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7 TIPPS FÜR ERFOLGREICHE INTERVIEWS

In Interviews lernen wir Menschen besser kennen, sammeln Informationen


oder erhalten Expertenmeinungen. Gute Geschichten basieren ebenfalls auf
guten Interviews. Was man dafür braucht? Die richtigen Fragen und
Methoden. Folgende Techniken aus dem Journalismus haben sich in unserer
redaktionellen Arbeit als besonders hilfreich herausgestellt – und lassen sich
auch erfolgreich für andere Interviewformate nutzen.

1. Direkte und kurze Fragen stellen


Um präzise und passende Antworten zu erhalten, müssen die Fragen direkt
und eindeutig formuliert sein: ohne Erläuterungen, ohne Ausschweifen und
ohne Antwortmöglichkeiten. Sobald man die Frage nämlich eingrenzt,
schränkt man auch den Gedankenspielraum des Gegenübers ein – und erhält
nur eine begrenzte Antwort. Statt: „Was war das Besondere am Projekt? War
es die technische Konstellation oder war es der Rollout?“ sollte man die Frage
lieber kurzhalten: „Was war das Besondere am Projekt?“

2. Offene Fragen stellen


Als Gesprächseinstieg eignen sich offene Fragen, die gewöhnlich mit
“Warum”, “Wie” oder “Was denkst du über…” eingeleitet werden. Diese
können nicht einfach nur mit ja oder nein beantwortet werden. Damit regen sie
den Befragten zum Nachdenken an und lassen ihn Vertrauen zum Interviewer
aufbauen. Dafür empfiehlt es sich außerdem, mit unproblematischen,
einfachen Fragen zu beginnen und die thematisch wichtigen Fragen später zu
stellen. Eventuell teilt der Befragte so auch kleine Anekdoten oder Zitate. Das
wird auch dadurch angeregt, dass man Gefühle berücksichtigt: „Erzähl mir
von der Arbeit amMercedes-Benz Lifestyle Konfigurator. Was fandest du bei
diesem Projekt besonders spannend?“ Bei Interviews für Case Studies sind
zudem Fragen wie“Warum ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt?” oder “Was
macht das Projekt einzigartig?” wichtig, um eine gute Geschichte zu
schreiben. Denn eine gute Story basiert auf einer Herausforderung, die am
Ende gelöst wird – im besten Fall mit einem Produkt, das einmalig ist.
Geschlossene Fragen sind dagegen im weiteren Verlauf des Gesprächs
wichtig, um Fakten oder konkrete Stellungnahmen zu erhalten.

3. Weniger reden – mehr zuhören

Jeder, der schon einmal ein Interview geführt hat, kennt das unangenehme
Gefühl der Stille, wenn auf die Frage nicht prompt eine Antwort folgt. Auch
hier gilt es: nicht weiterreden, sondern aushalten – auch wenn es schwerfällt.
So gibt man dem Befragten ausreichend Zeit, um seine Gedanken zu
sortieren und eine fundierte Antwort zu geben.

4. Vertrauen als wichtige Basis


Es ist wichtig, dass sich der Befragte während des Gesprächs wohl und ernst
genommen fühlt. Nur so kann er Vertrauen aufbauen und ist bereit,
Informationen preiszugeben. Generell rät die UX-Designerin und Content-
Strategin Rebekah Cancino dem Interviewer, sich zu entspannen, damit sich
dies auf den Befragten überträgt. Außerdem ist ein Vorgespräch ideal, damit
sich beide Parteien schon vor dem Interview kennenlernen und den
inhaltlichen Rahmen abstecken. Aber auch zu Beginn des Interviews müssen
sich die Gesprächspartner aufeinander abstimmen. Der Interviewer testet, wie
der Befragte auf bestimmte Arten von Fragen reagiert. Der Befragte urteilt
anhand der Fragen, wie gut der Interviewer vorab recherchiert hat. Davon
hängt wiederum ab, wie ehrlich und in welchem Umfang er antwortet.
Falls das Gespräch aufgrund von mangelndem Vertrauen nicht wie gewünscht
verläuft, hilft es Interesse an der Person zu zeigen. Menschen reden gern
über sich. Daher schätzen sie andere Menschen, die Fragen zu ihrer Person
stellen, als netter und vertrauenswürdiger ein.

Eine andere Methode stammt von dem Investigativ-Journalisten Wendell


Rawls Jr.: Ablenkung, und zwar mit zwei bis drei “junk questions” über ganz
andere Themen. Allerdings sollte man dabei nicht komplett zu irrelevanten
Themen abschweifen. Diese Methodik eignet sich auch gut für das erste
Kennenlernen, da so die Situation aufgelockert wird.
5. Gesten statt Worte

Für eine gute Interviewführung braucht man gewisse Fähigkeiten und


Fertigkeiten, die über das Formulieren guter Fragen hinausgehen. Man muss
ein guter Beobachter sein: Subtile Änderungen in der Stimme, Mimik und
Gestik sowie andere nonverbale Hinweise des Gegenübers sollte man
wahrnehmen sowie dessen Verhalten und Stimmung richtig deuten. So
symbolisieren z. B. weggedrehte Füße, dass der Befragte die Konversation
beenden möchte.

Allerdings gibt es auch Interviews, bei denen man sein Gegenüber nicht sieht:
via Telefon oder E-Mail. Für diese Formate lassen sich die genannten
Techniken nur bedingt anwenden. Wenn der Befragte ein Format präferiert,
sollte man sich dennoch flexibel zeigen.

6. Vorbereitung ist alles

Ob mündlich oder schriftlich – Für alle Formate gilt: “Good interviews follow
the two P’s: persistence and preparation.”
So rät der Journalist Jory MacKay dazu, vor dem Interview ein Zielbild zu
formulieren, das das gewünschte Ergebnis nach dem Gespräch beinhaltet.
Dementsprechend kann man nicht nur gezielte Fragen stellen, sondern auch
beim Befragten nachhaken, wenn die Beantwortung der Fragen nicht der
Zielformulierung entspricht.
Der nächste Schritt ist eine umfassende Faktenrecherche zu der befragten
Person und gegebenfalls dem thematisierten Projekt. A.J. Liebling, Journalist
vom Magazin “The New Yorker”, erläutert den Zweck dahinter: “The
preparation is the same whether you are going to interview a diplomat, a
jockey, or an ichthyologist. From the man’s past you learn what questions are
likely to stimulate a response.”
Auf dieser Basis sollte man einen Fragenkatalog vorbereiten. Von wenig über
teilweise bis hin zu stark strukturiert: Es gibt verschiedene Interviewformen,
die aber mindestens einen Gesprächsleitfaden aufweisen. Umso weniger
Fragen vorbereitet werden, desto flexibler und individueller verläuft das
Gespräch – aber umso größer ist die Gefahr, den Faden zu verlieren. Daher
empfiehlt es sich als Anfänger, vorab die Themen und
Fragen argumentationslogisch zu ordnen und die Antworten des Gegenübers
zu antizipieren. Dennoch sollte man während des Interviews aufmerksam auf
Details und Äußerungen achten. Eventuell ergeben sich daraus neue Fragen,
die das Gespräch in eine neue, konstruktive Richtung lenken. Recherchierte
Fakten kann man sich durchaus kurz bestätigen lassen. Der primäre Fokus
sollte aber auf spezifischen Fragen liegen, deren Antwort noch nirgendwo
steht.
7. Missverständnisse kommunizieren

Das Interview ist ein anspruchsvoller Prozess – für den Fragenden und den
Befragten gleichermaßen. Daher sollten beide Gesprächspartner ihre Fragen
und Unklarheiten direkt kommunizieren, um Missverständnisse zu klären.
Berücksichtigt der Interviewer die genannten Tipps, so kommt er auch zu
seinem gewünschten Ziel: ein erfolgreiches Interview mit wertvollen Inhalten.

Warum Interviews wichtig sind

Bei NOLTE&LAUTH stellen wir Fragen, um Menschen mit ihren Problemen,


Themen und Bedürfnissen besser zu verstehen. Deshalb führen wir interne
Interviews für unsere Case Studies durch, damit aus bloßen Fakten gute
Geschichten mit Zitaten und Anekdoten werden. Als Content-Format nutzen
wir Interviews für unseren Blog, da der Text mit seiner klaren Struktur schnell
erfasst werden kann. Außerdem haben wir ein paar unserer Mitarbeiter zu
ihrer Arbeit bei NOLTE&LAUTH befragt. Das Ergebnis: unsere Dialog-
Serie mit sechs Video-Interviews. Es hat sich gezeigt, dass durch Interviews
der Content lebendiger, abwechslungsreicher und zudem persönlicher ist.
Wer sich für Interviews im Kontext unserer Kompetenz Service
Innovationinteressiert, der erfährt hier, wie wichtig die aus Interviews
gewonnenen Insights für das Service Design sind.