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Seminar Schloss Bogenhofen

DOGMATIK 1
STDO 261

Dozent: Frank Hasel

2004/2005 - 2. Trimester
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 2

1. Erklärungen zum Syllabus


1.1. Themen
 (a) Einführung in Dogmatik
 (b) Einige detaillierte Themenschwerpunkte
o Wort Gottes (Inspiration und Offenbarung)
o Lehre von Gott (Dreieinigkeit)
o Soteriologie (Wie man gerettet wird?, Rechtfertigung und Heiligung, Vollkommenheit, Gesetz
Gottes)
 (aus Sicht der Bibel, Theologiegeschichte, Adventgeschichte)

1.2. Anforderungen
 (a) unbedingte, regelmäßige und pünktliche Anwesenheit
 (b) Aufgabenstellungen
o Leseaufgaben
 BTh: 450 Seiten
 BK: 400 Seiten
 NS: 300 Seiten
o ein paar Bücher, die in dem Kurs Pflicht sind:
 alle: Was Adventisten glauben
 sollten aus dem Buch einige Kapitel lesen (Kap. 1, 2-5, 9-10, 18)
 BTh: Handbook of SDA Theology (ABC 12)
 Peter van Bemmelen, „Revelation and Inspiration“
 Fernando Canale, „Doctrine of God“
 Mario Veloso, „The Law of God“
 BTh: Ekkehardt Schnabel, Inspiration und Offenbarung
 protestantischer evangelikaler Theologe
 gründlichste Ausführung zur Thematik auf dem deutschen Markt
 S. 103ff
 Wenn schon was davon gelesen, dann angeben und statt dessen was anderes lesen.
 Hans Heinz, Dogmatik
 in Dateiform erhältlich; im Netzwerk
 (c) schriftliche Prüfung

2. Dogmatik – Einführung
 Was bedeutet das?
o Die Lehre über die Lehre
 verbunden damit: penibel, verbohrt
o Definition: Das Christentum ist eine denkende Religion. Das bedeutet konkret: Unser Glaube
soll durch die Inhalte der biblischen Botschaft bestimmt werden und nicht durch unsere
Gefühle und Emotionen. Die biblischen Inhalte sollen verstanden werden und sie sollen auch
auf ihre Bedeutsamkeit für unseren Glauben reflektiert werden.
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 1Ko 10,15: „Ich rede als zu Verständigen. Beurteilt ihr, was ich sage!“
o Christlicher Glaube ist immer denkender Glaube. Nicht Gefühlsduselei. Er hat
Glaubensinhalte, die reflektiert und durchdacht werden sollen. Wir sollen sie verstehen.
Biblische Glaubensinhalte können auch verstanden werden.
 1Ko 14,20: „Brüder, seid nicht Kinder am Verstand, sondern an der Bosheit seid Unmündige, am
Verstand aber seid Erwachsene!“
o wichtiger Text, anstreichen
o Christlicher Glaube ist nichts für Naivlinge. Biblischer Glaube involviert immer auch unser
Denken. Wie kleine Kinder sollen wir nicht im Bezug auf das Verstehen sein, sondern in
Bezug auf das Böse.
 Der Begriff „Dogma“ kommt in der Bibel vor:
o Apg 16,4: „Als sie aber die Städte durchzogen, teilten sie ihnen zur Befolgung die Beschlüsse
mit, die von den Aposteln und Ältesten in Jerusalem festgesetzt waren.“
o Beschlüsse = gr. dogmata
o Seitdem wird dieser Begriff verwendet, um die christlichen Lehrsätze zu beschreiben, in denen
sich die Erkenntnis und die Wahrheit des christlichen Glaubens ausspricht.
o Wurde deutlich z.B. in den Taufbekenntnissen (Taufe auf das Bekenntnis ihres Glaubens).
 Wichtiger altkirchlicher Punkt des Glaubens.
 Leider schwindet das heute aber auch in unserer Gemeinde. Wir erlauben den Leuten,
ihre eigenen Glaubensbekenntnisse zu schreiben. Fördert einen Zustand, wo unter-
schiedliche Auffassungen dessen legitimieren, was es heißt Adventist zu sein. Das ist
für die Einheit in der Gemeinde kontraproduktiv.
o In der Dogmatik denken wir über die zentralen, biblischen Inhalte nach. Dabei lassen wir uns
zuerst vom Wort Gottes leiten. Die Bibel ist die Grundlage und die letzte Autorität.
 1Ko 4,6: „Dies aber, Brüder, habe ich auf mich und Apollos bezogen um euretwillen, damit ihr an uns
lernt, nicht über das hinaus zu denken, was geschrieben ist, damit ihr euch nicht aufbläht für den einen
gegen den anderen.“
o Paulus: Wir gehen nicht über das hinaus, was geschrieben steht.
o Jesus: Wenn ihr an mich glaubt, wie die Schrift sagt. Glaube an ihn war geprägt durch das,
was die Schrift sagt.

 Gott hat uns so erschaffen, dass wir ihn hören und verstehen können.
 Gott ist ein redender Gott (Hbr 12) – das ist das Erste, was Gott tut.
 Zu wem Gott spricht, der hört nicht nur, sondern versteht auch und bringt Verantwortung mit sich.
 Gott hat Sprache gegeben, erfunden, benutzt sie zur Mitteilung.
 Offenbarung ist kein Ratespiel, sondern Möglichkeit der Kommunikation.
 Dogmatik begründet sich auf Aussagen der Bibel, dass es Beschlüsse gibt, hilfreich.
 Von der Bibel her ist es nicht nur wichtig, dass wir denken, sondern dass wir richtig denken.

3. Systematische Theologie – Einführung


 Was heißt das?
o Dogmatik und Ethik bilden zusammen die Systematische Theologie
o In der Systematischen Theologie geht es darum zu schauen, wie die einzelnen Teile
miteinander in Verbindung stehen, sich beeinflussen, zusammengehören, ein ganzes Bild
ergeben, usw.
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o Ein System ist etwas, wo viele einzelne Teile Auswirkung aufeinander haben und
zusammengehören.
o Es gibt in der Bibel keine isolierten Glaubenspunkte. Jeder Glaubenspunkt hat Auswirkungen
auf andere Glaubenspunkte. Es gibt Verknüpfungen zwischen ihnen.
o Beispiel: buchstäbliche Schöpfung (Verweis auf Faith and Science Conferences)
 Folgen auf Sabbat (2Mo 20,8-11), erstes Ehepaar, Garten Eden, Sündenfall, Sünde,
Notwendigkeit der Erlösung, Wiederkunft, Neuschöpfung der Welt,
 Protologie (Lehre von den ersten Dingen) und Eschatologie (Lehre von den letzten
Dingen) gehören zusammen
 Dieses Thema hat weitreichendere Auswirkungen als in den 80iger Jahren die Ford-
Krise, da hier jetzt so viele Glaubenspunkte betroffen sind.
o Zusätzlich schaut man sich auch noch die Geschichte an (nicht nur Kirchengeschichte, sondern
vielmehr die Theologiegeschichte), wo es Entwicklungen, Veränderungen usw. gab
 Kenntnis der Bibel, der Gesamtzusammenhänge, der Geschichte, der Philosophie

4. Quellen
 Wenn man Theologie betreibt, gibt es mehrere Quellen, aus denen man schöpft.
 4 Quellen, die bei jeder Theologie eine Rolle spielen:
o (1) Heilige Schrift / Bibel
 Alle benutzen die Bibel, kommen aber zu unterschiedlichen Ergebnissen.
 In jeder christlichen Kirche wird die Bibel als Grundlage benutzt.
o (2) Tradition
o (3) Vernunft (eigenes Verständnis)
o (4) Erfahrung
 Welche dieser Quellen die letzte Norm / Autorität ist, entscheidet maßgebend unsere Theologie. Auch
wir als Adventgemeinde haben Traditionen.
 Wenn die systematische Theologie und Dogmatik richtig betrieben wird, dann ist sie nie nur rein
theoretisch, sondern zutiefst praktisch. Wie die Leute denken, so handeln sie. Zuerst denken die Leute,
also muss man zuerst die Gedanken der Leute erreichen. Wir sollten uns auch Gedanken machen,
warum wir bestimmte Dinge machen und ob die Leute das auch verstehen (Gaben sammeln,
Missionsbericht – Verstehen das die Leute im Gottesdienst, die neu sind?).
 Je nachdem, wo diese Quellen die letzte Autorität und Norm erlangt haben, kommt hinten ein anderes
theologisches System heraus. Da wo die Tradition die letzte Norm hat, da zeigt sich das auch im
theologischen System der Kirche. So z.B.:
o (2) Tradition
 Römisch-Katholische Kirche
 Griechisch-Orthodoxe Kirche
 Anglikanische Kirche
 Da ist kein Unterschied, ob es lebendige (Magisterium, heute noch verbindlich für jeden Gläubigen
vorgegeben, was zu glauben ist; nur wenn der Papst ex cathedra spricht, ist das, was er sagt, unfehlbar)
oder mündliche Tradition ist.
o (3) Vernunft
 Sozinianer
 Von Sozinus (wirkte im Osten von Polen) her kommend. Hatte Schwierig-
keiten mit der Dreieinigkeit.
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 Unitarier
 Liberale Theologie
 Hätte finden wir das auch in der Adventgemeinde oder bei den Zeugen Jehovas. Es sind
„bibelgläubige“ Rationalisten. Bei der liberalen Theologie (Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher)
kommt die Bibel als Letztes, weil Dinge rational nicht erklärbar sind (Wunder, usw.).
o (4) Erfahrung
 Quäker
 Charismatische Bewegung
 Pfingstbewegung
 Inneres Licht kann jeder bekommen und sagt einem, was man eigentlich zu glauben hat. Leute, die auf
die Erfahrung des Heiligen Geistes ganz bestimmt Bezug nehmen. Die Theologie wird durch die
Erfahrung geprägt (Heilungswunder). Die Erfahrung beeinflusst, was theologisch „richtig“ ist.
 Wir als Adventgemeinde haben uns entschlossen, die Heilige Schrift als alleinige Quelle ihrer eigenen
Auslegung zu akzeptieren (Sola Scriptura). Auch für Leute wie Luther hat Sola Scriptura nicht
bedeutet, dass Tradition, Vernunft und Erfahrung keine Bedeutung hätten, sondern nur, dass die Bibel
ihr eigener Ausleger ist. Die Schrift steht über dem anderen. Unsere Vernunft, unsere Erfahrung und
unsere Tradition muss sich an der Schrift messen lassen. In der Reihenfolge gibt es keine Wertigkeit,
außer dass die Schrift die erste und oberste Stelle hat.
 Die Natur spielt eine Sonderrolle, da sie zwar vermittelt, dass es etwas Übernatürliches gibt, aber sie
vermittelt keine Inhalte. Von der Natur bekommt man unterschiedliche Signale. Wir brauchen die
Heilige Schrift, um die Natur richtig verstehen zu können.
 Was ist in unserem Glauben die höchste und letzte Autorität? Daran entscheidet sich alles.

5. Das Wort Gottes – die Bibel


 Für uns als STA ist die Bibel das Buch der Bücher und die maßgebende Grundlage für Glauben und
Lehre. Schon unsere Pioniere haben Auslegung der Schrift als grundlegendes Prinzip gehabt. Der
Glaube an die Schrift war immer am Anfang der Glaubenspunkte.
 Wir verdanken William Miller sehr viel (20 Articles of Faith) und er hatte als seinen ersten
Glaubenspunkt die Heilige Schrift.
 Glaubenspunkt Nr. 1 der STA:
o „Die Heilige Schrift – Altes und Neues Testament – ist das geschriebene Wort Gottes, durch
göttliche Inspiration heiligen Menschen anvertraut, die geredet und geschrieben haben,
getrieben vom Heiligen Geist. In diesem Wort hat Gott dem Menschen alles mitgeteilt, was zu
dessen Errettung nötig ist. Die Heilige Schrift ist die unfehlbare Offenbarung seines Willens.
Sie ist der Maßstab für den Charakter und der Prüfstein aller Erfahrungen. Sie ist die
maßgebende Offenbarungsquelle aller Lehre und der zuverlässige Bericht von Gottes Handeln
in der Geschichte.“
 Wir werden nicht durch die Bibel gerettet, sondern durch Jesus Christus. Aber es ist ein wichtiger
Glaubenspunkt, da er die Natur und die Absicht der Offenbarung Gottes zeigt. Die Bibel ohne Jesus
Christus wäre nichts. Aber wie wüssten wir etwas über Jesus Christus und seiner Erlösung ohne die
Bibel? Ohne sie wüssten wir nichts über Jesus. Außerbiblische Befunde sind zu vernachlässigen. Die
Lehre von der Heilige Schrift ist die Wasserscheide der Theologie. Von dieser Frage hängt alles andere
in der Theologie ab. Je nachdem, was ich für eine Auffassung von der Schrift und der Inspiration habe,
beeinflusst das Ergebnis meiner Theologie und Auslegung.
 An dieser Stelle muss man folgende Fragen stellen?
o (1) Was ist Offenbarung?
o (2) Was ist Inspiration?
o (3) Was ist Illumination?
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5.1. Was ist Offenbarung?


 Wortbedeutungen:

o hebr. hl'G"
o gr. avpokalu,ptw
 Beides bedeutet: Die Entschleierung von etwas Verborgenem. Etwas, das bisher
verhüllt war, wird nun entschleiert und sichtbar und kann nun erkannt werden, wie es
wirklich ist.
o (1) Sünde
 Seit dem Sündenfall ist jeder Mensch von Gott getrennt und das macht es notwendig,
dass Gott sich speziell offenbart und mitteilt. Wenn wir Gott erkennen sollen, dann
muss er sich mitteilen und offenbaren. Das ist notwendig, weil wir sündig sind. Seit
dem Sündenfall ist Gott ein verborgener Gott. Seit dem Sündenfall muss er uns
suchen und sich uns mitteilen.
o (2) Information zur Entscheidung
 Damit wir uns für ihn entscheiden können. Spezielle Offenbarung.
o (3) Gottes Transzendenz
 Gott ist viel größer als wir und nicht so begrenzt. Außerdem sind wir durch die Sünde
von ihm getrennt.
o (4) Natur
 allgemeine Offenbarung; spätestens seitdem die Natur durch die Sünde in
Mitleidenschaft in Mitleidenschaft gezogen wurde, ist sie keine zuverlässige Quelle
mehr aus der man ihn völlig erkennen könnte. Wir erhalten keine Inhalte über Gott in
der Natur.
 Wir haben Gott, den Menschen und die Bibel. Die Bibel setzt voraus, dass es so ist. Sie erklärt aber nie
genau, wie das ist. Gottes Offenbarung ist persönlicher Natur. Ein persönlicher Gott offenbart und
spricht zu anderen Personen. Das Hauptelement dieser Offenbarung ist eine Kenntnis Gottes. Es geht
also nicht nur um die Weitergabe von Informationen. Es geht darum, dass Gott zum Menschen kommt
und sich ihm persönlich kundtut. Am Deutlichsten wird das sichtbar in der Menschwerdung des Sohnes
Gottes.
o 1Pe 1,13: „Deshalb umgürtet die Lenden eurer Gesinnung, seid nüchtern und hofft völlig auf
die Gnade, die euch gebracht wird in der Offenbarung Jesu Christi!“
 In seinem Sohn offenbart sich Gott.
o 1Mo 35: „Und er baute dort einen Altar und nannte den Ort El-Bethel; denn dort hatte Gott
sich ihm geoffenbart, als er vor seinem Bruder floh.“
 Gott selbst hat sich ihm offenbart und mitgeteilt.
 In der Offenbarung geht es immer darum, dass sich ein persönlicher Gott einem anderen persönlich
mitteilt. Dies geschah am deutlichsten durch Jesus Christus. Wenn Gott sich einem Menschen mitteilt,
erwartet er eine persönliche Antwort. Wen Gott sich offenbart, teilt er aber auch gleichzeitig Inhalte mit
(über seinen Willen, was er getan hat, was er tun möchte, was er vom Menschen fordert).
o Amos 3,7: „Denn der Herr, HERR, tut nichts, es sei denn, daß er sein Geheimnis seinen
Knechten, den Propheten, enthüllt hat.“
o Da 2,22: „... er offenbart das Tiefe und das Verborgene; er weiß, was in der Finsternis ist, und
bei ihm wohnt das Licht.“
 Gott bringt ans Licht, was wir von unserer Seite her nicht wissen können. Er bringt
ans Licht, was uns verborgen ist.
o 1Sa 3,21: „Und der HERR fuhr fort, in Silo zu erscheinen; denn der HERR offenbarte sich
dem Samuel in Silo durch das Wort des HERRN.“
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 7

 Gott offenbart sich dem einzelnen Menschen durch sein Wort. Es ist eine
Selbstoffenbarung Gottes und daran gekoppelt ist der Inhalt.
 In der heutigen Theologie werden die beiden Aspekte oft getrennt. Sprich: Gott
offenbart sich nur selbst, aber er gibt keine Informationen weiter.
 Es stimmt, dass Gott sich persönlich offenbart. Doch Gott teilt sich auch mit und gibt
Informationen weiter. Das Mittel der Offenbarung ist das Wort, die Sprache. Er
verwendet menschliche Sprache, um sich ihnen mitzuteilen. Er verwendet immer die
Sprache, die von der Person verstanden wird, mit der er gerade in Kontakt treten will.

5.2. Was ist Inspiration?


o 1SM 21: „The Bible is written by inspired men, but it is not God's mode of thought and
expression. It is that of humanity. God, as a writer, is not represented. Men will often say such
an expression is not like God. But God has not put Himself in words, in logic, in rhetoric, on
trial in the Bible. The writers of the Bible were God's penmen, not His pen. Look at the
different writers. It is not the words of the Bible that are inspired, but the men that were
inspired. Inspiration acts not on the man's words or his expressions but on the man himself,
who, under the influence of the Holy Ghost, is imbued with thoughts. But the words receive
the impress of the individual mind. The divine mind is diffused. The divine mind and will is
combined with the human mind and will; thus the utterances of the man are the word of God.“
 Die Schreiber sind nicht die Feder Gottes, sondern sie schreiben in seinem Auftrag.
 (a) Offenbarung ist der Prozess, wo Gott sich dem Propheten mitteilt.
 (b) Inspiration ist der Prozess, wo der Prophet das weitergibt, was Gott ihm offenbart
hat.
 Hat Gott es diktiert (Verbalinspiration)?
 Hat Gott nur die Gedanken des Propheten inspiriert und hat er dann alles
alleine aufgeschrieben?
o Da es aber unvollkommene Worte sind, sind auch Fehler darin
enthalten.
 Die Beantwortung dieser Fragen ist wichtig. Wie funktioniert dieser Offenbarungs-
und Inspirationsprozess?
 Wenn Gott alles diktiert hat, kann dann an der Bibel überhaupt irgendetwas
geändert werden?
 Wenn er nicht diktiert hat, sind die Worte dann wirklich zuverlässig und
vertrauenswürdig, oder ist es doch mit Fehlern behaftet?
o 2Pe 1,19-21: „Und so besitzen wir das prophetische Wort um so fester, und ihr tut gut, darauf
zu achten als auf eine Lampe, die an einem dunklen Ort leuchtet, bis der Tag anbricht und der
Morgenstern in euren Herzen aufgeht, indem ihr dies zuerst wißt, daß keine Weissagung der
Schrift aus eigener Deutung geschieht. Denn niemals wurde eine Weissagung durch den
Willen eines Menschen hervorgebracht, sondern von Gott her redeten Menschen, getrieben
vom Heiligen Geist.“
 Nicht Menschen haben sich das ausgedacht, sondern vom Heiligen Geist getrieben
haben Menschen im Namen Gottes geredet. Eigentlich steht Gott hinter dem, was
Menschen geschrieben haben. Nicht Menschen haben sich das erdacht, sondern Gott.
Deshalb hat die Bibel für uns in Glaubensfragen Autorität. Es ist das Wort Gottes,
welches uns hier in der Bibel entgegentritt und nicht Menschenwort.
 Redet er nur von der Weissagung? Die Bibel besteht ja aus mehr als nur aus Gottes
Wort. Das Wort „Weissagung“ ist hier nicht nur auf prophetische Aussagen bezogen.
Die Propheten standen für die Juden nicht über der Schrift. Ein Teil steht für das
Ganze. Propheten stehen für das ganze AT. Die Propheten standen für die Juden aber
nie über der Thora. Mose hat den Pentateuch geschrieben und wird in der Bibel als
Prophet angesehen und bezeichnet, auch wenn er nicht zu diesen dazugerechnet wird.
Es geht also nicht nur um die prophetischen Aussagen.
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 8

 Sie haben im Namen Gottes geredet und waren von ihm geführt.
o 2Tim 3,16-17: „Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung,
zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes richtig
sei, für jedes gute Werk ausgerüstet.“
 Die Selbstaussagen der Schrift (deduktiv) haben immer Vorrang vor dem Phänomen
(induktiv).
 Bsp.: Wie kommt man zu dem Ergebnis, dass Jesus Christus der Sohn Gottes
ist? Nur aus der Schrift kommen wir darauf, dass er der Sohn Gottes ist.
 Aufgrund des Selbstanspruches sollte man die Phänomene einordnen.
 Es reicht nicht aus, dass man eine Person nur beobachtet. Man muss sich mit
der Person persönlich auseinandersetzen und mit ihr sprechen und die Person
reden lassen und ihr zuhören.
 Die Interpretation eines Phänomens ist noch nicht die Wahrheit über den
Sachverhalt.
 Im AT ist grafh. immer das AT, das Wort Gottes. Alle Schrift ist von Gott gehaucht,
qeo,pneustoj (gr.), inspirata (lat.). Die Endung von qeo,pneustoj ist passiv, d.h. von
Gott kommend. Das ganze AT ist von Gott gehaucht, von Gott inspiriert.
 Alle Schrift (pa/sa grafh.) ist wichtig, da dieser Ausdruck nie nur von einem Buch
spricht, sondern immer das ganze Schrifttum meint. Das ganze AT-Schrifttum ist von
Gott inspiriert und hervorgebracht.
o 1Thess 2,13: „Und darum danken auch wir Gott unablässig, daß, als ihr von uns das Wort der
Kunde von Gott empfingt, ihr es nicht als Menschenwort aufnahmt, sondern, wie es wahrhaftig
ist, als Gottes Wort, das in euch, den Glaubenden, auch wirkt.“
 Zusammenwirken zwischen Gott und Mensch. Wenn Gott sich mitteilt und den
Propheten hilft das, was Gott offenbart, auch niederzuschreiben, so dass das
Niedergeschriebene auch Gottes Wort ist, dann ist das Niedergeschriebene nicht nur
Menschenwort, sondern Gottes Wort.
 Wenn die Apostel Schrift als Gottes Wort angesehen haben, dann können wir nicht
darüber hinaus und meinen, das wäre anders. Wir sollten die Bibel mit dem gleichen
Verständnis, mit der gleichen Achtung wie sie ansehen.
o Rö 15,4: „Denn alles, was früher geschrieben ist, ist zu unserer Belehrung geschrieben, damit
wir durch das Ausharren und durch die Ermunterung der Schriften die Hoffnung haben.“
 Die Lutherübersetzung trifft den Text hier nicht.
 In der Bibel wird öfter mit Parallelismus gearbeitet.
 Vers 4: Trost der Schrift
 Vers 5: Gott des Trostes
 Schrift tröstet genauso, wie Gott tröstet. Beides ist göttlich.
 Alles (o[sa), was geschrieben steht, ist inspiriert und nicht nur ein Teil und andere
Teile nicht. Alles, was wir vorfinden, ist von Gott inspiriert.
o Apg 1,16: „Ihr Brüder, es mußte die Schrift erfüllt werden, die der Heilige Geist durch den
Mund Davids vorhergesagt hat über Judas, der denen, die Jesus festnahmen, Wegweiser
geworden ist.“
 Der Heilige Geist spricht durch den Mund Davids. David spricht, aber wer spricht
eigentlich? Der Heilige Geist.
o Apg 4,25: „... der du durch den Heiligen Geist durch den Mund unseres Vaters, deines
Knechtes David, gesagt hast: «Warum tobten die Nationen und sannen Eitles die Völker?“
 Der Heilige Geist hat hier wieder durch David geredet.
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 9

 (Lit-Tip: Wayne Grudem, „Scripture’s Self Attestation and the Problem of


Formulating a Doctrine of Scripture“ in: D.A. Carson (Hrsg.) / John D. Woodbridge
(Hrsg.), Scripture and Truth, 19-59.359-368) -> Sollte man sich kopieren!!!
o 2Mo 4,11.12.15.16: „Da sprach der HERR zu ihm: Wer hat dem Menschen den Mund
gemacht? Oder wer macht stumm oder taub, sehend oder blind? Nicht ich, der HERR? Und
nun geh hin! Ich will mit deinem Mund sein und dich unterweisen, was du reden sollst. ...
Dann sollst du zu ihm reden und die Worte in seinen Mund legen, und ich will mit deinem
Mund und mit seinem Mund sein und will euch unterweisen, was ihr tun sollt. Er aber soll für
dich zum Volk reden. Und es wird geschehen, er wird für dich zum Mund sein, und du wirst
für ihn zum Gott sein.“
 Siehe auch 2Mo 7,1: „Und der HERR sprach zu Mose: Siehe, ich habe dich
für den Pharao zum Gott eingesetzt, und dein Bruder Aaron soll dein Prophet
sein.“
 Mose, du machst jetzt etwas, das ich im Grunde genommen mit dir auch mache. Gott
sagt: Geh hin, ich will mit deinem Mund sein und dir lehren, was du sagen sollst. Ich
sage dir, was der Pharao hören soll. Du, Mose, sollst mit Aaron reden. Ich will mit
deinem und mit seinem Mund sein. Er soll für dich zum Volk reden.
 Mose gibt die Information von Gott an den Aaron weiter. Aaron gibt das weiter.
Mose hört zu und wacht darüber, ob das, was Aaron sagt, auch wahrheitsgemäß das
ist, was weitergegeben werden soll. Es sind aber Aarons Worte.
 Gott wacht über den Propheten und ob dieser das, was Gott ihm gab, freiheitsmäßig
aber wahrheitsgemäß weiter gibt. Wenn Gott sich mitteilt, dann lässt er ihn nicht
allein, sondern ist bei ihm und achtet darauf, ob er das vertrauenswürdig weitergibt,
was Gott ihm mitgeteilt hat. Gott wacht in diesem Prozess über dem, was der Prophet
sagt, damit er das vertrauenswürdig und zuverlässig das weitergibt, was Gott möchte.
So können wir auch sagen, dass Gottes Wort unfehlbar ist.
 Die Inspiration ist nicht nur reduziert auf die Gedanken des Propheten, sondern sie
wacht auch über die Weitergabe, das Endprodukt (Schrift).
 Wie macht Gott das, dass der Prophet in Freiheit seine Worte wählt und trotzdem das
weitergibt, was Gott möchte? Das sagt die Bibel nicht, nur dass es so ist.
o Jer 36,1.2.4.6.8.10.11.17.18.23-25: „Und es geschah im vierten Jahr Jojakims, des Sohnes
Josias, des Königs von Juda, da geschah dieses Wort von dem HERRN zu Jeremia: Nimm dir
eine Schriftrolle und schreib darauf all die Worte, die ich zu dir geredet habe über Israel und
über Juda und über alle Nationen, von dem Tag an, da ich zu dir geredet habe ... Da rief
Jeremia Baruch herbei, den Sohn des Nerija. Und Baruch schrieb aus dem Mund Jeremias all
die Worte des HERRN, die er zu ihm geredet hatte, auf eine Schriftrolle. ... So geh du hin und
lies am Tag des Fastens aus der Rolle vor, was du aus meinem Mund geschrieben hast, die
Worte des HERRN ... Und Baruch, der Sohn des Nerija, tat nach allem, was der Prophet
Jeremia ihm befohlen hatte, indem er aus dem Buch die Worte des HERRN im Haus des
HERRN vorlas. ... Da las Baruch aus dem Buch die Worte Jeremias vor im Haus des HERRN,
in der Zelle Gemarjas ... Und Michaja, der Sohn Gemarjas, des Sohnes Schafans, hörte alle
Worte des HERRN aus dem Buch ... Und sie fragten Baruch: Teile uns doch mit, wie du all
diese Worte aus seinem Mund aufgeschrieben hast ... Da sprach Baruch zu ihnen: Aus seinem
Mund sagte er mir all diese Worte vor, und ich schrieb sie mit Tinte in das Buch. ... Und es
geschah, sooft Jehudi drei oder vier Spalten vorgelesen hatte, zerschnitt sie der König mit dem
Schreibermesser und warf sie in das Feuer, das auf dem Kohlenbecken war, bis die ganze
Rolle im Feuer auf dem Kohlenbecken vernichtet war. Aber der König und alle seine Knechte,
die all diese Worte hörten, erschraken nicht und zerrissen ihre Kleider nicht. Und obwohl
Elnatan, Delaja und Gemarja in den König drangen, daß er die Rolle nicht verbrennen solle,
hörte er nicht auf sie.“
 Baruch schreibt die Worte des Herrn, die Jeremia zu ihm geredet hat. Es sind nicht
die Worte Jeremias, sondern die Worte des Herrn. Nach Vers 10 drückt sich Gott
durch die Worte Jeremias aus. Da ist ein einander von den Worten des Herrn und den
Worten Jeremias.
 Anstatt auf das Wort zu hören und diesem zu gehorchen, verbrennt der König die
Worte und lehnt sie ab. Es ist schlimm, dass es niemanden stört.
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 10

 Ellen White sagt, dass das, was damals passiert ist, auch heute in der Gemeinde
geschehen wird. Auch heute geschieht es einfach, man lässt es zu und unternimmt
nichts. Niemand sagt etwas.
 Das Urteil, dass er über Gottes Wort spricht, spricht er über sich selbst.
o Jer 36,27.32: „Und das Wort des HERRN geschah zu Jeremia, nachdem der König die Rolle
und die Worte, die Baruch aus dem Mund Jeremias aufgeschrieben, verbrannt hatte ... Da
nahm Jeremia eine andere Rolle und gab sie dem Schreiber Baruch, dem Sohn des Nerija. Und
er schrieb darauf aus dem Mund Jeremias alle Worte des Buches, das Jojakim, der König von
Juda, im Feuer verbrannt hatte. Und es wurden noch viele Worte wie diese hinzugefügt.“
 Zweite Ausgabe, Revised Edition. Hier ist eine prophetische Ausgabe, die in einer
zweiten überarbeiteten Ausgabe noch einmal erscheint. Spätere Verbesserungen.
 Manche haben eine falsche Vorstellung von Inspiration. Was ist mit der
Überarbeitung vom GC und den Testimonies? Wurde das Wort Gottes so diktiert, so
dass es nicht mehr geändert werden kann? Nein.#
 Menschenwort und Gotteswort laufen Hand in Hand. Gott teil sich dem Propheten mit. Der Prophet
versucht es in seine Worte zu fassen. Das Ergebnis ist aber Gotteswort in Menschenwort. Gott lässt sich
herab und teil sich den Menschen in der Wortwahl der Propheten mit.
o Die freie Wahl der Worte des Propheten wird nicht beschränkt. Das Ergebnis ist Gottes Wort,
durch den Propheten geschrieben.
 Der Prozess der Offenbarung und der Inspiration lässt sich nicht nur auf die Gedanken beschränken,
sondern beeinflusst auch das Produkt (die Schrift).
 Menschenwort und Gotteswort bilden eine Einheit und man kann nicht dahergehen und versuchen, die
beiden voneinander zu trennen.

5.2.1. Christologische Analogie der Schrift:


o Jesus Christus ist das Wort Gottes.
 (1) Er ist das fleischgewordene Wort Gottes, das menschgewordene Wort Gottes.
 (2) Jesus wurde Mensch und lebte als Mensch.
 (3) Er hatte einen menschlichen Körper und war menschlichen Begrenzungen
unterworfen.
 (4) Jesus wurde von einer Frau geboren, aber sein Vater war der Heilige Geist.
 (5) Er war ganz Mensch und ganz Gott.
 (6) Jesus wollte nicht nur als Mensch, sondern auch als Gottes Sohn anerkannt
werden.
o Bibel ist auch das Wort Gottes.
 (1) Sie ist das schriftgewordene Wort Gottes. Jesus selbst bezeichnet die Bibel als das
Wort Gottes.
 (2) So wie Jesus Mensch war, ist die Bibel menschliche Schrift und Sprache ...
 (3) und genauso menschlichen Begrenzungen unterworfen.
 (4) So wie Jesus den Heiligen Geist als Vater hat, so ist auch die Bibel vom Heiligen
Geist hervorgebracht worden, obwohl sie von Menschen geschrieben wurde.
 (5) So ist auch die Bibel Menschenwort und ganz Gotteswort.
 (6) Die Bibel will auch als Gottes Wort und nicht nur als reines Menschenwort
geachtet werden.
o Mk 12,36: „David selbst hat im Heiligen Geist gesagt: «Der Herr sprach zu meinem Herrn:
Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde unter deine Füße lege!»“
 // Mt 4
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 11

 Der Mensch David hat durch den Heiligen Geist geredet.


o Mt 19,4-5: „Er aber antwortete und sprach: Habt ihr nicht gelesen, daß der, welcher sie schuf,
sie von Anfang an als Mann und Frau schuf und sprach: «Darum wird ein Mensch Vater und
Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und es werden die zwei ein Fleisch sein.»“
 Jesus zitiert aus 1Mo so, als ob Gott spricht. Wenn man 1Mo aber liest, hat man den
Eindruck, als wenn Mose es geschrieben hat. Für ihn ist das, was Mose gesagt hat,
mit dem identisch, was Gott gesagt hat.
o Mt 15,6: „... ihr habt so das Wort Gottes ungültig gemacht um eurer Überlieferung willen.“
 Jesus unterscheidet aber klar zwischen dem, was Gott gesagt hat, und dem, was nur
Menschen gesagt haben (Traditionen).
o Lk 24,25: „Und er sprach zu ihnen: O ihr Unverständigen und im Herzen zu träge, an alles zu
glauben, was die Propheten geredet haben!“
 Für Jesus war es wichtig alles zu glauben, was die Propheten geschrieben haben. Für
ihn war alle Schrift inspiriert, so wie Paulus es geschrieben hat.
 // Apg 3,18: „Gott aber hat so erfüllt, was er durch den Mund aller Propheten vorher
verkündigt hat, daß sein Christus leiden sollte.“
 // Apg 24,14: „Aber dies bekenne ich dir, daß ich nach dem Weg, den sie eine Sekte
nennen, so dem Gott meiner Väter diene, indem ich allem glaube, was in dem Gesetz
und in den Propheten geschrieben steht,“
 Für die biblischen Schreiber war nicht nur ein Teil der Bibel göttlich,
sondern alles, was im Gesetz und den Propheten steht.
 // Rö 15,4: „Denn alles, was früher geschrieben ist, ist zu unserer Belehrung
geschrieben.“
 Wir können nicht auseinandernehmen und trennen zwischen dem, was menschlich
und göttlich ist. Wir können das bei Jesus auch nicht machen und meinen, das ist
göttlich und das ist menschlich. Bei der Bibel geht das auch nicht. Die biblischen
Schreiber haben es als Gesamtheit gesehen. Für uns ist die Bibel der Maßstab für
alles, was wir glauben und vertreten. Wenn wir verstehen, dass dieser Prozess der
Offenbarung und Inspiration eine Einheit ist, dann werden wir nicht einen Teil dessen
verkürzen (Gedankenwelt des Propheten oder Diktat).
 Gerhard Maier nennt es „Ganzinspiration“, weil es den ganzen Prozess beschreibt und
umfasst.
 Erinnern an 2Tim 3,16. Dort heißt es, dass alle Schrift inspiriert ist und nicht nur die
Gedanken.
o Wenn Offenbarung sich in Worten ausdrücken kann, dann kann es auch erhalten bleiben
(Niederschrift). Dies ist in Gottes Offenbarung bereits so angelegt. Gott selbst hat das
praktiziert. Er hat seine 10 Worte mit eigener Hand/Finger niedergeschrieben. Dies ist eines
der wenigen Beispiele, wo Gott selbst schreibt. Er teilt sich selbst mit und seinen Willen.
Obwohl Offenbarung im normalen Prozess zunächst aus gesprochenen Worten besteht, so sind
diese so angelegt, dass sie permanent niedergelegt werden können.
o Die erste Initiative, das Wort Gottes niederzuschreiben, kommt direkt von Gott.
 2Mo 17,14: „Danach sprach der HERR zu Mose: Schreib dies zum Gedächtnis in ein
Buch und lege in die Ohren Josuas, daß ich die Erinnerung an Amalek vollständig
unter dem Himmel auslöschen werde!“
 2Mo 24,4: „Da schrieb Mose alle Worte des HERRN auf.“
o Nach Mose fährt Josua damit fort, dass aufzuschreiben, was Mose im Auftrag Gottes begonnen
hat.
 Jos 24,26: „Und Josua schrieb diese Worte in das Buch des Gesetzes Gottes.“
o Dieses Buch erhält die Bezeichnung „Buch des Gesetzes Gottes“. Später wird es einfach nur
noch das Gesetz oder Gesetz des Herrn genannt.
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 12

 Gesetz: 5Mo 1,5; 4,8; 17,18


 Gesetz des Herrn: Ps 119,1; Jer 8,8; 2Chr 17,9
 Siehe auch Raoul Dederen, „Das Offenbarungs-Inspirations-Prinzip“ (oder so) in:
Frank Holbrook, Offenbarung und Inspiration, 19ff.
o Jahrhunderte nach Mose hat Gott Jeremia ähnliche Anweisungen gegeben.
 Jer 30,2: „So spricht der HERR, der Gott Israels: Schreibe dir alle Worte, die ich zu
dir geredet habe, in ein Buch!“
o Im NT gibt es das dann auch.
 Offb 1,11: „...Was du siehst, schreibe in ein Buch und sende es den sieben
Gemeinden...“
 Offb 1,19: „Schreibe nun, was du gesehen hast und was ist und was nach diesem
geschehen wird!“
 Offb 19,9: „Und er spricht zu mir: Schreibe: Glückselig, die eingeladen sind zum
Hochzeitsmahl des Lammes! Und er spricht zu mir: Dies sind die wahrhaftigen Worte
Gottes.“
o Offenbarung ist vertrauenswürdig und wahrhaftig (das ist Wahrheit).
 Offb 21,5: „Und der, welcher auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu.
Und er spricht: Schreibe! Denn diese Worte sind gewiß und wahrhaftig.“
 Rö 15,15: „Ich habe aber zum Teil euch etwas kühn geschrieben, um euch zu erinnern
wegen der mir von Gott verliehenen Gnade.“
 Er schreibt auf, um zu erinnern, damit das, was Gott gesagt hat, permanent
erhalten bleibt.
 Gal 1,20: „Was ich euch aber schreibe - siehe, vor Gott! -, ich lüge nicht.“
 Hier ist wieder der Gedanke der Wahrhaftigkeit. Genauso entspricht es auch
der Natur und dem Wesen Gottes wahrhaftig und ehrlich, vertrauenswürdig
und zuverlässig zu sein.
 Jud 3: „Geliebte, da ich allen Fleiß anwandte, euch über unser gemeinsames Heil zu
schreiben, war ich genötigt, euch zu schreiben und zu ermahnen, für den ein für
allemal den Heiligen überlieferten Glauben zu kämpfen.“
 Warum soll Offenbarung schriftlich fixiert werden?
o Damit Leute es beständig hören können. Es hat eine Beständigkeit, die größer ist als das
gesprochene Wort.
o Im Nahen Osten ist es den Menschen sehr wichtig, dass Gehörte verbindlich und genau
weiterzugeben. Trotzdem wollte Gott, dass es aufgezeichnet wird.
o Es gibt einen verlässlicheren Bericht, als (nur) die mündliche Überlieferung.
o Außerdem wird es so viel mehr Menschen zugänglich als durch die mündliche Weitergabe des
Wortes (weltweit).
 Offenbarung Gottes bringt Schrift hervor.
 Der Prozess der Inspiration ist dafür zuständig, dass die Offenbarung in der Sprache der Menschen
zuverlässig weitergegeben wird.
 Christologische Analogie der Schrift:
o GC vi: „But the Bible, with its God-given truths expressed in the language of men, presents a
union of the divine and the human. Such a union existed in the nature of Christ, who was the
Son of God and the Son of man. Thus it is true of the Bible, as it was of Christ, that "the Word
was made flesh, and dwelt among us." John 1:14.“
o Christus wurde in einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort und in einer bestimmten
Kultur geboren. Genauso erging die Bibel, Gottes Wort, zu einer bestimmten Zeit, an einem
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 13

bestimmten Ort und in einer bestimmten Kultur. Macht dies Jesus relativ? Bedeutet dies, dass
er nur der Retter der Juden ist? Oder ist er der Retter der Menschheit? Hat er nicht
überzeitliche Bedeutung, für alle Menschen auf der Welt, zu allen Zeiten? Genauso ist es auch
mit dem Wort Gottes. Das macht die Botschaft des Wortes Gottes nicht kulturrelativ, sondern
verbindlich für alle Menschen auf der Welt zu allen Zeiten und zu allen Zeiten.
o Siehe auch Frank Hasel, „Überlegungen zur Autorität und Glaubwürdigkeit der Bibel“ in:
Frank Holbrook, Offenbarung und Inspiration, 269.
o Wenn Gott sich offenbart, dann kommt er herunter auf unsere menschliche Ebene. So wie
Jesus Mensch wurde mit menschlichen Beschränkungen, so wurde auch Gottes Wort in
menschliche Sprache gekleidet. Trotzdem ist Gott in der Lage mit uns Menschen zu
kommunizieren, so dass wir in der Lage sind, ihn zu verstehen und zu gehorchen.
o (Jede Analogie hat ihre Grenzen.)
 Jesus inkarnierte und wurde Mensch.
 Gott wurde aber kein Buch.
 Wir lieben die Bibel, weil wir den Gott der Bibel verehren. Allerdings beten wir die
Bibel nicht an.
o Inspiration beinhaltet auch die Vertrauenswürdigkeit der Bibel.
 Hbr 6,18: „damit wir durch zwei unveränderliche Dinge, bei denen Gott doch
unmöglich lügen kann, einen starken Trost hätten...“
 Jo 17,17: „Heilige sie durch die Wahrheit! Dein Wort ist Wahrheit.“
o Die Rolle und Autorität der Schrift nimmt zu oder ab mit dem Verständnis über die Inspiration
der Schrift.
 Wenn Gott sich dem Propheten mitteilt (Offenbarung), dann geschieht das zuverlässig
und vertrauenswürdig (besser als fehlerfrei; wie genau muss eine Aussage sein, damit
sie fehlerfrei ist). Wenn dieser Prozess vertrauenswürdig zuverlässig ist, aber der
Prozess der Inspiration unverlässig ist, dann nützt mit der Prozess der zuverlässigen
Offenbarung rein gar nichts.
 Wie genau das geschieht, dass der Prozess der Inspiration zuverlässig ist, ist nicht
leicht erklärbar. Es wird ihm nicht diktiert, aber trotzdem wird das Wort zuverlässig
und vertrauenswürdig weitergegeben. Die biblischen Schreiber nehmen alles aus dem
AT als zuverlässig an.
 Wenn der Heilige mechanisch alles diktiert hätte (kein moderner Theologe bekannt,
der so etwas vertrat/vertritt; auch in der Geschichte gab es nur wenige davon), dann
würden wir einen einheitlichen Schreibstil zu erwarten haben. Der Johannes als
einfacher Fischer schreibt ein anderes Griechisch (einfacher) als der Lukas, der ein
Arzt war. Amos schrieb anders als der Daniel. Jeder Schreiber brachte seine
Persönlichkeit in das hinein, was er schrieb und wie er es schrieb. Jeder Prophet hat
die Freiheit in eigenen Worten das von Gott Erhaltene auszudrücken. Es gibt in jeder
Sprache einen Spielraum in der Wortwahl.
o In der Überlieferung und beim Abschreiben können sich Fehler einschreiben. Trotzdem
scheint Gott auch über diesen Prozess gewacht zu haben. Sie hatten eine große Achtung vor
dem Wort Gottes (z.B. Masoreten).

5.2.2. Ellen G. White und Inspiration


o Sie wird von allen möglichen Leuten zitiert, aber auch sehr einseitig, so dass nur bestimmte
Gedanken gefördert werden, obgleich sie in den gleichen Abschnitten auch andere Dinge sagt.
o Bestimmte Begriffe meinen verschiedene Dinge und manche von ihnen sind bestimmte
Schlagworte geworden, die jeder benutzt, aber nur wenige verstehen, was sie meinen. Nicht
alle Leute verwenden die Begriffe gleich. Das ist die Schwierigkeit. Wichtig ist aber, dass man
die Konzepte hinter den Begriffen zu verstehen.
 (1) Mechanische Inspiration
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 14

 Gott hat den Propheten mechanisch Wort für Wort, Buchstabe für Buchstabe
beim Schreiben geführt bzw. diktiert hat. Der Prophet ist nicht frei seine
eigenen Worte zu schreiben. Das glauben aber nur sehr wenige Leute.
 (2) Verbalinspiration
 Bei den meisten Leuten ist mechanische Inspiration und Verbalinspiration
das gleiche.
 verbal = Verbum = Wort => Inspiration wirkt sich auf das Wort aus
 Inspiration wirkt sich auf die Gedanken aus und beeinflusst oder wacht auch
über dem Endprodukt.
 Die meisten verwenden den Begriff „Verbalinspiration“ im Sinne von
mechanischer Inspiration (meistens aus dem liberalen Lager).
 Was meinen die Leute aber wirklich, die von Verbalinspiration sprechen?
Sie sprechen von der Freiheit des Menschen, aber meinen damit, dass Gott
über dem Endprodukt wacht. Wie anders kann man von Gedanken wissen als
durch Worte?
 (3) Plenarinspiration
 Wird auch unterschiedlich verwendet. Manche meinen damit den ganzen
Prozess und verwenden ihn statt (4), weil jener Begriff so negativ belegt ist.
 (4) Gedankeninspiration
 Gott inspiriert die Gedanken der Person, aber dann ist der Prophet auf sich
selbst gestellt und schreibt das dann alleine auf. So können sich im
Endprodukt Fehler (Schwierigkeiten, usw.) einschleichen.
 Im adventistischen Rahmen wurde es von Alden Thompson populär gemacht
(selektiver und verfälschender Zugang zu dem Thema der Inspiration).
 Keiner der Begriffe kann es wirklich ganz ausdrücken. Manche Begriffe sind mit
einer schlechten Geschichte belegt und es wird daher schwierig sie zu benutzen, weil
die Leute sie falsch verstehen.
 (5) Ganzinspiration / Ganzheitliche Inspiration (Wholistic Inspiration)
 Inspiration als umfassender Prozess
o Adventgeschichte zur Zeit von Ellen White
 Literatur-Tipp: Frank Hasel, „Revelation and Inspiration“ in: Seventh-day Adventist
Encyclopedia about Ellen G. White, XIII (erscheint vielleicht Ende 2005)
 1SM 15-18: „Spiritual darkness has covered the earth and gross darkness the people.
There are in many churches skepticism and infidelity in the interpretation of the
Scriptures. Many, very many, are questioning the verity and truth of the Scriptures.
Human reasoning and the imaginings of the human heart are undermining the
inspiration of the Word of God, and that which should be received as granted, is
surrounded with a cloud of mysticism. Nothing stands out in clear and distinct lines,
upon rock bottom. This is one of the marked signs of the last days. This Holy Book
has withstood the assaults of Satan, who has united with evil men to make everything
of divine character shrouded in clouds and darkness. But the Lord has preserved this
Holy Book by His own miraculous power in its present shape--a chart or guidebook
to the human family to show them the way to heaven. … There are learned men who
have a college education, but these shepherds do not feed the flock of God. … Those
who think to make the supposed difficulties of Scripture plain, in measuring by their
finite rule that which is inspired and that which is not inspired, had better cover their
faces, as Elijah when the still small voice spoke to him; for they are in the presence of
God and holy angels, who for ages have communicated to men light and knowledge,
telling them what to do and what not to do, unfolding before them scenes of thrilling
interest, waymark by waymark in symbols and signs and illustrations. … Brethren, let
not a mind or hand be engaged in criticizing the Bible. It is a work that Satan delights
to have any of you do, but it is not a work the Lord has pointed out for you to do. …
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 15

Men should let God take care of His own Book, His living oracles, as He has done for
ages. They begin to question some parts of revelation, and pick flaws in the apparent
inconsistencies of this statement and that statement. Beginning at Genesis, they give
up that which they deem questionable, and their minds lead on, for Satan will lead to
any length they may follow in their criticism, and they see something to doubt in the
whole Scriptures. Their faculties of criticism become sharpened by exercise, and they
can rest on nothing with a certainty. You try to reason with these men, but your time
is lost. They will exercise their power of ridicule even upon the Bible. They even
become mockers, and they would be astonished if you put it to them in that light.
Brethren, cling to your Bible, as it reads, and stop your criticisms in regard to its
validity, and obey the Word, and not one of you will be lost.“
 1SM 23: „I was shown that the Lord did not inspire the articles on inspiration
published in the Review, [REFERENCE HERE IS TO A SERIES OF ARTICLES
THE WRITER OF WHICH ADVOCATED THAT THERE WERE "DIFFERENCES
IN DEGREES" OF INSPIRATION. SEE THE REVIEW AND HERALD, JAN. 15,
1884.--COMPILERS.] neither did He approve their endorsement before our youth in
the college. When men venture to criticize the Word of God, they venture on sacred,
holy ground, and had better fear and tremble and hide their wisdom as foolishness.
God sets no man to pronounce judgment on His Word, selecting some things as
inspired and discrediting others as uninspired. The testimonies have been treated in
the same way; but God is not in this.“
 1SM19: „The writers of the Bible had to express their ideas in human language. It
was written by human men. These men were inspired of the Holy Spirit. Because of
the imperfections of human understanding of language, or the perversity of the human
mind, ingenious in evading truth, many read and understand the Bible to please
themselves. It is not that the difficulty is in the Bible. [Kann es sein, dass manche
Schwierigkeiten eher bei uns als in der Bibel liegen?] … Those who take only a
surface view of the Scriptures will, with their superficial knowledge, which they think
is very deep, talk of the contradictions of the Bible, and question the authority of the
Scriptures. But those whose hearts are in harmony with truth and duty will search the
Scriptures with a heart prepared to receive divine impressions. The illuminated soul
Oft zitiert, um sees a spiritual unity, one grand golden thread running through the whole, but it
auszudrücken, dass requires patience, thought, and prayer to trace out the precious golden thread. … The
in der Bibel Fehler Bible is not given to us in grand superhuman language. Jesus, in order to reach man
seien und nur die where he is, took humanity. The Bible must be given in the language of men.
Gedanken inspiriert Everything that is human is imperfect. Different meanings are expressed by the same
seien, nicht aber die word; there is not one word for each distinct idea. The Bible was given for practical
Worte. purposes. … The Bible is written by inspired men, but it is not God's mode of thought
and expression. It is that of humanity. God, as a writer, is not represented. Men will
Doch auch hier ist
ein Miteinander von often say such an expression is not like God. But God has not put Himself in words,
Menschenwort und in logic, in rhetoric, on trial in the Bible. The writers of the Bible were God's penmen,
Gotteswort zu not His pen. Look at the different writers. It is not the words of the Bible that are
erkennen. inspired, but the men that were inspired. Inspiration acts not on the man's words or
his expressions but on the man himself, who, under the influence of the Holy Ghost, is
imbued with thoughts. But the words receive the impress of the individual mind. The
divine mind is diffused. The divine mind and will is combined with the human mind
and will; thus the utterances of the man are the word of God. “
 1SM 21-22: „The Lord gave His word in just the way He wanted it to come. He gave
it through different writers, each having his own individuality, though going over the
same history. Their testimonies are brought together in one Book, and are like the
testimonies in a social meeting. They do not represent things in just the same style.
Each has an experience of his own, and this diversity broadens and deepens the
knowledge that is brought out to meet the necessities of varied minds. The thoughts
expressed have not a set uniformity, as if cast in an iron mold, making the very
hearing monotonous. In such uniformity there would be a loss of grace and distinctive
beauty. The Creator of all ideas may impress different minds with the same thought,
but each may express it in a different way, yet without contradiction. The fact that this
difference exists should not perplex or confuse us.“
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 16

 1SM 24-26 [a letter to Dr. Paulson in June 14, 1906]: „In your letter you speak of
your early training to have implicit faith in the testimonies and say, "I was led to
conclude and most firmly believe that every word that you ever spoke in public or
private, that every letter you wrote under any and all circumstances, was as inspired
as the Ten Commandments." My brother, you have studied my writings diligently,
and you have never found that I have made any such claims, neither will you find that
the pioneers in our cause ever made such claims. … The Bible points to God as its
author; yet it was written by human hands; and in the varied style of its different
books it presents the characteristics of the several writers. The truths revealed are all
'given by inspiration of God' (2 Tim. 3:16); yet they are expressed in the words of
men. … The Ten Commandments were spoken by God Himself, and were written by
His own hand. They are of divine, and not human composition. But the Bible, with its
God-given truths expressed in the language of men, presents a union of the divine and
the human. Such a union existed in the nature of Christ, who was the Son of God and
the Son of man. Thus it is true of the Bible, as it was of Christ, that 'the Word was
made flesh, and dwelt among us' (John 1:14). … And as several writers present a
subject under varied aspects and relations, there may appear, to the superficial,
careless, or prejudiced reader, to be discrepancy or contradiction, where the
thoughtful, reverent student, with clearer insight, discerns the underlying harmony. ...
[Jetzt kommt im gleichen Atemzug etwas, dass die Ausgewogenheit bei ihr zeigt.
Allerdings sagt sie jetzt etwas, dass meistens nie zitiert wird.] God has been pleased
to communicate His truth to the world by human agencies, and He Himself, by His
Holy Spirit, qualified men and enabled them to do His work. He guided the mind in
the selection of what to speak and what to write. The treasure was entrusted to earthen
vessels, yet it is, none the less, from Heaven. The testimony is conveyed through the
imperfect expression of human language, yet it is the testimony of God; and the
obedient, believing child of God beholds in it the glory of a divine power, full of
grace and truth.“
 1SM 36-37: „I am just as dependent upon the Spirit of the Lord in relating or writing
a vision, as in having the vision. It is impossible for me to call up things which have
been shown me unless the Lord brings them before me at the time that He is pleased
to have me relate or write them. Although I am as dependent upon the Spirit of the
Lord in writing my views as I am in receiving them, yet the words I employ in
describing what I have seen are my own, unless they be those spoken to me by an
angel, which I always enclose in marks of quotation.“
o Verhältnis Bibel vs. Ellen G. White:
 Glaubenspunkt 17: „Eine der Gaben des Heiligen Geistes ist die Weissagung. Diese
Gabe ist ein Kennzeichen der Gemeinde der Übrigen und hat sich im Dienst von Ellen
G. White erwiesen. Die Schriften dieser Botin des Herrn sind eine fortwirkende,
bevollmächtigte Stimme der Wahrheit und geben der Gemeinde Trost, Führung,
Unterweisung und Zurechtweisung. Sie heben auch deutlich hervor, daß die Bibel das
Maß ist, an dem alle Lehre und Erfahrung geprüft werden muß.“
 im Englischen: nicht Stimme, sondern Quelle (authoritative source)
 Als STA schon immer die ganze Bibel als „Creed“ angesehen.
 1847: James S. White, der Mann der Prophetin, erklärte in A Word to the
Little Flock: die Bibel ist eine vollkommene und vollständige Offenbarung.
Sie ist unsere einzige Richtschnur für Glauben und Handeln. In diesem
Traktat werden mehrere Visionen von Ellen White abgedruckt.
 1849: Die Bibel ist unsere Richtschnur und unserer Führer. Sie ist unsere
einzige Richtschnur, an die wir uns eng halten. (Present Truth)
 Bis heute lassen wir in Glaubensfragen die Bibel allein gelten. Auch Ellen White reiht
sich in diesen Chorus der Adventisten ein. Nach ihr ist die Heilige Schrift allein, eine
maßgebende, unfehlbare Offenbarung. An der Bibel muss jede Lehre und jede
Erfahrung geprüft werden. Sie ermutigt Adventisten, sich immer wieder an die Bibel
zu wenden.
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 17

 GC 204-205: „there is need of a return to the great Protestant principle--the


Bible, and the Bible only, as the rule of faith and duty.“
 GC 595: “But God will have a people upon the earth to maintain the Bible,
and the Bible only, as the standard of all doctrines and the basis of all
reforms. The opinions of learned men, the deductions of science, the creeds
or decisions of ecclesiastical councils, as numerous and discordant as are the
churches which they represent, the voice of the majority--not one nor all of
these should be regarded as evidence for or against any point of religious
faith. Before accepting any doctrine or precept, we should demand a plain
"Thus saith the Lord" in its support.”
 Wenn wir immer auf die Bibel allein hinweisen, wirft das natürlich die Frage nach der
Bedeutung des Schrifttums von Ellen White auf. Frage der Inspiration der Schriften:
 Bibel und Schrifttum Ellen Whites = Offenbarung und Inspiration von
gleicher Art
 Es gibt keine Stufen der Inspiration (nicht wie George I. Butler mal meinte).
o Ellen White kommentierte das so, dass diese Aussage nicht
inspiriert war.
 Wir sagen: gleiche Inspiration; aber die Schriften Ellen Whites sind für
Adventisten trotzdem der Bibel gleichgestellt, auch nicht übergeordnet. Sie
sind auch kein Zusatz zum biblischen Kanon. Ellen White selbst billligt der
Bibel allein diese hohe Stellung ein. Sie sagt: der Geist wurde nicht gegeben
und kann auch nie dazu verliehen werden, um die Heilige Schrift zu
verdrängen. Denn allein an der Schrift ist jede Erfahrung zu messen. Die
Bibel ist wenig beachtet worden und der Herr hat ein kleines Licht
angezündet, dass die Menschen zum großen Licht hinführen soll (RH 1903).
Sie sagt auch, dass ihre Schriften eigentlich gar nicht notwendig gewesen
wären. Auch dass ihre Schriften Menschen zurück zur Bibel führen soll (Ev
257). Ihr Schrifttum soll Gottes Wort erhöhen. Ihre Schriften sollen nie über
die Bibel gestellt werden und sind auch kein Zusatz dazu. Ihre Schriften
sollen auch kein neues Licht bringen oder den Platz der Bibel einnehmen.
Sie orientiert sich selbst an der Bibel.
 Deshalb betrachten wir ihre Aussagen genauso, wie die Aussagen anderer
Propheten aus biblischen Zeiten, die aber nie Teil des biblischen Kanons
wurden. Das sagt aber nichts über deren Inspiration aus. Sie waren genauso
inspiriert wie biblische Schreiber. (Bsp. dafür: Elia, Hulda, usw.)
o Hulda: „Da gingen der Priester Hilkija und Ahikam und Achbor
und Schafan und Asaja zu der Prophetin Hulda, der Frau des
Schallum, des Sohnes Tikwas, des Sohnes des Harhas, des Hüters
der Kleider; sie wohnte aber in Jerusalem im zweiten Stadtteil; und
sie redeten mit ihr. Und sie sagte zu ihnen: So spricht der HERR,
der Gott Israels: Sagt dem Mann, ...“ (2Kö 22,14-15)
 Sie gehen zu Hulda, obwohl zur gleichen Zeit Jeremia
gelebt hat.
o Agabus: „Einer aber von ihnen, mit Namen Agabus, stand auf und
zeigte durch den Geist eine große Hungersnot an, die über den
ganzen Erdkreis kommen sollte; sie trat auch unter Klaudius ein.“
(Apg 11,28)
o Töchter des Phillipus: „Dieser aber hatte vier Töchter, Jungfrauen,
die weissagten.“ (Apg 21,9)
 Gleiche Inspiration aber unterschiedliche Funktion (die Autorität ist aber
gleich). Während die Bibel einen universalen Charakter hat (Medium für alle
Menschen zu allen Zeiten an allen Orten), sind die Schriften von Ellen White
speziell für die Adventgemeinde am Ende der Zeit gegeben.
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 18

o Wenn wir Evangelisation betreiben, dann können wir hoffentlich


alles aus der Bibel belegen.
o Aus der Bibel her können wir auch entfalten, dass es eine
prophetische Gabe gibt, die im Leben von Ellen White wirkte.
 Ellen White steht also nicht neben der Bibel oder über der Bibel. Wir erweisen ihr
und auch der Bibel keinen positiven Dienst, wenn wir das tun. Man muss ihre
Schriften anhand der Bibel prüfen. Entweder es ist von Gott oder vom Teufel.
 2SZ 251: „Bruder J. wollte die Gemüter verwirren, indem er es so
darzustellen versuchte, als sei die Erkenntnis, die Gott durch die Zeugnisse
gegeben hat, ein Zusatz zum Worte Gottes; dadurch aber stellt er die Sache
in ein falsches Licht. ... Das Wort Gottes vermag das umwölkteste Gemüt zu
erleuchten und kann von jedem verstanden werden, der es nur verstehen will.
Aber trotz alledem lebt mancher, der angeblich das Wort Gottes
durchforscht, geradezu im Widerspruch zu seinen einfachsten Lehren. Um
nun Männern und Frauen keine Entschuldigung zu lassen, erläßt Gott klare
und bestimmte Zeugnisse, um sie zu dem Wort zurückzuführen, dessen
Befolgung sie vernachlässigten.
 2SZ 252: „Wenn ihr im Worte Gottes geforscht hättet mit dem Verlangen,
dem Maßstab der Schrift gerecht zu werden und die christliche
Vollkommenheit zu erreichen, hättet ihr die Zeugnisse nicht nötig. Weil ihr
es versäumt habt, mit dem von Gott eingegebenen Buch bekannt zu werden,
hat er versucht, euch durch einfache und direkte Zeugnisse zu erreichen und
eure Aufmerksamkeit auf die Worte der Heiligen Schrift zu lenken, der ihr
nicht gehorcht habt.“
 2SZ 252-253: „Die niedergeschriebenen Zeugnisse sollen keine neue
Erkenntnis vermitteln, sondern die bereits offenbarten Wahrheiten des
Wortes Gottes lebendig in das Herz eingraben. ... Durch die Zeugnisse soll
keine weitere Wahrheit verkündigt werden; vielmehr hat Gott durch sie die
bereits geoffenbarten Wahrheiten einfacher dargestellt und auf seine eigene
Weise dem Volk vorgelegt, um es zu erwecken und ihm diese Wahrheiten
einzuprägen, damit niemand eine Entschuldigung habe. ... Die Zeugnisse
sollen das Wort Gottes nicht herabsetzen, sondern erhöhen und Menschen zu
ihm ziehen, damit die herrliche Schlichtheit der Wahrheit bei jedem ihren
Einfluß ausüben kann.“

 2SZ 255: „Manche, die an die Zeugnisse glauben, sind in den Fehler
verfallen, sie anderen in ungebührlicher Weise aufzudrängen. Unter Nr. 8 im
1. Band liegt hierzu ein Zeugnis vor: „In N. gab es manche, die Gottes
Kinder waren und dennoch Zweifel an den Gesichten hegten. Andere hatten
nichts gegen die Gesichte einzuwenden, wagten aber auch nicht, sich
entschieden zu ihnen zu bekennen. Manche zweifelten, und sie hatten
genügend Grund dazu. Falsche Gesichte und fanatisches Handeln mit den
unausbleiblichen erbärmlichen Früchten übten einen solchen Einfluß auf das
Werk in N. aus, daß die Gemüter gegen alles, was als Gesicht bezeichnet
wurde, mißtrauisch wurden.“
 2SZ 256-257: „All dies hätte man berücksichtigen und Weisheit walten
lassen sollen. Man sollte diejenigen, die noch nie Zeugen gewesen sind,
wenn jemand ein Gesicht hatte, und die keine eigene Kenntnis über den
Einfluß der Gesichte besitzen, nicht zur Rechenschaft ziehen oder auf sie
einen besonderen Druck ausüben. Man sollte sie der Segnungen und Rechte
in der Gemeinde nicht berauben, wenn ihr christlicher Wandel im übrigen
richtig ist. ... Ich hatte erklärt, daß manche unvernünftig gehandelt haben.
Wenn sie mit Ungläubigen über ihren Glauben sprachen, und dann Beweise
gefordert wurden, haben sie ihnen aus meinen Schriften vorgelesen, anstatt
Beweise aus der Bibel anzuführen. Mir wurde gezeigt, daß ein solches
Handeln falsch war und daß es bei Ungläubigen Voreingenommenheit gegen
die Wahrheit hervorrufen würde. ... Manche Prediger sind sehr rückständig.
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 19

Sie geben vor, den Zeugnissen zu glauben, und richten dadurch Schaden an,
daß sie sie als eisernes Gesetz auf Menschen anwenden, die keinerlei
Erfahrung mit den Zeugnissen haben; sie selbst aber richten sich nicht nach
ihnen. Wiederholt haben sie Zeugnisse erhalten, die sie jedoch völlig
unbeachtet ließen. Ein solches Verhalten ist nicht folgerichtig.“
 Wenn der eine Heilige Geist der Autor hinter der Schrift ist, dann kann man von der grundsätzlichen,
prinzipielle Einheit in den wichtigen Aussagen der Schrift ausgehen. Nur aus diesem Grund kann man
auch Schrift mit Schrift vergleichen und nur dann kann die Schrift sich selbst auslegen.
 Einheit muss nicht heißen, dass alle genau das gleiche sagen oder beschreiben, sondern dass alle
grundsätzlich miteinander in Einklang zu bringen sind. Auch dass der Weg der Erlösung der gleiche ist.
So kann auch eine lehrmäßige Einheit als Ergebnis abgeleitet werden (Vergleich von Schrift mit
Schrift). Wenn dies nicht der Fall ist (Heilige Geist der Autor hinter den Schreibern), dann würde es
diese Einheit nicht geben (so wie die klassisch liberalen historisch-kritischen Theologen es sagen) und
die Bibel kann uns auch nicht weiterhelfen.
 Jesus und die Apostel haben das auch gemacht. Wenn sie es gemacht haben, können wir dann meinen,
es besser als sie zu wissen.

5.3. Wie kann man mit schwierigen Aussagen in der Bibel umgehen?
 (1) Ehrlichkeit
o Einige Stellen in der Bibel sind schwer zu verstehen. Aufpassen, dass man sie nicht verdreht.
 2Pt 3,14-16: „Deshalb, Geliebte, da ihr dies erwartet, befleißigt euch, unbefleckt und
tadellos von ihm im Frieden befunden zu werden! Und seht in der Langmut unseres
Herrn die Rettung, wie auch unser geliebter Bruder Paulus nach der ihm gegebenen
Weisheit euch geschrieben hat, wie auch in allen Briefen, wenn er in ihnen von diesen
Dingen redet. In diesen Briefen ist einiges schwer zu verstehen, was die Unwissenden
und Ungefestigten verdrehen wie auch die übrigen Schriften zu ihrem eigenen
Verderben.“
 Er sagt, dass sie schwer zu verstehen sind, aber nicht dass sie sich
widersprechen oder krass falsch sind. Er gibt keine Wertung ab. Er gibt aber
ehrlich zu, dass es schwierige Stellen gibt.
o Jeder Schwierigkeit, auf die wir in der Bibel stoßen, sollten wir mit vollkommener Ehrlichkeit
begegnen. Man sollte es ehrlich und offen zugeben, wenn man einen Bibeltext nicht verstehen
kann. Man sollte nicht versuchen, dieser Schwierigkeit auszuweichen oder es zu vertuschen.
Probleme, die man verdrängt, holen einen später im Leben meistens wieder ein. Ehrlichkeit
gewinnt auf lange Sicht am Ende.
o Wenn man wirklich überzeugt ist, dass die Bibel Gottes Wort ist, dann kann man es sich gut
leisten, auf eine Antwort geduldig zu warten, als eine unbefriedigende Wischiwaschi-Antwort
haben zu müssen.
o Leute schätzen es mehr, wenn man ihnen ehrlich eine Antwort gibt, als wenn man ihnen eine
Antwort gibt, die nicht wirklich zufriedenstellend ist. Nach 4 Jahren Bogi sind nicht alle
Fragen geklärt.
 (2) Demut und Bescheidenheit
o Wir sollten jeder Schwierigkeit in der Bibel mit der Demut und der Bescheidenheit begegnen,
die wir begrenzte Menschen hier aufbringen müssen. Wir sind nicht Gott und daher auch nicht
allwissend. Wir müssen unsere Grenzen im Denken und Verstehen auch zugestehen und
eingestehen. Nur wenn ich etwas nicht verstanden habe, dann bedeutend das nicht, dass es da
keine Antwort darauf gibt. In aller Wahrscheinlichkeit gibt es bereits eine Antwort, die ich nur
noch nicht gefunden habe. Ich muss auch nicht meinen, dass ich bereits alles über ein Thema
weiß, wenn ich etwas darüber herausgefunden habe.
o Demostenes (großer Rhetoriker der Antike): Das Wichtigste in der Rhetorik ist die
Aussprache.
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 20

o Augustinus (großer Theologe der Kirchengeschichte): Das Wichtigste in der Theologie ist die
Demut.
 Das Wichtige in der Theologie ist, dass ich mir bewusst darüber bin, dass ich als
Geschöpf auf jemand Größeres angewiesen bin.
 (3) Entschlossene Entschiedenheit
o Auf jede Schwierigkeit in der Bibel mit einer entschlossenen Entschiedenheit reagieren. Egal,
wie viel Zeit es kostet, wie viel Mühe, Nachdenken und Aufwand, um dieses Problem zu
lösen. Richtige Probleme brauchen lange Zeit, um wirklich gelöst werden zu können.
o Vielleicht gibt es manche schwierige Dinge in der Bibel deshalb, damit wir dem Problem
wirklich auf den Grund gehen.
o Gibt nicht auf eine Lösung zu suchen, wenn du nach 10 Minuten noch keine gefunden hast.
o Arbeite beständig und hartnäckig daran, um eine Antwort darauf zu finden.
 (4) Dem Problem furchtlos begegnen
o Jeder Schwierigkeit in der Bibel ohne Angst und furchtlos begegnen.
o Denke daran, dass du nicht der erste Mensch bist, der die Bibel studiert und über dieses
Problem gestolpert ist. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass einer dieser Menschen bereits
eine Lösung gefunden hat, auch wenn wir von diesem Menschen noch nie was gehört haben.
 Gleason L. Archer, Encyclopedia of Bible Difficulties
 Super Buch! Aber keine Abkürzung für das eigene Studium. Wir sollten die
Bibel natürlich selbst studieren. Es gibt auch Antworten, die nicht ganz
korrekt sind. Daher sollten wir es alles selbst anhand der Schrift überprüfen.
o Wenn ich auf Schwierigkeiten in der Bibel stoße, dass ich nicht entmutigt bin, sondern mit
einer unbändigen Geduld eine Antwort abwarte.
 Bsp.: Edwin Thiele, The Mysteries Numbers of the Hebrew Kings
 (5) Schriftgemäße Behandlung
o Behandle jede Schwierigkeit schriftgemäß. Vergleiche Schrift mit Schrift. Akzeptiere keine
Antworten, die mit der Bibel im Widerspruch stehen.
 (6) Bete über das Problem
o Begegne jeder Schwierigkeit mit Gebet und ringe im Gebet darüber. Auf den Knien sehen wir
manche Probleme in einer ganz anderen Perspektive.
 (7) Glaube an die Bibel
o Glauben, grundsätzliches Vertrauen zum Wort Gottes. Keine Hermeneutik der Kritik, sondern
eine Vertrauenshaltung der Bibel gegenüber. Wir nehmen den Text ernst.
 (8) Liebe zur Bibel
o Liebe der Bibel gegenüber. Keine kühle, sachliche, neutrale, skeptische Kritik der Bibel
gegenüber.
 (9) Ehrlichkeit zum Gehorsam
o Zum richtigen Verstehen gehört auch die Ehrlichkeit dazu, gehorsam zu sein. Manche
Probleme ergeben sich daraus, weil man nicht der Erkenntnis, die man bereits hat, gehorchen
will. Wer etwas ganz klar erkannt hat, kann nicht erwarten, was Neues zu entdecken. Oft sind
nicht die Bibeltexte ein Problem, die wir verstehen, sondern die, die wir nicht verstehen.

5.3.1. Beispiele für schwierige Aussagen in der Bibel


 (1) Frank Hasel, Offenbarung und Inspiration, 257-258
o Hosea meint doch gar nicht Jesus oder?
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 21

 (2) Mt 27,9: „Da wurde erfüllt, was durch den Propheten Jeremia geredet ist, der spricht: «Und sie
nahmen die dreißig Silberlinge, den Preis des Geschätzten, den man geschätzt hatte seitens der Söhne
Israels und gaben sie für den Acker des Töpfers, wie mir der Herr befohlen hat.»“
o Matthäus soll Gedankenlapsus gehabt haben, denn das Zitat stammt nicht aus Jeremia sondern
aus Sacharja. Das sei ein Fehler in der Bibel. Für viele Leute ist das ein klassisches Beispiel
dafür, dass ein inspirierter Schreiber eine Erinnerungslücke gehabt hat und man daher nicht
alles, was er sagt für bare Münze genommen werden kann.
o Grundsätzliche Anmerkungen und Gedanken:
 (1) Manche konservative Bibelausleger...
 (a) wollen diese Sachlage und bei ähnlichen Fällen, dahingehend
entschärfen, dass sie wie folgt argumentieren. Es wurde zwar offensichtlich
falsch argumentiert, aber der Schreiber ist ein inspirierter Schreiber und weil
er das war, gilt sein Wort für uns. Selbst wenn wir eigentlich offensichtlich
sagen müssen, dass es nicht ganz richtig ist.
 (b) Manche sagen, dass es sich hier nicht um heilsrelevante Aussagen
handelt (chronologische, historische Aussagen usw.).
 => Diese zwei Positionen sind sehr unbefriedigend. Gründe:
o (a) In der Bibel kann man immer wieder sehen, dass historische und
theologische Aussagen nie voneinander getrennt werden.
 Rö 5,12 (Adam wird als historisch angesehen. Weil er
gesündigt hat, kam die Sünde zu uns allen. Genauso
können wir durch Christus alle gerettet werden.) Die
Historizität von Christus wird auf die Historizität von
Adam aufgebaut (historisch und theologisch).
o (b) Wer so argumentiert, löst dass Problem nicht, sondern
verschärft es nur noch. Problem wird von Matthäus auf den
Heiligen Geist übertragen. Der eigentliche problematische ist ja der
Heilige Geist, wenn Matthäus wirklich durch ihn inspiriert war.
o (c) Haben die biblischen Schreiber die richtige Lehre von den
falschen Texten gezogen und mit Hilfe einer falschen Methode?
Wenn es um die Verheißungen des Messias geht, konnten die
Schreiber dann einen gültigen Beweis für die Gottheit aus der Bibel
her anbringen („da wurde erfüllt“)? Kann es sein, dass die Schreiber
vom Heiligen Geist „kreativ“ (ohne Rücksicht auf den
ursprünglichen Kontext, Zusammenhang) AT-Aussagen auf eine
neue Situation angewendet haben? Wenn es derselbe Heilige Geist,
der die AT-Schreiber inspirierte? Können wir den
Schlussfolgerungen der Apostel vertrauen, wenn wir ihren
Methoden, mit denen sie zu den Erkenntnissen gekommen sind,
nicht vertrauen können?
 (2) Vergesst nie, zu wem die biblischen Schreiber geschrieben haben. Gerade der
Matthäus wendet sich an eine jüdische Zuhörerschaft. Das bedeutet, dass er zu einer
Zuhörerschaft schreibt, die im Detail mit den Schriften vertraut waren. Mehr als wir
alle heute. Hätte er es sich leisten können, vor einer solchen Zuhörerschaft solch
einen offensichtlichen Fehler zu begehen? Gerade die offensichtlichen Fehler sollten
uns zu denken geben. Vielleicht mehr als die kleinen, die uns kaum auffallen. Diese
offensichtlichen Fehler sollten uns sehr zum Nachdenken bringen. Diese Fehler wären
für die ursprünglichen (nicht wohlwollende, verfolgenden) Hörer ein großer Grund
gewesen Matthäus abzulehnen. Hätten die Juden nicht sogar ein Recht gehabt, wenn
der Messias offensichtlich nicht aus dem Text des AT beweisbar ist?
 (3) Aus der außerbiblischen Literatur ist nicht ein einziger Fall bekannt, wo die Juden
den Schreibern des NT vorwerfen, dass sie unsauber und falsch gearbeitet und
argumentiert haben. Allerdings haben sie den Messias wegen alle möglichen anderen
Dinge abgelehnt.
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 22

o Mehrere Lösungsvorschläge in der Theologiegeschichte (nicht alle diese Möglichkeiten sind


gleich stark oder überzeugend):
 (1) Der Fehler kann sich im Prozess der Überlieferung oder Abschrift eingeschlichen
haben. Kopist hat unabsichtlich Jeremia statt Sacharja eingefügt.
 Nicht die überzeugendste Möglichkeit.
 Ellen White schreibt in 1SM 16: „Some look to us gravely and say, "Don't
you think there might have been some mistake in the copyist or in the
translators?" This is all probable, and the mind that is so narrow that it will
hesitate and stumble over this possibility or probability would be just as
ready to stumble over the mysteries of the Inspired Word, because their
feeble minds cannot see through the purposes of God. Yes, they would just
as easily stumble over plain facts that the common mind will accept, and
discern the Divine, and to which God's utterance is plain and beautiful, full
of marrow and fatness. All the mistakes will not cause trouble to one soul, or
cause any feet to stumble, that would not manufacture difficulties from the
plainest revealed truth.“
 Heißt das, dass Fehler in der Bibel sind? Das ist die einzige Stelle, wo Ellen
White so etwas sagt. Es geht um die Übersetzung oder das Kopieren.
 Was ist der Unterschied, zwischen Fehlern beim Übersetzen/Kopieren und
dem Schreiben durch den biblischen Schreiber?
o (a) Die Übersetzer sind nicht inspiriert.
o (b) Es muss ein Original geben, dass richtig ist.
 Doch keiner hat das Original oder? Caleb H. Henry sagte:
„Keiner hat je ein Original gesehen, dass voller Fehler
wäre.“
 Ist ein Gott der Wahrheit, der Wahrhaftigkeit von seinen
Nachfolgern fordert, ein Gott, der trügerische Informa-
tionen weitergibt?
 (2) Praxis im Judentum, die Gang und Gebe war. Wenn ein Schriftstück oder eine
Aussage von zwei oder von mehreren Autoren verfasst wurde, dann wurde es nach
dem bekanntesten Verfasser benannt.
 Die Aussage von Matthäus ist zum Teil von Sacharja und zum Teil von
Jeremia. Wenn das (obige) die Praxis von Matthäus ist, dann hat er die
Aussage nach dem bekanntesten (prominentesten) Autor benannt (Jeremia).
 Baba Bathra 14b: Hinweis auf die rabbinische Tradition; Reihenfolge ist
Jeremia, Hesekiel, Jesaja
 Recht interessant.
 (3) Hinweis im NT selbst, dass Mt hier von Sach und von Jer zitiert, das Zitat aber
dem bekannteren Schreiber, dem Jeremia, zuordnet. Mt zitiert Sach, als es um den
Betrag geht. Dann fährt er fort, das Feld des Töpfers näher zu bezeichnen, von dem
Sach nichts erwähnt. Die Hohepriester suchen einen Ort für das Begräbnis und
verwenden dafür das Geld, mit dem sie Judas bestochen hatten. Jer 19,2.11 spricht
über eine Begräbnisstätte nahe bei Jerusalem. Er spricht auch über den Kauf eines
Feldes und über einen Betrag in Silberstücken.
 Er nutzt also Aussagen von Sach und Jer, und führt sie zusammen. Er zitiert
und wählt dann den bekannteren der beiden. Sach wird nur als Ergänzung
der Aussage von Jer benutzt. Andere Beispiele im NT gibt’s dafür auch:
o Mk 1,2: „wie in dem Propheten Jesaja geschrieben steht: «Siehe,
ich sende meinen Boten vor deinem Angesicht her, der deinen Weg
bereiten wird.»“
 Er zitiert Mal und Jesaja und schreibt es Jes zu.
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 23

 Wenn das die übliche Praxis war, können wir ihm dann einen Lapsus
zuschreiben? Da sollte man vorsichtig sein.
 (3) Hebr 9
o Räucheraltar hinter dem Vorhang, der aber normalerweise vor dem Vorhang war. Lapsus?
Nein, es spricht viel dafür, dass der Schreiber das absichtlich so formuliert hat.
 Camacho Harold S., „The Altar auf Incense in Heb 9:3-4“ AUSS 24 (1986) 5-12
 Kopieren!!!

6. Die Lehre von Gott


 Als Christen sind wir davon überzeugt, dass es Gott gibt und wir glauben zu wissen, wie und wer Gott
ist. Letztendlich geht es immer um Gott in irgendeiner Weise.
 Die Ansicht, die jemand über Gott hat, stellt den ganzen Rahmen für alles andere in der Theologie.
 „Gott“ ist die am meisten umstrittendste Frage in der heutigen Zeit. Wer/was ist Gott? Kann man ihn
erfahren? Usw.
 Die Existenz eines persönlichen, moralischen Gottes ist fundamental für alles weitere, was wir als
Christen glauben. Wenn es so einen Gott nicht gäbe, dann gäbe es auch gar keine Sünde gegen so ein
Wesen. Dann bräuchten wir auch keine Erlösung. Es gäbe keine Taten Gottes und keine Wunder. Die
Geschichten über Jesus sind dann lediglich Mythos oder Fiktion.
 Unsere Sicht von Gott hat Einfluss auf andere Glaubenspunkte:
o Schöpfung Gottes: Hat Gott überhaupt geschaffen? Wenn ja, in welcher Art und Weise?
o Erlösung: Wie erlöst Gott? (Hängt vom Bild Gottes ab.) Hat Gott alles vorherbestimmt oder
gibt es einen freien Willen? Welche Rolle spielt der Mensch in Bezug zu Gott?
o Jesus Christus: Ist er wahrer Mensch und wahrer Gott?
o Gebet: Wie kommuniziere ich mit diesem Gott? Hört Gott auf Gebet oder ist es nur ein
Selbstgespräch?
o Anbetung, Gestaltung des Gottesdienstes, Erleben des Handelns Gottes in der Welt
 Gott ist sehr zentral für das, was wir in der Theologie glauben und vertreten.
 Problem in der heutigen Zeit, dass wir an diesem Punkt vor einem Dilemma stehen. Dieser Bereich ist
wie kein anderer in der Theologie und des Glaubens von außerbiblischen Prämissen beeinflusst.
 Philosophy for Understanding Theology: zwei Hauptquellen für christlichen Glauben = Bibel +
hellenistische Philosophie. In diesem Punkt (Lehre von Gott) ist sehr viel philosophisches Denken zu
finden.
o Das muss man zumindest registriert haben, dass dies so ist, auch wenn es nicht richtig ist.
 Theologen sagen z.B.:
 Karl Barth: Gott ist zentral
 Pannenberg: Gott ist zentral
o Aber beide gehen von unterschiedlichen Grundprämissen aus und kommen zu unterschied-
lichen Ergebnissen, auch wenn sie die gleiche Aussage treffen.
o Begriffe nicht mit adventistischer Brille lesen. Die Begriffe sind oft mit philosophischen
Rucksäcken versehen, denen wir nicht zustimmen können, auch wenn wir gewöhnlich die
gleichen Begriffe verwenden.
o Oft werden die gleichen Begriffe verwendet, aber man meint völlig unterschiedliche Dinge.
 Bibel:
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 24

o Biblische Schreiber treten in der Bibel nirgends einen Gottesbeweis. In der Philosophie ist das
allerdings ganz normal, dass man große Gottesbeweise antritt. Biblische Schreiber versuchen
auch nie Gott irgendwie abstrakt zu begründen.
o Statt dessen wird Gott vom Anfang an (1Mo 1,1) selbstverständlich vorausgesetzt. Im NT ist
das genauso.
 Hebr 11,6: „Aber ohne Glauben ist's unmöglich, Gott zu gefallen; denn wer zu Gott
kommen will, der muß glauben, daß er ist und daß er denen, die ihn suchen, ihren
Lohn gibt.“
o Unsere Informationsquelle über Gott ist seine eigene Selbstoffenbarung, wie er sie uns
vertrauenswürdig in seinem Wort, der Schrift, mitgeteilt hat.
 Hebr 1,1-3: „Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu
den Vätern durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch
den Sohn, den er eingesetzt hat zum Erben über alles, durch den er auch die Welt
gemacht hat. Er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens
und trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort und hat vollbracht die Reinigung von
den Sünden und hat sich gesetzt zur Rechten der Majestät in der Höhe.“
 Rö 16,26: „Dem aber, der euch stärken kann gemäß meinem Evangelium und der
Predigt von Jesus Christus, durch die das Geheimnis offenbart ist, das seit ewigen
Zeiten verschwiegen war, nun aber offenbart und kundgemacht ist durch die Schriften
der Propheten nach dem Befehl des ewigen Gottes, den Gehorsam des Glaubens
aufzurichten unter allen Heiden.“
o Wenn wir mehr über Gott erfahren möchten, kommen wir nicht umhin, das zu studieren, was
er in seinem Wort offenbart hat.
 Rö 1,19: „Denn was man von Gott erkennen kann, ist unter ihnen offenbar; denn Gott
hat es ihnen offenbart.“
o Weil wir durch die Sünde von Gott getrennt sind, und durch diese die Wahrheit niederhalten,
können wir durch die Natur nur wenig über Gott erfahren. Wer können höchstens erkennen,
dass es ihn gibt, aber nicht wie er ist.
o In der Frage, wer und wie Gott ist, sollten wir mit einer notwendigen Bescheidenheit und
Demut ans Werk gehen. Gott ist unendlich und wir Menschen sind sehr begrenzt. Wir als seine
begrenzten Geschöpfe (nicht allwissend) stoßen bei der Frage der Gotteserkenntnis auf
Grenzen.
 Ps 145,3: „Der HERR ist groß und sehr zu loben, und seine Größe ist
unausforschlich.“
o Gottes Größe ist jenseits von unserem Fassungsvermögen. Wir können ihn jemals vollständig
erfassen.
 Ps 147,5: „Psalm 147:5 Unser Herr ist groß und von großer Kraft, und unbegreiflich
ist, wie er regiert.“
o Wir Menschen werden Gott niemals vollständig ergründen und verstehen können.
 Ps 139,6.17.18: „Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie
nicht begreifen. ... Aber wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken! Wie ist ihre
Summe so groß! Wollte ich sie zählen, so wären sie mehr als der Sand: Am Ende bin
ich noch immer bei dir.“
 Rö 11,33: „O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der
Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine
Wege!“
o Wenn wir anfangen über Gott zu reden (seine Wesen, seine Natur, seine Liebe, seine
Heiligkeit, seine Macht), dann tun wir das mit der Demut, dass wir es nie wirklich ganz
begreifen können, weil wir sündige, fehlerhafte, begrenzte Menschen sind.
o Wenn wir uns mit diesem Thema beschäftigen, ist diese Haltung unverzichtbar. Wer das nicht
tut, wird immer versuchen Gott rationalistisch zu begreifen.
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 25

o Dieses Wissen um die letzte Unerforschlichkeit Gottes, zeigt,


 dass wir nicht Gott sind,
 auf seine Hilfe angewiesen sind,
 wir nie zuviel von Gott wissen und
 wir immer neue Dinge über ihn herausfinden werden.
o Theologie kann nie langweilig werden. Wir können immer tiefer eindringen. Es ist noch nicht
alles abgeschlossen.
o Ellen White:
 Wahrheiten in der Bibel so groß, so schön usw. und trotzdem so schlicht, dass wir ihn
bis in alle Ewigkeiten erforschen können.
o Paulus:
 Kol 1,10: „... daß ihr des Herrn würdig lebt, ihm in allen Stücken gefallt und Frucht
bringt in jedem guten Werk und wachst in der Erkenntnis Gottes.“
o Wir werden Gott nie vollkommen erschöpfend erfassen. Trotzdem können wir mit Gewissheit
das bezeugen, was wir in seinem Wort über ihn entdeckt haben. Das, was die Bibel über Gott
sagt, ist wahr und wir können dies zuverlässig bezeugen.
 Bsp.: Gott ist Liebe = diese Aussage ist wahr und wir können uns darauf verlassen.
Das heißt aber nicht, dass ich alles über die Liebe Gottes weiß.
 Bsp.: Ich habe drei Söhne. Das stimmt, auch wenn ich jetzt nicht sagen kann, wo sie
gerade sind, was in ihrem Kopf gerade vorgeht usw.
 So ist das mit Gott auch. Auch wenn ich nicht alles erklären kann, was mit Gott zu
tun hat, so können wir trotzdem über ihn verbindliche Aussagen machen.
o Ellen White:
 Ed 170: „ We have no reason to doubt God's word because we cannot understand the
mysteries of His providence. In the natural world we are constantly surrounded with
wonders beyond our comprehension. Should we then be surprised to find in the
spiritual world also mysteries that we cannot fathom? The difficulty lies solely in the
weakness and narrowness of the human mind. The mysteries of the Bible, so far from
being an argument against it, are among the strongest evidences of its divine
inspiration. If it contained no account of God but that which we could comprehend; if
His greatness and majesty could be grasped by finite minds, then the Bible would not,
as now, bear the unmistakable evidences of divinity. The greatness of its themes
should inspire faith in it as the word of God.“
 8T 279: „The revelation of Himself that God has given in His word is for our study.
This we may seek to understand. But beyond this we are not to penetrate. The highest
intellect may tax itself until it is wearied out in conjectures regarding the nature of
God; but the effort will be fruitless. This problem has not been given us to solve. No
human mind can comprehend God. Let not finite man attempt to interpret Him. Let
none indulge in speculation regarding His nature. Here silence is eloquence. The
Omniscient One is above discussion.“
 Es ist biblisch möglich, Gott zu erkennen.
o Jer 9,22-23: „So spricht der HERR: Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker
rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums. Sondern wer
sich rühmen will, der rühme sich dessen, daß er klug sei und mich kenne, daß ich der HERR
bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden; denn solches gefällt mir,
spricht der HERR.“
o Jo 17,3: „ Das ist aber das ewige Leben, daß sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den
du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.“
o 1Jo 5,20: „Wir wissen aber, daß der Sohn Gottes gekommen ist und uns den Sinn dafür
gegeben hat, daß wir den Wahrhaftigen erkennen.“
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 26

 Gott zu erkennen, ist eine extrem umfassende Angelegenheit. Da muss auch unsere Kenntnis noch viel
umfassender sein. Bei einem Lebewesen wird das noch viel komplizierter. Man muss auch etwas über
die Vergangenheit, das Verhalten usw. dieses Wesen wissen. Durch den Umgang mit einer Person
bekommt man solch eine Kenntnis. Bei einem Menschen ist das noch viel komplexer als bei einem
Tier. Aber selbst nach Jahren stellt man manchmal fest, dass einem bestimmte Verhaltensweisen nicht
bekannt waren. Unsere Kenntnis von anderen Personen hängt mehr von ihnen als von uns ab. Es hängt
viel davon ab, was sie uns von sich preisgeben.
o Johannes Calvin: „Alle rechte Gotteserkenntnis entsteht aus Gehorsam.“
 Die Bibel ist nicht daran interessiert darzustellen, wer Gott ist, sondern sie zeigt sein Handeln und Tun.
Und daran zeigt sich, wer und wie Gott ist.
o Gott spricht und er handelt danach. Er heilt sich an seine Verheißungen.

6.1. Das Wesen Gottes


 (1) Er ist ein lebendiger Gott.
o Gott lebt!
o Jemand, der lebt, spricht. Gott spricht von Anfang an.
o Bibelaussagen:
 5Mo 5,26: „Denn welcher Mensch kann die Stimme des lebendigen Gottes aus dem
Feuer reden hören wie wir und doch am Leben bleiben?“
 1Sa 14,39: „Denn so wahr der HERR lebt, der Heiland Israels: auch wenn sie bei
meinem Sohn Jonatan wäre, so soll er sterben! Aber niemand aus dem ganzen Volk
antwortete ihm.“
 So wahr der Herr lebt = Schwuraussagen, Eid
 Mt 16,16: „Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist Christus, des lebendigen
Gottes Sohn!“
o Warum ist es wichtig zu wissen, dass er lebendig ist? Wenn er lebt, dann steht er im Gegensatz
zu allen leblosen Götzen. Sie können nicht reden, sprechen oder hören.
 Jer 10,5.6.10 : „Sie sind ja nichts als Vogelscheuchen im Gurkenfeld. Sie können
nicht reden; auch muß man sie tragen, denn sie können nicht gehen. Darum sollt ihr
euch nicht vor ihnen fürchten; denn sie können weder helfen noch Schaden tun. Aber
dir, HERR, ist niemand gleich; du bist groß, und dein Name ist groß, wie du es mit
der Tat beweist. ... Aber der HERR ist der wahrhaftige Gott, der lebendige Gott, der
ewige König.“
 Die toten Götzen und der lebendige Gott.
o Der lebendige Gott beginnt seine Geschichte damit, dass er Leben schafft. Er gibt Odem und
Leben. Was er hier tut, zeigt, wie/was er ist. Er bringt auch nicht nur das Leben hervor, er
erhält auch das Leben. Er erweckt auch zum Leben, wenn jemand gestorben ist. Auferstehung
von den Toten ist möglich, weil er der lebendige Gott ist. Sein Ziel mit uns ist ewiges Leben.
o Gott besitzt Leben aus sich selbst. Keiner von uns kann Leben aus sich selbst hervorbringen.
 Jo 5,25.26: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es kommt die Stunde und ist schon
jetzt, daß die Toten hören werden die Stimme des Sohnes Gottes, und die sie hören
werden, die werden leben. Denn wie der Vater das Leben hat in sich selber, so hat er
auch dem Sohn gegeben, das Leben zu haben in sich selber;“
o Für ihn ist Leben nicht geschenkt und es stammt nicht von etwas anderem ab. Er schenkt
seinen Nachfolgern auch Leben in Fülle.
o Der Gott, der lebt, ist immer auch ein Gott, der gegenwärtig ist.
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 27

o Wenn Gott lebendig ist und lebt, und das ein Wesensmerkmal seines Wesens ist, dann können
bloße Formen und die Wiederholung derselben nicht angemessen sein. Er möchte in einem
lebendigen Gehorsam verehrt werden. Was wir dann für ihn tun, sollte von einer Lebendigkeit
gesteuert und charakterisiert sein. Nicht trocken und leblos.
 (2) Gott ist persönlich.
o In der Bibel wird er als zutiefst persönlich dargestellt.
o Seine Namen drücken das auch aus.
 Abba, lieber Vater.
o Mehr noch geschieht das durch seine Fähigkeit, in persönliche Beziehung zu anderen Wesen
zu treten.
o Gott offenbart sich in höchstpersönlicher Weise in Jesus Christus.
o Das Erste, was Gott bei der Schöpfung tut, ist dass er den Sabbat schafft. Ein Tag der
Gemeinschaft. Von Anfang an kommuniziert er mit seinen Geschöpfen.
o Nach dem Sündenfall begegnet er auch immer wieder Menschen persönlich, indem er einen
Bund mit ihnen schließt.
 (a) Gott spricht und kommuniziert.
 (b) Gott hört.
 (c) Gott sieht.
 (d) Gott denkt und plant.
 (e) Gott liebt.
 (f) Gott zeigt seinen Zorn.
 (g) Gott kann eifersüchtig werden.
 (h) Gott kann sich freuen.
 (i) Gott schafft.
 (j) Gott errettet.
 (k) Gott vergibt.
 (l) Gott sorgt für uns.
 (m) Gott tritt mit mir/uns in einen Bund.
 (n) Gott zeigt Gnade.
 (o) Gott ist geduldig.
 (p) Gott ist treu.
o Nur ein persönliches Wesen kann dies tun. Eine unpersönliche Kraft kann dies nicht tut.
o Wir werden in der Bibel nicht mit einem abstrakten, philosophischen Konzept von Gott
bekannt gemacht, sondern mit einem zutiefst persönlichen Wesen.
 All diese Punkte sind eigentlich in zwei grundlegenden Wesensmerkmalen Gottes gegründet, die für
seine Natur unverzichtbar sind:
o (1) Gottes Heiligkeit
o (2) Gottes Liebe
 Heiligkeit und Liebe stellen das eigentliche Wesen Gottes dar. Wenn diese beiden Aspekte nicht in
Balance gehalten werden, verzerren sie das Bild, was er uns von sich gibt.
o Wenn man nur seine Heiligkeit betont, dann wird er zu einem drohenden, harschen, richtenden
Gott.
o Wenn nur die Liebe betont wird, dann er zu einem Gleichgestellten, zu einem Kumpel.
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 28

 Daher ist es wichtig, immer beides zusammen zu sehen und darzustellen.


o Emil Brunner: Verbindung zwischen Heiligkeit und Liebe ist unauflöslich und das ist das
einschneidende Element des christlichen Gottes.
 Heutzutage ist es „in“ über Gottes Liebe zu reden. Aber Heiligkeit ist das grundlegende Wesen Gottes.

o vAdq' (hebr)
o a[gioj (gr)
o Die beiden Begriffe beschreiben Gottes Majestät und die moralische Vollkommenheit. Seine
Heiligkeit unterscheidet ihn von allen anderen Geschöpfen. Es gehört essential zur Natur
Gottes. Er kann nicht anders, als das zu tun, was richtig ist. Deshalb wird er in der Bibel am
häufigsten als „heilig“ beschrieben. Diese Eigenschaft wird am häufigsten genannt.

6.1.1. Heiligkeit Gottes


 Jes 43,3: „Denn ich bin der HERR, dein Gott, der Heilige Israels, dein Heiland.“
o Im hebräischen Denken betonte man eine Sache dadurch, dass man den Gedanken wiederholte.
o Das dreifache Wiederholen macht deutlich, dass etwas extrem (ultimativ) wichtig ist. Nur eine
Charaktereigenschaft Gottes wird dreimal wiederholt.
 Jes 6,3: „Und einer rief dem andern zu und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der HERR
der Heerscharen! Die ganze Erde ist erfüllt mit seiner Herrlichkeit!“
o Heiligkeit ist die Grundlage seiner Natur. Leider haben wir verlernt, was heilig bedeutet.
o Wenn Gott zwar allmächtig, allwissend, allgegenwärtig wäre, aber nicht heilig, dann wäre er
nicht mehr Gott. Gott ist Macht ist heilige Macht. Gottes Liebe ist heilige Liebe.
o Gottes Heiligkeit macht ihn über alles andere anbetungswürdig. Wenn er nicht heilig wäre,
dann wäre er ein Gott, der von der Sünde nicht getrennt ist. Es ist seine vollkommene Freiheit
von allem Bösen.
 1Jo 1,5: „In Gott ist Licht, und es ist keine Finsternis in ihm.“
o Wenn Gott denkt, dann kann er nur gut denken. Sein Wesen ist nur gut zu denken.
o Seine Handlungen an uns Menschen können nicht anders als vollkommen, gerecht, fair,
liebevoll sein.
o Deshalb ist sein Aufruf an uns auch: „Seid heilig, denn ich bin heilig!“
o Wenn Gott so ist (nur gut im ganzen Denken und Handeln), ...
o Heilig heißt abschneiden, zu einem besonderen Zweck beiseite setzen (Sabbat).
o Wenn Gott heilig ist, dann verabscheut er Sünde.
o „Gott hasst die Sünde und liebt den Sünder.“
 Er liebt den Sünder.
 Aber er hasst Sünde. Sie ist scheußlich, übel, grässlich für ihn. Deshalb hasst er sie.
Sie steht seiner Heiligkeit und seiner Liebe im Weg. Er muss daher gegen Sünde sein.
o Anselm von Canterbury:
 Ich glaub, du hast noch nicht bedacht, wie schwer die Sünde ist.
 Gottes Heiligkeit:
o Jes 40,25: „Mit wem denn wollt ihr mich vergleichen, dem ich gleich wäre ? spricht der
Heilige.“
 Gottes Heiligkeit unterscheidet Gott von allem anderen:
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 29

o Jes 43,14: „So spricht der HERR, euer Erlöser, der Heilige Israels: Um euretwillen habe ich
nach Babel gesandt. Und ich stoße herunter all die Riegel. Und die Chaldäer - zur Klage wird
ihr Jubel.“
 Heiligkeit und Erlösung gehören hier zusammen. Hier geht es um die Befreiung
Israels aus Babylon.
o Hos 11,8-9: „Wie sollte ich dich preisgeben, Ephraim, wie sollte ich dich ausliefern, Israel ?
Wie könnte ich dich preisgeben wie Adma, dich Zebojim gleichmachen ? Mein Herz kehrt sich
in mir um, ganz und gar erregt ist all mein Mitleid. Nicht ausführen will ich die Glut meines
Zornes, will nicht noch einmal Ephraim vernichten. Denn Gott bin ich und nicht ein Mensch,
in deiner Mitte der Heilige: ich will nicht in Zornglut kommen.“
 Gott ist der Heilige, weil er anders ist als wir Menschen. In einem Atemzug die Liebe
Gottes, die retten will, und der Zorn Gottes, der gegen alles entbrennt, dass sich seiner
Liebe entgegensetzt.
o Hes 39,7: „Und ich werde meinen heiligen Namen kundtun mitten in meinem Volk Israel und
werde meinen heiligen Namen nicht mehr entweihen lassen. Und die Nationen werden
erkennen, daß ich der HERR bin, der heilig ist in Israel.“
 Namen sind im Denken der Hebräer nicht einfach nur Personenbezeichnungen,
sondern der Namen steht in der Bibel für den Charakter. Der Name Gottes steht für
sein Wesen. Die verschiedenen Namen Gottes steht für die verschiedenen
Wesensformen und Charaktereigenschaften. Den Namen Gottes nicht missbrauchen,
bedeutet auch, dass, wenn wir den Namen Gottes tragen (als Christen), dass wir ihn
durch unser Verhalten und Wesen Gott darstellen. Wenn ich mich aber anders als er
verhalte, dann verunehre ich seinen Namen.
o Offb 4,8: „Und die vier lebendigen Wesen hatten, eines wie das andere, je sechs Flügel und
sind ringsum und inwendig voller Augen, und sie hören Tag und Nacht nicht auf zu sagen:
Heilig, heilig, heilig, Herr, Gott, Allmächtiger, der war und der ist und der kommt!“
o Offb 16,5: „Und ich hörte den Engel der Wasser sagen: Du bist gerecht, der ist und der war,
der Heilige, daß du so gerichtet hast.“
 Wenn wir von Gottes Heiligkeit reden, dann soll das ausdrücken, dass Gott vollständig und
grundsätzlich von der Sünde getrennt ist und das Gute repräsentiert. Wenn man das so versteht, dann ist
Heiligkeit eine Beziehungsqualität.
o Einerseits hat man die moralische Funktion der Heiligkeit (Böses lassen).
o Gleichzeitig hat man die Beziehungsfunktion der Heiligkeit (vollständige Hingabe an das
Gute).
 Heiligkeit hat etwas mit unserer Beziehung zu tun, mit der Verbindung zu Gott. Daher auch die
Aufforderung heilig zu sein wie Gott.
o 3Mo 11,44-45: „Denn ich bin der HERR, euer Gott. So heiligt euch und seid heilig, denn ich
bin heilig! Und ihr sollt euch selbst nicht unrein machen durch all das Kleingetier, das sich auf
der Erde regt. Denn ich bin der HERR, der euch aus dem Land Ägypten heraufgeführt hat, um
euer Gott zu sein: so sollt ihr heilig sein, denn ich bin heilig!“
 Wir nennen dafür oft Gesundheitsgründe. Die Bibel gibt aber nicht den Gesundheits-
aspekt als Begründung für die Unterscheidung zwischen rein und unrein. Ein Jude
sagt: „Weil Gott es geboten hat.“ Wir sollen uns so verhalten, weil er so ist und es so
fordert/möchte.
o 3Mo 19,2: „Ihr sollt heilig sein; denn ich, der HERR, euer Gott, bin heilig.“
 Der Aufruf dazu hat mit der Heiligkeit Gottes zu tun.
o Hebr 12,14: „Jagt dem Frieden mit allen nach und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn
schauen wird.“
 Heiligung ist ein wichtiges, aktives Element des Lebens mit Gott.
o Hebr 10,10: „In diesem Willen sind wir geheiligt durch das ein für allemal geschehene Opfer
des Leibes Jesu Christi.“
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 30

 Hier ist Heiligung passiv ein für allemal. Das ist aber kein Widerspruch. Indem ich
Gottes Kind bin, durch die Annahme der Vergebung der Sünden, bin ich abgesondert
zu einem besonderen Zweck und damit heilig. Deshalb kann Paulus die Korinther
auch als Heilige bezeichnen. Nicht weil sie perfekt wären, sondern weil sie zu Gott
gehören. Trotzdem werden wir dazu aufgerufen, heilig zu sein. Das ganze ist aber
kein Werk das wir hervorbringen, sondern es ist ein Geschenk wie die Rechtfertigung
auch. Wenn man das nicht beachtet, wird aus dem Glaubenskampf ein
Glaubenskrampf.
 Hier geht es schon um das Thema der Soteriologie auch wenn wir über die Lehre von
Gott reden.
o Hebr 12,1-2: „Deshalb laßt nun auch uns, da wir eine so große Wolke von Zeugen um uns
haben, jede Bürde und die uns so leicht umstrickende Sünde ablegen und mit Ausdauer laufen
den vor uns liegenden Wettlauf, indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender
des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen die Schande nicht achtete und das
Kreuz erduldete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes.“
 Wie sieht der Kampf des Glaubens aus? Ich bin noch nicht? Ich muss noch? Nein!
Dann ist Glauben Last. Der Kampf besteht daraus auf Jesus aufzusehen, den
Anfänger und Vollender des Glaubens. Nicht, dass ich auf mich und meine Sünde
schaue. Er, Jesus, sollte im Blickfeld des Glaubens stehen. Er fängt es an und er
vollendet es. Heiligung ist etwas, das Gott an mir macht. Nicht ich kann es
hervorbringen, sondern es ist die natürliche Konsequenz meines Blickens auf Jesus.
 Das gibt es nicht nur im NT, sondern auch im AT.
o 2Mo 31,13: „Du aber, rede zu den Söhnen Israel und sage ihnen: Haltet nur ja meine Sabbate!
Denn sie sind ein Zeichen zwischen mir und euch für all eure Generationen, damit man
erkenne, daß ich, der HERR, es bin, der euch heiligt.“
 Nicht ich heilige mich, sondern er heiligt mich.
 Heiligung ist genauso ein Glaubensgeschenk wie die Rechtfertigung. Er ist es, der
mich rechtfertigt und der mich auch heiligt. Alles, was er verlangt, ist dass ich mich
vor ihm nicht verschließe.
o Jes 26,3.12: „Bewährten Sinn [Wer festen Herzens ist, den] bewahrst du in Frieden, in Frieden,
weil er auf dich vertraut.... HERR, du wirst uns Frieden geben, denn du hast ja alle unsere
Werke für uns vollbracht.“
 Alles, was wir ausrichten, dass hast du getan.
 Wir sind in unserer Beziehung zu Gott viel zu sehr sündenorientiert als Gottzentriert.
Wir sind viel mehr damit beschäftigt, siegreich zu leben als damit, dass meine Sünde
Gott wehtut und sie für ihn schrecklich ist. Das führt schnell zu einer falschen
Motivation.

6.1.2. Liebe Gottes


 Liebe ist etwas, dass Gott zuallererst nicht tut, sondern was er ist. Es kommt von einem persönlichen
Wesen, das mit mir in Beziehung treten will. Liebe ist keine neutrale Sache und kein abstrakter Begriff.
Dieses Wort ist zutiefst persönlich. Wer vollkommen liebt, ist voll und ganz Person.
o 1Jo 4,8.16: „Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt, denn Gott ist Liebe. ... Und wir haben
erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat. Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt,
bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm.“
 Gott ist in der Bibel immer wieder ein Gott der Liebe. Er ist kein Gott, der ungeduldig
ist oder Liebesmangel hat.
o 2Kor 13,11: „Im übrigen, Brüder, freut euch, laßt euch zurechtbringen, laßt euch ermuntern,
seid eines Sinnes, haltet Frieden! Und der Gott der Liebe und des Friedens wird mit euch
sein.“
 Gott ist kein unpersönliches Schicksal oder keine unpersönliche Macht. Selbst der
Heilige Geist wird im NT mit persönlichen Fürwörtern angesprochen, obwohl er im
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 31

Griechischen eigentlich Neutrum ist. Trotzdem wird er im Griechischen mit


persönlichen Fürwörtern angesprochen (auch der Heilige Geist). Deshalb kann er
auch Gebete erhören und hören. Eine bloße, unpersönliche Kraft könnte das nicht.
 Das Gott persönlich ist, ist wichtig, da wir in einer Welt leben, die zunehmend
unpersönlich ist. Andere werden nicht mehr als Menschen, als Personen, behandelt,
sondern als Dinge, als Sache. Selbst die Liebe wird käuflich und unpersönlich. Es ist
eine Perversion, wenn man Liebe versachlicht käuflich darbietet.
 Da ist eine große Not, das Persönliche Gottes wieder zu entdecken. Es bewahrt uns
davor, Gott als unpersönliche Kraft/Macht zu sehen.
 Das höchste Merkmal einer Person ist dessen Liebe. Es macht Gott Freude und zu segnen, uns glücklich
macht. Es ist ihm selbst ein Bedürfnis, nicht weil es mir dann besser geht, sondern weil es ihm auch
wichtig ist. Gott liebt uns ohne eigenen Vorteil, auf selbstlose Art und Weise.
o Rö 5,8-10: „Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, daß Christus, als wir noch Sünder
waren, für uns gestorben ist. Vielmehr nun, da wir jetzt durch sein Blut gerechtfertigt sind,
werden wir durch ihn vom Zorn gerettet werden. Denn wenn wir, als wir Feinde waren, mit
Gott versöhnt wurden durch den Tod seines Sohnes, so werden wir viel mehr, da wir versöhnt
sind, durch sein Leben gerettet werden.“
 Gott liebt uns, als wir Sünder waren, als wir noch überhaupt nicht liebenswert waren.
Er liebte uns zu einem Zeitpunkt, wo wir noch seine Feinde waren und gar nichts mit
ihm zu tun haben wollten.
o Chrysostomos: „Die Liebe geht bei Gott allem voran.“
 Alles, was Gott macht, ist geprägt durch seine vorlaufende Liebe.
 Ist es so, dass es zum Glück Jesus Christus gibt? Aber der Vater arbeitet doch nicht gegen den Sohn und
der Sohn versucht doch nicht den Vater irgendwie rumzukriegen. Sie sind sich in ihrem Denken und
Handeln eins bzw. einig.
o 2Kor 5,18: „Alles aber von Gott, der uns mit sich selbst versöhnt hat durch Christus und uns
den Dienst der Versöhnung gegeben hat, nämlich daß Gott in Christus war und die Welt mit
sich selbst versöhnte, ihnen ihre Übertretungen nicht zurechnete und in uns das Wort von der
Versöhnung gelegt hat.“
 Die Initiative geht nicht von Jesus Christus aus, sondern von Gott selbst. Er hat
Versöhnung initiiert. Er war in Christus (Christus ist auch Gott) und hat die Welt mit
sich selbst versöhnt.
 Wenn wir warten würden, bis der schuldige Teil zur Versöhnung bereit ist, dann gibt
es keine Versöhnung und wir können lange warten. Versöhnung geht immer vom
Unschuldigen aus. Dem, der sie nicht verdient hat, dem wird sie zuteil.
 Er zeigt auch auf, wie Erlösung möglich wird, und er stellt alles zur Verfügung, damit
Erlösung möglich wird.
 Gott ist ein Gott der Liebe und Liebe will immer in Beziehung treten. Diese
Beziehung muss auch schon in der Gottheit selbst vorhanden gewesen sein. Wenn
Liebe vorhanden ist, dann muss sie sich auch ausdrücken.

6.2. Trinität
 Lesetipp: Aufsatz „Trinität“ (3 ½ Seiten) in: Das große Bibellexikon, III (bitte lesen!)
 Der Begriff mag zwar nicht in einer Konkordanz vorkommen. Das muss aber nicht bedeuten, dass das
Konzept dort nicht vorkommen würde.
 Wenn man sich diesem Bereich (der Trinität, Dreieinigkeit, Dreifaltigkeit) nähert, sollte man sich an
Hiob 11,7-8 halten:
o Hiob 11,7-8: „Kannst du die Tiefen Gottes erreichen oder die Vollkommenheit des
Allmächtigen ergründen? Himmelhoch sind sie - was kannst du tun? - tiefer als der Scheol -
was kannst du erkennen?“
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 32

 Wenn wir an Gott denken und versuchen ihn zu begreifen, dann werden wir immer an
unsere Vorstellungskraft stoßen.
o Jer 10,6: „Keiner ist dir gleich, HERR. Du bist groß, und groß ist dein Name durch deine
Macht.“
 Das, was Gott von sich hier offenbart, ist analogielos. Es gibt nichts Natürliches, das
als Analogie für Gott herhalten könnte.
o 8T 279: „The revelation of Himself that God has given in His word is for our study. This we
may seek to understand. But beyond this we are not to penetrate. The highest intellect may tax
itself until it is wearied out in conjectures regarding the nature of God; but the effort will be
fruitless. This problem has not been given us to solve. No human mind can comprehend God.
Let not finite man attempt to interpret Him. Let none indulge in speculation regarding His
nature. Here silence is eloquence. The Omniscient One is above discussion. Even the angels
were not permitted to share the counsels between the Father and the Son when the plan of
salvation was laid. Those human beings who seek to intrude into the secrets of the Most High
show their ignorance of spiritual and eternal things. Far better might they, while mercy's voice
is still heard, humble themselves in the dust and plead with God to teach them His ways.“
 Die christliche Theologie steht vor der Aufgabe diese Beziehung zwischen Vater, Sohn und Heiligem
Geist schriftgemäß zu erklären.
 Grundaussagen:
o 5Mo 6,4: „Höre, Israel: Der HERR ist unser Gott, der HERR allein!“
 Vater, Sohn und Heiliger Geist werden in der Schrift Gott genannt.
 Wie bekommt man es auf die Reihe, dass es nur einen Gott gibt und es dennoch drei Personen sind?
o Vater:
 Mt 27,46: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen ?“
o Sohn:
 Jo 20,28: „Thomas antwortete und sprach zu ihm [Jesus]: Mein Herr und mein Gott!“
 Jesus legt keinen Protest ein, sondern akzeptiert diese Aussage voll und
ganz. Die Personen, die das äußern, sind Juden und das Judentum ist wohl
einer der Religionen, die voll und ganz monotheistisch sind.
o Heiliger Geist:
 Apg 5,3-4: „Petrus aber sprach: Hananias, warum hat der Satan dein Herz erfüllt, daß
du den Heiligen Geist belogen und von dem Kaufpreis des Feldes beiseite geschafft
hast? Blieb es nicht dein, wenn es unverkauft blieb, und war es nicht, nachdem es
verkauft war, in deiner Verfügung ? Warum hast du dir diese Tat in deinem Herzen
vorgenommen? Nicht Menschen hast du belogen, sondern Gott.“
 Der Heilige Geist wird in dieser Aussage mit Gott gleichgesetzt.
o => Wie kann drei = eins sein und eins = drei? Unsere mathematische Vorstellung trifft hier
nicht zu. Wie können wir Gott mathematisch erfassen/erklären?
 Martin Luther: „Ein Irrtum ist daher die gesamte Mathematik und sie ist tapfer ans
Kreuz zu schlagen, wo es um hier um die Frage Gott selbst geht.“
o Wer anfängt sein Denken für das, was wahr ist, zum Maßstab zu machen, löst das Geheimnis,
was Gott ist, auf.
 Das gleiche Problem ist, wenn wir sagen, es müssen drei Götter sein, oder es kann nur
ein Gott sein in einer Person.
 Monotheismus:
o In der Bibel geht es nicht darum, den fundamentalen Gedanken der Einzahl zu verehren. Es
geht beim biblischen Monotheismus immer darum, dass die Menschen einen Gott verehren,
der immer und überall der Gleiche ist.
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 33

 Der Gott Abrahams war der gleiche wie der Gott Isaaks. Der Gott Isaaks ist der
gleiche Gott wie der von Jakob, usw.
o Diese Vorstellung von Gott ist ganz anders als die der Glorifizierung der Zahl „1“.
 Trinitarisches Verständnis von Gott im AT:
o Nicht klar, sondern nur in verhüllter Form angedeutet.
 1Mo 1,26-27: „Und Gott sprach: Laßt uns Menschen machen in unserm Bild, uns
ähnlich! Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres und über die Vögel des
Himmels und über das Vieh und über die ganze Erde und über alle kriechenden Tiere,
die auf der Erde kriechen!“
 Der Mensch wird als ein Wesen bezeichnet, obwohl der aus Mann und Frau
besteht.
 1Mo 3,22: „Und Gott, der HERR, sprach: Siehe, der Mensch ist geworden wie einer
von uns, zu erkennen Gutes und Böses. Und nun, daß er nicht etwa seine Hand
ausstrecke und auch noch von dem Baum des Lebens nehme und esse und ewig lebe!“
 1Mo 19,24: „Da ließ der HERR auf Sodom und auf Gomorra Schwefel und Feuer
regnen von dem HERRN aus dem Himmel“
 Jahweh lässt regnen von Jahweh. Es ist ein Hinweis darauf, dass es eine
Unterscheidung in Gott selbst gibt.
 2Mo 34,6: „Und der HERR ging vor seinem Angesicht vorüber und rief: Jahwe,
Jahwe, Gott, barmherzig und gnädig, langsam zum Zorn und reich an Gnade und
Treue.“
 Jahwe, Jahwe und Gott.
 Ps 110,1: „Spruch des HERRN für meinen Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis
ich deine Feinde gemacht habe zum Schemel deiner Füße!“
 Der Herr spricht zu meinem Herrn.
 Jes 48,16: „Tretet her zu mir, hört dies! Ich habe von Anfang an nicht im
Verborgenen geredet; von der Zeit an, da es geschah, bin ich da. - Und nun hat der
Herr, HERR, mich gesandt und seinen Geist verliehen.“
 Ich wurde von Gott dem Herrn und von seinem Geist gesandt.
o Liturgische Formeln (Andeutung):
 4Mo 6,24-26: „Der HERR segne dich und behüte dich! Der HERR lasse sein
Angesicht über dir leuchten und sei dir gnädig! Der HERR erhebe sein Angesicht auf
dich und gebe dir Frieden!“
 Jes 6,3: „Heilig, heilig, heilig ist der HERR der Heerscharen!“
o Engel des Herrn = Göttliches Wesen:
 1Mo 16,7.13: „Und der Engel des HERRN fand sie an einer Wasserquelle in der
Wüste, an der Quelle auf dem Weg nach Schur. ... Da nannte sie den Namen des
HERRN, der zu ihr geredet hatte: Du bist ein Gott, der mich sieht! Denn sie sagte:
Habe ich nicht auch hier hinter dem hergesehen, der mich angesehen hat?“
 1Mo 22,14-16: „Und Abraham gab diesem Ort den Namen «der HERR wird
ersehen», von dem man heute noch sagt: Auf dem Berg des HERRN wird ersehen.
Und der Engel des HERRN rief Abraham ein zweites Mal vom Himmel her zu und
sprach: Ich schwöre bei mir selbst, spricht der HERR, deshalb, weil du das getan und
deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast,“
 1Mo 31,11-13: „Und der Engel Gottes sprach im Traum zu mir: Jakob! Und ich sagte:
Hier bin ich! Und er sprach: Erheb doch deine Augen und sieh: alle Böcke, die die
Tiere bespringen, sind gestreift, gesprenkelt und scheckig; denn ich habe alles
gesehen, was Laban dir antut. Ich bin der Gott von Bethel, wo du einen Gedenkstein
gesalbt, wo du mir ein Gelübde abgelegt hast. Mache dich jetzt auf, zieh aus diesem
Land und kehre zurück in das Land deiner Verwandtschaft!“
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 34

 1Mo 48,15-16: „Und er segnete Joseph und sprach: Der Gott, vor dessen Angesicht
meine Väter, Abraham und Isaak, gelebt haben, der Gott, der mich geweidet hat,
seitdem ich bin, bis zu diesem Tag, der Engel, der mich von allem Übel erlöst hat,
segne die Knaben; und in ihnen werde mein Name genannt und der Name meiner
Väter, Abraham und Isaak, und sie sollen sich vermehren zu einer Menge mitten im
Land!“
 2Mo 3,2-4: „Da erschien ihm der Engel des HERRN in einer Feuerflamme mitten aus
dem Dornbusch. Und er sah hin, und siehe, der Dornbusch brannte im Feuer, und der
Dornbusch wurde nicht verzehrt. Und Mose sagte sich: Ich will doch hinzutreten und
dieses große Gesicht sehen, warum der Dornbusch nicht verbrennt. Als aber der
HERR sah, daß er herzutrat, um zu sehen, da rief ihm Gott mitten aus dem Dornbusch
zu und sprach: Mose! Mose! Er antwortete: Hier bin ich.“
 2Mo 14,19: „Und der Engel Gottes, der vor dem Heer Israels herzog, brach auf und
trat hinter sie; und die Wolkensäule vor ihnen brach auf und stellte sich hinter sie.“
 Wer war in der Wolkensäule anwesend? Gott.
 2Mo 23,20-21: „Siehe, ich sende einen Engel vor dir her, damit er dich auf dem Weg
bewahrt und dich an den Ort bringt, den ich für dich bereitet habe. Hüte dich vor ihm,
höre auf seine Stimme und widersetze dich ihm nicht! Denn er wird euer Vergehen
nicht vergeben, denn mein Name ist in ihm.“
 Gott selbst ist in ihm.
 Ri 13,21-22: „Der Engel des HERRN aber erschien Manoach und seiner Frau danach
nicht mehr. Da erst erkannte Manoach, daß es der Engel des HERRN war. Und
Manoach sagte zu seiner Frau: Ganz sicher müssen wir jetzt sterben, denn wir haben
Gott gesehen!“
o Es geht bei Gott also nicht immer nur um eine numerische Einzahl, da hier klar ist, dass auch
der Engel als Gott angesehen wird.
o Dreiklang, der versteckt, was andeutet:
 Jes 61,1: „Der Geist des Herrn, HERRN, ist auf mir; denn der HERR hat mich
gesalbt. Er hat mich gesandt, den Elenden frohe Botschaft zu bringen, zu verbinden,
die gebrochenen Herzens sind, Freilassung auszurufen den Gefangenen und Öffnung
des Kerkers den Gebundenen,“
 Jes 63,9: „Nicht Bote noch Engel - er selbst hat sie gerettet. In seiner Liebe und in
seinem Erbarmen hat er sie erlöst. Und er hob sie auf und trug sie alle Tage der
Vorzeit. Sie aber, sie sind widerspenstig gewesen und haben seinen heiligen Geist
betrübt. Da wandelte er sich ihnen zum Feind: Er selbst kämpfte gegen sie. Da dachte
man wieder an die Tage der Vorzeit, an Mose und sein Volk: «Wo ist der, der den
Hirten seiner Herde aus dem Meer heraufführte? Wo ist der, der seinen heiligen Geist
in ihre Mitte gab, ...“
 Jes 9,5: „Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn uns gegeben, und die Herrschaft
ruht auf seiner Schulter; und man nennt seinen Namen: Wunderbarer Ratgeber,
starker Gott, Vater der Ewigkeit, Fürst des Friedens.“
 Gottheit Jesu Christi lässt sich nur im Rahmen der Dreieinigkeit erklären.
Der Sohn heißt Ewig-Vater.
 Trinitarisches Verständnis von Gott im NT:
 Mt 28,19: „Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern, und tauft sie auf den
Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes,“
 Name ist Singular, nicht Plural. Es ist ein Name und dieser eine Name
besteht aus Vater, Sohn und Heiliger Geist. Ein Name steht in der Bibel für
Wesen und Charakter.
 Calvin: Text erklärt deutlich die Dreieinigkeit.
o Im NT wird auch ganz klar, dass Jesus Christus Gott ist (Aussagen von Jesus selbst).
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 35

 Kol 2,9: „Denn in ihm [Christus] wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig.“
 2Ko 13,13: „Die Gnade des Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die
Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“
 1Ko 12,4-6: „Es gibt aber Verschiedenheiten von Gnadengaben, aber es ist derselbe
Geist; und es gibt Verschiedenheiten von Diensten, und es ist derselbe Herr; und es
gibt Verschiedenheiten von Wirkungen, aber es ist derselbe Gott, der alles in allen
wirkt.“
 Ein Geist, ein Herr, ein Gott.
 1Pt 1,2: „... nach Vorkenntnis Gottes, des Vaters, in der Heiligung des Geistes zum
Gehorsam und zur Besprengung mit dem Blut Jesu Christi: Gnade und Friede werde
euch immer reichlicher zuteil!“
 Jud 20-21: „Ihr aber, Geliebte, erbaut euch auf eurem heiligsten Glauben, betet im
Heiligen Geist, erhaltet euch in der Liebe Gottes, indem ihr die Barmherzigkeit
unseres Herrn Jesus Christus erwartet zum ewigen Leben.“
o Literatur-Tipp (geht auch für Lesebericht):
 Max Hatton, Understanding the Trinity
 Edward Bickersteth, The Trinity
 Arthur Remright (?): The Trinity in the New Testament
 Jerry Moon / Whoodrow Whidden, The Trinity

Gott ist Vater Sohn Heiliger Geist


Schöpfer Ps 136; Hi 28,23-28; Jes 40,28 Jo 1,1-3; Kol 1,16 1Mo 1,2
Ewig Ps 90,2 Offb 1,18 Heb 9,14
Allmächtig Offb 19,6 Mt 28,18 Rö 8,11
Allwissend Ps 139,4 Jo 2,24-25 1Ko 2,10
Allgegenwärtig Ps 139,7-12 Mt 18,20 Offb 5,6
Heilig Hi 3,3 Lk 1,35 Jo 14,26
Wahrheit Ps 31,5; Jes 65,16 Jo 14,6 Jo 14,17; 16,13
Liebe 2Mo 14,6; 1Jo 4,16 Jo 15,9.13 Gal 5,22 (Frucht des Geistes)

 Gegenwart Gottes:
o Im VATER ist Gott für uns.
o Im SOHN ist Gott mit uns.
o Im HEILIGEN GEIST ist Gott in uns.
 Heil durch Gott:
o Der Vater ist der Urheber des Heils.
o Der Sohn ist der Verwirklicher des Heils.
o Der Heilige Geist ist der Vorbereiter des Heils.
 Menschwerdung Jesu:
o Vater gibt den Sohn.
o Jesus gibt sich selbst.
o Der Heilige Geist bewirkt die Geburt.
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 36

 Erklärung:
o Alle drei wollen das Gleiche und sind sich einig.
o Niemand konnte bisher und kann diese Angelegenheit wirklich gut erklären.
 Symbole, die versuchen die Dreieinigkeit symbolhaft auszudrücken:
o (1) Das Dreieck

o (2) Anderes Symbol, dass zeigt, dass der Vater Gott ist, der Sohn Gott ist und auch der Heilige
Geist Gott ist. Trotzdem ist nicht der Vater der Sohn und der Sohn der Vater usw.
o (3) Bei drei Kerzen, wenn man sie zusammenhält, gibt es eine Flamme.
o (4) Wasser (H2O); Die gleiche Substanz gibt es in drei unterschiedlichen Erscheinungsformen
(fest, flüssig, gasförmig). Fest ist es Eis. Flüssig ist es Wasser. Gasförmig ist es Dampf.
 Gottheit Jesu:
o Das Leben wurde ihm nicht verliehen, sondern er besitzt es aus sich selbst:
 Jo 5,26: „Denn wie der Vater Leben in sich selbst hat, so hat er auch dem Sohn
gegeben, Leben zu haben in sich selbst.“
 Jo 8,53.58.59: „Bist du etwa größer als unser Vater Abraham, der gestorben ist ? Und
die Propheten sind gestorben. Was machst du aus dir selbst? ... Jesus sprach zu ihnen:
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham war, bin ich. Da hoben sie Steine
auf, um auf ihn zu werfen. Jesus aber verbarg sich und ging aus dem Tempel hinaus.“
 Jesus befindet sich in Jerusalem im Tempel. Da ist eine Ironie in dem, was
gerade passiert. Jesus Christus ist im Tempel. Was ist der Tempel für ein
Ort? Der Tempel ist der Ort, damit Gott unter den Menschen wohnen kann.
Der Tempel ist der Ort, wo Gott dem Menschen begegnet. Es ist der Ort, der
in seiner Typologie von Anfang bis zum Ende auf Jesus Christus hindeutet.
Jetzt ist Jesus Christus, Gott, leibhaftig anwesend mitten im Tempel. Der
Tempel hat in diesem Moment seine Erfüllung gesehen.
 Und Jesus behauptet: „Ich bin.“ Was machen die Juden? Sie wollen Gott aus
dem Tempel verbahnen. Sie wollen ihn töten.
 Jesus verbarg sich und ging aus dem Tempel hinaus. Die sichtbare
Anwesenheit Gottes verbirgt sich und geht aus dem Tempel hinaus. Hier
wird der Anfang vom Ende beschrieben. Der Tempel ist ab hier im Grunde
genommen nur noch leerer Raum.
 Jo 10,30-33: „Ich und der Vater sind eins. Da hoben die Juden wieder Steine auf, daß
sie ihn steinigten. Jesus antwortete ihnen: Viele gute Werke habe ich euch von
meinem Vater gezeigt. Für welches Werk unter ihnen steinigt ihr mich? Die Juden
antworteten ihm: Wegen eines guten Werkes steinigen wir dich nicht, sondern wegen
Lästerung, und weil du, der du ein Mensch bist, dich selbst zu Gott machst.“
 Jo 10,17-18: „Darum liebt mich der Vater, weil ich mein Leben lasse, um es
wiederzunehmen. Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir selbst. Ich
habe Vollmacht, es zu lassen, und habe Vollmacht, es wiederzunehmen. Dieses Gebot
habe ich von meinem Vater empfangen.“
 Jesus ist wahrhaftig Gott und die Jünger beten Jesus an.
 Mt 14,33: „Die aber in dem Boot waren, warfen sich vor ihm nieder und sprachen:
Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn!“
 „Warfen sich vor ihm nieder“: proskune,w (anbeten)
 Jesus wird angebetet und er weist es nicht zurück.
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 37

 Der Heilige Geist:


o Die frühen Christen und das Judentum machten sich keine Gedanken darüber, wie der Heilige
Geist beschaffen ist. Für sie war es wichtiger zu wissen, welche Funktion der Heilige Geist
hat.
o Wenn man den Begriff „Persönlichkeit“ hört, verbindet man sofort ein konkretes singuläres
Wesen (Körper, Hände, Füße, usw.) damit. Was aber hier gemeint ist, ist dass es keine
unpersönliche Energie ist. Die Kennzeichen einer Persönlichkeit sind Intelligenz, Gefühl,
Wille, usw. Durch Texte im NT wird deutlich, dass der Heilige Geist mehr ist als nur eine
Kraft.
 Jo 14,26: „Der Beistand aber, der Heilige Geist [neutrum], den der Vater senden wird
in meinem Namen, der [maskulin] wird euch alles lehren und euch an alles erinnern,
was ich euch gesagt habe.“
 Warum verwendet Johannes hier ein persönliches Fürwort, dass maskulin ist,
obwohl der Geist doch neutrum ist?
 Der Heilige Geist lehrt und erinnert. Eine Sache und eine Kraft kann nicht
erinnern.
 An was erinnert der Heilige Geist?
o Der Heilige Geist sagt das, was Jesus bereits gesagt hat. Er spricht
durch das Wort zu uns und nicht gegen das Wort.
 Jo 16,13: „Wenn aber jener [maskulin], der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird
er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht aus sich selbst reden, sondern
was er hören wird, wird er reden, und das Kommende wird er euch verkündigen.“
 Der Heilige Geist redet und hört.
 Jener Geist (maskulin), nicht jenes Geist. Es geht also nicht um eine Sache,
sondern eine Persönlichkeit. Wäre er keine Persönlichkeit, wäre diese
Aussage grammatisch falsch.
 Eph 1,13-14: „In ihm seid auch ihr, nachdem ihr das Wort der Wahrheit, das
Evangelium eures Heils, gehört habt und gläubig geworden seid, versiegelt worden
mit dem Heiligen Geist der Verheißung. Der ist das Unterpfand unseres Erbes auf die
Erlösung seines Eigentums zum Preise seiner Herrlichkeit.“
 Eph 4,30: „Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt
worden seid auf den Tag der Erlösung hin!“
 Eine unpersönliche Kraft kann nicht betrübt werden.
 1Kor 12,11: „Dies alles aber wirkt ein und derselbe Geist und teilt jedem besonders
aus, wie er will.“
 Der Heilige Geist hat einen eigenen Willen und entscheidet selbst, wer
welche Gabe bekommt.
 Rö 8,26.27: „Ebenso aber nimmt auch der Geist sich unserer Schwachheit an; denn
wir wissen nicht, was wir bitten sollen, wie es sich gebührt, aber der Geist selbst
verwendet sich für uns in unaussprechlichen Seufzern. Der aber die Herzen erforscht,
weiß, was der Sinn des Geistes ist, denn er verwendet sich für Heilige Gott gemäß.“
 Rö 15,13: „Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und allem
Frieden im Glauben, damit ihr überreich seiet in der Hoffnung durch die Kraft des
Heiligen Geistes!“
 „Durch die Kraft des Heiligen Geistes“. Es ist die Kraft des Heiligen Geistes.
Er ist also nicht nur Kraft, sondern er hat Kraft.
o Was macht das für einen Unterschied, ob der Heilige Geist Kraft ist und nicht nur Kraft
verleiht?
 Wenn der Heilige Geist nur eine Kraft ist, dann will ich diese Kraft besitzen, damit
ich im Namen Gottes gute Dinge tun kann. Dann bin auch letztlich ich es, der
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 38

versucht sich selbst zu heiligen und zu ändern. Es ist nicht mehr Gott, der im
Mittelpunkt steht, sondern ich bin es, der im Mittelpunkt steht.
 Wenn der Heilige Geist eine göttliche Persönlichkeit ist, dann will er mich besitzen
und etwas mit mir machen und ich soll mich ihm unterordnen. Er wird mich heiligen
und verändern.
o Anbetung des Heiligen Geistes:
 Wenn er Gott ist, wie es die Texte ja zeigen, dann ist er nicht weniger würdig wie die
anderen Personen. Allerdings gibt es in der Bibel keine Beispiele für die Anbetung
des Heiligen Geistes. Trotzdem sollten wir den Heiligen Geist ehren und schätzen.
Wenn jemand damit ein Problem hat (den Heiligen Geist anzubeten), dann sollte man
darauf achten, dass man in seiner christlichen Freiheit
o Der Geist entscheidet, wem er die Gaben austeilt und nicht Menschen es tun (Bsp.: nicht so
wie bei Benny Hin).
 1Kor 14,32: „Und die Geister der Propheten sind den Propheten untertan.“
 Es geht hier nicht um unkontrollierte Macht, die über die Personen ausgeübt
wird, so dass die Personen gar nicht mehr anders können.
 => Hans Heinz: „Unter Dreieinigkeit versteht man die Einheit des göttlichen Wesens in der Dreiheit der
göttlichen Personen. Jeder, der drei göttlichen Personen kommt die göttliche Wesenheit vor. Wir sagen
also nicht, dass drei Personen drei Wesen sind. Jede der göttlichen Personen ist in sich selbst Gott. Und
jede der göttlichen Personen ist mit der anderen untrennbar verbunden. Sie haben einen Willen, ein
Wesen und die selben Werken. Das ist ein Geheimnis.“ (Dogmatik, 56-59)
 Luther: „Wenn die Vernunft die Lehre von der Heiligen Dreifaltigkeit für Narrheit hält, was Fragen wir
danach? Es ist keine Kunst, in diesen Sachen zu klügeln. ...“ (Wenn das Wort Gottes es sagt, dann
glaube ich )
 AA 52: „The nature of the Holy Spirit is a mystery. Men cannot explain it, because the Lord has not
revealed it to them. Men having fanciful views may bring together passages of Scripture and put a
human construction on them, but the acceptance of these views will not strengthen the church.
Regarding such mysteries, which are too deep for human understanding, silence is golden.“
o Leider sind die Leute, die gegen die Dreieinigkeit fromme Rationalisten, die aufgrund der
Vernunft versuchen, Gott zu erklären.

6.2.1. Das Verständnis über die Trinität in der Adventgeschichte


 Literatur:
o Jerry Moon, „The Adventist Trinity Debate, Part 1: A Historical Overview“ AUSS 41 (2003)
113-129
o Jerry Moon, „The Adventist Trinity Debate, Part 2: The Role of Ellen G. White“ AUSS 41
(2003) 275-293
o Michael Dörnbrack, „Die Rolle Ellen Whites bei der Entwicklung der Trinitätslehre in der
Adventgemeinde: Aussagen, Auswirkungen und Reaktionen“ Hauptseminararbeit, ThH
Friedensau, 2004
o (Artikel zählen auch für Lesebericht.)
o Schlüsselbegriffe adventistischer Glaubenslehre, (auszugsweise Übersetzung der EGW
Encyclopedia); Artikel über Heiliger Geist und Jesus Christus
 Frühe Adventgeschichte:
o Führende Vertrete der STA hatten arianische Tendenzen.
 Arius: „Es gab eine Zeit, wo Jesus Christus nicht war.“ Christus war nicht Gott,
sondern geschaffen.
o Ablehnung der Dreieinigkeit mit Hinblick auf Heiliger Geist und Göttlichkeit Jesu.
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 39

o Als vor 100 Jahren Adventisten zusammenkamen, gab es Vertreter aus unterschiedlichen
Kirchen. Eine dieser Kirchen, aus der etliche Pioniere kamen, war die Christian Connection. In
dieser Kirche war man sehr antitrinitarisch eingestellt. Die Pioniere waren sehr ernste Christen.
Es war zu erwarten, dass es Meinungsverschiedenheiten geben wird.
 Heiliger Geist:
o Etliche von ihnen glaubten, dass der Heilige Geist nur eine Kraft wäre:
 J. H. Waggoner: Heiliger Geist = erfurchtgebietende, geheimnisvolle Kraft, die vom
Thron ausgeht
 Uriah Smith: hatte Schwierigkeiten mit Dreieinigkeit (Schulleiter in Battle Creek,
Schriftleiter im Review and Herald; prominenter Autor); HG = geheimnisvoller
Einfluss, der vom Vater und vom Sohn ausgeht
o Die ersten STA wollten sich abgrenzen und deutlich machen, was sie glauben. Man hat sich
auf die Punkte konzentriert, die von ihnen neu gedeutet wurden. Themen, die sie eh so sahen
und auch von den Kirchen so gesehen wurden, wurden nicht weiter diskutiert.
Glaubensgrundsätze wurden nicht durch Machtausübung gefunden, sondern durch
Bibelstudium. Auch der Einfluss von Ellen White
o Ende des 19. Jh. setzte sich Meinung durch, dass Heiliger Geist ein persönliches Wesen ist.
Ellen White schreibt im
 Leben Jesu, 423: Heiliger Geist ist die dritte Person der Gottheit
 Evangelisation, 617: drei lebendige Personen in der himmlischen Dreizahl
 Evangelisation, 616: Heiliger Geist ist genauso eine Person wie Gott eine Person ist
 Natur Jesu:
o Etliche STA hatten Probleme, die Gottheit Jesu anzuerkennen.
 Joseph Bates, James White: Beide waren Glieder der Christian Connection. Beide
bestritten nicht, dass Christus der Sohn Gottes und damit göttlich war, auch nicht,
dass er der Schöpfer sei. Sie meinten aber, dass die Begriffe Sohn und Vater
ausdrücken, dass der Sohn einen Anfang hat. Diese Sicht behielten sie bei.
 Nicht alle teilten diese Ansichten, aber doch erheblich viele. Unter ihnen auch Uriah
Smith. Ein halbes Jahrhundert bestand diese Meinung fort.
o Interessant ist allerdings, dass über diesen Punkt in der Gemeinde der STA kein offener Streit
stattfand. Die antitrinitarische Ansicht ist aber langsam eines natürlichen Todes gestorben.
 James White:
 1856: das alte trinitarische Credo
 1876: STA bekennen sich zur Göttlichkeit Jesu, dass man der trinitarischen
Ansicht sehr nahe kommt, so dass kaum ein Unterschied erkennbar ist
 1880: Sohn war mit Vater gleich bei Schöpfung, bei Gesetzgebung und
Erschaffung der Menschen und anderer Wesen
 Uriah Smith:
 1867: Christus = das erste geschaffene Wesen
 1882: Christus kein erschaffenes Wesen im üblichen Sinn des Wortes
 1898: Christus kein geschaffenes Wesen
 Arianische Tendenzen bei Waggoner, Prescott, Bates.
 Warum waren sie dagegen?
o (1) Widerspricht dem gesunden Menschenverstand
o (2) Heidnischer Ursprung
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 40

o (3) Wenn Jesus Christus Gott war, dann war Jesus unsterblich und dann kann er nicht für uns
gestorben sein.
o Allerdings:
 Es geht hier nicht um einen Glauben an drei Götter, sondern um einen Gott in drei
Personen.
 Ellen G. White:
o Es ist dem Einfluss von Ellen White zu verdanken, dass sich dies geändert haben. Sie hätte ja
als Prophetin ein Machtwort sprechen können, aber sie machte es nicht.
o Was tut sie?
 Sie schrieb und schrieb. Es setzte sich eine Sicht Jesu durch, die dann die Leute in
ihren Ansichten veränderte. Die anderen wurden dadurch offener.
o 1869: 2SZ 200
o 1883: „Jesus, the Majesty of heaven, He who was equal with God, was in the world thirty-
three years, and yet there were but few who acknowledged His divine character.“ (1SM 69.70)
o 1888: Christus, Fürst des Himmels, eins mit dem Vater in Macht und Gewalt
o 1893: „The words of Christ were full of deep meaning as he put forth the claim that he and the
Father were of one substance, possessing the same attributes.“ (Signs of the Times, November
27, 1893)
o 1895: Jesus ist der eingeborene Sohn Gottes, der mit dem Vater von Ewigkeit her war
o 1898: „In Christ is life, original, unborrowed, underived.“ (DA 530)
o 1906: „Christ was God essentially, and in the highest sense. He was with God from all eternity,
God over all, blessed forevermore. The Lord Jesus Christ, the divine Son of God, existed from
eternity, a distinct person, yet one with the Father.“ (Review and Herald, May 04, 1906)
o 1899: „Though Christ humbled Himself to become man, the Godhead was still His own. His
Deity could not be lost while He stood faithful and true to His loyalty.“ ( Signs of the Times,
May 10, 1899)
o (Literatur: Zitatensammlung „Christ’s Place in the Godhead“ auf der Internetseite vom
Biblical Research Institute)
 Jüngere Geschichte:
o Adventhistoriker, die diese Dinge hernehmen und daraus folgendes machen.
 George R. Knight: Die meisten Adventisten könnten heute keine Adventisten sein,
weil sie das Glaubensbekenntnis nicht unterschreiben könnten.
 Solche Äußerungen verfälschen die Geschichte und rufen falsche Reaktionen in den
Gemeinden hervor. Adventgemeinde hat sich verändert und wir sind nicht mehr das,
was wir mal waren. Wir müssten wieder dorthin zurück, zurück zu den Ursprüngen.
 In manchen Gruppierungen außerhalb der Gemeinde gibt es den Vorwurf, dass die Adventgemeinde
den Glaubenspunkt mit der Dreieinigkeit im Jahr 1931 in einer Nacht-und-Nebel-Aktion eingeführt hat.
Aber eigentlich würde es nicht dem entsprechen, was wir als Adventisten vorher geglaubt haben.
o 1930: GK bekam aus afrikanischen Missionsfeld die Bitte von adventistischen Missionaren, da
sie auch mit anderen Kirchen in Kontakt kamen), eine Aufstellung von adventistischen
Glaubenslehren zu verfassen, damit die STA sich Behörden gegenüber „Wer wir seien und
was wir glauben“ besser darstellen können.
o 29.12.1930: Diese Bitte wurde im Exekutivausschuss behandelt. Dieser Ausschuss hatte 27
Mitglieder unter Leitung des GK-Präsidenten. Siehe Protokoll „Erklärung unserer
Glaubenspunkte für das Jahrbuch“. Das war auch der normale Weg. Für das Jahrbuch wurde
der Beschluss getroffen.
o Adventisten standen solchen Glaubensgrundsätzen sehr reserviert gegenüber. Denn in den
anderen Kirchen waren solche Glaubensbekenntnisse oft wichtiger als die Bibel. Aus diesem
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 41

Grund wurden einige der frühen Adventisten aus diesen Kirchen ausgeschlossen. Damit so
etwas nicht wieder in den eigenen Reihen passiert, deshalb war man so einem
Glaubensbekenntnis sehr reserviert gegenüber. Mit dem Wachstum der Gemeinde und der
Zunahme an Mitgliedern wurde es aber notwendig zu klären und zu definieren, was wir
glauben. Der Glaube sollte daher formuliert werden, aber nicht als Ersatz für die Bibel,
sondern nur um anderen einen Eindruck zu vermitteln, was wir glauben.
o Um solch ein Glaubensbekenntnis aufzustellen, wurden Kern, Wilcox, Palmer dazu beauftragt,
eines zu verfassen. Diese drei verfassten eine Erklärung mit 22 Punkten „Was Adventisten
glauben“ und einer dieser Punkte war auch ein Bekenntnis zur Dreieinigkeit.
o War es nun eine Nacht-und-Nebel-Aktion?
 (1) Ellen White macht schon Jahre vorher deutlich, dass sie an so ein Konzept glaubt.
Das ist öffentlich dokumentiert (Zeitungsartikel aus ihrer Zeit). Jedem ist es
zugänglich.
 (2) Führende Männer zu Lebzeiten Ellen Whites zeigten durch schriftliche Aussagen,
dass sie zur Dreieinigkeit stehen und daran glauben.
 Siehe Seminararbeit von Michael Dörnbrack.
o 1913: 1. adventistische Glaubensbekenntnis abgedruckt von
F. M. Wilcox (Schriftleiter des RH; Präsident der RH Publishing
Association; von 1909 bis 1944); Review and Herald, October 09,
1913, S. 21.
 z.Zt. wo Ellen White noch lebte (starb 1915), und sie und
andere kannten es; haben aber keinen Einspruch erhoben
 In dem Glaubenspunkt von 1913 wird gesagt, dass STA an
die Dreieinigkeit glauben (Vater, Sohn, Heiliger Geist =
dritte Person der Gottheit).
 (3) Ellen White kannte Artikelserien, die sich für die Dreieinigkeit aussprachen. Ellen
White war es, die F. M. Wilcox zu einem der fünf Treuhänder des Ellen White
Estates benannte.
 Hätte sie die Aussagen von Wilcox im Jahre 1913 als Abfall angesehen,
dann hätte sie ihn nicht als Treuhänder benannt.
 Der gleiche Wilcox verfasste dann 1930 das Glaubensbekenntnis.
 Die Pioniere finden aus unterschiedlichen Hintergründen zusammen und sie verbinden sich auf der
Grundlage, dass allein die Bibel zählt. Allerdings gab es unterschiedliche Traditionen. Diese haben
nicht in jedem Detail zusammen gepasst. Nun haben sie einige Zeit gebraucht, diese Traditionen zu
sichten, zu überprüfen und neu zu ordnen.
o James White: “As a people we are brought together from divisions of the Advent body [the
Millerites], and from the various denominations, holding different views on some subjects;…”
(RH August 11, 1853)
o Heißt das, weil die STA früher unterschiedliche Ansichten hatten, dass wir heute auch einen
theologischen Pluralismus in der Gemeinde haben sollten?
o gesamtes Zitat: „As a people we are brought together from divisions of the Advent body, and
from the various denominations, holding different views on some subjects; yet, thank Heaven,
the Sabbath is a mighty platform on which we can all stand united. And while standing here,
with the aid of no other creed than the Word of God, and bound together by the bonds of love -
love for the truth, love for each other, and love for a perishing world - "which is stronger than
death," all party feelings are lost. We are united in these great subjects: Christ's immediate,
personal second Advent, and the observance of all of the commandments of God, and the faith
of his Son Jesus Christ, as necessary to a readiness for his Advent.“
 Schritt für Schritt haben sich bestimmte Glaubensverständnisse gebildet. Wenn sie alle den Sabbat
erkannt haben, dann war es für sie alle klar und es war kein Thema mehr. Es gab dann keinen
Pluralismus mehr. Das ist also kein Argument dafür, dass, weil die Pioniere früher anders waren, wir
heute zu so einem theologischen Pluralismus zurückkehren müssten.
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 42

6.3. Erlösung – Soteriologie


 Soteriologie = Wort der Erlösung/Errettung
 Eines der schönsten und umfassendsten Themen der Bibel.
 EGW:
o Ed 125-126: „The central theme of the Bible, the theme about which every other in the whole
book clusters, is the redemption plan, the restoration in the human soul of the image of God.
From the first intimation of hope in the sentence pronounced in Eden to that last glorious
promise of the Revelation, "They shall see His face; and His name shall be in their foreheads"
(Revelation 22:4), the burden of every book and every passage of the Bible is the unfolding of
this wondrous theme,--man's uplifting,--the power of God, "which giveth us the victory
through our Lord Jesus Christ." 1 Corinthians 15:57. He who grasps this thought has before
him an infinite field for study. He has the key that will unlock to him the whole treasure house
of God's word.“
 Wenn der Erlösungsplan das zentrale Thema der Bibel für uns ist, dann haben wir ein
Studienfeld vor uns, das unendlich ist.
 Damit hat man auch den Schlüssel, um den ganzen Schatz des Wortes Gottes zu
erschließen.
 Wenn man von Erlösung spricht, braucht man eine Vorstellung davon, warum wir Erlösung überhaupt
benötigen.
6.3.1. Sünde
o Eigentlich fängt der Erlösungsplan schon vor der Sünde an. Aber sie ist das große menschliche
Problem, wo eine Lösung geschaffen werden muss.
o Um Erlösung richtig zu verstehen, müssen wir begreifen,
 (a) was Sünde überhaupt ist (richtiges Verständnis von Sünde),
 (b) was wir Menschen geworden sind
 (c) und Christus für uns getan hat.
o Wer Sünde nicht richtig verstanden hat, wird Erlösung nicht richtig verstehen. Unser
Verständnis von Sünde hat Auswirkungen auf unser Verständnis der menschlichen Natur und
der Erlösung durch Jesus Christus.
o Boerkhauer (?) (renomierter, reformierter holländischer Theologe):
 Warum schrieb er mehr über Sünde als über Erlösung? Wer Sünde nicht verstanden
hat, versteht auch die Lösung auf das Problem nicht richtig.
 (1) Sünde ist universal
o (a) Sünde betrifft alle Menschen
 Ist nicht nur auf ein paar einzelne Menschen begrenzt. Ist auch nicht nur auf viele
Menschen begrenzt. Die Bibel sagt, dass alle Menschen gesündigt haben.
 Rö 3,9-12: „Was nun? Haben wir einen Vorzug? Durchaus nicht! Denn wir
haben sowohl Juden als auch Griechen vorher beschuldigt, daß sie alle unter
der Sünde seien, wie geschrieben steht: «Da ist kein Gerechter, auch nicht
einer; da ist keiner, der verständig ist; da ist keiner, der Gott sucht. Alle sind
abgewichen, sie sind allesamt untauglich geworden; da ist keiner, der Gutes
tut, da ist auch nicht einer.»“
o Paulus zitiert Hiob und stellt es als eine gültige Aussage hin, (auch
wenn) der Text im AT steht.
 Sünde hat jede Rasse, jedes Volk, jeden Menschen erreicht. Niemand ist sündenfrei.
Allerdings ist Sünde noch umfassender als das.
 Sünde ist die einzige biblische Lehre, die empirisch erwiesen ist.
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 43

o (b) Sünde betrifft den ganzen Menschen


 Kein Aspekt, kein Bereich des Menschen ist unberührt von der Sünde. Sie hat unser
Denken, unser Empfinden, unsere Motivation erfasst und betrifft auch unser Handeln.
 Adam war der erste Mensch und somit war er das Oberhaupt und der Repräsentant
der Menschheit.
 1Mo 1,28: „Und Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar
und vermehrt euch, und füllt die Erde, und macht sie euch untertan; und
herrscht über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und
über alle Tiere, die sich auf der Erde regen!“
 Durch Sündenfall zog die Sünde beim ganzen Menschen ein und auch im
Herrschaftsbereich des Menschen hinein. Durch die Sünde von Adam sind auch die
Natur, die Tiere usw. in Mitleidenschaft gezogen. Auf einmal gab es Tod und Leid in
der Schöpfung.
 Rö 8,19-22: „Denn das sehnsüchtige Harren der Schöpfung wartet auf die
Offenbarung der Söhne Gottes. Denn die Schöpfung ist der Nichtigkeit
unterworfen worden - nicht freiwillig, sondern durch den, der sie
unterworfen hat - auf Hoffnung hin, daß auch selbst die Schöpfung von der
Knechtschaft der Vergänglichkeit freigemacht werden wird zur Freiheit der
Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, daß die ganze Schöpfung
zusammen seufzt und zusammen in Geburtswehen liegt bis jetzt.“
o Sünde hat nicht nur etwas mit dem Menschen zu tun und nicht nur
auf den einzelnen Menschen, der eine Tat tut, bezogen, sondern
auch mit der Umwelt des Menschen. Und das ohne den Willen der
Natur. Die Natur ist aber unterworfen auf Hoffnung und sie seufzt
und hofft auf Erlösung.
 Der Ungehorsam von Adam und Eva hat dafür gesorgt, dass die Sünde in die ganze
Welt eingezogen ist. Die Sünde hat einen Zustand hervorgerufen, der permanent ist.
Die Natur ist von nun an in einem Zustand, der von Gott getrennt ist.
 Sünde ist also mehr als das, was ein Mensch tut. Sünde hat Auswirkungen auf den
ganzen Menschen und auf das, worin sich der Mensch bewegt.
 1Mo 5,1.3: „Dies ist das Buch der Geschlechterfolge Adams. An dem Tag,
als Gott Adam schuf, machte er ihn Gott ähnlich. ... Und Adam lebte 130
Jahre und zeugte einen Sohn ihm ähnlich, nach seinem Bild, und gab ihm
den Namen Set.“
o (i) Adam ist geschaffen nach dem Bilde Gottes.
o (ii) Set ist geschaffen nach dem Bilde Adams.
 Das, was Adam war, gibt er weiter an seinen Sohn.
 Wenn die Natur schon von der Sünde des einen Menschen in Mitleidenschaft gezogen
wurde, wie viel mehr hat sich die Sünde auf die Nachkommen Adams ausgewirkt.
 Adams Sünde zieht eine Folge nach sich – die umfassende Zerstörung der
Beziehungen des Menschen:
 (i) zwischen Mensch und Gott
 (ii) zwischen Mensch und Mensch
 (iii) zwischen Mann und Frau
 (iv) zwischen Mensch und Natur
 (v) des Menschen zu sich selbst
 Grundlegender Zustand des Menschen und seine Existenz ist dauerhaft und nachhaltig
beeinträchtigt. Sünde trennt uns alle von Gott. Sünde macht immer einsam und führt
nie in die Gemeinschaft. Es ist deshalb auch das Wesen der Sünde, zu verheimlichen.
Solange sie das tut, hat sie Macht über dich und dein Leben. Erst wenn die Sünde
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 44

offen gelegt wird, verbindet es mit Gott. Weil er sich dann dieses Problems annehmen
kann.
 Alle sind daher erlösungsbedürftig (-).
 Wenn Gott das Problem der Sünde löst, dann löst er es vollständig, ganz und jeden
Aspekt der Sünde.
o Was ist nun Sünde?
 (a) Tat
 1Jo 3,4: „Jeder, der die Sünde tut, tut auch die Gesetzlosigkeit, und die
Sünde ist die Gesetzlosigkeit.“
o Gesetzlosigkeit: avnomi,a
o Adam und Eva haben das Gebot und Gesetz Gottes übertreten und
gesündigt.
 (b) Unterlassen von einer guten Tat
 Wer weiß Gutes zu tun und tut es nicht, dem ist es Sünde.
 (c) Gedanken
 Wer Frau ansieht ihrer zu begehren, hat schon gesündigt.
 (d) Sünde und Sünden?
 (e) Was nicht aus Glauben ist
 (f) Zustand
 Gesetzlosigkeit: avnomi,a
o Gesetzlosigkeit ist ein Zustand. Sünde ist die Tat und auch der
Zustand, aus dem diesen Taten erfolgen.
o Jes 59,2: „sondern eure Vergehen sind es, die eine Scheidung
gemacht haben zwischen euch und eurem Gott, und eure Sünden
haben sein Angesicht vor euch verhüllt, daß er nicht hört.“
 Sünde ruft einen Zustand hervor, einen Zustand der
Trennung. Sünde trennt! Eine verkehrte Tat ruft einen
Zustand hervor, der permanent trennt.
 Man muss Gesetz immer als einen Ausdruck des Wesens und Charakters
Gottes sehen.
o Rö 7,12: „So ist also das Gesetz heilig und das Gebot heilig und
gerecht und gut.“
 Diese drei Attribute werden sonst nur für Gott genannt.
Das Gesetz ist Ausdruck des Wesens Gottes.
 Wer Sünde nur auf ein verkehrtes Handeln definiert, wird Erlösung auch immer Handlungsorientiert
und damit werkslastig ansehen.
 Sünde ist Rebellion gegen Gott.
o Rö 7,18: „Denn ich weiß, daß in mir, das ist in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt.“
o Hiob 14,4: „Wie könnte ein Reiner vom Unreinen kommen? Nicht ein einziger!“
o Ps 51,7: „Siehe, in Schuld bin ich geboren, und in Sünde hat mich meine Mutter empfangen.“
 Ich komme mit dem Minus vor der Klammer zur Welt. Ich komme getrennt von Gott
zur Welt. Dies sagt nichts über den Zustand der Mutter bei der Geburt zur Welt.
Dieser Text sagt etwas über den Menschen, der gezeugt wird, aus. Wir kommen nicht
neutral auf die Welt.
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 45

o Ps 51,2.4: „Der Tor spricht in seinem Herzen: «Es ist kein Gott!» Sie haben Verderben
angerichtet und abscheuliches Unrecht geübt; da ist keiner, der Gutes tut. ... Alle sind
abgewichen, sie sind alle verdorben; da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer.“
o Ps 58,4: „Abgewichen sind die Gottlosen von Mutterschoße an, es irren von Mutterleibe an die
Lügenredner.“
o 1Mo 8,21: „... Nicht noch einmal will ich den Erdboden verfluchen um des Menschen willen;
denn das Sinnen des menschlichen Herzens ist böse von seiner Jugend an; ...“
o 1Kö 8,46: „... denn es gibt keinen Menschen, der nicht sündigt ...“
o Ps 130,3: „Wenn du, Jah, die Sünden anrechnest, Herr, wer wird bestehen? Doch bei dir ist die
Vergebung, damit man dich fürchte.“
 Unsere Sünden bringen uns in einen Zustand, bei dem kein Mensch von Haus aus vor
Gott bestehen kann.
o Ps 143,2: „Gehe nicht ins Gericht mit deinem Knecht! Denn vor dir ist kein Lebendiger
gerecht.“
 Kein Gerechter ist positiv auf die Welt gekommen.
o Pred 7,20: „Denn kein Mensch auf Erden ist so gerecht, daß er nur Gutes täte und niemals
sündigte.“
o Eph 2,3: „Unter diesen hatten auch wir einst alle unseren Verkehr in den Begierden unseres
Fleisches, indem wir den Willen des Fleisches und der Gedanken taten und von Natur Kinder
des Zorns waren wie auch die anderen. Gott aber, der reich ist an Barmherzigkeit, hat um
seiner vielen Liebe willen, womit er uns geliebt hat, auch uns, die wir in den Vergehungen tot
waren, mit dem Christus lebendig gemacht - durch Gnade seid ihr errettet!“
 Diese Aussage ist an die Gläubigen gerichtet. Wir sind hier in der Bibel als Kinder
des Zorns von Natur aus beschrieben. Von Natur her steht uns Gericht und Tod zu.
Gott schenkt uns etwas, was wir gar nicht verdient haben.
o Rö 6,23: „Denn der Lohn der Sünde ist der Tod, die Gnadengabe Gottes aber ewiges Leben in
Christus Jesus, unserem Herrn.“
 Wir haben alle den Tod verdient. Das ist normal und nicht ungerecht. Das Gott nicht
so mit uns handelt, ist Gnade.
 Wir kommen also nicht neutral auf die Welt!
 Warum müssen kleine Babys sterben? Wenn Sünde nur eine Tat ist und der Lohn der
Sünde der Tod ist, warum müssen dann kleine Babys sterben, die gerade einmal ein
paar Minuten gelebt haben?
 Wir kommen nicht neutral und keinesfalls gut auf die Welt.
 Lehrt die Bibel dann die Lehre der Erbsünde?
o Erbsünde = Damit ist in der christlichen Theologie die sündhafte Grundverfassung des
Menschen gemeint, die von der biblischen Auffassung der Ursünde gemeint, die Adam und
Eva begangen haben.
o Der Ausdruck kommt in der Bibel nicht vor. Allerdings ist der Grundgedanke desselben in der
Bibel vorhanden. Wir haben eine negative Vorprägung. Alles (Natur, Wesen, usw.) ist unter
Sünde gefallen. Menschen werden mit einem innewohnenden Hang/Tendenz zur Sünde
geboren! Wenn man einen Menschen sich selbst verlässt, dann neigt er immer mehr zum
Bösen.
o Das wir mit einem negativen Vorzeichen zur Welt kommen ist biblisch. Allerdings wurde
diese Auffassung während der Kirchengeschichte weiterentwickelt und verfälscht.
 Streit zwischen Pelagius und Augustinus (rund 420 n.Chr.)
 Pelagius: Mensch kann sich entscheiden, ob er sündigen will oder nicht
 Augustinus: macht Verlorensein des Menschen deutlich; das man nicht
einfach neutral ist; der Makel der Sünde wird von Generation zu Generation
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 46

durch Makel der Zeugung weitergegeben; daher auch verdrehtes Verhältnis


zur Sexualität; alle Menschen sind aber auch von der Schuld Adams
betroffen (nicht nur der Zustand)
o Dadurch schoss er aber über das Ziel hinaus und entwickelt eine
falsche Lehre von der Bibel.
o Diese Lehre drang in Römisch-Katholische Kirche und
Protestantische Kirchen ein.
o Man versteht Erbsünde als Erbschuld. Durch die Zeugung wird die
Schuld Adams weitergegeben. Wenn dies so ist, dann ist man auch
für die Schuld verantwortlich und muss sie auch tragen.
o Schuld der Erbsünde könnte durch Taufe getilgt werden. Deshalb
muss ich auch als Baby getauft werden, um von der Schuld befreit
zu werden, die durch den Zeugungsakt auf das Kind übertragen
wurden.
o Literatur:
 Katholischer Katechismus der Bistümer Deutschlands,
1957, S. 37: Adam sündigte als Haupt der ganzen
Menschheit; dadurch wird Erbschuld/Erbsünde auf alle
Menschen übertragen; auch die Folgen zur Sünde wurden
übertragen, daher ist ein Hang zur Sünde da; durch weise
Vorsehung wurde Maria nicht so geboren.
 Franz Pieper (Protestantischer Theologe): Erbsünde ist auf
jeden Menschen seit Adams Fall übertragen worden;
Erbsünde umfasst Erbschuld und Erbverderben.
 Biblisch gesehen ist das nicht richtig:
 Hes 18,19: „Ihr aber sagt: «Warum trägt der Sohn nicht an der Schuld des
Vaters mit?» Dabei hat der Sohn doch Recht und Gerechtigkeit geübt, hat
alle meine Ordnungen bewahrt und sie getan: Leben soll er! Die Seele, die
sündigt, sie soll sterben. Ein Sohn soll nicht an der Schuld des Vaters mit-
tragen, und ein Vater soll nicht an der Schuld des Sohnes mittragen. Die
Gerechtigkeit des Gerechten soll auf ihm sein, und die Gottlosigkeit des
Gottlosen soll auf ihm sein.“
o Jeder Mensch ist für das, was er tut, selbst verantwortlich und erbt
nicht die Schuld eines anderen.
 2Kö 14,6: „Aber die Söhne der Totschläger tötete er nicht, wie es im Buch
des Gesetzes des Mose geschrieben steht, wo der HERR geboten hat: Nicht
sollen Väter um der Söhne willen getötet werden, und Söhne sollen nicht um
der Väter willen getötet werden, sondern jeder soll für seine eigene Sünde
getötet werden.“
o Wir haben nicht eine Schuld von Adam geerbt, sondern ein
Erbverderben.
o Was Adventisten glauben, 137-138: „Die Geschichte zeigt, daß Adams Nachkommen
Teilhaber seiner sündigen Natur waren. ... Obwohl der Mensch im Laufe seiner Kindheit
manche sündige Verhaltensweise erst durch Nachahmung von anderen Menschen übernimmt,
bestätigen die oben angeführten Texte, daß Sündhaftigkeit ererbt ist. Die allgemeine
Sündhaftigkeit der Menschheit ist ein Beweis dafür, daß wir von Natur aus nicht zum Guten,
sondern zur Sünde neigen.“
 Frage zum 2. Gebot (Weitergabe bis in 3.-4. Glied):
o 2Mo 20,5.6: „Du sollst dich vor ihnen nicht niederwerfen und ihnen nicht dienen. Denn ich,
der HERR, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott, der die Schuld der Väter heimsucht an den
Kindern, an der dritten und vierten Generation von denen, die mich hassen, der aber Gnade
erweist an Tausenden von Generationen von denen, die mich lieben und meine Gebote halten.“
STDO 261 – Dogmatik 1 Denis Kaiser 47

 (a) Wenn der erste Teil vererbt wird, dann sollte der zweite Teil doch auch vererbt
werden. Da ist es aber klar, dass dies nicht so ist.
 (b) Was Gott an Bosheit heimsucht, steht in keinem Verhältnis zu dem, was Gott an
Gnade weitergibt.
 (c) Es geht hier auch um die Folgen der Sünde. Sünden können vergeben werden,
aber die Folgen bleiben oft trotzdem vorhanden und werden oft sogar weitergegeben
an nachfolgenden Generationen (Drogen, Alkohol, Ehebruch, usw.).
 Sünde umfasst in der Bibel mehrere Aspekte:
o (1) Schuld
 Diese ergibt sich aus meiner sündigen Tat.
 Antwort Gottes: Rechtfertigung
o (2) Macht der Sünde
 Die Wirklichkeit und Macht der Sünde in meinem Leben.
 Antwort Gottes: Heiligung
o (3) Existenz/Zustand
 in meinem Körper, der von Sünde in Mitleidenschaft gezogen ist
 in der Welt, die von Sünde in Mitleidenschaft gezogen ist
 Antwort Gottes: Verherrlichung

 Prüfung:
o NewStart und BTh haben unterschiedliche Fragen
 Inspiration und Offenbarung
 Autorität der Bibel, Bibeltexte
 Gott
 Sünde
o Einige Fragen, wo kurze Begriffe, Worte, Bibeltexte, Personen gefragt werden
o Essay-Fragen, welche Konsequenzen ergeben sich daraus, usw.
o Eigene Bibel darf benutzt werden (keine Zettel, Notizen, die über das Anstreichen
hinausgehen).
o Keine Bibeltexte auswendig fragen
o Aber man sollte einige wichtige Texte wissen zur Inspiration usw.