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»Bahnwärter Thiel« ist die Hauptfigur der gleichnamigen Novelle von Gerhart Hauptmann aus dem Jahr

1888. Thiels geliebter Sohn aus erster Ehe kommt bei einem Unfall ums Leben. Dies treibt de n verzweifelten
Mann zu zwei Morden. Die Novelle spielt Ende des 19. Jahrhunderts in dem Ort Schön -Schornstein und in
Thiels Wärterhäuschen an der Bahnstrecke zwischen Berlin und Frankfurt/Oder. »Bahnwärter Thiel« ist ein
Klassiker der deutschen Literatur. Die Novelle schildert die psychische Abhängigkeit eines Menschen von
anderen, und die damit verbundene Unfähigkeit sein eigenes Leben zu leben. Thiel ist sowohl von Minna
abhängig, so dass er sich immer wieder in eine Art Phantasiewelt flüchtet, als auch von Lene, der er sich
nicht widersetzen kann. Das stille und unauffällige Leben Thiels wird – symbolisch – von einem Schnellzug
erfasst. Getrieben von Schuld gegenüber seiner verstorbe nen Frau, und ausgelöst durch den Tod seines
Sohnes, wird aus dem frommen, ruhigen Mann ein Frauen - und Kindermörder.

Kurze Zusammenfassung
Thiel heiratet nach dem Tod seiner ersten Frau die Kuhmagd Lene, weil er seinen Sohn Tobias betreut wissen möchte. Die
neue Frau hat Thiel mit ihrer sexuellen Kraft bald völlig in ihrer Gewalt. Thiel hat sich in seinem abgelegenen Bahnwärterhaus
ein Heiligtum für die erste Frau eingerichtet und hält die zweite Frau davon fern. Da ein Kartoffelfeld, das Thiels zur Pacht
bekommen haben, in der Nähe des Bahnwärterhauses liegt, dringt sie zu Thiel vor. Bei einem Besuch auf dem Acker wird
Tobias von einem Schnellzug erfasst und stirbt. Thiel tötet in einem Anfall von Wahnsinn seine Frau sowie das gemeinsame
Kind; er wird in die Irrenabteilung eingeliefert.

Epoche und historischer Kontext


− Autor lebte von 1862 bis 1946 (Repräsentanten des deutschen Naturalismus für das Theater
− »Bahnwärter Thiel« erschien 1888 als Text des deutschen Naturalismus
− Vernachlässigte soziale Gruppen (Arbeiter, Kleinbürger, kleine Beamte, Ausgestoßene, Dirnen, Wahnsinnige und
Alkoholiker) rückten in die Figurenensembles ein
− ästhetische Schönheit trat zu Gunsten einer wahrhaftigen und naturgetreuen Abbildung der Problemfelder zurück
− Der Schriftsteller sollte nur noch bedingt Gestaltungsmöglichkeiten erhalten
− Neue Themen: technische Anlagen, die Eisenbahn und Verkehrssysteme, wissenschaftliche Erkenntnisse
(Vererbungslehre, Milieutheorie, Psychoanalyse)

Fazit
So lässt sich sagen, dass Thiel unschuldig ist. Seine Schuld ist, dass er abergläubisch und mystisch ist. Abergläubisch jedoch nur
weil, das von der Kirche und Allgemeinheit gelehrt wird. Dass er sich nicht mehr zu helfen weiß und sein einziger Ausweg das
Zerstören des Bösen zu sein scheint liegt daran, dass man ihm das Gefühl gibt, Lene sei das Böse und er sei ein Sünder. Es ist
wohl nicht so gewollt, doch es ist so geschehen. Deswegen komme ich zum Schluss, dass Thiel ein anständiger, liebevoller
Mensch ist und die Schuld seiner Tat einzig und allein auf der Kirche, den Dorfbewohnern, so gesagt der Allgemeinheit, sowie
den flüsternden Passagieren und den Arbeitern, die ihn nicht ansprachen, liegt. Also ist Thiel nur ein Produkt seiner Umwelt.

Gründe Novelle
 Länge (mittlere)
 Eine sich ereignete unerhörte Begebenheit
 Nur EINE ereignete Begebenheit
 Unerhört (unglaublich oder außergewöhnlich, noch nie gehört)