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Anzeichen für höhere Sterblichkeit

Von Joachim Müller-Jung


-Aktualisiert am 16.02.2021-18:45

Ein Wissenschaftler an der Universität Aalborg untersucht am 15. Januar


Coronavirus-Proben aus Großbritannien auf Mutanten.
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Ein Wissenschaftler an der Universität Aalborg untersucht am 15. Januar


Coronavirus-Proben aus Großbritannien auf Mutanten. Bild: AFP

Das britische Beratungsgremium „Nervtag“ schlägt Alarm wegen neuer


Studienergebnisse über die Corona-Mutante B.1.1.7. Doch die Unsicherheit über die
Häufigkeit schwerer Krankheitsverläufe bleibt groß.

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2 Min.

Die ansteckendere Coronavirus-Variante B.1.1.7 ist wahrscheinlich mit einem


erhöhten Risiko für einen schweren und tödlichen Verlauf verbunden. Das ist
zumindest die Einschätzung des wissenschaftlichen Beratungsgremiums „Nervtag“, das
Anfang dieser Woche eine aktualisierte Auswertung von einem Dutzend Beobachtungs-
und Modellstudien in Großbritannien vorgelegt hat. Wie viel gefährlicher die sich
weltweit ausbreitende Variante für Infizierte genau ist, bleibt unklar. Viele der
seit Ende vergangenen Jahres gestarteten Untersuchungen berücksichtigen immer noch
zu wenige Patienten, um einen statistisch abgesicherten Vergleich der Infektionen
mit unterschiedlichen Virenvarianten vornehmen zu können.
Joachim Müller-Jung

Joachim Müller-Jung

Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

F.A.Z.
Twitter

Zwei Drittel der Untersuchungen erkennen in den Daten allerdings schon einen
deutlichen Anstieg des Erkrankungsrisikos: Zwischen rund 30 und 70 Prozent
schwanken die Schätzungen. Allerdings verwenden die Studien oft die gleichen
Datensätze für ihre Analysen. Ein Drittel der klinischen Studien kann noch
keinerlei erhöhtes Sterbe- oder Hospitalisierungsrisiko feststellen. Das deckt sich
zumindest mit den Ergebnissen einer Veröffentlichung in der Medizinzeitschrift
„Lancet Child & Adolescent Health“, in der Kinderärzte des University College
London sechzig aktuelle klinische Covid-19-Verläufe bei Kindern zwischen einem und
13 Jahren mit zwanzig Kinderinfektionen während der ersten Welle im Frühjahr
vorigen Jahres verglichen haben. „Der klinische Verlauf unterscheidet sich mit der
Variante B.1.1.7 unwesentlich“, resümierten die Ärzte. Mehr schwere Verläufe seien
nicht zu beobachten gewesen.

Die seit der starken Ausbreitung der inzwischen landesweit dominanten B.1.1.7-
Variante insgesamt häufiger beobachteten Infektionen bei Kindern führen die Ärzte
darauf zurück, dass im britischen Lockdown anfangs noch Schulen und Kitas geöffnet
waren. Das Infektionsgeschehen habe sich dadurch stärker zu den jüngeren
Altersgruppen hin verlagert.
Studien fehlen

Die Kinderärzte haben allerdings den Anteil der mit der neuen Variante infizierten
jungen Patienten in der zweiten Welle nicht explizit ermittelt. In dem jüngsten
Nervtag-Bericht fehlen auch entscheidende Informationen, unter anderem über die
Virenbelastung der Patienten und mögliche Erklärungen für die höhere Sterblichkeit.
In den vergangenen Tagen waren in den sozialen Medien vereinzelt wissenschaftliche
Hinweise aus Laboruntersuchungen geliefert worden, die auf einen möglichen
Mechanismus für die schweren Verläufe und das erhöhte Sterberisiko hindeuten.
Um externe Multimedia-Inhalte sehen zu können, ist einmalig Ihre Zustimmung
erforderlich. Bitte beachten Sie unsere Informationen, auch zu eingesetzten Cookies
und Ihren Wahlmöglichkeiten, in unserer Datenschutzerklärung.

Demnach vermehrt sich die B.1.1.7-Variante im Vergleich zum Originalvirus – und


auch verglichen mit der „südafrikanischen“ Variante B.1.351 – kurz nach der
Ansteckung sehr viel schneller. Die Viruslast könnte also deutlich rascher wachsen
und damit insbesondere das Immunsystem bei bestimmten Menschen rasch überfordern –
was sich in einer Entgleisung der Immunantwort ausdrücken könnte. Allerdings
handelt es sich bei dieser Annahme bislang noch lediglich um Spekulationen von
Fachleuten im Internet. Nachprüfbare Studien gibt es dazu bislang nicht. Schon die
mittlerweile experimentell abgesicherte erhöhte Übertragungsrate der B.1.1.7-
Variante ist epidemiologisch kritisch, solange die Impfquoten in den gefährdeten
Teilen der Bevölkerung niedrig sind.

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Das europäische Seuchenzentrum ECDC hat sich am Montag in einer aktualisierten
Risikoabschätzung den von den britischen Regierungsbehörden verschärften Warnungen
angeschlossen: Die beschleunigte Ausbreitung von B.1.1.7 habe in einigen Ländern
schon „zu erhöhten Fallzahlen, überlasteten Gesundheitssystemen und einer größeren
Übersterblichkeit“ geführt.Anzeichen für höhere Sterblichkeit

Von Joachim Müller-Jung


-Aktualisiert am 16.02.2021-18:45

Ein Wissenschaftler an der Universität Aalborg untersucht am 15. Januar


Coronavirus-Proben aus Großbritannien auf Mutanten.
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Ein Wissenschaftler an der Universität Aalborg untersucht am 15. Januar


Coronavirus-Proben aus Großbritannien auf Mutanten. Bild: AFP

Das britische Beratungsgremium „Nervtag“ schlägt Alarm wegen neuer


Studienergebnisse über die Corona-Mutante B.1.1.7. Doch die Unsicherheit über die
Häufigkeit schwerer Krankheitsverläufe bleibt groß.

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Die ansteckendere Coronavirus-Variante B.1.1.7 ist wahrscheinlich mit einem


erhöhten Risiko für einen schweren und tödlichen Verlauf verbunden. Das ist
zumindest die Einschätzung des wissenschaftlichen Beratungsgremiums „Nervtag“, das
Anfang dieser Woche eine aktualisierte Auswertung von einem Dutzend Beobachtungs-
und Modellstudien in Großbritannien vorgelegt hat. Wie viel gefährlicher die sich
weltweit ausbreitende Variante für Infizierte genau ist, bleibt unklar. Viele der
seit Ende vergangenen Jahres gestarteten Untersuchungen berücksichtigen immer noch
zu wenige Patienten, um einen statistisch abgesicherten Vergleich der Infektionen
mit unterschiedlichen Virenvarianten vornehmen zu können.
Joachim Müller-Jung

Joachim Müller-Jung

Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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Zwei Drittel der Untersuchungen erkennen in den Daten allerdings schon einen
deutlichen Anstieg des Erkrankungsrisikos: Zwischen rund 30 und 70 Prozent
schwanken die Schätzungen. Allerdings verwenden die Studien oft die gleichen
Datensätze für ihre Analysen. Ein Drittel der klinischen Studien kann noch
keinerlei erhöhtes Sterbe- oder Hospitalisierungsrisiko feststellen. Das deckt sich
zumindest mit den Ergebnissen einer Veröffentlichung in der Medizinzeitschrift
„Lancet Child & Adolescent Health“, in der Kinderärzte des University College
London sechzig aktuelle klinische Covid-19-Verläufe bei Kindern zwischen einem und
13 Jahren mit zwanzig Kinderinfektionen während der ersten Welle im Frühjahr
vorigen Jahres verglichen haben. „Der klinische Verlauf unterscheidet sich mit der
Variante B.1.1.7 unwesentlich“, resümierten die Ärzte. Mehr schwere Verläufe seien
nicht zu beobachten gewesen.

Die seit der starken Ausbreitung der inzwischen landesweit dominanten B.1.1.7-
Variante insgesamt häufiger beobachteten Infektionen bei Kindern führen die Ärzte
darauf zurück, dass im britischen Lockdown anfangs noch Schulen und Kitas geöffnet
waren. Das Infektionsgeschehen habe sich dadurch stärker zu den jüngeren
Altersgruppen hin verlagert.
Studien fehlen

Die Kinderärzte haben allerdings den Anteil der mit der neuen Variante infizierten
jungen Patienten in der zweiten Welle nicht explizit ermittelt. In dem jüngsten
Nervtag-Bericht fehlen auch entscheidende Informationen, unter anderem über die
Virenbelastung der Patienten und mögliche Erklärungen für die höhere Sterblichkeit.
In den vergangenen Tagen waren in den sozialen Medien vereinzelt wissenschaftliche
Hinweise aus Laboruntersuchungen geliefert worden, die auf einen möglichen
Mechanismus für die schweren Verläufe und das erhöhte Sterberisiko hindeuten.
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Demnach vermehrt sich die B.1.1.7-Variante im Vergleich zum Originalvirus – und


auch verglichen mit der „südafrikanischen“ Variante B.1.351 – kurz nach der
Ansteckung sehr viel schneller. Die Viruslast könnte also deutlich rascher wachsen
und damit insbesondere das Immunsystem bei bestimmten Menschen rasch überfordern –
was sich in einer Entgleisung der Immunantwort ausdrücken könnte. Allerdings
handelt es sich bei dieser Annahme bislang noch lediglich um Spekulationen von
Fachleuten im Internet. Nachprüfbare Studien gibt es dazu bislang nicht. Schon die
mittlerweile experimentell abgesicherte erhöhte Übertragungsrate der B.1.1.7-
Variante ist epidemiologisch kritisch, solange die Impfquoten in den gefährdeten
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schon „zu erhöhten Fallzahlen, überlasteten Gesundheitssystemen und einer größeren
Übersterblichkeit“ geführt.