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Handwerkszeug für die Gedichtinterpretation

1. Kennzeichen der Lyrik

Lyrik umfasst alle Arten von Gedichten. Sie unterscheidet sich von der Prosa durch ihre
gebundene Form (Vers, Metrik, Strophenaufbau, Reim).

Versform, Strophenform:
Während ein Prosatext als Fließtext gestaltet ist, ist ein Gedicht durch Zeilenumbrüche
gekennzeichnet. Ein Vers umfasst eine Zeile eines Gedichts.
Die Strophe bündelt die einzelnen Verse zu einer relativen inhaltlichen und/oder formalen
Einheit. Strophen sind optisch durch Leerzeilen voneinander getrennt.

Metrum:
Das Metrum oder Versmaß ist das Betonungsschema eines Verses. Für die Bestimmung des
Metrums spielen Zahl und Abstand der betonten Silben eine Rolle.
(betonte Silbe = Hebung, unbetonte Silbe = Senkung)
Die kleinste metrische Einheit (in der es jeweils nur eine betonte Silbe gibt) wird als Versfuß
bezeichnet. Im Deutschen gibt es zwei- und dreisilbige Versfüße.

Versfüße:
Trochäus zweisilbiger fallender Bsp.: Abend wird es wieder
(betont, unbetont = X x) Versfuß, wirkt beruhigend
schnárchen
Jambus zweisilbiger steigender Bsp.: Der Mond ist
(unbetont, betont = x X) Versfuß, wirkt aufgegangen
entférnt beschleunigend
Daktylus dreisilbiger fallender Versfuß Bsp.: Wenn nun der silberne
(betont, unbetont, unbetont Mond
= X x x) K
´önigin
Anapäst dreisilbiger steigender Bsp.: Stiller Mond, guter
(unbetont, unbetont, betont Versfuß Freund, warum willst du
= x x X) schon ziehn?
Paradíes

Die Bezeichnung des Versmaßes eines Gedichts richtet sich nach der Anzahl der Versfüße:
vierhebiger Jambus, dreihebiger Trochäus, …
Es gibt allerdings auch Versmaße, die einen bestimmten Namen haben und eine feste Kombination von
Versfüßen aufweisen, z.B.:
 Alexandriner: sechshebiger Jambus mit Zäsur (Pause) in der Versmitte, Hauptversmaß des Barocks
(Bsp.: Was dieser heute baut, / reißt jener morgen ein)
 Hexameter: sechshebiger Daktylus, Hauptversmaß der Antike (Bsp.: Sterbliche, kennt ihr die Ehre, die
euer Geschlechte verherrlicht)
Mag. Verena Unger Deutsch Schuljahr 2012/13

Reim:
Mit dem Begriff „Reim“ bezeichnet man den Gleichklang von mindestens zwei Wörtern von
ihrer letzten betonten Silbe an (z.B. Rang/Gang, leben/geben). Er folgt in einem Gedicht
regelmäßig an bestimmten Stellen, meist am Versende (Endreim), als wiederkehrendes
Klangmuster.
Wird ein ganzer Vers (regelmäßig an einer bestimmten Stelle im Gedicht bzw. in jeder Strophe)
wiederholt, spricht man von Kehrreim oder Refrain.
Es gibt noch weitere Reimarten: Binnenreim (zwei oder mehrere Wörter in demselben Vers reimen sich),
Anfangsreim (die ersten Wörter zweier Verse reimen sich), Stabreim (Alliteration; mehrere Wörter
beginnen mit demselben Laut).

Reimschemata:
Paarreim: es reimen sich Gemächlich in der Werkstatt saß a
jeweils die beiden Zum Frühstück Meister Nikolas, a
aufeinanderfolgenden Die junge Hausfrau schenkt’ ihm ein, b
Verse
Es war im heitern Sonnenschein. b
Kreuzreim: der Reim folgt Seltsam, im Nebel zu wandern! a
erst in der übernächsten Einsam ist jeder Busch und Stein, b
Zeile Kein Baum sieht den andern, a
Jeder ist allein. b
umarmender Reim: ein Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden. a
Reim umfasst einen Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein; b
anderen Wo jetzund Städte stehn, wird eine Wiese seyn, b
Auf der ein Schäfers Kind wird spielen mit den Herden. a
Schweifreim Ja, ich weiß, woher ich stamme, a
(Zwischenreim): Paarreime Ungesättigt gleich der Flamme a
unterbrochen von einzelnen Glühe und verzehr’ ich mich. b
Versen, die sich
miteinander reimen Licht wird alles, was ich fasse, c
Kohle alles, was ich lasse, c
Flamme bin ich sicherlich. b

Endreime werden mit kleinen Buchstaben aus dem Alphabet bezeichnet. Gleichlautende Reime erhalten
dabei immer den gleichen Buchstaben.

Was die Qualität des Reims betrifft, so unterscheidet man reine und unreine Reime. Der
reine Reim ist ein genauer Gleichklang von einer oder mehreren Silben (Haus – Maus). Beim
unreinen Reim stimmen nur die Vokale, nicht aber die Konsonanten überein (Assonanz;
sagen – Raben) oder die sich reimenden Vokale haben nicht dieselbe Länge oder Qualität
(Straßen – Gassen).

Gedichtformen:
Es gibt gewisse Gedichtformen, die einen festgelegten Strophenbau in Verbindung mit einer festen
Reimfolge und/oder einem festen Versmaß haben, z.B.:
Mag. Verena Unger Deutsch Schuljahr 2012/13

 Sonett: Gedicht aus 14 Zeilen, die sich auf zwei Quartette (Vierzeiler) und zwei Terzette (Dreizeiler)
verteilen, Reimschema: abba/abba in den Quartetten, cdc/dcd oder cde/cde oder ccd/eed in den
Terzetten; der formalen Zäsur zwischen Quartetten und Terzetten entspricht in der Regel auch ein
inhaltlicher Kontrast
 Ballade: strophisch regelmäßig gegliederte, längere Gedichtform mit Reim und Tendenz zu festem
Metrum, erzählender Charakter
 Lied: strophisch gebaute Gedichtform mit relativ kurzen Versen und Reimbindung, wobei Reim und
Metrum oft nicht streng durchgehalten werden, zuweilen mit Refrain (Kehrreim)

2. Formulierungen für die Gedichtinterpretation

Einleitung:
 Das Gedicht … (Titel) von … (AutorIn) entstand im Jahre …, zur Zeit der … (Epoche).
 Das Gedicht … (Titel) von … (AutorIn) stammt aus dem Jahre … und ist der Epoche des/r …
zuzuordnen.
 Der Autor beschreibt in dem Sonett …
 Die Ballade stellt … dar.
 Das Gedicht … (Titel) von … (AutorIn) wurde im Jahre …, zur Zeit der … (Epoche), verfasst und
beschreibt …

Formale Analyse:
 Das Gedicht besteht aus … Strophen zu je … Versen.
 Das Gedicht umfasst … Strophen mit … Versen.
 Es liegt ein regelmäßiges Metrum, ein … vor.
 Es liegt ein regelmäßiges Reimschema, ein …, vor.
 Beim Versmaß handelt es sich um …
 Es ist durchgehend ein … (Metrum) sowie ein … (Reimschema) vorzufinden.
 Das Gedicht weist einen … (Metrum) und einen … (Reimschema) auf.
 Das Reimschema ist so angelegt, dass sich jeweils der … und … Vers sowie der … und … Vers
reimen. Demnach handelt es sich hier um einen … (Reimschema).

Inhaltsangabe:
 In der ersten Strophe wird … beschrieben.
 Die erste Strophe stellt … dar.
 In der zweiten Strophe … das lyrische Ich …

Sprachliche Analyse:
 Im Vers … liegt eine Metapher vor: „…“ (+ Erläuterung)
 Der Ausdruck „…“ (Vers Nr.) stellt eine Metapher dar. (+ Erläuterung)
 Mit der Metapher „…“ (Vers Nr.) wird … ausgedrückt.
 Im Vers … ist ein Symbol zu finden. (+ Erläuterung)
 Das Symbol … (Vers Nr.) steht für …
 … wird im Vers … personifiziert.
 … ist als Paradoxon zu sehen. (+ Erläuterung)
 Ein wesentliches Stilmerkmal des Gedichts ist …
 Charakteristisch für das Gedicht ist …
 Das Gedicht ist gekennzeichnet durch …
 Die Wortwahl ist geprägt durch …
 Der Autor/die Autorin benutzt vor allem das Wortfeld der …
 Es überwiegen (Verben/Adjektive/…)
 Auffällig ist …
Mag. Verena Unger Deutsch Schuljahr 2012/13

 Die Wörter … erzeugen eine (feierliche/…) Atmosphäre.


 Das Gedicht ist (gefühlvoll/nüchtern/…) geschrieben.