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Geschäftsmodell eines Architekturbüros

Teil 1

UNIVERSITÄT LIECHTENSTEIN Geschäftsmodell eines Architekturbüros 1


Vorstellung
Barbara Dillenkofer-Keppler
Dipl.- Ing. Architektur / Dipl. Baumanagement

Studium der Architektur in Stuttgart


Nachdiplomstudium Baumanagement in Vaduz

Tätigkeiten:
• Architektur
• Projektsteuerung und Kostenplanung
• Gutachten
• Geschäftsleitung der Liechtensteinischen Ingenieur- und
Architektenvereinigung LIA

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Geschäftsmodell eines Architekturbüros
Inhalt
• Grundlagen
• Dienstleistungen
• Projektablauf und Leistungsphasen
• Planung
• Gestaltung, Termine, Kosten
• Wettbewerbe

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Ein gutes Bauwerk ist immer das Resultat
der Teamarbeit aller Beteiligten

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Der Beruf des Architekten und sein Umfeld

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Die Architektenrolle im Wandel der Zeit
Entwicklung in Technik, Anforderung, Organisation

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Die Architektenrolle im Wandel der Zeit
Entwicklung in Technik, Anforderung, Organisation

Bildquellen Wikipedia
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Die Architektenrolle im Wandel der Zeit
Entwicklung in Technik, Anforderung, Organisation

Griechischer Tempel – Quelle Wikipedia Frank Gehry – Novartis Campus Basel

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Die Architektenrolle im Wandel der Zeit

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Der Beruf des Architekten

Altertum:

«Architékton»

leitender Zimmermann
Handwerker / Unternehmer

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Der Beruf des Architekten

Mittelalter

«magister operis»

Grundriss und Abstecken der Gebäudemauern vor Ort –


Durchführung des Baus durch Handwerker

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Der Beruf des Architekten

18. Jahrhundert 19. Jahrhundert

«Baubeamte» der Hofbauämter Architekt - Ingenieur


• Bauleitung und alle
administrativen Arbeiten • Industrialisierung
• Trennung in zwei am Bau
«Architekten der école des beteiligte Berufe
beaux arts»
• Entwurf
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Der Beruf des Architekten

Heute

? UND ?
? ODER ?

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Der Beruf des Architekten

Heute

«Stararchitekt» «Alle Anderen»


? ?

Spektakuläre Problemlösung Aufgabenerfüllung


Medien- und imagewirksam Korsett aus Kosten und Terminen
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Der Beruf des Architekten

Heute

«Gesamtleitende Architekten»

Verantwortung für Entwurf + Technik


Führungskompetenz in Theorie und Praxis

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Der Beruf des Architekten

In Zukunft?

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Architekten und ihr Umfeld

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Dienstleistung

«Treuhänder des Bauherrn»

• Vielfältige Geschäftsmodelle
und Tätigkeitsfelder
• Orientierung an neuen
Anforderungen und neuer
Technik
• Für jeden Architekten das
richtige Modell – und der
richtige Bauherr

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Geschäftsmodelle in der Architektur
Klassisches Architekturbüro

Aufgaben:
• Planung
• Steuerung
• Ausführung
• Projektleitung
• Gesamtleitung

→ gestalterische, funktionale und konstruktive Planung


→ Abgrenzung von anderen Planern

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Geschäftsmodelle in der Architektur

Internationaler Wirkungskreis

Internationale Aufträge
• Partner im Ausland - Architekten und Fachplaner
• Kunden
• Internationale Unternehmen
• Privatkunden mit Bezug zum Land des Bürostandorts
→ Beziehungen, Kontakte

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Geschäftsmodelle in der Architektur

Wettbewerb

Aufträge aus
• Studienaufträgen
• Wettbewerben

→ Ungewissheit des Erfolgs


→ Zusätzlich Aufträge auf anderen Wegen

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Geschäftsmodelle in der Architektur

Ökonomie / Immobilien

• Projektentwicklung
• Immobilienentwicklung
• Renditeobjekte

→ Entwicklung, Planung, Wirtschaftlichkeit aus einer Hand


→ Renditeobjekte

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Geschäftsmodelle in der Architektur

Baumanagement

• Projektsteuerung
• Kostenplanung
• Bauleitung
• Beratung, Bauablauf

→ Unterstützung der Architekten


→ Vertretung der Bauherrschaft

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Geschäftsmodelle in der Architektur

Totalunternehmer

• Auftragsfeld Planung und Ausführung als Komplettlösung

→ Private Bauherren
→ Individuelle Planung
→ Bindung an die Produktion / Ausführung

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Geschäftsmodelle in der Architektur

Digitalisierung

• Verknüpfung von Planung und Darstellungsmedien


• Verknüpfung von Architekten und IT-Spezialisten

→ Produkte für 3D-Darstellung


→ Brücke zwischen Planer und Bauherr in Bezug auf Darstellung
→ Building Information Management BIM

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Vielfalt der Bauherrschaft

Private Öffentliche und Investoren


Bauherrschaft halböffentliche
Bauherrschaft

Institutionelle
Bauherrschaft

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Bauherrschaft
Private Bauherrschaft
• Eigenbedarf
• Laien
• Klare Vorstellung vom Raumprogramm
• Wenig Vorstellung vom Investitions- und Betriebskostenbedarf

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Bauherrschaft
Öffentliche und halböffentliche Bauherrschaft
• Bund, Kantone, Gemeinden
• Öffentliche Stiftungen
• Andere Institutionen

Bestellung von Fachpersonen für die Bauherrenvertretung

Fokus auf langfristige Nutzbarkeit und Anpassung an sich


ändernde Verhältnisse

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Bauherrschaft
Investoren

• Kein Eigenbedarf
• Verkauf nach Baugenehmigung, Rohbauphase oder nach
Fertigstellung

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Einfluss Wirtschaft
• Bodenpolitik
• Bauwirtschaft
• Gesellschaftliche Rahmenbedingungen
• Ökologische Anforderungen
• Berufliche Anforderungen

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Einfluss Wirtschaft
Bodenpolitik

• Politisch
• Wirtschaftlich
• Steuerlich

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Einfluss Wirtschaft
Bauwirtschaft

• Schwankungen in der Baukonjunktur


• Abhängigkeit von Konjunktur
• Rohstoffverfügbarkeit
• Bedarf und Investition
• Stadt - Land

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Einfluss Wirtschaft
Gesellschaftliche Rahmenbedingungen

• Altersstruktur der Bevölkerung


• Verlagerung Land – Stadt
• Zuwanderung

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Einfluss Wirtschaft
Ökologische Anforderungen

• Umweltverträglichkeit
• Energieverbrauch / Graue Energie
• Entsorgung und Recycling

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Quelle Rüdiger
Lutz: "Die Sanfte
Wende, Aufbruch
ins ökologische
Zeitalter», Kösel-
Verlag, München
1984

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Einfluss Wirtschaft
Berufliche Anforderungen

• Beratung bereits in früher Phase


• Bedürfnisermittlung
• Landerwerb
• Raumprogramm
► Bisher keine Grundleistung der Architekten (gem. SIA)

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Einfluss Wirtschaft
Berufliche Anforderungen

• Beratung bereits in früher Phase über


• Organisatorische Aspekte
• Rechtliche Aspekte
• Wirtschaftliche Aspekte
• Planung

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Beratungsleistung von Architekten
Organisation

• Information der Bauherrschaft über Rechte und Pflichten


• Zusammenstellung Projektierungsteam
• Zeitlicher Ablauf

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Beratungsleistung von Architekten
Rechtliche Aspekte

• Analyse der rechtlichen Randbedingungen


• Überbauungsdichte
• Abstandsregelungen
• Ausnützung – erlaubte Nutzfläche und Gebäudehöhe

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Beratungsleistung von Architekten

Aufklärung der Bauherrschaft über deren Rolle im Bauprozess


→Mehrwert von Lösungen, die städtebauliche und
architektonische Aspekte berücksichtigen

Wird erreicht durch Auseinandersetzung mit


• Zielen der Bauherrschaft
• Organisationsstrukturen
• Entscheidungsbefugnissen
• Schaffen einer Vertrauensbasis

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Beratungsleistung von Architekten
Planung

• Klärung der Ziele der Bauherrschaft


• Analyse des Grundstücks und des Terrains
• Auseinandersetzung mit Nachbarschaft und Umgebung
• Lösungsstrategien

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Beratungsleistung von Architekten

Wirtschaftliche Aspekte

• Termine und ihr Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit


• Kosten im Bauwesen
• Möglichkeiten von Subventionen

→Beratung über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes


• Investitionskosten
• Betriebskosten
• Unterhaltskosten
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Lebenszyklus

Das Projekt beginnt mit der ersten Idee.


Der Höhepunkt ist die Inbetriebnahme des
Gebäudes. Der Rückbau stellt das Ende
dar. Rückbau Erste Idee

Die Betrachtungsweise des gesamten


Lebenszyklus hat sich heute durchgesetzt.
Inbetriebnahme

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Lebenszyklus

Gesamtleiter

Mit der Betrachtung des Lebenszyklus rücken


Gesamtleiter in den Mittelpunkt des Daten- Rückbau Erste Idee
und Informationsmanagements des
Bauprozesses.
Inbetriebnahme

Neue Techniken, Organisationsformen und


Prozesse führen zu neuen Aufgaben und
Berufsbildern.

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Lebenszyklus Rückbau Erste Idee

Inbetriebnahme

Erstellung eines Gebäudes

• Eigentümer
• Planer
• Ausführende Unternehmer

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Lebenszyklus Rückbau Erste Idee

Inbetriebnahme

Inbetriebnahme
Bewirtschaftung eines Gebäudes

• Eigentümer
• Verwalter
• Nutzer

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Lebenszyklus – Beispiel Wohnbau Rückbau Erste Idee

Inbetriebnahme Inbetriebnahme

Änderung durch Nutzung

• Bevölkerungsentwicklung

→ Zunahme der Haushalte


→ Kleinere Haushaltsgrössen

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Lebenszyklus – Beispiel Wohnbau Rückbau Erste Idee

Inbetriebnahme

Inbetriebnahme
Änderung durch Verhalten

• Anspruch an Wohnraum
• Mehr Platz und Komfort
• Geänderte Familienstrukturen
• Arbeiten zu Hause
• Geändertes Freizeitverhalten
• Altersstruktur
• Soziale Struktur

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Lebenszyklus – Beispiel Wohnbau Rückbau Erste Idee

Inbetriebnahme

Inbetriebnahme
Änderung durch Verhalten

• Reaktion auf Nachfrage


• Mehr Differenzierung von Wohnungsangebot
• Städtebauliche und architektonische Qualität

→ Zu beachten: sich ändernde Lebensgewohnheiten


und ökonomische Randbedingungen

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Lebenszyklus – Beispiel Wohnbau Rückbau Erste Idee

Inbetriebnahme

Bewertungssystem für Wohnungen (www.admin.ch)


Untersuchung von Wohnbauten in 3 Bereichen
• Wohnstandort
• Wohnanlage
• Wohnung

→ Wohnqualität ist nicht teurer als keine Wohnqualität

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Lebenszyklus – Beispiel Wohnbau Rückbau Erste Idee

Inbetriebnahme

Wirtschaftliche Veränderungen
• Abhängigkeit vom wirtschaftlichen Umfeld
• Lohnentwicklung – Mietentwicklung
(CH seit 1970 in etwa parallel)
• Veränderung der Anteile der Ausgaben
Reduktion Ausgaben für Nahrungsmittel
Erhöhung Ausgaben für Verkehr und Steuern
Gleichbleibende Ausgaben für Miete, Bildung, Erholung
• Bauinvestitionsvolumen
(CH seit 1989 leichte Abnahme)

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Bauwirtschaft
180
168.1
Bewilligte 160
Bauprojekte, 144
140
Baukosten und
122
Bauvolumen in 120
Liechtenstein 101.2
100
Vergleich 2. 86.7

Quartal 2018 - 80 72.6


2019 60

40

20

0
Quelle: Statistik 2. Quartal 2018 2. Quartal 2019
Liechtenstein www.llv.li
Bauprojekte Anzahl Bauvolumen (Tsd. m3) Baukosten (Mio CHF)

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Baupreisentwicklung
Diagrammtitel
104.0

Baupreisindex 103.0

Schweiz und 102.0

Ostschweiz
Okt. 2010 –
101.0

Apr.2019 100.0

99.0

98.0

97.0
Okt Jan Apr Jul Okt Jan Apr Jul Okt Jan Apr Jul Okt Jan Apr Jul Okt Jan Apr Jul Okt Jan Apr Jul Okt Jan Apr Jul Okt Jan Apr Jul Okt Jan Apr
10 11 11 11 11 12 12 12 12 13 13 13 13 14 14 14 14 15 15 15 15 16 16 16 16 17 17 17 17 18 18 18 18 19 19

Baugewerbe: Total Schweiz Baugewerbe: Total Ostschweiz Hochbau Schweiz Hochbau Ostschweiz
Quelle www.llv.li

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Baupreisentwicklung

Baupreisindex Schweiz und Ostschweiz, Okt. 2010 – Apr.2019

Schweizerischer Baupreisindex -
Entwicklung der Baupreise
Basis Oktober 2010 = 100
Indexwerte Schweiz Okt 10 Apr 11 Okt 11 Apr 12 Okt 12 Apr 13 Okt 13 Apr 14 Okt 14 Apr 15 Okt 15 Apr 16 Okt 16 Apr 17 Okt 17 Apr 18 Okt 18 Apr 19
Baugewerbe: Total Schweiz 100.0 101.5 102.1 102.1 102.4 102.6 103.1 103.0 102.8 102.2 102.7 102.1 101.7 101.3 101.3 101.7 102.0 102.4
Baugewerbe: Total Ostschweiz 100.0 102.2 103.4 101.9 101.8 102.0 103.0 102.5 102.3 101.0 101.4 100.9 100.4 100.9 99.8 101.6 102.0 102.0
Hochbau Schweiz 100.0 101.3 101.8 101.7 101.9 102.0 102.5 102.5 102.2 101.6 102.1 101.5 100.9 100.4 100.5 101.0 101.1 101.7
Hochbau Ostschweiz 100.0 101.5 102.4 100.9 100.7 101.0 102.1 101.4 101.4 100.4 100.9 99.9 98.7 99.0 98.2 100.3 100.5 100.8

Quelle www.llv.li

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Bauen – ein Prozess
Rückbau Erste Idee

Von Grob ………… zu Fein Inbetriebnahme

Erste Skizze Inbetriebnahme Rückbau / Abbruch


oder Instandsetzung / Umbau

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Bauherr-
schaft
Umfeld und Beteiligte Besteller

Architekt
Nutzer
Planer

Unter-
Banken
nehmer

Behörden

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Umfeld und Beteiligte • Architekten
• Ingenieure
Bauherr-
schaft
Besteller
• Fachplaner
• Elektroanlagen
Architekt
Nutzer
Planer • Sanitäre Anlagen
• Klima
• Heizung
Banken
Unter-
nehmer
• Spezialisten
• Bauphysik
Behörden • Brandschutz
• Geologie
• …
• Berater
• Bauleiter
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Umfeld und Beteiligte • Raumplanung
Bauherr-
• Bebauungsplan, Richtplan
• Genehmigungen
schaft
Besteller

Nutzer
Architekt • Baugesuch
Planer
• Brandschutz
• Anlagen

Banken
Unter-
• Abnahmen
nehmer

Behörden

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Umfeld und Beteiligte • Ausführung
• In Gewerken
Bauherr-
schaft • Nach Vorgabe Planung und
Besteller
Bauleitung
Nutzer
Architekt
Planer
• Innerhalb vorgegebenem
Terminplan
• Innerhalb vorgegebenem Budget
Unter-
Banken
nehmer

Behörden

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Umfeld und Beteiligte
Bauherr-
• Kreditgeber
schaft
Besteller

Architekt
Nutzer
Planer

Unter-
Banken
nehmer

Behörden

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Umfeld und Beteiligte Bauherrschaft
Bauherr-
• Oberster Entscheidungsträger
schaft
Besteller • Grundeigentümer
Nutzer
Architekt • Investor
Planer
• Gesuchsteller der
erforderlichen
Unter-
Bewilligungsverfahren
Banken
nehmer

Behörden Nutzer
• Bauherrschaft
oder
• Benutzer des Gebäudes
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Bauherr im Planungs- und Bauprozess
Bauen = Auftragsarbeit

«Gute Architektur braucht gute Bauherren»

Benedikt Loderer, Architekt und Publizist, Gründer der Zeitschrift


«Hochparterre»

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Organisation und Projektstruktur

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Projektstruktur

Wahl der Projektstruktur ist abhängig von


• Projektanforderung
• Z.B. Grösse des Projekts
• Terminrahmen
• Budget
• Analyse der Chancen und Risiken

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Einzelleistungsunternehmer
• Verbreitete Organisationsform
• Flexibelste Organisationsform
• Für alle Phasen des Bauvorhabens geeignet

→Alle Verträge werden mit der Bauherrschaft abgeschlossen


→Architekt als Projektleiter mit Weisungsbefugnis gegenüber
Fachplanern und Unternehmern
→Terminliches und finanzielles Risiko beim Bauherrn

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Einzelleistungsunternehmer
Bauherrschaft
Auftraggeber

Auftragnehmer
Architekt

Bauingenieur Unternehmer 1
Behörden

Elektroplaner Unternehmer 2

Heizungsplaner Unternehmer 3

Lüftungsplaner Unternehmer 4

Sanitärplaner Unternehmer 5

Vertrag
weitere Spezialisten Weitere Unternehmer
Weisung
Planung Ausführung
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Einzelleistungsunternehmer
Konsequenzen

Bauherrschaft
• Zahlreiche Verträge
• Berücksichtigung spezieller Unternehmer
• Einfachere Möglichkeiten, Änderungen durchzusetzen
• Garantielauf nach Arbeitsfertigstellung

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Einzelleistungsunternehmer
Konsequenzen

Planer
• Architekt als Gesamtleiter mit Koordination und Administration
• Direkte Eingriffsmöglichkeiten auf der Baustelle
• Jeder Planer haftet für sich gegenüber Bauherrschaft
• Fachplaner übernehmen Fachbauleitung

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Planergemeinschaft
• Planer schliessen sich zu einer Gemeinschaft mit einem
Vertragsverhältnis gegenüber Bauherrschaft zusammen

→Ein Planervertrag
→Architekt als Projekt- oder Gesamtleiter
→Freie Wahl der Teamzusammensetzung
→Trennung zwischen Planung und Ausführung

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Planergemeinschaft
Bauherrschaft
Auftraggeber

Auftragnehmer
PL Planung

Architekt

Bauingenieur Unternehmer 1
Behörden

Planergemeinschaft
Elektroplaner Unternehmer 2

Heizungsplaner Unternehmer 3

Lüftungsplaner Unternehmer 4

Sanitärplaner Unternehmer 5

Vertrag weitere Spezialisten Weitere Unternehmer

Weisung
Planung Ausführung
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Planergemeinschaft
Konsequenzen

Bauherrschaft
• Ein Planervertrag
• Berücksichtigung spezieller Unternehmer
• Einfachere Möglichkeiten, Änderungen durchzusetzen
• Garantielauf nach Arbeitsfertigstellung

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Planergemeinschaft
Konsequenzen

Planer
• Architekt als Gesamtleiter mit Koordination und Administration
• Grösserer Koordinationsaufwand
• Risikoübernahme für andere Planer: solidarische Haftung innerhalb der
Planergemeinschaft
• Direkte Eingriffsmöglichkeiten auf der Baustelle
• Fachplaner übernehmen Fachbauleitung

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Generalplaner
• Ein Generalplaner mit Subplanerverträgen

→Ein Planervertrag
→Grosse Büros können alle Planungsleistungen aus einer Hand
anbieten
→Trennung zwischen Planung und Ausführung

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Generalplaner
Bauherrschaft
Auftraggeber

Auftragnehmer
Generalplaner GP

Architekt

Bauingenieur Unternehmer 1
Behörden
Elektroplaner Unternehmer 2

Heizungsplaner Unternehmer 3

Lüftungsplaner Unternehmer 4

Sanitärplaner Unternehmer 5

Vertrag weitere Spezialisten Weitere Unternehmer

Weisung
Planung Ausführung

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Generalplaner
Konsequenzen

Bauherrschaft
• Ein Planervertrag
• Berücksichtigung spezieller Unternehmer
• Einfachere Möglichkeiten, Änderungen durchzusetzen
• Garantielauf nach Arbeitsfertigstellung

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Generalplaner
Konsequenzen

Planer
• Generalplaner koordiniert die Subplaner
• Grosser Koordinationsaufwand
• Haftungsübernahme in der Planung des Generalplaners
• Generalplaner hat freie Wahl der Subplaner
• Fachbauleitung bei beteiligten Fachplanern

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Generalunternehmer GU
• Zuständig für die gesamte Ausführung

→Ein Werkvertrag
→Ein Ansprechpartner für die gesamte Ausführung
→Trennung zwischen Planung und Ausführung
→Einzelplaner oder Planergemeinschaft möglich
→Sicherstellen der gestalterischen Leitung durch den Architekt

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Generalunternehmer GU
Bauherrschaft
Auftraggeber

Auftragnehmer
Architekt / Projektleiter Generalunternehmer GU

Behörden Bauingenieur Unternehmer 1

Elektroplaner Unternehmer 2

Heizungsplaner Unternehmer 3

Lüftungsplaner Unternehmer 4

Sanitärplaner Unternehmer 5

weitere Spezialisten Weitere Unternehmer


Vertrag

Weisung Planung Ausführung

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Generalunternehmer GU

Konsequenzen

Bauherrschaft
• Ein Werkvertrag, ein oder mehrere Planerverträge
• Kosten- und Termingarantie
• Änderungen sind teurer (GU-Risiko wird in Rechnung gestellt)
• Garantieablauf richtet sich nach Fertigstellung Gesamtwerk

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Generalunternehmer GU

Konsequenzen

Planer
• Präzise Projektdefinition notwendig
• Frühzeitige Qualitätsdeklaration
• Wenig Einfluss auf Bauqualität ab Zeitpunkt Ausführung
• Gestalterische Leitung des Architekten als Qualitätssicherung
während Ausführung
• Fachbauleitung der Fachplaner oft nicht vorhanden

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Generalunternehmer GU
Fazit
• GU-Modell ist bewährtes Modell
• Preiskampf führt zu günstigen Angeboten
• Gefahr von Nachträgen

→Viel Aufwand in der Planungsphase


→Sehr genaue Qualitäts- und Ausführungsvorgaben
→Für Bauherrschaft kein Einfluss auf Unternehmerwahl

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Totalunternehmer TU
• Vereint gesamte Projekt- und Ausführungsverantwortung
• Architektonische Qualität
• Kosten
• Termine
→Ein Werkvertrag
→Architekt und Fachplaner sind Subunternehmer
→Unabhängige Beratung durch Architekten und Fachplaner
angeraten
→Festpreis
→Kostenoptimierung

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Totalunternehmer TU
Bauherrschaft
Auftraggeber

Auftragnehmer
Totalunternehmer

Projektleiter Planung Projektleiter Ausführung

Architekt Unternehmer 1

Behörden
Bauingenieur Unternehmer 2

Elektroplaner
Unternehmer 3

Heizungsplaner
Unternehmer 4

Lüftungsplaner
Unternehmer 5

Sanitärplaner Unternehmer 6

Vertrag
weitere Spezialisten Weitere Unternehmer

Weisung
Planung Ausführung
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Totalunternehmer TU

Konsequenzen

Bauherrschaft
• Ein Werkvertrag, der Planer und Unternehmer umfasst
• Kosten- und Termingarantie
• Änderungen sind teuer
• Garantieablauf richtet sich nach Fertigstellung Gesamtwerk

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Totalunternehmer TU

Konsequenzen

Planer
• Architekt ist dem TU unterstellt, TU ist Auftraggeber
• Auftraggeber ist der TU
• Keine Funktion als Gesamtleiter
• kein direkter Bezug zur Bauherrschaft
• Wenig Einfluss auf die Bauqualität während der
Ausführungsphase
• Keine Übersicht über die Kosten

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Totalunternehmer TU
Fazit
• Gesamtverantwortung liegt beim TU
• Planung + Ausführung
• Architekten und Fachplaner sind Subunternehmer des TU
• Festpreis

→Kostenoptimierung
→Architektur, Betriebskosten und Nachhaltigkeit werden den
finanziellen Interessen des TU untergeordnet

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Managing Contractor MC
• Sowohl Auftraggeber- als auch Auftragnehmerfunktion
• Auftraggeber → Planer und Unternehmer
• Auftragnehmer → Bauherrschaft
• Führt Planung und Ausführung im Namen der Bauherrschaft
aus
• Keine Haftung für Kosten und Termine, diese bleibt bei den
Planern und Unternehmern

Aus dem angelsächsischen Raum, bisher noch keine juristische


Handhabung in Europa

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Managing Contractor MC
Bauherrschaft

Auftraggeber

Managing Contractor

Auftragnehmer

Design Contractor GU

Architekt Unternehmer 1

Behörden
Bauingenieur Unternehmer 2

Elektroplaner
Unternehmer 3

Heizungsplaner
Unternehmer 4

Lüftungsplaner
Unternehmer 5

Sanitärplaner Unternehmer 6

Vertrag weitere Spezialisten Weitere Unternehmer

Weisung
Planung Ausführung

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Managing Contractor MC

Konsequenzen

Bauherrschaft
• Ein Vertrag mit MC
• Keine Kommunikation zu anderen Auftragnehmern
• Notwendigkeit der Überprüfung des MC während der Planungs-
und Ausführungsphase

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Managing Contractor MC

Konsequenzen

Planer
• Kein Kontakt zur Bauherrschaft
• Frage der Haftungsumsetzung (in Europa) noch nicht geklärt

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Projektstruktur Einfluss Projektstruktur

Auftragnehmer
(Planung + Ausführung)
Direkte Einflussnahme des
Auftraggebers

Anzahl Schnittstellen
Auftraggeber / Auftragnehmer
Auftraggeber
Aufwand für Koordination der (Bauherr, Eigentümer)
Auftragnehmer

Einzelplaner Generalunternehmer Totalunternehmer

Steigende Anforderung an Auftraggeber

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Projektstruktur

Steigende Anforderung an Auftraggeber in Bezug auf

• Fachkompetenz als Bauherrenvertreter


• Sicherheit in den Projektanforderungen – Kosten-,
Termin- und Leistungsziele für Gestaltung, Funktionalität,
Nutzung

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Literatur und Quellen

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Literatur und Lernmittel

• Paul Meyer-Meierling: Gesamtleitung von Bauten, 3. Auflage


2010
• Geschäftsmodelle in der Architektur, vdf 2017
• Drei Bücher über den Bauprozess, 2. Auflage 2014, vdf

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Quellen

• Jürg Brandenburger, Ernst Ruosch: Projektmanagement im


Bauwesen
• Geschäftsmodelle in der Architektur, vdf 2017
• Drei Bücher über den Bauprozess, 2. Auflage 2014, vdf
• Paul Meyer-Meierling: Gesamtleitung von Bauten
• CRB Schweizerische Zentralstelle für Baurationalisierung
• SIA Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein
• https://www.llv.li/inhalt/1512/amtsstellen/baupreisindex

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