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Reaktionen von weichen


Antineutrinos mit Materie

Peter H. Rassmann
März 2008

Dieses Papier liefert Background-Informationen über die Antineutrino-


Strahlung von Kernkraftwerken. Eine steife Portion wissenschaftlicher
Allgemeinbildung ist nötig. Es werden überraschende Einsichten geliefert.
Die solaren Neutrinos werden als Verursacher von Sonnenbrand entlarvt,
und Sie lernen, warum Platin im Frühstück gefährlich sein kann.

Executive Summary: Kernkraft & Neutrinostrahlung:


- Effekte müssen experimentell bestätigt werden.
- Nur so planbares Vorgehen möglich.

Status: WiP (Work in Progress)

Peter H Rassmann, Paul Gossen Str. 34, 91052 Erlangen 05.05.08


Tel. +49 172 442 3637 e-mail: peter_rassmann@yahoo.com WiP
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Inhalt
0. Weiche Antineutrinos.............................................................................................................3
1. Energiespektrum der Antineutrinos aus kommerziellen Reaktoren......................................4
2. Bisherige Messungen............................................................................................................6
3. Inverser β-Zerfall...................................................................................................................7
4. Die 3 Alpha Reaktion als Vorlage..........................................................................................8
5. Reaktionen von Antineutrinos mit Atomen?........................................................................10
5.1 Bemerkungen...............................................................................................................12
5.2 Klassischer inverser β-Zerfall.......................................................................................13
5.3 Induzierter α-Zerfall......................................................................................................15
5.4 Kernspaltung durch inversen β-Zerfall.........................................................................17
5.5 Inelastische Neutrinostreuung......................................................................................18
6. Keine Messungen und keine Theorie..................................................................................20
7. Solare Neutrinos .................................................................................................................22
8. Vergleich mit anderer Strahlung..........................................................................................26

Hinweis:

In diesem Papier werden hypothetische Reaktionen vorgeschlagen, quasi als Brain-Storming Collection des
theoretischen Möglichkeitsraumes. Die Motivation ist, eine experimentelle Widerlegung oder Verifizierung zu
initiieren. Dieses Papier wurde von Niemanden in Auftrag gegeben oder finanziert, so dass sich Niemand für seine
Richtigkeit verantworten muss. Ich habe mich bemüht, nützliche Informationen und Tipps zu liefern. Aber: Alle
Angaben ohne Gewähr.

Alle Bilder und Diagramme mit GNU Public Licence. Quelle www.wikipedia.org oder Eigenanfertigungen.

Autor

Peter H. Rassmann
Paul Gossen Str. 34
91052 Erlangen
Deutschland

e-Mail: peter_rassmann@yahoo.com
Mobil: +49 172 442 3637
Fon: +49 9131 400 2389

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0. Weiche Antineutrinos

Wenn Sie dieses Papier lesen, werden Sie vermutlich schon wissen, was ein
Neutrino ist: Neutrinos sind Elementarteilchen, die in Kernreaktionen und in
Experimenten an Beschleunigern vorkommen. Ihre Eigenschaften sind noch
nicht komplett erforscht. So weiß man bisher nicht, ob ihre Masse nur sehr
klein ist oder ob sie überhaupt keine Masse tragen. Wenn Sie davon
ausgehen, dass Neutrinos keine Masse haben, dann bleiben die folgenden
Eigenschaften, die ein Neutrino beschreiben: Es ist ein elektrisch
ungeladenes Nichts ohne Masse, dass einen Drehimpuls hat. Dieser
Drehimpuls ist gleich dem Drehimpuls, den ein Elektron trägt. Im Gegensatz
zu Elektronen, die sich in beide Richtungen – bezogen auf ihre Flugrichtung -
drehen können, drehen sich Neutrinos immer nur „links herum“. Dafür gibt es
die „linke Hand Regel“: Wenn der Daumen der linken Hand in Flugrichtung
zeigt, drehen sich die Neutrinos so, wie die Finger zeigen.

Antineutrinos, die Antiteilchen der Neutrinos, drehen sich immer rechts


herum. Manchmal fragen sich die Theoretiker, ob es wirklich Teilchen und
Antiteilchen sind, oder ob vielleicht die Antineutrinos nichts weiter sind als
Neutrinos, die sich anders herum drehen?

Eine beliebte Maßeinheit für Energie im atomaren und subatomaren Bereich


ist das Elektronen-Volt, abgekürzt „eV“. 1 eV ist die kinetische Energie, die
ein Elektron aufnimmt, wenn es mit einer Spannung von 1 Volt beschleunigt
wird. Die Bindungsenergien der Elektronen an die Atomkerne liegen in der
Größenordnung ein paar eV, bis zu ein paar keV. Dabei ist 1 keV = 1000 eV,
1 MeV = 1000 keV, 1 GeV = 1000 MeV usw. mit den Bedeutungen „k“ für
„Kilo“, „M“ für „Mega“ und „G“ für „Giga“.

In der Kerntechnik liegen typische Energieunterschiede im Bereich 0,01 MeV


bis ein paar hundert MeV. Bei einer Kernspaltung werden etwa 200 MeV an
Energie freigesetzt.

Nach der Formel E=m*c2 können den Ruhemassen der subatomaren


Teilchen entsprechende Energie zugeordnet werden. Sie liegen etwa bei
1000 MeV für Proton und Neutron, und 0,5 MeV für das Elektron und sein
Antiteilchen, das Positron. Das Neutron ist etwas schwerer als das Proton
plus das Elektron, etwa um 0,8 MeV. Und ein Neutron plus ein Positron ist
etwa 1,8 MeV schwerer als ein Proton.

Die Energiebereiche von etwa 0,01 MeV bis ein paar MeV sind für die
folgenden Überlegungen interessant. Kernreaktoren produzieren riesige
Mengen an Neutrinos, genauer gesagt Anti-Neutrinos, die Energien in
diesem Bereich tragen. Ich nenne sie „weiche Neutrinos“ im Gegensatz zu
„harten Neutrinos“ mit wesentlich höheren Energien, die an Teilchen-
Beschleunigern erzeugt werden können. Es sollen auch noch massenweise
Geister-Neutrinos unterwegs sein, wenn man den Theorien vom Big Bang
glaubt. Sie tragen so wenig Energie, dass sie in keiner bekannten Weise
reagieren können und nicht nachweisbar sind.

Weiche (Anti-) Neutrinos tragen Energien von 0,01 MeV bis ein einige MeV.
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1. Energiespektrum der Antineutrinos aus kommerziellen Reaktoren

Ein kommerzieller Druckwasserreaktor (KWU Konvoi Klasse) erzeugt eine


elektrische Leistung von etwa 1,3 GW und eine thermische Leistung von ca.
4 GW. Die gesamte Energiefreisetzung (Leistung) liegt bei 4,3 GW. 300 MW
werden als „Anti-Neutrinos“ abgestrahlt. Das Antineutrino-Spektrum aus
einem Reaktor ist im Detail unbekannt. Das betrifft vor allem den Anteil des
Spektrums mit relativ „weichen“ (energiearmen) Antineutrinos, die von den
radioaktiven Spaltprodukten emittiert werden. Das genaue Spektrum der
Antineutrinos ist unter Anderem vom Typ, Brennstoff, Fahrweise und vom
Alter der Anlage abhängig. Nach groben Schätzungen werden die
Antineutrinos mit einem Energiespektrum abgestrahlt, dessen Peak
(Maximum) etwa bei 1 MeV liegt.

Die folgende Darstellung zeigt in sehr qualitativer Form das


Antineutrinospektrum eines KKWs. Für niedrige Energien ist das Spektrum
wegen der Vielzahl unterschiedlicher (Nach-)Zerfallsprodukte weitgehend
unbekannt.
Antineutrinospektrum eines KKW
Anzahl ausgesandter
Neutrinos pro dE (schematisch)

? ? experimentell
? ? erschlossener
Bereich

? ?
ca. 3 % wurden
ca. 97 % bisher angemessen
bisher ohne jede
experimentelle
? ?
Untersuchung

1 2
Energie der Antineutrinos (MeV)

Das Antineutrinospektrum eines KKWs kann nur theoretisch


berechnet werden. Das gilt für jeden β--Strahler, weil entsprechende
Messtechniken für Neutrinos fehlen. Bei einem β--Strahler ergibt sich
das Antineutrino-Spektrum aus dem messbaren β--Spektrum und der
Rückstoßenergie des Kerns über Impuls- und Energieerhaltung. Um
das Antineutrinospektrum eines KKWs zu erhalten, müssen die
Spektren aller Strahler darin gemäß ihrem Massenanteil gewichtet und
addiert werden. Aus messtechnischen Gründen wurden bisher nur
Versuche mit Antineutrinos durchgeführt, deren Energie 1,8 MeV
übersteigt, wie im Bild oben eingetragen.

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Hilfreich ist
1 eV = 1.602 176 53 * 10−19 J

Für ein KKW mit 4000 MW thermischer Leistung und etwa 250 MW
Neutrinostrahlung ergibt sich bei einer angenommenen durchschnittlichen
Energie von 1 MeV pro Neutrino für den gesamten Teilchenfluss.

(Neutrino-Energie pro Sekunde aus KKW) / (1 MeV pro Teilchen)


= ( 2,5 * 10 8 J/s ) / ( 1,6 * 10−13 J/Teilchen )
= 1,5 * 10 21 Teilchen / s

Das ist natürlich nur eine sehr grobe Abschätzung. Für den Fluss in einer
Entfernung von 1 km, also durch die Kugelfläche 4πR2 mit R = 1 km, ergibt
sich

1,2 * 1010 Antineutrinos pro Sekunde pro cm2


in 1 km Entfernung zu KKW, mit
1 MeV Energie pro Teilchen

Das Bild rechts zeigt ein theoretisch


berechnetes Spektrum für einen
gegebenen Reaktorbrennstoff. Auf die
ganzen Details kann ich leider nicht
eingehen, sondern nur ein paar
allgemeine Hinweise geben.
Trivialerweise ist die Skalierung und
Normierung wichtig. Im Bild
angegeben ist die Anzahl an
Neutrinos pro Spaltungs-Ereignis im
Reaktor pro MeV Intervall auf der
Energie-Achse.

Die logarithmische Skala erschwert die „Flächensummierung per


Augenschein“. Eine doppelt logarithmische Skala, wie sie in der Literatur
gerne und gerade für solare Neutrinos verwendet wird, macht die Aufgabe
nicht gerade leichter.

Das nächste Bild zeigt ein Beispiel,


welchen Einfluss der Einfang eines
Neutrons im Reaktor durch irgendein
Material mit anschließenden β-Zerfall
hat. Da es im Reaktor und der
Abschirmung verschiedenes Material
gibt, das sich dynamisch ändert, ist
das Spektrum im niederenergetischen
Bereich – komplex.

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2. Bisherige Messungen

Die Wechselwirkung von Antineutrinos mit Materie wurde bisher nur über die
Reaktion
ν e + p + → n + e+
gemessen. Die Schwellenenergie für diese Reaktion liegt bei etwa 1,8 MeV,
so dass die meisten Antineutrinos diese Reaktion gar nicht auslösen können.
Bisher wurden ausschließlich für diesen Reaktionskanal Messungen mit
Reaktorneutrinos durchgeführt.

Neutrinos (und damit Antineutrinos) wurden in den 30ern theoretisch


vorhergesagt, um das kontinuierliche Spektrum von β--Strahlern zu erklären,
und um den Satz von der Erhaltung des Drehimpulses zu retten. Der
Nachweis erfolgte dann in den 50ern über die hier genannte Reaktion an
einem Kernreaktor. Diese Reaktion wurde für den Nachweis ausgesucht, weil
sie eine sehr eindeutige Signatur für ein Ereignis liefert, das nur durch ein
Neutrino ausgelöst werden kann. Andere Reaktionen führen nicht zum
eindeutigen Nachweis von Neutrinos, weil die durch sie ausgelösten
Messungen auch durch andere Arten von Strahlung verursacht werden
können. Für den Experimentator ist es in der Nähe eines Reaktors schwer zu
unterscheiden, ob eine Reaktion in seiner Apparatur durch ein Neutrino oder
durch andere Radioaktivität ausgelöst wird. Zu dieser Zeit ging es in erster
Linie um den eindeutigen Nachweis von Neutrinos.

Der Wirkungsquerschnitt (Wahrscheinlichkeit) für die verwendete


Nachweisreaktion

ν e + p + → n + e+

wurde mehrfach gemessen und ist so klein, dass solche Reaktionen für die
Umweltbelastung von Kernkraftwerken vernachlässigt werden können
(höchstens einige Reaktionen pro Kilogramm bestrahltes Material pro Tag in
der direkten Umgebung des Reaktors).

Bei diesen Messungen fungiert ein Atomkern eines Wasserstoffatoms (also


ein Proton) als Zielmaterials, und das freigesetzte Neutron und das Positron
– die gleichzeitig entstehen - werden über Koinzidenzmessungen
nachgewiesen, was eindeutig eine Neutrino-Reaktion anzeigt. Aus dem
obigen Antineutrinospektrum eines KKWs lässt sich ablesen, dass die
meisten Antineutrinos aus einem KKW nicht genug Energie tragen, um
solche Reaktionen auszulösen (Reaktionen nur für E > 1,8 MeV, diese
Energie haben etwa 3 % der Neutrinos).

Von den 50ern an galt die Existenz des Neutrinos als bestätigt, so dass ein
wissenschaftliches Interesse an anderen Neutrino-Kernreaktionen erlosch.
Das soll nicht besagen, dass kein Interesse an Neutrinos mehr bestand: Im
Gegenteil. Es rückten andere Fragestellungen elementarer Art in den
Fordergrund: Solare Neutrinos und unterschiedliche Neutrino-Typen (Myon-
und Tau-Neutrinos) wurden gemessen oder nachgewiesen.
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3. Inverser β--Zerfall

Freie Neutronen sind instabil und zerfallen nach der Formel:

n → p + +ν e + e−

Das ist gleichzeitig die Grundgleichung für den β--Zerfall, da angenommen


wird, dass beim β--Zerfall im Atomkern ein Neutron (n) in ein Proton (p+)
umgewandelt wird, wobei ein Elektron (e-) und ein Antineutrino (ν e ) emittiert
werden.

Die Umkehrreaktion (inverse Reaktion) ist somit auch erlaubt, wenn genug
Energie zugeführt wird:

p + +ν e + e− → n

Die Schwellenenergie für diese Reaktion liegt bei 0,7 MeV. Es ist aber
praktisch ausgeschlossen, eine solche Reaktion mit freien Teilchen
auszulösen, da drei Teilchen mit extrem genau abgestimmten Energien und
Impulsen zusammenstoßen müssen, um als Endprodukt ein Neutron
herzustellen.

In der Literatur wird gelegentlich und etwas fälschlich die folgende Reaktion
als „inverser β-Zerfall“ bezeichnet:

p + + e − → n +ν e

Mit dieser Reaktion kann zwar ein Neutron (n) synthetisiert werden, es ist
aber nicht die Umkehrung des Neutronenzerfalls.

Per Definiton – mit „inverser β--Zerfall“ soll hier gemeint sein:

p + +ν e + e − → n

Im folgenden Text wird untersucht, wie weiche Antineutrinos im Bereich von


etwa 0,05 MeV bis einige MeV mit Materie reagieren können, zum Beispiel
indem sie einen inversen β--Zerfall auslösen.

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4. Die 3 Alpha Reaktion als Vorlage

Die 3α-Reaktion ist eine Kernfusion von drei Helium-Kernen zu einem


Kohlenstoffkern in Sternen. Ich beschreibe sie hier, weil sie als Vorlage zur
Modellierung von Neutrino-Reaktionen mit drei einlaufenden Teilchen dienen
könnte.

α-Teilchen sind Helium-4 Atomkerne. In der Astrophysik geht man davon


aus, dass die Sonne durch eine Reaktion mit drei einlaufenden α - Teilchen
das C-12-Isotop des Kohlenstoffs fusioniert.

α + α + α → C-12

Diese 3-Teilchen-Reaktion („Drei-Alpha-Prozess“) wurde zunächst für


praktisch unmöglich gehalten, weil sie als zu extrem unwahrscheinlich galt.
Mittlerweile wird angenommen, dass diese Reaktion der wichtigste Lieferant
für Kohlenstoffs im Universum ist. In der populärwissenschaftlichen Literatur
wird das als kleines Wunder vermarktet, weil erstens ohne diese Reaktion
der Kohlenstoff als Baustein des Lebens fehlen würde, und weil zweitens
ohne den Kohlenstoff einige andere Reaktionen in der Sonne nicht ablaufen
könnten („CNO-Zyklus“). Die 3α-Reaktion führt über Be-8, ein instabiles und
sehr kurzlebiges Beryllium - Isotop. Dabei muss zunächst Energie zugeführt
werden. Die Reaktion wird deshalb als „Überwindung der Beryllium-Barriere“
bezeichnet – erstens ist Energie erforderlich, und zweitens muss das Be-8 in
seiner kurzen Lebenszeit von einem α-Teilchen der richtigen Energie
getroffen werden.

Kurz gesagt läuft die Reaktion in drei Schritten so:

α + α → Be-8 endotherm, kurzlebiger Zwischenzustand

Be-8 + α → C-12∗ Resonanz

C-12∗ → C-12 + γ Gamma-Zerfall der Resonanz

Dabei ist die Lebensdauer der C12∗-Resonanz noch wesentlicher kürzer als
die des Be-8 Zwischenzustands. Genau diese Kurzlebigkeit führt dazu, dass
die Resonanz energetisch sehr unscharf ist, nach der quantenmechanischen
Unschärfebeziehung zwischen Zeit und Energie. (Diese Unschärfebeziehung
ist das Energie – Zeit – Pendant zur bekannteren Unschärferelation zwischen
Ort und Impuls.)

∆E ∗ ∆t ≥ h / (2π)

oder, mit ∆t auf der anderen Seite:

∆E ≥ h / (2π∗∆t)

Dabei ist h = 4,1357 * 10-15 eV das Planck'sche Wirkungsquantum.


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Wenn für ∆t die sehr kurze Lebensdauer der erzeugten Resonanz eingesetzt
wird, wie das die subatomaren Techniker so machen, dann kann die neu
erzeugte Resonanz über eine große „Energiebreite“ existieren (aber nur für
die extrem kurze Zeit). Diese Unschärfe wiederum erlaubt den einlaufenden
Teilchen eine stark erhöhte Wahrscheinlichkeit, sich zu einer C-12*-
Resonanz zu verbinden, weil „die Energien nicht so genau stimmen müssen“.
Ein „energetisch unscharfes“ Endprodukt kann mit größerer
Wahrscheinlichkeit produziert werden als ein „energetisch scharfer“ Zustand.

Die „energetisch unscharfe“ Resonanz C-12* emittiert faktisch sofort ein


Gamma und bildet ein stabiles C-12. So gibt es Kohlenstoff im Universum.

Charakteristisch für den 3α Prozess ist: Zwei der einlaufenden Teilchen


befinden sich in einem quasi gebundenen Zustand (der kurzlebige Be-8
Atomkern), und als Produkt der Reaktion wird eine energetisch unscharfe
Resonanz (C-12*) erzeugt.

Eine 3-Teilchen-Reaktion ist also nicht immer völlig ausgeschlossen. Diese


3α-Reaktion dient jetzt als Vorlage, also als unser Strickmuster für die Suche
von 3-Teilchen-Reaktionen mit Neutrinos.

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5. Reaktionen von Antineutrinos mit Atomen?

Inverser β-Zerfall gilt als extrem unwahrscheinlich (faktisch unmöglich):

ν e (eingestrahlt ) + p + + e − → n

Beim inversen β--Zerfall fällt auf, dass zwei der drei an der Reaktion
beteiligten Teilchen bereits im neutralen Atom vorhanden sind: Die Protonen
sind im Kern und Elektronen umkreisen den Kern in der Elektronenhülle.

ν e (eingestrahlt ) + p + ( Kern) + e − ( Hülle) → n

also

ν e (eingestrahlt ) + Wasserstoffatom → n

Theoretisch könnte also ein Wasserstoffatom, das aus Proton und Elektron
besteht, durch ein Antineutrino mit ausreichend Energie in ein Neutron
verwandelt werden.

Im Vergleich zur 3α-Reaktion wird hier zunächst nach einem gebunden


Zwischenzustand aus Proton und Elektron gesucht. Der ist natürlich nichts
weiter als das Wasserstoffatom selbst. Proton und Elektron haben zudem
eine Wahrscheinlichkeit dafür, dass sie sich räumlich an der gleichen Stelle
befinden: Das Proton im Kern hat eine räumliche Ausdehnung. Die ist zwar
sehr klein, wird aber immerhin von der Orbitalwolke des Elektrons überdeckt.
Kurz gesagt, es gibt eine kleine Wahrscheinlichkeit dafür, dass sich das
Elektron gewissermaßen im Proton befindet.

Im zweiten Schritt beim Vergleich zur 3α-Reaktion wird nach Resonanzen,


also unscharfen Energiezuständen, des Endprodukts gesucht. Hier sind das
die angeregten Zustände eines Neutrons. Und die gibt es zwar, aber sie
liegen energetisch viel zu hoch für weiche Neutrinos.

Das Wasserstoffatom ist also nicht unbedingt der ideale Ort, um nach
inversen β--Zerfällen zu suchen. Deshalb würde man auf der Suche nach
Reaktionen des obigen Typs bei schweren Atomen starten. Die räumliche
Ausdehnung der Orbitalwolken der innersten Elektronen wird durch den
Faktor (1/Z2) bestimmt, wobei Z die Ordnungszahl des Atoms ist. Die inneren
Elektronen sind bei hoher Ordnungszahl Z viel enger an den Kern gebunden
und halten sich entsprechend häufiger im Kern auf. Gesucht werden
Anhaltspunkte für eine Reaktion eines einfallenden Antineutrinos mit einem
(elektrisch neutralen) schweren Atom X, wobei als Produkt ein isobares
(gleich schweres) Atom Y mit einer um 1 reduzierten Ordnungszahl entsteht:

νe + X →Y Y isobar zu X mit um 1 reduzierter Ordnungszahl

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Das Reaktionsprodukt Y wäre ein neutrales Atom, und möglicherweise in


einem angeregten Zustand, der schnell zerfällt (Vergleichbar mit der
Resonanz bei der 3α-Reaktion). X und Y sind Isobare, d.h. gleich schwer.
Sie unterscheiden sich dadurch, dass der ursprüngliche Kern X ein Elektron
aus der Hülle eingefangen und dabei ein Proton in ein Neutron verwandelt
hat. Beipiel: ν e +151Eu →151Sm

Man könnte zusätzlich die Ordnungszahl notieren, aber sie ist schon im
Namen des chemischen Elementes enthalten.

Die Schwellenenergie für solche Reaktionen ist abhängig vom Element X.


Genauer gesagt: Die Schwellenenergie ist abhängig von den
Energieverhältnissen in Kern und Atomhülle der Elemente X und Y, die als
"Massendefekte" aus Tabellen entnommen werden können.

Der Einfang von Hüllen-Elektronen durch den Atomkern wird im Labor bei
anderen Reaktionen beobachtet – beim sogenannten „Elektronen-Einfang“
instabiler Kerne. Im Gegensatz zu den Reaktionen, nach denen hier gesucht
wird, wird dabei ein Neutrino abgestrahlt und kein Antineutrino eingestrahlt.
In beiden Fällen wird das Neutrino bzw. Antineutrino nicht beobachtet, weil
es keinen Detektor zum Nachweis einzelner Neutrinos gibt.

Neutronen und Protonen im Atomkern sind in die energetische Struktur des


jeweiligen Atoms eingebettet. Da sich diese Verhältnisse im Kern bei der
Umwandlung eines Protons in ein Neutron ändern, kann die Situation nicht
mit „reinen“ Reaktion zwischen einfallenden Antineutrinos und einzelnen
Nukleonen beurteilt werden. Bei einigen schweren Elementen kann die
Schwellenenergie zur Auslösung der Reaktion ν + X → Y sehr niedrig sein
(ca. 0,01 MeV), so dass die Reaktion von fast allen Antineutrinos ausgelöst
werden könnte, die von einem KKW abgestrahlt werden.
Trivia

Theoretisch können alle Isotope aus Neutronen und Neutrinos aufgebaut


werden, etwa nach dieser Methode mit A Neutronen und B Neutrinos (B<=A)
An + Bν e → BAIsotop

Umgekehrt kann jedes Isotop durch Antineutrinos in eine Neutronenwolke aufgelöst werden:
A
B Isotop + Bν e → An

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5.1 Bemerkungen

In den nächsten Abschnitten werden Reaktionen von Reaktor-Neutrinos mit


schweren Isotopen als Beispiel diskutiert. Dabei ist keinesfalls sicher, dass
es sich um die besten Beispiele handelt, sondern sie wurden nach recht
flüchtiger Durchsicht von nuklearen Datentabellen zusammengestellt als
Beispiel, mit welchem Muster nach Reaktionen gesucht werden kann.

Bemerkungen zu Isotopenmassen

Die Berechnungen zu Energieverhältnissen sind über Isotopenmassen ausgeführt. Die


Energieverhältnisse lassen sich auch aus den sogenannten Massendefekten der Isotope
berechnen, was ein bisschen umständlicher ist. In der Literatur wird der Ausdruck
„Massendefekt“, englisch „mass deficit“, nicht einheitlich verwendet.

Die Daten stammen von:


http://www.nndc.bnl.gov/masses/mass.mas03 für Massen,
atomare Masseneinheit u und Konstanten aus http://pdg.lbl.gov/2002/consrpp.pdf .

Die atomare Massen-Maßeinheit u = 931.494013 MeV/c2 ist bezogen auf 1/12 der Masse
des C-12 Isotops, und kann nach E=m*c2 in dieser Einheit notiert werden.

Bemerkungen zur Notation:

Der Klassiker unter den Reaktionen, mit dem zuerst die solaren Neutrinos nachgewiesen
wurde, sieht so aus:
ν e + 37Cl →37Ar (richtig).
In dieser Schreibweise sind immer neutrale Atome gemeint, nicht nur die Kerne. Zum
Beispiel ist das folgende nicht korrekt:
ν e + 37Cl →37 Ar + e − (falsch, obschon es so im Gerthsen steht)
Diese Gleichung verletzt die Erhaltung von Ladung und Leptonenzahl. Unsauber ist auch die
Gleichung:
ν e + 37Cl →37 Ar + + e − (etwas unsauber)
Die Kennzeichnung des Argon-Ions mit „+“ bezieht sich nur auf die elektrische Ladung. Die
ist für die Reaktion nicht so wichtig. Ich schlage diese Schreibweise vor, wenn das Ziel
ionisiert wird:
ν e + 37Cl →( 37Ar )*→37 Ar + + e −

Dabei bedeutet die Schreibweise mit dem Stern „*“ ein angeregtes Atom. Ein β—Zerfall
beispielsweise für Pm-146 sieht dann so aus:
146
Pm →(146Nd ) * +ν e →146Nd + + e − + ν e

Das Pm-146 kann auch per Elektroneneinfang zerfallen. Die Reaktion sieht jetzt aus wie
einfach ein zweiter Zerfallskanal des angeregten Nd-146*:

146
Pm →(146Nd ) * +ν e →146Nd + γ + ν e

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5.2 Klassischer inverser β-Zerfall


Das Atom Eu-151 ist stabil mit einer Masse von

mEu-151 = 150,919850161 * u

Das Atom Sm-151 ist ein instabiler β--Strahler mit einer Zerfallszeit von 93
Jahren und mit einer Masse von

mSm-151 = 150,919932409 * u.

Die Energie, die einem Eu-151 als Masse zugeführt werden muss, um das
schwerere Sm-151 zu erzeugen, ist die Differenz ihrer Massen. Die
Massendifferenz zwischen den beiden Atomen beträgt

∆E = ( mSm-151 – mEu-151 ) * c2

Und als Zahlenwert ergibt sich (was ist das für eine wahnsinnige
Messgenauigkeit?):

(150,919932409 -150,919850161) * u * c2
= 0,000082248*u * c2
= 0,000082248 * 931,494013 MeV
= 0,0766135196 MeV

d.h. die Masse, die einem Eu-151 Atom als Energie zugeführt werden muss,
um die Masse eines Sm-151 Atoms zu erhalten (Schwellenenergie), beträgt
etwa ~ 76 keV.

Die Reaktion zwischen Eu-151 und Antineutrinos zu einem Sm-151 ist


möglich, wenn das Neutrino eine Energie von mindestens 76 KeV trägt.

ν e +151Eu + 76keV →151Sm


Wie man durch Vergleich mit dem Spektrum vom Anfang des Papiers
erkennt, tragen fast alle Antineutrinos aus einem Reaktor genug Energie, um
diese Reaktion auszulösen.

Es folgt die Suche nach der Resonanz. Im Vergleich mit der Vorlage, also
der C-12* Resonanz der 3α-Reaktion, würde die Reaktion ν e +151Eu →151Sm
einen angeregten Sm-151* Kern produzieren müssen, um die Produktion
der Reaktion deutlich zu erhöhen. Im einfachsten Fall könnte das ein aus der
Gamma-Spektroskopie bekanntes Level von Sm-151 sein. Dieser Sm-151*
Kern würde fast sofort in ein Sm-151 übergehen, wobei ein Gamma oder
eine Gamma-Kaskade emittiert wird. Um das Energieniveau innerhalb des
erzeugten Kerns Sm-151 zu erreichen, müsste der Reaktion zusätzliche
Energie ∆ER zugeführt werden. Bei Sm-151 könnten das Energien von ein
paar keV bis einige MeV sein, entsprechend den Gamma-Niveaus des Kerns

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von Sm-151. Der Sm-151 Kern im Grundzustand würde schließlich als β--
Strahler mit einer Lebensdauer von 93 Jahren wieder in ein Eu-151 zerfallen.

Der gesamte Reaktionsverlauf könnte dann so geschrieben werden:

ν e ( E =76 keV + ∆E ) +151Eu →151Sm*→151Sm + γ ( E = ∆E


R R )

151
Sm→151Eu + + e − + ν e

Es gibt die Möglichkeit, das neben den bekannten Gamma-Niveaus des


Sm-151 noch unbekannte angeregte Zustände oder Zustandsarten des
Sm-151 bestehen. Es hat noch niemand versucht, mit Antineutrinos
angeregte Zustände bei Sm-151 zu erzeugen.

Die beschriebene Reaktion ist insoweit eine hypothetische.

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5.3 Induzierter α-Zerfall


Diese hypothetische Reaktion basiert auf der Idee, dass nach dem semi-
empirischen Modellen zur Bindungsenergie von Atomkernen (Bethe-
Weiszäcker Formel) an sich alle schweren Atomkerne mit einer Massenzahl
größer als etwa 165 eigentlich instabil sind, weil sie als α-Strahler zerfallen
können. Sie zerfallen deswegen nicht, so sagt die Theorie, weil sich die α-
Teilchen in einem Potentialtopf befinden, dessen äußeren Wall sie für den
Zerfall quantenmechanisch durchtunneln müssten. Dieser Vorgang ist bei
faktisch stabilen Isotopen zu selten, so dass man ihn (bisher) nicht
beobachten konnte. Die Idee ist nun, dass ein einlaufendes Neutrino den
Kern über den Potentialwall quasi hinwegheben kann, indem es im Kern
einen inversen β-Zerfall verursacht.

Ich untersuche als Beispiel wieder das Eu-151. (Man könnte natürlich jeden
anderen schweren Kern genauso betrachten.) Es würde in der Reaktion
zunächst ein angeregter Sm-151* Kern produziert, der nicht wie ein normaler
Sm-151 Kern als β--Strahler zerfällt, sondern als α-Strahler.

ν e +151Eu →151Sm* →147 Nd + α + ∆E


( 147 Nd →147Pm + + e − +ν e Lebensdauer 11 Tage)

In dieser Reaktion würde das Eu-151 ähnlich wie ein α-Strahler aussehen.

Die gesamte Reaktion ist außerdem exotherm, d.h. es würde Energie ∆E


dabei frei. Mit den Massen der Isotope ergibt sich

mEu-151 = 150,919850161 * u und


mNd-147 = 146,916100441 * u sowie
mα=He-4 = 4,00260325415 * u ergibt
∆mReaktion = mEu-151 - mNd-147 - mα=He-4 Massenverlust
∆mReaktion = 0,00114646585 * u
∆E = 1,06792608 MeV exotherm

Die Energieverhältnisse der gesamten


Reaktion lassen sich wie im Bild
rechts darstellen. Ein einlaufendes
Reaktor-Neutrino führt dem Eu-151
eine Initialenergie von 76 keV zu und
transformiert es in einen kurzlebigen
Zustand Sm-151*. Dieser Zustand
zerfällt unter Aussendung von α-
Strahlung von 1144 keV. Insgesamt ist
die Reaktion exotherm mit 1068 keV.

Tatsächlich wurde kürzlich der α-Zerfall von Eu-151 gemessen, mit einer
Lebensdauer von um 1019 Jahren. Wohl gemerkt war das ein „echter“ α-
Zerfall. Wenn das Alter des Universums auf 1010 (d.h. 10 Milliarden) Jahre
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geschätzt wird, dann ist die gemessene Lebensdauer des Eu-151 etwa eine
Milliarde mal so lang. Es sind während des Experimentes – das ich nicht
genau kenne - vermutlich nur einige Atome des Eu-151 zerfallen. Es besteht
auch die Chance, dass dort im Labor zum ersten Mal der induzierte α-Zerfall
von Eu-151 durch Reaktor-Neutrinos gemessen wurde.

Die Wahrscheinlichkeit der gesamten hypothetischen Reaktion zwischen


Eu-151 und einem Neutrino hängt davon ab, ob es eine entsprechende
Resonanz Sm-151* gibt, und wie diese dann zerfällt.

Es gibt auf jeden Fall – theoretisch - Reaktionen des klassischen Typs


ν e +151Eu + 78keV →151Sm

Die Frage ist nur, wie oft sie vorkommen.

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5.4 Kernspaltung durch inversen β-Zerfall


Theoretisch ist auch die Spaltung schwerer Kerne durch Neutrinos denkbar.
Dafür gibt es zwei verschiedene Wege: Einmal über den inversen
Neutronenzerfall, und zweitens über eine so genannte „Reaktion mit
neutralem Strom“. Die zweite Möglichkeit werde ich später erläutern. Für eine
Kernspaltung durch inversen Neutronenzerfall würde man nach Reaktionen
des folgenden Typs suchen:

ν e + S → R * → P1 + P2 (+ Neutronen ?)

Dabei hat die Resonanz R* eine um 1


verminderte Ordnungszahl, verglichen
mit dem schweren Element S, aber
ansonsten die gleiche Anzahl
Nukleonen. Es handelt sich um einen
angeregten, neutronenreicheren Kern.
P1 und P2 sowie eventuell einige
Neutronen sind die Produkte der
Spaltung, ganz wie die klassische
U-235 Spaltung rechts.
Das Beispiel zur hypothetischen Kernspaltung ist Bismut Bi-209, mit Pb-209,
(normalerweise ein β-Strahler), als kurzlebiger Zwischenzustand, die zwei
Spaltungsprodukte sollen Gallium Ga-71 und Iod I-138 sein, und Massen
der Isotope sind:

Bi-209 = 208,980398734*u
Pb-209 = 208,981090120*u
Ga-71 = 70,924701349 *u
I-138 = 137,922349591*u

ν e + 209Bi + 644keV → 209Pb *


209
Pb*→ 71Ga +138I + 124857keV

Insgesamt

ν e + 209Bi + 644keV → 71Ga +138I + 124857 keV

Die Reaktion liefert einen kräftigen Energiegewinn. Ich sollte sie mir
patentieren lassen. Hier ist die gleiche Situation, wie beim induzierten α-
Strahler. Die Reaktion des Neutrinos mit Bi-209 zu Pb-209 ist von der
Energie her möglich, aber wie wahrscheinlich ist sie?

Bei einer induzierten Kernspaltung oder einem induzierten α-Zerfall würde


mehr Energie frei, als das Neutrino einbrachte. Wenn also ein typisches
KKW etwa 100 MW an Neutrino-Leistung in die Erde einstrahlt, dann könnte
das durchaus eine stärkere radioaktive Energiefreisetzung im Boden
auslösen.
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5.5 Inelastische Neutrinostreuung


Hier stand in der ersten Version zwar
eine richtige Idee, aber ansonsten
Unsinn (s. Bild rechts). Die Grundidee
stammt aus dem „doppelten
Elektronen-Einfang“. Diese Reaktion
basiert darauf, dass für manche
Isotope der einfache Elektronen-
Einfang energetisch nicht möglich ist,
der doppelte Einfang von Elektronen
aber zu einer Energiefreisetzung
führen würde. Außerdem wird
erwartet, dass dabei zwei Neutrinos
abgestrahlt werden.

(Es wird experimentell auch der sogenannte „neutrinolose“ doppelte


Elektroneneinfang gesucht, aber darauf wird hier nicht eingegangen.)

Als Beispiel dient ein Calcium-Isotop, das Ca-40. Dieses Isotop ist
theoretisch instabil gegen doppelten Elektronen-Einfang. Praktisch kommt
diese Reaktion dagegen nicht vor, die experimentelle Grenze liegt bei einer
Lebensdauer größer als 3*1021 Jahre.

40
Ca → 40Ar + 2ν e + 194keV Lebensdauer > 3*1021 Jahre

Das ist insgesamt ein einigermaßen glücklicher Umstand, weil diese


Reaktion an die Knochen gehen würde: 97% des natürlichen Calciums
bestehen aus Ca-40.

Auf die Gefahr hin, dass man sich zu viel vorstellt, stelle man sich den
Prozess bitte zweistufig vor, mit einem extrem kurzlebigen, gewissermaßen
unterernährten Zwischenzustand Kalium K-40*. „Unterernährt“ deswegen,
weil Ca-40 nicht genug Energie hat, um nach K-40 zu zerfallen. Es hat aber
theoretisch genug Energie, um im Doppelschritt nach Ar-40 zu zerfallen. Das
wird praktisch nicht beobachtet.

Neutrinos aus einem Reaktor könnten die Situation ändern:

ν e ( Eν ≥ 1311keV )+ 40Ca →40K *→40Ar +ν e + ( E = Eν + 194keV)

Die Formel ist so zu lesen: Reaktorneutrinos mit einer Energie von mehr als
1311 keV können das Ca-40 direkt über die K-40 „Barriere“ hinwegheben.
Als Ergebnis der Reaktion entsteht Ar-40, die Energie des Neutrinos plus 194
keV wird freigesetzt. Die gesamte Reaktion ist exotherm mit 194 keV.

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Es gibt mehr als 30 stabile Isotope, für die ein doppelter Elektronen-Einfang
möglich ist. Das leichteste ist Ar-36 mit Übergang Cl-36 zu S-36.
Ein Beispiel für ein schweres Isotop, das diese Reaktion eingehen könnte, ist
das Er-162

ν e ( Eν ≥ 295keV )+162Er →162Ho*→162Dy +ν e ( E = Eν + 1844keV)

Reaktorneutrinos mit einer Energie von mehr als 295 keV können Er-162 in
Dy-162 umwandeln. Die Energie des Neutrinos plus 1844 keV wird
freigesetzt. Die gesamte Reaktion ist exotherm mit 1844 keV.

Die obige Reaktion ist eine


zweistufige Reaktion. Es gibt aber an
sich keinen Grund, warum eine
einstufige Reaktion unmöglich sein
sollte. Formal könnte sie als
Austausch eines einzelnen Z0-Bosons
zwischen dem einfallenden Neutrino
und dem Atom Er-162 dargestellt
werden, wobei ein Atom Dy-162
hergestellt wird:

Als Reaktionsformel geschrieben sieht diese einstufige Reaktion so aus:

ν e +162Er →162Dy +ν e (∆E = +1844keV)

Das bedeutet: Reaktorneutrinos beliebiger Energie können Er-162 in Dy-162


umwandeln. Dabei wird 1844 keV Energie frei.

Fazit

Das Zwischenergebnis ist somit: Reaktion zwischen Antineutrinos und


Materie

− sind erstens als Umkehrreaktion des Neutronenzerfalls theoretisch


möglich,

− können zweitens für bestimmte schwere Atome durch Antineutrinos mit


geringer Energie ausgelöst werden,

− die gesamte Reaktion kann exotherm sein,

− und bei resonanter Reaktion steigt die Wahrscheinlichkeit.

− In der Gegenwart von Reaktorneutrinos beliebiger Energie werden


Isotope, die einen doppelten Elektroneneinfang ausführen können, latent
instabil.
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6. Keine Messungen und keine Theorie

Die Wechselwirkung energiearmer Antineutrinos aus einem Reaktor mit den


verschiedenen Elementen, vor allen Dingen schweren Atomen, wurde bisher
nicht gemessen. Bisherige Messungen verwenden die Nachweisreaktion
ν e + p → n + e + mit Wasserstoff als Ziel und einer zu hohen
Schwellenenergie. Dieser Ansatz ist nicht geeignet, um die Umweltbelastung
von KKWs zu beurteilen.

Das Endprodukt der Reaktion eines Antineutrinos mit einem neutralen Atom
muss ein instabiles Atom in einem unscharfen Energiezustand sein
(„Resonanz“). Durch diese Unschärfe wird eine Reaktion wahrscheinlicher.

Es gibt eine ganze Reihe semi-imperischer Kernmodelle. Jedes dieser


Modelle ist nur für einen bestimmten nuklearen Phänomenbereich
anwendbar. Es gibt keine konsistente Theorie, die alle nuklearen
Phänomene umfasst. Durchgängige Theorien des Atomkerns (oder besser:
der Ganzheit aus Kern und Hülle) als solide Basis für Berechnungen gibt es
nicht.

Eine neuere Entwicklung ist das „Standard-Modell der Elementarteilchen“ mit


der Einteilung der Teilchen in „Leptonen“ und „Quarks“.

In diesem Modell wird der Zerfall


eines Neutrons in Proton, Elektron
und Antineutrino als Reaktion der
beteiligten elementaren Fermionen
beschrieben, wie auf dem Diagram
rechts dargestellt (Bild aus
de.wikipedia.org).

Eine „Kraft“, also eine Reaktion zwischen den Teilchen, findet durch die
Übertragung von Bosonen statt (hier W-). Es ist leider so, dass es mit den
Mechanismen des Standard-Modells nicht möglich ist, das Verhalten der
betroffenen Quarks zu berechnen, die ihrerseits in einen Quark-Verbund im
Neutron oder Proton eingebettet sind. Insofern ist es wenig hilfreich, wenn
die Reaktion zwischen den Leptonen e- und ν e einerseits und den isolierten
d und u Quarks andererseits klar verstanden ist: Nicht verstanden ist, wie
das ganze Neutron reagiert.

Noch komplizierter wird das Bild,


wenn beim β--Zerfall das Neutron
in einen großen Kern aus
Nukleonen eingebunden ist, wie im
Bild rechts angedeutet. Laut
Standard-Modell besteht der Kern
aus Nukleonen, die durch Pionen
zusammengehalten werden, und
diese dann wiederum aus Quarks,
alles fest mit Gluonen verklebt.
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Dieses Konglomerat, an sich schon unberechenbar, wird regelmäßig von
den Elektronen der Hülle durchdrungen (Das Bild stammt aus
www.wikipedia.org. Die Elektronen, die den Kern durchdringen, sind nicht im
Bild gezeigt. Das Bild zeigt aber eine Menge erstaunlicher Details des
Atomkerns. Ich gratuliere dem Künstler, sehe aber die Gefahr, dass beim
naiven Leser der Eindruck eines fachlich tiefen Verständnisses der Materie
induziert wird, der unberechtigt ist).

Laut Standard-Modell der Elementarteilchen wird die vergleichsweise kurze


Reichweite der schwachen Wechselwirkung durch die große Masse der
Austauschbosonen W und Z erklärt. Die Energien einzelner Teilchen im
Atom sind bei weitem nicht groß genug, um ein W oder Z direkt nach E=m*c2
zu erzeugen, und so kann es in diesem Modell nur über die bereits erwähnte
quantenmechanische Energie-Unschärfe überhaupt zu Reaktionen kommen.
Danach kann die sehr hohe Energie zur Herstellung eines W oder Z vom
Vakuum „ausgeborgt“ werden, aber nur für eine sehr kurze Zeit. Da das W
oder Z sich höchstens mit Lichtgeschwindigkeit bewegen kann, kann es nur
eine entsprechend kurze Strecke wandern.

Einige Elemente sind sehr langlebig und zerfallen als α-Strahler, können
aber trotzdem eine sogenannte „spontane Spaltung“ erfahren, zum Beispiel
U-238. Solche Elemente sind Kandidaten für eine weitere mögliche Neutrino-
Reaktion über einen sogenannten „neutralen Strom“. Dabei verschwindet das
Neutrino nicht, sondern überträgt nur Energie und Impuls auf den Kern.
Die Reaktion läuft zwischen dem
Antineutrino und einem Nukleon,
vermittelt durch ein Z0. (Es ist also
keine Reaktion mit 3 Teilchen, an
der auch ein Elektron der Hülle
beteiligt sein müsste.) Das
Neutrino bleibt unverändert.

Nach der (hypothetischen) Reaktion befindet sich der Kern in einem


angeregten Zustand, der leichter zerfällt.. Nach außen sichtbar wird dabei de
facto die Wahrscheinlichkeit für den α-Zerfall oder die spontane Spaltung
vergrößert, also die Lebensdauer des Isotops verkürzt (α-Zerfall ist ja eine
einfache Form der „Kernspaltung“).

Dies ist das Schema für die induzierte Spaltung über neutralen Strom:

ν e + S → (ν e + S )* → ν e + P1 + P2 (+ Neutronen ?)

Dabei haben P1 und P2 als Spaltprodukte zusammen etwas weniger Masse


als das ursprüngliche schwere Isotop S.

Analog gilt für den induzierten α-Zerfall über neutralen Strom:

ν e + S → (ν e + S )* → ν e + P1 + α

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7. Solare Neutrinos

Die solaren Neutrinos, von denen es angeblich jede Menge gibt, können
theoretisch auch Reaktionen über „neutralen Strom“ auslösen, d.h. sie
könnten einen Kernzerfall wie oben induzieren. Ein Material, das über diese
Reaktion (vergleichsweise) stark reagiert, ist auf der Erde längst zerstrahlt.
Daraus folgt, dass irdisches Material gegen solare Neutrinos einigermaßen
resistent sein muss. Oder nicht? Reaktor-Neutrinos sind die Antiteilchen von
solaren Neutrinos. Welche Reaktionen können sie für stabile Atome
auslösen, die für solare Neutrinos nicht entsprechend möglich sind?

Das nächste Bild zeigt das theoretische Spektrum der solaren Neutrinos, das
aus so genannten SSMs berechnet wird (Standard Sonnen Modell).

Zur Zeit laufen erhebliche Anstrengungen in der experimentellen Physik, um


dieses Spektrum praktisch zu messen, und in der theoretischen Physik, um
Gründe zu finden, warum es bisher nicht gemessen werden konnte. (Dieses
Spektrum der solaren Neutrinos findet sich im Internet häufig identisch als
Diagramm (z.B. http://www.sns.ias.edu/~jnb/), aber manchmal ohne Angabe
der Einheit des Flusses, was gelegentlich zu falschen Interpretationen führt.
Das Spektrum setzt sich aus kontinuierlichen Anteilen zusammen, die als
Neutrinos pro Sekunde und pro cm2 im Energiefenster [E, E+1 MeV] durch
die Fläche unter der Kurve repräsentiert werden, und aus Linienanteilen, die
jeweils als Länge der Linie eingetragen sind).

Das Spektrum der solaren Neutrinos wird von verschiedenen Kernreaktionen


in der Sonne erzeugt, deren Kennung jeweils im Diagramm eingetragen ist.
Die einzelnen Reaktionen können hier nicht weiter erläutert werden (vergl. im
Internet.http://www.physics.upenn.edu/neutrino/sun-nu/node3.html o.Ä.)
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Durch Integration via Augenschein des obigen Spektrums ergeben sich etwa
die folgenden Neutrino-Flüsse pro Sekunde und pro cm2 :

Neutrino-Fluss von der Sonne (1/s/cm2):


Gesamtfluss: ~ 10 11
davon: ~ 10 10 mit E > 0,5 MeV
davon: ~ 10 8 mit E > 1,0 MeV
davon: ~ 10 6
mit 1,8 MeV < E < etwa 20 MeV

Zum Vergleich: Antineutrino-Fluss in

1 km Entfernung von KKW (1/s/cm2):


Gesamtfluss: ~ 10 10 mit E = 1 MeV (durschn.)
davon 3%: ~ 3 * 10 8 mit E > 1,8 MeV

10 km Entfernung von KKW (1/s/cm2):


Gesamtfluss: ~ 10 8 mit E = 1 MeV (durschn.)
davon 3%: ~ 3 * 10 6 mit E > 1,8 MeV

100 km Entfernung von KKW (1/s/cm2):


Gesamtfluss: ~ 10 6 mit E = 1 MeV (durschn.)
davon 3%: ~ 3 * 10 4
mit E > 1,8 MeV

Beim Vergleich dieser Zahlen sollte man sich stets vor Augen halten, dass
die Antineutrinos aus einem Reaktor andere Reaktionen auslösen können als
die solaren Neutrinos von der Sonne. Der direkte Vergleich nur des Flusses
ist nicht sehr aussagekräftig.

Das folgende Beispiel soll zeigen, wohin es führt, wenn man die solaren
Neutrinos wirklich ernst nimmt. Dann werden die solaren Neutrinos
möglicherweise laufend beobachtet, und bisher anders erklärt.
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Beispiel:

Bisher wird die fortlaufende Entstehung des Isotops C-14, bekannt aus der
„Radiokarbon -Altersbestimmung“, durch eine Reaktion in der oberen
Atmosphäre erklärt, die von thermischen Neutronen ausgelöst werden soll:

1n + 14N → 14C + 1H

Das C-14 gibt es tatsächlich. Es muss erklärt werden, wo es herkommt.


Finden Sie die thermalen Neutronen in der oberen Atmsophäre plausibel?
Ich schlage diese Reaktion mit solaren Neutrinos vor:

ν e +18O + 6.226MeV → (ν e +18O)* →14C +ν e + α

Das stabile Sauerstoffisotop O-18 existiert zu 0,04 % in der Atmosphäre (0,2


% von Sauerstoff). Die Reaktion kann durch einen neutralen Strom von
einem solaren Neutrino ausgelost werden. Und die Existenz eines irgendwie
angeregten Zwischenzustandes (νe +18O)* würde man fordern, um die
theoretischen Voraussagen an die tatsächliche C-14 Produktionsrate
anzupassen. Es würde auch die Herkunft von Helium in der Atmosphäre
erklärt werden, durch die α's, die ja Heliumkerne sind.

Der Vorschlag für die Reaktion hat


eine gewisse Berechtigung dadurch,
dass eine Reaktion über neutralen
Strom ähnlich aussehen muss wie
eine Reaktion über ein γ-Quant.
Darum wird das Z-Boson in der
Literatur gelegentlich als „schweres
Licht“ bezeichnet.

Aus der Masse der Luftsäule über der Erdoberfläche (104 kg / m²), dem
Massenanteil Sauerstoff (21%) darin, und der natürlichen Häufigkeit des
Isotops O-18 (0,2%) am gesamten Sauerstoff könnte man jetzt berechnen,
mit Hilfe der Flussrate solarer Neutrinos mit Energien größer ~ 6,3 MeV, wie
groß der absolute Wirkungsquerschnitt für die obige Reaktion sein müsste,
um wesentlich zum C-14 Gehalt der Atmosphäre beizutragen. Das führe ich
hier nicht aus, schon weil der Sauerstoff im Wasser der Weltmeere
berücksichtigt werden müsste. In den Weltmeeren ist wesentlich mehr
Sauerstoff enthalten als in der Atmosphäre, so dass die C-14 Produktion dort
noch wesentlich größer wäre (Faktor 1000). Der Vorschlag würde erklären
können, warum in abgelagerten Kohlenstoff aus abgestorbenen Pflanzen
kein neues C-14 entsteht. Ein angeregter Zwischenzustand (νe +18O)*, wenn
es ihn gibt, würde allerdings in den meisten Fällen in das energetisch
günstigere 18O zurückfallen.

ν e +18O + 6.226MeV → (ν e +18O)* → +ν e +18O + γ

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Eine solche Reaktion würde zwar nichts zum C-14 Gehalt der Atmosphäre
beitragen, aber sie setzt Gamma-Strahlung frei (Sonnenbrand ;-).

Nach der Klassifizierung in „verschieden starke Wechselwirkungen“ in


diesem Beispiel ist die Abspaltung eines α-Teilchens zu C-14 eine „starke“
Reaktion, der Übergang unter Aussendung eines Gamma zurück zu O-18
„nur“ eine elektromagnetische. Vielleicht würde die O-18-Resonanz zu
schnell, weil stark, tatsächlich zu C-14 zerfallen? Dies ist ein (zunächst wenig
durchdachtes) Beispiel dafür, wo, und wie, nach Auswirkungen von solaren
Neutrinos gesucht werden könnte: Die solaren Neutrinos sollen überall sein,
deswegen gehört alles auf den Prüfstand.

Etwas energetisch günstiger sieht die Reaktion im zweiten Beispiel aus.

ν e +196Pt → (ν e +196Pt )* → ν e +192Os + α + 808keV

Die Reaktion läuft exotherm. Für die Massen der Atome ergibt sich
( Masse(Pt-196) – Masse(Os-192) – Masse(He-4) ) = 808 keV/c2.
195.964951521*u - 191.961480690*u - 4.00260325415*u = 0.00086757685*u entspricht 808 keV

Für die oben genannten Reaktionen wäre eine zusätzliche


Aktivierungsenergie notwendig, um das Energieniveau der kurzlebigen
Resonanz des Zwischenproduktes zu erreichen – wenn es eine solche
Resonanz gibt. Wenn diese Energie bei ein paar MeV liegt, dann würde das
Pt-196 fast aussehen wie ein α-Strahler.

Der sporadische α-Zerfall schwerer Atome könnte durch solare Neutrinos


erklärt werden.

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8. Vergleich mit anderer Strahlung
Absorptionskoeffizienten sind ein Maß dafür sind, wie stark eine Strahlung
mit der Materie reagiert. Wie bei allen anderen Strahlungsarten bekannt ist,
können sich Absorptionskoeffizienten im unteren Energiebereich (von 0 – 1,8
MeV) um 10 Zehnerpotenzen unterscheiden – je nachdem, wie groß die
Energie genau ist, und welches Zielmaterial verwendet wird. Für Neutrinos
gibt es hier keine Erfahrungen. Warum sollte es anders sein? Warum nicht?

Zum Beispiele ist gerade in der Kerntechnik bekannt, dass Neutronen mit
höherer Energie nicht so viele Kernspaltungen auslösen wie thermische
Neutronen. Es gibt Elemente wie Bor, die Neutronen sehr viel stärker
absorbieren als andere Stoffe. Das ist alles längst bekannt. Mit Neutrinos gibt
es keine Erfahrungen.

Zum Vergleich (Bild):


Absorptionskoeffizient von
elektromagnetischer Strahlung in
Wasser im Bereich 0 – 1,8 MeV. Der
Energiebereich entspricht also dem
Bereich, für den es keine Messungen
zu Neutrinos gibt. Man beachte die
Änderung um mehr als 10
Zehnerpotenzen in diesem Bereich.

Das erstaunlichste Argument kommt aus der Beobachtung des β-Zerfalls


selber. Die β-Zerfall gemessenen Zerfallszeiten unterscheiden sich um
Gößenordnungen. Dabei werden Neutrinos ausgesandt. Für den inversen
Beta-Zerfall, bei dem Neutrinos eingefangen werden, sollte von gleichen
Verhältnissen bezüglich der Absorptionswahrscheinlichkeit ausgegangen
werden.

Die Reaktionswahrscheinlichkeit von Antineutrinos mit Materie kann, von


Isotop zu Isotop, um Größenordnungen variieren. Die gegenteilige
Behauptung, dass sich alle Isotope bezüglich solcher Reaktionen gleich
verhalten, müsste dagegen erklärt werden. Experimentell gemessen werden
muss das Alles auf jeden Fall, um eine Umgebungsbelastung von
Kernkraftwerken ausschließen zu können.

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