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Neo-Broker beschränken Handel mit GameStop-Aktien

»Wir wollen unsere Kunden s hützen«


Der Ansturm auf Aktien des Videospiel-Händlers GameStop
bringt Aktienhandelsplattformen an ihre Grenzen. Der Berliner
Onlinebroker Trade Republic hat den Handel der Papiere nun
beschränkt – die Kunden sind empört.

28.01.2021, 21.04 Uhr

Aktienkauf per Handy: Broker unter Druck Foto: STRF/STAR MAX/IPx / AP

Das Versprechen von Trade Republic klingt


unmissverständlich: »Jeder soll die Chance haben einfach,
verständlich und kostenlos am Kapitalmarkt zu investieren«,
schreibt das Berliner Fintech auf seiner Homepage .
Doch wer bei dem Start-up derzeit die gefragten Aktien des
amerikanischen Videospielehändlers GameStop kaufen
möchte, hat seit Donnerstag das Nachsehen: Angesichts der
extremen Nachfrage hat der Broker den Handel mit
GameStop und weiteren Werten eingeschränkt. Anleger
können die Aktien nicht mehr erwerben, sondern nur noch
verkaufen.
Trade-Republic-Gründer Christian Hecker begründet die
Handelsbeschränkungen mit einer »extremen Situation am
Markt«. Der Aktienkurs habe mit der realwirtschaftlichen
Lage der Unternehmen nichts mehr zu tun, stattdessen sei die
Kursentwicklung ausschließlich von Spekulation geprägt. »Für
diese Art des Anlegens stehen wir nicht«, sagt Hecker.
Hintergrund der Einschränkungen ist der extreme Ansturm
von Privatanlegern, die sich bei Neo-Brokern wie Trade
Republic oder Robinhood mit GameStop-Aktien eindeckten.
Die Plattformen versprechen einfachen Aktienhandel gegen
niedrige Gebühren und verzeichneten im vergangenen Jahr in
den USA und Europa teils enormen Zulauf.
Doch der jüngste Hype um GameStop wird den Brokern nun
suspekt. Angestachelt von Postings auf dem sozialen
Netzwerk Reddit trieben Kleinaktionäre den Kurs des
amerikanischen Unternehmens auf extreme Höhen. Am
Donnerstag war der Kurs der GameStop-Aktien
zwischenzeitlich bis auf Dollar gestiegen.
Mit den Käufen machten die Kleinaktionäre Druck auf
professionelle Hedgefonds, die mit Leerverkäufen auf fallende
Kurse spekuliert hatten. Nach Berechnungen des
Datenanbieters Ortex Analytics haben Leerverkäufer mit
ihren Positionen bei US-Aktien in diesem Jahr insgesamt
Verluste in Höhe von mehr als Milliarden Dollar zu
verschmerzen – davon allein rund eine Milliarde bei den
GameStop-Papieren.
Die Handelsplattformen reagieren auf den GameStop-Hype
nun mit Handelsbeschränkungen. Bei Trade Republic sind
neben GameStop auch weitere Papiere betroffen, darunter die
Kinokette AMC, der Software- und Handyhersteller
BlackBerry und die Mobilfunkfirma Nokia. Die Plattform des
Brokers war am Donnerstag unter der enormen Nachfrage der
Kunden zeitweise zusammengebrochen.
In einer Mitteilung an seine Kunden spricht der Broker von
einer »beispiellosen Situation«. Die Aktien seien Gegenstand
heftiger, koordinierter Kursspekulationen geworden. »Wegen
der damit verbundenen Risiken [...] nehmen wir bis auf
Weiteres keine neuen Aufträge zum Kauf dieser Aktien an«,
heißt es in der Mitteilung.
GameStop-Kurs

Auf den sozialen Medien reagierten Nutzer auf die


Beschränkungen teils mit scharfer Kritik. So schreibt ein
Twitter-User: »Öffnet die Trade Republic!«. Andere User
warfen der Plattform vor, sich mit dem Kaufverbot auf die
Seite der Hedgefonds zu schlagen.

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Kritik an den Handelsbeschränkungen weist Trade-Republic-


Gründer Hecker zurück: »Wir haben uns nicht auf die Seite
der Hedgefonds geschlagen, sondern wollen unsere Kunden
schützen.« Durch die hohe Volatilität, also die Schwankung
des Aktienkurses, sei kein normaler Handel mehr möglich
gewesen.
Trade Republic wolle möglichst vielen Anlegern einfachen
Zugang zum Kapitalmarkt verschaffen, so der Firmengründer.
»Aber in einer Republik braucht es auch Regeln. Wir müssen
unseren Anlegern gegenüber Verantwortung wahrnehmen«.
Nicht nur Trade Republic war in den vergangenen Tagen vom
Ansturm der Anleger überrascht worden. In den USA
schränkten die Anbieter Robinhood und Interactive Brokers
am Donnerstag den Handel mit GameStop und anderen
Aktien ein. Zuvor hatten sich in den USA auch Aufseher in die
Debatte eingeschaltet.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es,
Leerverkäufer hätten in diesem Jahr mit GameStop-Aktien
schon mindestens Milliarden Dollar Verlust gemacht. Die
Zahl bezog sich jedoch auf die Verluste mit US-Aktien
insgesamt. Wir haben die Stelle geändert.
mic

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