Sie sind auf Seite 1von 15

Den Seuchen auf der Spur Dagegen war beim EHEC/HUS-Ausbruch 2011 ausge-

hend von einer Häufung teilweise schwerster Erkran-


Diese Ausstellung geht auf eine Präsentation me-
dizinhistorischer Karten in der Kartenabteilung der
200 Jahre Infektionskrankheiten im Kartenbild kungen eine schnelle Eingrenzung der Infektionsquelle
gefragt. Durch die sehr komplexen und sogar länder-
Staatsbibliothek Berlin im Herbst 2010 zurück, die im
Rahmen einer Tagung des Freundeskreises der Voss-
Einführung übergreifenden arbeitsteiligen Produktionsprozesse Stiftung für Geographie stattgefunden hat. Ausgangs-
und Lieferbeziehungen war eine geradezu detektivi- punkt der Überlegungen war dabei, eine Möglichkeit
sche Ermittlungsarbeit notwendig. zu schaffen, einige medizinhistorische Karten erstmals
„Räumliche Ausbreitung“, „länderübergreifende Pro- der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dies konkre-
Ausbrüche von Infektionskrankheiten, oft auch als Heute haben Infektionskrankheiten in den Industrie- tisierte sich in der Idee, die begleitende Kartenausstel-
duktionsbeziehungen“, „Ortswechsel“: Diese Begriffe
Seuchen bezeichnet, haben die Menschen seit Jahrtau- ländern viel von ihrem Schrecken vergangener Jahr- lung zum Kartographentag 2012 in Hannover diesem
zeigen, dass es sich bei Ausbrüchen von Infektions-
senden beschäftigt. Beschreibungen dieser Ereignisse hunderte verloren. Krankheitserreger können mit Thema zu widmen.
krankheiten ausgehend vom Ort der Übertragung
finden sich bereits in sehr frühen Aufzeichnungen wie modernen Labormethoden sicher bestimmt werden,
immer um ein dynamisches Geschehen in Raum und Um der bleibenden Aktualität des Themas Rechnung zu
dem Gilgamesch-Epos oder der Bibel. Plötzlich und durch entsprechende Medikamente können die meis-
Zeit handelt. Was liegt also näher, als diese Ausbrei- tragen, sollten nicht ausschließlich historische Karten
massenhaft auftretende lebensbedrohliche Erkrankun- ten Krankheiten wirksam bekämpft werden und für
tung nicht nur in Form von Text oder Tabellen, sondern präsentiert werden, sondern mit aktuellen Beispielen
gen mit Hunderten oder Tausenden Toten haben den einige Krankheiten gibt es Impfungen, mit denen ei-
durch thematische Karten zu beschreiben: Karten, in die Brücke zum 21. Jahrhundert geschlagen werden.
Alltag ganzer Städte und Landstriche lahmgelegt. Sie ner Erkrankung vorgebeugt werden kann.
denen nicht ‚nur’ die Topographie, also die Umwelt, So wird der Versuch unternommen, die Entwicklung
führten dem Menschen seine begrenzte Lebensdauer, Dennoch bleibt das Thema Infektionskrankheiten ak- die wir sehen und in der wir leben, dargestellt wird, dieser sehr spannenden Schnittstelle zwischen Kar-
seine Sterblichkeit vor Augen und warfen Fragen nach tuell, denn Bakterien, Viren und Parasiten verändern sondern ein Thema, z. B. wo wie viele Menschen an tographie, Geographie und Medizin darzustellen. Ich
dem Warum? und Wieso? auf. sich ständig und das für uns oft nicht vorhersehbar. einer Infektionskrankheit erkrankt sind. Die Karte zeigt hoffe, dass die vorliegende Ausstellung einen Blick
Zur Erklärung wurde zunächst der göttliche Einfluss Auslöser für die Pandemische Influenza (im allgemei- räumliche „Betroffenheit“, verdeutlicht auf einen durch die Karten in eine vergangene Zeit ermöglicht,
auf das menschliche Leben herangezogen und Seu- nen Sprachgebrauch auch als „Schweinegrippe“ be- Blick Ausbreitungsmuster, die man in einer Tabelle nur aber auch mit Blick nach vorne neue Fragen aufwirft
chen wurden als Bestrafung für begangene Sünden zeichnet) 2009 war ein bis dahin unbekannter Subtyp schwer erkennen könnte. Ihre bildhafte Darstellung und neue Ideen anstößt. Elf Kartenbeispiele werden
verstanden. Erst nach und nach setzte sich die Er- des Influenza A/H1N1-Virus, der zunächst in Mexiko mit einer Symbolsprache (Signaturen) ermöglicht dem in dieser Begleitbroschüre zur Ausstellung näher vor-
kenntnis durch, dass der Mensch Teil einer komple- aufgetreten ist und sich dann innerhalb weniger Wo- Leser eine einfache, schnelle Erfassung komplexer Zu- gestellt.
xen Umwelt ist und damit auch deren Einflüssen in chen weltweit verbreitet hat. Dieser Ausbruch hat ge- sammenhänge, die nur schwerlich mit Worten auszu- Danken möchte ich der Staatsbibliothek Berlin – Preu-
vielfacher Weise unterliegt. So setzte Hippokrates im zeigt, wie schwierig erste Prognosen zur Gefährlich- drücken ist. Sie stellt die Situation dar, ist aber auch ßischer Kulturbesitz, insbesondere Wolfgang Crom,
4. Jahrhundert v. Chr. erstmals Krankheit und Gesund- keit des Erregers, aber auch zum Weg der räumlichen Ausgangspunkt für die sich unweigerlich anschließen- dem Niedersächsischen Landesgesundheitsamt und
heit in Beziehung zur Umwelt. Seine Ideen wurden im Ausbreitung sind, bedingt durch unsere ständigen de Frage: Warum sind nur bestimmte Gebiete, Orte, der Sektion Hannover der Deutschen Gesellschaft für
16. Jahrhundert wiederentdeckt und es begann die beruflich oder privat bedingten Ortswechsel: Vom Straßenzüge betroffen? Damit wird die Karte zu ei- Kartographie e.V., den dort tätigen und allen weiteren
wissenschaftliche Suche nach Krankheitserregern und Berufspendler bis zum Fernreisenden im weltweiten nem wichtigen Instrument für die wissenschaftliche Personen und Institutionen, mit denen ich während
Übertragungswegen. Maßstab. Erkenntnisgewinnung. Diese Aufgabe haben Karten der Ausstellungsplanung Kontakt hatte und die mich
im 19. Jahrhundert erfüllt und erfüllen sie noch heute. bei diesem Vorhaben unterstützt haben.
Verändert haben sich die technischen Möglichkeiten
Widmen möchte ich diese Ausstellung meinem ehe-
und die eingesetzten kartographischen Darstellungs-
maligen und inzwischen leider verstorbenen Erdkun-
Herausgegeber: methoden. Dabei sind Karten immer ein Spiegelbild
delehrer Wilfried Kauer, dessen persönliches Interesse
Niedersächsisches Landesgesundheitsamt ihrer Zeit, des wissenschaftlichen Erkenntnisstandes,
an der Geographie und Kartographie meinen Lebens-
Roesebeckstr. 4-6, 30449 Hannover der zur Verfügung stehenden Technik für die Karten-
in Zusammenarbeit mit: weg entscheidend beeinflusst hat.
Deutsche Gesellschaft für Kartographie e.V.
herstellung und -verbreitung sowie der politischen
Staatsbibliothek Berlin - Preußischer Kulturbesitz und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Holger Scharlach
Texte: Dipl.-Geogr. Dr. Holger Scharlach
September 2012 www.den-seuchen-auf-der-spur.nlga.niedersachsen.de

2 3
Übersicht der progressiven Verbreitung der Cholera seit ih-
rer Erscheinung im Jahr 1817 über Asien, Europa und Africa
Carl Ferdinand Weiland (1832)

Die Cholera wird durch das Mitte des 19. Jahrhun- Eine aus kartographiehistorischer Sicht beachtens-
derts erstmals beschriebene und 1883/1884 durch werte Arbeit hat Carl Ferdinand Weiland (wissen-
Robert Koch isolierte Bakterium Vibrio cholerae her- schaftlicher Kartograph, kgl. württ. Hauptmann
vorgerufen. Im Verlauf der Erkrankung kommt es zu der Artillerie, *1782 - †1847) 1832 in Weimar ent-
ständigem Erbrechen und Durchfällen, die den Kör- worfen und gezeichnet. Diese zeigt den Weg der
per geradezu austrocknen und zum Verlust lebens- Cholera von Indien nach Europa. Interessant ist
wichtiger Mineralstoffe führen. Wird dieser nicht dabei, dass Weiland Flächenfarben und nicht die
durch Einnahme einer Salz-/Glukoselösung ausge- seinerzeit häufig eingesetzten Liniensignaturen ver-
glichen, verläuft die Erkrankung in einem Großteil wendet, um den zeitlichen Aspekt der Ausbreitung
der Fälle tödlich. darzustellen. Bemerkenswert ist der großflächige
Hinweise auf Choleraausbrüche im Gangestal in Einsatz von Farbe vor allem, da nach der Vervielfälti-
Indien finden sich bereits in Schriften aus dem gung als Lithographie die Farbe auf jedes gedruckte
4. Jahrhundert v. Chr., was darauf schließen lässt, Exemplar einzeln aufgebracht werden musste. Ein
dass die Erkrankung dort bereits seit Jahrhunderten Grund für die Entwicklung der innovativen Darstel-
vorkam. Europa wurde Anfang des 19. Jahrhunderts lungsmethode, die eine zeitaufwendige und damit
durch Berichte über eine noch unbekannte Krankheit auch kostenintensive Handkolorierung erforderlich
in Indien aufgeschreckt, die angeblich binnen weni- machte, war vermutlich auch die Hoffnung des Au-
ger Jahre mehrere 100.000 Opfer gefordert hatte. tors, mit dieser „modernen Karte“ mehr Aufmerk-
Zunächst fühlte man sich in Europa sicher, wurde samkeit zu gewinnen und einen größeren Absatz
doch die Cholera nicht zu den ansteckenden Krank- zu erreichen.
heiten gerechnet und der Schmutz sowie das in Indi- Dass diese Karte zu ihrer Zeit durchaus eine positive
en herrschende Elend gemeinsam mit dem dortigen Resonanz hervorgerufen hat, zeigt eine Kritik aus
feuchtwarmen Klima für die Krankheit verantwort- der Zeitschrift Isis: „Es ist ein sehr guter Einfall, durch
lich gemacht. Dies änderte sich in den 1830er Jah- solch eine Charte die Fortschritte und den Umfang
ren, nachdem die Cholera über Moskau bis nach St. der Cholera-Krankheit durch einen Blick dem Pub-
Petersburg vorgedrungen war. licum mitzutheilen. Es ist dabey alles bedacht, was
Neben ausführlichen schriftlichen Beschreibungen zur Bequemlichkeit des Gebrauchs gehört. Für jedes
der Ausbreitung entstanden in den 1830er Jahren Jahr sind besondere Farben gewählt und außerdem
verschiedene Karten, in denen versucht wurde, das ist die Jahreszahl überall beygeschrieben. (…) Wir
raumzeitlich dynamische Geschehen darzustellen. zweifeln nicht, daß diese Charte den Beyfall des Pu-
Möglicherweise haben diese auch zu der Entschei- blicums und mithin großen Absatz finden werde.”
dung beigetragen, die Cholera ab dieser Zeit auf- (Isis, Bd. 4, 1832, S. 444)
0 500 1000 km
grund der raschen Ausbreitung als ansteckende
Krankheit einzustufen.
4 Staatsbibliothek Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Kart. W 24340 5
Cholera Map of the British Isles showing the Districts
attacked in 1831, 1832, 1833
August Petermann (1848)

Vermutlich von Hamburg ausgehend kommt die Society wurde und zahlreiche Karten u. a. im Auf-
Cholera 1831 auf dem Seeweg nach England. Im trag der National Society erstellte. 1854 nahm er
Sommer 1831 wird der erste bestätigte Cholera-Fall eine Stellung in Gotha beim Perthes-Verlag an und
in Sunderland an der englischen Ostküste regist- gab die bis 2004 erschienene Fachzeitschrift „Peter-
riert. Die Cholera-Ausbrüche von 1831 und 1832 manns Geographische Mitteilungen“ heraus. August
betreffen nahezu die gesamten britischen Inseln Petermann nahm sich 1878 in Gotha das Leben.
und fordern dort über 50.000 Todesfälle, davon Bereits kurz nach Aufnahme seiner Tätigkeit in
5.000 in London. Dabei erfährt die Cholera eine London entwarf Petermann die hier gezeigte
öffentliche Aufmerksamkeit wie keine Krankheit Cholera-Karte. Zu dieser Zeit kam es in Großbritan-
zuvor. Berichtet wird in kirchlichen Mitteilungs- nien (1848/49) zur schwersten Cholera-Epidemie
blättern und wissenschaftlichen Zeitschriften, es des 20. Jahrhunderts. Aus kartographischer Sicht
erscheinen literarische Aufsätze, Diskussionen über bemerkenswert ist diese Karte, da Petermann hier
Übertragungs- und Therapiemöglichkeiten und die die damals noch wenig verbreitete „Punktmetho-
Tageszeitungen veröffentlichen fortlaufend Listen de“ eingesetzt hat. Dunklere Tonwerte weisen auf
mit Erkrankungs- und Todesfällen. Damit steht auch Gebiete hin, die stärker von der Cholera betroffen
erstmals umfangreiches Zahlenmaterial zur Verfü- sind. Die Hauptkarte wird ergänzt durch ein Dia-
gung, nicht einheitlich erhoben und sicher größere gramm, in dem die Anzahl betroffener Gebiete im
Lücken und Fehler aufweisend, aber eine wertvolle Zeitverlauf dargestellt ist, sowie einen Stadtplan
Grundlage für die Erstellung thematischer Karten. von London, der auf Stadtbezirksebene die An-
Dieses Material verwendet August Petermann für zahl der Todesfälle im Verhältnis zur Bevölkerung
seine Cholera-Karte, in der die Ausbrüche der Jahre zeigt (vgl. Stadtplan von Rothenburg, S. 11). Ver-
1831 - 1833 zusammenfassend dargestellt sind. schiedene Darstellungsformen (Karte, Tabelle, Dia-
August Petermann (*1822 - †1878) war Zeit seines gramm) werden eingesetzt, um ein umfassendes
Lebens der Geographie und Kartographie verbun- und anschauliches Bild der Cholera-Ausbrüche zu
den. Seine umfassende kartographische Ausbildung geben. In seinen die Karte begleitenden „Statistical
erhielt er 1839 - 1844 an der geographischen Kunst- Notes“ interpretiert Petermann die Karte dahinge-
schule von Heinrich Berghaus in Potsdam, ein enger hend, dass das Auftreten der Cholera eher mit der
Freund Alexander von Humboldts, der basierend auf Bevölkerungsdichte als mit der Geländehöhe (eine
dessen Forschungen den Physikalischen Atlas beglei- damals gängige Annahme) in Verbindung gebracht
tend zum Kosmos federführend entwickelte. 1845 werden könne.
ging Petermann nach Edinburgh, wo er eine Reihe Abschließend muss noch darauf hingewiesen wer-
von Karten für den Physical Atlas von Alexander den, dass sich in der oberen linken Ecke des aus-
Keith Johnston entwarf, der 1847 vollendet wurde. gestellten Originals eine handschriftliche Widmung
Noch in diesem Jahr verlagerte er seine Tätigkeit des Autors an die Gesellschaft für Erdkunde zu 0 50 100 km
nach London, wo er Mitglied der Royal Geographical Berlin findet.
Staatsbibliothek Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Kart. GfE V 6,3 7
Karte über die Verbreitung der Cholera im Preussischen
Staate, bis zum 15. Mai 1832
Wilhelm Wagner (1832)

Als die Cholera Ende der 1820er / Anfang der Die Karte von Wilhelm Wagner (*1793 - †1846, ge-
1830er Jahre zunächst Moskau und später dann stochen von Eduard Leidenfrost) zeigt sowohl den
St. Petersburg erreichte, wurde dies von zahlreichen Verlauf farblich unterschiedener militärischer Sperr-
Aufständen und gewaltsamen Auseinandersetzun- linien oder Cordons als auch die von der Cholera
gen begleitet. Auslöser waren Gerüchte, nach de- befallenen Orte. Die roten Punkte verdeutlichen, in
nen es sich bei der Cholera nicht um eine Infek- welchen Ortschaften Cholera-Fälle sowohl inner-
tionskrankheit handeln sollte, sondern dass diese halb des Cordons um Danzig (grüne Linie) als auch
durch ein Gift verursacht werde, das gezielt mit Un- außerhalb aufgetreten sind. Die Karte zeigt sehr an-
terstützung der Ärzteschaft an die Armen verteilt schaulich, dass die Cordons ihre beabsichtigte Wir-
werde, um deren Zahl zu dezimieren. Dies wurde kung verfehlten und auch nach ihrer Zurückverle-
zu dieser Zeit durchaus als eine realistische Mög- gung ins Landesinnere die Ausbreitung der Cholera
lichkeit angesehen, um bestehende gesellschaftli- nicht nachhaltig verhindern konnten.
che und politische Spannungen zu lösen. Eine ge- Da Isolations- und Absperrmaßnahmen gerade auch
walttätige Auseinandersetzung in St. Petersburg im in den Städten immense Kosten bei ausbleibenden
Juni 1831, bei der ein Hospital gestürmt und Ärzte Erfolgen im Kampf gegen die Seuche verursachten,
misshandelt wurden, konnte nur durch einen Mili- wurden sie zunehmend in Frage gestellt und in der
täreinsatz beendet werden. Auch wenn die Proteste Folgezeit nur noch vereinzelt eingesetzt.
zunächst nicht politisch motiviert waren, wurden
Den rigiden Absperrmaßnahmen standen auch die
sie in Deutschland als potentiell gefährlich für die
Handelsinteressen entgegen. So wurde die Befürch-
herrschende preußische Staatsordnung angesehen.
tung geäußert, dass der teilweise zum Erliegen ge-
Somit erfüllte die Zusammenziehung preußischer
kommene Verkehr auf Dauer schlimmere Auswir-
Truppen an der Grenze zu Polen zwei Aufgaben:
kungen haben könnte als die Cholera selber. Um
es sollte sowohl ein Übergreifen des polnischen
trotz der „Contumanz“ den Waren- und Personen-
Aufstandes als auch der Grenzübertritt der Cholera
verkehr zu beschleunigen, wurde eine sogenann-
verhindert werden.
te „Purifications-Douche“ entwickelt. Dokumente
Eine Maßnahme, mit der man die Ausbreitung der und Briefe wurden an den Cordons durch einen mit
Cholera unterbinden wollte, bestand in der Einrich- aromatischen Essenzen gesättigten heißen Wasser-
tung militärischer Cordons. Personen, die die einge- dampf gereinigt. Briefe aus dieser Zeit lassen sich
richteten Grenzstationen aus einem von der Cholera auch heute noch an ihren Einstichstellen erkennen,
befallenen Gebiet passieren wollten, mussten bis zu durch die die reinigenden Dämpfe auch in das Inne-
20 Tage „Contumanz“ halten, d. h. sie wurden iso- re vordringen konnten.
0 15 30 km
liert und mussten sich täglich untersuchen lassen.
8 Staatsbibliothek Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Kart. LS HM Ka 7366 9
Die Cholera-Epidemie des Jahres 1832 in Hamburg

Johann Nicolaus Carl Rothenburg (1836)

Anfang Oktober 1831 traten in Hamburg die ersten wurden auf Initiative der wissenschaftlichen Ver-
Cholera-Erkrankungen auf. Da man nach den Berich- sammlung des Ärztlichen Vereins Vordrucke erstellt
ten von der Ostgrenze Preußens mit dem Schlimmsten und den Ärzten zum Ausfüllen zugeschickt. In die-
rechnete, wurden umfangreiche Vorbereitungsmaß- sen Listen wurden Informationen zu rund 3.000 Er-
nahmen getroffen. So wurden zwei Cholera-Hospitä- krankten erfasst, inklusive Angaben zum Wohnort.
ler gebaut und regelmäßige Versammlungen des Ärzt- Die Auswertung erfolgte durch den Hamburger Arzt
lichen Vereins abgehalten, in denen über die Cholera Johann Nicolaus Carl Rothenburg, der die Ergebnisse
informiert wurde. Vorträge wurden gehalten, Mittei- am 17. November 1835 im Rahmen eines Vortrags
lungen verlesen, Krankengeschichten vorgestellt, und auf einer wissenschaftlichen Versammlung des Ärzt-
über die Krankheit, deren mögliche Ursachen, Thera- lichen Vereins präsentierte.
piemöglichkeiten und auch die angeordneten Maß- Als Teil seines Vortrags zeigte Rothenburg eine Kar-
nahmen der Behörden diskutiert. Zunächst verlief der te von Hamburg, in der die Zahl der Todesfälle je
Cholera-Ausbruch in der knapp 150.000 Einwohner 100 Einwohner nach Straßenzügen dargestellt ist.
zählenden Stadt mit fast 1.000 Erkrankten und 500 Rothenburg selbst schreibt dazu: „Mehr Interesse
Todesfällen allerdings deutlich schwächer als erwar- möchte daher eine allgemeine Übersicht gewähren,
tet. Nachdem die Zahl der Neuerkrankungen zum Jah- wie ich sie Ihnen in dem Grundriss von Hamburg vor-
resende 1831 deutlich zurückgegangen war, schien lege, wo ich die Abstufungen der grösseren oder ge-
die Seuche überstanden zu sein. Eine im Januar 1832 ringeren Stärke der Seuche durch die stärkeren oder
erschienene Gedenkmedaille zum Cholera-Ausbruch schwächeren Schattirungen der rothen Farbe ange-
enthält den Hinweis „VON DER PLAGE ERLÖSET D. 22 geben habe.“ (Rothenburg 1836, S. 428). Auf einen
JANUAR 1832“. Blick können so stark betroffene Stadtgebiete erfasst
Dann kam es jedoch ab Mai 1832 zu einem erneuten und von weniger stark betroffenen unterschieden
Anstieg der Erkrankungsfälle. Der Höhepunkt mit in werden.
einem Monat nahezu 1.500 Erkrankten war im Juni Die Karte gilt als sehr frühes Beispiel für die Ver-
erreicht. Insgesamt erkrankten in diesem Jahr 3.349 wendung von abgestuften Flächenfarben zur
Personen und 1.652 Todesfälle wurden registriert. Visualisierung relativer Werte. Dass diese Karte be-
Aufgrund der Erfahrungen des ersten sehr schwa- reits in der damaligen Zeit über die Grenzen Ham-
chen Ausbruchs sah man die erneute Einführung burgs hinaus bekannt war und als sehr bemerkens-
von Absperrungen und Desinfektionsmaßnahmen werte Darstellung angesehen wurde, wird auch
allerdings nicht mehr als notwendig an und auch auf dadurch deutlich, dass sie als hervorragendes Visua-
die Einrichtung von Cholerahospitälern wurde ver- lisierungsbeispiel in einem Bericht des British General
zichtet. Da offiziell keine Listen mehr über Erkrankte, Board of Health über die Cholera Epidemie 1848 - 49
Genesene und Todesfälle geführt werden mussten, abgedruckt wurde. 0 250 500 m

Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzki, A 1948/5751 11


Über die Verbreitungsweise der Cholera,
Karte der Todesfälle im Londoner Stadtteil Soho
John Snow (1855)

Das wohl bekannteste und in der Medizinischen Geo- Todesfälle aufgetreten waren, zu den Bezugsquellen
graphie/Epidemiologie häufig zitierte Beispiel einer ihres Trinkwassers. Außerdem verglich er die relative
Cholera-Karte wurde von John Snow (*1813 - †1858) Anzahl der in Gebieten verschiedener Wasserversor-
veröffentlicht und steht in Zusammenhang mit dessen gungsunternehmen aufgetretenen Cholera-Todesfäl-
Forschungen zu den Ursachen der Erkrankung. Auch le. Die Ergebnisse dieser Studien veröffentlichte Snow
Mitte des 19. Jahrhunderts war noch nicht klar, wo- 1855 in einer zweiten Auflage von „On the Mode
durch die Cholera ausgelöst wurde und auf welchem of Communication of Cholera“ (1856 erschien die
Weg sie sich verbreitete. deutsche Ausgabe). Dieser Veröffentlichung liegt eine
Im Raum standen zwei Theorien, deren Anhänger sich Karte bei, in der die „Topographie“ des Ausbruchs in
teils heftige Diskussionen lieferten. Die Verfechter der Soho dargestellt ist. Die Karte ist auf den öffentlichen
Miasmen-Theorie vermuteten, dass die Cholera durch Brunnen in der Broad Street zentriert, den Snow als
Ausdünstungen verschmutzten Bodens oder Wassers, Ausgangspunkt des Ausbruchs vermutete. Neben
also durch „schlechte Luft“ verursacht würde, die der weiteren Brunnen sind die in jedem Haus aufgetre-
Mensch beim Einatmen aufnehme. Dagegen wurde tenen Cholera-Todesfälle durch Striche eingezeichnet.
die Cholera nach Meinung der Kontagionisten durch Ergänzend sind weitere Örtlichkeiten eingetragen,
giftige Partikel von Mensch zu Mensch übertragen. auf die sich Snow im Text bezieht. Es gelang John
Einig war man sich einzig darin, dass es äußere Vo- Snow allerdings nicht, seine Zeitgenossen von seinen
raussetzungen gab, die sich begünstigend auf eine Ergebnissen restlos zu überzeugen und alle Zweifel
Cholera-Erkrankung auswirkten, dazu gehörte die Ar- auszuräumen. So wurden die Diskussionen über die
mut, das Leben in schlechten hygienischen Verhältnis- Herkunft und Übertragung der Cholera noch bis zur
sen und übermäßiger Alkoholkonsum. Isolierung des Erregers durch Robert Koch 1883/1884
fortgeführt.
Bereits während der Cholera-Epidemie 1849 in Lon-
don hatte der damals schon angesehene Londoner Die Untersuchung von John Snow ist ein sehr frü-
Mediziner und Anästhesist John Snow die Cholera- hes Beispiel für den Einsatz von Karten als Teil einer
Erkrankung mit durch Fäkalien verunreinigtem Trink- epidemiologischen Studie. Karten dienen dabei der
wasser in Verbindung gebracht und seine Ergebnisse Visualisierung von raumbezogenen Daten zu den Er-
veröffentlicht. Seine Beweise hierfür waren allerdings krankungsfällen und möglichen Einflussfaktoren auf
sehr dürftig, so dass er ins Kreuzfeuer der Kritik geriet. das Infektionsgeschehen. Die Stärke von Karten liegt
In den Folgejahren versuchte er daher, seine Theorie darin, auf einen Blick mögliche Zusammenhänge zu
durch weitere Studien zu untermauern. Als 1854 ver- verdeutlichen und weiterführende Fragen aufzuwer-
mehrt Cholera-Erkrankungen und Todesfälle in einem fen. Dies kann aber gleichzeitig auch eine Schwäche
begrenzten Gebiet im Londoner Stadtteil Soho auf- sein, wenn es durch die Darstellung nicht hinreichend
traten, befragte er Erkrankte bzw. Familien, in denen begründeter Annahmen und durch einen unkritischen
0 50 100 m
Umgang mit Karten zu Fehlschlüssen kommt.
12 Staatsbibliothek Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Ka 11360 13
Sterblichkeit an Lungentuberkulose im Deutschen Reich
1892/93 und 1900/01
Kaiserliches Gesundheitsamt und Kaiserliches Statistisches Amt (1907)

Die Vorteile einer thematischen Karte, raumbezo- die sich jedoch noch auf verschiedene Datenquel-
gene Daten übersichtlich darstellen zu können und len stützte. 1905 wurden vom Kaiserlichen Gesund-
regionale Unterschiede auf einen Blick erfassbar zu heitsamt wöchentliche (basierend auf Meldungen
machen, waren bereits im 18./19. Jahrhundert be- aus Orten > 40.000 Einwohner = 105 Orte) und
kannt. Was zunächst noch fehlte, waren flächen- monatliche (basierend auf Meldungen aus Orten
deckend nach einer einheitlichen Methode erfasste > 15.000 Einwohner = 342 Orte) Übersichten zur
Grundlagendaten. Diese mussten mühsam aus ver- Sterblichkeit herausgegeben, in denen verschiede-
schiedenen Quellen zusammengetragen werden. ne Todesursachen wie Tuberkulose, Keuchhusten
Außerdem waren die Daten durch unterschiedli- oder Typhus dargestellt wurden. Daten dieser To-
che Erfassungskriterien, z. B. wann eine Cholera- desursachenstatistik bildeten die Grundlage der hier
Erkrankung vorliegt und damit als Fall zu zählen ist, gezeigten Karten zur Sterblichkeit an Lungentuber-
nur eingeschränkt vergleichbar. Dies änderte sich kulose im Deutschen Reich 1892/93 und 1900/01.
mit dem Aufbau von Statistischen Ämtern, der u. a. Die Lungentuberkulose, eine bakterielle Infektions-
in der zunehmenden Industrialisierung und der Bü- krankheit, deren Erreger 1882 durch Robert Koch
rokratisierung des Staatswesens begründet war. Im beschrieben wurde, stellte in der zweiten Hälfte
Königreich Preußen nahm im Jahr 1805 das König- des 19. Jahrhunderts eine der häufigsten Todesur-
lich Preußische Statistische Bureau seine Arbeit auf, sachen mit pro Jahr bis zu 120.000 Todesfällen im
gefolgt von der Gründung weiterer Statistischer Bu- Deutschen Reich dar. In der Altersgruppe zwischen
reaus in Bayern (1808) und Württemberg (1820). 15 und 60 Jahren war die Tuberkulose im Durch-
1827/28 wurden Daten zu ausgewählten Themen schnitt der Jahre 1900/1904 für mehr als ein Drittel
erstmals im Administrativ-Statistischen Atlas von der Todesfälle verantwortlich.
Preußen kartographisch aufbereitet präsentiert. Es
Die Karten zeigen sowohl regionale Unterschiede
finden sich u. a. Karten zur Bevölkerungsdichte, zu
mit einer stärkeren Betroffenheit der westlichen
den Sprachen, den Fabriken/Manufakturen und zur
Gebiete des Deutschen Reiches als auch einen
Verkehrsinfrastruktur.
Rückgang im Vergleich der dargestellten Jahre. Er-
Vielversprechende Ansätze für eine Todesursachen- schienen sind die Karten als Teil einer Festschrift,
statistik gab es bereits im 18.Jahrhundert. Obwohl die unter dem Titel „Das Deutsche Reich in gesund-
diese durch die Gründung des Statistischen Bureaus heitlicher und demographischer Beziehung“ den
in Preußen gefördert wurden, erwies sich die Aus- Teilnehmern eines internationalen Kongresses für
weitung der Erhebung auf die Westprovinzen als Hygiene und Demographie 1907 in Berlin gewid-
problematisch. Erst mit Gründung des Kaiserlichen met war. Durch den Einsatz zahlreicher Diagramme
Gesundheitsamtes 1876 wurde eine Todesursa- und Karten war der Bericht in der grafischen Gestal-
chenstatistik für das Deutsche Reich veröffentlicht, tung seiner Zeit weit voraus. 0 150 300 km

Staatsbibliothek Berlin - Preußischer Kulturbesitz, 4“ Jb 6498 15


Globale Verbreitung der Pocken 1949 - 1955
(Welt-Seuchen-Atlas, Bd. 3)
Ernst Rodenwaldt (Hrsg.) (1961)

Der Welt-Seuchen-Atlas ist mit 120 Karten und wis- fessor Carl Troll sprach in einer Rezension von einem
senschaftlichen Begleittexten der erste umfangreiche „Markenstein in der Entwicklung der medizinischen
Atlas, der sich den Erkenntnissen der medizinischen Geographie“ (Troll 1953, S. 60). Der Atlas in seiner
Geographie widmet. Er wurde an der Geomedizini- Konzeption, den eingesetzten themakartographi-
schen Forschungsstelle der Heidelberger Akademie schen Methoden und seiner Ausführung war Vorreiter
der Wissenschaften entwickelt und in den Jahren und Grundlage für nachfolgende medizingeographi-
1952 - 1961 in drei Bänden veröffentlicht. Heraus- sche Atlanten. Dies ändert aber nichts an der Tatsa-
gegeben wurde der Atlas mit finanzieller Unterstüt- che, dass die Person Rodenwaldt kritisch hinterfragt
zung der Medical Section der US Naval Forces von werden muss. In der NS-Zeit hatte Rodenwaldt als
Ernst Rodenwaldt (*1878 - †1965), dem Leiter der beratender Tropenhygieniker der Heeresführung und
Geomedizinischen Forschungsstelle. Leiter des Tropenmedizinischen Instituts der militär-
Bereits während des Zweiten Weltkriegs hatte Heinz ärztlichen Akademie eine machtvolle Position inne.
Zeiss einen Seuchen-Atlas publiziert, der ganz im So haben neue Erkenntnisse zu den Verflechtungen
Zeichen eines nationalsozialistisch geprägten Be- Rodenwaldts mit dem nationalsozialistischen Regime
griffs der Geomedizin stand und dessen vorrangiger 1998 dazu geführt, dass die Bundeswehr das Institut
Zweck darin bestand, die Soldaten über die vorherr- für Wehrmedizin und Hygiene in Koblenz von „Ernst
schenden Krankheiten in den zu erobernden Gebie- Rodenwaldt-Institut“ in „Institut für Wehrhygiene“
ten zu informieren und so den Kriegsverlauf positiv umbenannt hat.
zu beeinflussen. Dieser Atlas gilt als ein Vorläufer des
Die ausgestellte Karte aus dem dritten Band des
Welt-Seuchen-Atlas. Ernst Rodenwaldt und Heinz
Zeiss hatten in der NS-Zeit eng zusammengearbeitet Welt-Seuchen-Atlas zeigt die Verbreitung der Pocken
und auch gemeinsam publiziert, u. a. eine Einfüh- in den Jahren 1949 - 1955. Zur kartographischen
rung in die Hygiene und Seuchenlehre, die mit den Darstellung werden verschiedene Methoden einge-
Eroberungs- und Siedlungsplanungen in Osteuropa setzt. Die Inzidenz wird als Neuerkrankungen pro
konform ging. Während Heinz Zeiss, ab 1933 Leiter 100.000 Einwohner durch Flächenschraffuren dar-
des Hygiene-Instituts der Friedrich-Wilhelms-Univer- gestellt, während die räumlichen Ausbreitungswege
sität Berlin, unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg durch Pfeile und Jahresangaben visualisiert werden.
verhaftet wurde und in der Gefangenschaft verstarb, Die Pocken, eine durch Viren verursachte Infekti-
wurde Ernst Rodenwaldt in einem Entnazifizierungs- onskrankheit, sind seit dem Altertum bekannt und
prozess in die Gruppe der minder belasteten Perso- forderten bei zahlreichen Ausbrüchen viele tausend
nen eingestuft und 1948 freigesprochen. 1952 grün- Todesopfer. Pockenepidemien gab es in Europa noch
dete er die Geomedizinische Forschungsstelle an der in den 1950er und 1960er Jahren. Erst die Entwick-
Heidelberger Akademie der Wissenschaften. lung der Pockenschutzimpfung trug maßgeblich zur
Der Welt-Seuchen-Atlas wurde nach seinem Erschei- weltweiten Ausrottung der Pocken Ende der 1970er
0 1000 2000 km nen hoch gelobt, sowohl von Seiten der Kartographie Jahre bei. Der letzte Pockenfall in Deutschland wurde
als auch der Geographie. Der Bonner Geographiepro- 1972 in Hannover registriert.
16 Staatsbibliothek Berlin - Preußischer Kulturbesitz, 2´´ Kart. 54/26-3 91 17
HIV-Prävalenz 2003

Worldmapper (2006)

Eine breite öffentliche Aufmerksamkeit haben zu weit verantwortlich. Nach Schätzungen der WHO
Beginn des 21. Jahrhunderts die im Rahmen des waren 2010 ca. 34 Millionen Menschen mit dem
Worldmapper-Projektes erstellten Karten erfah- HI-Virus infiziert. Betroffen ist besonders der afrika-
ren, die in verschiedenen Ländern auch als Atlas in nische Kontinent südlich der Sahara, wo über 60%
Buchform veröffentlicht wurden. Über 700 Weltkar- der HIV-Infizierten leben. In Asien gehört Indien
ten zu ganz unterschiedlichen Themen wie Verkehr, mit mehr als 2 Millionen HIV-Infizierten zu den am
Armut und Umweltverschmutzung sind bisher in stärksten betroffenen Ländern. Eine Infektion mit
diesem Projekt, das am Geographischen Institut der dem HI-Virus bleibt zunächst oft unbemerkt, da
Universität Sheffield angesiedelt ist, entstanden. sich diese, wenn überhaupt, anfänglich nur durch
Verwendet wird dabei eine eher außergewöhnli- Erkältungssymptome bemerkbar macht. In der Fol-
che Form der kartographischen Darstellung, die als ge können schwerwiegende Erkrankungen wie z.B.
Anamorphose bezeichnet wird. Dabei wird die Flä- Pneumonien oder Tumore auftreten, die dann als
che der Bezugseinheiten (Gebiete) in Abhängigkeit Acquired Immune Deficiency Syndrom (AIDS) be-
von den Datenwerten proportional vergrößert oder zeichnet werden. Zwischen einer Infektion mit dem
verkleinert, die Gebiete also verzerrt dargestellt. HI-Virus und dem Ausbruch der AIDS-Erkrankung
Eindrucksvoll wird beim Betrachten der ausgestell- können viele Jahre vergehen, nur wenige Infizierte
ten Karte zur HIV-Prävalenz auf einen Blick deut- erkranken schon in den ersten beiden Jahren nach
lich, welche Länder, bzw. Kontinente der Erde am der Ansteckung.
stärksten betroffen und wie stark die Unterschie- Auch wenn eine HIV-Infektion durch den Einsatz
de ausgeprägt sind. Eine Anamorphose kann ihre von Medikamenten nicht geheilt werden kann, gibt
Wirkung aber nur erzielen, wenn wir zum Vergleich es mittlerweile medikamentöse Therapien, die es
eine flächenproportionale „reale“ Darstellung des den Betroffenen ermöglichen, ein nahezu normales
Raumausschnittes im Kopf haben oder eine solche Leben zu führen. Da eine Therapie sehr kostenin-
zum Vergleich abgebildet wird. Ist dies nicht der tensiv ist, schätzt die WHO, dass in den Ländern mit
Fall, kann ein falscher Eindruck entstehen und die mittlerem und niedrigem Einkommen noch 7 Mil-
dargestellten Informationen werden möglicherwei- lionen Infizierte auf eine Therapie warten. Um die
se nicht verstanden. Sämtliche Worldmapper-Kar- Ausbreitung des HI-Virus zu verhindern ist eine Auf-
ten sind computergestützt mit einer Software er- klärung der Bevölkerung über die Übertragungsri-
stellt worden, die einen an der Universität Michigan siken und entsprechende Schutzmaßnahmen von
entwickelten Algorithmus verwendet. zentraler Bedeutung. Die Bundeszentrale für Ge-
Das HI-Virus ist einer der gefährlichsten Infektions- sundheitliche Aufklärung führt zu diesem Zweck
erreger unserer Zeit und in den letzten drei Jahr- seit 1987 die Kampagne „Gib AIDS keine Chance“
zehnten für mehr als 25 Millionen Todesfälle welt- mit wechselnden medialen Angeboten durch.

© SASI Group (University of Sheffield) and Mark Newman (University of Michigan), www.worldmapper.org 19
Diphtherie/Keuchhusten/Tetanus/Polio-Impfungen und
Wahlergebnisse
Rijksinstituut voor Volksgezondheid en Milieu (2011)

Der Niederländische Zorgatlas ist ein herausragen- doch die Gefahr von Fehlinterpretationen der Karte
des Beispiel für einen Gesundheitsatlas im Inter- deutlich reduziert. Verknüpfungen im Text verwei-
net. Mehr als 1.000 Karten informieren über die sen auf Quellenmaterial, umfangreichere Darstel-
gesundheitliche Versorgung und den Gesundheits- lungen im Kompas Volksgezondheid oder auf eine
zustand der Bevölkerung in den Niederlanden. Der weitere Karte, die zum Vergleich eingeblendet wer-
Atlas ergänzt die Internetplattform des Nationalen den kann.
Kompas Volksgezondheid, auf der Fachinformatio- Diese letztgenannte Funktionalität zeigt das aus-
nen zu verschiedenen Gesundheitsthemen in Form gestellte Kartenbeispiel, das den Anteil geimpfter
von Texten und Grafiken bereitgestellt werden. Bei Kinder im Alter von zwei Jahren auf Gemeindeebe-
Themen, zu denen raumbezogene Daten vorliegen, ne darstellt. Beim Blick auf die Karte fällt sofort ein
wird direkt auf die entsprechende Karte des Zorg- räumliches Muster auf. In einem Bereich, der sich
atlas verwiesen. quer durch die Niederlande von Südwesten nach
Die Entwicklung des Zorgtlas nahm in den 1990er Nordosten zieht, ist der Anteil geimpfter Kinder
Jahren ihren Anfang. In dieser Zeit kündigten sich deutlich geringer als in den übrigen Gemeinden. Im
grundlegende Veränderungen im Gesundheitswe- begleitenden Text wird auf eine Karte verwiesen,
sen an: insbesondere die Entwicklung von einer in der die Wahlergebnisse einer konservativ christ-
Angebots- hin zu einer Nachfrageorientierung und lich orthodoxen Partei, der SGP, dargestellt werden.
eine zunehmende Regionalisierung in der Planung Auffallend sind die Gemeinsamkeiten beider Kar-
und Finanzierung von Gesundheitsleistungen. Vor ten. In einem als „Bible-Belt“ bezeichneten Gebiet
diesem Hintergrund sah das niederländische Ge- fallen die niedrigeren Impfzahlen mit einem hohen
sundheitsministerium einen Bedarf für eine landes- Stimmanteil der SGP zusammen. In diesem Gebiet
weite flächendeckende Darstellung des Angebotes sind viele Menschen der Glaubensgemeinschaft or-
von Gesundheitsleistungen in Form von Karten. Da- thodoxer Calvinisten angehörig, die Impfungen kri-
raufhin wurde am Rijksinstituut voor Volksgezond- tisch gegenübersteht.
heid en Milieu (RIVM) ein internetbasierter Atlas Der „Bible Belt“ geht auf den 80-jährigen Krieg
entwickelt, auf den zunächst nur das Gesundheits- zwischen den Vereinigten Niederlanden und der
ministerium zugreifen konnte. Seit Oktober 2000 spanischen Krone zurück. Während eines 12 Jah-
steht der Atlas öffentlich zugänglich im Internet zur re dauernden Waffenstillstandes (1609 - 1621)
Verfügung. emigrierten viele Protestanten aus den von den
Die Konzeption des Atlas sieht vor, dass jede Karte römisch-katholischen Spaniern besetzten Gebieten
durch einen Erläuterungstext ergänzt wird, in dem im Süden der Niederlande auf die niederländische
die Kartendarstellung und das dargestellte Thema protestantische Seite der Frontlinie. Der Verlauf die-
kurz beschrieben werden. Dies ist von zentraler ser Linie spiegelt sich noch heute im „Bible Belt“
Bedeutung, wird durch diese Form der Darstellung wieder.

20 © RIVM, Volksgezondheid Toekomst Verkenning (vtv), Nationale Atlas Volksgezondheid, www.zorgatlas.nl 21


Akute respiratorische Erkrankungen (ARE) in
Niedersachsen
Niedersächsisches Landesgesundheitsamt (2011)

Infektionskrankheiten mit Erkältungssymptomen Karten in Verbindung mit Diagrammen zeigen auf


wie Husten, Schnupfen und Halsschmerzen treten einen Blick, wann Erkältungskrankheiten gehäuft
alljährlich besonders in den Wintermonaten auf. aufgetreten sind und welche Erreger dafür primär
Verursacht werden diese durch unterschiedliche verantwortlich waren.
Arten von Viren, wie Picorna-, RS-, Metapneumo- Die Karte ist hierbei ein zentraler Bestandteil der
oder Influenzaviren. Doch wann beginnt eigentlich graphischen Präsentation. Auf Basis der administ-
eine Erkältungswelle und welche Erreger sind dafür rativen Gebiete (Landkreise/kreisfreie Städte) zeigt
verantwortlich? Welche Regionen in Niedersachsen sie die regionale Betroffenheit, wobei die Stärke der
sind wie stark betroffen? Handelt es sich möglicher- ARE-Aktivität durch unterschiedliche Flächenfarben
weise um einen neuen noch unbekannten Erreger? wiedergegeben wird. Um die räumliche Orientie-
Um diese Fragen beantworten zu können, hat das rung auf dieser Kreiskarte zu ermöglichen, kann der
Niedersächsische Landesgesundheitsamt (NLGA) in Betrachter topographische Informationen zur Lage
Zusammenarbeit mit den Landkreisen, kreisfreien von Städten, Flüssen, Straßen einblenden. Diese In-
Städten und der Region Hannover 2005 eine Surveil- teraktivität ist heute ein Vorteil gegenüber gedruck-
lance Akuter Respiratorischer Erkrankungen (ARE) ten Karten, in denen man nicht auf Knopfdruck
aufgebaut. Diese besteht aus zwei Modulen, einem Informationen ein- oder ausblenden kann. In den
freiwilligen Meldesystem, durch das der Kranken- gedruckten Karten, z. B. zur Cholera aus dem 19.
stand in Kindergemeinschaftseinrichtungen erfasst Jahrhundert, mussten die darzustellenden Elemente
wird, und der virologischen Untersuchung von Pati- viel stärker eingeschränkt werden, um die Lesbar-
entenproben, die von teilnehmenden Arztpraxen an keit der Karte zu gewährleisten. Und wie viel Papier
das Landesgesundheitsamt geschickt werden. So- wäre nötig gewesen, um den Jahreszeitverlauf der
mit lässt sich auf der einen Seite beurteilen, wann ARE-Aktivität für jeden der 46 Kreise in Niedersach-
und wo eine Erkältungswelle beginnt und wie stark sen darzustellen? Im interaktiven ARE-Bericht er-
diese ausgeprägt ist und auf der anderen Seite las- scheint der jeweilige Jahresverlauf, wenn man den
sen sich Aussagen zu den im Umlauf befindlichen Mauszeiger über einen Kreis bewegt.
Viren treffen.
Die Computerkartographie eröffnet neue Möglich-
Die Ergebnisse werden wöchentlich in einem Be- keiten der raumbezogenen Darstellung, die insbe-
richt zusammengefasst und auf der Internetseite sondere für die Visualisierung von raum-zeitlich
des NLGA veröffentlicht. Ergänzend wurde ein in- sehr dynamischen Infektionsdaten vorteilhaft ein-
teraktiver Bericht entwickelt, der einen raum-zeit- gesetzt werden können.
lichen Rückblick auf das Erkältungsgeschehen der
vergangenen 60 Wochen ermöglicht. Animierte

© Niedersächsisches Landesgesundheitsamt, www.are-surveillance.nlga.niedersachsen.de 23


MalariaInfo.net

Universität Bonn, Institut für Hygiene und öffentliche Gesundheit (2011)

Kartendienste im Internet wie Google MapsTM, Der Kartendienst Google MapsTM wird für die hier
Yahoo!® Maps, Microsoft BingTM Maps oder die gezeigte Internetseite MalariaInfo.net genutzt, die
„freie“ Weltkarte OpenStreetMap ermöglichen Ärzte und Reisende u. a. über das Erkrankungsrisiko
heute Straßenkarten oder Satellitenbilder von na- informiert und länderspezifische Empfehlungen für
hezu jedem Ort der Welt abzurufen. Sucht man die Prophylaxe (vorbeugende Maßnahmen) durch
einen bestimmten Ort, wird dessen Name in eine Medikamente gibt.
Suchmaske eingegeben, woraufhin ein entspre- Malaria ist eine Infektionskrankheit, die durch Para-
chender Kartenausschnitt erscheint, der interaktiv siten der Gattung Plasmodium hervorgerufen wird.
vergrößert oder verkleinert werden kann. Der kür- Überträger der Malaria ist die weibliche Anopheles-
zeste oder schnellste Weg zu diesem Ort kann bei Mücke. Die Malaria ist besonders in den tropischen
vielen Kartendiensten durch einen Routenplaner und subtropischen Regionen der Erde verbreitet.
berechnet, angezeigt und ausgedruckt werden. Das Infektionsrisiko ist in Abhängigkeit von der Re-
Doch Kartendienste können noch mehr: sie lassen gion und der Jahreszeit sehr unterschiedlich und
sich auch für eigene Anwendungen nutzen. So ist muss regelmäßig neu bewertet werden. Vereinzelt
es möglich, auf einer OpenStreetMap Basiskarte ein treten auch in unseren Breiten Malariafälle in der
eigenes Thema wie die Verbindungen des öffent- Umgebung von Flughäfen (Flughafen-Malaria) auf.
lichen Nahverkehrs mit Haltestellen darzustellen. Diese Fälle gehen auf infizierte Mücken zurück, die
Möglich wird dies z. B. über das XML-basierte Aus- an Bord von Flugzeugen eingeführt werden.
tauschformat KML, in dem sowohl die Geometrie Bei einer Malaria-Erkrankung auftretende Sympto-
als auch die graphische Darstellung der themati- me sind u. a. Fieber, Kopfschmerzen und Übelkeit,
schen Objekte (Buslinien, Haltestellen) beschrieben die 10 bis 15 Tage nach dem Mückenstich auftreten.
werden. Auch die Transparenz von Objekten kann Wenn die Malaria-Erkrankung nicht behandelt wird,
festgelegt werden. In das Kartenfenster des Brow- kann sie durch eine Unterbrechung der Blutzufuhr
sers werden die Grundlagenkarten des Kartendiens- zu lebenswichtigen Organen schnell lebensbedroh-
tes geladen und mit den georeferenzierten thema- lich werden. Nach WHO-Angaben sterben jährlich
tischen Daten überlagert. Auf diese Weise lassen weltweit je nach Schätzung zwischen 500.000 und
sich thematische Karten im Internet mit begrenz- 1 Millionen Menschen an der Malaria. Die Mortali-
tem Zeitaufwand erstellen, wobei die verfügbaren tätsraten sind in den Jahren 2000 bis 2010 weltweit
kartographischen Methoden (noch) sehr begrenzt um 26% zurückgegangen.
sind. Lösungen bieten Erweiterungen wie beispiels-
weise die GoogleTM Chart-Api, die den Einsatz von
Diagrammen in Verbindung mit der Karte erlaubt.
24 © Universität Bonn, Institut für Hygiene und öffentliche Gesundheit, www.malariainfo.net 25
Literatur

Einführung Vereins, am 17. November 1835, von Dr. Rothenburg, prak- 20. Jahrhundert. In: Ehmer, J.; Ferdinand U. und J. Reulecke Diphtherie/Keuchhusten/Tetanus/Polio-Impfungen und Wahl-
Kistemann, Th.; Leisch, H. und J. Schweikart (1997): Geome- tischem Arzt und protokollführendem Mitgliede der Direction (Hrsg., 2007): Herausforderung Bevölkerung – Zur Entwicklung ergebnisse
dizin und Medizinische Geographie. Entwicklung und Perspek- des ärztlichen Vereins in Hamburg. Zeitschrift für die gesammte des modernen Denkens über die Bevölkerung vor, im und nach Haandrikman, K. und T. Sobotka (2002): The Dutch Bible Belt;
tiven einer „old partnership“. Geographische Rundschau, Bd. Medicin, mit besonderer Rücksicht auf Hospitalpraxis und aus- dem „Dritten Reich“. Wiesbaden, S. 7 - 16. a demographic perspective. Issues 6, März 2002.
49, Heft 4, S. 198 – 203. ländische Literatur, Bd. 2, Heft 4, S. 401 - 449.
Van der Veen, A. und H. Giesbers (2001): Nationaler Gesund-
Simon, B. (2003): Epidemien im Spiegel der Medaillenkunst. Globale Verbreitung der Pocken 1949 - 1955 (Welt-Seuchen-
heitsatlas der Niederlande. Eine raumbezogene Darstellung des
Übersicht der progressiven Verbreitung der Cholera seit ihrer 13. Internationaler Numismatiker Kongress in Madrid. Band II, Atlas, Bd. 3)
Pflege- und Gesundheitswesens in den Niederlanden. Procee-
Erscheinung im Jahr 1817 über Asien, Europa und Africa S. 1743 - 1749. Carlberg, B. (1955): Der Weltseuchenatlas in kartographischer dings Webmapping 2001, S. XII.1 – XII.14.
Oken, L. (Hrsg., 1832): Cholera-Charte. In: Isis von Oken, Heft Wolter, F. (1898): Das Auftreten der Cholera in Hamburg in Betrachtung. Kartographische Nachrichten, Jg. 5, Heft 2, S. 6
Zwakhals, S. L. N.; Giesbers, H.; Mac Gillavry, E. et al. (2004):
4, Leipzig, S. 444. dem Zeitraume von 1831 – 1893 mit besonderer Berücksichti- - 12.
The Dutch National Atlas of Public Health. Bundesgesundheits-
Riecke, V. A. (1831): Mittheilungen über die morgenländische gung der Epidemie des Jahres 1892. München. Carlberg, B. (1957): Der Weltseuchenatlas in kartographischer blatt Nr. 9/2004, S. 882 - 889.
Brechruhr. Bd. 1, Stuttgart. Betrachtung (II. Teil). Kartographische Nachrichten, Jg. 7, Heft
Über die Verbreitungsweise der Cholera, Karte der Todesfälle 2, S. 52 - 53. Akute respiratorische Erkrankungen (ARE) in Niedersachsen
Wilderotter, H. (Hrsg.) (1995): Das große Sterben – Seuchen
im Londoner Stadtteil Soho Kiminus, M. (2003): Ernst Rodenwaldt – Leben und Werk. Zu-
machen Geschichte. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Niedersächsisches Landesgesundheitsamt (Hrsg., 2011): Sur-
Hygiene-Museum Dresden vom 8.12.1995 bis 10.3.1996. Cliff, A. D. und P. Haggett (1988): Atlas of Disease Distribution. sammenfassung der Dissertation, Universität Heidelberg. veillance für Influenza und andere akute respiratorische Erkran-
Oxford. Schleiermacher, S. (2005): Der Hygieniker Heinz Zeiss und sein kungen in Niedersachsen – Jahresbericht Saison 2010/2011.
Cholera Map of the British Isles showing the Districts attacked Koch, T. (2004): The Map as Intent: Variations on the Theme of Konzept der „Geomedizin des Ostraums“. In: Bruch, R. vom http://www.nlga.niedersachsen.de/download/62621/
in 1831, 1832, 1833 John Snow. Cartographica, Vol. 39, Nr. 4, S. 1 - 14. (Hrsg.): Die Berliner Universität in der NS-Zeit. Bd. II: Fachberei- Scharlach, H. und M. Scharlach (2008): Web-based health
Morris, R.J. (1976): Cholera 1832. London. Koch, T. (2005): Cartographies of Disease. Maps, Mapping, che und Fakultäten, Wiesbaden, S. 17 - 34. mapping – A short way from the data to the user. In: Peterson,
Pertl, F. (1940): Der Lebensweg der Cholera in Großbritannien and Medicine. Redlands. Troll, C. (1953): Ein Markstein in der Geschichte der Medizini- M. P. (Hrsg): International Perspectives on Maps and the Inter-
und Irland – Ein Beitrag zur Geomedizin der Wanderseuche. Koch, T. (2011): Disease Maps: Epidemics on the Ground. Chi- schen Geographie. Zum Erscheinen von E. Rodenwaldt’s Welt- net. Springer, S. 267 - 281.
Medical Microbiology and Immunology, Vol. 123, Nr. 1, S. 59 cago and London. Seuchen-Atlas (World Atlas of Epidemic Diseases). Erdkunde, Scharlach, H. und M. Scharlach (2008): Kartenbasierte Infor-
- 115. Bd. VII, S. 60 - 64 (mit 2 Karten). mationssysteme im Gesundheitswesen am Beispiel Niedersach-
Robinson, A. H. (1982): Early Thematic Mapping in the History
Weller, E. (1911): August Petermann. Ein Beitrag zur Geschich- of Cartography. Chicago und London. sens. In: Kartographische Nachrichten, Jg. 58, Heft 4, S. 171
HIV-Prävalenz 2003 - 178.
te der geographischen Entdeckungen und der Kartographie im Snow, J. (1856): Über die Verbreitungsweise der Cholera. Zwei-
19. Jahrhundert. Leipzig. Rase, W.-D. (1997): Kartographische Anamorphosen und ver-
te, sehr vermehrte Ausgabe, Quedlinburg.
wandte nichtlineare Abbildungen für thematische Karten. In: MalariaInfo.net
Karte über die Verbreitung der Cholera im Preussischen Staate, DGfK (Hrsg.): GIS und Kartographie im multimedialen Umfeld. Kern, H. F. und Nathusius, V. von (2010): Dynamische, interak-
Sterblichkeit an Lungentuberkulose im Deutschen Reich
bis zum 15. Mai 1832 Kartographische Schriften, Bd. 2. tive Thematische Kartographie in Webmapping-Applikationen.
1892/93 und 1900/01
Wilderotter, H. (Hrsg., 1995): Das große Sterben – Seuchen WHO, UNAIDS, UNICEF (Hrsg., 2011): Global HIV/AIDS Res- Kartographische Nachrichten, Jg. 60, Heft 4, S. 194 - 200.
Kaiserliches Gesundheitsamt und Kaiserliches Statistisches Amt
machen Geschichte. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung ponse. Epidemic update and health sector progress towards WHO (2011): World Malaria Report 2011.
(Hrsg., 1907): Das Deutsche Reich in gesundheitlicher und de-
im Hygiene-Museum Dresden vom 8.12.1995 bis 10.3.1996. Universal Access. Progress Report 2011.
mographischer Beziehung. Berlin.
Kuhn, J. (2005): Gesundheitsberichterstattung als Staatsaufga-
Die Cholera-Epidemie des Jahres 1832 in Hamburg
be. prävention, Nr. 2/2005, S. 57 - 63.
Rothenburg, J. N. C. (1836): Über die Cholera-Epidemie des
Lee, R.; Schneider, M. C. und J. Vögele (2007): Zur Entwick-
Jahres 1832 in Hamburg. Ein Vortrag, gehalten in der Ver-
lung der Todesursachenstatistik in Preußen im 19. und frühen
sammlung der wissenschaftlichen Vereinigung des ärztlichen

26 27
These “sanitary maps” of the environment form an unusually fascinating
chapter in the development of thematic cartography, perhaps because
many of them were made for analytical purposes as well as for display.
(Robinson, 1982)

Medizinische Karten stellen ein ungewöhnlich faszinierendes Kapitel in


der Entwicklung der Thematischen Kartographie dar. Der Grund liegt
möglicherweise darin, dass ein Großteil der Karten sowohl zum Zweck
der Datenanalyse als auch der Präsentation hergestellt wurde.
(Robinson, 1982)

www.dgfk.net www.nlga.niedersachsen.de www.staatsbibliothek-berlin.de