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CODEX IURIS

JUSTITIAN

N
LATRONEM NOVUM
HOMINEM FACERE:
ID EST COR IURIS
2
PRINCIPIA IURIS
SALUS PUBLICA
LEX SUPREMA.
§ 1 IN DUBIO PRO REO!

Es gilt der Grundsatz, dass ein Verbrechen zweifelsfrei


nachgewiesen sein muss: durch Augenschein, Ertappen
auf frischer That, Beweise, Indizien oder durch über-
einstimmende Aussagen gut beleumundeter Zeugen.
Hegt der vorsitzende Richter den geringsten Zweifel
am Thatverhalt, so ist der Angeklagte freizusprechen.

§ 2 AUDIATUR ET ALTERA PARS!

Beide Seiten eines Streites lasse der vorsitzende Rich-


ter zu Wort kommen: beiden gestatte er, den Sachver-
halt zu schildern, Indizien und Zeugen beizubringen,
bevor er das Urtheil fällt.

§ 3 POENA NON ITERARI!

Ist ein Verbrecher bereits wegen eines Verbrechens ver-


urtheilt oder freigesprochen worden, so kann er nach
diesem Thatverhalt nicht noch einmal bestraft werden,
falls neue Indizien ans Licht kommen; wohl aber we-
gen einer anderen, gleich gearteten That.
§ 4 IGNORANTIA IURIS NOCET!

Unkenntnis des Rechts schützt nicht vor der Strafe.

§ 5 NEMO IUDEX IN CAUSA SUA!

Niemand richte in eigener Sache. Ein Richter, der als


Ankläger oder Beklagter auftritt, darf nicht auch das
Urtheil fällen, falls er selbst vom Thatbestand betroffen
ist.

§ 6 NULLA POENA SINE CAUSA!

Sinn der Strafe ist es, den Schuldigen zu läutern. Strafe


ohne Grund entfremdet das Volk dem Recht und macht
es zweifeln an den Grundlagen des Rechts. Der Rich-
ter trachte danach, niemals ohne Grund zu richten und
das Strafmass angemessen erscheinen zu lassen.

§ 7 CUIQUE IUREM ET POENAM AEQUAM!

Vor dem Gesetze ist jedermann gleich, vom Schand-


kehrer bis zum Ersten Richter. Das Urtheil ist ohne
Ansehen der Person, unberücksichtigt Kult, Religion,
Herkunft, Reichthum oder Stand zu fällen.
PRINCIPIA: ANNOTATIONES.

§ 8.1 Das Urtheil werde durch einen Advokaten gefällt, wel-


cher sich, sollte er dies wünschen, zu seiner Beratung zwei
Beisitzer wählen kann. Dies können Protektoren oder Advo-
katen sein, ebenso Vaganten, Schöffen oder verdiente Bürger
des gewöhnlichen Volkes. Die Beisitzer können den Advo-
katen beraten, haben aber keine Gewalt über das Urtheil.

§ 8.2 Sollte dies notwendig sein, kann der vorsitzende Ad-


vokat die Meinung sachverständiger Personen des Volkes
von gutem Leumund einholen, um einen Sachverhalt zu klä-
ren oder zu dolmetschen.
Ein Bürger ist verpflichtet, sollte er als Verständiger hin-
zugezogen werden, nach besten Kräften dem Gericht zu
helfen.
Nichtbürger von untadeligem Ruf können ausserhalb des
Protektorats hinzugezogen werden; sie können mit bis zu
fünfzig Wechseln für ihre Dienste entlohnt werden.
Chronisten erhalten für eine Thätigkeit als Sachverständi-
ger zwischen 100 und 500 Wechseln. Diese Honorare sind
vom Verlierer des Richtspruchs zu tragen (bei einem Ver-
gleich vom Kläger).

§ 8.3.1 Der vorsitzende Advokat kann entscheiden, die Ver-


handlung CORAM PUBLICO an einem öffentlichen Ort statt-
finden zu lassen. Sorge ist in diesem Fall zu tragen, dass
der rechtschaffene Zorn des Volkes sich nicht während der
Verhandlung auf den Angeklagten entlade. Gegebenen Falles
sind Ordner zu ernennen, die die Ruhe herstellen und das
Volk im Zaume halten.
§ 8.3.2 Der vorsitzende Advokat kann entscheiden, die
Verhandlung INTRA MUROS abzuhalten; in diesem Falle
haben zu den Räumen der Verhandlung nur Vorsitzender,
Beisitzer, Ankläger und Angeklagter sowie deren rechtliche
Vertretungen Zutritt. Zeugen und Sachverständige betreten
die Räume nur für die Dauer ihrer Aussagen. Es ist durch
Wachen und Ordner Sorge zu tragen, dass niemand unbefugt
lausche oder dass sich Zeugen entfernen, bevor sie aufgerufen
werden können. Auch muss durch geeignete Massnahmen si-
chergestellt sein, dass der Angeklagte sich nicht gewaltsam
die Freiheit verschaffe oder Gewalt gegen das Tribunal übe.
Richtschaft betrifft, oder
Im Falle eines Verbrechens, das die
ahme besteht, dass in
wenn berechtigter Grund zu der Ann
der Rich tsch aft berührt werden
der Verhandlung Interna
Falle INTRA MUROS zu
könnten, hat das Tribunal in jedem
tagen.
en sich einen Rechts-
§ 8.4 Angeklagter und Ankläger könn
unal vertritt. Dies wird
beistand suchen, der sie vor dem Trib
es könn en jedoch auch Pro-
im Regelfalle ein Advokat sein;
nten oder Bürg er mit gutem Leu-
tektoren, Schöffen, Vaga
en, so sich kein Advokat
mund diese Vertretung übernehm
findet.
10 Wechseln zu
§ 8.4.1 Beistand vor Gericht ist mit
n Fall des Bagatell-
vergüten, wenn es sich um eine
Wec hsel n bei eine m gewöhn-
rechts handelt, mit 100
n bei einer An-
lichen Streitfall und mit 500 Wechsel
Geld fliesst in
klage für ein CRIMEN CAPITALIS. Das
die Richtkasse.
§ 8.4.2 Ein Richter oder Vagant kann sich die Po-
sition des Anklägers zu eigen machen. In diesem
Fall gilt er als Ankläger und Anwalt des Volkes; der
ursprüngliche Kläger wird als Zeuge gehört und ist
von der Zahlung befreit.

§ 8.4.3 Ein Richter oder Vagant kann die Vertretung


des Anklägers oder Verteidigers PRO BONO überneh-
men, wenn er in der Position des zu Vertretenden
ein höheres Wohl für die Volksgemeinschaft oder die
Richtschaft sieht und dies dem vorsitzenden Advo-
katen glaubhaft darlegen kann. In diesem Falle wird
der Vertretene von der Zahlung befreit, tritt aber
nach wie vor als Kläger bzw. Beklagter auf.

§ 8.5 Ankläger und Verteidiger können Zeugen benennen, die


vor dem Gericht den Sachverhalt schildern. Der Vorsitzen-
de und die Beisitzer können ebenfalls Zeugen aufrufen. Die
Reihenfolge, in der die Zeugen gehört werden, bestimmt
der Vorsitzende. Er kann nach seiner Massgabe Zeugen das
Recht zur Aussage verweigern, wenn sie das Verfahren stö-
ren, oder sie aus der Verhandlung entfernen lassen.

§ 8.6 Nach Anhörung aller Zeugen fälle der vorsitzende Ad-


vokat das Urtheil nach seinem besten Gewissen, zum Nutz
und Frommen der Gemeinschaft und des Volkes. Das Urt-
heil kann von einem Advokaten höheren Ranges aufgehoben
werden, ebenso wie vom Ersten Richter, so es noch nicht
vollstreckt ist.
§ 8.7 Ist ein Angeklagter nach billiger Anstrengung nicht
zu finden oder zu ergreifen, oder entzieht er sich der Iustiz,
so kann der vorsitzende Richter die Verhandlung IN ABSEN-
TIA führen. Dies ist so bald als möglich der Richtschaft zu
melden; die Beisitzer beeiden hierbei die Tatsache der Un-
auffindbarkeit des Angeklagten.

§ 8.7.1 Eine Verhandlung IN ABSENTIA muss CORAM


PUBLICO geführt werden, es sei denn, dem stehe das
Interesse der Richtschaft oder der Gesellschaft ent-
gegen.

§ 8.7.2 Bei Verurtheilung IN ABSENTIA wird aus der


Richtkasse ein Kopfgeld für die Ergreifung des Thä-
ters ausgesetzt. Wird der Thäter ergriffen, so
werde das Kopfgeld, zuzüglich einer Gebühr
von 10 per centum, aus seiner Habe gepfändet.
Bei CRIMINA MINORA werde das Kopfgeld für
die lebende Ergreifung ausgesetzt. Bei CRI-
MINA CAPITALIA mag der vorsitzende Rich-
ter entscheiden, das Kopfgeld :todt oder
lebendig: auszuloben.

Dies ist im besonderen anzuraten,


wenn es sich um einen gewaltthä-
tigen Verbrecher handelt, dessen
lebende Ergreifung die Helfer der Iustiz
unbilliger Gefahr aussetzt. In Einzel-
fällen, so besondere Gefährdung gege-
ben, kann dies auch bei CRIMINA
MINORA geschehen.
§9 ADIUVATIO CRIMINIS.

§ 9.1 Beihelfer zu einer Strafthat sind insoweit wie der Thä-


ter selbst vor Gericht zu stellen und zu verurtheilen, als sie
aus freien Stücken und ohne Zwang zu der That beitrugen.

§ 9.2 Wer einem Verbrecher zur Flucht verhilft, Unterschlupf


gewährt oder dessen Strafe vereitelt, werde zum gleichen
Strafmass wie der Delinquent verurtheilt.

§ 10 INTOXICATIO.

§ 10.1 Trunkenheit ist kein Vergehen. Sie führt jedoch oft


zu Verbrechen oder Vergehen, die entsprechend zu bestrafen
sind.

§ 10.2 Wer mit Destillat oder anderen Rauschmitteln und


Drogen trunken ist und unter deren Einfluss ein Verbrechen
oder Vergehen ausübt, der erfahre ein Strafmass, das um eine
Wechselstrafe verschärft sei. Die Höhe ist vom vorsitzenden
Richter in Anbetracht des Verbrechens festzulegen.

§ 10.3 Wer andere trunken macht, auf dass sie ein Verbrechen
begehen, der gelte als Miturheber der Strafthat und werde
entsprechend verurtheilt.

INIUSTITIA MORBUS,
IUDEX MEDICUS.
CRIMINA
CAPITALIA
§ 1 CAEDES.

Wer aus niederen Beweggründen den Plan fasst und


umsetzt, einen Menschen zu Tode zu bringen, ist mit
dem Zeichen des Hammers auf der Stirn zu brandmar-
ken. Im Wiederholungsfalle, auch bei blossem, nicht
ausgeführtem oder vereiteltem Vorsatz, ist er mit dem
Hammer hinzurichten.

In jedem Falle verliert der Mörder seine gesamte be-


wegliche Habe, die der Richtkasse zufällt. Der vorsit-

a
zende Richter mag entscheiden, davon einen Teil der
Familie des Opfers zur Wiedergutmachung zukommen
zu lassen.

FACTUM INFECTUM FIERI


NON POTEST.
§ 1 ANNOTATIONES.

§ 1.1 Handelt es sich bei dem Thäter um einen Menschen


kranken Geistes oder einen gewissenlosen Gewohnheitsmör-
der; mithin eine Gefahr für die Allgemeinheit, so sind ihm
beide Schulterblätter mit dem Hammer zu brechen, auf dass
er nicht mehr morden kann.

§ 1.2 Ist das Opfer ein Kind, ein besonders wertvolles Mit-
glied der Gesellschaft, ein Schöffe, Vagant, Richter, Spi-
talier oder Chronist, so kann die Strafe nach Massgabe des
vorsitzenden Advokaten verschärft werden, bis hin zur POE-
NA CAPITIS.

§ 1.3 Schlägt der Versuch des Mordes fehl oder wird verei-
telt, so ist der Mörder doch zu bestrafen, als hätte er seinen
Vorsatz in die That umgesetzt.

§ 1.4 Macht der Mörder geltend, zum Schutze seiner selbst

c
oder anderer den Mord begangen zu haben, sind seine Be-
weggründe also lauter, so mag die That nach Massgabe des
vorsitzenden Richters nach § 1 CR. MAIORA als Todschlag
behandelt werden und nicht als Mord; auch wenn es sich um
eine That mit Vorbedacht handeln sollte.
§ 2 MACULATIO.

Wer eine andere Person anfällt, sie mit körperlicher


oder seelischer Gewalt, Drogen oder Destillat gefü-
gig macht, zum geschlechtlichen Verkehr oder zur
Unzucht zwingt, soll mit dem Zeichen des Hammers
und einem breiten Winkel auf der Stirn gebrandmarkt
werden. Handelt es sich um einen Wüstling, und sieht
man grosse Gefahr des Rückfalls, so verliere er darüber
hinaus mittels einer Drahtschlinge seine Männlich-
keit.
Im Wiederholungsfalle, auch bei blossem Vorsatz,
richte man ihn wie einen toll gewordenen Gendo mit
dem Hammer hin.

In jedem Falle wird das bewegliche Vermögen des


Thäters eingezogen und der Richtkasse zugeführt.
Der Vorsitzende kann entscheiden, dass ein Theil des
Vermögens als Wiedergutmachung an das Opfer gege-
ben wird.

MORS LATRONIS
VITA HUMANITATIS.
§ 2 ANNOTATIONES.

geistig zurückgeblieben,
§ 2.1 Ist das Opfer ein Kind oder
Schutze anheimbefohlen,
oder ist das Opfer dem Thäter zum
vor. Es obliegt hier dem
so liegt ein besonders schwerer Fall
fmas s nach seiner Massgabe
vorsitzenden Richter, das Stra
zu verschärfen.
§ 2.2 Ist das Opfer eine jehammedanische Jungfrau und kann
ihre Sippe dies glaubhaft bezeugen, kann im Entscheidungs-
falle das Strafmass verschärft werden. In keinem Falle er-
laube man aber der Sippe, selbst Urtheil und Strafe in die
Hand zu nehmen, und man bestrafe Eigenjustiz hart.

§ 2.3 Es hat sich als USUS IURIS eingebürgert, über die Ent-
mannung des Thäters das Opfer oder dessen Sippe entschei-
den zu lassen.

§ 2.4 Bei versuchter MACULATIO ohne Vollzug der Unzucht,


oder bei lediglich gehegter und vereitelter Absicht, kann das
volle Strafmass gegen Zahlung einer Wechselstrafe an das
Opfer ausgesetzt werden. Der Verbrecher trage eine dreie-
ckige blaue Färbung an der Stirn zum Zeichen seiner Schuld,
bis diese von selbst verblasst.
§ 3 PRODITIO et SOLLICITATIO.

Wer als Bürger oder Einwohner des Protektorats das


Gemeinwohl und den iustitianischen Staat an seine
Feinde verrät, wer die Grundsätze der Gesellschaft,
die Richtschaft und das Recht schmäht, das Volk ver-
hetzt und zur Auflehnung aufstachelt, macht sich des
Hochverrats und der Aufwiegelung schuldig.

Der Thäter verliere seine Zunge vermittels einer


Drahtschlinge. Bei Wiederholung werde er mit dem

1
Hammer vom Leben zum Tode gebracht.

In minderschweren Fällen kann der Delinquent mit


einem roten Streifen über den Mund gefärbt oder täto-
wiert werden. Dies ist als besondere Milde anzusehen
und ist nur bei mildernden Umständen oder Zwang
überhaupt zu erwägen.

§ 3 ANNOTATIO.

§ 3.1 Beim Verhängen des Strafmasses bedenke der vorsit-


zende Richter, dass dem Verbrechen der SOLLICITATIO stets
weitere Verbrechen folgen werden: Unruhen und Plünde-
rungen, Ruhestörung, thätliche Angriffe, Widerstand gegen
die Richtschaft. Für alle diese Verbrechen ist der Aufwiegler
mitverantwortlich und kann dafür belangt werden.
§ 4 MUTILATIO et TORMENTA.
2
Die Strafe für die vorbedachte Folter oder dauerhafte
Verstümmelung einer Person ist die Brandmarkung
mit dem Zeichen des Hammers auf den Wangen. Bei
wiederholter That verliere der Thäter den Gebrauch
einer oder beider Hände, die mit dem Hammer ge-
brochen werden.

Ist der Thäter als dauerhafte Gefahr für die Allgemein-


heit zu erkennen oder zeigt er Freude an seinem Thun,
so mag der vorsitzende Advokat entscheiden, ihn mit
dem Hammer zum Tode befördern zu lassen.

In jedem Fall falle das bewegliche Vermögen dem Op-


fer zu, das durch die Verstümmelung in Armut leben
muss.

§ 4 ANNOTATIONES.

§ 4.1 Ist das Opfer ein Kind oder geistig zurückgeblieben,


oder ist das Opfer dem Thäter zum Schutze anheimbefohlen,
so liegt ein besonders schwerer Fall vor. Es obliegt hier dem
vorsitzenden Richter, das Strafmass nach seiner Massgabe zu
verschärfen, bis hin zur POENA CAPITIS.

§ 4.2 Bleibt es bei einem missglückten Versuch, so mag der


vorsitzende Advokat die Strafe gegen Zahlung einer Wech-
selstrafe einstellen.
IUS IUGUM HOMINI.
§ 5 LIBELLUS GRAVIS.

Stiehlt oder raubt eine Person Güter in solcher Men-


ge, dass das Opfer verarmt und sein Leben nicht fristen
kann, oder überschreitet der Wert des Geraubten ein-
tausend Wechsel, so verliere der Thäter seine gesamte
bewegliche Habe, welche von der Richtschaft beschlag-
nahmt wird. Man brandmarke ihn auf beiden Händen
mit dem Zeichen des Hammers. Im Wiederholungs-
falle verliere er beide Hände.
Der urtheilende Richter kann verfügen, dass die Habe
des Verurtheilten dem Opfer oder dessen Sippe zu-
komme.

§ 5 ANNOTATIONES.

§ 5.1 Schwerer Diebstahl oder Raub liegt ebenfalls vor, wenn


die Beute zwar im Wert gering, aber für die Lebensfristung
des Opfers von gewichtiger Bedeutung sei; item, die Werk-
zeuge eines Handwerkers, die Waffen eines Jägers, die Krü-
cken eines Verkrüppelten. Ebenso, wenn es sich bei dem
Raubgut um Medizin oder medizinisches Gerät eines Ange-
hörigen des Spitals handelt.

§ 5.2 Die Strafe mag verschärft werden, wenn das Opfer für
die Gesellschaft von besonderer Bedeutung ist; ein Verwalter,
Schöffe oder angesehener Bürger, Ortsvorsteher, Chronist,
Spitalier oder Richter. Insbesondere in letzteren drei Fällen
kann das Strafmass bis zur POENA CAPITIS ansteigen, insbe-
sondere im Falle der Wiederholung.
6

sine lege
homo canis.
§ 6 INIURIA IUDICIS.

Thätlicher Angriff auf einen Schöffe


n oder Vaganten
werde mit Brandmarkung auf der
Stirn gestraft. Im
Wiederholungsfalle werde der Ang
reifer mit dem
Hammer zu Tode gebracht und sein
e Habe eingezo-
gen.
Erheben der Hand wider einen Ric
hter werde gestraft
mit dem Tode durch den Hammer
und Einzug der ge-
samten Habe.
Dies gilt, soweit der Angreifer nich
t bereits durch die
Wehr des Richters oder Schöffen zu
Tode gekommen.

§ 6 ANNOTATIONES.

§ 6.1 INIURIA IUDICIS stellt einen


besonders gearteten Fall
dar: insofern als die Strafe ohne Verh
andlung auch durch ei-
nen Protektor festgelegt und volls
treckt werden kann. Der
urtheilende Richter bedenke jedoch,
dass dem Ansehen der
Richtschaft im Volke mit einem Proz
esse CORAM PUBLICO
und einer öffentlichen Vollstreckung
in vielen Fällen besser
gedient sei.

a
§ 6.2 Auch bei Angriff auf einen
Schöffen oder Vaganten
in Ausübung seiner Pflicht ist die
POENA CAPITIS statthaft,
wenn es sich um einen schweren oder
einen bewaffneten An-
griff handelt oder der Schöffe oder
Vagant durch den Angriff
ernsthaft verletzt wurde.
§ 6.3 Handelt es sich um einen minderschweren Fall oder
sind besondere mildernde Umstände zu berücksichtigen,
so kann der vorsitzende Richter auf ein milderes Straf-
mass entscheiden. In diesem Fall ist Brandmarkung der
Stirn oder Verlust einer oder beider Hände oder Schul-
terblätter; durch Zerschlagen der Knochen mit dem
Hammer als Strafmass statthaft.
Der vorsitzende Richter bedenke hierbei jedoch das An-
sehen der Richtschaft und des Gesetzes, das im Regelfalle
von einer harten und entschiedenen Strafe bei öffentlicher
Vollstreckung Vorteil zieht.

§ 7 INCENSIO.

sigkeit ein Feu-


Wer in Absicht oder grober Fahrläs
Wer te verschlingt
er legt, das sich ausbreitet und
wer de ungeachtet
oder Menschen schädigt, der
des Hammers
seines Ansehens mit dem Zeichen
e bew egli che Habe
auf der Stirn gebrandmarkt. Sein
– nach Mas sgabe
falle der Richtkasse zu, aus der
chä digt wer den
des Richters – seine Opfer ents
können.
der Thäter mit
Bei erneuter Brandstiftung werde
e befördert.
dem Hammer vom Leben zum Tod
§ 8 SERVITRICIUM.

Kein Bürger Justitians, kein Protektoratsbürger oder


Völkischer darf Sklaven halten und zur unentlohnten
Arbeit zwingen. Sklavenhalter verlieren ihre beweg-
liche Habe an die Richtkasse; sie werden als antisozi-
ales Subjekt mit dem Zeichen des Hammers auf beiden
Wangen gebrandmarkt.

§ 8 ANNOTATIONES.

§ 8.1 Statt der Strafe der Brandmarkung mag der vorsit-


zende Richter verfügen, dass der Thäter der Gemeinschaft
in einem Arbeitslager diene. Dazu werde dem Thäter das
Gesicht rot gefärbt. Er arbeite im Straflager, bis die Fär-
bung völlig verblasst ist, und kehre dann in die Gesellschaft
zurück. Dieses Urtheil sei als besondere Milde verstanden
und komme nur in leichten Fällen zur Anwendung; idem die
Sklaven gut behandelt wurden und keine schwere Arbeit ver-
richten mussten.
§ 9 VORATIO CARNIS HOMINORUM.

Wer Menschenfleisch isst oder Menschen um ihres


Fleisches willen jagt oder tötet, wer Leichen zum
Zwecke des Verzehrs bewahrt, der werde mit dem
Hammer auf der Stirn gebrandmarkt, seine Habe falle
der Richtkasse zu.

Zeigt der Menschenfresser keine Reue, entstammt er


einer Sippe, der das Fressen von Menschenfleisch Sitte
und Gebrauch ist; kurz, ist mit einem erneuten Rück-
fall zu rechnen, so werde er mit dem Hammer zum
Tode gerichtet. Dasselbe gilt, sollte er erneut Men-
schenfleisch essen oder ein anderes schweres Verbre-
chen begehen.

§ 9 ANNOTATIONES.
§ 9.1 In Zeiten der Hu
ngersnot oder des Mange
Strafe besonders hart ls ist die
durchzusetzen; Prozesse
stets CORAM PUBLICO sta sollen hier
ttfinden, die Strafe öffe
streckt werden, damit nic ntlich voll-
ht der Mensch dem Me
Wolfe werde. nschen zum

§ 9.2 Wurde der Thäte


r unter Zwang zum Ve
Fleisches angehalten, so rzehr des
werde die Strafe gemild
ausgesetzt. ert oder
CRIMINA
MAIORA
cf. 1 CRIMINA MAIORA sind Verbrechen am Mit-
menschen und der Gesellschaft, die schwerer wiegen
als Bagatellvergehen, aber nicht angethan sind, die
Gesellschaft selbst zu zerstören. Vielmehr trachtet der
Verbrecher danach, sich durch ein CRIMEN MAJOR in-
nerhalb der Gesellschaft einen unrechtmässigen Vort-
heil zu verschaffen.

cf. 2 Allen CRIMINA MAIORA ist gemein, dass sie die


entscheidende Schwelle zum Abstieg in die Antisozia-
lität sind. Wehret den Anfängen!

cf. 3 Wo immer von Rechts wegen das Strafmass des


Schiedsspruchs auf dauerhafte Zeichnung oder Brand-
markung lauten muss, wird das Urtheil des Richters
auf die Probe gestellt.

Handelt es sich um einen Gewohnheitsverbrecher, den


sein Thun nicht reut; und vor dem zu warnen dem Ge-
setz eine Pflicht und ein Dienst am Bürger ist? In die-
sem Falle lasse der Richter den Verbrecher markieren
und schreibe ihm seine Schuld deutlich ins Gesicht.

Wenn aber der Verbrecher Reue erkennen lässt oder


nicht ganz verloren scheint, erkenne der Richter auf
eine Zeit im Straflager. Dem Verbrecher werde das
Gesicht rot gefärbt; er thue Dienst im Lager, bis die
Färbung verblasst sei, und trete dann als reuiges Mit-
glied zurück in die Gemeinschaft.
cf. 4 Verübt ein Bürger ein CRIMEN
MAIOR oder CAPI-
TALIS, so können ihm und seiner Familie
nach Mass-
gabe des verhandelnden Richters die
Bürgerrechte ent-
zogen werden; dasselbe gelte für im
Uebermass verübte
Bagatellvergehen.

cf. 5 Wird eine Wechselstrafe verhängt, und kann der


Thäter diese nicht leisten, so leiste er stattdessen har-
te Arbeit im Straflager (cf. 3) oder unter der Aufsicht
eines Richters, bis seine Arbeit der Gesellschaft den
Wert der Wechselstrafe vergolten hat.

cf. 6 Der Richtschaft oder der Gesellschaft aus freien


Stücken geleistete Dienste können im Einzelfall nach
Massgabe des Richters zu einer Milderung der Strafe
führen; hierbei übersteige die Schwere des geleisteten
Dienstes, die persönliche Gefahr für Leib, Leben und
Ruf des Thäters und die mit dem Dienste verbundene

a
Anstrengung die Schwere der Strafthat um ein signi-
fikantes Mass.

cf. 7 Hat der Thäter ein CRIMEN MAIOR verübt, um


Schaden von der Gesellschaft zu wenden; andere Per-
sonen vor Verletzung und Tod zubewahren; um ein
Verbrechen zu verhindern oder zu melden, so werde
die Strafe gemildert oder ausgesetzt.
si vis pacem,
cole iustitiam.

0
§ 1 LIBELLUS.

Raub, Diebstahl oder Plünderung


werde, so ein Wert
des geraubten Gutes von 1000 Wec
hseln nicht über-
schritten und das Opfer auch nach
dem Raube in der
Lage, seinen Unterhalt zu fristen, mit
dem Färben der
Hände gestraft. Dabei werde die Han
d bis zum Ansatz
des Ellenbogens in roter Farbe mar
kiert.
Bei besonders schweren Fällen ode
r im Wiederho-
lungsfalle werde die Färbung durc
h Tätowierung
dauerhaft gemacht; bei erneuter
Wiederholung ver-
liere der Dieb eine Hand, die mit
dem Richthammer
gebrochen wird. In jedem Falle leis
te der Verbrecher
Wiedergutmachung.

§ 1 ANNOTATIONES.

§ 1.1 Ueberschreitet der Wert des Geraubten 1000 Wechsel


oder ist das Opfer schwer geschädigt und kann sein Leben
nicht mehr fristen, so ist der Thäter nach § 5 CR. CAPITALIA
zu richten.

§ 1.2 Ist der Wert des Geraubten gering oder handelte der
Verbrecher aus Hunger; oder stahl er aufgrund einer Gefahr
für sein Leben oder seine Unversehrtheit, so komme stattdes-
sen § 1 CR. MINORA zur Anwendung.

§ 1.2.1 In Ausnahme zu § 1.2 ist der Diebstahl oder Raub


oder die Plünderung von Medikamenten und medizinischem
Gerät aller Art von Angehörigen des Spitals auch in gering-
fügiger Menge stets nach § 5 CR. CAPITALIA zu richten.
§ 2 OCCISIO.

Tötet ein Mensch einen anderen ohne Vorbedacht, aber


in absichtlicher Handlung und ohne Fahrlässigkeit, so
ist er des Todschlags schuldig und werde mit einem
roten Quadrat auf der Stirn gefärbt.

Verübt er zu späterem Zeitpunkt eine gewaltthätige


Handlung jedweder Art, so sei ihm das Gesicht dauer-
haft durch Tätowierung gezeichnet.

Erschlägt er wiederum einen Menschen, so werde er


mit dem Hammer zu Tode gebracht, und seine gesamte
Habe falle der Richtschaft zu. Diese entschädige aus
der Habe seine Opfer.

§ 2 ANNOTATIONES.

§ 2.1 Oft wird hier vom Delinquenten eine vorhergehende


Provokation durch Worte oder Gesten als ::mildernder Um-
stand:: zitiert. Dennoch weiche das Strafmass nicht ab! Han-
delt es sich um ein Erstvergehen, so wird der Thäter nach
Verblassen der Zeichnung wieder in der Gesellschaft sich be-
wegen können; er ist damit also nicht zuviel bestraft. Hat er
indes nicht gelernt, sich zu zügeln, und übt ein zweites Mal
Gewalt, so ist es die Pflicht des Gerichts, seine Mitbürger
vor seiner Unbeherrschtheit zu warnen und zu bewahren.
1
§ 2.2 Das Recht zur Notwehr (§ 4.2.1 und 5.2.1 CR. MAJORA)
bleibt unberührt und mildert hier die Strafe; wenn Todschlag
in Notwehr geübt wurde, so bleibe es bei einer vorüberge-
henden Zeichnung; diese Strafe mag nach Massgabe des urt-
heilenden Richters gegen Zahlung einer Strafe von zwischen
100 und 500 Wechseln ausgesetzt werden.

§ 2.2.1 Um als in Notwehr handelnd zu gelten, muss der


Thäter glaubhaft machen, dass der Tod des Opfers die ein-
zige Möglichkeit darstellte, eine Gefahr für sich oder andere
Bürger zu bannen. Andernfalls werde er mit der vollen Härte
des Gesetzes bestraft.

§ 2.2.2 Das Recht auf Notwehr berührt nicht den geplanten


Mord an einem Opfer; Notwehr ist dadurch gekennzeichnet,
dass sie aus der SITUATIO unvorbereitet entsteht. Vorbereitete
Tötung ist in jedem Falle zumindest als OCCISIO zu strafen
(s.a § 1.4 CR. CAPITALIA) auch wenn sie zur Verhinderung
eines Verbrechens dient.

iustitia dormire non potest.


1
§ 3 FUGA.

haftung, der Ver-


Entzieht sich ein Verbrecher der Ver
Richtschaft, so
handlung oder Bestrafung durch die
rechten Balken
werde er mit einem schwarzen, senk
rt oder gebrand-
über rechte Stirn und Wange tätowie
ihm eine n Fuss mit
markt. Gegebenenfalls breche man
sst, so steh t es dem
dem Hammer. Wird er erneut gefa
fe für sein Verbre-
vorsitzenden Richter frei, die Stra
en.
chen bis hin zum Höchstmass anzuheb
brecher oder seine
Ebenso verfahre man, wenn der Ver
Beweismittel zu
Beauftragten, Freunde oder Familie
vernichten trachten.
§ 3 ANNOTATIONES.

§ 3.1 Beihelfer zu Flucht, Verschleierung der That oder Ver-


nichtung von Beweisen werden, so sie nicht unter Zwang
handeln, ebenso gezeichnet; zudem erfahren sie dasselbe
Strafmass wie der Verbrecher selbst für seine ursprüngliche
That.

§ 3.2 Flieht ein Verbrecher aus dem Gewahrsam der Richt-


schaft, so kann die Strafe nach § 3 von jedem Richter vom
Range eines Stadtrichters an aufwärts auch ohne Verfahren
verhängt und ausgeführt werden. Die ursprüngliche Stra-
fe jedoch und Bestrafung von Beihelfern nach § 3.1 obliege
einem ordentlichen Gericht.

§ 3.2.1 Ist der Verbrecher nur unter unbilliger Gefährdung für


die ausführenden Organe zu ergreifen, so greife der Rechts-
grundsatz SINE PERICULA (§ 1 IUS IUDIC.).
§ 4 MULCATIO.

Streit schwächt die Gesellschaft! Prügelei und Streit,


so sie mit Fäusten ausgetragen werden, sind mit Fär-
bung des Gesichts in Form eines blauen Kreuzes zu
ahnden. War das Handgemenge nur leicht, und tren-
nen sich die Streithähne ohne Widerstand beim Er-
scheinen eines Schöffen, Vaganten oder Richters, so
kann von der Markierung gegen eine Wechselstrafe von
50 bis 150 Chronistenwechseln abgesehen werden.
Wiederholungsthäter sind in der gleichen Form dauer-
haft zu tätowieren oder zu brandmarken.

§ 4 ANNOTATIONES.

§ 4.1 Faustkämpfe und Kampfspiele aller Art sind, obschon


kein Streit, wie jede andere Schlägerei zu behandeln. Aus-
richter und Veranstalter solcher Spiele werden als Beihelfer
und Nutzniesser nach dem gleichen Masse bestraft wie die
Schläger. Nach Massgabe des urtheilenden Richters können
auch Personen, die auf die Kämpfe Wetten abschliessen, als
Nutzniesser des Verbrechens behandelt und entsprechend ge-
straft werden.

§ 4.2 Es ist wohlbekannt, dass Personen, die an einer MUL-


CATIO teilgenommen, die Schuld auf andere zu schieben su-
chen. Hat der schlichtende Richter oder Schöffe dies nicht
mit eigenen Augen gesehen, hat eine solche Behauptung kei-
nen Einfluss auf das Urtheil.
§ 4.2.1 In Ausnahme zu § 4 und § 4.2 gilt das Recht zur
Notwehr: ein Bürger oder Völkischer darf Gewalt anwenden,
um sich oder andere vor einem Gewaltthäter zu beschirmen;
sobald jedoch die Gefahr abgeschlagen, hat er das Handge-
menge zu verlassen und sich weiterer Kampfhandlungen zu
enthalten. Thut er dies nicht, so werde er als gewöhnlicher
Schläger angesehen und wie unter § 4 bestraft.

§ 5 VIOLENTIA ARMATA.

mit einer Waffe an,


Greift ein Mensch einen anderen
n ode r schwer zu ver-
die geeignet ist, diesen zu töte
rote n Kreuz auf dem
letzen, so werde er mit einem
selb st zur Besinnung
Gesicht markiert. Kommt er von
meh r als nur oberfläch-
und bricht den Angriff ab, bevor
n eine blos se Färbung
liche Verletzung eintritt, so kan
de er täto wiert oder
erwogen werden; andernfalls wer
mit dem Kreuz gebrandmarkt.
derholt gewalttä-
Wird ein solcherart Markierter wie
Han d oder ein Schul-
tig, so zerschlage man ihm eine
t er imm er noch nicht
terblatt mit dem Hammer. Sieh
ihn mit dem Ham-
von seinem Thun ab, so töte man
mer wie einen tollwütigen Gen do.
§ 5 ANNOTATIONES.

§ 5.1 Verschiedene Mittel der Gewalt können nach Massgabe


des urtheilenden Richters als Waffe angesehen werden: ein
Trog mit Wasser etwa, in dem das Opfer ertränkt werden
soll, oder die Kante einer Wand. Entscheidend sei die Ab-
sicht des Thäters, das Opfer damit zu verletzen.

§ 5.2 Sind beide Parteien bewaffnet und dringen aufeinander


ein, sind beide als Friedensbrecher und Schläger gleicher-
massen zu strafen.

§ 5.2.1 Eine Ausnahme von § 5 und § 5.2 bildet das Recht


zur Notwehr; ein Bürger oder Völkischer darf straffrei auch
bewaffnete Gewalt üben, um Schaden von sich oder anderen
Bürgern zu wenden. Sobald jedoch die Gefahr abgeschlagen,
hat er das Handgemenge zu verlassen und sich weiterer
Kampfhandlungen zu enthalten. Thut er dies nicht, so wer-
de er als gewöhnlicher Schläger angesehen und wie unter §
5 bestraft.

§ 5.3 Kommt das Opfer zu Tode, so ist die That als Todschlag
zu behandeln und nach § 2 CR. MAJORA zu verhandeln.

§ 5.4 Der urtheilende Richter beachte auch die Trageweise


der Waffen; sind die Waffen zu Beginn der Thätlichkeiten
nicht gesichert getragen worden, so ist eine entsprechende
gesonderte Strafe zu verhängen.
z
§ 6 AGITATIO.

Wiegelt ein Mensch durch unwahre Behauptungen,


Verhetzung oder Agitation Bürger oder Völkische
gegeneinander auf, so dass Streit entsteht, vergeht er
sich am Frieden des Volkes. Ein solcher Unfriedens-
stifter werde mit einem blauen Balken über den Mund
gefärbt, damit seine lügnerische und hetzerische Art
weithin zu erkennen sei. Er zahle zudem eine Strafe
von 100 bis 1000 Wechseln, je nach Schwere der Ver-
hetzung.

Wiederholungsthäter sind durch Tätowierung dauer-


haft zu zeichnen; in schweren Fällen ist die Strafe der
Verlust der Zunge durch die Drahtschlinge. Seine be-
wegliche Habe falle der Richtschaft zu.

§ 6 ANNOTATIONES.

§ 6.1 Entstehen durch die Unfriedensstiftung weitere mit-


telbare Verbrechen, Streit oder Unruhen, so ist der Thäter
für alle diese Verbrechen als mitschuldig zu betrachten und
ebenso zu richten wie die ausführenden Thäter.

§ 6.2 Unfrieden ist eine Saat, die, einmal gelegt, nicht wie-
der völlig auszurotten ist. Sie kann im Volke schwären, bis
sie an völlig anderer Stelle wieder ausbricht. Im Lichte des-
sen ist dem urtheilenden Richter eher zu einer strengeren als
einer milderen Strafe zu raten!
§ 7 INIURIA FAMAE.

eren durch die Ver-


Schädigt jemand den Ruf eines And
ode r Halbwahrheiten,
breitung von Lügen, Gerüchten
achu ng an Wechseln an
so leiste er eine Wiedergutm
vors itze nden Richter
das Opfer. Die Höhe wird vom
wer e der Ruf schädigung
in Abhängigkeit von der Sch
festgelegt.
der urtheilende
Zusätzlich zu dieser Genugtuung mag
ter mit einem blauen
Richter verfügen, dass der Thä
rbt wer de. Dies ist bei
Balken über den Mund gefä
daue rhaf te Tät owierung
Gewohnheitsthätern in eine
umzuwandeln.
Wird jemand ein drittes Mal bei der Schädigung des
Rufes Anderer ertappt, so verliere er die Zunge mittels
einer Drahtschlinge. Seine bewegliche Habe werde
eingezogen.

§ 7 ANNOTATIO.

§ 7.1 Oft zieht Rufschädigung zahlreiche andere Verbrechen


nach sich. Wenn jemand unter dem Eindruck der Lügen ein
Verbrechen an dem Opfer oder dessen Habe oder Umgebung
begeht, so ist der Schädiger nicht weniger als dieser als
schuldig zu betrachten und entsprechend zu verurtheilen.
§ 8 DICTIO INVECTIVA.

Wer andere ins Gesicht hinein beleidigt oder schmäht,


der werde, wenn er Abbitte leistet, mit einer Wechsel-
strafe von 10 bis 200 Wechseln belegt. Zeigt er sich
verstockt und nimmt er die Schmähung nicht zurück,
so werde er mit einem blauen Balken über den Mund
gezeichnet. Wiederholungsthäter seien dauerhaft in
gleicher Weise durch Tätowierung zu zeichnen.

§ 8 ANNOTATIONES.

§ 8.1 Ist die Schmähung geringfügig, so mag der Richter es


bei einer Ermahnung bewenden lassen; insbesondere dann,
wenn das Opfer dem Thäter vergibt, oder wenn der Thäter
in besonderer Weise provoziert wurde.

§ 8.2 Haben sich beide Parteien gegenseitig geschmäht, so


seien sie beide gleichermassen zu strafen.

§ 8.3 Erfolgt die offene Schmähung im öffentlichen Raume,


und ist sie dazu angethan, die Meinung anderer Personen
über das Opfer zum Schlechteren zu verändern, so werde der
Thäter gegebenenfalls nach h § 7 CR. MAJORA vor Gericht
gestellt und bestraft.

§ 8.4 Ist das Opfer ein Richter oder Schöffe, so werde die
Strafe nach Massgabe des urtheilenden Richters verschärft,
um das Ansehen der Richtschaft zu wahren.
§ 9 COERCIO.

COERCIO ist gegeben, zwingt jemand einen Bürger


oder Völkischen durch Drohung der Gewaltanwen-
dung oder der Verbreitung belastender Fakten, oder
durch die Drohung, dasselbe Personen anzuthun, die
dem Opfer lieb und theuer sind, zu einem Vergehen
oder zu Handlungen, die das Opfer nicht wünscht; zu
unangenehmen oder unzüchtigen Diensten oder zu
demütigenden Handlungen; oder zur Herausgabe von
Habe oder Geld.

Der Thäter leiste Wiedergutmachung für die empfan-


gene Habe. Zwang er das Opfer zu Vergehen gegen das
Gesetz, so gehe dieses straffrei aus; der Thäter jedoch
werde in derselben Härte bestraft, als
hätte er das Ver-
gehen selbst begangen.

Zudem werde der Thäter, so der


Fall dem Richter
schwerer als eine Bagatelle erschein
t, mit einem senk-
rechten blauen Balken über Stirn
und Nase
gefärbt. Bei Wiederholungsthätern
wer-
de diese Färbung durch Tätowierun
g
dauerhaft gemacht.

Wird ein Erpresser erneut straffäl-


lig, so verliere er seine Zunge; ist sein
Vergehen besonders schwer, so ster
be er
durch den Hammer.
§ 10 ADULTERATIO.

Wer die Ehe bricht und Unzucht mit anderen treibt,


nachdem er ein Band für das Leben vor dem Gesetz

geschlossen, wer sich Gespielen aushält, der werde mit


einer Strafe von 50 bis 1000 Wechseln belegt. Ist der
Fall schwer, oder handelt es sich um eine Wiederho-
lungsthat, so werde er ausserdem auf beiden Wangen
mit einem roten Kreis gezeichnet. Erneute ADULTE-
RATIO in sehr schweren Fällen kann beim Manne mit
dem Verlust der Geschlechtsteile, bei der Frau mit der
Brandmarkung der Brust geahndet werden.

§ 10 ANNOTATIONES.

§ 10.1 Einfache ADULTERATIO ist nur dann zu verhandeln,


wenn sie von der betrogenen Partei vor Gericht gebracht;
oder falls die betrogene Partei der Strafverfolgung zustimmt.
Handelt es sich um einen schweren Fall, so werde sie auch
ohne Zustimmung verhandelt.

§ 10.2 Ein besonders schwerer Fall ist gegeben, wenn der


Thäter Gewalt oder Zwang anwendet; in diesem Falle ver-
handle man auch nach § 2 CR. CAPITALIA.

§ 10.3 Ebenso liegt ein sehr schwerer Fall vor, wenn der Ge-
spiele zum Zeitpunkt das fünfzehnte Lebensjahr noch nicht
erreicht hat.
§ 11 EXCIDIUM PROPRIETATIS.

Beschädigung und Zerstörung von Eigenthum ande-


rer werde in jedem Falle mit Wiedergutmachung des
Schadens bestraft; zuzüglich einer Strafe von 10 bis
500 Wechseln, abhängig vom Wert des Zerstörten und
der Intention des Thäters.

Handelt es sich bei dem Zerstörten oder Beschädigten


um öffentliches Eigenthum, oder ist die That beson-
ders schwer oder verwerflich, so erhalte der Thäter
zudem eine blaue Färbung der Hände.

§ 11 ANNOTATIONES.

§ 11.1 Handelt es sich bei dem Zers


törten um ein Kunstwerk,
das den Ersten Richter verherrlicht,
so verliere der Thäter
beide Hände.

§ 11.2 Die Strafe kann abgemildert


oder ausgesetzt werden,
wenn die Zerstörung oder Beschädi
gung den Zweck hatte,
Schaden von Bürgern oder Völkisch
en zu wenden oder ein
anderes CRIMEN MAIOR oder CRIM
EN CAPITALIS zu verhin-
dern.

§ 11.3 Erfolgt die Beschädigung in


mutwilliger Absicht, so
4
werde die Strafe verschärft.
§ 12 IRRUPTIO CONCORDIAE DOMI.

Verschafft sich jemand ohne Erlaubnis des Besitzers


Zutritt zu dessen Grund, Haus oder Hof, so werde der
Thäter mit einem blauen Balken über die Handrücken
gezeichnet. In schweren Fällen oder im Wiedrho-
lungsfalle werde die Zeichnung durch Tätowierung
dauerhaft gemacht. Besonders schwere Fälle oder er-
neute Wiederholung verlangen, dass der Thäter einen
Fuss verliere, der ihm mit dem Hammer zerschlagen
werde.

Dasselbe gelte, verlässt jemand nicht Grund, Haus


oder Hof, wenn er vom Besitzer des Ortes verwiesen
wurde.

§ 12 ANNOTATIONES.

§ 12.1 Ein Bürger oder Völkischer gehe gegen Zahlung von


50 Wechseln straffrei, wenn er Gewalt anwendet, um eine der
IRRUPTIO schuldige Person von seinem Grund, Haus oder
Hof zu vertreiben.

§ 12.2 Begeht der Thäter IRRUPTIO, um eine Person vor


Schaden zu bewahren, oder um ein Vergehen zu verhindern,
so gehe er straffrei.
1
INTEGER VITAE
SCERELISQUE PURUS.
§ 13 FRAUDATIO et FALSIFICATIO.

Wer andere um Geld, Dienste oder andere Leistungen


betrügt, mit falscher Rede oder Verstellung sich ein
falsches Ansehen gibt oder Dokumente fälscht, der
erhalte eine Zeichnung, in schweren Fällen eine Tä-
towierung: einen roten Balken quer über den Mund.
Wer wiederholt auffällt, der verliere seine Zunge ver-
mittels einer Drahtschlinge. Seine bewegliche Habe
werde eingezogen.

§ 13 ANNOTATIONES.

§ 13.1 Fälscht der Thäter amtliche Dokumente der Richt-


schaft, insbesondere Bürgerpapiere, so liegt ein besonders
schwerer Fall vor. Hier ist zumindest eine Tätowierung,
sinnvollerweise aber eher Verlust der Zunge oder einer Hand
zu erwägen.

§ 13.2 Der Betrüger erstatte alle erschlichenen Dienste, Geld


und Waren dem Opfer zurück. Der Rest seiner Habe falle
der Richtschaft zu.

NEMO ENIM PO
TEST
PERSONAM
DIU FERRE.
§ 14 PERIURIUM.

Wer vor Gericht einen Meineid schwört, falsche Aus-


sagen macht oder Personen fälschlich belastet; falsche
Anklage erhebt oder ein Urtheil durch Verschweigen
von Fakten beeinflussen will, der werde in geringfü-
gigen Fällen mit einem roten Balken über den Mund
gefärbt oder tätowiert. Ist der Fall jedoch schwer-
wiegend, so verliere er seine Zunge vermittels einer
Drahtschlinge.

Belastet er eine unschuldige Person, und würde diese


im Fall der Verurtheilung dauerhaft gezeichnet, ver-
stümmelt oder hingerichtet, so verliere er all seine
Habe an diese Person oder ihre Nachkommen, und
werde mit dem Hammer vom Leben zum Tode ge-
bracht.

§ 15 ONERATIO.

13
Wer anderen nachstellt oder sie über Gebühr belästigt,
der zahle eine Strafe von 100 bis 500 Wechseln. Ist die
Nachstellung oder Belästigung unzüchtiger Natur, so
sei die mindeste Strafe die Zeichnung mit einem roten
Winkel auf der Stirn. Im Wiederholungsfalle werde
die Zeichnung permanent gemacht; in schweren Fäl-
len verliere der Thäter eine Hand, ein Knie oder die
Zunge. Das Opfer erhalte Wiedergutmachung aus der
Habe des Thäters.
§ 16 VINCITIO et INCLUSIO.

Wer andere durch Fesseln, Riegel ode


r Schlösser ihrer
Freiheit beraubt, der zahle eine Stra
fe von 10 bis 2000
Wechsel an das Opfer, bemessen
an der Länge und
Schwere der Freiheitsberaubung. Zud
em werde er mit
einem senkrechten roten Balken über
Stirn und Nase
gefärbt. In schweren Fällen verliere
er zudem einen
Fuss oder ein Knie, die mit dem Ham
mer gebrochen
werden.

§ 16 ANNOTATIONES.

§ 16.1 Betäubung durch Medikamente


oder Drogen mit der
Absicht der Gefügigmachung oder
Festhaltung des Opfers
kann nach Massgabe des urtheilenden
Richters als UINCITIO
gewertet werden. Zudem werde die
That nach § 19 zusätz-
lich gestraft.

§ 16.2 Ist das Opfer ein Richter


oder Schöffe oder Beauf-
tragter eines Richters in rechtlichem
Auftrage, so werde das
Höchstmass der Strafe angewendet.
In schweren Fällen wer-
de der Thäter mit dem Hammer zu
Tode gebracht und sein
Vermögen eingezogen.

§ 16.3 Verübt der Thäter UINCITIO


oder INCLUSIO als Mittel
zur Verhinderung einer Strafthat oder
zum Festhalten eines
Verbrechers, so gehe er straffrei.
nb xa 4321q
x
§ 17 REPOSITIO MORTUORUM.

Wer Leichen versteckt und vor der Verbrennung be-


wahrt, gefährdet sich und andere mit Fäulnis und Ver-
sporung. Als Gefahr für die Allgemeinheit werde er
mit dem Hammerzeichen gebrandmarkt; in schweren
Fällen werde er mit dem Hammer gerichtet.

§ 17 ANNOTATIONES.

§ 17.1 Ein Bürger oder Völkischer kann einen Leichnam vo-


rübergehend bewahren, falls es sich um ein Beweisstück in
einem rechtlichen Fall handelt. Er gehe dann straffrei, falls
er den Körper zum baldestmöglichen
Zeitpunkt der Obhut
der Richtschaft übergibt.

§ 17.2 Steht keine Möglichkeit zur


Einäscherung und Be-
seitigung des Körpers zur Verfügun
g, so gehe der Thäter
straffrei, wenn er den Leichnam isoli
ert und nach Kräften
verhindert, dass mögliche Fäulnis
auf andere Menschen
übergreife.
§ 18 ARDESCATIO.

Wer von der Droge Burn entbrennt, sie einnimmt und


anderen verabreicht, mit ihr handelt oder sie besitzt,
der werde an den Händen in roter Farbe tätowiert.
Handelt es sich um einen schweren Fall, handelt er in
grossen Mengen, oder ist er als Wiederholungsthäter
zu erkennen, so werde er mit dem Hammer vom Leben
zum Tode gebracht.

§ 18 ANNOTATIONES.

§ 18.1 Sollte ein Angehöriger des Spitals dies fordern, so sei


ein Entbrannter in die Hände des Spitals zu geben; für die
Dauer seines Aufenthalts sind seine Bürgerrechte aufgehoben,
und er darf straffrei nach Massgabe des Arztes festgehalten,
isoliert, mit Medikamenten behandelt, verstümmelt oder zu
Tode gebracht werden. Dies soweit nach Aussage des Arztes
durch ihn eine Gefahr für die Volksgesundheit ausgeht.

§ 18.2 Entbrannte tragen die Fäulnis in die Volksgemein-


schaft; die Richter und ihre Helfer haben Sorge zu tragen,
dass sie nicht durch Kontakte mit dem Entbrannten versport
werden. Der Thäter sei ohne Kontakt zu anderen Personen
bis zur Verhandlung zu verwahren, um Ansteckung zu ver-
hindern. Wird ein Entbrannter gerichtet, so geschehe dies
unter Aufsicht eines Angehörigen des Spitals und solcherart,
dass sich die Fäulnis im Körper des Gerichteten mit seinem
Tode nicht auf andere Personen ausbreiten kann.
Habseligkeiten des Thä-
§ 18.3 Die Droge, ebenso wie alle
Dieses trage Sorge für
ters seien dem Spital zu übergeben.
und Sporen nach den Hy-
die Vernichtung aller Rückstände
gienikbestimmungen.
gewundenen Wegen zu
§ 18.4 Burn gelangt auf langen und
ter anzuraten, so viel als
den Entbrannten. Es ist dem Rich
t und die Kett e der Händler und
möglich über die Herkunf
Als Gegenleistung für
Schmuggler in Erfahrung zu bringen.
g der Verbrecher füh-
Aussagen und Fakten, die zur Ergreifun
Stra ferle icht erung bis hin zur
ren, kann dem Thäter eine
Amnestie gewährt werd en.

&
Gefahr
§ 18.5 Geht von dem Entbrannten eine
ecku ng aus, und ist er aus
der Fäulnis und Anst
n Grü nden nich t dem Spit al zu übergeben, so
verschiedene
ieck auf der Stirn gekenn-
werde er mit einem roten Dre
chaf t verw iese n.
zeichnet und der Gemeins
2

SALUS PUBLICA
SUPREMA LEX.
§ 19 VENENATIO.

Wer andere vergiftet, ihnen Drogen oder Medizin ge-


gen ihren Willen oder – ob nach ihrem Willen oder
nicht – zu ihrem Schaden verabreicht, der entschädige
sein Opfer mit 500 bis 1000 Wechseln, so es am Leben
bleibt. Er werde mit je einem roten Winkel auf den
Wangen gezeichnet.

Stirbt das Opfer oder bleibt es dauerhaft geschädigt,


oder gibt es mehrere Opfer, so werde der Thäter dau-
erhaft mit je einem Winkel gebrandmarkt. Er verliere
all sein Vermögen.

In besonders schweren Fällen oder im Wiederholungs-


falle werde der Thäter mit dem Hammer oder durch
sein eigenes Gift zu Tode gebracht.
§ 19 ANNOTATIONES.

von Verfolgung nach § 19


§ 19.1 Angehörige des Spitals sind
iger der Hippokratie für
ausgeschlossen, soweit ein Angehör
ihre lautere Absicht bürgt.
oder Oedland kein Hip-
§ 19.1.1 Ist im Protektoratsgebiet
ge das Zeugnis eines
pokrat in billiger Reichweite, so genü
elfal l das Wort des Thäters
zweiten Spitaliers, oder im Einz
eggr ünd e dem Rich ter überzeugend
selbst, so er seine Bew
darlegen kann.
§ 19.2 Häufig sind starke VENENA aus der Offizin des Spitals
oder einem Angehörigen der Aerzteschaft entwendet worden;
daher gehe der ermittelnde Richter in jedem Falle auch dem
Verdacht des LIBELLI GRAVI nach (§ 5 CR. CAPITALIA).

§ 19.3 Stirbt das Opfer oder kommt dem Tode nahe, und er-
folgte die Verabreichung mit Vorbedacht, so werde der Thä-
ter zudem nach § 1 CR. CAPITALIA vor Gericht gestellt und
zusätzlich bestraft.

§ 19.4 Verübt der Thäter jedoch VENENATIO als Mittel zur


Verhinderung einer Strafthat oder zum Festhalten eines Ver-
brechers, so gehe er straffrei.
§ 20 INIURIA CORPORIS.

Wer einen Menschen absichtlich verletzt, der entschä-


dige ihn je nach Schwere der Verletzung und der Ab-
sicht mit 10 bis 1000 Wechseln. Er werde mit einem
blauen Kreuz über Stirn und Wangen gezeichnet. In
schweren Fällen oder der Wiederholung, oder zeigt
sich der Thäter verstockt, so werde die Zeichnung
durch Tätowierung dauerhaft gemacht, und sein ge-
samtes bewegliches Vermögen falle der Richtkasse zu.

Ist der Thäter wiederholt gewalttätiger Verbrechen


straffällig, so werde er mit dem Hammer einer Hand
oder eines Schulterblattes verlustig.

§ 20 ANNOTATIONES.

§ 20.1 Erfolgt die Verletzung im Rahmen einer fehlgeschla-


genen medizinischen Operation und ist der Thäter Angehö-
riger des Spitals, so gehe er straffrei.

§ 20.2 Verübt der Thäter die That als Mittel zur Verhinde-
rung einer Strafthat oder zum Festhalten eines Verbrechers,
so gehe er straffrei.

untas
Iustitia est constans et perpetua vol
ius suum cuique tribuendi.
.
§ 21 OBSTRUCTIO IUSTITIAE
n bei seiner
Wer einen Richter oder Schöffe
Stra fe eine s Verbre-
Thätigkeit behindert, die
en die rich terl iche Ge-
chers vereitelt oder geg
der wer de mit einem
walt Widerstand leistet,
Stir n gez eich net. In
roten Hammer auf der
. wo es zu Thä tlich-
schweren Fällen; ex. gen
eine Han d ode r ein
keiten kommt, werde ihm
ochen.
Schulterblatt mit dem Hammer gebr

§ 21 ANNOTATIONES.
§ 21.1 Häufig ist eine schnelle Strafung des Thäters
vonnöten, damit die eigentliche Thätigkeit des Rich-
ters nicht leide. Dies ist insbesondere bei der Ver-
folgung oder Ingewahrsamnahme von Verbrechern
der Fall. Daher mag eine Strafe nach § 21 von jedem
Richter oder Schöffen unverzüglich und direkt aus-
geführt werden, ohne ein Verfahren zu bemühen.

§ 21.1.1 Das in § 21 geschilderte Strafmass sei


eine lose Richtschnur; der Richter oder Schöf-
fe entscheide selbständig, was in der jeweiligen
Lage statthaft und mit den gegebenen Mit-
teln durchzusetzen sei. Er sei jedoch stets
des Ansehens der Richtschaft eingedenk, das
in der Regel von einer schnellen und stren-
gen Strafe Vorteil zieht.
§ 21.2 Erleidet der Thäter bei seiner OBSTRUCTIO oder de-
ren Beseitigung Verletzungen oder kommt zu Tode, wird er
festgehalten oder geht seines Eigentums verlustig, so werde
der Richter oder Schöffe nicht belangt; ebensowenig Bürger
oder Völkische, die bei der Durchsetzung des Rechts Hilfe
leisten.

§ 21.3 Werden bei der OBSTRUCTIO oder deren Beseitigung


unbeteiligte Menschen verletzt oder kommen zu Tode; oder
wird deren Eigentum beschädigt, so werde der Thäter für
diese Schäden vor Gericht gestellt, als hätte er sie in voller
Absicht selbst begangen.§ 21.3.1 Hierbei komme die Grund-
annahme zum Tragen, dass der Thäter mit Vorsatz und
Vorbedacht handele; dementsprechend alle Folgen billigend
in Kauf nehmend. Kommt daher jemand zu Tode, so ist in
jedem Fall von CAEDES auszugehen, nicht von Todtschlag (§
1 CR. CAPITALIA)
§ 21.3.2 Alle Helfer des Thäters werd
en in gleicher Weise
angeklagt und verurteilt wie der Thä
ter selbst; auch wenn ihr
Beitrag zur OBSTRUCTIO nur geringfü
gig ist.
§ 21.3.3 Als Ausnahme zu § 21.3.2
gilt, wenn die Beihelfer
unter Zwang standen; in diesem Fall
e seien sie straffrei zu
stellen und lediglich streng zu erm
ahnen.
§ 21.4 Bei der Ueberwindung der OBST
RUCTIO mag der aus-
führende Schöffe oder Richter; mit
seiner Erlaubnis auch
seine Helfer, Gegenstände und Ress
ourcen appropriieren.
Derartige Gegenstände seien dem
jeweiligen Besitzer nach
Möglichkeit zurückzuerstatten; im
praktischen Falle wird
jedoch die Fortsetzung der Verfolgu
ng dies selten möglich
machen.
§ 21.4.1 Werden bei der Beseitigung der OBSTRUCTIO Res-
sourcen verbraucht, die einem Bürger gehören (dies umfasst
Verbrauchsgüter, ex. gen. Munition oder Petro), oder geht
er eines appropriierten Gegenstandes verlustig, so kann er
nach einem entsprechenden Antrag aus der Richtkasse an-
gemessen entschädigt werden. Es ist jedoch Bürgerpflicht,
Richtern und Schöffen bei ihrer Thätigkeit Beistand zu lei-
sten; ein grundsätzliches Recht auf Rückerstattung besteht
daher nicht.

§ 21.4.2 Werden bei der Beseitigung der OBSTRUCTIO Res-


sourcen aus dem Besitz eines Völkischen verbraucht, so be-
steht kein Recht auf Rückerstattung, solange die Appropri-
ierung auf justitianischem Boden geschieht. Ausserhalb des
Stadtgebiets sei der Völkische entsprechend aus der Richt-
kasse zu entschädigen.

§ 21.5 Weigert sich ein Bürger oder ein Völkischer, der im


Protektorat ansässig ist, einem Richter bei der Durchset-
zung des Rechts billige Hilfe zu leisten, so komme § 21 auch
bei ihm zur Anwendung. Ist der Völkische nicht im Protek-
torat ansässig, so hat er keine Verplichtung zur Leistung von
Rechtshilfe.

§ 21.5.1 Billige Rechtshilfe sei solche Unterstützung bei der


richterlichen Thätigkeit, die den Helfenden keiner Gefahr
für Leib und Leben aussetzt und nicht dazu angethan ist, die
Fristung seines Lebensunterhalts wesentlich zu schädigen.
Es ist die Pflicht der Protektoren, Schaden von den Bürgern
und Völkischen zu wenden.
&
§ 22 INIURIA LETALIS.

Führt jemand auf fahrlässige Weise den Tod eines


anderen herbei, so erhalte er eine quadratische blaue
Färbung der Stirn. Handelt es sich um einen schweren
Fall, so werde die Färbung durch Tätowierung dau-
erhaft gemacht oder werde er mit dem Zeichen des
Hammers auf der Stirn gebrandmarkt.

Handelt jemand wiederholt fahrlässig und lässt keine


Besserung erkennen, auch wenn niemand verletzt wird
oder zu Tode kommt, so werde er auf der Stirn ge-
brandmarkt oder mit dem Hammer zu Tode gebracht.
Sein Vermögen werde dafür verwendet, das Leid zu
lindern, das er anderen gebracht; was übrig bleibt, falle
der Richtkasse zu.
CRIMINA
MINORA
cf. 1 CRIMINA MINORA sind Vergehen von kleinlicher
und bagatellhafter Natur, die, wiewohl aus gemeiner
Selbstsucht entstanden, nicht dazu angethan sind, die
Grundfesten der Gesellschaft nachhaltig zu schädigen.

cf. 2 Als solche sind sie grundsätzlich mit Nachsicht


zu betrachten; die Strafe sei vielmehr dazu angethan,
den Thäter auf den rechten Weg zu bringen. Hierbei
ist das richtige Mass zwischen elterlicher Strenge und
freundlicher Ermahnung zu treffen.

cf. 3 Zeigt indes der Thäter keine Reue oder brüstet


sich sogar mit seiner That; lässt er es dem Richter und
den Opfern gegenüber an Aufrichtigkeit und Höflich-
keit fehlen, oder hegt er Häme für diejenigen, denen
er mit seiner That geschädigt hat, so lasse der Richter
die ganze Strenge des Gesetzes walten. Denn ein sol-
cher verdorbener Mensch wird sich – so er dies noch
nicht gethan – unweigerlich zu einem Gewohnheits-
verbrecher entwickeln. Handelt in einem so gearteten
Fall der Richter zu nachsichtig, so werden grössere
Verbrechen folgen. Der milde Richter steht für diese
zukünftigen Thaten moralisch in der Verantwortung,
hat er nicht nach vollem Gewissen Strafe walten las-
sen.
cf. 4 Zeigt der Thäter indes echt
e Reue – und hier
bedarf der Richter eines guten Aug
es für den Charak-
ter des Menschen, muss Krokodilstr
änen von echter
Zerknirschung wohl zu unterscheide
n wissen – so wird
eine zu strenge Strafe den Thäter
nur verbittern und
verstocken. Von ihr ist in diesem Fall
e abzusehen und
der Thäter milde zu bestrafen. Die
Strafe werde je-
doch niemals völlig ausgesetzt; dies
wäre der erziehe-
rischen Wirkung abträglich.

cf. 5 CRIMINA MINORA sind grundsä


tzlich nicht mit
dauerhafter Zeichnung oder Brandm
arkung zu strafen,
um dem Thäter nicht zu verwehren,
sich in die Gesell-
schaft zurückzugliedern.

cf. 6 Wird eine Wechselstrafe verhängt, und kann der


Thäter diese nicht leisten, so verrichte er stattdessen
leichte Strafarbeit; kehre etwa Schandstrassen oder
trage Abfälle, bis er seine Schuld gegenüber der Ge-
meinschaft abgegolten. In schweren Fällen werde er in
ein Arbeitslager überstellt (s. CR. MAIORA, cf.3)

cf. 7 Wird eine Prangerstrafe verhängt, so werde der


Thäter öffentlich zur Schau gestellt; er verkünde seine
Missethat für alle hörbar. Ist er verstockt und schweigt,
so werde die Prangerstrafe verlängert, bis er von sei-
ner Verstocktheit geheilt.
afe verhängt, diese
cf. 8 Ist eigentlich eine Prangerstr
t als sinnvoll zu er-
aber aufgrund der Umstände nich
land abseits der Dörfer
achten; beispielsweise im Oed
eine Wec hselstrafe oder
und Städte, so werde diese in
zeitweise Markierung umgewa nde lt.

cf. 9 Verübt ein Bürger im Uebermass Bagatellverge-


hen, so können ihm nach Massgabe des urtheilenden
Richters die Bürgerrechte entzogen werden.

cf. 10 Hat der Thäter ein CRIMEN MINOR verübt, um


Schaden von der Gesellschaft zu wenden; andere Per-
sonen vor Verletzung und Tod zu bewahren; um ein
Verbrechen zu verhindern oder zu melden, so werde
die Strafe gemildert oder ausgesetzt.

cf. 11 CRIMINA MINORA können ohne förmliches Ver-


fahren von jedem Richter, ob Schiedsmann oder Voll-
strecker, oder durch einen von einem Richter ermäch-
tigten Schöffen oder Vaganten abgeurtheilt und gestraft
werden. Ein förmliches und öffentliches Verfahren ist
nicht notwendig; es mag jedoch nach Entscheidung
des Richters für die Erziehung und AEDIFICATIO des
Volkes sinnvoll sein.
VITA BREVIS,
LEX AETERNA.
§ 1 MUNDRAUB.

Stiehlt oder raubt ein Mensch aus Hunger oder um


seine Krankheit zu lindern, und hat er keine anderen
Mittel, seine Not zu stillen, so liegt Mundraub vor.
Entscheidend sei, dass es sich bei dem Geraubten um
Dinge geringen Wertes handele.

Mundraub werde mit einer Prangerstrafe von einer


bis fünf Stunden geahndet. Ist der Thäter reuig, und
handelte es sich um Dinge sehr geringen Wertes, so
kann nach Massgabe des Richters von einer Strafe ganz
abgesehen werden.

Ist mit Rückfälligkeit zu rechnen, so kann in schweren


Fällen der Verurtheilte mit blauer Farbe an den Hän-
den markiert werden.

§ 1 ANNOTATIONES.

§ 1.1 Handelt es sich bei dem Thäter um einen Völkischen


oder Gesetzlosen ohne Bürgerrechte; und handelt es sich bei
der Diebesbeute um Dinge, die ihm aufgrund fehlender Bür-
gerrechte nicht zustehen, so werde er nach § 1 CR. MAIORA
verurtheilt. Dies umfasst ex. gen. zertifiziertes Gemüse oder
Korn von einem Bürgermarkt, Wasser von einem Bürger-
brunnen, et al.
§ 1.2 Ist das Raubgut medizinisches Gerät oder MATERIA ME-
DICA aus dem Besitz des Spitals, so ist nicht auf Mundraub zu
erkennen, selbst wenn der Thäter sie zur Behandlung seiner
Krankheit braucht; vielmehr werde der Thäter nach § 5 CR.
CAPITALIA gerichtet.

§ 1.3 In Zeiten von Hungersnot und Rationierung, in kleinen


Orten und im Oedland, wo die Versorgung durch Ernährer
ungewiss ist, sei § 1 nicht anwendbar. Vielmehr werde hier
auch solcher Mundraub wie LIBELLUS oder LIBELLUS GRAVIS
behandelt (§ 1 CR. MAIORA und § 5 CR. CAPITALIA): Dies er-
folge zum Schutze des Einzelnen und der Gesellschaft, und
zur Abschreckung von Plünderern.
6
§ 2 LIEDERLICHKEIT.

Schmutz an Kleidung und Haut, fetti


ges Haar, lässige
Körperhaltung, ungepflegtes Erschein
ungsbild, Flöhe
und Läuse, lockere Sitten, unsteter
Blick, mangeln-
de Körperpflege: dies sind Anzeich
en für einen lie-
derlichen Lebenswandel. Nicht nur
ist der Anblick für
aufrechte Bürger unangenehm, lied
erliche Sitten öff-
nen auch Krankheiten und Fäulnis
Tür und Tor.
Wer sich, seine Bleibe und seine
Kleidung deshalb
nicht rein hält; wer sein Aeusser
es verlottern lässt,
der zahle deshalb eine Strafe von 10
bis 100 Wechseln.
In schweren Fällen werde er für eine
bis zehn Stunden
an den Pranger gestellt und verkünd
e sein Verbrechen
für alle hörbar.

§ 2 ANNOTATIONES.

§ 2.1 Angemessene Milde hat im Oed


land zu walten, wo der
Einzelne oft nicht Möglichkeit zu
Körperpflege hat, und in
Zeiten der Wasserknappheit. Hier
kann die Strafe gemildert
oder ausgesetzt werden.

§ 2.2 In Zeiten von Seuchen und gras


sierenden Krankheiten
gehe der Richter mit besonderer
Härte vor; hier können
Strafen bis hin zur Brandmarkung
verhängt werden, da der
Liederliche mit Ungeziefer und Schm
utz die gesamte Ge-
meinschaft gefährdet.
§ 2.3 Zeigt der Liederliche Anzeichen von Versporung,
so ist er einem Angehörigen des Spitals zu überantworten,
sollte dieser anfragen. Für die Dauer seines Aufenthalts in
der Obhut des Spitals sind seine Bürgerrechte aufgehoben,
und er darf straffrei nach Massgabe des Arztes festgehalten,
isoliert, mit Medikamenten behandelt, verstümmelt oder zu
Tode gebracht werden, soweit nach Aussage des Arztes durch
ihn eine Gefahr für die Volksgesundheit ausgeht.

§ 2.3.1 Die Richter und ihre Helfer haben Sorge zu tragen,


dass sie nicht durch Kontakte mit einem leperösen Lieder-
lichen versport werden.

§ 2.4 Zeigt der Liederliche Anzeichen von Krankheit, so


werde er zum Schutz der Gemeinschaft vor die Tore gebracht
und dort ausgeschlossen. Ist dies nicht möglich, so werde er
mit einem roten Dreieck auf der Stirn gezeichnet, so dass
jeder Bürger seine Krankheit erfahre und Abstand halte. Es

1
ist einem solcherart Gezeichneten untersagt, sich auf mehr
als drei Schritte einem Bürger oder Völkischen zu nähern;
Zuwiderhandlung werde mit der Hinrichtung bestraft.
inter arma
non silent leges.

§ 3 RUHESTOERUNG.

Belästigt jemand seine Mitmenschen durch überlaute


Rede, Aeusserung oder Gesang; oder durch Geräusche,
die nicht zur Durchführung seines gewöhnlichen Tag-
werks gehören und dazu unvermeidbar sind, so leiste
er eine Strafe von 10 bis 500 Wechseln. Bei verstockten
Thätern oder schweren Fällen verbringe der Ruhestö-

z
rer zudem zwischen 1 und 5 Stunden am Pranger und
verkünde seine Missethat.
§ 4 GROBER UNFUG.

n durch auffälliges
Belästigt jemand seine Mitmensche
ode r Unfug, so zahle
Verhalten, sinnlose Aeusserung
Ric htka sse. Handelt es
er 10 bis 500 Wechsel in die
ist der Thä ter verstockt
sich um einen schweren Fall,
wie derh olt auffällig ge-
und uneinsichtig, oder ist er
n 1 und 5 Stunden am
worden, so verbringe er zwische
e Tha t hör en.
Pranger und lasse das Volk sein

§ 4 ANNOTATIONES.
§ 4.1 Ist derjenige, der den Unfug verübt, NON COMPOS MEN-
TIS oder geistig zurückgeblieben, so werde statt dessen sein
Vormund, Ehegespons oder seine Eltern gestraft.

§ 4.1.1 Findet sich kein Vormund, so werde der verübende


Thäter gestraft; unter Berücksichtigung der Gefahr, die er
für die öffentliche Ordnung darstellt.

§ 4.2 Der Richter prüfe, ob bei dem Unfuge der Zustand


der INTOXICATIO gegeben sei; in diesem Falle verschärfe sich
die Strafe.

§ 4.3 Handelt es sich bei dem Thäter nach Aussagen der


im Viertel oder der Gegend Ansässigen um ein wiederholtes
Aergernis, so werde er mit einem blauen Dreieck auf der
Stirn gezeichnet und des Ortes oder des Viertels verwiesen.
Bricht er die Verbannung, so werde er mit dem Hammer zu
Tode gebracht.
§ 5 GLUECKSSPIEL.

Spielt oder wettet jemand um Geld, so ist dies mit ei-


ner Strafe von 10 bis 500 Wechseln zu belegen. Von ei-
ner Zeichnung ist abzusehen, ausser in schweren oder
Wiederholungsfällen; in einem solchen Fall erhalte der
Thäter Mund oder Hände blau gefärbt.

Ist der Thäter Urheber und Veranstalter des Spiels, so


verkünde er für eine bis fünf Stunden seine Missethat
am Pranger.

§ 5 ANNOTATIONES.

§ 5.1 Verwendet der Thäter gezinkte Karten oder Würfel,


betrügt er im Spiel oder prellt auf andere Weise Mitspieler
um ihre Einsätze, so werde er zudem nach § 13 CR. MAIORA
für FRAUDATIO verurtheilt.

§ 5.2 Wettet der Thäter auf Faust-, Ringkämpfe oder andere


Kampfspiele, so werde er möglicherweise nach Massgabe des
Richters nach § 4.1 CR. MAIORA für MULCATIO angeklagt.

§ 5.3 Der vorstehende Richter eines Viertels oder Ortes kann


Schandzonen einrichten, in denen das Glücksspiel statthaft
ist und nicht verfolgt wird.
§ 6 OEFFENTLICHE UNZUCHT.

Treibt jemand Unzucht ausserhalb seiner Behausung


im öffentlichen Raum, stellt sich unzüchtig zur Schau
oder bietet Unzucht an, so leiste dieser eine Strafe
von 50 bis 500 Wechseln. In schweren oder flagranten
Fällen werde er mit einem blauen Kreis auf beiden
Wangen gezeichnet und / oder werde an den Pranger
gestellt und verkünde allen seine Missethat.

Bei Wiederholung werde die Zeichnung dauerhaft ge-


macht, und die Geldbusse erhöht bis zu 1000 Wechseln.
Nach Massgabe des Richters werde der Thäter mögli-
cherweise der Gemeinschaft verwiesen und erhalte ein
blaues Dreieck auf der Stirn.

§ 6 ANNOTATIONES.

§ 6.1 Nach Massgabe des Richters werde ein Wiederho-


lungsthäter möglicherweise zeitweise der Gemeinschaft ver-
wiesen und erhalte ein blaues Dreieck auf der Stirn.

§ 6.1.1 In besonders schweren Fällen werde die Zeichnung


und die Verbannung dauerhaft gemacht. Dies dient der
Volksgesundheit, da wilde Unzucht immer zur Verbreitung
von Krankheiten beiträgt.

§ 6.1 In einer vom zuständigen Richter eingerichteten


Schandzone wird öffentliche Unzucht nicht verfolgt.
PESSIMA TEMPORA,
PLURIMAE LEGES.
§ 7 VERSCHANDELUNG.

Wer das Eigentum eines Bürgers oder Völkischen ver-


schandelt, entstellt oder beschmiert, der zahle 10 bis
500 Wechsel an die Richtkasse; er beseitige die Verun-
staltung. Der Richter mag ihn nach seiner Massgabe
zu einer bis 5 Stunden am Pranger verurtheilen, wo er
seine That allem Volk verkünde.

Wer öffentliches Eigenthum verschandelt oder ver-


unstaltet, der verbringe 5 bis 10 Stunden am Pranger;
er beseitige die Verunstaltung, und seine bewegliche
Habe falle der Richtkasse zu.

§ 7 ANNOTATIO.

§ 7.1 Handelt es sich bei dem verunstalteten Eigentum um


ein Kunstwerk, das den Ersten Richter verherrlicht, oder um
Insignien der Richtschaft oder des Spitals, so verliere der

1
Thäter eine Hand, die mit dem Hammer gebrochen werde.
§ 8 OEFFENTLICHE TRUNKENHEIT.

Wer ausserhalb von Bleiben und Schankstätten Destil-


lat oder andere Rauschmittel in grossen Mengen zu
sich nimmt oder deutliche Anzeichen von Trunkenheit
zeigt, der leiste eine Wechselstrafe von 10 bis 50 Chro-
nistenwechseln; in schweren Fällen, oder wird er wie-
derholt auffällig, so zahle er bis zu 100 Wechseln und
verbringe eine Stunde am Pranger.

Ist der Richter oder Schöffe der Meinung, dass der


Trunkene eine Gefahr für sich selbst, die öffentliche
Ordnung, die Bürgerruhe oder die Gesundheit seiner
Mitmenschen darstellt, so kann er ihn bis zu seiner
Ausnüchterung verwahren. Der Trunkene zahle in die-
sem Falle 10 bis 20 Wechsel für die Unterbringung und
Bewachung.

§ 8 ANNOTATIONES.

§ 8.1 Häufig geht öffentliche Trunkenheit auch mit anderen


Vergehen einher; ex. gen. Pöbelei (§ 9 CR. MINORA), Lie-
derlichkeit (§ 2 CR. MINORA), grober Unfug (§ 4 CR. MINO-
RA) oder Ruhestörung (§ 3 CR. MINORA). Oft auch neigen
Trunkene zu MULCATIO (§ 9 CR. MAIORA). Gehen diese oder
andere Vergehen und Verbrechen mit der öffentlichen Trun-
kenheit einher, sind sie zusätzlich und gesondert zu strafen.
§ 8.1.1 Wird die öffentliche Trunkenheit begleitet von ande-
ren Vergehen oder Verbrechen, so komme § 10 ANN.:PRINC.
IURIS zum Tragen, der die Strafe für im Zustande der INTO-
XICATIO verübte Thaten verschärft.

§ 8.2 Ist der Trunkene friedlich und lenksam, und stellt er


weder eine Gefahr noch eine Belästigung für seine Mitbür-
ger dar, so mag der Richter oder Schöffe von einer Strafe
absehen.

§ 8.2.1 Auch in diesem Falle mag der Trunkene zu seiner


Sicherheit oder der seines Eigentums verwahrt werden.
§ 9 POEBELEI.

Wer Menschen beschimpft, bedräng


t, pöbelhafte Rede
führt oder abfällige Bemerkungen von
sich gibt, der lei-
ste eine Strafe von 10 bis 100 Wec
hseln und verbringe
zwischen 1 und 10 Stunden am Pra
nger, wo er der All-
gemeinheit seine That verkünde.
In schweren Fällen
werde er mit einem blauen Streifen
über den Mund
gezeichnet.

Wiederholungsthäter können daue


rhaft markiert wer-
den; ihre bewegliche Habe werde eing
ezogen.

§ 9 ANNOTATIONES.

§ 9.1 Pöbelei gleicht in vielen Fällen der Schmähung und


Beleidigung (§ 8 CR. MAIORA) oder der Schädigung des Ru-
fes (§ 7 CR. MAIORA) oder der Belästigung (§ 15 CR. MAIO-
RA). Der Richter oder Schöffe bedenke je nach Schwere des
Falles, ob er nicht den Thäter für einen der obigen Punkte
vor das Gericht zitiere.

§ 9.1.1 Ist das Opfer ein Bürger, und der Thäter ein Völ-
kischer, so komme in jedem Falle § 7, 8 oder 15 CR. MAIORA
zur Anwendung.
§ 9.1.2 Handelt es sich bei dem Opfer um einen Richter,
Schöffen, Angehörigen des Spitals oder einen Chronisten, so
werde in jedem Falle Klage nach § 7, 8 oder 15 CR. MAIORA
geführt.

§ 9.2 Oft ist Pöbelei das Resultat von INTOXICATIO (§ 10


ANN.:PRINC. IURIS); entsprechend werde in diesem Falle die
Strafe verschärft.

§ 10 FLUCHEN und LAESTERUNG.

Flucht ein Bürger oder Völkischer, gebraucht er unflä-


tige Worte, so werde er mit einer Strafe von 10 bis 20
Wechseln belegt. Handelt es sich um einen besonders
schweren Fall und ist keine Besserung durch die Wech-
selstrafe zu erwarten, so werde er für eine Stunde an
den Pranger gestellt und verkünde seine Missethat für
alle hörbar.

Lässt der Thäter auch am Pranger nicht ab zu fluchen,


so färbe man ihn mit einem blauen Streifen über den
Mund.
NEIDU NG.
§ 11 STRECKUNG und VERSCH

Wer Nahrung, Destillat, Me-


oder ver-
dizin oder andere Waren streckt
eren für unv erschnittene Ware
schneidet, und sie and
10 bis 500 Wech-
anbietet, der zahle eine Strafe von
seinem Urtheil
seln. Zudem mag der Richter nach
eine Prangerstrafe verhängen.
ise die Ware durch
Ist der Fall schwer; ist beispielswe
r thut ihre Wir-
den Verschnitt wertlos geworden ode
die Hände blau ge-
kung nicht, so sollen dem Thäter
werde die Zeich-
färbt werden. Im Wiederholungsfalle
nung dauerhaft gemacht.

§ 11 ANNOTATIONES.

§ 11.1 In gleichem Masse strafe man auch Handwerker und


Händler, die mit falschem Mass oder Gewicht ihre Kunden
täuschen.

§ 11.2 Im vermehrten Wiederholungsfalle verliere der Thä-


ter eine Hand, die mit dem Hammer gebrochen werde.

§ 11.3 Ist der Richter der Ansicht, dass ein schwerer Fall
vorliege, so werde der Thäter zudem nach § 13 CR. MAIORA
für FRAUDATIO verurtheilt.
§ 12 WUCHER.

Wer Geld verleiht und dabei Zinsen über 10 PER CEN-


TUM verlangt, der macht sich des Wuchers schuldig.
Er gehe des geliehenen Geldes verlustig und zahle eine
Strafe, die dem von ihm erhobenen Zinssatze entspre-
che. In schweren Fällen werde ihm eine blaue Färbung
an beiden Händen verliehen.

Wiederholungsthäter sind dauerhaft an den Händen zu


zeichnen.

INIURIA LEGIS
INIURIA POPULI.
§ 13 HUREREI und ZUHAELTEREI.

Bietet jemand Unzucht oder unzüchtige Handlungen


gegen Geld oder andere Waren an, oder niesst er an
solchen käuflichen Handlungen Nutzen, so werde er
mit einer Strafe zwischen 50 und 500 Wechseln belegt.

In schweren Fällen werde er mit einem blauen Kreis


auf beiden Wangen gezeichnet; er werde an den Pran-
ger gestellt und verkünde allen seine Missethat.
Bei Wiederholung werde die Zeichnung dauerhaft ge-
macht, und die Geldbusse erhöht bis zu 1000 Wechseln.
Nach Massgabe des Richters werde der Thäter mögli-
cherweise der Gemeinschaft verwiesen und erhalte ein
blaues Dreieck auf der Stirn.

§ 13 ANNOTATIONES.

§ 13.1 Nach Massgabe des Richters werde ein Wiederho-


lungsthäter möglicherweise zeitweise der Gemeinschaft ver-
wiesen und erhalte ein blaues Dreieck auf der Stirn.

§ 13.1.1 In besonders schweren Fällen werde die Zeich-


nung und die Verbannung dauerhaft gemacht. Dies dient der
Volksgesundheit, da wilde Unzucht immer zur Verbreitung
von Krankheiten beiträgt.

§ 13.2 Der für einen Distrikt zuständige Richter mag nach


eigener Massgabe Schandzonen einrichten, in der die Hure-
rei und Unzucht nicht verfolgt wird.
§ 14 MISSACHTUNG des GERICHTS.

Wird jemand als Zeuge, als Verständiger, Kläger oder


Beklagter, als Wache, Schreiber oder Beisitzer vor ein
Gericht geladen, der verhalte sich sittsam und ruhig.
Macht er während der Verhandlung das Gericht ver-
ächtlich, stört das Verfahren durch Zwischenrufe oder
andere Unruhe, redet ungefragt oder schweigt verstockt,
wenn er zum Reden aufgefordert wird, oder erscheint
er vor Gericht im Zustand der Trunkenheit, so leiste
er eine unverzügliche Strafe von 10 bis 100 Wechseln.
In schweren Fällen mag der Richter auf eine höhere
Strafe erkennen.

§ 14 ANNOTATIO.

§ 14.1 Dieselbe Strafe treffe den Thäter, ist er ein Zuhörer


aus dem Volke und weder als Zeuge, Kläger, Beklagter oder
Helfer aufgerufen. In diesem Falle kann der Richter ihn des
Verfahrens und des Ortes der Verhandlung verweisen. Wei-
gert er sich zu gehen, so werde er unverzüglich mit einem
blauen Balken über den Mund gefärbt und gewaltsam entfernt;
auch mag man eine Anklage wegen OBSTRUCTIO IUSTITIAE (§
21 CR. MAIORA) erwägen.
§ 15 SCHULD- und STEUERFLUCHT.

Zahlt jemand seine Schuld nicht in angemessener Frist


zurück, so ist ihm vom Richter oder Schöffen eine Frist
zu setzen; dem Gläubiger ist diese Frist schriftlich zu
bestätigen. Für diese Bestätigung zahle der Schuldner
10 Wechsel an die Richtkasse.

Zahlt er innerhalb der Frist nicht, so werden ihm die


Hände blau gefärbt, und er arbeite solange für den
Gläubiger, bis er seine Schuld mit seiner Arbeit abge-
golten. Weigert er sich, so werde die Zeichnung dau-
erhaft gemacht, und er verkünde seine Missethat am
Pranger, bis er einwilligt.

Zahlt ein Bürger oder ansässiger Völkischer seine


Steuern nicht, so diene er seine Schuld im Arbeitsla-
ger ab. Sein Gesicht werde rot gefärbt, und er leiste
schwere Arbeit für die Gemeinschaft, bis die Färbung
verblasst ist.
IUS
CIVITATIS
en das IUS CIVITA-
cf. 1 Vergehen und Verbrechen geg
sich geg en die Volksge-
TIS sind solche Thaten, die
und ihre r umliegenden
meinschaft der Stadt Iustitian
he sind sie nur strafbar,
Ortschaften richten. Als solc
Bod en ode r dem einer
wenn sie auf justitianischem
. Im wei tere n Raum
Protektoratsstadt verübt werden
t stra fbar.
des Protektorates sind sie nich
inbar minderer
cf.2 Oft sind solche Vergehen sche
Spe rrst unde beispiels-
Natur; nächtlicher Ausgang zur
Waffen ordn ungsgemäss
weise, oder das Versäumnis,
nich t mit Nac hsicht zu
zu sichern. Dennoch sind sie
behandeln! Der Richter oder Schöffe bedenke, dass
Vergehen gegen das IUS CIVITATIS den Boden für ande-
re, schwerer wiegende Verbrechen bereiten: wer nachts
trotz der Sperrstunde ausgeht, trachtet nach dem Gut
oder Leben seiner Nachbarn, wer seine Waffen nicht
sichert, der wird sie bei der nächsten PROVOCATIO
gegen seinen Nächsten gebrauchen.

Wer also streng und gerecht gegen diese Vergehen vor-


geht, der unterbindet Strafthaten. Er erspart Bürgern
die Unbill, beraubt oder verletzt zu werden; er erspart
dem Verbrecher die Strafe für die Thaten, die er so
nicht verüben konnte. Durchsetzung des IUS CIVITATIS
ist also gleichbedeutend mit Bewahrung der bürger-
lichen Ruhe und Ordnung.
cf. 3 Uebertritte des IUS CIVITATIS sind von jedem
Richter oder Schöffen direkt und ohne ein Verfahren
zu bemühen ahndbar; ebenso von einem Vaganten, so
er im Auftrage eines Richters die Ordnung zu wahren
hat.
§ 1 HERUMLUNGERN.

Herumlungernde Tagediebe verschandeln das Stadtbild,


behindern das Vorankommen der Bürger, die ihrem
Tagwerk nachgehen, der Richter und Brandwehren;
kurz: allen, die zum Fortkommen der Gemeinschaft
arbeiten. Wer herumlungert und der Ruhe nicht in
seinen eigenen vier Wänden oder einer lizenzierten
Schänke pflegt, der werde mit einer Wechselstrafe von
10 bis 100 Wechseln belegt. Zeigt er sich uneinsichtig,
so werde er zudem für eine Stunde an den Pranger ge-
stellt und verkünde laut seine Missethat.

§ 2 NAECHTLICHER AUSGANG
und BRUCH DER SPERRSTUNDE.

Nach Einbruch der Dunkelheit haben Bürger und Völ-


kische in ihren Häusern zu bleiben; wer zu späterer
Stunde noch in den Strassen anzutreffen ist, der werde
mit einer Strafe von 10 bis 100 Wechseln belegt und in
sein Haus eskortiert.

Hat der Richter oder Schöffe Grund zu der

Annahme, der Thäter führe Uebles im Schilde, so wer-


de dieser mit einem blauen Streifen über rechte Stirn
und Wange gezeichnet. Die Wechselstrafe werde auf
bis zu 500 Wechsel erhöht.
Wird der Thäter wiederholt mit einer solchen Mar-
kierung nächtens aufgegriffen, so verliere er den Ge-
brauch eines Fusses; dieser werde ihm mit dem Ham-
mer zertrümmert.

§ 2 ANNOTATIONES.

§ 2.1 Dieselbe Strafe gelte, wenn von den Richtern eine


Sperrstunde oder Ausgangssperre verkündet wird; in diesem
Fall ist bei Ausgang stets von üblem Vorsatze auszugehen
und die Strafe entsrechend zu verschärfen.

§ 2.2 Als Ausnahmen zu §§ 2 und 2.1 gelten: Ausgang zur


Meldung, Hinderung oder Vereitelung eines Verbrechens;
Ausgang zur Bekämpfung eines Feuers; Verlassen der Woh-
nung zur Flucht vor einer Gefahr für Leib und Leben. Kann
der Thäter solche Gründe glaubhaft geltend machen, so gehe
er straffrei.
§ 3 BEHINDERN VON RICHTERN
UND BRANDWEHREN.

Wer auf Stichstrassen oder anderen Wegen einen


Richter oder Schöffen behindert, wer der Brandwehr
auf dem Weg zu einem Flammenherd den Weg nicht
schleunig räumt, der werde zu einer Strafe von 100 bis
500 Wechseln verurtheilt.

Verbaut der Thäter in voller Absicht den Weg oder


ist er nicht mit Worten zum Räumen der Bahn zu
bewegen, so werde er mit Gewalt aus dem Wege beför-
dert; er werde markiert mit einem roten senkrechten
Streifen über rechte Stirn und Wange. In besonders
schweren Fällen verliere er den Gebrauch eines Fusses,
der ihm mit dem Hammer gebrochen werde.
§ 4 TRAGEN UNGESICHERTER
N.
ODER VERBORGENER WAFFE

Hand- oder Feuer-


Im Stadtgebiet sind Waffen, ob
wic keln mit Stoff und
waffen, durch Entladen und Um
Wer seine Waffen ein-
Verknoten dauerhaft zu sichern.
Stra fe von 10 bis 200
satzbereit trägt, der zahle eine
Wechseln.
der Träger der
Besteht Grund zu der Annahme, dass
ig sei ode r beabsichti-
Waffe gewaltthätig oder jähzorn
zen , so wer de die Waffe
ge, sie auf Stadtgebiet einzuset
htsc haft zu.
beschlagnahmt und falle der Ric
atzbereit mit sich
Wer eine Waffe verborgen und eins
r betr acht et und zusätz-
führt, der werde als Schläge

a
eine m blau en Kreuz über
lich zu der Wechselstrafe mit
Die Waf fe werde einbe-
Stirn und Wangen gezeichnet.
iere er die Waffenhand,
halten. Bei Wiederholung verl
mer t wer de.
die mit dem Hammer zertrüm
CAVEAT IUDEX!

IUS IUDICORUM
§ 1 SINE PERICULA.

Ist ein Verbrecher der CRIMINA CAPITALIA oder MAIO-


RA nicht zu fassen und der Gerichtsbarkeit vorzufüh-
ren, so kann ein Protektor oder Advokat das erforder-
liche Urtheil selbst und unverzüglich vollstrecken oder
durch Schöffen und Vaganten vollstrecken lassen.

Sobald als möglich stelle er sich nach erfolgter That


einem Tribunal und plaediere SINE PERICULA. Macht
sich das Tribunal die Auffassung zu eigen, dass der

b
Richtspruch gerecht und angemessen sei, so wird ihm
keine Strafe auferlegt. Anderenfalls setze das Tribunal
eine angemessene Strafe für das Fehlurtheil fest und
vollstrecke diese an dem Richter.

§ 1 ANNOTATIONES.

§ 1.1 Der ursprüngliche Urtheilsspruch jedoch werde nicht


aufgehoben; dem Volke gegenüber werde er als gerecht an-
erkannt.

§ 1.2 SINE PERICULA sei anzuwenden auf alle Fälle, in denen


ein Verbrecher ein CRIMEN CAPITALIS oder MAIOR verübt hat
und die Gerichtsbarkeit seiner nicht dauerhaft habhaft wer-
den kann.
Dies gilt insbesondere auf feindlichem Gebiete, wo ein Be-
freiungsversuch wahrscheinlich ist, oder wenn der ausführen-
de Richter durch die Gefangennahme sich die Bevölkerung
zum Feind macht. Ebenso kommt § 1 zur Anwendung, wo
kein Advokat in billiger Reichweite ist, um ein Urtheil zu
sprechen.

§ 1.3 Das Strafmass richte sich hier nach der Gegebenheit. Es


mag im Falle nicht möglich sein, den Verbrecher zu färben,
zu tätowieren oder zu brandmarken. Daher mag ein Rich-
ter unter SINE PERICULA nach seinem Gutdünken ein finales
Urtheil sprechen, welches zu vollstrecken er sich in der Lage
sieht, und das das im Codex zugelassene volle Strafmass der
That auch bei Erstthätern oder minder schweren Fällen in
vollem Umfange ausschöpfen kann.

b
§ 1.4 Der Richter mag, sollten ihn unaufschiebbare Pflich-
ten binden, einen Bericht über Urtheil und Vollstreckung,
versehen mit mindestens zwei Aussagen von Zeugen guten
Leumunds oder Richtern, per sicherer Depesche zur Richt-
halle senden.

§ 1.5 Verabsäumt der Richter sich in angemessener Frist


selbst dem Tribunal zu stellen, so tagt es in seiner Abwesen-
heit. Ist kein Bericht eingetroffen, so ist von einem Fehlurt-
heil auszugehen und der Richter entsprechend zu bestrafen.

§ 1.6 Im Einklange mit § 2 ff. sei die Strafe am Richter


festzulegen.

§ 1.7 Das Tribunal sei im Einklange mit § 2 ff. mit drei


Richtern zu besetzen, von denen alle dem Richter im Range
zumindest gleichkommen. Den Vorsitz des Tribunals über-
nehme in jedem Falle ein Advokat.
4
B E D E N KE:
R,
RICHTE H DU
AUC
F E H L BAR!
BIS T
§ 2 ERRATA IUDICIS.

rgessen handelt,
Ein Richter oder Vagant, der pflichtve
htsc haft oder dem An-
insbesondere im Falle er der Ric
scha det, der ist durch
sehen des Gesetzes beim Volke
drei Ric hter n zu verur-
ein Tribunal von zumindest
lstre ckun g ausz usetzen.
theilen und die Strafe zur Vol

§ 2 ANNOTATIONES.

§ 2.1 Das Tribunal bestehe aus drei Richtern, die dem Rich-
ter im Range zumindest gleichkommen. Den Vorsitz über-
nehme ein Advokat; sind mehrere Advokaten zum Tribunal
berufen, so übernehme der Ranghöchste den Vorsitz. Der
Vorsitzende fällt das Urtheil; die Beisitzer beraten ihn hier-
bei.

§ 2.2 Das Tribunal tage nur INTRA MUROS; die Verhandlung


darf in keinem Falle CORAM PUBLICO geführt werden.

§ 2.3 Die Strafe richte sich in angemessener Weise nach dem


Vergehen des Richters. In keinem Falle darf die Strafe den
Richter dauerhaft zeichnen, damit das Ansehen der Richt-
schaft im Volke nicht leide. Der Richter werde nicht gefärbt,
tätowiert oder gebrandmarkt; er verliere keine Körpertheile.
Leibstrafen und Züchtigungen dürfen nicht öffentlich voll-
streckt werden; der Richter werde bis zur Verheilung den
Augen des Volkes verborgen.
§ 2.4 STRAFMASS

§ 2.4.1 Bei Mord, Schändung, schwerem Raub, Verrat


oder anderen CRIMINA CAPITALIA werde der Richter
mit dem Hammer hingerichtet. Sein gesamter Besitz
und sein Vermögen fallen an die Richtschaft.

§ 2.4.2 Bei Trunkenheit oder INTOXICATIO werde dem


Richter eine Strafe von zwischen 100 und 600 Wech-
seln auferlegt. Oder er diene zwischen einem oder drei
Monaten als Ausrufer und zitiere dem Volk aus dem
Codex, den er mit Füssen trat.

§ 2.4.3 Lästert der Richter die Grundsätze der Richt-


schaft oder tritt die Grundlagen des Gemeinwesens mit
Füssen, so erlege man ihm eine Strafe von 500 bis 2000
Wechseln auf, und er zitiere dem Volk als Ausrufer
aus dem Codex, bis das Tribunal seine Läuterung an-
erkennt. Findet die That ausserhalb des Protektorates
statt oder ist anderweitig eine Ausrufung nicht als sinn-
voll erachtet, so werde der Richter mit der Peitsche
gezüchtigt, bis er sich zum Widerruf bekennt.

§ 2.4.4 Bestechlichkeit werde mit einer Geldstrafe


geahndet, die die empfangenen Summen oder den Wert
der empfangenen Dienste übersteige. Zudem mag das
Tribunal eine angemessene Zeit als Ausrufer festlegen.
Hat der Richter dem Gemeinwesen oder der Richt-
schaft schweren Schaden zugefügt, oder lässt er sich
zum wiederholten Male bestechen, so ist er mit dem
Hammer hinzurichten und sein Besitz einzuziehen.
§ 2.4.5 Uebt der Richter öffentliche Unzucht, so ist er
mit der Peitsche zu strafen: mit 10 Hieben bei einem
ersten Vergehen; mit 30 beim zweiten. Sollte der Rich-
ter sich nicht läutern und abermals Unzucht treiben, so
ist er mit dem Hammer zu Tode zu bringen. Sein Be-
sitz fällt der Richtschaft anheim. In jedem Falle kann
zusätzlich vor der Vollstreckung des Urtheils zusätz-
lich Dienst als Ausrufer für einen der That angemes-
senen Zeitraum verhängt werden.

§ 2.4.6 Raubt oder stiehlt der Richter in minderem


Masse, so hat er der Richtschaft eine Wechselstrafe zu
leisten, die den Wert der geraubten Dinge übersteigt.
Zudem rufe er zwischen einem und sechs Monaten (ab-
hängig zur Schwere des Raubes) dem Volke den Codex
aus. Raubt er zum wiederholten Male, so ist er mit dem
Hammer hinzurichten.
Mundraub bildet hierzu die Ausnahme; muss ein Rich-
ter rauben, um nicht zu verhungern, so trifft ihn keine
Strafe.

§ 2.4.7 Benutzt der Richter seine Stellung, um das Volk


zu erpressen oder nötigen, mit dem Zweck des eigenen
Vortheils, so ist er streng zu ermahnen. Zudem hat er
eine Wechselstrafe zu leisten, die in ihrer Höhe die
erpressten Vorteile übersteigt. Sind diese Vorteile un-
züchtiger Natur, so ist er zusätzlich wie unter § 2.3.5

f
mit der Peitsche zu züchtigen.
Bestehen die Vorteile in Handlungen anderer Natur,
die nicht in Wechseln zu bemessen sind, so lege das
Tribunal die Höhe der Strafe nach eigenem Gutdünken
fest.
VOLK, BEDENKE:
DAS GERICHT
IRRT NICHT!
und Sit-
it in Umgang, Habitus
§ 2.4.8 Bei Liederlichke he zu str afe n; er zieht
der Peitsc
ten ist der Richter mit sch aft in
das Ansehen der Richt
durch seine Lässigkeit Ge ric ht an-
das Strafmass dem
den Schmutz. Hier ist ges tra ft, bis das Tr i-
er werde
heimgestellt. Der Richt Zu sät zli ch kan n das
festste llt.
bunal seine Läuterung eine
ibu nal von ihm erw art en, dass er dem Volke für
Tr ier e.
Kodex zit
festzulegende Zeit aus dem
Droge
Richter die geächtete
§ 2.4.9 Konsumiert der ibu nal mi t einem
so tritt das Tr
Burn in ieglicher Form, sitz er zus am me n. Der
S als Bei
Angehörigen des SPITAL Ein -
afmass vor. Unter dem
Beisitzer schlägt das Str sin d ohn e den
ene Strafthaten
flusse der Droge begang urt-
Bei sitz ers ges ondert vom Tribunal zu
Einfluss des
heilen.

§ 2.4.10 Betrügt ein Richter das Volk oder die Richt-


kasse um Geld oder empfangene Waren oder Dienste,
so leiste er der Richtschaft eine Wechselstrafe, die den
Wert der empfangenen Dienste, Güter oder Wechsel
übersteige. In schweren Fällen werde er überdies mit
bis zu zwanzig Hieben mit der Peitsche gezüchtigt
und rufe für mindestens einen Monat aus. Hat er durch
den Betrug dem Gemeinwesen oder der Richtschaft
schweren Schaden zugefügt, so richte man ihn mit dem
Hammer.

VITA BREVIS,
LEX AETERNA.
§ 2.4.11 Strafvereitelung im Dienste ist als ernstes
Vergehen zu betrachten und mit dem Hammer zu rich-
ten. Jedoch mag der Richter Gründe darlegen, um die
Vereitelung zu rechtfertigen. Häufig im Amte eines
Richters wird er einen kleinen Verbrecher laufen las-
sen, um einem grossen auf die Spur zu kommen oder
ein Verbrechen zu verhindern. Kommt der Lohn für
die Vereitelung der Gerechtigkeit oder der Richtschaft
als Ganzem oder der Volksgemeinschaft letztlich zugu-
te, so ist von einer Strafe abzusehen. Nimmt aber der
Richter durch die Vereitelung alleinig eigenen Vort-
heil, so ist er mit der vollen Schärfe des Gesetzes zu
strafen.

§ 2.5 Wenn mehrere Verbrechen in Thateinheit verübt


wurden, so gilt das schwerste Strafmass. Die zusätzlichen

Verbrechen können nach Massgabe des Gerichts zur Strafe


hinzugerechnet werden.

§ 2.5 CAUTIO: Sollten berechtigte Zweifel bestehen, ob der


Richter die Verbrechen nicht als Mittel zum Zwecke der
Aufklärung oder Vereitelung einer Strafthat verübt hat, oder
verhält es sich eindeutig so, so ist von einer Strafe abzusehen
und der Richter lediglich strikt zu ermahnen. In jedem Falle
ist der Grundsatz IN DUBIO (§ 1 PRINCIPIA) anzuwenden.
INDEX I:

CRIMINA
PRINCIPIA IURIS.

§ 1 --- IN DUBIO PRO REO!

§ 2 --- AUDIATUR ET ALTERA PARS!

§ 3 --- POENA NON ITERARI!

§ 4 --- IGNORANTIA IURIS NOCET!

§ 5 --- NEMO IUDEX IN CAUSA SUA!

§ 6 --- NULLA POENA SINE CAUSA!

§ 7 --- CUIQUE POENAM ET IUREM AEQUAM!


A.
CRIMINA CAPITALI

§ 1 --- CAEDES.
Mord.

§ 2 --- MACULATIO.
Schändung.

et SOLLICITATIO.
§ 3 --- PRODITIO
Verrat.

et TORMENTA.
§ 4 --- MUTILATIO ter.
Verstümmelung und Fol

AVIS.
§ 5 --- LIBELLUS GR
Sch we rer Raub und Diebstahl.

§ 6 --- INIURIA IUDICIS.


Tätlicher Angriff auf Richter und Schöffen.

§ 7 --- INCENSIO.
Brandstiftung.

§ 8 --- SERVITRICIUM.
Sklaverei.

§ 9 --- VORATIO CARNIS HOMINORUM.


Menschenfresserei.
CRIMINA MAIORA.

§ 1 --- LIBELLUS.
Raub und Diebstahl.
§ 2 --- OCCISIO.
Todtschlag.
§ 3 --- FUGA.
Strafvereitelung; Flucht vor dem Gesetz.
§ 4 --- MULCATIO.
Schlägerei.
§ 5 --- VIOLENTIA ARMATA.
Bewaffnete Gewalt.
§ 6 --- AGITATIO.
Aufwiegelung; Verhetzung.
§ 7 --- INIURIA FAMAE.
Rufschädigung.
§ 8 --- DICTIO INVECTIVA.
Beleidigung; Schmähung.
§ 9 --- COERCIO.
Erpressung; Zwang.
§ 10 --- ADULTERATIO.
Bruch der Ehe.
§ 11 --- EXCIDIUM PROPRIETATIS.
Beschädigung von Eigentum.
§ 12 --- IRRUPTIO CONCORDIAE DOMI.
Bruch des Haus- und Landfriedens.
§ 13 --- FRAUDATIO et FALSIFICATIO.
Betrug; Fälschung.
§ 14 --- PERIURIUM.
Meineid; falsche Aussage.
§ 15 --- ONERATIO.
Belästigung.
§ 16 --- VINCITIO et INCLUSIO.
Freiheitsberaubung.
§ 17 --- REPOSITIO MORTUORUM.
Bewahrung von Leichnamen.

§ 18 --- ARDESCAT
IO.
Entbrennen; Einnahme
von, Handel mit Burn.
§ 19 --- VENENATIO.
Vergiftung; Verseuchung
.
§ 20 --- INIURIA CO
RPORIS.
Körperverletzung.
§ 21 --- OBSTRUCT
x
IO IUSTITIAE.
Behinderung der Iustiz
.
§ 22 --- INIURIA LE
TALIS.
Fahrlässige Tötung.
CRIMINA MINORA.

§ 1 --- MUNDRAUB.

§ 2 --- LIEDERLICHKEIT.

§ 3 --- RUHESTOERUNG.

§ 4 --- GROBER UNFUG.

§ 5 --- GLUECKSSPIEL.

§ 6 --- OEFFENTLICHE UNZUCHT.

§ 7 --- VERSCHANDELUNG.

§ 8 --- OEFFENTLICHE TRUNKENHEIT.

§ 9 --- POEBELEI.

§ 10 --- FLUCHEN und LAESTERUNG.

§ 11 --- STRECKUNG und VERSCHNEIDUNG.

§ 12 --- WUCHER.

§ 13 --- HUREREI und ZUHAELTEREI.

§ 14 --- MISSACHTUNG DES GERICHTS.

§ 15 --- SCHULD- und STEUERFLUCHT.


IUS CIVITATIS.

§ 1 --- HERUMLUNGERN.

§ 2 --- NAECHTLICHER AUSGANG


und BRUCH DER SPERRSTUNDE.

§ 1 --- BEHINDERUNG VON RICHTERN


und BRANDWEHREN.

§ 4 --- TRAGEN UNGESICHERTER


oder VERBORGENER WAFFEN.

IUS IUDICORUM.

§ 1 --- SINE PERICULA.

§ 2 --- ERRATA IUDICIS.


INDEX II:

FAERBUNGEN
§ 1 CR. CAPITALIA:
caedes, Mord.

§ 6 CR. CAPITALIA:
iniuria iudicis, tätlicher Angriff
auf Richter oder Schöffen.

§ 9 CR. CAPITALIA:
voratio carnis hominorum,
Menschenfresserei

§ 7 CR. CAPITALIA:
incensio, Brandstiftung.

§ 17 CR. MAIORA:
repositio mortuorum,
Bewahrung von Toten.

§ 4 CR. CAPITALIA:
mutilatio, Verstümmelung,
tormenta, Folter.

§ 8 CR. CAPITALIA:
servitricium, Sklaverei.
§ 21 CR. MAIORA:
obstructio iustitiae,
Behinderung des Gesetzes
.

§ 2 CR. CAPITALIA:
maculatio, Schändung.

§ 2 CR. MAIORA:
occisio, Todtschlag.

§ 22 CR. MAIORA:
iniuria letalis,
fahrlässige Tötung.
§ 3 CR. MAIORA:
fuga, Flucht vor dem Ge
setz,
Strafvereitelung.

§ 3 IUS CIVITATIS:
Behinderung von Richt
ern und
Brandwehren.

§ 2 IUS CIVITATIS:
Nächtlicher Ausgang,
Bruch der Sperrstunde.

§ 16 CR. MAIORA:
vincitio et inclusio,
Freiheitsberaubung.

§ 9 CR. MAIORA:
coercio. Erpressung und
Nötigung
§ 5 CR. MAIORA:
violentia armata,
bewaffnete Gewalttätigkeit.

§ 4 CR. MAIORA:
mulcatio, Schlägerei.

§ 20 CR. MAIORA:
iniuria corporis,
Körperverletzung.

§ 4 IUS CIVITATIS:
Tragen ungesicherter und
verborgener Waffen

§ 10 CR. MAIORA:
adulteratio, Ehebruch.

§ 6 CR. MINORA:
öffentliche Unzucht.

§ 13 CR. MINORA:
Hurerei und Zuhälterei.
§ 6 CR. MAIORA:
agitatio, Unfriedensstiftung
und Verhetzung.

§ 7 CR. MAIORA:
iniuria famae, Rufschädigung
und üble Nachrede.

§ 8 CR. MAIORA:
dictio invectiva, Schmähung,
Beleidigung.

§ 5 CR. MINORA:
Glücksspiel.

§ 9 CR. MINORA:
Pöbelei

§ 10 CR. MINORA:
Fluchen und Lästerung.

§ 14 CR. MINORA:
Missachtung des Gerichts .
§ 3 CR. CAPITALIA:
proditio et sollicitatio,
Aufruhr und Verrat

§ 13 CR. MAIORA:
fraudatio et falsificatio,
Fälschung und Betrug

§ 14 CR. MAIORA:
periurium, Meineid und falsche
Aussage vor Gericht

§ 15 CR. MAIORA:
oneratio, Belästigung.

§ 19 CR. MAIORA:
venenatio, Vergiftung.
§ 2 CR. MAIORA:
ardescatio, Entbrennen,
Missbrauch von Burn

§ 2 CR. MINORA:
Liederlichkeit, Schmutz,
ansteckende Krankheit.

§ 4 CR. MINORA:
wiederholter grober Unfug.

§ 13 CR. MINORA:
Hurerei und Zuhälterei.

ANNOTATIO:

Ein Dreieck auf der Stirn bedeutet die Ver-


bannung aus allen Ortschaften und Protekto-
ratsstädten. Ist das Dreieck verblasst, so mag
der Verbannte wieder eingelassen werden.

Ein dauerhaft tätowiertes Dreieck bedeutet


die permanente Verbannung.

Von Gesetzlosen, die mit einem Dreieck


gezeichnet wurden, geht möglicherwei-
se die Gefahr von Ansteckung, Fäulnis und
Siechtum aus. Bürgern wird geraten, sich
von ihnen fernzuhalten und andere Bürger
vor ihrer Anwesenheit zu warnen.
§ 1 CR. MAIORA:
libellus, Raub und Diebstahl.

§ 18 CR. MAIORA:
ardescatio, Burnhandel.

6
§ 11 CR. MAIORA:
excidium proprietatis,
Beschädigung von Eigent
um
§ 1 CR. MINORA:
Mundraub.

§ 5 CR. MINORA:
Glücksspiel.

§ 11 CR. MINORA:
Streckung und Verschneidung.
§ 12 CR. MINORA:
Wucher.

§ 15 CR. MINORA:
Schuld- und Ste uerflucht.
§ 5 CR. CAPITALIA:
libellus gravis, schwerer Raub
und Diebstahl.

§ 12 CR. MAIORA:
irruptio concordiae domi,
Bruch des Haus- und
Landfriedens.
APPENDIX:

ANNOTATIONES
IUDICIS
e
MORS CERTA,
HORA INCERTA.
LEX EST MEDIA
TOR
INTER HOMIN
ES.
AUCTOR CONCORDIAE IUDEX.
ICATIONEM
POENAM ET GRATIF
PORE.
CUIQUE IN SUI TEM
IUSTITIA INCORRUPTA,
POPULUS LAETUS.
CIVITAS CONTENTA
GRATIA IUDICIS.