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JANUAR 2006 · € 6,90 (D/A) DEUTSCHE AUSGABE DES

r Künstliche kalte Antimaterie


r Weltgrößtes Teleskop
für kosmische Strahlen
r Lawinenschutz aus dem All?
r Ray Kurzweil prophezeit
den Menschen 2.0

www.spektrum.de

GENETIK

Auf der Fährte


der Mutationen
Genetische Varianten im Erbgut enthüllen,
wie sich der Mensch über die Erde verbreitet hat

A STROPHY S IK
Galaktische Wellen
13,50 sFr / Luxemburg 8,– €

EPIDE MI OL OGIE
Gerüstet für die
D6179E

Grippe-Pandemie?

SPEZIAL ARCHÄOLOGIE
Zerstörten Dürrekatastrophen
antike Kulturen?
EDITORIAL z Reinhard Breuer
Chefredakteur
฀ ฀ ฀

Schöne neue Welten


Unglücklich der Geist, der um Künftiges bangt.
»Essais«, Michel de Montaigne (1533 – 1592)

unaufhörlich rast die Zukunft auf uns zu und mehr oder weniger gekonnt
werfen wir uns in den Strom der Zeit. Zukunft ist implizit auch das Thema
dreier Beiträge in dieser Ausgabe: über das weltgrößte Observatorium, die
drohende Grippepandemie sowie die Visionen von Ray Kurzweil über den
Umbau des Menschen zu einer »Version 2.0«.
Als ich kürzlich in Argentinien an der Einweihungsfeier des Pierre-Auger-
Observatoriums zur Beobachtung kosmischer Strahlen teilnahm, sah ich, wie
damit auch symbolisch ein Fenster zum Weltall weiter aufgestoßen wurde.
Die Mikrogeschosse bringen die Forscher schier zur Verzweiflung: Kein
Mensch weiß, woher sie stammen – eines der letzten großen Rätsel der As-
trophysik (S. 12). Doch Ge-
heimnisse sind das Salz der
Wissenschaft; und so bildete
der Event in Argentinien nur
einen Mosaikstein innerhalb
der gerade laufenden Entde-
ckung des heißen Kosmos,
angetrieben durch die Ge-
burt der Teilchenastrophysik
im letzten Jahrzehnt. Das
meint neuartige Detektoren
und Observatorien, mit de-
nen derzeit nach Gravitations-
wellen, nach der kosmischen
»Dunklen Energie« und nach Hochenergie-Gammastrahlen gespäht und re-
volutionäre Physik betrieben wird – mit Neutrinos und der direkten Bestim-
฀ ฀ ฀ ฀ ฀
mung ihrer Masse. Ein neues Bild des Universums zeichnet sich ab.
฀ ฀ ฀ ฀ ฀ ฀
Währenddessen bedrängen uns auf der Erde andere Fragen, die gleichfalls drohen – ฀ ฀ ฀ ฀
oder versprechen, unsere Zukunft zu dominieren. Es ist nicht die Frage, ob,
sondern nur, wann ein hochansteckendes Influenzavirus die nächste Pande-
mie auslöst – darin sind sich Epidemiologen einig. Wie die Pläne aussehen,
um dieser globalen Bedrohung zu begegnen, berichten wir ab S. 72.
Mit solchen Details gibt sich Ray Kurzweil bei der Betrachtung der Zukunft
nicht ab. Dem amerikanischen Erfinder und Visionär geht es darum, sich (und
uns) auszumalen, wie Technologien, die sich exponentiell entwickeln, in we-
nigen Jahrzehnten den Menschen verändern werden. Kurzweil, dessen Essay
ich durchaus auch als Polemik verstehe, weitet seine vergangenen Prophe-
tien diesmal auf die biologische Neugestaltung des menschlichen Körpers
und seines Gehirns aus. Dass er mit allem Recht hat, bezweifle ich. Aber
wenn auch nur ein Viertel davon eintreffen wird, dann gehen wir, wie die Chi-
nesen gerne sagen, »interessanten Zeiten« entgegen (S. 100).
Herzlich Ihr

SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006
J AN U AR 2006
I N H A L T

SPEKTROGRAMM
8 Urzeit-Godzilla · Schnecken-Sex · ASTRONOMIE SEITE 22
Neue Plutomonde · Licht der ersten Galaktische Wellen
Sterne · Älteste Kirche? u. a.
Spiralgalaxien gleichen wirbelnden Feuerrädern. Die Ursache dieser
11 Bild des Monats Struktur haben Astronomen erst in den letzten Jahren ergründet: ein
Neues vom Urvogel Wechselspiel zwischen den Bahnen der Sterne und interstellarem Gas
FORSCHUNG AKTUELL
r 12 Der Super-Teilchenfänger in der
Pampa
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- SEITE 62
Das größte irdische Teleskop spürt ANTIMATERIE
der kosmischen Strahlung nach
14 Auf der Fährte der Lepra
Künstliche kalte Antiatome
Wie sich die Seuche einst über den Atome aus Antiteilchen kommen im
Erdball ausbreitete uns bekannten Universum nicht vor.
16 Vampire gegen Schlaganfall Seit Kurzem lässt sich aber Antiwas-
Fledermausenzym verhütet nach- serstoff herstellen. Nun gilt es, diese
trägliches Absterben von Hirnzellen Antiatome so zu verlangsamen, dass
19 Der Flug des Kolibris an ihnen eine fundamentale Symme-
Schwirrende Kolibris ahmen teil- trie getestet werden kann
weise Flugtechnik der Insekten nach

THEMEN
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- SEITE 72
r 22 ASTRONOMIE
Entwicklung von Spiralgalaxien INFLUENZA

r 30 TITELTHEMA GRÜNDERMUTATIONEN Grippepandemie:


Geschichtsträchtige Genspuren Sind wir gewappnet?
Die Welt rüstet sich gegen eine dro-
r SPEZIAL ARCHÄOLOGIE
hende globale Epidemie. Mit Überwa-
42 MAYA chungsmaßnahmen, Medikamenten
Was Sedimente verraten
und neuen Impfstoffen kann es gelin-
50 CHINA
gen, die Seuche im Keim zu ersticken
Von Baumringen und Regenmengen
oder wenigstens einzudämmen
56 ANASAZI
Software-Agenten in Not

r 62 ANTIMATERIE
Künstlicher kalter Antiwasserstoff S P E Z I A L A RC H ÄO LO G I E AB SEITE 42

r 72 INFLUENZA
Rüsten gegen eine Pandemie ------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Maya SEITE 42
r 84 KATASTROPHENSCHUTZ
Warum verließen sie plötzlich ihre
Satelliten zeigen Lawinengefahr
Städte auf Yukatan? Meeressedimen-
r 100 ESSAY te liefern neue Indizien
Provokante Verheißung:
Update für den Menschen ------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

China SEITE 50
Mehrfach griff das Kaiserreich erfolg-
los nach Nordtibet. Uralter Wacholder
Titelbild: Mutationen, die dauerhaft ihre
Spuren im Erbgut hinterlassen, verraten ei- verrät den Grund des Scheiterns
niges über die menschliche Geschichte
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Phil Saunders, Space Channel Ltd.
Anasazi SEITE 56
Die auf der Titelseite angekündigten Themen Der rätselhafte Exodus der Anasazi
sind mit r gekennzeichnet;
im Computermodell: wenn Software-
die mit markierten Artikel können Sie
als Audiodatei im Internet beziehen, siehe: Agenten Indianer spielen
www.spektrum.de/audio

4 SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006
ü
SCIENTIFIC AMERICAN INDIA
üü
J AN UA R 2 0 0 6

KOMMENTAR
20 Springers Einw rfe
Holland, die Hydrometropole

WISSENSCHAFT IM …

40 Alltag: Eine Decke für die Straße


81 R ckblick: Mozarts Ohr ·
Per Auto zum Südpol u. a.

JUNGE WISSENSCHAFT
82 Ein Putzroboter f r die Mama
Schülerwettbewerb »Faszination Technik«

REZENSIONEN

90 Vulkanismus verstehen und erleben


von Gerd Simper
Warum der Mensch glaubt
von Martin Urban
Biomedizin und Ethik
von Hans-Peter Schreiber (Hg.)
TITELTHEMA GRÜNDERMUTATIONEN SEITE 30 Mythos Meer von Monika Rößiger
und Claus-Peter Lieckfeld
Spurensuche im Erbgut Warum Frauen nicht schwach … sind
von Wolfram Henn

e
n
gü g t e in
PISA, Bach, Pythagoras von Dietrich Paul

MATHEMATISCHE UNTERHALTUNGEN

tnaiskroplheküanufszülösen.S
98 Himmlisches Ballett

WEITERE RUBRIKEN
3 Editorial · 6 Leserbriefe /Impressum ·
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- SEITE 84 96 Preisrätsel · 106 Vorschau
FERNERKUNDUNG

Lawinenschutz aus dem All? SPEKTRUM-PLUS.DE


Bei instabiler Schneedecke ZUSATZANGEBOT FÜR ABONNENTEN

unvorsichtiger Skifahrer, um eine Ka- Aus urheberrechtlichen Gründen


atellitentech- können wir Ihnen die Bilder leider
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tig helfen, Risikozonen
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ESSAY
Der Mensch, Version 2.0
Wie wird der Mensch in dreißig Jahren aussehen? Ray Kurzweil, der ameri-
kanische Erfinder und V
hbar und sog
alen Umbau der menschlichen
hlich
SEITE 100
J.M. ABASCAL, UNIVERSITÄT ALICANTE

Integration nach Römerart


Lasst die Besiegten Gesc te
machen! Wie das Imperium un-
terworfene V er integrierte, er-
kunden Arc
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5
SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT
Q JANUAR 2006
LESERBRIEFE
»Theologie ist die sik auch nicht einfach auf, nur
LESERBRIEFE

demütigere weil Newton in mancher Hin-


sicht »zu kurz gesprungen ist«.
Wissenschaft«

PETER ARNOLD INC. / UNEP / MONICA TERRAZAS GLAVAN


Ich bin der Ansicht, The-
Streitgespräch, November 2005 ologie hat wesentlich mit der
Suche nach »Bedeutung« und
Frage nach dem Woher, insofern auch Deutung von
Warum, Wohin Sachverhalten zu tun. Bedeu-
Naturwissenschaft und Reli- ten Welt und Bewusstsein uns
gion ergänzen sich. Mit un- irgendetwas? Können wir reli-
terschiedlichen Methoden ge- giöse Traditionen so mit mo-
hen sie der menschlichen Ur- dernen Weltbildern in ein Ge-
frage nach dem Woher, Wa- spräch bringen, dass daraus
rum, Wohin nach und wollen Antworten auf die großen
dem Menschen eine Lebens- Fragen der Menschen entste- des kleinen menschlichen o Die Reichen oben, die Armen un-
perspektive geben. hen wie: Was ist der Sinn mei- Geistes auf für ihn nicht er- ten; doch letztlich sind alle auf der
Beim »Woher« helfen mir nes Lebens? Wie soll oder klärbare Vorgänge – quasi Erde voneinander abhängig.
sicher wissenschaftliche Er- muss ich leben? Hat die kos- eine Kapitulation vor der
kenntnisse weiter, aber schon mische Reise ins Nichts doch nicht zu bewältigenden Auf-
beim »Warum« bin ich im irgendein Ziel? gabe, das Sein zu verstehen. on der reichen Länder für ihre
Zweifel und beim »Wohin« Ralph T. Strack, Bockenem Wolfgang Ternes, München Agrarprodukte. Auf den afri-
finde ich bisher nur eine Ant- kanischen Märkten sind dann
wort in Gott. Reaktion auf die aus dem Westen impor-
Dr. Reinhard Born, Immenstaad nicht erklärbare Vorgänge Ursachen der tierten Produkte billiger als
Nach meiner »Gottessicht« ist die einheimischen. Und die
Suche nach Bedeutung »Gott« die physikalische Ei- Verschuldung Bauern verarmen.
Eine verantwortliche Theolo- genschaft der Teilchen, sich Das Ende des Elends Walter B. Hähnel, Lübeck
gie wird im 21. Jahrhundert zu bewegen und miteinander November 2005
keinesfalls hinter das natur- zu reagieren. Die Komplexität
wissenschaftliche Weltbild zu- der Teilcheneigenschaften, ih- Die armen Länder erhalten
rückfallen wollen. Im Gegen- rer Massen, Bewegungen und seit vielen Jahren Kredite, die
Raubbau
teil lernen wir Theologen ihrer möglichen Interaktio- aber oft zu gering sind, um wird fortgesetzt
dankbar alles, was in anderen nen bedingt einen dynami- grundlegende Veränderungen Menschheit am Scheideweg
Wissenschaften über Welt schen Trend, der zu dem Phä- zu erreichen. Häufig versan- Oktober 2005
und Mensch ans Licht ge- nomen des astronomischen ken die Gelder auch in den
bracht wird. Kosmos (Gravitation, Kern- Kanälen der Korruption der Dass Fischer »ihren Gewinn
Wir sind überzeugt: Glau- verschmelzung, Sterne, Ga- herrschenden Gruppen und maximieren, wenn sie Gewäs-
be und Wissen können kein laxien, Planeten) führt und gelangten nicht an die be- ser und einzelne Arten nur
Widerspruch sein. Insoweit unter ganz bestimmten, sehr dürftigen Stellen. auf einem nachhaltigen Ni-
muss auch Theologie sich mit seltenen – im kosmischen Die Kredite wurden auch veau bejagen«, klingt logisch,
der Zeit wandeln – wie sich Maßstab dennoch sehr häufi- nicht ohne Hintergedanken reicht aber nicht aus.
naturwissenschaftliche Welt- gen – Umständen zur Entste- gegeben. Es waren oft poli- So brachen die ehemals
bilder wandeln. Und sie tut hung von Leben und zwangs- tische Interessen dabei. Die sehr reichhaltigen Fanggrün-
dies auch – allerdings oft zu läufig zur Evolution führt. Korruption der Herrschenden de vor der Küste Westafrikas
langsam. Natürlich erledigen Gott ist also eine materie- in den armen Ländern störte durch Überfischung weit ge-
sich theologische Vorstellun- immanente Eigenschaft, die die Geldgeber nicht. Die Zin- hend zusammen. Da sich aber
gen ebenso wie naturwissen- einfach »ist«, einen Grund sen für die Kredite muss die parallel zum Rückgang der
schaftliche immer wieder. dafür gibt es nicht. Ihn zu arme Bevölkerung aufbrin- Bestände auch die Preise ent-
Aber wir geben doch die Phy- suchen, entstammt dem gen. So gerieten die armen sprechend erhöht haben,
menschlichen Ursache-Wir- Länder in die Verschuldungs- lohnt sich das Fischen weiter-
kungs-Verständnis. Die (für falle. Der Zinsendienst für die hin. Und eine Senkung der
Briefe an die Redaktion …
den menschlichen Geist auf Kredite ist in einigen Ländern Fangquoten wird meistens
… richten Sie bitte mit Ihrer seiner heutigen evolutionä- schon fast so hoch wie das ge- erst dann akzeptiert, wenn es
vollständigen Adresse an: ren Stufe) nahezu unfassbare samte Wirtschaftsaufkommen nichts mehr zu fischen gibt.
Spektrum der Wissenschaft Kompliziertheit der physikali- eines Jahres. Wo sollen da Diese Überlegungen las-
Ursula Wessels schen, chemischen, biologi- noch Möglichkeiten für In- sen sich verallgemeinern. Da-
Postfach 10 48 40 schen Vorgänge ist die Folge vestitionen sein? her denke ich, dass der Raub-
D-69038 Heidelberg der unendlichen Interaktions- Ein zweiter wesentlicher bau an der Natur ungehemmt
E-Mail: wessels@spektrum.com möglichkeiten der Agenzien. Punkt ist in diesem Artikel weitergehen wird. Es entbehrt
»Religion« ist die Reaktion nicht erwähnt: die Subventi- nicht einer gewissen Ironie,

6 SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006
dass unsere moderne Wirt- besteht. Allerdings habe ich sparpotenzial, ohne auf den

äää
Chefredakteur: Dr. habil. Reinhard Breuer (v.i.S.d.P.)

ää
Stellvertretende Chefredakteure: Dr. Inge Hoefer (Sonder-
schaftsgesellschaft daran schei- bisher kein veröffentlichtes Nutzen verzichten zu müssen. hefte), Dr. Gerhard Trageser
Redaktion: Dr. Klaus-Dieter Linsmeier, Dr. Christoph Pöppe
tern könnte, dass wir nicht Bild gesehen, welches dieses Es ist allerdings nicht so billig (Online Coordinator), Dr. Adelheid Stahnke; E-Mail:

ü
redaktion@spektrum.com
mehr das Äquivalent von Hei- Faktum demonstriert. zu haben, wie Lovins es uns St ndiger Mitarbeiter: Dr. Michael Springer
Schlussredaktion: Christina Peiberg (kom. Ltg.),
ligen Kühen (= Ressourcen) Im Sommer 1944 habe glauben machen will. Je mehr Sigrid Spies, Katharina Werle
haben, die auch in der größ- ich auf dem Stegskopf (Wes- wir davon nutzen wollen, des- Bildredaktion: Alice Krüßmann (Ltg.), Anke Lingg,
Gabriela Rabe
ten Not nicht angetastet wer- terwald) mit einer Baby-Box to mehr müssen wir auf teure Art Direction: Karsten Kramarczik
Layout: Sibylle Franz, Oliver Gabriel, Marc Grove,
den dürfen. einige Aufnahmen von Blitzen Techniken zurückgreifen; und Anke Heinzelmann, Claus Sch fer, Natalie Sch fer
Redaktionsassistenz: Eva Kahlmann, Ursula Wessels
Jörg Michael, Hannover mit aus der Hand bewegter wie viel wir davon am Ende Redaktionsanschrift: Postfach 10 48 40, D-69038 Heidelberg,
Tel. 06221 9126-711, Fax 06221 9126-729
Kamera gemacht. Leider sind bezahlen wollen und können, Verlag: Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft
mbH, Postfach 10 48 40, D-69038 Heidelberg;
die Negative und Abzüge, bis ist noch nicht ausgemacht. Hausanschrift: Slevogtstraße 3–5, D-69126 Heidelberg,

Erinnerungen an auf einen, bei Kriegsende ver- Dr. Hermann Henssen, Overath Tel. 06221 9126-600, Fax 06221 9126-751;
Amtsgericht Heidelberg, HRB 8114
loren gegangen. Hier ein Aus- Verlagsleiter: Dr. Carsten Könneker
Obelix schnitt des gescannten Bildes.
Gesch ftsleitung: Markus Bossle, Thomas Bleck
Herstellung: Natalie Sch fer, Tel. 06221 9126-733
Marketing: Annette Baumbusch (Ltg.), Tel. 06221 9126-741,
Übergewicht berbewertet? Bedauerlicherweise ist un-
Oktober 2005
Galileis Gedanken- E-Mail: marketing@spektrum.com
Einzelverkauf: Anke Walter (Ltg.), Tel. 06221 9126-744
ter den verloren gegangenen Übersetzer: An diesem Heft wirkten mit: Dr. Markus Fischer,
Bildern eins gewesen, das experiment Dr. Rainer Kayser, Dr. Klaus-Dieter Linsmeier, Dr. Susanne
Lipps-Breda, Dr. Achim Schneider, Claus-Peter Sesin.
Der Artikel erinnert mich ir- möglicherweise von höherem Physikalische Unterhaltungen Leser- und Bestellservice: Tel. 06221 9126-743,
E-Mail: marketing@spektrum.com
gendwie an Obelix: »Hier ist Erkenntniswert gewesen ist. November 2005 Vertrieb und Abonnementverwaltung: Spektrum der

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Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH, c/o Zenit Presse-
nur einer dick, und der ist Auch da waren mehrere Über- vertrieb GmbH, Julius-Hölder-Str. 47, D-70597 Stuttgart-
Degerloch, Vertretungsberechtigter: Uwe Bronn
nicht dick.« schläge nebeneinander zu se- Ich finde diese Idee faszinie- Bezugspreise: Einzelheft € 6,90/sFr 13,50; im Abonnement
€ 75,60 für 12 Hefte; für Studenten (gegen Studiennach-
Vielleicht gibt es auch hen. Nach meiner Erinnerung rend. Galileo Galilei hat im weis) € 65,40. Die Preise beinhalten € 6,00 Versandkosten.
eine Korrelation zwischen zeigte kein Überschlag eine »Dialogo« das Gedankenex- Bei Versand ins Ausland fallen € 6,00 Portomehrkosten an.
Zahlung sofort nach Rechungserhalt.
dem BMI der jeweiligen Ver- Verzweigung, aber eine der periment der Erddurch- Konto: Postbank Stuttgart 22 706 708 (BLZ 600 100 70)
Anzeigen: GWP media-marketing, Verlagsgruppe Handels-
fasser und ihren vertretenen Bahnen nahm im unteren bohrung durch den Erdmit- blatt GmbH; Bereichsleitung Anzeigen: Harald Wahls;
Anzeigenleitung: Hartmut Brendt, Tel. 0211 6188-145,
Forschungsergebnissen? Drittel einen anderen Verlauf. telpunkt gemacht, um zu Fax 0211 6188-400; verantwortlich für Anzeigen:
Gerlinde Volk, Postfach 102663, D-40017 Düsseldorf,
Norbert Mundigler, Wien Dies lässt mich vermuten, illustrieren, dass Pendel-

ääää
Tel. 0211 887-2387, Fax 0211 887-2686
Anzeigenvertretung: Berlin: Michael Seidel, Friedrichstraße
dass Blitze sich nicht – oder schwingung und freier Fall 150, D-10117 Berlin, Tel. 030 61686-144, Fax 030 6159005;
nur selten – verzweigen, son- nach demselben Gesetz ablau- Hamburg: Siegfried Sippel, Burchardstraße17/I, D-20095
Hamburg, Tel. 040 30183-163, Fax 040 30183-283;

Darstellung von Blitz- dern einzelne Überschläge sich fen. Hier seine Formulierun- Düsseldorf: fs//partner, Stefan Schließmann, Friedrich
Sültemeier, Bastionstraße 6a, D-40213 Düsseldorf, Tel.
eine andere Bahn suchen. gen nach der deutschen Über- 0211 862997-0, Fax 0211 132410; Frankfurt: Klaus-Dieter
Überschl gen Ben-Michael Sch ler, Hamburg setzung:
Mehnert, Eschersheimer Landstraße 50, D-60322 Frankfurt
am Main, Tel. 069 242445-38, Fax 069 242445-55; Stuttgart:
Vom Blitz getroffen »wenn die Erde durch den
Dieter Drichel, Werastraße 23, D-70182 Stuttgart, Tel. 0711
22475-24, Fax 0711 22475-49; München: Karl-Heinz Pfund,
November 2005

einzlerÜberschläge.
Josephspitalstraße 15/IV, D-80331 München, Tel. 089
Mittelpunkt hindurch durch- 545907-30, Fax 089 545907-24

Energieeinsparung bohrt wäre, (würde) eine Druckunterlagen an: GWP-Anzeigen, Vermerk: Spektrum
der Wissenschaft, Kasernenstraße 67, D-40213 Düsseldorf,
Ein wunderbarer Artikel, der durch diesen Schacht hin- Tel. 0211 887-2387, Fax 0211 887-2686

zeigt, wie wenig wir über eine nicht zum Nulltarif durch sich bewegende Kano-
Anzeigenpreise: Gültig ist die Preisliste Nr. 27 vom
01.01.2006.
Gesamtherstellung: Konradin Druck GmbH,
alltägliche wichtige Naturer- Weniger Energie – mehr Gewinn nenkugel im Mittelpunkte

ä
Leinfelden-Echterdingen
scheinung wissen. Oktober 2005 eine solche Geschwindigkeit S mtliche Nutzungsrechte an dem vorliegenden Werk
liegen bei der Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesell-
Es wird darauf hingewie- erlangen, dass sie infolge der- schaft mbH. Jegliche Nutzung des Werks, insbesondere
sen, dass ein Blitz meist aus In einem Sinne hat Lovins selben über den Mittelpunkt die Vervielf ltigung, Verbreitung, öffentliche Wiedergabe
oder öffentliche Zug nglichmachung, ist ohne die vorherige
einer Serie von Überschlägen Recht. Es gibt ein großes Ein- hinaus eine ebenso große Stre- schriftliche Einwilligung der Spektrum der Wissenschaft
Verlagsgesellschaft mbH unzul ssig. Jegliche unautorisier-
cke aufwärts getrieben würde, te Nutzung des Werks berechtigt die Spektrum der Wissen-
schaft Verlagsgesellschaft mbH zum Schadensersatz gegen
als sie vorher gefallen ist; da- den oder die jeweiligen Nutzer.
Bei jeder autorisierten (oder gesetzlich gestatteten)
Blitze bestehen aus einer Serie bei würde die Geschwindig- Nutzung des Werks ist die folgende Quellenangabe an
keit jenseits des Centrums um branchenüblicher Stelle vorzunehmen: © 2005 (Autor),
Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH,

Ebrehm
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fZaeitscährdflenm
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die nämlichen Beträge abneh- Heidelberg.
Jegliche Nutzung ohne die Quellenangabe in der vorste-
men, um welche sie beim Ab- henden Form berechtigt die Spektrum der Wissenschaft
Verlagsgesellschaft mbH zum Schadensersatz gegen den
steigen zugenonmmen hat, oder die jeweiligen Nutzer. Für unaufgefordert eingesandte
Manuskripte und Bücher übernimmt die Redaktion keine
und die Zeit, welche zu die- Haftung; sie beh lt sich vor, Leserbriefe zu kürzen.
sem zweiten Teile der Bewe- ISSN 0170-2971
gung erforderlich wäre, würde SCIENTIFIC AMERICAN
meiner Ansicht nach der für 415 Madison Avenue, New York, NY 10017-1111
Editor in Chief: John Rennie, Publisher: Bruce Brandfon,
den Fall erforderlichen gleich Associate Publishers: William Sherman (Production),
Lorraine Leib Terlecki (Circulation), Chairman: John
sein« (etwas schwerfällige Sargent, President and Chief Executive Officer: Gretchen G.
Teichgraeber, Vice President: Frances Newburg, Vice Presi-
Übersetzung von Emil Strauss dent/Managing Director, International: Dean Sanderson
in: »Dialog über die beiden
hauptsächlichsten Weltsyste-
B.-M. SCHÜLER

me«, Darmstadt 1982). und Bahnhofsbuchhandel und

Hans Bieri, Schinznach-Bad, Schweiz diesem Zeichen.

SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006 7
SPEKTROGRAMM
SPEKTROGRAMM

NATIONAL GEOGRAPHIC 2005



r
Mit ihrem mächtigen Sägezahngebiss zerfleischte die

ä ä
vier Meter lange Meeresechse Dakosaurus andinien-
sis – links ein Schädelfossil, oben der rekonstruierte
Kopf – auch große Beutetiere.
PA LÄONTOLO GIE

Urzeit-Godzilla
Q An das japanische Filmmonster fühlten sich die Forscher gut einen Meter langen Schnauze verbargen sich riesige, dolch-
erinnert, als sie die fossilen Reste einer riesigen Panzerechse artige Zähne ähnlich wie bei den an Land lebenden Raubsauri-
in Patagonien entdeckten. Das gut vier Meter lange Mee- ern der gleichen Epoche. Mit diesem Beißwerkzeug ze eisch-
restier sah aus wie eine Kreuzung aus einem Krokodil und te Dakosaurus andiniensis vor 140 Millionen Jahren offenbar
einem Tyrannosaurus rex. Auf vereinzelte Knochen des vor- große Beutetiere. Seine ebenfalls im Meer lebenden Verwand-
zeitlichen Reptils waren Zulma Gasparini von der argentini- ten besaßen dagegen lange, schmale Schnauzen mit nadel hn-
schen Universidad National de la Plata und Diego Pol von der lichen Z hnen und mussten deshalb mit Schnecken und kleinen
Ohio State University schon 1996 gestoßen. Doch erst der Fischen vorlieb nehmen. Wie diese unterschied sich das martia-
Fund zweier Exemplare mit einem fast komplett erhaltenen lische Jura-Reptil von heutigen Krokodilen in einem Punkt: Es
Schädel zeigte nun, wie das grausige Urvieh aussah: In seiner hatte Flossen statt Beine. Science Express, 10. 11. 2005

ARC HÄOL OGIE

Frühchristliche Mosaike im Knast


Q Ins Gefängnis gehen die wenigsten Mustern, altgriechischen Inschriften und vor nämlich Kaiser Konstantin das Chris-
freiwillig. Und wer würde dort architekto- einem Fischemblem – dem Symbol der tentum ab dem Jahr 313 tolerierte,
nische Kostbarkeiten suchen? Doch die Urchristen (das griechische Wort für konnten dessen Anhänger ihre Rituale
Haftanstalt von Megiddo im Norden Isra- Fisch lässt sich als Akronym für »Jesus nur im Verborgenen ausüben. Der Gra-
els könnte sich zur Touristenattraktion Christus, Gottes Sohn, Heiland« lesen). bungsleiter Jotam Tepper schließt in-
entwickeln. Denn Archäologen haben hier Das genaue Alter des Funds ist noch des nicht aus, dass die Kirche schon im
zusammen mit sechzig Häftlingen Reste unklar. Viele Wissenschaftler halten es ersten Jahrhundert Christen als Kultstät-
einer frühchristlichen Kirche freigelegt: für unwahrscheinlich, dass die Kirche vor te diente. Dafür spricht etwa eine der
einen Mosaikboden mit geometrischen dem 4. Jahrhundert entstanden ist. Be- drei Inschriften, in der eine Frau namens
Akeptous als Spenderin eines Tischs
genannt ist. Von dem später üblichen
Altar fehlt dagegen jede Spur – ebenso
wie von einem Kreuz. Vielleicht feier-
ten die frühen Christen in der Tradition
Aus urheberrechtlichen Gründen ihres Religionsstifters das Abendmahl
können wir Ihnen die Bilder leider noch an einem Tisch.
nicht online zeigen.

l Das Fischemblem und drei Inschriften zeigen:


Dieser Mosaikboden gehörte zu einer frühchrist-
lichen Kirche.

114 SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006
ZOO L OGIE

Evolution auf Eis


Q Die eigentümliche Lebensweise der dabei herausfanden, unterscheidet sich
Pinguine – kürzlich auch im Kino zu be- eine heutige Gruppe von Adéliepingui-
sichtigen – macht die Antarktisbewoh- nen genetisch beträchtlich von ihren
ner zum idealen Studienobjekt für Po- Vorfahren vor 6000 Jahren. Beim Ver-

YVETTE WHARTON UND VIVIAN WARD, UNIVERSITY OF AUCKLAND


pulationsgenetiker. Ihre Brutplätze sind gleich sich wiederholender Abschnitte
eine Fundgrube für genetisches Materi- der DNA im Zellkern von fossilen mit
al, das in dem trocken-kalten Klima wie heutigen Tieren zeigte sich, dass von
in einer riesigen Tiefkühltruhe lange Zeit neun untersuchten Gensegmenten bei
unbeschadet überdauert. Zudem keh- den derzeit lebenden Vögeln vier ver-
ren die Vögel jeden antarktischen Som- größert und zwei geschrumpft waren.
mer an den gleichen Ort zurück, um Die Forscher erklären sich diesen
dort ihre Eier auszubrüten. Da einige raschen genetischen Wandel mit wie-
Küken die ersten Monate nicht überle- derholten Eisabbrüchen. Die von ihren
ben, hinterlassen sie reichlich fossile Brutplätzen abgeschnittenen Tiere hät-
Überreste, die sauber geschichtet Tau- ten sich jeweils mit Vögeln anderer
sende von Jahren dokumentieren. Gruppen gepaart und deren Erbgut da- o Pinguine, die beim Abbruch riesiger Eisschol-
Dieses Material haben neuseelän- bei aufgefrischt. Proceedings of the National len von ihren Brutplätzen abgeschnitten werden,
dische Forscher nun analysiert. Wie sie Academy of Sciences, Bd. 102, S. 16717 schließen sich anderen Populationen an.

KL IM A

Entwarnung bei Kondensstreifen


Q Fliegen ist umweltschädlich: Die Trieb- ermittelte ein Team um Robert Sausen
werkabgase verstärken den Treibhausef- vom Deutschen Luft- und Raumfahrtzent-
fekt, und auch die Kondensstreifen tragen rum (DLR) nun anhand genauerer Beob-
zur globalen Erwärmung bei. Dieser Fak- achtungsdaten sowie verfeinerter Analy-
tor wurde bisher allerdings überschätzt. sen der mikrophysikalischen Eigenschaf-
Nach dem letzten Bericht des Intergo- ten und Häufigkeit von Kondensstreifen.
vernmental Panel on Climate Change Allerdings fördern die weißen Striche
(IPCC) sollen die »Dunstfahnen« der Flug- am Himmel die Bildung von Zirruswolken,
zeuge das Klima genauso stark beeinflus- die vom Boden abgestrahlte Wärme auf
sen wie das ausgestoßene Kohlendioxid. die Erdoberfläche reflektieren. Dabei sind
Kondensstreifen tragen weniger zur globalen Tatsächlich beträgt ihr direkter Effekt auf sie nach den neuen Berechnungen bis zu
Erwärmung bei, als das IPCC meint. den irdischen Strahlungshaushalt aber doppelt so wirksam wie bisher gedacht.
DLR

höchstens ein Drittel dieses Werts. Das Meteorologische Zeitschrift, Bd. 14, S. 555

VERHALT EN

Spermatausch beim Schnecken-Sex


Q Sex ist ein schwieriges Pflaster. Das übervorteilt zu werden, hat nun Nils
gilt selbst – oder sogar besonders – in Anthes von der Universität Tübingen an
der Schneckenwelt. Denn als Zwitter Meeresschnecken der Art Chelidura
müssen die Tiere beim Tête-à-Tête erst hirundina nachgewiesen. Bei diesen
einmal klären, wer denn nun was sein fließt das Sperma durch eine äußere
darf. Die Weibchenrolle ist beliebter, Hautfalte von den Keimdrüsen zum
weil weniger anstrengend: Schließlich Penis. Anthes verklebte diesen Kanal
NILS ANTHES / CURRENT BIOLOGY

bekommt frau Sperma geschenkt, das durch Erhitzen, sodass die Tiere zwar
mann mühsam produzieren muss. Wie noch kopulieren, aber keinen Samen
lassen sich da die Interessen der Be- mehr übertragen konnten. Versuchte
teiligten zum Ausgleich bringen? eine derart manipulierte Schnecke ihr
Das Zauberwort heißt Gegenseitig- Glück bei ihresgleichen, kam es regel-
keit. Der Geschlechtsakt geht über vie- mäßig zum Eklat: Das enttäuschte
le Runden, in denen jeweils die Rollen- Partnertier wandte sich nach kürzester o Ohne Sperma kein Sex: Meeresschnecken der
verteilung wechselt. Dass die Partner Zeit von ihr ab und beendete brüsk das Art Chelidura hirundina – hier in Yin-Yang-Position
dabei peinlich darauf achten, nicht Liebesspiel. Current Biology, Bd. 15, S. 792 beim Koitus – nehmen es da sehr genau.

SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006 9
M ED IZ I N

Endlich ein
Malaria-Impfstoff?
Q Die Malaria gehört zu den größten
Geißeln der Menschheit. Jährlich erkran-
ken eine halbe Milliarde Menschen an der
Seuche und etwa 1,5 Millionen sterben
daran – die meisten Kinder. Schon sehr
lange suchen Wissenschaftler deshalb

NASA / ESA / STSCI, GREG BACON


nach einem Impfstoff. Nun gibt es einen
aussichtsreichen Kandidaten namens
RTS,S. Er vereint eine immunstimulieren-
So könnte Pluto von seinem neuen Mond aus er- de Komponente eines Proteins des Hepa-
scheinen – rechts klein sein Begleiter Charon. titis-B-Virus (RTS) mit einem Oberflächen-
protein aus Sporozoiten (S), der Form des
P LANETOLO GIE Malaria-Erregers Plasmodium falciparum,
die von der Mücke auf den Menschen
Mehr Monde für Pluto übertragen wird. Dadurch lenkt das Vak-
zin die Immunantwort gegen ein frühes
Q Nichts Neues unter der Sonne? Mit- Ihre Größe läßt sich noch nicht ex- Stadium des Parasiten, das noch keine
nichten! Nicht nur, dass in jüngster Zeit akt angeben, weil sie nur anhand ihrer Krankheitssymptome hervorruft.
etliche Kandidaten für weitere Planeten Helligkeit geschätzt werden kann, die Bei der jüngsten klinischen Studie ver-
endeckt wurden – nun gab es auch Zu- von der unbekannten Beschaffenheit schaffte RTS,S zwar keinen vollständigen
wachs bei den Monden. Schon Mitte ihrer Oberfläche abhängt. Mit Durch- Immunschutz. Aber damit geimpfte ein-
Juni waren dem Planetenjäger Max messern zwischen 55 und 160 sowie bis vierjährige Kinder in Mosambik er-
Mutchler vom Space Telescope Science 45 und 130 Kilometern sind die neuen krankten in den folgenden 18 Monaten
Institute in Baltimore auf Bildern des Monde aber in jedem Fall sehr viel klei- nur halb so häufig an schwerer Malaria
Hubble-Weltraumobservatoriums vom ner als Plutos bereits bekannter Be- wie ihre Altersgenossen. Zur Finanzie-
Mai zwei neue Objekte in der Nähe von gleiter Charon. Außerdem umkreisen rung weiterer Studien hat die Bill-und-
Pluto aufgefallen. Nachdem andere US- sie den Planeten in mehr als dem dop- Melinda-Gates-Stiftung 107,6 Millionen
Forscher die beiden Körper nun auch pelten Abstand: Die Bahnradien von US-Dollar zugesagt. Um einen kompletten
auf alten Hubble-Aufnahmen von 2002 S/2005 P1 und S/2005 P2, wie die Immunschutz zu erzielen, planen die For-
aufgespürt haben, steht fest, dass es Neulinge vorläufig heißen, betragen scher, den Impfstoff mit weiteren Antige-
sich um Trabanten des äußersten Plane- 49 000 und 65 000 Kilometer. nen des Malaria-Erregers zu kombinieren.
ten im Sonnensystem handelt. news@nature.com vom 31. 10. 2005 The Lancet online vom 15. 11. 2005

ASTR ONOM IE

Spuren der ersten Sterne


Q Wenn Astronomen ihre Teleskope in land) jetzt das Licht der ersten Sterne Observatoriums von einer Region im
die Tiefe des Weltalls richten, blicken sie entdecken. Diese entstanden schon we- Sternbild Drachen und filterten Störsig-
zugleich in die Vergangenheit. So konn- nige hundert Millionen Jahre nach dem nale durch nahe gelegene Galaxien
ten Forscher am Goddard-Raumfahrt- Urknall. Simulationen zufolge waren es und Sterne sorgfältig heraus. Übrig blieb
zentrum der Nasa in Greenbelt (Mary- Giganten mit mehr als hundert Sonnen- ein geflecktes Muster aus hellen und
massen, die schnell verglühten. Dabei dunklen Stellen. Das passt zu Hypothe-
NASA, JPL, GSFC, ALEXANDER KASHLINSKY / CALTECH

strahlten sie UV-Licht ab, dessen Wel- sen, wonach sich die Sterne des frühen
lenlänge wegen der Ausdehnung des Universums zu Clustern zusammenball-
Weltalls heute im Infrarotbereich liegt – ten – entsprechend den hellen Berei-
einer Spektralregion, auf die das Spitzer- chen im Bild. Die Auflösung der Spitzer-
Weltraumteleskop spezialisiert ist. Daten reicht nicht aus, um auch einzelne
Die Nasa-Forscher verwendeten für Sterne abzubilden. Das könnte frühes-
ihre Analyse deshalb Aufnahmen dieses tens gelingen, wenn im Jahr 2013 das
noch leistungsstärkere James-Webb-
l Wird in der Infrarotaufnahme des Spitzer-Te- Weltraumteleskop in Betrieb geht.
leskops das Licht der näheren Himmelsobjekte Nature, 3. 11. 2005, S.45
(oben) herausgerechnet, erscheinen Cluster der
ersten Sterne als helle Bereiche (unten). Mitarbeit: Stephanie Hügler und Achim G. Schneider

SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006
Neues
vom Urvogel
Ein jüngst aufgetauchtes zehntes Fossil
von Archaeopteryx, das nun erstmals
beschrieben wurde, gewährt weitere in-
teressante Einblicke in Anatomie, Ab-
stammung und Lebensweise des rund
150 Millionen Jahre alten, elstergroßen
Urvogels (Science, 2. 12. 2005, S. 1483).
So ähneln die besonders gut erhalte-
nen Füße weniger denen von Vögeln
als von Raubsauriern (Theropoden).
Wie bei diesen ist die erste Zehe zwar
seitlich abgespreizt, steht den anderen
aber nicht gegenüber. Demnach war
Archaeopteryx wohl nicht an ein per-
manentes Leben im Geäst angepasst.
Auch bei der zweiten Zehe unterschei-
det er sich von den heutigen Vögeln.
Sie ist weit vorstreckbar wie bei den
Dromaeosauriern, einer Untergruppe
der Theropoden, trägt allerdings nicht
die bei diesen übliche große »Killerkral-
le«. Zusammen mit Gemeinsamkeiten
bei etlichen Schädelmerkmalen bestä-
tigt das die Theorie, dass Archaeopte-
ryx eng mit den Raubsauriern verwandt
war. Die gezeigte Aufnahme entstand
im UV-Licht, in dem erhaltene Reste or-
ganischer Substanz weiß uoreszieren,
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geklinkt ist ein normales Foto.


11

GERALD MAYR, FORSCHUNGSINSTITUT SENCKENBERG, FRANKFURT

BILD DES MONATS



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ASTRONOMIE z

NASA / ESA / STSCI, STEVEN BECKWITH

22 SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006
Galaktische Wellen
Die prachtvollen Formen der Galaxien entstehen durch
komplexes Wechselspiel zwischen den Umlaufbahnen der Sterne
und dem interstellaren Gas.

Von Françoise Combes die Spiralarme an einem zentralen die Staubwolken zu durchdringen ver-
Ring aus Sternen an. In den meisten mag, die uns im Sichtbaren den Blick

D
ie ästhetische Eleganz einer Sternsystemen beginnen die Spiralar- auf den galaktischen Kern verwehren,
Spiralgalaxie gehört zu dem me jedoch an einer balkenförmigen zeigen den Balken direkt und konnten
Schönsten, was die Astro- Struktur. Eine solche Balkenspirale äh- so alle verbliebenen Zweifel zerstreuen.
nomie zu bieten hat. Ein nelt einem rotierenden Rasensprenger, Wenngleich Balken und Spiralarme
klassisches Beispiel ist M 51 im Stern- bei dem das Wasser zunächst durch ein wie starre Strukturen erscheinen, sind
bild Jagdhunde (Foto links): Diese Ga- gerades Rohr fließt, bevor es dann im sie in Wahrheit sehr dynamisch: Es
laxie ähnelt einem gigantischen Wir- rechten Winkel dazu ausströmt. handelt sich um Wellen, die durch die
bel, weshalb Astronomen ihr neben Viele halten unser Milchstraßen- Scheibe aus Sternen, Gas und Staub
der nüchternen Katalognummer auch system – die Galaxis – für eine reine hindurchlaufen und dabei die Materie
einen Eigennamen verpasst haben – Spiralgalaxie, doch tatsächlich handelt heftig umverteilen können. Da sich
»Whirlpool«. Ihre hellsten Sterne rei- es sich um eine Balkenspirale. Erste in- solche Vorgänge über Jahrmillionen
hen sich entlang der ausgeprägten Spi- direkte Hinweise darauf fanden Astro- hinweg abspielen, sehen wir sie wie in
ralarme auf wie Perlen an einer Schnur. nomen schon 1975: Sterne und Gas in einer Momentaufnahme gleichsam
Dunkle Staubschwaden, die neben die- der Mitte der Galaxis folgen nicht den eingefroren. Derartige Wellen sind ein
sen Lichterketten verlaufen, verraten Bahnen, die zu erwarten wären, wenn Beispiel dafür, wie sich scheinbar kon-
die Anwesenheit interstellarer Materie, sich die Spiralstruktur bis ins Zentrum stante Eigenschaften von Galaxien –
aus der Sterne entstehen. In M 51 wie fortsetzte. Jüngste Himmelsdurchmus- etwa ihre Form – im Lauf der Äonen
auch in vielen anderen Galaxien setzen terungen im infraroten Licht, das auch erheblich verändern können. Ein wei-

Die meisten Spiralgalaxien wie beispiels-


weise NGC 1097 (rechts) zeigen eine zen-
trale längliche Struktur aus Sternen, einen
so genannten Balken, andere, wie M 51
(links), hingegen nicht. In beiden Arten
von Spiralgalaxien sammeln sich Sterne,
AAO, STEVE LEE & DAVID MALIN

Gas und Staub in einer flachen, rotieren-


den Scheibe. Balken und Spiralarme mar-
kieren relativ dichte Regionen. Trotz vieler
neuer Erkenntnisse geben diese auch heu-
te noch den Forschern Rätsel auf.

SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006 23
ASTRONOMIE z
Der Balken der Milchstraße
teres Beispiel ist der galaktische Kan-
nibalismus: Durch Verschmelzen mit ei-
ner Nachbargalaxie kann ein geordnetes
Unser Milchstraßensystem, eine reine Spiralgalaxie? Früher glaubten Astronomen das. Spiralsystem in eine strukturlose Ellipti-
Doch heute wissen wir, dass sie tatsächlich eine Balkenspirale ist. Dies wurde kürz- sche Galaxie verwandelt werden, in der
lich durch Infrarot-Beobachtungen bestätigt. Infrarote Strahlung vermag die inter- die Sterne wie in einem Bienenschwarm
stellaren Staubwolken zu durchdringen und zeigt uns so Strukturen, die im sichtba- durcheinander schwirren. Doch die Wel-
ren Licht nicht zu erkennen sind. Im Bild der 2MASS-Durchmusterung (oben) verläuft lenprozesse im Inneren einer Galaxie
die Milchstraße horizontal, ihr Kern befindet sich in der Mitte. Die Farben repräsen- könnten sogar einen noch größeren Ein-
tieren die Intensität der Strahlung bei drei Wellenlängen im nahen Infrarotbereich. fluss haben als solche Verschmelzungen.
Die Galaxis ist dicker als erwartet und ihr Kern ist auf der linken Seite ausgedehnter
als auf der rechten. Beides deutet auf einen Balken hin, so wie es die künstlerische Kosmischer Verkehrsstau
Darstellung (unten) zeigt. Alle Spiralgalaxien, ob mit Balken oder
ohne, rotieren: Ihre Sterne umkreisen das
Zentrum in geregelten Bahnen. Aber sie
rotieren nicht starr wie feste Scheiben.
Im Milchstraßensystem haben die inners-
ten Sterne in den vergangenen fünf Mil-
liarden Jahren viele tausend Male das
Zentrum umkreist, während die Sonne,
etwa auf halbem Weg zum Scheibenrand
gelegen, nur rund zwanzig Umrundun-
gen vollführt hat. Diese Unterschiede in
den Umlaufperioden zeigen, dass Balken
Balken
und Spiralarme keine festen Gebilde sein
Sagittarius-Arm können. Ansonsten würden sie sich rasch
wie ein Seil um eine Winde aufwickeln.
Orion-Arm Seit Langem fragen sich Astronomen,
OBEN: 2MASS, JOHN CARPENTER, TOM JARRETT & ROBERT HURT; UNTEN: DON DIXON was die Formen der Galaxien stabilisieren
könnte. In den 1960er Jahren gelang es
Perseus-Arm Chia-Chiao Lin und Frank Shu vom
Massachusetts Institute of Technology in
Cambridge, dieses Rätsel mit der Theorie
Cygnus-Arm der Dichtewellen zumindest teilweise zu
lösen. Balken und Spiralarme sind dem-
nach Wellen erhöhter Dichte, in denen
Sterne wie in einem kosmischen Ver-
kehrsstau dichter zusammenrücken. Ster-
ne gelangen in diese Wellen hinein und
Sonne wieder hinaus, genau wie Autos am hin-
teren und vorderen Ende eines Staus.
Die Welle selbst entsteht durch das
Zusammenspiel aller Sternumlaufbah-
nen. Die Bahn eines Sterns in einer Gala-
IN KÜRZE xie lässt sich nicht mit dem elliptischen
Orbit eines Planeten um die Sonne oder
r In den 1960er Jahren erkannten Astronomen: Spiralarme sind keine dauerhaften eines Satelliten um die Erde vergleichen,
galaktischen Strukturen, sondern zeitweilige Erhöhungen der Materiedichte. Auf denn es gibt keinen dominierenden Zen-
ihren Bahnen kommen sich Sterne und Gaswolken in einem rhythmischen, sich tralkörper. Zwar befindet sich im Zen-
selbst verstärkenden Prozess näher und driften wieder auseinander. trum der meisten Galaxien ein masserei-
r Bis vor Kurzem noch konnten Theoretiker wesentliche Aspekte dieser Wellen ches Schwarzes Loch, doch dieses trägt
nicht erklären, zum Beispiel die beobachtete Häufigkeit von Galaxien mit unter- nur zu einem kleinen Teil zur Galaxien-
schiedlichen Formen. Wie sich zeigte, muss interstellares Gas in die Modelle mit- masse bei. Der Löwenanteil der Masse ist
einbezogen werden. vielmehr über die gesamte Galaxie ver-
r Indem Wellen Drehimpuls transportieren, kann Materie in das Zentrum einer teilt. Deshalb kehrt ein Stern nach einem
Galaxie gelangen – wovon das dort ansässige Schwarze Loch profitiert. Und Umlauf nicht an seinen Ausgangsort zu-
durch das zyklische Verhalten der Wellen wandelt sich die Form einer Galaxie. Die- rück: Die Bahn ist keine geschlossene El-
se theoretischen Erkenntnisse konnten inzwischen durch Beobachtungen an na- lipse, sondern gleicht einer komplizierten
hen und fernen Galaxien untermauert werden. Rosette (siehe Kasten rechts). Die Sonne
beispielsweise benötigt 230 Millionen

24 SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006
Jahre für einen elliptischen Umlauf. In
dieser Zeit verschiebt sich ihre Bahn um Wie Ordnung in die Umlaufbahnen kommt
105 Grad; das entspricht einer vollen
Drehung alle 790 Millionen Jahre. Balken und Spiralarme entstehen nach heutiger Kenntnis durch Wellen, die sich durch
Wenn sich die elliptischen Sternbah- die Galaxie ausbreiten. Wenn die Wellenfront eine Region durchquert, nähern sich
nen mit völlig verschiedenen Geschwin- die Sterne einander an; wenn sie die Region verlässt, entfernen sich die Sterne wie-
digkeiten drehen, entsteht in der Galaxie der voneinander. Dabei schiebt die Welle die Sterne nicht im wörtlichen Sinne zu-
keine Wellenstruktur. Zwar kommen sich sammen, vielmehr beeinflusst sie sanft die Choreografie ihrer Umlaufbahnen.
Sterne zufällig nahe, aber sie entfernen
sich schnell wieder voneinander – ähnlich
wie Autos im fließenden Verkehr auf ei- l Rosettenbahnen: Im komplexen Gravitations-
ner Autobahn. Eine Welle bildet sich feld einer Galaxie bewegt sich jeder Stern auf
dann aus, wenn sich viele oder gar alle El- einer elliptischen Bahn, doch verschiebt sich
lipsen gleich schnell drehen. In einer Bal- deren Lage ebenfalls. Nach Vollenden eines Or-
kenwelle sind die Ellipsen gleich ausge- bits kehrt der Stern deshalb nicht an seinen
richtet, wodurch entlang ihrer Hauptach- Ausgangsort zurück. Diese sekundäre Bewe-
se eine Region erhöhter Dichte entsteht. gung ist Grundlage der galaktischen Wellen.
In einer Spiralwelle sind die Umlaufbah-
nen zunehmend gegeneinander verdreht
– hier verläuft die Region erhöhter Dich-
te entlang einer gekrümmten Linie.
Die Umlaufbahnen der Sterne kön- r Keine Wellenbewegung entsteht, solange die
nen sich also als Kollektiv bewegen, auch Umlaufbahnen der Sterne zufällig orientiert
wenn die Sterne selbst das nicht tun. Was sind. (Der Übersichtlichkeit wegen zeigt die Ab-
aber veranlasst die Ellipsen dazu, sich ge- bildung nur eine Auswahl von Umlaufbahnen –
wissermaßen im Gleichschritt zu bewe- jene, die in einem mitrotierenden System ge-
gen? Der Grund ist eine spontane Gravi- schlossene Kurven bilden.)
tationsinstabilität. Da die Schwerkraft in
diesen Systemen keine feste äußere Kraft
ist, sondern von den Sternen hervorgeru-
fen wird, gibt es eine Rückkopplung: Die l Balkenwellen entstehen, wenn sich die Um-
Wellen können sich selbst verstärken. Der laufbahnen gleich ausrichten. Die Schwerkraft
Vorgang beginnt, wenn Sternenorbits zu- führt dazu, dass sich die Ellipsen im Kollektiv be-
fällig gleich orientiert sind. wegen und ihre Ausrichtung erhalten bleibt. Die
Wellenfront ist die Region größter Sternendich-
Synchronisieren der Umlaufbahnen te, die entlang der Hauptachsen der Umlaufbah-
Verstärkt durch die gegenseitige Nähe, nen anzutreffen ist.
beeinflusst die Schwerkraft der Sterne die
Drehgeschwindigkeit der Ellipsen. Sie
bremst schnellere ab und beschleunigt
langsamere – und führt so zu einer Syn- r Spiralwellen bilden sich, wenn sich die Ellip-
chronisierung der Bewegung. Wenn ein sen zwar im Kollektiv bewegen, aber nicht ex-
Stern sich in die Welle hineinbewegt, hält akt die gleiche Orientierung aufweisen; viel-
ihn diese Schwerkraft-Rückkopplung fest mehr ist jede Ellipse leicht gegen ihre Nachbarn
– aber nur für eine Weile. Irgendwann verdreht. Die Sternendichte ist dann dort am
löst sich die Rückkopplung und der Stern größten, wo sich die Ellipsen besonders nahe
verlässt die Welle wieder. Wenn als Aus- kommen.
gleich dafür am anderen Ende der Welle
immer wieder neue Sterne eintreten,
bleibt die Welle als solche erhalten.
In den inneren Bereichen einer Gala-
xie bewegen sich die Sterne schneller als l Balkenspiralen entstehen, wenn die Umlauf-
die Welle, holen diese also ein. In den bahnen nahe dem Galaxienzentrum die gleiche
Außenbereichen hingegen sind die Ster- Ausrichtung aufweisen, weiter außen aber ge-
ne langsamer als die Welle und werden geneinander verdreht sind.
folglich von ihr eingeholt. Zwischen die-
sen beiden Regionen liegt der so genann-
ALISON KENDALL

te Korotationskreis, auf dem Welle und


Sterne sich mit gleicher Geschwindigkeit
bewegen.

SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006 25
ASTRONOMIE

Anatomie einer galaktischen Welle


z
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In mancher Hinsicht ähneln Balken und Spiralarme einer »La Ola« im der Sterne in einer Weise, dass sie die Sterne in bestimmten Ge-
Sportstadion: Von der Wellenfront erreicht, handeln die Zuschauer bieten n her zueinander bringen. Allerdings gibt es bei den ga-
koordiniert – sie stehen gemeinsam auf und setzen sich wieder laktischen Wellen die zus tzliche Komplikation, dass sich die
gemeinsam. Ganz hnlich arrangieren sich die Umlaufbahnen Sterne selbst bewegen.

Die für uns sichtbaren Spiralarme sind eine Momentaufnahme der äußere
Welle. Im hier gezeigten Beispiel bewegt sich die Welle im Uhr- Lindblad-Resonanz
zeigersinn. Auch die einzelnen Sterne bewegen sich im Uhrzei-
gersinn, aber mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten (kleine
Bilder). Im inneren Bereich bewegen sich die Sterne schneller
als die Welle, sie holen sie also ein, bewegen sich hindurch und innere
treten wieder heraus. In den ußeren Bereichen dagegen trifft Lindblad-Resonanz
die Welle von hinten auf die Sterne und rollt ber sie hinweg. Die
Grenze zwischen diesen beiden Bereichen bezeichnen Astrono-
men als Korotationskreis. Die L nge der Spiralarme ergibt sich
aus zwei weiteren Kreisen, den so genannten Lindblad-Reso-
nanzen, bei denen sich Welle und Sterne in Phase bewegen.

innere Korotations-
Lindblad-Resonanz kreis
Korotations-
Bewegung kreis
(in Umläufen pro Milliarden Jahre)

eines Sterns
auf der
Winkelgeschwindigkeit

Umlaufbahn
20 Bewegung der
Umlaufbahn

Bewegung
der Welle
10

0
0 10 20 30 40
Radius (in tausend Lichtjahren)

Die Winkelgeschwindigkeit der Welle ist überall in der Galaxie


konstant. Im Gegensatz dazu fällt die Geschwindigkeit der 1 2
Sterne nach außen ab. Am Korotationskreis stimmen beide
Geschwindigkeiten überein. Die Umlaufbahnen der Sterne Die Welle bewegt sich im Innere Sterne (orange) bewe-
sind nicht fest, sie drehen sich ebenfalls. Dort, wo ihre Umlauf- Uhrzeigersinn (von rechts gen sich schneller als die Welle,
frequenz mit der Winkelgeschwindigkeit der Welle überein- unten nach links oben in äußere (blau) dagegen lang-
stimmt, befinden sich die Lindblad-Resonanzen (der Übersicht- diesem Kasten), genau wie samer.
lichkeit wegen zeigt das Diagramm nur eine der Resonanzen). die Sterne.

KASTEN LINKS: ALISON KENDALL; RECHTS: DON DIXON

Neben dem Korotationskreis gibt es stimmten Punkt ihrer Umlaufbahn. Das Die Theorie der Dichtewellen erklärt,
zwei weitere spezielle Zonen in der Schei- führt dazu, dass die Welle einen sanften wie Balken und Spiralarme trotz der
be – eine innerhalb, eine außerhalb des Zug auf den Stern ausübt. Die Lindblad- Sternbewegung bestehen können. Doch
Kreises. Sie heißen nach ihrem Entdecker, und andere Resonanzen spielen eine schon kurz nach Entwicklung der Theo-
dem schwedischen Astronomen Bertil wichtige Rolle für die Ausformung der rie durch Lin und Shu stießen andere
Lindblad (1895 – 1965), Lindblad-Reso- Umlaufbahnen und die Eingrenzung der Forscher auf Probleme. So bemerkte Alar
nanzen. An diesen Stellen bewegen sich Dichtewellen. Ähnliche Prozesse sind bei Toomre vom Massachusetts Institute of
die Sterne synchron zu den Wellen: Jedes der Entstehung von Planetenringen am Technology, dass die Wellen Energie ver-
Mal, wenn sie mit der Welle zusammen- Werk (siehe Spektrum der Wissenschaft lieren, weil sie Stoßwellen im interstella-
treffen, befinden sie sich an einem be- 4/2002, S. 36). ren Gas auslösen. Irgendein Prozess muss

26 SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006
den Wellen also beständig Energie zufüh- den Welle einen größeren Widerstand deshalb vor den Sternen in den Spiralar-
ren. Einer der Erklärungsversuche setzte entgegensetzen. men her (siehe Kasten unten).
eine kompliziertere Wellenbewegung vo- Durch Berücksichtigen des Gases er- Innerhalb weniger Drehungen des
raus: Statt einer einzigen Welle, die sich zeugten die Simulationen sofort vielfälti- Balkens – typischerweise innerhalb von
durch die Galaxie bewegt, sollte es meh- ge Galaxienformen. Das von dem stella- einer Milliarde Jahren – kann die Ener-
rere einwärts und auswärts laufende Wel- ren Balken ausgeübte Drehmoment wirkt giedissipation das Gas bis ins Zentrum
len geben. Am Korotationskreis würden wie ein kosmischer Quirl und treibt so der Galaxie transportieren. Dort entste-
diese Wellen entweder reflektiert oder beständig eine Spiralstruktur im Gas an. hen aus dem Material neue Sterne. Auf
durchgelassen, wobei sie auf Kosten der Und diese Spiralen verschwanden nun diese Weise liefern die Wellen eine Erklä-
globalen Rotationsenergie der Galaxie nicht mehr wie in früheren Simulationen. rung für die anhaltend hohe Sternentste-
Energie aufnehmen. Durch mehrmaliges Zudem lösten die mit Gas angereicherten hungsrate in den Galaxienzentren. Eben-
Passieren der Zentralregion würden sich Wellen weitere Probleme der galaktischen so könnten sie das Rätsel lösen, wie die
die Wellen dabei selbst verstärken wie in Astronomie. So lieferten sie eine Erklä- zentralen Schwarzen Löcher ihren Mate-
einem kosmischen Hallraum. rung für die Staubbänder, die am vorde- rienachschub erhalten. Es ist keineswegs
ren Ende der Spiralarme auftreten. We- so einfach wie allgemein gedacht, Ma-
Kosmischer Quirl gen der Kollisionen bewegt sich das mit terie in ein Schwarzes Loch hineinzu-
treibt Spiralstruktur an Staub vermischte Gas nicht in Phase mit bekommen. Zwar tendiert eine Galaxie
Dieser komplexe Mechanismus der Wel- den Sternen: Es verliert Bahnenergie, fällt dazu, ihre potenzielle Energie zu mini-
lenverstärkung und -reflexion erschien in Richtung Zentrum und bewegt sich mieren, indem sie ihre Masse zum Zen-
plausibel. Doch die Gleichungen zur Be-
schreibung dieser Vorgänge erwiesen sich
als zu kompliziert, um ohne strenge Nä- Gas gegen Sterne
herungen exakt gelöst werden zu kön-
nen. Die Astronomen waren also auf nu- Galaktische Wellen haben große Bedeutung für die Umverteilung des interstellaren Ga-
merische Computersimulationen ange- ses – und damit für die Sternentstehung. Entscheidend dafür ist, dass Sterne und Gas
wiesen – ebenfalls alles andere als einfach zwar beide an der Welle beteiligt sind, aber unterschiedlich darauf ansprechen.
im Zeitalter der Lochkarten. Und die
ersten Versuche deuteten darauf hin, dass Betrachten wir einen Stern und eine Wol-
die komplexen Wellenbewegungen die Stern und Wolke geraten außer Phase
ke, die zunächst ähnliche Umlaufbah-
Spiralstruktur keineswegs retteten, son- nen besitzen. Der Stern bleibt auf sei-

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dern vielmehr ihre Zerstörung noch be- ner Bahn, doch die Wolke stößt wegen
schleunigten. Zwar bildeten sich in den ihrer Größe mit anderen Wolken zu-
Simulationen Spiralstrukturen heraus, sammen, verliert dadurch Energie und
aber sie verschwanden rasch wieder und sinkt auf einen niedrigeren Orbit ab. So-
Gaswolke
ließen einen Balken zurück. Es gelang mit kann die galaktische Welle Sterne
Theoretikern nicht, die Bildung des Bal- und Gaswolken nicht in eine perfekt
kens zu verhindern, ohne in Widersprü- synchrone Bewegung bringen. Stern
che mit anderen Beobachtungen zu gera-
ten. Eine Erklärung von Spiralgalaxien Wellenfront
schien damit nicht möglich.
Dieser unbefriedigende Zustand än-
derte sich erst in den 1980er und 1990er Das Ungleichgewicht der Kr fte, das sich
Jahren, als meine Kollegen und ich den dadurch ergibt, dass Wolke und Sterne
Simulationen eine weitere Zutat beifüg- sich nicht synchron bewegen, erzeugt
ten: interstellares Gas. Da es nur wenige ein auf die Wolken wirkendes Drehmo- Gaswolke bewegt sich
Prozent der Masse einer Spiralgalaxie ment. Innerhalb des Korotationskreises auf Spiralbahn nach innen
ausmacht, hatten die Modellierer diesen bewegt sich eine Wolke schneller als die
Anteil bis dahin vernachlässigt, um die Sterne im Balken, sodass sie von der
Rechnungen in verträglichem Rahmen Schwerkraft der Sterne zurückgehalten
zu halten. Doch das Gas spielt für die wird – sie verliert Bahnenergie und
Dynamik eine Rolle, die weit über sei- Drehimpuls und fällt einwärts. Außer-
nen Massenanteil hinausgeht. Interstel- halb des Korotationskreises wird sie da-
lare Gaswolken kollidieren häufig mit- gegen in ihrer Bahn nach vorne gezogen Korotations-
einander und wandeln dabei Bewegungs- – nimmt also Bahnenergie und Drehim- kreis
energie in Stoßwellen und Strahlung um. puls auf und bewegt sich nach außen.
Dadurch reagieren die Wolken empfind-
licher auf Instabilitäten der Wellen. Ster-
ne hingegen stoßen selten zusammen,
DON DIXON

sodass ihre Geschwindigkeitsunterschie- Gaswolke bewegt sich


auf Spiralbahn nach außen
de größer sind und einer vorbeilaufen-

SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006 27
ASTRONOMIE z
trum hin konzentriert. Doch die Rota-
tion und die daraus resultierenden
liefern. Im ersten Schritt erreicht das Gas
eine Resonanz, bei der es sich in Phase
Der Balken kann Materie nicht nur
innerhalb der Scheibe verschieben, son-
Fliehkräfte liefern ein Gegengewicht zur mit dem Balken bewegt und somit gegen dern auch vertikal zu ihr. Ein Stern gerät
Gravitation (siehe Spektrum der Wissen- das von ihm ausgeübte Drehmoment im- nämlich in Resonanz, wenn die vertika-
schaft 12/2004, S. 44). Damit Materie mun ist. Das Gas sammelt sich in einem len Auslenkungen seiner Bahn und seine
nach innen fallen kann, muss Drehim- Ring, in dem neue Sterne entstehen. Im Begegnungen mit dem Balken mit der
puls auf galaktischen Skalen nach außen zweiten Schritt bilden Gas und Sterne in gleichen Periode (oder einem Vielfachen
transportiert werden. Balken und Spiral- dem Ring eine eigene kleine Balkenwelle. davon) auftreten. Dann kann der Balken
arme können das leisten. Die Wirkung dieses Minibalkens lässt das die Auslenkung verstärken – ähnlich wie

öö
Gas dann in das Schwarze Loch fallen. ein Erwachsener einem Kind auf einer
Wellen als Gaslieferant Im Milchstraßensystem haben Beobach- Schaukel Schwung gibt. Wir sind zufäl-

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Astronomen haben beobachtet, dass das tungen im nahen Infrarot bereits Hin- lig auf dieses Phänomen gestoßen: In 3-
Gas nicht gleichmäßig, sondern in gro- weise auf einen solchen Balken geliefert. D-Simulationen verdickte sich die Schei-
ßen Schüben in die Schwarzen Löcher Die Wellen sind also weit mehr als eine be aus Sternen im Bereich der Resonanz
fällt. Wellen können den Schwarzen Lö- hübsche Dekoration – sie erlauben der erheblich und gab der inneren Region
chern in zwei Schritten ihren Nachschub Galaxis zu wachsen. der Galaxie eine kasten- oder erdnussar-

Eine Galaxie erneuert sich selbst


Früher dachten Astronomen, Balken und Spiralarme seien dauer- Der gleiche, von der Schwerkraft ausgel ste Prozess, der sie
hafte Strukturen – heute gehen sie davon aus, dass diese erzeugt, zerst rt sie auch – und erzeugt sie aufs Neue, wie die
Strukturen in best ndigem Wandel entstehen und vergehen. hier gezeigte Computersimulation zeigt.

Start 2 Milliarden Jahre 5 Milliarden Jahre 8 Milliarden Jahre

Die Galaxie entsteht als Balken- und Spiralwellen ent- Die Wellen werden stärker. Das im Kern angesammelte
strukturlose Scheibe aus wickeln sich. Gas fällt aus Der Balken nimmt Gas in Gas beginnt den Balken zu
Sternen, Gas und Staub. dem intergalaktischen Raum der Nähe des Kerns auf, hält zerreißen.
ein und wird die Scheiben- aber zugleich das intergalak-
masse innerhalb von 6,5 tische Gas fern.
Milliarden Jahren verdoppeln.

11 Milliarden Jahre 14 Milliarden Jahre 17 Milliarden Jahre 20 Milliarden Jahre

Der Balken ist zerstört. Nicht Der Balken bildet sich neu. Wie zuvor beginnt der Balken Der Balken ist fast vollständig
länger durch das von ihm Der Einfall des Gases spielt sich aufzulösen. verschwunden. In Simulatio-
ausgehende Drehmoment dabei die entscheidende nen mit anderen Bedingungen
zurückgehalten, strömt das Rolle: In Simulationen ohne entsteht und verschwindet der
ALISON KENDALL

intergalaktische Gas aus den Gaseinfall taucht der Balken, Balken noch schneller.
äußeren Bereichen in den einmal verschwunden, nie
Kernbereich der Galaxie ein. wieder auf.

28 SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006
ABDRUCK GENEHMIGT VON AAAS AUS: ROBERTO G. ABRAHAM, SIDNEY VAN DEN BERGH, SCIENCE 17. AUG. 2001, VOL. 293, FIG. 2

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Ferne Galaxien liefern uns einen xie eindringen, kollidieren sie miteinan- Galaxien entstehen also offenbar
o Einblick in eine frühe Epoche der der, verlieren Energie und ihre nicht in einer bestimmten, für alle Zeiten
kosmischen Geschichte. Schon damals Umlaufbahnen gleichen sich an. Ihr zu- festgelegten Form. Sie durchlaufen viel-
zeigten die Galaxien die gleichen Struk- nächst hoher Drehimpuls verlangsamt mehr eine permanente Metamorphose.
turen – Balken und Spiralarme – wie heu- den Einfall Richtung Zentrum und gibt Wenn drei Viertel aller Galaxien einen
te. Das stützt die These, dass interne Wel- so dem Balken genügend Zeit, sich neu Balken zeigen, so bedeutet dies, dass eine
lenprozesse solche Strukturen erzeugen. zu formen. Die notwendige Menge an typische Galaxie drei Viertel ihrer Zeit
Diese Sternsysteme sind so weit von uns Gas ist gewaltig: Um den Balken in der eine solche Struktur aufweisen muss. In
entfernt, dass ihre detaillierte Struktur geforderten Zeit neu zu bilden können, dieser Zeit hindert der Balken, frisches
nur schwer zu erkennen ist. Die Forscher muss eine typische Galaxie innerhalb Gas am Eindringen in die Zentralregion
streiten deshalb noch über die relativen von zehn Milliarden Jahren ihre Masse der Galaxie. Das Gas sammelt sich dann
gkeiten der unterschiedlichen Gala- verdoppeln. Wie die Astronomen inzwi- in den Außenbereichen an. Erst nach
xientypen. schen wissen, enthält der intergalaktische dem Zerfall des Balkens strömt es nach
Raum tatsächlich genügend Gas, um innen und verjüngt die Galaxie.
dieses Szenario zu erfüllen (siehe Spek- Es gibt noch einen anderen, bekann-
trum der Wissenschaft 4/2004, S. 46). teren Weg, um Masse in Galaxien anzu-
tige Form. Diese Entdeckung erklärt die Man kann dieses Modell testen, in- sammeln: Kannibalismus oder aufeinan-
seltsamen Formen ferner Sternsysteme, dem man einen Blick zurück in die kos- der folgende galaktische Verschmelzun-
die Beobachter seit über einem Jahrzehnt mische Vergangenheit wirft. Einen ersten gen. Doch dieser Prozess, obwohl eben-
mit Großteleskopen registrieren. Versuch unternahm ein Team um Sidney falls sehr wichtig, ist destruktiv. Eine
Indem er Materie in den Kern der van den Bergh vom Herzberg-Institut für größere Verschmelzung zerstört die
Galaxie hineinzieht, kann sich der Balken Astrophysik in Victoria (Kanada). Mit Scheibe und lässt eine elliptische Galaxie
allerdings auch selbst auflösen. Die ange- dem Hubble-Weltraumteleskop unter- zurück. Nur eine Minderheit von Galaxi-
sammelte Masse stört die synchrone Be- suchten die Wissenschaftler von 1998 bis en wurde derart gründlich transformiert.
wegung der Sterne, wie sie für einen Bal- 2002 die Form früherer Galaxiengenera- Der langsame Zustrom von intergalak-
ken erforderlich ist, und treibt sie ausei- tionen. Aus ihren Beobachtungen zogen tischem Gas erlaubt es einer Galaxie, zu
nander. Die Balken, die in den Simulati- sie den Schluss, dass Balken damals sehr wachsen und dabei ihre Form beizube-
onen zu robust erschienen, solange man viel seltener waren als heute. halten. Wellen verteilen das frische Mate-
nur die Sterne berücksichtigte, erweisen rial und verhindern, dass die Galaxie aus
sich somit als recht fragil, sobald man Gas Permanente Metamorphosen der Form gerät. So sorgen die Dichtewel-
hinzufügt. Wie kommt es aber dann, dass Dieses Ergebnis überraschte: Es ließ len dafür, dass die Vielfalt im Universum
wir so viele Balkenspiralen sehen? Auf op- nicht nur am Modell des Gaseinfalls erhalten bleibt.
tischen Aufnahmen zeigen zwei Drittel zweifeln, sondern an der gesamten Theo-
aller Galaxien Balken; infrarote Durch- rie der Balkenwellen. Frühe Galaxien
musterungen im Jahr 2002 erhöhten die- enthielten mehr Gas und ihre Masse Françoise Combes ist Astro-
A U T O R I N U N D L I T E R AT U R H I N W E I S E

sen Wert sogar auf drei Viertel. Die logi- konzentrierte sich weniger stark zum nomin an der Sternwarte Paris.
sche Schlussfolgerung daraus kann nur Zentrum hin – deshalb wäre es eher zu Sie zählt zu den führenden Ex-
perten auf dem Gebiet der Gala-
lauten: Balken entstehen, fallen auseinan- verstehen, wenn Balken bei ihnen häufi- xiendynamik. Im Jahr 2004 wur-
der – und entstehen wieder neu in einem ger auftreten als bei heutigen Galaxien. de sie in die Französische
fortdauernden Zyklus (Kasten links). Kürzlich zeigten Shardha Jogee von der Akademie der Wissenschaften
Wie aber schaffen es die Balken, wie Universität von Texas in Austin und ihre gewählt – als erste Astronomin, der diese Ehre
zuteil wurde.
der Phönix aus der Asche zu steigen? Die Koautoren, dass die Ergebnisse von van
Galaxie muss sich dazu von den Bedin- den Bergh auf einem Auswahleffekt be- Die Milchstraße. Spektrum der Wissenschaft,
gungen, die den Balken zerstört haben, ruhen. Balken sind in fernen Galaxien Dossier 4/2003
deutlich wegentwickeln. Insbesondere nur schwer zu erkennen. Korrigiert man Galaxien. Von Timothy Ferris. Birkhäuser Verlag,
müssen die Sterne wieder geordnete Um- die Beobachtungen gegen diesen Effekt, 1996
laufbahnen annehmen, deren Geschwin- so zeigt sich: Balken waren in der Ver- Galaxies and Cosmology. Von Françoise Combes
digkeiten sich wenig unterscheiden. Dies gangenheit genauso häufig wie heute. et al., 2. Aufl., Springer, Berlin 2004
wäre möglich, falls die Galaxie eine gro- Das deutet darauf hin, dass die Balken Weblinks zu diesem Thema finden Sie bei www.
ße Menge an intergalaktischem Gas auf- tatsächlich fortwährend zerstört werden spektrum.de unter »Inhaltsverzeichnis«.
sammelt. Wenn Gaswolken in die Gala- und sich wieder neu bilden.

SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006 29
GRÜNDERMUTATIONEN z

Genspuren der
Menschheitsgeschichte
Spezielle Mutationen, die oftmals mit Krankheiten zu tun
haben, ermöglichen es, Migration und Bevölkerungs-
entwicklung einzelner menschlicher Populationen über
Jahrtausende zurückzuverfolgen.

Von Dennis Drayna nem einzelnen Menschen in Europa. derungen, die mit Krankheiten zu tun
Über Generationen wurde sie von seinen haben. Doch Gründermutationen sind

D
er menschliche Körper Nachfahren weitergereicht und gelangte Spezialfälle. Wer an einem genetischen
braucht Eisen, und das mit ihnen auch in die Neue Welt. Defekt stirbt, bevor er sich fortpflanzen
nimmt er aus der Nahrung Allein in den USA tragen heute rund kann, wird ihn zwangsläufig nicht mehr
auf. Arbeitet er dabei veran- 22 Millionen Menschen mindestens eine weitergeben. Das ist bei vielen Erbkrank-
lagungsbedingt zu gut, kann sich der Kopie des mutierten Gens, darunter Per- heiten der Fall. Gründermutationen hin-
scheinbare Vorteil ins Gegenteil verkeh- sonen, die Tausende von Kilometern gegen verschonen oftmals ihre Überträ-
ren: Bei starker Anreicherung von Eisen voneinander entfernt leben und sich ger und können daher vom Gründer
drohen unbehandelt vielfältige Organ- noch nie im Leben begegnet sind. Sie weiterverbreitet werden. Manche darauf
schäden und sogar der Tod. Wer an erb- wären sicher überrascht zu erfahren, dass beruhenden Erbkrankheiten kommen
licher Hämochromatose – so heißt diese sie weitläufig verwandt sind. Der euro- sogar häufig vor. Dazu gehören neben
Eisenspeicherkrankheit – leidet, hat von päische Urahn, ob weiblich oder männ- der erwähnten Form der Hämochroma-
beiden Elternteilen oft jeweils dieselbe lich, ist der Gründer dieser gesamten tose beispielsweise auch die Sichelzell-
Mutation in einem Gen mitbekommen, Population, und sein genetisches Ver- anämie und die Mukoviszidose.
dessen Protein letztlich an der Eisenauf- mächtnis wird als Gründermutation be- Von der Untersuchung krankheitsre-
nahme im Darm beteiligt ist. Das Be- zeichnet. levanter Mutationen erhoffen sich medi-
merkenswerte daran: Diese eine Mutati- Die Humangenetik kennt heute zwar zinische Forscher einiges: einfache Tests,
on entstand einst vor langer Zeit bei ei- schon Tausende von genetischen Verän- um gefährdete Bevölkerungsgruppen zu

30 SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006
Gensequenzen heute lebender Menschen
können Hinweise auf die Migration von
Bevölkerungsgruppen vor Tausenden von
Jahren geben – und dabei manches Über-
raschende offenbaren.
SLIM FILMS

SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006 31
GRÜNDERMUTATIONEN z
identifizieren, sowie neue Ansätze zur
Vorbeugung und Behandlung entspre-
Erbanlage für den Gerinnungsfaktor
VIII. In der Regel zeigt jede Familie, in
um: Ein gleicher Haplotyp bedeutet ei-
nen gemeinsamen Vorfahren, den jewei-
chender Störungen (siehe Kasten S. 39). der erstmals eine Hämophilie A auftritt, ligen Gründer.
Überraschendes »Abfallprodukt« solcher eine eigene Mutation in diesem Gen. Wie weit eine interessierende Grün-
Forschungen war die Erkenntnis, dass Auf seiner DNA wurden inzwischen ins- dermutation zurückliegt, lässt sich aus
Gründermutationen den Anthropologen gesamt an Hunderten von Stellen Ab- der Länge des einheitlichen Haplotyps
als molekulare Fußspuren der Mensch- weichungen entdeckt. abschätzen – die wird nämlich mit stei-
heit in prähistorischer und historischer Bei einigen wenigen Erbkrankheiten gender Generationenzahl kürzer (siehe
Zeit dienen können – als ein überaus jedoch begegnen die Forscher immer Kasten S. 37). Der ursprüngliche Haplo-
effektiver Ansatz, die Herkunft mensch- wieder derselben genetischen Verände- typ des Gründers umfasste per Defini-
licher Populationen und deren Wande- rung. Diese kann auf zwei Wegen ent- tion das gesamte Chromosom, auf dem
rungen auf unserem Planeten nachzu- standen sein: als so genannte Hot-Spot- die Mutation neu auftrat. Es wurde an
vollziehen. Mutation oder als Gründermutation. Kinder des Gründers weitergegeben, wo-
Was macht solche Mutationen so un- Ein solcher Hot Spot – wörtlich heiße bei dessen Partner ein normales zweites
gewöhnlich und zugleich so informativ? Stelle – ist ein extrem anfälliger Ort auf Chromosom beisteuerte. (Von jedem El-
Zum besseren Verständnis braucht es zu- dem Erbmolekül: Das dort stehende Ba- ternteil kommt ein einfacher Chromoso-
nächst ein paar Hintergrundinformatio- senpaar, die kleinste Einheit der doppel- mensatz.) Bevor in einer Nachkommen-
nen. Genmutationen entstehen durch strängigen DNA, mutiert äußerst oft. generation wieder Geschlechtszellen mit
zufällige Veränderungen der DNA, der nur einem Chromosomensatz entstehen,
Erbsubstanz. Meist werden sie sogleich Gemischte Karten tauscht ein Chromosomenpaar DNA-
repariert oder anderweitig ausgemerzt. Ein Beispiel liefert die Achondroplasie, Abschnitte aus – so als würde man zwei
Bleibt jedoch die DNA einer Keimzelle – eine Form des Zwergwuchses mit gestör- Kartenspiele mit verschiedener Rücken-
gleich ob Spermium, Eizelle oder einer ter Knorpelbildung. Ihr liegt gewöhnlich farbe grob vermischen.
ihrer Vorläufer – verändert, kann eine eine Mutation am Basenpaar 1138 des Nach dem ersten so genannten Re-
solche »Keimbahnmutation« an Nach- so genannten FGFR3-Gens auf dem kombinationsschritt liegt die Mutation
kommen weitergereicht werden, teils mit kurzen Arm von Chromosom 4 zu noch inmitten eines sehr langen Ab-
schwer wiegenden gesundheitlichen Fol- Grunde. Zwischen Menschen mit der schnitts der Gründer-DNA, ähnlich wie
gen. Bisher sind mehr als tausend erbli- gleichen spontan entstandenen Hot- eine gezinkte Karte nach oberflächli-
che Störungen bekannt, die durch je- Spot-Mutation bestehen jedoch in der chem Mischen der beiden Spiele mit ho-
weils ein anderes mutiertes menschliches Regel keine »Blutsbande«; ihre DNA im her Wahrscheinlichkeit immer noch von
Gen verursacht werden. Umfeld zeigt eine natürliche Variation, zahlreichen Karten der gleichen Farbe
Gründermutationen sind zwar Keim- wie es für Nichtverwandte typisch ist umgeben ist. Doch nach jedem erneuten
bahnveränderungen, allerdings mit eini- (siehe Kasten S. 36). Teilen und Mischen des Stapels werden
gen atypischen Eigenschaften. Meist gilt Ganz anders verhält sich das bei weniger der ursprünglichen Karten in
für Erbkrankheiten als Faustregel: Ver- Gründermutationen, die unverändert der Nähe der Indexkarte zu finden sein.
schiedene Mutationen im gleichen Gen über viele Generationen vererbt werden. Analog wird der Haplotyp mit dem mu-
verursachen im Allgemeinen die gleiche Bei jedem Träger ist die betroffene tierten Gen in jeder weiteren Rekombi-
Störung, sodass nicht verwandte betrof- DNA-Stelle in einen längeren Abschnitt nationsrunde ein Stück kürzer.
fene Familien sich gewöhnlich in den ur- eingebettet, der ebenfalls mit der Basen- Vergleichsweise junge Gründermuta-
sächlichen Mutationen voneinander un- folge des Erstbesitzers übereinstimmt. tionen – entstanden etwa vor wenigen
terscheiden. Zum Beispiel beruht die Diese allen Trägern gemeinsame »Kasset- hundert Jahren – liegen bei heutigen
häufigste Form der Bluterkrankheit, die te« mit genetischer Information wird Merkmalsträgern also voraussichtlich in
Hämophilie A, auf Mutationen in der fachsprachlich Haplotyp genannt. Kurz- einem ausgedehnten Haplotyp. Umge-
kehrt sollte es bei sehr alten Mutationen
IN KÜRZE sein, die vielleicht vor Zehntausenden
von Jahren erstmals auftraten.
r Wenn Mutationen in längeren DNA-Abschnitten liegen, die bei allen Trägern der Die genetische Abweichung bei Hä-
Mutation identisch sind, dann haben diese Menschen einen gemeinsamen, oft mochromatose ist nur ein Beispiel aus ei-
weit zurückliegenden Vorfahren: den so genannten Gründer, bei dem die Muta- ner ganzen Reihe von problematischen
tion erstmals auftrat. Gründermutationen. Etliche davon sind
r Aus der Länge der einheitlichen Strecke und aus der Häufigkeit, mit der die unter Europäern verbreitet und gut un-
Gründermutation noch immer in heutigen Menschengruppen vorkommt, lassen tersucht, einige andere wurden in jünge-
sich das ungefähre Alter der Mutation und der Wanderweg ihrer früheren Träger be- rer Zeit bei indianischen, asiatischen und
stimmen. afrikanischen Bevölkerungsgruppen ent-
r Da sich verschiedene Populationen heute rascher durchmischen, werden sich deckt (siehe Kasten S. 38). Auffällig ist
krankheitsauslösende Mutationen, die bisher mit bestimmten ethnischen Grup- vor allem, dass diese Abweichungen etwa
pen assoziiert sind, eher diffus in der Gesamtbevölkerung verteilen. Die Mediziner hundert- bis tausendmal häufiger in ei-
werden daher bei der Einschätzung von Erkrankungsrisiken künftig vermehrt ner Gruppe vertreten sein können als ty-
DNA-Analysen einsetzen müssen. pische krankheitsauslösende Mutatio-
nen: Letztere kommen meist nur bei ei-

32 SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006
Getrennte Ursprünge
Eine potenziell schädliche Mutation kann
sich unter bestimmten Bedingungen zu
einem gewissen Prozentsatz in der Bevöl-
kerung halten. Typisches Beispiel ist die
Sichelzellmutation in Malariagebieten. Trä- Arabisch-Indisch
ger zweier Kopien leiden an Sichelzellanä-
mie, Träger nur einer Kopie sterben selte-
ner an Malaria. Die Erreger werden durch Senegal
Benin
Moskitos übertragen.
Die Sichelzellmutation ist während der
Menschheitsgeschichte offensichtlich ins- Kamerun
gesamt fünfmal unabhängig entstanden,
da sie heute im Kontext von insgesamt
fünf verschiedenen »Beisequenzen« vor- Bantu
kommen kann: dem Senegal-, Benin-,
Bantu-, Arabisch-Indischen oder dem kürz-
lich entdeckten Kamerun-Haplotyp. Noch
acht Prozent der Afroamerikaner tragen
heute zumindest eine Kopie der Sichel-
zellmutation.

ALISON KENDALL
nem von mehreren tausend bis einigen Das vermutlich bekannteste Beispiel nen haben. Daraus resultiert eine so ge-
Millionen Menschen vor, Gründermuta- für eine zweischneidige Mutation ist die nannte balancierte Selektion, bei der die
tionen hingegen bei teils mehreren Pro- Sichelzellanämie. Die verantwortliche Vorteile des mutierten Gens seine Ver-
zent einer Bevölkerung. Genveränderung entstand offenbar breitung fördern, während die Nachteile
Dieser hohe Anteil mag zunächst mehrmals in den von der Malaria heim- sie mindern. Diese gegenläufigen evolu-
verwundern, denn schädliche Genvari- gesuchten Gebieten Afrikas und des tionären Kräfte halten seine Frequenz,
anten sollten sich durch Selektion nicht mittleren Ostens. Eine einzelne Kopie seine Häufigkeit in der Bevölkerung
anreichern. Er liefert aber einen wichti- des Sichelzellgens erhöht die Überlebens- über längere Zeiträume betrachtet rela-
gen Fingerzeig, weshalb Gründermutati- chance bei einer Malariainfektion, wäh- tiv konstant.
onen überdauerten und sich über Land rend zwei Kopien zu einer schweren Bei einigen Gründermutationen, die
und Meer ausbreiteten. Die meisten die- Anämie mit schmerzhaften Gefäßver- mit Krankheiten zu tun haben, ließ sich
ser Mutationen werden nicht dominant, schlüssen und verkürzter Lebenserwar- noch kein Vorteil ausmachen, obwohl
sondern rezessiv vererbt: Die von ihnen tung führen. ihre Häufigkeit nahe legt, dass einer be-
verursachte Erkrankung tritt erst in Er- steht. Eine kürzlich veröffentlichte Ent-
scheinung, wenn sowohl das mütterliche Fünfmal entstanden – deckung könnte aber erklären, warum
als auch das väterliche Chromosom be- aber immer woanders die APC-Resistenz – auch Faktor-V-Lei-
troffen sind. Bei nur einer mutierten Die Sichelzellmutation findet man heu- den genannt, weil sie den Gerinnungs-
Genkopie, der weitaus häufigere Fall, ist te inmitten fünf verschiedener Haploty- faktor V betrifft – sich in der Bevölke-
eine Person bloß Überträger. Sie kann pen, was darauf schließen lässt, dass sie rung gehalten hat. Die verantwortliche
diese an ihre Nachkommen weitergeben, fünfmal unabhängig voneinander in je- Gründermutation, bei etwa 4 Prozent
was ihnen, sofern es bei der einen bleibt, weils nicht verwandten Gründern ent- der Europäer nachweisbar, erhöht das
unter bestimmten Voraussetzungen of- stand (siehe Kasten oben). In einigen Risiko von Thrombosen, also von Ge-
fenbar einen Überlebensvorteil bietet. Fällen beruht die Erkrankung allerdings fäßverschlüssen durch Blutgerinnsel,
Zum Beispiel schützt die Hämochro- nicht auf einer Gründermutation. weil das Protein, der Faktor V, wegen ihr
matose-Mutation ihre Überträger ver- Die Häufigkeit einer Gründermu- schlechter inaktiviert werden kann. Wie
mutlich vor einer Eisenmangelanämie tation in der Bevölkerung hängt von Bryce A. Kerlin und seine Kollegen vom
(einer früher lebensbedrohlichen Form zwei konkurrierenden Faktoren ab: Blood Center von Südost-Wisconsin
der Blutarmut), da solche Personen das Menschen mit zwei Kopien des mutier- und dem Medical College von Wiscon-
Eisen aus der Nahrung effektiver aufneh- ten Gens sterben mit erhöhter Wahr- sin in Milwaukee 2003 nachwiesen, ha-
men können als im Fall zweier normaler scheinlichkeit, bevor sie sich fortpflan- ben Überträger bessere Überlebenschan-
Genkopien. In Zeiten mit knappem An- zen, während Träger mit nur einer mu- cen bei bakteriellen Infektionen der
gebot an eisenhaltiger Nahrung waren tierten Kopie einen Überlebensvorteil Blutbahn. In Zeiten vor der Entdeckung
die Überträger also im Vorteil. gegenüber jenen mit zwei normalen Ge- der Antibiotika war eine schwere Sepsis

SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006 33
GRÜNDERMUTATIONEN z

Sd

34 SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006
dW

SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006 35
GRÜNDERMUTATIONEN z
Was Gründermutationen auszeichnet
Wenn in einer Gruppe von Patienten mit sche »A« hingegen bei den einzelnen
derselben Krankheit alle an derselben Personen immer wieder neu entstan-
Stelle ihrer DNA dieselbe Veränderung den, weil sich dort eine extrem fehleran-
aufweisen – wie kann ein Arzt dann fest- fällige Stelle der DNA – ein Hot Spot –
stellen, was er vor sich hat: eine Grün- befindet, dann wäre das weitere Umfeld
dermutation oder eine Hot-Spot-Mutati- nicht einheitlich. Die DNA-Sequenz vari-
on? Er braucht nur die umliegende DNA iert nämlich zwischen nicht verwandten
zu analysieren. Personen gewöhnlich noch an bestimm-
Angenommen, bei allen Patienten ten anderen Stellen (blauer Rahmen
steht an derselben Stelle statt der DNA- ganz unten), wobei die Varianten (gelb)

PHOTO RESEARCHERS INC. / GOPAL MURTI


Base Thymin ein Adenin (unten rot her- keine Krankheiten verursachen.
vorgehoben). Bei einer Gründermutation Die Sichelzellanämie, bei der länglich
müssen dann auch lange Abschnitte der verformte rote Blutkörperchen auftreten
flankierenden DNA bei allen Patienten (Bild oben), beruht in der Regel auf einer
identisch sein, weil diese die gesamte Gründermutation. Der chondrodystro-
Strecke von irgendeinem gemeinsamen phe Zwergwuchs (Bild unten) ist hinge-
fernen Vorfahren – dem so genannten gen meist das Resultat einer Hot-Spot-
Gründer – geerbt haben. Wäre das fal- Mutation.
Stellen normaler Variation

normale
Sequenz GAT TC AC AGG TCTC TATCCGA ATCGAT TCC A T
Mutation GAT TC AC AGG TCTC AATCCGA ATCGAT TCC A T
GAT TC AC AGG TCTC AATCCGA ATCGAT TCC A T
Chromosomen
mit Gründer-
GAT TC AC AGG TCTC AATCCGA ATCGAT TCC A T
mutation GAT TC AC AGG TCTC AATCCGA ATCGAT TCC A T
GAT TC AC AGG TCTC AATCCGA ATCGAT TCC A T

WELLCOME PHOTO LIBRARY


GAT TCTC AGG TCTC A ATCCGA ATCC AT TCC AG
GRAFIK: ALISON KENDALL

Chromosomen
mit Hot-Spot-
GAT TC AC AGG TCTC A ATCCGA ATCC AT TCC AG
Mutation G AT TC TC A GG TCTC A ATCCG A AT C G AT TCC A T
GAT TC AC AGG TCTC A ATCCGA ATCC AT TCC A T
Mutation

lebensbedrohlich, selbst heute sterben eine rezessive Netzhauterkrankung, die die Nichtschmecker-Variante des PTC-
noch Menschen daran. zur Erblindung führt. Diese Mutation Rezeptorgens auszeichnet. Praktisch alle
Lange vor der Erfindung der moder- scheint vor etwa 2700 Jahren in Schwe- Nichtschmecker weltweit sind Abkömm-
nen Transportmittel breiteten sich Grün- den entstanden zu sein und verbreitete linge eines Gründers, der genau diese
dermutationen über große Distanzen sich dann in südlicher und westlicher Veränderungen des Gens aufwies.
aus, was allerdings häufig Dutzende oder Richtung über Europa. Die Fähigkeit, Bitterstoffe zu schme-
gar Hunderte von Generationen dauerte. cken, schützt vor dem Verzehr giftiger
Das Sichelzellgen zum Beispiel wanderte Geschmack verrät Pflanzenteile. Welchen Selektionsvorteil
von Afrika mit den nach Amerika ver- unsere afrikanische Herkunft sollte aber ein PTC-Nichtschmecker ha-
schleppten Sklaven westwärts, es breitete Das extremste Beispiel einer Wanderung ben? Wir vermuten, dass die Verände-
sich aber auch nach Norden in Richtung bietet vermutlich eine Genvariante für rungen den PTC-Rezeptor umprogram-
Europa aus. Eine häufige Gründermuta- die Geschmackswahrnehmung. Für etwa mierten, irgendeinen bisher nicht identi-
tion in einem Gen mit dem Kürzel GJB2 drei Viertel der gesamten Menschheit fizierten Giftstoff wahrzunehmen.
verursacht Taubheit, wenn sie in doppel- schmeckt die synthetische Substanz Phe- Die Nichtschmecker-Mutation liegt
ter Kopie vorliegt. Von ihrer Ursprungs- nylthiocarbamid (PTC) sehr bitter, für in einem besonders kurzen Haplotyp;
region im Mittleren Osten nahm sie zwei das restliche Viertel dagegen überhaupt bei manchen Trägern ist er nur 30 000
Hauptrouten – zum einen entlang der nicht. Vor Kurzem fanden meine Kolle- Basenpaare lang. Dies bedeutet, dass die
Mittelmeerküste nach Italien und Spani- gen an den Nationalen Gesundheitsins- Gründermutation extrem alt ist und ver-
en, zum anderen über die Täler von Do- tituten in Bethesda (Maryland) und an- mutlich bereits vor über 100 000 Jahren
nau und Rhein ins nördliche Europa. deren Forschungszentren zusammen mit entstand. Weltweite Untersuchungen
Eine weitere interessante Gründermu- mir heraus, dass eine ganz bestimmte förderten 2004 in Schwarzafrika sieben
tation – im Gen ABCA4 – verursacht Konstellation dreier Veränderungen verschiedene Formen des PTC-Rezeptor-

36 SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006
gens zu Tage, außerhalb der afrikani-
schen Bevölkerungen jedoch praktisch
nur zwei dieser Formen, eine Schme-
cker- und eine Nichtschmecker-Varian-
te. Von den übrigen fünf Versionen
kommt eine gelegentlich bei nichtafrika-
nischen Populationen vor, nicht jedoch
bei den Ureinwohnern der Neuen Welt,
Je älter, desto k r zer ü
Der Haplotyp, also die einheitliche chromosomale Region um eine Gründermutation,
wird von Generation zu Generation kürzer. Der Grund: Wenn sich Spermien oder Ei-
zellen entwickeln, tauschen zwei Partnerchromosomen Abschnitte ihrer DNA aus –
sie rekombinieren.
Zunächst ist das ganze Chromosom des Gründers, auf dem die Mutation erst-
während die anderen vier ausschließlich mals entsteht, der neue Haplotyp (gelb hervorgehoben). Sein anderes Chromosom
bei Afrikanern nachzuweisen sind. ist normal (blau). Durch den Austausch erben Nachkommen die Mutation auf einem
Die PTC-Nichtschmecker-Mutation Mischchromosom (teils gelb, teils blau) und daher in einem verkürzten Haplotyp.
verrät bemerkenswert viel über Migra- Das vom anderen Elternteil kommende neue Partnerchromosom ist weiterhin nor-
tionen in der frühen Menschheitsge- mal (blau). Mit jeder weiteren Rekombination in der jeweils nächsten Generation
schichte. Ihre heutige Verbreitung und kann sich der Haplotyp schrittweise verkürzen.
Frequenz bestätigt die »Out of Africa«-
Hypothese, die sich auf anthropologi-
sche und archäologische Indizien stützt.
Sie besagt, dass die ersten anatomisch neu entstandene Mutation
modernen Menschen in Afrika lebten
und dass eine kleine Untergruppe von Gründer
ihnen vor etwa 75 000 Jahren begann,
alle anderen Kontinente zu erobern. Alle
heute lebenden nichtafrikanischen Popu- Rekombination
lationen stammen von dieser Gründer-
gruppe ab. Vererbung an die nächste Generation
Die Nichtschmecker-Genvariante
trägt auch dazu bei, eine der umstrittens-
ten Fragen der modernen Anthropologie beibehaltene Mutation
zu beantworten: Vermischte sich Homo
sapiens im Zuge seiner Welteroberung Überträger
mit archaischeren Hominiden, denen er unter den Kindern
des Gründers
in Europa und Asien begegnete? Diese
Menschenformen verfügten sicherlich
über eigene Varianten des PTC-Rezep-
torgens, die sich in der Auseinanderset-
zung mit den giftigen Naturstoffen ihres Vererbung an die nächste Generation
jeweiligen Lebensraums herausselektiert
hatten. Hätte Homo sapiens mit ihnen
beibehaltene Mutation
Nachkommen gezeugt, sollten in euro-
päischen, ostasiatischen oder südostasia-
Überträger
tischen Populationen unterschiedliche unter den Enkeln
Formen des PTC-Rezeptorgens nachzu- des Gründers
weisen sein. Dies ist jedoch nicht der
Fall. Unseres Erachtens zeigt die Analyse
von Gründermutationen bei heute le-
benden Menschen, dass sich Homo sapi- Rekombinationsereignisse
ens bei seiner großen Auswanderungs- über zahlreiche Generationen
welle vor Zehntausenden von Jahren
nicht mit anderen Hominiden erfolg-
reich gekreuzt hat. beibehaltene Mutation
Als lohnend erweist sich auch ein ge-
heutiger Überträger
nauerer Blick auf den Haplotyp der erb-
lichen Hämochromatose. Er illustriert,
wie die Verbindung historischer und ge-
netischer Untersuchungen neue Er-
kenntnisse über die Ursachen und die
Geschichte bestimmter menschlicher jeweils neues Chromosom
ALISON KENDALL

Krankheiten ermöglicht. In den 1980er vom anderen Elternteil


Jahren – lange bevor das für diese Eisen-
speicherkrankheit verantwortliche Gen

SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006 37
GRÜNDERMUTATIONEN z
identifiziert wurde – entdeckten Hu-
mangenetiker bei fast allen Patienten auf
spielen eine so grundlegende Rolle für
die Zellfunktion, dass sie bei allen Lebe-
einer anderen Form der Eisenspeicher-
krankheit (die Behandlung erfolgt übri-
Chromosom 6 einen großen Abschnitt wesen praktisch identisch sind. Sehr un- gens durch Aderlass).
mit praktisch identischer DNA-Sequenz. wahrscheinlich also, dass sie etwas mit Eingehendere genetische Untersu-
Dies verblüffte, denn die meisten Patien- der Entstehung der Hämochromatose zu chungen zur Verbreitung unserer Grün-
ten waren offensichtlich nicht miteinan- tun hatten. Demnach blieben nur noch dermutation ergaben, dass sie in Irland,
der verwandt, sodass in dieser Chromo- drei Gene als Kandidaten übrig. im Westen Großbritanniens und auch
somenregion, wie anderswo, an irgend- Zwei davon unterschieden sich nicht südlich des Ärmelkanals in der Bretagne
welchen Stellen zufällige Unterschiede zwischen Patienten und Gesunden. am häufigsten vorkommt. Diese geogra-
vorhanden sein sollten. Die Schlussfol- Doch im dritten Gen, heute mit HFE fische Verteilung überschneidet sich fast
gerungen lauteten: Die Patienten mit bezeichnet, entdeckten wir eine Abwei- genau mit dem heutigen Verbreitungsge-
erblicher Hämochromatose stammten chung, die bei keinem der Gesunden biet von keltischen Populationen.
höchstwahrscheinlich alle von einem ge- vorkam. Offenbar hatten wir die Grün- Als das Römischen Reich vor mehr
meinsamen, längst verblichenen Vorfah- dermutation der erblichen Hämochro- als 2000 Jahren expandierte, drängte es
ren ab, und das ursächliche Gen ver- matose gefunden. einige keltische Stämme nach Norden
steckte sich vermutlich in dem gemein- und Westen ab, während andere in ihrer
samen Abschnitt auf Chromosom 6. Keltische Wurzeln Heimat blieben und sich mit den zu-
Auf Grundlage dieser Hypothese star- Unsere Entdeckung warf natürlich sofort wandernden Südeuropäern vermischten.
tete unsere Arbeitsgruppe in den 1990er weitere Fragen auf. Vor allem: Wann und Die Frage war nun: Entstand die Hämo-
Jahren eine detaillierte Analyse der Gene, wo hatte der Gründer gelebt? Welcher chromatose-Gründermutation bereits in
die wir in der fraglichen Region zu fin- Volksgruppe gehörte er an? Dazu taten Mitteleuropa und wanderte mit ihren
den vermochten. Untersucht wurden 101 sich Humangenetiker mit Anthropo- Überträgern nordwärts oder trat sie erst-
Patienten sowie zum Vergleich 64 Perso- logen und Historikern zusammen und mals im Norden auf? Weitere Untersu-
nen ohne Hämochromatose. konnten vor Kurzem konkrete Ergebnis- chungen der umgebenden DNA auf
Die meisten Patienten stimmten in se vorweisen. Chromosom 6 lieferten mit einiger Ge-
einem ausgedehnten Abschnitt von meh- Die Hämochromatose kommt in wissheit die Anwort.
reren Millionen Basenpaaren Länge ganz Europa vor, mit etwas stärkerer Die erhebliche Länge des modernen
überein, bei einigen jedoch war er we- Häufung in den nördlichen Teilen. Wie Haplotyps zeigt an, dass die Gründer-
sentlich kürzer. Wir betrachteten daher sich herausstellte, war die Gründermu- mutation recht jung ist und vermutlich
nur den Teil, der bei sämtlichen Patien- tation bei praktisch allen erkrankten erst vor 50 bis 60 Generationen ent-
ten übereinstimmte, und stießen darin Nordeuropäern vorhanden, aber nur bei stand, also etwa um das Jahr 800. Bei ei-
auf 16 Gene. 13 davon trugen Bauan- weniger als zwei Dritteln der betroffenen nem höheren Alter hätten wir vielleicht
weisungen für verschiedene Histone; die- Süd- und Osteuropäer. Die restlichen geschlossen, dass der Gründer in Mittel-
se Proteine dienen der kompakten Ver- Patienten wiesen demnach wohl irgend- europa lebte und dass sich seine Mu-
packung der Zell-DNA zu Chromoso- eine andere Mutation im HFE-Gen auf tation nach Norden und Westen ver-
men. Sie, und damit auch ihre Gene, oder litten vielleicht in Wirklichkeit an breitete, als seine Nachfahren von den

Bemerkenswerte Gründermutationen
Genbezeichnung Erkrankung/Merkmal Herkunft der Mutation Ausbreitung möglicher Selektionsvorteil
nur einer Kopie

HFE Eisenspeicherkrankheit Rand Nordwesteuropas süd- und ostwärts Schutz vor


durch Europa Eisenmangelanämie

CFTR Mukoviszidose Süosteuropa/ west- und nordwärts Schutz vor Durchfall-


Mittlerer Osten durch Europa erkrankungen

HbS Sichelzellanämie Afrika/Mittlerer Osten in die Neue Welt Schutz vor Malaria

Faktor-V-Leiden Thromboseneigung Westeuropa weltweit Schutz vor Sepsis

ALDH2 Alkoholtoxizität Fernost nord- und westwärts Schutz vor Alkoholismus,


durch Asien eventuell vor Hepatitis B

LCT Laktosetoleranz Asien west- und nordwärts ermöglicht den Genuss


(Milchzuckerverträglichkeit) durch Eurasien tierischer Milch

GJB2 Taubheit Mittlerer Osten west- und nordwärts unbekannt


durch Europa

38 SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006
Archaische Gene, moderne Medizin
Die Möglichkeit, Gründermutationen aufzu- stark durchmischt haben, besteht die Erkrankungen, nicht nur für seltene Erb-
spüren, wird erhebliche Auswirkungen Gelegenheit, weitere Gründermutatio- krankheiten. Genuntersuchungen wer-
auf die künftige Medizin haben. Insbe- nen zu finden, was bei der Suche nach den daher in der medizinischen Routine
sondere in den USA orientieren sich die den auslösenden Genen für zahlreiche zunehmend eine Rolle spielen.
Ärzte derzeit oft an der ethnischen Zuge- Krankheiten sehr hilfreich sein kann. Manche Genvarianten beispielsweise,
hörigkeit, um das Risiko eines Patienten Man sollte nämlich die bereits bekann- die an der Cholesterinsynthese mitwir-
für gewisse Erbkrankheiten einzuschät- ten Gründermutationen als Sonderfälle ken, dürften heute zu Fettstoffwechsel-
zen und gegebenenfalls weitere Unter- einer viel größeren Vielfalt krankheits- störungen beitragen. Andere, die Salz-
suchungen einzuleiten. So tritt die Si- assoziierter Variationen unseres Genoms verlusten vorbeugen, führen nun
chelzellanämie überwiegend bei Perso- auffassen, nach denen Forscher suchen. wahrscheinlich zur Entwicklung von Blut-
nen afrikanischer Abstammung auf. Solche Varianten sind höchstwahrschein- hochdruck durch Salzempfindlichkeit.
Da sich die Menschheit heute jedoch lich alten Ursprungs. Sie waren vermut- Die Erkenntnis, dass bestimmte gene-

Zugehörigkeit
rascher durchmischt, wird es schwieri- lich für ihre Träger unter den damaligen tische Profile mit häufigen Gesund-
ger, dem Einzelnen eine bestimmte geo- Lebensumständen von Vorteil und ver- heitsstörungen in Zusammenhang ste-
grafische Herkunft oder ethnische Zu- breiteten sich daher in der Bevölkerung. hen, hat Konsequenzen: Sie wird die
gehörigkeit zuzuordnen. Fällt also der Unter den Bedingungen der modernen Genetik von einer Spezialdisziplin, die
ethnische Hintergrund als diagnostisches Zivilisation können sich jedoch archai- sich mit seltenen und obskuren Erkran-
Merkmal weg, nimmt die Bedeutung der sche Gene aus ursprünglich fernen Ge- kungen befasst, in den Mittelpunkt der
DNA-Analyse für die Risikoeinschätzung genden nachteilig auswirken. Prävention, Diagnose und Behandlung
und Diagnose zu. Solange die menschli- Zahlreiche Varianten erhöhen vermut- menschlicher Krankheiten ganz allge-
chen Populationen sich noch nicht zu lich die Risiken für inzwischen häufige mein rücken.

Für bestimmte Erkrankungen kann


l der Arzt anhand der ethnischen
des Patienten dessen Ge-
fährdungsgrad einschätzen. Je stärker
sich jedoch die Menschheit durchmischt,
CORBIS / LARRY WILLIAMS

desto mehr werden die Mediziner auf


die Untersuchung des Erbguts selbst zu-
rückgreifen müssen, um das individuelle
Erkrankungsrisiko zu bestimmen.

Römern vertrieben wurden. Um 800 familie angehören, die durch das ge-
Dennis Drayna, 1981 an der
war das Römische Reich jedoch längst meinsame Erbe unseres Genoms verbun- Harvard-Universität in Cam-
untergegangen. Somit entstand die den ist. Analysen von Gründermutatio- bridge (Massachusetts) promo-
Gründermutation aller Wahrscheinlich- nen bestätigten dabei nicht nur die »Out viert, entdeckte während seiner
keit nach im Nordwesten Europas und of Africa«-Hypothese, sie haben auch die 14-jährigen Tätigkeit in der Bio-

A U T O R U N D L I T E R AT U R H I N W E I S E
tech- Industrie mehrere mensch-
breitete sich später nach Süden und Os- gemeinsame Herkunft verschiedener liche krankheitsrelevante Gene.
ten aus. scheinbar nicht enger verwandter Grup- Seit 1996 arbeitet er an den Nationalen Gesund-
Anthropologen, allen voran Luigi pen aufgedeckt. Aktuelle Untersuchun- heitsinstituten in Bethesda (Maryland) und ist der-
Cavalli-Sforza von der Universität Stan- gen von David B. Goldstein von der zeit Sektionsleiter des Instituts für Taubheit und
ford (Kalifornien), hatten in der Vergan- Duke-Universität in Durham (North andere Kommunikationsstörungen. Die Suche
nach Familien mit einer Häufung solcher Erkran-
genheit andere Typen von DNA- Carolina) zum Beispiel ergaben eine un- kungen führte ihn in acht verschiedene Länder auf
Varianten genutzt, um die Migration erwartete genetische Verwandtschaft zwi- vier Kontintenten.
von Menschengruppen nachzuvollzie- schen Kelten und Basken.
Ein neues Modell der Homo-Evolution? Von I. Tat-
hen. Gründermutationen erweitern nun Gründermutationen und ihre Hap- tersall in: SDW 6/ 1997, S. 64
jedoch DNA-Studien um eine zusätz- lotypen werden sicherlich weitere derar-
liche Dimension, denn die kalibrierte tige Beziehungen offenbaren und neue Natural selection and molecular evolution in PTC,
a bitter-taste receptor gene. Von S. Wooding et
Länge des Haplotyps datiert die initiale Einblicke liefern, wo verschiedene Be- al. in: American Journal of Human Genetics, Bd.
Mutation, und die ermittelte Häufigkeit völkerungsgruppen herstammen und wie 74, Nr. 4, S. 637, 2004
in der Bevölkerung erfasst die geografi- sie dort hingelangten, wo sie heute
The great human diasporas: The history of diver-
sche Ausbreitung der Nachfahren des leben. Zugleich werden auftauchende sity and evolution. Von L. Cavalli-Sforza. Addison
Gründers. unerwartete Verwandtschaftsverhältnisse Wesley 1995
Molekulargenetische Indizien in je- wohl auch ein tieferes Verständnis für die
Weblinks zu diesem Thema finden Sie bei www.
dem von uns belegen, dass wir letztlich gemeinsamen Wurzeln des menschlichen spektrum.de unter »Inhaltsverzeichnis«.
alle einer einzigen großen Menschheits- Stammbaums schaffen.

SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006 39
WIS S ENSCHAF T I M AL LTAG
S TRA SSENBAU
WISSENSCHAFT IM ALLTAG

Schwer belastbares Sandwich


Sollen Straßen dem täglichen Verkehr standhalten, kommt es auf die richtige Asphaltmischung an.

Von Stefanie Reinberger und Klaus-Dieter Linsmeier Schichten gegebenenfalls weiter komprimieren; Spritzrampen,
die ein Mittel ausbringen, das die Haftung zwischen den Schich-

E gal ob wir radeln oder skaten, mit dem Auto oder per pe-
des unterwegs sind – meist bewegen wir uns auf asphal-
tierten Wegen. Ihr Aufbau ist durch technische Regelwerke
ten verbessert; und Kerbmaschinen, mit denen die Unterlage
vorab gereinigt wird.
Um die Stabilität und Beständigkeit bei Temperaturschwan-
vorgegeben. Auf dem eingeebneten und maschinell verfestig- kungen zu verbessern, mischt man das Bitumen des Deckschicht-
ten Erdboden werden Kies oder Schotter als Frostschutz- und asphalts mit Polymeren: Indem diese miteinander vernetzen,
Drainageschicht aufgebracht und auf zwanzig bis sechzig Zen- fördern sie die Elastizität – immerhin soll eine Straße Jahrzehn-
timeter Dicke komprimiert. Auf diesen Untergrund kommt te halten. Für die Tragschicht streben Planer sechzig Jahre, für
anschließend die Asphaltbefestigung. Auf Radwegen und sehr die Bindeschicht dreißig und für die Fahrbahndecke immerhin
wenig befahrenen Strecken reicht eine einzige, etwa zehn Zen- 15 Jahre an.
timeter starke Lage aus. Muss die Fahrbahn jedoch mehr aus- Um die Arbeitsbedingungen im Straßenbau zu verbessern,
halten, ist ein Sandwich aus Asphalttrag-, -binder- und -deck- erproben Ingenieure so genannte Niedrigtemperaturasphalte.
schicht stabiler. Wachszusätze im Bitumen sollen eine Verarbeitung bei niedrige-
Asphalt ist ein Verbundmaterial, bestehend aus dem Binde- ren Temperaturen ermöglichen. Das würde Energie sparen und
mittel Bitumen und Mineralstoffen wie Splitt, Kies und Sand, gesundheitsschädliche Ausgasungen reduzieren.
aber auch aus Schlacken aus der Metallverhüttung. Die drei Was von solchen neuen Asphaltmischungen zu erwarten ist,
Schichten unterscheiden sich nicht zuletzt in der Korngröße testen Ingenieure etwa beim Bundesamt für Straßenbau (BASt)
dieser Zuschlagstoffe. in Bergisch Gladbach. Dazu dienen ihnen auch Modellstraßen
Auf der Deckschicht rollen die Reifen ab, deshalb muss ihre in Versuchshallen. Zwischen den einzelnen Schichten platzieren
Oberfläche eben und griffig sein. Aus diesem Grund haben die sie Sensoren, um Druck, Dehnung und Temperatur etwa bei
Mineralstoffe in dieser wenige Zentimeter dicken Lage maxi- der Überfahrt schwerer Lkws zu messen. Außerdem lässt sich
mal acht bis elf Millimeter Durchmesser. Eine Ausnahme bil- ein solcher Aufbau fluten oder auf Frosttemperaturen abkühlen.
den so genannte offenporige Asphalte, auch unter dem Mar- Um die Belastbarkeit über viele Jahre hinweg im Zeitraffer zu
kennamen Flüsterasphalt bekannt. Deutlich mehr grobe als fei- untersuchen, hämmern hydraulische Impulsgeber darauf ein.
ne Gesteinskörnungen sorgen hier für ein Netz von Hohlräumen, Doch erst der Einsatz in der Praxis zeigt, ob die Mischungen
die das Abrollgeräusch eines Fahrzeugs verringern. Gleichzeitig halten, was sie im Test versprochen haben.
nimmt dieser Belag auch Regenwasser auf und reduziert so
Aquaplaning und Sprühfahnen. Auf einer darunterliegenden Die promovierte Biologin Stefanie Reinberger arbeitet als Wissenschaftsjourna-
Versiegelung fließt das Wasser ab. listin in Heidelberg. Klaus-Dieter Linsmeier ist Redakteur bei Spektrum der Wis-
Die so genannte Tragschicht nimmt die Belastungen durch senschaft.
den Verkehr auf und verteilt sie auf die Unterlage aus Kies und
Schotter. Sie ist mindestens acht Zentimeter dick, bei viel be-
fahrenen Strecken für den Schwerverkehr erreicht sie bis zu 22
Zentimeter Stärke. Um ihr die notwendige Festigkeit zu verlei-
hen, kommen gröbere Mineralstoffe mit 16 bis 32 Millimeter
Durchmesser zum Einsatz.
Zwischen Trag- und Deckschicht vermittelt die Asphalt-
binderschicht, die zudem Unebenheiten der Tragschicht aus-
gleicht. Messungen der in Fahrtrichtung auftretenden Schub-
kräfte zeigen, dass hier in der Binderschicht die größten Schub-
spannungen auftreten. Je nach zu erwartendem Verkehrsauf-
kommen wird diese Lage mit vier bis zehn Zentimetern Stärke
ausgelegt.
Asphalt kommt vorgefertigt auf die Baustelle. Der Herstel-
ler mischt die Mineralstoffe dem Bindemittel Bitumen bei, das
bei 160 bis 250 Grad Celsius flüssig wird. Heiß wird das Mate-
rial mit einem so genannten Fertiger ausgebracht (siehe Grafik
S. 41). Eine stählerne Bohle sorgt dafür, dass die Oberfläche
eben ist, unter Umständen verdichtet sie den frisch aufgetrage-
nen Asphalt durch Vibrationen. Das Repertoire der Bauma-
schinen umfasst außerdem: verschiedene Walzen, die einzelne ฀
฀ ฀

40 SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006
WUSSTEN SIE SCHON?

BEIDE GRAFIKEN: SIGANIM / SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT, NACH: GEORGE RETSECK


r Natürliches Bitumen entsteht in erdöldurchsetzten Ge- durch spröde macht. Mechanische Beanspruchung vergrö-
steinsschichten. Es wurde in Mesopotamien bereits 3000 v. ßert die Schäden, bis Teile einer Straßendecke ausbrechen.
Chr. eingesetzt, etwa um Wasserspeicher undurchlässig zu Ist deren Funktionalität nicht mehr gewährleistet, wird eine
machen und Ziegel oder Mosaikkacheln zu kleben. Davon Reparatur erforderlich. Dazu muss die Decke teilweise abge-
zeugt auch die Bibel, die den Baustoff im Zusammenhang mit tragen werden, zum Beispiel durch Fräsen. Fugenkonstrukti-
der Arche Noah, dem Turmbau zu Babel und dem Körbchen onen verbinden die neue Asphaltdecke elastisch mit der
des kleinen Moses erwähnt. Als Straßenbelag kamen bitu- noch vorhandenen.
menhaltige Gemische erstmals im 18. Jahrhundert in Europa r Teer und Teerpeche ähneln zwar in ihrem Aussehen dem Bi-
zum Einsatz. Das Asphaltbindemittel fällt heute bei der Erdöl- tumen, werden aber aus Stein- und Braunkohle, seltener
verarbeitung als Nebenprodukt an. auch aus Holz oder Torf gewonnen. Im Straßenbau kommen
r Dringt Wasser in Hohlräume des Asphalts ein, kann Frost sie auf Grund ihrer gesundheitsschädigenden Dämpfe bei der
dann feine Risse bilden. Eine solche Wirkung hat auch der Verarbeitung und ihrer umweltschädigenden Bestandteile
Sauerstoff aus der Luft, der das Bitumen oxidiert und da- nicht mehr zum Einsatz.

Der Einbau von Asphalt ist kein Zu-


l ckerschlecken, denn das Material
muss bei mehr als hundert Grad Celsius
verarbeitet werden, sonst erstarrt es. Die
wichtigste Baumaschine ist hier der Stra-
ßenfertiger, der den Asphalt ausbringt
und über eine stählerne Bohle gleichmä-
ßig verteilt. Je nach Zusammensetzung
des Asphalts muss er anschließend
durch Walzen verdichtet werden. Feiner
Splitt, auf die noch nicht abgekühlte
Deckschicht aufgebracht und eingewalzt,
macht die Oberfläche noch griffiger.

฀ ฀
Um die anfallenden Belastungen
l aufzunehmen, erfordern Straßen
mit hohem Verkehrsaufkommen drei As-
phaltschichten. Dabei wirkt in der Binder-
schicht zwischen Deck- und Tragschicht
die höchste Schubspannung.

SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2005 41
SCHWERPUNKT ARCHÄOLOGIE: MEERESSEDIMENTE z
150 Jahre
Trockenheit Aus urheberrechtlichen Gründen
Waren langjährige Dürren der Grund für den Niedergang können wir Ihnen die Bilder leider
der Maya? Neue Indizien für die umstrittene These liefert nicht online zeigen.

das Meer.

Von Larry C. Peterson Nach wie vor ist dieser Kollaps eines der
und Gerald H. Haug großen Rätsel der Archäologie.
Es gibt nicht wenige Theorien über

O
bwohl sie nie das Rad und die Ursachen. Sie reichen von kriegeri-
die Metallverarbeitung er- schen Auseinandersetzungen der Stadt-
funden hatten, schufen die staaten – es gab nie einen ganz Yukatan
Maya Pyramiden und Tem- umfassenden Mayastaat, sondern stets
pel, erbauten Metropolen und kleine ze- mehrere konkurrierende Zentren wie
remonielle Zentren im Tiefland der Chitchén Itzá oder Tikal – bis zu einer
Halbinsel Yukatan (heute teilweise Süd- Invasion, vom Ausbruch einer tödlichen
mexiko, Guatemala und ganz Belize). Seuche bis zu starker Abhängigkeit von
Von Observatorien aus verfolgten sie wenigen Feldfrüchten, vom Verlust
den Aufgang der Venus und anhand ih- fruchtbarer Böden durch Erosion bis zur
rer Himmelsbeobachtungen entwickel- Annahme eines ungünstigen Klimawan-
ten die Maya einen Kalender des Son- dels. Vermutlich haben mehrere dieser
nenjahres mit 365 Tagen. Sie ersannen Faktoren in einem komplexen Zusam-
eine eigene Mathematik, die auf der menspiel die Lebensbedingungen im
Grundzahl Zwanzig basierte und bereits Tiefland drastisch verschlechtert. Aller-
die Null kannte. In einer Hieroglyphen- dings mehren sich seit wenigen Jahren
schrift aus vielen hundert Zeichen do- die Anzeichen dafür, dass gegen Ende küste bis zu 4000 Millimetern in einigen
kumentierten ihre Schreiber den Vollzug der Klassischen Periode tatsächlich aus- südlichen Landstrichen; nur dort kann
wichtiger Rituale ebenso wie den Sieg geprägte Dürreperioden auftraten. sich dschungelartige Vegetation halten.
über ihre Feinde. Neunzig Prozent des gesamten Nieder-
Ihren Zenit erreichte diese Hochkul- Hochkultur im Karstgebiet schlags fallen von Juni bis September,
tur in der so genannten Klassischen Pe- Angesichts des üblichen Klischees von während die Zeit von Januar bis Mai aus-
riode (250 – 950 n. Chr.). Bis zum 9. Mayaruinen, die in dichten Dschungeln gesprochen trocken ist.
Jahrhundert dürften vier bis zwölf Mil- verborgen liegen, überrascht es sicher zu Dieser ausgeprägte Nass-trocken-
lionen Menschen auf Yukatan gelebt ha- lesen, dass Yukatan in den Wintermona- Kontrast ergibt sich aus der jahreszeitli-
ben, doch dann brach diese Zivilisation ten eine Wüste ist. Die Vegetation dort chen Wanderung der Regenwolken auf
zusammen. Die Maya verließen ihre kann nur existieren, solange die Sommer- Grund der so genannten innertropischen
Zentren, die beeindruckenden Bauwerke regen ergiebig sind, und diese variieren Konvergenz: Am Äquator erwärmt sich
verfielen, nur wenige hunderttausend beträchtlich über die Halbinsel: Von ge- die Luft und steigt auf, das resultierende
Menschen überlebten auf der Halbinsel. rade mal 500 Millimetern an der Nord- Tiefdruckgebiet zieht Luft aus kälteren

42 SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006
könew nlG
irIhnediheB dreünldier
Aus urheberrechtlic

nicht online zeigen.

Gebieten im Norden und Süden nach so mehr, als der Felssockel Yukatans aus Geheimnisvolle Ruinen in üppig
sich; dies wird als Konvergenz bezeich- Kalkstein besteht. Wer einmal Urlaub in o feuchten Dschungeln – das ist das
net, die Luftbewegung zum Äquator als einer der Karstlandschaften Europas ge- Bild, das Expeditionen des 19. Jahrhun-
Passatwinde. Die aufsteigende Luft kühlt macht hat, sei es in den Alpen oder in Ju- derts von den einstigen Prachtbauten der
ab, sodass Feuchtigkeit schließlich kon- goslawien, konnte sehen, was das bedeu- Maya zeichneten. Tatsächlich aber ist das
densiert und abregnet. Weil diese Nieder- tet: Wasser versickert und löst den Kalk, Tiefland der Halbinsel Yukatan im Winter
schlag bringende Zone aber in den Win- bildet somit Höhlen, aber auch unter- und im Frühling sehr trocken.
termonaten weit nach Süden wandert, irdische Flüsse und Seen, während ober-
herrscht dann Trockenheit auf Yukatan irdisch Trockenheit herrscht. Deshalb
und im nördlichen Südamerika; erst im konnten die Maya ihre Siedlungen nicht
Sommer regnet es wieder in Südmexiko an Flussläufen oder Seen errichten wie
und der südlichen Karibik. Kulturen in der Alten Welt. Selbst so be-
Mit diesen jahreszeitlichen Härten deutende Stadtstaaten wie Tikal, Caracol
mussten die Maya umgehen lernen. Um- und Calakmul waren auf eine gut funkti-

SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006 43
SCHWERPUNKT
KLIMAGESCHICHTE z Ä
ARCH O LOGIE: MEERESSEDIMENTE z Die Mayahalbinsel Yukatan und das Caria-
co-Becken im Schelfgebiet Venezuelas sind
den gleichen Großwetterbedingungen aus-
gesetzt, sodass die marinen Sedimente
dort auch den Niederschlag auf der Halb-
insel widerspiegeln (rechts: die jahreszeit-
lich wechselnde Regenmenge in Mittel-
amerika).

Yukatan

Cariaco-Becken

1000 Kilometer

DAVE SCHNEIDER

onierende Wasserspeicherung angewie- über das Klima in lang zurückliegenden nur verstehen sie zu lesen. Die Forscher
sen. In vielen Städten lenkten Kanäle das Kulturen in Erfahrung bringen konnte, entdeckten, dass die wasserärmste Phase
Regenwasser in natürliche oder künst- sei es aus archäologischen oder geologi- der letzten 7000 Jahre tatsächlich in die
liche Zisternen, die mit einem was- schen Quellen. Zeit zwischen 800 und 1000 fiel. An-
serundurchlässigen Verputz ausgestattet Um die Bedeutung des wasserdurch- hand neuer Proben haben sie diesen
waren. Manche bauten sie auf Hügel- lässigen Kalksteins zu unterstreichen, zi- Befund mittlerweile präzisiert. (Das
kuppen, sodass das kostbare Nass der tierte Gill beispielsweise den Bischof von Wasser des Chichancanab-Sees ist näm-
Schwerkraft folgend in ein komplexes Yukatan, Diego de Landa, der 1566 lich fast mit Kalziumsulfat gesättigt. In
Bewässerungssystem abfließen konnte. schrieb: »Die Natur arbeitet in diesem Trockenzeiten, wenn die Verdunstung
Doch trotz aller hydrologischen Kennt- Lande ganz anders, was Flüsse und Quel- überhand nimmt, fällt er als Gips aus
nisse galt: Blieben die Sommerregen aus, len angeht: Im Rest der Welt fließen sie und bildet im Bohrkern erkennbare
drohten Wasserknappheit und in direk- auf dem Lande, hier aber auf geheimen Schichten. Im Mai 2001 erklärten die
ter Folge auch Hunger. Wegen unter der Oberfläche.« Wissenschaftler, dass sich solche Ablage-
Der Privatarchäologe Richardson B. rungen offenbar im Rhythmus von 208
Gill veröffentlichte im Jahr 2000 das Gipsschichten Jahren wiederholten. Das entspricht fast
Buch »The Great Maya Droughts« (etwa als Indikator für Trockenheit dem Zyklus der Sonnenaktivität mit 206
»Die großen Mayadürren«) und entfach- Die wichtigsten Argumente für seine Jahren. Tatsächlich scheinen die Gipsab-
te damit die Diskussion über die Ursa- These, der Zusammenbruch der klassi- lagerungen mit dem Maximum des Son-
chen des Niedergangs dieser Hochkultur schen Mayazivilisation sei eine Folge von nenzyklus zusammenzufallen. Allerdings
(Gill erbte nach seiner akademischen Dürrezeiten, lieferten ihm David A. Ho- erreicht dann nur ein Promille mehr an
Ausbildung ein florierendes Unterneh- dell, Jason H. Curtis, Mark Brenner und Energie die Erde, sodass ein noch unbe-
men in San Antonio,Texas, sodass er sich andere Geologen der Universität Florida. kannter Mechanismus verstärkend ge-
der Forschung ohne Anbindung an eine Diese publizierten 1995 eine Analyse der wirkt haben muss.
Hochschule, sozusagen als Hobby wid- Bohrkerne, die sie aus den Sedimentab- Unsere eigene, inzwischen abge-
men kann; die Redaktion). Er hatte eine lagerungen des Chichancanab-Sees (Me- schlossene Forschung ergänzt derartige
Vielzahl von Informationen gesammelt: xiko) gewonnen hatten. Wie ein Archiv Untersuchungen von einer vielleicht un-
über die Zusammenhänge von Wetter bewahren die im Lauf der Jahrtausende erwarteten Seite her. In einiger Entfer-
und Klima in jüngerer Zeit, zu Trocken- aufeinander wachsenden Schichten In- nung zur Nordküste Venezuelas senkt
heiten und Hungersnöten in der Ge- formationen über die jeweils herrschen- sich der Festlandsockel Mittelamerikas
schichte, und was immer er an Daten den Umweltbedingungen, man muss und formt das Cariaco-Becken. Bis zu ei-

44 SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006
Januar März Mai Juli September November

DAVE SCHNEIDER

nem Kilometer tief, doch umgeben vom das Plankton unterbrochen, während an- Gebiete unterliegen in gleicher Weise der
flachen Kontinentalhang und verschie- dererseits Flüsse nun Schlamm ins offene Wanderung der innertropischen Kon-
denen Untiefen bildet es eine natürliche Meer spülen – dies ist die dunkle, vor- vergenzzone.
Falle für Sedimente. Mehr noch verhin- wiegend aus Tonmineralen bestehende Unsere Forschung begann 1996, als
dert ein seichter Auslauf, dass sich das Lage. Beide zusammen ergeben im Cari- das Forschungsschiff Joides Resolution
Wasser der tiefen Beckenbereiche mit aco-Becken eine geologische »Uhr«, die im Rahmen des internationalen Ozean-
dem des offenen Ozeans durchmischt. auf mindestens ein Jahr genau geht (fach- Tiefbohrprogramms (Ocean Drilling Pro-
Schon seit dem Ende der letzten Eiszeit lich: Jahreslagen, Warven). Ein Zeitmes- gram, ODP) zum Zentrum des Cariaco-
vor etwa 14 500 Jahren herrscht dort ser, der auch für Yukatan gilt, denn beide Beckens aufbrach. Den Technikern ge-
deshalb Sauerstoffarmut, sodass am Mee-
STEPHANIE FREESE

resboden lebende Organismen, die bei


ihrer Nahrungssuche Sedimente aufwüh- ~ 910 v. Chr. ~ 860 v. Chr. ~ 810 v. Chr. ~ 760 v. Chr.
0,30
len, nicht vorkommen. Mit anderen nass
Worten: Die Schichtabfolge der Sedi-
mente im Zentrum des Cariaco-Beckens
Titan (in Prozent)

ist seit Jahrtausenden ungestört.


In den Bohrkernen zeigt sich ein auf-

Klima
0,15
fälliges Muster aus abwechselnd hellen
und dunklen Streifen. Deren Ursprung
lässt sich leicht verstehen. Während der
Winter- und Frühlingsmonate bringen
starke Passatwinde kaltes, an Nährstoffen 0
16 6 47 3 42 8 40 Jahre
trocken
reiches Wasser aus den Tiefen des Oze- 0 20 40 60 80
ans an die Oberfläche vor der Nord- Tiefe in der Bohrkernprobe (in Millimetern)
küste Venezuelas (so genannter Küsten-
0,30
auftrieb). Dadurch vermehrt sich das nass
Plankton – einzellige, kalkschalige Algen
und Tiere (Coccolithophoriden bezie-

ürpiger
Titan (in Prozent)

hungsweise Foraminiferen). Sterben die-

genfäleunabhängiD
se Kleinstlebewesen ab, sinken ihre fes-
Klima
0,15
ten Überreste zu Boden und bilden jene
helle Schicht. Während des regenreichen
Sommers hingegen wird der Küstenauf-
trieb und damit die Nährstoffzufuhr für

ehäolge
0 trocken
0 100 200 300
Tiefe in der Bohrkernprobe (in Millimetern)
Messungen der Titankonzentration
r in den Sedimentschichten des Cari-
0,30 nass
aco-Beckens spiegeln Zeiten Re- Kleine Eiszeit
und Phasen der re wieder.
Titan (in Prozent)

Sie lassen sich auf Grund der globalen


Klima

Klimaprozesse mit Warm- und Kaltzeiten


0,15
in Europa in Verbindung bringen, aber
auch mit dem Untergang der Maya, ja mittelalterliche Kollaps der klassi-
sogar mit den drei Phasen dieses Kollap- Wärmeperiode schen Mayakultur
ses, wie sie der Arc
Richardson B. Gill postuliert. 0 trocken
0 500 1000 1500 2000
Alter der Sedimente (in Jahren) 45
SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT
Q JANUAR 2006
ERPUNKTARCHÄOLGIE:
SCHW
lang es, dort einen 170 Meter langen
Sedimentkern zu gewinnen. Das explizi-
te Ziel der folgenden Analyse: die Verän-
derungen des tropischen Klimas in der
MEERESSEDIMENTE

Küstenebene
von Campeche
z Küstenebene
von Yukatan

fernen Vergangenheit zu erkunden. Ein


wichtiger Aspekt dabei war, anhand der
Konzentration mineralischer Körner auf
die Menge an Regen zu schließen, der sie
vom Festland abgewaschen hatte.

STEPHANIE FREESE, NACH: RICHARDSON GILL


Dazu erprobten wir neue Verfahren, Golf von
denn das Abzählen der Jahreslagen unter Mexiko
dem Mikroskop wäre in diesem Fall zu
zeitaufwändig, ermüdend und dadurch
auch fehleranfällig gewesen. Als beson-
ders effizient erwies es sich, den Gehalt
Süden Norden
an Titan in einer Probe zu bestimmen,
denn es wird mit Lehm und Schlamm
vom Land ausgewaschen, hohe Konzent- sprechen dafür, dass der Kollaps der Ma- dings lassen sich diese Sedimentschichten
rationen sind also ein indirekter Hinweis yazivilisation sowohl räumlich wie zeit- nicht ganz genau datieren. Radiokarbon-
auf große Regenmengen. Den Titange- lich unterschiedlich verlief. Wenn Tro- messungen legen sie auf die Jahre 760,
halt wollten wir so einfach und effektiv ckenheit ein entscheidender Grund des 810, 860 und 910 fest, doch mit einer
wie möglich bestimmen, zudem ohne Niedergangs gewesen war, dann musste Ungenauigkeit von dreißig Jahren.
Zerstörung der Proben, wie eine chemi- sie die verschiedenen Zentren zu unter- Die Archäologen sind sich darin ei-
sche Analyse sie mit sich gebracht hätte. schiedlichen Zeiten betroffen haben, ei- nig, dass der Niedergang der Maya im
Das Verfahren der Röntgenfluoreszenz nige wenige im Norden der Halbinsel südlichen und zentralen Tiefland Yuka-
bietet all diese Vorteile: Das Material möglicherweise auch gar nicht. tans seinen Anfang nahm und erst hun-
wird Röntgenstrahlung ausgesetzt, die dert Jahre oder noch später Zentren der
das Element anregt, mit einer charakte- Sedimentgeschichte nördlichen Gebiete erreichte. Dieses
ristischen Wellenlänge zu leuchten. Die mit extremer Auflösung Muster ist der heute üblichen von Süden
Intensität dieses Fluoreszenzlichts ist ein Wir hofften deshalb, nach der ersten Un- nach Norden zunehmenden Trockenheit
Maß für die Titankonzentration. tersuchung der Sedimentkerne aus dem gerade entgegengesetzt. Das wurde von
Für unsere Messungen benutzten wir Cariaco-Becken die optimalen Bedin- einigen Mayaexperten als Argument an-
einen speziellen Scanner der Universität gungen, die uns die ungestörte Schicht- geführt, warum Dürren nicht der aus-
Bremen; dort werden auch die Bohrkerne abfolge gibt, dahingehend zu nutzen, die schlaggebende Faktor für den Kollaps
des Ozean-Tiefbohrprogramms gelagert. Klimaentwicklung zeitlich noch feiner gewesen sein konnten. Doch dabei be-
Wir untersuchten jeweils zwei Millimeter aufzulösen. Leider waren wir aber beim rücksichtigen sie nicht, dass der Zugang
lange Abschnitte innerhalb eines Kern- Bremer Scanner bereits an die Gren- zu natürlichen Wasservorkommen in der
stücks, das bereits durch Radiokarbonda- zen gestoßen. Doch Detlef Günther und Küstenebene und vor allem im Norden
tierung als interessant für unserer Frage- Beat Aeschlimann von der Eidgenössi- Yukatans das Überleben auch in langen
stellung ausgedeutet worden war. schen Technischen Hochschule in Zürich Dürrephasen sicherstellen konnte.
Was gleich ins Auge fiel, war ein sehr (ETHZ) hatten ein Mikroröntgenfluo- Denn dort gab und gibt es zahlreiche
niedriges Titanvorkommen in Schichten, reszenz-Gerät entwickelt, das sie uns wassergefüllte Karstlöcher, also Höhlen,
die vor 500 bis 200 Jahren abgelagert freundlicherweise zur Verfügung stellten. deren Decken eingebrochen sind und die
wurden. Dies entspricht der Periode der Dort haben wir im Jahr 2002 die Titan- als natürliche Zisternen fungieren kön-
Kleinen Eiszeit in Europa. In Zentral- konzentration in Abschnitten von nur nen (siehe Bild rechts). Je weiter man sich
amerika herrschte offenbar eine lange noch 50 Mikrometer Länge analysiert; aber landeinwärts bewegt, desto höher
Phase mit relativ geringen Regenfällen, das entspricht in der statistischen Aus- steigt das Bodenniveau an und der Ab-
was sich mit historischen Berichten deckt. wertung etwa zwei Monaten in der Abla- stand zum Grundwasserspiegel wächst
Offensichtlich blieb die innertropische gerungsgeschichte des Cariaco-Beckens, (siehe Grafik oben). Die Maya verfügten
Konvergenzzone damals auch im Som- eine unglaubliche Genauigkeit. schlichtweg nicht über die notwendigen
mer weit südlicher als heute. Wir fanden Wir bearbeiteten zwei Proben des Techniken, sich durch Brunnen den Zu-
vergleichbare Abschnitte des Bohrkerns Bohrkerns, die gemeinsam den Zeitraum gang zum Wasser zu verschaffen. Sie wa-
aber auch für die Zeit zwischen 800 und von 200 bis 1000 abdecken. Dabei be- ren auf die künstlich angelegten Spei-
1000 n. Chr., was sich mit den Befunden schränkten wir uns auf die Schichten, die chersysteme und den Sommerregen an-
von David A. Hodell und seinen Kolle- mit dem Ende der klassischen Periode gewiesen. Eine Trockenheit musste sich
gen an Seesedimenten deckt. korrespondierten. In diesem Intervall fan- unter diesen Bedingungen wesentlich
Deren These einer Superdürre über den wir vier verschiedene Titanminima, härter auswirken.
100 oder gar 200 Jahre im Kernland der die für drei- bis neunjährige Dürren in ei- Richardson B. Gill postulierte, dass
Maya fand bei den Archäologen nur ge- ner ohnehin trockenen Phase sprachen; sich der Kollaps in drei Phasen vollzog –
teilte Zustimmung. Denn ihre Funde dazwischen lagen 40 bis 50 Jahre. Aller- zwischen 760 und 810 die erste, bis 860

46 SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006
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h
l
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r
In der K
erlauben
von Yukatan
Karsthöhlen
mitunter, an den Grundwasserspiegel zu
gelangen. Der Stich einer Expedition von
1844 zeigt, wie schwierig und h

nlG
dreünldier
so ein Unterfangen oft war. Je weiter

irIhnediheB
könew
landein aber eine Siedlung angelegt
wurde, desto tiefer lag der Grundwasser-
spiegel, wie die Grafik links verdeutlicht.

Aus urheberrechtlic mehr Jahre dauernde schwere Dürre


überzugehen. Das entspricht dem Ende
nicht online zeigen. der ersten »Gill«-Phase um 810. Damals
verließen die Maya die Zentren des west-
lichen Tieflands, wo es kaum Zugang zu
Grundwasserreservoiren gibt.

Elite ohne Weitsicht


Auch das Ende der zweiten Phase spie-
geln die Meeressedimente durch einen
sehr niedrigen Titangehalt über drei bis
vier Jahre. Damals traf es die Siedlungen
des südöstlichen Tieflands. Vielleicht
hatten die Menschen dort dank einiger
Frischwasserlagunen (in denen Grund-
wasser austritt) die erste Phase überste-
hen können, doch nun waren diese Vor-
kommen wohl erschöpft.
Schließlich markiert ein starker Rück-
gang der Titankonzentration in unseren
Proben für die Zeit um 910 den endgül-
tigen Kollaps am Ende des dritten Zeit-
abschnitts. Damals gingen auch die Städ-
te des zentralen und des nördlichen Tief-
lands zu Grunde. Unseren Messungen
nach dauerte diese Dürre immerhin fünf
die zweite und die letzte schließlich bis Gills Argumente wurden in Fachkrei- bis sechs Jahre. Erst danach stieg der Ge-
910 –, wobei es regional deutlich unter- sen heftig diskutiert. Breite Ablehnung halt an unserem Indikator Titan wieder
schiedliche Ausprägungen gab. Diese erfuhr beispielsweise seine Annahme, die an, die Regenmengen erreichten vermut-
Zeitgrenzen leitete er von den letzten Datumsangaben der Stelen wären exakte lich das Niveau von vor 760, doch für die
Datumsangaben auf Mayastelen ab. Kriterien, wann die jeweilige Stadt verlas- Maya des Tieflands kam diese Entwick-
sen wurde. Zudem berücksichtigte Gill lung zu spät.
Drei Phasen des Untergangs nur die größten Stätten, die Entwicklung Dennoch: Obwohl die Übereinstim-
Weil diese Daten mit strengen Kälteein- in den kleineren lokalen Zentren blieb mung unserer Daten mit den Thesen von
brüchen in Europa gut übereinstimmen bei seiner Analyse außen vor. Trotz aller Gill wirklich sehr gut ist, wissen wir na-
(die anhand von Baumringen in Schwe- berechtigter Zweifel: Unsere Analyse der türlich, dass ein so komplexes Phänomen
den ermittelt wurden), glaubt Gill an Meeressedimente bestätigt die Drei-Pha- wie der Niedergang einer Hochkultur
eine klimatische Kopplung – was sich auf sen-Theorie erstaunlich gut. nicht eine einzige Ursache haben kann.
Yukatan als Dürre auswirkte, machte sich Demnach wäre um 760 tatsächlich Viele Experten gehen davon aus, dass
in höheren Breitengraden als drastischer die Regenmenge abrupt und stark zu- eine bis in das 9. Jahrhundert auf vier bis
Temperaturrückgang bemerkbar. Eine rückgegangen und hätte in den kommen- zwölf Millionen Menschen angewach-
ähnliche Analogie haben wir, wie schon den vierzig Jahren langsam weiter nach- sene Bevölkerung bereits am Limit der
erwähnt, ebenfalls beobachtet. gelassen, um dann in eine zehn oder verfügbaren Ressourcen lebte, diese durch

SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006 47
SCHWERPUNKT ARCHÄOLOGIE: MEERESSEDIMENTE z l
ä
h
(gärcün)So lge
tspäder
Der amerikanische Arc
Richardson B. Gill postuliert, dass

xiko
der Untergang der klassischen Mayakul-
tur in drei Phasen verlaufen sei. Um das
Jahr 810 seien die ersten

Me
Chichén Itzá
verlassen worden, etwa 50 Jahre
Uxmal folgte die hste Phase (braun), um 910

n
dann die dritte (blau).
vo
Chichancanab-
lf See
o
G Edzna

Bucht von
Noch ist dies ein sehr neuer Ansatz, doch
Campeche er brachte in den letzten Jahren immer
wieder verblüffende Erkenntnisse. Zum
Oxpemul
La Muñeca
Beispiel verraten auch Analysen von
Calakmul Baumringen im amerikanischen Südwes-
Naachtun ten, dass dort zwischen 1275 und 1300
La Honradez eine ausgeprägte Trockenheit herrschte –
Palenque Uaxactún
Naranjo möglicherweise eine Ursache für das Ver-
Tikal schwinden der Anasazi, eines durch seine
K
Piedras Negras Nakum
ri
a
Tayasal Yaxhá
Yaxchilán Polol b in die Steilwände des Colorado-Plateaus
Ucanal Caracol ik gebauten Pueblos bekannten Indianer-
Seibal
volks (siehe den Beitrag auf S. 56).
EMDE-GRAFIK / SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT, NACH: RICHARDSON GILL

Machaquilá Der Zusammenbruch des Akkadi-


schen Reichs in Mesopotamien vor 4200
Jahren, der Niedergang der Mochica-Kul-
tur an den Küsten Perus vor 1500 Jahren
und das Ende der Tiwanaku-Zivilisation
Copán im Hochland Boliviens und Perus vor ei-
nem Jahrtausend – all diese Entwicklun-
Pa gen lassen sich heute mit lang andauern-
zi
fi den Dürren in Verbindung bringen. Mö-
k
gen auch in allen diesen Fällen noch
andere Faktoren eine Rolle gespielt haben
– Kriege, Überbevölkerung, Umweltzer-
störung –, so hatte doch stets eine Klima-
Entwaldung und Übernutzung landwirt- rum manche Gesellschaften überleben verschlechterung entscheidenden Anteil
schaftlicher Flächen sogar zerstörte. Hin- oder untergehen«. am Untergang früher Hochkulturen. Und
zu kam die ständige Belastung durch Einige Archäologen haben darauf das ist angesichts der heute zu beobach-
die Kriege zwischen den Stadtstaaten. hingewiesen, dass die Kontrolle von Was- tenden globalen Erwärmung alles andere
Die Bonner Altamerikanisten Hanns serreserven eine Quelle der Macht gewe- als eine rein akademische Erkenntnis.
Prem und Nikolai Grube haben überdies sen sein könnte, die den Mayaeliten Au-
in der Provinzstadt Xkipché nachwei- torität verschaffte. Gelang es ihnen dann
Larry C. Peterson lehrt Mee-
sen können, dass die Eliten offenbar auf aber in Zeiten der Dürre nicht, die Be- resgeologie und Geophysik an A U T O R E N U N D L I T E R AT U R H I N W E I S E
all diese Probleme ohne Weitsicht rea- völkerung ausreichend zu versorgen, ver- der Universität Miami. Der Geo-
gierten. loren sie die Legitimation der Herrschaft. loge Gerald H. Haug leitet die
Sie investierten zum Beispiel in den In der ersten Phase (nach Gill) der 150 Abteilung Klimadynamik und Se-
dimente am GeoForschungsZen-
Bau repräsentativer Bauten und Tempel, Jahre dauernden Zeit immer wiederkeh- trum in Potsdam und lehrt an der
nicht aber in die Anlage von Terrassen render Dürren wanderten viele Gruppen Universität Potsdam.
zur Erweiterung der landwirtschaftlich wohl aus dem westlichen Tiefland Rich-
nutzbaren Flächen (siehe dazu auch Spek- tung Norden und Osten, um neue Was- © American Scientist
trum der Wissenschaft 12/2002, S. 38). servorräte zu finden; doch weil die Be- (www.americanscientist.org)
Manche Forscher glauben, dass Klima- völkerung in den guten Zeiten anwuchs,
veränderungen wie Dürren das ihre dazu hatte das Land schließlich keine solchen Kollaps. Von Jared Diamond. Verlag S. Fischer,
Frankfurt a. M., 2005
beitragen können, solche Krisen zu ver- Optionen mehr zu bieten.
schärfen. Trockenheit könnte also die Die Kombination geologischer Ar- The great Maya droughts: Water, life and death.
Von Richardson B. Gill. University of New Mexico
Mayazivilisation destabilisiert haben. chive mit archäologischen und histori- Press, 2001
Diese These vertritt auch der kaliforni- schen Quellen ermöglicht es, die Reak-
Weblinks zu diesem Thema finden Sie bei www.
sche Physiologe Jared Diamond in sei- tionen antiker Gesellschaften auf Verän- spektrum.de unter »Inhaltsverzeichnis«.
nem aktuellen Bestseller »Kollaps. Wa- derungen des Klimas nachzuvollziehen.

48 SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006
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SCHWERPUNKT ARCHÄOLOGIE: SIMULATION
FOTO: BILL PROUD; BEARBEITUNG: SLIM FILMS

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Exodus im Computer
Computersimulationen helfen Archäologen, das rätselhafte
Verschwinden vorgeschichtlicher Indianervölker zu verstehen.

Von Timothy A. Kohler, George J. einen Großteil des heutigen Mexiko und Dieses Verfahren setzen wir ein, um
Gumerman und Robert G. Reynolds Zentralamerika zwischen 300 und 900 n. ein Phänomen der frühen Geschichte der
Chr. beherrschte. Einer gängigen Theorie Vereinigten Staaten zu untersuchen. In

N
ur ein Bruchteil der mensch- zufolge war das Fehlverhalten der Maya- dem als »Four Corner« bezeichneten Ge-
lichen Geschichte ist schrift- eliten in einer Krise ein wichtiger Aus- biet, das sich in den Bundesstaaten Arizo-
lich überliefert, für den gro- löser: Um den Verlust ihrer Stellung be- na, New Mexico, Colorado und Utah be-
ßen Rest stellt vor allem die sorgt, als Nahrung und Wasser knapp findet, lebte einst das Indianervolk der
Archäologie eine wichtige Informations- wurden, ließen die Mächtigen Paläste Anasazi. Noch heute beeindrucken ihre
quelle dar. Durch Ausgrabung und Aus- und Tempel errichten. Das band aber Ar- Pueblos – ineinander verschachtelte Häu-
wertung von Ruinen, Artefakten und or- beitskräfte und verschlechterte die Ge- ser, die nur über Leitern vom Dach aus
ganischen Überresten konstruiert diese samtlage weiter. Ließe sich ein solches, zugänglich waren. Diese Kultur erreichte
Disziplin Vorstellungen von Gesellschaf- nur verbal formuliertes Modell in Soft- ihren Höhepunkt zwischen 1000 und
ten, die vor Hunderten, manche vor Tau- ware umsetzen? Würde diese die Dyna- 1300, doch dann verließen die Anasazi
senden von Jahren existiert haben. Noch mik der Entwicklung widerspiegeln? Un- innerhalb kurzer Zeit die Region in Rich-
komplexer ist es, auch jene Prozesse zu ter der Leitung des Massachusetts Insti- tung Süden, in das heutige Zentralari-
verstehen, die Kulturen hervorbringen tute of Technology in Cambridge ent- zona, das westliche New Mexico und in
und verändern. Denn anders als etwa in standen Algorithmen, die Variablen wie den nördlichen Abschnitt des Rio-Gran-
den Naturwissenschaften lassen sich Hy- die Bevölkerungszahl mit der Baurate de-Tals. Nach wie vor ist dieser Exodus
pothesen über Ursache-Wirkungs-Ketten von Monumenten korrelierten. eines der großen Rätsel, das die amerika-
in den Geschichtswissenschaften nicht nischen Archäologen beschäftigt.
experimentell untersuchen. Virtuelle Indianer Anhand von Jahresringen der in Pue-
Doch keine Regel ohne Ausnahme: Das Ergebnis war viel versprechend. Aller- blos verbauten Bäume lässt sich der An-
Mit Hilfe von Computersimulationen dings berücksichtigte diese Studie keine fang jeder Siedlung genau datieren, denn
versuchen Archäologen Schlüsselprozesse regionalen Unterschiede etwa hinsichtlich es gibt für den Südwesten der USA ein
wie etwa Bevölkerungswachstum oder des landwirtschaftlichen Ertrags. Doch er- umfassendes dendrochronologisches Ar-
Ressourcenverbrauch nachzustellen und füllte sie ihren Zweck: zu zeigen, dass aus chiv (siehe auch den Beitrag S. 50). Zu-
die Rechenergebnisse mit ihren Befun- archäologischen Hypothesen tatsächlich dem taugt dieses »Musterbuch« der Jah-
den abzugleichen. Ein frühes Beispiel aus Computermodelle abgeleitet und geprüft resringe dazu, Temperatur und Nieder-
den 1970er Jahren untersuchte den Kol- werden können. schlag der Vergangenheit zu erschließen,
laps der klassischen Mayazivilisation, die Seit wenigen Jahren bietet die objekt- denn klimatische Faktoren beeinflussen
orientierte Programmierung dazu noch die Ringbreite. Paläoklimatologen nutzen
viel bessere Möglichkeiten: Sie lässt außerdem Pollenanalysen und geologi-
»Agenten« miteinander »wechselwirken«. sche Daten. Solche Informationen hel-
Painted Hand, die »gemalte Hand«, Das können zum Beispiel einzelne Haus- fen dann wieder, Computermodellen die
l ist eine 800 Jahre alte Ruine der halte sein, die Allianzen bilden, Güter richtigen Rahmenbedingungen zu geben.
Pueblo-Indianer im Mesa-Verde-Gebiet, austauschen und natürlich Ressourcen Um Siedlungs- und Landnutzungsmuster
das sich im südwestlichen Colorado er- verbrauchen. Regeln geben gezielt Hand- zu rekonstruieren, arbeiten wir derzeit
streckt. Diese Region modellierten die lungsmöglichkeiten vor. Innerhalb dieses mit zwei agentenbasierten Modellen.
Autoren mit Hilfe von objektorientierter Rahmens lernen die virtuellen Einheiten Das erste simuliert die Verhältnisse im
Programmierung, um die Muster der Be- aus ihrer Erfahrung und entwickeln sogar Long-House-Tal, einem 180 Quadrat-
siedlung und Landnutzung in der Vorge- neue Verhaltensweisen, um in ihrer Welt kilometer großen Gebiet im Nordosten
schichte zu studieren. besser zu bestehen. Arizonas, das zwischen 1800 v. Chr. und

SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006 57
Äz
SCHWERPUNKT ARCH O LOGIE: SIMULATION

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ür
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Hoch in den Klippen der Mesa Ver-
de bauten die Indianer Mitte des 13.
Jahrhunderts ihre Dörfer. Während einer
ausgeprägten re waren die Nahrungs-
vorräte dort leichter zu verteidigen.

TERRA GALLERIA PHOTO, QUANG-TUAN LUONG


gab auch einen gravierenden Unter-
schied: Das Programm errechnete zu-
nächst eine sechsmal höhere Bevölke-
rungszahl, als Funde vermuten lassen.
Doch indem wir die Produktivität des
Maisanbaus weiter reduzierten – was in
1300 von Indianern besiedelt war. In den jeder Haushalt fünf Individuen, jedes da- jener Zeit sicher realistisch war, denn die
vergangenen 25 Jahren rekonstruierte ein von verzehrte 160 Kilogramm Mais pro Ergiebigkeit des Getreides selbst variierte
interdisziplinäres Team unter der Leitung Jahr. Außerdem nahmen wir an, dass auf damals sehr stark – und zudem die einzel-
von Jeffrey Dean vom Labor für Jahres- Grund von Mäusen, Insekten und ande- nen Haushalte weniger fruchtbar und
ringforschung der Universität Arizona mit ren Verlustfaktoren nur 64 Prozent des kurzlebiger machten, näherten wir uns
großer Genauigkeit die vorgeschichtlichen Anbaupotenzials einer Fläche tatsächlich den Schätzungen der Archäologen.
Umweltbedingungen. Die Analyse basiert zum Tragen kamen. Jede Familie durfte Die Studie spiegelte auch das Drama
auf Niederschlagsmengen, Schwankun- bis zu 1600 Kilogramm Korn bevorraten. gegen Ende des 13. Jahrhunderts wider, als
gen des Grundwasserspiegels sowie Zy- Es gab einfache Regeln: Fielen Ernte- der Grundwasserspiegel wegen einer lan-
klen der Erosion und Sedimentablage- ertrag samt Vorräten unter das zum Über- gen Dürrezeit drastisch fiel. Wohnten in
rung. Daraus schätzten die Forscher für leben notwendige Niveau, zog der jewei- unserem Modell um 1250 noch 200 Haus-
jeden Hektar ab, wie gut er sich für den lige Agent weiter. Erreichte eine Tochter halte, waren es fünfzig Jahre später nur
damaligen Maisanbau eignete, und das für das Alter von 15, wurde ein neuer Haus- noch acht. Allerdings entspricht auch das
jedes Jahr zwischen 400 und 1450. halt gegründet (sie heiratete und verließ nicht dem archäologischen Befund. Ob-
Für unsere Simulation veränderten ihre Eltern). Außerdem durfte keine Nie- wohl es unserer Simulation zufolge einer
wir eine Software, die bei Brookings Insti- derlassung weiter als einen Kilometer kleinen Zahl von Menschen auch unter
tution (Santa Fe) und am Santa-Fe-Insti- vom Ackerland entfernt sein und musste den schlechten klimatischen Bedingungen
tut entwickelt wurde. Wir gaben die Um- so nahe wie möglich bei einer Wasserver- noch möglich gewesen wäre, dort zu exis-
weltdaten in eine digitalisierte Karte des sorgung liegen. Diverse Variablen ermög- tieren, sind seinerzeit in der Realität alle
Long-House-Tals ein, dann platzierten lichten uns die Anpassung der Fruchtbar- Anasazi gestorben oder haben ihre Heimat
wir unsere virtuellen Haushalte mit einem keit und Lebenserwartung unserer virtu- verlassen. Offenbar berücksichtigt unser
Zufallsgenerator auf dem Gelände. Deren ellen Anasazi. Modell noch nicht alle Faktoren. Hatte
Bedarf an Nahrungsmitteln modellierte Nahrungsmangel die Anfälligkeit gegen
Alan Swedlund von der Universität Mas- Feintuning der Variablen Krankheiten gesteigert? Oder beschlossen
sachusetts in Amherst anhand archäologi- Die Simulationen zeigten deutlich, wie die Stammesangehörigen aus einem unbe-
scher Daten sowie auf Grund ethnografi- stark Umweltbedingungen den Ort und kannten Grund den Exodus, um anderswo
scher Studien an zeitgenössischen Pueb- die Größe einer Siedlung beeinflussten, einen Neuanfang zu wagen?
loindianern und anderen Formen von ebenso das Auf und Ab der Bevölkerungs- Unser zweites Modell simuliert die
Subsistenzwirtschaft (bäuerlichen Ge- dichte. Tatsächlich ließen sich unsere Vorgeschichte Südwest-Colorados. Um
meinschaften, die im Wesentlichen den Agenten bevorzugt an Plätzen nieder, an 600 machten dort Farmer das Land ur-
eigenen Lebensunterhalt erwirtschaften). denen Archäologen im realen Tal Belege bar; Archäologen nennen diese Periode
In unserem Ausgangsmodell umfasste nun für Siedlungen gefunden haben. Doch es Korbmacher III. Die Familien lebten in
Grubenhäusern: Sie hoben eine flache
IN KÜRZE Grube aus und setzten darauf eine lehm-
verputzte Konstruktion aus Ästen und
Zweigen. Solche Behausungen gruppier-
Virtuelle Archäologie
ten sich zu kleinen Weilern, die wiede-
r Mit objektorientierter Programmierung und so genannten Software-Agenten mo- rum ein Netzwerk von Nachbarschafts-
dellieren Archäologen, wie sich veränderte Umweltbedingungen auf die Pueb- gemeinden bildeten. Die Jagd spielte für
loindianer im amerikanischen Südwesten ausgewirkt haben könnten. diese Menschen eine ebenso große Rolle
r Die Simulationen legen die Vermutung nahe, dass das rätselhafte Verschwinden für die Ernährung wie die Landwirt-
der Anasazi Ende des 13. Jahrhunderts mit ausgeprägten Dürreperioden einher- schaft. Diese Pioniere waren äußerst er-
ging, damit aber nicht allein erklärt werden kann. folgreich. Weitere Zuwanderung ließ die
r Neue Modelle sollen auch die Effekte der Jagd, des Brennholzsammelns sowie Bevölkerungszahl beträchtlich anwach-
kulturelle Prozesse wie den Tauschhandel berücksichtigen. sen. In dem von uns betrachteten Gebiet
entstanden gegen Ende des 8. Jahrhun-

58 SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006
äc
Das Tal der langen Häuser
Das Long-House-Tal im nordöstlichen Arizona war zwischen 1800 v. Chr. und 1300 n. Chr. von
Puebloindianern bewohnt. Die Autoren versuchten durch Computersimulationen des Maisanbaus
und der Siedlungsmuster herauszufinden, warum das Tal vor etwa 700 Jahren verlassen wurde.

MUENCH PHOTOGRAPHY INC.


für Anbau ungeeignet Siedlung mit 5 oder weniger Haushalten
viel Wasser Siedlung mit 6 bis 20 Haushalten
wenig Wasser Siedlung mit 21 oder mehr Haushalten

größ
Anbaufl hen

real simuliert
1170 n. Chr.

äüääüäöß
Long House te
GRAFIK UND KARTEN: LUCY READING-IKKANDA, NACH: JEFFREY S. DEAN (UNIV. OF ARIZONA), GEORGE J. GUMERMAN (SCHOOL OF AMERICAN RESEARCH), JOSHUA M. EPSTEIN & ROBERT L. AXTELL (BROOKINGS INSTITUTION)

Siedlung

Ruine 8, ein Zeug-


nis harter Zeiten

ö ä
1270 n. Chr.
Die Forscher konstruierten ein Modell, das zahlreiche Umwelt-
daten wie Niederschlag und Grundwasserschwankungen auf

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eine digitale Karte des Gebiets abbildet und Haushalte zu-

ü
ööüä
n chst zuf llig dort verteilt. F r die Zeit um 1170 ergab die Si-
mulation eindeutige Siedlungsgruppierungen im nordwestli-
chen Grenzbereich, was mit den arch ologischen Fakten gut
bereinstimmt. Tats chlich befindet sich die gr te der virtuel-
len Siedlungen nur etwa 100 Meter von der gr ten Ruine des
Tals entfernt, das namengebende Long House (oben links).

Ruine 8
Um 1270 war der Ackerboden im südlichen Tal so weit durch Ero-
sion abgetragen, dass die Bev lkerung neue Pl tze suchte wie
die als Ruine 8 bezeichnete Klippensiedlung. Das spiegelt die
Simulation ebenfalls gut wider (Mitte). Doch f r die nachfol-
gende Zeit einer großen D rre errechnete der Computer eine
kleine Zahl Überlebender, w hrend das Tal in Wirklichkeit um
1305 n. Chr. 1305 v llig entv lkert war (unten links). Der Exodus muss of-
fenbar noch weitere Gr nde gehabt haben, die in den Model-
len bislang noch nicht ber cksichtigt sind.

240
real
simuliert
Zahl der Haushalte

160

80

0
800 900 1000 1100 1200 1300
Jahr (n. Chr.)
SCHWERPUNKT ARCHÄOLOGIE: SIMULATION

derts Dörfer mit Hunderten von Ein-


wohnern, manche davon wuchsen immer
weiter – ein bedeutsamer Wandel der
z
leicht sogar Kannibalismus. Und doch
sank die Bevölkerungszahl nur wenig, das
Muster aus regionalen Zentren, umgeben
der Simulation erneut der Exodus aus.
Welche Faktoren fehlten uns?
Außen vor blieb zum Beispiel die Klei-
Siedlungsweise. von kleinen Weilern, blieb bestehen. Al- ne Eiszeit, eine zwischen 1300 und 1850
Um 900 aber wanderten viele Indianer lerdings verlegten die Einwohner Mitte herrschende Kälteperiode, deren Auswir-
aus. Als Ursachen diskutieren Experten des 13. Jahrhunderts große Siedlungen kungen auf den Südwesten kontrovers dis-
eine Entwaldung nahe der Ortschaften so- an leichter zu verteidigende Plätze. Da- kutiert werden. Unser Untersuchungs-
wie eine Reihe kühler und trockener Som- mals entstanden in den Steilwänden des gebiet ist recht hoch gelegen und befindet
mer. Normalerweise variiert das Klima in Mesa-Verde-Nationalparks die berühm- sich an der nördlichen Grenze jener Kli-
der Region von warm und trocken zu kühl ten Felsendörfer. Doch schließlich verlie- mazone, in der damals Maisanbau mög-
und feucht. Die Kombination von kühl ßen die Anasazi wie andernorts auch ihre lich war. Selbst ein leichter Temperatur-
und trocken im Sommer schmälerte zwei- Heimat und flohen Richtung Süden und rückgang während des Getreidewachs-
fellos den Ernteertrag, denn diese Indianer Osten. tums oder eine Verkürzung der fruchtbaren
kannten keine künstliche Bewässerung. Jahreszeit könnte massive Konsequenzen
Im folgenden Jahrhundert verbesser- Kein Exodus in Mesa Verde gehabt haben.
ten sich die Bedingungen und die Bevöl- Unsere Simulation berücksichtigt ein Ge- Die Doktoranden David Johnson
kerungszahlen stiegen wieder an. Trut- biet von 1800 Quadratkilometern nord- und Jason Cowan von der Washington
hahnzucht gewann nun mehr und mehr westlich des Mesa-Verde-Nationalparks. State University haben außerdem mit un-
an Bedeutung. Erneut lebten die Men- Wir unterteilten die virtuelle Landschaft serem Modell nachgewiesen, dass die Pu-
schen in kleinen Weilern oder losen Nach- in 45 000 quadratische Zellen mit jeweils ebloindianer die Ressource Brennholz in
barschaften. Gegen Ende des 11. Jahrhun- 200 Meter Kantenlänge. Jeder davon der Mesa-Verde-Region am Ende der Be-
derts schließlich kristallisierten sich sogar ordneten wir eine Maisproduktivität zu, siedlungszeit weit gehend ausgeschöpft
regionale Zentren heraus. Manche davon je nach Bodentyp, Höhe über dem Mee- hatten. Die beiden nahmen an, dass eine
scheinen von den komplexen Pueblosied- resspiegel und jährlicher Niederschlags- Familie pro Person und Jahr 1,1 Tonnen
lungen des Chaco Canyon im heutigen menge (diese Angaben rekonstruierte Holz verfeuerte, vergleichbar dem Ver-
Nordwesten New Mexicos beeinflusst Carla Van West, jetzt bei Statistical Re- brauch in Dörfern Pakistans vergleichba-
worden zu sein. Zum Beispiel standen in search in Tucson, in ihrer Doktorarbeit). rer Höhe und geografischer Breite. Nach
einigen dieser Großdörfer mehrstöckige Unser Interesse galt zunächst der Zeit 700 Jahren Nutzung zeigten die Simulati-

f ü r
Gebäude mit zahlreichen Räumen, was von 900 bis 1300. Wie in der Long- onen eine komplette Entwaldung um die
mehr an die Chaco-Architektur erinnert House-Tal-Simulation ließen wir die Dörfer (siehe Bild unten). Wir entwi-
als an lokal vorkommende Baustile. Haushalte von einem Zufallsgenerator ckeln derzeit Programme, um zudem die

nöätlidgeerä,nld(gesrrpünänte)brließ
Doch um 1135 setzte eine strenge auf der Fläche verteilen. Danach durften Langzeitauswirkungen auf die Populatio-
Dürre ein, die 45 Jahre lang andauerte. sich die Softwareagenten ihren eigenen nen der wichtigsten Beutetiere – Rotwild,
Die Folgen waren verheerend: Archäolo- Platz suchen. Die Regel dabei lautete: Hase und Kaninchen – zu ermitteln. Es
gen fanden Spuren extremer Gewalt, viel- Siedle auf oder nahe fruchtbarem und zeichnet sich ab, dass insbesondere Rot-

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un
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noch nicht genutztem Ackerland. wild bald weit gehend ausgerottet war,
Wieder reproduzierte das Modell zu- was die Anasazi durch die Truthahnzucht
nächst nur grob das archäologisch gesi- teilweise kompensierten.
Brennholz war eine wichtige Res- cherte Muster. Als wir den »Familien« Mittlerweile haben wir den Zeithori-
u source die Anasazi. Unter der vorgaben, auch Wasserressourcen zu be- zont unseres Colorado-Modells bis zu
Annahme, dass ein Mitglied einer Sied- rücksichtigen – in semiariden Gebieten den Pionieren um 600 ausgedehnt. Wir
lung pro Jahr etwa 1,1 Tonnen davon be- eine nahe liegende Annahme –, verbesser- wollen wissen, warum die frühen Dörfer
te sich das Ergebnis deutlich. Schließlich so stark wuchsen und dann so dramatisch

.
zeigt die Computersimulation,
dass um 650 noch ausreichend davon in bauten wir obendrein eine Verschlechte- wieder zurückgingen. Dabei hilft uns,
den W um die Niederlassungen rung der Ackerböden von Ernte zu Ernte dass das Crow Canyon Archaeological
(rote, gelbe und weiße Flecken) zu finden ein, die immer wieder zur Erschließung Center in Cortez (Colorado) vor Kurzem
war, doch eine wachsende neuer Lebensräume zwang. Auch das neue Surveys, also systematische Bege-
250 Jahre kein Totholz mehr in den brachte eine weitere Annäherung an die hungen großer Flächen, durchgeführt
W harten Fakten. Doch am Ende blieb in hat. Außerdem unternahm dieses Institut
in unserem Untersuchungsgebiet eine er-
WSU, TIMOTHY KOHLER, C. DAVID JOHNSON, JASON COWAN

650 n. Chr. 900 n. Chr. neute Datierung von 3300 Siedlungs-


plätzen. Wir verfügen nun über weitaus
präzisere Karten als bisher, um die Simu-
lationsergebnisse zu überprüfen.
Kenneth Kolm, ein Hydrologe der
Washington State University, und Schaun
Smith, Doktorand an der Colorado
School of Mines, haben außerdem einen
Algorithmus entwickelt, der die Auswir-
kung von Temperatur und Niederschlag

60 SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006
F
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Ende des 13. Jahrhun-
r derts erstreckte sich das Long- Mesa Verde
Gebiet der Maisanbauer (rot) House-

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nach Norden bis in das heutige Tal Nördliches

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Utah und Colorado und um- Rio-Grande-
Chaco Tal
fasste Hochebenen ebenso wie Canyon

LUCY READING-IKKANDA
(links). Doch nach
1400 verließen die Puebloindi-
aner dieses Gebiet und zogen
sich in T k, in denen
noch h
war (rechts).

auf Quellen und Wasserläufe im Jahresab- »überzeugten« dessen Vorteile: Wie im Unsere Modelle vermögen also eini-
stand modelliert. Denn wir wissen aus archäologischen Befund setzten sich die ge Aspekte der archäologischen Wirklich-
den archäologischen Befunden, dass sich Kulturpflanzen allmählich durch. keit zu reproduzieren, bislang aber nicht
viele Siedlungen im 13. Jahrhundert um Reynolds und Ziad Kobti von der den vollständigen Exodus. Auch regio-
den Oberlauf der Canyonflüsse gruppier- Universität Windsor in Ontario (Kana- nale Zentren entstanden in der virtuellen
ten. Waren andernorts also Quellen ver- da) implementierten solche Algorithmen Welt nicht in dem Maße – vermutlich
siegt? Leider bestätigen unsere Simulatio- in die Mesa-Verde-Simulation. Die Frage weil unser Verhaltensmodell den Faktor
nen diese nahe liegende Annahme bislang war: Was geschieht, wenn Haushalte in ei- »Schutzbedürfnis« nicht nachbildet. Im-
nicht, wir fanden noch keine signifikan- nem Verwandtschaftsnetzwerk Mais tau- merhin liefern die Berechnungen deutli-
ten Effekte. schen? Dieses Projekt modelliert, was der che Hinweise darauf, dass die Anasazi des
Schließlich wollten wir sogar soziale Anthropologe Marshall Sahlins von der 13. Jahrhunderts an vielen Fronten zu
und kulturelle Regeln einbauen. Derarti- Universität Chicago als verallgemeinerte kämpfen hatten. So simpel unsere virtu-
ge Algorithmen entwickelte Kent Flanne- Reziprozität bezeichnet: Den Austausch ellen Welten auch im Vergleich zur Rea-
ry von der Universität Michigan in Ann von Gütern zwischen engen Verwandten, lität erscheinen mögen, zeigen sie doch
Arbor, um das Aufkommen der Land- bei dem Gaben nicht im vollem Umfang Trends auf und geben Hinweise. Nach-
wirtschaft in Zentralamerika zu ergrün- wiedererstattet werden müssen. Die Algo- haltige Bewirtschaftung ihrer Ressourcen
den. Flannery nahm an, dass der Über- rithmen halfen den Haushalten zu ent- war offenbar nicht die Stärke der Anasazi.
gang von den Jäger-Sammler-Gemein- scheiden, mit wem sie in eine Tauschbe- Welche katastrophalen Folgen ein Raub-
schaften zu einer Ackerbaukultur in ziehung treten sollten. Frühere Erfahrun- bau letztlich hat, lehrt uns heute die Ar-
Mexikos Oaxaka-Tal erst möglich wurde, gen spielten dabei eine Rolle, denn das chäologie im Verein mit den Computer-
als die Menschen gelernt hatten, Anbau Ziel war gegenseitiger Vorteil. Waren Ver- wissenschaften.
und Ernte zu planen. Einer von uns (Rey- allgemeinerungen über das Prozedere
nolds) hat Flannerys Modell in ein Com- möglich, gingen sie wieder in den Glau-
puterprogramm umgesetzt. Pflanzenreste bensraum ein, sodass sie auch anderen Fa-
in einer Höhle dieses Tals namens Guilá milien zugänglich wurden. Das Ergebnis:
Naquitz lieferten die Grundlage für einen Die Bevölkerung wuchs. Offenbar lernten

A U T O R E N U N D L I T E R AT U R H I N W E I S E
Basisregelsatz, der den Softwareagenten die virtuellen Bauern schlechte Ernten
angab, wo und wann wild lebende Pflan- durch gegenseitige Hilfe aufzufangen. Timothy A. Kohler (links) lehrt Anthropologie an
zen zu beschaffen waren. Außerdem konn- der Washington State University in Pullman und
ten sie ihre Strategien an die Umgebungs- Isolation statt Kooperation forscht am Crow Canyon Archaeological Center in
bedingungen anpassen, zum Beispiel in In einer anderen Serie von Experimenten Cortez (Colorado). George J. Gumerman (Mitte)
ist Interimspräsident der School of American
trockenen Jahren das Sammeln intensivie- schränkten wir die Möglichkeit ein, bei Research in Santa Fe. Beide sind Experten für die
ren, in feuchten den Anbau von Pflanzen nachlassender Produktivität des Acker- Vorgeschichte des Südwestens der USA. Robert
erproben. Verhaltensweisen, die sich als ef- lands weit entfernt neu zu siedeln. Da- G. Reynolds lehrt Informatik an der Wayne Sta-
fektiv erwiesen, wurden einem »Glaubens- durch simulierten wir die gefährliche Iso- te University und forscht am Museum für Anthro-
pologie der Universität Michigan in Ann Arbor.
raum« zugewiesen, einer Instanz, die aus lation in einer feindseligen Umgebung.
individuellen Erfahrungen allgemein gül- Innerhalb der durch Verwandtschaft ver- Der Exodus der Anasazi. Von Stephen H. Lekson
tige Regeln ableitet. bundenen Gemeinden nahm zwar der in: Moderne Archäologie, Spezial, Spektrum der
Wissenschaft, S. 80, 2003
Tatsächlich spiegelte ihr Nahrungs- Güteraustausch dramatisch zu, der mit
spektrum zunächst die Befunde aus den der Außenwelt kam aber zum Erliegen. Dynamics in human and primate societies: Agent-
based modelling of social and spatial processes.
Anfängen der Höhlennutzung, in der das Das machte die isolierten Weiler nicht
Von T. A. Kohler und G. J. Gumerman (Hg.). Oxford
Sammeln von Wildpflanzen überwog. nur anfälliger gegen klimatische Verände- University Press, 2000
Doch in den feuchten und weniger rungen – durch den beschränkten Sied-
Weblinks zu diesem Thema finden Sie bei www.
schwierigen Jahren erprobten die virtuel- lungsraum war auch die Versorgung mit spektrum.de unter »Inhaltsverzeichnis«.
len Indianer den Ackerbau und offenbar Brennholz und Wild gefährdet.

SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006 61
ANTIMATERIE z
Künstliche
kalte Antimaterie
Neuerdings können Physiker aus Antiteilchen einfachste Atome bilden
und in speziellen Behältern sammeln. Mit solchem Antiwasserstoff
soll eine grundlegende Symmetrie des Universums erforscht werden.

Von Graham P. Collins kommt Antimaterie in der Natur kaum Wissenschaftler die exotischen Gebilde
vor. Einige radioaktive Stoffe emittieren selbst zu fabrizieren. In den letzten Jah-

A
ntimaterie ist der Todfeind Positronen, die Antiteilchen der Elektro- ren haben sie dafür raffinierte Methoden
gewöhnlicher Materie. Wie nen, und werden für die Positronen- ausgeheckt und erste Erfolge erzielt.
der aus der Art geschlagene Emissionstomografie (PET) eingesetzt.
Zwilling eines normalen Ele- Auch mit der kosmischen Strahlung ge- Erste Antiatome: viel zu heiß
mentarteilchens gleicht das Antiteilchen langt immerfort eine kleine Anzahl von Die Teilchenphysiker erzeugen schon seit
in jeder Hinsicht seinem Widerpart – bis Positronen aus dem All zur Erde. Außer- 1955 Strahlen aus Antiprotonen; das ge-
auf die entgegengesetzte elektrische La- dem finden sich zahlreiche Antipartikel lang erstmals am Bevatron-Beschleuniger
dung. Wenn beide sich treffen, vernich- in den gewaltigen Teilchenschauern, die des Lawrence Berkeley National Labora-
ten sie einander sofort. Schon bei der Be- beim Aufprall eines hochenergetischen tory in Kalifornien durch Beschuss von
gegnung eines einzigen Gramms Anti- kosmischen Teilchens auf ein Atom der Kupfer mit Protonen. Das ist das Gegen-
materie mit seinem Gegenstück würde Erdatmosphäre entstehen. teil der Paarvernichtung: Ein Teil der
durch Paarvernichtung sämtlicher Parti- Aber Antimaterie am Stück sucht Kollisionsenergie verwandelt sich in Pro-
kel eine Energie frei, die der Explosion man in unserer Welt vergebens. Nicht ton-Antiproton-Paare. Heutzutage krei-
von 40 000 Tonnen TNT entspricht – einmal einzelne Atome aus Antiteilchen sen am Fermi National Laboratory in
genug, um fast 5000 Haushalte ein Jahr scheint es in der Natur zu geben. Dabei Batavia (Illinois) Antiprotonen und Pro-
lang mit Energie zu versorgen. verspricht die Untersuchung solcher Anti- tonen gegenläufig in gewaltigen Ringen.
Zu unserem Glück – oder zum atome tiefe Einblicke in physikalische Wenn sie frontal zusammenstoßen, las-
Nachteil unserer Energieversorgung – Zusammenhänge. Deshalb versuchen sen sich Teilchenprozesse bei extrem ho-
hen Energien erforschen.
IN KÜRZE Die ersten Antiatome wurden 1995
am Cern, dem europäischen Forschungs-
r Antiteilchen und Teilchen haben entgegengesetzte Ladung; beim Zusammen- zentrum für Teilchenphysik bei Genf,
treffen vernichten beide einander unter Freisetzung einer großen Energiemenge. geschaffen. In einem Speicherring kreiste
Kürzlich konnten Physiker erstmals aus zwei Antiteilchen relativ langsame – »kal- ein Strahl von Antiprotonen und kreuzte
te« – Antiatome herstellen. einen Strahl aus Xenon-Atomen. Gele-
r Mit solchen Antiwasserstoff-Atomen möchten die Forscher eine fundamentale gentlich produzierte eine Kollision ein
Eigenschaft des Universums testen, die CPT-Symmetrie. Selbst eine winzige Elektron-Positron-Paar, nach der das Po-
Verletzung dieser Symmetrie wäre eine Sensation – ein Indiz für eine neue Phy- sitron und ein Antiproton zusammen-
sik jenseits des Standardmodells. blieben und ein Antiwasserstoff-Atom
r Bislang liegt die Temperatur des künstlichen Antiwasserstoffs allerdings bei 2400 bildeten. Das Forscherteam beobachtete
Kelvin – weit über den 0,5 Kelvin, die für CPT-Tests erforderlich sind. Das nächs- neun Antiatome, die fast mit Lichtge-
te Ziel ist nun, Antiatome zu erzeugen, die sich durch tiefere Temperatur und schwindigkeit dahinrasten. 1998 ent-
niedrigen Anregungszustand für spektroskopische Untersuchungen eignen. standen bei einem ähnlichen Experiment
am Fermilab sogar 57 Antiatome.

62 SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006
Antiwasserstoff-Atome bestehen aus ei-
nem Positron (rot), das um ein Antiproton
(grün) kreist. In dieser fiktiven Darstel-
lung driften einzelne Antiatome von ih-
rem Entstehungsort – oben außerhalb
des Bilds – gegen die Wand der Vakuum-
BRYAN CHRISTIE DESIGN

kammer aus normaler Materie (blau).


Atome und Antiatome vernichten einan-
der, wobei ein Schauer energiereicher
Teilchen entsteht.

SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006 63
ANTIMATERIE z
Doch mit derart schnell durchs La-
bor jagenden Antiatomen lässt sich we-
ihrer jeweiligen Antiteilchen. Gemäß der
Theorie sollten beide denselben physi- r
Das Athena-Experiment – hier ge-
zeigt – und die Atrap-Anlage fabri-
nig anfangen. Um sie näher zu untersu- kalischen Gesetzen gehorchen. Mit genü- zieren am Forschungszentrum Cern bei
chen, möchten die Physiker sie in eine gend zahlreich eingefangenen Antiato- Genf kalten Antiwasserstoff.
Atomfalle sperren, das heißt so wirksam men könnten die Forscher überprüfen,
abbremsen, dass die Restgeschwindigkeit ob Antiwasserstoff Licht bei exakt den-
einer Temperatur unter 0,5 Kelvin – ei- selben Frequenzen absorbiert und emit-
nem halben Grad über dem absoluten tiert wie Wasserstoff. Wenn die CPT- lich bewirkt, dass der Prozess rückwärts
Nullpunkt – entspricht. Dieses Ziel ver- Symmetrie gilt, müssen beide Spektren abläuft.
folgen am Cern zwei heftig konkurrie- vollkommen identisch sein. Wenn wir sagen, dass die P-Symmet-
rende Teams. Aus der Trap-Gruppe, die Historisch betrachtet kann man bei rie gilt oder die Natur unter Parität inva-
beim Einfangen und Kühlen von Anti- den mit CPT verwandten Symmetrien riant ist, so meinen wir: Das Spiegelbild
protonen Pionierarbeit geleistet hatte, nicht gerade von einer Erfolgsgeschichte jedes physikalischen Prozesses gehorcht
ging die Atrap-Kollaboration unter Lei- sprechen: Bei jeder hat sich herausge- denselben Gesetzen wie der Prozess
tung von Gerald Gabrielse von der Har- stellt, dass sie nicht ausnahmslos gilt. selbst. Offensichtlich gilt P, wenn wir vor
vard University hervor (siehe »Kühlung einem Spiegel Ball spielen. Wie könnte
und Speicherung von Antiprotonen« von Verletzung der CPT-Symmetrie? die Parität nicht für jeden Vorgang gel-
Gerald Gabrielse, Spektrum der Wissen- Jedes Mal, wenn eine vermeintlich unan- ten? Zur Verblüffung der Forscher wurde
schaft 2/1993, S. 44). Die von Cern- tastbare Symmetrie verletzt wurde, be- 1956 entdeckt, dass bei der schwachen
Forscher Rolf Landua geleitete Athena- scherte dies den überraschten Physikern Wechselwirkung, die bei radioaktiven
Gruppe stieg spät in den Wettlauf ein, neue Erkenntnisse über die fundamenta- Zerfällen eine Rolle spielt, die Parität
kam aber 2002 den anderen mit einer len Teilchen und Kräfte. Eine CPT-Ver- verletzt ist. Der Zerfall von Kobalt-60
Fachpublikation, die den Nachweis kal- letzung durch Antiwasserstoff würde den verläuft in der Realität anders als in einer
ter Antiwasserstoff-Atome meldete, um Bruch der grundlegendsten Symmetrie Spiegelwelt. Ähnlich einem Tennisspie-
wenige Wochen zuvor. Ein weiteres überhaupt bedeuten und das physikali- ler, der seinen Schläger mit der rechten
Cern-Team, Asacusa, testet exotische sche Weltbild verändern. Hand führt – und dessen Spiegelbild
Helium-Atome, in denen ein Antiproton Um einzusehen, warum die CPT- deshalb Linkshänder ist –, weist der Zer-
eines der beiden Elektronen ersetzt. Symmetrie so wichtig ist, betrachten wir fall von Kobalt-60 eine Händigkeit auf,
Einige Wissenschaftler hoffen zwar, die Komponenten, für die ihre drei die durch Spiegelung umgekehrt wird.
Antimaterie eines fernen Tages als Treib- Buchstaben stehen: Ladungsumkehr C In vielen Fällen, in denen die P-Sym-
stoff für Raumschiffe verwenden zu kön- (charge reversal), Paritätsoperation P und metrie gebrochen ist, gilt trotzdem die
nen (siehe Kasten S. 69), doch zunächst Zeitumkehr T (time reversal). Die La- CP-Symmetrie. Das heißt, das Spiegel-
verfolgen die Experimente mit Antiteil- dungsumkehr ersetzt alle Teilchen durch bild eines Antikobalt-Atoms verhält sich
chen vor allem das Ziel, die so genannte ihre Antiteilchen. Die Paritätsoperation genau wie ein reales Kobalt-Atom. Der
CPT-Symmetrie zu erforschen. Sie regelt erzeugt ein Spiegelbild, genauer gesagt Anti-Tennisspieler ist gleichsam stets
den Zusammenhang zwischen den Ei- die räumliche Spiegelung eines Prozesses Linkshänder, sodass sein Spiegelbild
genschaften gewöhnlicher Partikel und an einem Punkt. Die Zeitumkehr schließ- rechtshändig spielt – genau wie der ur-
sprüngliche Spieler. Überraschenderwei-
Warum kommt Antimaterie so selten vor? se zeigte sich aber 1964, dass auch die
CP-Symmetrie gelegentlich gebrochen
Als das Universum mit dem Urknall ent- Im August 2004 meldeten beide Gruppen ist. Obwohl die CP-Verletzung extrem
stand, hätten aus der ursprünglichen Ener- die direkte Beobachtung einer deutlichen selten auftritt, könnte sie erklären, war-
gie eigentlich gleiche Mengen von Mate- CP-Verletzung: Ein spezieller B-Mesonen- um es im Universum kaum Antimaterie
rie und Antimaterie entstehen müssen. Zerfall kommt viel häufiger bei den Teil- gibt (siehe nebenstehenden Kasten).

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Wie kann daraus unser heutiges Univer- chen vor als bei den Antiteilchen. Bleibt also nur die CPT-Symmetrie.
sum hervorgegangen sein, in dem fast al- Bislang passt das beobachtete Ausmaß Sie entspricht dem Spiegelbild eines
les aus Materie besteht? Der große russi- der CP-Verletzung gut in den Rahmen des rückwärts laufenden Films über Antiteil-
sche Physiker Andrej Sacharow gab 1967 Standardmodells der Teilchenphysik. Nur chen. CPT-Invarianz bedeutet, dass die-
eine Antwort: Eine notwendige Bedin- eine bestimmte Reaktion zeigt ein biss- ser doppelt manipulierte Antifilm exakt
gung für eine solche Entwicklung ist die chen zu viel CP-Verletzung. Sollte sich das denselben Gesetzen gehorcht wie die
Verletzung der CP-Symmetrie. Dieser Teil- Wirklichkeit; jede Abweichung würde
Symmetriebruch ermöglicht, dass Teilchen chen hinweisen (siehe »Neue Physik jen- eine CPT-Verletzung bedeuten.
anders zerfallen als Antiteilchen. seits des Standardmodells« von Gordon Für die CPT-Symmetrie gibt es tiefe
Gegenwärtig untersuchen zwei Experi- Kane, Spektrum der Wissenschaft 9/2003, mathematische Gründe. Sie ist untrenn-
mente – BaBar am Stanford Linear Acce- S. 26). Allerdings reicht die bisher beo- bar verbunden mit den Gleichungen der
lerator Center in den USA und Belle in bachtete Größe der CP-Verletzung nicht Quantenfeldtheorie, welche die funda-
Tsukuba (Japan) – die CP-Verletzung beim aus, die Materie-Antimaterie-Asymmetrie mentalen Teilchen und Kräfte beschreibt.
Zerfall von seltenen Teilchen, so genann- unseres Universums im Rahmen von Sa- Seit mehr als einem halben Jahrhundert
ten B-Mesonen, und deren Antiteilchen. charows Modell zu erklären. beruht die gesamte theoretische Teil-
chenphysik auf der Quantenfeldtheorie;

64 SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006
Athena-Gruppe 75 Millionen Positronen
in einer Penning-Falle. In einer solchen
– 1936 von dem Physiker Frans Michel
Penning erfundenen – Falle werden die
Teilchen mit Hilfe von elektrischen und
magnetischen Feldern in einem Hochva-
kuum festgehalten. Die Atrap-Anlage
fängt hingegen »nur« rund fünf Millio-
nen Positronen ein. Die Fallen sind na-
hezu ausbruchsicher: Selbst nach einer
Stunde ist nur ein unbedeutender Teil
der Positronen verloren gegangen.

CERN
Im Gegensatz zu Positronen werden
die CPT-Verletzung würde ihren Zusam- lerdings technisch noch um Größenord- Antiprotonen nicht einfach von radio-
menbruch signalisieren. Das wäre ein nungen schwieriger als die CPT-Tests. aktiven Quellen emittiert; die Forscher
wichtiger Hinweis auf »neue Physik« jen- Um Antiwasserstoff-Atome herzu- müssen sie aus reiner Energie produzie-
seits des bisherigen Standardmodells. stellen, brauchen wir zwei Zutaten: Posi- ren. Zu diesem Zweck beschießen sie ein
Aus Experimenten mit instabilen tronen und Antiprotonen. Positronen Metall-Target mit Protonen, wobei unter
Teilchen konnten die Physiker bereits sind relativ leicht zu bekommen: Sie anderem ein hochenergetischer Puls aus
ableiten, dass jede mögliche Verletzung werden von vielen radioaktiven Isotopen Antiprotonen entsteht. Um kalten Anti-
der CPT-Symmetrie sehr klein sein beim so genannten Beta-Zerfall emit- wasserstoff zu erzeugen, müssen die Wis-
muss. Die Trap-Gruppe um Gabrielse tiert. Doch Antiprotonen müssen gleich- senschaftler die Antiprotonen auf eine
bestätigte außerdem durch experimentel- sam aus dem Nichts erschaffen werden. ähnlich tiefe Temperatur abkühlen – das
len Vergleich von eingefangenen Anti- heißt abbremsen – wie die Positronen.
protonen mit Protonen die CPT-Sym- Ausbruchsichere Teilchenfallen Für die erste Bremsphase wird die nor-
metrie für diese Teilchensorte mit bis- In den Cern-Experimenten dient Natri- male Beschleunigertechnik einfach um-
lang unübertroffener Genauigkeit. Aber um-22 als Positronenquelle. Ein Gramm gekehrt eingesetzt. Seit 2000 besorgt dies
die Suche muss mit noch größerer Präzi- dieses Isotops emittiert pro Sekunde 200 am Cern der Antiproton-Decelerator.
sion weitergehen, denn möglicherweise Billionen Positronen. Doch die Partikel Alle anderthalb Minuten emittiert
wird die CPT-Symmetrie noch subtiler haben eine Energie von 550 keV (Kilo- dieser »Entschleuniger« einen Puls von
verletzt (siehe »An den Grenzen von Ein- elektronenvolt); das entspricht einer rund 20 Millionen Antiprotonen. Sie
steins Theorie« von Alan Kostelecký, Temperatur von sechs Milliarden Grad haben nur noch ein Zehntel der Lichtge-
Spektrum der Wissenschaft, Spezial 1/ Celsius. Um für die Fabrikation von An- schwindigkeit oder eine Energie von
2005, S. 68). Die Wasserstoff-Spektros- tiwasserstoff zu taugen, müssen Positro- rund fünf MeV (Millionen Elektronen-
kopie ist extrem genau. Ließe sich die nen von ihrer Anfangsgeschwindigkeit – volt). Durch ein dünnes Aluminium-
gleiche Präzision mit Antiwasserstoff er- fast neun Zehntel der Lichtgeschwindig- fenster werden sie weiter abgebremst und
reichen, könnte ein Vergleich der beiden keit – auf wenige Kilometer pro Sekunde schließlich in einer Penning-Falle auf
Spektren die bisherige CPT-Grenze für abgebremst werden. Das lässt sich mit eine Energie von wenigen Elektronen-
stabile Teilchen gehörig ausdehnen. unterschiedlichen Prozessen erreichen volt verlangsamt. Die aus dem Decelera-
Außer gelegentlichen CPT-Verlet- (siehe Kasten auf der folgenden Doppel- tor kommenden Antiprotonenpulse wer-
zungen könnte Antimaterie auch auf die seite). Binnen fünf Minuten sammelt die den sukzessive in der Falle gesammelt;
Schwerkraft anders reagieren als Materie.
Das soll nicht heißen, die Antimaterie
würde durch »Antigravitation« von nor-
maler Materie abgestoßen, wie einige
Leute fälschlich meinen. Doch eine win-
zige Komponente der Gravitation könn-
te bei Antimaterie umgekehrt wirken.
Eine solche Entdeckung würde unser
Bild der Schwerkraft grundlegend wan-
deln. Versuche mit Positronen, Antipro-
tonen oder anderen geladenen Antiteil-
chen wären dafür völlig ungeeignet, weil
elektrische und magnetische Streufelder
viel zu stark stören würden. Man müsste
neutrale Antiatome auf extrem tiefe
Temperaturen bringen und im freien Fall
beobachten, wie das mit lasergekühlten
gewöhnlichen Atomen bereits geschieht.
Solche Gravitationsexperimente sind al-

SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006 65
z
ü ö
ANTIMATERIE

Herstellung und Nachweis von kaltem Antiwasserstoff

ü
Um Antiwasserstoff-Atome zu fabrizieren, m ssen die Physiker Antiprotonen und Positro-

ä
nen erzeugen und zueinander bringen. Der Antiproton-Decelerator am Cern beliefert
drei Experimente – Atrap, Athena und Asacusa – mit Antiprotonen relativ niedriger Ener-
gie (rechts). Magnetische und elektrische Felder fangen die Antiprotonen sowie sepa-
Aniprotonenpuls
rat produzierte Positronen an den entgegengesetzten Enden einer Vakuumr hre ein

ä öüä
(unten). Durch Manipulieren der Felder werden die Teilchen in einer Mischfalle zusam- Target
mengef hrt und bilden dort Antiwasserstoff-Atome, die ein Detektor nachweist. Das
Prinzip der Mischfalle wurde von der Atrap-Gruppe und deren Vorl ufer, dem Trap-Team,
entwickelt. Die drei Diagramme ganz unten beziehen sich auf das Athena-Experiment. Protonenpuls r

ö
10 Mete

Antiprotonenfänger und Mischfalle


Der Antiprotonenf nger (links) sammelt Antiprotonenpulse, die aus dem Decelerator
kommen (Diagramme unten links). Wenn sich gen gend Antiprotonen angesammelt
haben, werden sie in die Mischfalle bef rdert. Diese Falle h lt die Antiprotonen auf en-
gem Raum fest – zusammen mit den Positronen, die der Positronen-Akkumulator lie-
fert (rechts). Auf diese Weise k nnen sich Antiwasserstoff-Atome bilden (Diagramme
unten rechts).
Stickstoffgas

Antiwasserstoff- supraleitende Positronen


Detektor Magnetspule
Elektroden der
Penning-Falle

Antiprotonenpulse
vom Decelerator

Positronen-
Antiprotonenfalle Transferbereich
Mischfalle

Wie der Antiprotonenfänger funktioniert


Die vom Decelerator kommenden Antiprotonen treten durch
eine dünne Aluminiumwand in die Falle ein, die bereits mit
einer kalten Elektronenwolke gefüllt wurde.
Aluminium
Das Aluminium bremst einige Wie die verschachtelte Mischfalle funktioniert
Antiprotonen. Da Positronen sich nicht im selben Potenzialtopf sammeln
Antiprotonen lassen wie die Antiprotonen, muss für sie eine eigene Falle
innerhalb der Antiprotonenfalle eingerichtet werden.

Elektroden kalte Die Antiprotonen pendeln


potenzielle Energie in Elektronenvolt

125
Eine hohe elektrische Potenzial- Elektronen zwischen den Barrieren eines
barriere reflektiert die gebrems- großen, tiefen Potenzialtopfs 100
ten Antiprotonen zurück in hin und her; der kleine Hügel in 75
die Falle. Hochenergetische der Mitte stört sie nicht.
Antiprotonen entkommen nach 50
rechts. Da die Positronen entgegenge-
elektrisches Potenzial setzt geladen sind, erscheint
Links wird rasch eine hohe ihnen das Potenzial umgekehrt: –50
Potenzialbarriere errichtet, so- Der Hügel in der Mitte des
–75
dass die Antiprotonen nun hin- Potenzialtopfs verwandelt sich
und herreflektiert werden. in eine flache Mulde auf dem –100
Gipfel eines großen Potenzial-
Bei jedem Durchgang verlieren bergs. –125
die Antiprotonen Energie an die
Elektronen und kommen gefangene Diese Mulde hält die Positronen
schließlich in der Mitte der Falle Antiprotonen innerhalb des Gebiets fest, in
zur Ruhe. Die linke Barriere dem sich die Antiprotonen
wird gesenkt, um den nächsten aufhalten. So können sich
Antiprotonenpuls einzulassen. Antiwasserstoff-Atome bilden.

66 SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006
dieses von der Trap-Gruppe erfunde-
ne Verfahren heißt Stacking (Stapeln).
Die Athena-Falle vermag ihre 10 000
Gesamtansicht Antiprotonen viele Stunden lang festzu-
Atrap halten. Atrap hat ein besseres Vakuum
und hält eine halbe Million Antiproto-
nen sogar zwei Monate lang ohne mess-
Asacusa bare Verluste gefangen.
Decelerator
Der Einfang von geladenen Teilchen
Athena wurde schon vor Jahrzehnten entwickelt,
doch die üblichen Fallen funktionieren
nur, wenn alle Teilchen dasselbe La-
dungsvorzeichen – dieselbe Polarität –
Magnete haben. Zum Beispiel kann eine zylindri-
sche Penning-Falle, die Positronen fest-


in
e
hält, keine Antiprotonen einfangen. Bei
diesem Fallentyp sperrt ein Magnetfeld
die Teilchen radial ein, und ein elektri-
Positronen-Akkumulator sches Feld errichtet Potenzialbarrieren an
Eine Natrium-22-Quelle (ganz rechts) emittiert Positronen, die zunächst durch eine den beiden Enden des Zylinders.
dünne Schicht aus festem Neon und dann durch Kollisionen mit gasförmigem Stick-
stoff gebremst werden. Eine Penning-Falle fängt die verlangsamten Positronen ein. Teilchen in der W asche
Haben sich genügend Positronen angesammelt, wird der Stickstoff abgepumpt und Wir können uns die Positronen als Bälle
die Positronen gelangen in die Mischfalle. vorstellen und das elektrische Potenzial
als Rampe: Die Bälle rollen am Zylinder-
ende die Rampe hinauf, werden langsa-
mer und kehren schließlich um. Leider
begegnen Antiprotonen wegen ihrer um-
gekehrten Polarität nicht einer Rampe,
Positronen
sondern einem Abhang, über den sie aus
der Falle strömen und verloren gehen.
Natrium-22-Quelle und Um Antiprotonen festzuhalten, müsste
Magnetspule Schicht aus festem Neon
man das elektrische Feld umkehren.
1988 kam Gabrielse auf einen Trick, um
Teilchen entgegengesetzter Polarität ge-
meinsam festzuhalten: Er platzierte eine
1 Meter seichte Falle für Teilchen der einen Pola-
rität innerhalb einer tieferen Falle für
Partikel der anderen Polarität. Die von
Wie der Detektor funktioniert den Außenbarrieren gefangene Teilchen-
Da die in der Mischfalle Kristalldetektor Pion sorte bewegt sich wie in einer tiefen Mul-
gebildeten Antiatome de mit einer Erhebung in der Mitte – wie
elektrisch neutral sind, am Boden einer Weinflasche.
entwischen sie und treffen
auf die Wand der Vakuum- Für die andere Partikelsorte wirken
kammer. Dort werden die die Potenziale umgekehrt: Aus dem Hü-
Antiprotonen und die gel in der Mitte wird eine Senke auf ei-
Positronen vernichtet. Dabei Streifen-
entstehen drei hochenerge- detektor ner Bergspitze, die dort Teilchen festhält.
tische Pionen und ein Sowohl Atrap als auch Athena benutzen
Gammastrahlenpaar. diesen Fallentyp, um Antiprotonen und
Mehrere Schichten von
Teilchendetektoren um die Positronen gemeinsam gefangen zu hal-
Mischfalle können diese ten. In der Mitte der verschachtelten Fal-
Emissionen nachweisen. le sammeln sich beide Teilchensorten.
1996 demonstrierten Gabrielse und sein
Team das Prinzip erstmals mit Protonen
und Elektronen, und 2001 fingen sie da-
Wand der Mischfalle mit Antiprotonen und Positronen.
BRYAN CHRISTIE DESIGN

Antiwasserstoff
Durch Kollisionen zwischen den ge-
Gammastrahl
fangenen Teilchen kommt es manchmal
dazu, dass ein Positron und ein Antipro-
ton dieselbe Bahn beschreiben. Prompt

SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006 67
ANTIMATERIE z
beginnen sie einander zu umkreisen –
ein Antiwasserstoff-Atom ist entstanden.
diese ihrerseits 511-keV-Gammastrahlen
– und mitunter werden just zwei davon
Antiprotonen nachgewiesen – was be-
weist, dass nackte Antiprotonen die Po-
Nun stehen die Forscher vor zwei nachgewiesen. So können einzelne Anti- tenzialbarriere nicht überwinden und
Problemen: Erstens müssen sie nachwei- protonen das Signal eines Antiwasser- nicht in die zweite Falle gelangen kön-
sen, dass die Atome tatsächlich da sind; stoff-Atoms vortäuschen. Die Häufigkeit nen. Was gezählt wird, wenn die Positro-
und zweitens müssen sie das flink tun, solcher falschen Signale muss in der Da- nen vorhanden sind, sind also tatsächlich
denn die Antiatome sind elektrisch neu- tenauswertung berücksichtigt werden. die zufällig schwach gebundenen und in
tral und werden deshalb von der Falle Die Atrap-Gruppe nutzt eine völlig geeigneter Richtung wandernden Anti-
nicht länger festgehalten. Sie verlassen andere Technik, die dieses Problem von wasserstoff-Atome. Hintergrundereignis-
die Falle einfach mit der Geschwindig- vornherein vermeidet. Das Team zählt se müssen nicht abgezogen werden.
keit, bei der sie zufällig entstanden sind. nur diejenigen Antiwasserstoff-Atome, Bei einer raffinierten Weiterentwick-
Die Athena-Gruppe benutzt das die zufällig die Achse des Fallenzylinders lung dieser Methode dient ein oszillie-
zweite Problem, um das erste zu lösen. entlangwandern und zudem nur schwach rendes elektrisches Feld zum Zerlegen
Wenn das entweichende Atom auf die gebunden sind; alle übrigen entkommen der Antiatome; damit gelang es dem
Wand der Vakuumkammer trifft, wird es unentdeckt. Atrap-Team, ihre Geschwindigkeit –
gestoppt. Fast sofort kommt es zur Paar- oder ihre Temperatur – zu bestimmen.
vernichtung des Positrons mit einem Zerlegung der Antiatome Das Ergebnis war eher ernüchternd: Die
Elektron der Wand, und ebenso wird das Die speziellen Antiatome durchdringen, Antiatome hatten eine Temperatur von
Antiproton in einem Atomkern vernich- da sie elektrisch neutral sind, mühelos 2400 Kelvin – viel höher als die 4,2 Kel-
tet. Erstere Reaktion erzeugt zwei entge- eine hohe Potenzialbarriere, an der alle vin der mit flüssigem Helium gekühlten
gengesetzt gerichtete Gammastrahlungs- nackten, nicht zu einem Antiatom gehö- Komponenten der Falle.
quanten mit der charakteristischen Ener- renden Antiprotonen zurückgewiesen Um Antiatome detailliert zu untersu-
gie von 511 keV, letztere zwei oder drei werden. Danach begegnen die Antiato- chen, muss man ihre Temperatur deut-
so genannte Pionen. All diese Teilchen me einem starken elektrischen Feld, das lich unter 0,5 Kelvin senken. Nur dann
sind relativ leicht nachzuweisen. Wenn sie wegen ihrer losen Bindung auseinan- kann man sie in einer Falle für neutrale
in den Detektoren solche Gammastrah- der reißt. Schließlich werden die neuer- Atome sammeln und sehen, wie sie La-
len und Pionen erscheinen, die oben- dings nackten Antiprotonen in einer serstrahlen unterschiedlicher Frequenz
drein zur selben Zeit vom selben Ort der weiteren elektromagnetischen Falle ge- absorbieren.
Wand ausgehen, dann wissen die For- fangen. Nach einer Sammlungsphase Um kältere Antiatome zu erzeugen,
scher, dass soeben ein zuvor erzeugtes werden diese Antiprotonen freigelassen hat die Atrap-Gruppe ein lasergesteuertes
Antiwasserstoff-Atom zerstört wurde. und durch ihre Vernichtung in den System entwickelt, das ohne verschach-
Doch ganz so einfach geht es leider Kammerwänden nachgewiesen. telte Falle auskommt. Stattdessen werden
nicht. Einige Antiproton-Vernichtungen Solange es in der verschachtelten Fal- Positronen und Antiprotonen separat
erzeugen einen Schauer von Positronen, le keine Positronen gibt, werden keine festgehalten (siehe Kasten unten). Eine

Laserkontrollierte Produktion

BRYAN CHRISTIE DESIGN


Die Atrap-Gruppe hat eine laserkontrollierte Methode für die Herstellung von Antiwas- Laserstrahlen
serstoff-Atomen entwickelt, die ohne verschachtelte Fallen auskommt (Apparat unten,
Verfahren rechts). Die Antiprotonen und die Positronen werden in benachbarten Fallen
festgehalten, und neutrale Positronium-»Atome« – gebundene Elektron-Positron-Paare – Cäsium- Positronen-
Atom falle
transportieren die Positronen zu den Antiprotonen. Auf diese Weise sollen langsame, das
heißt kalte Antiwasserstoff-Atome entstehen, doch das wurde noch nicht bestätigt. Positron

zwei
1 Cäsium-Atome aus einem Ofen durchqueren einen
Laserstrahl, der sie in einen aufgeblähten, hochange-
regten Rydberg-Zustand versetzt.
Laser
Positronium
Positronen

2 In einer Falle gefangene Positronen entreißen den


Cäsium-Atomen angeregte Elektronen und bilden
Positronium, das sich ebenfalls in Rydberg-Zuständen
Cäsium-Strahl

befindet. Da die Positronium-»Atome« elektrisch neutral Antiprotonen-


sind, entweichen sie aus der Falle in alle Richtungen. falle
Antiproton

3 Einige Positronium-Atome erreichen eine Antiproto-


nenfalle, wo ihnen die Antiprotonen das Positron
entreißen und Antiwasserstoff-Atome bilden. Die Anti-
Antiprotonen Anti-
wasserstoff
elektrisches
atome entwischen wiederum in alle Richtungen. Feld
Nachweisfalle

4 Einige Antiwasserstoff-Atome gelangen zu einer


zweiten Antiprotonenfalle, wo ihnen ein starkes
elektrisches Feld die Positronen entzieht. Die nun gefan- Fallen-
genen Antiprotonen werden nachgewiesen und bewei- elektroden Antiprotonenbremse Antiprotonen-
sen, dass Antiwasserstoff-Atome entstanden sind. aus Beryllium Nachweisfalle

68 SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006
Raumfahrt mit Antimaterie-Antrieb: nichts als Sciencefiction?

BRYAN CHRISTIE DESIGN


Nach Angaben der Nasa enthalten 43 Mil- zu lagern, denn Antiwasserstoff gefriert
ligramm Antiprotonen ebenso viel Ener- – genau wie Wasserstoff – bei 14 Kelvin.
gie wie die 750 000 Kilogramm Treibstoff Die rund 150 Mikrometer großen Pellets

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und Oxidationsmittel, die ein Spaceshut- würden elektrisch aufgeladen und in
tle in seinem externen Tank mitführt. elektrostatischen Fallen festgehalten.
Eine derart konzentrierte Energiequelle Drittens: Wie wandelt man die Vernich-
wäre natürlich hochwillkommen, doch tungsenergie in Schubkraft um? Bei der
bevor ein Antimaterie-Raumantrieb Wirk- Paarvernichtung von Elektron und Posi-
lichkeit werden kann, sind enorme Pro- tron wird die Energie in Form von zwei Bei diesem hypothetischen Raum-
bleme zu überwinden. entgegengesetzt gerichteten Gamma- o antrieb lösen
Erstens: Wie produziert man einige strahlen frei. Die Proton-Antiproton-Ver- chen Kernexplosionen in einem mit Uran
Milligramm Antimaterie? Der Antiproton- nichtung erzeugt Pionen – kurzlebige Teil- beschichteten Segel aus.
Decelerator am Cern braucht für 20 Milli- chen hoher Energie. Diese Teilchen
onen Antiprotonen hundert Sekunden. könnten ein Stück Wolfram aufheizen,
Selbst wenn er ein Jahr lang pausenlos das von Wasserstoff umströmt wird. Die
liefe, gäbe das nur zehn Pikogramm (billi- thermische Expansion des Wasserstoffs rie-Pellets ein Segelsystem antreiben:
onstel Gramm) Antiprotonen. würde Schub liefern. Ein mit Uran beschichtetes Kohlenstoff-
Zweitens: Wie speichert man größere Viel wirksamer wäre ein Antrieb, bei segel wird mit festen Antiwasserstoff-
Mengen von Antimaterie? Typische Fal- dem die Pionen durch magnetische Fel- Pellets beschossen, die im Uran Kern-
len für neutrale Atome halten höchstens der ausgerichtet würden und selbst den spaltungen auslösen. Der Ausstoß der
einige Millionen Atome fest. Steven D. Treibstoff bildeten. Die gesamte Schub- Spaltprodukte treibt das Segel an, das
Howe und Gerald P. Jackson von der Fir- kraft wäre allerdings wegen der winzi- wiederum das Raumschiff hinter sich
ma Hbar Technologies schlugen 2003 auf gen Treibstoffmenge ebenfalls winzig. herzieht. Dass die Antimaterie tatsäch-
einer Nasa-Konferenz vor, Antiwasser- Howe und Jackson schlugen einen lich genügend wirksame Spaltprozesse
stoff in Form fester Kügelchen (Pellets) dritten Weg vor, bei dem ihre Antimate- auslöst, ist freilich reine Spekulation.

Reaktionskette, die mit einem Strahl la- dichten Säule zu komprimieren. Eine Cern-Teams jetzt stehen. Solche Antiato-
serangeregter Cäsium-Atome beginnt, solche Konfiguration könnte sehr nütz- me müssen zwei Forderungen erfüllen:
transportiert die Positronen zu den Anti- lich für künftige Experimente sein, bei Sie sind kälter als 0,5 Kelvin, damit ma-
protonen, um den Antiwasserstoff zu er- denen magnetische Fallen die Antiwas- gnetische Fallen sie festhalten können,
zeugen. Die Reaktionskette ist so kon- serstoff-Atome festhalten sollen. und sie befinden sich im Grundzustand.
struiert, dass möglichst wenig Energie auf Zusätzlich hat die Athena-Gruppe Der Antiproton-Decelerator ist nor-
das entstehende Antiatom übergeht. den Antiwasserstoff-Produktionsprozess malerweise jedes Jahr von Mai bis No-
Die Atrap-Gruppe konnte dieses Ex- genauer untersucht. Wie sich herausstell- vember in Betrieb. Doch 2005 wird er

,
periment nur wenige Stunden lang am te, entstehen selbst dann, wenn ihre Po- gar nicht arbeiten – die Cern-Beschleu-
Ende ihrer Experimentierzeit im Jahr sitronen Raumtemperatur (300 Kelvin) niger wurden abgeschaltet, weil der Bau
2004 durchführen. Darum blieb keine besitzen, fast ebenso viele Antiatome wie des Large Hadron Colliders mehr kostet
Zeit, allzu viele Antiatome zu sammeln. bei den sonst im Athena-Experiment üb- als geplant. Die Antiatomforscher müs-
Tatsächlich wurden insgesamt nur 14 lichen zehn Kelvin. Das steht in krassem sen bis Mai 2006 warten; erst dann kön-
nachgewiesen. Gabrielse sieht »gute Widerspruch zu den einfachsten eori- nen sie wieder versuchen, den bösen
Gründe zu der Annahme, dass diese Ato- en über die Bildung der Antiatome, wo- Zwilling des Wasserstoffs zu bändigen.
me viel kälter sind als die in einer ver- nach tausend- bis millionenmal weniger
schachtelten Penning-Falle erzeugten«. Antiwasserstoff entstehen müsste. Lan-
AUTOR UND LITERATURHINWEISE

Graham P. Collins ist Redakteur


Für den Beweis dieser Vermutung dua ist überzeugt, dass irgendein zusätz- bei Scientific American.
sind aber viel mehr Atome nötig. Und licher Mechanismus hilft, den Antiwas- Antimaterie. Auf der Suche nach
selbst dann fehlt noch ein Schritt, bis die serstoff im heißen Plasma zu stabilisie- der Gegenwelt. Von D. B. Herrmann.
Antiatome zum Präzisionstest der CPT- ren; Gabrielse glaubt das nicht. Falls die- C.H.Beck, München 2004
Symmetrie taugen: Die Antiatome ent- ser Prozess die Antiatome tatsächlich in First measurements of the velocity of slow anti-
stehen in so genannten Rydberg-Zustän- ihren – für die Spektroskopie erwünsch- hydrogen atoms. Von G. Gabrielse et al. in: Physi-
den, und diese aufgeblähten, hoch ange- ten – Grundzustand versetzt, könnte ein cal Review Letters, Bd. 93, S. 073401-1, 2004
regten Zuständen müssen erst »abgeregt« Test der CPT-Symmetrie in greifbare Production and detection of cold antihydrogen
werden, damit eine spektroskopische Nähe rücken. atoms. Von M. Amoretti et al. in: Nature, Bd. 419,
Untersuchung durchführbar ist. Beide Forscher halten die Produkti- S. 456, 2002
Ebenfalls Ende 2004 gelang es der on von Antiwasserstoff-Atomen, die sich Weblinks zu diesem Thema finden Sie bei www.
Athena-Gruppe, ihre Antiprotonen im für die Spektroskopie eignen, für die spektrum.de unter »Inhaltsverzeichnis«.
Zentrum ihrer Falle zu einer dünnen, zentrale Herausforderung, vor der die

SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006 69
INFLUENZA z
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Sind wir gegen eine


Pandemie gewappnet?
Jederzeit könnte wieder ein hochgefährliches Grippevirus über
den Globus fegen und dabei Millionen von Menschenleben fordern.
Mit Überwachungsmaßnahmen, Medikamenten und neuen
Impfstoffen besteht die Chance, eine Katastrophe zu verhindern.

Von W. Wayt Gibbs, Christine Soares und 17 Menschen; fünf davon erliegen ihrer zwischen mehr als 100 Millionen Vögel
Achim G. Schneider Infektion. infiziert, bis Ende November 2005 sind
Das Virus wütet gleichzeitig in Hüh- aber lediglich 133 Menschen erkrankt,

H
ongkong, Mai 1997: Ein nerfarmen und auf Geflügelmärkten. die meisten nachweislich nach direktem
dreijähriger Junge mit ho- Um eine Ausbreitung der Seuche zu ver- Kontakt mit infizierten Vögeln oder de-
hem Fieber und schwerer hindern, lassen die Behörden in den letz- ren Exkrementen.
Lungenentzündung wird in ten drei Tagen des Jahres 1,5 Millionen Doch was ist, wenn ein Vogelvirus –
ein Krankenhaus eingeliefert. Keine Be- Zuchtvögel töten. Die Gefahr war fürs ob H5N1 oder ein anderer Subtyp – sich
handlung schlägt an. Wenige Tage später Erste gebannt. weiter an den Menschen anpasst? Wis-
verstirbt er. Zwei Monate brauchen die Ende 2003 schlägt H5N1 erneut zu, senschaftlern zufolge bewegen wir uns
Wissenschaftler, bis sie schließlich die diesmal auf Hühnerfarmen in Korea. wieder auf eine Grippepandemie zu, ei-
Ursache der Erkrankung herausfinden. Das inzwischen veränderte Virus verbrei- ner weltumspannenden Seuche, wie sie
Ein Vogelgrippevirus hatte den Jungen tet sich rasant in Südostasien. Glückli- uns im 20. Jahrhundert dreimal heimge-
befallen: das erste Opfer von Influenza A cherweise gelingt es ihm nur ausnahms- sucht hat.
vom Subtyp H5N1. Bis Ende des Jahres weise, die Artenbarriere zum Menschen Um die Gefahr richtig einzuschätzen,
erkranken in der Weltmetropole weitere zu überwinden: Der Erreger hat zwar in- muss man vor allem eines begreifen:
Eine schwere Influenzapandemie hat in
IN KÜRZE ihrem Ausmaß wenig mit der alljährli-
chen Grippeepidemie gemein, die jedes
r Wissenschaftler warnen vor einer künftigen globalen Grippeepidemie mit dra- Winterhalbjahr wiederkehrt, auch wenn
matischen Folgen für die Gesundheit und das gesamte öffentliche Leben. beide durch Influenzaviren ausgelöst wer-
r Eine solche Pandemie kann bald oder erst in einigen Jahren auftreten. Der Tod den. Schon gar nicht dürfen wir Virus-

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von über 60 Menschen in Asien durch das Vogelgrippevirus H5N1 mahnt aber zu grippen mit grippalen Infekten verwech-

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raschem Handeln. Es besitzt, wenn es sich weiter dem Menschen anpasst, das seln – die fallen in die Kategorie »Erkäl-

ä
Potenzial zu einem Pandemievirus. tung«. Eine Pandemie tritt auf, wenn

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r Das globale Surveillance-Netzwerk muss ausgebaut werden, um jegliche gefähr- zwei Voraussetzungen erfüllt sind:

ü
lichen Virenstämme schnell zu identifizieren. r Der Erreger muss sich von früheren
r Gezielte Impfstoffe gegen den neuen Grippeerreger werden nicht rechtzeitig Varianten so stark unterscheiden, dass
v andemie zu stoppen. Doch ein rascher Ein- kaum eine erworbene Immunität in der
satz antiviraler Medikamente te in dieser Phase Zeit gewinnen helfen. Bevölkerung besteht.
r Wie schwer Infizierte erkranken werden, h ngt von den Eigenschaften des r Er muss außerdem durch Niesen,
Pandemiestamms ab. In vielen Teilen der Welt wird das Gesundheitswesen v llig Husten oder Körperkontakt leicht von
berfordert sein. Mensch zu Mensch übertragen werden
können.

72 SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006
FOTOMONTAGE: JASON J. COOK; EINZELBILDER: JUNGE MIT MASKE (MITTE) UND ARZT MIT RÖNTGENAUFNAHME (LINKS UNTEN): GETTYIMAGES / AFP / HOANG DINH NAM; SEM-VIRUS (LINKS OBEN): PHOTO RESEARCHERS INC / NIBSC; MENSCHEN-
SCHLANGE (RECHTS OBEN): AP PHOTO / VINCENT YU; MONITOR MIT SCAN (RECHTS UNTEN): EPA / BYUN YOUNG-WOOK; TAMIFLU (MITTE RECHTS UND UNTEN): EPA / JUAN VR IJDAG

Grippepandemien kommen unver- Aids in 25 Jahren. Wie Epidemiologen Die Welt hat erstmals die Chance,
hofft einmal pro Generation vor, grob befürchten, könnte dabei ein Drittel der o die Folgen eines Pandemievirus zu
gesehen. Die letzten drei haben 1918, Weltbevölkerung erkranken, viele müss- minimieren, wenn es zuschlägt. Der Er-
1957 und 1968 zugeschlagen. Der erste ten stationär behandelt werden. Mit ins- folg wird davon abhängen, inwieweit die
Zündfunke entsteht, wenn einer der gesamt 10 bis 100 Millionen Todesop- reichen Länder die armen im Kampf ge-
zahlreichen Stämme, die in Wild- oder fern wäre dann zu rechnen. Kein Land, gen die Seuche unterstützen.
Zuchtvögeln zirkulieren, so mutiert, dass kein Volk und keine Einkommensgrup-
er auch Menschen zu befallen vermag. pe blieben verschont. Sicheren Schutz
Hat ein Virus erst einmal diese Hürde vor Ansteckung gäbe es nicht.
überwunden, kann es sich seinem neuen im Oktober 2005 Europa erreicht.
Wirt weiter anpassen – teilweise schlag- Der Weg ist geebnet H5N1 schafft es zwar bisher nur in Aus-
artig – und dadurch für Menschen hoch- Wissenschaftler können im Voraus we- nahmefällen, Menschen zu befallen.
infektiös werden. Besonders gefährlich der wissen, welcher Virusstamm eine Doch wenn, dann ist es oft tödlich. Von
wird der Erreger, wenn es ihm gelingt, Pandemie auslösen, noch wann eine sol- den bis Ende November 133 Infizierten
außer dem Lungengewebe noch andere che zuschlagen wird. Nur eines ist ge- sind 68 ihrer Krankheit erlegen. Sollte
Bereiche des Körpers zu infizieren. Dann wiss: Die nächste weltumspannende Seu- das Virus sich weiter anpassen und dann
nimmt die Krankheit sehr häufig einen che wird kommen und der Weg dahin leicht von Mensch zu Mensch springen,
schweren, manchmal tödlichen Verlauf. ist inzwischen geebnet. Der bedrohliche droht von ihm eine Pandemie. Die
Eine heftige Pandemie vermag leicht Subtyp des Vogelgrippevirus, der erst seit wachsende Bedrohung hat inzwischen
mehr Opfer in einem Jahr zu fordern als 1997 unter Vögeln in Asien grassiert, hat Regierungen und Gesundheitsexperten

SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006 73
INFLUENZA z
in aller Welt wachgerüttelt. Im Dezem-
ber 2004 forderte die Weltgesundheits-
Auf Schnelligkeit kommt es jedoch
gerade an, wenn man es mit rasch wir-
Pandemie (H1N1-Stamm)
fordert 40 Millionen
Opfer weltweit
Pandemie (H2N2)
fordert 1 bis 4 Millio-
nen Opfer weltweit
organisation (WHO) eine Überarbei- kenden Erregern zu tun hat, die über die
tung des Pandemieplans. Diese erschien Luft übertragen werden. Die Verantwort-
im April 2005. Im selben Monat hat lichen dürften keine realistische Chance
Deutschland nach jahrelangem Ringen haben, eine Influenzapandemie im Keim 1918 1957 1968 1997
einen nationalen Pandemieplan veröf- zu ersticken, wenn sie den Verursacher
fentlicht, basierend auf einem Entwurf nicht in den ersten 30 Tagen in den Griff
einer Expertengruppe unter der wissen- bekommen (siehe auch Kasten S. 78). Pandemie (H3N2) Vogelgrippevirus H5N1 lässt
schaftlichen Federführung des Robert Die Uhr beginnt zu ticken, sobald sich fordert 1 Million in Hongkong 18 Menschen
Koch-Instituts (RKI) in Berlin. Im No- der erste »pandemiefähige« Stamm von Opfer weltweit erkranken, 6 davon sterben
vember diskutierten Vertreter von hun- Mensch zu Mensch verbreitet.
dert Ländern bei einem WHO-Treffen Um das kritische Ereignis nicht zu grenzten Ausbrüche der menschlichen
über einen globalen Aktionsplan, dessen verpassen, ist eine permanente und welt- H5N1-Grippe haben Phase 3 ausgelöst.
Umsetzung rund eine Milliarde US-Dol- umspannende Überwachung der kursie- Von der sechsten Stufe, die bei einer um-
lar erfordert. Auf einer Geberkonferenz, renden Stämme vonnöten. Auf welchem fassenden Pandemie ausgerufen wird,
die für Januar 2006 in Peking anberaumt Weg werden sie übertragen und auf wel- sind wir also noch ein Stück entfernt.
ist, soll die Finanzierung beschlossen che Weise verändern sie sich? Zur Beant- Die nächste Pandemie könnte zwar
werden. wortung dieser Fragen im aktuellen Fall überall ausbrechen, auch in Europa.
benötigen Virologen nun Proben von Wahrscheinlicher ist jedoch, dass der
Alarmstufe drei möglichst jedem neuen H5N1-Patien- neue Erreger in Asien startet. Das tun
Das A und O zur Bekämpfung einer ten. Indem sie Gensequenzen von Influ- auch die meisten Stämme, welche die
neuen Form von Grippe ist, Infektionen enzaviren vergleichen, können sie Verän- alljährlichen, saisonalen Grippeepidemi-
schnell zu erkennen. Auf internationa- derungen identifizieren. Diese entstehen en verursachen. Der natürliche Wirt für
ler Ebene koordinieren drei Behörden entweder schrittweise durch Zufallsmu- Influenzaviren sind Wasservögel wie En-
die weltweiten Anstrengungen, Erreger tationen oder sprunghaft, indem ver- ten und Gänse, die wiederum Hühner
wie H5N1 aufzuspüren. Die WHO mit schiedene Influenzastämme, die gemein- infizieren können. Viele Asiaten leben
110 Influenzazentren in 83 Ländern sam einen Wirt – ob Mensch oder Tier – mit ihrem Federvieh eng zusammen. Die
verfolgt Infektionen bei Menschen. Die infiziert haben, darin Elemente ihres Seuchenüberwachung ist vielerorts je-
Welttiergesundheitsorganisation (OIE, Erbguts untereinander austauschen (sie- doch noch sehr lückenhaft – obwohl die
ehemals Office International des Épi- he den Kasten unten). Die WHO analy- Unterstützung durch die WHO und an-
zooties) und die Welternährungsorgani- siert dann die Merkmale und das Verhal- dere Organisationen langsam auch in ab-
sation (FAO) sammeln Berichte über ten der neuen Varianten. geschiedene Gegenden gelangt.
Ausbrüche der Krankheit bei Tieren. Anhand dieser Informationen legt Ein Ausbruch von H5N1 in Indone-
Aber die so genannten Surveillance- die WHO fest, welche Stufe auf dem sien verdeutlicht Schwierigkeiten, aber
Netzwerke sind – wie die Verantwortli- Weg zu einer Pandemie erreicht ist. Der auch Fortschritte im Umgang mit der
chen selbst zugeben – immer noch zu überarbeitete Plan vom April 2005 un- Gefahr. In einem recht wohlhabenden
lückenhaft und zu langsam. terscheidet dabei sechs Phasen. Die be- Vorort von Jakarta erkrankte Ende Juni

Wie ein Pandemiestamm entsteht


Subtypen von Influenza A, wie H5N1, die H5N1-Grippevirus H5N1-Mutante
zunächst nur Vögel infizieren, können auf
zwei verschiedenen Wegen zu einem Mutation
»pandemiefähigen« Grippeerreger mutie-
ren, der gut an bestimmte molekulare
Strukturen auf menschlichen Zellen an- Wirtszelle
dockt. Der eine Weg: Das Virus erwirbt
Punktmutationen, die ihm ein besseres
c
Eindringen in menschliche Zellen ermögli- d
chen (rosarote Pfeile). Der andere (gelbe
Pfeile): Zwei Influenzastämme mit ver- reassortierte
schiedenen Eigenschaften befallen gleich- Gene
zeitig eine Zelle (a) und setzen virale RNA a
frei, die sich im Zellkern massenhaft ver- H3N2-Grippevirus
mehrt (b). Vermischt sich die RNA der bei-
den Stämme zu einem Satz so genannter b Sialinsäure
Zellkern
reassortierter Gene (c), kann ein neuer
ALICE Y. CHEN

hochinfektiöser
hochinfektiöser Stamm entstehen. Pandemiestamm
virale RNA

74 SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006
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H9N2 infiziert
zwei Kinder
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krankungen in Viet-
H5N1 taucht in Russ-
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3 Menschen aus einer Fa-
milie sterben in Indonesien
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ne in der Mongolei
H5N1 taucht in
Europa auf: T ei,

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in Hongkong nam und Thailand den notgeschlachtet im Großraum von Jakarta erliegen H5N1 Kroatien, R

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2004

H5N1 verbreitet sich in Wasser-


0 00
Menschen in den Niederlanden
Juni 2005

6000
Juli

sterben
an H5N1 an einem See
in Zentralchina
H5N1 taucht in

Kasachstan auf
August

Vietnam beginnt, 20
Millionen W
gegen H5N1 zu impfen
Oktober

Epidemie er-
reicht Wasser-
November

Seit 2003 hat H5N1 V


in 16
Mensc
ziert,

letzten Jahres die achtjährige Tochter ei- Organe befällt der Erreger? Welche Ge- Nationale Referenzzentrum in Berlin ge-
nes Wirtschaftsprüfers in den Diensten webe werden dabei am meisten geschä- schickt, das den Erreger eingehend ana-
der Regierung. Ein Arzt verordnete An- digt? Wie reagiert das Immunsystem? lysiert. Dorthin geht jedes in Deutsch-
tibiotika, doch ihr Fieber verschlimmer- Auch gebe es zu wenig Informatio- land isolierte Influenzavirus.
te sich, sodass er sie am 28. Juni in ein nen, welche Rolle Zugvögel bei der Ver- Für den Ernstfall gilt es allerdings,
Krankenhaus überwies. Eine Woche spä- breitung über Ländergrenzen hinweg die vorhandenen Strukturen weiter zu
ter wurden auch ihr Vater und ihre ein- spielen, bemängeln Epidemiologen. Im entwickeln. Neben einer ganzjährigen
jährige Schwester mit Husten und Fie- Juli tauchte H5N1 zum ersten Mal bei Surveillance – ein Pandemievirus hält
ber eingeliefert. Am 9. Juli verstarb die Hausgeflügel in Sibirien auf, später in sich nicht an die Grippesaison – müssten
Jüngste, drei Tage später der Vater. Kasachstan und dann in Russland. Im die Meldungen künftig völlig auf elektro-
Am nächsten Tag alarmierte ein Oktober erreichte das Virus schließlich nischem Weg erfolgen. Der Pandemie-
scharfsinniger Arzt die Gesundheitsbe- Europa. Wie sich die Tiere infizierten, plan empfiehlt außerdem, die Daten von
hörde und schickte Blut- und Gewebe- bleibt nach wie vor ein Rätsel. Zugvögel Krankenhäusern besser zu integrieren so-
proben zu einem medizinischen For- stehen im Verdacht, das Virus auf dem wie nach Altersgruppen aufgeschlüsselt
schungslabor der US-Marine in Jakarta. Flug in ihre Winterquartiere zu verbrei- zu registrieren, wie viele Menschen durch
Am 14. Juli verstarb auch das ältere ten. Möglicherweise spielt aber auch der Grippe sterben. Alle Komponenten sol-
Kind. Wie aus einem internen Patien- Transport infizierter Tiere durch den len dazu beitragen, Eigenschaften und
tenbericht hervorgeht, hatte indonesi- Menschen eine Rolle. Ausmaß einer Pandemie zeitnah zu erfas-
sches Laborpersonal am selben Tag he- sen, um schnell reagieren zu können.
rausgefunden, dass zwei der drei Famili- Prototyp-Impfstoffe Wie steht es mit Impfstoffen? Po-
enmitglieder mit H5N1 infiziert waren. gegen H5N1 cken- und Poliopandemien hatten einst
Die Regierung erkannte die Befunde je- Unzufrieden mit den vielen ungeklärten verheerende Auswirkungen auf die
doch erst an, als ein WHO-Labor in Fragen hat Stöhr zusammen mit anderen Menschheit. Dank flächendeckender
Hongkong sie am 22. Juli bestätigte. Grippeexperten ein weltweites Einsatz- Impfungen wurden die Pocken offiziell
Das Gesundheitsministerium ließ kommando ins Leben gerufen, das Maß- ausgerottet, bei Polio ist man fast so
daraufhin mehr Krankensäle für Grippe- nahmen gegen die drohende Pandemie weit. Leider wird eine solche Strategie
patienten bereit machen. Gleichzeitig überwachen soll. Im August 2005 bean- gegen Influenza nicht greifen – weil die
bat der Beauftragte für Seuchenbekämp- tragte die OIE zusätzliche Gelder für Viren verbreitet in Wildvögeln vor-
fung in Indonesien, I Nyoman Kandun, Surveillance-Programme, die sie zusam- kommen.
die WHO um Unterstützung bei der men mit der FAO und WHO organi- Die Grippeerreger sind zudem sehr
weiteren Untersuchung des Falls. Wäre siert. Im Januar 2006 in Peking wird die wandlungsfähig. Entsprechend muss der
dies bereits der Beginn einer Pandemie Finanzierung verbesserter Surveillance- Impfstoff gegen die saisonale Influenza
gewesen, so hätte sich das Zeitfenster der Netzwerke ein wichtiger Aspekt sein. jährlich neu zusammengestellt werden.
ersten dreißig Tage, das zur Eindäm- In Deutschland erfolgt die Surveil- Als Grundlage dienen die drei jeweils am
mung zur Verfügung steht, bereits ge- lance unter der Federführung des Robert häufigsten zirkulierenden Stämme. Zur
schlossen. Zwei Wochen später ließ Kan- Koch-Instituts (RKI) in Berlin. Zusätz- Herstellung des so genannten Saatvirus
dun die Untersuchungen abbrechen. lich zur prinzipiellen Meldepflicht von wird ein abgeschwächter Impfstamm mit
Begründung: »Wir konnten keinen Hin- Grippefällen stützt sie sich auf die frei- der Virusvariante kombiniert, gegen die
weis darauf finden, wo die Betroffenen willige Mitarbeit von mehreren hundert immunisiert werden soll. Von der Vari-
sich infiziert hatten.« Arztpraxen quer durch die Bundesrepu- ante stammen dabei zwei Gensegmente,
Autopsien der drei Grippeopfer blik. Dort werden sämtliche auftreten- die für die viralen Oberflächenproteine
scheiterten an lokalen Traditionen, die den Erkrankungen der Atemwege erfasst, Hämagglutinin (H) und Neuraminidase
ein solches Vorgehen verbieten. Generell beschrieben und zur Auswertung an das (N) kodieren. In Impfstofffabriken inji-
seien an H5N1 Verstorbene bisher fast RKI weitergeleitet. In ausgewählten Pra- zieren Roboter das fertige Saatvirus in
nie autopsiert worden, moniert Klaus xen wird Patienten mit Grippeverdacht bebrütete Eier, wo es sich massenhaft
Stöhr, Leiter des Globalen Influenzapro- zusätzlich ein Abstrich der Mund- vermehrt. Schließlich wird das Virus auf
gramms der WHO. Zahlreiche Fragen schleimhaut entnommen, ein Schnelltest biochemischem Weg in seine Bestand-
bleiben somit unbeantwortet. Welche durchgeführt oder der Abstrich an das teile zerlegt, um Schlüsselproteine für die

SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006 75
INFLUENZA z angepasst wird. Das Paul-Ehrlich-Insti-
tut geht davon aus, dass im Ernstfall –
wenn alles glatt läuft – in vier bis sechs
Monaten genügend zur Verfügung steht,
um der gesamten deutschen Bevölke-
rung eine Injektion zu verabreichen.
Sechs Wochen danach könnte ein zwei-
tes Mal geimpft werden.
Derzeitige Einschränkungen beste-
hen unter anderem in dem hohen Bedarf
an bebrüteten Hühnereiern. Der finanzi-
elle Aufwand, riesige Hühnerscharen zu
halten, ist enorm. Als Ausweg bietet sich
an, Viren in Zellkulturen zu vermehren
(siehe auch Kasten rechts). Es wird damit

M
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z
gerechnet, dass mittelfristig solche Ver-
fahren das Hühnerei zur Impfstoffpro-
duktion ersetzen können.

EPA
Verzögerungen und Engpässe in der
An Vogelgrippe Erkrankte in einem sonalen Stamm. Ginge ein solcher Impf- Versorgung mit einem Pandemie-Impf-
o Hospital von Hanoi (Vietnam): Im stoff in die Massenproduktion, stieße stoff dürften zumindest für die erste Seu-
2005 befanden sich ein junger Mann man sehr schnell an Grenzen: Die ge- chenwelle unvermeidlich sein. Deshalb ist
(links) und seine 14 Jahre alte Schwester schätzte bisherige Weltjahresproduktion eine Priorisierung der zu impfenden
(rechts) in einem kritischen Zustand. Bei von 300 Millionen Dosen eines saisona- Gruppen nötig. Der nationale Pandemie-
einer H5N1-Infektion erkranken oftmals len Vakzins mit drei Stämmen würde auf plan empfiehlt: zuerst das Personal im
gesunde junge Erwachsene und Kinder 150 Millionen Dosen eines Pandemie- medizinischen Versorgungsbereich, dann
besonders schwer und sterben. Impfstoffs zusammenschmelzen – bei Berufsgruppen, die zur Aufrechterhaltung
zwei Impfungen für einen vollen Im- der öffentlichen Infrastruktur und Sicher-
munschutz gegen den neuen Erreger ist heit beitragen. Das sind in Deutschland
das nicht einmal genug, um die gesamte rund sieben Millionen Menschen. Weite-
Impfung zu gewinnen. Diese so genann- deutsche Bevölkerung zu versorgen. re Bevorzugungen bestimmter Gruppen
ten Antigene regen das Immunsystem Mehrere Firmen arbeiten daran, den sollten nach vorher festgelegten Kriterien
dazu an, Antikörper gegen das neue Vi- Impfstoff zu strecken. Helfen sollen da- kurzfristig entschieden werden. In Frage
rus herzustellen. Der fertige Impfstoff bei Adjuvantien – Beistoffe, die das Im- kommen etwa Menschen mit schweren
enthält Antigene aller drei Stämme. munsystem zusätzlich stimulieren. Ex- chronischen Erkrankungen.
Derzeit wird fieberhaft an einem perten schätzen, dass sich mit solchen Noch bis 1999 hatte die WHO eine
Impfstoff gegen ein potenzielles Pande- Strategien in absehbarer Zeit 1 bis 7 Mil- einfache Definition, ab wann wir es
mievirus gearbeitet. Aber wie soll ein liarden Dosen produzieren lassen. Das überhaupt mit einer Grippepandemie zu
Impfstoff gegen eine Erregerform produ- Paul-Ehrlich-Institut, das Bundesamt für tun haben – dann, wenn sich eine neue
ziert werden, die es noch gar nicht gibt? Sera und Impfstoffe, in Langen rechnet Virusform in mindestens einem Land
Die Wissenschaftler behelfen sich mit ei- noch im Dezember 2005 mit einem Zu- gesichert zwischen Menschen verbreitet.
nem so genannten Prototyp-Vakzin: je- lassungsantrag für einen entsprechenden Die blitzschnelle Ausbreitung in einem
weils auf Basis des für den Menschen Prototyp-Impfstoff. Bei positiver Beurtei- solchen Stadium noch zu stoppen, schien
neuen Subtyps, der sich möglicherweise lung könnte er bis zum Frühjahr 2006 undenkbar – so der Stand von damals.
zu einem pandemischen Virus weiterent- seine Zulassung für Europa erhalten. Doch Verbesserungen in der Virusüber-
wickelt. Für H5N1 haben WHO-Labors wachung und die Entwicklung wirksa-
anhand von Varianten, die für den Men- Wer wird zuerst geimpft? merer antiviraler Medikamente haben zu
schen infektiös sind, mehrere Prototyp- Das eigentliche Pandemie-Vakzin kann einer veränderten Einstellung geführt.
Impfstämme hergestellt. Diese stehen erst hergestellt werden, wenn der Ernst- Nach Einschätzung der WHO gibt es
akademischen und industriellen For- fall schon eingetreten ist. Es muss ent- nun an der Schwelle zur Pandemie ein
schungseinrichtungen zur Verfügung, sprechend auf das inzwischen weiter mu- schmales Zeitfenster, in dem sie noch ab-
um daraus Prototyp-Impfstoffe zu entwi- tierte Pandemievirus zugeschnitten sein. gefangen und begrenzt, im besten Fall
ckeln. Ein Impfstoff gegen H5N1 löste Ein zugelassenes Prototyp-Vakzin stellt sogar ausradiert werden kann.
in einer klinischen Studie in den USA aber sicher, dass Impfstoffkonzept und Was der gesunde Menschenverstand
bei gesunden Versuchspersonen eine Im- Produktionsverfahren gegen den neuen nahe legt, bestätigen auch Computermo-
munantwort aus, die im Ernstfall schüt- Subtyp erprobt sind. Auf dieser Grund- delle: Eindämmungsmaßnahmen müss-
zen könnte. lage lässt sich durch geringe Veränderun- ten außerordentlich schnell und wirksam
Allerdings wäre die nötige Gesamt- gen ein Pandemie-Impfstoff gewinnen, sein. Influenza verbreitet sich mit unge-
menge an Antigen sechsmal so hoch wie ähnlich wie das saisonale Vakzin jährlich heurer Geschwindigkeit, weil sie eine so
für die Immunisierung gegen einen sai- den häufigsten zirkulierenden Varianten kurze Inkubationszeit hat. In gerade ein-

76 SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006
mal zwei Tagen nach der Ansteckung von Mensch zu Mensch maximal 30 fungen durch. Der fiktive Prototyp-
kann der Infizierte die ersten Symptome Tage Zeit, um die neue Grippe zu besie- Impfstoff bot dabei keinen vollständigen
zeigen und Viren verbreiten, die wieder- gen. Dazu müssten aber, wo immer sie Schutz gegen den Pandemiestamm, viel-
um andere infizieren. Manche Menschen ausbricht, antivirale Medikamente zur mehr reduzierte er das Infektionsrisiko
werden sogar 24 Stunden, bevor Symp- Behandlung und zur Vorbeugung einge- lediglich um 30 Prozent. Trotzdem:
tome auftreten, schon infektiös. setzt werden. Dank der verringerten Anfälligkeit der
Im Vergleich dazu verbreitet sich die WHO-Verantwortliche bezweifeln, Modellgruppe ließ sich selbst die Ver-
Lungenseuche Sars langsam. Ihr Erreger, dass die Überwachung in Teilen Asiens breitung eines hochinfektiösen Stamms
ein neues Coronavirus, das 2003 in verlässlich genug ist, um eine sich anbah- noch eindämmen. Um das auch im
China auftauchte, machte Infizierte im nende Epidemie rechtzeitig zu erfassen. wirklichen Leben umzusetzen, müssten
Durchschnitt nach fünf Tagen krank. In der Praxis habe es meist mehr als 20 die Regierungen der Industrienationen
Das gab dem Gesundheitspersonal Zeit, Tage gedauert, bis eine menschliche ihren H5N1-Impfstoff vorbeugend sol-
Personen, die mit den Kranken in Kon- H5N1-Erkrankung bestätigt war, warnte chen Regionen der Welt zukommen las-
takt standen, aufzuspüren und zu isolie- Stöhr bei einem Expertentreffen in der sen, wo das Virus am wahrscheinlichsten
ren, bevor sie andere anstecken konnten. US-Hauptstadt Washington im April zum Pandemiestamm wird.
Solche Maßnahmen allein greifen 2005. Das ließe nur ein sehr schmales Aus dem Verbreitungsmuster vergan-
bei Grippe nicht, so die Experten. Zwei Zeitfenster übrig, um Medikamente in gener Grippepandemien ist zu erwarten,
Computersimulationen zeigen aber, wie abgeschiedene Gegenden zu bringen und dass ein einmal entfesselter neuer Erreger
wir doch eine Chance haben, eine po- sie unter bis zu einer Millionen Men- in zwei oder drei Wellen über den Glo-
tenzielle Pandemie im Keim zu ersti- schen zu verteilen. bus rast. Für eine Umrundung würde er
cken: mit bis zu 30 Millionen Dosen wohl mehrere Monate brauchen und vor
antiviraler Medikamente und zusätzlich Zwei oder drei Wellen Ort jeweils sechs bis acht Wochen wü-
einem wenigstens partiell schützenden werden über den Globus rasen ten. Zwischen den einzelnen Wellen
Impfstoff. Die übrigen Bedingungen Genießt die Bevölkerung bereits einen herrscht typischerweise wenige Monate
müssten allerdings nahezu ideal sein. gewissen partiellen Immunschutz, so Ruhe: Schlägt die erste im Frühling zu,
Neil M. Ferguson vom Imperial College stünde etwas mehr Zeit zur Verfügung. so tritt die nächste eventuell im Spät-
in London modellierte die Verbreitung Ira M. Longini junior von der Emory- sommer oder Frühherbst auf. Weil ein
in einer 85-Millionen-Bevölkerung, ba- Universität in Atlanta kommt mit seinen maßgeschneiderter Impfstoff frühestens
sierend auf den demografischen und Modellierungen einer kleineren Gruppe in vier Monaten in nennenswerten Men-
geografischen Verhältnissen von Thai- mit thailändischer Demografie zu einem gen zur Verfügung stünde, bereitet den
land. Demnach hätte das Gesundheits- ähnlichen Ergebnis wie Ferguson. Er Planern die erste Welle am meisten
personal nach der ersten Übertragung spielte aber auch Szenarien mit Vorimp- Kopfzerbrechen (siehe Kasten auf S. 78).

Neue Impfstofftechnologien
Wissenschaftler testen Methoden, die mit weniger Impfmaterial beiten auch an Techniken, um den Prozess der Impfstoffher-
auskommen, um mehr Menschen versorgen zu können. Sie ar- stellung zu beschleunigen.
Technik Vorteile Stand der Entwicklung Firma
Intradermale Den Impfstoff in die Haut zu injizieren statt in Klinische Versuche sind viel verspre- Iomai,
Injektoren den Muskel, könnte die Dosis pro Injektion chend, doch wenige Ärzte sind mit dem GlaxoSmithKline
auf ein Fünftel senken Verfahren vertraut
Adjuvantien Chemische Zusätze verstärken die Immunant- Erst ein Impfstoff ist in Europa zugelas- Iomai, Chiron,
wort, sodass pro Injektion weniger Virusprote- sen, andere sind in Entwicklung GlaxoSmithKline
in benötigt wird
Impfstoff aus Vermehrung des Virus in Zellkultur statt im Chiron führt eine groß angelegte Chiron, Baxter,
Zellkulturen Hühnerei würde die Produktion beschleunigen klinische Studie in Europa durch, Sanofi- Sanofi Pasteur,
Pasteur und Crucell entwickeln die Crucell, Protein
Technik für die USA Sciences
DNA-Impfstoffe Mit viraler DNA ummantelte Goldpartikel Kein DNA-Impfstoff hat sich bisher als PowderMed,
könnten mit Druckluft in die Haut injiziert wirkungsvoll im Menschen erwiesen. Vical
werden. Impfstoffe gegen einen neuen Stamm PowderMed erwartet Ergebnisse aus
ließen sich so innerhalb von Wochen produzie- einer Studie mit H5N1 Ende 2006
ren und Jahre ohne Kühlung aufbewahren
Universal- Ein Impfstoff gegen ein virales Protein, das Acambis startete mit der Entwicklung Acambis
Impfstoff selten mutiert, wirkt vielleicht gegen jeden eines Impfstoffs gegen das M2e-
Influenzastamm. Vorhandene Vorräte ließen Antigen im Sommer 2005
sich im Pandemiefall nutzen

SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006 77
INFLUENZA z
Hat eine Pandemie erst einmal ihren
Siegeszug um den Globus angetreten,
Fieberhotlines und -kliniken einzurich-
ten. Stattdessen empfehlen sie Gesichts-
das Robert Koch-Institut dabei folgende
Szenarien: Wenn der Erreger so neuar-
dürften die Gegenmaßnahmen lokal sehr masken für Erkrankte und deren Pflege- tig ist, dass keine Immunität in der Be-
unterschiedlich ausfallen. Die Entschei- personal. Für Gesunde biete Händewa- völkerung besteht, dürfte sich jeder
dungen werden ebenso auf politischen schen einen wirksameren Schutz als Zweite anstecken, und von dieser Grup-
Schwerpunkten basieren wie auf der Be- Gesichtsmasken in der Öffentlichkeit. pe würden bei einem milden Verlauf 15
wertung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Anstecken könnten sie sich nämlich Prozent erkranken. Ohne Therapie und
Nicht zuletzt bestimmen die Ressourcen ebenso gut zu Hause und bei der Arbeit, Prophylaxe ist dann in Deutschland mit
eines Landes, wie es der Pandemie be- auch durch das Berühren kontaminierter 6 Millionen zusätzlichen Arztbesuchen
gegnet. Nur reichen Ländern wird es Oberflächen inklusive der Gesichtsmas- zu rechnen, mit 180 000 Krankenhaus-
möglich sein, einen Grundstock antivi- ke, die sie eigentlich schützen sollte. einweisungen und 48 000 influenzabe-
raler Medikamente zur kurzfristigen Vor- dingten Todesfällen. Bei einer sehr ho-
beugung sowie zur Therapie im akuten Hundert Millionen Opfer? hen Virulenz, sprich Gefährlichkeit, sind
Fall zu bevorraten. Verbote öffentlicher Versammlungen 50 Prozent erkrankte Infizierte, 21 Milli-
Den meisten Ländern wird jedoch oder des Massenverkehrs seien vom Ver- onen zusätzliche Arztbesuche und bis zu
gar nichts anderes übrig bleiben, als sich lauf der Pandemie abhängig zu machen. 160 000 Tote möglich. Eine rechtzeitige
erst einmal auf das zu verlassen, was die Wenn wie beispielsweise im Jahr 1957 Behandlung mit Medikamenten könnte
WHO nichtpharmazeutische Interven- und 1968 Kinder durch das Virus beson- wohl die Hälfte davon retten. Zum Ver-
tionen nennt. Deren Effizienz ist noch ders gefährdet oder auch nur eine wichti- gleich: Der jährlichen Grippe erliegen
nicht eingehend untersucht. Bei welchen ge Quelle der Verbreitung wären, könn- durchschnittlich etwa 10 000 Bundes-
in Frage kommenden Maßnahmen kann ten Maßnahmen wie die Schließung von bürger. Als Grundlage für Planungen
man sich aber wenigstens auf medizini- Schulen durchaus sinnvoll sein. dient eine mittlere Virulenz mit 30 Pro-
sche Evidenzen stützen? Die WHO hat- Wenn wirklich zwei Milliarden Men- zent erkrankten Infizierten.
te dazu bereits im März 2004 Grippespe- schen erkranken, werden 10 Millionen Die Ärzte und Schwestern, die an
zialisten einberufen, die versuchen soll- sterben? Oder gar 100 Millionen? Welt- vorderster Front kämpfen, interessiert
ten, die geeigneten Interventionen zu weit versuchen Gesundheitsexperten, die vor allem, wie viele Patienten mit wel-
bestimmen. Reisende etwa beim Betre- Zahl der Opfer einer künftigen Pande- chen Beschwerden zu versorgen sind.
ten eines Landes auf Grippesymptome mie abzuschätzen. Voraussagen sind des- Das hingegen dürfte sowohl von den Ei-
zu untersuchen, bringt »keinen erwiese- halb so problematisch, weil niemand genschaften des Virus als auch von der
nen Vorteil für die Gesundheit«, schloss jetzt schon weiß, ob die nächste Pande- Empfindlichkeit verschiedener Personen-
die Gruppe. Sie räumte ein, dass einige mie so mild ausfallen wird wie die von gruppen abhängen. Eine milde Pande-
Länder trotzdem zu diesem Mittel grei- 1968, von der mancher Grippeforscher mie beispielsweise könnte einer saisona-
fen dürften, allein um ihre Bevölkerung etwas respektlos als »Kümmerling« redet. len Grippe ähneln – jedoch mit einer
zu beruhigen. Genauso gut kann sie sich als eiskalter viel höheren Zahl Infizierter.
Auch ein Fieber-Screening an Flug- Killer wie die große Influenza von 1918 In der Regel trifft die jährliche Grip-
häfen, das einige asiatische Länder bei entpuppen. pe am stärksten Personen, die an schwe-
der Sars-Epidemie praktizierten, beur- Bislang bleibt nur eine grobe Dau- ren chronischen Erkrankungen leiden.
teilten sie skeptisch, ebenso Vorschläge, menpeilung. Für Deutschland entwirft Besonders gefährdet sind auch Kleinkin-

Ausbreitung einer Influenzapandemie in den USA


Eine Simulation von Forschern des Na-
IRA LONGINI (MODELS OF INFECTIOUS DISEASE AGENT STUDY, NATIONAL INSTITUT OF GENERAL SCIENCES)
LOS ALAMOS NATIONAL LAB., TIMOTHY GERMANN, KAI KADAU & CATHERINE MACKEN; EMORY UNIVERSITY,

tionallabors in Los Alamos und der


Emory-Universität in Atlanta veran-
schaulicht, wie sich eine erste pande-
mische Welle in den USA ausbreiten
würde, wenn weder Impfstoffe noch
Medikamente zur Verfügung stünden.
Tag 15 Tag 30
Bei 40 Infizierten am ersten Tag wäre
der Höhepunkt innerhalb von 60 Tagen
erreicht und die Welle nach vier Mo-
naten abgeklungen. Ein Drittel der US-
Bevölkerung würde dabei an Influenza
erkranken. Simulationen mit weiteren
Bedingungen helfen, die besten Maß-
nahmen zum Eindämmen einer Pan- Tag 45 Tag 60
demie zu ermitteln.

ø 0,3 œ 30
Anzahl Erkrankter pro 1000 Einwohner

78 SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006
der, Ältere und Menschen mit einem ge-
schwächten Immunsystem. Die Haupt-
todesursache bei Grippe ist Lungenent-
zündung. Diese kann durch das Virus
selbst, häufig aber auch sekundär durch
Bakterien verursacht werden, welche die
geschwächte Abwehr überrennen. For-
scher der niederländischen Gesundheits-
behörde haben anhand von Modellie-
rungen einer Pandemie mit ähnlichen
Eigenschaften gezeigt, dass sich Kran-
kenhausaufenthalte um rund ein Drittel
verringern ließen, wenn die üblichen Ri-
sikogruppen im Vorfeld gegen bakteriel-
le Lungenentzündung geimpft würden.
Im Gegensatz dazu wütete der Killer-
stamm von 1918 am heftigsten in der
Gruppe der ansonsten gesunden 20- bis
40-Jährigen, teils gerade weil ihr Immun-
system so kräftig war. Wissenschaftler ha- kämpfen. Aber viele H5N1-Patienten sisches Mädchen wurde geheilt, obwohl
ben herausgefunden, dass dieser Stamm kamen zu spät, so konnten die Ärzte mit sich in ihrem Blut genetische Varianten
zum einen eine frühe Immunantwort un- den Mitteln nicht mehr viel ausrichten. befanden, die sich nachträglich im Rea-
terdrückt. Zu ihr gehört die Freisetzung Die Variante des Stamms, welche die genzglastest als resistent gegen Tamiflu
von Interferon: Die Substanz hilft Zellen, meisten menschlichen Opfer gefordert erwiesen. Die Experimente ergaben aller-
sich viralen Angriffen zu widersetzen. hat, erwies sich als resistent gegen eine dings, dass der Erreger sich seine Resis-
Zum anderen aber provoziert das Virus Klasse älterer antiviraler Wirkstoffe, den tenz mit einer geringeren Vermehrungs-
eine extreme Überreaktion der Immun- Amantadinen. Möglicherweise sind sol- rate erkauft hatte. Der Fall zeigt, wie
zellen, die massenhaft Cytokine abgeben. che Resistenzen entstanden, weil diese wichtig eine sorgfältige Diagnose für die
Diese Botenstoffe des Immunsystems Arzneistoffe in Teilen Asiens in der Verschreibung des Medikaments ist. Die
veranlassen Abwehrzellen zu einem ge- Geflügelzucht verwendet wurden. H5N1 Ärzte hatten dem Mädchen zunächst
waltigen Sturmangriff auf das Lungen- spricht im Laborexperiment immer eine niedrigere Dosis zur Vorbeugung
gewebe. noch auf neuere antivirale Medikamente verschrieben – zu einem Zeitpunkt, als
Nichts an H5N1 in seiner gegenwär- an, die so genannten Neuraminidase- es bereits deutliche Symptome einer Er-
tigen Form lässt hoffen, dass wir bei ei- hemmer. Derzeit sind mit Oseltamivir krankung zeigte. Wie man weiß, bietet
ner Pandemie glimpflich davonkommen. (Handelsname Tamiflu) und Zanamivir eine zu geringe Dosierung den Erregern
Das meint zumindest Frederick G. Hay- (Relenza) zwei Produkte auf dem Markt. gute Chancen, resistent zu werden.
den, Virologe an der Universität von Vir- Tamiflu wird als Pille geschluckt, Relen-
ginia in Charlottesville, der die WHO za hingegen als Pulver inhaliert. Um ge- Zu geringe Mindestvorräte
bei der Behandlung von Opfern der Vo- gen eine saisonale Grippe zu wirken, an Medikamenten
gelgrippe berät. »Wenn das Virus seine muss die Therapie spätestens 48 Stunden Die wachsende Sorge vor einer Pande-
Pathogenität nicht dramatisch verän- nach den ersten Symptomen einsetzen. mie hat die Nachfrage nach Tamiflu
dert«, versichert er, »werden wir es mit Formal sind beide Wirkstoffe gegen sprunghaft steigen lassen. Daher will das
einem hochgefährlichen Stamm zu tun eine H5N1-Infektion bis jetzt ledig- Pharmaunternehmen Roche die Jahres-
haben.« Viele H5N1-Opfer litten an ei- lich im Tierversuch erprobt worden. Wie produktion bis zum Jahr 2007 auf 300
ner akuten Lungenentzündung, die das Robert G. Webster vom St. Jude Chil- Millionen Behandlungseinheiten hoch-
Virus selber tief in den unteren Lappen dren’s Research Hospital in Memphis fahren – zehnmal so viel wie noch An-
des Organs verursacht hat. In einigen (Tennessee) im Juli 2005 berichtete, reich- fang 2004. Dies würde im Ernstfall ge-
Fällen wiesen Bluttests auf eine außerge- te eine normale therapeutische Tamiflu- rade mal für 5 Prozent der Weltbevölke-
wöhnliche Cytokin-Aktivität hin. Zu- Dosis aus, um infizierte Mäuse schließ- rung ausreichen. Mittelfristig könnten
dem kann das Virus auch andere Kör- lich von dem Virus zu befreien. Die weitere Firmen einspringen, die den
perbereiche befallen. Bei einigen Patien- Menge an Wirkstoff – beim Menschen Wirkstoff in Lizenz produzieren. Roche
ten vermehrte es sich offensichtlich im zwei Tabletten täglich – wurde dabei na- führt derzeit Verhandlungen mit zahlrei-
Darm und rief dort schweren Durchfall türlich an das Körpergewicht der Tiere chen Unternehmen. Der WHO hat der
hervor. Bei zwei vietnamesischen Kin- angepasst. Doch waren zur Behandlung Konzern 3 Millionen Behandlungsein-
dern hat der Erreger möglicherweise das acht statt der sonst fünf Tage wie bei ei- heiten zugesagt, als Ersthilfe.
Gehirn infiziert. Die beiden starben an ner herkömmlichen Grippe nötig. Für Deutschland empfiehlt das RKI,
einer Enzephalitis ohne jegliches Anzei- Nach den ersten Erfahrungen wirkt zunächst einen Mindestvorrat anzulegen.
chen einer Atemwegserkrankung. Tamiflu auch bei H5N1-Infektionen im Vorrang hat auch hier das medizinische
Antivirale Medikamente eignen sich Menschen, vorausgesetzt die Therapie Personal, Beschäftigte im Bereich der öf-
am besten, um das Virus direkt zu be- setzt rechtzeitig ein. Auch ein vietname- fentlichen Sicherheit und Ordnung und

SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006 79
INFLUENZA z
Neue Wirkstoffe gegen Influenza
Gängige Medikamente richten sich gegen Oberflächenproteine des Virus. Die Klasse der Amantadine setzt am Molekül M2 an,
während Zanamivir und Oseltamivir die Neuraminidase hemmen. In der Entwicklung sind verbesserte Neuraminidasehemmer.
Neue Ansätze zielen darauf, dem Virus den Eintritt in die Zelle zu verwehren oder seine weitere Vermehrung zu unterbinden.

Ansatz Wirkstoff Vorteil Stand der


(Hersteller) Entwicklung
Hemmung der Neura- Peramivir (Bio- Neuraminidase-Inhibitoren haben geringere Nach klinischen Versuchen
minidase; das Virus Cryst Phar- Nebenwirkungen und provozieren seltener erreicht eingenommenes Pera-
benutzt das Enzym, um maceuticals); virale Resistenzen als die älteren Amantadi- mivir die Lungen nur schlecht,
sich von einer Zelle zu CS-8958 ne. CS-8958 ist eine Formulierung, die bis zu klinische Studien einer intravenö-
lösen und zur nächsten (Biota / Sankyo) einer Woche in der Lunge wirksam bleibt sen Formulierung werden 2006
vorzuarbeiten erwartet; Studien zur Sicherheit
sind für CS-8958 abgeschlossen
Hemmung der Bindung Fludase (NexBio) Der Wirkstoff blockiert den Sialinsäure- klinische Studien für 2006
des Virus an die Zelle Rezeptor, mit dem das Virus an der Zelle geplant
andockt; Fludase sollte gegen alle Grippe-
stämme gleich wirksam sein
Stimulierung der G00101 Verwendet DNA, um einen speziellen klinische Versuche in den nächs-
RNA-Interferenz (Galenea); Verteidigungsmechanismus in der Zelle zu ten 18 Monaten erwartet
noch ohne aktivieren; kennzeichnet virale Nukleinsäuren
Namen (Alnylam als zu zerstörendes Ziel. G001498 hat sich
Pharmaceuticals) im Tierversuch als wirkungsvoll gegen H5-
und H7-Vogelgrippeviren erwiesen
Antisense-DNA Neugene (AVI Synthetische DNA-Stränge binden sich an Tierversuche sind für 2006
zur Blockade viraler BioPharma) virale RNA, die normalerweise der Wirtszelle geplant
Gene den Befehl erteilt, das Virus zu vervielfälti-
gen. Diese Strategie sollte gegen die meis-
ten Stämme wirksam sein

besondere Risikogruppen – insgesamt chen oder aber als Prophylaxe einen ein-
mindestens 17 Millionen Menschen. Die wöchigen Schutz bieten. Dieser und an- W. Wayt Gibbs (oben) ist Jour-
nalist, Christine Soares Re-
derzeitigen Vorräte in den einzelnen dere Wirkstoffe müssen alle erst noch dakteurin bei Scientific Ame-
Bundesländern decken gerade einmal die klinischen Prüfungen bestehen, be- rican. Achim G. Schneider
den Bedarf für etwa die Hälfte – bei vor wir auf sie zählen können (siehe (unten) ist promovierter Biologe
Weitem zu wenig für eine therapeutische Kasten oben). Wissenschaftler arbeiten und freier Mitarbeiter bei Spek-

A U T O R E N U N D L I T E R AT U R H I N W E I S E
trum der Wissenschaft.
Versorgung aller. zudem daran, die Immunantwort gegen
An eine Prophylaxe ist unter diesen das Virus positiv zu beeinflussen. Je Die siegreiche Strategie des
Umständen gar nicht zu denken. Bern- mehr Optionen, desto besser können Grippevirus. Von E. J. Walker
und R. G. Webster in: Spektrum
hard R. Ruf, Chefarzt am Städtischen wir einer gefährlichen Pandemie die der Wissenschaft, S. 48, August
Klinikum St. Georg in Leipzig, der an Stirn bieten. 2003
dem Pandemieplan mitgewirkt hat, mo- Nie zuvor war die Welt in der Lage,
Entwaffnung von Grippeviren. Von W. G. Laver
niert Versäumnisse. »Die einzelnen Bun- eine Grippepandemie am Horizont auf- et al. in: Spektrum der Wissenschaft, S. 70, März
desländer sollten jetzt alles daransetzen, tauchen zu sehen und die Evolution ei- 1999
Medikamente in ausreichender Menge nes potenziell pandemischen Virus wis-
Race is on for flu vaccine. Von Meredith Wadman
zu bevorraten.« senschaftlich zu verfolgen. Noch nie zu- in: Nature, Bd. 438, Heft 7064, S. 23, 3. Novem-
Hayden hofft, dass mit Peramivir in vor hatte sie so viele mögliche Mittel ber 2005
absehbarer Zeit noch ein dritter Wirk- und Wege in der Hinterhand, um im
The Great Influenza. Überarbeitete Auflage. Von
stoff zur Verfügung steht, bevor eine Ernstfall den Schaden gering zu halten. J. M. Barry. Penguin Books, 2005
neue Pandemie zuschlägt. Das Mittel Selbst wenn das gefürchtete H5N1 nie-
John R. LaMontagne Memorial Symposium on
soll für die intravenöse Behandlung bei mals zu einer Variante mutiert, die leicht
Pandemic Influenza Research: Meeting Proceed-
hospitalisierten Grippepatienten zuge- von Mensch zu Mensch springt, ist doch ings. Institute of Medicine. National Academic
lassen werden. Dieser Neuraminidase- eines gewiss: Irgendeines der so wand- Press, 2005
hemmer zeichnet sich durch eine lange lungsfähigen Influenzaviren wird es ein- Weblinks zu diesem Thema finden Sie bei www.
Verweildauer im Körper aus. Eine ein- mal schaffen und eine Pandemie auslö- spektrum.de unter »Inhaltsverzeichnis«.
malige Dosis würde zur Therapie ausrei- sen. Besser, sie trifft uns vorbereitet.

80 SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006
WISSENSCHAFT IM RÜCKBLICK
stoppt. Der Radarschirm ist Kohle schaufeln mit Riesenbagger

WISSENSCHAFT IM RÜCKBLICK
mehrere Zentimeter hoch
und in der ganzen Breite des »Im rheinischen Braunkohlenbergbau wurde nach 1½ jähriger
Wagens vor dem Kühler an- Montage ein Schaufelradbagger von bisher ungewohnten Aus-
gebracht. Er strahlt einen Im- maßen in Betrieb genommen. Der Durchmesser des Schaufel-
puls aus. Ein ähnlicher Schirm rades beträgt 16 m. Auf seinem Umfang sitzen 12 becherför-
ist für das Rückwärtsfahren mige Schaufeln mit auswechselbaren Zähnen und einem Fas-
Radar-Autobremse am Heck befestigt. Je schnel- sungsvermögen von je 3,6 m3 … Bei einer durchschnittlichen
»Es wird in Zukunft keine ler der Wagen nun fährt, des- Förderleistung von 100 000 m3/Tag bewältigt der Mammut-
Autozusammenstösse mehr to weiter wirkt der Radar- bagger Massen, zu deren Beförderung sonst 20 000 Arbeiter
geben, weil die Radar-Au- strahl.« Neuheiten und Erfindungen, täglich notwendig wären … Bagger und Verladeanlage werden
tobremse bei allen Hindernis- 23. Jg., Nr. 256, S. 14, Januar/Feb- von nur 5 bis 6 Mann (einschließlich der Maschinenwärter) be-
sen den Wagen automatisch ruar 1956 dient.« Umschau, 56. Jg., Nr. 2, S. 59, Januar 1956

Vaterschaft nach Augenschein


»Dr. H. Fleischhacker vom Universitäts-Institut für Vererbungs-
wissenschaft, Frankfurt a. M., hat kürzlich darauf hingewiesen,
daß in der Praxis der erbbiologischen Vaterschaftsgutachten
nicht nur Altersveränderungen des Haares berücksichtigt wer-
den müssen, sondern auch diejenigen der Augenfarbe. Bei neu-
eren Untersuchungen von Erna Böshaar hat es sich herausge-
stellt, daß ein großer Teil heller Augen nachdunkelt (etwa 38
%). Man hat die Augenfarbe von Erwachsenen, die 1936 als
Schulkinder untersucht worden waren, im Vorjahre erneut nach-
geprüft. Augen, die 1936 eindeutig als hellblau deklariert wur-
den, sind inzwischen dunkelblau, grau, graublau, grünlich oder
hell-mischfarbig geworden.« Kosmos, 52. Jg., Nr. 1, S. 9, Januar 1956 o Das riesige Schaufelrad bewältigt so viel Masse wie 20 000 Arbeiter.

Mit missgebildetem Ohr zum Musikgenie Per Auto zum Südpol


»Schon dem Laien wird die sonderbare Gestalt von Mozart’s »Einen kühnen, eigenartigen
Ohr auffallen. Die äusserste Begrenzung des Ohres, der Ohr- Plan hat der belgische For-
rand (bc), der für gewöhnlich in einer schön geschwungenen schungsreisende Henrik Arc-
Bogenlinie verläuft, deren auf- und absteigender Teil ein un- towski gefasst. Er plant eine
trennbares Ganze bildet, ist nämlich bei Mozart’s Ohr mehrfach Reise im Motorwagen nach
stumpfwinklig geknickt. Von all den charakteristischen Leisten dem Südpol. Sein Wagen soll schwungene Laufschiene er-
(A, A2, AT) in der Ohrmuschel ist bei ihm fast nichts vorhan- Räder haben, die etwa einen halten … Gleichviel, wie diese
den. Die hohle Ohrmuschel stellt nur eine glatte, fast gar nicht Fuss breit sind und mit Leder neue Südpol-Automobilexpe-
weiter modellierte Ebene dar, die der Muschel ein dürftiges, beschient und mit weit her- dition auslaufen mag, in je-
charakterloses Aussehen gibt ... Eine eigentümliche Ironie des vorstehenden Nägeln beschla- dem Falle darf man von ihr
Schicksals hat dem Manne, dessen innerliches Ohr sozusagen gen werden, damit sie in dem eine reiche Ausbeute in geo-
die höchste menschliche Entwickelung erreicht hat, ein zurück- hartgefrorenen Schnee Halt graphisch-astronomischer und
gebliebenes und missgebildetes äusseres Ohr gegeben.« Umschau, haben. Aehnlich, wie bei den physikalischer Hinsicht erwar-
10. Jg., Nr. 5, S. 97, Januar 1906 Schlitten in Kanada, soll der ten.« Allgemeine Automobil-Zeitung,
Wagen unten eine Art ge- 7. Jg., Nr. 1, S. 63, Januar 1906

Quecksilbersalbe gegen Syphilis


»Einem großen Erfolg der Heilwissenschaft scheinen die Arbei-
ten der Prof. Roux und Metschnikoff zuzustreben. Ihre Versuche
an Affen zur Präservation der Lustseuche bestätigen immer
mehr, daß die Anwendung von Quecksilbersalben vor Anste-
ckung schützt. Der von Schaudinn entdeckte Virus der Syphilis
wurde wiederholt Schimpansen eingeimpft und die Wundstelle
nachher mit Kalomelsalbe (Quecksilberchlorür 10, Lanolin 20)
eingerieben; die Tiere erkrankten nicht … Da die äußerliche
Anwendung … ganz ungefährlich zu sein scheint, dürfte die
Salbe in allen Fällen, wo nur ein Zweifel möglich ist, … zu emp-
fehlen sein.« Beilage zur Allgemeinen Zeitung, Nr. 13, S. 104, Januar 1906

SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006 81
JUNGE WISSENSCHAFT

Wollen Sie Ihren Schülern einen An-

Ein Putzroboter reiz zu intensiver Beschäftigung mit


der Wissenschaft geben? »Wissen-
schaft in die Schulen!« bietet teilneh-

für die Mama menden Klassen einen Klassensatz


»Spektrum der Wissenschaft« oder
»Sterne und Weltraum« kostenlos
Schon Sechst- und Siebtklässler können sich für die Technik des All- für ein Jahr, dazu didaktisches Mate-
tags begeistern, wie die rege Beteiligung an dem Schülerwettbewerb rial und weitere Anregungen.
www.wissenschaft-schulen.de
»Faszination Technik« zeigt.

Von Stephanie Hügler Ziel des Wettbewerbs ist es, Kinder aus Mülheim-Kärlich einen 3. Preis für
bereits im frühen Alter für Wissenschaft ihre beiden ungewöhnlichen Elektro-

P ass auf, dass du nicht drauftrittst!«


Die Ermahnung einer Mutter an ih-
ren Sprössling müssen sich die Erwach-
und Technik zu begeistern. Gunter
Schaumann, emeritierter Professor an
der Fachhochschule Bingen und Landes-
schalter: Ein Löffel, der wie eine Wippe
auf einem Holzbrett befestigt ist, wird
auf der einen Seite mit einem Päckchen
senen ebenfalls zu Herzen nehmen. Nur vertreter des VDI in Rheinland-Pfalz, Nägel beschwert, sodass sich der Stiel
zu leicht könnte man eines der liebevoll hat den Wettbewerb ins Leben gerufen. hebt und den Stromkreis schließt. Beim
gebauten und bemalten Objekte – Flug- Träger sind der VDI und das rheinland- anderen Schalter hebt Wasser, das in ein
zeuge, Spaceshuttles, Schiffe, Autos, pfälzische Ministerium für Bildung, Glas geschüttet wird, ein Stück Styropor;
Windräder, komplette Urlaubslandschaf- Frauen und Jugend. Insgesamt 300 eine daran befestigte Metallstange
ten – zerstören. Schülerinnen und Schüler haben in die- schließt den Stromkreis.
Der ganze Raum ist erfüllt von Kin- sem Jahr mitgemacht, etwas weniger als
dergeschnatter. Die einen lachen, die an- im Vorjahr. Dafür sind auffällig viele Entsalzungsanlage mit Esbit
deren kabbeln sich, gespannte Aufregung Modelle eingegangen gegenüber den Nur die krakelige Kinderschrift auf dem
herrscht unter den Sechst- und Siebt- ebenfalls angenommenen Zeichnungen Erläuterungsblatt lässt erkennen, dass
klässlern. Alle Teilnehmer des rheinland- und Textbeiträgen. Für den VDI ist dies Phillip Bungert aus Gusenburg erst zwölf
pfälzischen Schülerwettbewerbs »Faszi- ein gutes Zeichen: Offenbar können sich Jahre alt ist: Seine Meerwasserent-
nation Technik« sind zur Preisverleihung bereits Elf- bis Dreizehnjährige für hand- salzungsanlage im Miniaturformat, die
im Technik Museum Speyer gekommen, werkliche und technische Arbeiten er- ebenfalls einen 3. Preis errang, wirkt
mit ihren Eltern, ihren Lehrern, teilweise wärmen. ziemlich ausgereift. Das Salzwasser wird
offenbar mit der ganzen Schulklasse. Unter Anleitung der Lehrer haben in ein horizontales Kupferrohr gefüllt
»Das ist ja gerade der Trick«, verrät Gerd die Kinder in ihren Klassen eifrig gebas- und von unten mit Esbit beheizt. Das
Weyrauther, Leiter der hessisch-rhein- telt. Dabei haben sie so viele kreative Wasser verdampft, kondensiert an Ble-
land-pfälzischen Geschäftsstelle des Ver- Ideen in die Tat umgesetzt, dass die Ju- chen, die beiderseits an den Rohrenden
eins Deutscher Ingenieure (VDI). »Wenn roren manche Preise mehrfach vergaben. angebracht sind, und tropft in darunter
die schon wissen, wer ausgewählt ist, So erhielten die beiden Elfjährigen aufgestellte Getränkebecher; das Salz
kommen die anderen nicht mehr.« Tim Lamneck und Christian Matthei bleibt im Rohr zurück.
Etwa 70 Prozent der Teilnehmer
sind Mädchen. Sie stellen immerhin elf
Robin Arnoldi (links) aus der insgesamt neunzehn Preisträger, sehr
Veldenz und Andreas zur Freude von Bildungsministerin Do-
Hoffmann aus Bernkastel- ris Ahnen. Auch unter den Trägern des
Kues erhielten für ihren 2. Preises sind drei Mädchen: Muriel
Laufroboter den 1. Preis. Müller aus Flacht und Lisa Bühler aus
FOTOS DIESER DOPPELSEITE: STEFAN OLDENBURG

Holzheim mit dem funktionsfähigen


Modell einer oberschlächtigen (von
oben angetriebenen) Wassermühle sowie
Isabell Rausch aus Beuren mit ihrem
druckluftgetriebenen Dreirad (Bild oben
rechts): Der Luftstrahl aus einem aufge-
blasenen Luftballon wird durch ein
Rohr auf das als Schaufelrad ausgebilde-
te Vorderrad gelenkt. Isabells Mitschüler

92 SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006
»Vielleicht Archäologin«
Die 11-jährige Antonia Porz aus Nackenheim hat das Prinzip der
elektrischen Klingel mit einer Nagelfeile, einer Büroklammer
und einer Coladose realisiert: Ein Elektromagnet zieht die Nagel-
feile an und unterbricht dadurch seinen eigenen Stromkreis. Die
Nagelfeile schwingt zurück, schlägt auf die Coladose, schließt
dadurch den Stromkreis wieder und so weiter. Indem sie in ra-
scher Folge gegen die Dose klackert, entsteht ein Summton.
Nach der Preisverleihung antwortet Antonia mit ihrer kecken
blauen Stoffmütze ein bisschen schüchtern, aber durchaus auf-
Der dreirädrige Wagen mit Luftbal-
o lonantrieb von Isabell Rausch wur-
geweckt auf meine Fragen. Sie macht zum ersten Mal mit. Ei-
gentlich wollte sie zuerst eine Brücke bauen, berichtet sie et-
de mit einem 2. Preis ausgezeichnet.
was verschämt, doch die Zeit habe nicht mehr gereicht, und so
habe sie sich für den Summer entschieden. Ob sie sich vorstel-
len kann, als Wissenschaftlerin oder Ingenieurin ihre Bastelfä-
higkeiten einmal zum Beruf zu machen? Da ist sich Antonia
Florian Zillessen erhielt für sein Flug- nicht sicher. Aber vielleicht möchte sie einmal Archäologin wer-
zeugmodell mit Solarantrieb ebenfalls den. Auf die Frage, ob ihre Eltern oder sie selbst stolz auf ihren
einen 2. Preis. 3. Preis sind, zuckt sie verlegen mit den Achseln; nur ihre wa-
Den Vogel schossen Andreas Hoff- chen, blitzenden Augen geben eine klare Auskunft.
mann (11) und Robin Arnoldi (12) ab:
Aus schwarz-roten Fischertechnikteilen
und einem Elektromotor hatten die bei-
den einen Laufroboter konstruiert, der Weil im täglichen Leben jeder sehe, wie Jocelyne Landeau-Constantin, Che-
immerhin drei Schritte vor und wieder viele Arbeiten er nicht gerne erledige. Da fin der Kommunikationsabteilung beim
zurück gehen kann. Das war der Jury aus sei es nur logisch, dass man sich dafür ei- Darmstädter Kontrollzentrum der Euro-
Lehrern und Mitgliedern des VDI den nen Roboter wünsche. päischen Raumfahrt-Agentur Esa, stößt
1. Preis wert. Die beiden Jungen, die auf Dasselbe hat sich offenbar auch Sa- in das gleiche Horn: »Ich habe zwei Söh-
dem Gruppenbild noch sehr lebhaft und rah Steinbach aus Perl gedacht. Ihr preis- ne in diesem Alter, die regelmäßig mein
keck aussehen, sind beim Interview ein gekröntes Bild »zeigt, was eine Mutter al- Wohnzimmer mit solchen Modellen be-
bisschen verlegen. Ihr Lehrer hat ihnen les machen muss. Hier sieht man, wie pflastern«, erzählt sie mit einem Augen-
die Teilnahme am Wettbewerb vorge- die Kinder sich deshalb beschweren, und zwinkern. »Zunächst ärgere ich mich im-
schlagen, und sie sind zum ersten Mal hier helfen die Roboter, damit die Mut- mer ein bisschen, aber dann freue ich
dabei. Wie sie auf die Idee mit dem Ro- ter mehr Zeit hat«, erläutert die kleine mich, denn ich denke mir: Vielleicht
boter gekommen sind? Das wissen sie Künstlerin ihre Darstellung. sind das die Ingenieure von morgen.«
nicht genau, doch Robins Vater mischt Genau auf die Begeisterung fürs
sich ein: »Du wolltest doch immer einen Praktische kommt es der Ministerin und
Putzroboter für die Mama bauen.« den Juroren an. Keiner erwarte von den Stephanie Hügler arbeitet als

AUTORIN
freie Wissenschaftsjournalistin
Das ist für die Bildungsministerin Kleinen bedeutende wissenschaftliche in Heidelberg.
ein gutes Beispiel für die Motivation der Leistungen. Doch wenn der Funke der
Weblinks zu diesem Thema fin-
kleinen Ingenieure. Warum wohl so viele Begeisterung für Wissenschaft und Tech-
den Sie bei www.spektrum.de
Beiträge rund um die maschinellen nik spürbar werde, dann hätten die Or- unter »Inhaltsverzeichnis«.
Heinzelmännchen eingegangen seien? ganisatoren ihr Ziel erreicht.

Der Schülerwettbewerb »Faszination Technik«

rd
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Ziel des Wettbewerbs ist es, junge Tüftler schon früh für Technik Preise für den diesjährigen rheinland-pfälzischen Wettbewerb ha-
zu begeistern, ihre Fantasie anzuregen und sie zu ungewöhnli- ben unter anderem die European Space Agency (Esa), das Tech-
chen Ideen zu inspirieren. Der Wettbewerb wird jedes Jahr in nik Museum Speyer sowie die Firmen Opel und Lego gestiftet,
den Bundesländern Rheinland-Pfalz (für Sechst- und Siebt- darunter einen Rundflug in einem Kleinflugzeug sowie Besuche
klässler) und
Kastentext undHessen (für Siebt- und
„Bold Condensed“ Achtklässler)
Kastentext pisim ausgeschrie-
velesequipit bei der dolore
praese Esa in consecte
Darmstadtmod und magna
beim Frankfurter
facipsuscilFlughafen. Ein
el ing ex ero
ben. Träger sind der Verband Deutscher Ingenieure
nibh eugait praestrud ercipsum nosto conse commolo (VDI) ortio
und Sonderpreis des Ministeriums ging an die erfolgreichste
eugait in vulputat aliquam nulla feugait ipsusci cilisismodio con-Schule.
das jeweilige Bildungs- beziehungsweise Kultusministerium.
odolortie del iuscilit in ulputem iusting etuero od te molore tat F
senibh hste Jahr
estincidunt ist wieder
luptate einad
dion velit Wettbewerb »Faszination
dit la facipis aliquat ali-
Einreichen
numsan können
henim die acin
quisit Schülerinnen und Schüler
veliquat dolore consecte mod. Ut Technik« geplant. Nähere Informationen für Rheinland-Pfalz
sit velit il ullaor aliquis illaore eugiate consequat. un-
r Textbeiträge: Interviews, Geschichten oder Gedichte; ter www.vdi.de/vdi/vvo/l_vertretungen/rh_pfalz/aktuell/08962/
r Bilder: Zeichnungen, Collagen, Computergrafiken, Fotos; index.php, für Hessen unter www.vdi.de/vdi/vvo/l_vertretungen/
r Werkmodelle aller Art. hessen/aktuell/08954/index.php.

SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006 83
FERNERKUNDUNG z
Diesen Artikel können
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siehe: www.spektrum.de/audio

Lawinenschutz
aus dem All?
Bei instabiler Schneedecke genügt ein Skifahrer, um eine
Katastrophe auszulösen. Satellitentechnik soll künftig helfen,
Risikozonen aufzuspüren.

Von Sergio Pistoi wärmsten Jahreszeit kann hier das Ther- nach wenigen Minuten ist er bis zum
mometer ohne Vorwarnung auf unter Kragen in der Rinne verschwunden und

E
s ist ein klarer Maimorgen auf – 40 Grad Celsius fallen. beginnt Schneeproben abzukratzen, de-
Spitzbergen. Die Temperatur In zwei Monaten werden Eis und ren Kristalle er mit einer Lupe unter-
liegt bei 12 Grad unter null. Schnee in der Umgebung der Station ge- sucht. Was er hier macht, unterscheidet
»Ein außergewöhnlich warmer schmolzen sein. Dann tritt der nur von sich nicht sehr von seiner täglichen Ar-
Tag«, urteilen die Bewohner der italieni- einer dünnen Schicht Grün bedeckte beit in den Alpen. In der Wintersaison
schen Forschungsstation »Dirigibile Ita- Permafrostboden zu Tage. Doch davon heben die Techniker der Lawinenzentren
lia« in der Ortschaft Ny Ålesund. Bes- ist jetzt nichts zu sehen: Bis zum Hori- dort jeden Tag Dutzende solcher Gräben
tens gestimmt machen sie sich bereit, die zont mit der prachtvollen Gebirgssilhou- aus, um einen Querschnitt der Schnee-
Basis zu verlassen. ette Spitzbergens erstreckt sich rundum decke zu erhalten und die verschiedenen
Ihre gute Laune ist verständlich. nichts als blendendes Weiß. Schichten in Augenschein zu nehmen.
Schließlich befinden wir uns auf dem Mauro Valt, Schnee-Experte am La-
79. Breitengrad. Von der polaren Eiskap- winenzentrum von Arraba in der Provinz Der weiße Killer
pe trennt uns nur ein Meeresarm, und Trient, hat eine Schaufel aus der Station Auf den ebenen Flächen in der Umge-
vom Nordpol sind wir weniger als eine mitgenommen und hebt damit nun in bung von Ny Ålesund drohen natürlich
halbe Flugstunde entfernt. Selbst in der der Nähe einen tiefen Graben aus. Schon keine Lawinen – eher wird man Opfer
des extremen, unberechenbaren Klimas
IN KÜRZE oder der Begegnung mit einem Eisbären.
Aber die Forscher haben hier ein einzig-


r Jedes Jahr gegen Ende des Winters, wenn der Zusammenhalt der Schneedecke artiges natürliches Labor gefunden, wo
nachlässt, verursachen Lawinen in der Alpenregion Todesfälle und Sachschäden. sie herkömmliche Verfahren wie das Aus-
r Die Lawinengefahr hängt von zahlreichen Faktoren ab. Eine große Rolle spielt heben von Gräben mit neuen Technolo-
dabei der Typ von Eiskristallen, die sich aus dem Schnee bilden, und die Art ihres gien kombinieren können – etwa der
Zusammenhalts. Analyse des Schnees per Satellit. Diese
r Der Vergleich von Satellitendaten mit Untersuchungen am Boden hat gezeigt, fortgeschrittenen Methoden wollen sie
dass das Re exionsspektrum der Schneedecke Rückschlüsse auf den Kristalltyp am Polarkreis eichen, um die Lawinen-
und Parameter wie Dichte, Feuchtigkeit und Luftgehalt erlaubt. Damit könnte prognose in den heimischen Gebirgen zu
man aus dem All Risikobereiche identifizieren und sich bei der mühsamen Aufnah- verbessern.
me von Profilen am Boden auf diese Zonen konzentrieren. Die Bilanz der Unfälle durch Schnee-
abgänge ist immer wieder erschreckend.

84 SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006
Diese spektakuläre Aufnahme einer Lo-
ckerschneelawine entstand am Mount
Foraker in Alaska.

Aus urheberrechtlichen Gründen


können wir Ihnen die Bilder leider
nicht online zeigen.

SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006 85
FERNERKUNDUNG z Monitoring der Lawinen und ihre Prä-
vention.
Alle Alpen-Anrainerstaaten verfügen
ebenso wie Kanada, die USA und Japan
über ein modernes Netz von Zentren zur

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Überwachung und Prognose der Lawi-

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nenrisiken. Deren Arbeit hat die Zahl
der Unfälle und Opfer in den letzten
zwanzig Jahren spürbar reduziert. An-
hand meteorologischer Analysen und
vor Ort erstellter Profile, die mit frühe-
Aus urheberrechtlic ren Daten verglichen werden, geben die
Schnee-Experten Berichte heraus. Ski-
nicht online zeigen. fahrer, die sich daran halten, können so
unnötige Risiken vermeiden.
Ferner erstellen die Zentren täglich
aktualisierte Karten der Gefahrenzonen,
sodass die Verantwortlichen vorbeugen-
de Maßnahmen passiver oder aktiver
Natur ergreifen können. Die passive Prä-
vention umfasst das Verbot von Bau-


eh
lic
r
maßnahmen bis hin zur Evakuierung

g
akut bedrohter Gebiete, aber auch etwa
die Errichtung permanenter Betonwän-
Schneebrettlawinen gehen ab, wenn Die Schneebrettlawinen sind weitaus de, um Straßen, Brücken und Bauwerke
o sich die Schneedecke in einem grö- gefährlicher. Hier reißen plötzlich ausge- zu schützen.
ßeren Areal vom Untergrund löst. Sie dehnte Schichten der Schneedecke ab Die Reihen von Netzen, Gittern und
sind entschieden her als Locker- und rutschen – alles niederwälzend, was windbrechenden Barrieren, die oft am
schneelawinen. Bei denen rollt Schnee ei- sich ihnen in den Weg stellt – en bloc zu Rand von Skipisten zu sehen sind, die-
nen Abhang hinab und reißt anderes Ma- Tal. Wenn die Schneedecke instabil ist, nen dagegen zur aktiven Verteidigung.
terial mit sich, erreicht aber keine hohen kann sie sich schon bei geringer Bean- Sie sollen der Ablösung von Lawinen
Geschwindigkeiten. spruchung ablösen – etwa wenn ein Ski- vorbeugen, indem sie die Schneedecke
fahrer darüber hinwegfährt. Meist reißt festhalten und unterteilen sowie die An-
sie dann den ahnungslosen Verursacher häufung von Schnee an den besonders
mit in den Tod. kritischen Stellen verhindern. In vielen
Allein in den Alpen gab es in den letzten Obwohl in der nüchternen Statistik Hochgebirgszonen rufen die Verantwort-
25 Jahren im Schnitt jeden Winter hun- die Zahl der Schneeopfer verhältnismä- lichen außerdem mit Kanonen oder
dert Lawinenopfer – fast ausnahmslos ßig gering erscheint – vor allem im Ver- Sprengstoff kleine, aber spektakuläre La-
Wanderer oder Skifahrer, die das Aben- gleich mit den Verkehrstoten –, bilden winen unter kontrollierten Bedingungen
teuer abseits der Piste suchten. Hinzu Lawinen doch seit jeher eine ernste Be- hervor. So wollen sie die Schneedecke
kommen vereinzelte dramatische Unfälle drohung für Leben und Gesundheit so- entlasten und dem spontanen Abrut-
mit Dutzenden oder Hunderten von To- wie Hab und Gut der Gebirgsbevöl- schen zuvorkommen.
ten und enormen Schäden (siehe Kasten kerung. Immer wieder verursachen sie
auf S. 90). So lösten sich am 20. Sep- erhebliche Schäden an Infrastruktur, Wie eine Sahnetorte
tember 2002 rund 20 Millionen Tonnen Kommunikationseinrichtungen und Pri- Viele Faktoren haben Einfluss auf die
Schnee von einem Gletscher in der Kau- vateigentum. In der Schweiz zum Bei- Wahrscheinlichkeit von Lawinen – vor
kasus-Republik Nordossetien und ver- spiel leben schätzungsweise 65 Prozent allem Schneefall, Temperaturschwan-
schütteten 150 Menschen – darunter der Bevölkerung in lawinengefährdeten kungen, Stärke und Richtung des Winds
den russischen Kinostar Sergej Bodrow Gebieten. sowie Steilheit und Orientierung der
jr. und einen Teil seines Teams, das einen Für vom Schnee Verschüttete ist das Hänge. Entscheidend sind aber fast im-
Film mit ihm drehen wollte. Überleben ein Wettlauf gegen die Zeit: mer die tieferen Schichten der Schnee-
Fachleute unterscheiden zwischen Schon nach fünfzehn Minuten droht der decke. Dort suchen die Lawinenforscher
Lockerschnee- und Schneebrettlawinen. Erstickungstod; nach einer Stunde wird nach Anhaltspunkten für ihre Progno-
Der erste Typus entsteht, wenn eine nur noch eine von drei Personen lebend sen. »Wie eine Sahnetorte besteht die
Schneemasse einen Hang hinabstürzt geborgen. Erfahrung, Vorsicht und be- Schneedecke aus mehr oder weniger
und auf ihrem Weg weiteren Schnee auf- stimmte Vorkehrungen wie das Tragen kompakten Schichten mit unterschied-
nimmt. Daraus resultiert eine Lawine, eines Peilsenders können manchen ret- lichen mechanischen Eigenschaften. Sie
deren Stirn immer höher wird, die aber ten, der das Abenteuer außerhalb der sind das Ergebnis vergangener Schnee-
eher langsam gleitet und dabei nur rela- Piste sucht. Doch der einzige Weg, neue fälle bei unterschiedlichen meteorologi-
tiv kurze Strecken zurücklegt. Unglücke zu vermeiden, führt über das schen Bedingungen«, erklärt Valt.

86 SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006
ä
rb
e
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Eis, Luft und Wasser in variablen

G
Forscher des Lawinenzentrums von
Anteilen bilden die Zutaten dieser Torte, u Arraba in Trient erstellen im Som-
die – wie ihr kulinarisches Vorbild – mit mer bei Ny Ålesund auf Spitzbergen

ä
te
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s
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der Zeit altert. Hinter diesem Wandel

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(ganz unten) Schneeprofile, um sie mit
stecken Veränderungen bei den Grund-

Reflexionsspektren zu vergleichen, die
bausteinen des Schnees: den Kristallen, Satelliten aus dem All aufgenommen ha-
umgangssprachlich mit dem romanti-
scheren Ausdruck »Flocken« belegt.
ben. Nach dem Aushub von sam-
meln die Wissenschaftler aus verschiede-

Auch wenn die gängige Floskel nen Tiefen Schneeproben und ermitteln
stimmt, dass keine Schneeflocke völlig mit diversen die genaue Be-
der anderen gleicht, so hat die Meteo- schaffenheit der Kristalle.

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OBEN UND MITTE RECHTS: CRISTINA VALSECCHI; MITTE LINKS UND UNTEN: SERGIO PISTOI

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SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT
Q JANUAR 2006 87
FERNERKUNDUNG z
rologische Weltorganisation doch zehn
Kristalltypen katalogisiert, die sich als
ter Durchmesser um, die binnen Kur-
zem miteinander verkitten und sehr sta- r
Verschneite Alpen im Winter sind
eine Idylle für Schneefahrer, aber
besonders nützlich für die Überwachung bile Schneeschichten bilden. nicht ohne Risiko: Jedes Jahr fordern La-
des Schnees erwiesen haben. Im Idealfall, Wenn jedoch einige Tage lang Dau- winen durchschnittlich hundert Todes-
bei niedriger Temperatur und schwa- erfrost herrscht, so entsteht ein Tem- opfer.
chem Wind, setzen sich die vertrauten peraturgradient zwischen den kälteren
sternförmigen Flocken am Boden ab. Schichten an der Oberfläche und den
Das Ergebnis ist der Traum aller Skifah- wärmeren in Bodennähe. Das tiefere Eis
rer: eine trockene Schicht aus lockerem sublimiert dann zum Teil, verdampft die Temperatur und andere meteorologi-
Pulverschnee. Leider hält diese Situation also, ohne vorher zu schmelzen. Wenige sche Bedingungen. Allerdings kostet es
nicht lange an. Früher oder später verän- Zentimeter weiter oben aber gefriert der viel mehr Mühe, sie zu erheben. Wäh-
dern sich Temperatur, Sonneneinstrah- Wasserdampf wieder. So entstehen be- rend die Wetterstationen inzwischen
lung und Feuchtigkeit. Neuerliche Nie- cherförmige Kristalle von mehreren Mil- weit gehend automatisch arbeiten, erfor-
derschläge fügen weitere Schneemassen limetern Größe, die seitlich miteinander dert das Überwachen der Schneedecke
hinzu, deren Gewicht die darunterlie- verkleben. Daraus resultiert eine extrem noch die geduldige Arbeit im Gelände.
genden Schichten zusammendrückt. Da- glatte Schicht, die auch »Tiefenreif« ge- In jedem Gebiet müssen Techniker
bei wandeln sich die sternförmigen Flo- nannt wird. Der darüberliegende Schnee Dutzende von Gräben ausheben, um die
cken in Partikel anderer Form und Ei- kann darauf wie auf einem Teppich aus Kompaktheit der diversen Schichten zu
genschaften um. lauter Kugeln gleiten und somit beim ge- überprüfen und die enthaltenen Kristall-
Folgt zum Beispiel auf einen milden ringsten Anlass abrutschen. typen zu analysieren. Wie viele Profile
Tag eine Nacht mit Temperaturen knapp Zur Lawinenvorhersage sind daher erstellt werden können, hängt von den
unter null, schmelzen die Kristalle und die täglich aktualisierten Daten über die vorhandenen Arbeitskräften ab – ganz zu
gefrieren dann an den Rändern erneut. Schneedecke und die Kristalle, aus de- schweigen von den Schwierigkeiten bei

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Dabei wandeln sie sich in abgerundete nen sie sich zusammensetzt, mindestens schlechtem Wetter und dem Lawinenri-
Körner von etwa einem halben Millime- genauso wichtig wie Informationen über siko für die Techniker selbst. »Die Profile

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liefern die wichtigsten Daten, aber sie

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Die schlimmsten Lawinen bilden einen echten Flaschenhals bei der
gesamten Vorhersage«, resümiert Valt.

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r 218 v. Chr. – Westalpen. Lawinen dezimieren das Heer Hannibals beim Überqueren
der Alpen. Chronisten zufolge werden 20 000 M nner und eine unbekannte Zahl von Hilfe von oben

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Elefanten versch ttet. Diesen Engpass wollen die italienischen
r 1618 – Plurs, Schweiz (heute Norditalien). Eine Lawine begr bt die Stadt Plurs im Forscher auf Spitzbergen beseitigen. Da-
Veltlin und t tet 2427 Menschen. zu testen sie neue Systeme, die unmittel-

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r 1910 – Wellington, USA. Eine Lawine verursacht eines der schlimmsten Zugungl - bare Aussagen über den Zustand des
cke in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Sie kippt zwei Z ge um, wobei 97 Schnees liefern, ohne dass man auf die
Fahrg ste ums Leben kommen. im Gelände erstellten Profile zurückgrei-
r 1916 – italienisch-österreichische Front. Eine lange Serie von Lawinen t tet mindes- fen müsste.

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tens 10 000 Soldaten in beiden Heeren. W hrend des gesamten Ersten Weltkriegs Wenige Meter von dem Graben ent-
versuchten die Truppen beider Seiten durch gezielte Sprengungen Lawinen auf die fernt, wo Valt seine Arbeit fortsetzt, ha-
feindlichen Positionen auszul sen. ben Rosamaria Salvatori und ihre Kolle-

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r 1950/1951 – italienische, Schweizer und österreichische Alpen. Ein außerordentlich gen vom italienischen Nationalen For-
schneereicher Winter produziert ungew hnlich viele Lawinenabg nge. Insgesamt schungsrat inzwischen ihre Instrumente

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verlieren rund 200 Menschen ihr Leben. aufgestellt: tragbare Computer und Fo-
r 1954 – Blons, Österreich. Eine Lawine zerst rt den Ort Blons. Neun Stunden sp ter todetektoren. Bevor die Forscher den
Spaten ansetzten, hatten sie Satellitenbil-

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begr bt eine zweite Lawine die Rettungsmannschaften. Insgesamt sterben 200
der des betreffenden Gebiets auf ihre

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Personen.
r 1962 – Ranrahirca, Peru. Eine enorme Schneemenge l st sich von den W nden des Laptops geladen – allerdings keine nor-

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malen Fotos, sondern radiometrische

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Huascarán, des h chsten Bergs von Peru. Sie zerst rt die Stadt Ranrahirca und ver-
ursacht beachtliche Sch den in Yungay. Eine von ihr ausgel ste Flutwelle im Fluss Aufzeichnungen der Lichtmenge, die der

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Santa erreicht weitere Ortschaften talabw rts und fordert noch einmal 4000 Men- Schnee bei verschiedenen Wellenlängen
schenleben. Es ist das schlimmste vom Schnee verursachte Ungl ck aller Zeiten. reflektiert. Letztere erscheinen jetzt auf
r 1979 – Lahaul-Tal, Indien. Eine Serie von Lawinen st rzt zu Tal und reißt mindestens den Computerbildschirmen, kodiert in
200 Personen in den Tod. künstlichen Farben. »Wie viel Licht bei
r 1991 – Bingol, Türkei. Eine Lawine verw stet einige Ortschaften und begr bt 255 den einzelnen Wellenlängen zurückge-
Menschen unter sich. worfen wird, hängt von der Dichte des
r 2002 – Nordossetien, Kaukasus. 20 Millionen Tonnen Schnee l sen sich vom Berg Schnees, von seinem Wasser- und Luft-
Kazbek, 1500 Kilometer von Moskau entfernt, und versch tten 150 Personen – da- gehalt und vom Typ der enthaltenen
runter den russischen Kinostar Sergej Bodrow jr. und einen Teil seines Teams, das Kristalle ab. Deshalb können uns die Bil-
mit ihm einen Film drehen sollte. der Auskunft über die Eigenschaften des
Schnees geben«, erklärt Salvatori.

88 SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


Q JANUAR 2006
NASA, GSFC, MODIS RAPID RESPONSE TEAM, JEFF SCHMALTZ

»Spitzbergen ist für uns ein ideales wickelt, die allerdings noch nicht perfekt der Hänge, das Ausmaß der Beschattung
Labor«, fährt die Forscherin fort. »Hier sind. In Zukunft lässt sich durch Kom- und auch die Umweltverschmutzung.
gibt es enorme Schneeflächen und keine bination von Simulationen und Satelli- »Es wird nicht leicht sein und noch eine
Umweltverschmutzung; zudem geht von tendaten vielleicht die Vorhersage von Menge Anpassung und Experimentieren
Mai bis September die Sonne nie unter.« Lawinen entscheidend vereinfachen und kosten«, meint Salvatori abschließend.
Auch in früheren Jahren, in denen Polar- verbessern. »Aber wir haben gezeigt, dass das System
kampagnen stattfanden, haben die For- Die Bilder aus dem All haben freilich funktionieren kann, und wir sind opti-
scher schon die Satellitenbilder mit Pro- einen Nachteil: Sie liefern nur Informati- mistisch.«
filen derselben Stellen am Boden vergli- onen über den obersten Teil der Schnee-
chen. So konnten sie die radiometrischen decke. Deshalb werden sie nach Ansicht
Sergio Pistoi ist Biologe und
Daten mit den tatsächlichen Charakte- der Forscher nicht alle am Boden gewon- freiberuflicher Journalist. Er ar-
ristika der Schneedecke korrelieren. Da- nenen Profile ersetzen können. Die Hoff- beitet mit verschiedenen Zeit-
bei entdeckten sie zum Beispiel, dass Ge- nung ist jedoch, dass sie ein engmaschi- schriften zusammen, darunter
biete mit frischem, feuchtem oder erneut geres Monitoring ermöglichen. Profile »Le Scienze«, »Scientific Ameri-
gefrorenem Schnee jeweils unverwech- könnten dann auf die am stärksten ge- can« und »New Scientist«. Für A U T O R U N D L I T E R AT U R H I N W E I S E
seinen Artikel besuchte er die
selbare Reflexionsspektren im Infrarotbe- fährdeten Bereiche beschränkt werden, italienische Forschungsbasis in Ny Ålesund auf
reich liefern. In diesen spiegelt sich auch was die Arbeit der Schnee-Experten er- Spitzbergen.
wider, ob die Kristalle sternförmig oder leichtern würde. Per Satellit ließe sich
Lawinenhandbuch. Von K. Gabl und B. Lackinger
durch den Wind abgerundet sind. zum Beispiel feststellen, ob in einer (Hg.). Tyrolia-Verlag, 2000
»Innerhalb gewisser Grenzen können schwer zugänglichen Zone viel frischer
wir heute allein aus Satellitendaten er- Schnee gefallen oder oberflächlicher Reif Study of the snow melting-refreezing cycle using
multi-sensor data and snow modelling. Von A. Ca-
schließen, welcher Schneetyp auf dem vorhanden ist – Verhältnisse, die das La- gnati et al. in: Journal of Glaciology, Bd. 50, S.
Boden liegt«, erklärt Salvatori nicht ohne winenrisiko erhöhen. Daraufhin könnte 419, Juni 2004
Stolz. Ein Team an der Universität von das Zentrum Techniker hinschicken, um
Usage of high-resolution Landsat 7 band 8 for sin-
Colorado in Boulder hat das Verfahren genauer nachzusehen. gle-band snow-cover classification. Von S. W. Vo-
ebenfalls erprobt und ähnliche Resultate Die größte Herausforderung besteht gel in: Annals of Glaciology, Bd. 34, S. 53, 2002
erzielt wie die italienischen Forscher. Pa- jetzt darin, die Ergebnisse, die im natür- Radiometric investigation on different snow co-
rallel dazu haben andere Zentren wie das lichen Labor der Arktis unter Ideal- vers in Svalbard. Von R. Casacchia et al. in: Polar
Eidgenössische Institut für Schnee- und bedingungen gewonnen wurden, in die Research, Bd. 20, S. 13, 2001
Lawinenforschung in Davos Computer- Realität unserer Gebirge zu übertragen. Weblinks zu diesem Thema finden Sie bei www.
modelle für die Lawinenprognose an- Dort kommen erheblich mehr Variablen spektrum.de unter »Inhaltsverzeichnis«.
hand von meteorologischen Daten ent- ins Spiel, darunter vor allem die Steilheit

SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT


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