiv ergänzen: die drei angeschirrten
Pferde stehen ruhig, der Schimmel im Hinter-
grund schreitet vorwärts. Die beiden Jochpferde
sind bereits eingespannt. Das linke Beipferd wird
von Achill gerade aufgezäumt, während das rechte
Beipferd, ein Schimmel, im Hintergrund von einem
Pferdeknecht herbeigeführt wird. Dieses Pferd
trägt noch kein Zaumzeug sondern nur ein Stall-
halfter, an dem ein gedrehter Strick befestigt ist.
Der Knecht packt es außerdem mit festem Griff
am Stirnhaar. Er ist kein alter weißhaariger Mann,
wie es in vielen Beschreibungen heißt und nach
den Zeichnungen von Gilliéron den Anschein hat,
Abb. 8. Fragment des Kantharos Abb. 1. sondern ein Mann mit vollem rotem Haar und
Seite B. Athen, NM Akr. 611 b. Bart, der durch seine Größe, seine - zumindest
teilweise - Nacktheit und wohl auch durch seine
dem kaum erwarten, daß sich die Darstellungen Physiognomie als Diener gekennzeichnet ist.41
der beiden Gefäßseiten inhaltlich ergänzt haben. Das kleine Fragment vom Nordabhang der
Von der Hauptseite des Kantharos sind indessen Akropolis (Abb. 5) hat sich als besonders hilfreich
genügend Fragmente vorhanden, um die Kom- erwiesen, da auf diesem von allen vier Pferden
position des Bildes zu rekonstruieren (Abb. 9); nur zumindest ein Bein teilweise sichtbar ist, und im
der Stil des Nearchos läßt sich nicht ohne weiteres Hintergrund ist auch noch das zurückgesetzte
nachempfinden, da von diesem zu wenige Werke Bein des Pferdeknechtes zu erkennen. Der Ab-
erkannt oder erhalten sind.37 Die Waffen für Achill, stand dieses Fragments vom Wagenlenkerfrag-

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ment (Abb. 4) ist durch den Durchmesser des rum bemüht, Achills Hände mit den zum Greifen
Wagenrades festgelegt. Der Abstand des Wagen- gekrümmten Fingern bei einer bestimmten Tätig-
lenkerfragments von der Standlinie und seine keit wiederzugeben, wahrscheinlich beim Anlegen
Ausrichtung sind durch das neue Bruchstück mit der Trense. Hierzu nimmt der Kundige die Trense
dem ruhig stehenden Mann gesichert. Die übrigen mit der linken Hand oben am Nackenriemen,
Ergänzungen, der Pferdeknecht, der Wagenlenker, während er mit der rechten Hand das Trensen-
der Wagen und die Hinterhand des Schimmels gebiß dem Pferd zwischen die Zähne schiebt.
ergeben sich aus den Resten. Die Haltung des Sowie das Pferde sein Maul öffnet, wird ihm der
Wagenlenkers ist von vielen Anschirrungsszenen Nackenriemen über die Ohren gezogen, wobei
bekannt: er hat einen Fuß in den Wagen gesetzt das Trensengebiß in die Zahnlücke des Pferdes
und hält die angeschirrten Pferde mit den gespann- rutscht, wo es hingehört. Der Umstand, daß Achill
ten Zügeln unter Kontrolle. bei der Anschirrung seines Gespanns selbst Hand
Mit dem Durchmesser des Kelches (max. 44 cm anlegt, erklärt auch, weshalb er nur mit dem Brust-
-min. 32 cm), können wir den Umfang am oberen panzer und Beinschienen gerüstet ist, denn für
Rand auf ca. 138 cm errechnen und am unteren diese Tätigkeit benötigt er beide Hände und alle
Rand auf ca. 100 cm. Da wir von jedem Bildfeld Waffen wären hinderlich; auch der Helm wäre
ca. 7 cm für den Henkelansatz abziehen müssen,42 störend, denn er hätte den edlen und nachdenk-
bleiben für die Bildfeldbreite am unteren Rand je- lichen Kopf des Achill verdeckt, den er leicht
weils 43 cm. In meiner Rekonstruktionszeichnung geneigt seinem Pferd zuwendet.43
(im Maßstab 1:1) ist die Szene an der Standlinie Zu der Anschirrungsszene des Nearchos gibt
zwischen den eingezeichneten Begrenzungslinien es in der Bildkunst keine früheren oder gleich-
47 cm breit. Die beiden Seitenränder lassen sich zeitigen Parallelen, und wir haben allen Grund
gerade soweit beschneiden, daß wir auf die er- anzunehmen, daß der Maler sich hier an ein neues
rechnete Länge von 43 cm kommen. Die Figuren Thema gewagt hat. Die Vorzeichnungen zeigen,
reichen dann dicht an den Henkelansatz, ebenso daß es für ihn kein geläufiges Bildmotiv war und
wie bei dem Randfragment von der Gegenseite sorgfältig geplant werden mußte. Die besondere
(Abb. 8). Somit bleibt auf dieser Seite kein Platz Verwendung der Farben betont den experimentel-
für eine weitere Figur. Der stehende Mann im len Charakter der Darstellung. Ungewohnt sind
Mantel hinter dem Wagenlenker muß also eine auch die beigeschriebenen Pferdenamen und die
Randfigur gewesen sein und ebenso die Waffen- Charakterisierung des Dieners. Alle neuen Ideen
trägerin, hinter der keine weitere Nereide Platz in diesem Bild sind Hinweise, daß Nearchos auf
hatte. Wie wir gesehen haben, stand jenseits des dem monumentalen Weihgeschenk etwas Neues
Henkels Hermes, zu dessen Name auch das Sigma und Besonderes zur Darstellung bringen wollte.
gehören wird, denn die Beischrift kann in den In der Ilias gibt es nur eine Ausfahrt des Achill,
Raum unter dem Henkel eingefügt gewesen sein. die Ausfahrt zu dem großen Kampftag, der mit
Die Ausdehnung des Bildfeldes und dessen Hektors Tod endet. Nach dem Tod des Patroklos
Komposition schafft neue Voraussetzungen für beschließt Achill, seinem Zorn zu entsagen und
die Deutung. Das Thema dieser Seite ist nicht die sich nach langer Pause wieder am Kampf zu
Waffenübergabe, sondern nur die Anschirrung beteiligen, um den Freund zu rächen. Er tötet
von Achills Gespann. Die Waffenträgerin am lin- Hektor und viele Trojaner, wodurch er unvergäng-
ken Bildrand ist weder an der Anschirrung betei- lichen Ruhm erwirbt, aber zugleich seinen eigenen
ligt noch ist sie Teil einer anderen Handlung, vorzeitigen Tod besiegelt, der ihm bald nach dem
denn sie übergibt die Waffen niemandem. Sie ist des Hektor bestimmt ist. Patroklos war mit den
eine Nebenfigur, die dem Betrachter nur den Zu- Waffen des Achill in den Kampf gezogen, um den
sammenhang in Erinnerung ruft. Die wichtigste Gegner zu täuschen. Als er fiel, erbeutete Hektor
Figur ist Achill, der durch seine Größe hervorge- auch die berühmten Waffen. Thetis, die auf das
hoben ist. Er trägt einen Brustpanzer und Bein- Klagen ihres Sohnes herbeigeeilt war, wendete
schienen, seine langen Haare und der Bart sind sich flehend an Hephaistos, der in einer Nacht
sorgsam frisiert, was ihm eine vornehme Würde neue strahlende Waffen für Achill geschmiedet
verleiht, vor allem im Vergleich zu dem Pferde- hat, die ihm Thetis bei Tagesanbruch brachte. In
knecht. Die Tätigkeit des Achill, auf die die ganze der Ilias wird ausführlich beschrieben wie Achill
Darstellung konzentriert ist, wird häufig als Be- sich die neuen Waffen anlegt, während Automedon
ruhigen oder Streicheln des Pferdes beschrieben, und Alkimos die Pferde anschirren. Automedon ist
was aber durchaus nicht zur Wiedergabe seiner der Wagenlenker, und Achill besteigt hinter ihm
Hände paßt. Nearchos hat sich vielmehr sehr da- den Wagen in seiner glänzenden Rüstung und

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ermahnt die Pferde, ihn schnell und sicher vom auszulösen.51 Durch die ausführliche Beschrei-
Schlachtfeld zurückzubringen. Daraufhin ant- bung der Vorbereitungen wird die Spannung vor
wortet eines der unsterblichen Pferde mit mensch- dem gefährlichen Unternehmen gesteigert.
licher Stimme, weist jede Verantwortung zurück Nearchos verwendet dasselbe retardierende Motiv,
und prophezeit Achill, daß sie ihn diesmal noch aber was im Epos in vielen Versen erzählt wird,
heil zurückbringen, er aber bald durch die Hand muß in der Bildkunst in einer einzigen Szene
eines Gottes und eines sterblichen Helden den zusammengefaßt werden. Die Waffenträgerin
Tod finden wird. erinnert an den Verlust von Achills Waffen durch
Das Bild des Nearchos unterscheidet sich von den Tod des Patroklos und an die neuen herr-
der Darstellung in der Ilias erheblich. Dort ist das lichen Waffen des Hephaistos, die ihm Thetis im
Gespann des Achill ein Zweigespann, und die Morgengrauen überbracht hat. Auf die Bedeutung
Pferde heißen Xanthos und Balios, hier sind es des bevorstehenden Kampfes für das Schicksal
dagegen vier Pferde und diese haben andere Achills verweist seine besondere Beziehung zu
Namen. Der Name des Wagenlenkers beginnt mit den unsterblichen Pferden, von denen bekannt
XA..., es ist also weder Automedon noch Alkimos. ist, daß eines ihm seinen baldigen Tod prophe-
Achill besteigt den Wagen nicht im Glanz seiner zeiht. Die Darstellung schließt dadurch die Vor-
neuen Waffen, sondern widmet sich eigenhändig geschichte und die Folgen mit ein.
der Anschirrung seines Gespanns. Wenn der Bei- Ganz neu und wegweisend ist die Idee des
schriftenrest, der mit XO... beginnt, zum Namen Nearchos, daß er den Helden in voller Konzentra-
der Waffenträgerin gehört, werden die neuen tion eine Handlung ausführen läßt, die scheinbar
Waffen auch nicht von seiner Mutter Thetis ge- alltäglich und undramatisch ist, in Wirklichkeit
halten. Manche haben daran gezweifelt, daß sich aber eine Entscheidung von größter Bedeutung in
die Darstellung überhaupt auf den Aufbruch des die Tat umsetzt.52 Das eigenhändige Anschirren
Achill bezieht, der in der Ilias beschrieben ist.44 des Pferdes führt dem Betrachter die Entschlossen-
Andere haben gesehen, daß der verhaltene Ernst heit Achills vor Augen, seinen vorzeitigen Tod in
in diesem Bild zweifellos auf dessen entschei- Kauf zu nehmen um den Tod des Patroklos zu
dende Ausfahrt weist.45 rächen. Ein ähnliches Motiv finden wir später bei
Die Namen von Achills Pferden könnte der Exekias auf seiner Amphora in Boulogne53. Hier
Vasenmaler vergessen haben, und dasselbe kann ist es Aias, der seinen Selbstmord vorbereitet,
auch auf den Wagenlenker zutreffen.46 Wahrschein- indem er mit Ernst und Sorgfalt den Griff seines
licher ist es jedoch, daß Nearchos wie andere Schwertes eingräbt und den kleinen Erdhügel mit
Vasenmaler gar nicht die Absicht hatte, die Erzäh- der Hand festklopft. In beiden Bildern weckt die
lung des Epos zu illustrieren.47 Kein Vasenmaler Konzentration des Helden auf seine vorberei-
war so homertreu, daß er Zwei- oder Dreigespanne tende Tätigkeit die Anteilnahme und Reflexion
dargestellt hätte, wie sie im Epos beschrieben des Betrachters und bringt ihm die Bedeutung
werden, statt der zeitgenössischen Viergespanne.48 der Entscheidung zum Bewußtsein.
Daß Achills Mutter Thetis heißt, wußte Nearchos
zweifellos, aber vielleicht wollte er die Göttin ANMERKUNGEN
nicht als Nebenfigur darstellen, der Achill den
* Das Studium der originalen Fragmente haben mir Eos
Rücken zukehrt, und gab der Waffenträgerin Zervoudaki und Betty Stasinopoulou ermöglicht. Die
daher einen anderen Namen. Es könnte nach alter neuen farbigen Abbildungsvorlagen und die Publika-
Tradition eine Nereide sein oder eine der erbeute- tionserlaubnis verdanke ich Nikolaos Kaltsas, Rosa
ten Troerinnen.49 Die persönliche Fürsorge Achills Proskynitopoulou und Eleni Morati, das Foto des
für eines der Pferde erinnert an sein Zwiege- Fragments vom Nordabhang der Akropolis (Abb. 4) Jan
Jordan. Eleni Hatzivassiliou hat mir freundlicherweise
spräch mit Xanthos in der Ilias. Nearchos versucht den Kontakt zum Athener Nationalmuseum vermittelt.
jedoch nicht, sich an diese oder eine andere Szene Das Foto des Fragments Akr. 611c (Abb. 3), sowie die
aus dem Epos anzulehnen, sondern er bietet eine Zeichnungen stammen von der Autorin. Mein Dank
souveräne Neugestaltung der allgemein bekann- gilt auch Marianne Mommsen für die digitale Bearbei-
tung der Zeichnungen und nicht zu letzt Ursula Hosch
ten Erzählung von der Entscheidung Achills,50 für ihr freundschaftliches Engagement mit dem sie
indem er sie auf einer anderen Ebene, durch ein mein holpriges Englisch in einen flüssigen Text ver-
neues Bildmotiv dem Betrachter vermittelt. wandelt hat, sowohl für den mündlichen Vortrag wie
Anschirrungsszenen haben eine Tradition im für die Zusammenfassung.
Epos. Das berühmteste Beispiel ist die Anschirrung
1 Beazley 1946, 42: ‘Now that the painters of nearly all
important Attic vases, and most of the less important,
des Maultierwagens, mit dem Priamos ins Lager have been determined, the whole material must be re-
der Griechen fährt, um den Leichnam des Hektor

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Abb. 9. Rekonstruktion der Seite A des Kantharos Abb. 1.
studied from the point of view of the potters’; vgl. 110, 112, 113, 119) 265 (F. Vian, M.B. Moore); darunter
Vasenforschung nach Beazley 1979, 14a-17. befindet sich auch ein Kantharos von bemerkenswer-
2 Athen, NM 15155 (Akr. 611): ABV 82, 1; Para 30; ten Ausmaßen: ebenda Nr. 106; vgl. Williams 1995, 142
Addenda 23; seither: Malagardis 1988, 394-396 Abb. 4-5; (Klitias?); Moore 1979, 98-99.
Wegner 1991-1992, 51-54 Abb. 6; Spieß 1992, 31-2, 192 17 Zur Anschirrung siehe Moore 1986 mit früherer Lit.: 111
(A 24); Crouwel 1992, 45, 48-50, 109 Taf. 9, 2; Lowen- Anm. 26.
stam 1993, 206-207 Abb. 9; Sparkes 1996, 155-156 Abb. 18 Graef/Langlotz 1925-1933, I, 71-72.
VI: 13; Tiverios 1996, 31, 69 Abb. 25; Knittlmayer 1997, 19 Friis Johansen 1967, 119. Zu Pferdenamen siehe Moore
50, 124 ( Ca 1) Taf. 7, 1; Boardman 2001, 53-55 Abb. 65; 1972, 382-387.
Wagner 2003, 50 Abb. 1. 20 Das Π ließe sich zu Pedasos ergänzen, wie das Beipferd
3 Graef/Langlotz 1925-1933, I, 71 zu Nr. 611. im Gespann des Achill bei Homer Il. 16.152-154 heißt:
4 Brijder 1988 mit weiteren Hinweisen; eine Liste der atti- bei der Ausfahrt des Achill war Pedasos allerdings
schen Kantharoi aus der ersten Hälfte des 6. Jhs. bei nicht mehr am Leben, Hom. Il. 16.467-469.
Courbin 1952, 364-367; siehe außerdem Malagardis 21 Mertens 1977, 27-28 Taf. 1, 1.
1988, 390 Abb. 1; Kreuzer 1998b, 22-23, 165 (Nr. 184- 22 Ein rotes Pferd ist sonst nur vom Lydos-Dinos Akr. 607
185) Beil. 9 Taf. 35. bekannt: ABV 107, 1; Addenda 29; Graef/Langlotz 1925-
5 Siehe z.B. auf dem Sophilos-Dinos: Williams 1983, 23 1933, I, Taf. 34 (607 k); vgl. Moore 1979, 89 Anm. 86.
Abb. 25-26; - dem Klitias-Krater: Marzi 1981, Abb. 133; 23 Bei der Ergänzung der Signatur folge ich ABV 82, 1; vgl.
- dem Skyphos des KX-Malers, Simon 1981, Taf. 49 Immerwahr 1990, 26. Zu Doppelsignaturen siehe Moore
unten; - einer Schale des KX-Malers: Kreuzer 1998b, Nr. 1979, 99 Anm.166; Williams 1995 passim; Mommsen
200 Taf. 37 oben; - auf den tyrrhenischen Amphoren, 1998, 39-42 (meine Umzeichnungen sind hier leider
Kluiver 2003, Nr. 122; Pfuhl, MuZ Taf. 48 Abb. 205 und unvollständig und nicht maßstabgerecht abgedruckt).
Kluiver 2003, Nr. 201; CVA München 7 (1970) Taf. 316, 24 a.O. Anm. 2.
1. Siehe außerdem a.O. Anm. 10. 25 Graef/Langlotz 1925-1933, I, Taf. 36 (alle Frgte. 1:1);
6 Berlin F 1737: Para 72, 1; Addenda 49; Simon 1981, Taf. hier sind die Frgte. Abb. 3-8 in etwa 3⁄4 der natürlichen
65; dieser Kantharos ist 25,5 cm hoch und hat einen Größe abgebildet; von dem Fragment 611c ist bei Mala-
Durchmesser von 19 cm. gardis 1988, 396 Abb. 5 ein gutes Foto veröffentlicht;
7 Walters 1898, 289 Abb. 3. Lowenstam 1993, Abb. 9 bildet ein eigenes Vitrinenfoto
8 Von Bothmer 1962, 255-256 Taf. 65, 1-3; Jucker 1977, 191- mit allen Fragmenten ab, außer Akr. AP 67, a.O. Abb.
192. 5 Anm. 30.
9 Vgl. Carpenter 1986, 117-123. 26 Nassi Malagardis (1988, 395) hat die Zugehörigkeit die-
10 Gelegentlich hält Dionysos auch schon vor der Mitte ses Fragments wegen der unterschiedlichen Dicke in
des 6. Jhs. den Kantharos: z.B. Kantharosfragmente Zweifel gezogen. Wir haben daraufhin das Original
Athen Akr. 603 a: Graef/Langlotz 1925-1933, I, Taf. 29; gemeinsam untersucht und uns beide davon über-
- Amphora München 1447: CVA 7 (1970) Taf. 329,1; - zeugt, daß es sicher anpaßt. Inzwischen sind die bei-
Hydria Malibu 86.AE.113: CVA 1 (1988) Taf. 53; - Tyr- den Bruchstücke auch zusammengefügt worden, siehe
rhenische Amphora Berlin F 1704: Kluiver 2003, Nr. a.O. Abb. 1. Zu den Nieten am Schwertgriff vgl. Hom.
107; CVA 5 (1980) Taf. 16, 1; - Tyrrhenische Amphora Il. 19.372-373.
Paris E 860: Kluiver 2003, Nr. 48; CVA 1 (1933) III Hd 27 Zur Waffenübergabe zuletzt: Giuliani 2003, 133-138 mit
Taf. 8,5. weiteren Hinweisen.
11 Hom. Il. 19.341-354. 28 Friis Johansen 1967, 117-118.
12 Athen, NM 15156 (Akr. 612): ABV 83, 3; Addenda 23; 29 Amasisamphora Boston 01.8027: ABV 152, 27; Para 63;
Graef/Langlotz 1925-1933, I, 73 Taf. 36. Vgl. Wagner Addenda 44; CVA 1 (1973) Taf. 27 und 28, 3; vgl. Hom Il.
2003, 55. 19.310-312.
13 Athen, Akr. 614: ABV 83; Graef/Langlotz 1925-1933, I, 30 Athen, NM Akr. AP 67: ABV 82, 2; Pease 1935, 229 (Nr.
73 Taf. 41, dieser Kantharos war kleiner als die beiden 15), 227 Abb. 6.
anderen. 31 Graef/Langlotz 1925-1933, I, Taf. 36.
14 Mailand, H.A., C 278: ARV2 571, 73; 1659; Para 390; 32 ABV 82, 2.
Addenda 261; CVA H. A. 2 (1972) III, I Taf. 1; es ist um- 33 Deutlicher als hier (Abb. 1) z.B. bei Bianchi Bandinelli/
stritten, ob in dieser Werkstatt Metallgefäße oder Ton- Paribeni 1976, Abb. 280.
gefäße verziert werden, vgl. Green 1961. 34 Vgl. den Hermes mit Schnürstiefeln auf dem anderen
15 Auch die Fragmente aus Gravisca, Iacobazzi 2004, 52- Nearchos-Kantharos a.O. Anm. 12.
55 Nr. 57 stammen von einem auffallend großen Kan- 35 Wagner 2003, 54-55.
tharos (Dm 28 cm), der m.E. dem BMN-Maler zuge- 36 LIMC IV (1988) s.v. Hephaistos 631 Nr. 1 (A. Jacque-
wiesen werden kann; zu demselben Gefäß gehört auch min); Kreuzer 1998b, 57.
das Fragment ebenda Nr. 43 (anpassend). C.M. Stibbe 37 The Dictionary of Art 32 (1996) s.v. Vase painters, 58
danke ich für den Hinweis auf die Fragmente eines Nearchos (H. Mommsen) mit weiteren Hinweisen;
überdimensionalen lakonischen Kantharos in Sparta, Kreuzer 1998b, 137 Nr. 79 Taf. 20.
Museum Inv. 6133 und 6115 (Dm gesch. 40 cm): Stibbe 38 Vgl. zur Befestigung des Riemens an der Schwertscheide
1978, 31-32, 37 (Nr. 23) Abb. 12 Taf. 18, 2; 19, 1 (wahr- z.B. Simon 1981, Taf. XLII.
scheinlich Totenkult); - M. Iozzo machte mich freund- 39 Friis Johansen 1967, Abb. 25 und 28.
licherweise auf die Frgte. eines sehr großen frührotfi- 40 Vgl. Marzi 1981, Abb. 78 und 130. Zu den aufgebun-
gurigen Kantharos in Florenz aufmerksam Inv. 151360 denen Schweifenden siehe Moore 1972, 335 Anm. 8.
(Dm am unteren Rand des Kelches 23 cm): CVA Florenz 41 Vgl. Mommsen 1997a, 49; hier hätte auch der Pferde-
1 (1932) III, I Taf. 8 (210) und Taf. 11 (149); Beazley 1933, knecht des Nearchos als Vorläufer genannt werden
16 Taf. 8, 22. müssen.
16 Vasen mit Gigantomachiedarstellungen von der Akro- 42 Vgl. den Henkelansatz des zweiten kleineren Kantharos
polis: LIMC IV 1988 s.v. Gigantes 215-217 (Nr. 104-108, von der Akropolis (Akr. 612): a.O. Anm. 12 (gemessen

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an den 1:1 Zeichnungen bei Graef/Langlotz 1925-1933,
I, Taf. 36).
43 Der hochgeschobene Helm war in der Zeit des Nearchos
noch nicht üblich, dieses Motiv ist wohl zum ersten
Mal auf der Vatikan-Amphora des Exekias überliefert,
siehe Knauer 1986, 122.
44 Friis Johansen 1967, 115-122; LIMC I (1981) s.v. Achil-
leus 69 Nr. 186 (A. Kossatz-Deissmann); u.a.
45 z.B. Robertson 1959, 62: ‘For all the minute detail of the
engraving there is not only a monumental simplicity in
the forms but a gravity which convinces one that great
and tragic events are in hand; an anticipation of classi-
cal feeling rather rare in archaic art and expressed also
in the choice of moment: a quiet action between crises.’
Vgl. a.O. Anm. 52; Karusu 1976, 28; Schefold 1978, 197-
198; Malagardis 1988, 394-395; u.a.
46 Bei den Leichenspielen für Patroklos auf dem Klitias-
krater haben 4 von 5 Wagenlenkern andere Namen als
in der Ilias, Beazley 1986, 32.
47 Zu dem oft diskutierten Verhältnis von Epos und
Bildkunst vgl. z.B. Lowenstam 1993, 214-216; das hier
besprochene Verhältnis des Nearchosbildes zum Epos
ist für andere archaische Vasenbilder nicht maßgebend,
da diese der Bildtradition stärker verpflichtet sind.
48 Wiesner 1968, 20-23.
49 Mario Iozzo hat in der Diskussion vorgeschlagen, daß
es sich vielleicht um Chryseis handeln könnte.
50 Zur Entscheidung des Achilleus siehe Schadewaldt
1936; der Titel meines Beitrags nimmt Bezug auf diesen
Aufsatz.
51 Hom. Il. 24.263-282.
52 Vgl. Robertson 1975, 132: ‘In general archaic artists tend
to represent moments of action. Nearchos's choice of
the chariot-harnessing to look back to the death in
battle of Patroclus, forward to that of Hector, is rare, is
rather in the spirit of the early classical age. The only
archaic artist, whom we see constantly choosing such
moments is Exekias.’ Vgl. a.O. Anm. 45.
53 Simon 1981, Taf. 76. Vgl. a.O. Anm. 52.

DEYHLEWEG 11 A
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