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PÄDAGOGISCHE HOCHSCHULE

ST. GALLEN

„Eine Schule ohne Schüler“

Wenn Schüler und Schülerinnen nicht (mehr)


zur Schule gehen wollen

2.Beitrag
für das Modul:
BSK

Dozentin:
Sandra Zehnder

Verfasst von:
Benjamin Lizinger

Dezember 2019
Inhaltsverzeichnis

1. Einführung ..................................................................................................... 3

1.1. Vorwort........................................................................................................................ 3

1.2. Fragestellung ............................................................................................................... 3

2. Gründe hinter Abwesenheiten ....................................................................... 3

2.1. Warum bleiben Schüler überhaupt der Schule fern? ................................................... 3

2.2. Formen der Schulverweigerung? ................................................................................. 4

3. Beobachtungen aus dem ersten Praktikum ................................................... 6

4. Fazit & Schlussfolgerung für eigene Handlungen ........................................ 6

5. Quellen und Tabellen .................................................................................... 7

5.1. Tabellenverzeichnis ..................................................................................................... 7

5.2. Literaturverzeichnis ..................................................................................................... 7


1. Einführung

1.1. Vorwort

Die Verweigerung des Schulbesuchs durch Kinder und Jugendliche ist ein Phänomen
mit unterschiedlichen Ausprägungen. Es zeigt sich z.B. in Schulangst besonders bei Erst-
klässlern, gelegentlichem Schwänzen einzelner Unterrichtsstunden, bis hin zum längeren
Fernbleiben vom Unterricht aufgrund von Aufgabe, Unlust oder anderen Gründen, die in
dieser Arbeit näher dargestellt werden. Das Fernbleiben vom Unterricht gehört zum Ent-
wicklungsprozess unserer Jugend, in dem Grenzen ausgetestet und auch überschritten wer-
den. Massives Schulschwänzen ist jedoch oftmals ein Ausdruck von sozialen oder psycho-
logischen Problemen, deren Bewältigung dem Schüler allein nicht gelingt.

1.2. Fragestellung

In diesem Beitrag sollen die verschiedenen Gründe fürs Fehlen von Kindern beim
Unterricht aufgezeigt werden. Entschuldigtes Fehlen durch Krankheit oder aufgrund von an-
deren wichtigen Terminen werden hierbei jedoch ausgeschlossen. Hauptsächlich steht das
Schulschwänzen im Vordergrund dieses Beitrags. Aus der Tatsache heraus, dass einige Kin-
der schon ein oder mehrmals die Schule geschwänzt haben und dies auch in meinem ersten
Praktikum vorkam, möchte ich mit diesem Beitrag den möglichen Gründen und den Konse-
quenzen des Fernbleibens vom Unterricht nachgehen. Zudem soll eine praktikable Lösung
für dieses Fehlverhalten präsentiert werden, um letztlich die Frage zu beantworten, wie
könnte das Schulschwänzen verringert oder ganz vermieden werden.

2. Gründe hinter Abwesenheiten

2.1. Warum bleiben Schüler überhaupt der Schule fern?

Für die Verweigerung des Schulbesuchs kommen laut diverser Autoren vielfältige
Ursachen infrage. Um zu beurteilen, wodurch die Verweigerungshaltung ausgelöst wird und
um in der Folge eine angemessene Reaktion zu finden, ist deshalb eine genaue Differenzie-
rung erforderlich. Oelsner und Lehmkuhl (2002, S.28) haben beispielsweise ein Entste-
hungsmodell für Schulverweigerung (Vulnerabilitäts-Stress-Modell) aus kinder- und ju-
gendpsychiatrischer Sicht entwickelt. Dabei existieren im Vorfeld bei den betroffenen Kin-
dern zumeist:

• allgemeine Ängste,
• soziale Unsicherheit,
• wenige Freundschaften,
• mindestens ein Unbehagen in der Schule,
• die Angst vor nicht zu bewältigenden Situationen oder Aufgaben in der Schule,
• die Angst, sich von zu Hause zu trennen.

Diese Symptome betreffen ungefähr 10-12 % aller Schulkinder.


«Kommen nun konkret belastende Einflüsse - wie etwa Umzug, Schulwechsel, Trennungserfahrun-
gen, Überforderung, geringe soziale Kontrolle und mangelnde familiäre Unterstützung, Misserfolg in
der Schule, Konflikte mit Klassenkameraden und Lehrern - hinzu, können diese zu einer Ablehnenden
Haltung zur Schule führen» (Schreiber-Kittl & Schröpfer, 2002, S.86).

Eine Befragung von Jugendlichen, die über längere Zeiträume der Schule fernblieben,
ergab als mögliche Auslöser für das Verhalten: Probleme mit Lehrkräften (59 %),
schlechte Leistungen (31 %), andere schulische Probleme (30 %), Probleme mit Mitschülern
(29 %) und gesundheitliche Probleme (20 %) (Reissig, 2001, S.22). Je länger die Schüler
nicht zur Schule gehen, umso mehr isolieren sie sich von ihren Mitschülern und Altersge-
nossen. Zudem fällt die Rückkehr zur Schule mit zunehmender Zeit immer schwerer, weil
man den Spott der Lehrkräfte und Mitschüler fürchtet und einen das Bewusstsein darüber
quält, wie viel Unterrichtsstoff schon versäumt wurde (Schreiber-Kittl & Schröpfer, 2002;
S.86-90).

2.2. Formen der Schulverweigerung?

Nach psychiatrisch/-psychologischen Untersuchungen sind ungefähr 5-8 % der Schüler von


Formen der unentschuldigten Schulverweigerung betroffen. Die unterschiedlichen Schul-
verweigerungsarten gliedern sich in die Schulangst, die Schulphobie und das Schulschwän-
zen (Lehmkuhl, 2003, S.15-19). Die Schulangst z.B. wird auf Überforderungen zurückge-
führt, die von Dauer sind und zur Lebensstruktur gehören. Weitere Gründe können soziale
Ängste oder das Mobbing in der Schule sein, sowie Ängste und Störungen im Lehrer-Schü-
ler-Verhältnis oder ein allgemein-schlechtes Schulklima.
Die Schulphobie jedoch, geht in der Regel auf die Ängstlichkeit zurück, wenn irgendwelche
furchteinflössende Erfahrungen mit der Schule an sich gemacht wurden oder verbunden wer-
den. Ausserdem kann es auch die Angst sein, sich von Zuhause zu trennen. Die Ursache liegt
in solch einem Fall darin, dass sich die Kinder in den heimischen vier Wänden am wohlsten
fühlen sie ihre «Comfort-Zone» oder ihren momentanen „Betätigungsort“ nicht wechseln
möchten. Auch die Folgen von Migration und die damit verbundenen emotionalen Probleme
der Kinder und/oder der Eltern, können ursächlich für eine Schulphobie sein.
Im Gegensatz zu den vorgenannten Störungsbildern geht dem Schulschwänzen meistens
keine Angst voraus, sondern deutet eher auf eine «aggressiv-dissoziale Entwicklung»
(Lehmkuhl & Doll, 1994, S. 278) seitens der betroffenen Kinder hin.
Die verschiedenen Ursachen, die zum Phänomen Schulverweigerung führen, bedingen somit
unterschiedliche pädagogische und therapeutische Lösungen. Hier werden nun die Leitge-
danken des jeweiligen Handelns mit einer Tabelle von Oelsner und Lehmkuhl (2002, S.65-
66) dargestellt. Sie sollen Lösungsansätze aufzeigen, wie von Schulseite aus reagiert werden
könnte.

Tabelle 1: Ratgeber zu Schulangst, Schulphobie und Schulschwänzen (Oelsner & Lehmkuhl,


2002, S. 124)
3. Beobachtungen aus dem ersten Praktikum
In meinem ersten Praktikum kam es mehrmals bei verschiedenen Schülern und Schü-
lerinnen vor, dass sie vom Unterricht fernblieben. Allerdings waren diese Abwesenheiten
bis auf einmal stets entschuldigt. Die genauen Gründe konnte ich jedoch nicht immer fest-
stellen, doch generell hatte meine Praktikumslehrperson jedes entschuldigte Fehlen akzep-
tiert. Nichtsdestotrotz konnte ich bei den betroffenen SuS in der nächsten Unterrichtsstunde
Lücken bemerken, die ganz natürlich durch das Fehlen beim vorherigen Unterricht entstan-
den sind. Waren die SuS zudem noch schwach in diesem Fachgebiet, hat sich das umso mehr
auf ihr Defizit und auch auf die Motivation zum jeweiligen Unterricht ausgewirkt. Hierbei
musste dann dem Kind besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden, was wieder mehr Zeit
für die Lehrperson und für uns Praktikanten in Anspruch nahm.
Die eine Situation, in der ein Schüler eine Schulstunde unentschuldigt fehlte, hatte
den Grund, dass das Kind meinte, der Unterricht beginne erst eine Stunde später. Die PL
reagierte darauf mit einer Strafarbeit und dem Entzug einer grünen Karte (Jede bzw. jeder
SuS hat zu Beginn eines Quartals drei grüne Karten, die dazu dienen, dass sich ein SuS zwei
Fehltritte erlauben kann. Nach dem Verlust der letzten Karte, wird ein Elterngespräch von
der Lehrperson geführt) geahndet.
Meines Erachtens hatte hier die PL ziemlich streng gehandelt. Mit dem Hintergrund
jedoch, dass dieser Schüler schon öfters zu spät kam und sich auch sonst sehr auffällig im
Unterricht verhielt, kann ich diese Strafe gut verstehen.
Anhand der Lösungsansätze von Oelsner und Lehmkuhl kann diese konsequente Haltung
und Sanktionierung bestätigt werden, um Wiederholungen solcher Fehlverhalten zu vermei-
den und eine Zuspitzung des Schwänzens einzudämmen.

4. Fazit & Schlussfolgerung für eigene Handlungen


Es ist nicht immer sofort ersichtlich welche (wahren) Ursachen hinter den Abwesenheiten
von SuS stecken. Generell sollte eine Lehrperson jeden SuS vorbehaltlos behandeln und
nicht unnötig bestrafen, insbesondere, wenn die betroffenen SuS tatsächlich gute Gründe für
ihr Fehlen vorweisen können. In solchen Fällen wären Sanktionen sogar kontraproduktiv
und können in bestimmten Fällen sogar noch die eventuell vorhandene Schulangst oder
Schulphobie verstärken. Lediglich beim Schulschwänzen, ist es ratsam konsequent und ent-
schieden dagegen vorzugehen. Massive Formen von Schulverweigerung bergen nämlich ein
Entwicklungsrisiko für die betroffenen Kinder, und daher ergibt sich die Notwendigkeit,
diesem Phänomen mit sozialen oder psychologischen Diensten zuzuwenden und dringend
die Eltern einzubeziehen.
Wenn dies nicht getan wird, wirkt sich das nicht nur negativ auf die Bildung und die Schul-
ergebnisse des Kindes aus, sondern kann auch letztlich den Übergang ins Erwerbsleben der
kompliziert gestalten oder auch ganz gefährden.
Daher möchte ich selbst in meinen weiteren Praktika und im zukünftigen Beruf als Lehrper-
son genauer darauf achten, wenn SuS der Schule fernbleiben. Dabei versuche ich zu ergrün-
den, welche genauen Ursachen vorherrschen und dementsprechend zu handeln. Hierbei
werde ich mir den Ratgeber von Oelsner und Lehmkuhl zu Herzen nehmen und daraus die
spezifischen Handlungen ableiten.

5. Quellen und Tabellen

5.1. Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Ratgeber zu Schulangst, Schulphobie und Schulschwänzen (Oelsner & Lehmkuhl,


2002, S. 124)

5.2. Literaturverzeichnis

Lehmkuhl, G., Flechtner, H., & Lehmkuhl, U. (2003). Schulverweigerung: Klassifikation,


Entwicklungspsychopathologie, Prognose und therapeutische Ansätze. Praxis Der
Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie, 52(6), 371-386. Göttingen: Vandenhoeck
& Ruprecht.

Lehmkuhl, G., & Doll, U. (1994). Das überängstliche Kind. Angstanfälle und Formen der
Schulverweigerung. Therapie und Prognose. Zeitschrift Für Allgemeinmedizin,
70(8), 278-278. Stuttgart: Hippokrates Verlag.

Oelsner, W., & Lehmkuhl, G. (2002). Schulangst: Ein Ratgeber für Eltern und Lehrer (El-
tern und Kinder). Düsseldorf: Walter.
Reißig, B. (2002). Schulverweigerung - ein Phänomen macht Karriere: Ergebnisse einer
bundesweiten Erhebung bei Schulverweigerern; Werkstattbericht (2. überarbeitete
Aufl., Arbeitspapiere aus dem forschungsschwerpunkt Übergänge in Arbeit, 2001,5).
München: Deutsches Jugendinstitut.

Schreiber-Kittl, M., & Schröpfer, H. (2002). Abgeschrieben? Ergebnisse einer empirischen


Untersuchung über Schulverweigerer (Bd. 2). München: Deutsches Jugendinstitut.