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Modul 3 Texte verfassen

3.1.3.2 Lügengeschichten – Münchhausen

MERKE
Durch Angeben wird Fantasie gezeigt, es wird eine
Art „Märchen“ erfunden.
Die Lüge ist ein künstlerisches Mittel.
Die Leserin / der Leser oder die Zuhörerin / der Zuhörer
muss erkennen, dass etwas erzählt wird, das so nicht
passiert sein kann.
Merkmale von Lügengeschichten sind zum Beispiel über-
triebene, angeberische und unlogische Darstellungen.
Ein Beispiel sind die Reisen und Abenteuer des Barons
von Münchhausen.

1
Bist
Lies die folgende Geschichte von Münchhausen! 14 | 
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Unterstreiche alle „Lügen“!

In eisiger Nacht unterwegs (Gottfried August Bürger)

Ich bin der Baron von Münchhausen und ein berühmter Mann. Seit vielen Jahren reise ich
zu Pferd oder zu Schiff durch die Welt. Ich habe so mancher Gefahr ins Auge gesehen. Ich
bin seltsamen Menschen und schrecklichen Tieren gegenübergestanden. Aber nichts und
niemand hat mich jemals in die
Knie gezwungen.
Ihr dürft mich auf keinen Fall
für einen Angeber halten. Erst
recht nicht für einen Lügner! Es
macht mir nun einmal großes
Vergnügen, von meinen Er-
lebnissen zu berichten. Lasst
mich also gleich mit der ersten
Geschichte beginnen!
Sie spielt in einem sehr stren-
gen Winter. Obwohl es stürmte
und schneite, ritt ich auf einem
tüchtigen Pferd unaufhaltsam
nach Osten. Mein Ziel war
Russland. Der Zar (Kaiser) war
mein Freund, und er würde
mich in einem seiner Paläste
freudig begrüßen. Natürlich

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hätte ich mir durchaus eine Postkutsche leisten können. Aber ich hatte keine Lust, mich
einem fremden Kutscher und einem fremden Gaul anzuvertrauen. Je weiter ich nach Osten
ritt, desto kälter wurde es. Ich war in großer Eile von meiner Heimat aufgebrochen und viel
zu dünn angezogen. Unter meinem Reisemantel trug ich nur Hemd und Hose. Als ich Polen
erreichte, klapperten mir nicht nur die Zähne, mir fror auch das Herz im Leibe. Trotzdem
schenkte ich meinen Mantel einem Bettler. Obwohl mir der Wind eisig um die Ohren pfiff,
trauerte ich dem Mantel keinen Augenblick nach. Ich schmiegte mich an den warmen Hals
meines Pferdes und ritt weiter, bis Nacht und Dunkelheit hereinbrachen. Um uns herum
türmte sich der Schnee mittlerweile zu solch großen Bergen auf, dass Weg und Steg darun-
ter völlig verschwanden. Kein Dorf war zu sehen. Weder Haus noch Hof, weder Stall noch
Scheune boten uns Schutz. Schließlich hielt ich an und rutschte erschöpft aus dem Sattel.
Der bleiche Mond beleuchtete nichts als ein endloses weißes Feld. Dort mussten wir nun
wohl oder übel unser Nachtquartier aufschlagen. Ich klopfte meinem braven Pferd den Hals
und band es an ein kahles Bäumchen, das aus dem Schnee herausragte. Zur Sicherheit nahm
ich meine Pistolen aus der Satteltasche. Dann legte ich mich damit ganz in der Nähe nieder
und fiel in einen erholsamen Schlummer. Es war bereits heller Tag, als ich erwachte. Ich
rieb mir den Schlaf aus den Augen und stellte erstaunt fest, dass ich mitten in einem hüb-
schen Dorf lag. Es gefiel mir sehr gut auf dem freundlichen Kirchplatz. Aber wo war mein
Pferd? Besorgt hielt ich nach ihm Ausschau. Plötzlich hörte ich es hoch über mir wiehern.
Ich blickte überrascht auf – und sah das arme Tier an seinen Zügeln oben an der Spitze des
Kirchturms hängen.
Sofort begriff ich: Das Dorf war in der Nacht so zugeschneit gewesen, dass ich es für ein wei-
ßes Feld gehalten hatte. Doch während ich schlief, hatte die Kälte nachgelassen. Der Schnee
war geschmolzen und hatte mich sanft herabsinken lassen. Und was ich im Mondlicht für
ein Bäumchen gehalten hatte, war nichts anderes als die Spitze des Kirchturms gewesen!
Ohne lang nachzudenken, nahm ich eine von meinen Pistolen und schoss nach dem Half-
ter. Mit fröhlichem Wiehern fiel das Pferd herunter und landete direkt vor mir auf seinen
Hufen. Ich schwang mich schnell in den Sattel und setzte meine Reise nach Russland gut
gelaunt fort.

2
Bist
Schreibt mindestens drei „Lügen“ des Lügenbarons ins Heft! 19 | 
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Steckbrief einer Lügengeschichte:
Lügengeschichten werden aus der Ich-Perspektive erzählt.
Der Ich-Erzähler befindet sich meist auf einer Reise.
Er gibt nach der Reise einen Reisebericht ab.
Verwende Vergleiche! z.B. dumm wie …, geizig wie …, riesig wie …
Verwende Übertreibungen! z.B. Riesen…, Mords…, … so dick, dass man,
… so schnell, dass niemand …
Erzähle in der Mitvergangenheit (im Präteritum)!

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Modul 3 Texte verfassen
3 Verfasse eine Lügengeschichte im Stile Münchhausens!
Bist
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Wähle ein Thema oder ein Bild aus! 33
Du könntest so beginnen:
Nachdem Münchhausen seine Pfeife gestopft hatte, begann er: „Ich will …“
oder
Eines Morgens ging ich aufs Schiff …

Themen:
Die große Reise
Der Riesenfisch
Münchhausen im Weltall
Die Weltreise
Das Sumpfabenteuer
Reise nach Rom
Das Inselungeheuer
Münchhausen in Rio
Die Mission in Australien
Der Elefant in Afrika
Münchhausen in Amerika

4 Gestalte einen Steckbrief über Münchhausen!


Bist
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Nutze das Internet!
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Link anklicken

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3.1.3.3 Mit Fabeln experimentieren

Fabeln wollen belehren.


1 Wie lautet die Lehre der folgenden Fabel? L
Bist
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a| Lies die folgende Fabel!

Der Rabe und der Fuchs (Äsop)


Ein Rabe hatte einen Käse gestohlen, flog damit auf einen Baum und wollte dort seine Beute
in Ruhe verzehren. Da aber Raben beim Essen nicht schweigen können, hörte ein vorbei-
kommender Fuchs den Raben über dem Käse krächzen. Er lief eilig hinzu und begann den
Raben zu loben: „O Rabe, was bist du für ein wunderbarer Vogel! Wenn dein Gesang ebenso
schön ist wie dein Gefieder, dann sollte man dich zum König aller Vögel krönen!“
Dem Raben taten diese Schmeicheleien so wohl, dass er seinen Schnabel weit aufsperrte, um
dem Fuchs etwas vorzusingen. Dabei entfiel ihm der Käse. Den nahm der Fuchs behänd,
fraß ihn und lachte über den törichten Raben.

b| Welche Aussage (Lehre) trifft zu? Kreuze an!


A (trifft zu), B (trifft nur teilweise zu oder ist zu ungenau)
oder C (passt nicht zur Fabel)

1| Traue keinem Schmeichler! A B C

2| Wer dir schön tut, meint es nicht ehrlich. A B C

3| Übermut tut selten gut. A B C

4| Wie gewonnen, so zerronnen. A B C

5| Raben sollen Füchsen nicht alles glauben. A B C

6| Mit Klugheit und List erreicht man viel. A B C

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2 Wandle die Fabel in eine ausführliche Erlebniserzählung um!
Bist
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3 Lies die folgende Fabel! L


Bist
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Lies die folgende Fabel! In jeder zweiten Zeile ist ein Fehler versteckt. 39
Finde das falsch geschriebene Wort, unterstreiche es und
schreibe es richtig in die Zeile!

Der Rabe und der Fuchs (Gebrüder Grimm)


Der Wolf und der Fuchs lebten im Walt. Der Fuchs musste tun,
was der Wolf wollte, weil er schwächer war. Der Fuchs wäre ihn
gerne los gewesen. Der Wolf sprach: ,,Rotfuchs, schaff ’ mir etwas
zu fresen, oder ich fresse dich auf!“ Da antwortete der Fuchs: ,, Ich
weiß einen Bauernhof. Dort gibt es ein paar junge Lemmer, wollen
wir eins holen?“ Dem Wolf war das recht. Sie gingen hin, der Fuchs
stahl das Lämmlein, brachte es dem Wolf und schlich davon. Der
Wolf fraß es auf, aber er wollte meer. So holte er noch eines. Weil er
sich ungeschickt anstellte, bemerkte es das Mutterschaf und began
zu schreien. Die Bauern liefen herbei und schlugen den Wolf win-
delweich. Hinkend und heulend kam er zum Fuchs.

Am anderen Tag musste er dem Wolf wider Nahrung besorgen.


„Rotfuchs, schaff´ mir etwas zu fressen, oder ich fresse dich auf!“
Der Fuchs brachte den Wolf zu einem Bauernhaus. Der Fuchs
schliech ums Haus herum, guckte und schnupperte so lange, bis er
wusste, wo die Schüssel stand. Er stahl dann sechs Pfankuchen und
brachte sie dem Wolf. Er ging seines Weges. Der Wolf verschlang
sie gierig und sprach: „Sie schmecken nach mehr!“ Er lief hinein
und riss die Schüsel herunter. Durch den Lärm wurde die Bäuerin
aufmerksam. Als sie den Wolf sah, rief sie die Läute. Die schlugen
ihn, was das Zeug hielt. Mit zwei lahmen Beinen kam er laut heu-
lend zum Fuchs in den Wald. ,,Die Bauern haben mich erwischt
und mir die Haut gegerbt.“ Der Fux fragte nur: ,,Warum bist du so
ein Nimmersatt?“

Am dritten Tag sprach er wieder: ,,Rotfuchs, schaff´ mir was zu


freßen, oder ich fresse dich auf!“ Der Fuchs wusste ein Fass gesalze-
nes Fleisch in einem Keller. Der Wolf kahm gleich mit. Durch ein

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Loch schlüpften sie in den Keller. Da war nun Fleisch im Überfluss.
Gierig begann der Wolf zu fressen. Der Fuchs lies es sich auch gut
schmecken. Er lief aber oft zum Loch, durch welches sie gekommen
waren. Er schlüpfte ein paar Mal durch. Der Wolf wollte wiessen,
warum er hinaus und herein springe. ,,Ich muss doch nachschau-
en, ob jemand kommt“, antwortete der Listige. Der Wolf beschloss,
solange zu bleiben, bis das Fass lehr sei. Der Bauer hatte den Fuchs
bemerkt und kam in den Keller. Mit einem Satz war der Fuchs
durchs Loch draußen. Der Wolf wollte nach, aber er hatte sich so
dick gefressen, dass er steken blieb. Da kam der Bauer mit einem
Knüppel und schlug ihn tot. Der Fuchs aber sprang in den Wald
und war froh, dass er den alten Nimmersatt los wahr.

Beantworte die W-Fragen!


4 Sie beziehen sich auf den Text „Der Wolf und der Fuchs“.
Bist
19 |  
27

WER?

WO?

WANN?

WAS?

WIE?

WELCHE
FOLGEN?

WAS?

WIE?

WELCHE
FOLGEN?

WAS?

WIE?

WELCHE
FOLGEN?

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MERKE
Ein Interview ist eine gezielte Befragung einer bestimmten Person.
Die Reporterin oder der Reporter (= jemand, der Fragen stellt) muss:
sich gut vorbereiten.
Ergänzungsfragen stellen.
nachhaken, um genaue Informationen zu erhalten.
dann das Interview so genau wie möglich aufschreiben.

Stellt euch vor, der Fuchs gibt euch ein Interview!


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Bist
Entwerft ein Konzept, welche Fragen ihr ihm stellen wollt! 3 | 
4 | 6  | 7
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Bist
Formuliert Fragen und Antworten! 27 | 
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Ihr könnt mit dem Interview wie folgt beginnen:
Guten Tag, Herr Fuchs! Vielen Dank, dass Sie die Zeit gefunden haben,
uns ein Interview zu geben!

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