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Freitag, 22. August 2008


"Heißer Herbst" in Bulgarien
Nationalisten machen mobil

Mitten im Ferienmonat August, in dem sich die meisten Politiker


Bulgariens am Schwarzen Meer erholen, machen Nationalisten, Rentner
und Milchbauern mobil. Unzufriedene Rentner sammeln im Zentrum der
Hauptstadt Sofia Unterschriften für Neuwahlen. Milcherzeuger und
Viehzüchter blockieren Straßen, um höhere Subventionen zu erzwingen.
Die Oppositionspartei Ataka (Angriff) macht mit einem "Volksparlament"
in Sofias Stadtmitte täglich Front gegen die Regierung. Sie alle
versprechen dem sozialistischen Ministerpräsidenten Sergej Stanischew
eines - einen "heißen Herbst".

"Wir haben bereits mehr als 40.000 Unterschriften für den Rücktritt der
Regierung und Neuwahlen gesammelt", sagt eine Ataka-Aktivistin aus
Nowa Sagora. "Die Mafia regiert das Land", wiederholt sie das beliebte
Hauptargument von Ataka-Chef Wolen Siderow, der auch Abgeordneter
im "richtigen" Parlament ist. Siderow kommt jeden Nachmittag zu den
Sitzungen des "Volksparlaments", dessen Mobiliar aus zehn weißen
Tischen und zwei Dutzend Stühlen sowie einem überdimensionierten
Fernsehgerät besteht.

Neuer Tiefstand für die Regierung

In unmittelbarer Nähe des Präsidialamtes und des Regierungssitzes


diskutieren Anhänger und Passanten - manchmal auch Touristen - über die
Probleme des Landes und der Menschen. "Allgegenwärtige Korruption",
"unverschämt reiche Politiker", "kriminelle Privatisierung" "niedrige
Renten", "steigende Preise", lauten die Schlagworte. "Wir hoffen, dass das
Volk erwacht", sagt ein junger Mann in einem schwarzen Uniform-T-Shirt
mit der Aufschrift "Ataka".

Der Unmut gegen die Regierung erreicht drei Jahre nach ihrem
Amtsantritt einen neuen Höhepunkt. Angesichts der ungebremsten
Korruption in dem Balkanland hatte die Europäische Union erst Ende Juli
Finanzhilfen von rund einer halben Milliarde Euro gestoppt. Doch die
Regierung konnte im Parlament auch das sechste Misstrauensvotum
überstehen. Inzwischen vertrauen nur noch 13 Prozent der Bevölkerung
der Regierung, hat das Institut MBMD ermittelt. Den neuen Tiefstand hat
nicht zuletzt die Inflation von über 14 Prozent verursacht.

Stanischew bleibt gelassen

Die Mehrheit der Bevölkerung interessiere sich nur noch dafür, wann die
Regierung ihren Hut nimmt, interpretiert der renommierte Politologe
Iwan Krastew die Umfragewerte. Krastew leitet das Zentrum für liberale
Strategien in Sofia. Deshalb werde sich die Regierung in ihrem letzten
Amtsjahr "in einer permanenten Krise" befinden. Der bekannte Politologe
Ewgenij Dajnow prophezeit einen "heißen politischen Herbst", nachdem
die rechte Opposition einen "Boykott der Regierung" angekündigt hatte.

1 von 2 22.08.2008 09:41


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Doch Ministerpräsident Stanischew bleibt gelassen. Auf einem Fest im


Balkangebirge zum 117. Jubiläum seiner Sozialistischen Partei schwärmte
er von einem "neuen Regierungsmandat" nach den regulären
Parlamentswahlen 2009. Seine von den Sozialisten dominierte Regierung
habe bereits ein "günstiges Wirtschaftsklima" geschaffen und wolle sich
nun "sozialen Aufgaben" widmen. Die Sozialisten dächten nicht an
Aufgabe, versicherte der 42-jährige Sozialistenchef, nicht wegen
"Populisten und Ataka-Neofaschisten".
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