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Aus Payk, Th. R.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie
(ISBN 978-313-710205-2) © 2007 Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart
Checklisten
der aktuellen Medizin
................................................
Begründet von F. Largiadèr, A. Sturm, O. Wicki

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Checkliste
Psychiatrie und
Psychotherapie
................................................
Th. R. Payk

5., vollständig überarbeitete Auflage

132 Tabellen
19 Abbildungen

Georg Thieme Verlag


Stuttgart · New York

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Bibliografische Information der
Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet
diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;
detaillierte bibliografische Daten sind im Internet
über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Umschlaggestaltung: Thieme Verlagsgruppe


Umschlagfoto: Studio Nordbahnhof

1. Auflage 1988
2. Auflage 1992
3. Auflage 1998
4. Auflage 2003

Wichtiger Hinweis:
Wie jede Wissenschaft ist die Medizin ständigen Entwicklungen unterworfen. Forschung und klini-
sche Erfahrung erweitern unsere Erkenntnisse, insbesondere was Behandlung und medikamentöse
Therapie anbelangt. Soweit in diesem Werk eine Dosierung oder eine Applikation erwähnt wird, darf
der Leser zwar darauf vertrauen, daß Autoren, Herausgeber und Verlag große Sorgfalt darauf ver-
wandt haben, daß diese Angabe dem Wissensstand bei Fertigstellung des Werkes entspricht.
Für Angaben über Dosierungsanweisungen und Applikationsformen kann vom Verlag jedoch keine
Gewähr übernommen werden. Jeder Benutzer ist angehalten, durch sorgfältige Prüfung der Bei-
packzettel der verwendeten Präparate und gegebenenfalls nach Konsultation eines Spezialisten fest-
zustellen, ob die dort gegebene Empfehlung für Dosierungen oder die Beachtung von Kontraindika-
tionen gegenüber der Angabe in diesem Buch abweicht. Eine solche Prüfung ist besonders wichtig
bei selten verwendeten Präparaten oder solchen, die neu auf den Markt gebracht worden sind. Jede
Dosierung oder Applikation erfolgt auf eigene Gefahr des Benutzers. Autoren und Verlag appel-
lieren an jeden Benutzer, ihm etwa auffallende Ungenauigkeiten dem Verlag mitzuteilen.

Geschützte Warennamen (Warenzeichen) werden nicht besonders kenntlich gemacht. Aus dem
Fehlen eines solchen Hinweises kann also nicht geschlossen werden, daß es sich um einen freien
Warennamen handelt.
Das Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außer-
halb der engen Grenzen des Urhebergesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und
strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die
Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
䉷 1988, 2007 Georg Thieme Verlag KG, Rüdigerstraße 14, D-70469 Stuttgart
Printed in Germany
Unsere Homepage: http://www.thieme.de
Satz und Druck: Druckhaus Götz GmbH, Ludwigsburg
Gesetzt auf CCS Textline

ISBN 978-3-13-710205-2 1 2 3 4 5 6

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Vorwort

Vorwort

Vorwort
Die erfreuliche Resonanz von Seiten der Leserschaft einerseits sowie der kontinuierli-
che Fortschritt der diagnostischen und therapeutischen Kenntnisse und Erfahrungen
andererseits gaben Anlass zu einer erneuten Überarbeitung der Checkliste Psychiatrie
und Psychotherapie. Dank der gewohnt aufmerksamen und sorgfältigen Unterstützung
des gesamten Thieme-Teams konnten die erforderlichen Aktualisierungen vor allem in
den Bereichen der klinischen Diagnostik und der Psycho- und Pharmakotherapie zügig
realisiert werden.
Auch in der nun vorgelegten 5. Auflage ist es das Ziel der Checkliste, konkrete und pra-
xisrelevante Informationen für den klinischen Alltag zu allen Bereichen der Psychiatrie
und Psychotherapie zu bieten. Zahlreiche wertvolle Verbesserungsvorschläge der Leser
konnten dabei berücksichtigt werden - konstruktive Kritik und Anregungen sind des-
halb auch weiterhin sehr willkommen.

Bochum, im August 2007 Theo R. Payk

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Anschriften

Anschriften
Anschriften

Autor:
Prof. Dr. med. Dr. phil. Theo R. Payk
Ruhr-Universität
Universitätsstr. 150
44801 Bochum

VI

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Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis
Grauer
. . . . . . . . . .Teil:
. . . . . .Diagnostik
.......................................................................
1 Untersuchungsmethoden 왘 1
1.1 Untersuchungsmethoden 왘 1
1.2 Explorationsmethoden, Interventionen 왘 2
1.3 Verhaltensbeobachtung 왘 5
1.4 Anamneseerhebung 왘 9
1.5 Psychiatrische Untersuchung 왘 12
1.6 Körperliche Untersuchung 왘 17
1.7 Labordiagnostik 왘 20
1.8 Apparative Diagnostik 왘 24

2 Psychologische Testverfahren 왘 31
2.1 Psychologische Testverfahren 왘 31
2.2 Psychometrische Verfahren, Leistungstests 왘 31
2.3 Persönlichkeitsinventare 왘 47
2.4 Projektive Verfahren 왘 73

Grüner
. . . . . . . . . .Teil:
. . . . . . Leitsymptome
.......................................................................
3 Symptomatik, Leitsymptome, Syndromalogie 왘 76
3.1 Symptomatik, Leitsymptome, Syndromalogie 왘 76
3.2 Störungen des Bewusstseins und der Orientierung 왘 79
3.3 Wahrnehmungsstörungen 왘 83
3.4 Störungen von Volition, Antrieb und Motorik 왘 85
3.5 Formale Denkstörungen 왘 89
3.6 Inhaltliche Denkstörungen 왘 91
3.7 Gedächtnisstörungen 왘 93
3.8 Störungen komplexer kognitiver Leistungen 왘 95
3.9 Störungen der Affekte 왘 97
3.10 Erschöpfungssyndrom 왘 103
3.11 Indoktrinationssyndrom 왘 104
3.12 Ich-Störungen 왘 105
3.13 Organische Psychosyndrome 왘 106
3.14 Schlafstörungen 왘 108
3.15 Seelische Behinderung 왘 109

.Blauer
. . . . . . . . .Teil:
. . . . . .Krankheitsbilder
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(mit
. . . . . . .Notfällen)
..........................................
4 Klassifikation der Krankheitsbilder nach ICD-10: Übersicht 왘 111
4.1 Klassifikation der Krankheitsbilder nach ICD-10: Übersicht 왘 111

5 Organische psychische Störungen 왘 113


5.1 Organische psychische Störungen 왘 113
5.2 Frühkindliche Hirnschädigung 왘 113
5.3 Demenz vom Alzheimer-Typ (DAT), Morbus Alzheimer 왘 115
5.4 Frontotemporale Demenz 왘 120
5.5 Demenz mit Lewy-Körperchen 왘 121
5.6 Morbus Pick 왘 122 VII

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Inhaltsverzeichnis

5.7 Vaskuläre Demenz, Multiinfarktdemenz (MID) 왘 124


Inhaltsverzeichnis

5.8 Dermatozoenwahn 왘 126


5.9 Demenz bei Parkinson-Erkrankung 왘 128
5.10 Demenz bei Huntington-Krankheit 왘 130
5.11 Demenz bei normotensivem Hydrozephalus 왘 132
5.12 AIDS-Demenz 왘 133
5.13 Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung (CJD) 왘 135
5.14 Progressive Paralyse (Dementia paralytica) 왘 136
5.15 Epilepsiepsychose, -demenz 왘 138
5.16 Intoxikationspsychose 왘 139
5.17 Drogeninduzierte Psychose 왘 140
5.18 Medikamenteninduzierte Psychose 왘 142
5.19 Commotio cerebri 왘 143
5.20 Contusio cerebri (Kontusionspsychose) 왘 144
5.21 Weitere neurologische Differenzialdiagnosen 왘 146

6 Symptomatische psychische Störungen 왘 148


6.1 Symptomatische psychische Störungen 왘 148
6.2 Symptomatische Depression 왘 148
6.3 Pharmakogene Depression 왘 152
6.4 Symptomatische Manie 왘 153
6.5 Symptomatisches Angstsyndrom 왘 155
6.6 Vitamin B12-Mangel-Psychose 왘 157
6.7 Schwangerschaftspsychose 왘 159
6.8 Wochenbettpsychose 왘 160
6.9 Postoperative Psychose 왘 161

7 Schizophrenie und schizoaffektive Störungen 왘 162


7.1 Schizophrenie und schizoaffektive Störungen 왘 162
7.2 Schizophrenia simplex 왘 165
7.3 Paranoid-halluzinatorische Schizophrenie 왘 167
7.4 Katatone Schizophrenie 왘 170
7.5 Schizotype Störung 왘 172
7.6 Wahnkrankheit, Paranoia 왘 173
7.7 Akute psychotische Störung,
zykloide Psychose 왘 175
7.8 Schizophrenes Residuum (Defektsyndrom) 왘 176
7.9 Schizoaffektive Störung 왘 178

8 Affektive Störungen 왘 180


8.1 Affektive Störungen 왘 180
8.2 Unipolare Depression 왘 182
8.3 Unipolare Manie, Manische Episode 왘 185
8.4 Bipolare (affektive) Störung 왘 187
8.5 Involutionsdepression, Spätdepression 왘 188
8.6 Involutionsmanie, Spätmanie 왘 190

9 Belastungs- und Anpassungs-


störungen 왘 192
9.1 Belastungs- u. Anpassungsstörungen 왘 192
9.2 Akute Belastungsreaktion 왘 193
9.3 Psychogener Erregungszustand 왘 195
9.4 Anpassungsstörung, abnorme Trauerreaktion 왘 196
9.5 Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) 왘 197
VIII 9.6 Zweckreaktion 왘 199

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Inhaltsverzeichnis

10 Neurotische Störungen 왘 200

Inhaltsverzeichnis
10.1 Neurotische Störungen 왘 200
10.2 Generalisierte Angst 왘 201
10.3 Phobie 왘 202
10.4 Panikstörung 왘 204
10.5 Hypochondrie 왘 206
10.6 Herzphobie 왘 207
10.7 Neurotische Depression, Dysthymia 왘 209
10.8 Zwangsstörung, Zwangsneurose 왘 211
10.9 Dissoziative Störung, Hysterie 왘 213
10.10 Rentenneurose 왘 215

11 Missbrauch und Abhängigkeit, Sucht 왘 217


11.1 Missbrauch und Abhängigkeit, Sucht 왘 217
11.2 Alkoholismus 왘 220
11.3 Cannabismissbrauch 왘 226
11.4 Abhängigkeit von Opiaten und Opioiden 왘 227
11.5 Kokainsucht 왘 229
11.6 Rauschmittelsucht/Abhängigkeit von Halluzinogenen 왘 231
11.7 Stimulantienmissbrauch 왘 232
11.8 Abhängigkeit von Sedativa (Tranquilizer) 왘 234
11.9 Abhängigkeit von Hypnotika (Barbiturat-Typ) 왘 235
11.10 Analgetikamissbrauch 왘 236
11.11 Nikotinabhängigkeit 왘 237
11.12 Schnüffelsucht (Missbrauch von Inhalantien) 왘 239

12 Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen 왘 240


12.1 Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen 왘 240
12.2 Asthenische Persönlichkeit 왘 242
12.3 Depressive Persönlichkeit 왘 243
12.4 Hyperthyme Persönlichkeit 왘 244
12.5 Paranoide Persönlichkeit 왘 245
12.6 Schizoide Persönlichkeit 왘 246
12.7 Emotional instabile (reizbar-impulsive) Persönlichkeit 왘 247
12.8 Stimmungslabile Persönlichkeit 왘 248
12.9 Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) 왘 249
12.10 Dissoziale Persönlichkeit, Soziopathie 왘 250
12.11 Histrionische Persönlichkeit 왘 251
12.12 Anankastische Persönlichkeit 왘 252
12.13 Ängstlich (vermeidende) Persönlichkeit 왘 254
12.14 Abhängige Persönlichkeit 왘 255
12.15 Hypochondrische Persönlichkeit 왘 256
12.16 Narzisstische Persönlichkeit 왘 257

13 Störungen der Impulskontrolle 왘 258


13.1 Störungen der Impulskontrolle 왘 258
13.2 Poriomanie, dissoziative Fugue 왘 258
13.3 Pathologisches Spielen 왘 259
13.4 Pathologisches Brandstiften 왘 261
13.5 Pathologisches Stehlen 왘 262
13.6 Arbeitswut, Arbeitssüchtigkeit 왘 263

14 Störungen der sexuellen Orientierung 왘 265


14.1 Störungen der sexuellen Orientierung 왘 265
14.2 Transsexualität 왘 266 IX

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Inhaltsverzeichnis

14.3 Transvestismus (Tranvestitismus) 267


Inhaltsverzeichnis

14.4 Fetischismus 왘 268


14.5 Exhibitionismus 왘 269
14.6 Pädophilie 왘 270
14.7 Sadomasochismus 왘 271

15 Schlafstörungen 왘 272
15.1 Schlafstörungen 왘 272
15.2 Insomnie 왘 273
15.3 Hypersomnie 왘 277
15.4 Störung der Schlaf-Wach-Rhythmik 왘 278
15.5 Parasomnie 왘 279

16 Somatoforme (psychosomatische) Störungen 왘 281


16.1 Somatoforme (psychosomatische) Störungen 왘 281
16.2 Spannungskopfschmerz 왘 282
16.3 Somatoforme Schmerzstörung 왘 284
16.4 Pseudoepilepsie, dissoziative Anfälle 왘 285
16.5 Asthma bronchiale 왘 287
16.6 Essentielle Hypertonie 왘 288
16.7 Colitis ulcerosa 왘 289
16.8 Endogenes Ekzem 왘 290

17 Sexuelle Funktionsstörungen 왘 292


17.1 Sexuelle Funktionsstörungen 왘 292
17.2 Erektionsstörung 왘 292
17.3 Frigidität, Anorgasmie 왘 293
17.4 Ejaculatio praecox 왘 294
17.5 Vaginismus 왘 295
17.6 Dyspareunie 왘 296

18 Essstörungen 왘 297
18.1 Essstörungen 왘 297
18.2 Anorexia nervosa 왘 297
18.3 Bulimia nervosa 왘 300

19 Psychiatrische Notfälle 왘 302


19.1 Psychiatrische Notfälle 왘 302
19.2 Erregungszustand 왘 302
19.3 Bewusstseinsstörung 왘 304
19.4 Akute Verwirrtheit 왘 305
19.5 Panikattacke, Angstanfall 왘 307
19.6 Suizidalität 왘 308
19.7 Prädelir, Delir 왘 309
19.8 Intoxikation, Drogennotfall 왘 311
19.9 Katatonie, Stupor 왘 312
19.10 Malignes neuroleptisches Syndrom 왘 313

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Inhaltsverzeichnis

.Roter
. . . . . . . Teil:
. . . . . . Therapieverfahren,
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Forensik

Inhaltsverzeichnis
...............................................
20 Biologische Therapie (Somatotherapie) 왘 315
20.1 Biologische Therapie (Somatotherapie) 왘 315
20.2 Therapie mit Antidementiva (Nootropika) 왘 316
20.3 Therapie mit Antipsychotika (Neuroleptika) 왘 318
20.4 Therapie mit Antidepressiva (Thymoleptika) 왘 324
20.5 Phasenprophylaxe affektiver Psychosen 왘 328
20.6 Therapie mit Tranquilizern und Anxiolytika 왘 331
20.7 Therapie mit Hypnotika 왘 335
20.8 Substitutionsbehandlung 왘 338
20.9 Medikamentöse Entwöhnungsbehandlung und Rezidivprophylaxe 왘 339
20.10 Antiandrogenbehandlung 왘 341
20.11 Medikamentöse Behandlung erektiler Dysfunktion 왘 342
20.12 Schlafentzug 왘 342
20.13 Lichttherapie 왘 343
20.14 Elektrokrampfbehandlung (EKT) 왘 344
20.15 (repetitive) Transkranielle Magnetstimulation (rTMS) 왘 345
20.16 Bioenergetik 왘 346
20.17 Physiotherapie in der Psychiatrie 왘 347
20.18 Bewegungstherapie 왘 347

21 Psychotherapie 왘 349
21.1 Psychotherapie 왘 349
21.2 Therapeutisches (problemorientiertes) Gespräch,
therapeutische Intervention 왘 353
21.3 Stützende (supportive) Psychotherapie 왘 354
21.4 Analytische Psychotherapie, Psychoanalyse 왘 355
21.5 Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie 왘 356
21.6 Fokaltherapie, Kurztherapie 왘 357
21.7 Katathymes Bilderleben 왘 358
21.8 Analytische Psychologie 왘 359
21.9 Individualpsychologie 왘 360
21.10 Logotherapie 왘 361
21.11 Personenzentrierte (klientenzentrierte) Gesprächstherapie (GT) 왘 362
21.12 Gestalttherapie 왘 363
21.13 Autogenes Training (AT) 왘 364
21.14 Progressive Relaxation (PME) 왘 365
21.15 Hypnose, Hypnoanalyse 왘 366
21.16 Psychoedukation 왘 367

22 Verhaltenstherapie 왘 369
22.1 Verhaltenstherapie 왘 369
22.2 Systematische Desensibilisierung 왘 370
22.3 Reizüberflutung, Reizkonfrontation 왘 371
22.4 Neuropsychotherapie 왘 372
22.5 Kognitive Therapie 왘 373
22.6 Gedankenstopp 왘 374
22.7 Rational-emotive Therapie (RET) 왘 375
22.8 Interpersonelle Psychotherapie (IPT) 왘 376
22.9 Symptomverschreibung 왘 377
22.10 Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) 왘 377
22.11 Schematherapie 왘 378

XI

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Inhaltsverzeichnis

22.12 Augenbewegungsdesensibilisierung und -verarbeitung


Inhaltsverzeichnis

(Eye Movement Desensitization and Reprocessing – EMDR) 왘 379


22.13 Biofeedback 왘 380
22.14 Aversionstherapie 왘 381
22.15 Aktivitätsplanung 왘 381
22.15 Münzverstärkung 왘 382

23 Gruppentherapie 왘 383
23.1 Gruppentherapie 왘 383
23.2 Psychiatrische Gruppenarbeit 왘 385
23.3 Rollenspiel 왘 385
23.4 Selbstsicherheitstraining, Selbstbehauptungstraining 왘 386
23.5 Training sozialer Kompetenz 왘 387
23.6 Psychodrama 왘 388
23.7 Tiefenpsychologische Gruppenpsychotherapie 왘 389
23.8 Dialektisch-Behaviorale Gruppentherapie (DBG) 왘 390
23.9 Familientherapie, systemische Therapie 왘 390
23.10 Themenzentrierte Interaktion (TZI) 왘 392
23.11 Balint-Gruppe 왘 392
23.12 Transaktionsanalyse 왘 393

24 Soziotherapie 왘 395
24.1 Soziotherapie 왘 395
24.2 Arbeitstherapie 왘 396
24.3 Ergotherapie, Kunsttherapie 왘 397
24.4 Musiktherapie 왘 398
24.5 Tagesklinik, Tagesstätte 왘 399
24.6 Nachtklinik 왘 400
24.7 Familienpflege 왘 401
24.8 Therapeutische Gemeinschaft 왘 401
24.9 Beschütztes Wohnen 왘 402
24.10 Beschütztes Arbeiten 왘 403
24.11 Sozialpsychiatrischer Dienst, Außenfürsorge 왘 404
24.12 Psychiatrische Pflege 왘 404
24.13 Selbsthilfegruppe 왘 405

25 Forensische Psychiatrie 왘 407


25.1 Forensische Psychiatrie 왘 407
25.2 Schweigepflicht 왘 408
25.3 Einsichtsrecht 왘 408
25.4 Gutachtenerstattung 왘 409
25.5 Rentenverfahren, Sozialrecht 왘 410
25.6 Pflegerecht 왘 412
25.7 Fahrtüchtigkeit 왘 413
25.8 Vernehmungs-, Verhandlungs- und Prozessfähigkeit 왘 416
25.9 Zwangseinweisung, Unterbringung 왘 417
25.10 Gesetzliche Betreuung 왘 419
25.11 Geschäftsfähigkeit, Testierfähigkeit 왘 421
25.12 Schuldfähigkeit 왘 422
25.13 Maßregel: Psychiatrische Unterbringung 왘 423
25.14 Maßregel: Unterbringung in Entziehungsanstalt 왘 424
25.15 Maßregel: Sicherheitsverwahrung 왘 425
25.16 Sexualdelinquenz 왘 425

XII

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Inhaltsverzeichnis

Anhang

Inhaltsverzeichnis
.......................................................................................
26 Anhang I: Medikamente 왘 426
26.1 Antidementiva (Nootropika): Handelsnamen und Dosierungen 왘 426
26.2 Antipsychotika (Neuroleptika): Handelsnamen und Dosierungen 왘 427
26.3 Antidepressiva (Thymoleptika):
Handelsnamen und Dosierungen 왘 429
26.4 Tranquilizer und Anxiolytika:
Handelsnamen und Dosierungen 왘 432
26.5 Hypnotika: Handelsnamen und Dosierungen 왘 433

27 Anhang II: Adressen 왘 435


27.1 Kontakt- und Informationsstellen 왘 435
27.2 Selbsthilfegruppen 왘 436
27.3 Berufsverbände 왘 437

28 Anhang III: Fachzeitschriften 왘 439


28.1 Fachzeitschriften 왘 439

29 Anhang IV: Psychiatrisches Glossar 왘 440


29.1 Psychiatrisches Glossar 왘 440

Sachverzeichnis 왘 460

XIII

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1.1 Untersuchungsmethoden 1

1 Untersuchungsmethoden

Untersuchungsmethoden
1.1 Untersuchungsmethoden
Vorbemerkungen
.......................................................................................
Unerlässliche Voraussetzung für eine wirksame und rationelle Behandlung psy-
chischer Störungen ist deren gründliche diagnostische Abklärung. Im Gegensatz zur
Organmedizin stützt sich jedoch das Erkennen psychischer Erkrankungen weniger auf
apparative Untersuchungstechniken als vielmehr auf die durch einen hohen Grad an
Interaktion mit dem Patienten gekennzeichneten Methoden der Exploration und Ver-
haltensbeobachtung.
Psychiatrische Diagnostik verläuft mehrdimensional: Während sich die sprachliche
Verständigung auf die inhaltlich-begriffliche Seite der mitgeteilten Symptome bezieht
(digitale Kommunikation), umfasst die nonverbale Kommunikation die Registrierung
des äußeren Verhaltens (analoge Kommunikation). Hierzu gehören Gestik, Mimik und
Sprechweise (Körpersprache) des Patienten ebenso wie Gesamteindruck und Verhal-
ten in der Gruppe (s. Abb. 1).
Die zusätzliche körperliche Untersuchung ist dennoch unersetzlich. Je nach Bedarf
wird das Untersuchungsprogramm durch apparative Methoden wie auch mithilfe psy-
chometrischer Verfahren ergänzt. Soweit möglich, sollten fremdanamnestische Anga-
ben herangezogen werden. Die gewonnenen Informationen können differieren; sie
müssen dann überprüft und gegebenenfalls gewichtet werden.
Kernstück der Diagnostik bildet die Erhebung des aktuellen psychopathologischen Be-
fundes = Psychostatus. Dieser setzt sich zusammen aus der Beschreibung der einzel-
nen psychischen Elementarfunktionen wie Bewusstseinslage, Orientiertheit und
Wahrnehmung, Antriebsverhalten und Motorik, Denken und kognitive Leistungen so-

Tabelle 1 · Gliederung der Krankengeschichte


.......................................................................................
aktuelle Beschwerden
spezielle Anamnese
weitere Anamnese
Familienanamnese
Sozialanamnese, Biografie
.......................................................................................
psychopathologischer Befund (Psychostatus)
körperlich-neurologischer Befund (Somatostatus)
(neurosenpsychologischer Befund)
(verhaltensdiagnostischer Befund)
(neuropsychologischer Befund)
.......................................................................................
Laborbefunde
apparative Diagnostik (Elektroenzephalographie, bildgebende Verfahren)
Konsiliarbefunde
.......................................................................................
(Vorläufige) Diagnose, Differenzialdiagnose
.......................................................................................
Therapiekonzept
therapeutische Schritte
.......................................................................................
Verlauf, Therapiekontrolle
Prognose, Epikrise
1

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1
Untersuchungsmethoden 1.2 Explorationsmethoden, Interventionen

Abb. 1 · Diagnostisches Vorgehen

wie affektive Besonderheiten (s. Lehrbücher der Psychopathologie bzw. Pathopsycho-


logie). Der Gesamtbefund stellt mehr dar als nur die Summe der einzelnen Erlebens-
und Verhaltensdimensionen; hinzu tritt immer auch der Globaleindruck der Persön-
lichkeit mit gestalthaften und ganzheitlichen Qualitäten samt Motivationen, Strebun-
gen und Zielsetzungen als Merkmale der individuellen Charakterstruktur.
Die oft nur annäherungsweise beschreibbaren, auf vorbewusster Ebene ablaufenden
Anmutungen und Eindrücke, die dem individuellen psychischen Befund seine beson-
dere Färbung verleihen, können durch Gegenübertragungsprozesse oder anderweitige
Besonderheiten der subjektiven Wahrnehmung des Untersuchers verzerrt werden.
Diese Gefahr, die einen Verlust an diagnostischer Objektivität (und therapeutischer
Distanz) bedeuten kann, lässt sich anhand von Vergleichen interindividueller Untersu-
chungsergebnisse belegen. Sie sollte erkannt, reflektiert und gegebenenfalls durch Su-
pervision (z. B. Balint-Gruppe) kontrolliert werden.
Vorgeschichte, Fremdangaben und aktueller psychopathologischer Befund sind in ver-
ständlicher Sprache nachvollziehbar abzufassen und übersichtlich gegliedert zu doku-
mentieren.
왘 Hinweis: Die Verwendung von Bild- oder Tonträgern bedarf stets der Einwilli-

gung des Patienten.

1.2 Explorationsmethoden, Interventionen


Unstrukturierte
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Befragung
.................................................................
왘 Definition: Psychopathologische Standarduntersuchungsmethode bei Erstkontakt
in Form eines ausführlichen Gesprächs mit dem Patienten. Ziele sind die Bestands-
aufnahme der subjektiven Beschwerden und die Ermittlung des aktuellen psycho-
pathologischen Befundes.
왘 Prinzip: Routineuntersuchung zur ersten – oft auch nur vorläufigen – diagnosti-
schen und differenzialdiagnostischen Orientierung (insbesondere bei akuteren psy-
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1.2 Explorationsmethoden, Interventionen 1
chiatrischen Störungen). Die Informationssammlung sollte entsprechend der aktu-

Untersuchungsmethoden
ellen klinischen Situation mehr global oder detaillierter gestaltet werden.
왘 Durchführung: Anzustreben ist ein nur wenig gelenktes Explorationsgespräch in
entspannter, ungestörter und vertrauensbildender Atmosphäre. Der hinreichend
orientierte und kommunikationsfähige Patient sollte sich frei und ohne Zeitdruck
äußern können. Verschlossene oder gar mutistische Patienten sollten nicht hartnä-
ckig bedrängt werden. Besser sind hier häufigere, kurze Aufwärmkontakte. Eine Ent-
lastung durch das Gespräch kann bereits therapeutisch wirksam werden.
(Gesprächsdauer in der Regel 30 – 40 Minuten).
왘 Aussage:
앫 Bei gutem Einfühlungsvermögen und beruflicher Erfahrung kann eine ausrei-
chende diagnostische Valenz erreicht werden. Manchmal gelingt eine verlässli-
che Arbeitsdiagnose bereits nach kurzer Kontaktaufnahme.
앫 Wahrnehmungs- und Interpretationsverfälschungen können durch eine hohe
subjektive Evidenz des ersten Eindrucks sowie durch Gegenübertragungsprozes-
se entstehen. Nachuntersuchung und Supervision sind daher bei weniger Geüb-
ten dringend erforderlich. Empfehlenswert ist eine Absicherung durch fremdan-
amnestische Angaben. Stets: Prägnante Dokumentation!
왘 Hinweis: Keine Pseudoerinnerungen abfragen (s. dissoziative Identitätsstörung
S. 213). Keine Suggestivfragen! Gegenübertragung beachten!

.Strukturierte
. . . . . . . . . . . . . . . . . Befragung
.....................................................................
왘 Definition: Untersuchungsmethode in Form gezielter Befragung des Patienten, die
sich an einer bestimmten Intention des Untersuchers orientiert.
왘 Prinzip: Hinsichtlich der Thematik und der Inhalte mehr oder weniger gelenktes
Gespräch mit vorgegebener Zielrichtung, unter Umständen auch im Rahmen straffe-
rer zeitlicher Begrenzung. Es gibt dabei zwar keinen strukturierten Fragenkatalog,
einzelne Themen werden aber besonders betont.
왘 Durchführung:
앫 Wiederholte psychopathologische Nachuntersuchungen einer Erkrankung mit
dem Ziel, Umfang, Ausprägung und Intensität bestimmter Symptome oder Syn-
drome gezielt zu verfolgen und in ihrem Verlauf zu vergleichen.
앫 Die Patienten müssen ausreichend reflexions- und kommunikationsfähig sein
und sich verständlich äußern können.
(Dauer nicht ⬎ 40 – 50 Minuten.)
왘 Aussage:
앫 Ausreichend zuverlässig bei bereits stabiler Diagnose bzw. zur Überprüfung der
Differenzialdiagnose.
(Die Validitätsproblematik liegt in einer möglichen Verfestigung einer vorgefass-
ten diagnostischen Meinung oder therapeutischen Strategie, weniger in der Ge-
fahr von Wahrnehmungs- und Urteilsverzerrungen. Gegenkontrollen und Super-
vision durch Fachkollegen sind daher auch hier empfehlenswert. Dokumentation
stets obligatorisch!)

.Erstinterview
......................................................................................
왘 Definition: Frei flottierendes, inhaltlich und zeitlich eher breit angelegtes Gespräch,
das als Standarduntersuchungsmethode zur Indikationsstellung für eine tiefenpsy-
chologisch orientierte Psychotherapie Verwendung findet (s. S. 16 neurosenpsychol.
Diagnostik).
왘 Prinzip:
앫 Abklärung von Entstehungsbedingungen und Entwicklung psychischer Störun-
gen, insbesondere solcher erlebnisreaktiver bzw. neurotischer Art (Anpassungs-
und Persönlichkeitsstörungen).
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1 1.2 Explorationsmethoden, Interventionen

앫 Der tiefere Einstieg in die Psychodynamik berührt immer auch schon therapeuti-
Untersuchungsmethoden

sche Aspekte auf der Basis sich entwickelnder kathartischer und Übertragungs-
einwirkungen.
왘 Durchführung:
앫 Ziel ist ein umfassender Eindruck über die Persönlichkeit, deren Entwicklung und
Sozialisation wie auch über die aktuelle Symptomatik des Patienten.
앫 Volle Kommunikationsfähigkeit und -bereitschaft des Patienten sind wesentliche
Voraussetzungen der Interviewgestaltung.
앫 Die Atmosphäre sollte weitgehend entspannt, ungestört und von gegenseitigem
Vertrauen geprägt sein.
(Dauer um 90 Minuten.)
왘 Aussage:
앫 Ziel ist ein möglichst geschlossenes Bild über Person, Charakter und Entwicklung
des Patienten und die daraus abzuleitenden pathogenetischen Faktoren (je nach
lntrospektionsfähigkeit und Verbalisationsvermögen).
Die so gewonnene biografische Anamnese (s. S. 10) sollte die spezifischen dyna-
mischen Krankheitsfaktoren weitgehend authentisch beinhalten (z. B. Einfluss ei-
nes bestimmten Erziehungsstiles oder einer besonderen familiären Atmosphäre
auf spätere Angst oder Depressivität).
앫 Informationsdefizite können dadurch entstehen, dass der Gesprächsverlauf vom
Patienten bestimmt wird. Diese sollten in weiteren Sitzungen ausgeglichen wer-
den. Eventuell sind fremdanamnestische Angaben mit heranzuziehen. Ausführli-
che Dokumentation!

.Semistandardisiertes
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Interview
..........................................................
왘 Definition: Grob strukturierte Befragung des Patienten als vorherrschend einseitige
Erhebungsmethode, bei der Art, Inhalt und Umfang der Fragen vom Untersucher be-
stimmt werden und der Ablauf weitgehend festgelegt ist.
왘 Prinzip:
앫 Wegen der zweckgebundenen Zielsetzung wird der Kommunikationsprozess
zwischen Untersucher und Patienten asymmetrisch, lässt aber noch Spielraum
für eine Gesprächsgestaltung. Der Fragenkatalog liegt mehr oder weniger fest.
Die Antworten dienen meist größeren Datenerhebungen, etwa zu Forschungs-
zwecken und zur Verlaufskontrolle.
왘 Durchführung:
앫 Im Gegensatz zur Standardexploration ökonomischer lnformationsgewinn, der
sich in der strafferen Gesprächsführung mit thematischer Leitlinie widerspiegelt.
Die atmosphärischen Bedingungen treten eher in den Hintergrund.
앫 Die Patienten müssen voll orientiert, kommunikationsfähig und kooperativ sein.
Die Antworten werden nur stichwortartig festgehalten.
(Gesprächsdauer um 30 – 40 Minuten.)
왘 Aussage:
앫 Bessere Objektivität und höhere Operationalisierbarkeit im Vergleich zu den vor-
genannten Untersuchungsverfahren.
앫 Die Einbeziehung statistischer Methoden zur Auswertung ist möglich und wird
meist angestrebt. Nicht abgefragte Symptome werden dagegen kaum erreicht, da
der Antwortspielraum des Patienten deutlich eingeengt ist. Auch hier stets exakte
Dokumentation!

.Standardisiertes
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Interview
................................................................
왘 Definition: Strukturierte, zielgerichtete Befragung des Patienten mittels nach An-
zahl und Inhalt vorgegebener Items, meist in Form so genannter Persönlichkeits-
inventare (s. S. 47 ff).
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1.3 Verhaltensbeobachtung 1
Prinzip:

Untersuchungsmethoden

앫 Ziel dieser vergleichsweise am höchsten standardisierten Explorationsform ist


die Erfassung bestimmter, vorformulierter psychopathologischer Daten.
앫 Durch Übernahme der entsprechenden Reliabilitäts- und Validitätskriterien be-
steht große Ähnlichkeit mit psychologischen Tests im engeren Sinn.
앫 Die hohe Objektivität und Vergleichbarkeit kann zu Forschungszwecken (etwa
bei multizentrischen Studien oder zur Aufstellung systematisierter Therapie-
und Trainingsprogramme) genutzt werden.
왘 Durchführung:
앫 Vorgegebener Fragenkatalog mit (gestaffelt) binärer Antwortmöglichkeit
(Ja/ Nein-Antworten).
앫 Der Patient muss voll orientiert und kommunikationsfähig sowie hinsichtlich
seiner Antworten korrekt und motiviert sein.
(Interviewdauer in der Regel um 30 Minuten.)
왘 Aussage:
앫 Standardisierte, einfache Auswertungsmöglichkeiten, deren Resultate statistisch
gut bearbeitet werden können.
앫 Weitgehende Unabhängigkeit vom Untersucher und von anderen Variablen. An-
dererseits Informationsverlust durch das einseitige Abfragen bezüglich weiterge-
hender Befunde. Dokumentation!

1.3 Verhaltensbeobachtung

.Physiognomie
......................................................................................
왘 Definition: Überdauernder Gesichtsausdruck, der langsam geprägt wurde und „ge-
wachsen“ ist, unabhängig von der Fluktuation der Gesichtszüge im Mienenspiel.
왘 Prinzip:
앫 Kontinuierlich einwirkende habituelle Gestimmtheiten und Befindlichkeiten
können Einfluss auf die Physiognomie nehmen, wenn sich bestimmte mimische
Attitüden allmählich verfestigen.
앫 Rückwirkend können daraus Vermutungen hinsichtlich der zugrundeliegenden
prägenden Faktoren angestellt werden.
왘 Anwendung: Ziel der Beobachtung ist der hinter der aktuellen Mimik liegende Aus-
druckskern, der vom Untersucher gezielt wahrgenommen und „entschlüsselt“ wer-
den soll.
왘 Aussage:
앫 Irrtümer sind häufig, die diagnostische Valenz ist spekulativ und daher kritisch zu
bewerten.
(Sowohl angeborene als auch erworbene Knochen-, Muskel- und Hautverände-
rungen können mit physiognomischen Besonderheiten einhergehen, denen kei-
ne der vermuteten besonderen seelischen Eigenschaften zugrunde liegt [Pseudo-
expressivität]). Die vermeintliche „,Denkerstirn“ oder das „brutale Kinn“ stellen
keineswegs psychopathologisch verwertbaren Kriterien dar!)

.Mimik
......................................................................................
왘 Definition: Im Gegensatz zur Physiognomie Dynamik des Mienenspiels als Aus-
druck ständig wechselnder Innervation von Muskulatur und Hautdurchblutung.
왘 Prinzip:
앫 Evolutionsbiologisch verankerte Widerspiegelung seelischer Qualitäten im mi-
mischen Ausdrucksverhalten, das als unreflektiertes, vorbewusstes Anmutungs-
erlebnis vom Untersucher registriert, eingeschätzt und eingeordnet wird.
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1 1.3 Verhaltensbeobachtung

앫 Enge Verknüpfungen von lust- und unlustbetonten Gefühlen mit zentralnervö-


Untersuchungsmethoden

sen und hormonellen Vorgängen über entsprechende Schaltstellen in Hypothala-


mus, limbischem System und Hirnrinde und dem individuellen Nachempfinden
über das zerebrale Netzwerk von Spiegelneurosen.
(Hauptausdrucksträger der Mimik sind die Stirn-, Augen- und Mundregion.)
왘 Anwendung:
앫 Im Bereich der nonverbalen Untersuchungsmethoden nimmt die Beurteilung der
Mimik eine zentrale Rolle ein.
앫 Betrachtung und Deutung der mimischen Äußerungen lassen Rückschlüsse auch
auf Gemütszustände und Gestimmtheiten zu, die nicht verbal geäußert werden
wollen oder können (insbesondere können sich depressive, ängstliche, aggressi-
ve wie auch wahnhafte Inhalte in der Mimik widerspiegeln).
왘 Aussage:
앫 Bei geschulter Wahrnehmung und gutem Einfühlungsvermögen kann eine diag-
nostische Validität erzielt werden, die allerdings explorativ abzugleichen ist.
(Verfälschte Rückschlüsse können entstehen bei einer Entkoppelung von mimi-
schem Ausdruck und vermuteten Affekten, wie dies bei zentralnervösen und
Muskelerkrankungen vorkommen kann: z. B. Zwangslachen oder Zwangsweinen
bei hirnorganischen Erkrankungen, Paramimie, Bewegungsstereotypien, Hyper-
kinesien, Automatismen, Jaktationen, Greifreflexe, Tics, Myoklonien, mimisches
Beben, Spasmen, fokale bzw. psychomotorische Anfälle.)
왘 Hinweis: Neurophysiologische Emotionserfassung klinisch noch nicht ausgereift!

.Phonik
......................................................................................
왘 Definition: Art und Weise des Sprachausdrucks und des Sprechverhaltens.
왘 Prinzip:
앫 Das Sprechverhalten umfasst Lautstärke, Betonung, Deutlichkeit, Modulation
und Tonfall des Sprechens. Es wird weitgehend durch psychische Vorgänge mit-
bestimmt. Der Sprachausdruck repräsentiert die globale Expression des Spre-
chens unter Integration der genannten Elemente (Phonik).
앫 Registrierung und Analyse von Sprechweise und Sprachausdruck lassen somit
Rückschlüsse auf die seelische Befindlichkeit zu, insbesondere bestehen enge Be-
ziehungen zu Motivation, Volition, Antriebsverhalten und Gestimmtheit.
왘 Anwendung:
앫 Sprechverhalten und Sprachausdruck des Patienten sollten stets bei allen verba-
len Interaktionen im Rahmen der Verhaltensbeobachtung beachtet und bewusst
wahrgenommen werden.
(Voraussetzungen sind die Bereitschaft und Fähigkeit des Patienten, sich hörbar
verbal mitzuteilen.)
왘 Aussage:
앫 Funktionelle Sprachstörungen wie Stottern oder Stimmlosigkeit (Aphonie) kön-
nen auftreten bei Belastungs-, Anpassungs- und neurotischen bzw. somatofor-
men Störungen (s. S. 192 ff, S. 281 ff).
앫 Stammeln, Poltern oder Lispeln gibt es als Begleiterscheinungen hirnorganischer
Leistungsschwäche.
앫 Sprechstörungen aufgrund einer inneren Gehemmtheit (Logophobie) können bis
zum Mutismus (s. S. 87) reichen.
앫 Logorrhö und Inkohärenz deuten auf einen Verlust von sprachlicher Selbstkont-
rolle hin, der emotional wie auch hirnorganisch bedingt bzw. Symptom eines ma-
niformen Syndroms (s. S. 102) sein kann.
왘 Hinweis: Von den Veränderungen des Sprachausdrucks bzw. den psychogenen

Sprachstörungen sind krankhafte Beeinträchtigungen der Sprachinhalte zu un-


terscheiden wie z. B. wahnhafte Äußerungen, Neologismen, Echolalie und
6 Sprachzerfall bei Psychosen (s. S. 162 ff).

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1.3 Verhaltensbeobachtung 1
Gestik
. . . . . . . . . (Pantomimik)

Untersuchungsmethoden
..............................................................................
왘 Definition: Dynamische, expressive Bewegungskomplexe der Gliedmaßen, vor al-
lem der Hände (im Gegensatz zur statischen Körperhaltung).
왘 Prinzip:
앫 Aus der Wahrnehmung der Körperbewegungen wird auf vermutlich zugrunde-
liegende Antriebs-, Stimmungs- und Aktivitätsimpulse geschlossen.
Mimik, Phonik und Gestik sind Formen der analogen Kommunikation, die hu-
manbiologisch den wesentlichen Verständigungsmodus im Sinne von angebore-
nen Auslöseschemata darstellt, d. h. eine spezifische Reizsituation löst in der Re-
gel eine adäquate einprogrammierte Antwortreaktion aus (z. B. beim so genann-
ten Kindchenschema).
왘 Anwendung: Die gezielte Wahrnehmung des gestikulatorischen Verhaltens wird
als wichtige diagnostische Hilfe bei allen psychischen Erkrankungen einbezogen,
die mit voluntativen (den Willen betreffenden), emotionalen und kognitiven kom-
munikativen Beeinträchtigungen einhergehen.
왘 Aussage:
앫 Die Beurteilung von Mimik und Gestik ist der wichtigste klinisch-diagnostische
Zugang bei Patienten, die nicht verbal kommunikationsfähig sind (z. B. im Stupor
[s. S. 312], bei Sprachstörungen oder hirnorganischen Ausfällen).
앫 Gestikulatorische und mimische Auffälligkeiten (z. B. Bewegungsstereotypien in
Form von Automatismen, Echopraxie, Katalepsie oder Manieriertheit) treten vor-
rangig bei schizophrenen Psychosen auf (s. S. 162 ff).
앫 Die Valenz wird relativiert, je mehr unwillkürliche – seelisch nicht fundierte –
motorische Abläufe infolge organischer Störungen vorliegen (z. B. extrapyramida-
le Hyperkinesen, Tics oder andere Zwangsbewegungen).

.Psychomotorik
......................................................................................
왘 Definition: Aufeinander abgestimmte, zielgerichtete Bewegungsabläufe des Kör-
pers und der Gliedmaßen als Folge des Zusammenwirkens psychischer, neuronaler
und muskulärer Faktoren.
(Hiervon zu unterscheiden ist die Motilität als Ausdruck der allgemeinen Beweglich-
keit!)
왘 Prinzip: Erfassung und Beurteilung der psychisch organisierten Bewegungsabläufe
erfolgen unter dem Aspekt ihres Ausdrucksgehaltes bzw. der Prägung durch die Ge-
samtpersönlichkeit einschließlich ihrer Antriebsgerichtetheiten und Motivationen.
왘 Anwendung:
앫 Die Wahrnehmung und Beurteilung der Psychomotorik stellt – neben neurologi-
schen – auch bei allen psychischen Störungen eine wichtige Untersuchungsme-
thode dar.
앫 Besonders zu beachten sind die zielgerichtete und kontrollierte Steuerung der
Bewegungsabläufe bzw. deren Beeinträchtigungen in Form von Unruhe, Hektik,
Fahrigkeit, Ziellosigkeit, Unkoordiniertheit, Verlangsamung, Iteration (stereotype
Wiederholung von Lauten, Silben, Wörtern, Satzteilen bzw. Sätzen), Gebunden-
heit und Erstarrung. (Auch die Beurteilung der Handschrift gehört in diesen Be-
reich, sofern sie nicht als spekulative Grafologie fungiert.)
왘 Aussage: Mögliche Ursachen für Veränderungen der Psychomotorik im psychiatri-
schen Bereich sind:
앫 Zugrundeliegende Bewusstseins- (s. S. 79), Antriebs- (s. S. 85) und Willensstörun-
gen (s. S. 86) aufgrund von zentralen Integrations- und Steuerungsschwächen
(z. B. bei innerer Angespanntheit, Impulskontrollstörung, intoxikationsbedingter
Hyperaktivität oder Vigilanzstörung).

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1 1.3 Verhaltensbeobachtung

앫 Begleitwirkungen psychopharmakologischer Behandlung, z. B. unter Neurolepti-


Untersuchungsmethoden

ka (Tremor, Tonusveränderungen der Muskulatur mit Einbußen an Feinmotorik


und Kraft, Dyskinesien, Akathisie, Tasikinese).

.Körperhaltung
......................................................................................
왘 Definition: Durch Skelettsystem und Muskulatur geprägte körperliche Gesamter-
scheinung, die durch psychische Einflüsse mitbestimmt wird.
왘 Prinzip: Seelische Faktoren wirken über Vegetativum und Endokrinum auf Gefäß-
und Muskeltonus ein, die ihrerseits die Körperhaltung beeinflussen. Aus Letzterer
lassen sich daher in gewissem Umfang Hinweise auf allgemeine Befindlichkeit, Akti-
vitätsniveau, Selbstwertgefühl, Stimmungslage u.ä. gewinnen.
왘 Anwendung:
앫 Die Beurteilung der Körperhaltung stellt einen Aspekt der Verhaltensbeobach-
tung dar. Die Registrierung der Körperhaltung im Zusammenhang mit der Ge-
samterscheinung und dem Ausdrucksverhalten des Patienten begleitet daher die
klinische Diagnostik von der ersten Kontaktaufnahme an.
(Kommunikationsfähigkeit oder -willigkeit des Untersuchten sind im Gegensatz
zu den gesprächsgebundenen Untersuchungsmethoden nicht zwingend erfor-
derlich.)
왘 Aussage:
앫 Die diagnostische Wertigkeit der Beurteilung von Körperhaltung wie auch ande-
rer Ausdrucksträger erscheint bei geschulter Wahrnehmung durchaus ergiebig
(unter der Vorstellung, dass eine intendierte oder unbewusste Verfälschung von
Ausdrucksverhalten über längere Zeit nur schwer möglich ist).
앫 Zu beachten sind Veränderungen der körperlichen Erscheinung infolge organi-
scher, insbesondere orthopädischer und neurologischer Erkrankungen, die keine
Ausdrucksfunktion besitzen (vgl. S. 5, Physiognomie).

Gesamteindruck
.......................................................................................
왘 Definition: Ganzheitliches Anmutungserlebnis bezüglich der gesamten Erschei-
nung einer Person, das aus dem Zusammenwirken der geistig-seelischen und kör-
perlichen Funktionen resultiert.
왘 Prinzip: Aus dem summarischen, aber durchaus gestalthaften Gesamteindruck wird
global auf Persönlichkeit bzw. Persönlichkeitsveränderungen geschlossen.
왘 Anwendung:
앫 Die Wahrnehmung und Bewertung des äußeren Erscheinungsbildes des Patien-
ten stellt einen integrativen Bestandteil der psychopathologischen Beurteilung
dar und wird im Befund dokumentiert.
앫 Wesentlich ist die Beurteilung des Gesamteindrucks z. B. dann, wenn Abweichun-
gen in Richtung Ungepflegtheit, Verwahrlosung, Kommunikationsstörungen,
Verschrobenheit, Infantilismus u. a. zu registrieren sind.
왘 Aussage:
앫 Der Gesamteindruck vermittelt unreflektiert eine innere Bewertung der Persön-
lichkeit des Untersuchten, die durch eine hohe subjektive Evidenz gekennzeich-
net ist, sich aber andererseits nur mangelhaft wissenschaftlich überprüfen lässt.
Abhängigkeiten von aktuell-modischen und kulturellen Einflüssen sind zu be-
rücksichtigen (v. a. hinsichtlich Auftreten, Benehmen, Kleidung und Schmuck).
앫 Gröbere Beeinträchtigungen werden am häufigsten gesehen bei Demenz, Oligo-
phrenie (s. S. 217), Suchterkrankungen (s. S. 95 ff), Persönlichkeitsstörungen
(s. S. 240 ff) und chronischen Psychosen (s. S. 162 ff).

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1.4 Anamneseerhebung 1

1.4 Anamneseerhebung

Untersuchungsmethoden
.Familienanamnese
......................................................................................
왘 Definition: Ermittlung und Bewertung von Erkrankungen bei Familienmitgliedern
bzw. innerhalb der Lebensgemeinschaft.
왘 Prinzip: Die Familienanamnese kann wichtige Hinweise zur Diagnose von psychi-
atrischen Erkrankungen liefern, bei denen genetische Faktoren oder prägende psy-
chosoziale Einwirkungen in Kindheit und Adoleszenz eine Rolle spielen.
왘 Durchführung: Der Patient bzw. dessen Angehörige werden auf Erkrankungen und
Lebensalter – gegebenenfalls Todesursache – bei Geschwistern, Eltern und Groß-
eltern sowie anderen Bezugspersonen angesprochen. Dokumentation!
왘 Aussage: Aus möglichst vollständigen und korrekten familienanamnestischen An-
gaben lassen sich diagnostische Hinweise auf Erkrankungen mit hereditärer oder
milieubedingter Belastung gewinnen, wie z. B.
앫 Schizophrene und affektive Psychosen (s. S. 162 ff und 180 ff).
앫 Angsterkrankungen bzw. Phobien (s. S. 97, 99, 201 ff).
앫 Suchterkrankungen (s. S. 217 ff).
앫 Geistige Behinderung, Oligophrenie (s. S. 95).
앫 Degenerative Systemerkrankungen (z. B. Morbus Pick [s. S. 122], Morbus Alzhei-
mer [s. S. 115 ff], Chorea Huntington [s. S. 130 ff]).
(Bei älteren oder schwerer beeinträchtigten Patienten ist mit größeren Erinne-
rungslücken zu rechnen, oft fehlen Kenntnisse über Erkrankungen und Todesur-
sachen vorausgegangener Generationen.)
왘 Hinweis: Suizidversuche und Suizide, Suchterkrankungen und Oligophrenien in

der weiteren Familie sind dem Patienten selbst nicht immer bekannt oder wer-
den – vielleicht aus Scham – von ihm verschwiegen.

Weitere
. . . . . . . . . . . Anamnese
............................................................................
왘 Definition: Die weitere Anamnese umfasst über die spezielle Vorgeschichte (s. S. 11)
hinaus alle anderen bedeutsamen früheren Erkrankungen des Patienten bis hin zu
eventuellen Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen.
왘 Prinzip: Die Ergänzung der Krankheitsgeschichte durch zusätzliche Beiträge auch
über andere Krankheiten dient der Vervollständigung aller Angaben, die für die psy-
chiatrische Diagnostik und Therapie Bedeutung haben können.
왘 Durchführung:
앫 Obgleich die Erhebung und Dokumentation der weiteren Anamnese im Rahmen
der strukturierten Exploration älterer Patienten einen größeren zeitlichen Um-
fang einnehmen kann, sollte darauf nicht verzichtet werden. Dokumentation!
앫 Bedeutung für den psychiatrischen Bereich können insbesondere haben:
앫 Prä- und perinatale Komplikationen.
– Alle späteren Erkrankungen, die mit Schädigungen des zentralen Nervensys-
tems in Verbindung gebracht werden können.
왘 Aussage:
앫 Bei kritischer Einordnung werden die hierdurch gewonnenen Informationen zu
einem wichtigen Bestandteil der gesamten Krankheits- und Lebensgeschichte,
vor allem, wenn Interferenzen zu Art und Entwicklung der aktuellen psychischen
Störung vermutet werden. (Eine Absicherung durch fremdanamnestische Anga-
ben ist u. U. nützlich.)

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1 1.4 Anamneseerhebung

.Biografische
. . . . . . . . . . . . . . . . Anamnese,
. . . . . . . . . . . . . . . .Sozialanamnese
Untersuchungsmethoden

......................................................
왘 Definition: Ausführliche Erhebung der Lebensgeschichte des Patienten.
왘 Prinzip: Neben der speziellen Anamnese (s. S. 11) stellt die Biografie den psychi-
atrisch-psychotherapeutisch wichtigsten Teil der Vorgeschichte dar, da:
앫 Viele psychische Erkrankungen durch Besonderheiten des Milieus, der frühkind-
lichen Entwicklung und der Sozialisation verursacht, in Gang gesetzt oder ge-
prägt werden können, und
앫 Umgekehrt psychische – insbesondere chronische – Erkrankungen den Lebens-
lauf eines Menschen entscheidend mitgestalten können.
왘 Durchführung:
앫 Gewöhnlich hoher Zeitbedarf (es kann daher hilfreich sein, den Patienten zusätz-
lich um eine Niederschrift seines Lebenslaufes zu bitten).
앫 Schwerpunktmäßig sind hierbei die in Tabelle 2 aufgeführten Punkte und Fragen-
komplexe zu erfassen und zu dokumentieren.
앫 Fremdangaben von Angehörigen, Bekannten, Freunden oder Arbeitskollegen sind
für eine zusätzliche Absicherung anzustreben.
왘 Aussage: Die Kenntnis biografischer Fakten ist unerlässlich zum Verständnis der
Krankheitsentwicklung. Sie dient ferner dem Aufbau von Behandlungsstrategien
psychotherapeutischer und sozialpsychiatrischer Art (vgl. S. 3 Erstinterview, neuro-
senpsychologische Diagnostik S. 14).

Tabelle 2 · Mögliche Schwerpunkte der biografischen Anamnese


.......................................................................................
Themenkatalog mögliche Fragen
.......................................................................................
Atmosphäre und Milieu der Kindheit Verlauf der Schwangerschaft und Geburt, Geburts-
und der frühkindlichen Entwickung komplikationen, Kindergarten, Freunde
soziale Herkunft und berufliche Ver- Beziehung zu den Eltern, Erziehungsstil, Vorbilder,
hältnisse der Eltern Großeltern
Verhältnis zu Geschwistern Rivalität, Aufgabenverteilung, Stellung zu den
Eltern, Geschwisterreihe
Schulbesuch und eigene Berufswahl, Schulbildung, Schulabschluss, Berufsausbildung, be-
berufliche Entwicklung ruflicher Status, Wechsel der Arbeitsstelle, berufli-
che Erfolge und Mißerfolge, Verhältnis zu Kollegen
Freundschaften und Partnerschaften soziale Bindungen, Entwicklung in der Kindheit und
einschließlich Sexualität Pubertät, erste sexuelle Erfahrungen und sexuelle
Ausrichtung, Masturbation, Libido, Orgasmuserle-
ben; bei Frauen auch Menarche, Menstruation,
Schwangerschaften, (Fehl-)geburten
Situation der eigenen Familie Wohnsituation, Kinder, Enkel
private und besondere berufliche Trennung, Scheidung, Partnerverlust, Arbeit, Exami-
Belastungen na, Prüfungen, „Mobbing“
wirtschaftliche Verhältnisse finanzielle Situation, Schulden, Verpflichtungen
Sozialkontakte Freunde, Bekannte, Hobbys, Sport, Mitglied-
schaften, Interesse an Kulturveranstaltungen,
Engagements, Religion und Kirche
Wohnungswechsel berufliche, finanzielle, private Gründe
weitere Lebensplanung berufliche und private Ziele (beruflicher Aufstieg,
Heirat, Kinder, Anschaffungen)
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1.4 Anamneseerhebung 1

.Spezielle
. . . . . . . . . . . .Anamnese

Untersuchungsmethoden
..........................................................................
왘 Definition: Vorgeschichte der psychiatrischen Erkrankung, die den Patienten zur
Untersuchung und Behandlung geführt hat.
왘 Prinzip: Aus der möglichst vollständig zu erfassenden Krankheitsvorgeschichte las-
sen sich die notwendigen diagnostischen Hinweise zu Beginn, evtl. Auslösern, Ab-
lauf und Form der aktuellen Erkrankung gewinnen.
왘 Durchführung:
– Die spezielle Anamnese ist qualitativ (entsprechend differenziert, „intensiv“) und
quantitativ (ausreichend umfangreich, „extensiv“) im Rahmen der Untersu-
chungsexploration sorgfältig zu entwickeln und in Stichworten zu dokumentie-
ren. Fehlende Daten sind möglichst durch fremdanamnestische Angaben zu er-
gänzen. Stets bisherige und aktuelle Medikation abfragen!
왘 Aussage:
앫 Zumindest die Verdachtsdiagnose lässt sich als Arbeitshypothese meist aus spe-
zieller Anamnese und aktuellem psychopathologischen Befund stellen.
앫 Die Ermittlung des Erkrankungsbeginns erscheint insofern wichtig, als einige
psychische Erkrankungen an bestimmte Lebensalter gebunden sind bzw. dann
häufiger vorkommen (Beispiele siehe Tabelle 3).
왘 Hinweis: Divergierende Informationen können aus Erinnerungs- und Wahrneh-

mungsverzerrungen resultieren, da der Patient seine eigene Krankheitsvorge-


schichte aus der momentanen subjektiven Befindlichkeit heraus schildert (so
schildern depressive Patienten z. B. ihre Vorgeschichte meist negativer, als dies
tatsächlich der Fall war). Fremdanamnese!

.Fremdanamnese
......................................................................................
왘 Definition: Angaben zur Erkrankung des Patienten von Personen, die mit ihm näher
bekannt waren oder sind.
왘 Prinzip:
앫 Zusätzliche fremdanamnestische Informationen von Angehörigen oder anderen
Bezugspersonen liefern oft verlässliche Hinweise zu Krankheitsgeschehen bzw.
zur Symptomatik. (Besonders wichtig, wenn der Patient selbst nur unvollständi-
ge oder gar keine Angaben machen will oder kann.)

Tabelle 3 · Altersgebundene psychische Erkrankungen


.......................................................................................
typisches Alter Krankheitsbild
.......................................................................................
jüngeres Lebensalter – ADHS (s. S. 95)
– Verhaltensstörungen (s. S. 240 ff)
– Autismus
– Oligophrenie, geistige Behinderung
– Hebephrenie (s. S. 165)
– Drogenabhängigkeit (s. S. 217 ff)
– Phobien, Zwänge (s. S. 93, 99)
.......................................................................................
mittleres Lebensalter – Schizophrene und affektive Psychosen
(s. S. 167 ff, S. 180 ff)
– Alkoholismus (s. S. 220 ff)
– Belastungs- und Anpassungsstörungen (s. S. 192)
– Neurosen (s. S. 200)
.......................................................................................
höheres Lebensalter – hirnorganische Störungen bzw. Demenzen (s. S. 113)
– Involutionspsychosen (s. S. 188 ff)
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1 1.5 Psychiatrische Untersuchung

Durchführung:
Untersuchungsmethoden

앫 Die nächsten Kontaktpersonen sind in die Erstuntersuchung einzubeziehen. Bei


bewusstseinsgestörten, dementen oder stuporösen Patienten sind ihre Angaben
unverzichtbarer Bestandteil der Diagnostik. Dokumentation!
앫 Fremdanamnestische Angaben sind ferner wichtig bei verminderter Krankheits-
einsicht bzw. Unfähigkeit zur kritischen Selbstbeobachtung und -beurteilung.
(Zu den fremdanamnestischen Angaben gehören auch ärztliche Berichte aus frü-
heren Behandlungen u. ä., die mit Einverständnis des Patienten einzuholen sind.)
왘 Aussage:
앫 Der Informationsgewinn der Fremdanamnese ergibt sich aus den patientenunab-
hängigen „objektiveren“ Mitteilungen.
앫 Die eigenen Angaben des Patienten sind mit den fremdanamnestischen Daten
nicht immer in Einklang zu bringen: Beschönigende oder aggravierende zweck-
gerichtete Angaben kommen vor bei einer engen Beziehung zum Patienten (emo-
tional begründete Wahrnehmungsverzerrungen) oder wenn persönliche Interes-
sen eingebracht werden.

.Katamnese
......................................................................................
왘 Definition: Beobachtung und Beschreibung einer bestimmten Erkrankung über ei-
nen längeren Zeitraum.
왘 Prinzip: Das Zurückverfolgen der Krankheit von ihren Anfängen an und die weitere
Beobachtung ihres Verlaufs haben zum Ziel, nähere diagnostische Aufschlüsse zu er-
halten und vor allem Anhaltspunkte für die weitere Prognose zu gewinnen (Stre-
ckenprognose, Langzeitprognose, Richtungsprognose, soziale Prognose).
왘 Durchführung:
앫 Während der (ambulanten oder stationären) Behandlung wird der Krankheits-
verlauf kurz, aber möglichst prägnant dokumentiert, gegebenenfalls unter Einbe-
ziehung fremdanamnestischer Angaben.
(Die Verlaufsbeurteilung orientiert sich wie auch die übrige Diagnostik an der Un-
tersuchungsdichotomie „subjektives Befinden – objektiver Befund“.)
왘 Aussage:
앫 Eine verlässliche Verlaufskontrolle erleichtert prognostische Aussagen hinsicht-
lich des weiteren Krankheitsverlaufs, was z. B. bei degenerativen Erkrankungen,
Psychosen und Süchten bedeutsam ist. Ferner können Wirksamkeit, Art und
Form der Krankheitsbewältigung (Coping-Strategien) eingeschätzt werden.
앫 In Einzelfällen gelingt erst durch die Verlaufsbeobachtung die endgültige diag-
nostische Klärung, z. B. bei initial wenig prägnanten Psychosen oder unspezifisch
beginnenden hirnorganischen Prozessen.
(Eine exakte Dokumentation schützt vor forensischen oder abrechnungstechni-
schen Missverständnissen!)

1.5 Psychiatrische Untersuchung

.Psychopathologischer
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Befund
. . . . . . . . . .(Psychostatus)
...............................................
왘 Definition und Prinzip: Wahrnehmung, Explikation, Registrierung, Gewichtung
und Dokumentation von Abweichungen im Denken, Erleben und Verhalten des Pa-
tienten (Symptome) im Rahmen der klinischen Untersuchung sind Bausteine der Di-
agnose. Sie richten sich auf die in der Tabelle 4 dargestellten elementaren und kom-
plexen psychischen Funktionen.

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1.5 Psychiatrische Untersuchung 1

Untersuchungsmethoden
Tabelle 4 · Der psychopathologische Befund – elementare und komplexe psy-
chische Funktionen
.......................................................................................
Funktion, Befindlichkeit mögliche Abweichungen (Beispiele)
.......................................................................................
erster Eindruck, überangepasst, umtriebig, devot, ungepflegt, müde,
äußeres Erscheinungsbild verwahrlost, erschöpft, ablehnend, unkooperativ, autis-
tisch, desorganisiert, abgebaut
Bewusstseinslage, Vigilanz somnolent, soporös, komatös, delirant, umdämmert,
eingeengt, fluktuierend, überwach
Aufmerksamkeit, desinteressiert, zerstreut, abgelenkt, wechselnd, glei-
Konzentration tend, fahrig, gelangweilt, abwesend
Orientiertheit uninformiert, falschinformiert, verwirrt, ratlos, lücken-
(Person, Ort, Zeit, Situation) haft, desorientiert, konfus
Interaktion, Kontakt negativistisch, ablehnend, verschlossen, introvertiert,
gehemmt, scheu, angepasst, extrovertiert, theatralisch,
feindselig, aggressiv, distanzlos
Antriebsverhalten, Psychomotorik stuporös, kataton, verlangsamt, ambitendent, manie-
riert, unruhig, umtriebig, getrieben, impulsiv, erregt,
kataleptisch, stereotyp
Sprechweise, Sprache mutistisch, leise, monoton, aphasisch, paraphasisch,
stotternd, lispelnd, tonlos, gepresst, überlaut, logorrho-
isch, neologistisch
Kontrolle, Steuerung, Volition haltarm, impulsiv, sprunghaft, gelockert, gespannt, ver-
krampft, hartnäckig, ziellos
Denkabläufe gehemmt, gesperrt, verlangsamt, ambivalent, verwor-
ren, inkohärent, perseverierend, weitschweifig, ideen-
flüchtig, sprunghaft, zerfahren
Denkinhalte hypochondrisch, misstrauisch, zwanghaft, magisch, pa-
ranoid, expansiv, bizarr, ängstlich, phobisch
Intelligenz, intellektuelles Niveau genial, hochbegabt, im unteren Normbereich, minder-
begabt, debil, dement
mnestische Funktionen zerstreut, lückenhaft, vergesslich, amnestisch, verwor-
(Neu-, Altgedächtnis) ren, konfabulatorisch, verfälscht
Gestimmtheit, Affektivität bedrückt, depressiv, pessimistisch, ratlos, parathym,
ängstlich, gereizt, feindselig, verzweifelt, läppisch, dys-
phorisch, heiter, gehoben, hyperthym, überschwäng-
lich, euphorisch, ekstatisch
affektive Resonanz eingeengt, verflacht, verarmt, bewegt, blockiert, affekt-
labil, affektinkontinent, überschießend
Empfindung, Wahrnehmung mißtrauisch, sensitiv, situationsverkennend, verzerrt,
unwirklich, blass, dysästhetisch, halluzinatorisch,
synästhetisch, gesteigert
Ich-Erleben Fremdbeeinflussung, Gedankenentzug und -eingebung,
Gedankenausbreitung, Derealisation, Depersonalisation,
Transitivismus
Gesamtpersönlichkeit, Krankheitseinsicht, Motivation, Ich-Stärke, Belastbar-
Charakterzüge keit, Suizidalität, Leidensdruck, Empathie, Steuerungsfä-
higkeit, Compliance, Kooperation, Aggravation, Simula-
tion, Sexualität

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1 1.5 Psychiatrische Untersuchung

Die Befunderhebung erfolgt aufgrund der vorlaufend beschriebenen Explorations-


Untersuchungsmethoden

methoden und Verhaltensbeobachtungen. Sie sollte im Zweifelsfall durch psycho-


metrische Methoden abgesichert bzw. ergänzt werden.

.Neuropsychologische
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Untersuchung
..........................................................
왘 Definition: Klinische Erfassung komplexerer kognitiver Leistungsmängel aufgrund
hirnorganischer Funktionsstörungen.
왘 Prinzip: Schädigungen bestimmter Hirnabschnitte verursachen umschriebene, kli-
nisch fassbare kognitive Defizite. Diffuse, weitergehende Hirnschädigungen können
schließlich zum Bild eines demenziellen Syndroms (s. S. 96) führen. Die Erfassung
kognitiver Funktionen und damit verknüpfter Erlebens- und Verhaltensbesonder-
heiten hat zum Ziel, eventuell vorhandene kognitive Einbußen aufzudecken, zu ana-
lysieren und zu klassifizieren.
왘 Durchführung: Die in der Tabelle 5 dargestellten Leistungsbereiche werden durch
exploratives Gespräch, gezieltes Nachfragen sowie Verhaltensbeobachtung klinisch
geprüft. Die Untersuchung kann durch spezielle Leistungstests (s. S. 31 ff) ergänzt
werden.
왘 Hinweis: Händigkeit bzw. Hemisphärendominanz beachten!

Tabelle 5 · Neuropsychologische Leistungsbereiche


.......................................................................................
Leistungsbereich klinische Parameter, Auf- Läsionsort – mögliche Leis-
gaben Aussage tungstests
.......................................................................................
Aufmerksamkeit und Person: Name, Alter, diffuse Hirn- MMST (s. S. 41)
Orientierung Geburtsdatum funktionsstö- DCS (s. S. 42)
rungen DT (s. S. 43)
KAI (s. S. 34)
Zeit: Jahr, Jahreszeit, Da-
tum, Wochentag, Uhrzeit
Ort, Situation: Stadt, Ge-
bäude, Etage, Station
.......................................................................................
Sprache, Sprechen, Spontansprache: flüssig, linkshemi- Aphasie-Test
Schreiben: stockend, Neologismen, sphärische Stö- FWIT (s. S. 37)
Störung der verbalen Paraphasien, Geschwindig- rung durch lo- LEILA (s. S. 46)
Kommunikation keit, Anstrengung, kale oder diffu-
Prosodie se Läsion ein-
schließlich
Demenz
Sprachverständnis: Binär-
fragen, Zeigeaufgaben
Nachsprechen: Wörter, Sät-
ze steigender Schwierig-
keit
Benennen: Gegenstände,
Teile von Gegenständen,
Körperteile, Farben
Lesen: Worte, Sätze,
kurzer Text
Schreiben: Spontan u.
diktiert

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1.5 Psychiatrische Untersuchung 1

Untersuchungsmethoden
Tabelle 5 · Fortsetzung
.......................................................................................
Leistungsbereich klinische Parameter, Läsionsort – mögliche Leis-
Aufgaben Aussage tungstests
.......................................................................................
Raumerfassen: spontanes Zeichnen u./o. rechtsparietale Mosaiktest
Störung des Raumverständ- Kopieren von geometr. Schädigung (HAWIE, s. S. 39)
nisses und der Objekten (z. B. Würfel, Raven-Test
Raumverarbeitung Haus, Blume), Linien- (s. S. 38)
bei erhaltener Wahrneh- halbieren DCS (s. S. 42)
mung Benton-Test
(s. S. 39)
Neclect-Test
(s. S. 42)
.......................................................................................
Koordination von Koordination, Spontanbe- linksseitige MMST (s. S. 41)
Willkürbewegungen: wegung, Willkürbewe- temporoparie- DCS (s. S. 42)
Störung der geordneten, gung, Handlungsgestalt, tale Schädi- HIS (s. S. 45)
willkürlichen und zielgerich- Handlungsabläufe, op- gung Neurostatus
teten Bewegungsausfüh- tisch-räumliches Orientie-
rung rungsvermögen.
Beispiele:
ideomotorisch:
Einzelne Handlung betrof-
fen (z. B. mit der Hand grü-
ßen, Vogel zeigen, winken
ideatorisch:
Handlungsabfolge betrof-
fen (z. B. Papier falten, in
Umschlag stecken, zukle-
ben, Briefmarke aufkleben)
konstruktiv:
Gestaltende Handlungen
können nicht durchge-
führt werden (z. B. zeichnen)
.......................................................................................
Lesen literal: Fehler bei der Buch- Leitungsunter- Token-Test
Störungen des Lesens stabenerkennung brechung der (s. S. 42)
visuellen Asso-
ziationsfelder
beider Hemi-
sphären
Verbal: Fehlerhafte Erfas-
sung ganzer Wörter
.......................................................................................
Rechnen: Rechenaufgaben steigen- linksparietale KVT (s. S. 36)
Gestörte Rechen- der Schwierigkeit Schädigungen Arbeitskurve
operationen (Gyrus angula- (s. S. 36)
ris) HAWIE (s. S. 39)
KLT (s. S. 36)

Fortsetzung Tabelle 5 쑺

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1
Untersuchungsmethoden 1.5 Psychiatrische Untersuchung

Tabelle 5 · Fortsetzung
.......................................................................................
Leistungsbereich klinische Parameter, Läsionsort – mögliche Leis-
Aufgaben Aussage tungstests
.......................................................................................
Erkennen und visuell: Erkennen trotz visueller Asso- Benton-Test
Wiedererkennen: normalen Sehvermögens ziationskortex (s. S. 39)
Störungen des Erkennens gestört beidseits Raven-Test
ohne Wahrnehmungs-, (s. S. 38)
Intelligenz- oder Aufmerk- HAWIE (s. S. 39)
samkeitsdefizite LEILA (s. S. 46)
Farbagnosie: Unfähigkeit, linksseitige Ok-
Farben zu erkennen zipitallappen-
schädigung
Prosopagnosie: (Vertraute) inferior tempo-
Gesichter werden nicht rookzipital
erkannt rechts oder
beidseits
Anosognosie: Eigener
krankhafter Zustand wird
nicht wahrgenommen
taktil: Trotz normaler Sen- gegenseitiger
sibilität Erkennen durch Parietallappen
Betasten nicht möglich
.......................................................................................
Alt- und Neugedächtnis: Kurz- und Langzeit- globale Hirn- HAWIE (s. S. 39)
Störungen der Gedächtnis- gedächtnis schädigung d2-Test (s. S. 34)
leistung Neu- und Altgedächtnis Memo-Test
(anterograde und retro- (s. S. 34)
grade Amnesie) TME (s. S. 35)
Demenz-Test
(s. S. 43)

.Neurosenpsychologische
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Untersuchung
......................................................
왘 Definition: Beschreibung einer psychischen Störung aufgrund psychoanalyti-
scher bzw. psychodynamischer Hypothesen (vgl. S. 355, 356).
왘 Prinzip: Die Darstellung der Diagnose erfolgt auf symptomatischer (deskriptiv-kli-
nisch) und struktureller Ebene (Beziehung zu Persönlichkeit und deren Lebensge-
schichte). Sie dient als Grundlage für den psychoanalytisch oder tiefenpsychologisch
konzipierten Therapieplan und enthält zudem prognostische Schlussfolgerungen.
왘 Durchführung: Das mehrschrittige Vorgehen umfasst die Technik des psychoanaly-
tischen Erstinterviews bzw. der biografischen Anamnese unter tiefenpsychologi-
schen Gesichtspunkten (s. S. 356).
앫 Erfasst werden:
– Gegenwärtige Störung, Problem, Konflikt?
– Erleben, Reaktion, Bewältigung? Auslöser? Krankheitsgewinn?
– Lebensbereiche, v. a. mit konfliktauslösender Funktion: Partnerschaft, Familie,
Beruf, Wohnen, Freizeit.
– Biographie und soziale Entwicklung: Herkunft, Eltern, Schule, Kindheit, Be-
rufswahl, Freundschaften, Sexualität, Hobbys.

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1.6 Körperliche Untersuchung 1
앫 Zusammenfassend sind in Form einer Epikrise darzustellen:

Untersuchungsmethoden
– Beeinträchtigungen des Patienten.
– Lebensgeschichtliche Entwicklung.
– Krankheitsanamnese.
– Psychischer Befund.
– Psychodynamik.
– Diagnose.
– Behandlungsplan, therapeutische Zielsetzung (Dokumentation!).
왘 Aussage: In sich stimmige und nachvollziehbare Darstellung der neurotischen bzw.
Anpassungsstörung unter Einsatz tiefenpsychologisch-explorativer, ggf. zusätzlich
projektiver testpsychologischer Verfahren zur Therapieeinleitung.
왘 Hinweis: Notwendig zur Antragsstellung bei den Krankenkassen (Kostenüber-

nahme, s. S. 315).

Verhaltensdiagnostik
.......................................................................................
왘 Definition: Beschreibung einer psychischen Störung unter verhaltenstherapeuti-
schen Gesichtspunkten (vgl. S. 369 ff).
왘 Prinzip: Aufgrund mehrschichtiger Diagnostik (Verhalten, Kognitionen, Psychophy-
siologie, Somatik) werden Krankheitsbild und darauf aufbauend die Therapiepla-
nung entwickelt.
왘 Durchführung: Der verhaltensdiagnostische Prozess verläuft schrittweise:
앫 Problemanalyse: Was stört? Was ist krankhaft? Problem?
앫 Situationsanalyse: Bei welcher Gelegenheit, bei welchem Anlass tritt die Störung
auf?
앫 Verhaltensanalyse: Was zeigt sich äußerlich? Welche Reaktionen treten auf? Wel-
che Empfindungen und Gefühle?
앫 Bedingungsanalyse: Womit hängt die Störung zusammen? Was geht voraus? Was
wird vermieden? Wie ändert sich das Symptom?
앫 Funktionsanalyse: Welche Funktion könnte die Störung haben? Wie ist das Symp-
tom einzuordnen?
앫 Zielanalyse (Indikationsstellung und Therapieplanung): Was liegt diagnostisch
vor und mit welcher therapeutischen Strategie ist das Krankheitsbild zu behe-
ben? Welche nächsten Schritte sind notwendig, welche spezielle verhaltensthe-
rapeutische Methode erscheint am geeignetsten? Wie sind die therapeutischen
Schritte zu planen umzusetzen, zu dokumentieren und zu evaluieren?
왘 Aussage: Angestrebt wird eine möglichst komplette, jedoch straffe Beschreibung
des verhaltenstheoretischen Störungsmodells, orientiert am behavioristischen
Reiz-Reaktions-Schema: Reiz 씮 Organismus 씮 Konsequenz (SORK).
왘 Hierzu werden psychodiagnostische, explorative und anamnestische Verfahren ein-
gesetzt. Darüber hinaus werden die individuelle Lerngeschichte und deren pathoge-
ne Auswirkungen berücksichtigt sowie Verstärkermechanismen, die möglicherwei-
se zu einer Aufrechterhaltung der Krankheit beitragen.

1.6 Körperliche Untersuchung


Allgemein-körperlicher
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Befund
. . . . . . . . . .(Somatostatus)
..............................................
왘 Definition: Ergebnis einer orientierenden klinischen Untersuchung der allgemei-
nen körperlichen Verfassung sowie der einzelnen körperlichen Funktionsbereiche.
왘 Prinzip: Die körperliche Untersuchung dient der Suche nach einer eventuellen orga-
nischen Ursache der psychischen Störung.

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1 1.6 Körperliche Untersuchung

Durchführung:
Untersuchungsmethoden

앫 Überprüfung von Zustand und Funktion:


– Haut und Schleimhäute (z. B. Verfärbungen, Einstichstellen, Effloreszenzen,
Hämatome, Schnittwunden, Narben).
– Gliedmaßen und Skelettsystem (z. B. Missbildungen, Fehlstellungen, Verände-
rungen nach Trauma).
– Lunge (z. B. Tachypnoe, Dyspnoe, Atmungsgeräusche).
– Herz und Kreislauf (z. B. Pulsfrequenz, Blutdruck, Herzrhythmus, Stenose-
bzw. Insuffizienzgeräusche).
– Innere Organe (z. B. Lebervergrößerung).
– Allgemeinzustand: Körperhaltung (vgl. S. 8), Pflegezustand, Hygiene, Gesamt-
eindruck (vgl. S. 8), Kleidung.
– Körpergewicht bzw. Ernährungszustand.
왘 Hinweis: Ausreichende Dokumentation notwendig (Verlaufsbeobachtung, foren-

sische Gründe)!
왘 Aussage:
앫 Beeinträchtigung der allgemeinen Leistungsfähigkeit und körperlichen Gesamtver-
fassung durch kardiale, zirkulatorische, hormonelle und/oder metabolische Stö-
rungen mit psychiatrisch relevanten Auswirkungen.
앫 Beeinträchtigung von Körpergewicht und Allgemeinbefinden bei Essstörungen
(s. S. 297 ff), Suchterkrankungen (s. S. 217), Demenz (s. S. 113 ff) und chronischer
Depression (s. S. 180 f).
앫 Haut- und/oder Skelettanomalien zeigen sich gehäuft bei hereditär bedingten Sys-
temerkrankungen (z. B. Mikrozephalie, Neurofibromatose, Hydrozephalus), Ein-
stichstellen in der Haut bei i. v.-Drogenabhängigen (Fixern).
앫 Hinweise auf Selbstbeschädigung finden sich bei schwereren Persönlichkeitsstö-
rungen, Suizidalität und bei Psychosen (s. S. 162 ff).
앫 Nebenwirkungen einer medikamentösen Therapie:
– Neuroleptika: Dyskinesien, Parkinsonoid, Stereotypien, Akathisie, vegetative
(v. a. anticholinerg: z. B. Blutdruckabfall, Mundtrockenheit) und endokrine
(z. B. Menstruationsstörungen, Änderung des Glukosestoffwechsels) Neben-
wirkungen (vgl. S. 318 ff).
– Antidepressiva/Lithium: Kardiale Funktionsstörungen (vgl. S. 324 ff), Tremor,
Schwitzen, Mundtrockenheit, Tachykardie.
– Tranquilizer und Betarezeptorenblocker: Orthostatische Regulationsstörun-
gen mit Müdigkeit und Antriebsmangel, Muskelschwäche (vgl. S. 331 ff).

.Neurostatus
......................................................................................
왘 Definition: Klinischer Untersuchungsbefund hinsichtlich der Funktionen des zent-
ralen und peripheren Nervensystems.
왘 Prinzip: Die neurologische Untersuchung dient in der Psychiatrie vorrangig dem
Ausschluss zentralnervöser Ursachen psychischer Störungen (Im Zweifel stets neu-
rologisches Konsil veranlassen!).
왘 Durchführung: Es erfolgt eine klinische Überprüfung der folgenden wichtigsten
neurologischen Funktionsbereiche (schriftliche Dokumentation!):
앫 Hirnnerven (Untersuchung siehe Tabelle 6).
앫 Motorik und Muskeltrophik. Händigkeit.
앫 Eigen- und Fremdreflexe, pathologische Reflexe.
앫 Tonus und Motilität.
앫 Oberflächen- und Tiefensensibilität.
앫 Koordination. Sprache.
앫 Vegetativum.
왘 Aussage: Da nahezu alle hirnorganischen Erkrankungen früher oder später zu psy-
18 chischen Funktionsstörungen und Leistungseinbußen führen, ist auf Symptome fol-

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1.6 Körperliche Untersuchung 1

Untersuchungsmethoden
Tabelle 6 · Hirnnerven – Funktion und klinische Untersuchung
.......................................................................................
Hirnnerv Funktion klinische Untersuchung
.......................................................................................
I N. olfactorius Riechen Riechstoffe anbieten
.......................................................................................
II N. opticus Sehen Visus-Testtafel oder Text
lesen lassen
Gesichtsfeld orientierend Fingerperimetrie
Augenhintergrund Funduskopie
.......................................................................................
III N. oculomotorius Augenmotilität Augenfolgebewegungen,
(Frage nach Doppelbildern)
IV N. trochlearis
VI N. abducens
.......................................................................................
V N. trigeminus Sensibilität im Gesichtsbereich, Gesichtshaut berühren,
motorisch Kaumuskulatur Kaumuskeln prüfen
.......................................................................................
VII N. facialis mimische Muskulatur Stirn runzeln, Nase rümpfen,
Mund spitzen, Backen auf-
blasen lassen
.......................................................................................
VIII N. vestibulococh- Hören, Gleichgewicht orientierende Hörprüfung, Au-
learis genfolgebewegungen prüfen
.......................................................................................
IX N. glossopharyn- Würgreflex, Pharynxsensibilität, Rachenhinterwand berühren
geus Geschmack/Sens. hinteres
Zungendrittel
.......................................................................................
X N. vagus Würgreflex, Schlucken s. N. IX + Schluckversuch
.......................................................................................
XI N. accessorius M. sternocleidomastoideus, Kopfdrehung zur Gegenseite,
M. trapezius Schulterhebung prüfen
.......................................................................................
XII N. hypoglossus Zungenmotilität Zunge herausstrecken lassen

Tabelle 7 · Mögliche Symptome hirnorganischer Erkrankungen


.......................................................................................
Ursache klinisch-neurologische Diagnostik und mögliche
Leitsymptomatik Differenzierungskriterien
.......................................................................................
zerebrale degenerative Herdsymptome Anamnese, bildgebende
Systemerkrankungen (Ataxie, Spastik) Verfahren
entzündliche Erkrankungen Kopfschmerzen, Nacken- Anamnese, Labordiagnostik,
des Gehirns einschließlich En- steifigkeit, Herdsymptome Liquor, bildgebende Verfahren
zephalomyelitis disseminata
toxische Schädigungen neuropsychologische Auffäl- Anamnese, neuropsychologi-
ligkeiten, evtl. extrapyrami- sche Untersuchung, Psycho-
dale Symptome metrie
zerebrale Raumforderungen Erbrechen, Kopfschmerzen, Anamnese, bildgebende
(Hirndruck) Herdsymptome (z. B. Visus- Verfahren, EEG
minderung, Paresen, Apha-
sie, s. o.), Stauungspapille
zerebrale Arteriosklerose Schwindel, Kopfdruck Anamnese, Risikofaktoren,
Labordiagnostik, Bildgebung,
Dopplersonographie, Psycho-
metrie
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1 1.7 Labordiagnostik

gender Krankheitsbilder zu achten, die in Tabelle 7 dargestellt werden (s. a. neuro-


Untersuchungsmethoden

psychologische Untersuchung S. 14).

1.7 Labordiagnostik

.Routinediagnostik
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(blutchemische
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Befunde)
.........................................
왘 Definition und Prinzip: Die Bestimmung der Blutparameter hat im Rahmen der
psychiatrischen Untersuchung einen wichtigen Stellenwert. Ihre Bewertung ermög-
licht im Zusammenhang mit dem klinischen Befund und anderen Untersuchungser-
gebnissen den Ausschluss organisch begründbarer psychischer Störungen. Ferner
dient sie der Überwachung unerwünschter medikamentöser Nebenwirkungen bzw.
dem Drug-monitoring.
왘 Durchführung: Die standardmäßig und fakultativ zu erfassenden Parameter sind in
Tabelle 8 und 9 zusammenfassend dargestellt.
왘 Aussage:
앫 Hämatologische Veränderungen sind Begleiterscheinungen zahlreicher orga-
nisch begründbarer bzw. symptomatischer Psychosen und anderer psychischer
Erkrankungen.
앫 Veränderungen können auch auftreten unter Pharmakotherapie, insbesondere
unter Behandlung mit Neuro- und/oder Antidepressiva einschl. Lithium (s. S. 318,
324). Regelmäßige Kontrollen des weißen Blutbilds sind beispielsweise unter der
Behandlung mit Clozapin gesetzlich vorgeschrieben.
앫 Eine Untersuchung auf HIV-Infektion ist notwendig bei Fixern, Kontaktpersonen
von HIV-Infizierten und Personen mit häufig wechselnden sexuellen Partnern,
insbesondere männlichen Homo- und Bisexuellen.
(Bei verdächtigen Befunden stets internistisches Konsil!)

Tabelle 8 · Standard-Laboruntersuchungen
.......................................................................................
Laborparameter diagnostischer Hinweis
.......................................................................................
Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit Entzündung, Infektion, Anämie, Malignom
(BKS)
Differenzialblutbild Anämie, Entzündung, Infektion, Malignom,
Medikamentennebenwirkungen (z. B. Leuko-
penie unter Antipsychotika)
Blutzucker diabetische Stoffwechsellage, Hypoglykämie
Lipidstatus (Triglyceride, Cholesterin, Risikofaktoren für arteriosklerotische Verände-
HDL/LDL-Quotient) rungen
GOT, GPT, γ-GT, Cholinesterase, 앖: Leberfunktionsstörung, Cholestase,
Alkalische Phosphatase, LDH Medikamentennebenwirkung, Abusus
Kreatinkinase (CK) 앖: Muskelerkrankung, Trauma, Epilepsie,
(Myokardischämie)
Kreatinin 앖: Akute, chronische Niereninsuffizienz,
Nebenwirkung einer med. Therapie, evtl.
Dosisanpassung
Harnsäure 앖: Gicht, Alkoholabusus, Malignom
(erhöhter Zellumsatz), Fasten
Homozystein 앖: Störung der Mikrozirkulation (vaskuläre De-
menz), L-Dopa-Medikation, Folsäuremangel
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1.7 Labordiagnostik 1

Untersuchungsmethoden
Tabelle 9 · Fakultative Laboruntersuchungen
.......................................................................................
Laborparameter diagnostischer Hinweis
.......................................................................................
endokrinologische Untersuchungen:
TSH (wenn pathol. fT3, fT4) 앖: Hypo-,앗: Hyperthyreose
Parathormon PTH Hypo-, Hyperparathyreoidismus (weg-
weisend: Ca2 + i. S.앗oder앖)
ACTH 앖: Nebennierenrindeninsuffizienz
Wachstumshormon (STH) 앖: Akromegalie
LH, FSH, Testosteron, Östrogene, Sexualhormonstörungen (Klimakterium)
Gestagene
Prolaktin 앖: Neuroleptikatherapie, Prolaktinom
Noradrenalin, Adrenalin, Metanephrine, 앖: Phäochromozytom
Vanillinmandelsäure
(24-h-Urin)
.......................................................................................
Vitamine (B1, B6, B12, Folsäure) Alkoholismus, makrozytäre/hyperchrome
Anämie, Polyneuropathie, Malassimilation,
B12-Mangel-Psychose
.......................................................................................
Drogen- und Medikamentenspiegel Screening s. u.
bakteriologisch-virologische Untersuchun- chronische Infektion
gen: Lues-Suchtest (TPHA-Test) Hepatitis-
Serologie (B, C) HIV-Serologie
.......................................................................................
왘 Hinweis: Blutentnahme und -transport sind unter besonderen hygienischen Vorsichtsmaß-
nahmen (z. B. Handschuhe, Schutzkleidung) durchzuführen, auf eine fachgerechte Entsor-
gung der benutzten Materialien ist zu achten. Bei Untersuchung auf HIV-Infektion müssen
Aufklärung und Einwilligung des Patienten dokumentiert werden.

.Serumspiegelbestimmungen,
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Drogenscreening
................................................
왘 Definition und Prinzip:
앫 Überprüfung der im Blut zur Verfügung stehenden Menge eines verabreichten
Medikaments oder anderer psychotroper Substanzen (Drug-monitoring).
앫 Notwendig bei verschiedenen psychischen Störungen bzw. psychiatrischen Erkran-
kungen (Beispiele):
– Verdacht auf (suizidale) Intoxikation.
– Sucht- und Abhängigkeitserkrankung (Drogenscreening).
– Kontrolle eines Beigebrauchs bei Substitutionsbehandlung (s. S. 338 ff).
– Medikamentöse Rezidivprophylaxe rezidivierender affektiver Störungen
(s. S. 328 ff) mit Lithiumsalzen, Carbamazepin und Valproinsäure.
– Medikamentöse Behandlung epileptischer Psychosen.
왘 Durchführung:
앫 Blutentnahme, gegebenenfalls ohne vorherige Ankündigung.
앫 Bei Drogenscreening Urinkontrollen – hiermit nachweisbar:
– Opiate.
– Tetrahydrocannabinol.
– Kokain.
– Amphetamine.
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1 1.7 Labordiagnostik

– Lysergsäurediäthylamid (LSD).
Untersuchungsmethoden

– Benzodiazepin.
– Alkohol.
왘 Aussage:
앫 Qualitativer und quantitativer Nachweis der Einnahme unerwünschter psycho-
troper Substanzen (z. B. Schmerz-, Schlaf- u. Beruhigungsmittel, Drogen und Al-
kohol).
왘 Hinweis: Alternativ Urinkontrolle (nachweisbare Substanzen siehe oben)!

앫 Lithium- und Carbamazepinspiegel s. Tab. 10.


왘 Hinweis: Bisherige Serumspiegelbestimmungen von Neuro- und/oder Antide-

pressiva haben wegen nicht gesicherter Korrelation zwischen Bioverfügbarkeit


und therapeutischer Effizienz nur begrenzte klinische Relevanz.

Tabelle 10 · Plasmakonzentration bei Drug-Monitoring häufig verwendeter


Psychopharmaka
.......................................................................................
Antidepressiva empfohlen
.......................................................................................
Amitriptylin 80 – 200 ng/ml
Clomipramin 100 – 300 ng/ml
Imipramin 150 – 300 ng/ml
Doxepin 50 – 100 ng/ml
Trimipramin 100 – 200 ng/ml
Maprotilin 100 – 120 ng/ml
Mianserin 50 – 150 ng/ml
Citalopram 100 – 150 ng/ml
Paroxetin 300 – 400 ng/ml
Fluoxetin 300 – 400 ng/ml
Moclobemid 300 – 400 ng/ml
Sulpirid 1000 – 3000 ng/ml
.......................................................................................
Neuroleptika
.......................................................................................
Haloperidol 5 – 12 ng/ml
Fluphenazin 0,2 – 2,0 ng/ml
Perazin 100 – 230 ng/ml
Perphenazin 0,8 – 2,4 ng/ml
Clozapin 350 – 600 ng/ml
Olanzapin 20 – 80 ng/ml
.......................................................................................
Phasenprophylaktika
.......................................................................................
Lithium 0,8 – 0,6 mmol/l
Carbamazepin 4 – 12 mg/l (µg/ml)
Lamotrigin 5 – 6 mg/l (µg/ml)
Valproat 50 – 100 mg/l (µg/ml)

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1.7 Labordiagnostik 1

.Liquoruntersuchung

Untersuchungsmethoden
......................................................................................
왘 Definition: Untersuchung des Liquor cerebrospinalis zum Ausschluss zentral-
nervöser organischer Erkrankungen.
왘 Prinzip: Entzündliche, degenerative, hämorrhagische, traumatische und raumfor-
dernde Prozesse in Gehirn und Rückenmark können zu definierten Veränderungen
der Liquorflüssigkeit führen.
왘 Durchführung (Lumbalpunktion):
왘 Hinweis: Zunächst Ausschluss eines erhöhten Hirndrucks (Spiegelung des Au-

genhintergrundes, evtl. CCT)! Aktuelle Gerinnungsparameter, Aufklärung und


Desinfektion.
앫 Am gekrümmt sitzenden oder liegenden Patienten durch Punktion zwischen L3
und L4 Entnahme von etwa 10 – 15 ml Liquor.
앫 Anschließend Bettruhe für etwa 4 – 6 Stunden. Bei (postpunktionellen) Kopf-
schmerzen Flüssigkeitszufuhr, gegebenenfalls Acetylsalicylsäure.
왘 Aussage: Beurteilung der Farbe des Liquors, der Zellzahl sowie des angefertigten zy-
tologischen Präparates, gegebenenfalls immunologische Diagnostik und Antikör-
per-Test auf Amyloid-Beta (Einzelheiten s. Lehrbücher der Neurologie). Wesentliche
Liquorveränderungen werden in Tabelle 11 dargestellt. (Bei verdächtigen Befunden
stets neurologisches Konsil!).

Tabelle 11 · Liquordiagnostik – mögliche Aussagen


.......................................................................................
Parameter Normwert Aussage
.......................................................................................
Farbe wasserklar – rötlich: Frische Blutung
– xanthochrom: ältere Blutung
– milchig trüb: Meningitis
.......................................................................................
Zellzahl ⬍ 5 Zellen/µl – mäßige Pleozytose: virale bzw. chronisch
entzündliche Erkrankungen, nach Trau-
men, Ischämie, epileptischem Anfall,
Vorpunktion
– massive Pleozytose (⬎ 100 Zellen):
Hinweis auf bakterielle Meningitis
(„exsudatives Liquorsyndrom“)
.......................................................................................
Zellbild 2
/3 Lymphozyten – lymphozytär: z. B. chronische Entzündun-
1
/3 Monozyten gen,
– granulozytär: bakterielle Meningitis
– Tumorzellen
.......................................................................................
Gesamtprotein 150 – 450 mg/l Beispiele:앖(„transsudatives Liquor-
syndrom“):
– Blockade der Liquorpassage im
Spinalbereich
– entzündlich-immunologische
Erkrankungen
.......................................................................................
Glukose 45 – 75 mg/dl bzw. ca. 앖: Diabetes mellitus
50 % des Serumwertes 앗: bakterielle Meningitis
.......................................................................................
oligoklonale negativ positiv bei intrathekaler IgG-Produktion
Banden

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1 1.8 Apparative Diagnostik

Befunde bei psychiatrischen Erkrankungen können sein:


Untersuchungsmethoden

앫 Konzentrationsveränderungen der Monoaminmetaboliten bei Persönlichkeits-


störungen.
앫 Erhöhung der alzheimertypischen Proteine AB 42 und AB 40 bei Demenz (Früher-
kennung möglich).

1.8 Apparative Diagnostik

.Elektroenzephalographie
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(EEG)
.....................................................
왘 Definition: Ableitung der Hirnströme (Registrierung von Potenzialschwankungen)
und Beurteilung ihrer kontinuierlichen grafischen Darstellung als Methode der ze-
rebralen Funktionsdiagnostik.
왘 Prinzip:
앫 Aus den qualitativen und quantitativen Besonderheiten des Hirnstrombildes
wird auf Art und Ausmaß möglicher Störungen der bioelektrischen Hirntätigkeit
geschlossen.
앫 Pathologische Befunde können durch Einsatz von Aktivierungsverfahren (Provo-
kationsverfahren) und Brain Mapping verdeutlicht werden. Synchron mit einer
Elektromyographie ist das EEG Bestandteil der Polysomnographie (s. S. 272).
왘 Durchführung:
앫 Über 23 Oberflächenelektroden (internationales 10/20- bzw. Ten-Twenty-Sys-
tem, s. Abb. 2) werden die sich aus der bioelektrischen Hirnaktivität ergebenden
Potenzialdifferenzen im Bereich der äußeren Rindenschicht unipolar und bipolar
abgeleitet, verstärkt und grafisch aufgezeichnet. Interpretiert und beurteilt wird

Abb. 2 · Elektrodenpositionierung im Ten-Twenty-System (aus Mumenthaler, Mattle. Neuro-


24 logie. 10. Aufl. Stuttgart: Georg Thieme; 1997)

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1.8 Apparative Diagnostik 1
die Hirnstromkurve nach Frequenz, Amplituden und Verlaufsform der Grapho-

Untersuchungsmethoden
elemente.
앫 Darstellung der räumlichen Verteilung von Potenzialen unter Erfassung der mitt-
leren Amplitude als Zielvariablen mittels Brain Mapping (Vielkanal-EEG-Ablei-
tung).
(Untersuchungsdauer bei einfacher Ableitung ca. 20 – 30 Minuten.)
앫 Die Hirntätigkeit kann durch stimulierende Reize aktiviert werden (Provokations-
methoden):
– Physiologische Provokation (Hyperventilation, Schlaf, Schlafentzug).
– Künstliche Provokation (Photostimulation, pharmakogene Provokation durch
Hypnotika, Sedativa oder Bemegrid).
왘 Aussage:
왘 Hinweis: Das EEG stellt ein Funktionsdiagramm dar, d. h. morphologische Beson-

derheiten werden nicht wiedergegeben.


(Orientierende Frequenznormwerte siehe Tabelle 12 und Abb. 3.)

Tabelle 12 · EEG – Frequenznormwerte


.......................................................................................
Aktivität Frequenz (Hz)
.......................................................................................
Alpha-Rhythmus 8 – 13
Beta-Rhythmus 14 – 30
Theta-Rhythmus 4–7
Delta-Rhythmus 1–3
Subdelta-Rhythmus ⬍1

Abb. 3 · EEG-Rhythmen aus verschiedenen Frequenzbereichen (aus Mumenthaler, Mattle.


Neurologie. 10. Aufl. Stuttgart: Georg Thieme; 1997)

앫 Grundsätzlich pathologisch sind: Allgemeinveränderung, Herdbefunde und


Krampfpotenziale bzw. Dysrhythmien (Einzelheiten s. Lehrbücher der Neurolo-
gie und Neurophysiologie).
앫 Bedeutung in der Psychiatrie:
– Unter Anspannung und Konzentration Blockierung der Alphaaktivität.
– Als Ausdruck von Vigilanzstörungen (z. B. bei verschiedenen Schlafstadien, In-
toxikation, Hirndruck und Enzephalitis) Frequenzabnahme bzw. allgemeine
Verlangsamung. 25

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1 1.8 Apparative Diagnostik

– Unter Einwirkung psychotroper Substanzen (z. B. Stimulanzien, Tranquilizer,


Untersuchungsmethoden

Barbiturate) Frequenzzunahme mit gesteigerter frontaler Betaaktivität.


– Bei epileptischen Psychosen (s. S. 138 ff) und im Entzug bzw. Delir (s. S. 309 f)
dysrhythmische Gruppen bzw. Krampfaktivitäten.
– Bei Schizophrenie (s. S. 162 ff) überzufällig häufig gruppierte Dysrhythmien,
okzipitale Alphaminderung und Frequenzlabilität.
– Bei affektiven Psychosen (s. S. 180 ff) verkürzte REM-Latenzzeit im Schlaf-EEG
sowie Verschiebung der REM-Phasen in die zweite Nachthälfte.
– Bei Panikstörung (s. S. 98 f) rechts-frontal Amplitudenabflachung.
– Bei Persönlichkeitsstörungen (s. S. 240 ff) überzufällig häufig diffuse Dysrhyth-
mien und okzipital betonte Grundrhythmusunregelmäßigkeiten.
– Bei Abhängigkeitserkrankungen (s. S. 217) häufiger leichte allgemeine Ver-
langsamung.

.Polysomnographie
......................................................................................
왘 Definition und Prinzip: Synchrone Ableitung von EEG, Elektromyogramm (EMG),
Atmung und Elektrookulogramm (EOG).
왘 Durchführung: Komplexe Untersuchungsmethode bei Schlafstörungen (s. S. 272).
(Einzelheiten siehe Lehrbücher der Neurologie).

.Schädelröntgen
......................................................................................
왘 Definition und Prinzip: Röntgenübersichtsaufnahme des Schädels zur orientieren-
den Beurteilung der knöchernen Strukturen.
왘 Durchführung: Untersuchung am sitzenden oder stehenden Patienten. In der Regel
Strahlengang in zwei Ebenen (frontal und seitlich), gelegentlich zusätzlich Schräg-
aufnahmen.
왘 Aussage: Bei folgenden Erkrankungen ist mit Veränderungen des knöchernen Schä-
dels zu rechnen:
앫 Gewalteinwirkungen.
앫 Chronischer Hirndruck.
앫 Verkalkungen im Bereich der Gefäße, der Plexus chorioidei und der Falx.

.Digitale
. . . . . . . . . . .Subtraktionsangiographie
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(DSA)
........................................
왘 Definition und Prinzip: Übereinanderlagerung der vor und nach Kontrastmittelga-
be angefertigten Bilder, sodass nach Wegfallen (Subtraktion) der Übereinstimmun-
gen lediglich die resultierenden Abweichungen (z. B. Kontrastmittelschatten) darge-
stellt werden.
왘 Durchführung: (Siehe Lehrbücher der Radiologie).
왘 Aussage:
앫 Untersuchung zur Darstellung von Aneurysmen, Gefäßstenosen (bei Hirninfarkt,
TIA, PRIND), bei Sinusvenenthrombosen, Neoplasien.
앫 Präoperative Diagnostik bei geplanter Carotisdesobliteration.
(Bei verdächtigen Befunden evtl. neurologisches Konsil.)

.Kraniale
. . . . . . . . . . . Computertomographie
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(CCT)
............................................
왘 Definition: Nichtinvasives, computergesteuertes Röntgenschichtuntersuchungs-
verfahren des Schädels.
왘 Prinzip: Während der Rotation eines Röntgenstrahlenbündels erfolgen computer-
gestützte Messung und quantitative Analyse der Strahlenintensitätsabschwächung
beim Durchtritt durch die verschiedenen Hirnstrukturen. Die Dichtewerte (gemes-
sen in HE = Hounsfield-Einheiten, vgl. Tabelle 13) werden zu Querschnittsbildern
zusammengesetzt.
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1.8 Apparative Diagnostik 1

Untersuchungsmethoden
Tabelle 13 · Beispiele für CT-Dichtewerte
.......................................................................................
Gewebe, Organ Dichtewert (HE)
.......................................................................................
Hirnsubstanz, weiß + 20 – + 35
Hirnsubstanz, grau + 35 – + 45
Knochen + 200 – + 3 000
Fett ⫺ 150 – ⫺ 85
Liquor etwa + 7
Luft – 1 000
Wasser etwa 0

왘 Indikation: Weiterführende Abklärung bei allen unklaren psychischen Störungen


als Bestandteil der Standarddiagnostik. (Bei verdächtigen Befunden evtl. neurologi-
sches Konsil!)
왘 Durchführung:
앫 Aufklärung und Registrierung der schriftlichen Einwilligung des Patienten bei ge-
planter Kontrastmittelgabe (Dokumentation!). Lagerung des Patienten (gegebe-
nenfalls nach leichter Sedierung, z. B. mit Lorazepam).
앫 Auf die zusätzliche intravenöse Kontrastmittelgabe sollte nur im Ausnahmefall
verzichtet werden (Einzelheiten s. Lehrbücher der Radiologie).
(Untersuchungsdauer etwa 15 – 20 Minuten.)
왘 Aussage:
앫 Wenig belastende, routinemäßige Untersuchungsmethode zur Erfassung mor-
phologischer bzw. struktureller Hirnveränderungen infolge intrazerebraler Blu-
tungen, Raumforderungen, Substanzdefekten und Atrophien mit einer Treffsi-
cherheit von über 95%.
(Optimierung der Ergebnisse durch Kombination mit der PET im sog. „Biogra-
phen“ – s. S. 28).
앫 Im Einzelnen sind folgende Resultate zu erwarten:
– Vaskuläre Demenz (s. S. 124 ff): Multiple hypodense Areale bzw. periventriku-
läre Läsionen.
– Demenz vom Alzheimer-Typ (s. S. 115 ff): Globale Hirnatrophie mit diffuser Er-
weiterung der Liquorräume und Minderung der Parenchymdichte in der Hirn-
rinde und Atrophie des Hippocampus.
– Subkortikale Demenz, Morbus Parkinson und AIDS-Enzephalopathie
(s. S. 133 ff): Ähnliche Befunde.
– Morbus Pick (s. S. 122 f) und Chorea Huntington (s. S. 130 ff): Eher regional-
symmetrische und frontale Hirnatrophie.
– Chronische schizophrene Psychosen (s. S. 162 ff): Gelegentlich Substanzdefizi-
te in limbischen und paralimbischen Anteilen des Temporallappens und des
parasagittalen frontalen Kortex.
– Alkoholismus (s. S. 220 ff): Erweiterung der frontalen äußeren Liquorräume
und Kleinhirnatrophie.

.Magnetresonanztomographie
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(MRT,
. . . . . . . . NMR)
.......................................
왘 Definition: Nichtinvasive Untersuchungsmethode zur Erfassung morphologischer
Veränderungen mittels Magnetresonanz.
왘 Prinzip: Grundlage ist die Registrierung der nuklearmagnetischen Resonanz, die
aufgrund einer Exposition stärkerer Magnetfelder entsteht. Da die verschiedenen
anatomischen Strukturen des Gehirns durch unterschiedliche Kerndichten und Re- 27

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1 1.8 Apparative Diagnostik

laxationszeiten (Rückkehr der angeregten Protonen in den Gleichgewichtszustand)


Untersuchungsmethoden

gekennzeichnet sind, werden mithilfe abgestufter Feldstärken schichtweise eine


punktförmige räumliche Auflösung und computergestützte Bildgebung möglich.
왘 Indikation: Weiterführende Diagnostik, falls mit CCT keine ausreichende Klärung
erzielt werden konnte. (Bei verdächtigen Befunden evtl. neurologisches Konsil!)
왘 Durchführung:
앫 Aufklärung des Patienten und Registrierung der schriftlichen Einwilligung. Lage-
rung (gegebenenfalls nach leichter Sedierung, z. B. mit Lorazepam).
앫 Registrierung und Beurteilung der Signalintensitäten, der obere Richtwert für die
magnetische Flussdichte für kurzzeitige Ganzkörperexposition beträgt 2 Tesla.
(Untersuchungsdauer etwa 30 Minuten.)
왘 Hinweis: Vorsicht bei Patienten mit Schrittmachern, Hämoclips, Herzklappen

etc.! (Einzelheiten siehe Lehrbücher der Radiologie).


왘 Aussage:
앫 Die MRT stellt infolge der hohen Bildauflösung und besseren Differenzierung von
grauer und weißer Substanz die bisher genaueste hirnmorphologische Untersu-
chungsmethode dar, bei der auch basisnahes Hirngewebe und Hirnstamm unbe-
einträchtigt zur Darstellung gelangen.
앫 Psychiatrisch relevant erscheinen:
– Bessere Abgrenzung zwischen vaskulärer und degenerativer Demenz
(s. S. 115 ff, 124 ff) als mithilfe der kranialen Computertomographie (s. S. 26 f).
– Früherkennung von Demenzerkrankungen mit subkortikalen Läsionen (sub-
kortikale Enzephalopathie) und strukturellen Hirnstammveränderungen.
– Bei chronischer Schizophrenie (s. S. 162 ff) Hinweise auf Erweiterung des Ven-
trikelsystems, der frontalen Hirnareale sowie der basalen Ganglien in Ab-
hängigkeit von der Residualsymptomatik.

.Funktionelle
. . . . . . . . . . . . . . . . Magnetresonanztomographie
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(fMRT)
..............................
왘 Definition: In Erweiterung des Prinzips der Magnetresonanztherapie Erfassung von
Aktivitätsmustern in bestimmten Hirnregionen.
왘 Prinzip: Registrierung veränderter magnetischer Signalantworten bei Veränderung
des Blutflusses im betreffenden Bereich. Dabei wirken die mit Sauerstoff beladenen
Erythrozyten als eine Art „internes Kontrastmittel“.
왘 Interaktion: Weiterführende Diagnostik zur Erfassung von Aktivitätsveränderun-
gen im Gehirn (z. B. bei Gedächtnisstörungen und anderen kognitiven Leistungs-
schwächen oder bei affektiven Störungen).
왘 Durchführung: s. Magnetresonanztomographie S. 27.
(Untersuchungsdauer etwa 50 – 60 Minuten).
왘 Aussage: Die fMRT vermittelt – ähnlich der PET – ein zuverlässiges Bild von Hirnak-
tivitäten bei bestimmten Aufgaben ohne Einsatz spezieller Kontrastmittel. Als nicht-
invasive Methode bietet sie ubiquitäre Einsatzmöglichkeiten bei allen zentralnervö-
sen und psychischen Störungen, auch zur Verlaufskontrolle unter der Behandlung
(Einzelheiten s. Lehrbücher der Neuroradiologie).

.Positronenemissionstomographie
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(PET)
..........................................
왘 Definition: Nichtinvasive aufwendige nuklearmedizinische Methode zur dreidi-
mensionalen regionalen Messung physiologischer Parameter. In der Psychiatrie
quantitative Erfassung des Hirnstoffwechsels (zerebraler Blutfluss, Blutvolumen,
Sauerstoff- und Glukoseverbrauch).

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1.8 Apparative Diagnostik 1
Prinzip:

Untersuchungsmethoden

앫 Erfassung stoffwechselabhängiger zerebraler Aktivitätsunterschiede der Positro-


nenstrahlung über eine Messung von Vernichtungsquanten, die durch das Zu-
sammentreffen von Positronen mit Elektronen entstehen.
(Die Vernichtungsquanten werden als Gammastrahlen über eine Freisetzung von
Photonen registriert, die computergestützt erfasst und dargestellt werden.)
왘 Durchführung:
앫 Aufklärung und schriftliche Einwilligung des Patienten (Dokumentation!).
앫 Intravenöse Applikation von 18F-Desoxyglukose, 15O-markiertem Wasser, 15O-
Sauerstoff oder anderen radioaktiven Substanzen und anschließende Messung
der Stoffwechselaktivität bzw. Durchblutung bestimmter Hirnregionen (Einzel-
heiten s. Lehrbücher der Nuklearmedizin). Wichtig für die Psychiatrie ist die Er-
fassung des Neurotransmitter- und regionalen Glukosestoffwechsels, der Hirn-
durchblutung und des Sauerstoffumsatzes.
(Untersuchungsdauer etwa 1 – 2 Stunden.)
왘 Aussage: Ergebnisse zur Pathophysiologie psychiatrischer Krankheitsbilder
앫 Demenz vom Alzheimer-Typ (s. S. 115 ff): Frontoparietale Verminderung von Glu-
kosestoffwechsel, Sauerstoffverbrauch und Durchblutung proportional dem
Schweregrad der Erkrankung.
앫 Morbus Pick (s. S. 122 f): Ausgeprägte Stoffwechselveränderungen beiderseits
frontotemporal.
앫 Chorea Huntington (s. S. 130 ff): Signifikant verminderte Glukoseumsatzrate im
Neostriatum.
앫 Schizophrenie (s. S. 162 ff):
– Bei überwiegender Negativsymptomatik Stoffwechselminderung im frontalen
Kortex („Hypofrontilität“) und im Nucleus caudatus.
– Bei produktiven Symptomen gesteigerter Stoffwechsel in subkortikalen Struk-
turen.
앫 Depression (major) (s. S. 180 ff): Stoffwechselminderung im präfrontalen Kortex.
앫 Panikattacken (s. S. 98 f): Im Rahmen einer Angsterkrankung Stoffwechselsteige-
rung im Gyrus parahippocampalis, den Nuclei caudati und Amygdala.
앫 Zwang (s. S. 93) Stoffwechselminderung im Nucleus candatus.
앫 Soziale Phobie (s. S. 99) Stoffwechselminderung im Amygdala und Hippocampus.
앫 Epileptische Psychosen (s. S. 138 ff): Anhaltspunkte für erniedrigte Sauerstoffex-
traktionsrate in der Frontotemporalregion.

.Single-Photonen-Emissions-Computertomographie
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(SPECT)
....................
왘 Definition: Nichtinvasive qualitative und semiquantitative nuklearmedizinische
Erfassung der regionalen Hirndurchblutung und des Hirnstoffwechsels.
왘 Prinzip: Erweiterung der bisherigen Hirnszintigraphie unter Einsatz rotierender
Gammakameras mit quantitativer Registrierung und tomographischer Darstellung
der Hirndurchblutung.
왘 Durchführung:
앫 Aufklärung und schriftliche Einwilligung des Patienten (Dokumentation!).
앫 Intravenöse Injektion von 123J-Amphetamin oder 99 mTc-Hexamethyl-Propylen-
aminoxim (HMPAO) und anschließender Messung der Radioaktivitätskonzentra-
tionen über 20 – 30 Minuten in verschiedenen Schichten.
(Untersuchungsdauer etwa 30 – 40 Minuten; Einzelheiten s. Lehrbücher der Nuk-
learmedizin.)
왘 Aussage:
앫 Demenz vom Alzheimer-Typ (s. S. 115 ff): Bilaterale, temporo-parieto-okzipitale
Bezirke mit verminderter Speicherung.

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1 1.8 Apparative Diagnostik

앫 Vaskuläre Demenz (s. S. 124 ff): Disseminierte, fleckförmige irreguläre Perfusions-


Untersuchungsmethoden

minderungen in verschiedenen Gefäßbereichen.


앫 Morbus Pick (s. S. 122 f): Ausgeprägte frontale Perfusionsminderung.
앫 Schizophrenie (s. S. 162 ff): Minderperfusion im Bereich der Frontallappen.
앫 Depression (major) (s. S. 180 ff): Regionale Minderperfusion im rechten präfron-
talen Kortex. Perfusionszunahme in limbischen und paralimbischen Strukturen.

Transkranielle
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Magnetstimulation
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(TMS)
.........................................
왘 Definition: Nichtinvasive neurophysiologische Methode zur Beeinflussung kortika-
ler neuronaler Aktivitäten.
왘 Prinzip: Die TMS ist eine Methode zur Untersuchung der Leistungsfähigkeit motori-
scher Bahnen. Dabei wird die zentrale Latenz motorisch evozierter Potenziale (MEP)
nach dem physikalischen Prinzip der Induktion durch ein Magnetfeld bestimmt.
앫 (Einzelheiten s. Lehrbücher der Neurologie bzw. Neurophysiologie).
왘 Anwendung in der Psychiatrie: Behandlungsmethode bei depressiven und ande-
ren Störungen (s. Somatotherapie S. 345).

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2.2 Psychometrische Verfahren, Leistungstests 2

2 Psychologische Testverfahren

Psychologische Testverfahren
2.1 Psychologische Testverfahren
Vorbemerkungen
.......................................................................................
Wenn Anamneseerhebung und klinisch-psychopathologische Untersuchung nicht zur
notwendigen diagnostischen Klarheit führen oder weitergehende Kenntnisse über die
psychische Verfassung des Patienten etwa im Rahmen von Verlaufsbeobachtungen,
Therapiestudien oder Rehabilitationsverfahren wichtig sind, gelangen testpsychologi-
sche Untersuchungen zum Einsatz. Gebündelt werden sie als Testbatterien – neuer-
dings computergestützt – verwendet (Beispiele: Wiener Testsystem oder HTS).
Es handelt sich dabei um standardisierte Messverfahren zur Ermittlung psychischer
Leistungen bzw. Persönlichkeitseigenschaften, d. h. Methoden zur (quantitativen) Er-
fassung der Intelligenz und kognitiven Funktionen wie auch solche zur Diagnostik von
Befindlichkeit und Charaktermerkmalen.
AlsklinischeTestsamlängstenbekanntsindpsychometrischeVerfahren,d. h. Leistungs-
tests,dieanhanddervomPatientengeliefertenAntwortenundReaktionenaufbestimm-
te, normierte Aufgaben Hinweise auf dessen kognitiven Fähigkeiten liefern.
Bei den projektiven Verfahren (Persönlichkeits-Entfaltungstests), deren Ergebnisse
Raum für Spekulationen lassen, wird aus Deutungen und Interpretationen des Patien-
ten auf hintergründige Motivationen, Bedürfnisse, Phantasien oder sogar Charakterei-
genschaften geschlossen.
Im Gegensatz zu den projektiven Verfahren lassen Persönlichkeitsinventar e in Form
von standardisierten Fragebögen oder strukturierten Interviews erkennen, worauf die
Testfragestellung jeweils abzielt. Erfasst werden sollen hier eher Denkinhalte, Ge-
stimmtheit, Befindlichkeit oder bestimmte Verhaltensweisen über eine Selbst- oder
Fremdbeurteilung.
Die anerkannten psychologischen Testverfahren beruhen auf einer differenten Mess-
theorie (Testtheorie) und sind ausreichend standardisiert. Ihre Eignung als klinischer
Test ergibt sich jeweils aus den folgenden Gütekriterien:
앫 Objektivität (Unabhängigkeit der Resultate vom Untersucher).
앫 Validität (tatsächliche, inhaltlich genaue Messung der gewünschten Eigenschaf-
ten oder Fähigkeiten).
앫 Reliabilität (Verlässlichkeit bei wiederholter Anwendung).
Die Gütekriterien hängen ab von Testtheorie, Testmethode und Eichung. Sie sind natur-
gemäß am niedrigsten bei den projektiven Verfahren, am höchsten bei den psychome-
trischen Tests im engeren Sinne, den Leistungstests (Einzelheiten s. Lehrbücher der
Psychodiagnostik).
Die im Folgenden beschriebenen Verfahren stellen eine Auswahl aus einer Vielzahl von
Tests dar, die für den klinischen Einsatz bei Erwachsenen geeignet erscheinen. Ihnen ist
jeweils eine tabellarische Übersicht vorangestellt. Der Anwendungsbereich ergibt sich
in der Regel aus der Bezeichnung des Tests.
왘 Anmerkung: Mithilfe des computergestützten Testsystems HTS 4.0 können derzeit

ca. 400 psychodiagnostische Verfahren (u. a. in den Bereichen Leistungs-, Persön-


lichkeits- und klinische Diagnostik) eingesetzt werden. Dabei werden die einzelnen
Tests vom Probanden direkt auf dem PC bearbeitet und mittels spezieller Software
umgehend ausgewertet.

2.2 Psychometrische Verfahren, Leistungstests


Tabellarische
. . . . . . . . . . . . . . . . . .Übersicht
..................................................................... 31

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Psychologische Testverfahren
2

32
Tabelle 14 · (Leistungstests)
..........................................................................................................................................................
Zielsetzung Test Aussage, Anwendung Beschreibung
des Tests
..........................................................................................................................................................
Informationsverarbeitung Kurztest für allgemeine Intelligenz (KAI) Kognitive Leistungsfähigkeit/globale Intelligenz S. 34
Erfassung der verbalen Lern- und Memo-Test Verlaufsbeobachtung in der klinischen Demenz- und Hirn- S. 34
Gedächtnisleistung verletztendiagnostik
Aufmerksamkeit und Konzentra- Aufmerksamkeitsbelastungstest d2 Verdacht auf Leistungseinbußen bei hirnorganische S. 34
tionsvermögen bei visueller Wahr- (Test d2) Schädigungen
nehmung
Erfassung der auditiven und Tempoleistung und Merkfähigkeit hirnorganische Rehabilitation und Gerontopsychiatrie S. 35
visuellen Merkfähigkeit Erwachsener (TME)
Daueraufmerksamkeit Konzentrationsleistungstest (KLT-R) Konzentrationsverlauf, Kontinuierliche Aufmerksamkeit S. 36
kognitive Ausdauer und Konzentrati- Arbeitskurve (Pauli-Test) Leistungsfähigkeit bei hirnorganischen Schädigungen S. 36
2.2 Psychometrische Verfahren, Leistungstests

onsvermögen, Genauigkeit
Konzentrationsleistung Konzentrationsverlaufstest (KVT) Untersuchung kognitiver Leistungseinbußen, post- S. 36
traumatische Folgeschäden
sensomotorische Leistungsfähigkeit Farbe-Wort-Interferenztest (FWIT) Eignungsdiagnostik in Forschung und Rehabilitation, Stress- S. 37
bewältigungsvermögen
globale, sprachfreie Intelligenz Progressive Matrizen (Raven-Test) Erfassung der allgemeinen (sprachfreien) Intelligenz S. 38

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Messung des allgemeinen Intelli- Mehrfach-Wortschatz-Intelligenztest globale Intelligenz und einzelne Intelligenzfaktoren S. 38

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genzniveaus (MWT-B)
quantitative, strukturierte Erfassung HAWIE, HAWIE-R globale Intelligenz und einzelne Intelligenzfaktoren S. 39

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der Intelligenz

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Erfassung der visuellen Merkfähig- Benton-Test Verdacht auf Leistungseinbußen bei hirnorganischen S. 39
keit Schädigungen
Intelligenzstruktur Intelligenzstrukturtest (IST 2000) Begabungsschwerpunkte im Rahmen von Berufsberatung, S. 40
Eignungsuntersuchungen, Rehabilitation
Erfassung kognitiver Störungen Mini-Mental-Status-Test (MMST) Screening-Untersuchung bei Verdacht auf kognitive Defizite S. 41
mnestische Defizite bei Hirnschädi- Diagnostikum für Zerebral- Folgen von Hirnschädigung S. 42
gungen schädigung (DCS) Demenzdiagnostik
Folgen von Hirnschädigungen Neglect-Test (NET) Erfassung visueller Neglect-Phänomene S. 42
Erfassung von Leistungsschwäche im Token-Test (TT) Quantifizierung und Differenzierung von rezeptiven Sprach- S. 42
sprachlichen Bereich störungen
Erfassung kognitiver Störungen Demenz-Test Screening Verfahren zur Erfassung demenzieller Symptome S. 43
Erfassung kognitiver Störungen DemTect Screening-Untersuchung kognitiver Leistungsmängel S. 44
Erfassung kognitiver Störungen Rapid dementia screening Test (RDST) Screening-Untersuchung kognitiver Leistungsmängel S. 44
Visuell-räumliche Leistung Uhrentest Allgemeine Orientierung S. 44
Leistungsvermögen bei vaskulärer Hachinski-Ischämie-Skala (HIS) Differenzierung zwischen vaskulärer und degenerativer S. 45
Demenz Demenz
allgemeine kognitive Leistungsfähig- Strukturiertes Interview zur Diagnose von Demenzdiagnostik in der klinischen Forschung S. 45
keit Demenzen (SIDAM)
allgemeine kognitive Leistungsfähig- Leistungsdiagnostisches Labor (LEILA) allgemeine Leistungsdiagnostik in Forschung und Technik S. 46
keit

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Leistungsfähigkeit, Verhalten und Nürnberger Altersinventar (NAI) Erfassung kognitiver und/oder emotionaler Leistungs- S. 47

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Befinden im Alter einbußen im höheren Lebensalter

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2.2 Psychometrische Verfahren, Leistungstests

33
2

Psychologische Testverfahren
2 2.2 Psychometrische Verfahren, Leistungstests

.Kurztest
. . . . . . . . . . .für
. . . . .allgemeine
. . . . . . . . . . . . . . .Intelligenz
. . . . . . . . . . . . . . .(KAI)
Psychologische Testverfahren

........................................
왘 Definition: Intelligenzkurztest.
왘 Beschreibung: Zweiteiliges Messverfahren zur Diagnostik der allgemeinen geisti-
gen Leistungsfähigkeit, speziell zur Erfassung der Informationsverarbeitung und
des globalen Intelligenzniveaus.
앫 Teil 1: Buchstabenlesen mit 20 Buchstaben in Zufallsreihenfolge auf vier Lesekar-
ten.
앫 Teil 2: Zeichen-Nachsprechen mit 9 Zeilen von Zahlen oder Buchstaben.
왘 Durchführung:
앫 Teil 1: Es sollen jeweils 20 Buchstaben möglichst schnell laut vorgelesen werden.
앫 Teil 2: Es sollen vorgelesene Zahlen oder Buchstaben unmittelbar reproduziert
werden.
(Testdauer etwa 5 – 10 Minuten).
왘 Aussage:
앫 Teil 1: Auswertungsergebnis ist die kürzeste der vier Lesezeiten. Die Rohwerte
lassen sich als Maß für die Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit übertra-
gen.
앫 Teil 2: Aus der Anzahl der Zeichen der längsten wiedergegebenen Zeile wird nach
einer Berechnungsformel ein Einheitswert („Gegenwartsdauer“) errechnet.
앫 Das Produkt beider Untertestergebnisse wird als Kurzspeicherkapazität angese-
hen. Sowohl für die Untertests als auch für den Gesamttest sind IQ-Werte und
Prozentrangwerte angegeben.
(Reliabilität: r ⬇ 0,5 bis 1,0; Validität: r ⬇ 0,5 bis 0,7)

.Memo-Test
......................................................................................
왘 Definition: Screening-Verfahren zur Erfassung der Gedächtnisleistung.
왘 Beschreibung: Erfasst werden sollen mnestische Defizite mit Quantifizierung der
verbalen Lern- und Gedächtnisleistung.
왘 Durchführung:
앫 In insgesamt 5 Durchgängen werden 10 Wörter vorgelesen, die anschließend
vom Patienten reproduziert werden müssen. 15 Minuten nach dem letzten Ver-
suchsdurchgang erfolgt ein verzögerter, weiterer Abruf.
앫 Die Beurteilung des Ergebnisses erfolgt anhand von Mittelwerten und Standard-
abweichungen.
(Bearbeitungsdauer nur wenige Minuten [nach 15 Minuten erneuter Durch-
gang]).
왘 Aussage und Indikation:
앫 Geeignet für Verlaufsuntersuchungen (Parallelform vorhanden).
앫 Einsatz in der klinischen Demenz- und Hirnverletztendiagnostik.
왘 Hinweis: Nicht geeignet bei Sprachstörungen!

(Zufriedenstellende Korrelation zu anderen Testverfahren bei Patienten mit De-


menz. Gute Reliabilität [r ⬇ 0,8].)

Aufmerksamkeitsbelastungstest
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .d2
. . . .(Test
. . . . . . .d2)
.................................
왘 Definition: Testverfahren zur Ermittlung von Aufmerksamkeit und Konzentrations-
vermögen bei visueller Wahrnehmung.
왘 Beschreibung:
앫 Der Test besteht aus optischem Reizmaterial, das – unter Zeitdruck – korrekt bear-
beitet werden soll: 16 verschiedene Kombinationen der Buchstaben d und p mit
oben und/oder unten gesetzten Strichen sind zu markieren. Aus der erzielten
Leistung wird auf die Fähigkeit geschlossen, einander ähnliche visuelle Einzelrei-
ze rasch und sicher zu unterscheiden.
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2.2 Psychometrische Verfahren, Leistungstests 2
앫 Das Maß für die visuelle Aufmerksamkeitsspannung gilt als Ausdruck der Kon-

Psychologische Testverfahren
zentrationsfähigkeit.
왘 Durchführung:
앫 Innerhalb von 20 Sekunden ist vom Patienten eine Zeile zu bearbeiten.
앫 Die Auswertung erstreckt sich auf die Anzahl der bearbeiteten Zeichen, insbeson-
dere der damit einhergehenden absoluten und relativen Fehlerzahl. Die Rohda-
ten werden mithilfe von Schablonen ausgewertet. Die Beurteilung der „Gesamt-
leistung“ und „Mengenleistung“ wird anhand von Normwerten vorgenommen,
die nach Altersklassen getrennt und in Prozenträngen angegeben sind (Testzeit
ca. 8 – 10 Minuten).
왘 Aussage und Indikation:
앫 Einsatz bei Verdacht auf Leistungseinbußen infolge hirnorganischer Schäden.
Hier findet sich eine Abnahme der Gesamtleistung unter gleichzeitiger Zunahme
des Fehleranteils.
(Das Testverfahren stellt ein verlässliches und objektives Messverfahren dar, das
weitgehend unabhängig ist von der intellektuellen Kapazität wie auch von Bil-
dungseinflüssen. Befriedigende Validität.)

Tempoleistung
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . .und
. . . . . .Merkfähigkeit
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . Erwachsener
. . . . . . . . . . . . . . . . . .(TME)
........................
왘 Definition: Testverfahren zur Erfassung von Tempoleistung und Merkfähigkeit Er-
wachsener.
왘 Beschreibung: Tempoleistung, auditive und visuelle Merkfähigkeit werden mit drei
verschiedenen Subtests untersucht.
왘 Durchführung:
앫 Messung der Tempoleistung (Zahlen-Zeige-Test):
– Auf verschiedenen Tafeln mit Zahlen von 1 bis 25 soll so schnell wie möglich in
10 hintereinander ablaufenden Durchgängen die richtige Reihenfolge gefun-
den werden.
– Die Zeitwerte werden für jeden Durchgang registriert und in Wertpunkte
transformiert, aus denen ein Durchschnittsgesamtwert ermittelt werden
kann.
앫 Prüfung der visuellen Merkfähigkeit:
– 30 Kärtchen mit mehrfarbigen Abbildungen einfacher Gegenstände sollen
vom Patienten memoriert werden.
– Der Reproduktionsmenge im ersten und zweiten Versuch wird ein gesonder-
ter Wertpunkt zugeordnet.
앫 Prüfung der auditiven Merkfähigkeit:
– 20 zweisilbige Begriffe, die ebenfalls reproduziert werden sollen (2 Durchgän-
ge).
– Auch hier werden die Reproduktionsmengen ausgewertet.
앫 Aus den beiden letztgenannten Subtests kann ein Merkfähigkeitsgesamtwert er-
mittelt werden.
(Durchführungszeit ca. 20 Minuten.)
왘 Aussage und Indikation:
앫 Einsatz bei allen leistungsdiagnostischen Fragestellungen, insbesondere im Rah-
men der Rehabilitation und Gerontopsychiatrie (s. S. 14, neuropsychologische
Untersuchung).
앫 Standardwerte für erwachsene Männer und Frauen im Alter von 20 – 70 Jahren in
verschiedenen Berufsgruppen. (Zufriedenstellende Validität im Vergleich zu
biologischen, sozialen und psychologischen Außenkriterien. Reliabilität
r ⬇ 0,8).

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2 2.2 Psychometrische Verfahren, Leistungstests

.KonzentrationsIeistungstest
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(KLT-R)
Psychologische Testverfahren

.................................................
왘 Definition: Standardisiertes Testverfahren zur Messung der kontinuierlichen Kon-
zentrationsleistung (psychische Ausdauer und Belastbarkeit).
왘 Beschreibung:
앫 Es handelt sich um einen Rechentest mit zwei Serien von je 180 Additions- und
Subtraktionsaufgaben. Aus der Menge und Qualität der Rechenleistungen wird
auf die konzentrative Ausdauer geschlossen, darüber hinaus auch auf die Leis-
tungsmotivation und psychische Energie insgesamt.
왘 Durchführung:
앫 Der Patient hat mittels Kopfrechnen für eine Dauer von 30 Minuten fortlaufend
insgesamt 250 Aufgabenblöcke zu lösen. Die Rohwerte werden für die Leistungs-
menge und die Fehlerzahl ermittelt und die entsprechenden Standardwerte auf
Tabellen abgelesen.
앫 Es gibt zwei Schwierigkeitsstufen mit Normwerten in Abhängigkeit von Lebens-
alter, Geschlecht und Ausbildung.
(Dauer ca. 30 Minuten.)
왘 Aussage und Indikation:
앫 Das Testverfahren wird vor allem eingesetzt bei Eignungs- und Ausleseuntersu-
chungen, aber auch im Rahmen wissenschaftlicher Erhebungen.
앫 Die Leistungsmenge wird recht zuverlässig erfasst, die Arbeitsgenauigkeit weni-
ger korrekt, bei vergleichenden Validitätsprüfungen ergaben sich insgesamt zu-
friedenstellende Resultate [r ⬇ 0,3].

Arbeitskurve
. . . . . . . . . . . . . . . . . .(PauIi-Test)
.....................................................................
왘 Definition: Aus dem Kraepelinschen Arbeitsversuch entwickelter standardisierter
Rechentest zur Prüfung der psychischen Leistungsfähigkeit.
왘 Beschreibung: Aus der Rechenleistung bei fortlaufenden Additionen einstelliger
Zahlen wird auf kognitive Genauigkeit, Ausdauer und Konzentrationsvermögen ge-
schlossen.
왘 Durchführung:
앫 Innerhalb von rund 60 Minuten sind zeilenweise fortlaufend auf entsprechenden
Rechenbögen Additionsaufgaben zu lösen. Die Leistungen werden auf einem Aus-
wertungsblatt grafisch dargestellt. (Zu Beginn meist eine durch Übung ansteigen-
de, am Ende eine infolge Ermüdung abfallende „Arbeitskurve“.)
앫 Die Beurteilung erfolgt anhand von Altersnormen für Erwachsene und Jugendli-
che, darüber hinaus gibt es berufsspezifische Normen. Dabei werden auch Re-
chenfehler und Verbesserungen berücksichtigt (aufwendige Auswertung).
왘 Aussage und Indikation:
앫 Das in der Praxis nicht mehr gängige Testverfahren dient vor allem der Überprü-
fung der Leistungsfähigkeit hirnorganisch geschädigter Patienten, insbesondere
im Zusammenhang mit Rehabilitationsverfahren. In Rechnung zu stellen ist aller-
dings eine Beeinflussung der Testresultate durch individuelle Lern- und Übungs-
faktoren bzw. schulisches Training. (Hohe Reliabilität (r ⬇ 0,8 – 0,9), Angaben zur
Validität mangelhaft.)

.Konzentrationsverlaufstest
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(KVT)
..................................................
왘 Definition: Standardisierter Zahlensortiertest zur Messung der Konzentrationsleis-
tung und des Arbeitsverlaufs (Daueraufmerksamkeitsbelastung).
왘 Beschreibung: Aus der Zahl und Art möglicher Fehler bei Sortieraufgaben wird auf
die Sorgfaltsleistung und das Konzentrationsvermögen bei geistiger Tempoarbeit
geschlossen.

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2.2 Psychometrische Verfahren, Leistungstests 2
Durchführung:

Psychologische Testverfahren

앫 Vom Patienten sollen 60 Zahlenkarten mit je 36 zweistelligen Zahlen nach vier


Kriterien sortiert werden. Die Einzelergebnisse werden festgehalten, das gesamte
individuelle Testresultat wird mithilfe einer Auswertungsschablone bestimmt.
Keine zeitliche Begrenzung (durchschnittliche Dauer 10 – 20 Minuten).
앫 Die Konzentrationsleistung ergibt sich aus dem Verhältnis von Fehlern zu benö-
tigter Zeit, das Aufmerksamkeitsprofil aus dem Verlaufsdiagramm.
왘 Aussage und Indikation:
앫 Der Einsatz erfolgt häufiger bei gutachterlichen Fragestellungen, insbesondere
bei Verdacht auf Hirnleistungsschwäche bzw. nach traumatischen Hirnschädi-
gungen.
앫 Die Erfassung von Aufmerksamkeitsleistung und Konzentrationsvermögen ge-
schieht unabhängig vom Intelligenzgrad.
(Insgesamt ist eine ausreichende Objektivität [⬇ 0,7 – 0,8] dieses in der klinischen
Psychiatrie seltener verwendeten psychodiagnostischen Verfahrens zu erreichen.
Die Reliabilität ist dagegen nicht befriedigend [r ⬇ 0,4 – 0,6].)

.Farbe-Wort-Interferenztest
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(FWIT)
..................................................
왘 Definition: Testverfahren zur Erfassung der sensomotorischen Leistungsfähigkeit.
왘 Beschreibung: Mithilfe von 9 Testtafeln werden als Maßstab für die kognitive Leis-
tungsfähigkeit Lesegeschwindigkeit, Nomination, Selektivität bzw. Interferenznei-
gung (konzentrativer Widerstand gegen dominierende Reaktionsneigung) und sen-
somotorische Aktionsgeschwindigkeit registriert.
왘 Durchführung:
앫 Im Einzelversuch werden folgende drei Aufgabenarten vorgelegt:
– Lesen von Farbwörtern.
– Benennen von Farbstrichen.
– Benennungen zur Farbe-Wort-Inkongruenz.
앫 Registriert werden Bearbeitungszeit, Fehler und Wiederholungen.
앫 Die Auswertung liefert ein Grundleistungsprofil für Farbwörterlesen, Farb-Be-
nennen und lnterferenzversuch. Ein Leistungsprofil kann darüber hinaus mit den
Faktoren „Aktionsgeschwindigkeit“, „Nomination“ und „Selektivität“ dargestellt
werden.
앫 Ermittlung der Leistungskriterien aus den Bearbeitungszeiten mit Erstellung ei-
nes Rohwertprofils einschließlich Medianwerten, der Normwerte und Leistungs-
profile.
앫 Sonstige Informationen:
– Sprachliche Auffälligkeiten (z. B. Stottern, Wortneubildungen, Kontaminatio-
nen).
– Stressreaktionen (z. B. Blockierungen, Kommentare, Entschuldigungen).
(Testdauer ca. 10 – 15 Minuten.)
왘 Aussage und Indikation:
앫 Leistungstest für Forschung und Eignungsdiagnostik bzw. Rehabilitation.
앫 Maßstab für Stressbewältigungsvermögen (s. S. 14, neuropsychologische Unter-
suchung).
앫 Normwerte gibt es für Jugendliche und Erwachsene bzw. Angestellte und Studen-
ten/Akademiker. (Reliabilität r ⬎ 0,9 mit guter Profilzuverlässigkeit (bei Testwie-
derholung gleiches Ergebnisprofil)).

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.Progressive
. . . . . . . . . . . . . . . Matrizen
. . . . . . . . . . . . .(Raven-Test)
Psychologische Testverfahren

..........................................................
왘 Definition: Sprachfreier Intelligenztest.
왘 Beschreibung:
앫 Verschiedene Zeichen und geometrische Figuren sollen in bestimmter Weise als
zusammengehörig erkannt und entsprechend geordnet werden.
앫 Die Resultate ermöglichen Rückschlüsse auf folgende Schwerpunkte der sprach-
freien Grundintelligenz:
– Logisches Denken.
– Erfassen von räumlichen Beziehungen.
– Unterscheiden und Vergleichen.
왘 Durchführung:
앫 In der Standardform werden dem Patienten 60 Aufgaben in je 5 Gruppen mit an-
steigendem Schwierigkeitsgrad vorgelegt (in Form von Zeichen, Zeichnungen
und abstrakten Mustern). Mithilfe eines Lösungsschlüssels wird die Zahl der rich-
tig gelösten Aufgaben ermittelt; anhand von Normwerten werden der Prozent-
rangwert des Testergebnisses und die zugehörige Güteklasse der Leistung be-
rechnet.
앫 Die Normwerte sind altersgebunden aufgeschlüsselt und ermöglichen eine Zu-
ordnung zu einem bestimmten Intelligenzgrad.
(Untersuchungsdauer abhängig von Motivation und Leistungsvermögen, keine
zeitliche Begrenzung [durchschnittlich 45 – 60 Minuten].)
왘 Aussage und Indikation:
앫 Anwendung bei Patienten mit Sprachproblemen, z. B. solchen mit Stummheit
oder aus einem anderen Kulturkreis. Der Einfluss von Bildung und erworbenem
Wissen soll minimiert werden.
(Objektive Messmethode zur Ermittlung der allgemeinen Intelligenz mit fakto-
renanalytisch belegter Verlässlichkeit der Testresultate [r ⬇ 0,5 – 0,7]. Hervorzu-
heben ist die hohe Übereinstimmung mit den Ergebnissen anderer Intelligenz-
tests, auch solcher sprachgebundener Art mit einer Reliabilität von
r ⬇ 0,8 – 0,9.)

.Mehrfachwahl-Wortschatz-Intelligenztest
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(MWT-B)
...............................
왘 Definition: Testverfahren zur Messung des allgemeinen (kristallisierten) Intelli-
genzniveaus.
왘 Beschreibung: Ein umgangssprachlich und bildungsmäßig bekanntes Wort soll aus
einer Reihe von vier weiteren (sinnlosen) Wörtern erkannt und benannt werden
(Parallelform: MWT-A).
왘 Durchführung:
앫 Dem Patienten werden insgesamt 37 Wortreihen mit ansteigendem Schwierig-
keitsgrad vorgelegt, aus denen das jeweils bekannte Wort angestrichen werden
soll. Jede korrekt bearbeitete Zeile wird registriert; die Gesamtzahl wird als Roh-
punktzahl bewertet (demnach maximal 37 Punkte).
앫 Die Gesamtpunktzahl wird – in Anlehnung an den Intelligenzquotienten – fünf
Intelligenzstufen zugeordnet, von „sehr niedrig“ bis „sehr hoch“.
(Testdauer etwa 5 Minuten, jedoch keine obligate zeitliche Begrenzung.)
왘 Aussage und Indikation:
앫 Anwendung z. B. zur Einschätzung des Intelligenzabbaus bei Demenz.
앫 Durchschnittliche Intelligenz: 21 – 30 Punkte (die Normen gelten für 20- bis 65-
jährige Personen, welche die deutsche Sprache beherrschen und nicht durch kör-
perliche, neurologische oder pharmakogene Einflüsse beeinträchtigt sind).
Das ökonomische und einfach zu handhabende Testverfahren soll hinreichend
zuverlässig Auskunft über das prämorbide Intelligenzniveau bei Erwachsenen
38 geben.

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2.2 Psychometrische Verfahren, Leistungstests 2
Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Erwachsene (HAWIE,

Psychologische Testverfahren
. . . . . . . . . . . . . . . . .HAWIE-R)
aktualisiert: ......................................................................
왘 Definition: Standardisiertes Testverfahren zur quantitativen Erfassung der Intelli-
genz.
왘 Beschreibung:
앫 Aus den Bearbeitungsergebnissen von insgesamt 10 Aufgabengruppen mit je 6
sprachgebundenen und 4 sprachfreien Untertests wird auf die intellektuelle Leis-
tungsfähigkeit geschlossen, ausgedrückt durch den Intelligenzquotienten (IQ)
und das Testprofil.
앫 HAWIE-R: 6 sprachgebundene und 5 sprachfreie Untertests.
왘 Durchführung:
앫 Nach Instruktion mit detaillierten Anweisungen werden abgefragt:
– Verbalteil: Allgemeines Wissen und Verständnis, Gedächtnisleistung, rechne-
risches Denken, Integrationsfähigkeit und Bildungsstand.
– Handlungsteil: Erkennen und Erfassen von Zeichen und Symbolen, räumliches
Vorstellungsvermögen, Kombinationsfähigkeit und Schlussfolgern.
앫 Zeitbedarf und Qualität der Lösungen werden nach Punkten bewertet. Die IQ-
Werte werden auf Tabellen abgelesen. Die Normwerte hierfür sind altersabhän-
gig gestaffelt.
앫 Außer dem Gesamt-IQ können Verbal-IQ und Handlungs-IQ gesondert ermittelt
werden, deren Quotient den so genannten Abbauindex angibt (Verbal-IQ/Hand-
lungs-IQ): Je höher dieser Wert ist, desto wahrscheinlicher ist eine organische Ur-
sache des Intelligenzdefizits bzw. eine erworbene Störung (z. B. Demenz).
(Untersuchungsdauer etwa 60 – 90 Minuten.)
앫 Die Kurzform (WIP) umfasst lediglich 4 Subtests. Sie wird vorzugsweise bei psy-
chisch Kranken eingesetzt (Dauer ⬇ 20 Minuten). Für Kinder gibt es eine spezielle
Form (HAWIK).
왘 Aussage und Indikation:
앫 Bei dem HAWIE handelt es sich um das weltweit am meisten verwendete Intelli-
genzmessverfahren mit umfassender praktischer Bewährung.
앫 Anwendung bei allen Formen der Intelligenzstörung.
(Abgesicherte Validität ⬇ 0,7 – 0,8, Reliabilität r ⬇ 0,8 – 0,9.)
앫 IQ-Richtwerte siehe Tabelle 15.
앫 HAWIE-R: Altersnormen von 16 – 74 Jahren. IQ-Wert bis 150 Punkte angegeben.

.Benton-Test
......................................................................................
왘 Definition: Sprachfreier Text zur Erfassung der visuellen Merkfähigkeit.
왘 Beschreibung: Aus der Fähigkeit, geometrische Figuren korrekt wahrzunehmen
und nachzuzeichnen, wird auf die Leistung des visuellen Gedächtnisses geschlos-
sen.

Tabelle 15 · IQ-Richtwerte bei HAWIE (Intelligenzquotient) (s. a. S. 95)


.......................................................................................
IQ-Wert Aussage zur Intelligenz
.......................................................................................
90 – 110 normale Intelligenz
70 – 90 niedrigere Intelligenz
50 – 70 Intelligenzminderung (Schwachsinn)
20 – 50 und weniger schwere Intelligenzminderung (ausgeprägter bis hoch-
gradiger Schwachsinn)

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2 2.2 Psychometrische Verfahren, Leistungstests

Durchführung:
Psychologische Testverfahren

앫 Dem Patienten werden verschiedene geometrische Figuren jeweils 10 Sekunden


lang demonstriert, die anschließend nachgezeichnet werden sollen.
앫 Die Auswertung erfolgt nach einem standardisierten Schema:
– Ermittlung von Grundfehlern (z. B. falsche Wiedergabe).
– Ermittlung von spezifischen Fehlern (z. B. falsche Ergänzungen).
– Auswertung und Interpretation der Gesamtleistung.
앫 Die aufgeführten Normwerte sind abhängig von Lebensalter und Intelligenzgrad.
(Untersuchungsdauer etwa 15 – 20 Minuten.)
왘 Aussage und Indikation:
앫 Der trennscharfe und objektive Test hat sich bewährt bei der Erfassung hirnorga-
nischer Störungen und Schäden und wird daher besonders zur Beurteilung von
Hirnleistungsschwächen herangezogen (s. neurologische Untersuchung, S. 17).
(Keine verlässliche differenzialdiagnostische Hilfe bei nichtorganisch begründe-
ten Leistungseinbußen! Schulische und berufliche Ausbildung haben auf die
Testleistung keinen Einfluss. Reliabilität r ⬇ 0,85.)

.Intelligenzstrukturtest
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(IST
. . . . . 2000)
...................................................
왘 Definition: Sprachgebundenes Testverfahren, das schwerpunktmäßig die Intelli-
genzstruktur (s. u.) erfassen soll.
왘 Beschreibung:
앫 Aus den Leistungen des Patienten bei der Lösung von insgesamt 9 verschiedenen
verbalen und nonverbalen Aufgabengruppen (Grundmodul) wird auf Struktur
und Profil der zugrunde liegenden Intelligenz geschlossen.
앫 Im einzelnen werden erfasst:
– Sprachliches Denken.
– Urteilsbildung.
– Kombinationsfähigkeit.
– Abstraktionsfähigkeit.
– Vorstellungsvermögen.
– Rechnerisches Denken.
– Merkfähigkeit.
왘 Durchführung:
앫 Die standardisierte Testreihe enthält zwei gleichwertige Parallelformen (A und
B). Die Antworten werden eingetragen und mittels Schablonen ausgewertet.
앫 Die Summe der Standardwerte kann als Intelligenzquotient (IQ) ausgedrückt
werden. Die Intelligenzstruktur kann anhand des Leistungsprofils grafisch darge-
stellt werden.
(Untersuchungsdauer ca. 80 Minuten [Grundmodul].)
왘 Aussage und Indikation:
앫 Der IST findet Anwendung vor allem zur Ermittlung von Begabungsschwerpunk-
ten im Rahmen von Eignungsuntersuchungen, Berufsberatungen und Rehabilita-
tionsverfahren. Die Resultate ermöglichen eine verlässliche Begabungsdiagnose.
앫 Es gibt Normen für verschiedene Altersgruppen unter Berücksichtigung der
Schulbildung und der beruflichen Entwicklung, darüber hinaus beispielsweise
Gruppenprofile für etwa 30 verschiedene Berufe.
앫 Abgrenzung zum HAWIE: Der IST 70 ist mehr berufsbezogen und hat einen hierar-
chischen Aufbau.
(Hohe Objektivität, Reliabilität r ⬇ 0,9, Validität ⬇ 0,45 – 0,6.)

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2.2 Psychometrische Verfahren, Leistungstests 2

.Mini-Mental-Status-Test
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(MMST)

Psychologische Testverfahren
......................................................
왘 Definition: Einfaches Screening-Instrument zur Erfassung kognitiver Störungen bei
Patienten (bei Verdacht auf Demenz).
왘 Beschreibung: Interviewsystem mit Handlungsaufgaben bzw. praxisnahen Fragen.
앫 Ziel ist die Erfassung von:
– Orientierung.
– Aufnahmefähigkeit, Aufmerksamkeit.
– Gedächtnis und Rechnen.
– Sprache, Lesen, Schreiben.
– Ausführung einer Anweisung, Konstruktivpraxie.
왘 Durchführung:
앫 Abfragen der genannten Bereiche einschließlich Lese-, Schreib- und praktischer
Übung. Auswertung als einfache Addition der vergebenen Punkte.
앫 Beurteilung über Mittelwerte und Standardabweichungen (Normalscore: 30
Punkte).
(Bearbeitungsdauer etwa 5 – 10 Minuten.)

Tabelle 16 · Mini-Mental-Status-Test (nach Folstein)


.......................................................................................
Klinischer Bereich Fragemöglichkeiten Punkte
.......................................................................................
Orientierung Zeit:
Jahr 1
Jahreszeit 1
Monat 1
aktuelles Datum 1
Wochentag 1
Ort:
Land 1
Bundesland 1
Ortschaft 1
Stockwerk 1
Gebäude 1
.......................................................................................
Aufnahmefähigkeit, Nachsprechen: 3 Wörter (Vor- 1 Punkt je richtige Ant-
Aufmerksamkeit, Gedächtnis, sprechen im 1-Sek.-Rhythmus) wort (max. 3)
Rechnen
Rechnen: Fortlaufend ab 100 1 Punkt je richtige Ant-
sieben subtrahieren wort (max. 5)
Reproduzieren der 3 zuvor 1 Punkt je richtige Ant-
genannten Wörter wort (max. 3)
Benennen: Stift, Uhr 1 Punkt je richtige Ant-
wort (max. 2)
.......................................................................................
Sprache, Lesen, Schreiben, Nachsprechen: „Bitte kein Wenn
Ausführung einer Anweisung, und Aber.“ 1
Konstruktivpraxie Lesen eines Satzes: „schließe bei-
de Augen“ und Ausführung die-
ser Anweisung 1
Ausführung einer Anordnung: Ein
Blatt Papier nehmen, falten, auf maximal 3 Punkte
den Boden legen,
einen Satz schreiben, 1
eine Figur nachzeichnen 1
.......................................................................................
mögliche Totalpunktzahl 30
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2 2.2 Psychometrische Verfahren, Leistungstests

Aussage und Indikation:


Psychologische Testverfahren

앫 Ergänzung der neuropsychologischen Untersuchung (s. S. 14).


앫 Zur Differenzialdiagnostik demenzieller Syndrome:
– 11 – 22 Punkte: Mäßige Demenz.
– ⬍ 10 Punkte: Schwere Demenz.
(Reliabilität r ⬇ 0,9, Interrater-Reliabilität r ⬇ 0,8 [Vergleich der Ergebnisse verschie-
dener Untersucher].)

.Diagnostikum
. . . . . . . . . . . . . . . . . . .für
. . . . Zerebralschädigung
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(DCS)
....................................
왘 Definition: Leistungstest zur Erfassung von mnestischen (deklarativen) Defiziten
bei Hirnschädigung.
왘 Beschreibung: Mehrphasiger Lernversuch zum Einprägen optischer Muster mit
dem Ziel, die Lern- und Gedächtnisleistung bei Verdacht auf Hirnfunktionsstörun-
gen zu messen (Einsatz nicht bei IQ ⬍ 80).
왘 Durchführung:
앫 Dem Patienten werden 9 Kärtchen mit Strichmustern in drei Durchgängen ge-
zeigt mit der Maßgabe, die jeweiligen Muster mithilfe von 5 Stäbchen nachzule-
gen. Im ersten Durchgang werden die Kärtchen jeweils 10 Sekunden, im zweiten
und dritten Durchgang jeweils 5 Sekunden lang aufgedeckt.
앫 Die Ergebnisse werden nach einem vorgegebenen Bewertungsschema protokol-
liert und anhand qualitativer Fehlerkriterien (z. B. Form, Lage und Platzierung der
Stäbchen) bewertet.
앫 Für Form-, Lage- und Reihenfolgefehler werden zwischen 0 und 7 Punkte regis-
triert.
(Untersuchungszeit etwa 20 – 60 Minuten.)
왘 Aussage und Indikation:
앫 Aufgrund der klinischen Brauchbarkeit routinemäßiger Einsatz in der Hirnscha-
den- und Hirnschadenfolgendiagnostik (s. S. 14, neuropsychologische Untersu-
chung).
앫 Beurteilung anhand von Normwerten für 4 Altersgruppen von 20 – 60 Jahren. Be-
urteilung der Merkfähigkeitsleistung und Lernleistung im Vergleich mit IQ-Wer-
ten. (Gesicherte Objektivität mit guter Reliabilität.)

.Neglect-Test
. . . . . . . . . . . . . . . .(NET)
......................................................................
왘 Definition: Testverfahren zur neuropsychologischen Diagnostik bei Hirnschädi-
gung.
왘 Beschreibung: Anhand von 17 Aufgaben zu altersrelevanten Tätigkeiten werden
quantitativ visuelle Defizite erfasst.
왘 Durchführung: Die Antworten werden ausgewertet und mit Referenzwerten für
klinische Gruppen und für Normalpersonen verglichen.
(Dauer: Etwa 15 – 35 Minuten.)
왘 Aussage: Sensitives Verfahren zur Erfassung visueller Neglect-Phänomene bei neu-
rologischen Patienten mit externer Validität zu anderen entsprechenden kognitiven
Leistungen (Retest-Reliabiltät r ⬇ 0,9).

Token
. . . . . . . . .Test
. . . . . .(TT)
........................................................................
왘 Definition: Aphasietest.
왘 Beschreibung: Fünfteiliges Messverfahren zur Aufdeckung rezeptiver Störungen
bei Aphasie. 20 kleine viereckige Plättchen („Tokens“) verschiedener Form, Größe
und Farbe sind je nach Aufgabenstellung auszuwählen (mit ansteigendem Schwie-
rigkeitsgrad).

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2.2 Psychometrische Verfahren, Leistungstests 2
– Teil I – IV testen das sprachliche Verstehen von Substantiven und Adjektiven.

Psychologische Testverfahren
– Teil V testet das Verstehen von Verben, Präpositionen, Konjunktiven und Adver-
ben. Zum Verstehen der Syntax umfasst er zusätzlich die Ausführung verschiede-
ner einfacher Handlungen.
왘 Durchführung: Zunächst werden allgemeine Anweisungen zum Ablauf der Test-
durchführung gegeben, bei aphasischen Patienten notfalls mit Wiederholung. An-
schließend wird der Patient aufgefordert, auf ein bestimmtes Plättchen von 1 bis 10
zu zeigen („Zeigen Sie. . .“). Im Teil IV sollen die Plättchen so angeordnet werden, dass
je ein rotes und ein blaues nebeneinander liegen. (Testzeit etwa 20 Minuten.)
왘 Aussage:
– Einfache Auszählung nach „richtig“ und „falsch“; Addition der Fehlerpunkte.
– Die Summe aller Fehlerpunkte ergibt den Gesamtrohwert (max. 50). Ab dem
45. Lj wird pro 5-Jahres-Intervall ein Fehlerpunkt abgezogen.
– Normwerte in fünffacher Abstufung von „kein Leistungsdefizit“ bis „schwere
Aphasie“ bei ⬎34 Fehlerpunkten.
(Reliabilität: r ⬇ 0,95, Validität: r ⬇ 0,7).

.Demenz-Test
......................................................................................
왘 Definition: Standardisierte Testbatterie zur Erfassung demenzieller Symptome.
왘 Beschreibung: Anhand von insgesamt 13 Skalen wird auf kognitive und nichtkogni-
tive Funktionen bzw. deren alters- oder krankheitsbedingte Minderung geschlos-
sen.
왘 Durchführung:
앫 Im zuvor durchgeführten Mini-Mental-Status-Test (MMST, s. S. 41) werden Ori-
entierung, Merkfähigkeit, Aufmerksamkeit und Zahlenverständnis, Erinnerungs-
fähigkeit und Sprache mithilfe von 30 Items überprüft (Demenzgrenze: 22 Punk-
te).
앫 Weitere Prüfungsaufgaben ergeben sich aus:
– Reproduktions-Gedächtnis-Test.
– Wortproduktionstest.
– Handlungstest.
– Gedächtnistest.
– Fragen zur Orientierung.
앫 Der Ischämie-Score nach Hachinski (HIS) als fakultativer Bestandteil dieses Tests
wird anhand von Fragen nach neurologischer Symptomatik ermittelt (Maximal-
wert: 18 Punkte).
앫 Die Skala zur Einschätzung des Allgemeinverhaltens dient der Validitätssicherung
und bezieht sich auf folgende Bereiche:
– Kognitive Funktionen: Aufmerksamkeit und Konzentration, intellektuelle Be-
einträchtigung, Gedächtnis und Kommunikationsfähigkeit (maximal 110
Punkte).
– Nichtkognitive Funktionen: Emotionalität, Gestimmtheit, Motivation und Ak-
tivierungsniveau sowie Sozialverhalten (maximal 175 Punkte).
(Testdauer etwa 60 – 90 Minuten.)
왘 Aussage und Indikation:
앫 Je nach Fragestellung sind schwerpunktmäßig einzelne der Subtests heranzuziehen
z. B. mit folgendem Ziel:
– Erfassung eines Intelligenzabbaus überhaupt (Demenz).
– Differenzierung zwischen vaskulärer und andersartiger Demenz.
– Differenzierung zwischen Demenz und Pseudodemenz.
앫 Die Kombination von Gesamtscore und detailliertem Leistungsprofil soll außer-
dem eine Verlaufskontrolle bei therapeutischen Maßnahmen ermöglichen. Es
gibt Altersnormen für die zweite Lebenshälfte bzw. das höhere Lebensalter.
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2 2.2 Psychometrische Verfahren, Leistungstests

(Werte für die Validität und Reliabilität bei den einzelnen Subtests sehr unter-
Psychologische Testverfahren

schiedlich.)

.DemTect
......................................................................................
왘 Definition: Einfacher (ökonomischer) Test zur Erfassung kognitiver Defizite.
왘 Beschreibung: Fragebogen mit fünf Aufgabenkomplexen (s. Durchführung). Getes-
tet werden:
앫 Gedächtnis,
앫 Aufmerksamkeit und Konzentration.
왘 Durchführung:
앫 Wortliste: Es sind möglichst viele Begriffe zu wiederholen.
앫 Zahlen-Umwandlung (Transkodierung): Es sollen Zahlen von Ziffern in Buchsta-
ben transkodiert werden und umgekehrt.
앫 Supermarktaufgabe: Es sollen eine Minute lang so viele Gegenstände aus dem
Supermarkt wie möglich genannt werden.
앫 Zahlenfolge rückwärts: Es sind vorgelesene Ziffern in umgekehrter Reihenfolge zu
wiederholen.
앫 Wortliste: wird am Ende erneut abgefragt.
(Bearbeitungszeit ca. 8 – 10 Minuten).
왘 Aussage: Die Ergebnisse der einzelnen fünf Aufgabenkomplexe werden anhand ei-
ner Umrechnungstabelle in Wertpunkte transformiert und addiert. Die gesamte
Punktzahl stellt das Testergebnis dar.
앫 Punktzahl unter 8 ⫽ Demenzverdacht.
앫 9 – 12 Punkte ⫽ leichte kognitive Beeinträchtigung.
앫 13 – 18 Punkte ⫽ altersgemäße kognitive Leistung.

.Rapid
. . . . . . . .Dementia
. . . . . . . . . . . . .Screening
. . . . . . . . . . . . . .Test
. . . . . .(RDST)
.............................................
왘 Definition: Psychometrisches Screeningverfahren zur Unterstützung der Demenz-
diagnostik.
왘 Beschreibung: Zweiteiliges Testverfahren, bestehend aus zwei Subtests des Dem
Tect.
앫 Wortgenerierungsaufgabe (Supermarkt-Aufgabe).
앫 Zahlentranskodieren (Zahlen umwandeln).
왘 Durchführung: Nach Transformierung der Mittelwerte (s. DemTect) Ermittlung des
Testscores.
(Dauer: 3 – 5 Minuten).
왘 Aussage:
앫 Kurzes, leicht anwendbares Verfahren mit zufriedenstellender Sensitivität und
Spezifität.
앫 Unterschiedliche Altersnormen für unter und über 60 Jahre alte Probanden bei
der Umwandlung von im Test erreichten Punkten in die entsprechenden Scores.
앫 Bewertung:
앫 Score 9 – 12 ⫽ Leistungen alterskonform.
앫 Score 5 – 8 ⫽ leichte kognitive Störung vermutet.
앫 unter 4 ⫽ kognitive Störung.

Uhrentest
.......................................................................................
왘 Definition: Einfacher Schnelltest zur visuell-räumlichen Orientierung.
왘 Beschreibung: Zeichnung eines Ziffernblattes mit Markierung einer Uhrzeit.
왘 Durchführung: Der Patient wird aufgefordert, auf einem einfachen Blatt Papier ein
Ziffernblatt zu zeichnen und die Zeigerstellung einer vorgegebenen Zeitangabe zu
markieren.
44 (Dauer: wenige Minuten).

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2.2 Psychometrische Verfahren, Leistungstests 2
Aussage und Indikation: Rasche Feststellung optisch-räumlicher Orientierungs-

Psychologische Testverfahren

bzw. konstruktiver Defizite.

.Hachinski-Ischämie-Skala
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(HIS)
....................................................
왘 Definition: Fremdbeurteilungsskala zur klinischen Differenzierung zwischen vas-
kulärer und degenerativer Demenz.
왘 Beschreibung: Aus der Fremdbeurteilung des Patienten hinsichtlich psychopatho-
logischer und neurologischer Ausfälle wird die Art der eventuell vorliegenden de-
menziellen Erkrankung bestimmt.
왘 Durchführung:
앫 Zu beurteilen sind folgende Besonderheiten der vorliegenden Störung: Siehe
Tabelle 17.
(Untersuchungsdauer etwa 30 – 40 Minuten.)
왘 Aussage und Indikation:
앫 Auswertekriterien:
– Primär degenerative Demenz: 0 – 4 Punkte.
– Vaskuläre Demenz: ⬎ 7 Punkte.
– Mischtyp: 5 – 6 Punkte.
앫 Zufriedenstellende Korrelationen zu den Ergebnissen apparativer Untersu-
chungsverfahren. Diagnostische Hilfe mit unterschiedlich trennscharfen und va-
liden Items. (Die psychopathologischen Items scheinen den Differenzierungsan-
forderungen allerdings weniger zu entsprechen.)

.Strukturiertes
. . . . . . . . . . . . . . . . . . .Interview
. . . . . . . . . . . . .zur
. . . . .Diagnose
. . . . . . . . . . . . .von
. . . . . Demenzen
. . . . . . . . . . . . . . .(SIDAM)
................
왘 Definition: Gemischter Leistungstest zur Demenzdiagnostik.
왘 Beschreibung: Strukturiertes Interview zur Quantifizierung von kognitiven Störun-
gen bzw. Demenzen.

Tabelle 17 · Hachinski-Ischämie-Score
.......................................................................................
klinische Parameter Punktwert
.......................................................................................
plötzlicher Beginn, aktuelle Symptomatik 2
mögliche (stufenweise) Verschlechterung 1
(fluktuierender) Verlauf der Symptomatik 2
nächtliche Verwirrtheit 1
Persönlichkeit (relativ gut) erhalten 1
Depressivität 1
emotionale Labilität 1
körperliche Beschwerden 1
anamnestische Hinweise auf Hypertonie 1
frühere Enzephalomalazien (Schlaganfälle) 2
neurologische Herdsymptome (subjektiv) 2
neurologische Herdzeichen (objektiv) 2
Hinweise auf Arteriosklerose 1
.......................................................................................
Gesamtscore 18
45

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2 2.2 Psychometrische Verfahren, Leistungstests

Durchführung:
Psychologische Testverfahren

앫 Folgende Testbatterie steht zur Verfügung:


– Halbstrukturierter klinischer Überblick (in den Test obligat integrierter Fra-
genkatalog).
– Standardisierter Leistungsteil mit 55 Items bezüglich der allgemeinen
kognitiven Funktionen einschließlich Mini-Mental-Status-Test (MMST s. S. 41)
und Hachinski-lschämie-Score (HIS, s. S. 45).
– Klinische Beurteilung unter Einbeziehung der Persönlichkeitseinschätzung
und des psychosozialen Leistungsstandes. Darin integriert werden fremdan-
amnestische Angaben.
앫 Der kognitive Leistungsstand wird als SIDAM-Score ermittelt (SISCO).
앫 Der Schweregrad einer Demenz wird darüber hinaus gemäß DSM-IV- und ICD-
10-Kriterien kodiert.
(Dauer etwa 30 Minuten.)
왘 Aussage und Indikation:
앫 Einsatz vor allem in der klinischen Forschung (Epidemiologie, Therapie- bzw.
Verlaufskontrolle). Einfache Handhabung. (Laut Angaben sehr gute Validität
(⬇ 0,85 – 0,9) und Reliabilität (r ⬇ 0,85 – 0,95)).
왘 Hinweis: Vereinheitlichung der Diagnostik für Demenzen in Anlehnung an DSM-

IV (kategorial-kriterienbezogen) und ICD-10 (quantifizierend-dimensional).

.Leistungsdiagnostisches
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Labor
. . . . . . . .(LEILA)
..............................................
왘 Definition: Computergestütztes Diagnostikprogramm zur Erfassung der geistigen
Leistungsfähigkeit und ihrer Störungen.
왘 Beschreibung:
앫 Modul des Hogrefe-Testsystems (HTS) zur Erfassung der verschiedenen Intelli-
genzformen sowie spezieller kognitiver Funktionen (Gedächtnis, Merkfähigkeit,
Aufmerksamkeit, Psychomotorik u. a.), von denen die wichtigsten bereits be-
schrieben wurden.
앫 Merkmalsbereiche:
– Intelligenz.
– Gedächtnis.
– Aufmerksamkeit.
– Lernfähigkeit.
앫 EDV-technisch stehen zur Verfügung:
– Spezielle Tastatur, Touch-Screen, Moduleinsatz.
– Spezifische Itemanzeige sowie skalenspezifische Antwortzeit-Auswertung,
integrierte Datenbank und Dateiverwaltung mit Textsuchfunktionen.
– Umfangreiche Hilfsprogramme bei Bedienung, Testauswahl, Auswertung und
Interpretation (Standardsoftware). Automatisierte Auswertung mit übersicht-
licher Befundung einschließlich Auswertung von Paper-Pencil-Verfahren.
왘 Durchführung:
앫 Unter Festlegung der Fragestellung Auswahl des entsprechenden Testprogramms
(Testdurchführung mit Fehlerkontrolle). Datenschnelleingabe der Ergebnisse.
(Dauer abhängig von Zahl der Tests.)
왘 Aussage und Indikation:
앫 Rationeller Einsatz in der Leistungsdiagnostik (z. B. im psychologischen Labor
oder in der psychologischen Praxis) über allerdings hohe Anschaffungskosten.
앫 Darüber hinaus mögliche Anwendungen:
– Feststellung der Therapieindikation.
– Verlaufskontrolle.
– Bewertung von Interventions- oder Rehabilitationsmaßnahmen.

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2.3 Persönlichkeitsinventare 2

.Nürnberger
. . . . . . . . . . . . . . . Altersinventar
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(NAI)

Psychologische Testverfahren
...................................................
왘 Definition: Testbatterie zur Erfassung von kognitiver Leistungsfähigkeit, Verhalten
und Befindlichkeit im höheren Lebensalter.
왘 Beschreibung:
앫 Die Testbatterie umfasst objektive Leistungstests, Selbst- und Fremdbeurteilun-
gen und Personenmerkmale. Sie besteht insgesamt aus 11 Leistungsprüfungen (4
tempo- und 7 gedächtniszentrierte Verfahren) und 5 Fragebögen in bis zu 5 paral-
lelisierten Versionen (A–E).
앫 Erfasst werden im Alter auftretende Veränderungen der intellektuellen Leis-
tungsfähigkeit, der allgemeinen Befindlichkeit und des individuellen Verhaltens-
potenzials, darüber hinaus auch interventions- oder therapiebedingte Verände-
rungen und prognostische Aspekte.
왘 Durchführung:
앫 Nach Vortestung wird eine Auswahl der Leistungstests vorgegeben, wobei eine
Sitzung 45 Minuten nicht überschreiten sollte. Die Testabfolge ist so anzulegen,
dass ähnliche Tests nicht unmittelbar aufeinanderfolgen:
– Leistungstest (G = Version für Gerontologie): Zahlen-Verbindungs-Test G, Laby-
rinthtest G, Zahlen-Symbol-Test G, Farb-Wort-Test, Zahlennachsprechen G,
Wortliste, Bildertest, Wortpaare, Figurentest, Satznachsprechen, latentes Ler-
nen.
– Fragebögen: Nürnberger-Alters-Rating NAR; Nürnberger-Alters-Selbstbeurtei-
lungs-Skala NAS; Nürnberger-Alters-Fragebogen NAF; Nürnberger-Alters-All-
tags-Skala NAA; Nürnberger-Alters-Beobachtungs-Skala NAB.
앫 Die einzelnen Tests sind separat auszuwerten; für die meisten liegen Normwerte
bzw. Prozentränge ab dem 55. Lebensjahr vor.
왘 Aussage und Indikation:
앫 Entwicklung der einzelnen Subtests auf der Grundlage verschiedener empiri-
scher Studien mit guter bis hoher Reliabilität und Validität.
앫 Einsatz bei Patienten in höherem und hohem Lebensalter, z. B. zur Behandlungs-
überprüfung bzw. für Verlaufsstudien.

2.3 Persönlichkeitsinventare

.Eigenschaftswörterliste
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(EWL)
.......................................................
왘 Definition: Mehrdimensionales Selbstbeurteilungsverfahren zur Beschreibung des
aktuellen Befindens.
왘 Beschreibung: Aus der Selbstbeurteilung des Patienten anhand von Eigenschafts-
wörtern wird auf dessen Befindlichkeit geschlossen.
왘 Durchführung:
앫 In der Normalform enthält die Eigenschaftswörterliste 161 Items, die über 15 Ska-
len verteilt sind. Diese beziehen sich auf folgende 6 Persönlichkeitsbereiche:
– Aktivität.
– Allgemeine Disaktivität.
– Introversion-Extroversion.
– Allgemeines Wohlbehagen.
– Emotionale Gereiztheit.
– Angst.
앫 Es existiert zusätzlich eine verkürzte Version mit 123 Items.
(Bearbeitungszeit ca. 20 – 30 Minuten.)

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Psychologische Testverfahren
2

48
Tabelle 18 · Persönlichkeitsinventare
..........................................................................................................................................................
Diagnose, Leitsymptom, Test Fremd-/ Aussage Beschreibung
Zielsetzung Selbstbeur- des Tests
teilung
..........................................................................................................................................................
aktueller psychopathologischer Eigenschaftswörterliste (EWL) S aktuelles Befinden im Rahmen der Erst- S. 47
Befund, allgemeine Diagnostik diagnostik
Befindlichkeitsskala (BfS) S Verlauf von Befindlichkeitsstörungen S. 52
Mini International Neuropsychiatric Interview S Erstdiagnostik psychischer Symptome S. 52
2.3 Persönlichkeitsinventare

(MINI)
Mehrdimensionaler Befindlichkeitsfragebogen F Erfassung der Grundbefindlichkeit S. 53
(MDBF)
Present State Examination (PSE) F aktueller psychopathologischer Befund S. 53
Symptom-Checkliste von Derogatis (SCL-90-R) S aktuelles Befinden S. 53
Inpatient Multidimensional Psychiatric Scale F systematische Erfassung des psychopatho- S. 54
(IMPS) logischen Befundes
Clinical Global Impression (CGI) F Schweregrad psychischer Störungen S. 54
Minnesota Multiphasic Personality Inventory S Persönlichkeitsdiagnostik, psychische S. 55
(MMPI) Auffälligkeiten
Strukturiertes klinisches Interview (SKID) F+S Erfassung bestimmter psychischer Syndrome S. 55

und darf in keiner Form an Dritte weitergegeben werden!


Computerbasiertes Ratingsystem psychopatholo- F bestimmte psychische Merkmalsbereiche; S. 56

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gisch relevanter Urteilsdaten (CORA) Forschung, Therapieevaluation, Einzelfall-
diagnostik

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Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumen- F Anamnese, psychischer und somatischer S. 57

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tation in der Psychiatrie (AMDP) Befund
Persönlichkeit, Selbstbild Gießen-Test (GT) F psychosomatische und psychoneurotische S. 57
Erkrankungen
Freiburger Persönlichkeitsinventar (FPI) S psychosomatische und psychoneurotische S. 58
Störungen
Entscheidungs-Q-Sort (EQS) S Erfassung neurotischer Störungen S. 59
Fragebogen irrationaler Einstellungen (FIE) F Denkabläufe und -inhalte S. 59
Fragebogen zu dissoziativen Symptomen (FDS) S Erfassung psychogener Körperstörungen und S. 60
abnormer Verhaltensweisen
Heidelberger-Dissoziations-Inventar (HDi) S dissoziatives Erleben S. 60
Diagnostisches Interview für das Borderline- F Identifizierung von Borderline-Erkrankungen S. 60
Syndrom (DIB)
Borderline-Persönlichkeits-Inventar (BPI) F Erfassung der Borderline-Persönlichkeits- S. 61
störung
..........................................................................................................................................................
Schizophrenie Brief Psychiatric Rating Scale (BPRS) F Art u. Umfang psychischer Störungen, Studien S. 61
und Verlaufsbeobachtung schizophrener
Patienten
Beurteilung der Minussymptomatik (SANS) F Verlaufsbeobachtung nach psychotischen S. 62
Schüben
Fünfminuteninterview (FMSS) F Einstellung zu einem schizophrenen Mitglied S. 62
der Familie

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Forts. Tab. 18 쑺
2.3 Persönlichkeitsinventare

49
2

Psychologische Testverfahren
Psychologische Testverfahren
2

50
Tabelle 18 · Fortsetzung
..........................................................................................................................................................
Diagnose, Leitsymptom, Test Fremd-/ Aussage Beschreibung
Zielsetzung Selbstbeur- des Tests
teilung
..........................................................................................................................................................
Angststörung Selbstbeurteilungs-Angstskala (SAS) S Verlaufsbeschreibung von Angsterkrankungen S. 63
Angststatusinventar (ASI) F Angstsymptome bei psychischen Erkrankun- S. 63
gen (v. a. neurotische, psychosomatische
Störungen)
2.3 Persönlichkeitsinventare

Panik- und Agoraphobieskala (P & A) F Schweregrad einer Angsterkrankung S. 63


Beck-Angst-Inventar (BAI) S Ausmaß von Angsterleben S. 64
Hamilton-Angstskala (HAMA) F Art und Intensität von Angstsymptomen, S. 64
Verlauf und Therapiekontrolle
Liebowitz-Skala zur Erfassung sozialer Phobie S+F Symptome bei sozialen Ängsten S. 65
..........................................................................................................................................................
Zwangsstörung Hamburger Zwangsinventar (HZI) S Erfassung von Zwangsgedanken u. -verhalten S. 65
Yale-Brown Obsessive Compulsive Scale (Y-BOCS) F Art und Schwere von Zwangssymptomen S. 65
Maudsley Obsessional Compulsive Checklist S Verlaufskontrolle von Zwangsstörungen S. 66
(MOCI)
..........................................................................................................................................................

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Depression Paranoid-Depressivitäts-Skala (PD-S) S Ausmaß von Depressivität S. 66
Beck-Depressions-Inventar (BDI) S Schweregrad depressiver Verstimmung S. 67

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Selbstbeurteilungs-Depressionsskala (SDS) S Aufdeckung und Quantifizierung depressiver S. 67
Verstimmungen

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Hamilton-Depressionsskala (HAMD) F Schweregrad depressiver Syndrome S. 68
Montgomery-Assberg-Depressions-Rating-Skala F Einschätzung des Schweregrades depressiver S. 68

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(MADRS) Symptomatik
Depressionsstatusinventar (DSI) F Schwere einer Depression S. 69
Diagnostische Depressionsskala Newcastle (DSN) F Art und Intensität depressiver Verstimmungen S. 69
Manie Manie-Selbstbeurteilungsskala (MSS) S maniforme Syndrome, Therapieerfolgs- S. 70
messung
Internal State Scale (ISS) S manische Symptome, Erstdiagnostik, Verlaufs- S. 70
beobachtung
Young-Mania-Rating-Scale (YMRS) F Ausprägung maniformer Symptome, Erstdiag- S. 70
nostik, Verlaufsbeobachtung
Bech Rafaelsen Manie-Skala (BRMAS) F Schweregrad eines manischen Zustandes, S. 71
Verlaufsbeobachtung
..........................................................................................................................................................
psychische Rückbildungs- Clinical Assessment Geriatric Scale (SCAG) F kognitive Defizite bzw. Rückbildungssympto- S. 71
symptome me älterer Menschen, präsenile Demenz,
psychoorganisches Syndrom
..........................................................................................................................................................
Störungen durch Alkohol Münchner Alkoholismustest (MALT) F+S Ermittlung von Alkoholismussymptomen, epi- S. 72
demiologische u. gutachterliche Untersuchun-
gen
Trierer Alkoholismusinventar (TAI) S Differenzialdiagnostik der Alkoholabhängig- S. 72
keit
Fragebogen zum funktionellen Trinken (FFT) S Trinkgewohnheiten S. 73

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2.3 Persönlichkeitsinventare

51
2

Psychologische Testverfahren
2 2.3 Persönlichkeitsinventare

Aussage und Indikation:


Psychologische Testverfahren

앫 Nach Verrechnung der als zutreffend registrierten Statements ergibt sich ein
Wert, der die momentane emotionale Befindlichkeit einschließlich Ängstlichkeit
widerspiegelt.
앫 Die Eigenschaftswörterliste findet innerhalb der klinischen Psychiatrie Verwen-
dung im Rahmen der Erstdiagnostik (Reliabilität r ⬇ 0,3 – 0,95).

.Befindlichkeitsskala
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(BfS)
............................................................
왘 Definition: Selbstbeurteilungsskala zur querschnittsmäßigen Erfassung von Be-
findlichkeitsstörungen.
왘 Beschreibung: Die Befindlichkeitsskala dient der Quantifizierung momentaner Be-
einträchtigungen des subjektiven Wohlbefindens. Ihre Handhabung beruht auf der
Selbsteinschätzung des Patienten. Es gibt zwei Parallelformen mit je 28 Paaren von
Eigenschaftswörtern.
왘 Durchführung:
앫 Der Patient soll sich bei den ihm vorgelegten Eigenschaftswörterpaaren entschei-
den, welche Beschreibung seinem momentanen Zustand am ehesten entspricht.
Möglich sind drei Entscheidungen: Zwei alternative Zustimmungen sowie die
Antwort „weder/noch“.
앫 Die gewichteten Items werden zu einem Gesamtrohwert addiert, der die jeweili-
ge Beeinträchtigung des Befindens angeben soll.
(Testdauer für eine der beiden Formen maximal 10 Minuten.)
왘 Aussage und Indikation:
앫 Die Befindlichkeitsskala findet Anwendung bei allen krankheitsbedingten psy-
chischen Veränderungen, insbesondere auch zu Verlaufsbeschreibungen unter
therapeutischen Maßnahmen.
앫 Bei Skalenwerten von ⬎ 15 Punkten ist von schon spürbaren Beeinträchtigungen
des psychischen Wohlbefindens auszugehen. Zufriedenstellende inhaltliche Vali-
dität (⬇ 0,5 – 0,7) und gute Halbierungszuverlässigkeit (r ⬇ 0,9) (Halbierungszu-
verlässigkeit: Auch nach Halbierung der Itemanzahl werden für jede Hälfte ähnli-
che Ergebnisse erreicht).

.Mini
. . . . . .International
. . . . . . . . . . . . . . . . . .Neuropsychiatric
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Interview
. . . . . . . . . . . . .(MINI)
..........................
왘 Definition: Selbstbeurteilungs-Checkliste zur Erfassung von 15 psychiatrischen Er-
krankungen in Anlehnung an DSM-IV.
왘 Beschreibung: Vierteiliger Fragenkatalog zu den Hauptkategorien:
앫 Depression (Teil 1; 10 Items).
앫 Alkoholabhängigkeit (Teil 2; 7 Items).
앫 Panikstörung (Teil 3; 18 Items).
앫 Soziale Phobie (Teil 4; 4 Items).
왘 Durchführung: Die insgesamt 39 Statements sind mit „Ja“ oder „Nein“ zu beant-
worten. Die Auswertung erfolgt durch Addition der zustimmenden Antworten.
(Bearbeitungszeit: ca. 5 – 10 Minuten).
왘 Aussage:
앫 Teil 1: Bei 5 und mehr Zustimmungen Depression wahrscheinlich.
앫 Teil 2: Bei 3 und mehr Zustimmungen Alkoholabhängigkeit wahrscheinlich.
앫 Teil 3: Bei 4 und mehr Zustimmungen Panikstörung wahrscheinlich.
앫 Teil 4: Bei 4 Zustimmungen soziale Phobie wahrscheinlich

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2.3 Persönlichkeitsinventare 2

.Mehrdimensionaler
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Befindlichkeitsfragebogen
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (MDBF)

Psychologische Testverfahren
..........................
왘 Definition, Beschreibung: Anhand von 24 Items werden auf jeweils fünfstufigen
Antwortskalen erfasst (es gibt zwei parallele Testhälften):
앫 Gute/schlechte Gestimmtheit (GS).
앫 Wachheit/Müdigkeit (WM).
앫 Ruhe/Unruhe (RU).
왘 Durchführung:
앫 Auszählung der Gesamtpunktzahl und Vergleich mit Mittelwerten und Standard-
abweichungen der MDBP-Skalen.
(Dauer: Etwa 4 – 8 Minuten.)
왘 Aussage: Geeignet zur Erfassung der Grundbefindlichkeit, z. B. zur Therapieevalua-
tion (Retest-Reliabilität r ⬇ 0,2 – 0,5).

.Present
. . . . . . . . . .State
. . . . . . . .Examination
. . . . . . . . . . . . . . . . .(PSE)
...................................................
왘 Definition: Standardisiertes Verfahren zur Erhebung des Psychostatus.
왘 Beschreibung: Der aktuelle psychopathologische Befund wird ermittelt aus den
Antworten zu standardisierten Fragen bezüglich folgender Dimensionen:
앫 Allgemeine körperliche und seelische Gesundheit (10 Items).
앫 Angst (8 Items).
앫 Denken (4 Items).
앫 Depressivität (5 Items).
앫 Selbstwertgefühl (6 Items).
앫 Vitalstörungen (6 Items).
앫 Expansivität (3 Items).
앫 Zwang (3 Items).
앫 Depersonalisation (2 Items).
앫 Wahrnehmungsstörungen (6 Items).
앫 Denkstörungen (5 Items).
앫 Halluzinationen (11 Items).
앫 Wahn (26 Items).
앫 Bewusstsein (7 Items).
앫 Krankheitseinsicht (4 Items).
앫 Verhalten (12 Items).
앫 Affektivität (10 Items).
앫 Sprache (11 Items).
왘 Durchführung:
앫 Der Untersucher versucht, anhand der 140 Statements den psychopathologi-
schen Querschnittsbefund festzulegen. Unsicherheiten in der Beurteilung oder
fehlende Untersuchungsergebnisse werden ebenfalls festgehalten.
앫 Die Ausprägungsgrade der vorgefundenen Störungen können mit einer Werte-
skala von 0 – 3 gewichtet und entsprechend registriert werden. Ergänzende Zu-
satzfragen zu den verschiedenen Dimensionen sind möglich.
앫 Vor der eigentlichen Testdurchführung werden 10 – 12 Übungsexplorationen emp-
fohlen. Das Verfahren ist zur elektronischen Datenverarbeitung vorgesehen.
(Untersuchungsdauer ca. 60 – 90 Minuten.)

.Symptom-Checkliste
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .von
. . . . . .Derogatis
. . . . . . . . . . . . .(SCL-90-R)
........................................
왘 Definition: Mehrdimensionales Selbstbeurteilungsverfahren zur Beschreibung der
psychischen Befindlichkeit.
왘 Beschreibung: Aus der Selbstbeurteilung des Patienten anhand von 95 Statements
wird dessen Psychostatus erstellt.

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2 2.3 Persönlichkeitsinventare

Durchführung: Zu 95 verschiedenen Items soll auf einer Skala von 0 (⫽ überhaupt


Psychologische Testverfahren

nicht) bis 4 (⫽ sehr stark) Stellung genommen werden. Die Items sind folgenden
neun Bereichen zugeordnet:
앫 Somatisierung.
앫 Zwanghaftigkeit.
앫 Unsicherheit im Sozialkontakt.
앫 Depressivität.
앫 Ängstlichkeit.
앫 Aggressivität/Feindseligkeit.
앫 Phobische Angst.
앫 Paranoides Denken.
앫 Psychotizismus.
(Bearbeitungszeit: ca. 30 Minuten).
왘 Aussage: Nach Auswertung anhand eines Schemas lässt sich mittels T-Werten und
Prozenträngen (Summenwert, Skalenwert, Belastungstendenz) ein Vergleich mit
vorgegebenen Normen vornehmen.
(Validität zwischen r ⬇ 0,3 und r ⬇ 0,7, Reliabilität um 0,5.)
왘 Aussage und Indikation: Die Gliederung des Fragebogens ist ausgerichtet auf fol-
gende Schwerpunkte:
앫 Neurotische Symptome, Anpassungsstörungen.
앫 Psychotische Symptome.
앫 Bewusstseinslage, Krankheitseinsicht.
앫 Verhalten, Affekt, Sprache.
앫 Mithilfe einer Syndromcheckliste (SCL) lassen sich aus den 140 Symptomen zu-
sätzlich 38 Syndrome ermitteln (z. B. „Hypochondrie“, „Energiemangel“
u. ä.).

Clinical
. . . . . . . . . . .Global
. . . . . . . . .Impression
. . . . . . . . . . . . . . .(CGI)
....................................................
왘 Definition und Beschreibung: Fremdbeurteilungsfragebogen zur globalen Beur-
teilung des Schweregrades psychischer Störungen.
왘 Durchführung: Zu beurteilen sind:
앫 Der aktuelle Schweregrad der psychiatrischen Erkrankung auf einer 8-stufigen
Skala von „nicht beurteilbar“ bis „extrem schwer krank“.
앫 Eine Veränderung des psychischen Zustandes: Auf einer 8-stufigen Skala von
„nicht beurteilbar“ bis „Zustand ist sehr viel schlechter“.
앫 Das Verhältnis von therapeutischem Effekt und auftretenden Nebenwirkungen
(auf der Grundlage einer Medikation): Von „sehr gut“ bis „unverändert oder
schlechter“ bzw. „nicht beurteilbar“.
(Bearbeitungszeit von etwa 5 – 10 Minuten.)
왘 Aussage und Indikation: Das klinische Global-rating erlaubt in Form einer Mo-
mentaufnahme eine kurze Beurteilung des Krankheitszustandes innerhalb einer
Verlaufsbeobachtung. Einsatz daher vor allem innerhalb klinischer Studien vor dem
Hintergrund der Beurteilung therapeutischer Effekte und auftretender Nebenwir-
kungen, die als „Wirksamkeits-lndex“ über eine zweiziffrige Codenummer erfasst
werden.

.Inpatient
. . . . . . . . . . . . Multidimensional
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Psychiatric
. . . . . . . . . . . . . . .Scale
. . . . . . . .(IMPS)
...........................
왘 Definition: Multidimensionale Skala zur systematischen Erfassung des psychopa-
thologischen Befundes.
왘 Beschreibung: Mithilfe eines psychiatrischen Interviews, das 90 Fragen enthält, soll
eine diagnostische Zuordnung psychiatrischer Störungen ermöglicht werden.

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2.3 Persönlichkeitsinventare 2
Durchführung:

Psychologische Testverfahren

앫 Der gesprächsfähige Patient wird mittels einer Checkliste zu seinem aktuellen


Befinden befragt, Beobachtungen des Interviewers ebenfalls aufgenommen. 77
Items werden auf einem Auswertungsblatt zu 12 Syndromen zusammengefasst,
die flächentransformierten T-Werte werden in einen Profilbogen eingetragen.
앫 Hauptgruppen:
– Paranoid-halluzinatorisches Syndrom.
– Depressives Syndrom.
– Manisches Syndrom.
– Andere psychotische Symptomatik.
앫 Die Profilbögen erlauben einen Vergleich innerhalb dieser Diagnosegruppen.
(Dauer des Interviews ca. 30 – 40 Minuten.)
왘 Aussage und Indikation:
앫 Schwerpunkt im Bereich psychotischer und depressiver Krankheitsbilder.
앫 Einsatz zu Forschungs- und Dokumentationszwecken sowie zu Verlaufsbeobach-
tungen.

.Minnesota
. . . . . . . . . . . . . .Multiphasic
. . . . . . . . . . . . . . . .Personality
. . . . . . . . . . . . . . . .Inventory
. . . . . . . . . . . . .(MMPI)
...........................
왘 Definition: Fragebogen zur Persönlichkeitsdiagnostik bzw. zur Erfassung psy-
chischer Auffälligkeiten.
왘 Beschreibung: Aus den Antworten des Patienten zu einer Reihe persönlicher Fra-
gen wird auf Persönlichkeitseigenschaften geschlossen, die den folgenden 10 Di-
mensionen zugeordnet werden:
앫 Depressivität.
앫 Hysterie.
앫 Psychopathie.
앫 Maskulinität/Feminität.
앫 Paranoia.
앫 Psychasthenie.
앫 Schizoidie.
앫 Hypomanie.
앫 Introversion/Extraversion.
앫 Hypochondrie.
왘 Durchführung:
앫 Bei diesem recht zeitaufwendigen (veralteten) Fragebogen sind 566 statements
(davon 16 Wiederholungen) zur Selbstbeurteilung mit „richtig“ oder „falsch“ zu
kennzeichnen. Die Auswertung erfolgt mithilfe von Schablonen; das individuelle
Skalenprofil wird grafisch dargestellt.
앫 Mithilfe von Kontrollskalen können sowohl Verfälschungstendenzen des Patien-
ten erfasst werden wie andererseits Sorgfaltsleistung und Aufmerksamkeit bei
der Testdurchführung.
(Bearbeitungszeit ca. 1 – 2 Stunden.)
왘 Aussage und Indikation: Der MMPI ist wahrscheinlich der am meisten verbreitete
Fragebogentest mit ausreichender Objektivität, Gültigkeit und Verlässlichkeit (Re-
liabilität r ⬇ 0,5 – 0,8). Der Anwendungsbereich erstreckt sich sowohl auf psychoti-
sche als auch auf nichtpsychotische Störungen.

.Strukturiertes
. . . . . . . . . . . . . . . . . . .klinisches
. . . . . . . . . . . . .Interview
. . . . . . . . . . . . .für
. . . . .DSM-IV
. . . . . . . . . . (SKID
. . . . . . . .I. +
. . II)
...............
왘 Definition: Mehrdimensionales Interviewverfahren zur Erfassung psychischer Syn-
drome und Störungen (s. S. 53 strukturiertes Interview).
왘 Beschreibung: SKID dient der Erfassung und Diagnostik ausgewählter psychischer
bzw. Persönlichkeitsstörungen in Anlehnung an DSM-IV:

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2 2.3 Persönlichkeitsinventare

앫 Auf Achse I können beurteilt werden: Affektive Störungen, psychotische Störun-


Psychologische Testverfahren

gen, Störungen durch psychotrope Substanzen, Angststörungen, somatoforme


Störungen, Essstörungen, Anpassungsstörungen.
앫 Codierungsmöglichkeiten bestehen für die Achsen III und V.
왘 Durchführung:
앫 Einsatz des strukturierten Interviewteils und freies Interview mit „Trennpunkt“-
Fragen und Sprungregeln (= grobe Übersicht durch Einsatz nur einiger ausge-
wählter „Netzwerk“-Fragen).
앫 Diagnosestellung im Längs- und Querschnitt.
(Durchführungszeit SKID I: 60, SKID II: 30 Min..)
왘 Aussage und Indikation:
앫 Die getrennte Auswertung von Fragebogen und Interview erlaubt sowohl eine
quantitative Auswertung wie auch Selbstbeschreibung und allgemein-klinische
Beurteilung.
앫 Einsatz bei ambulanten und stationär behandelten psychiatrischen und psycho-
therapeutischen Patienten.
앫 Schnelle und valide Diagnosestellung bei den genannten Erkrankungen.
(Reliabilität r ⬇ 0,6 – 1,0.)

Computerbasiertes Ratingsystem psychopathologisch relevanter


Urteilsdaten
. . . . . . . . . . . . . . . . . (CORA)
......................................................................
왘 Definition: Modular aufgebautes, computergestütztes Testsystem zur Erfassung
psychischer Störungen.
왘 Beschreibung:
앫 Standardisierte Erfassung psychopathologischer Urteilsdaten im Bereich der kli-
nischen Psychopathologie:
– Programmsystem mit Hilfs- und Routinefunktionen.
– Vielzahl von standard- und computerspezifischen Verfahren.
앫 Testbatterie mit Standardhardware und -software.
앫 Diagnostiziert werden können folgende Merkmalsbereiche:
– Depressionen und Manien.
– Schizophrenie.
– Zwangsstörungen.
– Angststörungen.
– Alkoholismus.
– Demenzen.
– Psychosomatische Beschwerden.
– Verlaufssymptomatik.
왘 Durchführung:
앫 Je nach Fragestellung Einsatz von einzelnen oder mehreren Persönlichkeitsinven-
taren (s. o.) zur Diagnostik von Psychosen, Manien, Depressionen, Angststörun-
gen und anderen klinischen Symptomen.
앫 Testdurchführung mit Fehlerkontrolle, automatische Auswertung. Skalen- und
antwortstufen-spezifische Itemanzeige.
앫 Es existieren alters- bzw. geschlechtsspezifische Normen mit der Möglichkeit ei-
ner laufenden Aktualisierung (z. T. computerspezifische Normierung).
앫 Die integrierte Datenbank und Dateiverwaltung bietet Textsuchfunktionen, Aus-
wertung von Paper-Pencil-Verfahren, Datenschnelleingabe, skalenspezifische
Antwortzeit-Auswertung.
(Untersuchungsdauer unterschiedlich je nach Einsatzumfang.)
왘 Aussage und Indikation: Wichtigste Einsatzgebiete:
앫 Standardisierte Erfassung psychopathologischer Urteilsdaten nach Empfehlun-
gen des Collegium Internationale Psychiatriae Scalarum (CIPS) und der AMDP.
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2.3 Persönlichkeitsinventare 2
앫 Psychopathologische Forschung.

Psychologische Testverfahren
앫 Therapieevaluation.
앫 Einzelfalldiagnostik.
왘 Hinweis: Hohe Anschaffungskosten!

Dokumentationssystem der Arbeitsgemeinschaft für Methodik


und
. . . . . . Dokumentation
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .in
. . .der
. . . . .Psychiatrie
. . . . . . . . . . . . . . .(AMDP)
....................................
왘 Definition: Mehrdimensionales Fremdbeurteilungssystem zur Anamnese, zum
psychischen und zum somatischen Befund.
왘 Beschreibung: Aus den Angaben zu 100 Items „psychischer Befund“ sowie weiteren
40 Items „somatischer Befund“ wird auf das Vorliegen bestimmter psychopathologi-
scher Syndrome geschlossen:
Der „psychische Befund“ erfasst folgende Dimensionen:
– Bewusstseins- und Orientierungsstörungen.
– Gedächtnisstörungen.
– Formale und inhaltliche Denkstörungen.
– Sinnestäuschungen.
– Ich-Störungen.
– Emotionale und Antriebsstörungen.
Der „somatische Befund“ erfasst:
– Vigilanzstörungen.
– Appetenz- und gastrointestinale Störungen.
– Zirkulatorische und vegetative Störungen.
– Neurologische Symptome.
왘 Durchführung:
앫 Der Untersucher soll zu den 140 Statements Stellung nehmen, abgestuft von
„nicht vorhanden“ bis „schwer“.
앫 Die Beurteilung des psychischen Zustandes basiert auf allen – auch fremd-
anamnestischen – Informationen und Angaben, die erhältlich sind.
앫 Der Erfassungsbogen ist so konzipiert, dass automatische Auswerteverfahren mit
Markierungslesern zur Anwendung kommen können.
(Zeitaufwand etwa 40 – 60 Minuten.)
왘 Aussage und Indikation:
앫 Die Auswertung auf der Symptomebene soll über folgende Syndrome Auskunft
geben: Depressives, psychoorganisches, manisches und paranoid-halluzinatori-
sches Syndrom, Hostilitätssyndrom, vegetatives und neurologisches Syndrom,
apathisches und Zwangssyndrom.
앫 Das AMDP-System erscheint besonders geeignet zu Vergleichsuntersuchungen
bei multizentrischen Studien, überhaupt zur Vereinheitlichung der psychiatri-
schen Diagnostik.

Gießen-Test
. . . . . . . . . . . . . . . . (GT)
.......................................................................
왘 Definition: Standardisierter Fragebogen zur Ermittlung des persönlichen Selbstbil-
des.
왘 Beschreibung: Die Beurteilung der Persönlichkeit beruht auf einer Auswertung der
Antworten des Patienten auf der Grundlage tiefenpsychologisch relevanter Katego-
rien.
왘 Durchführung:
앫 Der Patient wird angehalten, zu insgesamt 40 Fragen bezüglich seiner inneren
Verfassung und seiner Umweltbeziehungen („Selbstbild“) Stellung zu nehmen.
Durch Umstellung der Items kann der Test auch zur Fremdeinschätzung verwen-
det werden („Fremdbild“).
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2 2.3 Persönlichkeitsinventare

앫 Die Analyse der Antworten bezieht sich auf folgende 6 Standardskalen:


Psychologische Testverfahren

– Soziale Resonanz.
– Dominanz.
– Kontrolle.
– Grundstimmung.
– Durchlässigkeit.
– Soziale Potenz.
앫 Es lässt sich auch ein so genanntes Idealselbstbild erstellen.
앫 Die Auswertung erfolgt über Transformation der Rohwerte in Standardwerte. Das
Testprofil kann grafisch dargestellt werden.
(Bearbeitungszeit etwa 20 – 30 Minuten.)
왘 Aussage und Indikation:
앫 Der Anwendungsbereich erstreckt sich vor allem auf psychosomatische und psy-
choneurotische Erkrankungen unter Einbeziehung sozialer Einstellungen und In-
teraktionen.
(Unter Berücksichtigung der psychoanalytischen Konzeption des Verfahrens zu-
friedenstellende Validität bei der Einzel- und Gruppendiagnostik als Stütze der
klinischen Befunderhebung. Reliabilität r ⬇ 0,5 – 0,6.)

.Freiburger
. . . . . . . . . . . . . .Persönlichkeitsinventar
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(FPI-R)
.........................................
왘 Definition: Standardisierter Fragebogen zur Selbstbeurteilung der Persönlichkeit.
(Ältere Fassung: FPI-A1)
왘 Beschreibung:
앫 Aus den Stellungnahmen des Patienten zu persönlichen Fragen können Rück-
schlüsse auf die in der Tabelle 19 dargestellten Eigenschaften gezogen werden.
(In der revidierten Fassung FPI-R sind enthalten: siehe Tabelle 19.)
앫 Zusätzlich werden die Dimensionen „Extraversion/Introversion“, „Neurotizis-
mus“ und „Maskulinität/Feminität“ erfasst.
왘 Durchführung:
앫 Der Patient wird mit insgesamt 138 offenen und verdeckten Fragen (FPI-A1: 114
Fragen) konfrontiert, die bejahend oder verneinend zu beantworten sind.
앫 Die Auswertung erfolgt mittels Schablonen. Die Resultate können auf einem Pro-
filblatt grafisch dargestellt werden.
(Durchführung + Auswertung: ca. 30 Minuten.)

Tabelle 19 · Komponenten der Freiburger Persönlichkeitsinventare


.......................................................................................
FPI FPI-R (= revidierte Fassung)
.......................................................................................
Nervosität Lebenszufriedenheit
Aggressivität (spontan + reaktiv) soziale Orientierung
Depressivität Leistungsorientierung
Erregbarkeit Gehemmtheit
Geselligkeit Erregbarkeit
Gelassenheit Aggressivität
Gehemmtheit Beanspruchung
Offenheit körperliche Beschwerden
Extraversion Gesundheitssorgen
emotionale Labilität Offenheit
Maskulinität Extraversion
Emotionalität
58

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2.3 Persönlichkeitsinventare 2
Aussage und Indikation:

Psychologische Testverfahren

앫 Der Einsatz erfolgt ergänzend zur klinisch-psychopathologischen Diagnostik vor


allem bei psychosomatischen und Anpassungsstörungen.
앫 Die faktorenanalytisch gewonnenen Persönlichkeitsdimensionen besitzen offen-
bar eine ausreichende Trennschärfe. (FPI-R mit zufriedenstellender Verlässlich-
keit [r ⬇ 0,4 – 0,6] wie auch ökonomisch für den klinischen Gebrauch geeignet.
Validität ⬇ 0,25 – 0,65).

.Entscheidungs-Q-Sort
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(EQS)
.........................................................
왘 Definition: Selbstbeurteilungsverfahren zur Erfassung neurotischer bzw. Anpas-
sungsstörungen.
왘 Beschreibung: Mithilfe standardisierter Aussagen bzw. Entscheidungen sollen
handlungsnahe Verhaltenskomponenten erfasst werden (Entscheidungsvariablen).
왘 Durchführung:
앫 54 Kärtchen mit Items, die ein Entscheidungsverhalten beschreiben, werden dem
Patienten mit der Bitte vorgelegt, sie in 9 Kategorien einzusortieren.
Diese Kategorien sind 9-fach gestaffelt von „überhaupt nicht“ bis „genau zutref-
fend“.
앫 Die Protokollierung und Auswertung erfolgt auf entsprechenden Auswertebögen
durch Markierung und Summierung der Rohwerte.
앫 Eine Interpretation der Rohwerte ist quantitativ mittels Standardwerten und
qualitativ anhand der EQS-Faktorenbeschreibung in folgende drei Gruppen mög-
lich:
– Neurotiker.
– Normale Probanden.
– Diagnostisch unklare Probanden.
(Durchführungszeit etwa 20 – 25 Minuten.)
왘 Aussage und Indikation:
앫 Folgende drei Kategorien sind faktorenanalytisch unterscheidbar:
– Unentschlossenheit.
– Rationalität.
– Risikoverhalten.
Bei Eichwerten (= aus den Rohwerten ermittelte Standardwerte) ⬎ 7 Hinweise
auf abweichendes Verhalten. Einsatz im Erwachsenenbereich (18 – 55 Jahre) bei
Verdacht auf neurotische oder Persönlichkeitsstörungen. (Trefferquote [= Validi-
tät] mit ca. 70% befriedigend, Reliabilität r ⬇ 0,8.)

.Fragebogen
. . . . . . . . . . . . . . . .Irrationaler
. . . . . . . . . . . . . . . .Einstellungen
. . . . . . . . . . . . . . . . . .(FIE)
....................................
왘 Definition: Fragebogen zur Erfassung dysfunktionaler Kognitionen.
왘 Beschreibung: Anhand von 30 Items werden folgende vier Dimensionen erfasst:
앫 Negative Selbstbewertung.
앫 Abhängigkeit.
앫 Internalisierung von Misserfolgen.
앫 Irritierbarkeit.
왘 Durchführung: Patient soll Aussagen abgestuft zwischen 0 (stimmt gar nicht) und 5
(stimmt völlig) tätigen.
(Dauer: ca. 10 Minuten).
왘 Aussage und Indikation: Normwerte liegen vor als Statine, Standardwerte und
Prozentränge.

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2 2.3 Persönlichkeitsinventare

.Fragebogen
. . . . . . . . . . . . . . . .zu
. . . dissoziativen
. . . . . . . . . . . . . . . . . .Symptomen
. . . . . . . . . . . . . . . . (FDS)
Psychologische Testverfahren

.................................
왘 Definition: Selbstbeurteilungsverfahren zur Diagnostik dissoziativer Phänomene.
왘 Beschreibung: Anhand abgestufter Stellungnahmen wird aus der Selbstbeurtei-
lung des Patienten auf evtl. vorliegende dissoziative Störungen geschlossen.
왘 Erfasst werden sollen folgende Dimensionen:
앫 Amnesie.
앫 Absorption.
앫 Derealisation.
앫 Konversion.
(Bearbeitungszeit: ca. 30 – 40 Minuten.)
왘 Durchführung: Zu 44 Items über Erfahrungen und Erlebnisse aus dem alltäglichen
Leben soll zustimmend bzw. ablehnend in Zehnerschritten zwischen 0% (⫽ nie) bis
100% (⫽ immer) Stellung genommen werden.
왘 Aussage: Die Auswertung erfolgt über eine Verrechnung des Gesamtrohwerts bzw.
des Mittelwerts als Screeningverfahren. Differenzierte Normen liegen noch nicht
vor, allerdings sind Prozentränge angegeben.
(Validität r ⬇ 0,5 – 0,8. Reliabilität r ⬇ 0,8).

.Heidelberger
. . . . . . . . . . . . . . . . .Dissoziations-Inventar
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(HDI)
.......................................
왘 Definition: Verfahren zur Diagnostik dissoziativer Störungen.
왘 Beschreibung: Zweistufiges Testverfahren:
1. „Skala dissoziativen Erlebens“ mit 30 Items in der Erwachsenenversion als Scree-
ning zur Selbsteinschätzung dissoziativer Erlebnisse.
2. „Strukturiertes klinisches Interview“, justiert an den klinisch-diagnostischen
ICD- und DSM-Leitlinien. Anhand von 77 Fragen sollen hier folgende Schwer-
punkte erfasst werden:
– Dissoziative Amnesie und Fugue.
– Dissoziativer Stupor und andere Bewegungsstörungen.
– Trance- und Besessenheitszustände.
– Dissoziative Krampfanfälle und Empfindungsstörungen.
– Ganser-Syndrom.
– Dissoziative Identitätsstörung.
– Depersonalisierungs- und Derealisationserlebnisse.
왘 Durchführung:
앫 Mithilfe des 10-fach skalierten Screening-Bogens werden vorlaufend evtl. aufge-
tretene dissoziative Symptome abgefragt. Bei entsprechenden Hinweisen
schließt sich das Interview mit geschlossenen Fragen bzw. ja/nein-Antworten an.
앫 Die Auswertung des Interviews erfolgt nach den Schweregraden: 0 (keine Symp-
tome), 1 (mäßige Symptome), 2 (schwere Symptome).
앫 Die Punktwerte der Fragen werden zu Summenscores für die verschiedenen Stö-
rungsbereiche aufaddiert und zu einem Gesamtwert verrechnet.
앫 (Dauer des Screenings: ca. 10 Min., des Interviews ca. 40 – 60 Min.)
왘 Aussage und Indikation: Diagnosezuordung mithilfe von Auswertungsbogen nach
ICD-10 oder DSM-I. Validität: Validiert an externen Kriterien. Reliabilität: r = 0,9.

.Diagnostisches
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Interview
. . . . . . . . . . . . .für
. . . . .das
. . . . .Borderline-Syndrom
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(DIB)
................
왘 Definition: Semistandardisiertes Inverview zur Erfassung von Borderline-
Störungen (s. S. 249 f).
왘 Beschreibung: Mithilfe vorgegebener Statements wird versucht, charakteristische
Symptome der Borderline-Persönlichkeit aufgrund eines psychoanalytischen Erklä-
rungsansatzes zu erfassen.

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2.3 Persönlichkeitsinventare 2
Durchführung:

Psychologische Testverfahren

앫 Die Fragen bzw. vom Patienten zu beurteilenden 124 Statements sollen Kernaus-
sagen über die Persönlichkeitsstruktur darstellen, aus denen sich nach Errech-
nung der Antworten Hinweise auf Borderline-Strukturen ergeben.
앫 Abgefragt werden die folgenden 5 Persönlichkeitsbereiche:
– Soziale Anpassung.
– Impulsive Handlungsmuster.
– Affektivität.
– Psychotisches Erleben.
– Zwischenmenschliche Beziehungen.
앫 Zu jedem dieser Bereiche werden 3 – 4 Aussagen festgehalten. Nach Verrechnung
wird ein kritischer Wert ermittelt, der für oder gegen das Vorliegen von Border-
line-Störungen sprechen soll.
(Untersuchungsdauer ⬎ 1 Stunde.)
왘 Aussage und Indikation:
앫 Der Fragebogen gilt als das am besten überprüfte diagnostische Testverfahren zur
Identifizierung von Borderline-Erkrankungen. Es soll differenzialdiagnostisch ei-
ne hohe statistische Signifikanz besitzen.
왘 Hinweis: Im Hinblick auf die Ergebnisse der bisherigen, teils kontroversen Dis-

kussionen um den Borderline-Begriff besteht eine besondere Problematik, die zu


berücksichtigen ist.

.Borderline-Persönlichkeits-Inventar
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (BPI)
........................................
왘 Definition: Fremdbeurteilungsfragebogen zur Erfassung der Borderline-Persön-
lichkeitsstörung.
왘 Beschreibung: Über insgesamt 53 Items, zusammengefasst zu 4 Skalen, sollen fol-
gende Störungsbilder erfasst werden:
앫 Entfremdungserlebnisse und Identitäts-Diffusion (IDEE).
앫 Primitive Abwehrmechanismen und Objektbeziehungen (AB).
앫 Mangelhafte Realitätsprüfung (R).
앫 Angst vor Nähe (N).
왘 Durchführung:
앫 Die einzelnen Beurteilungen werden ausgezählt und mit T-Normen bzw. Pro-
zenträngen sowohl für den Gesamtwert als auch für einzelne Skalen verglichen
(Dauer etwa 20 Minuten).
왘 Aussage: Geeignet für epidemiologische und klinische Untersuchungen bei psy-
chischen Störungen bzw. zur Verlaufskontrolle psychotherapeutischer Wirksamkeit
(Retest-Reliabilität r ⬇ 0,8).

.Brief
. . . . . . .Psychiatric
. . . . . . . . . . . . . . Rating
. . . . . . . . . .Scale
. . . . . . . (BPRS)
................................................
왘 Definition und Beschreibung: Fremdbeurteilungsfragebogen zur globalen Fest-
stellung, ob und in welchem Umfang psychische Störungen vorliegen.
왘 Durchführung:
앫 Der aus 18 Items bestehende Fragebogen dient als Anleitung zur gezielten Beur-
teilung folgender psychopathologischer Symptome: Körperbezogenheit, Angst,
emotionale Zurückgezogenheit, Denkstörungen, Schuldgefühle, Gespanntheit,
Manieriertheit, Größenideen, Depressivität, Feindseligkeit, paranoide Ideen, Hal-
luzinationen, Verlangsamung, Abwehr, abnorme Denkinhalte, affektive Defizite,
Erregtheit und Orientierungsstörungen.
앫 Erfasst werden die Faktoren „Angst/Depressionen“, „Anergie“, „Denkstörung“,
„Aktivierung“ und „Feindseligkeit/Misstrauen“.
앫 Jeweils vorliegende Störungen werden innerhalb einer Kategorie mit Werten von
„1 “ (nicht vorhanden) bis „7 “ (extrem stark) gewertet.
(Untersuchungsdauer ca. 40 – 50 Minuten.) 61

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2 2.3 Persönlichkeitsinventare

Aussage und Indikation:


Psychologische Testverfahren

앫 Geeignet am ehesten innerhalb klinischer Studien bzw. zur Verlaufsbeobachtung


bei schizophrenen (hospitalisierten) Patienten.
앫 Die maximale Punktzahl beträgt 126 Punkte. Ab etwa 60 – 70 Punkten liegen be-
reits spürbare Auffälligkeiten vor.
(Der Test stellt ein globales Beurteilungsinstrument dar, die Items sind allerdings
nicht immer genügend trennscharf.)

.Beurteilung
. . . . . . . . . . . . . . . .der
. . . . .Minussymptomatik
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(SANS)
.......................................
왘 Definition: Fremdbeurteilungsfragebogen zur Erfassung von Negativsymptomen
bei Schizophrenie.
왘 Beschreibung:
앫 Das Inventar umfasst insgesamt 24 Items zu folgenden psychopathologischen Be-
sonderheiten:
– Affektverflachung und -starrheit (Verarmung der emotionellen Ausdrucks-
und Schwingungsfähigkeit).
– Alogie (sprachliche Verarmung und Denkstörungen).
– Anergie (Antriebsdefizit, Willensschwäche, Apathie).
– Anhedonie und sozialer Rückzug (Desinteresse, Freudlosigkeit, Introversion,
Isolation).
– Aufmerksamkeitsstörung.
앫 Ausprägung jeweils vorhandener Veränderungen von „0 “ (normal bzw. nicht vor-
handen) bis „5 “ (schwer).
왘 Durchführung:
앫 Das Verhalten des Patienten wird anhand eines Fragebogens beurteilt, wobei ins-
besondere Mimik und Gestik, Sprache, Pflegezustand, Aktivität, Interessen, Kon-
taktverhalten, Motivation, Aufmerksamkeit u. ä. im Vordergrund stehen.
앫 Die Auswertung erfolgt über Addition der jeweils erreichten Punkte (0 – 125
Punkte).
(Zeitaufwand ca. 30 – 40 Minuten.)
왘 Aussage und Indikation: Globale Übersicht, geeignet insbesondere zur Verlaufsbe-
obachtung nach psychotischen Schüben (spürbare Beeinträchtigungen ab etwa
60 – 70 Punkten).

.Fünfminuteninterview
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (FMSS)
.........................................................
왘 Definition: Wenig standardisiertes Interview zur Erfassung der Einstellung zu ei-
nem schizophrenen Mitglied in einer Familie.
왘 Beschreibung: Kurzfassung des Camberwell Family Interview (CFI) bzw. ins Deut-
sche übertragene Kurzfassung des Five-Minute-Speech-Sample-Verfahrens.
앫 Erfasst werden soll der Expressed Emotion Index (EEI) als Maß für den spezifi-
schen familiären emotionalen Umgangsstil bzw. die Zuwendung zu einem psy-
chosekranken Familienmitglied.
왘 Durchführung:
앫 Familienmitglieder werden durch einen standardisierten Eingangssatz aufgefor-
dert, 5 Minuten über die Indexperson zu sprechen. Das Gespräch wird auf Band
aufgezeichnet und anschließend ausgewertet.
앫 Hoher EE-Index:
– Definition: Angehörige haben entweder ein emotionales Überengagement
(überprotektives und selbstaufopferndes Verhalten („hoch involviert“) oder
eine besonders kritische Einstellung bis zur Feindseligkeit („hoch kritisch“).
– Bedeutung: Jeweils eine für den Patienten ungünstige, krankheitsfördernde
Atmosphäre.
(Zeitdauer für die Durchführung des Kurzinterviews maximal 10 Minuten.)
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2.3 Persönlichkeitsinventare 2
Aussage und Indikation: Anwendung hauptsächlich bei Psychosekranken. Der EE-

Psychologische Testverfahren

Index gilt als Prognoseprädiktor im Hinblick auf den weiteren Krankheitsverlauf.


(Ausreichende Spezifität und Validität. Laut Angaben sehr hohe Interrater-Reliabili-
tät [Vergleich der Ergebnisse verschiedener Untersucher] von r ⬎ 0,9.)

.Selbstbeurteilungs-AngstskaIa
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(SAS)
..............................................
왘 Definition: Erfassung von Angstsymptomen mithilfe eines Selbstbeurteilungsfra-
gebogens.
왘 Beschreibung: Aus den Stellungnahmen des Patienten zu Fragen über Angstsymp-
tome wird auf Ausmaß und Intensität vorliegender Angst geschlossen.
왘 Durchführung:
앫 Der Patient wird angehalten, quantifiziert („nie oder selten“ bis „meistens oder
immer“) 20 Statements zu beantworten, die psychische und körperliche Angst-
symptome einschließlich Schlafstörungen beschreiben. (Hierbei handelt es sich
um 5 affektive und 15 somatische Angstkriterien.)
(Von besonderem Interesse ist hierbei die Einschätzung des Befindens während
der letzten Woche vor der Untersuchung.)
앫 Die Summe der gewichteten Items ergibt einen Rohwert, der ab „36 “ als Krank-
heitshinweis zu bewerten ist.
(Bearbeitungszeit etwa 30 Minuten.)
왘 Aussage und Indikation:
앫 Zur Verlaufsbeschreibung bei allen Erkrankungen geeignet, die mit Angst einher-
gehen (als Ergänzung zur klinisch-psychologischen Diagnostik).
앫 Zufriedenstellende inhaltliche Validität und Halbierungszuverlässigkeit.

Angststatusinventar
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(ASI)
...........................................................
왘 Definition: Fremdbeurteilungsskala zur Erfassung von Angstsymptomen bei psy-
chischen Erkrankungen.
왘 Beschreibung: Aus den Antworten des Patienten auf Fragen zu affektiven und so-
matischen Angstsymptomen werden auf Intensität, Dauer und Häufigkeit von
Angstzuständen erfasst.
왘 Durchführung:
앫 Insgesamt 20 Fragen, die mit Angst oder Angstäquivalenten in Verbindung ste-
hen, sind in vierfach abgestufter Form zu beantworten (von „nicht vorhanden“ bis
„stark“). Die Auszählung ergibt einen Gesamtrohwert, der über 50 Punkte errei-
chen kann.
(Untersuchungsdauer etwa 30 Minuten.)
왘 Aussage und Indikation:
앫 Eingesetzt wird das ASI vor allem bei Patienten mit neurotischen bzw. Anpas-
sungs- und psychosomatischen Störungen.
앫 Punktwerte:
– Bei schweren Angstneurosen: ⬇ 50 Punkte.
– Bei Persönlichkeitsstörungen: ⬇ 42 Punkte.
– Bei endogenen Psychosen: ⬇ 40 Punkte.
앫 Der Test sollte immer nur ergänzend zur klinischen Diagnostik angewendet wer-
den. (Laut Angaben zufriedenstellende inhaltliche Validität, jedoch bisher noch
keine Angaben zur Zuverlässigkeit [Reliabilität].)

.Panik-
. . . . . . . . .und
. . . . . Agoraphobieskala
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(P
. . .&
. . .A)
.........................................
왘 Definition: Fragebogen zur Erfassung von Panik und/oder Agoraphobie.
왘 Beschreibung: Das Inventar besteht aus 13 Items, die zu 5 Subscores für folgende
Bereiche zusammengefasst sind:
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2 2.3 Persönlichkeitsinventare

앫 Panikattacken.
Psychologische Testverfahren

앫 Agoraphobische Vermeidung.
앫 Antizipatorische Angst.
앫 Einschränkungen im täglichen Leben.
앫 Gesundheitssorgen.
왘 Durchführung:
앫 Abfragen der genannten Bereiche im Rahmen einer Fremdbeurteilung.
앫 Die Beurteilung erfolgt anhand von Normwerten (auch getrennte Auswertung
der Subscores möglich). Der Gesamtwert der Skala umfasst alle durch die Angst-
störung beeinträchtigten Bereiche.
(Durchführungszeit bei Fremdbeurteilung ca. 8 Minuten, bei Selbstbeurteilung
ca. 15 Minuten.)
왘 Aussage:
앫 Festlegung des Schweregrades der Angsterkrankung mit hoher Zuverlässigkeit.
앫 Werte: 0 – 8: grenzwertig; 9 – 18: leicht; 19 – 28: mittel; 29 – 39: schwer.
(Korrelation mit CGI bei Fremdbeurteilung r ⬇ 0,9, bei Selbstbeurteilung r ⬇ 0,7.
Reliabilität r ⬇ 0,7.)

.Beck
. . . . . . Angst-Inventar
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(BAI)
...........................................................
왘 Definition: Fragebogen zur Selbstbeurteilung des Schweregrades von Angstsymp-
tomen.
왘 Beschreibung: Das Inventar umfasst 21 Items zur Erfassung von Angstgefühlen.
왘 Durchführung: Auf einer 4-stufigen Skala deskriptive Aussagen zu Angstsympto-
men hinsichtlich ihrer Schwere während der letzten sieben Tage zu bewerten
(Dauer zwischen 5 und 10 Minuten).
왘 Aussage und Indikation:
앫 Klinisch relevante Angst ab ca. 10 Pkt.
앫 Prozentrangnormen und Referenzwerte für verschiedene Angststörungen liegen
vor.
앫 Validität zwischen r ⬇ 0,5 bis Punkt 0,7. Reliabilität um r ⬇ 0,9.

.Hamilton-Angstskala
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(HAMA)
..........................................................
왘 Definition: Skala zur Fremdbeurteilung der Art und Intensität von Angstsympto-
men.
왘 Beschreibung: Als Methode der standardisierten Fremdbeurteilung von Angstge-
fühl werden die folgenden Kategorien erfasst:
앫 Stimmung, Spannung, Furcht;
앫 Schlafstörungen, Leistungsbeeinträchtigung, Depressivität;
앫 Muskuläre und sensorische körperliche Symptome;
앫 Kardiovaskuläre, respiratorische, gastrointestinale, urogenitale und neuro-
vegetative Symptome;
앫 Allgemeines Verhalten.
왘 Durchführung:
앫 Der Untersucher beurteilt anhand der genannten 14 Kategorien auf der 5-fach ge-
staffelten Skala Ausmaß und Qualität von Angstsymptomen, wobei 7 Items soma-
tische und weitere 7 Items psychische Angst erfassen sollen.
앫 Skalierung von 0 („nicht vorhanden“) bis maximal 4 („sehr stark“).
앫 Daraus wird ein Rohwert ermittelt, der als Gradmesser von Angst interpretiert
werden kann (maximal 56 Punkte).
(Keine zeitliche Begrenzung.)

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2.3 Persönlichkeitsinventare 2
Aussage und Indikation: Die Angstskala erscheint geeignet zur Verlaufsbeobach-

Psychologische Testverfahren

tung bzw. zur Therapiekontrolle bei vergleichenden Studien (als Ergänzung zur kli-
nisch-psychopathologischen Diagnostik). (Laut Literaturangaben sehr hohe Reliabi-
lität.)

.Liebowitz-Skala
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .zur
. . . . .Erfassung
. . . . . . . . . . . . . sozialer
. . . . . . . . . . . Phobie
....................................
왘 Definition: Standardskala zum Messen des Schweregrades sozialer Ängste.
왘 Beschreibung: Fragebogen mit 24 Statements zum Erleben sozialer Situationen.
왘 Durchführung: Mithilfe von 24 Items soll – nach Selbst- und Fremdeinschätzung –
zu den Komplexen „Angst–Furcht“ und „Vermeidungsverhalten“ Stellung genom-
men werden. Es wird vierstufig zwischen „keine“ und „stark“ bzw. „nie“ und „fast
immer“ Stellung genommen.
(Bearbeitungszeit: ca. 10 – 15 Minuten.)
왘 Aussage: Je nach ermittelter Gesamtpunktzahl:
앫 30 – 40 Punkte: Leichte soziale Phobie.
앫 50 – 80 Punkte: Mäßig bis stark ausgeprägte soziale Phobie.

.Hamburger
. . . . . . . . . . . . . . .Zwangsinventar
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(HZI)
.................................................
왘 Definition: Fragebogen zur Erfassung von Zwangsgedanken und -verhalten.
왘 Beschreibung: Das HZI umfasst insgesamt 118 Items, die auf folgende 6 Skalen ver-
teilt sind:
앫 Kontrollhandlungen.
앫 Reinlichkeitszwänge.
앫 Ordnungszwänge.
앫 Zähl- und Berührungszwänge.
앫 Gedankenzwänge.
앫 Zwanghafte auto- und fremdaggressive Vorstellungen.
왘 Durchführung:
앫 Zu den genannten Statements soll der Patient (⬎ 16 Jahre) zustimmend oder ab-
lehnend Stellung nehmen. Zielgruppe sind Zwangskranke verschiedener Art (An-
passungsstörungen, Neurosen, affektive Erkrankungen, Schizophrenie und hirn-
organische Erkrankungen).
(Testdauer rund 20 Minuten.)
왘 Aussage und Indikation:
앫 Einsatz in der klinischen Psychiatrie zu diagnostischen und katamnestischen Un-
tersuchungen. Differenziert wird zwischen Zwangsneurotikern und agoraphobi-
schen bzw. sozial gehemmten Patienten.
앫 Normen liegen sowohl für einzelne Skalen wie auch für das gesamte Inventar vor.
(Retest-Reliabilitätskoeffizient laut Angaben für den Gesamttest bei r ⬇ 0,9.)

YaIe-Brown
. . . . . . . . . . . . . . . .Obsessive
. . . . . . . . . . . . . .Compulsive
. . . . . . . . . . . . . . .Scale
. . . . . . . .(Y-BOCS)
..................................
왘 Definition: Rating-Verfahren zur Erfassung der Art und Schwere von Zwangssymp-
tomen.
왘 Beschreibung: Standard-Fremdrating-Verfahren zur Quantifizierung und Spezifi-
zierung von Zwangsstörungen (in Anlehnung an DSM) in Form eines halbstruktu-
rierten Interviews. Verteilt auf 19 Kategorien werden beurteilt:
앫 Schweregrad von Denk- und Handlungszwängen sowie von Vermeidung.
앫 Zeitaufwand, Beeinträchtigung im Alltagsleben, Leidensdruck, Widerstand und
ausgeübte Kontrolle über die Symptomatik.

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Durchführung:
Psychologische Testverfahren

앫 Mithilfe eines Glossars Erfassung von Zwangsgedanken und Zwangshandlungen


über ein halbstrukturiertes Interview (s. S. 4) mit semiquantitativer Bewertung
(Y-BOC-Symptom-Checkliste mit 68 Beispielen).
앫 Bestimmung der Hauptsymptome („H“). Einschätzung von Zeitaufwand, Beein-
trächtigungsgrad, Leidensdruck, Widerstand und Kontrollgedanken.
앫 Errechnung des Gesamtscores (Items 1 – 10) zwischen 0 und 40 Punkten (Items
1 – 5: Denkzwänge, Items 6 – 10: Handlungszwänge).
(Durchführungs- und Bearbeitungszeit insgesamt ca. 60 Minuten.)
왘 Aussage und Indikation:
In Verbindung mit der klinischen Diagnostik Einschätzung einer Zwangssympto-
matik zur Abstützung des klinischen Befundes, zur Verlaufs- oder Therapiekon-
trolle.
Ausgeprägtere Symptomatik:
– Bei Denk- und Handlungszwängen: ⬎ 16 Punkte.
– Bei Denk- oder Handlungszwängen: ⬎10 Punkte.
(Interrater-Reliabilität r ⬇ 0,85 [Korrelation zu MOCI (s. u.) r ⬇ 0,53].)

.Maudsley
. . . . . . . . . . . . .Obsessional
. . . . . . . . . . . . . . . .Compulsive
. . . . . . . . . . . . . . . .Checklist
. . . . . . . . . . . . (MOCI)
.............................
왘 Definition: Selbstbeurteilungsfragebogen zur Erfassung von Zwangsstörungen.
왘 Beschreibung: In über 30 Items, die zustimmend oder ablehnend zu beantworten
sind, sollen Zwangsgedanken und -vorstellungen, Zwangsimpulse und verschiede-
ne Formen von Zwangshandlungen erfasst werden.
왘 Durchführung:
앫 Die Antworten des Patienten zu den genannten Statements werden nach „richtig“
oder „falsch“ ausgewertet (nur Selbstbeurteilung).
앫 Der Gesamtscore ergibt einen Hinweis auf das Ausmaß einer Zwangsstörung.
(Bearbeitungszeit etwa 30 Minuten.)
왘 Aussage und Indikation:
앫 Unkomplizierter, wenig aufwendiger Einsatz zur Verlaufskontrolle.
(Beurteilung lediglich auf Itemebene [für den deutschen Sprachraum keine quan-
tifizierende Validität].)

.Paranoid-Depressivitäts-Skala
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(PD-S)
..............................................
왘 Definition: Selbstbeurteilungsskala zur Feststellung von Depressivität und anderen
psychischen Beeinträchtigungen.
왘 Beschreibung: Mehrdimensionaler klinischer Fragebogentest zur Selbsteinschät-
zung von depressiven und paranoiden Erlebnisinhalten mit Kontrollskalen über
Krankheitsverleugnung und Motivation (zwei Parallelformen PD und
PD-S).
왘 Durchführung:
앫 Je 43 Items sind mit Statements 4-fach gestaffelt zwischen „trifft zu“ und „trifft
gar nicht zu“ zu bewerten. Als Kontrollskalen dienen 3 Motivationsitems und 8
Kontrollitems hinsichtlich möglicher Krankheitsverleugnung.
앫 Möglichst im Rahmen einer Einzeluntersuchung zunächst Instruktion, dann Test-
abwicklung und anschließend Überprüfung auf Vollständigkeit.
앫 Ermittlung des Rohwertes mithilfe einer Schablone (Punktwerte von 0 – 3 je nach
Skala). Auswertung nur möglich, wenn die Protokolle zu 90% vollständig sind
und ausreichende Intelligenz vorliegt (Verbal-IQ ⬎ 80, vgl. S. 39
HAWIE-Test).
(Keine zeitliche Begrenzung.)
왘 Aussage und Indikation:
앫 Einsatz im Rahmen der klinisch-psychiatrischen Diagnostik und Therapie.
66

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2.3 Persönlichkeitsinventare 2
앫 Normwerte für die Paranoid-Depressionsskalen gibt es für weibliche und männli-

Psychologische Testverfahren
che Patienten im Alter von 29 – 64 Jahren. (Gute Validierung, Paralleltest-Korrela-
tion r ⬇ 0,6 – 0,8. [Paralleltest-Korrelation: Beziehung zu Meßgenauigkeit bezüg-
lich der beiden Formen PD und PD-S – die Ergebnisse sollten möglichst gleich
sein.].)

.Beck
. . . . . . Depressions-Inventar
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(BDI)
...................................................
왘 Definition: Fragebogen zur Selbstbeurteilung des Schweregrades depressiver Ver-
stimmung.
왘 Beschreibung: Anhand vorgegebener Items sollen folgende psychopathologische
Qualitäten erfasst werden:
앫 Verstimmtheit, Pessimismus, Versagensgefühl;
앫 Unzufriedenheit, Schuldgefühl, Strafbedürfnis;
앫 Selbstanklage, Suizidalität, Weinerlichkeit;
앫 Reizbarkeit, Isoliertheit, Entschlussunfähigkeit;
앫 Körperbild, Leistungsfähigkeit, Ermüdbarkeit;
앫 Appetit- und Gewichtsverlust;
앫 Hypochondrie und Libidoverlust.
왘 Durchführung:
앫 Der Patient wird angehalten, in 84 Aussagen zu den o. a. 21 Kategorien abgestuft
von „nicht vorhanden“ bis „erheblich“ Stellung zu nehmen.
앫 Der Depressionswert ergibt sich aus der Summe der Behauptungen, die der Pa-
tient für sich als zutreffend angekreuzt hat.
(Keine zeitliche Begrenzung.)
왘 Aussage und Indikation:
앫 Ein Skalenwert von ⬎ 26 Punkten weist auf das Vorliegen einer schon schweren
Depression hin.
앫 Der Beck-Test wird bei allen Formen depressiver Verstimmungen als Ergänzung
zur klinischen Diagnostik angewendet.
(Zufriedenstellende Korrelation zu den Ergebnissen anderer Depressionstestes
bzw. zu klinischen Befunden mit recht hoher Reliabilität.)

.Selbstbeurteilungs-Depressionsskala
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(SDS)
......................................
왘 Definition: Selbstbeurteilungsskala zur Aufdeckung und quantifizierten Abschät-
zung depressiver Verstimmungen.
왘 Beschreibung: Aus den Stellungnahmen des Patienten zu 10 krankheitsorientierten
und 10 weiteren gesundheitsorientierten Statements kann auf das Ausmaß einer
möglicherweise vorliegenden Depression geschlossen werden.
왘 Durchführung:
앫 Der Patient soll auf einer vierstufigen Skala („nie oder selten“ bis „meistens oder
immer“) Antworten auf Fragen geben, die sich auf psychische und körperliche De-
pressionssymptome beziehen.
앫 Die Fragen umfassen folgende Bereiche:
– Stimmungslage.
– Denkinhalte.
– Motorik.
– Selbstwertgefühl.
– Interessensstörungen.
– Vitalstörungen.
앫 Das eigene Befinden in der Woche vor der Untersuchung soll bei der persönlichen
Einschätzung im Vordergrund stehen. Die Summe der Item-Punktwerte ergibt
den Gesamtrohwert.
(Keine zeitliche Begrenzung.)
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2 2.3 Persönlichkeitsinventare

Aussage und Indikation:


Psychologische Testverfahren

앫 Als Richtwerte gelten:


– 41 – 47 Punkte: Leichte Depression.
– 48 – 55 Punkte: Schwere Depression.
– ⬎ 55 Punkte: Ausgeprägte Depression.
앫 Die Selbstbeurteilungs-Depressionsskala stellt eine zur ergänzenden Diagnostik
geeignete Untersuchungsmethode dar, die insbesondere bei vergleichenden Un-
tersuchungen bzw. zur Verlaufsbeschreibung eingesetzt werden kann.
(Inhaltliche Validität und Halbierungszuverlässigkeit zufriedenstellend bis aus-
reichend.)

.Hamilton-Depressionsskala
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(HAMD)
..................................................
왘 Definition: Skala zur Fremdbeurteilung des Schweregrades depressiver Syndrome.
왘 Beschreibung: Auf der Grundlage der standardisierten Fremdbeurteilung wird der
depressive Patient nach folgenden Kategorien beurteilt:
앫 Niedergeschlagenheit.
앫 Schuldgefühl.
앫 Suizidalität.
앫 Schlafstörungen.
앫 Antriebsverhalten.
앫 Angst, Zwänge.
앫 Vitalstörungen.
왘 Durchführung:
앫 Der Untersucher bewertet in 22 Einzelurteilen aufgrund der ausführlichen Explo-
ration und des aktuellen Eindrucks anhand einer Symptomliste von 21 Merkma-
len auf einer 3 – 5-fach gestaffelten Rating-Skala die Schwere depressiver Symp-
tome. Intensität und Häufigkeit von depressiven Störungen werden hierbei be-
rücksichtigt.
앫 Der Depressionswert („Depressionstiefe“) ergibt sich aus der Summe der einzel-
nen Einstufungsgrade (je 0 – 2 bzw. 0 – 4).
(Zeitaufwand etwa 30 – 40 Minuten.)
왘 Aussage und Indikation:
Es handelt sich um die weltweit am häufigsten angewendete Skala zur Fremd-
beurteilung von Depressionen. (Als ausreichend valide und reliabel sowie wenig
zeitaufwendig beurteilt.)
Als Ergänzung zur klinisch-psychopathologischen Diagnostik wird die
Hamilton-Skala bei Verlaufsstudien bzw. zur Therapiekontrolle eingesetzt.
앫 Normwerte existieren nicht, es gelten jedoch folgende Richtwerte:
– 10 – 19 Punkte: Leichte Depression.
– 20 – 29 Punkte: Mittelschwere Depression.
– ⬎ 30 Punkte: Schwere Depression.

.Montgomery
. . . . . . . . . . . . . . . . .Assberg
. . . . . . . . . . .Depressions-Rating-SkaIa
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(MADRS)
........................
왘 Definition: Skala zur Fremdbeurteilung und Einschätzung von Depressivität.
왘 Beschreibung: Anhand eines Fragenkatalogs wird der Patient im Hinblick auf fol-
gende Syndrome beurteilt:
앫 Sichtbare und mitgeteilte Niedergeschlagenheit;
앫 Angespanntheit, Schlaf- und Appetitstörungen;
앫 Konzentrationsschwierigkeiten;
앫 Antriebsmangel, Interessenverlust;
앫 Pessimismus, Suizidalität.

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2.3 Persönlichkeitsinventare 2
Durchführung:

Psychologische Testverfahren

앫 Zu den genannten Syndromen sind jeweils auf einer 6-fach gestaffelten


Rating-Skala Feststellungen zu treffen von „0 “ (nicht vorhanden) bis „6 “ (deut-
lich ausgeprägt).
앫 Der maximal erreichbare Summenscore beträgt 60 Punkte.
(Zeitaufwand etwa 20 – 30 Minuten.)
왘 Aussage und Indikation:
앫 „Depressivität“ und „vegetative Störungen“ sind voneinander abgrenzbar.
앫 Bezüglich der Depressionsschwere gelten folgende Richtwerte:
– Ab 10 – 12 Punkte: Leichte Depression.
– Ab 20 – 25 Punkte: Mäßige Depression.
– Ab ca. 25 – 30 Punkte: Schwere Depression.
앫 Einsatz im Rahmen von Verlaufsstudien bzw. zur Therapieüberwachung.
(Laut Angaben ausreichend valide und reliable Fremdbeurteilungsskala mit hin-
reichend trennscharfen Items.)

.Depressionsstatusinventar
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(DSI)
...................................................
왘 Definition: Persönlichkeitsfragebogen zur Fremdbeurteilung depressiver Verstim-
mungen.
왘 Beschreibung: Aus den Antworten des Patienten zu Fragestellungen in Verbindung
mit psychischen und körperlichen Depressionssymptomen wird auf die Schwere ei-
ner Depression geschlossen. Die Fragen zielen im Wesentlichen ab auf Gestimmt-
heit, Motorik, Vitalstörungen, Denkinhalte und Suizidalität.
왘 Durchführung:
Zu insgesamt 20 Items kann der Patient sich – vierfach abgestuft – äußern von
„nicht vorhanden“ bis „stark“:
앫 Die Ausprägungsgrade der einzelnen Items werden zu einem Gesamtrohwert ad-
diert, der maximal 80 Punkte betragen kann. (Dauer: 20 Minuten.)
왘 Aussage und Indikation:
앫 Ausreichende inhaltliche Validität mit Eignung zur Verlaufsbeschreibung und
Therapiekontrolle ergänzend zur klinischen Diagnostik.
앫 Orientierungswerte:
– 40 – 47 Punkte: Leichte Depression.
– 48 – 55 Punkte: Mittelschwere bis schwere Depression.
– ⬎ 56 Punkte: Sehr schwere Depression.

.Diagnostische
. . . . . . . . . . . . . . . . . . .Depressionsskala
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Newcastle
. . . . . . . . . . . . . .(DSN)
..............................
왘 Definition: Skala zur Fremdbeurteilung von Art und Intensität depressiver Störun-
gen.
왘 Beschreibung: Wie bei den oben beschriebenen Verfahren stellt dieser Test eine
Methode zur standardisierten Fremdbeurteilung depressiver Patienten nach den
folgenden Kategorien dar:
앫 Persönlichkeit;
앫 Belastungs- und Schuldgefühl;
앫 Angst und Wahn;
앫 Gehemmtheit und Depressivität;
앫 Vitalstörungen.
왘 Durchführung:
앫 Der Untersucher beurteilt anhand von 10 Items auf einer 3-fach gestaffelten Skala
Ausmaß und Qualität depressiver Symptome, die in einem Sammelwert erfasst
werden. Verbindliche Normwerte liegen nicht vor.
(Zeitaufwand ca. 20 Minuten.)

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2 2.3 Persönlichkeitsinventare

Aussage und Indikation: Eignung zur Therapiekontrolle bei statistischen Erhebun-


Psychologische Testverfahren

gen. (Erfassung der Depressivität ausreichend verläßlich und zuverlässig.)

.Manie-Selbstbeurteilungsskala
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (MSS)
..............................................
왘 Definition: Selbstbeurteilungsinventar zur Erfassung maniformer Symptome.
왘 Beschreibung: Anhand von 48 Items soll eine Selbsteinschätzung des Verhaltens
und der Erlebensveränderungen für die Woche vor der stationären Aufnahme mit
„Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden.
왘 Durchführung: Die vom Patienten vorgenommenen Ja/Nein-Beurteilungen werden
ausgezählt.
(Durchführungszeit und Bearbeitungszeit ca. 10 Minuten.)
왘 Aussage und Indikation:
앫 Trennscharfes diagnostisches Instrument zur Therapieerfolgsmessung und zur
Abgrenzung zu anderen psychiatrischen Erkrankungen.
앫 Kein signifikanter Unterschied zwischen Patienten mit und ohne Krankheitsein-
sicht.
앫 ⬎ 14 Punkte: Maniforme Symptomatik.
앫 Faktorenanalytisch „hedonistische Euphorie“ von „hyperaktiver Dysphorie“ ab-
zugrenzen. (Reliabilität r ⬇ 0,8; Korrelation zu Young Mania Rating Scale – YMRS:
r⬇ 0,6 – 0,9.)

.Internal
. . . . . . . . . . .State
. . . . . . .Scale
. . . . . . . .(ISS)
............................................................
왘 Definition: Selbstbeurteilungsskala zur Erfassung manischer Symptome.
왘 Beschreibung:
앫 Stimmung und daran geknüpfte Befindlichkeiten werden nach einem visuellen
Analogschema zwischen „0 “ und „100 “ eingeordnet. Bereiche:
– Aktivierung.
– Wohlbefinden.
– Konfliktwahrnehmung.
– Depressivität.
왘 Durchführung: Der Patient soll sich auf jedem der 15 Items (100 mm lange Skala)
zwischen 0 und 100 einordnen. Die Auswertung erfolgt durch Auszählen und grafi-
sche Darstellung.
(Durchführungs- und Bearbeitungszeit ungefähr 15 – 20 Minuten.)
왘 Aussage und Indikation:
앫 Vorliegen eines maniformen Syndroms:
– Wohlbefindensscore ⬎ 125, oder
– Aktivierungsscore ⬎ 200.
앫 Einsatz zur Erstdiagnostik wie auch zur weiteren Verlaufsbeobachtung. (Validität
und Reliabilität befriedigend.)

Young
. . . . . . . . . Mania
. . . . . . . . . Rating
. . . . . . . . . .Scale
. . . . . . . (YMRS)
....................................................
왘 Definition: Beobachtungsskala zur Erfassung manischer Symptome.
왘 Beschreibung:
앫 Mithilfe von insgesamt 11 Items sollen folgende Bereiche erfasst werden:
– Gehobene Stimmung, gesteigerte motorische Aktivität;
– Sexuelles Interesse;
– Schlafstörungen, Irritierbarkeit;
– Sprache, Denkstörungen;
– Aggressives Verhalten;
– Äußeres Erscheinungsbild;
– Krankheitseinsicht.
70 앫 Abgestufte Bewertung von 0 – 60 Punkten.

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2.3 Persönlichkeitsinventare 2
Durchführung: Die Symptomerfassung erfolgt durch ein klinisches Interview,

Psychologische Testverfahren

anhand dessen der Zustand des Patienten erfasst und bewertet wird.
(Untersuchungszeit etwa 20 – 30 Minuten.)
왘 Aussage und Indikation:
앫 Orientierungswerte:
– 15 – 29 Punkte: Leichte maniforme Symptomatik.
– 30 – 44 Punkte: Deutliche maniforme Symptomatik.
– ⬎ 45 Punkte: Ausgeprägte maniforme Symptomatik.
앫 Einsatz sowohl zur Erstdiagnostik wie auch zur weiteren Verlaufsbeobachtung.
(Befriedigende Validität und Reliabilität.)

.Bech
. . . . . . .Rafaelsen
. . . . . . . . . . . . .Manie-Skala
. . . . . . . . . . . . . . . . .(BRMAS)
.................................................
왘 Definition: Fremdbeurteilungsskala zur Abschätzung des Schweregrades eines ma-
nischen Zustands.
왘 Beschreibung: Anhand von insgesamt 11 Items sind auf einer 5-stufigen Skala
(0 – 4) folgende Verhaltens- und Erlebensweisen zu beurteilen:
앫 Motorische Aktivität.
앫 Verbalaktivität.
앫 Ideenflucht.
앫 Stimme, Lautstärke.
앫 Feindseligkeit, Destruktivität.
앫 Gestimmtheit.
앫 Selbstwertgefühl.
앫 Kontakt.
앫 Schlaf.
앫 Sexuelle Aktivität.
앫 Arbeit und Interessen.
왘 Durchführung: Die Beurteilungsskala wird systematisch abgefragt, wobei als zeitli-
cher Bezugsrahmen das aktuelle Datum und die zwei vorhergehenden Tage und
Nächte gelten. Die Punktwerte der 11 Items werden aufsummiert und ergeben den
Gesamtwert (0 – 44).
(Durchführungs- und Bearbeitungszeit ca. 20 – 30 Minuten.)
왘 Aussage und Indikation: Abschätzung der Manieausprägung je nach Gesamt-
score. Geeignet zur Verlaufsbeobachtung (Reliabilität r ⬇ 0,85 bei guter Validität).

Clinical
. . . . . . . . . . .Assessment
. . . . . . . . . . . . . . . .Geriatric
. . . . . . . . . . . .Scale
. . . . . . . (SCAG)
.........................................
왘 Definition: Fremdbeurteilungsskala zur Einschätzung von psychischen Rückbil-
dungssymptomen.
왘 Beschreibung:
앫 Rückbildungssymptome bzw. kognitive Defizite bei älteren Menschen werden
aufgrund eines Interviews ermittelt, das sich an einer Skala aus 18 Items orien-
tiert. Diese beziehen sich auf das Befinden während eines bestimmten Zeitrau-
mes. Zur Erfassung des Gesamteindrucks gibt es ein zusätzliches Item.
앫 Die Beurteilung des Symptomschweregrades erfolgt von 1 („nicht vorhanden“)
bis 7 („schwer“).
앫 Folgende Verhaltensaspekte werden erfasst:
– Verwirrtheit, geistige Klarheit.
– Reizbarkeit, Stimmungslabilität.
– Orientierungsstörungen.
– Körperliche Beschwerden
– Gesamteindruck.

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2 2.3 Persönlichkeitsinventare

Durchführung: Anhand eines Glossars wird mit dem Patienten ein Interview ge-
Psychologische Testverfahren

führt, das sich an den Items der Skala orientiert.


(Untersuchungs- und Bearbeitungszeit etwa 20 – 40 Minuten.)
왘 Aussage und Indikation: Einsatz bei präseniler Demenz sowie beim hirnorgani-
schen Psychosyndrom mit Aussagen zu kognitiven Störungen, sozialem Verhalten,
Antriebsarmut, affektiven Störungen, somatischen Störungen (Reliabilität von r ⬇
0,75).

.Münchner
. . . . . . . . . . . . . .Alkoholismustest
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(MALT)
.................................................
왘 Definition: Fragebogen zur Ermittlung von Alkoholismussymptomen.
왘 Beschreibung: Mithilfe eines kombinierten Selbst- und Fremdbeurteilungsbogens
wird versucht, Symptome auf Verhaltens- und physiologischer Ebene zu erfassen,
die möglicherweise auf chronischen Alkoholkonsum zurückzuführen sind. Der Test
besteht aus 7 Items zur Fremd- sowie weiteren 24 Items zur Selbstbeobachtung.
왘 Durchführung:
앫 Der insgesamt 31 Statements umfassende Fragebogen wird vom Patienten bzw.
vom Untersucher mit „trifft zu“ oder „trifft nicht zu“ beantwortet, wobei insge-
samt der Fremdbeurteilung ein größeres Gewicht zukommt.
앫 In Abhängigkeit vom erreichten Punktwert ergeben sich Hinweise vom bloßen
Verdacht bis zur hohen Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen von Alkoholismus.
(Bearbeitungszeit etwa 40 Minuten.)
왘 Aussage und Indikation:
앫 Die gewichteten Summenwerte werden wie folgt interpretiert:
– 6 – 10 Punkte: Alkoholgefährdung.
– ⬎ 11 Punkte: Verdacht auf Alkoholismus.
앫 Anwendung in der klinischen Diagnostik sowie zu epidemiologischen und gut-
achterlichen Untersuchungen. Standardisiertes Verfahren mit laut Literaturanga-
ben hoher Validität und sehr hoher Reliabilität. Als Suchtest empfohlen wie auch
zur vergleichenden Therapieforschung und zu prospektiven Studien (r ⬇ 0,9 bei
Parallelform MALT-S).

Trierer
. . . . . . . . . .Alkoholismusinventar
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(TAl)
................................................
왘 Definition: Fragebogen zur Differenzialdiagnostik von Alkoholabhängigkeit.
왘 Beschreibung:
앫 Anhand eines Selbstbeurteilungsbogens mit 90 Items (davon 13 für Patienten mit
Partner) werden Rückschlüsse auf Trinkgewohnheiten und Folgeerscheinungen
erfasst.
앫 Die 7 Skalen des Fragebogens beziehen sich auf folgende Dimensionen:
– Schweregrad.
– Soziales Trinken.
– Süchtiges Trinken.
– Motive.
– Schädigung.
– Partnerprobleme wegen Trinkens.
– Trinken wegen Partnerproblemen.
왘 Durchführung:
앫 Die vorgelegten Fragen sind vierstufig innerhalb eines Spektrums von „oft“ bis
„nie“ zu beantworten. Alle Fragen beziehen sich auf die letzten Monate des Alko-
holkonsums.
앫 Aus den Itemantworten werden die jeweiligen Summenrohwerte in Bezug auf 5
(ohne Partner) bzw. 7 Skalen (wenn Partner miteinbezogen) errechnet.
(Bearbeitungszeit etwa 30 Minuten.)
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2.4 Projektive Verfahren 2
Aussage und Indikation:

Psychologische Testverfahren

앫 Für die Skalenrohwerte können in den Normtabellen die jeweiligen Standard-


werte (Prozentrang, T- und Staninewert) nachgesehen werden. Für die Gesamt-
normstichprobe wie auch für geschlechtsspezifische Subnormstichproben liegen
entsprechende Werte vor.
앫 Zur Veranschaulichung individueller Testergebnisse kann ein Profil erstellt wer-
den, das sich hinsichtlich der Trinkgewohnheiten, Motive und Folgeerscheinun-
gen interpretieren lässt. (Validität bzw. Reliabilität: Noch keine umfangreicheren
Untersuchungsergebnisse.)

.Fragebogen
. . . . . . . . . . . . . . . .zum
. . . . . .Funktionalen
. . . . . . . . . . . . . . . . . .Trinken
. . . . . . . . . . (FFT)
....................................
왘 Definition: Selbstbeurteilungsbogen zur subjektiv empfundenen Alkoholwirkung.
왘 Beschreibung: Selbstbeurteilungsbogen mit 93 Items zum Alkoholtrinken (ver-
kürzte Version: 64 Items).
왘 Durchführung: Auf einer 5-fach abgestuften Skala sollen 17 verschiedene Dimen-
sionen des Alkoholkonsums mit folgenden Schwerpunkten ermittelt und bewertet
werden:
앫 Exzitative Wirkung.
앫 Psychopharmakologische Wirkung.
앫 Soziale Funktion.
앫 Gebräuchliches Hintergrundstrinken.
앫 Symptome der psychischen und physischen Abhängigkeit.
(Dauer: 15 bis 20 Minuten).
왘 Aussage: Erfassung von Risikoträgern im Vorfeld der Abhängigkeit über Errechnung
eines Diskriminanzscores. Informationen zur einzelfallbezogenen Beratung und
Therapie. (Validität: Trefferquote; r ⬇ 0,9 – 0.95. Reliabilität; r ⬇ 0,95.)

2.4 Projektive Verfahren


Tabellarische
. . . . . . . . . . . . . . . . . .Übersicht
.....................................................................

Tabelle 20 · Projektive Verfahren (Auswahl)


.......................................................................................
Test, Versuch Aussage, Anwendung Beschreibung
des Tests
.......................................................................................
Baum-Test Ergänzung zur klinisch-psychopathologi- S. 73
schen Diagnostik bei neurotischen, Entwick-
lungs- und Verhaltensstörungen
Rorschach-Form- Ermittlung von Persönlichkeits- und S. 74
deuteversuch Charaktereigenschaften
Thematischer Apperzep- Untersuchungen bei nichtpsychotischen S. 74
tionstest (TAT) Störungen, Persönlichkeitsentfaltung
Sceno-Test Verhaltensstörungen und deren Hintergrün- S. 75
de, i.R. der Spieltherapie, Kinder-
und Familientherapie

.Baum-Test
......................................................................................
왘 Definition: Einfaches bildnerisches Verfahren zur Persönlichkeitsdiagnostik.
왘 Beschreibung: Aus der Zeichnung eines Baumes wird auf Entwicklungsstand und
gegebenenfalls Störungen im Persönlichkeitsbereich geschlossen. 73

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2 2.4 Projektive Verfahren

Durchführung:
Psychologische Testverfahren

앫 Vom Probanden soll ohne zeitliche Begrenzung auf einem leeren Blatt mit Blei-
stift ein Laubbaum gezeichnet werden. Die Zeichnung wird als Ganzes und in ih-
ren Details ausgewertet, wobei auch raumsymbolische und grafologische Merk-
male erfasst und gedeutet werden. Als Interpretationshilfe gibt es eine Eigen-
schaftstabelle mit einer Auflistung von 59 Merkmalen für die verschiedenen Al-
tersklassen. (Durchschnittliche Dauer: Einige Minuten.)
왘 Aussage und Indikation:
앫 Anwendung findet der Baum-Test als Ergänzung zur klinisch-psychopathologi-
schen Diagnostik vor allem bei neurotischen, Anpassungs-, Entwicklungs- und
Verhaltensstörungen.
앫 Bei tiefenpsychologischen Erfahrungen sind Rückschlüsse auf Antriebsverhalten,
Emotionalität, psychische Stabilität, Selbstbehauptung und Sozialverhalten des
Patienten möglich (Gütekriterien im engeren Sinne nicht definierbar).

.Rorschach-Formdeuteversuch
......................................................................................
왘 Definition: Projektives Testverfahren zur Ermittlung von Persönlichkeits- und Cha-
raktereigenschaften.
왘 Beschreibung: Die Testkonstruktion beruht auf der tiefenpsychologischen Hypo-
these der „Projektion“: Persönlichkeits- und Charakterzüge des Untersuchten spie-
geln sich in dessen Beschreibungen wider, die zu verschiedenen unstrukturierten Fi-
gurationen gegeben werden.
왘 Durchführung:
앫 Dem Patienten werden insgesamt 10 Tafeln mit Bildern nach Art von Tintenkleck-
sen vorgelegt (5 graue und schwarze, 2 rote und schwarze sowie 3 verschieden-
farbige Tafeln). Die Antworten werden protokolliert, die benötigte Zeit für die
einzelnen Antworten wird vermerkt. Die Auswertung erfolgt nach einem stan-
dardisierten Signierungsschema zu einem „Verrechnungsprotokoll“.
앫 Die Interpretation des Befundes umfasst den formalen, inhaltlichen und sequenz-
analytischen (= Beurteilung der Reihenfolge der Antworten) Aspekt der Testant-
worten. Es gibt Merkmalssyndrome für verschiedene Charaktertypen und Neuro-
seformen wie auch für psychotische Erkrankungen.
(Untersuchungsdauer ca. 1 Stunde.)
왘 Aussage und Indikation:
앫 Die Beurteilung der Persönlichkeit des Untersuchten ist einerseits abhängig von
psychodynamischen Kenntnissen und beruflichem Training des Untersuchers
wie auch andererseits von der momentanen Befindlichkeit des Patienten.
(Trotz weltweiter Verbreitung als meistbenutztes projektives Testverfahren ist
die Validität umstritten, wenn strengere Gütekriterien angelegt werden.)

Thematischer
. . . . . . . . . . . . . . . . . . .Apperzeptionstest
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(TAT)
............................................
왘 Definition: Psychodiagnostische projektive Methode, Persönlichkeitsentfaltungs-
test.
왘 Beschreibung: Aus den Kommentaren, die der Patient zu verschiedenen Bildern ab-
gibt, wird auf hintergründige Motivationen, Einstellungen, Erwartungen,
Intentionen und Bedürfnisse geschlossen.
왘 Durchführung:
앫 Bis zu 20 überwiegend unscharf und undeutlich gehaltene Bilder mit szenischen
Darstellungen werden dem Patienten vorgelegt mit der Bitte, hierzu jeweils eine
Geschichte zu erzählen. Jedes Testbild besitzt eine besondere „thematische Va-
lenz“.
앫 Die Auswertung beruht auf einer Charakteranalyse der in der erzählten Geschich-
te geschilderten Hauptfigur in Verbindung mit dem sozialen Kontext zur Umwelt.
74

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2.4 Projektive Verfahren 2
앫 Die nicht personengebundenen Szenen werden unter dem Aspekt der wiederge-

Psychologische Testverfahren
gebenen Anmutungsqualitäten, Gestimmtheiten und Phantasien interpretiert.
Darüber hinaus wird geprüft, ob die erzählte Geschichte mit dem Aufforderungs-
charakter des jeweiligen Testbildes übereinstimmt.
(Keine zeitliche Begrenzung.)
왘 Aussage und Indikation:
앫 Als ergiebige Methode der tiefenpsychologischen Diagnostik stehen Untersu-
chungen bei nichtpsychotischen Störungen im Vordergrund.
(Weltweit sehr verbreitetes Verfahren mit zufriedenstellender Zuverlässigkeit
und Gültigkeit, wenn nicht die üblichen strengen Testgütemaßstäbe der Psycho-
metrie angelegt werden.)

.Sceno-Test
......................................................................................
왘 Definition: Persönlichkeitsentfaltungstest zur Diagnostik von Verhaltensstörungen
bzw. deren psychodynamischen Hintergründe.
왘 Beschreibung: Aus der Gestaltung von Spielzeugszenen wird auf unbewusste Moti-
vationen, Wünsche, Konflikte und andere psychodynamische Besonderheiten ge-
schlossen.
왘 Durchführung:
앫 Mit Spielzeug (Bäume, Tiere, Häuser, vor allem Puppen) sollen beliebige Szenen
aufgebaut werden. Der Patient kann die gestalteten Szenen kommentieren.
앫 Beurteilt werden: Auswahl, Verteilung und Platzierung des Materials, Rolle und
Bedeutung der Figuren und deren Interaktion untereinander, Gesamtbedeutung
für den Patienten.
(Keine zeitliche Begrenzung.)
왘 Aussage und Indikation: Die Gestaltung erlaubt neben Rückschlüssen auf Famili-
enstruktur, Rollen, Familiendynamik auch die Beurteilung von Befindlichkeit, Im-
pulsen und Persönlichkeitsstruktur des Probanden. Gängiger Einsatz im Rahmen
der Spieltherapie, insbesondere Kinder- und Familientherapie (keine strengen Güte-
kriterien anwendbar).

75

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3 3.1 Symptomatik, Leitsymptome, Syndromalogie

3 Symptomatik, Leitsymptome,
Symptomatik, Leitsymptome, Syndromalogie

Syndromalogie

3.1 Symptomatik, Leitsymptome, Syndromalogie


Vorbemerkungen
.......................................................................................
Die im Folgenden beschriebenen häufigsten psychopathologischen Symptome und
Syndrome erlauben eine ausreichende Beschreibung (Symptomatologie) von Erkran-
kungsarten und -formen, sagen aber nichts Verläßliches aus über Ätiologie und Pa-
thogenese der zugrunde liegenden Störung. Sie werden eingehend in den Lehrbüchern
der klinischen Psychopathologie abgehandelt.
Die nachstehende Auflistung, die sich auf die wichtigsten Angaben beschränkt, behan-
delt sowohl die Beeinträchtigungen der psychischen Elementarfunktionen (Störungen
von Vigilanz, Orientiertheit, Wahrnehmung, Denken, Antrieb und Emotionalität) wie
auch komplexere Syndrome.
Als Letztere werden Symptomenverbände bezeichnet, deren Bestandteile nach einem
bekannten Muster, mit besonderer Dynamik oder in einer bestimmten zeitlichen Ab-
folge auftreten. Da sie für definierte Erkrankungen pathognomonisch sein können, er-
hält ihr Auftreten diagnostische und differenzialdiagnostische Valenz. Dies bedeutet,
dass in der Regel durch das Auftreten bestimmter Syndrome das Vorliegen einer Er-
krankungsart wahrscheinlicher oder unwahrscheinlicher wird. Deutlich wird dies z. B.
an psychotischen Symptomen 1. und 2. Ranges nach Kurt Schneider, welche das Vorlie-
gen einer Schizophrenie sicher oder wahrscheinlich machen.
Es gibt Syndrome mit höherem oder niedrigerem Spezifitätsgrad. Während beispiels-
weise depressive Bilder bei zahlreichen psychischen Krankheiten vorkommen, sind
phobische Syndrome mit großer Wahrscheinlichkeit Ausdruck einer angstneuroti-
schen Störung bzw. Angsterkrankung, Gedankenentzug gilt als beweisend für eine
Schizophrenie.
Psychopathologische Symptome werden diagnostisch erfasst durch Exploration
(s. S. 2 ff) und Verhaltensbeobachtung (s. S. 5 ff). Ihre sorgfältige Registrierung und präg-
nante Herausarbeitung bilden die Bausteine des aktuellen psychischen Befundes, der
durch die Resultate psychologischer Testverfahren (s. S. 31 ff) ergänzt und abgerundet
werden kann: sie sind nachvollziehbar zu beschreiben und verständlich zu dokumen-
tieren. In den Klassifikationen nach Kap. V ICD-10 bzw. DSM IV – TR sind sie straff ope-
rationalisiert (s. S. 111).
Zu beachten ist, dass die psychopathologische Terminologie nicht allseits einheitlich
verwendet wird; beispielsweise unterscheidet sich der psychiatrische Begriff „Be-
wusstseinsstörung“ erheblich von dem entsprechenden juristischen, erst recht philo-
sophischen Terminus.
Aktueller psychopathologischer Befund, Vorgeschichte und Verlaufsbeobachtung füh-
ren zur psychiatrischen Diagnose, ohne die keine zielgerichtete und angemessene Be-
handlungsstrategie entwickelt werden kann. Ihre Funktion und eigentliche Bedeutung
reichen also weit über das gelegentlich kritisierte „Etikettieren“ hinaus.
Die beschriebenen Leitsymptome sind als Prägnanztypen zu betrachten. Insbesondere
bezüglich der Elementarfunktionen sind Grenzen zwischen „noch normal“ und „schon
gestört“ fließend; der psychiatrische Krankheitsbegriff ist in hohem Maße abhängig
von Kultur, Zeitgeist und Statistik.
Leitsymptome bzw. Syndrome sind in Tabelle 21 zusammengefasst.

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3.1 Symptomatik, Leitsymptome, Syndromalogie 3

Symptomatik, Leitsymptome, Syndromalogie


Tabelle 21 · Darstellung der Leitsymptome bzw. Syndrome
.......................................................................................
psychopathologischer Komplex Symptomatik Seite
(Syndrom)
.......................................................................................
Störungen des Bewusstseins und der Benommenheit, Somnolenz, Sopor, 79
Orientierung Koma, Hypervigilanz
Orientierungsstörung, 80
Verwirrtheit
Dämmerzustand 80
Delir 81
traumhafte Verworrenheit 82
(Oneiroid)
Halluzinose 82
.......................................................................................
Wahrnehmungsstörungen Illusion, illusionäre Verkennung 83
Halluzination 83
Pseudohalluzination 85
Leibgefühlsstörung 85
.......................................................................................
Störungen von Volition, Antrieb und Antriebsschwäche, Antriebs- 85
Motorik hemmung, Volitionsschwäche
Antriebssteigerung 86
Enthemmung 87
Ambivalenz 87
Ambitendenz 87
Mutismus 87
Stereotypie, Verbigeration 88
Hyperkinesie, Dyskinesie 88
.......................................................................................
formale Denkstörungen Denkverlangsamung 89
Denkhemmung 89
Gedankenabreißen 90
Haften 90
Perseveration 90
Inkohärenz 90
Ideenflucht mit Logorrhö 91
.......................................................................................
inhaltliche Denkstörungen Wahn, paranoides Syndrom 91
Zwang, Anankasmus 93
.......................................................................................
Gedächtnisstörungen Amnesie und Paramnesie, Hyper- 93
mnesie

Fortsetzung Tabelle 21 쑺

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3
Symptomatik, Leitsymptome, Syndromalogie 3.1 Symptomatik, Leitsymptome, Syndromalogie

Tabelle 21 · Fortsetzung
.......................................................................................
psychopathologischer Komplex Symptomatik Seite
(Syndrom)
.......................................................................................
Störungen komplexer kognitiver Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivi- 95
Leistungen tätssyndrom (ADHS)
Oligophrenie 95
demenzielles Syndrom, Demenz 96
.......................................................................................
Störungen der Affekte Affektverarmung 97
Parathymie 97
Affektlabilität, Stimmungs- 97
labilität
Affektinkontinenz 98
Angst, Panik 98
Phobie 99
Hypochondrie 100
depressives Syndrom 101
Suizidalität 101
maniformes Syndrom 102
Aggressivität (Hostilitäts- 103
syndrom)
.......................................................................................
Erschöpfungssyndrom 103
.......................................................................................
Indoktrinationssyndrom 104
.......................................................................................
Ich-Störungen Icherlebensstörung: Depersonalisati- 105
on, Derealisation, Gedankenentzug,
-eingebung, -ausbreitung, Transitivis-
mus, Verkennung
.......................................................................................
organische Psychosyndrome Durchgangssyndrom 106
hirnorganisches Psychosyndrom 106
Entzugssyndrom 107
endokrines Psychosyndrom 107
.......................................................................................
Schlafstörungen Insomnie, Dyssomnie, Parasomnie 108
.......................................................................................
Seelische Behinderung 109

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3.2 Störungen des Bewusstseins und der Orientierung 3

3.2 Störungen des Bewusstseins und der

Symptomatik, Leitsymptome, Syndromalogie


Orientierung
(Quantitative)
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Bewusstseinsstörung
...................................................................
왘 Definition: Quantitative und/oder qualitative Beeinträchtigung der Wachheit (Vigi-
lanz, Vigilität), vgl. S. 304, psychiatrische Notfälle.
왘 Phänomenologie:
앫 Beeinträchtigungen der Bewusstseinsklarheit. Zu unterscheiden sind:
– Benommenheit: Dösigkeit, Reaktionsverlangsamung.
– Somnolenz: Stärkere Benommenheit und Schläfrigkeit mit allgemeiner Ver-
langsamung, Einschlafneigung.
– Sopor: Deutliche Schläfrigkeit mit ungezielten Abwehrreaktionen auf Außen-
reize (noch erweckbar, kurzzeitiges Augenöffnen).
– Koma: Bewusstlosigkeit ohne Erweckbarkeit (Augen stets geschlossen). Ab-
hängig von der Komatiefe (Grad I - IV) Erlöschen der Reflextätigkeit sowie Re-
gulationsstörungen der Vitalfunktionen.
– Wachkoma (Coma vigile): Tiefe Bewusstlosigkeit mit geöffneten Augen, Spon-
tanbewegungen und unbeeinträchtigten Vitalfunktionen.
– Hypervigilität: Zustand von Überwachheit mit gehobener Bewusstseinsklar-
heit, vermehrter Aufmerksamkeit und geschärfter Wahrnehmung.
앫 Qualitative Bewusstseinsstörungen sind zusätzlich durch Verschiebungen oder
Verzerrungen der Bewusstseinsinhalte gekennzeichnet (z. B. Verkennungen,
Wahnideen, Denkstörungen) – siehe unten.
왘 Vorkommen (siehe auch Tabelle 22):
앫 Somnolenz: Bei leichter Intoxikation, endokriner und metabolischer Funktions-
störung, Fieber, beginnendem Hirndruck, Trancezuständen und starker Erschöp-
fung.
앫 Sopor: Bei gesteigertem Hirndruck, Enzephalitis und Hirnblutung, Intoxikation
sowie nach epileptischem Anfall.
앫 Koma: Bei schwerer Intoxikationen, massiver endokriner und metabolischer Ent-
gleisung, schwerster Infektion, akuter Hirnschädigung und Hirnblutung, zerebra-

Tabelle 22 · Differenzialätiologie der Bewusstseinsstörung


.......................................................................................
Verdachtsdiagnose wegweisende Untersuchung
.......................................................................................
Intoxikation Psychostatus, Fremdanamnese, Klinik,
Laboruntersuchungen
endokrine, metabolische Störung Psychostatus, Anamnese, Fötor, Tempera-
tur, Labor
Infektion (Meningoenzephalitis) Psychostatus, Meningismus,
Liquorpunktion
Hirndruck Psychostatus, CCT, (MRT)
Epilepsie (postiktual, Aura) Psychostatus, Anamnese, EEG
Rauschzustände, Drogeneinwirkung Psychostatus, (Fremd-)Anamnese,
Drogenscreening
Schock adäquates Ereignis, Fremdanamnese
(schizophrene Episode) (Anamnese, psychopathologischer Befund)
(manische Episode) (Anamnese, psychopathologischer Befund)
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3 3.2 Störungen des Bewusstseins und der Orientierung

lem Gefäßverschluss (Territorialinfarkt), kreislaufbedingter Anoxie, im Schock


Symptomatik, Leitsymptome, Syndromalogie

und im großen epileptischen Anfall (Grand mal).


앫 Wachkoma: Bei Funktionsausfall der Großhirnrinde (z. B. nach Trauma, Blutung,
Hypoxie). Synonym: Apallisches Syndrom.
앫 Hypervigilität: Unter Einfluss von Stimulanzien oder anderen Aufputschmitteln,
während epileptischer Aura; durch außergewöhnliche seelische Anspannung
und Konzentration (z. B. Meditation, Ekstase), nach schockartigen Erlebnissen
(selten bei beginnender Psychose).

Orientierungsstörung
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (Verwirrtheit,
. . . . . . . . . . . . . . . . . . .Desorientiertheit)
.......................................
왘 Definition: Zeitliche, örtliche, situative und/oder persönliche Falschinformiertheit,
vgl. S. 305, psychiatrische Notfälle.
왘 Phänomenologie:
앫 Zeitliche Orientierungsstörung: Fehlende oder mangelhafte Fähigkeit, sich zeitlich
zurechtzufinden (Tageszeit, Wochentag, Monat, Jahr).
앫 Örtliche Orientierungsstörung: Uninformiertheit bzw. Nichterkennen der örtli-
chen Gegebenheiten (z. B. momentaner Aufenthaltsort, nähere und weitere Um-
gebung).
앫 Situative Orientierungsstörung: Falsche oder mangelhafte Einschätzung der aktu-
ellen Situation (nicht wahnhaft bedingt).
앫 Orientierungsstörung zur Person: Beeinträchtigungen bezüglich der eigenen Per-
son (z. B. Name, Geburtstag, Beruf, Lebensgeschichte).
Fast stets hiermit einhergehend: Rat- und Hilflosigkeit, Unruhe, Ängstlichkeit, Ver-
störtheit, Aggressivität.
왘 Vorkommen (siehe auch Tabelle 23):
앫 Vor allem bei organisch begründbarer Psychose und hirnorganischem Psycho-
syndrom bzw. Demenz (Bestandteil des Korsakow-Syndroms, s. S. 222).
앫 Während Erlebnisreaktion infolge ungewöhnlicher psychischer Belastungsstö-
rung (Katastrophenreaktion, s. S. 193 ff).
(Gelegentlich auch als Begleiterscheinung akuter Psychose.)
왘 Hinweis: Nicht zu verwechseln mit der psychotisch bedingten Verworrenheit

bzw. Desorganisiertheit (s. S. 178 f).

Tabelle 23 · Differenzialätiologie der Orientierungsstörung


.......................................................................................
Verdachtsdiagnose wegweisende Untersuchung
.......................................................................................
hirnorganisches Psychosyndrom Psychostatus, Anamnese (vaskuläre Risikofaktoren),
neurologische Untersuchung, CCT, MRT
Korsakow-Syndrom Psychostatus, Alkoholanamnese,
Klinik, neurologische Untersuchung, CCT
Belastungsstörung Psychostatus, adäquates Psycho-
Erlebnisreaktion trauma in der Anamnese
(akute Psychose) (Psychostatus)

.Dämmerzustand
......................................................................................
왘 Definition: Form der Bewusstseinseinengung mit gleichzeitiger Trübung der Be-
wusstseinslage (Quantitative und qualitative Bewusstseinsstörung (s. S. 79).
왘 Phänomenologie:
앫 Stunden bis Tage anhaltender, tranceähnlicher Zustand, der durch eine Einen-
gung von Denkinhalten und Vorstellungen, Erlebnissen und Handlungsweisen
80 gekennzeichnet ist. Die Aufmerksamkeit erscheint nach innen gerichtet; häufig

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3.2 Störungen des Bewusstseins und der Orientierung 3
liegen illusionäre Verkennungen (s. S. 83) oder halluzinatorische Wahrneh-

Symptomatik, Leitsymptome, Syndromalogie


mungsverfälschungen (s. S. 83) vor. Der Antrieb kann verlangsamt oder gesteigert
sein (s. S. 85 f).
앫 Trotz der Bewusstseinsveränderung bleibt im Großen und Ganzen die Hand-
lungsfähigkeit des Patienten erhalten und beim so genannten orientierten Däm-
merzustand auch nach außen geordnet. Anschließend besteht Amnesie.
왘 Vorkommen (siehe auch Tabelle 24):
앫 Dämmerzustände treten auf bei:
– Epilepsie (z. B. als postparoxysmaler Dämmerzustand oder im Rahmen einer
Alternativpsychose, s. S. 138 f).
– Alkohol- und Drogeneinfluss.
– Hirntrauma, Intoxikation und Enzephalitis.
– Psychogene Dämmerzustände (sehr selten) können unter hohem Affektdruck
(z. B. Panik, Schockerleben) als Ausweichreaktion vorkommen.
왘 Hinweis: Straftaten während Dämmerzuständen spielen eine besondere Rolle in

der forensischen Psychiatrie (s. S. 422 ff)!

Tabelle 24 · Differenzialätiologie des Dämmerzustands


.......................................................................................
Verdachtsdiagnose wegweisende Untersuchung
.......................................................................................
Epilepsie Psychostatus, (Fremd-)Anamnese, EEG, CCT
Rausch Psychostatus, Klinik, Laborscreening
Hirntrauma Psychostatus, Ereignis, Klinik, neurologische
Untersuchung, CCT, MRT
Intoxikation Psychostatus, Anamnese, Klinik, Labor-
untersuchungen
Enzephalitis Psychostatus, Meningismus, Fieber, Liquor-
punktion, MRT
Psychotrauma Psychostatus, Anamnese

.Delir,
. . . . . . .delirantes
. . . . . . . . . . . . . .Syndrom
.................................................................
왘 Definition: Quantitative und qualitative Bewusstseinsstörung (vgl. S. 304 f, 309 f,
psychiatrische Notfälle).
왘 Phänomenologie:
앫 Vorherrschende Symptomatik:
– Beeinträchtigte Orientiertheit mit Verwirrtheit (s. S. 80) und illusionärer oder
wahnhafter Verkennung (s. S. 83) der Umgebung.
– Sinnestäuschungen (überwiegend optische Halluzinationen, s. S. 83).
– Meist ängstlich gefärbte Stimmungslage mit fahriger Unruhe und dranghafter
Geschäftigkeit. Erhöhte Ablenkbarkeit und mangelndes Konzentrationsver-
mögen.
– Ausgeprägte Suggestibilität.
– Beim Alkoholdelir starke vegetative Reaktionen (Schwitzen, Tachykardie, Hy-
pertonie, Tremor, gelegentliche zerebrale Krampfanfälle).
(Dauer meist über mehrere Tage, anschließend Amnesie.)
왘 Vorkommen (siehe auch Tabelle 25):
앫 Am häufigsten als Entzugsdelir bei chronischem Alkoholismus (Delirium tre-
mens).
앫 Unter der Einnahme von Medikamenten (z. B. Antiparkinsonmittel, Antidepressi-
va, Amphetamine) als akute Intoxikation oder Nebenwirkung. 81

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3
Symptomatik, Leitsymptome, Syndromalogie 3.2 Störungen des Bewusstseins und der Orientierung

Tabelle 25 · Differenzialätiologie des Delirs


.......................................................................................
Verdachtsdiagnose wegweisende Untersuchung
.......................................................................................
Entzugsdelir bei chronischem Alkoholismus Psychostatus,(Fremd-) Anamnese, Alkohol-
bestimmung, Klinik
Drogen-, medikamenteninduziert Psychostatus, Medikamenten-, Drogen-
anamnese, Screening
endokrine, metabolische Entgleisung Psychostatus, Klinik, Vorerkrankungen,
Labor
Infektion Psychostatus, Klinik, Labor

앫 Während des Entzugs von suchterzeugenden Drogen und Medikamenten.


앫 Als Begleiterscheinung körperlicher Krankheit (z. B. Infektionen, endokrine und
metabolische Entgleisungen).

Traumhafte
. . . . . . . . . . . . . . . . .Verworrenheit
. . . . . . . . . . . . . . . . . . .(Oneiroid)
...................................................
왘 Definition: Qualitative Bewusstseinsstörung mit Einengung und Verzerrung der
Bewusstseinsinhalte.
왘 Phänomenologie: Traum- bzw. tranceähnlicher Zustand, einhergehend mit illusio-
nären Verkennungen (s. S. 83) und anderen Sinnestäuschungen, auch mit wahnhaf-
ten Erlebnissen (s. S. 91 f). Der Patient wirkt in sich gekehrt, ratlos, gefühlsmäßig ver-
sunken und verlangsamt. Das Bewusstsein ist getrübt, die Orientierung beeinträch-
tigt. Anschließend meist Amnesie!
왘 Vorkommen (siehe auch Tabelle 26):
앫 Am häufigsten unter Rauschdrogen (Halluzinogene, s. S. 231 ff).
앫 Im Rahmen epileptischer Psychosen (s. S. 138 ff).
앫 Bei Wochenbettpsychosen (s. S. 160).
앫 Gelegentlich bei akuter schizophrener Psychose (s. S. 175 f).
(Prädisponierend: Phantasiebereitschaft, Eidetik [lebhaftes und eindringliches
Vorstellungsvermögen].)

Tabelle 26 · Differenzialätiologie der traumhaften Verworrenheit


.......................................................................................
Verdachtsdiagnose wegweisende Untersuchung
.......................................................................................
Halluzinogenabusus Anamnese, Drogenscreening, Klinik
Epilepsie Anamnese, EEG, CCT, MRT
Postpartal Anamnese
akute schizophrene Psychose Anamnese, psychopathologischer Befund

.Halluzinose
......................................................................................
왘 Definition: Zustand fortlaufender Sinnestäuschungen (Trugwahrnehmungen ohne
entsprechenden Außenreiz) bei erhaltener Bewusstseinshelligkeit und Orientiert-
heit.
왘 Phänomenologie:
앫 Im Vordergrund stehen mehr oder weniger kontinuierliche, überwiegend akusti-
sche oder optische Halluzinationen mit flüchtigen, szenischen Wahrnehmungs-
82 erlebnissen.

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3.3 Wahrnehmungsstörungen 3
Die Patienten erscheinen dabei manchmal ängstlich-unruhig, meist in sich ge-

Symptomatik, Leitsymptome, Syndromalogie


kehrt und unfähig zur Kommunikation, finden sich aber normal zurecht und wir-
ken auch sonst wenig beeinträchtigt.
왘 Vorkommen (siehe auch Tabelle 27):
앫 Akustische Halluzinose: Am häufigsten bei chronischem Alkoholismus (vgl.
S. 220 ff), hier in Form von Demütigungen, Beschimpfungen und Drohungen:
(Fremd-)Anamnese, körperl. Untersuchung, Drogenscreening (inkl. Alkoholtest).
앫 Optische Halluzinose: Bei Intoxikation mit Halluzinogenen (LSD) oder nach Schä-
digungen des Okzipitallappens (mit strukturierten und unstrukturierten Bildfol-
gen): Anamnese (Substanzmissbrauch, Hirninfarkt, -blutung, Schädel-Hirn-Trau-
ma?), körperliche Untersuchung, EEG, CCT, MRT.
앫 Haptische Halluzinose: Bei Kokainsucht oder Intoxikation durch Amphetamine:
Suchtanamnese, Fremdanamnese, Laborscreening (s. S. 20 ff).
(Eine besondere Form der chronischen taktilen Halluzinose stellt der so genannte
Dermatozoenwahn [s. S. 126 f] dar.)

Tabelle 27 · Differenzialätiologie der Halluzinose


.......................................................................................
Verdachtsdiagnose wegweisende Untersuchung
.......................................................................................
Alkoholismus Psychostatus, (Fremd-)Anamnese, Labor-
untersuchungen
chron. Amphetaminmissbrauch, Psychostatus, (Fremd-)Anamnese,
LSD-Konsum Drogenscreening
Hirnerkrankung Psychostatus, Neurostatus, CCT, MRT, EEG

3.3 Wahrnehmungsstörungen

.Illusion,
. . . . . . . . . . .illusionäre
. . . . . . . . . . . . . . Verkennung
.............................................................
왘 Definition: Form der Wahrnehmungsverfälschung mit Fehldeutung tatsächlich
vorhandener Sinneseindrücke.
왘 Phänomenologie: Infolge einer subjektiven Umdeutung real nur unzulänglich vor-
handener Sinnesreize kommt es zu einer dem Patienten nicht bewussten Verken-
nung und damit Umgestaltung von umgebenden Gegenständen, Personen oder Si-
tuationen.
왘 Vorkommen: Begünstigt durch:
앫 Erschwerte Wahrnehmungsbedingungen: Undeutliches Sehen, Dunkelheit, un-
übersichtliche Situation, Reizüberflutung.
앫 Besonderheiten der betroffenen Person: Phantasiereichtum (Eidetik), pathische
Grundeinstellung, erhöhte Suggestibilität, auch aktuelle Gestimmtheit und Moti-
vation, Ermüdung und Erschöpfung.
(Bei kontaktarmen und ichschwachen Personen: gehäuft paranoid getönte Ver-
kennungen.)
앫 Delirante und Rauschzustände (hier als häufige Begleitsymptome, s. S. 81 Delir).

.Halluzination
. . . . . . . . . . . . . . . . . .(Sinnestäuschung)
....................................................................
왘 Definition: Trugwahrnehmung von Sinneseindrücken, denen kein entsprechender
Sinnesreiz zugrunde liegt.
왘 Phänomenologie:
Halluzinationen werden vom Betroffenen als leibhaftig und real erlebt. Sie sind
von ihm daher nicht korrigierbar.
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3 3.3 Wahrnehmungsstörungen

앫 Am häufigsten sind akustische und optische Sinnestäuschungen. Darüber hinaus


Symptomatik, Leitsymptome, Syndromalogie

können olfaktorische, gustatorische, taktile, kinästhetische und Leibhalluzinatio-


nen auftreten. Unstrukturierte Geräuschhalluzinationen heißen Akoasmen, un-
strukturierte optische Sinnestäuschungen Photismen.
왘 Vorkommen: Klinische Manifestationsformen, deren Differenzialdiagnose und kli-
nische Diagnose s. Tabelle 28.
왘 Hinweis: Nicht krankheitsbedingt sind optische und/oder akustische Sinnestäu-
schungen, die bei völliger Isolierung (z. B. Einzelhaft, experimentelle Sinnesdepriva-
tion) auftreten, sowie die üblichen Träume.

Tabelle 28 · Differenzialätiologie der Halluzinationen


.......................................................................................
Manifestationsform Verdachtsdiagnose wegweisende
Untersuchung
.......................................................................................
akustische Halluzinationen Schizophrenie (s. S. 162 ff) Psychostatus, Anamnese,
Klinik
als akustische Halluzinose Psychostatus, Alkohol-
bei chron. anamnese, körperlich-inter-
Alkoholismus nistische Untersuchung
(s. S. 17 ff)
.......................................................................................
optische Halluzinationen körperlich begründbare Psychostatus, Medikamen-
Psychose ten-, Drogen-, Alkoholanam-
nese, Untersuchung, CCT,
MRT, EEG
.......................................................................................
olfaktorische/ Schizophrenie s. o.
gustatorische Temporallappen- Anamnese (Auren, Anfälle),
Halluzinationen epilepsie EEG, neurologische Unter-
suchung
Schädigung der Anamnese (Trauma?), CCT,
Area olfactoria MRT
(olfaktorische H.)
.......................................................................................
Leibhalluzinationen Schizophrenie s. o.
(Zönästhesien, Beein-
flussungserlebnisse) Involutionspsychose Psychostatus, s. S. 12 ff
.......................................................................................
taktile Halluzinationen Dermatozoenwahn s. S. 126
Kokainintoxikation Psychostatus, Anamnese
chronischer Cannabis- (Fremdangaben Drogen,
missbrauch Medikamente). Klinik
(s. S. 229)
Delir s. S. 81
.......................................................................................
kinästhetische Halluzination Schizophrenie s. o.
(Bewegungsempfindungen)
.......................................................................................
kollektive halluzinatorische bei starker Erlebnisan- Psychostatus,
Erlebnisse spannung und hoher Anamnese
Suggestibilität

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3.4 Störungen von Volition, Antrieb und Motorik 3

.Pseudohalluzination

Symptomatik, Leitsymptome, Syndromalogie


......................................................................................
왘 Definition: Trugwahrnehmung, die im Gegensatz zur Halluzination als un-
wirklich erkannt wird.
왘 Phänomenologie: Ähnlichkeit mit Halluzination, die Übergänge sind fließend. Der
Betroffene hält allerdings nicht mit Überzeugung an den Eindrücken fest – er ver-
mag die Täuschung zu erkennen und sich zu korrigieren. (Es kommen praktisch nur
Täuschungen im akustischen und visuellen Bereich vor.)
왘 Vorkommen (selten):
앫 Einschlaf- und Aufwachphase, bei Ermüdung, Erschöpfung und bei leichteren Be-
wusstseinstrübungen, z. B. im Fieber oder unter Rauschdrogen.
앫 Katathyme Pseudohalluzinationen können sich in ekstatischen und meditativen
Versenkungen einstellen, vor allem dann, wenn eine Veranlagung zu Phantasie-
reichtum und Eidetik (lebhaftes und eindringliches Vorstellungsvermögen) be-
steht.

.Leibgefühlsstörung,
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .abnorme
. . . . . . . . . . . . .Leibgefühle
...............................................
왘 Definition: Vielfältige, abstruse, meist quälende Körpermissempfindung (Dys-
ästhesien) ohne organische Grundlage (verwandt mit Leibhalluzination).
왘 Phänomenologie:
앫 Wahrgenommen werden z. B. schwer lokalisierbare brennende, bohrende, krib-
belnde oder stechende Körpersensationen, unbestimmtes Schweregefühl in den
Gliedmaßen, Kloß- und Oppressionsgefühl, Spannungsgefühl im Kopf.
(Dermatozoenwahn: Erlebnisse verbunden mit der festen Überzeugung, dass Pa-
rasiten in oder unter der Haut sitzen.)
왘 Vorkommen:
앫 Bei (somatisierter) Depression (s. S. 182 ff).
앫 Bei Involutionsdepression (vermehrt mit hypochondrischen Befürchtungen;
s. S. 188 ff).
앫 Als Zönästhesien bzw. Leibhalluzinationen wahnhaften Charakters bei Schizo-
phrenie (s. S. 162 ff).
앫 Bei Toxikomanie (Cannabisintoxikation, s. S. 226 ff, Kokainsucht s. S. 229) und Per-
sönlichkeitsstörung (s. S. 193 ff).

3.4 Störungen von Volition, Antrieb und Motorik


Antriebsschwäche,
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Antriebshemmung
..............................................................
왘 Definition: Krankhaftes Defizit im Antriebsverhalten.
왘 Phänomenologie:
Antriebsmängel können von der leichten Hemmung bis zur völligen Reglosigkeit
(Stupor, Akinese, s. S. 312) reichen.
Kennzeichnend sind eine Minderung an Anregbarkeit und Initiative, Mutismus
Gleichgültigkeit, Reaktionsverzögerung und Passivität bis zum Erlahmen der vo-
luntativen Impulse (Volitionsschwäche). Im motorischen Bereich tritt eine allge-
meine Verlangsamung in Erscheinung. Die Körperbewegungen wirken kraftlos
und träge.
왘 Hinweis: Eigen- und Fremdantriebsverhalten (= von außen angeregter – induzier-

ter – Antrieb) können durchaus diskordant sein.


왘 Vorkommen (siehe auch Tabelle 29):
앫 Antriebsschwäche:
– Nach akuter Psychose, z. B. als postremissives Erschöpfungssyndrom, Residu-
um nach schizophrenen Schüben.
85

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Symptomatik, Leitsymptome, Syndromalogie 3.4 Störungen von Volition, Antrieb und Motorik

Tabelle 29 · Differenzialätiologie der Antriebsschwäche, Antriebshemmung


.......................................................................................
Verdachtsdiagnose wegweisende Untersuchung
.......................................................................................
Schizophrenie (Residuum, auch Psychostatus, Anamnese, psychopathologi-
katatoner Stupor) scher Befund, vgl. S. 176 f
Hypothyreose Psychostatus, Klinik, Labor
(TSH, ggf. T3, T4)
Hypophysenvorderlappeninsuffizienz Psychostatus, Klinik, Anamnese, Hormonbe-
stimmungen (TSH, ACTH, FSH, LH, Prolak-
tin), ggf. Bildgebung
Morbus Addison Psychostatus, Anamnese, Klinik, Na+앗,
K+앖, ACTH 앖
hirnorganische Ursache Psychostatus, Anamnese, Klinik, neurologi-
sche Untersuchung, CCT, MRT
Erlebnis- bzw. Belastungsreaktion, Psychostatus, Anamnese, Klinik, Befund,
Anpassungsstörung psychologische Testverfahren
Depression Psychostatus, (Fremd-)Anamnese,
Klinik, (Testverfahren)
Psychopharmaka, Drogen Psychostatus, (Fremd-)Anamnese,
Klinik, Drogenscreening

– Begleitsymptomatik somatischer Erkrankung, insbesondere solcher des Endo-


krinums (z. B. Hypothyreose, Hypophysenvorderlappeninsuffizienz, Morbus
Addison).
– Hirnlokales organisches Psychosyndrom (z. B. infolge Hirntumor).
앫 Antriebshemmung:
– Bei Depression (in extremer Form als depressiver Stupor).
– Bei Schizophrenie (in extremer Form als katatoner Stupor).
– Bei psychogener Blockierung durch Ambivalenz, Willensschwäche oder Ent-
schlusslosigkeit.
– Unter dämpfenden Psychopharmaka bzw. Drogen.
– Bei abnormer Erlebnisreaktion bzw. Belastungsstörung („Totstellreflex“).
– Im Zustand meditativer Versenkung.

Antriebssteigerung
.......................................................................................
왘 Definition: Krankhaft gesteigertes Antriebsverhalten.
왘 Phänomenologie: Allgemeine Hypermotorik, Umtriebigkeit und Rastlosigkeit bis
zur Hektik. In der Regel einhergehend mit Impulsivität, Ideenflucht und Logorrhö
(s. S. 91).
왘 Vorkommen, wegweisende Untersuchungen:
앫 Maniformes Syndrom (s. S. 102): Klinik (Überaktivität und Unruhe bis zum Erre-
gungszustand), Anamnese, Befund, psychol. Testverfahren.
앫 Agitierte Depression: Klinik (ängstliche Getriebenheit), Anamnese (Episoden de-
pressiver Verstimmtheit).
앫 Nach Stimulanzieneinnahme: Drogenanamnese, Klinik (Überwachheit mit hekti-
scher Betriebsamkeit), Drogenscreening.
앫 Als Begleiterscheinung akuter Belastungsstörung (zielloser Bewegungssturm): Kli-
nik, Anamnese.

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3.4 Störungen von Volition, Antrieb und Motorik 3

.Enthemmung

Symptomatik, Leitsymptome, Syndromalogie


......................................................................................
왘 Definition: (Krankhaft) gesteigertes Freisetzen von Impulsen und Affekten.
왘 Phänomenologie: Übertrieben oder unerwartet extrovertiertes Verhalten. Abneh-
men von Aggressionshemmung mit verminderter bzw. aufgehobener Steuerungsfä-
higkeit. Verlust an Selbstkontrollfähigkeit. Distanzlosigkeit.
왘 Vorkommen:
앫 Affektive Durchbrüche bei Impulskontrollstörung und emotional instabiler Per-
sönlichkeit (s. S. 247).
앫 (Zusätzlich) Enthemmung durch Einfluss von Alkohol und Drogen (s. S. 217 ff).
앫 Begleitsymptomatik des maniformen Syndroms (s. S. 102).
앫 Enthemmungsphänomene auch bei hirnorganischer Erkrankung bzw. Oligophre-
nie und Demenz (s. S. 95 f).
(Beurteilung der Steuerungsfähigkeit wichtig zur Abschätzung der Schuldfähig-
keit bei Straftaten psychisch Kranker, s. S. 422 ff.)

Ambivalenz
.......................................................................................
왘 Definition: Gleichzeitig nebeneinander bestehende, gegenläufige Vorstellungen
und/oder Wünsche.
왘 Phänomenologie: Einander entgegenwirkende Vorstellungen und Strebungen
können nach außen als Ratlosigkeit, Willensschwäche, Zwiespältigkeit und Ent-
scheidungsunfähigkeit in Erscheinung treten.
왘 Vorkommen, wegweisende Untersuchungen: Häufiges Symptom bei Anpas-
sungs- und neurotischen Störungen: Anamnese, testpsychologische Persönlich-
keitsdiagnostik.

Ambitendenz
.......................................................................................
왘 Definition: Gleichzeitig einwirkende, gegenläufige Antriebsimpulse.
왘 Phänomenologie: Antriebsblockade infolge der entgegengesetzt gerichteten vo-
luntativen Impulse, nach außen erkennbar an Unentschlossenheit, aber auch an Zu-
ständen von Unruhe und Hektik. Anlaufende Bewegungs- oder Handlungsabläufe
werden immer wieder unterbrochen hin bis zur Blockade des gesamten Verhaltens
(Katalepsie).
왘 Vorkommen: Häufig bei an agitierter Depression oder Schizophrenie erkrankten
Patienten zu beobachten (s. S. 162 ff), ferner bei labilen Personen mit einer Neigung
zu rasch wechselnden Vorstellungen und Impulsen (emotional instabile Persönlich-
keit, s. S. 247).

.Mutismus
......................................................................................
왘 Definition: Krankhaftes Schweigen bis zur völligen Stummheit.
왘 Phänomenologie: Schwere Sprechhemmung als Ausdruck einer Antriebshem-
mung (s. S. 85) bei intaktem Sprechvermögen, oft einhergehend mit allgemeiner An-
triebsstörung. Zugrunde liegt ein Verlust des Sprechantriebs infolge depressiver
Rat- und Hilflosigkeit, Angst oder konflikthafter Ambivalenz (s. oben).
왘 Vorkommen (siehe auch Tabelle 30):
앫 Schreckerlebnis, heftige depressive Reaktion oder im Panikanfall (akute Belastungs-
störung, s. S. 193 f).
앫 Beginnende Psychose bzw. im psychotischen Wahn.
(In Verbindung mit Stupor auch bei organischen Hirnerkrankungen, vor allem bei
Dämmerzuständen, Intoxikationen, Tumorerkrankung und Enzephalitis.)
왘 Hinweis: Sprechstörungen beruhen demgegenüber auf lokalen Schädigungen des

Sprechapparates.
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3
Symptomatik, Leitsymptome, Syndromalogie 3.4 Störungen von Volition, Antrieb und Motorik

Tabelle 30 · Differenzialätiologie des Mutismus


.......................................................................................
Verdachtsdiagnose wegweisende Untersuchung
.......................................................................................
Depression Psychostatus, Anamnese, klinischer Befund
Psychose Psychostatus, Anamnese, klinischer Befund
Panikanfall Psychostatus, Anamnese
Dämmerzustand Psychostatus, Anamnese
Intoxikation Psychostatus, Medikamenten-, Drogen-
anamnese, Laboruntersuchungen
Hirntumor, Enzephalitis Psychostatus, Klinik, neurologische Unter-
suchung, CCT, MRT, Liquorpunktion

.Stereotypie
......................................................................................
왘 Definition: Monoton wiederkehrende Handlungs- oder Sprechabfolgen.
왘 Phänomenologie:
앫 Bewegungsstereotypien:
– Einfache Gesten oder Bewegungskomplexe werden wie motorische Schablo-
nen ohne erkennbaren Sinn und Zweck zwanghaft, auch über längere Zeit,
wiederholt (z. B. Kratzen, Reiben, Wischbewegungen, Blinzeln, Grimassieren,
Tics; vgl. Neurostatus S. 18 ff).
– Katalepsie: starres Beibehalten bestimmter, teilweise unnatürlich-bizarrer
Körperstellungen.
앫 Sprachstereotypien: Sich wiederholende, inhaltsleere und wie automatisiert ab-
laufende Lautgebungen (z. B. Vokaltic) oder formelhafte, sinnlose sprachliche
Entäußerungen (Verbigeration), beim Gilles-de-la-Tourette-Syndrom oft mit
Vulgärausdrücken.
왘 Vorkommen:
앫 Tics: Häufig bei lebhaften Kindern und Jugendlichen („Übersprungshandlungen“)
als psychogene Störung. Bei Psychose oder hirnorganischen Erkrankungen.
앫 Einfache motorische Stereotypien: In der Regel Ausdruck diffuser hirnorganischer
Leistungseinbußen (z. B. nach Enzephalitis, bei schwerer Oligophrenie oder De-
menz).
앫 Komplexere Haltungs-, Handlungs- und Sprachstereotypien: Bei katatoner Schizo-
phrenie (s. S. 170) bzw. chronisch schizophrener Erkrankung (s. S. 165).

.Hyperkinese
......................................................................................
왘 Definition: Form hektischer Bewegungsunruhe bis zur motorischen Erregtheit (Er-
regungszustand, Tobsucht).
왘 Phänomenologie:
앫 Ziellose, ohne erkennbares Motiv gesteigerte Motorik wie z. B. Hin- und Herlau-
fen, Umhertrippeln, Händeringen, Herumnesteln.
앫 Ticähnliche Bewegungen (z. B. Kopfschütteln oder Schlagen).
(Bei zugrundeliegender Antriebssteigerung [s. S. 86] erscheinen manche Verhal-
tensweisen wie Ersatz- bzw. Übersprungshandlungen.)
왘 Vorkommen (siehe auch Tabelle 31):
앫 Emotional instabile Kinder: Dranghafte Unruhe im Gefolge diskreter frühkindli-
cher Hirnschädigungen. ADHS.
앫 Extreme Ausprägung:
– Katatoner Erregungszustand im Rahmen einer akuten Schizophrenie (s. S. 170,
175).
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3.5 Formale Denkstörungen 3

Symptomatik, Leitsymptome, Syndromalogie


Tabelle 31 · Differenzialätiologie der Hyperkinese
.......................................................................................
Verdachtsdiagnose wegweisende Untersuchung
.......................................................................................
frühkindlicher Hirnschaden Psychostatus, (Fremd-)Anamnese, neurolo-
gische Untersuchung, CCT/MRT
Schizophrenie Psychostatus,(Fremd-)Anamnese, Klinik
Manie Psychostatus,(Fremd-)Anamnese,
Klinik, Persönlichkeitsdiagnostik
pathologischer Rausch, Drogenkonsum Psychostatus, Anamnese, Drogenscreening
extrapyramidale Störung Psychostatus, Anamnese, neurologische Un-
tersuchung, Medikamentenanamnese, CCT,
MRT

– Manische Erregtheit (s. S. 102, 185).


– Erregungszustand im pathologischen Rausch (s. S. 222).
앫 Symptome neurologischer Erkrankungen (extrapyramidale Pathogenese) in Form
überschießender und ungesteuerter Bewegungen von Muskeln und Muskelgrup-
pen (z. B. Tremor, Athetosen, Dyskinesien und choreatiforme Bewegungen);
s. S. 18 Neurostatus.
앫 Unter Neuroleptikatherapie: z. B. Parkinsonoid, Akathisie/Tasikinesie, Spätdyski-
nesien.

3.5 Formale Denkstörungen

.Denkverlangsamung
......................................................................................
왘 Definition: Verlangsamung der Denkabläufe.
왘 Phänomenologie: Zähflüssiges, verlangsamtes Denken tritt nach außen in Erschei-
nung als schleppende sprachliche Mitteilung mit einfallsarmen, monotonen Inhal-
ten (s. S. 85, Antriebshemmung).
왘 Vorkommen, wegweisende Untersuchungen: Als Begleiterscheinung allgemei-
ner Antriebsarmut vor allem bei:
앫 Depressiver Erkrankung: Anamnese, psychopathologischer Befund (s. S. 12 ff).
앫 Demenz: Klinik, Anamnese, CCT (s. S. 115 ff).
앫 Einfluss von dämpfenden Drogen und Beruhigungsmitteln: Drogen-, Medika-
mentenanamnese, Drogenscreening (s. S. 21, vgl. auch S. 79, Somnolenz).

.Denkhemmung
......................................................................................
왘 Definition: Mühselig-schwerfälliger Gedankengang.
왘 Phänomenologie: Die sprachlichen Mitteilungen sind zögerlich-stockend, leise, oft
unterbrochen, wie gegen einen inneren Widerstand.
왘 Vorkommen, wegweisende Untersuchungen:
앫 Überwiegend bei depressiver Störung: Klinik, Anamnese, psychopathologischer
Befund.
(Selten als psychogene Blockade: Klinik, psychopathologischer Befund.)

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3 3.5 Formale Denkstörungen

Gedankenabreißen,
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Denksperre
Symptomatik, Leitsymptome, Syndromalogie

............................................................
왘 Definition:
앫 Denksperre: Blockade des Gedankenganges.
앫 Gedankenabreißen: Plötzliche Unterbrechung des Denkablaufs.
왘 Phänomenologie: Denksperre bzw. Gedankenabreißen sind äußerlich erkennbar
als wiederholtes plötzliches, unmotiviertes Stocken des Patienten im Gespräch.
왘 Vorkommen:
앫 Verdächtig auf Schizophrenie (s. S. 162 ff), wenn das Gedankenabreißen auch als
von außen gesteuerter Gedankenentzug erlebt wird (Ich-Störung, s. S. 105):
Symptom 1. Ranges nach K. Schneider.
앫 Hiervon zu unterscheiden:
– Denkhemmung (siehe oben).
– Inkohärenz (s. unten) bei psychotischen Störungen („Verlust des roten Fa-
dens“).
왘 Hinweis: Beim „Gedankenstop“ handelt es sich um ein in der kognitiven Verhal-

tenstherapie verwendetes bewusstes Abblocken einer Vorstellung aus therapeu-


tischen Gründen, das gezielt und systematisch trainiert wird (s. S. 374).

.Haften
......................................................................................
왘 Definition: Erschwerte Umstellung auf andere Denkinhalte.
왘 Phänomenologie: „Klebenbleiben“ der Denkabläufe bzw. Äußerungen des Patien-
ten (s. unten, Perseveration) an einem Leitthema.
왘 Vorkommen, wegweisende Untersuchungen: Bei Depression und besonderer
innerer Gefangenheit durch eine Vorstellung oder Idee („fixe Idee“): Anamnese, psy-
chopathologischer Befund, Testpsychologie.

.Perseveration
......................................................................................
왘 Definition: Stereotype Wiederholung ein- und derselben Denkinhalte.
왘 Phänomenologie: In eintönig-monotoner Weise kreist das Denken um bestimmte
Vorstellungen als Ausdruck der völligen Inanspruchnahme durch ein Thema. Der Pa-
tient ist außerstande, Gedankengänge zu Ende zu führen oder neue Denkansätze zu
finden.
(Verbigeration: Sinnloses Wiederholen von Wörtern und Sätzen.)
왘 Vorkommen, wegweisende Untersuchungen: In Form von zwanghaften Grübe-
leien Perseverationen vor allem im Rahmen depressiver Störung (s. S. 101, 180 ff) und
bei Zwangsstörung (s. S. 211): (Fremd-)Anamnese, Klinik, psychopathologischer Be-
fund, psychologische Testverfahren.

.Inkohärenz,
. . . . . . . . . . . . . . . .Zerfahrenheit
......................................................................
왘 Definition: Die Denkabläufe sind sprunghaft, assoziativ gelockert und ohne ver-
ständlichen Zusammenhang.
왘 Phänomenologie:
앫 Inkohärenz – Verlust der inneren Logik – kann bis zu unverständlichen Äußerun-
gen mit völligem Verlust der Kommunikation führen.
앫 Denkzerfahrenheit ist gekennzeichnet durch Mängel der Kontrollvorgänge über
die Denkabläufe. Die assoziativen und logischen Zusammenhänge der Denkin-
halte gehen verloren. In extremer Form kommt es zu einem unverständlichen
„Wortsalat“ (Schizophasie).
왘 Vorkommen, wegweisende Untersuchungen: Vor allem bei schizophrener Psy-
chose (Anamnese, Befund, vgl. S. 162 ff) und im Drogenrausch (Anamnese, Klinik,
Drogenscreening, vgl. S. 21).
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3.6 Inhaltliche Denkstörungen 3

.Ideenflucht
. . . . . . . . . . . . . . .(Ideenflüchtigkeit)

Symptomatik, Leitsymptome, Syndromalogie


.......................................................................
왘 Definition: Krankhafte Beschleunigung der Denkabläufe.
왘 Phänomenologie: Die sprachlichen Äußerungen des Patienten sind gekennzeich-
net durch:
앫 Kontrollverlust über den Gedankenablauf. Die Denkinhalte wechseln rasch und
sprunghaft und sind durch immer neue Einfälle bestimmt.
앫 Die gedanklichen Assoziationsketten erscheinen beschleunigt und ziellos
(s. S. 86, Antriebssteigerung).
왘 Vorkommen, wegweisende Untersuchungen:
앫 Maniformes Syndrom: Anamnese, sonstiger psychopathologischer Befund, gege-
benenfalls psychologische Testverfahren (vgl. S. 31 ff).
앫 Ekstatischer bzw. Rauschzustand: Klinik, Anamnese, Laborscreening.
앫 Beginnende Schizophrenie: Anamnese, klinischer (auch psychopathologischer)
Befund (s. S. 162 ff).

.Logorrhoe
......................................................................................
왘 Definition: Sprachliche Enthemmungserscheinung in Form eines unkontrollierten
Redeflusses.
왘 Phänomenologie: Der zugrundeliegende Rededrang äußert sich als übermäßig
schnelles, pausenloses Reden bis zur Geschwätzigkeit. Der Redefluß kann Zeichen
völliger Inkohärenz (s. o.) tragen (s. auch S. 86, Antriebssteigerung).
왘 Vorkommen, wegweisende Untersuchungen:
앫 Maniformes Syndrom und im Rauschzustand (in Verbindung mit Sprechbeschleu-
nigung): (Fremd-)Anamnese, Klinik, Befund, evtl. Drogenscreening.
앫 Demenz: (Fremd-)Anamnese, neurologische und neuropsychologische Untersu-
chung), CCT, MRT.
(Gelegentlich im Zustand besonderer Angeregtheit.)

3.6 Inhaltliche Denkstörungen


Wahn,
. . . . . . . . . .paranoides
. . . . . . . . . . . . . . .Syndrom
..............................................................
왘 Definition: Krankhaft verfälschte, unkorrigierbare Vorstellungen und Gedan-
ken.
왘 Phänomenologie:
앫 Mögliche Kennzeichen von Wahn:
– Entwicklung von Vorstellungen, die sich nicht mit der Realität in Einklang
bringen lassen. Es besteht eine hohe subjektive Evidenz bezüglich der Wahn-
gedanken, die auch durch gegenläufige Erfahrungen nicht beeinflußt oder kor-
rigiert werden kann (Wahngewißheit).
– Wahnwahrnehmung und Wahnstimmung können können einem sich mani-
festierenden Wahn vorlaufen.
– Wahneinfälle und Wahnideen können als Evidenzerlebnisse plötzlich auftre-
ten und sich allmählich zu einem geschlossenen Wahnsystem verknüpfen
(Wahnarbeit). Eine intensive affektive Beteiligung (Wahndynamik) kann zu
entsprechenden äußeren Verhaltensauffälligkeiten führen.
– (Wahn und Realitätswahrnehmung können auch nebeneinander bestehen
[„doppelte Buchführung“].)
앫 Häufigste Formen, Inhalte und Vorkommen des Wahns: Siehe Tabelle 32.

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3
Symptomatik, Leitsymptome, Syndromalogie 3.6 Inhaltliche Denkstörungen

Tabelle 32 · Wahnthemen und -inhalte


.......................................................................................
Manifestationsform Wahnthema überwiegendes
Vorkommen
.......................................................................................
Beeinträchtigungswahn Gefühl, dass Geschehnisse Schizophrenie (s. S. 162 ff)
auf sich selbst gerichtet sind
Verfolgungswahn, Gefühl der Bedrohung und Schizophrenie, paranoide Ent-
Paranoia des Verfolgtwerdens wicklung bei sensitiv struktu-
rierten Personen, auch bei
Schwerhörigkeit, Isolation
Beziehungswahn, wahnhafte Verknüpfung von paranoide Entwicklung nach
Bedeutungswahn Ereignissen oder Handlun- Psychotrauma bei sensitiven
gen (unsinniger Symbolcha- Personen
rakter)
Liebeswahn Gewißheit, von anderer Per- Manie (s. S. 185), paranoide
son (entgegen der Realität) Entwicklung bei sensitiven
geliebt zu werden Personen
Schwangerschaftswahn Gewißheit schwanger zu sein Schizophrenie, paranoide Ent-
wicklung
Größenwahn, Selbstüberschätzung, Macht Manie (s. S. 185), maniformes
expansiver Wahn und Omnipotenzgefühl Syndrom
Verarmungswahn Bedrohung der materiellen psychotische Depression
oder finanziellen Mittel zum (s. S. 180 ff), v. a. Involutions-
Lebensunterhalt depression (s. S. 188)
Versündigungswahn, Schuld- Überzeugung, Schuld auf psychotische Depression
wahn sich geladen zu haben (s. S. 180 ff), Involutions-
depression (s. S. 188)
hypochondrischer Wahn Überzeugung, unheilbar psychotische Depression
krank zu sein (s. S. 180 ff), Involutions-
depression (s. S. 188)
nihilistischer Wahn wahnhafte Negierung bzw. psychotische Depression
Ablehnung der Umwelt (s. S. 180 ff)
religiöser Wahn Überzeugung, auserwählt zu Schizophrenie (s. S. 162 ff)
sein
Eifersuchtswahn Vorstellung, vom Partner be- Alkoholabhängigkeit mit Im-
trogen zu werden potenz (s. S. 220)
Querulantenwahn (s. S. 173) wahnhafte, unrealistische paranoide Entwicklung bei
Vorstellung von „Gerechtig- sensitiven Personen nach
keit“ mit kämpferischer Ein- schwerer Rechtskränkung
stellung (s. S. 245)
Dermatozoenwahn (s. S. 126), Fiktion von Parasiten auf und zerebrale Abbauvorgänge,
Enterozoenwahn unter der Haut chronische Toxikomanie
(s. S. 217 ff)
symbiontischer Wahn, Übernahme von Wahnvor- asthenische, ichschwache
konformer Wahn stellungen enger Bezugsper- Persönlichkeit (s. S. 242)
(„Folie à deux“) sonen

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3.7 Gedächtnisstörungen 3

.Zwang,
. . . . . . . . . .Anankasmus

Symptomatik, Leitsymptome, Syndromalogie


............................................................................
왘 Definition: Unvermögen, Gedanken, Impulse oder Handlungen zu unterdrüken, ob-
gleich sie als unsinnig erkannt werden.
왘 Phänomenologie:
앫 Manifestationsformen:
– Zwangsgedanken: Sich wiederholende stereotype Gedanken oder Grübeleien,
die als unsinnig, ichfremd und daher quälend empfunden werden.
– Zwangsimpulse: Beunruhigende und angsterzeugende Antriebserlebnisse
(destruktiver, obszöner oder zumindest unkonventioneller Art) gegen inneren
Widerstand (z. B. jemanden verletzen, beleidigen).
– Zwangshandlungen: Monoton-ritualmäßig ausgeführte, wiederkehrende
Handlungen, bei deren Unterlassung Angstgefühle auftreten (z. B. Zählzwang,
Kontrollzwang, Waschzwang, Putzzwang).
앫 Zwänge führen langfristig zu einer erheblichen Einengung des Lebensraumes
und der Autonomie des Betroffenen. Sie gehen daher fast immer mit Depressio-
nen wie auch einem phobischen Vermeidungsverhalten einher.
왘 Vorkommen (siehe auch Tabelle 33):
앫 Typische Zwangskrankheit: Zwangsneurose bzw. Zwangsstörung (s. S. 211).
앫 Zwanghafte Charakterzüge (z. B. übertriebene Korrektheit und Genauigkeit) als
Merkmale der anankastischen Persönlichkeit (s. S. 252).
앫 Bei (anankastischer) Depression (s. S. 182) wie auch gelegentlich bei beginnender
Schizophrenie (s. S. 162 ff).
(Leichte, passagere Zwangssymptome zeigen sich gelegentlich bei Erschöpfungs-
zuständen).

Tabelle 33 · Differenzialätiologie des Zwangssyndroms


.......................................................................................
Verdachtsdiagnose wegweisende Untersuchung
.......................................................................................
Erschöpfungszustand Psychostatus, Anamnese, s. S. 197
Zwangsneurose bzw. Zwangsstörung Psychostatus, Anamnese, s. S. 211
anankastische Persönlichkeit Psychostatus, Anamnese, Persönlichkeitstest,
s. S. 252
Depression Psychostatus, Anamnese, s. S. 182
beginnende Schizophrenie Psychostatus, Anamnese, s. S. 162 ff

3.7 Gedächtnisstörungen

.Hypomnesie,
. . . . . . . . . . . . . . . . .Amnesie,
. . . . . . . . . . . . .Paramnesie
........................................................
왘 Definition: Globale oder partielle Beeinträchtigung der Aufnahme, Speicherung
und/oder Wiedergabe von Daten.
왘 Phänomenologie:
Die Gedächtnisleistung stellt einen der wichtigsten Teilfaktoren der allgemeinen
Intelligenz dar. Sie ist abhängig von der individuellen Fähigkeit zu Konzentration,
Aufmerksamkeit und Organisation der Engrammierung. Defizite können begrün-
det sein in einer Aufnahme und/oder Wiedergabe von Informationen.
앫 Unterschieden wird zwischen:
– Störungen des Ultrakurzzeitgedächtnisses: Gedächtnislücken über wenige Se-
kunden.
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3 3.7 Gedächtnisstörungen

– Störungen des Kurzzeitgedächtnisses bzw. der Merkfähigkeit: Beeinträchtigte


Symptomatik, Leitsymptome, Syndromalogie

Fähigkeit, sich neue Eindrücke über etwa 5 – 10 Minuten einzuprägen.


– Störungen des Langzeitgedächtnisses: Herabsetzung der Fähigkeit, länger als
ca. 10 Minuten zurückliegende Eindrücke zu behalten bzw. zu reproduzieren.
앫 Zu differenzieren sind formal:
– Hypomnesie bis zur Amnesie: Zeitlich begrenzte, retro- oder anterograde Ge-
dächtnislücken. (In schwerer Form beim sog. Korsakow-Syndrom.)
– Paramnesie: Erinnerungsverfälschungen und -täuschungen (Trugerinnerun-
gen), gekennzeichnet durch Veränderungen der Gedächtnisinhalte bei der Re-
produktion (z. B. Déjà-vu- und Déjà-vecu-Erlebnisse, Ekmnesie = Eindruck
bzw. Vorstellung, in einem anderen Lebensabschnitt zu leben).
– Pseudoerinnerungen: (Falsche) Erinnerungen an vermeintliche Erlebnisse
bzw. nicht wirklich stattgehabte Ereignisse.
– Hypermnesie: Steigerung der Erinnerungsfähigkeit mit überdurchschnittli-
chen Gedächtnisleistungen.
왘 Vorkommen (siehe auch Tabelle 34):
앫 Auffällige Merkfähigkeitsstörungen als Beginn- und Leitsymptomatik einer allge-
meinen Gedächtnisschwäche bei Demenz (s. S. 115 ff).
앫 Antero- und/oder retrograde Amnesie zeigen sich nach Hirnschädigung, Intoxi-
kation, Enzephalitis bzw. als Begleiterscheinung sog. Durchgangssyndrome (s.
hirnorganisches Psychosyndrom S. 106).
앫 Amnestische Episoden kommen häufiger bei transitorischen ischämischen (zere-
bralen) Attacken vor (TIA, s. S. 123).
앫 Paramnesien sind bei beginnender Schizophrenie, in der epileptischen Aura, in
Traum oder traumähnlichen Erlebnissen sowie in Trance, Hypnose und unter
Rauschdrogenzu beobachten.
앫 Pseudoerinnerungen sind meist induziert bzw. iatrogen bedingt (z. B. während
einer Therapie suggerierter sexueller Mißbrauch in der frühesten Kindheit).
앫 Echte oder scheinbare Hypermnesie kann es in Verbindung mit Hypervigilität
(s. S. 79) geben.
(Psychogene Erinnerungsblockaden („Black out“) treten auf bei starker affektiver
Erregung (z. B. Prüfungsangst), als posttraumatische oder dissoziative Belas-
tungsstörung (s. S. 197, 213) oder als Zweckreaktion (Ganser-Syndrom).

Tabelle 34 · Differenzialätiologie der Gedächtnisstörung


.......................................................................................
Verdachtsdiagnose wegweisende Untersuchung
.......................................................................................
Demenz Psychostatus, (Fremd-)Anamnese, neuropsycho-
logische Testung, CCT, MRT
Rausch Psychostatus, Klinik, Drogenscreening
Intoxikation Psychostatus, Klinik, Laboruntersuchungen
Enzephalitis Psychostatus, Klinik
transitorische ischämische Attacke Psychostatus, Klinik, neurologischer
Status, CCT, MRT, Dopplersonographie
Schizophrenie Anamnese, psychopathologischer Befund
Epilepsie Psychostatus, Anamnese, EEG, (CCT)
dissoziative Störung, Belastungsstörung Psychostatus, Anamnese, Situation,
psychopathologischer Befund

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3.8 Störungen komplexer kognitiver Leistungen 3

3.8 Störungen komplexer kognitiver Leistungen

Symptomatik, Leitsymptome, Syndromalogie


Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(ADHS)
......................
왘 Definition: Symptomenkomplex von Konzentrationsmängeln, Impulsivität und
Überaktivität (s. auch Lehrbücher der Kinder- und Jugendpsychiatrie).
왘 Phänomenologie:
앫 Bild von Zerstreutheit und Sprunghaftigkeit bei vermehrter Ablenkbarkeit und
kognitivem Gleiten.
앫 Fahrigkeit, innere Unruhe, Reizoffenheit und Impulskontrollschwäche („Zappel-
Philipp“).
앫 Bei Mischformen häufig verbunden mit Tics, Verstimmungen, Ängstlichkeit und
Aggressivität.
앫 Im Kindesalter häufig einhergehend mit Verhaltensstörungen, im Erwachsenen-
alter zusätzlich Tendenz zu dissozialem Verhalten und Substanzmissbrauch.
왘 Hinweis: Andererseits sind oft besondere Kreativität, ausgeprägte Phantasie und

Improvisationsfähigkeit zu beobachten!
왘 Vorkommen:
앫 Bei anhaltender Streßsituation infolge permanenter (mentaler) Überforderung
(z. B. durch Reizüberflutung).
앫 Auf neurobiologischer Grundlage in Form einer genetisch bedingten zentralen
Störung (vermutlich Dopamin- und Noradrenalindefizite im synaptischen Spalt).
앫 Bei (diskreter) frühkindlicher Hirnschädigung (s. S. 113).
왘 Hinweis: Hohe Komorbidität mit Anpassungs- und Persönlichkeitsstörungen!

Oligophrenie
.......................................................................................
왘 Synonym: Geistige Behinderung, Minderbegabung, Debilität, Schwachsinn.
왘 Definition: Angeborene oder früherworbene Intelligenzminderung, Intelligenzauf-
baustörung.
왘 Phänomenologie:
Breites Spektrum der intellektuellen Minderbegabung von der leichten Debilität
(bei ca. 0,2 – 0,4% der Bevölkerung) bis zur schwereren Oligophrenie.
앫 Allgemeine Auffälligkeiten: Entwicklungsverzögerung, Lernbehinderung mit
Schwierigkeiten in der Schule, verminderte Konfliktfähigkeit bzw. mangelndes
soziales Anpassungsvermögen mit gelegentlicher Neigung zur Delinquenz.
앫 Leitsymptome im kognitiven Bereich: Urteils- und Kritikschwäche, sprachliche
Ausdrucksmängel, Willensschwäche.
앫 Leitsymptome im psychomotorischen Bereich: Sprech- und Koordinationsstörun-
gen mit psychomotorischer Ungeschicklichkeit, Antriebsschwäche oder auch Un-
ruhe (Erethismus), Verhaltensstörungen, Schwächen im Bereich der epikriti-
schen Intelligenz (Schlußfolgern, Beurteilen, Reproduzieren).
앫 Die Intelligenzeinbußen können quantitativ und qualitativ durch psychometri-
sche Verfahren (s. S. 32 ff) erfasst werden.
앫 Einteilung gemessen am Intelligenzquotienten (IQ nach Wechsler):
– Niedrige Intelligenz: IQ von 70 – 90 Punkten.
– Leichte geistige Behinderung: IQ von 50 – 70 Punkten.
– Deutliche geistige Behinderung: IQ von 35 – 50 Punkten.
– Schwere geistige Behinderung: IQ von 20 – 35 Punkten.
– Hochgradige geistige Behinderung: IQ ⬍ 20 Punkte.
왘 Hinweis: Pseudodebilität liegt vor bei einem Leistungsversagen (trotz ausrei-

chender Begabung) aufgrund ungünstiger Milieuverhältnisse.

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3 3.8 Störungen komplexer kognitiver Leistungen

Vorkommen:
Symptomatik, Leitsymptome, Syndromalogie

앫 Anlagebedingt, mit familiärer Häufung (sog. familiärer Schwachsinn).


앫 Genetisch bedingt (z. B. durch Chromosomenanomalien wie Trisomie 21 = Down-
Syndrom, Klinefelter-Syndrom, Turner-Syndrom, Prader-Willi-Syndrom, gene-
tisch bedingte Enzymdefekte (s. S. 112, frühkindliche Hirnschädigung).
앫 Prä-, peri, - oder postpartale Schädigung mit daraus resultierenden minimalen ze-
rebralen Funktionsstörungen (MCD, s. S. 113).

.Dementielles
. . . . . . . . . . . . . . . . .Syndrom,
. . . . . . . . . . . . . Demenz
........................................................
왘 Definition: Irreversible (meist voranschreitende) Minderung der intellektuellen
Leistungsfähigkeit bei allgemeinem Persönlichkeitsabbau aufgrund zunehmender
Hirnleistungsschwäche.
(Pseudodemenz: Ähnliches Erscheinungsbild ohne organische Ursachen [z. B. bei De-
pression].)
왘 Phänomenologie (vgl. S. 106 hirnorganisches Psychosyndrom):
앫 Beginn meist mit einem Nachlassen der kognitiven Leistungen: Merkschwäche, Ver-
geßlichkeit, Konzentrations- und Orientierungsstörungen, Einbußen an Umstell-
fähigkeit und Reaktionsvermögen, Kritikschwäche.
앫 Im Verlauf allmählich zusätzlich Symptome einer Wesensveränderung: Antriebsstö-
rungen, Minderung an Selbstkontrolle und Taktgefühl, an seelischer Frische und
emotionaler Steuerung, Nachlassen von Pflichtbewusstsein und allgemeinem
Leistungsvermögen, Zuspitzung von Charakterzügen.
앫 Bei weiterer Progredienz: Aphasische, apraktische agnostische Störungen (Werk-
zeugstörungen) und andere neurologische (Herd-)Symptome.
왘 Vorkommen (siehe auch Tabelle 35):
앫 Demenz vom Alzheimer-Typ (s. S. 115) und vaskuläre Demenz (s. S. 123).
앫 Hirnstörungen durch Alkoholismus oder chronische Intoxikation, in ausgepräg-
ter Form als Korsakow-Syndrom (s. S. 222).
앫 Nach schwerer Hirnschädigung, Hirnblutung oder bei raumforderndem zerebra-
lem Prozeß.
(Pseudodemenz ist zu beobachten als phasenabhängige Begleiterscheinung
schwerer Depressionen [depressive Pseudodemenz] und als Zweckreaktion zur
Vortäuschung einer Hirnleistungsschwäche [Ganser-Syndrom, vgl. S. 199].)

Tabelle 35 · Differenzialätiologie des dementiellen Syndroms


.......................................................................................
Verdachtsdiagnose wegweisende Untersuchung
.......................................................................................
degenerative Demenz s. S. 115
vaskuläre Demenz s. S. 123
chron. Alkoholismus Psychostatus, Anamnese, Labor,
(Korsakow-Syndrom) neurol. Untersuchung, CCT, s. S. 222
chronische Intoxikation Psychostatus, Medikamenten-,
Drogenanamnese, -screening (s. S. 21)
Hirnschädigung Psychostatus, Anamnese, klin. Untersuchung,
CCT, MRT, Psychometrie
Pseudodemenz Psychostatus, Anamnese, Verlauf

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3.9 Störungen der Affekte 3

3.9 Störungen der Affekte

Symptomatik, Leitsymptome, Syndromalogie


Affektverarmung
.......................................................................................
왘 Definition: Verlust affektiver Ansprechbarkeit, Störung der Affektmodulation.
왘 Phänomenologie: Eindruck emotionaler Indifferenz: Der Betroffene wirkt affektiv
abgestumpft, in seinen Gefühlsäußerungen flach bis teilnahmslos, wie „eingefro-
ren“, teils auch läppisch. Eine spürbare affektive Resonanz bleibt aus.
왘 Vorkommen (s. Tabelle 36):
앫 Affektive Nivellierung und Verarmung emotionaler Resonanz vor allem bei schi-
zophrenen Psychosen der Simplexform bzw. Hebephrenie (s. S. 165) und inner-
halb psychotischer Residualzustände (s. S. 176).
앫 Auch Patienten mit Demenz und Suchterkrankung erleiden einen Verlust an af-
fektiver Ansprechbarkeit.

Tabelle 36 · Differenzialätiologie der Affektverarmung


.......................................................................................
Verdachtsdiagnose wegweisende Untersuchung
.......................................................................................
schizophrene Psychose Psychostatus, Anamnese (s. S. 165)
(v. a. Hebephrenie)
psychotischer Residualzustand Psychostatus, Anamnese, Katamnese
(s. S. 176)
Demenz Psychostatus, (Fremd-)Anamnese,
neurol., neuropsychologische und intern. Un-
tersuchung, Labor, CCT, MRT, EEG
chronische Suchterkrankung Psychostatus, Anamnese, körperliche Untersu-
chung, Medikamenten- und
Drogenscreening (s. S. 21)

.Parathymie
......................................................................................
왘 Definition: Gefühls- (und Ausdrucks)störung in Form inadäquater oder paradoxer
affektiver Äußerungen.
왘 Phänomenologie: Emotionale Reaktionen, die nicht zu den jeweils vermuteten
Vorstellungsinhalten passen. Das Ausdrucksverhalten (z. B. Mimik) stimmt mit dem
unterstellten Affekt nicht überein (Paramimie).
왘 Vorkommen:
앫 am häufigsten bei Schizophrenie (s. S. 162 ff).
앫 Ferner bei simulierenden oder dissimulierenden Patienten im Rahmen von
Zweck- und Tendenzverhalten (s. S. 199).

Affektlabilität,
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Stimmungslabilität
...................................................................
왘 Definition: Gefühlsstörung in Form eines raschen Wechsels von Emotionen und Ge-
stimmtheit.
왘 Phänomenologie:
앫 Affektlabilität: Kurzfristiges Alternieren von Gefühlsäußerungen (rasches Um-
schlagen eines Affektes z. B. von freudiger Erregtheit zu Weinerlichkeit oder Miss-
mut schon bei geringem Anlaß).
앫 Stimmungslabilität: Schwankungen der Gestimmtheit, die nicht lange anhalten
(„himmelhoch-jauchzend – zu Tode betrübt“).
(Insgesamt Eindruck einer emotionalen Oberflächlichkeit bzw. von Unausgegli-
chenheit und Unreife [Infantilismus].) 97

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3 3.9 Störungen der Affekte

Vorkommen:
Symptomatik, Leitsymptome, Syndromalogie

앫 Affektlabilität kann auftreten bei Hirnschädigung, Demenz und symptomati-


schen Psychosen (s. S. 107, endokrines Psychosyndrom): Anamnese, internisti-
sche und neurologische Untersuchung, Labordiagnostik, CCT, MRT, spezielle Di-
agnostik siehe auch die einzelnen Krankheitsbilder.
앫 Stimmungslabilität kann die vorherrschende Symptomatik einer entsprechender
Persönlichkeitsstörung sein, z. B. bei emotional-instabiler Persönlichkeit
(s. S. 247). Zyklothymia s. S. 187.
왘 Hinweis: Nicht krankhaft bedingt sind affektlabile Phasen während biologischer

Krisenzeiten (z. B. Pubertät, Schwangerschaft, prämenstruell).

Affektinkontinenz
.......................................................................................
왘 Definition: Mangelhafte Affektkontrolle.
왘 Phänomenologie: Schon auf geringfügige Anlässe hin intensive emotionale Reak-
tionen wie z. B. überschießendes Lachen oder heftiges Weinen mit raschem Abklin-
gen. Fließender Übergang zwischen Rührseligkeit, Reizbarkeit, Weinerlichkeit,
Schreckhaftigkeit.
(Abrupte Wutausbrüche beruhen zusätzlich auf mangelhaftem Steuerungsvermö-
gen, vgl. Enthemmung S. 87).
왘 Vorkommen:
앫 überwiegend bei hirnorganischen Schäden (z. B. hirnorganisches Psychosyndrom
nach Schädelhirntrauma, insbesondere Stirnhirnverletzungen) bzw. Demenz und
bei chronischem Alkoholismus.
앫 Körperliche und/oder seelische Erschöpfung.
앫 Reizbar-impulsive Persönlichkeit (s. S. 247).

Angst,
. . . . . . . . . .Panik
.............................................................................
왘 Definition: Deutlich unlustbetonter Gefühlszustand bei Erwartung oder Wahrneh-
mung tatsächlicher oder vermeintlicher Gefährdung (s. Abb. 4).
왘 Phänomenologie:
Zu unterscheiden sind frei flottierende (objektlose) und gebundene (Real-) Angst
(Phobie).
왘 Hinweis: Obwohl sprachlich nicht ganz korrekt, wird der Begriff „Furcht“ meist

synonym verwendet.
앫 Symptome von Ängstlichkeit und latenter Angst (gesteigerte Angstbereitschaft):
– Auf psychischer Ebene: Unsicherheit, Unruhe, Gespanntheit, Schreckhaftigkeit
und Reizbarkeit, Besorgnis, Bedrücktheit und Konzentrationsstörungen.
– Körper- und Vitalsymptome: Hypotonie, Schwindel, Kopfdruck, Magen-Darm-
Beschwerden, Harndrang, Schlafstörungen, Zittern.
앫 Symptome des akuten Angstanfalls (Panik):
– Auf psychischer Ebene: (Todes-)Angst, Agitiertheit oder Stupor, Fahrigkeit, Er-
stickungsgefühl, Derealisations- und Depersonalisationsgefühl, Kontrollver-
lust und Verkennungen.
– Körper- oder Vitalsymptome: Schwitzen, Tachykardie, Herzklopfen (Palpita-
tionen), Hypertonie, Mundtrockenheit, Mydriasis, Übelkeit, Harndrang, Paräs-
thesien und Tremor.
(Allen Formen der Angst gemeinsam ist das Erleben von Hilflosigkeit, Bedro-
hungsgefühl und Unheimlichkeit sowie vegetative Begleiterscheinungen.)
앫 Angstlust wird eine pathologische Verbindung von Lust- oder Befriedigungsge-
fühl bei einer Tätigkeit genannt, die gleichzeitig Angst hervorruft (z. B. „Nerven-
kitzel“ bzw. „Thrill“ bei gefährlichen Unternehmungen).
왘 Vorkommen von unbegründeter oder übersteigerter (abnormer) Angst (siehe auch
Tabelle 37)
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3.9 Störungen der Affekte 3

Symptomatik, Leitsymptome, Syndromalogie


Tabelle 37 · Differenzialätiologie der Angst, Panik
.......................................................................................
Verdachtsdiagnose wegweisende Untersuchung
.......................................................................................
schizophrene Psychose Psychostatus, Anamnese, s. S. 162 ff
depressive Psychose Psychostatus, Anamnese, s. S. 180 ff
Horrortrip Psychostatus, Drogenanamnese,
Drogen- und Medikamentenscreening
(s. S. 21)
Entzugssyndrom Psychostatus, Suchtanamnese, Labor,
intern./neurol. Untersuchung, s. S. 17
(neurotische) Angststörung Psychostatus, Anamnese, s. S. 202
phobische Störung Psychostatus, Anamnese, s. S. 202
Hypochondrie Psychostatus, Anamnese, s. S. 206

Abb. 4 · Formen der Angst

앫 Bei schizophrener und depressiver Psychose (vor allem in Form von wahnhaften
Ängsten).
앫 Unter Drogeneinnahme (Horrortrip).
앫 Im Rahmen eines Entzugssyndroms (s. S. 81, 309, Delir).
앫 In chronifizierter Form bei Angstneurose bzw. Angsterkrankung, im Intervall zwi-
schen Panikattacken (s. S. 204), als Erwartungsangst bei phobischen Störungen
und bei Hypochondrie.

.Phobie
......................................................................................
왘 Definition: Zwanghaft und stereotyp auftretende, objekt- und/oder situationsge-
bundene Befürchtung, die sich bis zur Panik (s. S. 98) steigern kann.
왘 Phänomenologie: Gebundenheit des Angsterlebens an bestimmte Objekte (z. B.
Tierphobie) oder an situative und räumliche Gegebenheiten (z. B. soziale Phobie,
Raumangst bzw. Platzangst).
99

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3 3.9 Störungen der Affekte

Entgegen eigener Einsicht drängen sich irrationale Angstvorstellungen zwanghaft


Symptomatik, Leitsymptome, Syndromalogie

auf, verbunden mit dem intensiven Wunsch, die angstauslösende Situation zu ver-
lassen bzw. zu vermeiden. (Hierdurch kommt es vorübergehend zu einer Angstre-
duzierung, jedoch bei Wiederholung aufgrund lernpsychologischer Gesetzmäßig-
keiten zu einer Angstzunahme.)
앫 Begleitende Symptome: Grübeln, Niedergeschlagenheit, allgemeine Ängstlichkeit.
앫 Beispiele bzw. Sonderformen:
– Phobophobie: Bezeichnung für die Furcht vor erneuten Angstanfällen.
– Herzphobie: Herzangstsyndrom, das durch eine panikartige, unbegründetet
Befürchtung gekennzeichnet ist, an einem plötzlichen Herztod zu sterben.
왘 Vorkommen:
앫 In leichter, passagerer Form sind Zwangsbefürchtungen weit verbreitet.
앫 Überdauernde, die Lebensqualität des Patienten einschränkende Befürchtungen
sind Kennzeichen einer Angst- oder Zwangserkrankung (phobische Neurose,
Zwangsneurose s. S. 202, 211).

.Hypochondrie
......................................................................................
왘 Definition: Nicht begründete, hartnäckige Befürchtung, krank zu sein.
왘 Phänomenologie: Kontinuierliche ängstliche Selbstbeobachtung der Körperfunk-
tionen, verbunden mit einer Überbewertung fraglicher Krankheitszeichen bzw. ei-
ner unrealistischen Interpretation von Körperempfindungen. Der Gesundheitszu-
stand wird durch wiederholte Arztbesuche kontrolliert, wobei nach vorübergehen-
der Beruhigung bei negativen Befunden bald neue Zweifel und Besorgnisse folgen.
Informationen über Krankheiten führen meist zu einer Verstärkung der hypochon-
drischen Grundeinstellung.
앫 Häufig sind andersartige (insbesondere phobische, s. S. 202) Ängste und subde-
pressive Verstimmungen assoziiert.
왘 Vorkommen (s. Tabelle 38):
앫 Im Rahmen von Angstkrankheiten bzw. neurotischen und Anpassungsstörungen
(z. B. als Herzphobie oder AIDS-Phobie), vor allem dann, wenn eine ängstlich-
überbesorgte Grundhaltung bei entsprechender Primärpersönlichkeit vorliegt,
z. B. asthenische oder ängstlich-vermeidende Persönlichkeit (hypochondrische
Neurose s. S. 206).
앫 Wahnhafte hypochondrische Inhalte finden sich sehr häufig bei psychotischer
Depression bzw. Involutionsdepression (s. S. 188), gekennzeichnet durch die un-
korrigierbare Vorstellung, unheilbar krank zu sein.
앫 Bei zirkumskripter Hypochondrie mit isolierten Leibgefühlsstörungen treten hy-
pochondrisch verarbeitete Missempfindungen in umschriebenen Körperberei-
chen auf.

Tabelle 38 · Differenzialätiologie der Hypochondrie


.......................................................................................
Verdachtsdiagnose wegweisende Untersuchung
.......................................................................................
Angsterkrankung bzw. Anpassungs- Psychostatus, Anamnese, s. S. 192, 201
störung
psychotische Depression Psychostatus, Anamnese, s. S. 182
Involutionsdepression Psychostatus, Anamnese, s. S. 188
zirkumskripte Hypochondrie Psychostatus, Anamnese, somatische Diag-
nostik entsprechend der klinischen Sympto-
matik, s. S. 206
Begleitsymptomatik schizophrener Psychose Psychostatus, Anamnese (s. S. 176)
100

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3.9 Störungen der Affekte 3
앫 Zum Teil abstruse hypochondrische Wahnideen mit bizarren zönästhetischen

Symptomatik, Leitsymptome, Syndromalogie


Symptomen zeigen sich gelegentlich im Rahmen schizophrener Psychosen
(s. S. 176).

.Depressives
. . . . . . . . . . . . . . . .Syndrom
......................................................................
왘 Definition: Zustand von Bedrücktheit und Antriebsminderung (vgl. S. 85).
왘 Phänomenologie:
앫 Psychische Ebene: Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit und Pessimismus,
Verzweiflung, Nihilismus, innere Leere, Interessenverlust, Anhedonie, Angstge-
fühl, Insuffizienz- und Schuldgefühl, Grübeln, Suizidalität, Gedächtnis- und Kon-
zentrationseinbußen.
앫 Psychomotorischer Bereich: Antriebshemmung bis zum Stupor oder – bei agitier-
ter Depression – ausgeprägte Unruhe.
앫 Vitalfunktionen: Schlafstörungen, Müdigkeit und Erschöpfungsgefühl, Hypoto-
nie, Inappetenz und Gewichtsverlust, Obstipation, Abnahme von Libido und Po-
tenz (Vitalstörungen).
앫 Körpermissempfindungen: Druckgefühl im Kopf-, Brust- und Bauchbereich, Glo-
busgefühl. Diffuse dumpfe Schmerzen in den Gliedmaßen.
왘 Vorkommen (siehe auch Tabelle 39):
앫 Bei Depression (major) und depressiver Neurose (Dysthymia, s. S. 209).
앫 Im Verlauf schizophrener Psychosen meist begleitend in weniger intensiv ausge-
prägter Form („postremissives Erschöpfungssyndrom“, s. S. 176).
앫 Als depressives Durchgangssyndrom:
– Bei organisch begründbarer Störung (s. S. 148 ff, S. 113 ff).
– Im Rahmen einer demenziellen Erkrankung (s. S. 115 ff).
– Bei chronischem Alkoholismus (s. S. 220).
앫 Als sekundäre oder symptomatische Depression: Bei anderen Körpererkrankungen,
z. B. bei Herzinsuffizienz, Hypertonie, endokrinen Erkrankungen, unter medika-
mentöser Therapie.

Tabelle 39 · Differenzialätiologie des depressiven Syndroms


.......................................................................................
Verdachtsdiagnose wegweisende Untersuchung
.......................................................................................
psychotische Depression Psychostatus, Anamnese
neurotische Depression, Dysthymia Psychostatus, Anamnese, Befund,
Persönlichkeitstests
postremissives Erschöpfungs- Psychostatus, Schizophrene Psychose in der
syndrom Anamnese, zeitlicher Zusammenhang
depressives Durchgangssyndrom Psychostatus, Anamnese, (Alkohol?), körper-
liche Untersuchung, neuropsychologische
Testung, Labor, CCT, MRT, EEG
organische (symptomatische) Depression Psychostatus, Anamnese, körperl. Befund,
Labor, CCT, MRT s. S. 148

.Suizidalität/präsuizidales
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Syndrom
....................................................
왘 Definition: Absicht zur Selbsttötung mit entsprechenden Phantasien und Impulsen
(vgl. S. 308).
왘 Phänomenologie:
앫 Suizidale Anzeichen: Äußerungen über Gefühle von Resignation und Hoffnungslo-
sigkeit in Verbindung mit Niedergeschlagenheit, Grübeln und Lebensüberdruss, 101

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3 3.9 Störungen der Affekte

zunehmende Todesphantasien und schließlich vorbereitende Handlungen (z. B.


Symptomatik, Leitsymptome, Syndromalogie

Sammeln von Tabletten!).


앫 Vorausgehend (präsuizidales Syndrom): Meist Einengung und Isolation, Rückzug,
Aggressionshemmung bzw. gegen die eigene Person gerichtete Aggressivität so-
wie Selbsttötungsphantasien, Schlafstörungen mit selbstdestruktiven Träumen.
앫 Suizidhandlung: Konkreter Versuch der Selbstbeschädigung mit dem Ziel der
Selbstvernichtung. Suizidversuche (Parasuizide) sind etwa 10-mal häufiger als
vollendete Suizide. Hohes Wiederholungsrisiko!
왘 Vorkommen:
앫 Suizidalität, Suizidversuche und Suizide gibt es am häufigsten bei depressiver
Psychose und beginnender Schizophrenie, gelegentlich raptusartig (plötzlich sich
aufdrängend) und in imperativer Form, sowie bei chronischem Alkoholismus
bzw. Suchterkrankung und Borderline-Persönlichkeit.
(Zu „Bilanzsuiziden“ kann es bei ausweglos erscheinenden Situationen bzw. Le-
benskrisen mit persönlichen und sozialen Schwierigkeiten kommen.)
앫 Ein erhöhtes Suizidrisiko besteht bei (vgl. S. 308): Jugendlichen, älteren (vor allem
alleinstehenden) Menschen, Suchtkranken, unheilbar chronisch Kranken, Ver-
lusterlebnissen und anderen krisenhaften Lebensveränderungen (z. B. Woh-
nungswechsel, Pensionierung, Ehescheidung).
(Suizidalität tritt gehäuft in den unteren und oberen sozialen Schichten der In-
dustrieländer auf [v. a. in Städten].)
왘 Hinweis: Als Lebensschutzgarant macht sich der Arzt in besonderer Weise der Tö-

tung durch Unterlassen strafbar, wenn er einen Patienten nicht an einer suizida-
len Handlung hindert!

.Maniformes
. . . . . . . . . . . . . . . .Syndrom
......................................................................
왘 Definition: Krankhafte, unbegründet gehobene Stimmungslage, meist einherge-
hend mit Antriebssteigerung (vgl. S. 86).
왘 Phänomenologie:
앫 Psychische Ebene: Heitere Gestimmtheit, gesteigertes Selbstwertgefühl mit
Selbstüberschätzung bis zum Größenwahn, erhöhte Ablenkbarkeit und vermehr-
te Anregbarkeit, Ideenflüchtigkeit bis zur Denkinkohärenz.
앫 Psychomotorischer Bereich: Beschäftigungs- und Rededrang, Umtriebigkeit bis
zum Erregungszustand.
앫 Vitalbereich: Besonderes körperliches Wohlbefinden, erhöhtes Leistungsgefühl
mit reduzierter Ermüdbarkeit, vermindertes Schlafbedürfnis, gesteigerte Libido.
왘 Sonderformen:
앫 Gereizte Manie: Umtriebigkeit mit dysphorisch-gereizter Stimmung.
앫 Stille Manie: Grundlos heiter-gehobene Stimmungslage bei ruhigem Verhalten.
왘 Vorkommen (vgl. Tabelle 40):
앫 Manische Phase im Rahmen einer bipolar-affektiven Störung (s. S. 187) oder schi-
zoaffektiven Mischpsychose (s. S. 178).
앫 Maniforme Symptome bei Hirnerkrankung (z. B. Stirnhirntumor, hirnatrophische
Prozesse, progressive Paralyse).
앫 im Rausch.
앫 Im Verlauf einer schizophrenen Psychose.
(Betriebsamkeit, Distanzminderung, oberflächlicher Optimismus und Neigung
zu Selbstüberschätzung sind Merkmale der hyperthymen Persönlichkeit
[s. S. 244].)

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3.10 Erschöpfungssyndrom 3

Symptomatik, Leitsymptome, Syndromalogie


Tabelle 40 · Differenzialätiologie des maniformen Syndroms
.......................................................................................
Verdachtsdiagnose wegweisende Untersuchung
.......................................................................................
manische Phase einer bipolar- Psychostatus, Anamnese, s. S. 187
affektiven Störung
schizophrene Psychose Psychostatus, (Fremd-)Anamnese, s. S. 162 ff
hirnorganische Erkrankung Psychostatus, neurologische und internistische Unter-
suchung, CCT, EEG, Dopplersonographie,
vgl. S. 113 ff
Rausch, Intoxikation Psychostatus, Drogen-, Medikamentenanamnese und
-screening, körperl. Untersuchung
hyperthyme Persönlichkeit Psychostatus, Persönlichkeitstests, vgl. S. 244

Aggressivität
. . . . . . . . . . . . . . . . . . (Hostilitätssyndrom)
.....................................................................
왘 Definition: Angriffsimpulse und -verhalten einschließlich entsprechender Phanta-
sien und Impulse; Feindseligkeit.
왘 Phänomenologie:
Aggressives Verhalten zielt ab auf Beschädigung oder Vernichtung von Personen
oder Gegenständen in folgenden Erscheinungsformen:
– Verbaler Bereich: Beschimpfungen, Beleidigungen, aber auch in subtiler Form:
Kritik, Ironie, Herabsetzung, Mobbing.
– Handlungsbereich: Wutausbrüche mit Gewalttätigkeiten, Erregtheit, in subti-
lerer Form kleinere Sachbeschädigungen.
앫 Latente Aggressivität (Hostilität): Gekennzeichnet durch aggressive Phantasien
und Vorstellungen in Bezug auf bestimmte Handlungen und Objekte.
(Bei Hemmung der aggressiven Abfuhr nach außen durch äußere Widerstände
[z. B. Sanktionen, Verbote] kann sich die Gerichtetheit der Aggressivität umkeh-
ren gegen die eigene Person [Autoaggressivität], in letzter Konsequenz bis zum
Suizid.)
왘 Vorkommen:
앫 Bei dissozialen, stimmungslabilen und vermehrt erregbaren Personen (Persön-
lichkeitsstörung, s. S. 240 ff). Alkohol wirkt aggressionslösend!
앫 Bei organischem Psychosyndrom, insbesondere frühkindlicher Hirnschädigung,
findet sich oft eine erhöhte Reizbarkeit mit begleitenden Wutausbrüchen.
앫 Während epileptischem Dämmerzustand und unter Drogeneinwirkung können
unberechenbare Gewalttätigkeiten vorkommen.
앫 Gereizte Form der Manie (s. S. 185).
앫 Ziellose Aggressivität während katatoner Erregungszustände (s. S. 170).
왘 Hinweis: Das allgemeine Notwehrrecht (§ 32 Ab S. II StGB) ist gegenüber aggressi-

ven psychisch Kranken eingeschränkt: Einem Angriff ist möglichst schonend zu


begegnen – unzulässig ist z. B. eine Verteidigungshaltung, die den Patienten in ei-
ne hilflose Lage bringt und zu Gesundheitsschäden führt.

3.10 Erschöpfungssyndrom
Grundlagen
.......................................................................................
왘 Synonyme: Chronic Fatigue Syndrome (CFS). Neurasthenie (s. S. 242).
왘 Definition: Syndrom, bei dem eine vermehrte Erschöpfbarkeit im Vordergrund
steht. 103

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3 3.11 Indoktrinationssyndrom

Vorkommen:
Symptomatik, Leitsymptome, Syndromalogie

앫 Bei konsumierender körperlicher Erkrankung (z. B. Tumorleiden, unter Strahlen-


oder Chemotherapie).
앫 Postinfektiös („pseudoneurasthenisch“).
앫 Bei chronischer Überlastung („Burn-out-Syndrom“).
앫 Als Persönlichkeitsvariante (s. S. 242).
앫 Bei Dysthymia (s. S. 209).
앫 Bei larvierter Depression (s. S. 183).
앫 Als Symptom bei somatoformer Störung (s. S. 281 ff).
앫 Bei chronischem Drogen- oder Medikamentenmissbrauch (s. S. 217 ff).
앫 Als „postremissives Erschöpfungssyndrom“ nach psychotischem Schub (s. S. 176).

.Phänomenologie
......................................................................................
왘 Bereits unter geringen körperlichen und/oder psychischen Belastungen zeigen sich
Kraftlosigkeit, rasche Ermüdung, geringe Ausdauer, Desinteresse und Antriebs-
schwäche (s. auch asthenische Persönlichkeit S. 242).
왘 Zusätzlich bestehen das Gefühl chronischer Abgespanntheit und Erholungsbedürf-
tigkeit, sowie Anhedonie, vermehrte Geruchs- und Geräuschempfindlichkeit, Kon-
zentrations- und Gedächtnisschwäche.
왘 Es kommt zu vielfältigen körperlichen Missempfindungen (z. B. Kopfschmerz,
Schwindel, Muskel- und Gelenkschmerzen), sowie häufig auch zu hypochondri-
schen Besorgnissen (s. S. 256).

3.11 Indoktrinationssyndrom
Grundlagen
.......................................................................................
왘 Definition: Objektiv falsche Vorstellungen und Überzeugungen, die mittels „Hirn-
wäsche“ erzeugt werden.
왘 Vorkommen:
앫 Auf psychiatrischem Gebiet bekannt als „induziertes Irresein“ („Folie à deux“,
s. S. 92) bzw. bei der Massenhysterie.
앫 Methode der Einflussnahme aus ideologischen Gründen (z. B. in Jugendsekten
oder anderen destruktiven Psychokulten).
앫 In totalitären politischen Systemen als Mittel der Kontrolle und Machtausübung.
왘 Angewendete Methoden:
앫 z. B. Isolierung, Sinnesdeprivation, körperliche Folter einschließlich Entzug von
Schlaf, Speisen und Getränken.
앫 Überflutung mit Suggestivformeln, insbesondere innerhalb von Gruppenaktivi-
täten, gelenkte Gruppendiskussionen, Belohnung erwünschter Reaktionen (Kon-
ditionierung).

.Phänomenologie:
......................................................................................
왘 Auf den ersten Blick stabil erscheinende Grundüberzeugungen und -gesinnungen
werden durch Indoktrination in eine andere, gewünschte Richtung gelenkt bzw. so-
gar weitgehend modifiziert (in Abhängigkeit von der geistig-seelischen Verfassung
und Persönlichkeitsstruktur der betroffenen Person, z. B. höheres Risiko bei selbst-
unsicherer oder anlehnungsbedürftiger Persönlichkeit).
왘 Mögliche Folgen der systematischen Indoktrination:
앫 Veränderungen der Wahrnehmung: z. B. in Form von Verkennung, Reizüberemp-
findlichkeit oder Abstumpfung, Nivellierung.

104

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3.12 Ich-Störungen 3
앫 Veränderungen des Auffassens und Begreifens: z. B. in Form von Einengung, Ver-

Symptomatik, Leitsymptome, Syndromalogie


langsamung.
앫 Veränderungen des Denkens und Urteilens: z. B. in Form von Einseitigkeit, Kritik-
schwäche, übertriebener Selbstkritik, Fanatismus.
앫 Verhaltensänderung: z. B. in Form von Apathie, Hassgefühl, Aspontaneität, Hilflo-
sigkeit, Erstarrung, Rigidität, gruppenkonformem Verhalten.
(Die Gesamtpersönlichkeit kann völlig verändert wirken und ist erheblich einge-
schränkt in der Fähigkeit zur unvoreingenommenen Diskussion und kritischen
Abwägung.)

3.12 Ich-Störungen
Grundlagen
.......................................................................................
왘 Definition: Beeinträchtigung des Erlebens der eigenen personalen Identität (Mein-
haftigkeit).
왘 Vorkommen: Siehe Tabelle 41.

Tabelle 41 · Ich-Störungen
.......................................................................................
Ich-Störung Beschreibung Vorkommen
.......................................................................................
Depersonalisation das Ich oder einzelne Körperteile Schizophrenie (s. S. 162 ff)
werden als fremd oder nicht zu- Depression (s. S. 182 ff)
gehörig empfunden Panikattacken (s. S. 204)
Rauschdrogen (s. S. 231)
Erschöpfungszustand (s. S. 197)
.......................................................................................
Derealisation die Umgebung erscheint unwirk- Persönlichkeits-
lich, fremd oder verändert (auch störung (s. S. 240 ff)
das Zeitgefühl) Depression (s. S. 182 ff)
Panikattacke (s. S. 204)
Erschöpfung (s. S. 197)
.......................................................................................
Gedankenentzug Gefühl, dass Gedanken entzogen Symptom 1. Ranges bei
oder weggenommen werden Schizophrenie
.......................................................................................
Gedankenein- Gefühl, dass Gedanken und Vor- Symptom 1. Ranges bei
gebung stellungen von außen her einge- Schizophrenie
geben, gelenkt und beeinflusst
werden
.......................................................................................
Gedankenaus- Gefühl, dass Gedanken nicht Symptom 1. Ranges bei
breitung mehr Eigentum sind, sondern Schizophrenie
dass andere daran Anteil haben
.......................................................................................
Transitivismus Projektion eigenen Psychose (s. S. 162 ff)
Krankseins auf andere Persönlichkeitsstörung
(s. S. 240 ff)
.......................................................................................
Verkennungen Bekanntes wird als unwirklich Anpassungsstörung (s. S. 192 ff)
und fremdartig wahrgenommen Erschöpfung
Depression (s. S. 182 ff)

105

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3 3.13 Organische Psychosyndrome

.Phänomenologie
Symptomatik, Leitsymptome, Syndromalogie

......................................................................................
왘 Die eigene Person bzw. ihre Funktionen werden als fremd erlebt. Darüber hinaus
kommt es zu einer Verwischung der Ich-/Umweltgrenzen mit Verlust des Meinhaf-
tigkeitserlebens.
왘 Zu unterscheiden sind (s. Tab. 41)
앫 Entfremdungserlebnisse: Depersonalisation und Derealisation.
앫 Beeinflussungserlebnisse: Gedankenentzug, Gedankeneingebung, Gedankenaus-
breitung, Fremdsteuerung (Charakter des „Gemachten“).
앫 Transitivismus.
앫 Verkennungen.

3.13 Organische Psychosyndrome

.Durchgangssyndrom
......................................................................................
왘 Definition: Reversible, körperlich begründbare Psychose.
왘 Phänomenologie: Durchgangssyndrome erscheinen meist als qualitative Bewusst-
seinsstörungen (s. S. 79). Je nach psychopathologischen Auffälligkeiten sind zu un-
terscheiden:
앫 Aspontanes Durchgangssyndrom: Überwiegen von Antriebsschwäche.
앫 Amnestisches Durchgangssyndrom: Vorherrschen von Gedächtniseinbußen.
앫 Affektives Durchgangssyndrom: Akzentuierung maniformer oder depressiver
Symptome.
앫 Paranoid-halluzinatorisches Durchgangssyndrom (synonym: „Funktionspsycho-
se“): zusätzliche Wahnsymptome und/oder Sinnestäuschungen.
(Dauer: Tage bis Wochen.)
왘 Vorkommen (insgesamt sehr unspezifische und heterogene Ätiologie):
앫 Folge traumatischer, toxischer, entzündlicher oder vaskulärer Hirnschädigung.
앫 Symptomatische Psychose während schwerer metabolischer, endokriner, kardia-
ler und Vergiftungserkrankungen sowie postoperativ (häufig zu beobachten auf
den internistischen und chirurgischen Intensivstationen).

.Hirnorganisches
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Psychosyndrom
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(HOPS)
...........................................
왘 Definition: Diffuse, wechselhaft ausgeprägte psychische Veränderungen als Aus-
druck von Hirnleistungsschwäche, die reversibel oder irreversibel sein können.
왘 Phänomenologie:
앫 Leitsymptome im kognitiven Bereich: Mnestische und konzentrative Einbußen,
Auffassungs- und Orientierungsstörungen, Verwirrtheit, Urteilsschwäche, Kritik-
losigkeit, Umstellungserschwerung.
앫 Im emotionalen und Antriebsbereich: Erschöpfungsgefühl, Antriebsminderung,
psychomotorische Verlangsamung, Affektlabilität und -inkontinenz, Reizbarkeit,
Depressivität.
앫 Im Persönlichkeitsbereich: Kritikschwäche, Nivellierung, Entdifferenzierung mit
Wesensänderung, Distanzminderung, Dissozialität.
왘 Abgrenzung zum Durchgangssyndrom (s. o.): Keine qualitative Bewusstseins-
störung! (z. B. kein Wahn, keine Halluzinationen, längere Dauer, meist chronisch).
왘 Vorkommen:
앫 Diffuse, akute oder chronische Hirnschädigung, auch im Rahmen von Anfallslei-
den.
앫 Andere Beeinträchtigung der Hirnleistung (z. B. Drogenintoxikation, Alkoholis-
mus, nach CO-Vergiftung).
106

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3.13 Organische Psychosyndrome 3
앫 Nach schwerem Infekt, Exsikkose, Herzinsuffizienz, schwerer Leber- oder Nieren-

Symptomatik, Leitsymptome, Syndromalogie


funktionsstörung.
(Anhaltende Schädigungen führen schließlich zu irreversiblen Veränderungen
der Gesamtpersönlichkeit mit den Zeichen der hirnorganischen Wesensverände-
rungen bzw. Demenz [s. S. 113 ff].)
왘 Hinweis: Vom diffusen hirnorganischen Psychosyndrom ist das hirnlokale Psy-

chosyndrom als Ausdruck lokalisierter Hirnschädigung zu unterscheiden. Es zeigt


sich in wechselhaften Antriebsstörungen und Verstimmungen. (Vorkommen z. B.
bei Enzephalitis, Hirntumoren oder zu Beginn der Chorea Huntington.)

.Entzugssyndrom
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(Abstinenzsyndrom)
................................................................
왘 Definition: Körperliche und/oder psychische Beschwerden bei Entzug von psycho-
tropen Substanzen.
왘 Phänomenologie:
앫 Vielfältige Symptome nach Absetzen von Alkohol, Drogen oder bestimmten Me-
dikamenten nach längerem Konsum:
– Körperliche Entzugssymptome sind meist Unruhe, Tremor, Schwitzen, Tachy-
kardie und andere vegetative Symptome, Schlafstörungen und delirante An-
zeichen.
– Psychische Symptome zeigen sich als Angstgefühl, Reizbarkeit, Depressivität.
앫 Je nach Substanz kommt es zu körperlichen und/oder zu psychischen Sympto-
men:
– Körperliche und psychische Symptome: Alkohol (s. S. 217 ff), Opiate (s. S. 227 f),
Benzodiazepine (s. S. 234 ff), Analgetika (s. S. 236), Barbiturate (s. S. 235), Niko-
tin (s. S. 237).
– Körperliche (und psychische?) Symptome: Cannabis (s. S. 226).
– Psychische Symptome: Stimulanzien (s. S. 232), Kokain (s. S. 249), Halluzinoge-
ne (s. S. 231 ff), Schnüffelstoffe (s. S. 239 f).
왘 Vorkommen: Bei Suchterkrankungen (insbesondere Alkoholismus und Abhängig-
keit von „harten Drogen“ – s. S. 217 ff, 227 ff).
왘 Hinweis: Vom Entzugssyndrom abzugrenzen sind Befindlichkeitsstörungen wie An-
gespanntheit, Reizbarkeit und Dysphorie, die bei einer Unterbrechung süchtigen
Verhaltens auftreten (dazu zählen z. B. Poriomanie (s. S. 258), Pyromanie (s. S. 261)
und vor allem pathologisches Spielen [s. S. 259]).

.Endokrines
. . . . . . . . . . . . . . .Psychosyndrom
.......................................................................
왘 Definition: Psychische Veränderungen aufgrund hormoneller Störungen bzw. einer
Endokrinopathie.
왘 Phänomenologie: Die meisten endokrinen Erkrankungen können mit psychischen
Symptomen in verschiedener Ausprägung einhergehen, die vor allem Antriebsver-
halten und Gestimmtheit betreffen, aber auch Auswirkungen auf Vitalfunktionen
wie Motorik, Appetit, Schlaf und Sexualität haben.
왘 Vorkommen: Siehe Tabelle 42.

Algogenes
. . . . . . . . . . . . . . .Psychosyndrom
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .(Schmerzsyndrom)
...................................................
왘 Definition: Erhebliche psychische Veränderungen aufgrund chronischer Schmer-
zen.
왘 Phänomenologie: Infolge einer engen Verknüpfung von psychischen und somati-
schen Faktoren kann es unter anhaltenden, schweren Schmerzzuständen zu folgen-
den psychischen Reaktionen kommen:
앫 Zunahme der Schmerzwahrnehmung bei gesteigerter Empfindlichkeit, erhöhter
Vigilanz, Affektlabilität, Angespanntheit, Erwartungsangst, Absinken der
Schmerzschwelle und der Schmerztoleranz. Steigerung des Analgetikaverbrauchs. 107

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3
Symptomatik, Leitsymptome, Syndromalogie 3.14 Schlafstörungen

Tabelle 42 · Endokrinopathie als Ursache psychischer Veränderungen


.......................................................................................
endokrine Störung mögliche psychische Auffällig- wegweisende Untersuchungen
keiten
.......................................................................................
Hypothyreose Apathie, Pseudodemenz, Anamnese, TSH (ggf. T3, T4),
Depressivität somatischer Befund
Hyperthyreose Unruhe und Agitiertheit, mani- s. o.
forme Symptome, Reizbarkeit
Prolaktinüberschuss Stimmungslabilität, Medikamentenanamnese, Krea-
wahnhafte Symptome tinin, TSH-basal, Prolaktin i. S.,
MRT(CCT) zur Darstellung der
Sella/Hypophysenregion
Östrogenmangel Müdigkeit, Depressivität, Libi- Medikamentenanamnese,
doverlust, Reizbarkeit (Klimak- Östrogenbestimmung i. S.
terium, prämenstruelles Syn-
drom)
Östrogenüberschuss Unruhe, gesteigerte sexuelle s. o.
Appetenz, Hochstimmung
Testosteronmangel Müdigkeit, Antriebsminderung, Testosteronbestimmung i. S.
Anhedonie, Libidominderung
Testosteronüberschuss Unruhe, Reizbarkeit, Hyper- Testosteronbestimmung i. S.
sexualität, Aggresivität
ACTH- oder Cortison- Antriebsmangel, Depressivität, Medikamentenanamnese, Dexa-
überschuss Psychosen methason-Kurztest, Cortisol im
24-h-Urin, ACTH basal
Nebennierenrinden- Müdigkeit, Kachexie, Medikamentenanamnese,
insuffizienz Depression Na+앗, K+앖, ACTH-Kurztest,
(Morbus Addison) ACTH basal

앫 Schließlich dysphorisch-depressive Dauerverstimmung, „Zermürbungsgefühl“,


Apathie, Denkhemmung und Introversion, Rückzug, Verzweiflung Suizidalität.
왘 Vorkommen:
앫 Kontinuierliche, schwere Schmerzsyndrome besonders bei Neuralgien, Tumor-
schmerz, degenerativen Gelenkserkrankungen und Phantomschmerz.
앫 Hiervon zu unterscheiden:
– Psychogene Schmerzen, z. B. bei depressiver Störung (somatisierte Depressi-
on) oder zoenästhetischer Schizophrenie (s. S. 162 ff).
– Medikamenteninduzierte Schmerzen finden sich gehäuft bei Kopfschmerzpa-
tienten (z. B. als sog. Analgetika-Kopfschmerz).

3.14 Schlafstörungen
Grundlagen
.......................................................................................
왘 Definition: Mangel an Dauer (Insomnie) und/oder Qualität des Schlafes (Dysomnie,
Parasomnie) mit Leistungsminderung und Befindlichkeitsstörungen (vgl. auch
S. 279 ff).
왘 Vorkommen:
앫 Nicht krankheitsbedingt: Schlafstörung infolge Überstimulation durch abendliche
108 Erlebnisreize, Stimulanzieneinnahme (Koffein!) oder unter psychischem Stress.

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3.15 Seelische Behinderung 3
앫 Krankheitsbedingt: Alle Erkrankungen mit körperlicher Beeinträchtigung (z. B.

Symptomatik, Leitsymptome, Syndromalogie


Schmerz, Fieber, Organfunktionsstörungen).
앫 Erlebnisreaktion und Belastungsstörung, neurotische und Anpassungsstörung (in
spezieller Form als Schlafangst).
앫 Alkohol- oder Medikamentenmissbrauch.
앫 Depression (häufig in Form von Durchschlafstörungen mit Früherwachen und an-
schließendem „Morgentief“).
앫 Folge einer Hirnfunktionsstörung bzw. im Rahmen zerebraler Durchblutungsstö-
rungen (mit nächtlicher Unruhe und Verwirrtheit).
앫 Kleine-Levin-Syndrom (Hypersomnie-Bulimie-Syndrom).

.Phänomenologie
......................................................................................
왘 Klinisch häufige Manifestationsformen siehe Tabelle 43.
왘 Hinweis: Die Schlafmenge als Qualitätsparameter ergibt sich aus dem Produkt

von Schlafdauer und -tiefe.

Tabelle 43 · Klassifikation von Schlafstörungen


.......................................................................................
Dyssomnie Parasomnie
.......................................................................................
– Einschlafstörungen (meist verbunden mit – Schlafwandeln (Somnambulismus),
innerer Unruhe, Grübeleien oder Angst- – nächtliches Aufschrecken
gefühlen) (Pavor nocturnus)
– Durchschlafstörungen (mit unruhigem, – Angstträume
zerhacktem Schlaf und leichter Erweckbar- – nächtliches Einnässen
keit) (Enuresis nocturna)
– Hypersomnie (Schlafsucht) (mit überlan- – nächtliches Zähneknirschen (Bruxismus)
ger Schlafdauer sowie Schläfrigkeit oder
Schlafattacken am Tag)
– Schlaf-Apnoe-Syndrom
– Narkolepsie
– Restless-legs-Syndrom

3.15 Seelische Behinderung


Grundlagen
.......................................................................................
왘 Synonyme: Psychische Behinderung, sekundäre Behinderung.
왘 Definition: Globale Beeinträchtigung der geistigen und sozialen Leistungsfähigkeit
durch eine psychische Erkrankung.
왘 Vorkommen (außer im Rahmen einer körperlichen Erkrankung):
앫 Als angeborene oder früh erworbene (Hirn-)schädigung (s. S. 113 ff).
앫 Als Folge einer Hirnverletzung oder Hirnerkrankung (s. S. 113 ff).
앫 Bei chronischer Psychose mit Residuum (s. S. 162 ff).
앫 Bei chronischer Suchterkrankung (s. S. 217 ff).
앫 Bei allen Arten von Demenz (s. S. 115 ff).

109

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3 3.15 Seelische Behinderung

.Phänomenologie
Symptomatik, Leitsymptome, Syndromalogie

......................................................................................
왘 Komplex von geistig-seelischen (sozialrechtlich definierten) Einschränkungen in-
folge dauerhafter Funktionsbeeinträchtigungen.
왘 Das Behinderungskonzept der WHO unterscheidet:
앫 Schaden („Impairment“).
앫 Soziale Beeinträchtigung („Handicap“).
앫 Funktionelle Einschränkung („Disability“).
왘 Merkmale der seelischen Behinderung:
앫 Kognitive Funktionseinschränkungen und Wahrnehmungsschwächen.
앫 Affektive Störungen.
앫 Defizite oder Desintegration bezüglich Antrieb, Motivation und Volition.
앫 Agnosien, Apraxien, Koordinationsstörungen, motorische Unbeholfenheit und
Ungeschicklichkeit.
앫 Verhaltensstörungen mit dadurch bedingten Mängeln an sozialer Kompetenz.
Anpassungsprobleme und verminderte soziale Flexibilität.
왘 Hinweis: Eine Schwerbehinderung liegt laut Schwerbehindertengesetz (SchwbG)
vor, wenn der Grad der Behinderung (GdB) mehr als 50% der üblicherweise vorhan-
denen geistigen oder seelischen Funktionen betrifft. (Etwa mittelgradige soziale An-
passungsschwierigkeiten bei Psychose, Sucht oder Neurose.)
왘 Einstufung der Behinderung: Eine Einstufung der Behinderung kann mithilfe des
Barthel-Index erfolgen; beurteilt werden die folgenden Funktionen:
앫 Essen und Trinken.
앫 Aufstehen, Aufsitzen.
앫 Persönliche Körperpflege.
앫 Toilettenbenutzung.
앫 Einfaches Gehen.
앫 Fortbewegung mit dem Rollstuhl.
앫 Treppensteigen.
앫 An- und Auskleiden.
앫 Darmkontrolle.
앫 Blasenkontrolle.

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4.1 Klassifikation der Krankheitsbilder nach ICD-10: Übersicht 4

4 Klassifikation der Krankheitsbilder nach

Klassifikation der Krankheitsbilder nach ICD-10: Übersicht


ICD-10: Übersicht

4.1 Klassifikation der Krankheitsbilder nach


ICD-10: Übersicht
Übersicht
.......................................................................................
Die im Folgenden beschriebenen Krankheitsbilder sind abschnittsweise gegliedert und
in sinnvollen Zusammenhängen beschrieben. Dabei wird ein Kompromiss angestrebt
einerseits zwischen der traditionellen (deutschsprachigen) Psychiatrie, die sich noso-
logisch an Hypothesen zu Ätiologie und Pathogenese orientiert (triadisches System),
und andererseits der weitgehend von phänomenologischen Merkmalen, Verlaufs- und
Zeitkriterien ausgehenden Internationalen Klassifikation von Krankheiten der WHO
(derzeit Kap. V der ICD-10). (Das parallel existierende DSM-IV bzw. DSM-IV-TR [s. auch
S. 444] hat sich eher in der klinischen Psychologie und Forschung durchgesetzt.)
Die in der ICD-10 nicht mehr vorgesehenen Bezeichnungen „Neurose“ bzw. „erlebnis-
reaktiv“ oder „psychosomatisch“, „Psychose“ oder „endogen“ werden beibehalten bzw.
parallel zur ICD-Nomenklatur geführt. Eine diesbezügliche Übersicht liefert das In-
haltsverzeichnis.
Die Beschreibung der Krankheitsbilder in dieser Checkliste orientiert sich wie in der Ta-
belle 44 dargestellt an der ICD-Gliederung:
Intelligenzminderung bzw. Oligophrenie (Hauptgruppe F 7) werden teils unter „Symp-
tomatik, Leitsymptome, Syndromalogie“ abgehandelt, teils im erstgenannten Kapitel
„Hirnorganisch begründbare psychische Störungen“. „Entwicklungsstörungen“
(Hauptgruppe F 8) und Störungen aus dem Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie
(Hauptgruppe F 9) fallen in den Bereich der Nichterwachsenenpsychiatrie.
Auf die – zumindest in der europäischen Psychiatrie – geführte kontroverse Diskussion
um die Validität einzelner ICD-Diagnosen wie z. B. „undifferenzierte Schizophrenie“
(F 20.3), „schizotype Störung“ (F 21), „akute schizophreniforme psychotische Störung“
(F 23.3), „Zyklothymia“ (F 34.0), „Dysthymia“ (F 34.1) oder auch „multiple Persönlich-
keitsstörung“ (F 44.81) sei hier nur am Rande verwiesen.
Für sämtliche psychischen Störungen und Krankheitsbilder ist von einer mehrdimen-
sionalen Pathogenese auszugehen, d. h., die Erkrankung entsteht aufgrund biologi-
scher, psychologischer und psychosozialer Ursachen. Insofern repräsentiert das derzei-
tige Krankheitskonzept in der Psychotherapie ein bio-psycho-soziales Krankheitsmo-

Tabelle 44 · Gliederung der im Folgenden dargestellten Krankheitsbilder und


Einteilung nach ICD-10
.......................................................................................
ICD-Hauptgruppen Darstellung in der Checkliste
.......................................................................................
F 0: organische und symptomatische organische psychische Störungen
psychische Störungen (s. S. 113)
symptomatische psychische Störungen
(s. S. 148)
.......................................................................................
F 2: Schizophrenie und schizophreni- Schizophrenie und schizoaffektive
forme Störungen Störungen (s. S. 167)
.......................................................................................
F 3: affektive Störungen affektive Störungen (s. S. 188)

Fortsetzung Tabelle 44 쑺 111

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4
Klassifikation der Krankheitsbilder nach ICD-10: Übersicht 4.1 Klassifikation der Krankheitsbilder nach ICD-10: Übersicht

Tabelle 44 · Fortsetzung
.......................................................................................
ICD-Hauptgruppen Darstellung in der Checkliste
.......................................................................................
F 4: neurotische, Belastungs- und Belastungs- und Anpassungs-
somatoforme Störungen störungen (s. S. 192)
neurotische Störungen (s. S. 200)
.......................................................................................
F 1 und F 5: psychische und Verhaltensstörun- Missbrauch und Abhängigkeit, Sucht
gen durch psychotrope Substanzen (s. S. 217)
.......................................................................................
F 6: Persönlichkeits- und Verhaltens- Persönlichkeits- und Verhaltens-
störungen störungen (s. S. 240)
Störungen der Impulskontrolle (s. S. 258)
Störungen der sexuellen Orientierung
(s. S. 265)
.......................................................................................
F 4 und F 5: neurotische, Belastungs- Schlafstörungen (s. S. 272)
und somatoforme Störungen somatoforme (psychosomatische)
Störungen (s. S. 281)
sexuelle Funktionsstörungen (s. S. 292)
Essstörungen (s. S. 297)

dell, das sowohl anlagebedingte wie erworbene bzw. prägende Einflüsse berücksich-
tigt („Vulnerabilitäts-Stress-Modell“). Dessen ungeachtet gilt es, diagnostisch eine
Rangreihe krankheitsverursachender Faktoren zu erarbeiten, um die in Kap. 20 aufge-
führten Therapiestrategien effizient und ökonomisch einzusetzen.

112

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5.2 Frühkindliche Hirnschädigung 5

5 Organische psychische Störungen

Organische psychische Störungen


5.1 Organische psychische Störungen
Vorbemerkungen
.......................................................................................
Bei den hirnorganisch begründbaren psychischen Störungen handelt es sich um psy-
chiatrische Krankheitsbilder, die im Gefolge zerebraler Schädigungen auftreten. Als
pathogenetische Faktoren kommen akute oder chronische Hirnfunktionsstörungen de-
generativer, vaskulärer, traumatischer, entzündlicher oder raumfordernder Art infrage.
Die in Erscheinung tretende Symptomatik wird einerseits bestimmt durch das Ausmaß
der Schädigung, andererseits durch deren Akuität.
Bei den akuten Erkrankungsformen können sog. Durchgangssyndrome auftreten, die
durch qualitative Bewusstseinsstörungen gekennzeichnet sind. Ansonsten gilt als Leit-
symptom der akuten Hirnfunktionsstörung stets die Bewusstseinstrübung. Ansons-
ten sind auch affektive und Antriebsveränderungen zu beobachten.
Demgegenüber repräsentiert die Demenz bzw. organische Persönlichkeitsverände-
rung die typisch chronisch-irreversible Verlaufsform, deren Ausprägung und weiterer
Ablauf allerdings nicht vorausgesagt werden können. Ihre Entwicklung hängt einer-
seits ab vom Alter des Patienten bzw. dessen Ausgangshirnleistung, von möglichen
Vorschädigungen sowie andererseits von Schwere, Dauer und Art der aktuellen Noxe.
Ungünstig ist bislang mangels adäquater Therapiemöglichkeiten die Prognose bei
den Systematrophien (z. B. Morbus Alzheimer, Morbus Pick, Chorea Huntington), fer-
ner bei chronischem Alkoholismus und schwereren Hirntraumata. Von den Infektions-
erkrankungen führen die Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung und die – wahrscheinlich au-
toimmunologisch induzierte – chronisch-progrediente Form der Encephalomyelitis
disseminata zu fortschreitenden psychischen Ausfallserscheinungen. Die Behand-
lungserfolge bei der Immunschwäche AIDS haben sich spürbar verbessert, sodass es
hier inzwischen weniger häufig zu demenzartigen Krankheitsbildern kommt. Ver-
schiedene prä- oder perinatale Noxen können eine frühkindliche Hirnschädigung be-
dingen mit der Folge von kognitiven Defiziten, Reifungsverzögerung und Verhaltens-
störungen.
Die Diagnoseverschlüsselung orientiert sich im Folgenden an den verschiedenen Grup-
pen der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen der WHO (Kap. 5 der ICD-
10). Die hirnorganisch begründbaren Psychosen gehören – bis auf Intoxikationspsycho-
sen – zur Hauptgrupe F 0 „Organische einschließlich symptomatischer psychischer Stö-
rungen“. Epileptische Psychosen sind im ICD-10 nicht registriert, allerdings die Epilep-
sie-Demenz.

5.2 Frühkindliche Hirnschädigung


왘 ICD-10: F 80 – 89, F 90 – 98, G 93.8

Grundlagen
.......................................................................................
왘 Synonyme: „Minimale cerebrale Dysfunktion“ (MCD) oder „minimal brain dys-
function“ (MBD), frühkindlich exogenes Psychosyndrom.
왘 Definition: Krankheitsbild aufgrund einer Hirnschädigung bis zum 1. Lebensjahr
einschl..
왘 Epidemiologie: Morbiditätsrisiko von bis zu 10% der Bevölkerung.

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5 5.2 Frühkindliche Hirnschädigung

Ätiologie und Pathogenese: Mögliche Schädigungsursachen (verschiedene prä-,


Organische psychische Störungen

peri- und postnatale Noxen):


앫 Chromosomenanomalien: z. B. Down-, Turner-, Klinefelter-, Cri-du-chat-Syndrom.
앫 Genetisch bedingte Enzymdefekte: z. B. Phenylketonurie, Galaktosämie, Ahornsi-
rupkrankheit, Homozystinurie, Morbus Wilson.
앫 Traumata: z. B. Zangengeburt, Blutungen.
앫 Hypoxie: z. B. infolge Asphyxie infolge Nabelschnurumschlingung oder längerer
Geburt.
앫 Infektionserkrankung der Mutter: z. B. HIV-Infektion, Röteln, Zytomegalie,
Toxoplasmose.
앫 Chronische Intoxikation der Mutter: z. B. Suchterkrankung, Nikotin- oder
Alkoholmissbrauch (häufigste teratrogene Noxen!).
앫 Icterus neonatorum (im Rahmen einer Rhesus-Inkompatibilität).
앫 Diabetes mellitus.
앫 EPH-Gestose.
(30 – 40% der Ursachen sind unbekannt!)

.Klinik
......................................................................................
왘 Psychopathologisch: Überempfindlichkeit und Reizbarkeit, Hyperaktivität und
Impulsivität, Konzentrationsschwäche bzw. Lernbehinderung, Teilleistungsstörun-
gen, Oligophrenie bzw. geistige Behinderung (s. S. 95), Kommunikationsstörungen
und dissoziales Verhalten.
왘 Neurologisch: Fakultativ diskrete spastische Paresen, Reflexdifferenzen, Koordina-
tionsstörungen, Sprechstörungen, Hypermotorik, Apraxien und Werkzeugstörun-
gen, epileptische Anfälle.
왘 Allgemein-körperlich: Entwicklungs- und Wachstumsverzögerung, motorische
Unbeholfenheit, Krankheitsanfälligkeit.

.Diagnostik
......................................................................................
왘 Psychopathologische Untersuchung: Bewegungsabläufe, Motorik, Koordination,
Apperzeption, Aufmerksamkeit, Belastbarkeit, Affektstabilität, Schlaf, Sozialverhal-
ten?
왘 Neurologische Untersuchung: Tonusdifferenzen, pathologische Reflexe, extrapy-
ramidale Symptome, Krampfanfälle?
왘 Körperliche Untersuchung: Missbildungen? (z. B. Lidspalten, Augenabstand, Glied-
maßen, Herz, Lunge), Geschlechtsentwicklung, sekundäre Geschlechtsmerkmale.
왘 Fremdanamnestische Angaben: Motorische und Sprachentwicklung, schulische
Leistungen, Sozialverhalten, Steuerungsvermögen, Hinweise auf schädigende Ursa-
chen, Familienanamnese.
왘 Psychometrische Untersuchungen (s. S. 31 ff): HAWIK, Reifungs- und Entwick-
lungstests, Motoriktests.
왘 Apparative Diagnostik: Bildgebende Verfahren meist nicht ergiebig (Vorrang hat
die klinische Diagnostik).

.Differenzialdiagnose
......................................................................................
왘 Psychosyndrom späterer Genese: Anamnese, Verlauf, häufiger Demenz-Symptome
bzw. organisches Psychosyndrom (s. S. 148).
왘 Juvenile Form der Schizophrenie (Hebephrenie, s. S. 165): Anamnese, Verlauf, eher
Verhaltensauffälligkeiten in bizarrer Form, Beginn im Jugendalter.
왘 Milieubedingte Verhaltensstörungen bzw. Pseudodebilität, Hospitalismus: Anam-
nese (rasche Besserung bei Milieuwechsel), Testdiagnostik.
왘 Umschriebene Störungen: Legasthenie, Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-
114 syndrom (ADHS s. S. 95).

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5.3 Demenz vom Alzheimer-Typ (DAT), Morbus Alzheimer 5
Therapie

Organische psychische Störungen


.......................................................................................
왘 Allgemein, psychiatrisch: Elternberatung, frühzeitige gezielte heilpädagogische
Förderung und Behandlung, gegebenenfalls in speziellen Kindergärten, Sonder-
schulen, Internaten, beschützten Werkstätten und anderen Einrichtungen. Mög-
lichst weitgehende Integration in Familie und Gesellschaft.
왘 Speziell:
앫 Abschirmung vor Reizüberflutung und Vermeidung von Überforderungen.
앫 Abgestuftes Belastungsprogramm im Rahmen einer sonderpädagogischen För-
derung.
앫 Logopädie als spezielle Therapie bei Sprech- und Sprachstörungen.
앫 Gezielte Krankengymnastik und motopädische Übungen.
앫 Sozialfürsorgerische Maßnahmen bzw. Heimaufenthalt oder Dauerhospitalisie-
rung bei schwererer geistiger Behinderung.
왘 Medikamentös:
앫 Bei ausgeprägter motorischer Unruhe Dämpfung mit schwachpotenten Neuro-
leptika. Behandlung von ADHS (s. S. 95) mit Methylphenidat (Ritalin) 5 – 10 mg
p. o. täglich. Alternativ:
– Atomotexin (Strattera) 60 – 80 mg/d.
– Fenetyllin (Captagon) 50 – 100 mg/d.
– Methylphenidat (Ritalin bis 50 mg oder Concerta 15 mg/d).
– Lisdexamphetamin (Vyvanse) 30 – 50 mg/d.
왘 Hinweis: Medikamente sind teilweise noch nicht in Deutschland zugelassen.

Methylphenidat ist Btm-verschreibungspflichtig!


앫 Bei Antriebsschwäche Versuch mit Nootropika (s. S. 316).

Verlauf
. . . . . . . . . . .und
. . . . . Prognose
.......................................................................
왘 Umso günstiger, je früher die Schädigungsfolgen erkannt und behandelt werden.
Ansonsten Gefahr der sekundären Neurotisierung.
왘 Unabhängig hiervon können intellektuelle und motorische Ausfälle teilweise all-
mählich kompensiert, Verhaltensstörungen im Rahmen einer Nachreifung ausgegli-
chen werden.
왘 Bei schweren Verhaltensstörungen Belastung der Prognose durch begleitende Dis-
sozialität und Delinquenz.

5.3 Demenz vom Alzheimer-Typ (DAT),


Morbus Alzheimer
왘 ICD-10: F 00, G 30

Grundlagen
.......................................................................................
왘 Definition: Primär-degenerative Demenz infolge einer Hirnatrophie im Bereich des
frontalen und temporo-parietalen Kortex, des Hippokampus, der Substantia
innominata und des Locus coeruleus.
왘 Einteilung nach ICD-10-Klassifikation:
앫 F 00.0: Alzheimer-Demenz mit frühem Beginn (vor dem 60. Lebensjahr,
Typ 2).
앫 F 00.1: Alzheimer-Demenz mit spätem Beginn (nach dem 60. Lebensjahr,
Typ 1).
앫 F 00.2: Atypische (gemischte) Alzheimer-Demenz.

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5 5.3 Demenz vom Alzheimer-Typ (DAT), Morbus Alzheimer

Epidemiologie:
Organische psychische Störungen

앫 Mit 50 – 60% aller Demenzen häufigste demenzielle Erkrankung, im Alter zuneh-


mend (s. Abb. 5, degenerative Demenzformen).
앫 Inzidenz etwa 1% pro Jahr, ansteigende Prävalenz (1 – 2% bei 65-Jährigen, 5% bei
70-Jährigen, 15 – 20% bei über 80-Jährigen, ⬎ 30% bei 90-Jährigen).

Abb. 5 · Häufigkeitsverteilung von Demenzen

왘 Ätiologie und Pathogenese: Vermutlich Zusammenspiel von genetischen, in-


fektiösen und/oder toxischen Ursachen (genetisch: ca. 80%, exogen: ca 20%).
앫 Genetisch:
– Autosomal-dominanter Erbgang bei etwa 7% der Bevölkerung. Häufigeres Vor-
kommen von Apolipoprotein-E-Gen (Chromosom 19) als in der Normalbevöl-
kerung. Apo-E-4-Gen beinhaltet ein erhöhtes Risiko für die Spätform wie auch
für Warnsymptome im Verlauf der Erkrankung.
– Die autosomal-dominante Verlaufsform wird vermutlich durch Mutationen
des Beta-Amyloid-Vorläuferprotein-Gens („Amyloid-Präkursor-Protein“ APP)
auf Chromosom 14 und 21 verursacht.
– Mit einem sehr frühen Beginn der Alzheimer'schen Erkrankung werden Muta-
tionen des Präsenilin-1-Gens (Chromosom 1) und Präsenilin-2-Gens (Chro-
mosom 2) assoziiert.
(Es besteht ein 3-fach erhöhtes Erkrankungsrisiko bei Patienten mit Morbus
Down, die im Übrigen eine ähnliche Volumenabnahme im medialen Tempo-
rallappen wie Alzheimer-Patienten aufweisen.)
앫 Infektiös: Mitverursachend wird eine Infektion durch Herpesviren Typ 1 disku-
tiert.
앫 Toxisch: Keine sicheren Hinweise (aggressive Sauerstoffradikale als Neurotoxine –
„oxidativer Stress“?).
앫 Als Risikofaktoren gelten: Östrogenmangel, Alkohol- und Nikotinabusus, erhöhter
Homozysteinspiegel, Cholesterinämie, niedriger Bildungsstand sowie anamnes-
tisch Schädel-Hirn-Trauma. Erniedrigter Cu- bzw. Zinkspiegel?

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5.3 Demenz vom Alzheimer-Typ (DAT), Morbus Alzheimer 5
앫 Neuroanatomisch:

Organische psychische Störungen


– Extrazellulär amyloidhaltige Plaques, intrazellulär neurofibrilläre Verklum-
pungen (Alzheimer-Fibrillen) mit Tripletten pathologischer Tau-Proteine im
gesamten Kortex. Amyloidose.
– Verminderung der Neuronenpopulationen in den oben genannten Gehirn-
arealen.
– Zeichen einer reaktiven Gliose mit Vermehrung von Mikroglia und Monozy-
ten.
앫 Biochemisch: Störung der Acetylcholinesteraseaktivität und des Glukosestoff-
wechsels, Abnahme der Neurotransmitter Acetylcholin, Noradrenalin, Serotonin,
Dopamin, L-Glutamin und N-Methyl-D-Aspartin, des Neuropeptits Somatostatin
und des Kortikotropin-Releasing-Faktors (CRH). Defizit des Nervenwachstums-
faktors (Nerve growth factor) in frontobasalen Arealen des Gehirns.

.Klinik
......................................................................................
왘 Psychopathologisch:
앫 Zu Beginn Gedächtnis- und Orientierungsstörungen, Zeitgitterstörungen.
앫 Im weiteren Verlauf:
– Auffassungs- und Konzentrationsstörungen sowie fortschreitende mnestische
Einbußen (vor allem das Kurzzeitgedächtnis ist betroffen), Wortfindungsstö-
rungen.
– Frühe Defizite im Riechvermögen.
– Reizbarkeit, Stimmungslabilität, Ratlosigkeit, Rückzug, Depressivität.
– Antriebsverarmung oder Unruhe, ängstliche oder aggressive Getriebenheit,
Schlafstörungen.
– Persönlichkeitsveränderung, Impulskontrollstörungen.
– Sprachstörungen bis zum Sprachzerfall mit Paraphasien, Logoklonien und
Echolalie, Zwangssymptome.
– Weitgehende Desorientierung.
– Schwere Wesensänderung und Pflegebedürftigkeit.
왘 Hinweis: Bei etwa einem Drittel der Patienten bestehen paranoide Symptome

und Halluzinationen, z. B. wahnhafte Personenverkennung (Capgras-Syndrom).


왘 Neurologisch:
앫 Primitivreflexe (Greifen, Saugen, Sperren, Palmomentalreflex).
앫 Apraxien und Agnosien, später auch Aphasie, Agraphie, Alexie (s. S. 14).
앫 Ganganomalien.
앫 Koordinationsstörungen, Bewegungsautomatismen.
앫 Rigor, Spastik, Myoklonien, Tremor.
앫 Andere extrapyramidale Symptome.

.Diagnostik
......................................................................................
왘 Psychopathologische Untersuchung (s. Klinik). Fremdanamnese.
왘 Neuropsychologische Diagnostik: Typische Defizite z. B. im Uhrentest, DemTect,
Demenz-Test, Farb-Wort-Interferenztest, MMST, SIDAM (s. Tabelle 14 S. 32).
왘 Körperliche Untersuchung: Internistischer und neurologischer Untersuchungsbe-
fund (klinische Symptome wie oben beschrieben, auf mögliche Herdsymptome wie
Paresen, Sensibilitätsstörungen achten; vgl. S. 17).
왘 Apparative Diagnostik:
앫 Bildgebende Verfahren: Im CCT bzw. kraniellen MRT symmetrische Erweiterung
der äußeren und inneren Liquorräume bei frontotemporal und parietookzipital
betonter Hirnrindenatrophie (s. Abb. 6).

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5
Organische psychische Störungen 5.3 Demenz vom Alzheimer-Typ (DAT), Morbus Alzheimer

Abb. 6 · Alzheimer-Demenz: Diffuse Hirnatrophie mit erweiterten inneren und äußeren Li-
quorräumen (aus Hinterhuber, Fleischhacker. Lehrbuch der Psychiatrie. 1. Aufl. Stuttgart:
Georg Thieme; 1997)

앫 Doppler-Sonographie der extra- und intrakraniellen Arterien zum Ausschluss ze-


rebraler Gefäßprozesse.
앫 EEG: Allenfalls unspezifische Allgemeinveränderung (verlangsamter Grund-
rhythmus mit 4 – 8/Sek.), ebenfalls indiziert bei Verdacht auf ein epileptisches
Geschehen.
앫 SPECT: Abnahme des frontoparietalen und mediotemporalen Hirnmetabolismus.
앫 PET: Signifikante Abnahme des kortikalen Glukosestoffwechsels vor allem im
Frontal- und Parietalbereich.
왘 Labor: Umfangreiche Diagnostik zum Ausschluss körperlicher Erkrankungen (z. B.
Leberenzyme, Gerinnung, kompletter Blutstatus, Immunstatus, Hormon-/Vitamin-
spiegel, Toxikologie). Nachweis von Antikörpern gegen Beta-Amyoloid-Peptid in
Blut und Liquor (s. S. 20 ff, 23). Entzündlicher Prozess? Unspezifische, mäßiggradige
Erhöhung des Gesamtproteins im Liquor relativ häufig (s. auch S. 23).
(Sicherung der Diagnose durch Verlaufsbeobachtung bzw. neuropathologische Be-
stätigung [Biopsie]).

.Differenzialdiagnose
......................................................................................
왘 Systematrophien anderer Art:
앫 Frontotemporale Demenz: Verhaltensstörungen, Enthemmung (s. S. 120).
앫 Demenz mit Lewy-Körperchen: Parkinson-Symptome (s. S. 121).
앫 Morbus Pick: Primär Persönlichkeitsveränderung bei anfangs erhaltenen mnesti-
schen Funktionen, im CCT bzw. MRT stark frontotemporal betonte Atrophie.
앫 Chorea Huntington: Anamnese, Familienanamnese, im CCT bzw. MRT Atrophie
des Corpus striatum mit plumper Erweiterung der Seitenventrikel, evtl. human-
genetische Untersuchung.
앫 Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung: Anamnese (rasche Progredienz), siehe auch S. 135.
앫 Morbus Parkinson: Betont extrapyramidale, primär keine demenzielle Sympto-
matik.
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5.3 Demenz vom Alzheimer-Typ (DAT), Morbus Alzheimer 5
앫 Morbus Wilson: Extrapyramidale und zerebelläre Symptomatik, jüngeres Lebens-

Organische psychische Störungen


alter (⬍ 40. Lebensjahr), Laborparameter (Cu2 +-Ausscheidung im Urin erhöht,
Coeruloplasminspiegel im Serum erniedrigt).
왘 Normotensiver Hydrozephalus: Ataxie, Blasenstörung, Liquordynamik (s. S. 132).
왘 Chronischer Alkoholismus (Wernicke-Enzophalopathie): Anamnese, klinischer Be-
fund, Laborscreening (vgl. S. 220 ff).
왘 Arteriosklerose mit subkortikaler Atrophie (M. Binswanger): Anamnese (akute Ver-
schlechterung?), länger bestehende arterielle Hypertonie. MRT.
왘 Multiinfarkt-Syndrom: Fluktuierender Verlauf, neurologische Herdsymptome, Ar-
teriosklerose (Doppler), MRT (vgl. S. 124).
왘 Traumatische Enzephalopathie (Boxerdemenz): Anamnese. CCT. MRT.
왘 Chronische Intoxikation: Anamnese, Fremdanamnese, Laboruntersuchungen (Dro-
genscreening).
왘 Endokrinopathie: Internistische Abklärung. Hormonstatus.
왘 Dialyse-Enzephalopathie: Terminale Niereninsuffizienz mit Dialysepflichtigkeit,
Aluminiumspiegel i. S. erhöht (⬎ 200 mg/l), im EEG epileptische Aktivität.
왘 Hinweis: Pseudodemenz (s. S. 96) bei Depressionen ausschließen!

Therapie
.......................................................................................
왘 Allgemein, psychiatrisch:
앫 So lange wie möglich Beschäftigung („Hirn-Jogging“), Ergotherapie, Gymnastik,
Sport, Tages- und Umfeldstrukturierung. Cog pack-Training.
앫 Bei Verwirrtheit und Desorientierheit ist eine Dauerüberwachung erforderlich.
Bei erhöhter Pflegebedürftigkeit Dekubitusprophylaxe, spezielle Lagerung, Kran-
kengymnastik, Mobilisation.
(Rechtzeitig – bei zu erwartender Pflegebedürftigkeit – Heimunterbringung in
Erwägung ziehen [Pflegestufe?, Verfahren nach § 18 SGB XI], eventuell Betreuung
einrichten [s. S. 411, 419].)
왘 Hinweis: Wichtig ist die soziale und psychologische Begleitung der Angehörigen!
Selbsthilfegruppen (s. S. 436).
왘 Medikamentös:
앫 Cholinesterasehemmer: z. B. Donezepil (Aricept) 5 – 10 mg/d oder Galantamin (Re-
minyl) 8 – 16 mg/d, Metrifonat 50 mg/d oder Rivastigmin (Exelon) 6 – 12
mg/d bzw. als Pflaster.
앫 Alternativ Memantin (Ebixa bzw. Axura) 10 – 30 mg/d.
앫 Supportiv: Gingko-Präparate, Piracetam 800 – 2400 mg/d, Vitamine und Anti-
oxidanzien (Folsäure, Vitamin E, Beta-Karotin, Vitamin C, Selegilin), im Klimakte-
rium Östrogenpräparate (s. Risikofaktoren S. 108; cave: Tumorrisiko!).
앫 In Erprobung: Kausal wirksame „Schutzmoleküle“ (beta-Sheet-Breaker-Protei-
ne). Aktive und passive Immunisierung gegen Beta-Amyloid.
왘 Hinweis: Auch leichte kognitive Einbußen (Mild Cognitive Impairment) behan-

deln!
앫 Medikamentöse Therapie der Begleitsymptome:
– Ängstliche Getriebenheit und/oder aggressives Verhalten: Niedrig dosierte,
schwachpotente Antipsychotika (z. B. 3 ⫻ 25 mg Pipamperon oder 3 ⫻ 30 mg
Thioxanthen oder 3 ⫻ 25 mg Thioridazin p. o. täglich) bzw. Carbamazepin.
– Depressionen: Sulpirid, Trimipramin, Moclobemid, Maprotilin oder selektive
Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI = „selective serotonine reuptake in-
hibitor“) wie Citaprolam, Fluoxetin, Paroxetin, Fluvoxamin, Sertralin.
– Schlafstörungen: Promethazin (25 – 50 mg oral) oder Pipamperon (2 – 4 ml
Saft) oder Trazodon (50 – 100 mg) oder Thioridazin 50 mg.

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5 5.4 Frontotemporale Demenz

Verlauf
. . . . . . . . . . .und
. . . . . Prognose
Organische psychische Störungen

.......................................................................
왘 Kontinuierlicher Persönlichkeitsabbau mit zunehmendem Siechtum, bei frühem
Beginn bereits nach 1 – 2 Jahren. Tod meist durch interkurrente Infekte nach durch-
schnittlich 6 – 8 Jahren. In Einzelfällen auch protrahierter Verlauf bis über 10 Jahre.

5.4 Frontotemporale Demenz


왘 ICD-10: F 03, G 31

Grundlagen
.......................................................................................
왘 Definition: Primär-degenerative Demenz infolge einer frontalen Hirnatrophie.
왘 Epidemiologie: Die frontotemporale Demenz macht etwa 8 – 10% der primär-dege-
nerativen Demenzen aus. Durchschnittlicher Erkrankungsbeginn am Ende des 5. Le-
bensjahrzehnts; Männer und Frauen sind gleich häufig betroffen.
왘 Ätiologie und Pathogenese: In etwa einem Drittel ist die Familienanamnese posi-
tiv. Bei Sonderformen mit Parkinson-Symptomatik bestehen Mutationen auf Chro-
mosom 17.

.Klinik
......................................................................................
왘 Psychopathologisch:
앫 Zu Beginn: Im Gegensatz zur Demenz vom Alzheimer-Typ zu Beginn eher Verhal-
tensänderungen:
– Oberflächlichkeit, Unkonzentriertheit, Unpünktlichkeit, Sorglosigkeit, Taktlo-
sigkeit, distanzloses Verhalten bis zur Enthemmung.
– Stereotype und perseverierende Verhaltensweisen, Rigidität, nachlassende
Anpassungsfähigkeit.
앫 Im weiteren Verlauf:
– Wortfindungsstörungen, Sprachverarmung. Perseverationen, kognitive Einbu-
ßen.
– Emotionale Gleichgültigkeit, daneben auch depressiv-hypochondrische und/
oder euphorische Zustände, Wahnideen.
– Zunehmende Antriebsverarmung, Verlangsamung, Desinteresse.
왘 Neurologisch:
앫 Primitivreflexe (Greifen, Saugen, Sperren, Palmomentalreflex).
앫 Apraxien und Agnosien, Paraphasien.
앫 Akinese, Rigor, Tremor.

.Diagnostik
......................................................................................
왘 Psychopathologische Untersuchung (s. Klinik). Fremdanamnese!
왘 Neuropsychologische Diagnostik: Außer kognitiven Leistungstests Persönlich-
keitsdiagnostik (s. Tab. 18 S. 48).
왘 Körperliche Untersuchung: Internistischer und neurologischer Status (klinische
Symptome wie oben beschrieben).
왘 Apparative Diagnostik:
앫 CCT und kranielles MRT: Zunehmend ausgeprägtere Atrophie der Frontal- und
Temporallappen.
앫 SPECT: Minderfusion frontotemporal.
앫 PET: Hypometabolismus frontotemporal.
앫 EEG: Unauffällig.
왘 Labor (Liquordiagnostik): Erhöhte Tau-(Protein-)Werte.
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5.5 Demenz mit Lewy-Körperchen 5

.Differenzialdiagnose

Organische psychische Störungen


......................................................................................
왘 Systematrophien anderer Art:
앫 Morbus Pick: Charakteristische histopathologische Veränderungen (s. S. 122).
앫 Demenz vom Alzheimer-Typ: Kognitive Defizite vor Persönlichkeitsveränderung
(s. S. 115 ff). Abgrenzung schwierig!
앫 Demenz mit Lewy-Körperchen: Parkinson-Symptomatik. Anamnese!
앫 Subkortikale Form der vaskulären Demenz: Risikofaktoren. Bildgebung (s. S. 124 ff).
앫 Chronifizierte (schizophrene) Psychose: Anamnese, Verlauf. Keine nennenswerten
kognitiven Defizite (s. S. 162 ff).

Therapie
.......................................................................................
왘 Allgemein-psychiatrisch: Aufklärung und Beratung der Angehörigen hinsichtlich
der Notwendigkeit einer zunehmenden Beaufsichtigung und Betreuung des Patien-
ten.
왘 Medikamentös:
앫 Behandlung begleitender Depressivität und Verhaltensstörung mit selektiv-sero-
tonergen Antidepressiva (s. S. 324 ff) und/oder mit Carbamazepin (s. S. 330 ff),
Valproat (s. S. 178 f) oder Trazodon.
앫 Bei Antriebsarmut und Apathie Behandlungsversuch mit Memantin oder Bromo-
criptin.

Verlauf
. . . . . . . . . . .und
. . . . . Prognose
.......................................................................
왘 Progredienter Verlauf mit schließlicher Bettlägerigkeit und völliger Pflegebedürftig-
keit. Letaler Ausgang nach etwa 7 bis 8 Jahren.

5.5 Demenz mit Lewy-Körperchen


왘 ICD-10: F 03, G 31

Grundlagen
.......................................................................................
왘 Definition: Demenzerkrankung mit zunehmendem, anfangs fluktuierendem ko-
gnitivem Leistungsabbau, Parkinson-Symptomen und (visuellen) Halluzinationen.
왘 Epidemiologie: Prävalenz: 10 – 15% der Demenzen. Erkrankungsbeginn: Gehäuft
ab dem 7. Lebensjahrzehnt. Männer häufiger als Frauen betroffen.
왘 Ätiologie und Pathogenese:
앫 Genetisch: Wie bei der Demenz vom Alzheimer-Typ vermutlich genetische Ursa-
chen, andererseits jedoch bislang weitgehend unbekannte Ursachen (Subtyp der
Alzheimer-Demenz?).
앫 Neuroanatomisch:
– Kortikale (temporale und frontale) Spongiose.
– Senile Plaques und Neurofibrillen (Tangles) wie bei Alzheimer-Demenz.
– Neuronale Zytoplasma-Einschlüsse („Lewy-Körperchen“).
앫 Biochemisch: Auffallende Defizite bezüglich der cholinergen Aktivität im Kortex
(wahrscheinlich früher und ausgeprägter als bei Alzheimer-Demenz).

.Klinik
......................................................................................
왘 Psychopathologisch:
앫 Zunehmender Abbau der kognitiven Leistungen mit Abnahme sozialer Fähigkei-
ten und Fertigkeiten.
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5 5.6 Morbus Pick

앫 Deutlich fluktuierende Aufmerksamkeit und Vigilanz, leichte Ablenkbarkeit,


Organische psychische Störungen

Konfabulationen, Inkohärenz.
앫 Repetitive visuelle Halluzinationen mit besonderer Detailliertheit und Prägnanz.
앫 Wechselhafte Wahnvorstellungen, Depressionen.
왘 Neurologisch:
앫 Gangunsicherheit, auffallend häufig Stürze.
앫 Hypokinetisch-rigides Parkinson-Syndrom.
앫 Synkopen.
앫 Erhöhte neuroleptische Sensitivität (erhöhtes Risiko für extrapyramidale Symp-
tome!).

.Diagnostik
......................................................................................
왘 Psychopathologische Untersuchung: Psychometrie, Verlaufsbeobachtung (im
Übrigen wie bei Alzheimer-Demenz s. S. 115 ff).
왘 Körperliche Untersuchung: Internistischer und neurologischer Status.
왘 Apparative Diagnostik: EEG, Doppler-Sonographie, SPECT, CCT, MRT (s. auch De-
menz vom Alzheimer-Typ S. 115 ff).

.Differenzialdiagnose
......................................................................................
왘 Demenz bei Parkinson-Erkrankung: Parkinson-Symptome, s. S. 128 ff.
왘 Demenz vom Alzheimer-Typ: Früh Gedächtnisstörungen! (s. S. 115 ff).
왘 Andersartige Systematrophie.
왘 Normotensiver Hydrozephalus: Ataxie, Harninkontinenz! (s. S. 132 ff).
왘 Multiinfarktdemenz: Risikofaktoren! Bildgebung! (s. S. 124 ff).
왘 Chronischer Alkoholismus: Anamnese, Begleitsymptomatik, s. S. 220 ff.

Therapie
.......................................................................................
왘 Allgemein, psychiatrisch: Wie bei Demenz vom Alzheimer-Typ (s. S. 115 ff).
왘 Medikamentös:
앫 Amantadin 200 – 400 mg/d und/oder Memantin 10 – 20 mg/d.
앫 Cholinesterasehemmer: z. B. Rivastigmin 3 – 6 mg/d, Donepezil 5 – 10 mg/d, Gal-
antamin 8 – 16 mg/d).
왘 Hinweis: Zur Behandlung von psychotischen Symptomen wegen Überempfind-

lichkeit allenfalls atypische Antipsychotika!

Verlauf
. . . . . . . . . . .und
. . . . . Prognose
.......................................................................
왘 Progredienter Verlauf (Aufklärung und Beratung der Angehörigen!).

5.6 Morbus Pick


왘 ICD-10: F 02.0, G 31

Grundlagen
.......................................................................................
왘 Definition: Fokal-kortikale Systematrophie, die mit einer ausgeprägten präsenilen
Demenz einhergeht (Subtyp der frontotemporalen Demenz [s. S. 120]).
왘 Epidemiologie:
– Beginn: 5. – 6. Lebensjahrzehnt (Frauen etwa doppelt so häufig betroffen wie
Männer).
앫 Häufigkeit: ⬍ 1% aller Demenzformen.
122

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5.6 Morbus Pick 5
Ätiologie und Pathogenese:

Organische psychische Störungen


앫 Degeneration des Frontal- und Temporalhirns durch Ganglienzellschwund und


subkortikale Gliose aus unbekannter Ursache.
앫 Seltene heredodegenerative Erkrankung mit gelegentlich dominantem Erbgang.

.Klinik
......................................................................................
왘 Psychopathologisch:
앫 Zunächst: Diskretes hirnlokales Psychosyndrom mit Antriebsstörungen und
mnestischen Defiziten, auch pseudoneurasthenischen Zügen (vgl. S. 117 Leit-
symptome) bei primär noch gut erhaltener Intelligenz und Orientierung.
앫 Dann zunehmend: Rasche Ermüdbarkeit wie auch Unruhe bis zu ziellosen Aktivi-
täten, Reizbarkeit, Indolenz.
앫 Fortschreitender Persönlichkeitsabbau mit Verfall sozialer Bindungen und Verlust
ethischer Hemmungen, Handlungs- und Sprechstereotypien.
왘 Neurologisch: Paraphasische und aphasische Symptome (v. a. amnestische Apha-
sie).

.Diagnostik
......................................................................................
왘 Psychopathologische Untersuchung (s. Klinik).
왘 Körperliche Untersuchung: Internistischer und neurologischer Status (auf Herd-
symptome wie Paresen oder Reflexdifferenzen achten).
왘 Apparative Diagnostik:
앫 CCT (kranielles MRT): Frontotemporal betonte Atrophie mit verstärkter Oberflä-
chenzeichnung über Stirn- und Schläfenpolen und diffuser Erweiterung der inne-
ren und äußeren Liquorräume (Hydrocephalus e vacuo).
앫 Doppler-Sonographie der hirnversorgenden Arterien: Stenosen, Plaques?
앫 EEG: Allgemeinveränderung?
앫 SPECT: Durchblutung und Glukosestoffwechsel frontotemporal 앗.

.Differenzialdiagnose
......................................................................................
왘 Demenzen anderer Ätiologie (siehe auch unter M. Alzheimer, S. 115 ff) und unter
Frontotemporale Demenz (s. S. 120 f).
왘 Hirntumor: Hirndruckzeichen, Stauungspapillen, Visusminderung, CCT (kranielles
MRT, jeweils mit Kontrastmittel).
왘 Normotensiver Hydrozephalus: Keine frontal betonte Atrophie! Gang- und Blasen-
störung, Persönlichkeit primär erhalten, Besserung nach therapeutischer
Liquorpunktion.
왘 Creutzfeldt-Jakob-Krankheit: Eher fluktuierende, polymorphe Symptomatik, ra-
scher Persönlichkeitsabbau.
왘 Schizophrenie vom Simplextyp: Früherer Beginn, längerer Verlauf, keine neurologi-
schen Symptome.

Therapie
.......................................................................................
왘 Allgemein, psychiatrisch: Eine zunehmende Beaufsichtigung und Dauerhospitali-
sierung mit Rundumversorgung ist meist unumgänglich (vgl. Alzheimer-
Demenz S. 115 ff).
왘 Medikamentös: Bei stärkerer Unruhe schwachpotente, dämpfende Antipsychotika
(z. B. Pipamperon 3 ⫻ 25 mg oder Levomepromazin 3 ⫻ 25 – 50 mg).

Verlauf
. . . . . . . . . . .und
. . . . . Prognose
.......................................................................
왘 Früher Beginn, meist progredienter Verlauf, zunehmende Demenz mit letalem Aus-
gang nach etwa 5 – 10 Jahren. 123

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5 5.7 Vaskuläre Demenz, Multiinfarktdemenz (MID)

5.7 Vaskuläre Demenz,


Organische psychische Störungen

Multiinfarktdemenz (MID)
왘 ICD-10: F 01

Grundlagen
.......................................................................................
왘 Definition: Hirnatrophischer Prozess aufgrund einer Hirnarteriosklerose mit psy-
chopathologischen und neurologischen Ausfallserscheinungen (einschließlich der
Mischformen etwa 35 – 45% aller Demenzen, s. Abb. 5).
왘 Einteilung nach ICD-10-Klassifikation:
앫 F 01.0: Vaskuläre Demenz mit akutem Beginn.
앫 F 01.1: Multiinfarktdemenz.
앫 F 01.2: Subkortikale vaskuläre Demenz (M. Binswanger).
앫 F 01.3: Gemischte (kortikale und subkortikale) vaskuläre Demenz.
왘 Epidemiologie:
앫 Erkrankungsbeginn: 55.– 60. Lebensjahr.
앫 Inzidenz: Etwa 0,6 – 7% bei einem Alter ⬎ 65 Jahre.
(Männer sind häufiger betroffen als Frauen mit inversiver Abhängigkeit vom Bil-
dungsgrad.)
왘 Ätiologie und Pathogenese:
앫 Arteriosklerotischer Gefäßprozess (auf dem Boden einer Mikroangiopathie und/
oder Makroangiopathie): Arteriosklerose der Hirngefäße mit sekundärer Dege-
neration des Parenchyms.
앫 Risikofaktoren: Hypertonie (v. a. bei M. Binswanger), Nikotinabusus, Adipositas,
Hyperlipidämie, Hyperurikämie, Diabetes mellitus, Bewegungsmangel.

.Klinik
......................................................................................
왘 Verlaufsformen:
앫 Allmählicher Beginn und Verlauf (Mikroangiopathie mit eher schleichend progre-
dientem Verlauf): Müdigkeit, Kopfdruck, Schwindel, Ohrensausen, Unruhe, Reiz-
barkeit, Schlafstörungen und kognitiven Beeinträchtigungen (Merkschwäche,
Vergesslichkeit, Konzentrationsstörungen), Affektlabilität und Affektinkontinenz.
앫 Apoplektischer, plötzlicher Beginn (Makroangiopathie mit eher schubweisem Ver-
lauf mit akuten neurologischen Ausfällen – TIA, PRIND, ischämische Insulte): Ver-
wirrtheit und neurologische Ausfälle (Herdzeichen, Paresen, Sensibilitätsstörun-
gen, Reflexdifferenzen, Gangunsicherheit oder andere fokal-neurologische
Symptome), im weiteren Verlauf transitorisch-rezidivierend.
(Bei beiden Verlaufsformen Pollakisurie und Inkontinenz möglich.)

.Diagnostik
......................................................................................
왘 Psychopathologische Untersuchung (s. Klinik).
왘 Leistungstests (s. S. 32 ff) bzw. neuropsychologische Untersuchungen (s. S. 14):
Objektivierbare kognitive Leistungseinschränkungen: HACHINSKI-Skala, d 2-Auf-
merksamkeitsbelastungstest, DCS, HAWIE, Demenz-Test, DemTec, MMST, KLT, SI-
DAM.
왘 Anamnese, Fremdanamnese: Beginn, Verlauf. Risikopatienten.
왘 Neurologische Untersuchung: Ausführliche Untersuchung, hierbei auf neurologi-
sche Herdbefunde achten (s. o.).
왘 Internistische Untersuchung: Wie oben beschrieben, Hinweise auf allgemeine Ar-
teriosklerose (periphere arterielle Verschlusskrankheit, Fundus hypertonicus,
KHK?).
124

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5.7 Vaskuläre Demenz, Multiinfarktdemenz (MID) 5

Organische psychische Störungen


Abb. 7 · Vaskuläre Demenz:
Erweitertes Ventrikelsystem,
kappenförmige Signalhyper-
intensitäten periventrikulär,
kleine Foci im Bereich der
Basalganglien (aus Hinterhu-
ber, Fleischhacker. Lehrbuch
der Psychiatrie. 1. Aufl. Stutt-
gart: Georg Thieme; 1997)

왘 Labor:
앫 Stoffwechsel: Hyperlipidämie, Hypercholesterinämie, Hyperurikämie, diabeti-
sche Stoffwechsellage?
앫 Liquordiagnostik: Zum Ausschluss einer zentralnervösen entzündlichen Erkran-
kung.
왘 Apparative Diagnostik:
앫 Kardiologisch-internistische Abklärung: 24-h-EKG, Langzeit-Blutdruckmessung,
Röntgen-Thorax zur Erfassung vaskulärer Risikoparameter (Arrhythmien, Hyper-
tonie).
앫 CCT (kranielles MRT): Multiple Erweichungsherde (hypodense Areale), erweiterte
innere und äußere Liquorräume, Marklagerhypodensitäten (s. Abb. 7).
앫 Doppler-Sonographie/Digitale Substraktionsangiographie (DSA): Hinweise auf
Plaques und/oder Gefäßstenosen.
앫 EEG: Unspezifische Allgemeinveränderungen und/oder Herdbefunde.
앫 SPECT: Hinweise auf Perfusionsstörungen.

.Differenzialdiagnose
......................................................................................
왘 Demenz vom Alzheimer-Typ: Keine spezifischen Ursachen zu objektivieren, allmäh-
licher und allgemein-progredienter Verlauf (s. S. 115 ff).
앫 Demenz mit Lewy-Körperchen: Parkinson-Symptome, Stürze. Verlauf! (s. S. 121).
앫 Frontotemporale Demenz: Frühzeitige Verhaltensstörungen. Verlauf! (s. S. 120 f).
왘 Demenz bei zerebraler Amyloidangiopathie: Abgrenzung sehr schwierig, funktio-
nelles MRT (s. S. 27).
왘 Demenz bei Vaskulitis (Panarteriitis nodosa): BKS beschleunigt 앖, normochrome
Anämie, Leukozytose, erhöhte γ-Globulinfraktion, evtl. Angiographie, evtl. Biopsie.
왘 Vaskuläre Form der Neurolues: Evtl. Hirnnervenausfälle, Argyll-Robertson-Pupil-
lenstörung, entzündliches Liquorsyndrom, positive Luesserologie (TPHA-Suchtest),
vgl. S. 136.
왘 Demenz bei Parkinson-Erkrankung: Begleitsymptomatik, Verlauf! (s. S. 128 ff).

125

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5 5.8 Dermatozoenwahn

AIDS-Demenz: Andere AIDS-Manifestationen, opportunistische Infektionen,


Organische psychische Störungen

Liquordiagnostik, s. S. 133 ff.


왘 Demenz bei Epilepsie: Anamnese, Fremdanamnese, EEG, Medikamentenanamnese
(Wirkstoff, Dauer), CCT (kranielles MRT).
왘 Hinweis: Pseudodemenz bei Depression (s. S. 96) ausschließen: Fremdanamnese
unerlässlich! Verlaufsbeobachtung, Klinik (Orientierung erhalten! Eher Antriebs-
hemmung, Tagesschwankung, ängstl. Unruhe), evtl. probatorisch antidepressive Be-
handlung.

Therapie
.......................................................................................
왘 Allgemein, psychiatrisch:
앫 Gesunde Lebensweise (Ernährung, Beschäftigung, Bewegung).
앫 Regelmäßig trainierende Einzel- und Gruppenaktivitäten:
– Gymnastik, Wandern, Sport; Mithilfe im Haushalt, Gartenarbeit.
– Hobbys, Lesen, Radiohören, Fernsehen, Gruppengespräch.
– „Hirn-Jogging“ mit gezielten Wahrnehmungs-, Konzentrations- und Gedächt-
nisübungen. Cog pack-Training.
앫 Spezifisch: Behandlung der Grunderkrankung bzw. der Risikofaktoren, z. B. opera-
tive Behandlung von Gefäßstenosen (Bypass, Carotis-Endarteriektomie).
왘 Medikamentös (möglichst frühzeitig beginnen, bereits bei ersten Verdachtszei-
chen und diagnostischen Hinweisen):
앫 Hämorrheologische Infusionstherapie (Plasmaexpander).
앫 Thrombozytenaggregationshemmer (Acetylsalizylsäure, Ticlopidin).
앫 Nootropika zur Einflussnahme auf den zellulären Sauerstoff- und Glukosestoff-
wechsel: z. B. Piracetam 800 – 2400 mg/d, Pyritinol 200 – 600 mg/d, Meclofen
750 – 1500 mg/d, Memantin 5 – 30 mg/d.
앫 Zirkulationsverbesserung durch z. B. Nimodipin 90 mg/d, Cyclandelat
1200 – 1600 mg/d, Sympathikolytika und Betasympathomimetika, Purinderivate,
Dihydroergotoxin 4 – 8 mg/d, Nicergolin 10 – 30 mg/d, Gingko-biloba-Extrakte,
Folsäure.
앫 Sekundäre Krankheitssymptome (Unruhe, Schlafstörungen, Angst, Depression):
Schwachpotente, dämpfende Antipsychotika oder Phytotherapeutika (vgl. De-
menz vom Alzheimer-Typ S. 115 ff).
왘 Achtung: Unter Benzodiazepinen häufig paradoxe Reaktionen (z. B. Unruhe und

Schlafstörungen)! Daher relative Kontraindikation!

Verlauf
. . . . . . . . . . .und
. . . . . Prognose
.......................................................................
왘 Meist wechselhaft-progredienter Verlauf, kompliziert durch Interferenz mit ande-
ren körperlichen Erkrankungen aufgrund einer allgemeinen Arteriosklerose.
(Insgesamt günstigerer Verlauf als bei den primär-degenerativen Demenzen.)

5.8 Dermatozoenwahn
왘 ICD-10: F 06.0

Grundlagen
.......................................................................................
왘 Synonym: Zoophobie, organische Halluzinose.
왘 Definition: Multiple Hautmissempfindungen als Ausdruck einer chronischen orga-
nischen taktilen Halluzinose, verbunden mit der Überzeugung, an einer parasitären
Hauterkrankung zu leiden (s. S. 83 Halluzinose).

126

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5.8 Dermatozoenwahn 5
Epidemiologie: Überwiegend bei älteren, alleinstehenden Menschen. Morbiditätsri-

Organische psychische Störungen


siko ⱕ 5% bei über 60-Jährigen. (Frauen 2– bis 3-mal häufiger betroffen).


왘 Ätiologie und Pathogenese: Auftreten am ehesten im Zusammenhang mit Hirn-
funktionsstörungen im Rahmen einer zerebralen Arteriosklerose. Dispositionelle
Faktoren sind vermutlich beteiligt, z. B. Neigung zu Hypochondrie, Reinlichkeits-
zwang. Psychodynamisch „Ordnungsfunktion“?

.Klinik
......................................................................................
왘 Monotone Klagen über Hautjucken und -kribbeln, einhergehend mit der isolierten
wahnhaften Vorstellung von Ungezieferbefall unter/auf der Haut.
왘 Häufiges Waschen, Kratzartefakte der Haut, Aufbewahren von Hautpartikeln als ver-
meintliche Parasiten, Selbstbehandlungsversuche mit Chemikalien.
왘 Soziale Isolation.
왘 Anlaufstellen: In der Regel Hautarzt, Gesundheitsamt oder Kammerjäger.

.Diagnostik
......................................................................................
왘 Psychopathologische Untersuchung (s. Klinik).
(Wegen Zusammenhang mit Arteriosklerose vgl. vaskuläre Demenz S. 124 ff.)
왘 Neurologischer und internistischer Status.

.Differenzialdiagnose
......................................................................................
왘 Taktile Halluzinose bei Kokain-, Amphetamin- oder Haschischmissbrauch: Drogen-
anamnese, Drogenscreening.
왘 Zönästhetische Form der Spätschizophrenie: Anamnese, bizarre Schilderung von
Leibmissempfindungen ohne „parasitäre“ Ursachen.
왘 Monosymptomatische zirkumskripte Hypochondrie im Involutionsalter bzw. soma-
tisierte Depression: Eher monoforme Missempfindungen in Form von Brennen, Ste-
chen, Verkrampfungen an eng umschriebenen Körperstellen.

Therapie
.......................................................................................
왘 Psychiatrisch, psychotherapeutisch: Stützende Psychotherapie (s. S. 354).
왘 Allgemein: Insbesondere Therapie des Herz-Kreislauf-Systems.
왘 Medikamentös: Versuch mit hirnleistungsfördernden Substanzen (s. a. vaskuläre
Demenz, S. 124 ff); Langzeitbehandlung mit mittelpotenten Antipsychotika (z. B.
Risperdon 2 ⫻ 2 mg oder Zotepin 3 ⫻ 50 mg oder Olanzapin 5 mg oder Quetiapin
400 mg täglich).

Verlauf
. . . . . . . . . . .und
. . . . . Prognose
.......................................................................
왘 Neigung zu schleppendem, chronifiziertem Verlauf. Oft begleitet von anderen Zei-
chen einer Hirnleistungsschwäche im Rahmen eines demenziellen Abbaus. Vollre-
mission in ca. 10% der Fälle.

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5 5.9 Demenz bei Parkinson-Erkrankung

5.9 Demenz bei Parkinson-Erkrankung


Organische psychische Störungen

왘 ICD-10: F 02.3, G20

Grundlagen
.......................................................................................
왘 Definition: Neurologische Erkrankung mit extrapyramidaler Symptomatik, die mit
psychopathologischen Auffälligkeiten einhergehen kann.
왘 Hinweis: Abgrenzung zum Parkinson-Syndrom (Parkinsonoid) als Begleiterschei-
nung einer neuroleptischen Therapie infolge antidopaminerger Wirkung (s. S. 318 ff)
sowie bei anderen Ursachen (s. u.) wichtig!
왘 Epidemiologie:
앫 Morbiditätsrisiko ca. 1% der über 60-Jährigen. Beginn: 40. – 50. Lebensjahr.
앫 Inzidenz 0,02%, Prävalenz 0,15 – 0,2%. (Männer erkranken häufiger als Frauen –
Einzelheiten s. Lehrbücher der Neurologie!)
왘 Ätiologie und Pathogenese:
앫 Systematrophie im Bereich der Substantia nigra und des Globus pallidus mit Ner-
venzelldegeneration und daraus folgendem Dopaminmangel (Risikominderung
durch Nikotinkonsum? Freie Sauerstoffradikale?).
앫 Die Ursachen bei der idiopathischen Form (Paralysis agitans) sind nicht bekannt.
Hier wahrscheinlich autosomal dominanter Erbgang.

.Klinik
......................................................................................
왘 Psychopathologisch (Bild einer organischen Persönlichkeitsveränderung):
앫 Antriebsminderung bis zur Apathie, Depressivität, Ausdrucksverarmung.
앫 Verwirrtheit, paranoid-halluzinatorische Syndrome.
왘 Neurologisch: Ruhetremor (Zunahme bei Konzentrationsleistungen, Abnahme bei
Bewegungen), Akinese und Rigor, Mikrographie, kleinschrittiger Gang mit Propulsi-
onstendenz, Sprachmonotonie; Speichelfluss, Schwitzen, Hitzegefühl, Hypotonie.
왘 Hinweis: Kein intellektueller Abbau, jedoch Verlangsamung der Denkabläufe

(Bradyphrenie)! Pseudodemenzielles Bild.

.Diagnostik
......................................................................................
왘 Psychopathologische Untersuchung (s. Klinik).
왘 Neurologische Untersuchung: s. o., Kopffalltest (Kopf sinkt nach passivem Abhe-
ben und Fallenlassen nur langsam zurück), Rigor, Zahnradphänomen, keine Spastik,
keine Reflexsteigerung, keine Pyramidenbahnzeichen, keine Paresen.
왘 Apparative Diagnostik:
앫 CCT (kranielles MRT): Vaskuläre Läsionen, Hydrozephalus, kortikale und subkorti-
kale Atrophie (v. a. bei Systematrophien), Stammganglienverkalkung bei Morbus
Fahr (Hypoparathyreoidismus).
앫 EEG: Herdbefund (postischämisch, postenzephalitisch)?
왘 Labor:
앫 Serum: Routinelabor, Cu2 +, Coeruloplasmin (M. Wilson?), Ca2 + (Hypoparathyreoi-
dismus?).
앫 Liquordagnostik: Ausschluss eines entzündlichen Prozesses (s. S. 23).

.Differenzialdiagnose
......................................................................................
왘 Demenz mit Lewy-Körperchen: Kognitive Defizite, Begleitsymptomatik, Verlauf
(s. S. 121).
왘 Pharmakogen (Neuroleptika, Metoclopramid, Lithium, Reserpin, α-Methyldopa):
Medikamentenanamnese.
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5.9 Demenz bei Parkinson-Erkrankung 5
Postenzephalitisch: Anamnese, im Vordergrund vegetative Störungen und Krämpfe

Organische psychische Störungen


der Gesichtsmuskulatur (Lues s. S. 136, Creutzfeldt-Jakob s. S. 135 f).


왘 Vaskulär, arteriosklerotisch (arteriosklerotische Enzephalopathie): Rigor und Aki-
nese dominierend, Risikofaktoren, allgemeine Arteriosklerose.
왘 Toxisch (Cyanide, Quecksilber, Methylalkohol, Mangan, Kohlenmonoxid, MPTP [Me-
thylphenyltetrahydropyridin als Verunreinigung synthetischer Heroine]): Rigor und
Akinese als Hauptsymptome.
왘 Metabolisch (Morbus Wilson, Fahr-Syndrom): Internistischer Befund, Laborbefunde
(Cu2 +, Ca2 + s. o., Coeruloplasmin, s. S. 150).
왘 Posttraumatisch (Schädel-Hirn-Trauma, Boxer): Anamnese.
왘 Im Rahmen von Multisystematrophien:
앫 Steele-Richardson-Olszewski-Syndrom (Syn.: Progressive supranukleäre Oph-
thalmoplegie).
앫 Shy-Drager-Syndrom (Syn.: Primäre orthostatische Hypotonie).
앫 Olivo-Ponto-Cerebelläre Atrophie (OPCA).
앫 Strionigrale Degeneration, kortikobasale Degeneration.

Therapie
.......................................................................................
왘 Medikamentös:
앫 Bei hypokinetisch-rigidem Typ:
— L-Dopa + Decarboxylasehemmer (Benserazid oder Carbidopa).
– Dopaminagonisten, z. B. Lisurid.
– MAO-B-Hemmer (Selegilin).
– COMT-Hemmer (in Kombination mit L-Dopa).
– Amantadin (v. a. parenteraler Einsatz bei akinetischer Krise).
왘 Beachte: Mögliche Nebenwirkungen der Dopaminmedikation: Vegetative Stö-

rungen (Übelkeit, Erbrechen, Hypotonie, Kopfschmerz, Unruhe), Verwirrt-


heitszustände und psychotische Episoden.
앫 Bei Tremordominanztyp:
– Anticholinergika: z. B. Biperidin, Benzatropin, Bornaprin, Metixen, Pridinol.
– Antihistaminika, z. B. Diphenhydramin.
– Beta-Blocker (s. S. 331).
– Trizyklische Antidepressiva (s. S. 324 ff).
– Dopaminagonisten: z. B. Bromocriptin, Pramipexol.
– Antikonvulsiva, z. B. Primidon.
– Atypische Antipsychotika: z. B. Clozapin, Olanzapin (s. S. 318 ff).
– Cholinesterasehemmer (z. B. Rivastigmin, Donepezil).
왘 Hinweis: Bei Depressivität zusätzlich leicht- bis mittelpotente nichttrizyklische

Antidepressiva einsetzen (s. S. 324 ff).


왘 Achtung: Mögliche Gründe für einen eingeschränkten Behandlungserfolg: Höhe-

res Lebensalter, rasche Symptomprogredienz, zusätzliche neurologische und/


oder psychopathologische Ausfälle, andere Erkrankungen des ZNS.
왘 Neurochirurgisch:
앫 Operative stereotaktische Behandlung: Bislang ohne zufriedenstellende Ergeb-
nisse; ebenso die Transplantation neuronaler Zellen.
앫 Tiefe (elektrische) Hirnstimulation: In Erprobung.
왘 Psychiatrisch: Begleitende stützende Psychotherapie, Psychoedukation, Einbin-
dung in eine Selbsthilfegruppe (s. S. 436 Anhang).
왘 Physio-/ergotherapeutisch: Notwendig ist eine intensive und regelmäßige kran-
kengymnastische Behandlung mit gezielten Streck- und Koordinationsübungen,
therapeutischem Schwimmen, Massagen und Beschäftigungstherapie.

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5 5.10 Demenz bei Huntington-Krankheit

Verlauf
. . . . . . . . . . .und
. . . . . Prognose
Organische psychische Störungen

.......................................................................
왘 In der Regel allmählich progredienter Verlauf. Trotz zufriedenstellender medika-
mentöser Langzeitbehandlung herabgesetzte Lebenserwartung.
왘 Verlaufskomplikationen durch krisenhaft sich zuspitzende vegetative Symptome
(Akinetische Krisen mit Fieber, Schweißausbrüchen), Blickkrämpfe und andere ex-
trapyramidale Paroxysmen.

5.10 Demenz bei Huntington-Krankheit


왘 ICD-10: F 02.2, G 10

Grundlagen
.......................................................................................
왘 Definition: Autosomal-dominant vererbte (Genort: Chromosom 4, kurzer Arm),
primär degenerative Erkrankung mit typischen Hyperkinesen und begleitenden
progredienten psychopathologischen Veränderungen (Chorea Huntington).
왘 Epidemiologie:
앫 Große Penetranz: Etwa 50% der Familienmitglieder erkranken.
앫 Morbiditätsrisiko: Etwa 0,5%. (Kein Geschlechtsunterschied.)
앫 Durchschnittliches Alter bei Beginn: 30.– 45. Lebensjahr.
앫 Prävalenz: Ca. 5/100.000.
왘 Ätiologie und Pathogenese:
앫 Systematrophie im Bereich des Striatums, Klaustrums und der Stirnhirnrinde.
앫 Pathophysiologisch erniedrigte Konzentration der GABA in den Basalganglien mit
relativem Dopaminüberschuss.
(Dysbalance Dopamin-Acetylcholin?)

.Klinik
......................................................................................
왘 Psychopathologisch:
앫 Zu Beginn meist unspezifische psychische Veränderungen wie Ängstlichkeit, De-
pressivität, Reizbarkeit und Affektlabilität, seltener psychotisch-produktive
Symptome. Suizidalität mit häufigen Suiziden.
앫 Konzentrations- und Gedächtnisstörungen.
앫 Im Verlauf zunehmende Enthemmung und Aggressivität, Neigung zu Haltarmut
bis zu Dissozialität und Delinquenz mit Verwahrlosung. Gelegentlich auch pseu-
doneurasthenische Bilder.
왘 Neurologisch:
앫 Blitzartig einsetzende und arrhythmisch ablaufende, schlendernd-zuckende Hy-
perkinesen der Extremitäten (mit distaler Betonung) und der Gesichtsmuskula-
tur (orofaziale Hyperkinesien: Chamäleonzunge, Grimassieren) bis zur allgemei-
nen ständigen Bewegungsunruhe.
앫 (Gleichzeitig) Hypotonie der Muskulatur. Selten Spastik, Pyramidenbahnzeichen.
앫 Artikulationsstörungen mit verwaschener Sprache, gestörter Kau- und Schluck-
akt, Blickparesen. Vegetative Symptome.
왘 Hinweis: Bei juveniler Form (Westphal-Variante) Vorherrschen von Akinese,

Rigor, Ataxie, Tremor und Krampfanfällen!

.Diagnostik
......................................................................................
왘 Psychopathologische Untersuchung (s. Klinik).
왘 Anamnese: Allgemein (berufliche und soziale Probleme, zunehmende Vergesslich-
keit), Familienanamnese (in der Familiengeschichte Personen mit Bewegungsstö-
130 rungen, frühem dementativem Abbau?).

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5.10 Demenz bei Huntington-Krankheit 5
Neurologische Untersuchung: Klinik s. o., Muskeleigenreflexe eher schwach aus-

Organische psychische Störungen


lösbar (evtl. Gordon-Kniephänomen: Nur langsames Absinken des Beins nach Aus-
lösung des PSR).
왘 Labor: Routinelabor, Schilddrüsenfunktion (TSH, ggf. T3, T4), TPHA-Test, Coerulo-
plasmin, Liquordiagnostik (Entzündung?).
왘 Apparative Diagnostik:
앫 CCT (kranielles MRT): Atrophie des Corpus striatum mit deutlicher Verplumpung
der Seitenventrikel, Vergrößerung des 3. Ventrikels, Hydrocephalus externus.
앫 Elektrophysiologie:
– Evozierte Potenziale (VEP, SEP, AEP): Latenzverzögerung, Amplitudenredukti-
on?
– Elektronystagmographie: Gestörte Sakkaden und vertikale Folgebewegun-
gen?
– EEG: Allgemeinveränderung, Herdbefund?

.Differenzialdiagnose
......................................................................................
왘 Chorea minor: Streptokokkeninfekt in der Anamnese, meist Erkrankung im Kindes-
alter, Laborparameter (ASL-Titer, CRP 앖, BSG 앖), überwiegend weibliches Ge-
schlecht.
왘 Hyperkinesen bei anderen extrapyramidalen dystonen und/oder athetoiden Erkran-
kungen, Heredoataxien und pharmakogenen Dyskinesien (s. Lehrbücher der Neuro-
logie).
왘 Chorea gravidarum: Auftreten im 2. Trimenon oder bei Verwendung oraler Kontra-
zeptiva, häufig Chorea minor in der Anamnese (s. o.).
왘 Stoffwechselerkrankungen: M. Wilson (s. S. 150), Hypoparathyreoidismus (s. S. 149),
Hypoglykämie, Urämie.
왘 Frühkindliche Hirnschädigung: Anamnese, Fremdanamnese, neurologische Unter-
suchung, CCT, EEG (s. S. 113 ff).
왘 Psychogene Körperstörungen ausschließen! (s. S. 83).

Therapie
.......................................................................................
왘 Allgemein, psychiatrisch:
앫 Möglichst lange Ergo- und Bewegungstherapie; Logopädie.
앫 Anschluss an Selbsthilfegruppe (s. S. 436).
앫 Die stetig zunehmenden, oft dissozialen bis delinquenten Verhaltensstörungen
erfordern zunehmende Beaufsichtigung. Betreuung einrichten (s. S. 419 f).
앫 Wegen kontinuierlicher Progredienz bis zum schweren Siechtum ist schließlich
eine Dauerhospitalisierung mit intensiver pflegerischer Betreuung notwendig.
앫 Angehörigenberatung und -behandlung!

Tabelle 45 · Medikamente zur Therapie der Hyperkinesien


.......................................................................................
Wirkstoff Dosierungsvorschlag (in mg) mögliche Nebenwirkungen
.......................................................................................
Clozapin bis 3 ⫻ 100 Müdigkeit, Agranulozytose
(s. S. 319, 323)
Olanzapin bis 2 ⫻ 10 Müdigkeit
Tiaprid 3 ⫻ 200 Müdigkeit
Tetrabenazin 3 ⫻ 50 Depression
Sulpirid 3 ⫻ 300 Schwitzen, Unruhe
Risperidon bis 3 ⫻ 5 Müdigkeit
131

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5 5.11 Demenz bei normotensivem Hydrozephalus

Hinweis: Humangenetische Beratung bzw. erbbiologische Beurteilung so früh wie


Organische psychische Störungen

möglich anstreben mit dem Ziel einer Früherkennung und damit verbesserten Fami-
lienplanung!
왘 Medikamentös:
앫 Günstige Beeinflussung der extrapyramidalen Symptomatik mit Clozapin
(s. S. 318) oder Tiaprid oder Tetrabenazin. (In Erprobung: Remacemide als Neuro-
transmitterblocker).
앫 Bei Umtriebigkeit/Unruhe, psychotischen Symptomen und Schlafstörungen ist
die Anwendung atypischer Neuroleptika (s. S. 318 ff) oder schwachpotenter Neu-
roleptika (z. B. Levomepromazin 3 – 4 ⫻ 25 mg oder 3 – 4 ⫻ 25 – 50 mg Melperon)
empfehlenswert.
왘 Hinweis: Bei Westphal-Variante Kombination von L-Dopa mit Pramipexol.

Verlauf
. . . . . . . . . . .und
. . . . . Prognose
.......................................................................
왘 Kontinuierliches Fortschreiten der Erkrankung mit durchschnittlicher Verlaufsdau-
er von etwa 10 – 12 Jahren, in seltenen Einzelfällen auch länger.
왘 Schließlich trotz Rundumversorgung Tod infolge Kachexie und interkurrenter Er-
krankungen.

5.11 Demenz bei normotensivem Hydrozephalus


왘 ICD-10: F 07, G 91.9

Grundlagen
.......................................................................................
왘 Synonyme: Chronischer Hypozephalus. Normaldruck-Hydrozephalus (NPH).
왘 Definition: Demenzielles Syndrom durch intermittierenden Überdruck in den
Hirnkammern aufgrund einer Liquorzirkulationsstörung.
왘 Epidemiologie: Möglicherweise 5(– 10) % aller Demenzen.
왘 Ätiologie und Pathogenese: Ursache ist eine Liquorzirkulationsstörung infolge ei-
ner verminderten Liquorresorption durch die Pacchioni-Granulationen in den Ven-
trikeln. Der intrakranielle Liquordruck (Mitteldruck) liegt meist im Normbereich
(unter 15 mmHg); es kommt aber zu pathologischen Druckspitzen.

.Klinik
......................................................................................
왘 Psychopathologisch:
앫 Im Verlauf der Erkrankung zunehmende Antriebsverarmung mit Verlangsamung
und Aspontanität bis zur Apathie.
앫 Kognitive Defizite in Form von Auffassungs- und Konzentrationsstörungen, Ge-
dächtniseinbußen.
앫 Depressivität.
왘 Neurologisch:
앫 Gleichgewichtsstörungen und Gangunsicherheit zu Beginn der Erkrankung.
앫 Später Ataxie, teilweise extrapyramidale und zerebelläre Symptome.
앫 Urininkontinenz.

.Diagnostik
......................................................................................
왘 Psychopathologische Untersuchung: (s. Klinik). Fremdanamnese (Erkrankungs-
beginn?).
왘 Neurologische Untersuchung: (s. Klinik).
왘 Apparative Diagnostik:
132 앫 CCT: Ventrikelvergrößerung als Ausdruck eines Hydrozephalus.

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5.12 AIDS-Demenz 5
앫 ggf. Liquorszintigraphie, Zisternographie, MR-Flussmessung und Liquordruck-

Organische psychische Störungen


messung (Einzelheiten s. Lehrbücher der Neurologie).

.Differenzialdiagnose
......................................................................................
왘 Enzephalomyelitis disseminata: Symptomatik bei Erkrankungsbeginn, CCT bzw.
MRT, Liquorbefund.
왘 Demenz mit Lewy-Körperchen: Hypokinetisches Parkinson-Syndrom (s. S. 121).
왘 Demenz bei Parkinson-Erkrankung: Begleitsymptomatik (s. S. 128 ff).
왘 Frühkindliche Hirnschädigung: Anamnese. MRT-Befund (s. S. 113 ff).

Therapie
.......................................................................................
왘 Wiederholte Liquorpunktion mit Entnahme größerer Liquormengen (30 – 50 ml) zur
Entlastung.
왘 Druckentlastung durch Einbau eines Shunt-Systems.
왘 Hinweis: Strenge Indikationsstellung! Komplikationen durch subdurale Flüssig-

keitsansammlung möglich. Vereinzelt auch postoperative Krampfanfälle.

Verlauf
. . . . . . . . . . .und
. . . . . Prognose
.......................................................................
왘 Bei zeitiger Intervention bei über einem Viertel völlige Remission, im Langzeitver-
lauf verbleibende, spürbare Teilremission bei etwa 40% der Patienten.

5.12 AIDS-Demenz
왘 ICD-10: F 02.4, B 24

Grundlagen
.......................................................................................
왘 Definition: Hirnorganisches Psychosyndrom aufgrund einer subchronischen Me-
ningoenzephalitis bei AIDS.
왘 Ätiologie und Pathogenese:
앫 Im Anschluss an eine Infektion mit lymphotropen Retroviren HIV 1 (oder HIV 2)
nach oft mehrjähriger Latenzperiode fortschreitende Schädigung des zellulären
Immunsystems mit der daraus folgenden Immunschwäche AIDS (acquired im-
mune deficiency syndrome) und sekundärem ARC (AIDS-related complex). Ne-
ben opportunistischen Infektionen und Tumoren kommt es auch zu primären
und sekundären Manifestationen im zentralen und peripheren Nervensystem.
앫 Mitbefall des Hirnparenchyms über infizierte Monozyten und Makrophagen:
– Gliose des Kortex und der subkortikalen Kerne.
– Fokale Nekrosen. Lymphozytäre Infiltrate mit multinukleären Riesenzellen.
왘 Epidemiologie:
앫 Bei ⬎ 50% der an AIDS erkrankten Personen treten im Verlauf neurologische Defi-
zite und psychiatrische Auffälligkeiten auf.
앫 Etwa 30 – 50% der Patienten entwickeln eine AIDS-Enzephalopathie bzw. AIDS-
Demenz.
왘 Hinweis: Risikogruppen sind homo- und bisexuelle Männer und Fixer. Ein erhöh-

tes Erkrankungsrisiko besteht auch bei (ungeschütztem) Sexualverkehr und Blut-


transfusionen in der Vorgeschichte.

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5 5.12 AIDS-Demenz

.Klinik
Organische psychische Störungen

......................................................................................
왘 Allgemein:
앫 Zunächst Allgemeinsymptome wie Müdigkeit, Gewichtsverlust, Diarrhöen, Leis-
tungsabfall, Kopfschmerzen, Schwindel.
왘 Psychopathologisch:
앫 Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit.
앫 Psychopathologisch depressiv-neurasthenisches Syndrom mit Apathie, mnesti-
schen Störungen, Depressionen und/oder Angstzuständen, Suizidalität.
앫 Später insgesamt Bild einer subkortikalen Demenz mit kognitiven Einbußen und
allgemeiner Verlangsamung. Im Spätstadium häufiger psychotische Symptome
bei allgemeiner Hinfälligkeit.

.Diagnostik
......................................................................................
왘 Psychopathologische Untersuchung (s. Klinik).
왘 Anamnese, Fremdanamnese.
왘 Neurologischer und internistischer Status: Ausführliche internistische und neu-
rologische Untersuchung: Sekundäre Krankheitssymptome (Lymphknotenstatus,
Hauteffloreszenzen, Atemfunktion, Infektzeichen, neurologische Herdsymptome?).
왘 Labor:
앫 Liquor: Unspezifisch entzündlich verändert mit mäßiger Pleozytose und Eiweiß-
erhöhung sowie deutlicher Zunahme von oligoklonalen, autochthon gebildeten
Immunglobulinen und Chinolinsäure (Einzelheiten siehe Lehrbücher der Neuro-
logie und Inneren Medizin).
앫 Positive HIV-Serologie (Serum und/oder Liquor), pathologischer Immunstatus.
왘 Apparative Diagnostik:
앫 EEG: Allenfalls unspezifische Allgemeinveränderungen.
앫 CCT (kranielles MRT): In 70 – 80% der Fälle Atrophie mit Ventrikelerweiterung,
eventuell Hinweise auf opportunistische Infektionen (Tuberkulose, Toxoplasmo-
se, Mykosen). Hinweise auf diffusen Marklagerbefall im MRT.
앫 SPECT: Subkortikale multilokuläre Minderperfusionen.

.Differenzialdiagnose
......................................................................................
왘 Andersartige chronische Enzephalitis (z. B. Enzephalomyelitis disseminata) ein-
schließlich Leukenzephalopathie: Negative HIV-Serologie, andere serologische Un-
tersuchungen, Immunstatus.
왘 Hirnorganisches Psychosyn. bei Drogenmissbrauch: Anamnese, Drogenscreening.
왘 Depression (s. S. 180 ff): Anamnese, Verlauf, Klinik.
왘 AIDS-Phobie, hypochondrische Neurose (s. S. 206): Anamnese, fehlende neurologi-
sche Symptomatik.

Therapie
.......................................................................................
왘 Medikamentös:
앫 Antiretrovirale Kombinationstherapie. Impfstoffe befinden sich derzeit in der Er-
probung. (Einzelheiten s. Lehrbücher der Infektiologie bzw. Inneren Medizin).
앫 Behandlung von Sekundärinfektionen.
왘 Psychiatrisch, psychotherapeutisch: Begleitende stützende Psychotherapie, Sui-
zidprophylaxe. Anbindung an Selbsthilfegruppe und Hilfsdienste (s. S. 405).
왘 Hinweis: Wegen der Grunderkrankung Vorsicht beim Gebrauch von Psychophar-

maka (Nebenwirkungen!). Am ehesten im Bedarfsfall atypische Neuroleptika


(s. S. 318 ff) oder niedrigdosiert Butyronophenone (z. B. Pipamperon 3 ⫻ 25 mg
p. o. oder Haloperidol 3 ⫻ 0,5 mg p. o.) oder Benzodiazepine (z. B. Lormetazepam)
134 bzw. nichttrizyklische Antidepressiva (s. S. 324 ff).

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5.13 Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung (CJD) 5
Verlauf
. . . . . . . . . . .und
. . . . . Prognose

Organische psychische Störungen


.......................................................................
왘 Prognostisch ungewisser Verlauf mit langen Remissionszeiten.

5.13 Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung (CJD)


왘 ICD-10: F02.1
왘 Definition: Progrediente Demenz aufgrund einer spongiösen Enzephalopathie.

Grundlagen
.......................................................................................
왘 Epidemiologie, Ätiologie und Pathogenese:
앫 Sporadische Form: Inzidenz 1: 1 000 000. Erkrankungsgipfel zwischen dem 60.
und 70. Lebensjahr.
앫 Familiäre Form:
– Genetische Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung.
– Gerstmann-Sträussler-Scheinker-Syndrom (GSS).
– Letale familiäre Insomnie (FFI).
앫 Iatrogene Form: Übertragung im Rahmen von operativen Eingriffen (Übertragung
infektiöser Dura oder Cornea) oder durch Gabe von Wachstumshormonen.
앫 Neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung: Zusammenhang mit Genuss von
Fleisch an boviner Enzephalopathie erkrankter Rinder („Rinderwahnsinn“, BSE).
Erkrankungsgipfel im 3. Lebensjahrzehnt.

.Klinik
......................................................................................
왘 Psychopathologisch:
앫 Sporadische Form: Rasch fortschreitende Demenz (ebenso genetische CJD).
앫 Neue Variante: Psychiatrische Auffälligkeiten, z. B. depressive, paranoid-halluzi-
natorische und/oder Angstsymptome. Erst spät Entwicklung einer Demenz.
왘 Neurologisch:
앫 Sporadische Form: Progrediente Ataxie, Myoklonien, extrapyramidale Störungen,
Pyramidenbahnzeichen.
앫 Neue Variante: Schmerzhafte Dysästhesien, Gangataxie, Myoklonien.

.Diagnostik
......................................................................................
왘 Psychopathologische Untersuchung: s. Klinik.
왘 Neurologischer und internistischer Status: Auf Symptomatik wie oben beschrie-
ben achten (rasch fortschreitende Demenz, Myoklonien, Pyramidenbahnzeichen
und extrapyramidal-motorische Störungen).
왘 Beachte: Bei der neuen Variante der CJD initial psychiatrische Auffälligkeiten.

앫 GSS: Zerebelläre Ataxie und spastische Paraparese.


앫 FFI: Progressive Insomnie und autonome Dysregulation.
왘 Liquordiagnostik: Nachweis einer erhöhten Konzentration neuronaler und astro-
zytärer Proteine: Protein 14 – 3-3, TAU, NSE, S100 (Protein 14 – 3-3 ist bei der spora-
dischen CJD in 94%, bei der neuen Variante der CJD in 50% erhöht).
왘 Apparative Diagnostik:
앫 MRT: Bei der sporadischen CJD Hyperintensitäten in den Basalganglien, bei der
neuen Variante der CJD Hyperintensitäten im posterioren Thalamus („pulvinar
sign“) in 80% der Fälle.
앫 EEG: Periodische bi- und triphasische Komplexe, sogenannte „sharp-wave“-Kom-
plexe (PSWC) bei der sporadischen CJD. Bei der neuen Variante der CJD fehlen ty-
pische EEG-Veränderungen.
135

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5 5.14 Progressive Paralyse (Dementia paralytica)

.Differenzialdiagnose
Organische psychische Störungen

......................................................................................
왘 Demenz vom Alzheimer-Typ (s. S. 115 ff).
왘 Demenz mit Lewy-Körperchen (s. S. 128).
왘 Demenz bei Parkinson-Erkrankung (s. S. 131 ff).

Therapie
.......................................................................................
왘 Medikamentös (symptomatisch): Spasmolytika, Parkinson-Medikamente
(s. S. 128 ff). Gegen Unruhe, Angst und Halluzinationen Olanzapin, Clozapin, Levo-
mepromazin oder Thioxanthen.
왘 Allgemein, psychiatrisch: Pflege. Psychosoziale Beratung und Unterstützung der
Angehörigen (s. S. 436).
왘 Hinweis: Desinfektion der verwendeten Instrumente und Geräte! Sachgerechte Ent-
sorgung von Gegenständen, die mit Blut oder Liquor in Berührung gekommen sind.

Verlauf
. . . . . . . . . . .und
. . . . . Prognose
.......................................................................
왘 Letaler Ausgang unter Symptomen einer Dezerebration.
(Eine neuropathologische Verifizierung ist anzustreben.)
왘 Durchschnittliche Krankheitsdauer bei der sporadischen Form 6 Monate, bei der
neuen Variante 14 Monate.

5.14 Progressive Paralyse (Dementia paralytica)


왘 ICD-10: F06.9, F07.1, A52.1

Grundlagen
.......................................................................................
왘 Definition:
앫 Chronische syphilitische Meningoenzephalitis im Spätstadium einer Lues cere-
brospinalis.
앫 Manifestation auf neurologischem Gebiet als Meningoradikulitis in Form der Ta-
bes dorsalis (s. Lehrbücher der Neurologie).
왘 Epidemiologie: Manifestationsalter meist 40.– 60. Lebensjahr (häufiger bei Män-
nern).
왘 Ätiologie und Pathogenese:
앫 Etwa 10 – 20 Jahre nach luetischem Primäraffekt kommt es bei 5 – 10% der mit
Treponema pallidum infizierten Personen zur Ausbildung einer quartären Lues
von Gehirn und Rückenmark.
앫 Die chronisch-entzündlichen Veränderungen (Polioenzephalitis, Pachymenin-
geosis haemorrhagica) führen zu einer Atrophie der Stammganglien und der
frontalen Hirnrinde mit Verschmälerung der Hirnwindungen.

.Klinik
......................................................................................
왘 Psychopathologisch:
앫 Frühstadium: Schleichende, uncharakteristische psychopathologische Symptome
wie allgemeine Reizbarkeit, Erschöpfungsgefühl, Angst, Konzentrationsstörun-
gen, Verstimmungen, Kritikschwäche, Schlafstörungen (pseudoneurasthenisches
Syndrom).
앫 Später: Progredientes organisches Psychosyndrom mit affektiver Verödung und
Antriebsverarmung bzw. Persönlichkeitsabbau.
앫 Daneben auch expansive Formen: Gehobene Stimmungslage, Distanzlosigkeit,
Enthemmung, Aktivitätssteigerung, Größenwahn, paranoide Symptome, Halluzi-
136 nationen.

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5.14 Progressive Paralyse (Dementia paralytica) 5
Neurologisch: Kopfschmerzen, mimisches Beben, Pupillenstörungen (reflektori-

Organische psychische Störungen


sche Pupillenstarre Argyll-Robertson), Dysarthrie, aphasische Störungen und ande-


re Herdbefunde, Krampfanfälle. Bei Taboparalyse zusätzlich Areflexie, Spastik, spi-
nale Ataxie, Sensibilitätsstörungen, tabische Krisen.

.Diagnostik
......................................................................................
왘 Psychopathologische Untersuchung (s. Klinik).
왘 Neurologische Untersuchung (s. Klinik).
왘 Labor:
앫 Positive Luesserologie: Primär TPHA-Test als Suchreaktion.
앫 Liquor: Lymphozytäre Pleozytose und Vermehrung des Gesamteiweißes. Mögli-
che IgM-Erhöhung sowie positive oligoklonale Banden. (Einzelheiten siehe Lehr-
bücher der Neurologie.)
왘 Apparative Diagnostik:
앫 CCT (kranielles MRT): Hirnatrophie. EEG: Allgemeinveränderung?

.Differenzialdiagnose
......................................................................................
왘 Maniforme Krankheitsbilder anderer Genese: Anamnese, fehlende pathologische
Laborparameter.
왘 Beginnende schizophrene Psychose bzw. schizophrenes Defektsyndrom (s. S. 176):
Anamnese, Verlauf, fehlende pathologische Laborparameter.
왘 Encephalomyelitis disseminata oder andere nichtluetische entzündliche Hirner-
krankungen: Negative Luesserologie, keine Anamnese mit typischen Hauterschei-
nungen.
왘 Systematrophie, z. B. Morbus Pick (s. S. 122), Chorea Huntington (s. S. 130).
왘 Andersartige Demenzen.

Therapie
.......................................................................................
왘 Medikamentös:
앫 Penicillin parenteral: Über drei Wochen täglich 3 ⫻ 10 Mio. IE Penicillin G i. m.
왘 Hinweis: Bei drohender Herxheimer-Reaktion (Fieber, Myalgien, Cephalgie, Blut-

druckschwankungen Stunden bis wenige Tage nach Therapiebeginn) Verabrei-


chung von Prednison vor Beginn der Behandlung.
앫 Bei Penicillinunverträglichkeit: Wechsel auf Erythromycin (2 g) oder Tetracyclin
(200 mg p. o. oder i. v.) täglich für 4 Wochen.
왘 Liquorkontrolle: 6 – 8 Wochen nach der ersten Kur sowie 1/2 Jahr später und noch-
mals nach 2 weiteren Jahren (Zellzahl, Protein normalisiert?).
왘 Hinweis: Durch die Behandlung ist lediglich ein Stillstand der Parenchymverände-
rungen möglich, keine Reversibilität!
왘 Psychiatrisch: Aufklärung, Beratung. Stützende (adaptive) therapeutische Gesprä-
che (s. S. 353, 354).

Verlauf
. . . . . . . . . . .und
. . . . . Prognose
.......................................................................
왘 Eine Heilung ist bei der Hälfte der Patienten möglich, wenn die Behandlung inner-
halb der ersten drei Monate nach Auftreten der Frühsymptome erfolgt. Alle serologi-
schen und klinischen Parameter müssen nach einem Zeitraum von zwei Jahren als
zufriedenstellend beurteilt werden.
왘 Ansonsten teilweise Besserung mit sozialer Anpassung bei verbleibenden Defekt-
syndromen: Psychopathologisch persistieren häufig pseudoneurasthenische Symp-
tome bzw. eine hirnorganische Wesensänderung.
왘 Unbehandelt kommt es innerhalb weniger Jahre zu schwerster Demenz und
schließlich zum Tod.
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5 5.15 Epilepsiepsychose, -demenz

5.15 Epilepsiepsychose, -Demenz


Organische psychische Störungen

왘 ICD-10: F 06.2, F 06.8, F02.8, G 40

Grundlagen
.......................................................................................
왘 Definition:
앫 Epileptische Psychose: Psychotische Episoden im Rahmen einer epileptischen Er-
krankung (v. a. Temporallappenepilepsie).
앫 Epilepsie-Demenz: Dementielles Syndrom bei therapierefraktärer Epilepsie.
왘 Epidemiologie:
앫 Epileptische Psychose: ca. 5 – 10% der Epilepsiekranken (meist bei Temporallap-
penepilepsie).
앫 Epilepsie-Demenz: Bei ausreichender Anfallsprophylaxe sehr selten.
왘 Ätiologie und Pathogenese:
앫 Pathogenetisch maßgebend sind vermutlich Interferenzen zwischen hirnorgani-
scher Schädigung bzw. Krampfschwelle, psychotischer Disposition und medika-
mentösen Einwirkungen.
앫 Zusätzlich Einflüsse psychosozialer Auswirkungen des Anfallsleidens.

.Klinik
......................................................................................
왘 Psychopathologisch:
앫 Depressiv-ängstlich getönte Verstimmungen, teils einhergehend mit Somnolenz
und Desorientiertheit (Dämmerzustand s. S. 80), stunden- bis tagelang anhal-
tend.
앫 Angespanntheit mit Unruhe und poriomanen Verhaltensweisen oder anderen
impuls- oder dranghaften Auffälligkeiten.
앫 Suizidalität; Zustände aggressiver Erregtheit und Gewalttätigkeit.
앫 Schizophreniforme Symptome bzw. paranoid-halluzinatorische Durchgangssyn-
drome (s. S. 106), meist bei Temporallappenepilepsie.
앫 Bei längerer Krankheitsdauer bzw. Therapieresistenz Epilepsie-Demenz.
왘 Manifestationsformen:
앫 An einen Anfall gebunden (vor, während, nach einem Anfall: postiktale Psycho-
se).
앫 Interiktal (im anfallsfreien Intervall): Bei Alternativ- bzw. Normalisierungspsy-
chosen (hier psychotische Symptomatik einhergehend mit einer Normalisierung
des EEG-Befundes, „Psychose alternativ zum Anfall“ bzw. Sistieren der psychoti-
schen Symptomatik im Anschluss an einen Krampfanfall – insbesondere unter
forcierter medikamentöser antikonvulsiver Behandlung).

.Diagnostik
......................................................................................
왘 Psychopathologische Untersuchung (s. Klinik). Fremdanamnese.
왘 Umfassende neurologische Abklärung (s. S. 17).
왘 Apparative Diagnostik:
앫 CCT (besser kranielles MRT): Zum Nachweis eines morphologischen Korrelats im
Bereich des vermuteten oder gesicherten epileptischen Fokus.
앫 EEG:
– Herdbefund?
– Bei Alternativpsychose psychopathologische Symptomatik invers zur Besse-
rung des EEG-Befundes („forcierte Normalisierung“, s. o.).
– Ansonsten Allgemeinveränderung mit Theta- und Delta-Parenrhythmien bei
Allgemeinveränderung.
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5.16 Intoxikationspsychose 5

.Differenzialdiagnose

Organische psychische Störungen


......................................................................................
왘 Petit-mal-Status: EEG!
왘 Intoxikationspsychose (s. unten).
왘 Dämmerzustände anderer Genese: z. B. bei Schizophrenie (s. S. 162 ff), affektiven
Störungen (s. S. 180 ff).
왘 Pseudoepilepsie (s. S. 285).

Therapie
.......................................................................................
왘 Psychiatrisch: Aufklärung, Beratung. Psychoedukation. Verhaltenstherapeutisch
eingeübte Selbstkontrolle.
왘 Medikamentös:
앫 Epileptische Dämmerzustände: Kombinationsbehandlung von Neuroleptika und
Antikonvulsiva, z. B. Haloperidol mit Carbamazepin oder Valproat.
왘 Hinweis: Neuroleptika senken Krampfschwelle!

앫 Alternativpsychose:
– Reduzierung oder Abbruch der antikonvulsiven Medikation, bei mangelnder
klinischer Besserung auch bis zur Krampfschwelle.
– Gleichzeitig Verabreichung mittelpotenter Antipsychotika (z. B. Haloperidol
3 ⫻ 5 mg p. o. oder Clopenthixol 3 ⫻ 10 mg p. o. oder Perazin 3 ⫻ 50 mg p. o.).
– Eventuell Elektrokrampftherapie (Indikationen s. S. 344).

Verlauf
. . . . . . . . . . .und
. . . . . Prognose
.......................................................................
왘 Bei interiktalen Dämmerzuständen bzw. Psychosen (Alternativpsychose) oft hart-
näckige Symptomatik; der Verlauf ist insgesamt jedoch nicht ungünstig.
왘 Bei epileptischem Dämmerzustand bzw. epileptischer Psychose gelegentlich unbe-
rechenbar-delinquentes Verhalten mit forensischen Konsequenzen: Schuldfähigkeit
meistens aufgehoben (§ 20 StGB) oder zumindest erheblich vermindert (§ 21 StGB),
s. S. 422.
(Prognostische Belastung durch erhöhtes Suizidrisiko vor allem bei Patienten mit
Temporallappenepilepsie.)

5.16 Intoxikationspsychose
왘 ICD-10: F 13

Grundlagen
.......................................................................................
왘 Definition: Psychische Veränderungen nach Abusus von Sedativa oder Hypnotika
(s. S. 140 Drogeninduzierte Psychose, s. S. 217 ff Suchterkrankungen).
왘 Ätiologie und Pathogenese: Funktionsstörungen des zentralen Nervensystems,
vor allem in Bereichen größerer Zelldichte (Hirnrinde, Thalamus, Hirnstamm), infol-
ge undisziplinierter oder missbräuchlicher Einnahme von Sedativa oder Hypnotika.

.Klinik
......................................................................................
왘 Psychopathologisch:
앫 Akut: Konzentrationsstörungen, Bewusstseinstrübung, Verwirrtheit, Gedächtnis-
schwäche bis zum amnestischen Durchgangssyndrom, Beeinträchtigungen der
Steuerungsfähigkeit und Selbstkontrolle, verwaschene Sprache, Sinnestäuschun-
gen bzw. paranoid-halluzinatorisches Durchgangssyndrom (s. S. 106).
앫 Chronisch: Reizbarkeit mit Stimmungslabilität, Müdigkeit, Apathie, Gleichgültig-
keit, allmähliche Persönlichkeitsveränderung mit Selbstvernachlässigung. 139

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5 5.17 Drogeninduzierte Psychose

.Diagnostik
Organische psychische Störungen

......................................................................................
왘 Psychopathologische Untersuchung (s. Klinik).
왘 Körperliche Untersuchung (internistisch-neurologisch): Auf verdeckte Traumata
achten (Schädel-Hirn-Trauma, Hämatome), Pupillenstörungen, Reflexdifferenzen,
vegetative Symptomatik.
왘 Anamnese und Fremdanamnese: Art der Substanzen, kurz- bzw. längerfristige
Einnahme, Medikamente, frühere Episoden.
왘 Apparative Diagnostik: EEG (Allgemeinveränderung, Herd in Korrelation zum kli-
nischen Befund?), CCT/kranielles MRT (Kontusion? Blut? Ischämie?).
왘 Labor: Routinelabor (Leberwerte, Gerinnung, Elektrolyte, Glukose), Medikamen-
tenscreening (Alkoholkonzentration, Drogenscreening, vgl. S. 21).

.Differenzialdiagnose
......................................................................................
왘 Primäre oder sekundäre Hirnfunktionsstörung anderer Art (symptomatische psy-
chische Störung s. S. 148 ff).
왘 Chronische Psychose bzw. chronisch-depressive Entwicklung (s. S. 209 Dysthymia).

Therapie
.......................................................................................
왘 Allgemein, psychiatrisch:
앫 Entgiftung, gegebenenfalls langfristige Entwöhnungsbehandlung.
앫 Allgemein-körperliche Behandlung, roborierende (stärkende) Maßnahmen.
왘 Medikamentös: Bei Entzugserscheinungen Antidepressiva (z. B. Amitriptylin
3 ⫻ 50 mg bis 4 ⫻ 50 mg p. o. oder Doxepin 3 ⫻ 50 – 100 mg p. o.) und/oder Antipsy-
chotika (z. B. Thioridazin 3 ⫻ 50 mg p. o. oder Tiaprid 300 – 600 mg/d p. o.; vgl. S. 311
Notfallpsychiatrie).

Verlauf
. . . . . . . . . . .und
. . . . . Prognose
.......................................................................
왘 Abhängig von weiterer Medikamenteneinnahme.

5.17 Drogeninduzierte Psychose


왘 ICD-10: F 11, F 12, F 14, F 16, F 18 und F 19

Grundlagen
.......................................................................................
왘 Definition: Auftreten einer psychotischen Symptomatik nach Einnahme von Dro-
gen, (noch) nach drogenfreiem Intervall wiederkehrende psychische Störungen
(Echopsychose, Flashback, Nachhallpsychose), s. S. 217 ff Suchterkrankungen.
왘 Einteilung nach ICD-10-Klassifikation:
앫 F 1 x.0: Akute Intoxikation
앫 F 1 x.1: Schädlicher Gebrauch
앫 F 1 x.2: Abhängigkeitssyndrom
앫 F 1 x.3: Entzugssyndrom
앫 F 1 x.4: Entzugssyndrom mit Delir
앫 F 1 x.5: Psychotische Störung
왘 Hinweis: Schizophreniepatienten sind viermal häufiger Drogenkonsumenten als
der Bevölkerungsdurchschnitt!

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5.17 Drogeninduzierte Psychose 5
Ätiologie und Pathogenese:

Organische psychische Störungen


앫 Einwirkung der Droge auf den Stoffwechsel der zerebralen Neurotransmitter


(„Modellpsychose“).
앫 Besondere dispositionelle Empfindlichkeit der betroffenen Person.
(Auslösend sind insbesondere Halluzinogene wie LSD, Meskalin, Psilocybin und
Phencyclidin, aber auch Cannabis, Kokain, Atropin, Amphetamine und sogenann-
te Schnüffelstoffe wie Azeton, Äther, Benzol, Chloroform und Nitroverdünner.)

.Klinik
......................................................................................
왘 Psychopathologisch:
앫 Horrortrip: Starke Angst bis zur Panik, Erregtheit, Unruhe, Ekstase.
앫 Delirante Symptome (s. S. 80); Verworrenheit.
앫 Paranoid-halluzinatorische Durchgangssyndrome (vgl. S. 311 Drogennotfall).
앫 Vor allem nach Konsum von Cannabis oder Kokain häufiger Leibmissempfindun-
gen und taktile Halluzinosen (s. S. 83).

.Diagnostik
......................................................................................
왘 Psychopathologische Untersuchung (s. Klinik).
왘 Anamnese: Eigen- und fremdanamnestische Angaben.
왘 Körperliche Untersuchung: Internistischer (Einstichstellen, Verletzungen anderer
Art?) und neurologischer Status (s. S. 18).
왘 Labor:
앫 Drogen- und Medikamentenscreening (s. S. 21).
앫 Routinelabor (s. S. 20).

.Differenzialdiagnose
......................................................................................
왘 Schizophrenie bzw. andersartige Psychosen mit schizophreniformer Symptomatik
(s. S. 162 ff).
왘 Psychogener Erregungszustand (s. S. 195).
왘 Intoxikationspsychose anderer Ursache (s. S. 148 ff Symptomatische psychische Stö-
rungen).

Therapie
.......................................................................................
왘 Psychiatrisch: Aufklärung, Psychoedukation! Entgiftung im Rahmen einer statio-
nären Behandlung. Bei Abhängigkeit konsequente Entwöhnungsbehandlung
(s. S. 217 ff).
왘 Medikamentös:
앫 Symptomatische Behandlung, meist durch mittel- bis hochpotente Antipsychoti-
ka (z. B. Haloperidol 3 ⫻ 2 – 5 mg p. o. oder Perazin 3 ⫻ 50 – 100 mg p. o. oder Zuclo-
penthixol 30 – 60 mg p. o. oder Thioxanthen 3 ⫻ 50 mg p. o.).
앫 Horrortrip: Parenteral Benzodiazepine (s. S. 331), Zuwendung und beruhigendes
Zureden („Talking down“).

Verlauf
. . . . . . . . . . .und
. . . . . Prognose
.......................................................................
왘 Wie bei allen stoffgebundenen Süchten abhängig von weiterem Drogenkonsum.
왘 Prognose schlechter, wenn infolge Drogeneinnahme eine latent bestehende schizo-
phrene Psychose aktiviert und manifest wurde. Weiterer Verlauf dann meist wie bei
autochthonen schizophrenen Psychosen. (Forensische Konsequenzen, z. B. Beschaf-
fungskriminalität s. S. 422.)

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5 5.18 Medikamenteninduzierte Psychose

5.18 Medikamenteninduzierte Psychose


Organische psychische Störungen

왘 ICD-10: F 06.8

Grundlagen
.......................................................................................
왘 Definition: Psychische Veränderungen nach Applikation von Medikamenten mit
sekundärer psychotroper Wirkung.
왘 Ätiologie und Pathogenese: Beeinträchtigung der Hirnfunktionen bzw. Hirnleis-
tung aufgrund unerwünschter psychotroper Nebenwirkungen verschiedener Medi-
kamente ohne psychotrope Intention (siehe Tabelle 46).

Tabelle 46 · Medikamenteninduzierte Psychose


.......................................................................................
mögliche Medikamente, Wirkstoffe
.......................................................................................
Antibiotika (v. a. Sulfonamide, Tuberkulo- u. Zytostatika)
Anticholinergika (insbesondere L-Dopa)
Antihistaminika
Antikonvulsiva
Appetitzügler
Betarezeptorenblocker
Analgetika
Immunstimulantien u. -suppressiva
Antirheumatika
Steroide
Kontrazeptiva
Spasmolytika

.Klinik
......................................................................................
왘 Bei dispositioneller Empfindlichkeit, vorgeschädigtem Gehirn sowie vor allem älte-
ren Patienten innerhalb von Stunden bis Tagen nach Einnahme oben genannter
Pharmaka:
앫 Delirantes Syndrom (s. S. 80).
앫 Reversible Durchgangssyndrome aller Spielarten (s. S. 106).

.Diagnostik
......................................................................................
왘 Psychopathologische Untersuchung (s. Klinik).
왘 Anamnese bzw. Fremdanamnese: Genaue Auflistung aller eingenommenen Me-
dikamente, Krankheitsanamnese.
왘 Körperliche Untersuchung: Internistischer und neurologischer Befund.
왘 Labor:
앫 Routinelabor (s. S. 20): Auffälligkeiten, medikamenteninduzierte Laborverände-
rungen (Nebenwirkungen)?
앫 Serumspiegelbestimmung bzw. Medikamenten- und Drogenscreening (s. S. 21).

.Differenzialdiagnose
......................................................................................
왘 Missbrauch von Analgetika, Hypnotika oder Halluzinogenen, Drogen- und/oder Al-
142 kohol: Anamnese, Fremdanamnese, Serum-/Urinspiegel bestimmen.

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5.19 Commotio cerebri 5
Stets neurologische Systemerkrankung ausschließen, z. B. beginnende Demenz.

Organische psychische Störungen


Therapie
.......................................................................................
왘 Aufklärung, Psychoedukation!
왘 Indikation der Medikation überprüfen! Eventuell Dosisanpassung, soweit vertret-
bar Absetzen aller Medikamente und Wechsel auf ein anderes Präparat bzw. Umstel-
lung der therapeutischen Maßnahmen.

Verlauf
. . . . . . . . . . .und
. . . . . Prognose
.......................................................................
왘 Abhängig von weiterer Medikation bzw. von der Grunderkrankung.

5.19 Commotio cerebri


왘 ICD-10: F 07.2, S 06.0

Grundlagen
.......................................................................................
왘 Definition: Leichtere Form des Schädelhirntraumas, das passager zu psychischen
Beeinträchtigungen führen kann (Schädelhirntrauma Grad I) (s. Lehrbücher der
Neurologie).
왘 Ätiologie und Pathogenese: Infolge mechanischer Gewalteinwirkung vorüberge-
hende Störung der Hirnfunktionen aufgrund kolloidchemischer Veränderungen in
den Parenchymzellen.

.Klinik
......................................................................................
왘 Psychopathologisch (reversible Störungen):
앫 Bewusstlosigkeit bis zu einer Stunde mit retrograder und/oder anterograder Am-
nesie.
앫 Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen.
왘 Mögliche postkommotionelle Beschwerden („postkommotionelles Syndrom“,
häufig über Monate):
앫 Vergesslichkeit, Konzentrationsstörungen.
앫 Erschöpfungsgefühl, Schlafstörungen, Reizbarkeit und Affektlabilität.
왘 Hinweis: Keine neurologischen Ausfälle!

.Diagnostik
......................................................................................
왘 Psychopathologische Untersuchung: Unmittelbarer zeitlicher Zusammenhang
zwischen Trauma und Folgeerscheinungen (s. Klinik).
왘 Neurologische Untersuchung: Fehlende neurologische Komplikationen.
왘 Apparative Diagnostik:
앫 CCT: Epidurales, subdurales Hämatom ausschließen!
앫 EEG: Allenfalls passagere Allgemeinveränderungen (Abflachung oder Frequenz-
minderung).

.Differenzialdiagnose
......................................................................................
왘 Als mögliche Ursache der Commotio sind auszuschließen:
앫 Kollaps nach anderweitigen Bagatellverletzungen: Körperliche Untersuchung,
Anamnese.
앫 Vertebrobasiläre Insuffizienz: Klinik (Schwindel, Hirnstammsymptome, evtl. auch
Pyramidenbahnzeichen), Dopplersonographie (Vertebralishypoplasie?).
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5 5.20 Contusio cerebri (Kontusionspsychose)

앫 Abortiver Grand-mal-Anfall: EEG, Fremdanamnese, Klinik (Zungenbiss, Urinab-


Organische psychische Störungen

gang?).
앫 Synkope: Kardiologisch-internistische Abklärung, Dopplersonographie der hirn-
versorgenden Arterien, EEG.

Therapie
.......................................................................................
왘 Allgemein: Falls erforderlich, wenige Tage Bettruhe bis zur Stabilisierung der Kreis-
laufregulation.
왘 Hinweis: Vermeiden einer übertriebenen Schonung, so bald wie möglich körperli-
ches Training.
왘 Medikamentöse Therapie der Begleitsymptomatik:
앫 Kopfschmerz: Acetylsalicylsäure oder Paracetamol.
앫 Übelkeit: Metoclopramid.
앫 Bei Bedarf Antihypotonika (z. B. Midodrin, Dihydroergotamin) und/oder Antiver-
tiginosa (Dimenhydrinat, Betahistin).

Verlauf
. . . . . . . . . . .und
. . . . . Prognose
.......................................................................
왘 In der Regel nach wenigen Wochen folgenloses Abklingen der Beschwerden. Gele-
gentlich Akzentuierung der Beschwerden durch übergroße Besorgnis, hypochondri-
sche Ängste und Analgetikamissbrauch. Seltener erlebnisreaktive Fixation mit Ent-
schädigungsbegehren bzw. Rententendenz (s. S. 215 Rentenneurose).

5.20 Contusio cerebri (Kontusionspsychose)


왘 ICD-10: F 06, F 07.2, S 06.0

Grundlagen
.......................................................................................
왘 Definition: Substanzielle Hirnschädigung in Form einer Hirnprellung oder Hirn-
quetschung mit längeren quantitativen und/oder qualitativen Bewusstseinsstörun-
gen und neurologischen Begleitsymptomen (Schädelhirntrauma Grad II und III, Ein-
zelheiten siehe Lehrbücher der Neurologie und Neurochirurgie).
왘 Ätiologie und Pathogenese: Unter mechanotraumatischer Einwirkung Zerstörung
von Hirngewebe durch abrupte Änderung der Zirkulation und der intrakraniellen
Druckverhältnisse. Begleitendes Hirnödem.

.Klinik
......................................................................................
왘 Psychopathologisch:
앫 Meist über Tage bis Wochen anhaltende Bewusstlosigkeit bzw. Bewusstseinsstö-
rung mit ausgedehnter retrograder und/oder anterograder Amnesie. (Nur im
Ausnahmefall keine Bewusstseinsstörungen [z. B. bei ungewöhnlichen Schuss-
verletzungen]).
앫 Anschließend meist aspontanes, affektives oder andersartiges Durchgangssyn-
drom und fließender Übergang zu einem reversiblen oder irreversiblen hirnorga-
nischen Psychosyndrom mit Hirnleistungsschwäche und/oder Wesensänderung
(pseudoneurasthenisches Syndrom).
왘 Neurologisch: Herdzeichen, Paresen, epileptische Anfälle, vegetative Regulations-
störungen.

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5.20 Contusio cerebri (Kontusionspsychose) 5

.Diagnostik

Organische psychische Störungen


......................................................................................
왘 Psychopathologische und neurologische Untersuchung (s. Klinik).
왘 Psychometrische Testverfahren: Zur Objektivierung einer konsekutiven Hirnleis-
tungsschwäche, z. B. DCS, Benton-Test (s. Tabelle 14 S. 32).
왘 Anamnese bzw. Fremdanamnese: Adäquates Trauma, klinischer Verlauf, vorbe-
stehende psychische Auffälligkeiten.
왘 Labor (Liquordiagnostik): Blutige Verfärbung?
왘 Apparative Diagnostik:
앫 CCT und/oder MRT Schädel: Hinweise auf intrazerebrales Ödem und Blut.
앫 EEG: Stets pathologische Veränderungen im Sinne von Allgemeinveränderungen,
Herdbefunden und Kontusionsherden.

.Differenzialdiagnose
......................................................................................
왘 Durchgangssyndrome anderer Genese.
왘 Spontane Hirnblutung: Art. Hypertonie, Subarachnoidalblutung, Sinusvenenthrom-
bose?: Anamnese, evtl. atypischer CCT-Befund, Angiographie.
왘 Schock bei schwerer kardialer oder zirkulatorischer Akuterkrankung: Internistische,
intensivmedizinische Betreuung und Diagnostik, Vorerkrankungen: Anamnese!
왘 Massive Intoxikation: Fremdanamnese, Haut-, Schleimhautbefund, Drogen- und
Medikamentenscreening.

Therapie
.......................................................................................
왘 Allgemein, medikamentös:
앫 Evtl. Reanimationsmaßnahmen unmittelbar nach dem Trauma.
앫 Hirnödemprophylaxe, ggf. Hypothermie-Behandlung (Einzelheiten s. Lehrbücher
der Neurologie).
앫 Sorgfältige Intensivüberwachung während der Akutphase einschließlich aller
notwendigen allgemeinpflegerischen Maßnahmen. Dokumentation!
앫 Verlaufsbeobachtung der Bewusstseinslage, vor allem der Erweckbarkeit bzw.
motorischer und verbaler Reaktionen (Glasgow-Coma-Scale, siehe Tabelle 47).

Tabelle 47 · Glasgow-Coma-Scale
.......................................................................................
Reaktion Befund Punkte
.......................................................................................
Augenöffnen spontan 4
auf akustischen Reiz 3
auf Schmerzreiz 2
fehlende Reaktion 1
motorisch gezielt auf Aufforderungen 6
gezielt auf Schmerzreiz 5
ungezielt auf Schmerzreiz 4
Beugemechanismen 3
Streckmechanismen 2
fehlende Reaktion 1
verbal orientiert 5
verwirrt 4
inadäquat, einzelne Worte 3
unverständlich, einzelne Laute 2
fehlende Reaktion 1

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5 5.21 Weitere neurologische Differenzialdiagnosen

앫 Kontinuierliche Registrierung des neurologischen Status, regelmäßige elektroen-


Organische psychische Störungen

zephalographische und computertomographische (kernspintomographische)


Kontrolluntersuchungen.
앫 Bei stärkerer Unruhe medikamentöse Dämpfung mit Clomethiazol oder
schwachpotenten, dämpfenden Antipsychotika (z. B. Pipamperon 80 – 120 mg
oder Melperon 75 – 100 mg täglich).

Verlauf
. . . . . . . . . . .und
. . . . . Prognose
.......................................................................
왘 Bei schwerem Hirntrauma: Mortalität um 30% oder Übergang in apallisches Syn-
drom (Synonyme „Wachkoma“ = „coma vigile“, „persistant vegetative state“,
s. S. 305).
왘 Anfänglich längere Bewusstseinstrübung.
왘 Durchgangssyndrome sind begleitend oder im Anschluss daran möglich (u. U. von
wochen- bis monatelanger Dauer).
왘 Bleibende neurologische Ausfälle, z. B. Paresen, Hirnnervenschädigungen, Aphasien
und andere Herdsymptome. Über lange Zeit Kopfschmerzen, Schwindel, Gleichge-
wichtsstörungen.
왘 Im Übrigen weitere Prognose abhängig von:
앫 Schwere und Lokalisation der Hirnschädigung.
앫 Früher durchgemachten oder aktuellen Hirnerkrankungen.
앫 Alter des Patienten.
왘 Hinweis:
앫 So früh wie möglich Beginn mit neurologischen und psychologischen Rehabilita-
tionsmaßnahmen!
(Diagnose eines irreversiblen Psychosyndroms ist erst nach einer längeren Ka-
tamnese möglich (nach ca. 1/2 – 1 Jahr.)

5.21 Weitere neurologische Differenzialdiagnosen


Weitere neurologische Differenzialdiagnosen bei hirnorganischem
.Psychosyndrom
......................................................................................
왘 Klinik: Merkmale des (hirn-)organischen Psychosyndroms (s. S. 113 ff).
왘 Diagnostik: Tab. 48 zeigt typische Untersuchungsbefunde und notwendige Zusatz-
diagnostik für einige weitere neurologische Differenzialdiagnosen.
왘 Therapie: s. Lehrbücher der Neurologie und/oder Neurochirurgie.

Tabelle 48 · Neurologische Differenzialdiagnostik


.......................................................................................
Grundkrankkeit Internistisch-neurolo- Zusatzdiagnostik
gische Untersuchung
.......................................................................................
Enzephalomyelitis disseminata Sehstörungen, Ataxie, In- MRT, Liquoruntersuchung
(Multiple Sklerose) tentionstremor, Paresen, (oligoklonale Banden), VEP
(ICD-10: F 02.8, G 35) Miktionsstörungen
Psychosyndrom bei Ataxie, Herdstörungen, CCT bzw. MRT
Hirntumor bzw. -metastasen Stauungspapille, Hirn-
(ICD-10: F 02.3, C 70, C 72) druckzeichen (Übelkeit, Er-
brechen, Kopfschmerzen)

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5.21 Weitere neurologische Differenzialdiagnosen 5

Organische psychische Störungen


Tabelle 48 · Fortsetzung
.......................................................................................
Grundkrankkeit Internistisch-neurolo- Zusatzdiagnostik
gische Untersuchung
.......................................................................................
Herpes-simplex-Enzephalitis Fieber, Kopfschmerz, Me- Liquordiagnostik, Herpes-sim-
(ICD-10: F 07.1) ningismus, Bewusstseins- plex-PCR, EEG, SPECT
störung, Ataxie, Fokalzei-
chen
Hepatolentikuläre Degenera- grobschlägiger Hände- Labor (Serumkupfer erhöht)
tion (Morbus Wilson) tremor, Rigor, Dysarthrie,
(ICD-10: F 02.8, E 83.0) Kayser-Fleischer-Korneal-
ring.
Zerebrale Lipidose Myoklonien, generalisierte
(Morbus Gaucher) Anfälle, Spastik, Bulbär-
(ICD-10: E 75) symptome

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6 6.2 Symptomatische Depression

6 Symptomatische psychische Störungen


Symptomatische psychische Störungen

6.1 Symptomatische psychische Störungen


Vorbemerkungen
.......................................................................................
Als symptomatische oder körperlich begründbare psychische Störungen im engeren
Sinne werden die psychiatrischen Krankheitsbilder bezeichnet, die als Begleiterschei-
nung einer allgemeinen körperlichen Erkrankung in Erscheinung treten. Als Syno-
nyma werden auch die Begriffe „Funktionspsychose“, „organisch begründbare Psycho-
se“, „Durchgangssyndrom“ oder „exogener Reaktionstypus“ verwendet. Sie beruhen
auf einer sekundären Hirnfunktionsstörung. In der ICD-10 sind sie bis auf einige Aus-
nahmen als „symptomatische psychische Störungen“ der Hauptgruppe F 0 zugeordnet.
Für die Gestationspsychosen gibt es in der ICD-10 keine Rubrik.
Während sich die psychopathologische Symptomatik im Großen und Ganzen eher ein-
förmig darstellt, sind die Ursachen oft ebenso vielfältig wie unspezifisch (Noxenun-
spezifität). Hier kommen in erster Linie Intoxikationen, metabolische und endokrine,
kardiale und zirkulatorische sowie entzündliche Organkrankheiten infrage.
Bei akuter Erkrankung finden sich wie bei den hirnorganisch begründbaren Psychosen
als häufigste Leitsymptome quantitative und/oder qualitative Bewusstseinsstörungen
im Rahmen eines deliranten Syndroms (s. S. 81).
Bei anhaltend einwirkenden Schädigungen kann sich allmählich eine chronische Hirn-
leistungsschwäche bzw. ein Persönlichkeitsabbau im Sinne einer Demenz einstellen.
Nur der kleinere Teil der symptomatischen Psychosen tendiert allerdings zu irreversi-
blen Psychosyndromen; die Mehrzahl ist als rückbildungsfähig anzusehen.
Die Wirksamkeit der speziellen psychiatrischen und allgemeinen Behandlungsmaß-
nahmen ist abhängig von der Genauigkeit der Diagnose einerseits wie von Art und Ver-
laufseigenschaften des Grundleidens andererseits. Wie bei den hirnorganisch be-
gründbaren Psychosen gelten die üblichen therapeutischen Prinzipien der mehrdi-
mensionalen psychiatrischen und begleitenden psychotherapeutischen Intervention,
im Wesentlichen umfassend zudeckend-stützende und entspannende, aber auch trai-
nierende Einzel- und Gruppenaktivitäten, Bewegungs- und Physiotherapie sowie gege-
benenfalls ergänzende Verordnungen von Psychopharmaka.

6.2 Symptomatische Depression


왘 ICD-10: F 06.32, F 32.9

Grundlagen
.......................................................................................
왘 Synonym: Sekundäre Depression, somatogene Depression, depressives Durch-
gangssyndrom. Erschöpfungssyndrom, Chronic fatigue syndrome s. S. 103).
왘 Definition: Depressives Krankheitsbild als Folge einer allgemeinen körperlichen
Grunderkrankung.
왘 Epidemiologie: Prävalenz s. Tabelle 49.
왘 Ätiologie und Pathogenese: Im Zusammenhang mit möglichen diagnostischen
Schritten siehe Tabelle 50.

148

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6.2 Symptomatische Depression 6

Symptomatische psychische Störungen


Tabelle 49 · Prävalenz depressiver Episoden bei Patienten mit spezifischen
nichtpsychiatrischen Erkrankungen (nach Preskorn)
.......................................................................................
körperliche Erkrankung Prävalenz (in%)
.....................................................................................
Tumoren im Endstadium 25 – 38
Schlaganfall 27 – 35
Nierenerkrankungen 5 – 22
chronisches Schmerzsymptom 35 –⬎ 50
Epilepsie 20 – 30
Morbus Parkinson 30 – 50
Herzinfarkt 20
Diabetes mellitus 10

Tabelle 50 · Mögliche Ursachen der symptomatischen Depression


.......................................................................................
Organsystem Beispiele, wegweisende
Verdachtsdiagnose Untersuchungen
.....................................................................................
neurologische Tumor, Metastase CCT (kranielles MRT), EEG,
Erkrankungen Angiographie
Epilepsie EEG (Provokations-EEG)
Enzephalitis, Meningitis CCT, Liquor, Labor,
evtl. Serologie
Multiple Sklerose MRT, Liquor
Morbus Parkinson s. S. 128
Myasthenia gravis Tensilon-Test, Ach-Rezeptor-
AK
Gefäßerkrankung Labor, Dopplersonographie,
CCT, MRT
.......................................................................................
endokrinologische Hypo-, Hyperparathyreo- S-Calcium, S-PTH, S-Phosphat,
Erkrankungen idismus, Thyreoiditis alkalische Phosphatase,
intern. Konsil
Hyper- und Hypothyreose TSH, T3, T4, Sonographie,
intern. Konsil
Morbus Addison S-Na+앗, S-K+앖, evtl. Ca2 +앖,
ACTH-Test, NNR-Autoantikör-
per, Tuberkulintest,
intern. Konsil
Morbus Cushing Klinik, Medikamenten-
anamnese, Dexamethason-
Kurztest, intern. Konsil
Phäochromozytom Katecholamine im 24-h-Urin

Fortsetzung Tabelle 50 쑺

149

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6
Symptomatische psychische Störungen 6.2 Symptomatische Depression

Tabelle 50 · Fortsetzung
.......................................................................................
Organsystem Beispiele, wegweisende
Verdachtsdiagnose Untersuchungen
.....................................................................................
metabolische Niereninsuffizienz Routinelabor, Kreatinin-Clea-
Störungen rance, Sonographie, intern.
Konsil
Hypo- und Hyperglykämie S-Glukose, HbA1 c, OGTT,
Routinelabor, intern. Konsil
akut-intermittierende Urininspektion (rot nachdun-
Porphyrie kelnd?), Urin-Screening: Por-
phobilinogennachweis, intern.
Konsil
Hämochromatose Serumeisen, -ferritin 앖, freies
Transferrin 앗, intern. Konsil
Hypokaliämie K+ im Serum und 24-h-Urin,
BGA, EKG, intern. Konsil
Morbus Wilson S-Cu2 +앖, Coeruloplasmin앗,
intern. Konsil
.......................................................................................
Herz-Kreislauf- Herzinsuffizienz EKG, Rö-Thorax, Echokardio-
Erkrankungen graphie, Ergometrie, intern.
Konsil
Hyper- und Hypotonie Routinelabor, Langzeit-RR-
Messung, -EKG, Rö-Thorax,
intern. Konsil
Arteriosklerose Anamnese, Labor, Doppler-
sonographie der Halsgefäße,
intern. Konsil
.......................................................................................
hämatologische Anämie Routinelabor (v. a. Differen-
Erkrankungen zialblutbild), intern. Konsil
Funikuläre Myelose Vit. B12 i. S. 앗, Folsäure,
intern. Konsil
Leukämie internistisches Konsil
.......................................................................................
Infektions- Tuberkulose Mendel-Mantoux-Test, Tine-
krankheiten Test, intern. Konsil
Pneumonie Rö-Thorax, intern. Konsil,
intensivmed. Therapie
Viruserkrankungen Anamnese, Klinik, Routine-
labor, Konsil
Endokarditis Anamnese, intern. Konsil
Arthritis orthopäd., intern. Konsil
Hepatitis Anamnese, Serologie,
Sonographie, intern. Konsil
Mononukleose Klinik, Routinelabor (v. a. Diff.-
BB), Serologie, Oberbauch-So-
nographie, EKG, intern. Konsil

150

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6.2 Symptomatische Depression 6

Symptomatische psychische Störungen


Tabelle 50 · Fortsetzung
.......................................................................................
Organsystem Beispiele, wegweisende
Verdachtsdiagnose Untersuchungen
.....................................................................................
(Para-)Neoplasien maligne und konsumierende Er- Klinik, differenzierte Diagnos-
krankungen, insbesondere Pan- tik (intern. u./o. chir. Konsil)
kreaskarzinom (Leukämie s. o.,
Bronchial-, Ovarial-Ca)
Strahlentherapie Anamnese, radiol. Konsil
.......................................................................................
Kollagenosen Lupus erythematodes Labor (ANA, Anti-dsDNA-AK,
Phospholipid-AK, BB, BSG,
CRP, Komplement C3, C4 앗,
dermatol. Konsil
Panarteriitis nodosa Labor, evtl. pANCA, HBs-AG,
intern. Konsil
rheumatoide Arthritis (RA) Labor (Rheumafaktor, BSG,
CRP, Fe), ARA-Kriterien, in-
tern. Konsil
.......................................................................................
andere Morbus Ménière HNO-Konsil
.......................................................................................
pharmakogen, s. S. 152

.Klinik
......................................................................................
왘 Psychopathologisch: Depressives Syndrom mit Erschöpfungsgefühl, Müdigkeit,
Antriebsschwäche, Niedergeschlagenheit, Interesselosigkeit, Leeregefühl, diffuse
Körperbeschwerden, Schlafstörungen, Inappetenz, Libidoverlust, „Chronic fatigue
syndrome“ (s. S. 103).
왘 Somatisch: Abhängig von der Grunderkrankung, s. Tabelle 50.

.Diagnostik
......................................................................................
왘 Psychopathologischer Befund (s. Klinik).
왘 Körperliche Untersuchung: Ausführlicher internistischer und neurologischer Sta-
tus.
왘 Anamnese, Fremdanamnese: Beginn der Symptomatik, Verlauf, Begleiterkran-
kung, bisherige Therapie, Biographie; leere psychiatrische Anamnese.
왘 Apparative Diagnostik: Differenzierte Untersuchungen entsprechend der Ver-
dachtsdiagnose, Tabelle 50.

.Differenzialdiagnose
......................................................................................
왘 Reaktive Depression bzw. Anpassungsstörung aufgrund der Grunderkrankung: Ge-
naue Exploration, testpsychologische Persönlichkeitsdiagnostik.
왘 Larvierte Depression bzw. somatisierte Depression: Eher phasischer Verlauf
(s. S. 182). Keine Organsystematik!
왘 Psychosomatische Erkrankung bzw. somatoforme Störung: Fehlende organische Ur-
sachen, ansonsten häufig schwierige Differenzialdiagnose.

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6 6.3 Pharmakogene Depression

Therapie
Symptomatische psychische Störungen

.......................................................................................
왘 Allgemein, psychiatrisch:
앫 Konsequente Behandlung des Grundleidens, roborierende und pflegerische Maß-
nahmen, Bewegungs- und Physiotherapie (s. S. 347 ff), evtl. Kur- oder Erholungs-
aufenthalt (bei Erschöpfungszustand oder Kreislaufschwäche).
앫 Therapeutische Gespräche bzw. stützende (supportive) Psychotherapie, auch mit
Aufklärung und Entwicklung von Coping-Strategien (s. S. 353 ff).
왘 Medikamentös: Bei stärkerer Ausprägung der Depressivität geringdosierte antide-
pressive Medikation (z. B. Hypericin oder Sulpirid 100 – 150 mg/d p. o. oder Fluoxetin
10 – 20 mg/d p. o. oder anderes nichttrizyklisches Antidepressivum).
왘 Hinweis: Mögliche Auswirkungen auf das Grundleiden beachten!

Verlauf
. . . . . . . . . . .und
. . . . . Prognose
.......................................................................
왘 Grundsätzlich abhängig vom weiteren Verlauf der Grunderkrankung, vor allem auch
einer hierfür eventuell notwendigen Dauermedikation (depressiogene Wirkung
verschiedener Medikamente beachten).
왘 Mögliche Verlaufsformen:
앫 Adaptation mit Abklingen der depressiven Symptomatik trotz nicht erreichter
Vollremission zu früherer Befindlichkeit und Leistungsfähigkeit.
앫 Verschleppte depressive Zustandsbilder häufig noch längere Zeit nach Abklingen
der somatischen Erkrankung, vor allem infektiöser oder konsumierender Krank-
heiten („postinfektiöse Depression“).

6.3 Pharmakogene Depression


왘 ICD-10: F 13

Grundlagen
.......................................................................................
왘 Definition: Unter Behandlung mit Neuroleptika oder ähnlich wirksamen Pharmaka
auftretendes depressives Krankheitsbild (iatrogene Depression). Depression durch
andere Medikamente.
왘 Ätiologie und Pathogenese:
앫 Offenbar depressiogene Beeinflussung des zerebralen Neurotransmitterstoff-
wechsels durch Neuroleptika oder ähnlich wirkende Psychopharmaka bei
20 – 30% der Behandlungsfälle (s. auch S. 318 ff).
(Stets nicht einschätzbare Interferenz mit Grunderkrankung!)

.Klinik
......................................................................................
왘 Psychopathologisch: Merkmale des depressiven Syndroms (s. S. 101).

.Diagnostik
......................................................................................
왘 Psychopathologische Untersuchung (s. Klinik).
왘 Anamnese: Allgemeine, Fremd- und Medikamentenanamnese (zeitlicher Zusam-
menhang, Dosierung?).
왘 Körperliche Untersuchung: Internistischer und neurologischer Status.
왘 Apparative Untersuchungen abhängig von zugrunde liegender Grunderkrankung
(Symptomatik, Progredienz, Therapieform).

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6.4 Symptomatische Manie 6

.Differenzialdiagnose

Symptomatische psychische Störungen


......................................................................................
왘 Chronischer Medikamentenmissbrauch (insbesondere Hypnotika, Benzodiazepine,
Analgetika): Anamnese, Screening.
왘 Drogen- und/oder Alkoholabusus (s. S. 217 ff): Anamnese, Screening.
왘 Symptomatische Depression (s. S. 148): Anamnese, körperliche Diagnostik.
왘 Postpsychotische Depression bzw. postremissives Erschöpfungssyndrom (s. S. 176):
Anamnese, Fremdanamnese.

Therapie
.......................................................................................
왘 Allgemein, psychiatrisch: Beratung, stützende Gespräche.
왘 Medikamentös:
앫 Wechsel der Medikation.
앫 Alternativ: Kombination mit Antidepressivum im Sinne einer Zweizügeltherapie.

Verlauf
. . . . . . . . . . .und
. . . . . Prognose
.......................................................................
왘 Abhängig von der Verträglichkeit der weiteren Medikation und vom Verlauf der
Grunderkrankung.

6.4 Symptomatische Manie


왘 ICD-10: F06.30

Grundlagen
.......................................................................................
왘 Synonym: Somatogene Manie, sekundäre Manie, maniformes Durchgangs-
syndrom.
왘 Definition: Maniformes Krankheitsbild aufgrund einer körperlichen Erkrankung.
왘 Ätiologie und Pathogenese: Vielfältige organische Grunderkrankungen
(s. Tabelle 51).

Tabelle 51 · Mögliche Ursachen einer symptomatischen Manie


.......................................................................................
Stoffgruppen, einzelne Erkrankungen, mögliche diagnostische
Organsysteme Wirkstoffe Schritte
.....................................................................................
Medikamente, Drogen – Steroide, ACTH Labor, Drogen- und Medika-
– Antidepressiva mentenscreening (s. S. 21)
– L-Dopa
– Alkohol
– Benzodiazepine
– Barbiturate
– Antikonvulsiva
– Anticholinergika
– Halluzinogene
(z. B. Marihuana, Kokain,
LSD)
– Appetitzügler
(Amphetamine)

Fortsetzung Tabelle 51 쑺

153

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6
Symptomatische psychische Störungen 6.4 Symptomatische Manie

Tabelle 51 · Fortsetzung
.......................................................................................
Stoffgruppen, einzelne Erkrankungen, mögliche diagnostische
Organsysteme Wirkstoffe Schritte
.....................................................................................
neurologische Tumoren des ZNS CCT, MRT, EEG, Angiogra-
Erkrankungen phie, neurol. Konsil
Epilepsie EEG, neurol. Konsil
Infektion CCT, Liquordiagnostik,
Routinelabor, neurol. Konsil
Multiple Sklerose kranielles MRT, Liquor,
evozierte Potenziale,
neurol. Konsil
Ischämie CCT, MRT, neurol. Konsil
.......................................................................................
internistische chron. Niereninsuffizienz mit Anamnese, Labor, intern.
Erkrankungen Dialysepflichtigkeit Konsil
Hyperthyreose s. Tabelle 50 S. 149
Cushing-Syndrom s. Tabelle 50 S. 149
Morbus Addison s. Tabelle 50 S. 149
Pellagra Medikamentenanamnese,
intern. Konsil

.Klinik
......................................................................................
왘 Psychopathologisch Erscheinungsbild des maniformen Syndroms (s. S. 102), ins-
gesamt aber meist weniger intensiv ausgeprägt:
앫 Gehobene Stimmungslage, Kritiklosigkeit, Enthemmung.
앫 Überaktivität bis zur Erregtheit, vermehrte Reizbarkeit.
앫 Ideenflüchtigkeit, Rededrang bis zur Logorrhö, Distanzlosigkeit.
앫 Selbstvernachlässigung, soziale Probleme.

.Diagnostik
......................................................................................
왘 Psychopathologische Untersuchung: Aktuelle Querschnittssymptomatik bei
psychopathologisch im Übrigen leerer spezieller Anamnese.
왘 Ausführliche Anamnese: Grunderkrankung (Beginn, Symptome, bisherige Thera-
pie, Therapierfolg), Beginn der maniformen Symptomantik (evtl. fremdanamnesti-
sche Angaben ergänzend einholen), biographische Anamnese.
왘 Körperliche Untersuchung: Internistischer und neurologischer Status.
왘 Labor, apparative Diagnostik: In Abhängigkeit von der Grunderkrankung siehe
Tabelle 50 S. 149.

.Differenzialdiagnose
......................................................................................
왘 Manie bei bipolar-affektiver Störung: Phasischer Verlauf, oft ausgeprägte manische
Symptomatik (s. S. 187).
왘 Beginnende schizophrene Psychose: Im Anfangsstadium schwer abgrenzbar, weni-
ger Größenideen, vermehrt Denkstörungen (s. S. 165).
왘 Frontotemporale Demenz (s. S. 120).
왘 Morbus Pick (s. S. 122).
왘 Durchgangssyndrom nach Hirnschädigung: Verlauf, neurologische Symptomatik.
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6.5 Symptomatisches Angstsyndrom 6
Hyperthyme oder stimmungslabile Primärpersönlichkeit (Persönlichkeitsstörung):

Symptomatische psychische Störungen


Meist wenig fluktuierendes Persönlichkeitsbild, maniforme Symptomatik nicht sehr


ausgeprägt (s. S. 244).

Therapie
.......................................................................................
왘 Allgemein, psychiatrisch: Behandlung der Grunderkrankung. Bei schwerer ausge-
prägter Symptomatik Beaufsichtigung und stationäre Überwachung.
왘 Medikamentös: Je nach Verträglichkeit zusätzlich dämpfende Neuroleptika (z. B.
Levomepromazin 3 ⫻ 50 – 100 mg/d p. o. oder Zuclopenthixol 2 ⫻ 6 mg/d p. o. oder
Olanzapin 2 ⫻ 5 mg/d p. o.) oder Quetiapin 2 ⫻ 50 mg/d.

Verlauf
. . . . . . . . . . .und
. . . . . Prognose
.......................................................................
왘 Allgemein günstig, im Übrigen abhängig vom Verlauf der Grundkrankheit.

6.5 Symptomatisches Angstsyndrom


왘 ICD-10: F 06.4

Grundlagen
.......................................................................................
왘 Synonym: Somatogenes Angstsyndrom, organische Angststörung.
왘 Definition: Angstsymptomatik aufgrund einer körperlichen Erkrankung.
왘 Ätiologie und Pathogenese: Siehe Tabelle 52 S. 156.

.Klinik
......................................................................................
왘 Psychopathologisch allgemeine Angstsymptomatik: Unruhe, Unbehagen, Besorg-
nis, Körpermissempfindungen und vegetative Symptome (s. S. 97, Leitsymptome).
왘 Bild generalisierter Angsterkrankung, aber auch anfallsartige Angst bzw. Panik-
attacken möglich (vgl. S. 201 ff).

.Diagnostik
......................................................................................
왘 Psychopathologische Untersuchung (s. Klinik).
왘 Anamnese: Grunderkrankung (Beginn, Symptome, bisheriger Verlauf, bisherige
Therapie), Angstsymptome seit wann, welcher Art? Fehlender anamnestischer Hin-
weis auf psychische Störungen.
왘 Körperliche Untersuchung: Internistischer und neurologischer Status.
왘 Apparative Diagnostik: Abhängig von der zugrunde liegenden Erkrankung (vgl.
Tabelle 50 S. 149).

.Differenzialdiagnose
......................................................................................
왘 Angsterkrankung: Häufiger mit Phobien und Panikattacken verbunden (s. S. 201 ff).
왘 Persönlichkeitsstörung mit Angstsymptomatik: Einförmig ängstlich-vorsichtige
Grundhaltung (s. S. 240 ff).
왘 Belastungsreaktion oder Anpassungsstörung infolge der Organerkrankung: Genaue
psychopathologische Befunderhebung! Anamnese!

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6 6.5 Symptomatisches Angstsyndrom

Therapie
Symptomatische psychische Störungen

.......................................................................................
왘 Vorrangig Behandlung der Grunderkrankung!
왘 Medikamentös:
앫 Kurzfristig: Benzodiazepine (z. B. Lorazepam, Oxazepam oder Diazepam,
s. S. 332 ff).
앫 Mittel- oder langfristig: Anxiolytische Phytotherapeutika (z. B. Hopfen/Baldrian-
Johanniskraut-Kombinationspräparate) oder Buspiron oder Opipramol oder Hy-
droxyzin oder Pregabalin (s. S. 332 ff).
앫 Bei körperlich betonter Symptomatik Betarezeptorenblocker (cave Reizleitungs-
störungen, Hypotonie!).
왘 Psychiatrisch: Begleitende, stützende Psychotherapie (s. S. 354).

Verlauf
. . . . . . . . . . .und
. . . . . Prognose
.......................................................................
왘 Weitgehend abhängig von: Entwicklung der Grunderkrankung, Aufbau von