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Politik: Vorwahlen zur Präsidentschaftswahl in den USA

Die Wahl des US-Präsidenten – Die Vorwahlen

Jubelnde Menschenmassen schwenken blau-weiß-rote Fähnchen und Luftballons, Politiker


baden in der Menge: In den Vereinigten Staaten kündigen sich Wahlen an. Im kommenden
November bestimmen die US-Bürger, wer ihr nächster Präsident wird. Schon Monate vor
dem eigentlichen Wahltermin beginnt ein riesiges Medienspektakel: Die Parteien küren ihre
Spitzenkandidaten. Der Weg dahin ist lang und anstrengend: in einem komplizierten
Verfahren muss sich ein Kandidat zunächst gegen alle Konkurrenten aus der eigenen Partei
durchsetzen. Erst dann stellt er sich im Polit-Duell dem amtierenden Präsidenten und
Vertreter der gegnerischen Partei.

Parteimitglieder in allen Bundesstaaten stimmen ab

Während bei uns in Deutschland in der Regel ein Parteitag den Spitzenkandidaten einer Partei
bestimmt, organisieren die Parteien in den USA eine Reihe von Vorwahlen (primaries), um
ihre Spitzenkräfte festzulegen (man unterschiedet „open primaries“, die allen
Wahlberechtigten offen stehen und „closed primaries“ an denen die Parteimitglieder
teilnehmen.). Diese Vorwahlen beginnen bereits ein knappes Jahr vor dem eigentlichen
Wahltag. Die Parteimitglieder in jedem einzelnen Bundesstaat entscheiden so über ihren
Favoriten. Das Ziel der Vorwahlen ist, die Kandidaten in einem möglichst demokratischen
Verfahren zu wählen.

Favorit fordert Präsidenten heraus

Es stehen immer mehrere Personen einer Partei zur Wahl. Nur der Sieger einer solchen
Vorwahl hat Chancen, zum Kandidaten der Partei für das Amt des Präsidenten gekürt zu
werden. In der Regel wird derjenige Politiker Spitzenkandidat, der in der Mehrzahl der
Bundesstaaten bei den Vorwahlen siegt. Damit ist er aber noch lange nicht Präsident - er muss
sich bei der abschließenden Präsidentschaftswahl gegen den Kandidaten der Konkurrenzpartei
durchsetzen, der in der Regel der amtierende US-Präsident ist.

Urwahlen als Alternativmodell

In einigen Staaten veranstalten die Parteien statt der Vorwahlen so genannte "Urwahlen"
(Caucus). Dabei stimmen Parteimitglieder in drei Stufen über ihren Kandidaten ab: erst auf
lokaler Ebene (also in einer Gemeinde), dann auf regionaler Ebene, dann für den Bundesstaat.
Sie wählen allerdings nicht direkt einen Spitzenkandidaten, sondern Wahlmänner, die für
einen bestimmten Spitzenkandidaten abstimmen sollen. Die Urwahlen erregen weniger
Aufsehen als die Vorwahlen: sie liefern meist keine spektakulären Ergebnisse, gelten
allerdings als besonders demokratisches Verfahren.

Super Tuesday bringt Entscheidung

Der Höhepunkt der Vorwahlen ist der so genannte "Super Tuesday", der in diesem Jahr am 2.
März stattfand. An diesem Termin finden Vorwahlen in zehn Bundesstaaten gleichzeitig statt.
Wer an diesem Tag als Sieger hervorgeht, hat die Kandidatur schon so gut wie in der Tasche.
Offiziell wird der Herausforderer aber erst im Sommer auf einem Parteitag zum
Präsidentschaftskandidaten gekürt.

© Stefanie Pokroppa, August 04


Politik: Präsidentschaftswahl in den USA

Die Bürger bestimmen in den USA nur indirekt, wer ins Weiße Haus
einziehen darf.

Die US-Bürger, die wählen wollen, müssen sich zunächst als eingetragene Wähler registrieren
lassen. Da es in den USA keine Meldepflicht gibt – wie bei uns in Deutschland – verlangen
die meisten Bundesstaaten eine „Mindestwohnzeit“ als Berechtigung, dort wählen zu können.
Diese kann je nach Bundesstaat zwischen zwei Wochen und mehreren Monaten liegen.

Wenn die registrierten US-Bürger am 2. November 2004 ihre Stimme abgeben, wählen sie
ihren Präsidenten nicht direkt. Das ist in den Vereinigten Staaten die Aufgabe eines
"Wahlmännerkollegiums" (electoral college). Die Bürgerinnen und Bürger geben ihre Stimme
für so genannte Wahlmänner ab, die einen Präsidentschaftskandidaten unterstützen werden.
Die Wahlmänner sind Abgeordnete der Parteien in den einzelnen Bundesstaaten. Auf jeden
Bundesstaat entfallen so viele Wahlmänner und -frauen, wie dieser Vertreter in den beiden
Häusern des Kongresses hat (mindestens drei, denn jedes Bundesland entsendet zwei
Senatoren und zudem einen oder mehrere Repräsentanten – abhängig von der
Bevölkerungszahl). So schickt etwa Kalifornien 54 Leute in das so genannte electoral
College, New York 33 und Alaska nur 3 - insgesamt sind es 538 Menschen.

Der Kandidat, der in einem Bundesstaat die meisten Stimmen gewinnen konnte, erhält
sämtliche Wahlmännerstimmen des Bundesstaates. Der Gegner verliert in diesem Bundesstaat
alle Wahlmännerstimmen - ganz gleich, wie knapp der Stimmenvorsprung des Gegners war.
So bekam etwa John F. Kennedy 1960 in Illinois die Stimmen von allen 27 Wahlmännern,
obwohl er bei rund vier Millionen Wählern in dem Staat absolut nur 9000 Stimmen
Vorsprung hatte.

Wahlmännerkollegium tritt im Dezember zusammen

Im Dezember nach der Wahl treten alle Wahlmänner schließlich zusammen und geben ihre
Stimme für den Präsidenten und den Vizepräsidenten ab. Jeder Wahlmann hat sich vor seiner
Partei verpflichtet, den eigenen Kandidaten zu wählen. Insgesamt braucht der US-Präsident
mindestens 270 Wahlmännerstimmen, um gewählt zu werden. Am 20. Januar 2005, mehr als
ein Jahr nach den ersten Vorwahlen, werden dann der 44. Präsident der Vereinigten Staaten
von Amerika und sein Stellvertreter ihren Amtseid schwören.

Tücken des Systems

Dieses System ist zwar etwas umständlich, funktioniert aber zuverlässig. Allerdings hat es
gewisse Tücken, wenn Wahlen sehr knapp ausgehen: Bei den letzten Wahlen konnte der
demokratische Kandidat Al Gore in den Bundesstaaten prozentual insgesamt mehr Stimmen
sammeln (48,4%) als der Republikaner George W. Bush (47,2%). Bush aber gewann in
mehreren Bundesstaaten alle Wahlmänner und dadurch insgesamt mehr Wahlmänner für sich
- und wurde schließlich Präsident der USA.

© Stefanie Pokroppa, August 04


Politik: Vorwahlen zur Präsidentschaftswahl USA – Quiz

(1) Warum werden in den USA Vorwahlen zur


Präsidentschaftswahl durchgeführt?

(2) Wie nennt man die beiden Wahlverfahren, mit denen die
Spitzenkandidaten ausgewählt werden?

(3) Die „primarys“ sind als Wahlverfahren besonders beliebt.


Wer darf daran teilnehmen?

(4) Es gibt in den USA zwei Parteien: die Demokraten und die
Republikaner. Warum haben die Republikaner in diesem Jahr
keine Vorwahlen durchgeführt?

(5) Warum ist der „super tuesday“ so wichtig?

(6) Wann und wo wird endgültig und offiziell entschieden,


wer Präsidentschaftskandidat einer Partei wird?

© Stefanie Pokroppa, August 04


Politik: Präsidentschaftswahl in den USA – Quiz

(1) Welche Voraussetzungen muss man als US-Bürger


erfüllen, um an Wahlen teilnehmen zu dürfen?

(2) Die US-Bürger wählen ihren Präsidenten nicht direkt,


sondern über ein Wahlmännergremium, das „electoral
college“. Warum entsendet jedes Bundesland eine
unterschiedliche Anzahl von Wahlmännern?

(3) Sobald die Ergebnisse für einen Bundesstaat feststehen


heißt es dort „The winner takes it all“ – warum?

(4) Wann treten die Wahlmänner zusammen und wen wählen


sie?

(5) Wem sind die Wahlmänner verpflichtet?

(6) Was war die „Tücke“ bei der letzten Präsidentschaftswahl


in den USA?

© Stefanie Pokroppa, August 04


Politik: Vorwahlen zur Präsidentschaftswahl in den USA II

(1) Warum werden in den USA Vorwahlen zur Präsidentschaftswahl durchgeführt?

Die Parteien legen auf diese Weise ihren Spitzenkandidaten fest. Außerdem wird die
Festlegung auf einen Spitzenkandidaten damit demokratischer.

(2) Wie nennt man die beiden Wahlverfahren, mit denen die Spitzenkandidaten ausgewählt
werden?

Primarys (open und closed) und caucuses

(3) Die „primarys“ sind als Wahlverfahren besonders beliebt. Wer darf daran teilnehmen?

Je nach dem, ob es ein „open primary“ ist, alle Wahlberechtigten oder – bei den closed
primarys – alle Mitglieder einer Partei.

(4) Es gibt in den USA zwei Parteien: die Demokraten und die Republikaner. Warum haben
die Republikaner in diesem Jahr keine Vorwahlen durchgeführt?

Die Republikaner stellen den derzeitigen US-Präsidenten (George W. Bush). Da Bush sich
wieder zur Wahl stellt, entfällt eine Vorwahl.
PS: Ein US-Präsident darf sich gemäß US-Verfassung nur EINMAL wieder wählen lassen.

(5) Warum ist der „super tuesday“ so wichtig?

Zum ersten wird an diesem Tag in sehr vielen Bundesstaaten auf einmal gewählt. Zum
zweiten wird der „Sieger dieses Tages“ meistens auch Präsidentschaftskandidat.

(6) Wann und wo wird endgültig und offiziell entschieden, wer Präsidentschaftskandidat einer
Partei wird?

Die Parteien beschließen dies auf ihrem Parteitag im Sommer vor den Hauptwahlen.

Politik: Präsidentschaftswahl in den USA

© Stefanie Pokroppa, August 04


(1) Welche Voraussetzungen muss man als US-Bürger erfüllen, um an Wahlen teilnehmen zu
dürfen?
Man muss sich als eingetragener Wähler registrieren lassen und eine Mindestwohnzeit in dem
Bundesstaat erfüllen, in dem man wohnt.

(2) Die US-Bürger wählen ihren Präsidenten nicht direkt, sondern über ein
Wahlmännergremium, das „electoral college“. Warum entsendet jedes Bundesland eine
unterschiedliche Anzahl von Wahlmännern?
Die Anzahl der Wahlmänner ist von der Bevölkerungszahl abhängig (Genauer: von der
Anzahl der Kongressmitglieder des Bundeslandes [zwei Senatoren + variable Anzahl
Repräsentanten]).

(3) Sobald die Ergebnisse für einen Bundesstaat feststehen heißt es dort „The winner takes it
all“ – warum?
Der Kandidat, der in einem Bundesstaat die meisten Stimmen gewinnen konnte, erhält
sämtliche Wahlmännerstimmen des Bundesstaates.

(4) Wann treten die Wahlmänner zusammen und wen wählen sie?
Die Wahlmänner wählen im Dezember nach der Wahl den Präsidenten und den
Vizepräsidenten.

(5) Wem sind die Wahlmänner verpflichtet?


Ihrer Partei.

(6) Was war die „Tücke“ bei der letzten Präsidentschaftswahl in den USA?
Der demokratische Kandidat Al Gore konnte prozentual insgesamt mehr Stimmen sammeln
(48,4%) als der Republikaner George W. Bush (47,2%). Bush wurde aber Präsident der USA,
da er mehr Bundesstaaten und damit Wahlmänner für sich gewinnen konnte.

Fragen, die ich wieder verworfen habe, da dieser Fragebogen zu lang wurde, die man aber
noch besprechen sollte:

(7) Wann findet die Wahl dieses Jahr eigentlich statt?


Am 2. November 2004
Anekdote: Der Wahltag ist seit 1845 per Bundesgesetz festgelegt: immer der Dienstag nach
dem ersten Montag im November. Sonntags ist Kirche und der 1. November ist Allerheiligen
(zudem Monatsabschluss für die Kaufleute), deswegen fielen diese Tage weg, denn wegen der
Jahreszeit ist der Weg zum Wahllokal früher nicht immer innerhalb eines Tages zu schaffen
gewesen.

(8) Mit wie viel Stimmen wird man Präsident?


Mit mindestens 270 Wahlmännerstimmen.

© Stefanie Pokroppa, August 04