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Seminar Schloss Bogenhofen

DOGMATIK 2
STDO 262

Dozent: Frank Hasel

2004/2005 - 3. Trimester
STDO 262 – Dogmatik 2 Denis Kaiser 2

6. Fortsetzung zum letzten Trimester


6.1. Das Wesen Gottes
6.2. Trinität
6.3. Soteriologie
6.3.1. Sünde
 Lesebericht: mind. 400 Seiten (BTh)
o 210 Seiten:
 Was Adventisten glauben
 Hans K. LaRondelle, „The Remnant“ in: SDA Theology Handbook
o 190 Seiten:
 freie Wahl (Vorschläge in Bibliografie)
 z.B. Clifford Goldstein, The Remnant (bestes Buch zu der Thematik)
 Abraham Heschel, Der Sabbat (Jude; hochgehende, tiefgehende und bereichernde
Ausführungen zur Bedeutung und Inhalt des Sabbats)
 Kenneth Strand, The Sabbath in Scripture and History (Sabbat im AT, in
intertestamentalen Zeit, im NT, in Kirchengeschichte, Problemtexte, frühkirchliche
Dokumente; das wissenschaftlich beste Werk von uns STA zum Sabbat)
 John N. Andrews, Die Geschichte des Sabbats (wenn man es bekommen kann, dann
sollte man es sich besorgen; unser damals beste Mann; konnte fließend Griechisch,
Hebräisch, Englisch, Deutsch, Französisch und andere Sprachen)
 Samuele Bacciocchi, Deine Zeit ist meine Zeit (Divine Rest for Human Restlessness)

Sünde umfasst in der Bibel mehrere Gottes Antworten auf unsere


Aspekte: Probleme:
(a) Schuld (a) Rechtfertigung Richterlicher Akt – Forensisch
(ergibt sich aus meiner sündigen Tat)  geschieht am Menschen
(b) Macht der Sünde (b) Heiligung  geschieht im Menschen
(Wirklichkeit und Macht der Sünde in
meinem Leben)
(c) Existenz / Zustand der Sünde (c) Verherrlichung
(in meinem Körper, der von Sünde in  neuer Körper
Mitleidenschaft gezogen ist;
 neue Erde
in der Welt, die von Sünde in
Mitleidenschaft gezogen ist)

6.3.2. Rechtfertigung
 Sie ist die Grundlage dafür Heilsgewissheit zu haben. Es ist möglich zu wissen, ob man gerettet ist oder
nicht. Man kann nicht über das Heil eines anderen Menschen urteilen. Das ist allein Gottes Aufgabe.
Aber für sich selbst kann man wissen und Gewissheit darüber haben, ob man erlöst ist.
o 1Jo 5,11-13: „Und dies ist das Zeugnis: daß Gott uns ewiges Leben gegeben hat, und dieses
Leben ist in seinem Sohn. Wer den Sohn hat, hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat,
hat das Leben nicht. Dies habe ich euch geschrieben, damit ihr wißt, daß ihr ewiges Leben
habt, die ihr an den Namen des Sohnes Gottes glaubt.“
 Der Name einer Person steht immer für den Charakter einer Person. Er ist der Erlöser,
der Messias, der Prophezeite.
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 Wer Jesus Christus annimmt, sein Leben ihm übergeben hat und ihm seine Sünden
bekannt hat, dem wird von Jesus vergeben, der wird von Jesus gerechtfertigt. Jesus
wird ihn nicht hinausstoßen. Man kann das wissen und die Überzeugung haben.
o Phil 1,6: „Ich bin ebenso in guter Zuversicht, daß der, der ein gutes Werk in euch angefangen
hat, es vollenden wird bis auf den Tag Christi Jesu.“
 Diese Gewissheit der Erlösung kommt nicht durch das, was ich getan habe, sondern
dadurch, was Jesus für mich getan hat. Das ist die Basis für unsere Erlösung.
o Eph 1,7-8: „In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Vergehungen,
nach dem Reichtum seiner Gnade, die er uns reichlich gegeben hat in aller Weisheit und
Einsicht.“
 Vergebung und Erlösung gehören zusammen und sind ein Geschenk.
 Fußnote: Manche Leuten meinen, dass Jesus nicht hätte sterben müssen. Das ist
dreist. Wenn Paulus sagt, dass Erlösung nur durch sein Blut geschehen konnte, wird
klar, dass es Leben gekostet hat und auch kosten muss.
o Kol 1,14: „In ihm haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden.“
 Die Erlösung (der Loskauf) durch die Vergebung der Sünden.
o Rö 4,24-5,1: „Sondern auch unsertwegen, denen es zugerechnet werden soll, die wir an den
glauben, der Jesus, unseren Herrn, aus den Toten auferweckt hat, er unserer Übertretungen
wegen dahingegeben und unserer Rechtfertigung wegen auferweckt worden ist. Da wir nun
gerechtfertigt worden sind aus Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn
Jesus Christus.“
 Jesus ist um unserer Sünden willen gestorben und wenn wir das glauben, dann wird
uns vergeben und wir erfahren Erlösung und haben Frieden mit Gott.
 Gerecht machen (dikaio,w); der Gedanke, dass ein Urteil gefällt wird und wir
gerecht gesprochen werden (forensisch); es ist eine forensische Handlung; die Person
wird durch das Urteil in einen anderen Zustand versetzt; von Natur aus sind wir
Feinde Gottes und gegen Gott und getrennt von ihm; durch die Gnade erkennen wir,
dass wir Sünder sind und bekennen unsere Sünden; dann spricht Jesus uns gerecht
und wir sind ein Kind Gottes; dieser Akt ist ein Urteil, das am Menschen geschieht
o Rö 4,5-8: „Dem dagegen, der nicht Werke tut, sondern an den glaubt, der den Gottlosen
rechtfertigt, wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet, wie auch David die Seligpreisung
des Menschen ausspricht, dem Gott Gerechtigkeit ohne Werke zurechnet: «Glückselig die,
deren Gesetzlosigkeiten vergeben und deren Sünden bedeckt sind! Glückselig der Mann, dem
der Herr Sünde nicht zurechnet!»“
o Rö 3,23-24: „denn alle haben gesündigt und erlangen nicht die Herrlichkeit Gottes und werden
umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist.“
 Jesus hat den Preis der Sünde gezahlt und uns durch sein Opfer von den Sünden
erlöst. Er hat uns von allen Anklagen und aller Schuld frei gesprochen. Was uns hier
geschenkt wird, ist ein unverdientes Geschenk.
 Die Vorraussetzung für die Rechtfertigung ist unsere Anerkennung, dass wir als Menschen
hoffnungslos verloren sind, dass kein menschliches Werk/Leistung uns bei Gott beliebt machen kann
und wir auf die Güte und Gnade angewiesen sind. Die einzige Möglichkeit für uns liegt darin, dass wir
dieses Geschenk im Glauben annehmen. Es ist aber nicht unser Glaube, der uns rettet. Jesus Christus ist
die Grundlage für unsere Erlösung. Wir anerkennen das im Glauben.
o Gal 2,16.21: „... aber da wir wissen, daß der Mensch nicht aus Gesetzeswerken gerechtfertigt
wird, sondern nur durch den Glauben an Christus Jesus, haben wir auch an Christus Jesus
geglaubt, damit wir aus Glauben an Christus gerechtfertigt werden und nicht aus
Gesetzeswerken, weil aus Gesetzeswerken kein Fleisch gerechtfertigt wird. ... Ich mache die
Gnade Gottes nicht ungültig; denn wenn Gerechtigkeit durch Gesetz kommt, dann ist Christus
umsonst gestorben.“
 Wenn es eine andere Möglichkeit gäbe, so gerecht dazustehen, dass es annehmbar
wäre, dann wäre Jesus umsonst gestorben.
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 Erlösung:
o (1) Die Quelle der Rechtfertigung ist Gottes freie Gnade (Rö 3,24).
o (2) Das Mittel der Rechtfertigung ist das Blut Jesu Christi (Rö 5,9).
o (3) Das empfangende Organ der Rechtfertigung ist der Glaube.
o (4) Die Frucht von Gottes Rechtfertigung sind gute Werke (Mt 5,16).
 Die Rechtfertigung ist die Grundlage der Heiligung. Ohne die Rechtfertigung gibt es auch keine
Heiligung.
o Pacific Union Recorder, September 4, 1913: „"We need far greater love, far greater faith, and
much less of self. O, that my brethren could see the fulness that there is in Jesus, and the love
wherewith He hath loved us! In Christ we are as if we had suffered the penalty we have
incurred. In Christ I am as if I had obeyed, and rendered perfect obedience to the law, which
we can not perfectly obey without Christ imparts to us His merits and His righteousness. O, the
plan of salvation is a wonderful matter, and we have enough to think of, and talk of, and to be
thankful for every day of our lives.“
 Luther nannte es den wundersamen Tausch, wo Christus meine Stelle einnahm und ich seine.

6.3.3. Heiligung
 Wie leben wir in diesem neuen Verhältnis.
 Heiligung geschieht immer in der Folge, dass Gott uns zuerst erlöst und uns dann in die Nachfolge des
Gehorsams stellt.
 Gibt es im AT eine andere Erlösung als im NT?
o Wo hat Gott die 10 Gebote gegeben?
 am Sinai
o Das Volk Israel, das von Gott am Berg Sinai die Gebote bekommen hat, befand sich vorher in:
 Ägypten:
 in Sklaverei
 in Knechtschaft
 in Gefangenschaft
 in Sünde (sie sind unfreie Menschen in der Sklaverei der Sünde und müssen
einer fremden Macht dienen)
o Wie kommt Israel von Ägypten nach Sinai?
 Gott führt sie heraus, durch das Schilfmeer.
o Wie tut er das?
 Zuerst kommen in Ägypten die Plagen, die nicht angenehm waren.
 Im Land Gozen ist alles anders als in Ägypten.
 Gott hat sein Volk in jeder Plage bewahrt. Als Volk Gottes brauchen wir keine Angst
davor haben (vor der letzten Zeit).
 Bei der letzten Plage muss alle Erstgeburt sterben, außer bei denen, wo Blut an den
Türpfosten sind. Gott hat sie gerettet, nicht sie selbst. Sie mussten glauben, dass das
Wort Gottes stimmt. Der Weg der Erlösung war durch Blut.
o Als sie hinausgehen aus Ägypten, geht Gott durch die Wolken/Feuersäule vor ihnen her.
o Vor ihnen Meer, neben ihnen Berge und die Feinde hinter ihnen. Die Ägypter hatten die
modernste Waffentechnologie der damaligen Zeit und waren Supermacht Nr. 1. Die Hebräer
waren nichts im Gegensatz dazu.
STDO 262 – Dogmatik 2 Denis Kaiser 5

 Gott stellt sich zwischen die Israeliten und die Ägypter, so dass das Volk bewahrt
wird.
 Die Feinde, die sie verfolgt haben, werden durch den Akt der Befreiung vernichtet.
o Wie viel hat Israel zum Akt seiner Erlösung beigetragen?
 Überhaupt nicht.
 Gott hat sie herausgeführt und durch das Schilfmeer geführt und ins gelobte Land
geführt.
 Man kann auch sagen, dass Gott sein Volk aus der Knechtschaft der Sklaverei erlöst
und befreit.
o Die 10 Gebote sind die 10 Bundesworte. Es ist die Grundlage des Bundes.
 Reihenfolge:
o (1) Sünde
o (2) Erlösung
o (3) Gehorsam

 Das ist mitten im AT. Das AT hat die gleiche Heilsvorstellung im NT. Alles hat Gott getan.
o Man kann nicht gehorsam sein, ohne die Befreiung/Erlösung erfahren zu haben. Wer von Gott
und Jesus nicht erlöst worden ist, kann nicht im Sinne Gottes gehorsam sein. Es ist sonst alles
Werksgerechtigkeit. Wer erlöst wurde, möchte und will aus Liebe und Dankbarkeit gehorsam
sein.
o Wer Erlösung nicht verstanden hat, für den ist Erlösung immer Kampf und Krampf. Er wird
nie Frieden mit Gott haben.
 Die Gebote:
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o (a) sind nicht der Weg zur Erlösung,


o (b) sondern die Erlösung kommt vor den Geboten
o (c) und die Gebote sind der Weg der Erlösten.
 Derer, die von Gott erlöst worden sind. Die, welche frei geworden sind. Die Gebote
sind nie dazu da gewesen, damit wir unfrei sind. Das redet uns der Teufel ein. Als
Sklave der Sünde kann ich die Gebote aber nie richtig ein. Es fehlt die richtige
Grundeinstellung und die richtige geistliche/geistige Einstellung. Die Gebote sind die
Schuhe der Liebe. In den Geboten drückt sich unsere Liebe aus. So wird unsere Liebe
sichtbar. Die Liebe ist des Gesetzes Erfüllung (Paulus) und nicht die Aufhebung des
Gesetzes. Ansonsten wird jedes Halten der Gebote zur Werksgerechtigkeit. Dann
wird es ein Buchstabenhalten der Gebote.
 Das ist das Verhältnis der Rechtfertigung und der Heiligung.
o Gott hat uns erlöst und uns zu seinen Kindern gemacht. Jetzt kommt die Heiligung. Er will die
Macht der Sünde in uns brechen. Er will uns sich ähnlich machen. Die Grundlage der
Heiligung ist aber die Rechtfertigung.
 Bild für Taufe:
o 1Ko 10,2: „Und alle in der Wolke und im Meer auf Mose getauft wurden.“
o 2Ko 3,3: „von euch ist offenbar geworden, daß ihr ein Brief Christi seid, ausgefertigt von uns
im Dienst, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf
steinerne Tafeln, sondern auf Tafeln, die fleischerne Herzen sind.“
 Gleiche Inhalt, aber nicht mehr auf Steintafeln, sondern im Herzen.
 Tod Jesu notwendig:
o Eph 1,7-8
o Lk 24,44: „Er sprach aber zu ihnen: Dies sind meine Worte, die ich zu euch redete, als ich
noch bei euch war, daß alles erfüllt werden muß, was über mich geschrieben steht in dem
Gesetz Moses und in den Propheten und Psalmen. Dann öffnete er ihnen das Verständnis,
damit sie die Schriften verständen, und sprach zu ihnen: So steht geschrieben, und so mußte
der Christus leiden und am dritten Tag auferstehen aus den Toten und in seinem Namen Buße
zur Vergebung der Sünden gepredigt werden allen Nationen, anfangend von Jerusalem.“
o Apg 17,2-3: „Nach seiner Gewohnheit aber ging Paulus zu ihnen hinein und unterredete sich
an drei Sabbaten mit ihnen aus den Schriften, indem er eröffnete und darlegte, daß der Christus
leiden und aus den Toten auferstehen mußte und daß dieser der Christus ist: der Jesus, den ich
euch verkündige.“
 Wunderlicher Tausch:
o Der Sünde Sold ist der Tod (Rö 6,23).
o Was ist Tod in der Bibel?
 (1) physische Tod
 (2) geistliche Tod
 (3) zweite Tod
 Mt 8,22: „Jesus aber spricht zu ihm: Folge mir nach, und laß die Toten ihre
Toten begraben!“ (die geistlich Toten sollen die physisch Toten begraben)
 Wir Menschen kommen nicht neutral auf die Welt. Wir kommen schon
erlösungsbedürftig auf die Welt. Warum sterben kleine Babys? Als Folge unserer
Sündhaftigkeit muss jeder Mensch sterben. Ab einem gewissen Alter übertreten wir
bewusst das Gesetz Gottes. Wir werden für unser Handeln verantwortlich. Die Folge
dessen ist ewiger Tod. Daher benötigen wir Gottes Erlösung. Wenn man einmal
geboren wird, muss man zweimal sterben (1. Tod und 2. Tod). Wenn man zweimal
geboren ist, muss man einmal sterben (1. Tod) und dann lebe ich ewig. Das
zukünftige Gericht bringt den 2. Tod.
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6.3.4. Verherrlichung
 Deshalb gibt uns Gott einen neuen Leib, weil unser ganzer Körper von der Sünde in Mitleidenschaft
gezogen worden ist. Menschliche Existenz ist immer eine körperliche Existenz. Auch Jesus hatte einen
neuen Körper bekommen, der neue Qualitäten hatte, die er vorher nicht hatte. Sie haben ihn trotzdem
wahrnehmen und fühlen können. Genauso bekommen auch wir dann einen neuen Leib.
 Deshalb wird Gott auch die Welt neu machen. Verbindung zwischen 1Mo 1-3 und Offb 20-22. Das,
was am Anfang war, wird am Ende wieder hergestellt. Wie eine große Klammer und alles dazwischen
ist der rote Faden.
 Wie ist das mit den kleinen Babys? Werden sie gerettet sein? -> 3SM
o Sie mussten trotzdem sterben, weil es eine Folge des Zustandes und des Existenz der Sünde ist.
Auf jeden Fall wird Gott es gut und fair regeln.
 Warum musste Gott sterben und nicht nur ein Engel?
o Sünde betrifft nicht nur mich persönlich.
o Sünde ist ein direkter Angriff gegen Gott und betrifft immer Gott selbst.
 Denn er ist der Schöpfer, Erhalter und Erlöser von allem.
 Sünde betrifft also immer Gott.
 Erlösung beinhaltet:
 zum einen die Rechtfertigung des Sündern und
 zum anderen die Rechtfertigung Gottes.
o Gottes Charakter und Regierung war in Frage gestellt worden. Hätte Gott Luzifer einfach
einen Kopf kürzer gemacht oder jemand anderen das Problem lösen lassen, dann wäre die
Anklage gegen ihn nicht beseitigt worden, sondern noch bekräftigt worden.
 Erlösung betrifft sowohl den Menschen als auch Gott.

7. Das Gesetz Gottes


 Klaus Bockmühl, Das größte Gebot: „Wer heute über Gebote spricht, fasst ein heißes Eisen an. Wer
etwas Gutes über das Gesetz sagen will, braucht auf Widerspruch nicht zu warten. Wir leben in einer
Zeit, in der nicht nur die praktische sondern auch die theoretische Gesetzlosigkeit lebt.“
 In der Bibel kommt das Gesetz sehr häufig vor und das, was sie sagt, ist sehr positiv.
o Mt 24,12: „Und weil die Gesetzlosigkeit überhandnimmt, wird die Liebe der meisten
erkalten.“
 avnomi,a = Gesetzlosigkeit
 Wenn das Gesetz nicht mehr beachtet wird, dann erkaltet die Liebe. Heute herrscht
aber oft das Denken vor, dass das Halten der Gesetze kalt und lieblos wäre.
o Jo 14,15.21: „Wenn ihr mich liebt, so werdet ihr meine Gebote halten ... Wer meine Gebote
hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt
werden; und ich werde ihn lieben und mich selbst ihm offenbaren. ... John 14:23 Jesus
antwortete und sprach zu ihm: Wenn jemand mich liebt, so wird er mein Wort halten, und
mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen.“
 Liebe und Gebotehalten gehört hier inhaltlich zusammen.
 Im 1Jo wird sehr stark über die Liebe geredet und auch sehr stark über die
Verbindung zu den Geboten.
o 1Jo 2,3-5: „Und hieran erkennen wir, daß wir ihn erkannt haben: wenn wir seine Gebote
halten. Wer sagt: Ich habe ihn erkannt, und hält seine Gebote nicht, ist ein Lügner, und in dem
ist nicht die Wahrheit. Wer aber sein Wort hält, in dem ist wahrhaftig die Liebe Gottes
vollendet.“
STDO 262 – Dogmatik 2 Denis Kaiser 9

o 1Jo 3,22-24: „Und was immer wir bitten, empfangen wir von ihm, weil wir seine Gebote
halten und das vor ihm Wohlgefällige tun. Und dies ist sein Gebot, daß wir an den Namen
seines Sohnes Jesus Christus glauben und einander lieben, wie er es uns als Gebot gegeben hat.
Und wer seine Gebote hält, bleibt in ihm, und er in ihm; und hieran erkennen wir, daß er in uns
bleibt: durch den Geist, den er uns gegeben hat.“
o 1Jo 5,2-3: „Hieran erkennt ihr den Geist Gottes: Jeder Geist, der Jesus Christus, im Fleisch
gekommen, bekennt, ist aus Gott; und jeder Geist, der nicht Jesus bekennt, ist nicht aus Gott;
und dies ist der Geist des Antichrists, von dem ihr gehört habt, daß er komme, und jetzt ist er
schon in der Welt.“
 Die Gebote sind die Schuhe, in denen sich die Liebe ausdrückt. Es gibt zwar ein Gesetz ohne Liebe,
aber es gibt keine Liebe ohne das Halten der Gebote.
 Nicht alle sehen das so:
o Friedrich Nietzsche, Kritik der Moral: „Es gibt weder moralische noch unmoralische
Handlungen. Einzig allein der Willen des Menschen zur Macht ist von Beachtung.“
o Friedrich Nietzsche, Antichrist: „Der Wille des Menschen ist einziger Maßstab für Gut und
Böse. Es wird eine Umwerfung aller Werte notwendig.“
 Das Starke ist das Moralische und das Schwache ist das Unmoralische. Wer Macht
hat, hat recht.
o Jean Paul Sartre: „Es gibt nichts absolut Überzeitliches. Es gibt nichts, das Gut und Böse ist.
Das Gute oder Böse ergibt sich nur aus meiner gegenwärtigen Situation heraus.“
 Folge: Situationsethik (Fletcher); die Situation entscheidet, ob mein Handeln richtig
oder falsch ist.
 Beispiele: So kann es richtig sein zu lügen. Es kann danach einen moralisch
ethischen Ehebruch geben.
 Es gibt keinen übergeordneten Maßstab, der einem sagt, was richtig oder falsch ist.
 Es wird also nicht nur ein Glaubenspunkt berührt. Dogmatik richtig verstanden und praktiziert, hat
immer praktische Konsequenzen.
 Nicht alles in der Bibel ist immer leicht zu verstehen.
 Manche Bibeltexte werden für den Antinomismus benutzt.
o Rö 3,31: „Heben wir denn das Gesetz auf durch den Glauben? Das sei ferne! Sondern wir
bestätigen das Gesetz.“
 Er meint in Vers 28 also nicht Gesetzlosigkeit. Es geht darum, dass der Glaube das
Gesetz richtig versteht. Wir sollen das Gesetz nicht versuchen aus eigener Kraft zu
halten. Das geht nicht.
o Rö 7,7: „Was sollen wir nun sagen? Ist das Gesetz Sünde? Das sei ferne! Aber die Sünde hätte
ich nicht erkannt als nur durch Gesetz. Denn auch von der Begierde hätte ich nichts gewußt,
wenn nicht das Gesetz gesagt hätte: «Du sollst nicht begehren!»“
o Rö 7,12: „So ist also das Gesetz heilig und das Gebot heilig und gerecht und gut.“
 Diese Attribute (heilig, gerecht, gut) treffen sonst nur auf Gott zu. Das Gesetz trägt
den Charakter Gottes. Es ist zum Leben gegeben. Nicht dass wir durch das Gesetz
gerettet werden. Sondern dass wir nach der Bekehrung so leben.
o 5Mo 33,2-3: „Er sprach: Der HERR kam vom Sinai und leuchtete ihnen auf von Seir. Er
strahlte hervor vom Berg Paran und kam von heiligen Myriaden. Zu seiner Rechten war
feuriges Gesetz für sie. Ja, er liebt sein Volk! All seine Heiligen sind in deiner Hand; und sie
folgen deinen Füßen, jeder empfängt von deinen Worten.“
 Gott hat aus Liebe die zehn Gebote gegeben. Das ist das Motiv.
 Der Kontext, in dem Gott die Gebote gegeben hat, ist der Bund.
 5Mo 4,13: „Und er verkündigte euch seinen Bund, den zu halten er euch
gebot: die zehn Worte. Und er schrieb sie auf zwei steinerne Tafeln.“
STDO 262 – Dogmatik 2 Denis Kaiser 10

o Die zehn Gebote sind die zehn Bundesworte. Gesetz und Bund
werden im ganzen Abschnitt miteinander verbunden.
 2Mo 34,28: „Und Mose blieb vierzig Tage und vierzig Nächte dort beim
HERRN. Brot aß er nicht, und Wasser trank er nicht. Und er schrieb auf die
Tafeln die Worte des Bundes, die zehn Worte.“
 2Mo 24,8: „Darauf nahm Mose das Blut, besprengte damit das Volk und
sagte: Siehe, das Blut des Bundes, den der HERR auf all diese Worte mit
euch geschlossen hat!“
o Hier geht es um den Bundesschluss am Sinai
o Der Bund zwischen Gott und den Menschen wird auf der Grundlage
des Gesetzes geschlossen.
o Wenn es um Bundesworte geht, dann sieht man auch, dass am
Anfang der Gebote ein Prolog kommt.
 2Mo 20,1-2: „Und Gott redete alle diese Worte und sprach: Ich bin der
HERR, dein Gott, der ich dich aus dem Land Ägypten, aus dem Sklavenhaus
herausgeführt habe.“
o Gott befreit und dann gibt er die Gebote.
 5Mo 5,6: „Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus dem Land Ägypten,
aus dem Sklavenhaus herausgeführt habe.“
o Da kann man die Gebote nicht mehr gesetzlich verstehen, sondern
man versteht den Kontext, in dem diese Gebote gegeben wurden.
o Erlösung geht dem Gesetz voraus. Befreiung kommt vor dem
Gehorsam.
 Gott befreite sie auf übernatürliche Weise aus der Knechtschaft, ohne dass sie etwas
dazu tun konnten. Dann erst kommen die Bundesworte. Schon im AT kommen Liebe
und Gnade vor den Geboten. Das AT ist daher geprägt von der Bundestreue und
Bundesliebe.
o 5Mo 7,7: „Nicht weil ihr mehr wäret als alle Völker, hat der HERR sich euch zugeneigt und
euch erwählt - ihr seid ja das geringste unter allen Völkern -, sondern wegen der Liebe des
HERRN zu euch, und weil er den Eid hielt, den er euren Vätern geschworen, hat der HERR
euch mit starker Hand herausgeführt und dich erlöst aus dem Sklavenhaus, aus der Hand des
Pharao, des Königs von Ägypten.“
 Israel war keine Hochkultur der damaligen Zeit. Diese Hochkulturen gibt es nicht
mehr. Israel gibt es immer noch, aufgrund der Identität, die Gott ihnen gegeben hat.
o 5Mo 10,20-22: „Den HERRN, deinen Gott, sollst du fürchten, ihm sollst du dienen und ihm
anhängen, und bei seinem Namen sollst du schwören. Er ist dein Ruhm, und er ist dein Gott,
der jene großen und furchtgebietenden Taten an dir erwiesen hat, die deine Augen gesehen
haben. Mit siebzig Seelen zogen deine Väter nach Ägypten hinab; doch jetzt hat der HERR,
dein Gott, dich an Menge gemacht wie die Sterne des Himmels.“
 Sie sollen dem Herrn anhangen. Das ist ein typisches Bundeswort (anhangen; auch
bei Ehe).
o 5Mo 11,1: „So sollst du nun den HERRN, deinen Gott, lieben und sollst alle Tage seine
Vorschriften halten und seine Ordnungen, seine Rechtsbestimmungen und seine Gebote. ... So
haltet das ganze Gebot, das ich dir heute befehle, damit ihr stark seid und hineinkommt und
das Land in Besitz nehmt, in das ihr hinüberzieht, um es in Besitz zu nehmen, und damit ihr
eure Tage verlängert in dem Land, von dem der HERR euren Vätern geschworen hat, es ihnen
und ihren Nachkommen zu geben, ein Land, das von Milch und Honig überfließt.“
 Die Aufforderung zum Gehorsam ist nie dazu da, dadurch gerettet zu werden. Es ist
immer im Rahmen des Bundes und der vorher geschehenen Erlösung.
o Pred 12,13: „Das Endergebnis des Ganzen laßt uns hören: Fürchte Gott und halte seine
Gebote! Denn das soll jeder Mensch tun.“
STDO 262 – Dogmatik 2 Denis Kaiser 11

 Gott möchte alle Menschen gewinnen, ihm gehorsam zu sein, weil er ihr Erlöser ist.
 Es sind nicht die Gebote, sondern seine Gebote. Sie sind mit seinem Tun verknüpft.
 Die zehn Gebote regeln die Beziehung vom Menschen zu Gott und vom Menschen zum Menschen.
o Augustinus:
 links: 3
 rechts: 7
o Calvin:
 links: 4
 rechts: 6
o Juden:
 links: 5
 rechts: 5
 (Die Eltern repräsentieren für das Kind Gott.)
 Genauso wie Gott Liebe ist, ist auch die Summe des Gesetzes Liebe.
o Lk 10,25-28: „Und siehe, ein Gesetzesgelehrter stand auf und versuchte ihn und sprach:
Lehrer, was muß ich getan haben, um ewiges Leben zu erben? Er aber sprach zu ihm: Was
steht in dem Gesetz geschrieben? Wie liest du? Er aber antwortete und sprach: «Du sollst den
Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit
deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Verstand und deinen Nächsten wie dich selbst.»
Er sprach aber zu ihm: Du hast recht geantwortet; tu dies, und du wirst leben.“
 Liebe Gott und liebe deinen Nächsten. An diesen beiden Geboten hängt das ganze
Gesetz und die Propheten.
 Mt 22,36-40: „Lehrer, welches ist das größte Gebot im Gesetz? Er aber
sprach zu ihm: «Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen
Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand.» Dies
ist das größte und erste Gebot. Das zweite aber ist ihm gleich: «Du sollst
deinen Nächsten lieben wie dich selbst.» An diesen zwei Geboten hängt das
ganze Gesetz und die Propheten.“
 Es gibt in der Bibel keine Gesetzespyramide. Man kann die Gebote nicht in
bestimmten Situationen gegeneinander ausspielen. An diesen beiden Geboten hängt
das ganze Gesetz und die Propheten.
 Es ist so, als wenn die Tür der 10 Gebote an diesen beiden Dingen (Liebe zu Gott und
Liebe zu dem Nächsten) hängen.
 Die Liebe ist die Erfüllung der Gebote.
 Rö 13,10: „Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe
die Erfüllung des Gesetzes.“
 Genauso wie Gott ewig ist, so ist auch sein Gesetz ewig.
o Ps 111,7-8: „Die Taten seiner Hände sind Wahrheit und Recht. Zuverlässig sind alle seine
Gebote, festgegründet auf immer und ewig, ausgeführt in Wahrheit und Geradheit.“
 Daher kann das Gesetz auch der Maßstab im Gericht sein.
 1Mo 26,5: Abraham hat die Gebote schon gehalten.
 2Mo 16: Manna und Sabbat schon vor Sinai da.
 1Mo 2,3: Sabbat ist der siebte Tag
 1Mo 4,8.11.24.25: Kai tötet Abel und es ist falsch
o Es wird deutlich, dass es nicht von Gott als gut angesehen wird.
STDO 262 – Dogmatik 2 Denis Kaiser 12

 2Mo 15: Gott gab ihnen sein Gesetz, um sie zu prüfen.


 1Mo 9,24-25: Vater und Mutter ehren ist gut
 1Mo 12: Abraham kommt nach Ägypten und ist nicht ehrlich, Ehebruch ist
nicht gut
 1Mo 14,22: keine anderen Götter
 1Mo 27,11.12; 18,15: nicht unehrlich sein
 1Mo 30,33: nicht stehlen
 du sollst nicht begehren
 Das, was in den Geboten ausgedrückt wird, ist schon lange vor Sinai bekannt.
 1Mo 26,5: „dafür, daß Abraham meiner Stimme gehorcht und meine
Vorschriften gehalten hat, meine Gebote, meine Ordnungen und meine
Gesetze.“
o Wenn Abraham schon das Gesetz und die Gebote gehalten hat,
dann muss das Gesetz offensichtlich schon vorher bekannt gewesen
sein.
 SR 145: „The law of God existed before man was created.“
 Rö 7,12: „So ist also das Gesetz heilig und das Gebot heilig und gerecht und
gut.“
o Nur Gott ist sonst heilig, gerecht und gut. Das sind Attribute, die
sonst nur auf ihn zutreffen. Das gleiche wird aber hier von seinem
Gesetz gesagt. Das Gesetz ist deshalb so wichtig, weil es untrennbar
mit Gott selbst und seinem Charakter verbunden ist. Das Gesetz ist
ein Ausdruck des Charakters Gottes.
o Gott ist Liebe und die Summe des Gesetzes ist auch Liebe.
 Lk 10,25-27: „Und siehe, ein Gesetzesgelehrter stand auf und versuchte ihn
und sprach: Lehrer, was muß ich getan haben, um ewiges Leben zu erben?
Er aber sprach zu ihm: Was steht in dem Gesetz geschrieben? Wie liest du?
Er aber antwortete und sprach: «Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus
deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen
Kraft und mit deinem ganzen Verstand und deinen Nächsten wie dich
selbst.»“
o Die Summe des Gesetzes besteht letztlich in der Liebe und deshalb
ist auch die Erfüllung des Gesetzes die Liebe. Die Liebe drückt sich
in den Geboten aus.
 Ps 111,7-8: „Die Taten seiner Hände sind Wahrheit und Recht. Zuverlässig
sind alle seine Gebote, festgegründet auf immer und ewig, ausgeführt in
Wahrheit und Geradheit.“
o Gott ändert sich auch nicht und bleibt sich selbst treu. Daher kann
sich auch das Gesetz nicht ändern, wenn es ein Ausdruck des
Charakters Gottes ist.
 Ps 89,5: „Ich werde meinen Bund nicht entweihen und nicht ändern, was
hervorgegangen ist aus meinen Lippen.“
 Weil das Gesetz Gottes Wesen und seinen Charakter widerspiegeln, sind seine
Prinzipien unabänderlich, ewig und nicht zeitbedingt. Die Gebote sind nicht
zeitbedingt, sondern zeitbezogen. Gott spricht immer in eine Zeit hinein.
o Um welches Gesetz handelt es sich hier und welche Gebote sind noch gültig und welche nicht?
 Das Wort „Gesetz“ meint in der Bibel nicht immer das gleiche:
o (1) Das ganze AT
STDO 262 – Dogmatik 2 Denis Kaiser 13

 Jo 12,34: „Die Volksmenge antwortete ihm nun: Wir haben aus dem Gesetz gehört,
daß der Christus bleibe in Ewigkeit, und wie sagst du, daß der Sohn des Menschen
erhöht werden müsse? Wer ist dieser, der Sohn des Menschen?“
 Anspielungen auf Ps 110,4 und Da 7,14. Die beiden gehören aber nicht in
die Thora. Das Gesetz ist hier die Schrift, das ganze AT.
o (2) Der Pentateuch
 Apg 24,14: „Aber dies bekenne ich dir, daß ich nach dem Weg, den sie eine Sekte
nennen, so dem Gott meiner Väter diene, indem ich allem glaube, was in dem Gesetz
und in den Propheten geschrieben steht.“
o (3) Die zeremoniellen Gesetze
 Hebr 10,1: „Denn da das Gesetz einen Schatten der zukünftigen Güter, nicht der
Dinge Ebenbild selbst hat, so kann es niemals mit denselben Schlachtopfern, die sie
alljährlich darbringen, die Hinzunahenden für immer vollkommen machen.“
 Hier sind die Opfergesetze gemeint und nicht das moralische Gebot (die
zehn Gebote).
o (4) Der Dekalog
 Rö 7,7: „Was sollen wir nun sagen? Ist das Gesetz Sünde? Das sei ferne! Aber die
Sünde hätte ich nicht erkannt als nur durch Gesetz. Denn auch von der Begierde hätte
ich nichts gewußt, wenn nicht das Gesetz gesagt hätte: «Du sollst nicht begehren!»“
 Hier wird 2Mo 20,17 zitiert und es ist klar, dass hier die zehn Gebote
gemeint sind.
 Allein das Wort „Gesetz“ macht noch nicht deutlich, was damit gemeint ist. Der Zusammenhang muss
klären, welches Gesetz man meint.
o Rö 10,4: „Denn Christus ist des Gesetzes Ende, jedem Glaubenden zur Gerechtigkeit.“
 Wie ist das gemeint?
 te,loj ga.r no,mou (te,loj und Genitiv)
o 1Tim 1,5: „Das Endziel der Weisung aber ist Liebe aus reinem
Herzen und gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben.“
 te,loj = Ziel, Erfüllung, Endziel, Hauptsumme,
 Die Absicht, das Ergebnis, das Ziel und nicht Abschaffen und nicht mehr
gültig sein.
 Nicht so sehr der Moment der Unterbrechung, sondern das Zentrum der
Aktivität, die Erfüllung, die Hauptsumme.
o Literatur: Roberto Badenas, Christ the End of the Law: Romans
10:4 in Pauline Perspective, 42-47.71-80.144-151.
 Zusammenhang des Römerbriefes: Warum sollte Paulus in diesem einen
Satz etwas anderes sagen, als das, was er sonst im ganzen Brief sagt.
o Das Gesetz ist zum Leben gegeben und es ist heilig, gerecht und
gut.
 Pred 12,13: „Das Endergebnis des Ganzen laßt uns hören: Fürchte Gott und
halte seine Gebote! Denn das soll jeder Mensch tun.“
 Die Zeremonialgesetze sind eigentlich auch nicht abgeschafft worden,
sondern von ihm erfüllt worden und daher nicht mehr notwendig.
 Gegenüberstellung von Dekalog und Zeremonialgesetz:
o Kirchengeschichte
 Renomierte Personen, die deutlich gemacht haben, dass es eine Unterscheidung gibt.
STDO 262 – Dogmatik 2 Denis Kaiser 14

 Helvetisches Bekenntnis (1564)


 3 Arten von Gesetzen (moralische Gesetz, Zeremonialgesetz, zivile Gesetze)
o Hans Heinz, Dogmatik, 131
 Melanchton
 drei Teile (Sittengebote, Zermonialgesetze, Gesetze, die mit Staat zu tun
haben); der 2. und 3. Teil waren zeitlicher Natur und für Israel bestimmt
o Biblische Hinweise für Unterscheidung
 AT (Trennung von Dekalog und Zeremonialgesetz)
 Dekalog:
o (1) von Gott selbst verkündet (2Mo 20,1)
o (2) von Gott selbst geschrieben (2Mo 31,18)
o (3) auf Stein geschrieben (5Mo 10,4)
o => 10 Gebote in die Bundeslade gelegt (5Mo 10,5)
 Zeremonialgesetz:
o (1) dem Volk von Mose gegeben (2Mo 25,1-2; vgl. Hebr 9,l9)
o (2) von Mose geschrieben (5Mo 31,9)
o (3) in ein Buch geschrieben (5Mo 31,4)
o => Zeremonialgesetze neben die Bundeslade gelegt (5Mo 31,26)
o Stein drückt Permanenz aus. Daher ändern sie sich auch nicht.
 2Kor 3,3: „von euch ist offenbar geworden, daß ihr ein Brief Christi seid, ausgefertigt
von uns im Dienst, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des
lebendigen Gottes, nicht auf steinerne Tafeln, sondern auf Tafeln, die fleischerne
Herzen sind.“
 Die steinernen Tafeln haben an ihrer Gültigkeit nichts verloren, sondern
werden jetzt nur ins Herz geschrieben.
 Offb 11,19: „Und der Tempel Gottes im Himmel wurde geöffnet, und die Lade seines
Bundes wurde in seinem Tempel gesehen; und es geschahen Blitze und Stimmen und
Donner und ein Erdbeben und ein großer Hagel.“
 Hinweis auf das Gesetz des Bundes, welches in der Bundeslade ist.
 1Kor 7,19: „Die Beschneidung ist nichts, und das Unbeschnittensein ist nichts,
sondern das Halten der Gebote Gottes.“
 Hier sind deutlich die 10 Gebote gemeint und nicht das Zeremonialgesetz.
 Jak 2,10-12: „Denn wer das ganze Gesetz hält, aber in einem strauchelt, ist aller
Gebote schuldig geworden. Denn der da sprach: «Du sollst nicht ehebrechen», sprach
auch: «Du sollst nicht töten.» Wenn du nun nicht ehebrichst, aber tötest, so bist du ein
Gesetzes-Übertreter geworden. Redet so und handelt so wie solche, die durch das
Gesetz der Freiheit gerichtet werden sollen!“
 // Jak 1,25 (vollkommene Gesetz der Freiheit)
 Nicht weil uns das Gesetz erlöst, sondern weil wir als Befreite die
Möglichkeit und Freiheit haben, das Gesetz zu halten.
 Wie ist das mit den Speisegeboten?
o Gehören sie zum Zeremonialgesetz? Nein.
o Doch selbst viele Adventisten denken, dass es so ist.
o 3Mo 11
STDO 262 – Dogmatik 2 Denis Kaiser 15

 Viele denken dort, dass man sich verunreinigt, wenn man Schweinefleisch isst.
 Aber der Text sagt das gar nicht.
 Was unrein macht, ist das Berühren eines Tierkadavers.
 Wenn es zum Zeremonialgesetz gehören würde, wären sie damit ja auch abgetan.
o Seit wann gibt es diese Unterscheidung?
 seit Noah
 1Mo 7,2: „Von allem reinen Vieh sollst du je sieben zu dir nehmen, ein
Männchen und sein Weibchen; und von dem Vieh, das nicht rein ist, je zwei,
ein Männchen und sein Weibchen.“
 1Mo 7,8: „Von dem reinen Vieh und von dem Vieh, das nicht rein ist, und
von den Vögeln und von allem, was auf dem Erdboden kriecht, kamen je
zwei zu Noah in die Arche, ein Männliches und ein Weibliches, wie Gott
dem Noah geboten hatte.“
o Nur reine Tiere waren Opfertiere. Wenn man von den reinen Tieren
nur ein paar hat und die opfert, dann ist der Bestand gefährdet.
 Hier wird das Vorhandensein von rein und unrein schon sehr früh als
bekannt gezeigt.
o Zeremonialgesetze gibt es seit wann?
 erst seit Mose
o Warum essen wir keine unreinen Tiere?
 Weil sie ungesund sind? Nein. Das stimmt zwar grundsätzlich, aber der Grund, den
die Bibel in 3Mo 11 nennt, ist der, dass wir heilig sein sollen, weil Gott es geboten
hat.
 Der Gesundheitsaspekt macht sich zu evangelistischen Zwecken sehr gut, damit die
Leute es besser verstehen.
 Aber wenn der Gesundheitsaspekt das Argument wäre, dann gibt es unreine Tiere, die
gesünder sind, als manche reine Tiere, die mit Antibiotika und Wachstumshormonen
vollgestopft sind.
 Die Bibel benutzt das Gesundheitsargument aber nie.
 Es ist Gott ein Gräuel, wenn wir das tun.
 Literatur:
 Gerhard F. Hasel, „Clean and Unclean Meats in Leviticus 11: Still
Relevant?“ JATS 2/2 (1991) 91-125
 Jiri Moskala, The Laws of Clean & Unclean Animals in Leviticus 11,
Dissertation in Berrien Springs, 1998

Text Art der Unreinheit wie lange unrein außerhalb des Reinigung Opfer Art des Gesetzes
Lagers

3Mo 11 Speise permanent


       
   
         
3Mo 11 Berühren eines 1 Tag   Ja   zeitlich
Kadavers
  (3Mo 11,24-40;
5,2.6)          
3Mo 12 Geburt eines Kindes 40 Tage - Junge Ja zeitlich
   
    80 Tage - Mädchen   Ja
   
STDO 262 – Dogmatik 2 Denis Kaiser 16

3Mo 13-14 Aussatz bis zur Heilung Ja Ja Ja zeitlich

   
         
3Mo 15 sexuelle Funktionen 1 - Tag Ja Ja Ja zeitlich

7 - Tage
           
4Mo 19 Tod 7 - Tage Ja Ja zeitlich
 

             
3Mo 18,24-30; Orte bis zur Reinigung Ja Ja zeitlich
20,22;
4Mo 35,30-34
 

o Literatur:
 Gordon Wenham, Leviticus (NICOT)
 Biblisch gesehen gibt es eine generelle grundsätzliche Reinheit:
o von allen Menschen
o von den meisten Tieren
 Unter bestimmten Umständen kann das, was grundsätzlich rein ist, auch unrein werden:
o z.B. durch Aussatz
 Unreinheiten:
o (1) Diese erworbene Unreinheit können zum Beispiel sein:
 einen Kadaver berühren
 Aussatz haben
 Lepra haben, usw.
 Diese erworbene Unreinheit ist kultischer Natur, in dem Sinne, dass das, was vorher
rein war, nun unrein ist. Diese erworbene Unreinheit kann biblisch gesehen durch
bestimmte vorgegebene Rituale abgetan werden.
o (2) Es gibt auch nicht erworbene Unreinheiten:
 Sie können nicht durch Rituale beseitigt werden.
 Tiere, die nicht erworbene Unreinheiten besitzen, haben innewohnende Unreinheiten;
sie sind in den Tieren selbst.
 3Mo 11,2-23: Dort werden die drei großen Gruppen von unreinen Tieren genannt:
 Die unreinen Tiere sind nicht unrein, weil sie eine Unreinheit erworben
haben oder durch den Kontakt mit etwas unrein geworden sind. Sie sind von
Haus aus, in sich selbst unrein. Deshalb nennt Gott sie „unrein“.
 Eine innewohnende Unreinheit kann durch keine rituelle bzw. zeremonielle Handlung
rein gemacht werden.
 Die Unreinheit dieser Tiere hat einen anderen Ursprung als einen kultisch-
zeremoniellen.
 Die Unreinheit in diesen Tieren kann nicht auf jemand anderes transferiert oder
übertragen werden, der mit diese Tieren in Kontakt kommt. Das deutet auch wieder
an, dass diese innewohnende Unreinheit einen anderen Ursprung haben muss als
einen kultisch-zeremoniellen.
 Der Kadaver eines Tieres (egal, ob das Tier rein oder unrein war), wenn das Tier
natürlich gestorben war, machte unrein, wenn man ihn berührte. Allerdings machte
die Berührung eines lebenden Tieres (egal, ob es inhärent rein oder unrein war) noch
nicht unrein.
STDO 262 – Dogmatik 2 Denis Kaiser 17

 Diese innewohnende Unreinheit wird von Gott auch als unrein bzw. als Gräuel
bezeichnet. Sie kann nicht beseitigt, verändert oder gereinigt werden.
 Das Essen eines unreinen Tieres wird von Gott verabscheut. Allerdings gibt es keine
Vorschrift, die sagt, dass wenn man so ein Tier gegessen hat, man sich in irgendeiner
Weise reinigen muss.
 Struktur von 3Mo 11:
o 11,1 – Einleitung
 A: 11, 2-23 – Tiere auf/im Land, Wasser, Luft
 B: 11,24-40 – erworbene Unreinheit durch Ass (Land, Wasser)
 A’: 11,41-45 – Tiere, die in A nicht vorkamen
o 11,46-47 – Schlussteil
 Wenn man ein Tier geopfert wird, dann werde ich dadurch nicht unrein. Wenn ich aber ein Tier finde,
das gestorben ist, dann werde ich dadurch unrein. Wenn aber der Tod eines Tieres von Sünde reinigen
soll (Opfertier), dann macht es nicht unrein.
o Grund?
 Vielleicht hängt es mit dem Phänomen des Todes zusammen. Der natürliche Tod ist
eine Folge der Sünde und das ist es Gott zuwider. Wenn ein Tier aber getötet wird,
dann ist dieser Tod notwendig, um die Sünde zu sühnen.
 Eine andere Stelle, wo es um rein und unrein geht, ist 5Mo 14:
o Hier geht es auch um die Unterscheidung zwischen reinen und unreinen Speisen.
o Die Begründung ist so ähnlich wie die ihn 3Mo 11.
 5Mo 14,2-4: „Denn ein heiliges Volk bist du dem HERRN, deinem Gott. Und dich
hat der HERR erwählt, ihm ein Eigentumsvolk zu sein aus allen Völkern, die auf dem
Erdboden sind. Du sollst keinerlei Greuel essen. Das sind die Tiere, die ihr essen
dürft: …“
 5Mo 14,8: „Von ihrem Fleisch dürft ihr nicht essen, und ihr Aas dürft ihr nicht
berühren.“
o Interessant ist, dass die Tiere in 3Mo 11 (die Vögel) den Israeliten ein Gräuel sein sollen (Vers
20), hier nicht gegessen werden sollen, weil sie unrein sind.
o Diese beiden Begriffe (Gräuel und unrein) scheinen eine gewisse Überlappung zu haben.
o Auch hier ist wieder der Bezug zur Heiligkeit Gottes und dass es zum Heiligsein dazu gehört.

o Das hebräische Wort für heilig ist „vAdq ''“. Im Akkadischen gibt es ein Verb, dass mit dem
Wort zusammenhängt (kadaschu). Es heißt heilig und rein.
 3Mo 11,24-26: „Und ich habe zu euch gesagt: Ihr sollt ihr Land besitzen, und ich
werde es euch zum Besitz geben, ein Land, das von Milch und Honig überfließt. Ich
bin der HERR, euer Gott, der ich euch von den Völkern ausgesondert habe. Und ihr
sollt unterscheiden zwischen dem reinen Vieh und dem unreinen, zwischen den
unreinen Vögeln und den reinen, und sollt euch selbst nicht zu etwas Abscheulichem
machen durch das Vieh und durch die Vögel und durch alles, was sich auf dem
Erdboden regt, das ich euch als unrein ausgesondert habe. Und ihr sollt mir heilig
sein, denn ich bin heilig, ich, der HERR. Und ich habe euch von den Völkern
ausgesondert, um mein zu sein.“
o Wie ist das jetzt z.B. mit dem Nichtkochen des Ziegenböcklein in der Milch seiner Mutter?
(5Mo 14,21)
 Die Apostel sahen bei dem Apostelkonzil die Frage des Blutes und des Erstickten
noch weiterhin als wichtig an. Wir tun gut daran, das noch zu beachten.
 Literatur:
STDO 262 – Dogmatik 2 Denis Kaiser 18

o Ron du Preez, „Innerbiblische Richtlinien zur Unterscheidung zwischen absoluten,


allgemeinen Normen und kulturspezifischen ...“ in: Netzwerk zu finden

8. Der Sabbat
 Literatur:
o Abraham Heschel, Der Schabbat
o Kenneth Strand, The Sabbath in Scripture and History
 einer der führenden Kirchenhistoriker der STA
o Samuele Bacchiochi, Deine Zeit ist meine Zeit
 Was ist der Ursprung des Sabbats?
o bis heute keine zufriedenstellende Frage
 Bacchiochi, Deine Zeit ist meine Zeit, 22-34
 gängige Theorien, woher der Sabbat ursprünglich gekommen sein mag
 David Noel Freedman (Hgs.), Anchor Bible Dictionary (Standard-Lexikon überhaupt)
 Artikel zu Sabbat von Gerhard F. Hasel
o eine Erklärung, die am naheliegendsten ist
 Gott hat tatsächlich bei der Schöpfung dieser Erde den 7ner-Rhythmus geschaffen
und dann den Sabbat eingesetzt
 alle anderen Zeiteinheiten, die wir kennen, können wir aus der Natur ableiten (Jahr,
Monat, Tag); die Woche als 7-Tage-Rhythmus ist aber aus der Natur nicht ablesbar;
aber es gibt Untersuchungen, dass es wohl sogar in unserem Bio-Rhythmus drin ist
 1Mo 2,2-4: „2 Und Gott vollendete am siebten Tag sein Werk, das er gemacht hatte;
und er ruhte am siebten Tag von all seinem Werk, das er gemacht hatte. 3 Und Gott
segnete den siebten Tag und heiligte ihn; denn an ihm ruhte er von all seinem Werk,
das Gott geschaffen hatte, indem er es machte. 4 Dies ist die Entstehungsgeschichte
der Himmel und der Erde, als sie geschaffen wurden. ...“
 der erste Hinweis auf den Sabbat
o Wort „Schabbat“: kommt im AT über 100x vor
o Verb „sabbat“: (ruhen, aufhören, stoppen, anhalten, Sabbat halten) steht in Beziehung zu
„Schabbat“ und der Zahl „7“; im Akkadischen ist das Wort „sibbitîm“ für „7“.
 Die Schöpfung erlebt Höhepunkt und Vollendung am Sabbat. Am Sabbat hat Gott die
Ruhe geschaffen. Dadurch hat Gott seine kreative Aktivität abgeschlossen.
o Abraham Heschel, Der Schabbat, 20
 egal wo du bist, der Sabbat umgibt dich immer; Sabbat ist ein Palast in der Zeit; kein
Dom, wo man hinkommen muss; diese Zeit kommt zu mir, egal wo ich bin
 Der Unterschied des Sabbats zu den anderen Tagen ist nicht rein äußerlich (nicht in
der materiellen Struktur der Dinge). Die Dinge verändern sich nicht an dem Tag. Der
Unterschied liegt in der Zeit. Es betrifft die Beziehung des Menschen zu Gott. Der
Sabbat ist eine der größten Gaben des Lebens.
 Was fehlte der Erde nach den 6 Schöpfungstagen noch? Was hat Gott am 7. Tag noch
geschaffen?

 hx'Wnm. = Gelassenheit, Heiterkeit, Friede, Ruhe; Glück, Stille,


Frieden, Harmonie; das Wesen eines guten Lebens ist hx'Wnm.. Siehe
auch Ps 23.
STDO 262 – Dogmatik 2 Denis Kaiser 19

 Die Juden begrüßen sich, wenn sie den Sabbat begrüßen, mit: Schabbat
Schalom.
 6 Tage der Woche beten wir „Behüte unseren Ausgang und Eingang“; am Sabbat
bitten wir „Behalte uns deinen Frieden“ (?).
 Der Sabbat erinnert uns Woche für Woche daran, dass wir immer unfertig und nie
abgeschlossen sind, dass wir ruhen sollen, obwohl unsere Arbeit nicht fertig ist, aber
so als ob unsere Arbeit fertig ist.
 Der Sabbat will unserer unfertigen Arbeit den Hauch der Vollkommenheit verleihen.
Ruhe am Sabbat als ob alle deine Arbeit getan wäre. Ruhe am Sabbat, so dass du dich
nicht einmal mit dem Gedanken an die Arbeit beschäftigst.
 Der Sabbat ist wichtig für uns in mehrfacher Hinsicht?
o nicht nur, dass wir ruhen
o höchst wichtiges Zeitelement, dass Gott uns zur Struktur unseres Lebens geschenkt hat
o Gott hat uns ein Zeitbewusstsein gegeben:
 (1) eine prophetische Zeitperspektive
 Er weiß, was die Zukunft bringt, wovon wir keine Ahnung haben. Er hilft
uns, unsere Existenz als Mensch einzuordnen, den großen Rahmen der
Weltgeschichte zu sehen.
 (2) Der Sabbat hilft uns, unsere wöchentliche Zeit einzuteilen. Auch ein wichtiges
Strukturelement für unsere Arbeit.
 Wann fängt das Leben an? Biblisch gesehen? Mit dem Sabbat. Das Erste,
was Adam bewusst als Mensch erlebt, ist nicht arbeiten, sondern ruhen und
Gemeinschaft mit Gott.
 Ohne die Ruhe wird die Arbeit anfangen uns zu beherrschen. Arbeit kann
uns krank machen. Der Sabbat hilft uns, die richtige Perspektive zu unserer
Arbeit zu gewinnen.
 Er erinnert uns wöchentlich daran, dass wir aus Gnade leben. Da sieht man,
dass es nicht um Werke geht.
 Auch der Tagesrhythmus beginnt mit der Ruhe.
o Daher ist der Sabbat ein so großes Identitätszeichen. Es geht nicht nur um die 24 Stunden,
sondern darum, was der Sabbat in unserem Leben ausdrückt. In seiner Auswirkung ist er dann
nicht auf diesen Tag begrenzt, sondern wirkt sich auch auf die anderen Tage aus.
 Wieso existiert das Volk Israel noch?
 Politisch und machtmäßig waren die Ägypter, Babylonier und Römer weiter
mehr und größer und wichtiger. Doch sie sind alle vergangen.
 Israel existiert heute noch (Zelte, klein, schwach). Warum? Wegen des
Sabbats.
o Manche meinen, der Sabbat sei etwas Jüdisches und wir seien Christen und daher sei der
Sabbat nicht für uns gültig:
 Gott gab den Sabbat nicht erst Abraham. Der Sabbat wurde bei der Schöpfung
eingesetzt. Adam, der erste Mensch (adam), wurde der Sabbat gegeben. Jesus sagte,
dass der Sabbat für den Menschen (antropos) gemacht wurde (Menschheit).
 Woher wissen wir das?
o Die Manna-Erfahrung war schon vor dem Sinai.
 1Mo 26,5: „dafür, daß Abraham meiner Stimme gehorcht und meine Vorschriften
gehalten hat, meine Gebote, meine Ordnungen und meine Gesetze.“
 Abraham muss das Gesetz schon gekannt haben, bevor es Mose am Sinai
gegeben wurde.
STDO 262 – Dogmatik 2 Denis Kaiser 20

 1Mo 2,2-3: „2 Und Gott vollendete am siebten Tag sein Werk, das er gemacht hatte;
und er ruhte am siebten Tag von all seinem Werk, das er gemacht hatte. 3 Und Gott
segnete den siebten Tag und heiligte ihn; denn an ihm ruhte er von all seinem Werk,
das Gott geschaffen hatte, indem er es machte.“
 ruhen, heiligen, segnen
 Hier kommt das Hauptwort Sabbat nicht vor. Hier taucht nur das Verb
„sabbat“ vor.
 Manche meinen, dass der Sabbat in 1Mo 2,2-3 gar nicht vorkommt.
 (1) // 2Mo 20,8-11: „8 Gedenke des Sabbattages, daß du ihn heiligest. 9
Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. 10 Aber am
siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine
Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd,
dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. 11 Denn in
sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht und das Meer und
alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der
HERR den Sabbattag und heiligte ihn.“
o Sogar die Tiere werden da nicht ausgenommen.
o Das 4. Gebot ist ein starker Hinweis darauf, dass der Sabbat schon
in 1Mo 2,3 gemeint sein muss, sonst würde das 4. Gebot keinen
Sinn machen.
o Außerdem blickt das 4. Gebot nicht voraus in die Zukunft, sondern
in die Vergangenheit (Gedenke, Erinnere dich).
 (2) Calvin sagte mal:
o Der Sabbat wird von Gott nicht nur geboten, sondern auch hier von
Gott in der Schöpfung vorgelebt. Und das Beispiel Gottes zählt
noch viel mehr als das Gebot und ist noch ein viel stärkeres
Vorbild. Daher haben die Menschen auch genau das dann gemacht.
 Was tut Gott?
 segnen:
o Wenn Gott segnet, dann verleiht er:
 Erfolg, glücklich sein, Wohlgedeihen, Freude
o Eines der ersten Dinge, die Gott segnet, ist dieser Tag. Gottes Segen
schenkt diesem Tag eine Gabe, die diesen Tag zu einem Tag des
Wohlgedeihens, der Freude machen.
o Gott macht diesen Tag für den Menschen fruchtbar. Er gibt uns
durch diesen Tag vitalisierende Kraft, die uns bereichert. Der
Sabbat ist die Quelle, aus der man für den Wochen-rhythmus
profitiert.
o Der Sabbat gehört schon am Sonntag vorbereitet, damit wir den
Sabbat auch wirklich erleben können. Also nicht, dass ich die ganze
Woche buckle und am Sabbat bin ich voll geschafft und will nur
noch schlafen.
o Ruhe bedeutet nicht, dass man die wertvolle Zeit verpennt.
o Man muss früher anfangen und planen, um das Ziel zu erreichen.
o Auch im Winter wird das extrem schwierig, wenn man erst am
Freitag mit der Vorbereitung anfangen will. Die Vorbereitung muss
vorher geschehen. Der Sabbat ist ein Identifikationspunkt für alles,
was ich mache.
o 1Mo 2,3: „Gott segnete den siebten Tag“
STDO 262 – Dogmatik 2 Denis Kaiser 21

 Viele denken, dass Gott den Sabbat gesegnet. Gott hat


nicht den Sabbat gesegnet. Er hat nicht die Ruhe gesegnet.
Er hat nicht das Prinzip gesegnet. Gott hat einen ganz
bestimmten Tag gesegnet.
 Wenn er nur das Prinzip gesegnet hat, den kann auch mir
aussuchen, wann ich das Prinzip anwende (Sonntag,
Dienstag, usw.).
 Gott segnete den siebenten Tag.
o // 2Mo 20,8-11: „8 Gedenke des Sabbattages, daß du ihn heiligest. 9
Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. 10 Aber am
siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst
du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein
Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in
deiner Stadt lebt. 11 Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel
und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und
ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der HERR den Sabbattag
und heiligte ihn.“
 Das Prinzip kann nicht losgelöst werden vom Tag, den
Gott gesegnet hat. Das Prinzip ist gebunden an dem Tag,
der dafür gesegnet würde.
o Es gibt keinen Zweifel, dass der heutige Samstag/Sonnabend, der
ursprüngliche Sabbat bzw. der ursprüngliche siebte Tag.
o Warum heilte Jesus am Sabbat? Weil er den ursprünglichen
Zustand wieder herstellen möchte. Jesus hat den Sabbat bewusst
benutzt, um den ursprünglichen Zustand wiederher-zustellen.
 Heiligen:
o 1Mo 2,3: „Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn.“
o abgesondert, beiseite gesetzt und geheiligt für einen ganz
besonderen Zweck
o heilig = nicht Heiligenschein, sondern für einen besonderen
Gebrauch und Dienst beiseitegesetzt
o Heilige = nicht weil man so heilig ist (Bsp. Korinth), sondern weil
man zu Gott gehört (durch eine konkrete Entscheidung)
o Da der Sabbat zu so einem Zweck beiseitegesetzt wurde, wird er
auch „Heiliger Sabbat“ genannt.
 2Mo 16,23: „Er sagte nun zu ihnen: Dies ist es, was der
HERR geredet hat: Morgen ist eine Sabbatfeier, ein
heiliger Sabbat für den HERRN. Was ihr backen wollt,
backt, und was ihr kochen wollt, kocht! Alles aber, was
übrigbleibt, legt für euch zurück zur Aufbewahrung bis
zum nächsten Morgen!“
 2Mo 35,2: „Sechs Tage soll man seine Arbeit verrichten,
aber den siebten Tag sollt ihr heilig halten, er sei euch ein
ganz feierlicher Sabbat für den HERRN. Jeder, der an ihm
eine Arbeit verrichtet, muß getötet werden.“
o => Gott hat diesen siebten Tag geheiligt, nicht wir heiligen den
Sabbat!
o => Weil Gott den Sabbat geheiligt hat, sind wir als seine Kinder
aufgefordert, den Sabbat heilig zu halten.
 2Mo 20,8: „Denke an den Sabbattag, um ihn heilig zu
halten.“
STDO 262 – Dogmatik 2 Denis Kaiser 22

 Jer 17,22: „Und ihr sollt am Tag des Sabbats keine Last
aus euren Häusern herausbringen und sollt keinerlei Arbeit
tun! Sondern heiligt den Tag des Sabbats, wie ich euren
Vätern geboten habe!“
 Hes 20,20: „Und heiligt meine Sabbate, damit sie zum
Bundes-Zeichen seien zwischen mir und euch, damit ihr
erkennt, daß ich der HERR, euer Gott bin.“
 Ruhen:
o An diesem Tag sind alle gleich. Es ist ein Tag der Gleichheit vor
Gott. Der Tag gilt für Herren und Untergebene, Männer und
Frauen, Söhne und Töchter, sogar Tiere (2Mo 20,8-11).
o Gott ruht nicht, weil er müde geworden wäre oder von der Arbeit
erschöpft ist (Jes 20,28). Er ruht am Sabbat, weil er uns ein Vorbild
geben möchte.
o Bacchiocchi: Ist ein Prinzip, dass Gott durch ein Vorbild gegeben
hat, weniger bindend als eines, dass er durch ein Gebot geboten
hat?
o Der Mensch ist zum Bilde Gottes geschaffen (Imago Dei). Das Bild
Gottes ist am Sabbat aufgerufen, Gott am Sabbat nachzuahmen
(Imitatio Dei). Das, was nach dem Bilde Gottes erschaffen ist, soll
Gott auch nachahmen/imitieren.
o Adam hatte noch nichts getan, aber er feiert seinen Schöpfer. Noch
bevor die Arbeit beginnt, hat der Mensch geruht. Die Arbeit ist in
der Bibel nicht das letzte Ziel. Das Ziel des Menschen ist die
freudige Beziehung in Ruhe mit Gott. Sabbat = Freiheit für die
Anbetung mit Gott. Der Mensch ist nicht um sich selbst willen
erschaffen worden, sondern für die Gemeinschaft mit Gott.
o Jede Woche feiern wir den Geburtstag der Schöpfung. Er erinnert
uns daran, dass wir erschaffen sind und auch zum Bilde Gottes
erschaffen wurden. So bewahrt uns der Sabbat auch vor einer
Selbstvergötterung und Selbstanbetung.
o Zwei Dinge haben wir aus Eden mitgenommen:
 Ehe (Schöpfungsordnung für die Geschlechter, für alle
Menschen)
 Sabbat (so soll auch der Sabbat allen Menschen zum Segen
werden)
o Beide sind universal wie die Menschheit, die auf die ersten beiden
Menschen (Adam und Eva) zurückgeht.
 Der Sabbat ist das längste der Gebote und steht auch in der Mitte der Gebote und ist damit scheinbar ein
zentrales Gebot (von der Anordnung). Es ist das einzige Gebot, dass ein „Gedenke“ beinhaltet. Der
Sabbat verweist auf den Anfang, auf die Schöpfung. Also kann er nichts Zeremonielles sein.
o Gedenken: nicht nur „Erinnern“; dazu bräuchte man nicht besonders religiös sein
o Fähigkeit der Erinnerung ist etwas, das uns Menschen von Tieren (sozialer Verbund)
unterscheidet; nicht nur der Aspekt der Erinnerung
o Wenn Gott gedenkt (er sich unserer gedenkt), dann folgt daraus oft eine Handlung.
 1Sa 1,11: „HERR der Heerscharen! Wenn du das Elend deiner Magd ansehen und
meiner gedenken und deine Magd nicht vergessen wirst und deiner Magd einen
männlichen Nachkommen geben wirst, so will ich ihn dem HERRN alle Tage seines
Lebens geben. Und kein Schermesser soll auf sein Haupt kommen.“
STDO 262 – Dogmatik 2 Denis Kaiser 23

 Ri 16,28: „Herr, HERR! Denke doch an mich und stärke mich doch nur diesmal noch,
o Gott, damit ich Rache nehmen kann an den Philistern - eine Rache nur für meine
beiden Augen!“
 Offb 16,19: „Und die große Stadt wurde in drei Teile gespalten, und die Städte der
Nationen fielen, und der großen Stadt Babylon wurde vor Gott gedacht, ihr den Kelch
des Weines des Grimmes seines Zornes zu geben.“
o Gedenken ist verbunden mit Gericht oder Erlösung. Gedenken des Sabbattages beinhaltet also
immer eine Aktion. Es ist die Rückerinnerung, woher wir kommen und ein Vorausblick, wohin
wir gehen. Blick zurück in die Vergangenheit und in die Zukunft.
o Die Erinnerung, was von Gott in der Vergangenheit gemacht worden ist und wie er gehandelt
hat, sorgt dafür, dass wir heute richtig handeln.
o Hoffnung ist was anderes als Optimismus. Hoffnung ist die Erinnerung an das, was Gott in der
Vergangenheit gesagt und getan hat. Das befähigt uns in der Gegenwart, zuversichtlich und
hoffnungsvoll zu leben. Hoffnung ist begründet auf die Zusagen Gottes in der Vergangenheit.
Die Besinnung auf das, was Gott in der Vergangenheit gesagt und getan hat, öffnet die Tür für
die Zukunft.
o Warum wird die Sabbat vorher in der Bibel nicht so erwähnt?
 Weil er selbstverständlich vorausgesetzt wird.
 Oft wird die Woche erwähnt. Der Hinweis auf die Woche (7er-Rhythmus) ist sinnlos,
wenn man den Sabbat nicht kennt.
 2Mo 5,5: „Weiter sagte der Pharao: Siehe, das Volk des Landes ist jetzt schon
zahlreich, und ihr wollt sie mit ihren Lastarbeiten aufhören lassen!“
 wörtlich: von seiner Arbeit freimachen

 Form des Wortes tb;v'


 Ps 105,43-45: „43 und führte sein Volk heraus in Freude, seine Auserwählten in Jubel.
44
Er gab ihnen die Länder der Nationen und die Mühe der Völkerschaften nahmen sie
in Besitz, 45 damit sie seine Ordnungen beachteten und seine Gesetze bewahrten.
Halleluja!“
 Der ganze Psalm redet darüber, wie Gott Israel aus Ägypten befreit hat.
 Der Sabbat war vor dem Sinai bereits bekannt (2Mo 16).
 Halten des Sabbats (Wie?)
o Leider hat Israel sich nicht immer an die Vorschrift gehalten. Daher wiederholt der Aufruf zur
Wiederherstellung des Sabbats.
 Hos 8,4-10 (wird der falsche Gottesdienst gerügt)
 Jer 17,15-22: „15 Siehe, sie sagen zu mir: Wo ist das Wort des HERRN? Es soll doch
kommen! 16 Ich aber habe mich dem Hirtendienst nicht entzogen und habe den
unheilvollen Tag nicht herbeigewünscht; du kennst es ja. Was aus meinen Lippen
hervorging, war vor deinem Angesicht. 17 Werde mir nicht zum Schrecken! Du bist
doch meine Zuflucht am Tag des Unglücks! 18 Laß meine Verfolger zuschanden
werden, aber mich laß nicht zuschanden werden! Laß sie schreckerfüllt sein, aber
mich laß nicht schreckerfüllt sein! Bringe über sie den Tag des Unglücks, und mit
doppelter Zerschmetterung zerschmettere sie! 19 So spricht der HERR zu mir: Geh
und stell dich in das Tor der Söhne des Volkes, durch das die Könige von Juda
einziehen und durch das sie ausziehen, und in alle Tore Jerusalems 20 und sage zu
ihnen: Hört das Wort des HERRN, ihr Könige von Juda und ganz Juda und alle
Bewohner von Jerusalem, die ihr durch diese Tore einzieht! 21 So spricht der HERR:
Hütet euch bei eurem Leben, daß ihr am Tag des Sabbats keine Last tragt und durch
die Tore Jerusalems hereinbringt! 22 Und ihr sollt am Tag des Sabbats keine Last aus
euren Häusern herausbringen und sollt keinerlei Arbeit tun! Sondern heiligt den Tag
des Sabbats, wie ich euren Vätern geboten habe!“
STDO 262 – Dogmatik 2 Denis Kaiser 24

 Warum muss Gott es erneut gebieten? Sie kannten den Sabbat, aber sie
hielten ihn nicht richtig.
 Neh 13,15-19: „15 In jenen Tagen sah ich einige in Juda, die am Sabbat die Keltern
traten und Getreidehaufen einbrachten und auf Esel luden und auch Wein, Trauben
und Feigen und allerlei Last und es am Sabbattag nach Jerusalem hereinbrachten. Und
ich warnte sie an dem selben Tag, an dem sie die Lebensmittel verkauften. 16 Auch
Tyrer wohnten darin; sie brachten Fisch und allerlei Ware herein und verkauften sie
am Sabbat den Söhnen Juda, und zwar in Jerusalem. 17 Da zog ich die Edlen von Juda
zur Rechenschaft und sagte zu ihnen: Was ist das für eine schlimme Sache, die ihr da
tut, daß ihr den Sabbattag entheiligt? 18 Haben eure Väter nicht ebenso gehandelt, so
daß unser Gott all dies Unheil über uns und über diese Stadt brachte? Und ihr steigert
die Zornglut über Israel, indem ihr den Sabbat entheiligt! 19 Und es geschah, sobald
die Tore Jerusalems vor dem Sabbat dunkel wurden, befahl ich, daß die Torflügel
geschlossen würden. Und ich befahl weiter, daß man sie bis nach dem Sabbat nicht
öffnen solle. Und einige von meinen Dienern stellte ich an den Toren auf, damit keine
Last am Sabbattag hereinkäme.“
 Israel hat den Sabbat nicht im Sinne Gottes gehalten. Sie sollten es aber tun,
sagten die Propheten.
 Jes 56,1-8: „1 So spricht der HERR: Wahret das Recht und übt Gerechtigkeit! Denn
mein Heil ist nahe, daß es kommt, und meine Gerechtigkeit, daß sie geoffenbart wird.
2
Glücklich der Mensch, der dies tut, und das Menschenkind, das daran festhält: der
den Sabbat bewahrt, ihn nicht zu entweihen, und seine Hand davor bewahrt, irgend
etwas Böses zu tun! 3 Und der Sohn der Fremde, der sich dem HERRN
angeschlossen hat, soll nicht sagen: Der HERR wird mich sicher von seinem Volk
ausschließen. Und der Verschnittene sage nicht: Siehe, ich bin ein dürrer Baum! 4
Denn so spricht der HERR: Den Verschnittenen, die meine Sabbate bewahren und das
erwählen, woran ich Gefallen habe, und festhalten an meinem Bund, 5 denen gebe ich
in meinem Haus und in meinen Mauern einen Platz und einen Namen, besser als
Söhne und Töchter. Einen ewigen Namen werde ich ihnen geben, der nicht
ausgelöscht werden soll. 6 Und die Söhne der Fremde, die sich dem HERRN
angeschlossen haben, um ihm zu dienen und den Namen des HERRN zu lieben, ihm
zu Knechten zu sein, jeden, der den Sabbat bewahrt, ihn nicht zu entweihen, und alle,
die an meinem Bund festhalten: 7 die werde ich zu meinem heiligen Berg bringen und
sie erfreuen in meinem Bethaus. Ihre Brandopfer und ihre Schlachtopfer sollen mir
ein Wohlgefallen sein auf meinem Altar. Denn mein Haus wird ein Bethaus genannt
werden für alle Völker. 8 So spricht der Herr, HERR, der die Vertriebenen Israels
sammelt: Zu ihm, zu seinen Gesammelten, werde ich noch mehr hinzusammeln.“
 Jes 58,13-14: „13 Wenn du deinen Fuß vom Sabbat zurückhältst, deine Geschäfte an
meinem heiligen Tag zu treiben, und nennst den Sabbat eine Wonne und den heiligen
Tag des HERRN ehrwürdig, und wenn du ihn ehrst, so daß du nicht deine Gänge
machst, deinem Geschäft nachgehst und eitle Worte redest, 14 dann wirst du deine
Lust am HERRN haben. Und ich werde dich einherfahren lassen auf den Höhen der
Erde und werde dich speisen mit dem Erbteil Jakobs, deines Vaters. Ja, der Mund des
HERRN hat geredet.“
o Literatur:
 Gerhard F. Hasel, „The Sabbath in the Historical Literature of the Old Testament“ in:
Kenneth Strand (Hgs.), The Sabbath in Scripture and History, 44ff
 Bedeutung von Jesaja 58:
 nicht den eigenen Geschäften nachgehen, Sabbat eine Lust nennen
 nicht wozu man Lust hat, sondern Freude, Wonne, Erquickung
 Sabbat ist kein Tag der Trauer und Traurigkeit, sondern der Freude und
Wonne.
 Er sollte ein Tag sein, der fröhlich begangen wird.
 Wenn man den Sabbat Lust nennt, dann wird man seine Lust haben am
Herrn (v.14). Wer sich über den Tag freut, der freut sich am Herrn. Wer
STDO 262 – Dogmatik 2 Denis Kaiser 25

seine Freude nicht am Herrn gefunden hat, wird sich auch nicht am Sabbat
erfreuen.
 Lust
o // Hiob 22,26: „Denn dann wirst du am Allmächtigen deine Lust
haben und zu Gott dein Gesicht erheben.“
 Diese Lust steht im Zusammenhang mit der Anbetung
Gottes.
o // Hiob 27,10: „Job 27:10 Oder wird er an dem Allmächtigen seine
Lust haben, Gott anrufen zu jeder Zeit?“
 Auch wieder ist die Lust mit Anbetung und Gottesdienst
verbunden. Sie hat etwas mit unsrem Verhältnis zu Gott zu
tun.
o Es geht also nicht darum, wozu ich gerade mal Lust habe. Es ist
eine Haltung, die etwas Fröhliches zum Ausdruck bringt, die eine
Freude zeigt, die was mit Gott zu tun hat.
o // Ps 37,4.11: „und habe deine Lust am HERRN, so wird er dir
geben, was dein Herz begehrt. ... Aber die Sanftmütigen werden das
Land besitzen und werden ihre Lust haben an Fülle von Heil.“
 Nicht den eigenen Geschäften nachgehen; nicht tun, was wir für gewöhnlich
tun; Abstand zum Alltag gewinnen; Zeit für Gott haben.
 Kein leeres Geschwätz treiben; Nicht über das Geschäft reden; säkulare
Dinge; etc.
o Abraham Heschel: nicht einmal an die Arbeit denken
o Wenn wir davon Abstand nehmen und das befolgen, was Gott uns
hier in Jesaja sagt, dann ist es ein Tag der Befreiung und ein Tag
der Freiheit.
o Warum? Weil der Tag Zeit schafft für die Gemeinschaft mit Gott
und für das, was anders ist, als sonst in der Woche. Der Sabbat ist
so keine Last, sondern eine Freude.
 Literatur: Strand, 47-49
o Neues Element (Sabbat als Zeichen):
 2Mo 31,13: „Du aber, rede zu den Söhnen Israel und sage ihnen: Haltet nur ja meine
Sabbate! Denn sie sind ein Zeichen zwischen mir und euch für all eure Generationen,
damit man erkenne, daß ich, der HERR, es bin, der euch heiligt.“
 Sabbat = Merkzeichen
 Nicht wir heiligen uns selbst, sondern Gott heiligt uns. Der Sabbat erinnert
uns daran, dass er uns heiligt.
 2Mo 31,14-15: „Haltet also den Sabbat, denn heilig ist er euch. Wer ihn entweiht,
muß getötet werden, ja, jeder, der an ihm eine Arbeit verrichtet, eine solche Seele soll
aus der Mitte seiner Völker ausgerottet werden. Sechs Tage soll man seine Arbeit
verrichten, aber am siebten Tag ist Sabbat, ein Tag völliger Ruhe, heilig dem
HERRN. Jeder, der am Tag des Sabbats eine Arbeit verrichtet, muß getötet werden.“
 Diese Aussagen kommen direkt nach Anweisungen Gottes für das Heiligtum
und den Dienst am Heiligtum. Interessant, dass der Sabbat am Schluss vom
Heiligtum kommt.
o // 2Mo 25,8: „Und sie sollen mir ein Heiligtum machen, damit ich
in ihrer Mitte wohne.“
 oder „unten ihnen wohnen“
STDO 262 – Dogmatik 2 Denis Kaiser 26

 Heiligtum ist da, damit ein heiliger Gott mitten unter


Sündern wohnen kann, damit Gemeinschaft zwischen Gott
und Mensch möglich ist.
o // Hes 23,38: „Und dies haben sie mir noch dazu angetan: Sie haben
am selben Tag mein Heiligtum unrein gemacht und meine Sabbate
entweiht.“
 Neu ist, dass der Sabbat ein Zeichen ist.
 Für die Hebräer war der Sabbat das Bundeszeichen schlechthin. Es ist ein
Zeichen zwischen mir und euch.
 Der Sabbat ist ein ewiges, äußeres Zeichen. Ein Zeichen dient dazu, dass
etwas weitergegeben wird und ein bestimmtes Verhalten motiviert wird.
 Ein Zeichen weist nie allein auf sich selbst hin. Es weist auf etwas hin, über
sich selbst hinaus. Es soll zu einem gewissen Verhalten motivieren (Bsp.
Stopp-Schild).
 Der Sabbat weist über sich selbst hinaus auf Gott hin. Der Sabbat ist ein
Zeichen der Zugehörigkeit von uns zu Gott.
 Der Sabbat ist auch ein Tag der Trennung und Unterscheidung. Er vermittelt
anderen Menschen die Kenntnis und das Verständnis, dass zwischen Gott
und seinem Volk eine Beziehung existiert.
 Als Gott ein Zeichen für Kain gemacht hat, da war es kein Zeichen, dass den
Kain entehrt hat. Nein, es hat seine Existenz gesichert. Der Sabbat ist auch
ein Zeichen, das die Existenz der Gläubigen sichert. Er ist ein Zeichen der
Treue und des Gehorsams, ein Zeichen der Erinnerung an den Anfang.
 In der letzten großen Auseinandersetzung gewinnt der Sabbat erneut große
Bedeutung. Er wird zum Merkzeichen, der das Volk Gottes sichtbar macht.
Wie könnte der Sabbat unsichtbar bleiben?
 Erkennungszeichen:
o (1) Halten der Gebote (Sabbat ist da drin)
o (2) Glauben Jesu
o (3) Geist der Weissagung
o (4) Geduld der Heiligen
 Der Sabbat ist das sichtbare Zeichen, dass wir den sichtbaren Gott verehren,
der Himmel und Erde und das Meer und die Wasserquellen gemacht hat.
Wenn wir das nicht erkennen, dann verliert der Sabbat seine Kraft. Wenn der
Sabbat nur ein Angebot ist, der uns hilft entspannter zu arbeiten oder Ruhe
zu machen, und nicht als Zeichen der Zugehörigkeit zu Gott angesehen wird,
dann verliert er seine Bedeutung. Wenn es nur um Ruhe geht, dann kann ich
das auch an anderen Tagen machen.
 Wir müssen das deutlich machen, damit den Leuten bewusst wird, warum es
so wichtig ist, den Sabbat zu halten.
 Das heißt nicht, dass der Sabbat uns rettet. Jesus Christus rettet uns. Aber der
Sabbat ist sein Tag.
 Andere christliche Kirchen halten auch den Sabbat, aber sie erkennen nicht die
Bedeutung desselben als Zeichen der Zugehörigkeit in der Endzeit.
 z.B. Siebenten-Tags-Baptisten: Sie begründen ihn so, dass sie die historische
Entwicklung aufzeigen und zeigen, was ursprünglich da war. Sie sehen ihn
aber nicht als eschatologisches Zeichen der Zugehörigkeit und Treue. Es gibt
sie heute noch, aber die Gliederzahl hat sich seit 150 Jahren nicht verändert.
 Die STA sind die am schnellsten wachsende Kirche. Wenn wir den Sabbat
nicht als eschatologisches Zeichen der Zugehörigkeit und Treue zu Gott
STDO 262 – Dogmatik 2 Denis Kaiser 27

ansehen und verkündigen würden, dann hätte er nicht die Bedeutung und es
sähe ganz anders aus.
 Sabbat im NT
o Jesus hat den Sabbat gehalten:
 Lk 4,16: „Und er kam nach Nazareth, wo er erzogen worden war; und er ging nach
seiner Gewohnheit am Sabbattag in die Synagoge und stand auf, um vorzulesen.“
 Jesus hat gewohnheitsgemäß den Sabbat gehalten.
 Wenn Jesus unser Vorbild ist, dann dürfen wir auch den Sabbat halten.
 Wenn der Sabbat nicht so wichtig gewesen wäre, dann hätte er alle
Möglichkeiten gehabt, dass zu verändern. Es gibt aber kein Gebot, dass
gebieten würde, den Sabbat nicht mehr zu halten und den Sonntag zu halten.
 Jesus erwählte den Tag, um das Ursprüngliche wiederherzustellen.
o Markus-Evangelium: // Wie oft heilte Jesus am Sabbat?!
o Es ist der Tag des Friedens und der Gemeinschaft mit Gott.
Welcher Tag eignet sich besser, das, was von Gott im Paradies so
gewollt war, wiederherzustellen.
o Die Führer Israels lehnen Jesus ab und sie glauben nicht, dass er der
Messias ist. Sie behaupten, dass die Wunder Jesu eigentlich vom
Teufel kommen.
o Mk 3,22: „Und die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herab-
gekommen waren, sagten: Er hat den Beelzebul, und: Durch den
Obersten der Dämonen treibt er die Dämonen aus.“
o Sie erleben ein Wunder nach dem anderen und angesichts dieser
Wunder sagen sie, dass es vom Teufel kommt.
o Was antwortet Jesus darauf?
o Mk 3,28-30: „Wahrlich, ich sage euch: Alle Sünden werden den
Söhnen der Menschen vergeben werden und die Lästerungen, mit
denen sie auch lästern mögen; wer aber gegen den Heiligen Geist
lästern wird, hat keine Vergebung in Ewigkeit, sondern ist ewiger
Sünde schuldig; - weil sie sagten: Er hat einen unreinen Geist.“
o Mk 3,32: Die Führer lehnen ihn ab. Die Dämonen sprechen ihn als
der, der er wirklich ist. Die, die ihn eigentlich kennen sollten,
schreiben ihn ab und schreiben ihn den Dämonen zu.
 Mt 24,20: Wir sollen bitten , dass die Flucht nicht im Winter oder am Sabbat
geschehen soll.
o Selbst in einer Notsituation sollte der Sabbat gehalten werden.
Wenn der Sabbat nicht mehr gehalten werden sollte, warum
erwähnt er ihn in seiner Endzeitrede.
 Daher haben auch die Jünger den Sabbat gehalten:
 Apg 13,13.14.27.42: „Als aber Paulus und seine Begleiter von Paphos
abgefahren waren, kamen sie nach Perge in Pamphylien. Johannes aber
sonderte sich von ihnen ab und kehrte nach Jerusalem zurück. Sie aber zogen
von Perge aus hindurch und kamen nach Antiochia in Pisidien; und sie
gingen am Tag des Sabbats in die Synagoge und setzten sich. ... Denn die zu
Jerusalem wohnen und ihre Obersten haben, da sie diesen nicht erkannten,
auch die Stimmen der Propheten erfüllt, die jeden Sabbat gelesen werden,
indem sie über ihn Gericht hielten. ... Als sie aber hinausgingen, baten sie,
daß am folgenden Sabbat diese Worte noch einmal zu ihnen geredet werden
möchten.“
STDO 262 – Dogmatik 2 Denis Kaiser 28

 Apg 16,13: „Und am Tag des Sabbats gingen wir hinaus vor das Tor an
einen Fluß, wo wir eine Gebetsstätte vermuteten; und wir setzten uns nieder
und redeten zu den Frauen, die zusammengekommen waren.“
 Apg 17,2: „Nach seiner Gewohnheit aber ging Paulus zu ihnen hinein und
unterredete sich an drei Sabbaten mit ihnen aus den Schriften.“
 Apg 18,4: „Er unterredete sich aber in der Synagoge an jedem Sabbat und
überzeugte Juden und Griechen.“
 Der Sabbat wird ungebrochen weiterhin gehalten.
 Der Sabbat wird bei der Schöpfung als Ruhetag gegeben und in den Zehn Geboten
von Gott niedergelegt. Jesus hat diesen Tag gehalten und die Apostel auch. Nirgends,
nicht im AT und NT, wird ein Gebot genannt, dass sagt, man solle den Sonntag
halten.
 Es gibt ein Zeichen, das immer wieder an den Tod und die Auferstehung
Jesu erinnert. Es ist die Taufe.
o Rö 6,3-5: „Oder wißt ihr nicht, daß wir, so viele auf Christus Jesus
getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? So sind wir
nun mit ihm begraben worden durch die Taufe in den Tod, damit,
wie Christus aus den Toten auferweckt worden ist durch die
Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in Neuheit des Lebens
wandeln. Denn wenn wir verwachsen sind mit der Gleichheit seines
Todes, so werden wir es auch mit der seiner Auferstehung sein.“
 Die Taufe kann es aber nur dann sein, wenn es eine Taufe durch
Untertauchen ist, ein Begrabenwerden. So wie er starb, so „sterben“ wir
(begraben werden) und so wie er auferstand, so „auferstehen“ wir (aus dem
Wasser herauskommen). Die Besprengung hat diese Symbolik nicht mehr.
 Begraben heißt vollständig mit Erde bedecken und nicht nur ein bisschen
Sand drüber streuen. Genauso reichen da auch nicht nur ein paar Tropfen
Wasser aus.
 Das Abendmahl erinnert nur an den Tod Jesu, nicht an die Auferstehung.
 Wie kann man biblisch belegen, dass der Sabbat unser Samstag ist?
 Mk 15,42: „Und als es schon Abend geworden war - es war nämlich Rüsttag,
das ist der Vorsabbat - kam Josef von Arimathäa, ein angesehener Ratsherr,
der selbst auch das Reich Gottes erwartete.“
 Mk 16,1-2: „Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena
und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um
hinzugehen und ihn zu salben. Und sie kommen sehr früh am ersten
Wochentag zu der Gruft, als die Sonne aufgegangen war.“
o Reihenfolge:
 Rüsttag (Tag vor dem Sabbat) = Freitag
 Sabbat
 1. Tag der Woche
 Lk 23,54 - 24,1: „Und es war Rüsttag, und der Sabbat brach an. Es folgten
aber die Frauen nach, die mit ihm aus Galiläa gekommen waren, und
besahen die Gruft, und wie sein Leib hineingelegt wurde. Als sie aber
zurückgekehrt waren, bereiteten sie wohlriechende Öle und Salben; und den
Sabbat über ruhten sie nach dem Gebot. An dem ersten Wochentag aber,
ganz in der Frühe, kamen sie zu der Gruft und brachten die wohlriechenden
Öle, die sie bereitet hatten.“
o Die Leute haben nach dem Gesetz den Sabbat gehalten und sogar
Jesus hat sozusagen am Sabbat geruht (im Grab).
STDO 262 – Dogmatik 2 Denis Kaiser 29

o Wenn der erste Tag der Sonntag ist, (warum? Jesus ist
auferstanden) dann ist der Sabbat der siebte Tag der Woche.
 Mittwoch = Mitte der Woche
 Nur wenn der Sonntag der erste Tag der Woche ist und der Sabbat der siebte
Tag der Woche, dann ist der Mittwoch die Mitte der Woche.
 Bei den neuen Kalendern im deutschsprachigen Raum (seit 1976) wird
deutlich, dass die Wochentags-Zählung früher mal anders gewesen sein
muss. Heute ist Mittwoch der 3. Tag; dann wäre er aber nicht die Mitte der
Woche.
 Änderung durch Kalenderreformen?
 Bei sämtlichen Kalenderreformen hat sich nichts an der Abfolge der
Wochentage geändert. Wenn etwas reformiert wurde, dann sind einige Tage
(Daten) rausgefallen.
o Bsp. Dienstag war der 19. April und dann fielen durch die
Kalenderreform Tage raus und Mittwoch war der 27. April
 Für die Juden ist der Sabbat auch heute noch weiterhin der Samstag. Die Juden haben
peinlich genau darauf geachtet, dass sie diesen Tag halten.
 In vielen Sprachen erinnert die Bezeichnung des siebten Tages an den Sabbat
(subbota, sabado, usw.).
 Wie es aus in verschiedenen Teilen der Welt?
 Grundsätzlich hat man die gleiche Zeit und der Sabbat kommt zu mir.
 Was aber, wo die Sonne ein halbes Jahr lang nicht untergeht und die andere
Hälfte des Jahres gar nicht hervorkommt? (Polarkreis)
o Literatur
 Olsen (Bibliografie)
 Strand, Anhang H, „The Sabbath on a Round World“
 Mt 12: hat Jesus den Sabbat gebrochen, als er mit den Jüngern durch das Kornfeld
gingen?
 Mk 2: Sie rauften die Ähren aus, während sie da durchliefen; es war keine
bewusste Ernte
 Nach jüdischer Tradition haben die Jünger den Sabbat hier mehrfach
gebrochen: geerntet und gemahlen.
 => Jesus sagt: der Mensch ist nicht um des Sabbats willen gemacht, sondern
der Sabbat um des Menschen willen.
o Jesus antwortet hier den Leuten, die auch schon seine Heilungen am
Sabbat kritisiert haben. Jesus wollte deutlich machen, dass er
o Der Text gibt es nicht her. Jesus war wahrscheinlich mit den
Jüngern in der Synagoge und wurde nicht eingeladen, was
ungewöhnlich war. Er wurde durch die Führungspersonen
abgelehnt. Es war der Heimweg von der Synagoge und sie hatten
nichts zu essen bekommen. Weil sie nun hungrig waren, rauften sie
ein paar Ähren.
o Wieso bringt Jesus nun das Beispiel mit den Schaubroten?
 Nur an einem Tag werden die Schaubrote im Tempel
gewechselt -> am Sabbat.
 Als David in den Tempel kommt, auf der Flucht vor den
Oberen. Er kommt in den Tempel und sagt, er braucht
STDO 262 – Dogmatik 2 Denis Kaiser 30

Brot. Sie haben keins. Nur die Schaubrote und in dieser


Notsituation geben sie es ihm.
 Als Jesus mit seinen Jüngern auf der „Flucht“ ist, weil er
nicht aufgenommen wurde.
 Wenn David am Sabbat in einer Notsituation gegessen hat,
und ihr es als okay ansieht, warum regt ihr euch auf, wenn
ich am Sabbat beiläufig was esse? Zuerst kommt der
Mensch und dann der Sabbat. Ich habe den Sabbat
gemacht.
 Mt 12: Jesus macht die Aussage: „Oder habt ihr nicht gelesen im Gesetz, wie
die Priester den Sabbat brechen und sind doch ohne Schuld?“
 Sabbat nicht arbeiten vs. Prediger im Dienst?
o Prediger arbeiten gerade am Sabbat sehr intensiv und manchmal mehr als unter der Woche
 Mt 12,5-6: „Oder habt ihr nicht in dem Gesetz gelesen, daß am Sabbat die Priester in
dem Tempel den Sabbat entheiligen und doch schuldlos sind? Ich sage euch aber:
Größeres als der Tempel ist hier.“
 // Mk 2 (das hier (Mt 12,5) ist in Mk aber nicht)
 4Mo 28,9-10: „Und am Sabbattag zwei einjährige Lämmer ohne Fehler und als
Speisopfer zwei Zehntel Weizengrieß, gemengt mit Öl, und das dazugehörige
Trankopfer. Es ist das Brandopfer des Sabbats an jedem Sabbat, zusätzlich zum
regelmäßigen Brandopfer und dem dazugehörigen Trankopfer.“
 Jeden Tag und rund um die Uhr und sieben Tage in der Woche Brandopfer.
Vergebung ist immer möglich und zugänglich.
 Am Sabbat musste der Priester aber mehr arbeiten als sonst. Er musste ein
zusätzliches Opfer bringen. Trotzdem blieb er ohne Schuld und keiner der
Juden beschwerte sich deswegen.
 Haben die Priester einen anderen Wochentag frei bekommen oder einen
besonderen Sabbat bekommen, weil sie am normalen Sabbat mehr arbeiten
mussten? Nein! Es wurde kein gesonderter Sabbat für die Priester eingesetzt.
 Es geht nicht um ein Sabbatprinzip: Hauptsache ich habe einen Ruhetag. Die
Priester blieben ohne Schuld. Warum? Die Priester haben eine Arbeit
verrichtet, die dem Sinn und Anliegen des Sabbats entsprach. Sabbat ist der
Tag der Gemeinschaft mit Gott. So war es gleich am Anfang in Eden. Hier
arbeiten die Priester im Heiligtum, dem Ort, wo Gemeinschaft zwischen Gott
und Menschen hergestellt wird. Der Sabbat ist der Tag, an dem das
Ursprüngliche wiederhergestellt werden soll. Daher heilte Jesus auch so viel
am Sabbat. Die von Dämonen Besessenen werden frei am Sabbat usw. Jesus
nutzt diesen Tag im Besonderen, um den Menschen in die Gemeinschaft mit
Gott und in die Freiheit zurückzuführen.
 Größeres als der Tempel: Warum?
o Wenn der Tempel gegeben wurde, damit Gott mitten unter ihnen
wohnt und Gemeinschaft mit den Sündern hat.
o Jo 1,14: „Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns.“
 wörtlich: zeltete unter uns
o In seinem Sohn ist er mitten unter uns gekommen. Hier ist die
Gegenwart Gottes, die sich im Tempel eigentlich zeigen sollte,
mitten unter ihnen und damit ist er die Erfüllung des Tempels.
o Wie kann dann in seiner Gegenwart etwas sein, was Sünde ist?
 Daher ist es am Sabbat wichtig, dass wir nicht der gewöhnlichen Arbeit
nachgehen, sondern der richtigen Arbeit nachgehen. Für einen Prediger kann
es daher sein, dass wir am Sabbat mehr Arbeit haben als sonst. Wir können
STDO 262 – Dogmatik 2 Denis Kaiser 31

als Prediger sehr wohl am Sabbat arbeiten, Leute besuchen, predigen, für
andere Menschen da sein.
 Trotzdem sollten wir uns als Prediger nicht darauf ausruhen, sondern
wirklich planen, wie wir den Sabbat zu etwas Besonderem und Ruhevollem
machen können.
 Bsp.: Predigtvorbereitung
o Das braucht sehr viel Zeit! Man sollte diese Vorbereitung nicht bis
in den Sabbat hineinziehen. Man sollte am Sabbat nicht an etwas
arbeiten, was man die ganze Woche hätte fertig stellen können.
 Erfahrung von Frank Hasel
 Manchmal nicht leicht, wenn die Woche schwierig war. Wenn man es ihm
anvertraut, dann segnet Gott auch das, was man am Sabbat für ihn tut. Das
man auch selbst dadurch gesegnet und erquickt wird. Das entbindet uns aber
nicht entsprechend zu planen und vorzubereiten.
 Trotzdem steht jedem Prediger ein freier Tag zu und man sollte sich diesen
freien Tag nehmen, auch wenn es durch die vielen Anforderungen und
Aufgaben nicht immer leicht ist, sich diesen freien Tag wirklich frei zu
halten.
 Faustregel:
o Für jede Minute, die man predigt, 1 Stunde Vorbereitung. -> Bei
einer völlig neu ausgearbeiteten Predigt.
o Man benötigt viel mehr Zeit zum Nachdenken, Material sammeln,
Illustrationen finden usw., als man nachher benötigt, um die Dinge
aufzuschreiben.
o Gute Predigten sind es auch wert, dass man sie öfter mal predigt.
 Jungprediger (gerade am Anfang):
o Fortbildungen
o ADWA-Leiter-Tagungen
o Kinderlager
o Jugendlager
o Predigten in anderen Bezirken
o Urlaub
o => Wenn es gut kommt, dann ist man vielleicht mal alle vier
Wochen in seiner Gemeinde (wenn es gut läuft). Verlangen der
Geschwister ihren Prediger öfter mal zu sehen.
 Predigtarbeit bietet auch Chancen für die Familie. Man kann den Sabbat mit
seiner Familie erleben, irgendwo in der Natur, mit der Jugend zusammen,
usw.
 Literatur:
 Bacciocchi, Deine Zeit ist meine Zeit, 166-170
 Sabbat abgeschafft?
o Kol 2,16-17: „So richte euch nun niemand wegen Speise oder Trank oder betreffs eines Festes
oder Neumondes oder Sabbats, die ein Schatten der künftigen Dinge sind, der Körper selbst
aber ist des Christus.“
o Rö 14,5: „Der eine hält einen Tag vor dem anderen, der andere aber hält jeden Tag gleich.
Jeder aber sei in seinem eigenen Sinn völlig überzeugt!“
STDO 262 – Dogmatik 2 Denis Kaiser 32

o Ergo: Du hältst den Sabbat? Halte ihn ruhig! Du hältst den Sonntag? Mit Gewissheit? Dann
halte ihn ruhig!
 Worum geht es hier?
 Rö 14,5:
 Um welche Tage geht es hier?
 Vom Zusammenhang her wird deutlich, dass es um andere Tage geht, die
mit Essen und Trinken zu tun haben. Es gab bestimmte Tage, die zum Fasten
da waren. Verschiedene Gruppierungen im Volk haben sich unterschiedliche
Tage rausgesucht, an denen sie fasteten. Es geht hier aber nicht um den
Sabbat. Warum?
 Streitet nicht über Meinungen. Streitet nicht über Ansichten und Antworten
auf zweifelhafte Fragen. Es geht nicht um klare Dinge. Ist der Sabbat etwas
Unklares, oder ist er etwas Selbstverständliches und Klares?
 Jesus hielt den Sabbat. Die Propheten, Apostel auch. Und dieses Gebot
wurde von Gott direkt und klar erlassen. Der Sabbat ist also keine
zweifelhafte Sache.
 Im gleichen Brief spricht Paulus davon, dass das Gesetz heilig, gerecht und
gut ist.
 Kol 2,16-17: „So richte euch nun niemand wegen Speise oder Trank oder betreffs
eines Festes oder Neumondes oder Sabbats, die ein Schatten der künftigen Dinge
sind, der Körper selbst aber ist des Christus.“
 Grund dafür, dass er abgeschafft wäre:
o wegen dem Sabbat keinen Aufstand machen oder jemanden
verurteilen, wenn er ihn jetzt nicht hält
o Reihenfolge der Worte würde eine Sequenz anzeigen (Feste,
Neumonde, Sabbat = jährlich, monatlich, wöchentlich)
 verschiedene Adventisten argumentieren so und meinen
den wöchentlichen Sabbat (Bacchiocchi; Desmond Ford,
es kommt aber auf die Art und Weise an, wie man den
Sabbat hält)
 andere Adventisten (William Richardson, Buch über
Zungenrede, Undergraduate Lehrer in Andrews;
Dissertation darüber das wöchentlicher Sabbat in Kol 2,16
gemeint ist und trotzdem sei er nicht abgeschafft; wenn der
Sabbat in legalistischer Weise gehalten wird, dann ist er
ein Schatten dessen, was er sein sollte)
 Details:
o sabba,twn = Genitiv Plural (Sabbate und Woche)
 Mt 28,1: „Aber spät am Sabbat, in der Dämmerung des
ersten Wochentages, kam Maria Magdalena und die andere
Maria, um das Grab zu besehen.“
 Mk 16,2: „Und sie kommen sehr früh am ersten
Wochentag zu der Gruft, als die Sonne aufgegangen war.“
 // Apg 13,14; 16,13
 Der wöchentliche Sabbat wird auch im Plural benutzt.
o kein Artikel vor Sabbat?
 // Mt 28,1 im Griechischen auch kein Artikel
 Es kann trotzdem der wöchentliche Sabbat gemeint sein.
STDO 262 – Dogmatik 2 Denis Kaiser 33

o Vers 17: „Schatten der künftigen Dinge, der Körper selbst aber ist
des Christus“
 Sabbat für zukünftige Dinge?
1. In den 10 Geboten heißt es „Gedenke“. Es ist also
in die Vergangenheit gerichtet und nicht in die
Zukunft.
 Gibt es in der Bibel einen Sabbat, der auf die Zukunft
hinweist?
1. 2Mo 12; 23 (Feste)
2. 3Mo 23 (vollständigste Auflistung aller Feste)
o v.3: wöchentlicher Sabbat
o v.4: Dies sind die Feste des Herrn:
o v.5: Passahfest
o Pfingsten (16)
o Posaunenblasen (24)
o großer Versöhnungstag (27)
o 10. Tag im 7. Monat ist ein ganz
feierlicher Sabbat (32)
o Die drei Feste in 3Mo 23 sind:
 Passahfest
 Pfingsten
 Laubhüttenfest

o ... werden im Hebräischen als gx' bezeichnet. Es sind die


sogenannten Pilgerfeste.
 // 2Mo 23,14
o Die zwei anderen Feste, die hier genannt werden:
 Versöhnungstag
 Posaunenblasen

o ... werden nicht als gx'


bezeichnet, sondern sind einfach ein Tag
lang Feste, die als Sabbat bezeichnet werden (3Mo 23,24.32).
o 4Mo 28-29: Übersicht über die verschiedenen Opfer während des
Jahres.
 v.3: tägliche
 v.6: tägliche
 v.9: am Sabbattag
 v.14: Neumond
 v.16: Passahfest (jährliche Feste)
 v.26: Erstlingsfrucht/Pfingsten
 29,1: Posaunenblasen
o Sequenz: täglich, Sabbat, Neumond, jährliche Feste
 es gab auch eine tägliche, monatliche, jährlich Sequenz
von Opfern, die gebracht wurden.
STDO 262 – Dogmatik 2 Denis Kaiser 34

o Hos 2,13: „Und ich mache ein Ende mit all ihrer Freude, ihren
Festen, ihren Neumonden und ihren Sabbaten und allen ihren
Festzeiten.“

 Feste gx', Neumonde vd,xo, Sabbate tB'v;,


Feiertage d[eAm
1. Feste: Passah, Pfingsten, Laubhüttenfest
2. Neumonde: Feier am 1. Tag eines jeden Monats
3. Sabbate: Posaunenblasen, großer Versöhnungstag
4. Feiertage: zusammenfassende Bezeichnung all
dessen, was gerade genannt wurde
 // Hes 45,17
o In Kol 2,16 hätte man dann:
o e`orth/j
 3 Pilgerfeste:
1. Passah
2. Laubhüttenfest
3. Erstlingsfrucht/Pfingsten
o neomhni,aj
 Neumond
o sabba,twn
 2 zeremonielle Sabbate:
1. großer Versöhnungstag
2. Posaunenblasen
o Kleines sprachliches Detail, das interessant ist:
 3Mo 23
1. Großer Versöhnungstag und Posaunenblasen
werden nie als Feste bezeichnet, sondern als
Sabbat (sabba,twn).

2. Es wird dort also nie gx', sondern immer als !


AtïB'v; bezeichnet. Wenn man es wörtlich ins
Griechische übersetzt, dann hat man sabba,twn.
Und in der LXX steht dort genau dieses Wort,
nämlich sabba,twn.
 In Kol 2,16 ist also keine Absetzung des Sabbats, sondern meint die Feste
und Feiertage.
 // Hebr 10,1: die zeremoniellen Dienste sind ein Schatten auf die zukünftige Dinge;
Christus selbst ist die Erfüllung dieser Dinge
 Kol 2,17: Christus selbst aber ist der Körper. Er ist die Erfüllung. Er ist das
eigentliche, das worauf alles in diesen Dingen hinweist.
 NT-Texte, die gerne für den Sonntag hergenommen werden:
o Mt 28,1: „Aber spät am Sabbat, in der Dämmerung des ersten Wochentages, kam Maria
Magdalena und die andere Maria, um das Grab zu besehen.“
STDO 262 – Dogmatik 2 Denis Kaiser 35

 Sie kamen am Sonntagmorgen zum Grab. Einfach ein schlichter Bericht dessen, was
an dem Tag passierte. Hier wurde nichts eingesetzt. Die Feier des Todes wurde durch
das Abendmahl eingesetzt (Rö 6,4).
 // Mk 16,2; Lk 23,56 - 24,1
o Jo 20,1: Bericht, was stattgefunden hat
o Jo 20,19: Hier ist eine Versammlung am Sonntag. Sie waren hier nicht wegen einem
Gottesdienst zusammen, sondern aus Angst vor den Juden. Sie befürchten eingesperrt zu
werden und so treffen sie sich und verriegeln die Türen. Bericht dessen, was stattgefunden hat.
Es war am Abend des ersten Wochentages = Sonntag, der Übergang zum Montag.
o Apg 20,7-13: „Am ersten Tag der Woche aber, als wir versammelt waren, um Brot zu brechen,
unterredete sich Paulus mit ihnen, da er am folgenden Tag abreisen wollte; und er zog das
Wort hinaus bis Mitternacht. 8 Es waren aber viele Lampen in dem Obersaal, wo wir
versammelt waren. 9 Ein junger Mann aber mit Namen Eutychus saß im Fenster und wurde
von tiefem Schlaf überwältigt, während Paulus noch weiterredete; und vom Schlaf überwältigt,
fiel er vom dritten Stock hinunter und wurde tot aufgehoben. 10 Paulus aber ging hinab und
warf sich über ihn, und ihn umfassend sagte er: Macht keinen Lärm! Denn seine Seele ist in
ihm. 11 Und als er hinaufgestiegen war und das Brot gebrochen und gegessen und lange bis
zum Anbruch des Tages geredet hatte, reiste er so ab. 12 Sie brachten aber den Jungen lebend
und wurden nicht wenig getröstet.“
 Zeitpunkt: Versammlung am ersten Wochentag
 Grund: Abendmahlsfeier
 keine regelmäßige Versammlung, sondern weil Paulus bald abreisen wollte
 Abendversammlung:
 jüdische Rechnungsweise: Treffen nach Sabbatschluss; Sonntagmorgen für
gewöhnlich der Reisetag; auch günstig für Seereise
 römische Zeitrechnung: Treffen am Sonntagabend bis Montagmorgen;
wenig Bedeutung für Sonntagsfeier
 Grund: Eutychus starb und wurde aufgeweckt
 Brot brechen: das ein Mahl eingenommen wurde
 keine Gebete und kein Kelch erwähnt
 wenn Brot brechen allein aus einem Tag einen heiligen Tag macht, hätten
wir am Ende nur noch heilige Tage
o 1Kor 16,2: „An jedem ersten Wochentag lege ein jeder von euch bei sich zurück und sammle
an, je nachdem er Gedeihen hat, damit nicht erst dann, wenn ich komme, Sammlungen
geschehen. 3 Wenn ich aber angekommen bin, so will ich solche, die ihr für bewährt haltet,
mit Briefen senden, daß sie eure Gabe nach Jerusalem hinbringen.“
 Teuerung in Judäa und die Gläubigen in Jerusalem litten Not.
 Nun bat Paulus bei seinen Reisen, dass, was nötig war, mit den Gläubigen in
Jerusalem zu teilen.
 Gottesdienst?
 (1) „bei sich“ = keine Versammlung; sondern privat bei sich selbst das Geld
zurücklegt
o man spart mehr, wenn man regelmäßig und systematisch gibt
o Üb dich in der Zeit des knappen Geldes ein, Gott zu geben!
o Betrüg Gott nicht beim Zehnten! Regelmäßiges Geben!
o Es ist ein Wesenszug Gottes, großzügig zu geben. Wenn wir das
tun, dann eignen wir uns einen Charakterzug an und er kann diesen
auch uns gegenüber offenbaren.
STDO 262 – Dogmatik 2 Denis Kaiser 36

o 6 Tage in der Woche wird gearbeitet, dann ist Ruhepause; am 1.


Tag der Woche ist Buchhaltung und Abrechnung und die neue
Arbeitswoche
o Es gibt kein deutliches Gebot, welches sagt, hier einen anderen Tag
heilig zu halten.
 (2) „wenn ich komme“
o damit dann vom Geld noch was da ist
o Offb 1,10
 Die späteren Kirchenväter meinten mit dem „Tag des Herrn“ den Sonntag. Das ist
richtig. Aber das sagt nicht, dass das zu diesem Zeitpunkt bei Johannes auch so war.
 (1) Dieser Text lässt ein klares Gebot oder einen Auftrag vermissen.
 (2) Nie den Fehler machen, dass man eine spätere Gewohnheit in den biblischen Text
hineinlesen. Man muss die Bibel sich selbst auslegen lassen. Das wäre sonst nicht
Exegese, sondern Eisegese.
 (3) Welcher Tag ist der Tag des Herrn, der Tag, der dem Herrn zugehört?
 // Mt 12,8; Mk 2,28: Jesus ist ein Herr des Sabbats.
 Jes 58,13-14: Der Sabbat ist der heilige Tag des Herrn.
o => Nicht ein Text im NT, der den Sonntag erwähnt, gebietet, dass man den Sonntag halten
sollte oder gibt irgendwelche Hinweise, dass er bereits damals gehalten wurde.
 (mögliche Themen:
o (1) Sabbat zu Sonntag (geschichtlicher Hintergrund)
 Broschüre von Kenneth Strand; er ist ein gewisses Korrektiv in seiner Auslegung
gegenüber Bacchiocchi
o (2) Gemeinde, Taufe)

 Veränderung von Sabbat zu Sonntag


o Weit verbreitete Meinung, dass der Sonntag der Tag der Sonne ist und durch das Heidentum in
das Christentum kam.
 Das ist nur bedingt nicht. Denn es erklärt nicht, warum der Sabbat für etwas
Heidnisches verändert wurde. Es erklärt nicht, warum sich so abrupt eine
Veränderung stattfinden konnte. Es haben laut Forschungen verschiedene Einflüsse
vorgelegen.
 Der wöchentliche christliche Sonntag wurde am Anfang nicht als Ersatz für den
christlichen Sabbat gehalten. Beide Tage wurde über Jahrhunderte hinweg doppelt
nebeneinander gehalten.
 Sonntag ist nie aufgekommen, dass er den Sabbat plötzlich als Tag der Auferstehung
ersetzte. In weiten Teilen des Römisches Reiches wurden beide Tage nebeneinander
gehalten.
 Kirchenhistoriker, Socrates Scholasticus (5. Jh. n.Chr.):
 „Obwohl fast alle Kirchen in der ganzen Welt die heiligen Mysterien an dem
Sabbat einer jeden Woche feiern, sind dennoch die Christen von Alexandrien
und Rom aufgrund von einigen alten Traditionen diejenigen, die damit
aufgehört haben.“ (Kirchengeschichte, Buch 5, Kap. 22; The Nicene and
Post-Nicene Fathers, 2. Serie, 2. Band, S. 315)
o Fast alle Christen haben zu der Zeit noch am Sabbat das
Abendmahl eingenommen.
o Nur in Alexandrien und Rom haben die Christen damit aufgehört.
STDO 262 – Dogmatik 2 Denis Kaiser 37

 Sozomen:
 „Die Leute von Konstantinopel und fast überall versammeln sich immer am
Sabbat genauso wie am ersten Tag der Woche, einer Gewohnheit die in Rom
oder Alexandrien nie beachtet wird.“
o Fast überall in der Christenheit, ausgenommen in Rom und
Alexandrien, versammelten sich die Christen sowohl am Sabbat als
auch am Sonntag.
 Apostolic Constitution:
 „Den Sabbat und den Herrentag als Feste zu feiern, denn der erste ist eine
Erinnerung an die Schöpfung und der zweite eine Erinnerung an die
Auferstehung. Die Sklaven sollen fünf Tage arbeiten, aber am Sabbat und
am Sonntag sollen sie in die Kirche gehen.“
 Ignatius (anonymer Schreiber):
 „Lasst jeden von euch den Sabbat in einer geistlichen Weise halten und in
der Meditation des Gesetzes jubilieren. Und nachdem der Sabbat beachtet
worden ist, lasst jeden Freund Christi den Herrentag als Festtag halten.“
o Der Sonntag hat schon eine besondere Gewichtung.
 Gregor von Nyssa (5. Jh. n.Chr.):
 Sabbat uns Sonntag sind Schwestern
o Wie kam es dazu, dass man den Sonntag für den Sabbat ersetzt hat?
 Die ersten klaren Hinweise kommen aus Alexandrien und Rom.
 etwa 130 n.Chr. Barnabas von Alexandrien (sehr allegorische Auslegung):
o Der Sabbat repräsentiert das siebte Millennium der Geschichte
dieser Erde.
o Der gegenwärtige Sabbat ist für Gott unakzeptabel und ist
eigentlich der Beginn des achten Tages. Wir sollten den achten Tag
als etwas halten, was Freude macht, weil Jesus an diesem Tag
auferstanden ist.
 ca. 150 n.Chr. Justin Martyr aus Rom:
o direkte klare Bemerkung in Apologie:
 „An dem Tag, den sie Sonntag nennen, versammeln sich
alle, die in den Städten und auf dem Land leben auf einem
Platz, und die Erinnerungen der Apostel und die Schriften
der Propheten lassen sie lesen, solange die Zeit es zulässt
und ...“
 Wie kommt es nun dazu, dass sich diese Veränderung langsam einschlich?
o Grundsätzliches:
 (1) In dieser frühen Phase der Kirchengeschichte wäre es schwer vorstellbar, wenn
ein rein heidnischer Gottesdiensttag plötzlich von der ganzen christlichen Welt Besitz
ergreift.
 Wie wäre es dann zu erklären, dass fast die gesamte Christenheit weiter den
Sabbat gehalten hat?
 These von Kenneth Strand:
o 1Kor 15,20: „Nun aber ist Christus aus den Toten auferweckt, der
Erstling der Entschlafenen.“
 Jesus ist der Erstling von den Toten.
STDO 262 – Dogmatik 2 Denis Kaiser 38

o // 1Kor 5,7: „Fegt den alten Sauerteig aus, damit ihr ein neuer Teig
seid, wie ihr ja bereits ungesäuert seid! Denn auch unser
Passalamm, Christus, ist geschlachtet.“
 Jesus ist das Passahlamm. Er ist das, was sich im
Passahfest erfüllt hat. Danach kommt das Pfingstfest.
 Diese Feier der Erstlingsfrucht war ein jährliches Fest. An
welchem Tag wurde dieses Fest gefeiert?
 // 3Mo 23,11: „Und er soll die Garbe vor dem HERRN
schwingen zum Wohlgefallen für euch; am andern Tag
nach dem Sabbat soll der Priester sie schwingen.“
 Welcher Tag ist damit gemeint?
1. Pharisäer: Tag nach dem Passahsabbat
o Lamm am 14. Nisan getötet; Passahfest
am Sabbat, dem 15. Nisan (muss kein
wöchentlicher Sabbat sein); Erstlings-
frucht am 16. Nisan gefeiert
2. Essener: Tag nach dem wöchentlichen Sabbat
o Erstlingsfrucht immer an einem Sonntag
(einmal im Jahr)
 Wenn die Christen die Aussage von Paulus hier
aufgenommen haben, dann stellt sich die Frage, wann man
einmal im Jahr das Fest zum Gedenken feiert, dass Jesus
die Erstlingsfrucht von den Toten ist?
o In Rom hat man sehr stark Wert darauf gelegt, dass die Feier Jesu
als Erstlingsgarbe immer an einem Sonntag feiert. Anfangs war es
immer eine jährliche Sonntagsfeier.
o Die große Mehrheit der Christenheit (besonders in Kleinasien)
folgte aber viele Jahrhunderte lang der anderen Tradition und folgte
dem jährlichen Fest am 14. bis 16. Nisan.
o Doch Rom und seine Sicht hat sich mehr und mehr durchgesetzt. So
können wir einen Übergang von einer jährlichen Sonntagsfeier zu
einer wöchentlichen Sonntagsfeier.
o Es war also zuerst nicht die Frage, ob es ein heidnischer Tag ist,
sondern es hing mit dem Fest der Erstlingsfrüchte zusammen. Diese
Veränderung fand nicht abrupt statt, sondern der Sonntag war ein
Feiertag, der zuerst dazu kam, parallel gehalten wurde und dann
mehr und mehr Bedeutung gewann.
 (2) Nach dem Tod Neros (rund 60-65 n.Chr.) kamen in Rom große antijüdische
Tendenzen auf. Es gab jüdische Revolten und viele Juden wurden umgebracht.
 Unter Vespasian u.a. wurden eine ganze Reihe Einschränkungen gegen die
Juden eingerichtet. Alles Mögliche, was für die Juden von Bedeutung und
Wichtigkeit war, wurde ihnen verboten. Dadurch griff man das gerade in
Rom auf und schrieb antisemitische Schriften gegen die Juden, ganz einfach
um sich von den Juden abzugrenzen. Wir sind Christen und keine Juden. Wir
tun das und das ja gar nicht wie die Juden.
 So entstand in Rom eine große Distanz zum Judentum gegenüber dem
Christentum.
 (3) Am Sabbat sollten die Leute in Rom fasten.
 Die Kirche in Rom war das Sabbatfasten sehr populär und sehr aggressiv
forciert. Das hat auch wieder mit den antisemitischen Tendenzen zu tun. Für
STDO 262 – Dogmatik 2 Denis Kaiser 39

die Juden war der Sabbat ein fröhlicher Tag und es war ein Tag der Freude
mit gutem Essen.
 Die Christen wollten sich hier wieder abgrenzen. Das Fasten ist ein
Gedenken, dass Jesus am Sabbat im Grab ruhte (Trauer) und als Verachtung
gegenüber den Juden.
 Wenn man am Sabbat fasten soll, dann kann man am Sabbat auch kein
Abendmahl mehr halten. Es ist nicht mehr möglich. Man hat zwar noch die
Sabbatfeier, aber viele Dinge verlagerten sich mehr auf den Sonntag.
 (4) In Rom gab es durch den Mithraskult den Sonnenkult.
 Diese heidnischen Tendenzen bündelten sich in Rom und sie wurden von
denen, die aus dem Heidentum kamen, eher akzeptiert.
 Diese Tendenzen und Veränderungen haben sich in Rom sehr stark forciert
und von dort aus auf das ganze Christentum ausgebreitet hat.
 Diese Veränderung fand also nicht plötzlich statt und auch nicht
flächendeckend.
o Die alte äthiopische Kirche hielt bis ins 4.-6. Jh. n.Chr. den Sabbat.
o Die iroschottische Kirche hielt den Sabbat bis ins 4. Jh. n.Chr.
hinein auch.
 (5) Durch Kaiser Konstantin im Jahr 321 n.Chr. ein Sonntagsgesetz und dann
übernahm die Kirche dieses dann beim Konzil von Laodicea (365 n.Chr.).
o Was lernen wir daraus für uns heute?
 Wer die Geschichte nicht kennt, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen. Wer die
Fehler der Vergangenheit nicht beachtet, wird sie selbst wiederholen.
 Das Aufkommen gewisser Tendenzen oder falscher Aussagen führen bei uns oft
dazu, dass man pauschale Urteile fällt und ins Gegenteil überschwingt und damit auch
andere gute Dinge ins Abseits stellt.
 Man sollte daher immer bemüht sein, sachlich fair zu argumentieren und vorzugehen.
 Man muss aufpassen, auf die Anfänge auf Bewegungen und Trends zu achten, die
weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen. Wenn man erst einmal eine gewisse
Praxis in der Gemeinde etabliert hat, dann kann man es nur noch schwer wieder
zurücknehmen (Gottesdienstformen, Gottesdienststile, Umgang mit Scheidung und
Wiederheirat, usw.). Schnell werden aus „Pilotprojekten“ Musterbeispiele, Maßstab
und Norm für alle. Kleine Anfänge haben weitreichende Konsequenzen.
 Siehe Auszüge, Dies Domini von Papst Johannes Paul II.:
o Studienzwecken „Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls“
o Dank für Initiativen der Bischöfe
o „Es ist darum natürlich, daß sich die Christen dafür einsetzen, daß auch unter den besonderen
Gegebenheiten unserer Zeit die Zivilgesetzgebung ihrer Pflicht zur Heiligung des Sonntags
Rechnung trägt. Es ist für sie jedenfalls eine Gewissenspflicht, die Sonntagsruhe so zu
organisieren, daß ihnen die Teilnahme an der Eucharistiefeier möglich ist, indem sie sich jener
Arbeiten und Tätigkeiten enthalten, die mit der Heiligung des Sonntags, mit der ihm eigenen
Freude und mit der für Geist und Körper notwendigen Erholung unvereinbar sind.“

9. Die Taufe
 Wie kommen wir in die Gemeinde?
o Durch die Taufe. Es gibt keine Kirche, in der es keine Taufe gibt. Überall ist es ein
bedeutender christlicher Ritus, auch wenn sie verschiedene Formen haben und ihre Symbolik
verschiedenen betont wird. Die Taufe ist der Eintrittsmodus in die Kirche.
STDO 262 – Dogmatik 2 Denis Kaiser 40

o Wir unterscheiden uns von den meisten Christen im Taufmodus. An der Tauffrage entscheidet
sich viel im ökumenischen Dialog.
 Wie sollen wir uns taufen lassen?
o Im biblischen Verständnis hat die Taufe mit dem gläubigen Menschen und mit Gott zu tun.
Die Taufe ist ein Bundeszeichen, den der Gläubige mit Gott schließt. Die Taufe hat so
symbolischen Charakter. Gottes Handeln am Menschen und die Übergabe des Menschen an
Gott.
o Mk 16,16: „Wer gläubig geworden und getauft worden ist, wird errettet werden; ...“
 Taufe und Glaube gehören immer zusammen! Taufe ohne Glauben ist unbiblisch. Die
Taufe muss vom Glauben begleitet. Echter Glaube drängt auf die Taufe hin. Echte
Taufe hat immer Glauben als Grundlage.
 Glaube bringt auch immer einen Inhalt mit sich. Ich weiß, wem ich glaube und wem
ich vertraue. Ich weiß, woran ich glaube. Taufe und eine bewusste Entscheidung für
diesen Schritt, den die Taufe ausdrückt, gehören immer zusammen. Glaube und Taufe
sind notwendig für das ewige Leben.
 Ein Säuglingstaufe entspricht dem nicht. Bei einem Säugling ist eine willentliche
Entscheidung für diesen Glauben nicht vorhanden.
 In der katholischen Kirche wird die Taufe als ein heilsnotwendiges Sakrament
angesehen. Kraft der Handlung des Sakraments tritt die Wirkung hervor ( ex opere ex
operatum). Somit wird durch die Handlung an sich etwas Magisches bewirkt. In der
Bibel gibt es diese Bedeutung aber nicht.
o 1Pe 3,21: „Das Gegenbild dazu errettet jetzt auch euch, das ist die Taufe - nicht ein Ablegen
der Unreinheit des Fleisches, sondern die Bitte an Gott um ein gutes Gewissen - durch die
Auferstehung Jesu Christi.“
 Wir bitten Gott um ein gutes Gewissen. Hier ist die Taufe mit der Auferstehung
verknüpft. Wie in Römer 6. Nicht der Sonntag erinnert an die Auferstehung Jesu
Christi, sondern die Taufe.
 Was passierte bei der Arche und Noah?
 Die Arche schwimmt und ist ringsum von Wasser umgeben (Wasser und
Regen). Und alle werden durch das Wasser hindurch gerettet. Das Böse wird
durch das Wasser vernichtet. Die Sintflut war ein Grab, das alles Sündige
bedeckte und vernichtete.
o Rö 6,3-10: „3 Oder wißt ihr nicht, daß wir, so viele auf Christus Jesus getauft wurden, auf
seinen Tod getauft worden sind ? 4 So sind wir nun mit ihm begraben worden durch die Taufe
in den Tod, damit, wie Christus aus den Toten auferweckt worden ist durch die Herrlichkeit
des Vaters, so auch wir in Neuheit des Lebens wandeln. 5 Denn wenn wir verwachsen sind mit
der Gleichheit seines Todes, so werden wir es auch mit der seiner Auferstehung sein, 6 da wir
dies erkennen, daß unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde
abgetan sei, daß wir der Sünde nicht mehr dienen. 7 Denn wer gestorben ist, ist freigesprochen
von der Sünde. 8 Wenn wir aber mit Christus gestorben sind, so glauben wir, daß wir auch mit
ihm leben werden, 9 da wir wissen, daß Christus, aus den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt;
der Tod herrscht nicht mehr über ihn. 10 Denn was er gestorben ist, ist er ein für allemal der
Sünde gestorben; was er aber lebt, lebt er Gott.“
 Wenn ich mich in der Taufe Gott übergebe, dann stirbt mein alter Mensch und ich
erstehe zu einem neuen Leben auf. Ich lasse von diesen Sünden und signalisiere vor
der Gemeinde, vor Gott und den Menschen, dass ich von diesen Sünden lassen will
und mit ihm leben will. Ich möchte zu ihm gehören.
 Genauso wie Christus gestorben ist, stirbt auch im Gläubigen, was mit der Sünde zu
tun hatte. Genauso wie Christus lebt, lebe ich nun in der Nachfolge mit Christus.
 Taufe stellt einen Neuanfang dar (symbolisch). Daher ist die Taufe immer das
Symbol für den Eintritt in die Gemeinde. Die Taufe wird verknüpft mit der
Sinnesänderung. Vorher treffe ich eine bewusste Entscheidung. Die Gabe des Geistes
wird in der Bibel mit der Taufe verknüpft. Jedes Kind, was sich für Gott entscheidet,
STDO 262 – Dogmatik 2 Denis Kaiser 41

bekommt von ihm auch bestimmte Gaben des Geistes. Diese Geistesverleihung ist
auch verknüpft mit der Taufe.
o Apg 2,38: „Petrus aber sprach zu ihnen: Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den
Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden! Und ihr werdet die Gabe des Heiligen
Geistes empfangen.“
 Mit der Taufe werde ich nicht alleine gelassen, sondern mit der Taufe gibt er mir auch
den Heiligen Geist. Mit diesem gibt er mir auch mindestens eine Gabe. Es ist zur
Auferbauung der Gläubigen und der Gemeinde.
 Die Taufe ist auch zur Vergebung der Sünden. Wir bitten um ein reines Gewissen. Es
ist aber kein magisches Mittel, wodurch einfach so die Sünden aufgrund der
Handlung beseitigt werden.
o Jo 3,5: „Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser
und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes hineingehen.“
o Tit 3,4-5: „Als aber die Güte und die Menschenliebe unseres Heiland-Gottes erschien, errettete
er uns, nicht aus Werken, die, in Gerechtigkeit vollbracht, wir getan hätten, sondern nach
seiner Barmherzigkeit durch die Waschung der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen
Geistes.“
 Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes
 Er hat es eine Umkehr im Denken gegeben, die durch die Taufe ausgedrückt wird. Es
ist ein Wasserbad.
o Eph 5,26: „Ihr Männer, liebt eure Frauen! wie auch der Christus die Gemeinde geliebt und sich
selbst für sie hingegeben hat, um sie zu heiligen, sie reinigend durch das Wasserbad im Wort,
damit er die Gemeinde sich selbst verherrlicht darstellte, die nicht Flecken oder Runzel oder
etwas dergleichen habe, sondern daß sie heilig und tadellos sei.“
 Die Taufe ist verknüpft mit dem Inhalt des Wortes.
 Das alte Leben wird zurückgelassen und es wird ein neues Leben geführt, das Gott
gefällt.
o Kol 2,12-13: „Mit ihm begraben in der Taufe, in ihm auch mit auferweckt durch den Glauben
an die wirksame Kraft Gottes, der ihn aus den Toten auferweckt hat. Und euch, die ihr tot wart
in den Vergehungen und in der Unbeschnittenheit eures Fleisches, hat er mit lebendig gemacht
mit ihm, indem er uns alle Vergehungen vergeben hat.“
 Mit Christus begraben (nicht beträufelt) und mit ihm auferweckt.
 Wir waren tot in Sünden und nun sind wir zu einem neuen Leben auferweckt worden.
 Woraus können wir wissen, dass es wirklich ein Wasserbad war und nicht nur ein Beträufeln?
o Apg 8,35-38: „Philippus aber tat seinen Mund auf und fing mit dieser Schrift an und
verkündigte ihm das Evangelium von Jesus. Als sie aber auf dem Weg fortzogen, kamen sie an
ein Wasser. Und der Kämmerer spricht: Siehe, da ist Wasser! Was hindert mich, getauft zu
werden? [Acts 8:37 SCHLACHTER Da sprach Philippus: Wenn du von ganzem Herzen
glaubst, so ist es erlaubt. Er antwortete und sprach: Ich glaube, daß Jesus Christus der Sohn
Gottes ist!] Und er befahl, den Wagen anzuhalten. Und sie stiegen beide in das Wasser hinab,
sowohl Philippus als auch der Kämmerer; und er taufte ihn.“
o Jo 3,23: „Aber auch Johannes taufte zu Änon, nahe bei Salim, weil dort viel Wasser war; und
sie kamen hin und wurden getauft.“
 Man braucht viel Wasser, um getauft werden zu können.
 Praxis-Tipp: Je höher das Wasser ist, umso feierlicher ist die Taufe. Umso weniger
Wasser drin ist, umso schwieriger ist es ein schwere Person wieder rauszukriegen.
Man braucht jemanden nicht mit Kraft unter das Wasser drücken. Außerdem platscht
es nicht so doll, wenn das Wasser höher ist. Es geht viel sanfter ab.
o Mt 3,13-17: „13 Dann kommt Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm
taufen zu lassen. 14 Johannes aber wehrte ihm und sprach: Ich habe nötig, von dir getauft zu
werden. Und du kommst zu mir? 15 Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Laß es jetzt so
STDO 262 – Dogmatik 2 Denis Kaiser 42

sein! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da läßt er ihn. 16 Und als Jesus
getauft war, stieg er sogleich aus dem Wasser herauf; und siehe, die Himmel wurden ihm
geöffnet, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und auf sich kommen. 17
Und siehe, eine Stimme kommt aus den Himmeln, welche spricht: Dieser ist mein geliebter
Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.“
 Taufe empfängt man immer von anderen und kann man nie an sich selbst vollziehen.
 Beispiel: Der Kämmerer wird ziemlich schnell getauft, oder?
o Ohne Zögern wird er ziemlich schnell getauft und es gibt keine lange Unterweisung vorher.
Sie sollen Jesus Christus angenommen haben und das ist erst mal ausreichend.
o Wenn man lange viele Bibelstunden gibt, ist das nicht unbiblisch? Sollte man die Leute nicht
viel schneller taufen?
 Kämmerer hatte Bibelrolle und studierte sie. Er kam nach Jerusalem und wollte mehr
erfahren.
o Mt 28,19-20: „Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern, und tauft sie auf den Namen
des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie alles zu bewahren, was ich
euch geboten habe! Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters.“
 Matthäus vertritt nicht die Lehre, dass zuerst getauft wird und dann gelehrt. Vorher
kommt das Jüngermachen. Jünger befinden sich nicht in einem vorübergehendem
Stadium, sondern habe eine tiefe Beziehung zu Christus.
o (1) Philippus hat ihn getauft, weil der bewusste Wunsch der Person dafür da war.
 Säuglinge haben keinen Wunsch dazu. Es wird über sie fremdbefunden.
o (2) Der Kämmerer war kein Mann, der mit dem Glauben völlig unvertraut war.
 Er muss in erheblichen Maße Kenntnis gehabt haben, sonst wäre er nicht von Afrika
bis nach Jerusalem gekommen. Heiden wurden aus dem Tempel verbannt. Er kam
aber aus dem Tempel, also war er kein Heide, sondern ein Jude, der mit der Schrift
des AT wohlvertraut war. Er hatte den Wunsch, dass was in der Schrift treu
auszuleben. Alles, was ihm fehlte, war die Erkenntnis, dass Jesus die Erfüllung
dessen war, was im Tempel praktiziert wurde. Er war also nicht säkularisiert,
glaubensfremd und unbedarft zum ersten Mal von Jesus hört und von all den anderen
biblischen Inhalten keine Kenntnisse hatte.
o Man kann nicht mit allen Menschen gleich schnell oder langsam verfahren. Es gibt da kein
Schema F. Man muss schauen, wie es bei dem Einzelnen aussieht.
o Apg 8,5-6: „Philippus aber ging hinab in eine Stadt Samarias und predigte ihnen den Christus.
Die Volksmengen achteten einmütig auf das, was von Philippus geredet wurde, indem sie
zuhörten und die Zeichen sahen, die er tat.“
o Apg 8,35: „Philippus aber tat seinen Mund auf und fing mit dieser Schrift an und verkündigte
ihm das Evangelium von Jesus.“
 Verkündigung geht der Taufhandlung voraus. Sie trafen eine bewusste Entscheidung
für Gott.
o Apg 14,27-28: „Als sie aber angekommen waren und die Gemeinde zusammengebracht hatten,
erzählten sie alles, was Gott mit ihnen getan und daß er den Nationen eine Tür des Glaubens
geöffnet habe. Sie verweilten aber eine nicht geringe Zeit bei den Jüngern.“
 Jünger sind die Leute, die sich für die Gemeinde entschieden haben.
o Apg 19,9: „Als aber einige sich verhärteten und ungehorsam blieben und vor der Menge
schlecht redeten von dem Weg, trennte er sich von ihnen und sonderte die Jünger ab und
unterredete sich täglich in der Schule des Tyrannus.“
 Jünger sind die Leute, die sich für die Gemeinde entschieden haben und sich mit
einem ganz bestimmten Glaubensinhalt identifizieren.
o Jo 8,31: „Jesus sprach nun zu den Juden, die ihm geglaubt hatten: Wenn ihr in meinem Wort
bleibt, so seid ihr wahrhaft meine Jünger;“
STDO 262 – Dogmatik 2 Denis Kaiser 43

 Ein Jünger Jesu ist jemand, der ihm gehorsam ist und sich mit einem bestimmten
Inhalt identifiziert.
 Jüngermachen geschieht nicht durch die Taufe, sondern ist eine Unterweisung und
das Taufen ist die Folge auf die Unterweisung, die zuvor geschehen ist.
 (1) Machet zu Jüngern
 (2) Taufet
 (3) Lehret
o Beispiel der Pfingstpredigt durch Petrus:
 Apg 2,22-24: Er verkündigt das Evangelium
 Apg 2,38: Tut Buße und lasst euch taufen!
 Apg 2,41: Wer das Wort der Verkündigung annahm, ließ sich taufen.
 Apg 2,42: Folge -> Sie blieben beständig in der Lehre.
o In grundlegenden Dingen sollten wir eine Kenntnis dessen haben, was biblisch-christlichen
Glauben ausmacht. Es wäre den Leuten gegenüber auch fair, das zu tun. Die Leute sollten
wissen, worauf sie sich einlassen.
 Daher gab es in der frühen christlichen Kirche auch Katechetenschulen. Leute wurden
dort gründlich unterwiesen, weil ihnen der biblische Glaube völlig fremd war. Bei den
Juden war dies nicht so nötig. Bei den Heiden sehr wohl, weil es darüber keinerlei
Kenntnisse gab. Der Glaube war den säkularisierten, heidnischen Menschen noch nie
klar und logisch. Wer dem Evangelium am entferntesten ist, sollte uns nie sagen, wie
wir die Bibel auslegen sollen. Er muss in das biblische Denken eingeführt werden.
 Das ist in jeder Disziplin so (Mathematik, Physik, Biologie, usw.). Er muss in eine
bisher fremde Welt eingeführt werden, damit er versteht, worum es geht.
o Apg 16,30-32: „Und er führte sie heraus und sprach: Ihr Herren, was muß ich tun, daß ich
errettet werde? Sie aber sprachen: Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst errettet werden, du
und dein Haus. Und sie redeten das Wort des Herrn zu ihm samt allen, die in seinem Haus
waren.“
 Es gab eine gewisse Unterweisung, die wohl nicht so lange war, aber scheinbar hat
das Vorwissen zur Taufe ausgereicht.
o Hebr 5,12-14: „Denn während ihr der Zeit nach Lehrer sein solltet, habt ihr wieder nötig, daß
man euch lehre, was die Anfangsgründe der Aussprüche Gottes sind; und ihr seid solche
geworden, die Milch nötig haben und nicht feste Speise. Denn jeder, der noch Milch genießt,
ist richtiger Rede unkundig, denn er ist ein Unmündiger; die feste Speise aber ist für
Erwachsene, die infolge der Gewöhnung geübte Sinne haben zur Unterscheidung des Guten
wie auch des Bösen.“
 Durch den Gebrauch, durch den Gehorsam, durch die Anwendung dessen, was ich
erkannt habe, werde ich in die Lage versetzt, Gutes und Böses zu unterscheiden.
Wenn ich wirklich Substanz haben will, dann muss ich das auch umsetzen.
o Hebr 6,1-2: „Deshalb wollen wir das Wort vom Anfang des Christus lassen und uns der vollen
Reife zuwenden und nicht wieder einen Grund legen mit der Buße von toten Werken und dem
Glauben an Gott, der Lehre von Waschungen und der Handauflegung, der Totenauferstehung
und dem ewigen Gericht.“
 Da sind bestimmte grundlegende Glaubenswahrheiten, auf die weiter fortschreitende
Glaubenswahrheiten aufbauen. Damit ich das verstehe, dann muss ich vorher
bestimmte grundlegende Dinge befolgen. Indem ich das befolge, erschließen sich mir
neue Welten.
 Bestimmte grundlegende Dinge sollte jeder wissen, der sich dieser Gemeinde
anschließt. Das bedeutet nicht, dass die Person vorher alles wissen muss.
o Ein Gemeindewachstum, das zwar schnell ist, aber wo es an der Qualität mangelt, ist der
Gemeinde auf lange Sicht nicht förderlich.
STDO 262 – Dogmatik 2 Denis Kaiser 44

 (1) Wir entscheiden nicht über Erlösung oder Nichterlösung eines Menschen.
 (2) Wir sind an die Bibel gebunden. Wenn eine Person sich offensichtlich nicht an das
hält, was die Bibel sagt, dann stellt sich die Frage, um die Person willig ist, Jesus alles
zu übergeben. Wird in meinem Leben das offensichtlich sichtbar, dass ich mit Jesus
ein neues Leben beginnen möchte?
o Mk 16,16: „Wer gläubig geworden und getauft worden ist, wird errettet werden; wer aber
ungläubig ist, wird verdammt werden.“
 selig: Glaube und taufen lassen
 Taufe ohne den Glauben rettet mich nicht. Das Entscheidende ist der Glaube.
 Die Taufe ist nicht wirksam ohne echten Glauben. Ist Vertrauen in Gott
vorhanden? Das ist die Frage.
 Im Leben der Leute sollte sichtbar eine Veränderung zu sehen sein, die
deutlich macht, dass sie mit Jesus leben wollen. Niemand ist vollkommen,
auch von uns nicht. Aber es gibt offensichtlich sichtbare Dinge, die deutlich
machen, ob jemand mit Jesus leben möchte.
 verdammt: nicht glauben
 Wer aber offensichtlich den Willen Gottes nicht beachtet, dann haben wir
keinen Auftrag diese Handlung oder dieses Verhalten zu segnen.
 Hätte der Schächer am Kreuz weiter gelebt, dann hätte sein Glaube ihn dazu
gedrängt sich taufen zu lassen.
 Taufe, ohne sich einer Kirche anzuschließen?
o Das ist biblisch nicht haltbar.
o 1Kor 12,13: „Denn in einem Geist sind wir alle zu einem Leib getauft worden, es seien Juden
oder Griechen, es seien Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt worden.“
 Eingetaucht in einen Leib. Welche Gemeinde ist der Leib Jesu Christi? Welche
Gemeinde entspricht dem biblischen Bild der Gemeinde am Besten?
 Keiner alleine kann das erfüllen, was hier in 1Kor 12 steht. Deshalb ist die Taufe
immer eine Taufe in eine Gemeinde hinein. Daher ist man durch die Taufe auch in die
Adventgemeinde hineingetauft, dadurch auch in eine Ortsgemeinde und in eine
weltweite Gemeinde.
 Die Taufe kann ich auch nicht an mir selbst vollziehen, sondern geschieht immer
durch andere.
 Wer darf taufen?
 Bestimmte Leute haben den Auftrag erhalten, Taufen durchzuführen:
o Philippus, Paulus, die Jünger
 Warum dürfen nur eingesegnete Prediger taufen?
 Es sollten gewählte Vertrauenspersonen sein, damit eine gewisse Ordnung
vorhanden ist. Ansonsten gibt es einen Wildwuchs, wo jeder irgendwo
irgendwann irgendjemanden taufen kann. Dann hat die Ortsgemeinde gar
keinen Einfluss mehr darauf.
 Wer entscheidet, ob jemand getauft werden kann?
 Der Prediger stellt die Person dem Gemeindeausschuss vor. Da ist
Gelegenheit die Person näher kennenzulernen, wenn es nicht schon vorher
geschehen ist. Der Gemeindeausschuss schlägt es der Gemeinde vor bzw.
empfiehlt es ihr. Die volle Gemeindeversammlung entscheidet, ob derjenige
getauft wird oder nicht. Genauso entscheidet auch die Gemeindeversamm-
lung, ob jemand ausgeschlossen wird oder nicht. Der Prediger kann da gar
nichts machen.
 Welche Taufart ist akzeptabel (bzgl. Wiedertaufe)?
STDO 262 – Dogmatik 2 Denis Kaiser 45

o Immersions-Taufe (Submersions-Taufe)
 Taufe durch Untertauchen.
o Infusionstaufe
 Begießung (Person steht im Wasser und wird mit Wasser begossen)
o Aspersionstaufe
 Besprengung (Wasser wird auf das Gesicht der Person gesprengt)
 Begriffe:
o baptizo:
 Ich tauche ein (vollständig).
o Nipto:
 Ich tauche nur kurz meinen Finger irgendwo rein (teilweise).
 Richtige Form der Taufe:
o Glaubenstaufe durch Untertauchen.
 Kirchengeschichte:
o Die Täufer ließen sich oft nur durch Begießung taufen.
o Es gab Ausnahmen, wo Leute ganz im Wasser untergetaucht werden wollten. Das waren aber
Ausnahmen.
o Wie kam es dazu, dass sie zur Immersion kamen?
 Artikel von Daniel Heinz im Buch über die Taufe von BRI der EUD
 Die Orthodoxe Kirche vertritt eine Säuglingstaufe durch Untertauchen.
 Die Sozinianer flohen in den Westen und durch sie gelangte die
Glaubenstaufe durch Untertauchen in den Westen (nach Holland und
England).
 Alle anderen Formen der Taufe sind unzureichend, weil sie auch die biblische Symbolik nicht
weitergeben. Wer bereits durch eine zulässige Taufe getauft wurde, kann so in die Gemeinde
aufgenommen werden, ohne noch einmal getauft werden zu müssen. Wenn Taufe ein Bundesschluss ist
und kein Sakrament, dann kann sie aber auch wiederholt werden. Wenn jemand den Bund mit Gott
verlassen kann, dann kann man sich nach seinem Abfall auch wieder neu Gott zuwenden und dies durch
eine Wiedertaufe neu kundtun. Allerdings obliegt das der einzelnen Person.
o Sicht der frühen Christen: Ein Mensch sollte wegen der unverdienten Erlösung (bei der Taufe)
aufhören zu sündigen.
 Wie soll es sonst in der Gemeinde Harmonie geben?
 Diese Haltung ist kein Legalismus. Und wir wollen uns dadurch auch nicht das
Wohlwollen Gottes verdienen.
 Wir kommen aus der Heiligungsbewegung. Wir glauben mit ihnen, dass der Mensch
aufgrund der unverdienten Gnade aufhören möchte zu sündigen.
 In diesem Taufverständnis haben wir eine viel größere Verbindung zu den Täufern als
zu Luther, Calvin oder Zwingli. Die Wurzeln, mit denen wir uns als Adventisten am
meisten verbunden fühlen, sind nicht Luther, Calvin und Zwingli.
 Die Täufer traten für eine Trennung von Kirche und Staat ein. Luther usw.
taten das nicht.
 Bei den Täufern gab es welche die den Sabbat hielten, die eine ausgeprägte
Eschatologie hatten, die für eine gewaltfreie Konfliktbewältigung eintraten
und für Erwachsenentaufe waren.
o Die Gemeinde besteht aus Menschen, die eine eigene, bewusste Entscheidung für die Taufe
und die Nachfolge Jesu getroffen haben. Sie schlossen sich dieser Gemeinde aus eigenem
STDO 262 – Dogmatik 2 Denis Kaiser 46

Willen an und stimmten ihren Regeln zu. Dann wird auch die Frage der Reinheit wichtig und
die Frage der Disziplin und Gemeindezucht.
o Schlüsselbegriffe adventistischer Glaubenslehren:
 STA haben von Anfang an eine Taufe abgelehnt, die mystisch eine Heilswirkung
bewirkt. Wir lehnen ein sakramentales Taufverständnis ab.
 Für einen Katholiken ist die Taufe das grundlegendste der 7 Sakramente. Siehe
Sacramentum Mundi. Als solch grundlegendes Sakrament auch heute der Anfang
aller Sakramente, in letzter Konsequenz die Pforte zum christlichen und auch zum
ewigen Leben. Sie tilgt die Erbschuld und alle persönlichen Sünden, macht die
Getauften durch die heiligmachende Gnade teilhaftig der göttlichen Natur, gibt
Annahme an Sohnes statt, beruft und berechtigt die aktive Teilhabe an den übrigen
Sakramenten (z.B. die heilige Eucharistie bzw. Messopfer).
 Wenn man das Sakrament einmal erhalten hat, dann ist es ein für allemal
gültig und kann nicht wiederholt werden. Es ist aus dem Vollzug heraus
gültig, egal wie würdig oder unwürdig der Spender oder der Empfänger ist.
 Selbst durch die Zugehörigkeit einer falschen Kirche ist die Gültigkeit der
Taufe nicht beeinträchtigt. Die Katholiken anerkennen die adventistische
Taufe voll an, falls man mal konvertieren sollte.
 Im Lutherischen Denken ist der sakramentale Charakter der Taufe nie wirklich
überwunden worden. Gott hat sich dem Menschen hier bekannt und einen Bund mit
dem Menschen geschlossen. Gott bricht seinen Bund mit dem Menschen nie. Daher
braucht die Taufe auch nie wiederholt werden. Im Protestantismus fallen die Akzente
zwar ein bisschen anders als in der RKK, aber letztendlich bleibt der unwandelbare
Charakter der Taufe bestehen. Im Augsburger Bekenntnis ist sogar eine klare Spitze
gegen die Täufer drin.

o Taufe sei nötig. Gnade werde dadurch eingeboten. Man solle auch
Kinder taufen. Derhalben werden die Wiedertäufer auch verworfen.
 Dieser Charakter der unwiederholbaren Taufe ist ein wichtiges ökumenisches
Problem.
 Konvergenz-Erklärung der Kommission für Glaube und Kirchenverfassun-
gen der ökumenischen Kirchen (Lima-Erklärung)
o Gespräche über verschiedene Themen (auch Taufe); 1982 wurden
die Erklärungen über Taufe offiziell beschlossen; Die Baptisten
sind im ÖRK ja auch drin. Wie haben sich die hier verhalten?
 Die Katholiken sind Meister der Dialektik. Man kann alles
mögliche hinpacken, aber es spricht alles für sie.
 Pkt. 2: Die Taufe ist das Zeichen neuen Lebens durch
Jesus Christus. Sie vereint die Getauften mit Jesus Christus
und seinem Volk. ...
 Pkt. 3: Taufe bedeutet Teilhabe an Leben, Tod und
Auferstehung Jesu Christi ...
1. vieles was stimmt.
 Pkt. 4: Die Taufe, die Christen zu Teilhabern an Christi
Tod usw. Bekehrung des Herzens ...
 Pkt 8: Die Taufe ist zugleich Gottes Gabe und zugleich
unsere menschliche Antwort auf die Gabe. Die
Notwendigkeit des Glaubens für den Empfang der Taufe
wird von allen Kirchen anerkannt.
 Pkt. 11: Die Möglichkeit das zur NT-Zeit auch die
Kindertaufe praktiziert wurde, kann nicht ausgeschlossen
werden. Die Taufe nach einem persönlichen
STDO 262 – Dogmatik 2 Denis Kaiser 47

Glaubensbekenntnis ist die im NT am eindeutigsten


praktizierte Praxis. Im Laufe der Geschichte hat sich die
Taufe von Säuglingen entwickelt.
1. Taufe von Säuglingen, die von Eltern gebracht
werden
2. Taufe von Glaubenden
 Die Gläubigen- und die Säuglingstaufe kann in der Kirche
durch die Gemeinschaft des Glaubens stattfinden. Im Falle
der Säuglingstaufe wird ein späteres Bekenntnis erwartet.
 Der Unterschied wird weniger schlimm, wenn man
anerkennt, dass in beiden Formen der Taufe eine Initiative
Gottes im Zugang auf den Menschen beinhaltet ist und es
eine Gemeinschaft des Glaubens ist.
 Die Praxis der Säuglingstaufe macht den korporativen Leib
der Kirche deutlich und den Glaubend der Eltern und des
Säuglings deutlich.
 Pkt. 6: Eingliederung in den Lieb Christi: vollzogen im
Gehorsam gegenüber unserem Herrn ist die Taufe ein
Zeichen und Siegel unserer Gemeinsamen Jüngerschaft. ...
Kirche aller Zeiten und Orte. ... Die Unfähigkeit der
Kirchen ihre unterschiedlichen Taufpraktiken als Teilhabe
an der einen Taufe anzuerkennen, macht die Trennung des
Leibes schmerzvoll deutlich. Zur Einheit der Kirche ist das
notwendig.
 Pkt. 13: Taufe ist eine unwiederholbare Handlung. Jegliche
Praxis, die als Wiedertaufe ausgelegt werden könnte, muss
vermieden werden.
 Kirchen die auf einer bestimmten Form der Taufe
bestanden haben oder die Frage an der Gültigkeit von
Sakramenten und Ämtern hatten, haben Wiedertaufen
durchgeführt. Wenn diese Kirchen zu einem volleren
gegenseitigen Verständnis kommen, dann werden sie ganz
natürlich die anderen Taufen als die in Christus gegebene
Einheit in der Taufe anerkennen wollen und sich von
Wiedertaufen enthalten.
 Nicht der Sabbat macht uns als STA von vornherein ökumeneuntauglich,
sondern unser Taufverständnis. Wir sind heutzutage fast die einzige Kirche,
die an diesem Taufverständnis noch festhalten. Alles, was die Ökumene von
uns verlangt, ist, dass wir das, was andere Kirchen haben, als falsch
titulieren.