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Staatliche Realschule

Studienreferendarin:
Deutsch/Erdkunde

Dritte Prüfungslehrprobe im Fach


Deutsch

Thema: Nach einem literarischen


Vorbild erzählen

Klasse:
Datum:
Zeit:

Prüfungskommission:
Vorsitzender:
1. Prüfer:
2. Prüfer:

„Als wir noch zwei Tagereisen von unserm Schiffe entfernt


waren, sahen wir drei Leute, die an hohe Bäume bei den
2

Beinen aufgehängt waren. Ich erkundigte mich, was sie


begangen hätten, um eine so harte Strafe zu verdienen, und
hörte, sie wären in der Fremde gewesen und hätten bei
ihrer Zurückkunft nach Hause ihre Freunde belogen und
ihnen Plätze beschrieben, die sie nie gesehen, und Dinge
erzählt, die sich nie zugetragen hätten. Ich fand die Strafe
sehr gerecht; denn nichts ist mehr eines Reisenden
Schuldigkeit, als strenge der Wahrheit anzuhängen.“

(Bild:
http://runeberg.org/mhausen/portratt.htm)

I. Sachanalyse

1. Schreiben nach literarischen Vorbildern


„Mit dem Erzählen nach literarischen Vorbildern wurden die möglichen Gegenstände des
Lernbereiches „Schreiben“ in den Jahrgangsstufen 7 und 10 um eine Variante bereichert, die
Elemente des „klassischen“ Aufsatzunterrichts mit Inhalten des Literaturunterrichts verknüpft
und somit eine Möglichkeit zur Umsetzung des integrativen Prinzips darstellt, dem der
Deutschunterricht verpflichtet sein soll. Produktionsorientierter Literaturunterricht wurde mit
der Einführung neuer kreativer Schreibformen „schulaufgabenfähig“ gemacht.“ (ISB Formen
der Leistungserhebung im Fach Deutsch, S. 76 ff.). Diese Schreibform ist also auch eine
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Schulaufgabenform in der siebten und der zehnten Klasse der neuen sechsstufigen Realschule
in Bayern. Literaturunterricht und Aufsatzunterricht werden hierbei zusammengeführt.
Für die siebte Jahrgangsstufe beschränkt sich diese Aufsatzart nur auf das Erzählen nach
literarischen Vorbildern, was eine eindeutige Festlegung der Schreibhaltung bedeutet,
wohingegen in der zehnten Klasse generell Texte nach den verschiedensten Vorbildern
gestaltet werden können. Im Gegensatz zur siebten Klasse wird in der zehnten ein breites
Spektrum von Schreibhaltungen eröffnet, das Berichten, Erzählen, Argumentieren und viele
andere beinhaltet.
Ich werde mich auf das Erzählen nach literarischen Vorbildern beschränken. Für den
Schreibprozess gibt es für die siebte Klasse zwei Möglichkeiten. In der Variante der
Übertragung orientieren sie die Schüler beim Schreiben am Inhalt eines literarischen Textes
(z.B. einer Ballade) und transferieren diesen in eine erzählende Form. Als Produkt erhält man
den Inhalt der literarischen Vorgabe vollständig und nachvollziehbar in Form einer
Erzählung. In meiner Unterrichtsstunde findet jedoch die nachahmende Form Anwendung.
„Die Schüler orientieren sich beim Schreiben an den strukturellen, sprachlichen und
inhaltlichen Besonderheiten einer epischen Kurzform, nehmen diese zum Vorbild und
verfassen einen Paralleltext, z.B. ein eigenes Märchen“ (ISB Formen der Leistungserhebung
im Fach Deutsch, S. 76) oder, wie in meiner Unterrichtsstunde, eine Lügengeschichte. Es
sollen epische Texte entstehen, die der gewählten literarischen Kurzform in Bezug auf Form,
Inhalt und Sprache möglichst ähnlich sind, das heißt, dass die hervorgegangenen Texte
eindeutig als Lügengeschichte, Märchen, Sage oder Fabel zu erkennen sind. Das Staatsinstitut
für Schulqualität und Bildungsforschung München beschränkt sich bei seinen Vorschlagen
„auf drei Textsorten, sie sich besonders gut als Vorlagen für Paralleltexte eignen, weil für sie
verbindliche „Merkmalskataloge“ erarbeitet werden können, ihre Handlung immer linear
sowie nach demselben, leicht durchschaubaren Schema verläuft und die Figuren eindeutig
charakterisiert sind“ (ISB S.77). Die genaue Auseinandersetzung mit den Besonderheiten der
Textsorte ist Ausgangssituation der Unterrichtsarbeit, da die Nachahmung nur gelingen kann,
wenn die Struktur des Vorbilds verstanden wurde. Als gut geeignete literarische Kurzformen
werden vorgeschlagen: Münchhausen-Geschichten, Eulenspiegel-Geschichten und
Märchen. Da ich mich für ersteres entschiednen habe, werde ich im folgenden nicht weiter auf
die anderen Varianten eingehen.

2. Münchhausen-Geschichten
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2.1 Entstehungsgeschichte
Die Münchhausen-Geschichten gehen auf Karl Friedrich Hieronymus Freiherr von
Münchhausen zurück, der 1720 in Bodenwerder im Weserbergland geboren wurde und bis
1797 lebte. Ihm werden die Geschichten vom Baron von Münchhausen zugeschrieben. Es ist
also Tatsache, dass es wirklich einen Baron von Münchhausen gegeben hat, doch beruhen die
Erzählungen auf den unterschiedlichsten Geschichten und Quellen, so dass man heute scharf
trennen muss zwischen dem Freiherr von Münchhausen aus Bodenwerder und dem Stoff
seiner Erzählungen, die allen möglichen Leuten erzählt und aufgeschrieben wurden.
Schon aus der Spätantike sind uns Satiren mit vielerlei Lügengeschichten bekannt, die im
Mittelalter und der frühen Neuzeit immer wieder aufgegriffen wurden. Sie handeln meist von
merkwürdigen Abenteurern und von Lügengeschichten, in denen Ansätze der Münchhausen-
Geschichten erkennbar sind. „Die historische Person Hieronymus Carl Friedrich von
Münchhausen erzählte vielleicht schon während seiner Stationierung in Riga, sicher aber nach
seiner Rückkehr nach Bodenwerder etwa von 1755 an im Freundeskreis auf besondere Art
Lügengeschichten und erreichte damit überregionale Bekanntheit. Nur von vier Geschichten
im später erschienenen Buch weiß man, dass er sie wirklich erzählt hat. Sonst gibt es keine
Beweise dafür, was er erzählt hat!“ (www.wikipedia.de). Erstmals wurde ein schmales
Münchhausen-Büchlein 1785 in englischer Sprache publiziert, das im Laufe der Zeit
ausgeweitet wurde. In der deutschsprachigen Literatur gehen die Texte vor allem auf ein
Werk Gottfried August Bürgers zurück, das 1787 in Göttingen erschien. Viele weitere
Autoren und Übersetzer haben die Geschichten in ihren Fassungen modernisiert, abgeändert
oder weiterphantasiert. Ich beziehe mich in meiner Stunde auf eine Version von Erich
Kästner, der 1938 eine modernisierte Fassung der Münchhausen-Geschichten veröffentlichte.
Er passte die Sprache an und stellte den Geschichte ein stark humoristisches Vorwort im
eigenen Stil vorweg. In meinen Augen ist die Version Kästners für Schüler am besten
geeignet, da die Sprache leicht verständlich ist und Kästner einen Humor besitzt, der die
Jugendlichen anspricht.

2.2 Karl Friedrich Hieronymus Freiherr von Münchhausen (1720-1792)


Wie es früher in den Adelsfamilien üblich war, so wurde auch Münchhausen Soldat. Einige
seiner biographischen Eckdaten sind in den Geschichten wiederzufinden. Unter anderem
diente der Baron in der Russischen Armee, worauf sich die Russland-Reisen beziehen.
Außerdem nahm er an zwei Türkenkriegen teil. Einige der ihm zugeschriebenen
Lügengeschichten, wie der berühmte Ritt auf der Kanonenkugel, haben diese kriegerischen
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Auseinandersetzungen als Basis. . „Aus seinem Leben erhalten geblieben ist u.a. die Schenke
im früheren livländischen, jetzt lettischen, Dunte, in der der damals zu einem Rigaer
Regiment gehörende Baron seine phantasiesprühenden Abenteuer zum Besten gegeben haben
soll. Ab 1750 verlebte Münchhausen mit seiner Frau auf dem ererbten Gut in Bodenwerder
weitere 40 glückliche, wenngleich kinderlose Jahre. Nach dem Tod seiner Frau schloss der
alte Münchhausen 1794 die Ehe mit der 20-jährigen Bernhardine von Brünn, welche alsbald
mit schlimmen Zerwürfnissen und einem aufsehenerregenden und ruinösen
Scheidungsprozess endete“ (www.wikipedia.de).

2.3 Das Gesamtwerk


Die Münchhausen-Geschichten werden in verschiedene Bücher unterteilt, die sich inhaltlich
und sprachlich teilweise stark unterscheiden. Die in meiner Unterrichtsstunde verwendete
Geschichte „Der Schlittenwolf“ ist der „Reise nach Russland“ zuzuordnen. Hier finden sich
auch andere bekannte Geschichten wie „Das Pferd an der Kirchturmspitze“ oder „Der
tinkfeste General“. Es folgen die Lügenmotive, die zu den Jagdgeschichten gehören. Sie
ähneln im Stil denen der Russlandreise. Meist kämpft der Baron in diesen Geschichten gegen
wilde Tiere oder wendet unglaubliche Methoden zur Jagd an. Auch unter dem Titel „Von
Hunden und Pferden“ sind Jagdgeschichten zu finden. Hier erscheint auch die bekannte
Geschichte, in der der Baron sein Publikum zum Staunen bringt, indem er ein Pferd zähmt
und auf einem gedeckten Tisch eine Reiteinlage vorführt, ohne dass auch nur ein Teller
beschädigt wird. Im Krieg gegen die Türken ist der Ritt auf der Kanonenkugel zu finden und
auch der halbierte Litauer. Es folgen Geschichten aus der Gefangenschaft bei den Türken. Die
Seeabenteuer (1-10) unterscheiden sich von den vorhergehenden Geschichten in Aufbau,
Sprache und Motiven. Sie handeln von den Gefahren in verschiedenen Ländern und auf hoher
See. Heute sind und solche ähnlichen Geschichten auch unter dem Begriff „Seemannsgarn“
bekannt. Die einzelnen Geschichten werden länger und bekommen einen immer stärkeren
märchenhaften Charakter (z.B. Die Wette mit dem Sultan aus dem 5. und 6. Seeabenteuer).
Der Baron reist in die entlegensten Orte, kämpft sogar mit Eisbären und Haien und trifft
schließlich auf Mondmenschen und andere Phantasiegeschöpfe. Die „Reise um die Welt“
knüpft an ähnliche Motive an.

2.4 Textsortencharakteristik der Münchhausen-Geschichten

2.4.1 Struktur
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Obwohl sich die Geschichten in ihren Inhalten unterscheiden, so liegt ihnen doch ein
gemeinsamer Aufbau zugrunde. Sie sind alle als Erzählung zu charakterisieren, wenn man die
Erzählung im weiteren Sinne als Oberbegriff für eine kurze Form der schriftlichen und
mündlichen Darstellung definiert. Es bestehen jedoch Ähnlichkeiten zur Anekdote und zum
Schwank.
Die Münchhausengeschichten erfüllen aber auch die Kriterien einer Erzählung als eigenes
literaturwissenschaftliches Genre. Es handelt sich um fast zufällig aneinandergereihte
Begebenheiten, die anekdotenhaft an eine unsichtbare Zuhörergruppe gerichtet sind. Es wird
im Präteritum und aus der Ich-Perspektive erzählt. Der Stil ist dabei informell, angelehnt an
eine relativ altsprachliche Mündlichkeit, da es sich ausschließlich um wörtliche Rede handelt.
Der Baron berichtet in lockerer Runde von seinen unglaublichen Reise-, Jagd- und
Kriegserlebnissen. Eingeleitet werden die Episoden zumeist mit einer Anredeformel (z.B.
„Meine Herren“). (http://gutenberg.spiegel.de/buerger/muenchhs/muenchhs.htm)
und der Beschreibung vom ungefähren Ort des Geschehens. Häufig wird im Hauptteil eine
gefährliche oder problematische Situation geschildert, in die der Baron mehr oder minder
selbstverschuldet geraten ist. Es sind dabei selten andere Personen als der Baron selbst
beteiligt, und wenn, treten sie nur im Hintergrund in Erscheinung. Während die
Grundsituation meist eine nachvollziehbare Ursache hat, so ist die Lösung des Problems und
somit der Höhepunkt der Geschichten immer eine haarsträubende Lüge und die
unwahrscheinlichste Möglichkeit (Der echte Münchhausen galt als hervorragender Erzähler
und erfand diese Lügen absichtlich, um seine Zuhörer zu unterhalten und gleichzeitig
eventuelle kleinere Schummeleien seiner Vorredner („Jägerlatein“) ad absurdum zu führen)
(http://www.contep.de/Muenchhausen/anfang.htm).

2.4.2 Zeit- und Raumgestaltung

Um den Geschichten einen glaubhaften Charakter zu geben, so beschreibt der Erzähler nicht
nur die genaue Ausgangslage, sondern gibt auch immer einen ungefähren Ort des Geschehens
an (z.B. auf dem Weg nach St. Petersburg auf der Höhe von Estland). Die Zeit wird nicht
genaugenannt, kann aber teilweise an den geschichtlichen Fakten, meistens kriegerische
Auseinadersetzungen, festgemacht werden (z.B. Türkenkriege).

3. Die Münchhausengeschichte „Der Schlittenwolf“


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Die für die Unterrichtsstunde ausgewählte Geschichte spielt in Russland auf dem Weg nach
St. Petersburg. Der Ich-Erzähler gibt eine ungenaue Angabe (irgendwo in Estland oder
Ingermanland) und meint, er könne sich so genau nicht mehr erinnern. Wie in Russland üblich
reitet er diesmal nicht, sondern ist mit einem kleinen Pferdeschlitten unterwegs. Als er durch
einen besonders dunklen Wald fährt, wird er von einem Wolf verfolgt. Dieser springt aber
über den Baron hinweg, da er sich im letzten Moment duckt, und greift das Pferd an. Von
hinten frisst sich der Wolf durch das Pferd nach vorne. Der Baron prügelt mit der Peitsche so
lange auf den Wolf ein, bis er das Pferd ganz aufgefressen hat und nun selber im Geschirr
steckt. Mit einem vollkommen erschöpften Wolf vor dem Schlitten kommt Münchhausen in
St. Petersburg an, wo ihn die Menschen staunend empfangen.
Auffallend ist die sehr anschauliche Sprache dieser Geschichte, die dem
Unterhaltungsanspruch gerecht wird. So rast das Pferd „wie von wilder Angst gepeitscht“ und
der Wolf wird als „riesig“ beschrieben. Er „verschlingt“ das Pferd „als wär´s ein Stück
Wurst“, woraufhin der Erzähler „wie besessen“ auf ihn einschlägt.
„Guten Muts“ oder das Reisen „hoch zu Pferde“ sind alte sprachliche Ausdrücke, die auf die
mündliche Überlieferung aus vergangenen Zeiten verweisen. Den Schülern soll die
eindrucksvolle sprachliche Gestaltung als Vorbild für ihre eigenen Geschichten dienen.
Die Geschichte hat keinen moralischen Anspruch oder tieferen Sinn. Ihr einziges Ziel ist es,
den Leser oder Hörer zu unterhalten und mit einer packenden Sprache in ihren Bann zu
ziehen. Das soll die Schüler motivieren, anschaulich und unterhaltsam zu schreiben.

II. Didaktische Analyse

1. Lerngruppe
Die Klasse 7a besteht aus insgesamt 34 Schülern, 3 Mädchen und 31 Jungen. Im
Deutschunterricht ist die Klasse in zwei Gruppen geteilt. In meiner Gruppe befinden sich die
3 Mädchen sowie 14 Jungen. Ich unterrichte die ganze Klasse seit Schuljahresbeginn im Fach
Erdkunde und bin gleichzeitig seit dem gleichen Zeitraum Deutschlehrerin der zweiten
Gruppe. Seit Schuljahresbeginn habe ich die stellvertretende Klassenleitung in der 7a. Durch
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die Teilung der Klasse im Deutschunterricht ergibt sich mit den wenigen Schülern eine
besondere Unterrichtssituation, die auf einer intensiveren Lehrer- Schüler- Beziehung beruht,
als es im großen Klassenverband möglich wäre. Die Vorteile der kleinen Gruppe müssen
unbedingt berücksichtigt und genutzt werden. Die Schüler haben selten die Möglichkeit im
Deutschunterricht ein solches Maß an Individualisierung zu erfahren, wie es hier der Fall ist.
Daher habe ich auch die Gelegenheit genutzt und mit der Gruppe eine Literaturnacht zu einem
Jugendbuch (Taubenjagd von Jerry Spinelli) durchgeführt.
Es handelt sich um eine ausgeglichene, äußerst liebenswürdige Schulklasse, die sich durch
eine vorbildliche Klassengemeinschaft mit ausgeprägtem Gemeinschaftssinn und rege
Mitarbeit im Unterricht auszeichnet. Vor allem in Gruppenarbeitsphasen zeigt sich die
gemeinsame Solidarität– die Schüler sind es gewohnt, in immer wieder neuer Einteilung
gemeinschaftlich zu arbeiten.
Die Klasse hat den mathematischen Zweig gewählt und besteht daher auch zum Großteil aus
Jungen. Daraus ergeben sich für den Deutschunterricht einige Probleme. Zum einen müssen
die drei Mädchen sich gegen die Jungen durchsetzten und dabei manchmal etwas unterstützt
werden, zum anderen liegen die Vorlieben und Begabungen der Schüler nicht im sprachlichen
Bereich. Ich unterrichte seit Beginn des Schuljahres in der Klasse, habe schon zwei
Schulaufgaben geschrieben und kenne die Fähigkeiten Schüler. Sie sind zwar kreativ,
sprachlich ist die Klasse jedoch eher als schlecht einzustufen. Viele Schüler verfügen über
einen sehr geringen Wortschatz und können sich oft nicht richtig ausdrücken. Von den 17
Schülern lesen nur zwei gerne und viel, ein Großteil liest gar nicht, daher ist es eine besondere
Herausforderung, die Klasse für das Lesen zu begeistern. Für die naturwissenschaftlichen
interessierten Schüler stellt das Fach Deutsch ein störendes „Nebenfach“ dar, in dem man
„eine Vier schon irgendwie hinbekommt.“ Die Motivation und Mitarbeit ist sehr
interessenbezogen. Zudem ist der häusliche Fleiß vieler Schüler im Fach Deutsch wenig
ausgeprägt. Zwei der siebzehn Schülern haben von den unterrichtenden Lehrkräften die
Empfehlung für die Hauptschule erhalten. Die Motivation für literarische Texte und durch
eine schülerzentrierte, handlungsorientierte Unterrichtsvorbereitung steht daher im
Vordergrund. Es hat sich in der letzten Zeit herausgestellt, dass die Schüler sehr gerne eigene
Texte verfassen und über die kreative Arbeit auch die Motivation für andere Lernziele genutzt
werden kann.

2. Lernstand
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Seit dem Jahr 2000 bzw. 2001 wird an den bayerischen Grundschulen nach einem neuen
Lehrplan unterrichtet. Weder in der dritten noch in der vierten Jahrgangsstufe wird im Bereich
„Unterschiedliche Textsorten kennen und mit ihnen umgehen“ explizit die Münchhausen-
Geschichte genannt. Lediglich die Textsorten Märchen, Heimatlegenden, Sagen,
Heimatsagen, Schwänke und Witze werden angeführt. Allerdings sind die Münchhausen-
Geschichten nach wie vor in zahlreichen Lese- und Sprachbüchern für die Grundschule
anzufinden und werden vor allem deswegen in den Unterricht mit einbezogen werden, da sie
die Freude am Lesen wecken sollen. (Vgl. www.isb.bayern.de.: Grundschullehrplan
Jahrgangsstufe 3, S. 180 und Jahrgangsstufe 4, S. 253.)
Im alten Lehrplan steht unter Punkt 2.6 „Begegnung mit einigen Textarten“, dass die
Lernenden epische Kleinformen, z.B. Erzählung, Märchen, Fabel, Legende, Sage und
Schwank kennen lernen sollen – die Arbeit mit diesen Textsorten wird vor allem in der dritten
und vierten Jahrgangsstufe gefordert.
(Vgl. Mahler, G., Selzle, E. (Hrsg.), Lehrplan für die Grundschule in Bayern mit
Erläuterungen und Handreichungen, Bd. II, Donauwörth 1982, S. 55.)
Die Textsorte wird zwar nicht explizit als eigene literarische Gattung genannt, doch sind
viele Münchhausen-Geschichten unter dem Punkt „Erzählungen“ in den Lesebüchern
vorhanden, so dass anzunehmen ist, dass die Textsorte schon in der Grundschule behandelt
wurde.
Seitdem die Schüler der siebten Klasse die Realschule besuchen, werden sie nach dem neuen
Lehrplan der sechsstufigen Realschule Bayerns unterrichtet. Unter dem Punkt D 5.4 Mit
Texten und Medien umgehen ist verankert, dass die Schüler der fünften Klassen mit
unterschiedlichen Textsorten umgehen sollen. Sie sollen sich mit den Beispielen literarischer
Kurzformen beschäftigen. Als Beispiele hierfür nennt der Lehrplan Märchen, Schwank und
Gedicht. ( Lehrplan für die sechsstufige Realschule Bayern, S. 125). In allen neueren
Lesebüchern der fünften Klassen sind die Münchhausen-Geschichten zu finden. Meist stehen
sie zusammen in einem Kapitel mit Schwänken, Anekdoten und Erzählgedichten. Im
Hirschgraben Lesebuch zum Beispiel, ist die Geschichte vom Pferd auf dem Kirchturm zu
finden (Hirschgraben Lesebuch, Cornelsen, S. 74f.). In der sechsten Klasse treten diese
literarischen Kleinformen eher in den Hintergrund, da meist Sagen und Fabeln thematisiert
werden.
Es ist also anzunehmen, dass jeder Schüler schon einmal mindestens eine Münchhausen-
Geschichte gelesen hat. Die meisten kennen sie Gattungsmerkmale schon aus unteren
Jahrgangsstufen, wenn vielleicht auch nicht so detailliert.
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3. Raumsituation
Der Deutschunterricht findet im Klassenzimmer der 7a statt. Obwohl der Raum geräumig
gestaltet ist für die kleine Schülergruppe, ist es doch nicht immer gewährleistet, dass alle
Schüler von ihrem Platz aus einen guten und einwandfreien Blick auf das
Unterrichtsgeschehen haben, so z.B. wenn Folien mittels des Overheadprojektors an die
weiße Wand projiziert werden. Aus diesem Grund wird die Rückseite einer Landkarte als
Projektionsfläche verwendet, außerdem stehen in der von mir gehaltenen Stunde die Tische
der Schüler leicht verstellt, um für die Gruppenarbeit eine optimale Ausgangssituation zu
haben und für organisatorische Maßnahmen so wenig Zeit wie möglich in Anspruch nehmen
zu müssen. Normalerweise wird meine Gruppe in verschiedenen Räumen unterrichtet, da der
Klassenraum von der anderen Deutschgruppe genutzt wird.

4. Lehrplanbezug und Bildungsgehalt


Die hier beschriebene Unterrichtseinheit bezieht sich auf den im Lehrplan für die
sechsstufige, bayerische Realschule angeführten Punkt Deutsch 7.2 - Schreiben. Hierzu
zählt der Bereich Texte verfassen. Die Schüler sollen „nach literarischen Vorbildern
erzählen, z.B. Märchen, Sage, Fabel“ (Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und
Kultus (Hrsg.), Lehrplan für die sechsstufige Realschule, München 2001, S. 222)
lernen. Ziel der hier geschilderten Unterrichtsstunde ist es, die Grundkenntnisse und
Grundfertigkeiten der Schüler bezüglich ihres Wissens um die typischen Merkmale der
Münchhausengeschichten zu erweitern. Die Lernenden sollen sich anhand ausgewählter
Textbeispiele mit der literarischen Tradition beschäftigen und lernen, einen Text zu
untersuchen und ihn dabei auch inhaltlich zu durchdringen, wobei die
Untersuchungsergebnisse sowohl mündlich als auch schriftlich dargestellt werden. Gerade
aufgrund ihrer Kürze und ihres Aufbaus eignet sich die Münchhausen-Geschichte
hervorragend, das Wissen der Schüler zur systematischen Textanalyse zu erweitern – sowohl
inhaltlich als auch formal. Die Beschäftigung mit der epischen Kurzform Lügengeschichte
zeigt den Schülern nicht nur die Schönheit und Vielfalt der Sprache, sie erkennen auch, dass
Sprache ein wichtiges Mittel zwischenmenschlicher Verständigung ist und Literatur einen
hohen Unterhaltungswert haben kann.
Indem sich die Schüler mit der literarischen Gattung Münchhausen-Geschichte
auseinandersetzen, üben sie, wie unter D 7.2 Schreiben gefordert, die „Merkmale von
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literarischen Texten zu beschreiben und die Ergebnisse zusammenhängend darzustellen“


(Lehrplan S.222). Während die anderen Gruppen ihre Ergebnisse präsentieren, lernen die
Schüler anderen zuzuhören (D 7.1 Sprechen und Zuhören) und sich an der Reflexion der
Ergebnisse aktiv zu beteiligen. Der mündliche Vortrag der eigenen Lügengeschichte steht
zwar nicht im Vordergrund der Unterrichtsstunde, doch wird unter D 7.1 Sprechen und
Zuhören im Lehrplan verlangt, dass die Schüler lernen, verständlich und sinntragend zu
sprechen. Durch den kreativen Umgang mit der Lügengeschichte sowie durch sinnerfassendes
Vorlesen, vertiefen die Schüler wie im Lehrplan verankert (D 7.4 Mit Texten und Medien
umgehen) ihr Interesse an der Literatur. Das Schreiben einer eigenen Münchhausen-
Geschichte gibt den Schülern die Möglichkeit, den kreativen Umgang mit literarischen Texten
weiterzuentwickeln (Lehrplan S.223). Unter dem Punkt „Texte erschließen“ verlangt der
Lehrplan, dass die Siebtklässler die Inhalte und Merkmale von Texten erschließen können.
Sie sollen Inhalte zusammenfassend wiedergeben können und die Textsorte an ihren
typischen Merkmalen erkennen. Da die Schüler erst das literarische Vorbild erschließen
müssen, bevor sie danach schreiben können, wird die Stunde auch diesen Anforderungen
gerecht. Laut Lehrplan sollen die Schüler der siebten Klassen mit verschiedenen literarischen
Textsorten umgehen. Sie beschäftigen sich mit der Münchhausen-Geschichte als einer
literarischen Kurzform.
Generell zeigt die Beschäftigung mit Werken der Literatur den Schülern die Vielfalt und
Schönheit der deutschen Sprache und hilft ihnen, sich selbst, ihre Mitmenschen und ihre
Umwelt besser zu verstehen. Der Literaturunterricht weitet den Horizont, vermittelt
ästhetische Bildung und fördert die kulturelle Identität. Die Schüler üben sich in anschaulich-
kreativen Darstellungsformen. Ihnen soll bewusst werden, dass es einen Zusammenhang
zwischen Schreibanlass und sprachlicher Gestaltung gibt. Da die Lügengeschichte einem
gewissen Zweck dient, lernen die Schüler in der Unterrichtsstunde auch adressatenbezogen zu
formulieren (s. Lehrplan 2.3 Deutsch, S. 50). Ziel des Deutschunterrichts soll es sein, durch
die Beschäftigung mit literarischen Texten, die Freude der Schüler am Lesen anzuregen und
zu fördern. In der Unterrichtstunde lernen die Schüler einen literarischen Text zu untersuchen,
ihn dabei inhaltlich zu durchdringen, sprachliche Mittel zu erkennen und deren
Wirkungsweise zu verstehen. Die Untersuchungsergebnisse setzen sie in einem eigenen
Schreibprozess um, den sie mündlich und schriftlich darstellen (siehe Lehrplan S.51).

5. Einbettung der Unterrichtsstunde in die Unterrichtseinheit


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In der Unterrichtseinheit „Nach einem literarischen Vorbild erzählen“ lernen die Schüler
zwei Vorbilder kennen, die ihnen als Schreibvorlage dienen. Zum einen wiederhole ich mit
der Klasse die gattungstypischen Merkmale des Märchens, um die Schüler nach dem Vorbild
Märchen eigene Texte verfassen zu lassen, zum anderen wird die Lügengeschichte
thematisiert. Anfangs erarbeiten die Schüler an verschiedenen Märchen deren Besonderheiten.
Anschließend werden im Unterricht alte Märchen modernisiert, Märchen aus einer anderen
Perspektive wiedergegeben oder es werden anhand typischer Gegenstände eigene Märchen
erfunden. Aufbauend darauf lernen die Schüler die Lügengeschichten Münchhausens kennen.
In der Einführungsstunde wird die Person Münchhausens thematisiert. Die Schüler kennen
„Der Ritt auf der Kanonenkugel“ und „Das Pferd am Kirchturm“. Diese Geschichten sind die
Ausgangslage, um die Merkmale der Münchhausengeschichten zu erarbeiten. In der
Vorstunde vor der Lehrprobe werden wichtige Aspekte des Freiherrn von Münchhausen kurz
wiederholt und sprachliche Aspekte werden erarbeitet. Diese Stunde beschäftigt sich mit
verschiedenen Formen der sprachlichen Übertreibung (Hyperbel) und dient nicht nur dazu im
Literaturunterricht die sprachlichen Besonderheiten dieses Stilmittels zu erarbeiten, sondern
die Schüler arbeiten auch an ihrer eigenen Ausdruckserweiterung. Abschließend kann man
zusammenfassen, dass die Schüler schon eigene Texte nach dem literarischen Vorbild
„Märchen“ verfasst haben und die Aufsatzart kennen. Sie verfügen über ein grundlegendes
Wissen über den Erzähler Münchhausen, kennen zwei Geschichten der Gattung und haben
sich schon mit sprachlichen Besonderheiten dieser Kurzepik auseinandergesetzt.

6. Schwerpunktsetzung und Eingrenzung des Stoffes


Der Schwerpunkt der Unterrichtsstunde soll sein, dass die Schüler sich aktiv und selbstständig
mit dem Inhalt sowie dem Aufbau der Münchhausengeschichte und ihren typischen
Merkmalen auseinander setzen und selber eine Lügengeschichte nach dem literarischen
Vorbild verfassen. Die Stunde ist zweigeteilt. Im ersten Teil werden die gattungstypischen
Merkmale der Münchhausen-Geschichten anhand eines Beispiels erarbeitet. Dabei werden
vor allem die Aspekte hervorgehoben, die für das Schreiben einer eigenen Erzählung
notwendig sind. Auf den Gattungsgeschichtlichen Hintergrund der Münchhausen-Geschichte
wird verzichtet. Die Schüler festigen ihr Wissen über die wichtigsten inhaltlichen und
sprachlichen Merkmale der Kurzform Lügengeschichte und sehen, dass diese Gattung meist
einem bestimmten Handlungsablauf folgt. Der Schwerpunkt soll jedoch auf der eigenen
Produktion einer Erzählung im Stil der Münchhausen-Geschichte liegen, die anschließend im
Plenum vorgetragen und bewertet werden soll. Um dies im vorgegebenen zeitlichen Rahmen
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garantieren zu können, müssen die Schüler schon vorher im Unterricht einige Grundlagen
über die Gattung erworben haben.

6. Lernziele
Die Schüler sollen
1. ihr bereits vorhandenes Vorwissen bezüglich der Textsorte Münchhausen-Geschichten
aktivieren, darauf zurückgreifen und auf eine unbekannte Geschichte transferieren
können.
2. die wichtigsten inhaltlichen und sprachlichen Merkmale einer Münchhausen-
Geschichte wiederholen und von denen eines Märchens unterscheiden können.
3. eine eigene Münchhausen-Geschichte verfassen und sich dabei am Beispieltext
orientieren können.
4. die eigenen Texte vortragen und fremde Texte anhand eines Kriterienkatalogs
bewerten können.

III. Geplanter Stundenverlauf mit methodischer Begründung

Unterrichtsinhalt Methode Medien

Einstieg und Motivation


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Der Lehrer zeigt ein Bild (Ausgangssituation der Impuls OHP/Bild


Geschichte) mit Wolfsgeheul im Hintergrund. Tonträger

Die Schuler verbalisieren ihre Gedanken.

Der Lehrer zeigt ein zweites Bild, das die


Endsituation der Geschichte zeigt. Impuls Bild

Die Schüler suchen nach einer Erklärung


(dem noch fehlenden Bild)

Überleitung zum Text, der die Lösung beinhaltet. L-Impuls

Methodische Begründung:

Das Einschalten des Tageslichtprojektors bündelt die Aufmerksamkeit der Schüler und
weckt ihre Neugier und ihr Interesse. Dadurch, dass die Schüler die Möglichkeit haben,
sich zu dem Bildimpuls spontan zu äußern, üben sie das freie Sprechen vor der Klasse,
tragen ihre eigene Meinung laut vor und begründen diese. Durch die spontanen
Schüleräußerungen sollen aber auch die Mitschüler angeregt werden, ihre eigenen
Ansichten kund zu geben und dazu zu stehen. Dabei lernen die Schüler, aktiv
zuzuhören und die Meinungen anderer gelten zu lassen. Diese Methode eignet sich gut,
um eine angenehme, aktive Arbeitsatmosphäre zu Beginn der Stunde zu schaffen.
Die akustischen Reize im Hintergrund versetzten die Schüler in die Situation, sprechen
einen zweiten Sinn an und gewährleisten so ein Lernen mit mehreren Sinnen. Mit den
beiden Bildern werden die Schüler schnell zum Thema geführt. Es ist anzunehmen,
dass schon hier die Münchhausengeschichten angesprochen werden. Die Schüler
werden im Denken aktiviert, da sie versuchen eine Lösung zu suchen, was zwischen
den Bildern vorgefallen sein könnte. Es handelt sich hier um einen sehr offenen
Einstieg. Ich werde versuchen möglichst spontan mit den Schüleräußerungen
umzugehen.
15

Hinführung zum Thema und Erarbeitung LZ 1:

Die Klasse liest den Text „Der Schlittenwolf“ SV Text „Der


gemeinsam laut vor. Schlittenwolf“
(AB)

Die Schüler stellen fest, dass es sich um eine UG


Münchhausen-Geschichte handelt und
begründen ihre Aussage.

Das fehlende Bild wird nun enthüllt. Die Schüler Bild OHP
fassen das Geschehen in eigene Worte. Impuls

Frage: Was könnte an der Geschichte wahr


sein, was ist unglaubhaft? Impuls Text AB

Die Schüler wiederholen den dreigliedrigen


Aufbau der Lügengeschichten am OHP L-Frage OHP/Bild
Schilder
Der Lehrer gibt das Stundenthema bekannt
„Eine Lügengeschichte selber schreiben“ und LV
16

leitet über zum nächsten LZ

Er fordert die Schüler auf, das Arbeitsblatt zur


Hand zu nehmen. L-Impuls
AB

Methodische Begründung:

Die Geschichte „Der Schlittenwolf“ eignet sich für diese Unterrichtsstunde, da sie kurz
ist, dem typischen Aufbau einer Lügengeschichte folg und vor allem sprachlich sehr im
spannenden Erzählstil gehalten ist. Außerdem ist mir kein Lesebuch der fünften Klasse
Realschule bekannt, in dem diese Geschichte abgedruckt ist. Sollte die Geschichte
einigen Schülern dennoch schon bekannt sein, so ist das für den weiteren
Stundenverlauf kein Hindernis.
Dadurch, dass die Schüler den Text laut vorlesen, wird das ausdrucksstarke Lesen
geübt. Dabei sollte den Schülern die spannende Erzählweise auffallen.
Die Geschichte alleine sollte schon Impuls genug sein, dass die Schüler die Begriffe
Münchhausen-Geschichte oder Lügengeschichte nennen und ihre Meinung im besten
Fall schon ohne weiteres Nachfragen des Lehrers begründen. Dabei greifen sie auf das
in der Vorstunde erworbene Wissen zurück.
Im Unterrichtsgespräch können verschiedene Ideen und Gedanken schnell und intensiv
besprochen und ausgewertet werden sowie bereits vorhandenes Wissen rasch
gesammelt werden. Anhand der drei Bilder wird den Schülern der dreigliedrige Aufbau
der Lügengeschichten besonders deutlich. Außerdem können sie mit Hilfe der Bilder den
Inhalt einfacher in eigene Worte fassen und wiederholen.
(Die Tafel ermöglicht eine schnelle Fixierung von Fakten, auf die die ganze
Unterrichtsstunde über zurückgegriffen werden kann.)
Auf dem Arbeitsblatt üben die Schüler die Merkmale den Gattungen Lügengeschichte
und Märchen zuzuordnen. Dabei wiederholen sie nicht nur die Merkmale des Märchens,
sondern es ihnen der Unterschied der beiden Gattungen besonders deutlich. Es ist
sinnvoll den Schülern das Stundenziel schon vor der Erarbeitung der Merkmale bekannt
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zu geben, weil das die bevorstehende Arbeit für die Schüler legitimiert und plausibel
macht.

Erarbeitung und Sicherung LZ 2 : Erarbeitung

Die Schüler erhalten nun den Arbeitsauftrag, PA AB/OHP


zusammen mit ihrem Nachbarn die Merkmale
auf dem AB der richtigen Gattung zuzuordnen

Die Ergebnisse werden anschließend im L-Impuls AB/OHP


Plenum vorgetragen und diskutiert. UG

Methodische Begründung:

Der Impuls durch den Lehrer ermöglicht es, dass ein genauer Arbeitsauftrag formuliert
werden kann. Dadurch, dass die Arbeitsaufträge auf Folie und via Overheadprojektor
gezeigt werden, ist gesichert, dass alle Schüler eine gute Sicht auf das Geschehen
haben und die Anweisungen sowohl gut lesen als auch immer wieder während der
Arbeitsphase darauf zurückgreifen können.
Das AB garantiert, dass die Schüler sich mit den inhaltlichen und sprachlichen
Merkmalen der Münchhausen-Geschichte auseinander setzten und ihre Kenntnisse über
die Gattung wiederholen. Diese Arbeit ist als Vorbereitung auf die eigene Produktion
einer Parallelgeschichte unverzichtbar. Außerdem werden gleichzeitig die Merkmale des
Märchens wiederholt. Dies ist mir sehr wichtig, da einige Schüler noch Probleme haben
die phantastischen Elemente des Märchens von den unrealistischen Geschehen in einer
Lügengeschichte zu unterscheiden. Das Arbeitsblatt ist so gestaltet, dass die Schüler
die wichtigsten Merkmale schnell wiederholen können.
Da die Schüler in Partnerarbeit arbeiten, können die Lernenden ihre Gedanken mit dem
Partner besprechen und austauschen und so zu durchdachten Ergebnissen kommen.
Die Partnerarbeit ermöglicht es, dass sich die Schüler gegenseitig helfen und so
voneinander profitieren. Dadurch, dass bei der Partnerarbeit alle Gruppen denselben
Arbeitsauftrag bearbeiten, ist es möglich, dass sich die Schüler anschließend
gegenseitig bezüglich ihrer Lösungen überprüfen und sich gegebenenfalls korrigieren
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können. Hierbei wird das Ausformulieren der eigenen Gedanken geübt und die
Kommunikationsfähigkeit gestärkt, da sich die Lernenden gegenseitig zuhören und auf
die Aussagen der Mitschüler reagieren müssen.
Die Schüler haben die erarbeiteten Kriterien/Fakten auf dem Arbeitsblatt schriftlich
fixiert und persönlich festhalten und können so während der Gruppenarbeit und zu
Hause immer wieder darauf zurückgreifen.
Indem die Schüler ihre Ergebnisse laut kommentieren, lernen sie ihre Meinung
vorzutragen und zu begründen.

Erarbeitung und Sicherung LZ 3: Anwendung

Die Schüler erhalten den Arbeitsauftrag, eine L-Impuls OHP


eigene Münchhausen-Geschichte aus ihrer
eigenen Sichtweise und in der heutigen Zeit zu
verfassen.

Der Lehrer teilt die Gruppen ein und zeigt Bilder Bildimpuls OHP
verschiedener gefährlicher Tiere.

Die Schüler verfassen eine eigene GA G1:Stier


Lügengeschichte in Gruppenarbeit und zu Gegenstände
verschiedenen Impulsen.
G2: Löwe
Geräusche

G3: Krokodil
Zeitungsartikel
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G4: Hai
Bild

Methodische Begründung:

Durch den Arbeitsauftrag auf den Arbeitsblättern ist den Schülern eine klare
Aufgabenstellung gegeben. Sie arbeiten in Gruppen (4-5 Schüler). Als Vorgabe
erhalten die vier Gruppen verschiedene Anhaltspunkte, die ihnen beim Schreibprozess
helfen und sie motivieren sollen. Die Begegnung mit den Gegenständen begünstigen
das ganzheitliche Lernen. In der Gruppenarbeit müssen die Schüler ihre Gedanken
vertreten, ihre eigene Meinung äußern, aber auch zuhören können und die Meinung der
Mitschüler gelten lassen. Dies schult die Teamfähigkeit sowie die gegenseitige
Rücksichtnahme als wichtige Schlüsselqualifikationen. Die eigenständige Erarbeitung in
der Gruppe fördert die Kommunikationsfähigkeit und selbstständiges Denken. Dadurch
werden die Lernenden zu mehr Eigenständigkeit im Handeln und Denken erzogen.
Bei dieser Schreibform haben die Schüler genaue Vorgaben, die sie erfüllen sollen,
aber es wird ihnen auch genügend Freiraum zur Kreativitätsentfaltung gelassen, was die
auch die eigene Individualitätsentwicklung fördert.
Die Gruppenarbeit ist auf Differenzierung ausgerichtet. Die schwächste Gruppe erhält
einen Zeitungsartikel, an dem sie sich gut orientieren kann. Das Bild des Haiangriffs
bietet den Schülern der Gruppe eine einfache Ausgangslage. Von den Gruppen, die mit
Geräuschen und Gegenständen arbeiten, ist mehr kreative Leistung verlangt, da sie die
Situation erst einmal erschließen müssen, um sich dann auf ein Ereignis festlegen zu
können. Alle Gruppen handeln wie der vorher gelesene Text um die Situation, dass sich
der Erzähler in einer Notlage befindet, da ihn ein gefährliches Tier bedroht. Somit ist
der rote Faden der Unterrichtsstunde für die Schülern plausibel.
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Erarbeitung und Sicherung LZ 4: Präsentation und Bewertung

Der Lehrer enthüllt eine Statue, den Lügen-Oscar, L-Impuls Statue als
und erklärt, dass dieser Preis der besten Gruppe Pokal
verliehen werden soll. Dafür sind verschiedene
Kriterien notwendig. OHP/Folie
Er fordert die Schüler auf, den Bewertungsbogen Bewertungs-
zur Hand zu nehmen und erklärt das Vorgehen. bögen

Der Lehrer legt eine Folie mit den Kriterien zur


Bewertung der Erzählungen auf.

Die Gruppen tragen ihre Ergebnisse vor. Die SV Texte


anderen Schüler werden aufgefordert die
Geschichten zu bewerten.

Mit Hilfe des Kriterienkatalogs bewerten die


zuhörenden Schüler die Ergebnisse.

Am Ende wird die beste Geschichte gekürt. UG

Methodische Begründung:

Die Vorgabe eines Kriterienkatalogs erleichtert den Schülern die Bewertung der
Ergebnisse, die schneller und tiefgründiger analysiert werden können. Außerdem sind
die anderen Schüler dazu angehalten genau zuzuhören. Der Wettbewerbscharakter
erhöht die Motivation und fordert die Schüler auf, die vorgetragenen Texte zu beurteilen.
Das Präsentieren der Erzählungen übt den Vortag eigener Ergebnisse vor einem
Publikum, was eine wichtige Schlüsselqualifikation für das spätere Leben der Schüler
darstellt. Ebenso wichtig ist es für die Schüler den Umgang mit konstruktiver Kritik zu
lernen und andere Arbeiten beurteilen zu können. Dabei wenden sie wieder den
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Kriterienkatalog an und überprüfen, ob das gegebene literarische Vorbild eingehalten


wurde.

Puffer und Hausaufgabe

Die Münchhausen-Geschichte wird verortet (St. S-Aktion, UG Landkarte


Petersburg, Estland)
S zeigen Land auf Landkarte

Hausaufgabe: Als ich einmal in den Skiurlaub fuhr


und keinen Schnee vorfand...  Die Schüler
schreiben eine eigene Lügengeschichte nach
vorgegebenem Thema
IV. Literaturangaben

- Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus (Hrsg.), Lehrplan für die
sechsstufige Realschule, München 2001.

- Internetadressen:
http://www.udoklinger.de
http://www.isb.bayern.de
http://runeberg.org/mhausen/portratt.htm
http://www.contep.de/Muenchhausen/anfang.htm

- Mahler, G., Selzle, E. (Hrsg.), Lehrplan für die Grundschule in Bayern mit Erläuterungen
und Handreichungen, Bd. II, Donauwörth 1982.

- Seiler, K.-H., Literaturformen im Unterricht. Fabel/Parabel/Anekdote, Puchheim 1991

- Thiergard, U., Beiträge zum literarischen Unterricht in der Realschule. 5./6. Klasse,
22

Hannover 1970.

- Wilpert, G., Sachwörterbuch der Literatur, Stuttgart 1989.

ISB Formen der Leistungserhebung im Fach Deutsch: Staatsministerium für Schulqualität und
Bildungsforschung München, Auer Verlag, München 2005

V. Anhang – die in der Unterrichtsstunde verwendeten Materialien

VI. Erklärung

Ich versichere, dass ich den Lehrprobenentwurf in allen Teilen selbstständig gefertigt und
keine anderen als die angegebenen Hilfsmittel benutzt habe.

Friedberg, den 25.03.2007


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