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Einführung / 3

Katja Wolff

BRIEF
an einen

MAGIER
4 / Ich habe dich berufen

Copyright © 2005 by
Asaph Verlag, D-Lüdenscheid

1. Auflage 2005

Umschlaggestaltung: JOUSSENKARLICZEK, D-Uhingen


Satz/DTP: dms, D-Leverkusen
Druck: Breklumer Druckerei M. Siegel, D-Breklum

Printed in the EU

ISBN 3-935703-54-6
Bestellnummer 147354

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ASAPH
D-58478 Lüdenscheid

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www.asaph.net
Einführung / 5
Vorwort

Wer sich unter einem Magier einen Finstermann


vorstellt, der bei Vollmond schwarze Katzen schlach-
tet, um ihr Blut zu trinken, damit er noch mächtiger
wird, der irrt gewaltig. Jedenfalls in den allermei-
sten Fällen.
Auch ist ein Magier nicht notwendigerweise ein
Mensch, der ein bewusstes Bündnis mit Satan ge-
schlossen hat, damit die Mächte der Finsternis ihm
zu Diensten sind bei allerlei bösartigen Machen-
schaften.
Gemessen an „weltlichen“ Maßstäben, kann ein
Magier durchaus „edel, hilfreich und gut“ sein. Er
hält sich dann für einen Weißmagier, der im Gegen-
satz zu einem Schwarzmagier nur solche Dinge tut,
die anderen Menschen nützen. Seine Absichten kön-
nen tatsächlich die besten sein.
An einen solchen Magier richten sich die fiktiven
Briefe dieses Buches – und damit gleichzeitig an je-
den, der sich auf den Weg der Magie begeben hat
oder mit dem Gedanken spielt, es zu versuchen.
Oft ist es die Neugier, die einen treibt. Oder die
Faszination, die sich aus den verschiedensten Buch-
veröffentlichungen, angefangen bei Harry Potter,
speist. Man hört und liest immer mehr über Magie.
Prominente äußern sich zu verschiedenen Aspekten
der Esoterik. Die Sängerin Madonna beispielsweise
setzt sich für die Verbreitung der Kabbala ein. Die
6 / Brief an einen Magier

Liste der Beispiele würde viele Seiten füllen. Schen-


ken wir uns das.
Ein Blick auf das, womit sich unsere Kinder be-
schäftigen, was sie lesen, womit sie spielen und was
sie sich im Fernsehen anschauen, sollte uns nach-
denklich machen. Ohne Hexen, Zauberer oder ir-
gendwie magisch-dämonische Dinge läuft offenbar
gar nichts mehr im Kinderzimmer.
Vielleicht war Magie immer ein Teil der kindli-
chen Vorstellungswelt. Aber früher wurden die He-
xen im Märchen noch bestraft. Heute sind sie die
Heldinnen. Zauberei als Problemlösungsstrategie
wird schon kleinen Kindern als sinnvoll dargestellt.
Wer das für harmlos hält, der hat einfach keine Ah-
nung und weiß nicht, wohin das alles führen kann.
Eine Lawine okkultismusgeschädigter Menschen
wird in den kommenden Jahrzehnten auf uns zurol-
len.
Magie funktioniert tatsächlich. Die geistige Welt
ist real existent. Man kann zu ihr Kontakt aufneh-
men. Und das kann sogar eine gewisse Zeit gutge-
hen und handfeste Vorteile bringen. Aber irgend-
wann wird die Rechnung präsentiert. Und dann
gnade uns Gott!
Ich weiß, wovon ich rede. In Theorie und Praxis.
Ich habe sogar das fragwürdige „Kunststück“ zu-
wege gebracht, an Gott zu glauben und mich trotz-
dem mit Magie zu beschäftigen. Und da die The-
matik durchaus spannend und die Aufklärung über
Vorwort / 7

Risiken und Nebenwirkungen eher mangelhaft ist,


fühlt man sich durch schnelle Anfangserfolge natür-
lich ermuntert, den Weg weiter zu gehen. Bis man,
wie es bei Goethe heißt, die Geister, die man rief,
nicht mehr los wird.
Der Einstieg ist zumeist ganz „harmlos“ und un-
spektakulär. Vielleicht hat man ein Zeitungshoro-
skop gelesen. Oder ein Buch über die eine oder an-
dere Wahrsagemethode geschenkt bekommen. Oder
einen Film gesehen. Oder man kennt jemanden, der
sich die Karten hat legen lassen und begeistert war.
Man wird neugierig. Man will mehr wissen. Und
wenn man dann mehr weiß, wird man es natürlich
auch konkret in der Praxis ausprobieren. Und wenn
sich dann Erfolge einstellen, was eher wahrschein-
lich als unwahrscheinlich ist, dann folgt eben ein
Schritt dem nächsten. Wenn man Glück hat, zieht
Gott irgendwann die Notbremse. Wenn nicht, dann
geht es mit der Zauberei jahrzehntelang „gut“, so
wie in den Fall des Magiers, an den sich die fiktiven
Briefe dieses Buches richten.
Die Briefe sind fiktiv. Der Magier nicht. Den gibt
es tatsächlich. Er ist jetzt ein alter Mann mit wür-
devollen grauen Haaren. Fast wie aus dem Bilder-
buch. Wer ihn kennt, ist von ihm begeistert. Prak-
tisch niemand weiß, dass er ein Magier ist. Und
wenn, würde man ihn wohl auch dafür noch be-
wundern. Was ich mit ihm erlebt habe, ist „echt ham-
merhart“, und ich würde diese Geschichte wohl
8 / Brief an einen Magier

kaum geglaubt haben, wenn ich sie nur gehört und


nicht selbst erlebt hätte. Dabei wusste ich auch vor-
her schon einiges über Astralreisen und Magie. Ich
wusste so viel, dass ich, bevor Gott die Notbremse
bei mir gezogen hat, sogar Bücher darüber ge-
schrieben habe. Heute würde ich sagen: Ein Fall für
den Kamin. Aber immerhin legitimieren sie mich als
jemanden, der ansatzweise weiß, wovon die Rede
ist, wenn es um Magie geht.
Magie ist der direkte Weg in die Hölle. Man kann
Gott nur danken, wenn man diese Tatsache schon zu
Lebzeiten begreift.
Dieses Buch richtet sich an alle, die es noch nicht
begriffen haben, und an solche, die es denen be-
greiflich machen wollen, die es noch nicht wissen
(wollen).
Eins

Was ich Ihnen sagen möchte, lässt sich mit einem


einzigen Satz auf den Punkt bringen. Dann wäre die
Sache für mich erledigt. Für Sie aber auch. Denn
diesen einen Satz könnten Sie, wie ich Sie kenne,
niemals akzeptieren. Damit wäre das Thema dann
für Sie vom Tisch. Aber so leicht möchte ich es Ih-
nen nicht machen.
Ungefähr zu der Zeit, als ich geboren wurde, ha-
ben Sie sich für die Magie entschieden. Knapp
dreißig Jahre später traf ich dieselbe Entscheidung.
Sie haben mir niemals die nötige Sachkenntnis ab-
gesprochen, insofern existiert zumindest eine mini-
male Gesprächsgrundlage.
Wäre ich den langen Umweg nicht gegangen, dann
könnten Sie mir unterstellen, ich wüsste nicht, wo-
von ich rede. Vielleicht bin ich die abwärts gerich-
tete Sackgasse nicht so weit gegangen wie Sie. Aber
weit genug, um zu wissen, was alles möglich ist.
Und das ist viel mehr, als die meisten Menschen sich
vorstellen können.
Es war (und ist zum Teil noch heute) eine weit
verbreitete Vorstellung, Hexen und Magier hätten
ihre magische Macht durch ein bewusstes Bündnis
mit den Mächten der Finsternis erhalten. Das mag
in manchen Fällen vielleicht zutreffen. Doch die
weitaus meisten Menschen, die sich mit Magie be-
schäftigen, sind überzeugt davon, sie täten nichts an-
10 / Brief an einen Magier

deres als brachliegende, in kollektive Vergessenheit


geratene Kräfte der Seele zu aktivieren, die in jedem
Menschen schlummern.
Das ist auch Ihre Sicht der Dinge.
Die Magier der heidnischen Naturvölker wissen
noch ganz genau, was sie tun: nämlich die Dienst-
leistungen von Dämonen in Anspruch nehmen. In
unserer westlichen Zivilisation muss alles einen
pseudowissenschaftlichen Anstrich haben, um ak-
zeptiert zu werden. Aktivierung brachliegender
Kräfte der Seele – das ist ein Terminus, mit dem man
sich bei uns notfalls anfreunden kann. Ich konnte es
auch. Und Sie können es bis heute. Schlechte Er-
fahrungen haben Sie in Ihrem langen Leben bisher
eigentlich nur mit habgierigen, verlogenen oder fei-
gen Menschen gemacht. Mit Leuten, die Ihr Ver-
trauen missbrauchten oder Ihre Gutmütigkeit aus-
nutzten. Deshalb lieben Sie Tiere. Von Tieren kann
man nicht enttäuscht werden. – Jedenfalls ist Ihnen
noch nie mitten im Schlaf ein glutäugiger Dämon
auf die Brust gesprungen, um Sie zu erwürgen. Mir
übrigens auch nicht. Und glaubwürdige Zeugnisse
ehemaliger Magier würden Sie wohl als christliche
Horrormärchen von sich weisen. Vielleicht deshalb,
weil Ihnen bislang noch nicht die Rechnung prä-
sentiert worden ist.
Vorwort / 11
Zwei

Einer wie Sie hat vor dem Tod keine Angst. Seit
etwa vierzig Jahren machen Sie Astralreisen. Sie
wissen, dass das eigentliche Ich des Menschen auch
außerhalb des physischen Körpers existieren kann.
Außerhalb des Körpers und daher wahrscheinlich
auch unabhängig davon.
Dass es so ist, glauben viele. Aber nur wenige wis-
sen es aus konkreter praktischer Erfahrung. Sie ha-
ben es auf diesem Gebiet zu einer gewissen Mei-
sterschaft gebracht, wovon ich mich zu meinem
großen Entsetzen selbst überzeugen konnte. Ich
denke, diese Geschichte war der Grund dafür, dass
Sie den Kontakt zu mir abgebrochen haben. Dass je-
mand, den Sie von ganzem Herzen verachten, näm-
lich Jesus Christus, eine solche Macht hat und diese
Macht auch konkret unter Beweis stellt, dürfte nicht
in Ihr Weltbild gepasst haben. Vielleicht besteht über
dieses Thema noch ein gewisser Gesprächsbedarf.
Ich hatte mal Kontakt zu einem sehr intelligenten
jungen Christen, der die These vertrat (und mit bril-
lanten Argumenten untermauern konnte), es gäbe
gar keine außerkörperlichen Erfahrungen. Keine
Astralreisen. Der Mensch sei eine Einheit aus Geist,
Seele und Körper, und sein Ich könne sich nicht vom
Körper loslösen, um, frei von physischen Ein-
schränkungen, andere Orte oder sogar „höhere Wel-
ten“ zu besuchen.
12 / Brief an einen Magier

Seiner Meinung nach handelt es sich bei dem Phä-


nomen der Astralreisen lediglich um lebhafte Visio-
nen, die den Menschen von Dämonen vorgegaukelt
werden. (Was sich aber anhand der Bibel, wie ich
mittlerweile weiß, widerlegen lässt. Der Prophet
Elisa zum Beispiel unternahm auch Astralwande-
rungen (###), nachzulesen in 2. Könige 5,26. Und
Paulus sagt in Kolosser 2,5, er sei oft im Geiste bei
den Gemeinden anwesend. Auch 2. Korinther 12,2
gibt in dieser Hinsicht viel her.)
Tja. Hohe Intelligenz in Kombination mit man-
gelnder eigener Erfahrung produziert oft Thesen, die
haarscharf an der Wahrheit vorbei gehen. Dass je-
mand wie Sie nur müde lächelnd abwinkt, wenn
schlichte Unkenntnis unter dem Deckmäntelchen des
Christentums daherkommt, ist kein Wunder.
Aber daraus ableiten zu wollen, Christen hätten
keine Ahnung von gar nichts und wären bemitlei-
denswerte Dummköpfe, wie Sie es indirekt immer
wieder getan haben, ist ebenso wenig legitim. Men-
schen, die von Kindesbeinen an Christen gewesen
sind, können manche Dinge nicht aus eigener Er-
fahrung kennen. Vielleicht ist das sogar besser so.
Denn viele Erfahrungen müssen teuer bezahlt wer-
den.
Wie auch immer – aufgrund Ihrer zahlreichen
außerkörperlichen Erfahrungen haben Sie weder
Angst vor dem Tod noch vor dem, was nach dem
Sterben auf Sie zukommen könnte. Dass man vor
Brief an einen Magier / 13

den Richterstuhl Gottes treten muss, um ein ewig-


keitsrelevantes Urteil zu empfangen, halten Sie für
ein frommes Ammenmärchen. Es steht zwar so in
der Bibel. Aber die Bibel hat für Sie keine Bedeu-
tung. Jedenfalls keine große. In gewisser Weise sind
Sie Ihr eigener Gott, und Vokabeln wie Sünde, Er-
lösung oder Gnade Gottes kommen in Ihrem akti-
ven Wortschatz nicht vor – es sei denn, Sie haben
ein wenig getrunken und sind zum Spotten aufge-
legt.
In manchen Punkten gestehen Sie mir zu, dass ich
weiß, wovon ich rede.
Einer von uns beiden muss total auf dem falschen
Dampfer sein. Und Sie glauben wenig Anlass zu der
Vermutung zu haben, Sie wären es. Sie sind unge-
fähr doppelt so alt wie ich und stolz auf Ihre Le-
benserfahrung. Sie haben Dinge erlebt, von denen
andere nicht zu träumen wagen. Kaum jemand würde
Ihnen glauben, wenn Sie das alles erzählen würden.
Und was Sie im Leben erreicht und an Erfolgen vor-
zuweisen haben, scheint Ihre Überzeugungen nur zu
bestätigen. Sie haben alle Dinge, die Sie wollten,
auch tatsächlich bekommen. Und Ihre Wünsche wa-
ren durchaus nicht bescheiden. Aber sie haben sich
erfüllt.
Größtenteils durch Magie. Das haben Sie zuge-
geben. Und auch darauf sind Sie stolz. Denn Sie mei-
nen, es sei eine bewundernswerte Leistung, brach-
liegende Fähigkeiten der Seele entdeckt und aktiviert
14 / Brief an einen Magier

zu haben. Und es sei völlig in Ordnung, seinen Nut-


zen daraus zu ziehen.
Genau das haben Sie getan. Wenn es der Erfolg
ist, der darüber entscheidet, ob eine Sache gut und
richtig ist oder nicht, dann gibt der Erfolg Ihnen
Recht. Falls aber andere Kriterien als der Erfolg ent-
scheidend sind, könnten Sie irgendwann all das be-
reuen, worauf Sie heute so stolz sind. Hoffentlich
ist es dann nicht zu spät.

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