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Messung von

Netzwerk-Bandbreite

Michael Geisinger • Seminar “Internet-Measurement” • Technische Universität München • SS 2005


Gliederung

1. Einführung
» Motivation
» Grundlagen

2. “Theorie”
» Messmethoden
» Einflüsse auf Übertragungszeit und Durchsatz
» Messen der Basisbandbreite
» Messen der verfügbaren Bandbreite

3. ”Praxis”
» Konkrete Messergebnisse
» Diskussion der Ergebnisse

4. Mögliche Anwendungen

5. Zusammenfassung

Michael Geisinger • Seminar “Internet-Measurement” • Technische Universität München • SS 2005


1. Einführung

Michael Geisinger • Seminar “Internet-Measurement” • Technische Universität München • SS 2005


Motivation

Warum Messung von Netzwerk-Bandbreite?

» Bandbreite beeinflusst Übertragungsgeschwindigkeit


der Pakete im Netzwerk

» Übertragungsgeschwindigkeit der Pakete beinflusst


Performanz von verteilten Anwendungen

» Kenntnis der Bandbreite ist daher nützlich für...


» Streaming-Server
» Dynamische Serverwahl
» Aktives Vermeiden überlasteter Verbindungen
» Netzwerkbetreiber

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Grundlagen

Pfad
Routeri

Linkij
Quelle Ziel

Routerj

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2. “Theorie”

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Messmethoden

Grundsätzlich zwei Methoden:

» Aktive Sondierung (out-of-band probing)


» Senden von ICMP ECHO-Paketen
» Rückschlüsse aus den ICMP REPLY-Paketen ziehen

Gute Unterstützung des Protokolls


Zusätzliche Belastung des Netzwerks

» Passive Sondierung (in-band probing)


» “Beobachten” von normalen Datenpaketen

Kaum Einfluss auf das Netzwerk


Modifikation der Protokolle nötig

» Hier: Aktive Sondierung

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Einflüsse auf Übertragungszeit und Durchsatz

» Basisbandbreite bbasis
» Bandbreite des langsamsten max. 10Mbps

Links auf dem Pfad max. 64kbps

» “Flaschenhals”
max. 1,54Mbps

» Verfügbare Bandbreite bverf


» Verfügbare Bandbreite am Flaschenhals
» Beschränkt durch Datenverkehr aus anderen Quellen
40kbps

24kbps
64kbps

24kbps

» Weitere Faktoren: 40kbps

» Latenzzeit, Queuing Times, Propagation Time, ...

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Messen der Basisbandbreite

» Senden von zwei ICMP ECHO-


Sondierungspaketen p1, p2

» Messung der Zwischenankunftszeit tdisp


der jeweiligen ICMP REPLY-Pakete (Dispersion):

tdisp = t2 - t1 ti Rückkehrzeitpunkt des i-ten Pakets

» Wodurch wird die Zwischenankunftszeit beeinflusst?


» vom Pfad, auf dem die Pakete laufen

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Messen der Basisbandbreite

» Was passiert am Flaschenhals?

Übertragungsrichtung
Flaschenhals

minimaler Paketabstand
im Flaschenhals
Warteschlange bestimmter Abstand
bleibt auch nach
Flaschenhals erhalten

Link
Router Router

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Verschiedene Szenarien

ΠSondierungspakete direkt
hintereinander am Flaschenhals

•Pakete kommen am Flaschenhals an ‚Pakete in der Warteschlange

p2 p1 p2 p1

ƒPakete auf dem Flaschenhals „Dispersion ~ Basisbandbreite

p2 p1 p2 p1

tdisp

bbasis = t l mit Sondierungspaketgröße l


disp

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Verschiedene Szenarien

• Pakete aus anderen Quellen


zwischen den Sondierungspaketen

•Pakete kommen am Flaschenhals an ‚Pakete in der Warteschlange

p2 ? p1 p2 ? p1

ƒPakete auf dem Flaschenhals „Zu große Dispersion (Dekompression)

p2 ? p1 p2 ? p1

tdisp

∆t
t’disp = tdisp + ∆t ⇒ b’basis = l < bbasis
t’disp

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Verschiedene Szenarien

Ž p1 muss in einer Warteschlange nach


dem Flaschenhals länger “warten” als p2
•p1 trifft auf nicht-leere Warteschlange ‚p2 trifft an der Warteschlange ein

p2 p1 ? p2 p1 ?

tdisp
ƒp1 und p2 hintereinander bearbeitet „Dispersion wird kleiner (Kompression)

p2 p1 ? p2 p1 ?

t’’disp

t’’disp < tdisp ⇒ b’’basis = l > bbasis


t’’disp

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Steigerung der Messgenauigkeit

» Mehrere Messungen hintereinander durchführen


(packet trains)

» Filterung der Messergebnisse


» Elimination von unrealistischen oder extremen Messwerten
» Gewicht von Paketen aus anderen Quellen “eliminieren”
(durch entsprechende Modellierung dieses Datenverkehrs)
» Suchen des Mittelwerts

» Konvergenz der Messwerte


» Variieren der Messparameter (Paketgröße)
» Terminieren, falls aufeinanderfolgende Messungen mit
unterschiedlicher Paketgröße ähnliche Ergebnisse liefern

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Modellierung des Datenverkehrs

» Mathematische Modellierung
des Datenverkehrs aus anderen Quellen

» Für korrektes Ergebnis benötigt man einen “guten” Messwert


» Messwert tdisp = t2 - t1, bei dem keines der Pakete p1, p2
aufgrund von Datenverkehr aus anderen Quellen in eine
Warteschlange eingereiht wurde

» Zwischen p1 und p2 dürfen keine Pakete p2 ? p1


aus anderen Quellen ankommen

» p1 muss auf eine leere Warteschlange treffen p1 ?

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Modellierung des Datenverkehrs

» Frage: Wie viele Messungen benötigt man im


Mittel, um einen “guten” Messwert zu erhalten?

» Wahrscheinlichkeitstheoretische Abschätzung:
» Ankunftsprozess der Sodierungspakete
am Flaschenhals sei ein Poisson-Prozess
» Anzahl der Ankünfte von Paketen aus anderen
Quellen sei ebenfalls Poisson-verteilt

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Modellierung des Datenverkehrs

» λ sei die Ankunftsrate der Pakete aus anderen


Quellen am Flaschenhals, µ sei die Verarbeitungs-
rate des Routers, tdisp die Dispersion der Sondierungspakete
» Wahrscheinlichkeit für “guten” Messwert:
λ ) ⋅ e−λ⋅tdisp
pgut = pleer ⋅ palleine = (1 - µ

» Mittlere Anzahl nötiger Messungen,


um “guten” Messwert zu erhalten:
∞ ∞
ngut = Σ (k1) ⋅ pgut ⋅ (1 - pgut)
k=1
k-1
= Σ
k=1
k ⋅ pgut ⋅ (1 - pgut) k-1 = p1
gut

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Messen der verfügbaren Bandbreite

» Senden eines packet train p1, ..., pn


an den zu sondierenden Rechner

» Gesamtdifferenz der Rückkunftszeiten messen:

ttotal = tn - t1

» Abschätzung der verfügbaren Bandbreite


am Flaschenhals durch den Durchsatz:

bverf ~ l · n mit Sondierungspaketgröße l


ttotal

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3. “Praxis”

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Konkrete Messergebnisse

» Verwenden von 3 Tools zur Messung der


Netzwerk-Bandbreite: CapProbe, bprobe und cprobe

Messung der Messung der


Basisbandbreite verfügbaren Bandbreite
» Messung der Basisbandbreite (CapProbe, bprobe):
» Validierung in 3 Stufen: Lokales Netzwerk,
regionales Netzwerk und überregionales Netzwerk (WAN)
» “Echte” Basisbandbreite ist bei den Messungen jeweils bekannt:
56kbps, 1,54Mbps (T1) oder 10Mbps (Ethernet)
» Ergebnisse:
» Lokales Netzwerk: maximal 10% Abweichung
» Regionales Netzwerk: Mehrere Häufungspunkte bei T1
» WAN: Mehrere Häufungspunkte bei T1

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Mehrere Häufungspunkte bei T1

Regionales
Netzwerk

0 0,5 1 1,5 2 2,5

Basisbandbreite (Mbps)

Überregionales
Netzwerk
(WAN)
0,5 1 1,5 2

Basisbandbreite (Mbps)

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Konkrete Messergebnisse

» Messung der verfügbaren Bandbreite (cprobe):


» Validierung außerhalb des lokalen Netzwerks schwierig
» Ungenaue Messwerte, Ursachen:
» Verzögerungen beim Senden
» Blockweise Verarbeitung von Datenpaketen
» Abhängig vom Betriebssystem
» Lösungsansätze:
» Minimale und maximale Zwischenankunftszeit verwerfen
» Mehrere Messungen hintereinander durchführen

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Diskussion der Ergebnisse

» Insgesamt bei bprobe leichte


Unterschätzung der Basisbandbreite
(wegen Overhead durch Kapselung der Pakete)

» Vergleich zu anderen Tools (pathrate, pathchar) bestätigt,


dass CapProbe schneller gute Ergebnisse liefert

» Basisbandbreite kann bei konstantem UDP-Datenverkehr


oder sehr hoher Auslastung nicht korrekt ermittelt werden

» Validierung von cprobe im Internet problematisch

» Qualitativ gute Messergebnisse, schnell und zeitnah zu erhalten

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4. Mögliche Anwendungen

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Mögliche Anwendungen

» Dynamische Webserverauswahl
» Höchste verfügbare Bandbreite → Geringste Last
» Höchste Basisbandbreite
<a mode=”dynamic”
» Browsererweiterungen href=”http://server1/doc.html|
http://server2/doc.html”>Doc</a>
» Mehrere URLs pro Link
» Linkfarbe gibt Bandbreite zum Ziel an

» Netzwerkbetreiber
» Bestimmung des aktuellen Netzwerkstatus
» Aufdeckung von Schwachstellen in der Infrastruktur

» Streaming-Server
» Automatische Detektion der verfügbaren Bandbreite

» ...

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5. Zusammenfassung

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Zusammenfassung

» Unterscheidung zwischen Messung der


» Basisbandbreite und der
» verfügbaren Bandbreite

» Messmethode:
» ICMP ECHO/REPLY
» Messung der Dispersion bzw. des Durchsatzes

» 3 Tools zur Durchführung der Messungen:


» CapProbe und bprobe für die Basisbandbreite
» cprobe für die verfügbare Bandbreite

» Gute Messergebnisse
» Annähernd korrekte Werte
» Kurze Messzeit

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Vielen Dank für die
Aufmerksamkeit!

» Literatur:
» Robert L. Carter, Mark E. Crovella:
Measuring Bottleneck Link Speed in Packet-Switched Networks;
Performance Evaluation, 27(8): 297-318, Oktober 1996
» Rohit Kapoor, Ling-Jyh Chen, Li Lao, Mario Gerla, M. Y. Sanadidi:
CapProbe: A Simple and Accurate Capacity Estimation Technique;
Proceedings of SIGCOMM 2004 Conference on Computer Communications

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