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Die Würde des Menschen

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde geboren“ heißt es in Artikel 1 der Allgemeinen
Erklärung der Menschenrechte, und der erste Artikel des deutschen Grundgesetzes lautet:
„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung
aller staatlichen Gewalt.“ Doch was bedeutet Würde eigentlich und was macht sie aus?
Diese Aussagen über die Menschenrechte beschreiben die Würde als eine Eigenschaft des
Menschen. Bieri beschreibt diese als eine außergewöhnliche Art von Eigenschaft, die den
Charakter eines Anrechts hat. Die Würde ist unantastbar. Unantastbar bedeutet in diesem
Fall, dass sie etwas Schützenswertes ist und wir selber and andere diese achten sollen.
Außerdem erklärt er, dass die Würde auf vielfältigen Erfahrungen basiert. Erst wenn man
diese ganzen Erfahrungen verstanden und verknüpft hat, kann man sich den Begriff Würde
vorstellen „Es geht darum den intuitiven Gehalt der Würdeerfahrung auszuschöpfen“.

Ich definiere mir Würde selber als etwas, was der Mensch benötigt um nach einer
bestimmten Art leben zu können. Ohne die Würde, würden wir anders handeln, da wir eben
keine Würde hätten/es nicht kennen würden. Die Würde wurde zwar nicht aus
irgendwelchen Untersuchungen oder Studien über das Verhalten des Menschen begründet.
Sondern die Menschenwürde ist, wie alle Grundansprüche ethischer Art, gilt, ohne dass sie
gerechtfertigt in ihrer Herkunft begründet worden wäre. Sie ist sozusagen unabgeleitet,
kommt nicht aus dem Nichts, aber sie ist trotzdem da. Die Würde hat eine Gültigkeit und wir
alle können uns darunter etwas vorstellen und haben wenigstens eine Ahnung. Auch kann
neben der Ethik zum Beispiel die Politik oder Rechtsprechung eine Aussage darüber
verfassen. Für mich bedeutet Würde Verständnis und Verantwortung, aber auch zu
verstehen was das Wesen des Menschen überhaupt ist. Außerdem ist meiner Meinung nach
Freiheit beziehungsweise Freiheiten eine Voraussetzung der Würde. Ohne Freiheiten kann
man nicht selbst entscheiden und damit für sich selbst oder andere ein Urteil über dessen
Würde treffen. Das heißt Menschenwürde bedeutet ein selbstbestimmtes Leben zu leben.
Ein Beispiel von dem Bieri erzählt findet auf einem Jahrmarkt statt. Laut ihm wird die Würde
eines Kleinwüchsigen verletzt, indem dieser zur Unterhaltung so weit wie möglich geworfen
wird. So etwas macht man bloß mit Dingen, die den Zweck haben geworfen zu werden.
Menschen würden so einen Zweck niemals besitzen und dennoch findet so etwas statt und
so gut wie keiner hat etwas dagegen oder beschwert sich. Es ist lustig anzuschauen und das
war es. Doch betrachtet man an diesem Beispiel tatsächlich, dass Dinge und Menschen einen
großen Unterschied haben – nämlich einen Zweck und einen sogenannten Selbstzweck –
dann wird einem die Verletzung der Würde klar. Der Kleinwüchsige ist ein Mensch und hat
einen Selbstzweck. Er kann selbst entscheiden und handeln, während Dinge einen festen
Zweck haben, sowie ein Ball den Zweck hat ihn zu Werfen oder zu Treten. Doch ein Mensch
hat so etwas eben nicht, da der Mensch durch Autonomie gekennzeichnet ist, also durch
Freiheit, die sich darin äußert, dass er sich seine Zwecke selbst setzt. Insofern das Wesen des
Menschen also in der Freiheit besteht, sich selbst seine Zwecke zu setzen, ist der Mensch ein
Selbstzweck. In dieser, den Menschen auszeichnenden Freiheit, besteht die Würde des
Menschen. Da die Würde des Menschen in seiner Selbstzweckhaftigkeit besteht, stellt ihre
Missachtung also die gröbste Verletzung der Menschenwürde dar.
Bieri hat 3 Dimensionen aufgestellt, wie nun mit dieser Menschenwürde umgegangen
werden kann und sich jeweils Fragen dazu gestellt um eine Antwort zu bekommen. In der
ersten Dimension geht es darum wie man selbst von anderen Menschen behandelt wird.
Kommt man auf das Beispiel des Zwergenwerfens zurück, so betrachtet man also wie der
Werfer, oder auch die Zuschauer, den Kleinwüchsigen behandelt und mit seiner Würde
umgehen. Nicht sehr vorsichtig, denn sie machen sich keine Gedanken und sehen bloß das
eine – Unterhaltung. Die Würde ist ihnen egal, damit verletzen sie diese also. Die zweite
Dimension handelt davon, wie ich andere Menschen behandle und wie ich zu ihnen stehe.
Die Verantwortung liegt völlig bei einem selbst und man trifft Entscheidungen mit bewussten
Absichten. Aus der Sicht des Kleinwüchsigen stellt er dem Werfer und den Zuschauern eine
spaßige Unterhaltung zur Schau und ist sich darüber im Klaren (es ist sein Job und er
verdient sich damit sein Geld). Er verletzt keine Würde, den diese bleibt von allen weiterhin
unantastbar. Die dritte Dimension entscheidet man selbst über seine eigene Würde. Man
betrachtet sich selbst und trifft Entscheidungen für sich selbst, niemand anderen betrifft
dies. Der Kleinwüchsige muss in diesem Fall über sich selber nachdenken, ob es eine
Verletzung der Würde ist dem Werfen zuzustimmen und abwägen. Es ist allein seine
Entscheidung (abgesehen von der Geldnot und der nicht-vorhandenen Freiheit als „zu
kleiner Mensch“, welche ein weiteres Problem darstellt). Zusammengefasst kann man sich
also drei Fragen stellen: „Wie behandeln mich die anderen? Wie stehe ich dazu? Wie stehe
ich zu mir selbst?“.
Ein weiteres gutes Beispiel ist das Tötungsverbot. Den für eine Tötung gibt es fast (über
solche Ausnahmen könnte man tatsächlich ein weiteres Essay schreiben) immer einen
Grund. Doch wie funktioniert das nun mit der Würde im Zusammenhang mit einer Tötung.
Will ein Mensch selber, dass ihn ein anderer tötet um ihn zu erlösen zum Beispiel, dann geht
dies ohne ein allzu schlechtes Gewissen zu haben im Gegenteil zu einer bloß einseitig
gewollten Tötung. Und was ist wenn man aus Verteidigung jemanden tötet? Wie sieht es
aus, wenn man einfach jemanden tötet, wenn diese Person wegen zu lauten Geräuschen
oder verschiedenen Meinungen nervt? Es besteht das Tötungsverbot und wer dennoch
anders denkt, hat die Menschenwürde und deren Wichtigkeit nicht verstanden. Da
Tötungsverbot ist eine Tatsache, sowie, dass die Menschenwürde unantastbar ist. Dass
müssen wir akzeptieren und eine Gesellschaft kann nur funktionieren, wenn Tatsachen
geklärt sind eingehalten werden.
Ebenfalls möchte ich auf das aktuelle Beispiel der Covid-19-Pandemie eingehen. Der Staat
muss die Würde seiner Bürger schützen. Heißt das dann auch, dass er sie vor einem Virus
oder überfüllten Krankenhäusern schützen muss? Und kann man die Corona-Maßnahmen
mit Verweis auf die Menschenwürde rechtfertigen? Erstmal kann man die Maßnahmen so
begründen, dass die Intensivbetten nicht belastet werden und somit der Bevölkerung das
deutlich wenigere Übel zugeteilt wird – nämlich Masken und Kontaktbeschränkung anstatt
einer Überlastung der Intensivbetten oder sogar selber zu erkranken mit der Möglichkeit zu
sterben. Die Ärzte müssen also im schlimmsten Fall entscheiden, wer ein Intensivbett
bekommt und wer nicht und damit wer stirbt und wer nicht. So eine Entscheidung berührt
immer die Menschenwürde, weil jeder Mensch unendlich wertvoll ist. Ebenso wird die
Menschenwürde verletzte, wenn Menschen im Altersheim allein sterben müssen, weil die
Pfleger einen Kontakt zu Mitmenschen verbieten. Dennoch ist genau das in dieser Pandemie
passiert. Die Sorge vor Ansteckungen in Pflegeheimen war so groß, dass alle Besuche
verboten wurden. Inzwischen wurde diese Entscheidung geändert, denn die Würde
pflegebedürftiger, älterer Menschen ist auch ohne Corona ein wichtiges Thema. Sie ist nicht
weniger wert, als das junger gesunder Menschen die noch viel Leistung in ihrem Leben
vollbringen werden.

Um die Frage zu beantworten, wie wichtig die Würde für den Menschen ist muss man diese
erst ein Mal definieren. Die Würde lässt sich nicht begründen. Das wäre fehlgeleitet, weil es
so etwas nicht gibt. Vergleichen könnte man so eine Frage nach dem Ursprung des
Universums. Darüber kann man vielleicht nachdenken, aber auf eine Antwort wird man nie
kommen. Aber trotzdem besitzt die Würde, beziehungsweise ihr Begriff, eine Gültigkeit. Wir
schützen unsere eigene Würde und versuchen die von anderen ebenfalls nicht zu verletzten,
da dies würdevoll ist. Die Menschenwürde ist also für uns als Menschen sehr wichtig, wenn
nicht, sogar das Wichtigste.