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Soldatenbriefe aus dem 1.

Weltkrieg
Diese Zusammenstellung unzensierter Briefe der Feldpost beider Kriegsseiten gewährt dem Leser
sehr persönliche und intensive Einblicke in das alltägliche Grauen an der Westfront.

„Drei Tage lang lagen wir in den Granatlöchern, dem Tod ins Auge sehend, ihn jeden
Augenblick erwartend. Dazu kein Tropfen Wasser und der entsetzliche Leichengestank.
Die eine Granate begräbt die Toten, die andere reißt sie wieder heraus. Will man sich
eingraben, kommt man gleich auf Tote. Ich hatte eine Gruppe, doch gebetet hat jeder für
sich. Das Schlimmste ist das Ablösen, das Rein und Raus. Durch das ständige Sperrfeuer.
Hinzu gings durchs Fort Douaumont, so was habe ich noch nie gesehen. Hier liegt alles voll
schwer Verwundeter und riecht nach Toten..... Dazu liegt es ebenfalls ständig unter Feuer.
Wir hatten ungefähr 40 Tote und Verwundete...Das war noch wenig für eine Kompanie, wie
man hörte. Alle sahen bleich und verzehrt aus. Ich will Euch nicht noch mehr Elend erzählen.
Es mag genug sein. Seid herzlichst gegrüßt und geküsst und Gott befohlen von Eurem
dankbaren Sohn und Bruder Karl.“ Der Gefreite Karl Fritz aus den Schützengräben vor
Verdun an seine Eltern und Schwestern im August 1916.

„Da unten ist nur jener finstere braune Gürtel, ein Streifen gemordeter Natur. Wälder
und Straßen sind verschwunden, von den Dörfern ist nichts geblieben als graue
Flecken. Während schweren Artilleriefeuers und bei Angriffen habe ich Granaten wie
Regen fallen sehen“ Der amerikanische Pilot McConnell im doppelten Sinne
„über“ Verdun

Hintergrundinformation: Die Schlacht um Verdun


Die Schlacht um Verdun war eine der größten Schlachten des Ersten Weltkriegs. Sie
begann am 21. Februar 1916 mit einem Angriff deutscher Truppen auf die französischen
Stellungen bei Verdun. Sie endete am 20. Dezember 1916 ohne wesentliche Verschiebung
des Frontverlaufs. Die Opferzahlen: Im Allgemeinen werden die Gesamtverluste beider
Seiten (Frankreich und Deutschland) auf etwa 800.000 Soldaten angesetzt.

Frankreich schloss aus der Tatsache, dass sich sein Heer in einem Festungswerk lange
gegen eine Übermacht halten konnte, dass gegen künftige Angriffe aus dem Osten am
besten eine Bunkeranlage sichern würde. Also entstand mit der Maginot-Linie die größte
Verteidigungsanlage der Welt, in der die besten Divisionen Frankreichs stationiert waren.
In Deutschland wurde das Trauma Verdun zum Motiv, darüber nachzudenken, wie ein
mörderischer Stellungskrieg künftig verhindert werden könnte. Man fand die Lösung in der
Schnelligkeit, die der Verbrennungsmotor ermöglichte. Motorisierte Truppen und Panzer
waren es denn auch, die die französische Armee 1940 innerhalb von vier Tagen in die
Niederlage trieben. An der Maginot-Linie fiel in dieser Zeit kaum ein Schuss.

Nach dem 1. Weltkrieg beschäftigt sich der österreichische Schriftsteller, Karl Kraus, mit den
„Reklamefahrten in die Hölle“. Viele Touristinnen und Touristen besuchten die nun leeren
Schlachtfelder, u.a. Verdun.

Textausschnitt – Die Fackel (1921): „Reklamefahrten in die Hölle“:


„Sie fahren im bequemen Personen-Auto aufs Schlachtfeld, während jene nur im Viehwagen
dahin gelangt sind. Sie hören, was Ihnen da alles zur Entschädigung für die Leiden jener
geboten wird und für ein Erlebnis, wovon sie bis heute Zweck, Sinn und Ursache nicht zu
erkennen vermochten (...) Sie bekommen unvergessliche Eindrücke von einer Welt, in der es
keinen Quadratzentimeter Oberfläche gibt, der nicht von Granaten und Inseraten durchwühlt
wäre.“

Vollständige Ausgabe – Die Fackel (1921):


http://hink66.de/klassiker/wp-content/uploads/2011/04/Reklamefahrten_zur_Hoelle_v2.pdf
Zusammenbruch der Mittelmächte:
Trotz der Kapitulation Russlands (März 1918) sind die Mittelmächte (Deutschland,
Österreich, Türkei (Osmanisches Reich), Bulgarien) am Ende ihrer Kräfte. Die Regierungen
Deutschlands und Österreichs setzen nun all ihre Hoffnungen in den 14 - Punkte Plan des
amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson1: Es sah eine weitgehende
Selbstbestimmung und wirtschaftliche Unabhängigkeit der Völker vor. Um dies zu
verwirklichen sollten auch Staaten wie Polen – das neu geschaffen werden musste – und
Serbien einen eigenen Zugang zum Meer erhalten. Besonders wichtig war ihm, dass jede
Nationalität sich selbstständig entwickeln sollte und nicht von anderen beherrscht würde.

Zu diesem Ziel sollten auch eine weitgehende Abrüstung aller Staaten sowie die
uneingeschränkte Schifffahrt auf allen Meeren führen. Außerdem sollten Friedensverträge in
Zukunft öffentlich geschlossen und auf geheime Diplomatie verzichtet werden. Neben all
diesen Maßnahmen zur Friedenssicherung enthielt Wilsons Plan auch konkrete Vorgaben für
bestimmte Länder, so z. B. die Wiederherstellung Belgiens und Polens, die Aufteilung
Österreich-Ungarns und die Rückgabe Elsaß-Lothringens von Deutschland an Frankreich.

Ende Oktober wurde Deutschland durch eine Verfassungsänderung zu einer


parlamentarischen Monarchie. Nach revolutionären Unruhen folgte am 9. November in Berlin
die Ausrufung der Republik. Am selben Tag verkündete der Reichskanzler Max von Baden
die Abdankung Kaiser Wilhelms II (war von 1888 bis 1918 letzter Deutscher Kaiser und
König von Preußen).2

In Österreich versuchte – nach dem Tod von Kaiser Franz Josef I. (21. November 1916) –
Kaiser Karl I. mit einem „Völkermanifest“ die österreichische Reichshälfte zu retten. Nach
dem Rücktritt des deutschen Kaisers war der militärische Zusammenbruch nicht mehr
aufzuhalten, gleichzeitig konnte auch die innere Auflösung der Donaumonarchie nicht mehr
geleugnet werden.

Kaiser Karl I. wurde am 11. November 1918 auf Drängen des Staatskanzler Karl Renner und
einem Liquidationsministerium zur Verzichtserklärung3 gedrängt. Man enthob ihn all seiner
Ämter und er musste von nun an auf jegliche Regierungsgeschäfte verzichten. Armee und
Offiziere wurden vom Treueeid entbunden. So wurde noch am selben Tag in einer
Sonderausgabe der amtlichen „Wiener Zeitung“ veröffentlicht. Am Abend des 12. November
1918 verließ Karl mit seiner Familie das Land und ging ins Exil, wo er bereits 1922 verstarb.

Anfang November wurde in einem Eisenbahnwagen nahe der französischen Stadt


Compiègne ein Waffenstillstand unterzeichnet. Der Erste Weltkrieg endete schließlich um 11
Uhr am Morgen des 11. November 1918. Europa veränderte sich nun, da zahlreiche neue
Staaten entstanden. Ungarn, Polen, die Tschechoslowakei und Jugoslawien wurden
unabhängig. Italien bekam Südtirol. So wurde Österreich später im Friedensvertrag von
Saint - Germain aufgeteilt (1919).Die Bedingungen für Deutschland wurden im
Friedensvertrag von Versailles geregelt. Folgen: Abrüstung, Kriegsentschädigung und
neue Staatsgrenzen. Probleme: „Kriegsschuldfrage“, Benachteiligung,…
Insgesamt starben rund 10 Millionen Menschen im 1. Weltkrieg!

1
Der vollständige 14-Punkte Plan: http://www.dhm.de/lemo/html/dokumente/14punkte/
2
Später forderte man die Auslieferung des Kaisers als „Kriegsverbrecher“, jedoch ging er ins Exil in die
Niederlande, wo er von Königin Wilhelmina Asyl gewährt bekam. Die Niederlande verweigerten seine
Auslieferung.
3
Die Erklärung war von k.u.k. Ministern, wie Ignaz Seipel gemeinsam mit Renner, entworfen worden.