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Inhaltsverzeichnis

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A) Vorbemerkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3

B) Allgemeine Grundsätze für den Angriff . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4


Führung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
Aufklärung und Meldedienst . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
Die Einzelwaffen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
Einrichtung des Angriffraumes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20

C) Ergänzende Bestimmungen für den Angriff aus der Dauerstellung heraus 22


Der Angriff mit begrenztem Ziel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
Durchführung des Angriffes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
Der Durchbruch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38

D) Die Verfolgung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50

E) Ergänzende Bestimmungen für den Angriff im Bewegungskrieg . . . . . . . . 52


A) Vorbemerkung.

1. Die Vorschrift behandelt die allgemein gültigen Grundsätze für den Angriff,
anschließend hieran die besonderen Bestimmungen für den Angriff im Stellungskriege mit
begrenztem Ziel, für die aus dem Stellungskrieg zum Bewegungskrieg führende
Angriffsschlacht und für die Verfolgung.
Die Vorschrift gilt sinngemäß auch für den planmäßigen Gegenangriff in der
Abwehrschlacht. Der Gegenstoß ist nicht behandelt.
Die besonderen Bestimmungen für den Angriff im Gebirge sind im Behelf „Der
Gebirgskrieg" enthalten.
Der Angriff im Bewegungskrieg (Angriff auf entwickelten oder vorbereiteten Gegner und
Bewegungsgefecht) wird im Teil 16 der Abschnitte aus der Gefechtslehre behandelt werden.
Die Vorschrift ist unter Anlehnung an den Teil 14 des deutschen Sammelheftes, unter
Ausnützung von Erfahrungen aus dem Westen, Osten und der 12. Isonzoschlacht und
endlich durch Verwertung von Beiträgen der Armeen entstanden.
Ihr Umfang sei damit begründet, daß viele Einzelheiten aufgenommen werden mußten,
die ihrem Wesen nach in andere, bisher noch nicht erschienene Teile der Gefechtslehre
gehören. Mit Einlaufen neugewonnener eigener Erfahrungen und solcher aus dem Westen ist
eine Neuauflage mit wesentlicher Kürzung beabsichtigt.
B) Allgemeine Grundsätze für den Angriff.
2. Der Angriff allein mit dem Alle beseelenden und nie erlahmenden Gedanken
„Vorwärts bis in den Feind" bringt entscheidenden Erfolg. Er bleibt auch in den
schwierigsten Lagen unwiderstehlich, wenn ihm ein wirksames, mächtiges Feuer den
Weg bahnt.
Infanteriefeuer allein ringt den Gegner nicht nieder. Ein ohne ausgiebige Unterstützung
durch Artillerie und Minenwerfer angesetzter Angriff ist aussichtslos; nur in kleinen
Verhältnissen würde vollständige Ueberraschung des Gegners solches Verhalten
rechtfertigen.
Nicht durch den Einsatz einer möglichst großen Zahl von Menschen, sondern vorwiegend
durch Kampfmaschinen (Artillerie, Minenwerfer, Maschinengewehre, Granatwerfer usw.)
ist der Angriff zu führen. Inniges Zusammenwirken aller Waffen, insbesondere der
Infanterie und der Artillerie, geben den Ausschlag im Gefecht. Ihr Zusammenwirken muß
umso inniger werden, je mehr Zeit der Gegner gefunden hat, seine Kräfte zur Abwehr bereit
zu stellen; es muß aber nach einem mit peinlichster Genauigkeit durchdachten Plan erfolgen,
wenn der Gegner in einer befestigten Stellung den Angriff erwartet.
Der Kern des Angriffes liegt in dem ständigen Zusammenarbeiten der Sturminfanterie
mit der Artillerie.
3. Der frische Angriffsgeist der Infanterie darf nicht durch zögerndes, an Formen
geklammertes Vorgehen gelähmt werden. Eine schwächliche, langwierige Angriffsweise
fordert im allgemeinen mehr Opfer als ein wohlvorbereiteter, im geeigneten Augenblick
angesezter, machtvoller Angriff
Opfer dürfen nicht gescheut werden, wenn nach reiflicher Ueberlegung aller Verhältnisse
ein Erfolg erhofft werden kann.
4. Der Angriff erfordert: ein schneidiges, infolge der wirksamen Unterstützung durch die
Artillerie und die Minenwerfer aber möglichst verlustloses Herangehen der Infanterie an den
Feind ; eine Zertrümmerung des Gegners durch die überwältigende Wirkung aller
Kampfmittel, um der Infanterie als Nahkämpfer den Einbruch, die Vernichtung des Feindes
mit Bajonett, Handgranate, Dolch zu ermöglichen.
5. Es ist besonders wichtig, die Truppe frisch und guten Mutes an den Feind zu bringen.
Hierzu genügt eine erst unmittelbar vor dem Angriff einsetzende besondere Obsorge für den
Mann nicht, sondern bedingt eine unausgesetzte Sorge für das leibliche Wohl der Truppe,
wenn sie auch in den anstrengenden Tagen, die den Entscheidungskämpfen vorangehen, zur
besonderen Pflicht wird.
Gute Nahrung, Bekleidung und Ausrüstung, zweckmäßige Unterkunft, Nachtruhe,
angemessene Gesundheitspflege sind für die Frische der Truppe erforderlich. Verpflegung
ist häufig wichtiger als Ruhe.,
Eine abgehetzte Truppe ist nicht angriffsfähig.
Schonung und Frischerhaltung der Angriffstruppen bis zum Angriff selbst sind von
besonderer Bedeutung.
Gleich der Sorge um das leibliche Wohl der Truppe darf auch jene um die Seele und das
Gemüt des Mannes nie aussetzen.
Stete Erziehung der Truppe in frischem Angriffsgeist und im Willen zum Sieg, eiserne
Manneszucht sind die Grundlagen des Erfolges und müssen die Truppe befähigen, den
auflösenden Einflüssen des Schlachtfeldes zu widerstehen.
Die angreifende Truppe muß vom Beginne an vom Erfolge des Angriffes überzeugt sein.
Die Einwirkung auf die Moral des Mannes kann nicht intensiv genug sein. Der Offizier
muß sich vor Augen halten, daß sein Benehmen das des Mannes bestimmt. Sind die Führer
gut, ist die Truppe gut.
6. Die Fürsorge um die Pferde ist nicht minder wichtig. Ihr Zustand ist maßgebend für die
Leistungsfähigkeit der Truppe und oft bestimmend für die Größe des Erfolges.
7. Genaue Kenntnis der Gefechtsweise der Infanterie, der Wirkung, der
Leistungsfähigkeit und der| materiellen Kriegsbedürfnisse der einzelnen Kampfmittel,
namentlich der Artillerie und der Minenwerfer, sowie des Wesens aller
Verbindungsmittel muß Gemeingut der Armee sein ; sie ist strengste Berufspflicht für den
Offizier.
8. Ebenso wichtig ist die Kenntnis des Feindes. Der Zustand der feindlichen Truppen,
ihre, Eigenschaften in menschlicher und militärischer Beziehung, ihre Kampfweise, ihre
Kampfmittel und deren Wirkung muß nicht nur der Führung, sondern mehr noch der Truppe
bekannt sein. Diese Kenntnis wird häufig die eigene Kampfweise beeinflussen und eigene
Opfer verhüten.
9. Die Durchbildung von Führern und Truppe für den Angriff kann nicht eingehend
genug sein.
Uebüngen in den Angriffsverbänden bei Heranziehung aller Waffen und Hilfstruppen in
kleinen Verhältnissen an Uebungswerken, sind erforderlich. Die gesamte Angriffsinfanterie
muß im Nahkampf geübt sein. (Siehe III. Teil.)

Führung.

. Der Angriff verlangt — ebenso wie die Verteidigung — straffe Führung, sorgsame und
eingehende Weisungen für das Zusammenwirken aller Waffen innerhalb der
Gefechtsstreifen und mit den Nachbarabschnitten sowie klare Bestimmung der Angriffsziele.
Andererseits bietet jeder Angriff Gelegenheit zu freier Betätigung und zu
entschlußfreudigem Handeln selbst für den einzelnen Mann.
11. Zweck eines jeden großen Angriffes ist die Vernichtung des Gegners in dem Streben,
die Feldzugsentscheidung herbeizuführen. Dieses große Ziel erfordert höchste Anspannung
der Kräfte von jedermann.
Ziel des Angriffes ist zweckmäßigerweise jener Teil des Gegners, dessen Vernichtung
die größte Rückwirkung auf das Ganze hat.
Die Angriffsziele sind nach dem Terrain zu bestimmen, ihre Erreichung nicht an
bestimmte Zeiten zu binden, da nie bestimmt werden kann, wann sie tatsächlich erreicht
werden.
12. Der sichere feste Wille des Führers muß alle Handlungen der Truppe beseelen,
seine Persönlichkeit und sein Charakter müssen dem ganzen Angriff das Gepräge
geben. Der Kornmandant muß sich vollkommen klar sein, welches Ziel er erreichen will.
Die Nachrichten über den Feind bilden nur einen der vielen Faktoren, die das „Wie" der
Durchführung beeinflussen.
Der Führer muß seinen Willen mit allen Mitteln alle seine Untergebenen durchdringen
lassen und stets darauf bedacht sein, daß der Wille auch zur Tat werde. Je mehr der Führer
das Vertrauen seiner Truppe besitzt, desto leichter und nachdrücklicher wird sich sein Wille
durchsetzen.
Nichts vermag das Vertrauen der Truppe zur Führung mehr zu erschüttern als die
Erkenntnis, daß sie infolge von Führungsfehlern übermäßige oder zwecklose Verluste
erleiden mußte.
Jeder Truppenführer und Generalstabschef ist verpflichtet, durch eigene Erkundung sich
eingehende Kenntnis über die Eigenart des Terrains in seinem Gefechts streifen zu
verschaffen und sich über den Zustand und die Stimmung seiner Truppe dauernd persönlich
auf dem laufenden zu erhalten. Nur dann ist er in der Lage, den Kampf richtig zu leiten und
behält die notwendige persönliche Fühlung mit der Truppe.
Im Verlaufe des Gefechtes ist der Einfluß der höheren Führung beträchtlich
eingeschränkt. Es ist daher von größter Bedeutung, daß alle im Kampfe befindlichen
Kommandanten sich gegenseitig unterstützen und ihre Aufgabe im Einklänge mit der
allgemeinen Lage selbsttätig durchführen, ohne auf erneute Befehle zu warten. Mit der
Forderung, den gemeinsamen Gefechtszweck und das Zusammenwirken mit den
Nachbargruppen nie aus dem Auge zu verlieren, ist die Grenze für die Selbständigkeit der
Unterführer gezogen. Sie darf nie in Willkür ausarten. Die obere Führung muß dahin wirken,
daß das Gefecht nicht in unzusammenhängende Einzelkämpfe zerfalle.
13. Die Kunst der Führung eines Angriffes besteht in klarem Erkennen der feindlichen
Verteidigungsmaßnahmen und ihrer taktischen Einwirkung auf die Durchführung des
Angriffs, in sorgsamer Vorbereitung, klaren Weisungen und sicherer Leitung.
Die Angriffsschlacht verlangt endlich vollständige Beherrschung der Kunst, Massen auf
engem Raum zu bewegen und mit dem Nötigen zu versorgen. Zu enge Anhäufung führt zu
Verstopfungen der Wege. Genaue Ueberlegung, ein Plan der alle Truppenbewegungen
Fahrten der Transportmittel zu und von der Front, Nächtigungsräume, Rastplätze usw.
umfaßt, sowie peinlichste Befolgung aller Marschanordnungen sind Grundlagen der
unerläßlichen Ordnung.
14. Jedem Angriff muß eine gründliche Vorbereitung vorangehen. Die hierfür zur
Verfügung stehende Zeit wird sich von Stunden, die im Bewegungskrieg zur Verfügung
stehen, bis zu Wochen beim Angriff auf befestigte Stellungen erstrecken.
Ein nicht genügend vorbereiteter, mit unzureichenden Mitteln geführter Angriff
mißlingt stets, kostet unnützes Blut und ist ein grober Führungsfehler.
Gründliche Vorbereitungen werden sich oft nicht ganz verheimlichen lassen. Die
Führung muß sich darüber ins Klare kommen, wann die Gründlichkeit in den Hintergrund
treten soll, um das Ueberraschungsmoment nicht zu verlieren.
Die Vorbereitung umfaßt: Aufklärung des Terrains und des Gegners durch alle
verfügbaren Mittel, persönliche Erkundungen der Kommandanten und ihrer Organe,
Zurechtlegen des Planes, Berechnung, Heranschaffung und unter Umständen vorläufige
Gruppierung der Kampf- und Hilfsmittel, Angriffstruppen, Ergänzung von Munition,
Verpflegung und Ausrüstung, Ergänzung oder Schaffung von Verbindungen jeder Art.
(Vgl. Punkt 72, 74, 96, 97.)
15. Beim Angriff hat der Angreifer die Vorhand. Er muß von diesem Vorteile Gebrauch
machen.
Im Kriege versprechen diejenigen Maßnahmen den größten Erfolg, auf die der Feind am
wenigsten gefaßt ist. Bei allen Angriffshandlungen ist daher die Ueberraschung
Feindes von entscheidender Bedeutung.
Dazu sind notwendig: strengste Geheimhaltung der Absicht, unauffällige Durchführung
aller Vorbereitungen, Beschränkung der Neuanlagen auf das unentbehrliche Maß,
Vortäuschen von Angriffs ab sichten oder wirklich ausgeführte Angriffe an anderen Stellen
der Front und Abwechslung in den Einzelheiten des Angriffsverfahrens. Hierin läßt die
Vorschrift genügenden Spielraum. Es ist Sache aller Führer, davon den richtigen Gebrauch
zu machen.
16. Der Krafteinsatz muß dem Gefechtszweck entsprechen. Von Anfang an müssen
ausreichende Kräfte, insbesondere an Kampfmaschinen, eingesetzt werden.
17. Auch bei großen Angriffen ist die Division die Kampfeinheit. Ein gesonderter
taktischer Waffendienstweg unter Umgehung der Division schädigt das Zusammenwirken.
Dem Divisionskommando sollen alle Kampfmittel für die Durchführung des Angriffes
voll zur Verfügung stehen. Die höheren Kommandos sollen sich nur die unumgänglichsten,
für Spezialzwecke erforderlichen Kampfmittel (schwerste Artillerie, Beförderungsmittel,
Fliegerreserven usw.) rückbehalten. Die Bestellung eines Korpsartilleriechefs mit
unmittelbarer Kommandobefugnis über die Artillerie der Divisionen empfiehlt sich nicht.
Höhere Kommandos als das Divisionskommando können ihren Einfluß auf den Angriff
fast nur durch Zuweisung der Aufgaben, Zuführen von Infanterie-, Artillerie- und
Munitionsreserven sowie sonstiger Kampfmittel zur Geltung bringen.
18. Angriffsrichtung und Angriffsraum der Division wird durch die Zuweisung der
Angriffsstreifen bestimmt. Eine tiefe Gliederung der Truppen im Angriffsstreifen ist
unerläßlich, soll der Erfolg nicht in Frage gestellt werden.
Bei Anordnung der Tiefengliederung ist auf die Wahrung der Verbände möglichst
Bedacht zu nehmen (flügelweiser Einsatz).
19. Bei Angriffen von großer Tiefe ist ein Stoß mit ein und demselben Verbände (Div.)
bis zum Verbrauch seiner Kraft mehreren aufeinanderfolgenden Angriffen mit frischen
Verbänden vorzuziehen. Dementsprechend sind die Angriffsstreifen so zu wählen, daß ein
Verband in sich befähigt ist, den Angriff lange zu nähren und ohne Aufenthalt durch die
ganze Tiefe der feindlichen Stellungen hmdurchzustoßen.
Die Breite der Angriffsstreifen ist indes zugunsten einheitlicher Führung nicht zu schmal
zu bemessen. Wo es sich lediglich darum handelt, dem Feind ein Grabensystem seiner
vorderen Stellung zu entreißen, kann eineDivision sich bis zu 4 km und mehr ausdehnen. Ist
Eindringen in die Tiefe der feindlichen Stellungen beabsichtigt, so müssen die Divisions-
Gefechtsstreifen schmäler gewählt werden; unter 2 km werden sie kaum heruntergehen.
20. Jeder Angriff muß seinen Schwerpunkt haben. Hiernach ist die Kräftegruppierung,
die Breite des Gefechtsstreifens, das Zusammenfassen der Artillerie, Minenwerfer und
sonstiger Kampfmittel, das Bereitstellen und Einsetzen von Reserven zu bemessen.
21. Vom Beginn des Angriffs müssen die Divisionen vorderer Linie darauf bedacht sein,
ihre Reserven dicht heranzuhalten. Jedoch ist eine Ueberlastung der Wege, die zur
Verstopfung derselben führt, zu vermeiden. In erster Linie muß durch glatten und schnellen
Nachschub die Feuerkraft der kämpfenden Truppe erhalten werden.
Die Kommandanten aller Reserven sollen stets in Kenntnis der Absichten ihres
Vorgesetzten sein und mit diesen in ununterbrochener Verbindung bleiben. Sie müssen sich
mit allen Mitteln in Kenntnis über den Gefechtsverlauf erhalten.
22. Rechtzeitig herangezogene frische Verbände, die mit fortschreitendem Angriff
nachzuziehen sind, haben bei großen Angriffen den erreichten Erfolg durch Fortsetzen des
Angriffs zu erweitern.
Es kommt weniger auf die Masse an als auf die artilleristische und infanteristische
Feuerkraft. Zu starke Kräfte hindern sich gegenseitig und erschweren Führung und
Versorgung. Alles hängt von schnellem und selbsttätigem Handeln aller Stellen im Rahmen
des Ganzen sowie vom Nachziehen der Artillerie und vom Munitionsnachschub ab.
23. Auch bei einem Angriff, der planmäßig in allen Einzelheiten vorbereitet werden kann,
hat die Führung den Entschluß über die Verwendung der Reserven frühzeitig und meist auf
Grund unvollkommener Nachrichten zu fassen. Schwächen des Feindes und errungene
Vorteile müssen vorausschauend erkannt und rasch ausgenützt werden.
Durch den Einsatz der Reserven muß die Führung darnach streben, den Kampf nach
ihrem Willen zu gestalten. Der Einsatz ist dort am wirksamsten, wo der Angriff am
schnellsten Boden gewinnt; auch diejenigen Teile, die nur langsam vorwärts kommen oder
stecken bleiben, werden dadurch am besten entlastet. Bereiten sich Gegenangriffe des
Feindes mit starken Kräften vor, so ist es wichtig, zu erkennen, ob ihre Wirkung durch
Vorwärtstragen des Angriffes an anderer Stelle ausgeschaltet werden kann oder ob Teile der
eigenen Front unmittelbar gestützt werden müssen.
24. Oft, vor allem im Gefecht größerer Körper, wird der Frontalangriff die Regel sein.
Auch Truppen, die umfassen, werden eine feindliche Gefechtsfront vor sich finden, die sie
frontal angreifen müssen. Die Entscheidung liegt daher im Durchbruch.
Die eigentliche Auswertung des Erfolges beginnt erst nach vollzogenem Durchbruch. Dafür
müssen ausreichende Reserven zur Hand sein (Punkt 22).
Die hohe Bedeutung der flankierenden Einwirkung selbst mit schwachen Kräften, vor
allem auch durch Artillerie und Maschinengewehre, ist bei allen Angriffshandlungen immer
wieder in Erscheinung getreten. Flankierung ist daher immer wieder planmäßig
herbeizuführen.
25. Nach jedem Angriff gilt es, in sich selbst und in der Truppe die geistige,
körperliche und moralische Abspannung zu überwinden, die nur zu leicht dazu führt,
sich mit einem halben Erfolg zu begnügen.
Meist erfordert es die vordenkende Fürsorge für die Truppe, nach dem Erfolg noch
eine letzte äußerste Anspannung aller Kräfte zu verlangen. So können erneute schwere
Opfer vielfach vermieden werden.
26. Der Artilleriekommandant ist über Lage und Absicht des Truppenführers von diesem
in Kenntnis zu erhalten, hat aber auch selbst für seine eigene Orientierung zu sorgen. Er
nimmt an allen Erkundungen des Führers teil.
Die Artillerie ist jederzeit im Sinne der Führung zur Erreichung des Angriffszweckes
einzusetzen. Demnach darf die Zuweisung der Kampfaufgaben sowie die räumliche und
zeitliche Regelung der Artillerie Wirkung und deren Energie nicht dem
Artilleriekommandanten überlassen werden, sondern obliegt dem Truppenführer.
27. Jeder Truppenführer, dem Artillerie beigegeben ist verfügt über diese allein und
uneingeschränkt für die Erreichung seiner Kampfaufgabe. Will sich das vorgesetzte
Kommando das Verfügungsrecht über die bei einer Kolonne oder Gruppe eingeteilte
Artillerie vorbehalten, so muß dies ausdrücklich befohlen werden.
Will der höhere Kommandant, dem mehrere mit Artillerie dotierte Gruppen unterstehen,
ein Zusammenwirken getrennter Artilleriekräfte für den einheitlichen Gefechts zweck
erreichen, so gibt er den Gruppenkommandanten den Auftrag hierzu und erteilt dem
unterstehenden höchsten Artilleriekommandanten den Befehl zur Durchführung.
28. Der Angriffsbefehl wendet sich an die unmittelbar unterstellten Befehlseinheiten und
bat in klarer, unzweideutiger Weise zu enthalten :
Angaben über den Feind,
eigene Lage,
Ziel des Angriffes,
Bildung und Aufgabe der einzelnen Gruppen,
Angriffsstreifen,
Angriffszeiten,
Sicherung des Angriffes,
Aufenthalt des Kommandanten,
Verbindungen,
technische und besondere Maßnahmen,
materielle Vorsorgen.
Oft wird der Angriffsbefehl in mehrere, nacheinander zu gebende Einzelbefehle zerfallen.
29. Brigadiere und Regimentskommandanten der Infanterie müssen den Angriff auf
Grund persönlicher Sicht im Nahbereiche führen.
Die Artilleriegruppenkommandanten wählen ihren Gefechtsstandpunkt dort, von wo sie
das Feuer der Batterien am besten leiten können. Fällt dieser nicht mit dem Standpunkt , der
Infanteriegruppenkommandanten zusammen, so geben sie zu diesem
Artillerieverbindungsoffiziere. (Punkt 37 und 64.)
30. Die Gefechtsstandpunkte der Korps- und Divisionskommandos werden beim Angriff
weit vorn eingerichtet, um einen Wechsel während der Schlacht möglichst lange zu
vermeiden; aber auch dieser muß vorbereitet werden. Besonders muß die Verbindung
zwischen der Division und ihrer Artillerie dauernd gesichert bleiben.
Gute Verbindung zwischen den Gefechtsstandpunkten benachbarter Divisionen und den
Divisionen erster und zweiter Linie ist von großer Bedeutung.
Erwünscht ist es, daß die höheren Stäbe von der Division aufwärts über Fernwarten
verfügen, von denen aus sie durch Offiziere ihres Stabes (IBS) das Gefecht beobachten
lassen und hierdurch die eigene Beobachtung ergänzen.
31. Der Artilleriebrigadier hat seinen Stand fast immer beim Gefechts Standpunkt des
Div.-Kmdos; er hat aber meist besondere Beobachtungsstellen mit möglichst weiter
Uebersicht, von denen er dauernd unmittelbare Meldungen erhält.
32. Jeder Wechsel eines Gefechtsstandpunktes bedarf eingehender Vorbereitung. Vor
Verlassen des alten Standortes sollen die Verbindungen zum neuen schon betriebsfähig sein.
Reitpferde oder Autos sind rechtzeitig bereitzuhalten. Bei Verlegen der Befehlsstellen nach
vorwärts bleiben . die bisherigen zur Regelung des Nachschubes zunächst weiter
besetzt. Je mehr der Bewegungskrieg sich ausspricht, desto mehr gehören auch die höheren
Führer weit vor, oft zu Pferd.
33. In der taktischen Bewertung von Stellungen und Geländeformen müssen alle Führer
eingehend geschult werden. Das Studium des Kampffeldes und seiner taktischen Bedeutung
kann nicht sorgfältig genug sein; es ist die Voraussetzung für die taktische Kleinarbeit, die
für Anlage und erfolgreiche Durchführung aller Angriffe — auch eines Angriffs in größerem
Rahmen — unerläßlich ist.
Das Studium erfolgt an Hand von Karten, Plänen, Photographien, Ansichtsskizzen, wird
aber möglichst bald durch die persönliche Erkundung der Kommandanten aller Grade und
ihrer Organe ersetzt.
Es wird oft von großem Vorteil sein, wenn Generalstabsoffiziere höherer Stäbe und jene
Führer (auch Unterführer), denen im Angriff schwierige Aufgaben zufallen, das Angriffsfeld
vom Flugzeug aus erkunden.
Der Kampf um Höhen, der im Stellungskriege an Bedeutung verloren hat, tritt um so
mehr in den Vordergrund, je mehr die Kämpfe den Charakter des Bewegungskrieges
annehmen.

Aufklärung und Meldedienst.

34. Zweck der A u f k 1 ä r u n g ist, der Führung ein möglichst zutreffendes Bild über
den Gegner und über die Beschaffenheit des voraussichtlichen Angriffsfeldes zu geben.
Zur Aufklärung müssen alle Mittel eingesetzt werden: Flieger, Fesselballon, Kavallerie,
Artillerieaufklärer, Infanteriebeobachter (IBS), Artilleriemeßzüge, Infanterie, Radfahrer,
Abhorchstationen, Photographie, Kundschafter, Gefangenen aussagen. Außerdem ist jeder
Soldat verpflichtet, Nachrichten und Wahrnehmungen auch ohne Befehl so rasch als
möglich zu melden
Im näheren Kontakt mit dem Gegner wird der persönliche Augenschein des
Kommandanten und seiner Organe die Aufklärung zu vervollständigen haben.
Oft werden sich während des Gefechtes wichtige Anhaltspunkte für die weitere
Handlungsweise des Führers ergeben. Die in der Gefechtslinie befindlichen Kommandanten
haben deshalb eigene Beobachtungsorgane zu bestimmen und sind verpflichtet, jede
Beobachtung über den Feind und über das Terrain, die von Bedeutung sein könnte, sogleich
ihrem vorgesetzten Kommando und soweit nötig auch den Nachbarn zur Kenntnis zu
bringen.
Die Aufklärung erfordert eine einheitliche Leitung. Innerhalb der Division muß sie straff
organisiert sein.
Jeder Kommandant ist auch ohne Befehl zur Aufklärung verpflichtet, um seine Truppe
vor Ueberraschungen zu bewahren. Selbst bei durchlaufenden Fronten muß wenigstens
durch Sicht in Flanke und Rücken aufgeklärt werden.
Die Aufklärungsergebnisse müssen gründlich verwertet werden. Die bei der Division von
den verschiedensten Seiten zusammenlaufenden Nachrichten müssen hier in eine Hand
gelangen, verwertet, den eigenen Truppen, dem vorgesetzten Kommando und den Nachbarn
zur Kenntnis gebracht werden. Diesen Dienst versieht zweckmäßigerweise jener
Generalstabsoffizier, dem die Evidenz der feindlichen Lage obliegt.
35. Gleiche Bedeutung wie der Aufklärung kommt dem Meldedienst zu.
Jede Truppe muß dauernd bestrebt sein, die Führung schnell über die eigene Lage zu
unterrichten, um dem Kommandanten die Grundlagen für zweckmäßige Maßnahmen zu
schaffen.
Die planmäßige Verteilung, geschickte Anlage sowie rechtzeitige Vorverlegung oder
Neueinrichtung von leistungsfähigen Meldesammelstellen ist von besonderer Wichtigkeit.
Bei größeren Angriffen ist von oben her eine besondere zeitliche und örtliche Regelung
des Meldedienstes notwendig.
Zeitlich wird geregelt, wann jede Stelle unbedingt melden muß; abgesehen von
besonderen Ereignissen, geschieht dies nach Erreichen bestimmter Ziele, Ueberschreiten von
Linien, wesentlichen Verlegungen des Artilleriefeuers u. dgl.
Die örtliche Regelung erstreckt sich auf Angabe der Meldesammelstellen, namentlich
wenn diese und die Gefechtsstandpunkte im Verlauf des Gefechts zu bestimmten Zeiten
vorverlegt werden. Die Verbindung der Meldesammelstellen nach rückwärts durch mehrere
sichere Verbindungsmittel ist Sache des sie einrichtenden Kommandos.
Abwurfstellen für Flieger müssen festgesetzt werden.
Die höheren Kommandos dürfen sich jedoch nicht darauf verlassen, durch Meldungen
von der Truppe dauernd rechtzeitig unterrichtet zu werden. Sie müssen darnach streben, mit
eigenen Mitteln (Augenschein, besonders bestimmte Flieger, entsandte Offiziere, Kavallerie-
und Infanterie-Patrouillen, Beobachtungsoffiziere, Meldegänger) sich Klarheit über die Lage
in den eigenen und den Nachbarabschnitten zu verschaffen.
36. Ebenso wichtig ist der Meldedienst zwischen Artillerie, Minenwerfern und Infanterie
und zwischen Nachbarabteilungen. So ist z. B. die Infanterie verpflichtet, die Artillerie
dauernd über die von ihr erreichte Linie und den Stand des Gefechtes zu benachrichtigen,
ebenso wie die Artillerie alle von ihr auf dem Gefechtsfelde gemachten Feststellungen der
Infanterie sofort mitzuteilen hat. Nebeneinander eingesetzte Kommandos und Truppen
müssen enge Verbindung miteinander halten und sich gegenseitig ununterbrochen auf dem
laufenden halten. Bei den immerhin schmalen Gefechtsstreifen ist enges taktisches
Zusammenwirken von benachbarten Abschnitten ganz besonders wichtig. (Punkt 34.)
Diesem Zweck, z. B. der Verbindung zwischen Artillerie und Infanterie, dient der
Austausch von Verbindungsoffizieren; zwischen kleineren Abteilungen genügen im
allgemeinen von Unteroffizieren geführte Verbindungspatrouillen.
37. Sorgfältige Aufrechterhaltung des Aufklärungs- und Meldedienstes ist von
wesentlichem Einfluß auf den Erfolg des Angriffs, namentlich werden davon die ersten
Maßnahmen nachdem Sturm entscheidend beeinflußt.
Enges Verbindunghalten aller Waffen und aller Führer von vorn nach hinten, von hinten
nach vorn und nach den Seiten ist unerläßlich. Es sichert das planmäßige Fortschreiten des
Angriffs und bewahrt vor Ueberraschungen, namentlich in den Flanken. Bei guter
Verbindung ist die Führung in der Lage, rechtzeitig zweckmäßige Maßnahmen zu treffen.
Unter keinen Umständen darf der Angriff aus Mangel an Verbindung frühzeitig zum
Stehen kommen.
Die Einzelwaffen.

38. Die führende Rolle im Angriff fällt der Infanterie zu. Auf ihr lasten alle
Beschwerden und Gefahren im höchsten Maße.
Das Hauptziel, das alle andern Waffen mit voller Hingabe verfolgen müssen, besteht
darin, den Erfolg der Infanterie vorzubereiten, zu ergänzen und zu erweitern, aber
auch zu sichern. Hiezu ist die mündliche Aussprache zwischen dem Kommandanten der
Infanterie und jenem der zugehörigen Artillerie (Minenwerfer) notwendig. Auch zwischen
den zu gemeinsamer Tätigkeit berufenen Unterkommandanten der Infanterie und der
Artillerie (Minenwerfer) muß innigste Fühlung bestehen.
39. Nur besonders günstige Verhältnisse (schon geschwächter Gegner, überraschendes
Zusammentreffen) ermöglichen es der Infanterie, einer ausreichenden Unterstützung durch
Artillerie und Minenwerfer zu entraten.
In der Regel wird ein Erfolg nur dann errungen werden können, wenn der Angriff
durch Artillerie und Minenwerfer gründlich vorbereitet und unterstützt wird.
40. Der Gradmesser der Angriffskraft liegt nicht in der Zahl der Feuergewehre,
sondern in der Zahl der eingesetzten Kampfmaschinen. (Punkt 2, 22.)
Auch für den Erfolg des infanteristischen Angriffs ist nicht die Zahl der eingesetzten
Infanteristen ausschlaggebend, sondern ihre durch Ruhe, Ausbildung und Ausrüstung
erworbene Kampfkraft, die Sorgfalt der Vorbereitungen, die Geschicklichkeit von Führung
und Truppe sowie Schnelligkeit und Entschlossenheit des Handelns.
41. Granatwerfer, Minenwerfer und besonders Maschinengewehre sind die Hauptträger
des infanteristischen Feuerkampfes. Der Infanterist ist Nahkämpfer, der die durch die
Feuervorbereitung der Artillerie der Minenwerfer und seiner eigenen besonderen
Kampfmittel wohl vorbereitete Entscheidung durch die Stoßkraft des lebenden Menschen
vollends herbeiführt.
42. Alle Kampfmittel, welche bei der Infanterie zur Verwendung gelangen, müssen von
dieser voll beherrscht werden.
Der Erfolg im Kampfe ist nur dann gewährleistet, wenn die Offiziere der anderen
Waffen mit der Kampftätigkeit der Infanterie ganz vertraut sind, ebenso die Offiziere
der Infanterie mit Wesen und Wirkung der übrigen Waffen. (Punkt 7.)
43. Im Angriff ist möglichst reichliche Verwendung der Maschinengewehre anzustreben.
Es kommt weniger darauf an, materielle Wirkung zu erzielen, als vielmehr durch
Abkämmen der Gräben den Gegner an der Gegenwirkung möglichst zu behindern. Hiezu
wird das Ueberschießen der eigenen Infanterie aus rückwärtigen Stellungen notwendig
werden.
Jeder gewonnene Terraingewinn muß sogleich durch Maschinengewehre gesichert
werden. Deshalb haben die Handmaschinengewehre mit der Infanterie vorzugehen.
4 4. G r a n a t w e r f e r u n d M i n e n w e r f e r der Infanterie werden meist
einheitlich mit den Werfern der Batterien eingesetzt werden.
Ihr Nachziehen im Verlaufe des Angriffes muß vorbedacht sein. Sie werden besonderen
Wert beim Festhalten des Errungenen haben.
45. Die Infanterie darf nie vergessen, daß die Artillerie und die Minenwerfer Zeit
benötigen, um voll wirksam werden zu können. Ueberhastetes Wirken dieser Waffen
schädigt den Erfolg.
46. Bei jedem Angriff kommt es darauf an, die Wirkung der artilleristischen Vorbereitung
und Feuerunterstützung voll auszunutzen. Die stürmende Infanterie muß gleichzeitig mit den
letzten Artillerieschüssen und Minen in der feindlichen Stellung stehen und im weiteren
Verlauf der eigenen Feuerwalze unmittelbar folgen, so daß der Feind keine .Zeit findet, aus
den noch erhaltenen Unterständen herauszukommen oder sich sonst gefechtsbereit zu
machen.
Der bei den Sturmbataillonen mit so großem Erfolg ausgebildete Grundsatz, daß die
Infanterie beim Angriff in das eigene Artillerie- und Minenfeuer hineinlaufen muß,
muß Gemeingut der ganzen Infanterie werden. Er fordert rücksichtslose Schneid und
überlegene Moral, weil vereinzelte Verluste durch eigenes Artilleriefeuer in Kauf genommen
werden müssen. Durch dieses Hineinlaufen wird der Nahkampf mit der feindlichen
Infanterie und deren Maschinengewehren erleichtert. Mit allen Mitteln maß der Infanterie
das Verständnis hiefür beigebracht werden.
Neben der richtigen Ausnutzung der eigenen Kampfmittel und erkannter feindlicher
Schwächen ist für den Erfolg des Sturmes der Schwung der Truppe wesentlich.
Entschlossenes rücksichtsloses Draufgehen und Selbsttätigkeit jedes einzelnen Mannes
bringen den Erfolg. Für den Schwung der Truppe ist das Verhalten der Offiziere
maßgebend. (Punkt 5.)
Stocken des Angriffs an einer Stelle darf sich nicht auf die ganze Linie übertragen; weit
durchstoßende Infanterie umfaßt stehengebliebene Teile des Feindes, räumt sie hinweg
und bahnt den zurückbleibenden eigenen Abteilungen den Weg. Zaudern führt zu
Mißerfolgen.
47. Die Gefechtsstreifen sind am günstigsten, wenn die vordersten Wellen bis zum
Angriffsziel geradeaus angreifen. Die Grenzen werden durch im Gelände hervortretende
Punkte und Linien gebildet, z. B. Straßen, Eisenbahnen, Waldränder.
Innerhalb des Gefechtsstreifens darf nicht gleichmäßig angegriffen werden. Stützpunkte,
Ortschaften, Wälder sind niederzuhalten, unter Umständen durch Einnebeln (Vergasen). An
ihnen vorbei greift die Truppe tiefgegliedert an den Stellen des voraussichtlich geringsten
Widerstandes an. Rückwärtige Wellen nehmen die Stützpunkte usw. durch Umfassung. Es
kann sich empfehlen, hiefür von vornherein besondere gemischte Abteilungen — im
Bedarfsfall aller Waffen — unter energischen Führern auszuscheiden.
Die vordersten Teile der Infanterie vermeiden jeden nicht unbedingt notwendigen
Aufenthalt. Häufig schwächt das Durchstöbern feindlicher Unterstände, Depots und
Gepäckstücke nach Lebensmitteln usw. die Front rascher als feindliches Feuer und
Erschöpfung. Strenge Ueberwachung ist daher notwendig. Drückeberger und Beutemacher
müssen durch Kommandos des e i g e n e n Regiments aufgegriffen und sogleich
nachgeführt werden. (Punkt 92.)
Angriffe durch Aufrollen der Gräben in den Stellungen entlang zu führen, empfiehlt sich
nur in ganz kleinen Verhältnissen und bei Kleinangriffen, die mehr in das Gebiet der
Gegenstöße und Patrouillen-Unternehmungen fallen und denen ein wirksames
Sturmreifschießen nicht vorangegangen ist.
Je kleiner der Angriff ist und je näher das Angriffsziel liegt, um so genauer kann der
angreifenden Infanterie der Weg und jede einzelne Tätigkeit vorgeschrieben werden. Je
größer und tiefer der Angriff ist, desto häufiger treten Lagen ein, in denen das selbständige
und sich richtig in den Rahmen des Ganzen einfügende Handeln einzelner Kampfgruppen
den Ausschlag gibt. Auf diese Weise gewonnene Vorteile sind sogleich zu größeren
Erfolgen auszubauen. Alle Anweisungen und Maßnahmen müssen daher darauf zielen, die
Einwirkung der Führer sicher zu stellen. Jeder einzelne Mann muß erzogen sein, den
Zusammenhang mit seinem Stoßtrupp-(Schwarm) Kommandanten dauernd zu wahren. Kein
Kommandant darf auch nur einen Augenblick die Zusammenarbeit mit dem nächsthöheren
und benachbarten Verband sowie mit den anderen Waffen aus dem Auge lassen. (Punkt 13.)
Die Verwendung von Leuchtzeichen (auch Flammenwerfer) zur Verständigung ist sorgfältig
zu regeln.
Bei den in dem feindlichen Stellungssystem sich zusammenballenden gesonderten
Kampfgruppen oder Stoßtrupps muß das Streben sein, sobald es die Lage gestattet, lockere
zusammenhängende Schützenlinien zu bilden, Reserven und Flankensicherungen
auszuscheiden, Patrouillen nach vorwärts und seitwärts vorzutreiben, um durch
unvorhergesehene Ereignisse nicht in einer für den Kampf ungeeigneten Form überrascht zu
werden.
Der gefährlichste Moment für den Angreifer ist jener nach dem Einbruch in die feindliche
Stellung.
48. Der Angriffsschwung einer guten Truppe führt diese oft über das Angriffsziel hinaus.
Schnelles Zufassen sichert oft Erfolge, die sonst erst nach erneuter Vorbereitung gewonnen
würden. Der Drang der Truppe nach vorwärts darf daher nicht zu stark gezügelt werden.
Besonders bei weitreichendem Durchbruch ist der kühnste Entschluß immer der beste.
Andererseits entstehen durch unüberlegtes Vorstürmen leicht Rückschläge. Es ist daher
von entscheidender Wichtigkeit, daß die Truppe der Führung auch während des Angriffs
nicht aus der Hand gerät und das Zusammenwirken der Waffen gesichert bleibt.
49. Nach dem Erreichen des Angriffsziels ist schleunigst Abwehrbereitschaft
einzunehmen (Tiefengliederung, Zusammenwirken mit den anderen Waffen,
Befehlsverbindungen, Anschlüsse, Sorge für Munition, Verpflegung, Sanitätsdienst, Ausbau
der Stellung).
Eine Bereitschaft, die gegen sofortige, von der feindlichen Artillerie meist nur mangelhaft
unterstützte Gegenstöße ausreicht, kann schon nach wenigen Minuten erzielt werden. Die
Maßnahmen hierzu sind schon vor dem Angriff vorzubereiten. Auch wenn ein Angriff
weiter geführt werden soll, müssen die ersten Angriffsziele gesichert werden, um
Rückschläge infolge von Gegenstößen oder -angriffen auszuschalten. (Punkt 71.)
50. Erfahrungsgemäß pflegt die Infanterie weniger durch den Angriff, als durch die
darauffolgende Beschießung und die Gegenangriffe zu leiden. Die Führung muß daher die
Ablösung der Infanterie oder die Weiterführung des Angriffs durch neue Verbände
rechtzeitig vorsehen. (Vgl. aber Punkt 19.)
51. Ein mißlungener Angriff ist in der Regel nur nach erneuter Feuervorbereitung zu
wiederholen. Das Liegenbleiben kleinerer Teile darf dagegen das Vorwärtsdrängen des
Ganzen nicht hemmen. Kommen nur einzelne Teile nicht vorwärts, so genügt oft die
flankierende Unterstützung durch Nachbartruppen sowie kurze Feuervorbereitung mit MG.,
MW., GW., HMG. und Infanteriebegleitgeschützen.
Das Liegenbleiben vor den feindlichen Stellungen kostet die meisten Verluste.
52. Besondere Umsicht, taktisches Verständnis und Entschlußfähigkeit ist von den
Führern der Reserven zu fordern.
Die obere Führung wird in vielen Fällen außerstande sein, ihren Einfluß rechtzeitig zur
Geltung zu bringen. Diese Schwierigkeit wächst mit der Tiefe des Angriffs. In solchen
Fällen ist selbsttätiges und verantwortungsfreudiges Handeln der unteren Führer besonders
wichtig.
Der leitende Gesichtspunkt für das Eingreifen der Reserven muß sein, daß der Angriff
unter keinen Umständen ins Stocken geraten darf. (Punkt 13, 21, 22.)
53. Alle Kommandanten müssen jede Gelegenheit wahrnehmen, um das feste Gefüge und
die straffe Ordnung der Truppe wieder herzustellen.
54. Hauptaufgabe der Artillerie und der Minenwerfer ist es, der Infanterie die
günstigsten Bedingungen für den Kampf zu schaffen. Sie müssen daher jederzeit im
Sinne der höheren Führung und in inniger Uebereinstimmung mit den anderen Waffen
eingesetzt werden. (Punkt 24, 38.) Damit bilden Artillerie und Minenwerfer das Rückgrat
des Angriffes.
Rechtzeitiges, gutes Schießen vom richtigen Platz gegen das richtige Ziel sind für beide
Waffen die Hauptsache.
55. Voraussetzung für eine richtige Verwendung der Artillerie und der Minenwerfer ist
die richtige Beurteilung der Leistungsfähigkeit der Geschütze (Werfer). Die Artillerie
(Minenwerfer) muß die Kampfweise der Infanterie voll beherrschen, um in entscheidenden
Lagen selbständig eingreifen zu können. Sie muß im Gebrauch der Nahkampfmittel geübt
sein, um nicht ständigen, unmittelbaren Schutz durch die Infanterie zu bedürfen.
56. Die moralische Wirkung der Artillerie und der Minenwerfer kann so nervenzerrüttend
sein, daß damit allein ausschlaggebende Wirkung erreicht werden kann. Die moralische
Wirkung ist daher bei jedem Einsatz in Rechnung zu stellen.
57. Die materielle Wirkung ist von Geschütz- und Geschoßart, von der Masse der
Munition, der Treffgenauigkeit und den Verhältnissen beim Ziel abhängig.
Feldkanonen sind infolge ihrer großen Feuerschnelligkeit zur Bekämpfung lebender,
ungedeckter Ziele zu verwenden (Störungsfeuer, Bekämpfung von Truppen an
Sammlungen) und sollen als Flachbahngeschütze womöglich flankierend eingesetzt werden.
Zum Zerstörungsfeuer eignen sie sich wegen der geringen Einzelschußwirkung nicht.
10 cm Feldhaubitzen können sowohl alle Aufgaben der Feldkanonen erfüllen wie auch
infolge der größeren Geschoßwirkung heim Zerstörungsfeuer mitwirken.
Die 15 cm Haubitze ist das Hauptgeschtitz für den Artilleriekampf, weiters für das
Zerstörungs- und Vernichtungsfeuer.
Die 10 cm, 15 cm und 24 cm Kanonen eignen sich wegen ihrer großen Reichweite
vornehmlich zum Störungsfeuer, sind aber wegen ihrer vorzüglichen Treffgenauigkeit auch
zum Zerstörungsfeuer hervorragend geeignet.
Die schwersten Geschütze dienen zur Lösung von Spezialaufgaben, die 30 cm Mörser
außerdem zur Bekämpfung feindlicher Artillerie. Ihre Wirkung gegen massierte
Truppenziele ist sehr -gut.
Die Gebirgskanonen sind befähigt, im schwierigsten Terrain fortzukommen. Durch
Anwendung der Teilladung können sie Aufgaben lösen, die sonst der Feldhaubitze zufallen.
Die Gebirgskanonen sind besonders als Infanteriebegleitbatterien geeignet.
58. Die Minenwerfer ergänzen die Artilleriewirkung ausgezeichnet und ersetzen sie im
besonderen dort, wo die eigene Artillerie nicht zu wirken vermag.
Mittlere und schwere Werfer sind gegen die Haupteinbruchsstellen massiert einzusetzen.
Leichte Werfer haben in der Hauptsache die Aufgabe, feindliche Stellungen zu flankieren.
Betäubung des Gegners durch eingelegte Minenwerfersalven ist sehr empfehlenswert.
59. Gas kann aus Feld- und Gebirgskanonen, Feld-und Gebirgshaubitzen, 15 cm
Haubitzen M. 14, dann aus Minen- und Gaswerfern geschossen werden.
Der Vergasungsbeginn erfolgt zweckmäßig noch bei Dunkelheit. Der Gegner wird
hiedurch überrascht. Im allgemeinen sind auch die Luftverhältnisse am frühen Morgen für
die Vergasung günstig. Andererseits muß die Vergasung auch genügend Zeit lassen zum
Wirkungsschießen, zum Einschießen der schweren Kaliber und zum Ueberprüfen der
Tageseinflüsse. Die Vergasung darf also nicht ausschließlich in die Dunkelheit fallen. (Siehe
Teil 14, Das Gasschießen.) Sehr gute Erfolge läßt auch das Nebelschießen erwarten.
60. Um eine Wirkung aus mehreren Richtungen zu ermöglichen und den Gegner zur
Zersplitterung seines Feuers zu zwingen, ist die Verwendung der Artillerie in getrennten
Gruppen Grundbedingung.
Im Stellungskriege und in der Abwehrschlacht wird die Masse der Artillerie weiter
rückwärts in Stellung gebracht, damit bei einem Einbruch des Gegners die Artillerie nicht
sogleich überrannt wird, sondern wirken kann.
Anders beim Angriff; hier handelt es sich darum, daß die Artillerie den Angriff der
Infanterie möglichst lange ohne Stellungswechsel unterstützen kann. Durch die
Reichweite der Artillerie ist bei Angriffen die Tiefe des Angriffes gegeben. Die Artillerie
muß deshalb weit vorne in Stellung gebracht werden.
61. Für die Zusammenfassung in Gruppen ist nicht die Lage der Feuerstellungen, sondern
das Zusammenwirken in den gleichen Zielraum maßgebend. Eine Aufstellung außerhalb des
Gefechtsstreifens der Infanterie ist oft erwünscht, da die Rücksichten auf die moralische
Wirkung eine Bevorzugung flankierenden Feuers verlangen.
Eine Mischung von schwerer und leichter Artillerie innerhalb der Gruppen und
Untergruppen ist zulässig. Soweit als möglich ist aber die organisationsgemäße Einteilung
der Artillerie zu erhalten.
Für den Gaskampf sind fallweise Batterien zu bestimmen, gegebenenfalls eigene
Gruppen zu bilden. (Siehe Teil 14.)
62. Straffe Gefechtsführung auch in artilleristischer Beziehung durch die Divisionen,
Korps- und Armeekommandos ist unerläßlich. Dabei ist ein Eingreifen in Einzelheiten oft
nicht zu vermeiden. (Vgl. Punkt 17.)
Das einheitliche Einsetzen der Artillerie zur Vorbereitung und Unterstützung des
Angriffes verfügt der Artilleriekommandant (Artilleriebrigadier) nach den Weisungen des
Truppenführers (Divisionär); dies schließt aber nicht aus, daß einzelne Gruppen direkt den
Infanteriekommandanten unterstellt werden. (Punkt 27 und 68.)
Für die direkte Unterstellung von Artillerie unter Korpsoder Armeekommandos kommen
nur Spezialgeschütze in Betracht. (Punkt 17.)
63. Die Minenwerfer sind ebenso wie die Artillerie unter einheitlichem Befehl
(Stabsoffizier für Minenwerfer) zusammenzufassen und in Gruppen zu gliedern.
Für das weitere Vorgehen im Angriff sind die leichten Minenwerfer der Infanterie wieder
zu unterstellen. (Siehe Teil 7.)
64. Rechtzeitige und gründliche Zielaufklärung, rasches Ausnützen ihrer Ergebnisse, gute
Schußbeobachtung sind die Vorbedingungen des Erfolges. (Punkt 34.)
Die Zielaufklärung erstreckt sich auf alles, was für die artilleristische Bekämpfung des
Gegners zu wissen notwendig ist: Truppen, Artillerie- und Infanteriestellungen, Verlauf von
Schützen-, Verbindungs- und Kabelgräben, Hindernisse, Unterstände, Maschinengewehre,
Minenwerfer, Geschütze, Gefechtsstandpunkte, Beobachter, Sammelpunkte von Reserven,
Anmarschwege, Bahnen usw.
Zur Zielaufklärung dienen Beobachter, Flieger und Fesselballone, Artilleriemeßzüge.
Enges Zusammenarbeiten aller Erkundungsorgane ist erforderlich.
Beobachtungen der Infanterie sind oft sehr wertvoll.
Beobachter in der vordersten Linie sind nicht verläßlich. Sie sind aber für besondere
Zwecke und für das Begleiten der Infanterie beim Fortschreiten des Angriffes nicht zu
entbehren. In der Hauptsache muß aber die Beobachtung sich auf weiter rückwärts gelegene
Beobachtungspunkte stützen.
Räumliche Trennung der Beobachter und Vermeidung ihrer Anhäufung auf besonders
günstigen Punkten ist geboten.
Artillerie-Verbindungsoffiziere (Punkt 29 und 37) die mit allen Mitteln die Verbindung
mit ihrer Waffe aufzunehmen haben und hiefür entsprechend auszustatten sind, sind den
Infanterie-Verbänden frühzeitig zum gegenseitigen Einleben zuzuteilen; sie begleiten den
Angriff bei der stürmenden Infanterie. Ihre Tätigkeit ist von entscheidender Bedeutung für
das Zusammenwirken der Waffen. Taktische Vorbildung und volles gegenseitiges Vertrauen
sind unerläßlich.
65. Die Feuervorbereitung für den Angriff wird verschieden sein; sie ist abhängig von der
Gestaltung des Angriffsgeländes, vom Umfang des beabsichtigten Angriffs, von der Stärke
der feindlichen Abwehrmittel und vom Grad der erstrebten Ueberraschung.
Vorbedingung für erfolgreiche Wirkung des Artilleriefeuers und damit des Angriffs ist
ein genaues Einschießen aller, insbesondere der am Sturmreifschießen beteiligten Batterien.
Es ist zu erreichen und muß erreicht werden, daß das Artilleriefeuer mit der Sicherheit eines
Uhrwerks abläuft.
Jede Batterie schießt sich auf jedes ihrer Ziele ein, auch auf die beim Vorverlegen des
Feuers ihr zufallenden. Am besten wird dies durch einen Sonderbefehl geregelt, der das Ein
schießen zeitlich und räumlich auf die Batterien verteilt, so daß gegenseitige Störungen
ausgeschlossen sind.
Das Einschießen der Minenwerfer erfolgt zweckmäßig erst am Angriffstage, da sie sich
durch ihren Abschuß sonst vorzeitig verraten und der Vernichtung aussetzen, auch ihr
zahlreiches Auftreten dem Gegner die Angriffsabsichten enthüllt. Dem Einschießen hat in
diesem Falle das Wirkungsfeuer unmittelbar zu folgen.
Das Einschießen ist nach Zeit und Zielteil genau mit der Artillerie zu regeln. Zum
Einschießen sind alle Mittel der Beobachtung aufs sorgfältigste auszunutzen. Nachprüfung
der Lage der Schüsse unter Berücksichtigung der Tageseinflüsse unmittelbar vor dem
Wirkungsschießen ist erwünscht.
66. Das Sturmreifschießen erfolgt im allgemeinen bei Tage. Auf volle Wirkung
nächtlichen Zerstörungsschießens ist keinesfalls zu rechnen.
Richtiges Schießen ist wertvoller als zu schnelles Schießen. (Vgl. jedoch Punkt 67.)
Die beste Wirkung ergibt im allgemeinen ein ruhiges, nach Möglichkeit beobachtetes
Feuer. Das Einlegen höchster Feuersteigerung von Zeit zu Zeit ist aber notwendig, um den
Gegner zu täuschen, den moralischen Eindruck zu steigern und die Wirkung zu
beschleunigen. Unter allen Umständen muß Ueberanstrengung von Material und
Mannschaften vermieden werden. Berücksichtigung der sich während des Schießens
ändernden Tageseinflüsse ist erforderlich.
Feuerpausen dienen zur Täuschung des Gegners über den Zeitpunkt des Sturmes, zur
Erholung der eigenen Mannschaft, Nachsehen des Materials und geben der Beobachtung
Gelegenheit, die bisherige Wirkung des Schießens zu prüfen.
Schlagartiges Wiedereinsetzen des Feuers kann dem Gegner empfindliche Verluste
zufügen.
Rücksichten auf moralische Wirkung werden auch stets zu einer Bevorzugung
flankierenden Feuers führen.
Das Vorverlegen des Feuers in derselben Weise wie später beim wirklichen Angriff ist
häufig ein gutes Mittel, um den Gegner den Augenblick des wirklichen Angriffes zu
verschleiern.
Jedenfalls darf nichts in dem Verhalten der Artillerie den Gegner auf den Augenblick des
Sturmes aufmerksam machen, da eine auch nur kurze Verzögerung im Einsetzen des
feindlichen Sperrfeuers ein großer Gewinn ist. Allgemein wird unregelmäßiger Wechsel des
Feuers nach Zeit, Raum und Feuergeschwindigkeit dieser Absicht am besten dienen. Der
Wechsel ist durch den Feuerbefehl zu regeln.
67. Soweit es unter Berücksichtigung der in Punkt 66 angegebenen Gesichtspunkte irgend
angängig ist, ist die gesamte als Feuervorbereitung erstrebte Wirkung zeitlich und räumlich
zusammenzudrängen, um Ueberraschung und moralische Wirkung zu steigern.
Unter Umständen sind wichtige Einzelziele schon vor Beginn des eigentlichen
Vorbereitungsfeuers im Zerstörungsfeuer zu zerstören. Die artilleristische Vorbereitung kann
sich dann ausnahmsweise auf mehrere Tage ausdehnen. Das Sturmreifschießen selbst wird
von wenigen Minuten bis höchstens zur Dauer von einigen Stunden verlängert
werden dürfen. Mehrtägiges Sturmreifschießen ist nicht anzuwenden.
68. Die Verwendung von auf nahe Entfernung direkt feuernden Batterien beim Angriff ist
außerordentlich wirkungsvoll. Solche Batterien werden zweckmäßig völlig verdeckt
bereitgestellt und eröffnen das Feuer erst kurz vor dem Angriff oder auch nach dem Antreten
der Infanterie.
Bei Angriffen von größerer Tiefe begleiten außerdem Infanteriebegleitbatterien,
Feldbatterien, einzelne Geschütze und Minenwerfer, die den Infanterieregimentern
unterstellt werden, den Angriff. Diese Kampfmittel müssen bespannt (verlastet) zur
Verfügung der Infanterieregimentskommandanten bereit stehen. Sie sollen
Widerstandsnester, Flankierungsanlagen Maschinengewehre, Tanks auf nahe Entfernung mit
direktem Schuß bekämpfen und gegen feindliche Gegenstöße wirken. Diese Batterien
müssen mit der Infanterie durch gemeinsame Uebungen gut eingespielt sein. Es empfiehlt
sich, jedes Geschütz dieser Batterien von vornherein mit Munitionswagen
(Munitionstragtieren) auszustatten, da es hier besonders nicht auf die Zahl der Geschütze,
sondern auf den Munitionsersatz ankommt.
69. Im Verlaufe des Angriffs frei werdende Batterien übernehmen die Bekämpfung
lästiger feindlicher Batterien oder halten sich zur Abwehr von Gegenstößen und zur
Bekämpfung von Augenb1 ickszielen bereit.
70. Die Tiefe des Angriffs ist durch die Reichweite der Masse der in Stellung
befindlichen Artillerie begrenzt. (Punkt 60.)
Bei Angriffen, die sich den Durchbruch zum Ziel setzen, muß daher für das Vorziehen
der gesamten beweglichen Artillerie und MW. samt genügender Munition Vorsorge
getroffen werden. Dies ist eine der wesentlichsten Grundlagen für den Erfolg. Die
ausreichende Dotierung mit Verbindungsmitteln ist wichtig. Geschickte und
vorausschauende Verwendung der Verbindungsmittel, muß die Artillerie in die Lage
versetzen, auch in schwierigen Verhältnissen die Verbindungen innerhalb der Artillerie
sowie zur Infanterie und zu den Luftstreitkräften aufrechtzuerhalten.
71. Soll das Angriffsziel dauernd gehalten werden, so ist die artil1eristische Abwehr
ehemöglichst einzurichten.
Dasselbe gilt für die in den einzelnen Phasen der Durchbruchsschlacht erreichten Ziele.
Mit feindlichen Gegenangriffen muß immer gerechnet werden. (Punkt 49.)
72. Der Munitionsverbrauch während größerer Angriffe ist ganz außerordentlich hoch.
Munition darf bei der Vorbereitung des Angriffes nicht gespart werden. Da aber die
Vorbereitungen um so umfangreicher werden und daher die Ueberraschung um so mehr
gefährdet wird, je mehr Munition bereitgelegt wird, so ist jedes Uebermaß zu vermeiden.
Jede Batterie muß vor Beginn des Angriffs über die für den ganzen Angriff erforderliche
Munition verfügen. Deckung etwaiger Ausfälle ist zu berücksichtigen.
Der Munitions- und Materialersatz der Artillerie ist Sache der Truppenführung. Die
Bedarfsmenge muß bei dem großen Verbrauch rechtzeitig vorgesehen, bereitgestellt und
vorgeführt werden. (Punkt 14.) An dieser Arbeit ist der Generalstabschef mitverantwortlich.
Der verläßliche Ersatz der verbrauchten Munitionsmenge ist nicht allein von den
rückwärtigen Munitionsreserven, sondern vornehmlich von den verfügbaren
Transportmitteln abhängig, die gerade zu dieser Zeit auch für andere Zwecke stark benötigt
werden. In diesem Belange muß sich die Truppenführung klar werden, wie weit ihre
Transportmittel (Autokolonnen, Staffel, Feld- und Rollbahn, Seilbahn) zum Heranführen der
Munition bis an den Verwendungsort nach Ausmaß, Wegverhältnissen, Kräftezustand der
Pferde ausreichen und welche Zeit benötigt wird. Trotzdem bleibt die Munitionsversorgung
eine um so schwierigere Aufgabe, je weiter der Angriff vordringt. Haushalten am richtigen
Fleck ist daher Notwendigkeit. Fehler in dieser Beziehung bringen den Angriff frühzeitig
zum Stehen.
73. Während des Angriffs sind alle Stäbe bis einschl. Bataillon bzw. Abteilung mit
Meldereitern und berittenen Erkundern auszustatten. — Je mehr der Angriff zum
Bewegungskrieg übergeht, desto mehr Kavallerie muß den Verbänden für den Aufklärungs-
und Meldedienst zugewiesen werden.
Die im Aufklärungsdienste, im Angriff und bei der Verfolgung eingesetzte Kavallerie
wird ihre Aufgabe in der Regel mit dem Karabiner lösen müssen. Maschinengewehre,
Artillerie sind auch für sie unentbehrlich.
74. Einheitliches, unter zielbewußte Leitung gestelltes Ansetzen der technischen
Arbeitskräfte, konsequente Durchführung der Arbeiten sind für den Erfolg unerläßlich.
Die Dotierung der höheren Kommandos mit technischen Organe und technischen
Formationen muß von Anfang an eine ausreichende sein. Nachträgliche, unter dem Druck
der Verhältnisse erfolgende Zuweisungen kommen meist zu spät. (Punkt 14.)
Gründliche Orientierung aller technischen Organe ist Voraussetzung für gute Arbeit.
75. Die technische Aufklärung muß frühzeitig einsetzen. Besonders die Flugaufklärung
muß im Bilde Nachricht über alle technischen Einrichtungen des, Feindes bringen
(rückwärtige Stellungen, Kommunikationen, Brücken usw.).
76. Jede Arbeit braucht eine Mindestzeit, die auch durch Masseneinsatz von Arbeitskraft
nicht her abzudrücken ist.
Die technischen Formationen sollen nur zu solchen Arbeiten herangezogen werden, zu
denen sie infolge Ausbildung oder bisheriger Verwendung befähigt sind.
Haushalten mit den technischen Truppen ist bei ihrer geringen Zahl besonders geboten.
Ihr Einsatz zu Arbeiten, die auch die Infanterie leisten kann, oder zum Kampfe ist nur in
kritischen Lagen gerechtfertigt.
Die Vorarbeiten für einen Angriff können nicht früh genug begonnen werden. Die erste
und dringendste Aufgabe wird stets der Ausbau des Wegnetzes sein. Das Gelingen und die
Reichweite eines Angriffes hängen auch davon ab, wie das Kommunikationsnetz vor Antritt
der Bewegung ausgestaltet wurde und mit welcher Raschheit dessen Ausbau dem Angriff
folgen kann.
Zur Zeit der Vorbereitungen treten Bauten aller Arten, wie Unterkunfts- und
Spitalsbaracken, Depots für Munitions-, Verpflegs- und technisches Material, in den
Vordergrund.
Der Massenverkehr auf allen Kommunikationen erfordert auch erhöhte Maßnahmen für
die Instandhaltung. An jeder Nachschublinie, deren Verlängerung oder Herrichtung in
Betracht kommt, sind geschlossene, einheitlich geleitete Arbeitsgruppen bereitzustellen.
Dem großen Bedarf an technischem Material ist durch Anlage von Depots nahe der Front
vorzusehen.
77. Ohne Verbindungen ist eine gute Führung unmöglich.
Führung und Truppe müssen jederzeit in der Lage sein, auf irgend eine Art rasch, und
sicher miteinander verkehren zu können. (Vgl. Punkt 36.)
Die Bearbeitung aller der den Verbindungsdienst umfassenden Maßnahmen erfolgt unter
Verantwortung des Generalstabschefs.
Ein leistungsfähiges Telephonnetz ist schon Vorbedingung für die Leitung der
Vorbereitungen.
Auch während des Angriffes selbst muß getrachtet werden, die telephonische
Verbindung möglichst aufrecht zu erhalten.
Bei starker artilleristischer Gegenwirkung des Feindes sowie bei unsachgemäßer Anlage
der Leitungen sind Störungen häufig.
Oft gewährleisten daher die leicht beweglichen drahtlosen Mittel (Radio, Erdtelegraph,
optische Signalmittel) sowie Meldehunde, Brieftauben, Meldegänger und Meldereiter
schnellere Verbindung als das Telephon.
Niemals darf man sich auf ein Verbindungs-mittel allein verlegen. Erst der gleichzeitige
Einsatz verschiedener Mittel ermöglicht verläßliches, dauerndes Aufrechterhalten der
Verbindungen.
78. Die Telegraphenoffiziere müssen über die Absichten der Truppenführung, namentlich
aber Zeitpunkt und Ziel des Angriffes, frühzeitig orientiert und während der Operationen
dauernd auf dem laufenden erhalten werden.
Die Verbindungsformationen können den schnell wechselnden Aufgaben im Angriffe nur
dann gerecht werden, wenn sie vorausschauend und selbsttätig im. Rahmen des Ganzen
arbeiten und sich selbst über die Gefechtslage und die Bedürfnisse von Truppe und Führung
unterrichtet halten.
Die Telegraphenoffiziere sind verpflichtet, bei Aenderung der Lage ihren Kommandanten
(Generalstabschef) Vorschläge betreffs der Verbindungen zu erstatten.
79. Durch schärfste Handhabung der Betriebsdisziplin auf dem Gebiete des gesamten
Verbindungswesens, namentlich im Telephon- und Radioverkehr, muß die Geheimhaltung
der Absichten gesichert werden.
Oft wird es notwendig sein, den gesamten Telephon- und Radioverkehr in der vorderen
Zone des Angriffsraumes nur dann zu gestatten, wenn es die Gefechtsverhältnisse unbedingt
erfordern (z. B. im Falle eines feindlichen Angriffes).
Während der Vorbereitungen muß eine erhöhte Kontrolle des Betriebes der
Verbindungsmittel einsetzen.
80. Die Befehlsverhältnisse auf dem Gebiete des Verbindungswesens in den einzelnen
Zeitabschnitten des Angriffes, die Uebernahme und Uebergabe von Netzen sowie die
Aufgaben der einzelnen Telegraphenformationen müssen durch klare Befehle geregelt sein.
Die Bedeutung der Leuchtzeichen muß allen Leuten eingeschärft werden.
81. Schulung der Telegraphentruppe für den Angriff, Uebungen mit den verschiedenen
Waffen sind nötig.
82. Wird ein Verband abgelöst, so kann die Ablösung seines Telegraphenpersonals und
Materials in der Regel, nur allmählich erfolgen; es tritt daher zunächst unter das Kommando
des ablösenden Verbandes.
83. Der Flieger ist ein für die Führung unentbehrliches Hilfsmittel. Eine gut geleitete,
schneidige Fliegertruppe wird den anderen Waffen viel Blut ersparen.
Jeder Führer, dein Flieger untersteht sind, muß Eigenart und Leistungsfähigkeit dieser
Waffe können.
84. Die F1iegerfernaufk1ärung bildet eine der wesentlichsten Grundlagen für die
Entschlüsse der höheren Führer.
Der Infanterieflieger ist das beste Organ, um Führung und Artillerie über den Stand des
Infanteriekampfes zu unterrichten. In niedriger Höhe fliegend, hat er die Lage der eigenen
Infanterie festzustellen, ihre Wünsche und Nachrichten entgegenzunehmen, den Feind zu
beobachten.
Die Unterscheidung der eigenen und feindlichen Linie ist für den Flieger sehr schwer.
Eine gute Kenntlichmachung der eigenen Linien für den Infanterieflieger ist daher
unerläßlich.
Wiederholte persönliche Aussprache zwischen Beobachter und Infanterieführer ist
notwendig.
Von der Tätigkeit des Artilleriefliegers ist die Tätigkeit der Artillerie, wesentlich
abhängig, soll die Artillerie nicht in vielen Fällen ins Streuen verfallen,
Jagdflieger sollen durch Bekämpfung der feindlichen Flieger den eigenen
Arbeitsflugzeugen. den Weg bahnen, den Artillerieflieger schützen und feindliche Flugzeuge
an der Ausübung ihrer Tätigkeit hindern.
Bombenabwürfe, Maschinengewehrangriffe auf die feindliche Infanterie und Artillerie
und hinter die Front, Aussetzen von Zerstörungspatrouillen vervollständigen die
Verwendungsmöglichkeiten des Flugzeuges.
85. Der Flugplatz der einzelnen Fliegerkompagnien ist innlichst in der Nähe ihres
unmittelbar vorgesetzten Kommandos zu wählen.
Ein Teil der Luftstreitkräfte muß dem Vormarsch unmittelbar folgen können. Geregelter
Nachschub an Betriebsmitteln ist notwendig.

Einrichtung des Angriffsraumes.

86. Je umfangreicher die Angriffshandlung ist, umsomehr sind sorgfältiges Instandhalten


und Verteilen der Straßen- und Bahnverbindungen und gleichmäßiges Ansetzen starker
Kräfte und Mittel für die Versorgung und für Arbeit aller Art die Voraussetzung
entscheidender Ergebnisse. Bei Versagen des Nachschubes, namentlich der
Munitionsversorgung, sind Rückschläge, die den Erfolg der ganzen Operation in Frage
stellen, unvermeidlich. (Vgl. Punkt 72.)
87. Die Nachschubslinien (Vollbahnen, Straßen, Feld-, Roll-, Kraftwagen-, Seilbahnen)
müssen den Anforderungen eines aufs höchste gesteigerten Verkehrs entsprechen.
Ergänzung des Betriebspersonals und der Betriebsmittel, Erweiterung bestehender Anlagen
wird meist notwendig sein. An den Eisenbahnendpunkten und Entladebahnhöfen sowie allen
Umschlagplätzen überhaupt muß für umfassende Auslade- und Umlade-Möglichkeiten
vorgesorgt sein. Hierzu und zur Ausgabe an die Depots sind Arbeitskräfte in genügender
Zahl bereitzustellen. Die Zu- und Abfahrt bei allen Depots bedarf sorgfältiger Regelung. Die
Organisierung des Entladedienstes ist besonders wichtig.
In dem näher an der Front gelegenen Gebiet ist eine peinlich genaue Verkehrsregulierung
unerläßlich. Das Festlegen und Bezeichnen von Ausweichstellen an schmalen Straßen, von
Umgehungswegen um Ortschaften, das Anbringen deutlicher Wegweiser ist Vorbedingung
für eine glatte Abwickelung des Verkehrs. Oft wird die Festsetzung nötig werden, daß
bestimmte Straßenstrecken nur in einer Richtung benutzt werden oder die Gegenfahrten nur
zu bestimmten Zeiten erfolgen dürfen.
88. Der Bedarf einer zum Angriff eingesetzten Division an Staffeln und Autokolonnen ist
wesentlich abhängig von den Wegeverhältnissen, dem Zustand der Pferde und dem Ziel des
Angriffs. Nach Bedarf sind Brückentrains zuzuweisen. (Vgl. Punkt 17.)
Die Ausstattung mit Arbeitskräften und Etappentruppen muß reichlich bemessen werden,
da die kämpfende Truppe von allen Abkommandierungen befreit werden muß.
89. Bei tiefen Angriffen ist möglichst jeder Division vorderer Linie eine durchgehende
Straßen strecke bis tief in den Feind zuzuweisen, auf der sie die Verantwortung für
geordneten Verkehr trägt. Das reibungslose Nachziehen ihrer Artillerie und der Kolonnen
kann nicht eingehend genug vorbereitet sein.
Die gesamte Nachschubsdirigierung auf einer Nachschubslinie muß in eine Hand gelegt
werden.
Oft ist das Erkunden und Abstecken von Kolonnenwegen notwendig.
Eine Ueberlastung der Straßen besonders an Engen, Brücken usw., führt zur Stockung
des Verkehrs und damit leicht zum Versagen des Nachschubs. Es ist daher strenge dar auf zu
achten, daß nichts nur Unentbehrliches vorgeführt werde.
Gute An- und Abmarschwege zu den Brücken sind von besonderer Bedeutung.
Die sorgfältige Einrichtung der Hauptnachschubslinien für Unterkunft, Verpflegung und
ärztliche Behandlung der durchziehenden Formationen ist notwendig und einheitlich zu
regeln.
90. Zum Anschluß des eigenen Straßen- und Bahnnetzes an das feindliche sind
rechtzeitig die notwendigen Baukräfte und Baumaterialien möglichst weit vorne
bereitzustellen. Zur Inbetriebnahme der Bahnen muß für die erforderlichen Betriebskräfte
und Betriebsmaterialien vorgesorgt werden; Schienenautos und zerlegbare Loris müssen zur
Ueberbrückung von Bahnunterbrechungen verfügbar sein. Wo notwendig, sind Feld-, Roll-
und Seilbahnen für einen weiteren Einbau bereit zu legen. Zur Sicherung der Bahnen müssen
die erforderlichen Eisenbahnsicherungstruppen bereit gehalten werden.
Material für Straßen- und Brückenbau ist, gegen Fliegersicht gedeckt, frühzeitig, weit
vorne niederzulegen.
91. Vor, während und nach einem großen Angriff sind durchgreifende polizeiliche
Anordnungen der Korpskommandos und Divisionen zur Regelung des Verkehrs hinter der
Front und zur Ueberwachung Versprengter notwendig. Für beide Zwecke ist eine erhebliche
Verstärkung der Gendarmerie, die mit besonderen, allgemein bekannt gegebenen Abzeichen
zu versehen ist, notwendig.
Die Straßen sind der Aufsicht energischer Etappenlinienkommandanten zu unterstellen,
die für das Aufrechterhalten des Verkehrs und scharfer Straßendisziplin (namentlich an
Engen, Brücken, Straßenkreuzungen, in Ortschaften) ausreichenden. Unterpersonals
bedürfen. Berittene Offiziere, sowie Radfahrer-Formationen sind hierfür besonders geeignet.
Die Etappenlinienkommandanten erhalten fallweise oder täglich die Anweisung für die
Regelung des Verkehrs von jenem Kommando, dem sie unterstehen. (Marchtableau, vgl.
Punkt 149.) Sie bestimmen auf Grund der Weisungen, welcher Kolonne der Vorrang beim
Marsche zukommt und sehen unerbittlich darauf, daß die Straße nur in einer Kolonne
benützt wird. Sie verhindern auch das Halten von Kolonnen auf der Straße und bringen diese
zum Halten abseits der Straße. Ihre Tätigkeit umfaßt die ganze Straßenpolizei. Vielfach wird
rücksichtsloses Eingreifen in die Anordnungen mangelhaft unterrichteter
Kolonnenkommandanten notwendig sein.
Gelegentlich sind auch besondere Truppenabteilungen zum Räumen verstopfter Wege
erforderlich,
Nach Einbruch der Dunkelheit muß die Aufsicht am schärfsten sein.
Auch die Kolonnenkommandanten, die mit einer genügenden Anzahl von Reitern zur
Verbindung nach vorn auszustatten sind, haben dafür zu sorgen, daß nirgends, auch nur
vorübergehend, Stockungen eintreten. Haltende Kolonnen müssen die Straßen frei machen
und Straßenengen räumen.
Die festen Straßen sind in erster Linie den Fahrzeugen zuzuweisen.
92. Zur Ueberwachung einzelner von vorn zurückkommender Mannschaften empfiehlt
sich die Einrichtung bewachter S p e r r 1 i n i e n (zunächst am besten entlang vorhandener
Hindernislinien), die mit fortschreitendem Vormarsch vorverlegt werden. Die in den
genommenen feindlichen Stellungen befindlichen Unterstände, Keller, Gehöfte, usw. sind
wiederholt nach Versprengten zu durchsuchen. Einrichten von Versprengten -Sammelstellen
Und Auskunftsstellen ist erforderlich. (Funkt 47.)
93. Die Ausstattung mit Verpflegung von Mann und Pferd ist von Fall zu Fall zu regeln.
Große erbeutete Verpflegsvorräte sind sofort unter Bewachung zu stellen und der
Allgemeinheit durch ordnungsmäßige Fassungen nutzbar zu machen.
Die Truppe selbst hat mit „Beutemachen" nichts zu tun.
94. Die Evakuierung der eingesetzten mobilen und stabilen Sanitätsanstalten,
Erweiterung ihrer Belagsfähigkeit, Heranziehen von verfügbaren Sanitätsformationen,
Sanitätsmaterial und Sanitätspersonal, dann von Sanitätsautokolonnen ist je nach Umfang
des Angriffes einzuleiten. Alle Kommandos sind anzuweisen, daß alle leer zurückfahrenden
Trains (Feldbahnzüge usw.) in erster Linie Verwundete mitzunehmen haben.
95. Vom Gefangenentransport und vom Aufräumen des S c h 1 a c h t f e 1 d e s ist die
Truppe zu entlasten. Für ersteren sind verfügbare Schwadronen oder Etappentruppen, für
letzteres Etappentruppen rechtzeitig den Divisionen zuzuweisen. Meist werden Teile der
Gefangenen gleich bei dringenden Arbeiten eingeteilt werden müssen. (Arbeiten an
Kommunikationen auf Umschlagplätzen)

C) Ergänzende Bestimmungen für den Angriff aus der Dauerstellung


heraus.
96. Sowohl beim Angriff mit begrenztem Ziel als beim Durchbruch liegt die
Hauptgewähr des Gelingens und die Haupttätigkeit der Führung in der richtigen und
gründlichen Vorbereitung. Diese umfaßt:
a) Zurechtlegung des Planes.
b) Ergänzung des Verbindungsnetzes, Ausbau aller nötigen Kommunikationen,
Unterkunftsbauten.
Genau erwogene Marschtableaux für die Märsche zu und von der Front während der oft
wochenlangen Vorbereitungen.
c) Heranschaffung der Artillerie, der Minenwerfer und der Munition.
d) In Stellungbringen der Artillerie, der Minenwerfer, der Munition.
e) Bereitstellung sonstiger materieller Versorgung (Verpflegung, technisches Material,
sanitäre Vorsorgen).
f) Instellunggehen der Angriffsinfanterie.
Die Vorbereitung obliegt jenem Kommando, das mit der Durchführung des Angriffes
betraut wurde. (Punkt 140.)
Die Vorbereitungen müssen besonders gründlich getroffen werden, die Ausbildung muß
ein genaues Einüben sein. Die Truppe kennt hiefür das Wort: Ballett.
97. Der Kommandant entwirft mit Unterstützung seines Artilleriekommandanten den
Angriffsplan im großen und fordert auf Grund dieses Planes Angriffstruppen, Artillerie,
Minenwerfer, technische und sonstige Formationen an.
Die frühzeitige Feststellung dieses Bedarfes ist besonders bei großen Aktionen wichtig,
weil erst auf Grund dieser Anforderung der geregelte Antransport vorbereitet werden kann.
Bei der Zusammenstellung des Planes ist zu beachten, daß er für. einen Angriff mit
begrenztem Ziel darin auslaufen muß, das Ziel in einem Zuge zu erreichen. Daher muß der
Plan bis zu diesem Momente im Detail durchgearbeitet sein und auch die Maßnahmen für
die Sicherung des Errungenen gegen feindliche Gegenangriffe enthalten.
Bei einem Durchbruch ist das zunächst zu erreichende Ziel derart zu wählen, daß mit der
Erreichung dieses Zieles jeder vorbereitete Widerstand des Feindes ausgeschaltet ist. Dieses
Ziel muß in einem Zuge, Vordringen bei Tag und Nacht, erreicht werden und zwar so rasch,
daß dem Gegner keine Gelegenheit mehr geboten wird, in einer vorbereiteten Stellung
Widerstand zu leisten. Der Plan muß daher bis zu diesem Augenblick genau durchdacht
sein ; aber auch über die weitere Ausnützung des Erfolges muß sich die Führung klar
werden.
Unter diesen Verhältnissen maß die Befehlgebung so erfolgen, daß die Unterführer bei
kleinen Unternehmungen bis zur Erreichung des Endzieles; bei großen Angriffen bis zum
ersten vorläufigen Ziel bis in die Einzelheiten orientiert sind, für die beabsichtigte
Weiterführung der Operationen aber klare Direktiven erhalten, um auch bei Versagen der
Verbindungen im Sinne des Ganzen arbeiten zu können.
98. Auch an ruhigen Kampffronten muß jede Gelegenheit benützt werden, um Angriff
und Bewegungskrieg zu üben.. Bei dem Einerlei des Stellungskrieges bringen diese
Uebungen eine erwünschte Abwechslung und wirken erziehend auf Führung und Truppe.
Vor Angriffshandlungen ist die theoretische und praktische Schulung der der
betreffenden Truppe zufallenden Aufgabe nachdrücklich zu betreiben.
Diese Schulung kann in Ruhe nur hinter der Front in exerziermäßiger, systematischer
Ausbildung bei guter Unterkunft und Verpflegung erfolgen.
Die Infanterie muß in der Vorbereitungszeit durch Artillerie- und
Minenwerferkommandanten unterrichtet werden, wie die Feuervorbereitung in den einzelnen
Zeiten gedacht ist. Vorträge hierüber fördern das Zusammenwirken der Waffen, flößen der
Infanterie Vertrauen ein, geben ihr Unterlagen für ihre Beobachtungen und Meldungen
während der Feuervorbereitung und bewahren vor falschen Erwartungen.
Dem Angriff muß also auch für die Truppe eine ausreichende Vorbereitungszeit
vorangehen.
99. Die Ueberraschung des Gegners muß beim Angriff im Stellungskriege besonders
angestrebt werden.
Zu den im Punkte 15 angeführten Maßnahmen treten noch folgende hinzu :
Geheimhaltung der Angriffsabsicht auch gegenüber der eigenen Truppe. Die
Angriffsabsicht darf nur jenen Stellen im nötigen Umfang zur Kenntnis kommen, die
unbedingt davon wissen müssen. Es kann zweckmäßig sein, die Vorbereitungen als
Maßnahme gegen einen bevorstehenden feindlichen Angriff zu bezeichnen. Die
Geheimhaltung gegenüber der eigenen Truppe darf aber nicht dazu führen, daß diese
ungenügend oder zu spät über ihre Aufgabe unterrichtet wird.
Für alle Vorbereitungen zum Angriff sind unauffällige Decknamen zu benützen. Schlecht
gewählte Decknamen sind wertlos.
Frühzeitig, jedenfalls mit Beginn der Vorarbeiten muß jeder Telephonverkehr vom
Regimentskommando nach vorwärts radikal gesperrt werden. Ueberwachung dieser Sperre
durch Spetelfstationen ist notwendig. Nur dringende taktische Meldungen dürfen zugelassen
sein.
Besonders der Radioverkehr muß geregelt werden, um nicht durch das Auftreten neuer
Radiostationen die Anwesenheit von Verstärkungstruppen zu verraten. (Vgl. Punkt 79.)
Verbergen aller Vorbereitungen vor feindlicher Luft- und Erdbeobachtung.
Bei Angriffsvorbereitungen, die sich über mehrere Wochen hinziehen, wird es notwendig
sein, alle mit den diesbezüglichen Arbeiten betrauten Offiziere zur Geheimhaltung besonders
zu verpflichten, auf den Angriff bezüglichen Schriftverkehr nur in die Hände von Offizieren
zu legen, Telephongespräche auch auf dem Leitungsnetz der Führung und
Hugheskorrespondenzen in offener Schrift zu verbieten, die zur Mitarbeit herangezogenen
Verwaltungsbehörden zu überwachen und den Briefverkehr durch Stichproben zu prüfen.
Auch der Autoverkehr der zahlreichen erkundenden Stäbe bedarf der Regelung.
Neuanlagen dürfen erst nach ausreichender Deckung gegen Sicht von der Erde und aus
der Luft begonnen werden; das gilt besonders vom Baracken- und Zeltebau sowie von der
Vergrößerung oder Neuanlage von Depots, Parkplätzen, Flughäfen. Neu eingetroffene
Fahrzeugkolonnen sind unter Deckung und nicht etwa regelmäßig und offen aufmarschiert
aufzustellen.
Alle Truppenbewegungen werden zu unsichtigen Tageszeiten oder bei Dunkelheit ohne
Benutzung von Lichtern ausgeführt; bei Nacht aufsteigende Fesselballone haben diese
Maßnahme zu überwachen.
Dem Aufmarsch der Artillerie und der Minenwerfer geht die Munitionsbereitstellung in
den Stellungen voraus; hinter den letzten Fahrzeugen wird es sich empfehlen, durch Eggen
usw. die Wegespuren zu verwischen.
Die Bereitstellung der Infanterie hat meist erst in der letzten Nacht vor dem Angriff zu
erfolgen.
Mit Bekanntwerden der Angriffsabsicht bei der eigenen Truppe sind Patrouillenvorstöße
zu unterlassen, die Sicherungsmaßnahmen zu verschärfen, die Kommandanten der
Feldwachen nur durch Offiziere zu besetzen.

Der Angriff mit begrenztem Ziel.

100. Angriffe mit begrenztem Ziel können zur Verbesserung der Stellung, zur
Besitznahme von Beobachtungspunkten für die Artillerie, zur Entlastung von
Hauptkampffronten, zur Ablenkung und Täuschung des Feindes oder zum Einbringen von
Nachrichten unternommen werden. Falls beabsichtigt ist, das Angriffsziel dauernd zu halten,
muß es für die Verteidigung günstigere Verhältnisse bieten als die Ausgangsstellung. Häufig
wird jedoch der Angriffszweck auch erreicht, wenn früher oder später nach dem Angriff
wieder in die Ausgangsstellung zurückgegangen wird. Begrenzte Angriffe sind in der Regel
in einem Zuge bis zur Erreichung des Angriffsziels durchzuführen.
In der Regel sollen solche Angriffe dem Wunsch oder dem Bedürfnis der Truppe
entspringen. Der Eindruck, den ein Angriff mit begrenztem Ziel bei der Truppe hinterläßt, ist
der Maßstab für die Bewertung des Erfolges. Dies gilt insbesondere für Unternehmungen an
ruhigeren Fronten. Ist nach solch einem Unternehmen das Kraftgefühl und das
Selbstbewußtsein der Truppe gehoben, dann kann man von einem gelungenen Unternehmen
sprechen.
Ist infolge von unnötigen Verlusten, nicht gehörigem Zusammenspiel zwischen Führung
und Truppe oder zwischen den Waffen Mißmut in die Truppe gekommen, so ist das
Unternehmen vollkommen mißlungen, wenn auch alle gesteckten Ziele erreicht wurden.
Bei Angriffen mit begrenztem Ziel überwiegt also das moralische Element.
101. Schon bei den ersten Erwägungen über den Angriff muß eine vorläufige
Bedarfsberechnung über die erforderlichen Mittel für den Angriff, namentlich an Artillerie,
Minenwerfern, Munition und Transportmitteln erfolgen. (Punkt 14 und 97) Können sie nicht
verfügbar gemacht werden, so ist das Angriffsziel zu beschränken oder auf den Angriff zu
verzichten.
Steht der Umfang des Angriffes fest, so erfolgt dann eine genaue Berechnung des
Bedarfes an Truppen aller Waffen, Munition, Arbeitskräften, Ausrüstung und Material aller
Art seitens des Kommandos, das den Angriff zu führen hat.
Die Höchstzahlen sind nur in Fällen angebracht, in denen eine mit Sicherheit stark
ausgebaute und besetzte Front angegriffen wird.
Die Einstellung übertriebener Sicherheitskoeffizienten ist zu unterlassen.
102. Die erforderlichen Angriffsstärken sind abhängig:
a) von der Entfernung des Angriffsziels,
b) von der Stärke der feindlichen Stellung und ihrer Besetzung,
c) von der Möglichkeit und Art der Bereitstellung der Angriffsinfanterie,
d) von der Ausrüstung (z. B. mit MG., Flammenwerfern, Minenwerfern) der eigenen
Infanterie.
Zu a) Je näher das Angriffsziel liegt, desto schwächer kann im allgemeinen die
angreifende Infanterie sein. Beim Durchbruch ist tiefe Gliederung nötig.
Zu b) Die stürmende Infanterie muß, besonders bei tiefen Angriffen, von Anfang an
genügende Kampfkraft besitzen, um unvorhergesehenen feindlichen Widerstand und im
Vorschreiten des Angriffs sich mehr und mehr verstärkende Gegenwirkung brechen zu
können.
Zu c) Die Möglichkeit und Art der Bereitstellung der Angriffsinfanterie und die Auswahl
der Angriffswege sind entscheidend für Anlage und Verlauf des Angriffs. Die
Bereitstellungsplätze sind so zu wählen, daß die bereitgestellten Truppen nach Möglichkeit
dem Artilleriefeuer entzogen sind und daß sich günstige Anmarschwege und
Angriffsrichtungen ergeben.
103. Die größte Bedeutung kommt der zutreffenden Berechnung des Kräfte- und
Munitionsbedarfes der Artillerie und der Min en werf er zu.
Der Bedarf an Geschützen richtet sich nach den von der Artillerie zu lösenden Aufgaben.
(Punkt 125.)
Diese Aufgaben und die zur Verfügung stehende Zeit ergeben die Grundlagen für die
Bestimmung der artilleristischen Mittel.
Für den Munitionsbedarf zur Zerstörung einer Stellung können unter Berücksichtigung
der Feuerschnelligkeit der Geschütze, der Feuerpausen und der Wahrung einer
Beobachtungsmöglichkeit nachstehende Erfahrungssätze als Anhalt dienen:
In etwa 3 Stunden kann sturmreifmachen :
1 Feldhaubitzbatterie eine Grabenlinie von 100 m mit 800 Schuß.
1 15 cm Haubitzbatterie eine Grabenlinie von 150m mit 500 Schuß,
1 30 cm Mörserbatterie eine Grabenlinie von 200 m mit 100 Schuß.
Die für die Zerstörung und Verschüttung erforderliche Munition ist hiebei eingerechnet,
desgleichen jene zur Zerstörung solcher Hindernisse, die nicht weiter als 30 m von den
Gräben entfernt sind.
Zur Zerstörung einer Batterie mit Brisanzfeuer sind etwa 300 15 cm Haubitz- oder 100
Mörserschuß erforderlich.
Für das Niederhalten von Artillerie, für Begleiten des Infanterieangriffes, Abriegeln des
Angriffsraumes und für das Störungsfeuer lassen sich allgemein gültige Zahlen auch als
Anhalt nicht geben. Jedenfalls ist für diese Zwecke reichliche Munition einzusetzen.
Bedarfsberechnung an Gasmunition siehe Teil 14.
Beim Minenwerfer sind für jeden, laufenden Meter der feindlichen Stellung 1 schwere
oder 2 mittlere Minen zu rechnen. Aus der zum Schießen zur Verfügung stehenden Zeit
ergibt sich dann die Zahl der erforderlichen Werfer.
An den Angriffsstellen pflegt nach erfolgtem Angriff eine Zeitlang erhöhte
Kampftätigkeit einzusetzen. Dies muß bei der Berechnung des Bedarfs an Truppen,
Munition und sonstigem Material berücksichtigt werden.
104. Je größer der Angriff, um so früher muß mit den Vorbereitungen begonnen werden.
Alle Vorbereitungen müssen in einer Hand vereinigt sein.
Die Reihenfolge wird in erster Linie von der materiellen Lage abhängen.
Nachstehend aufgeführte Reihenfolge dient als Anhalt, wenn es sich um
Unternehmungen handelt, bei denen Truppen antransportiert werden müssen :
a) Verstärkung der vorhandenen Stäbe,
b) Heranführen von Stäben und Vorkommandos der neu zugewiesenen Angriffstruppen.
c) Ausarbeiten des gesamten Operations- und Versorgungsplanes, Beginn des
Nachschubes (technische Truppen und Baukräfte, Bau- und Feldbahnmaterial aller
Art, Verbindungsmittel, Staffel und Autokolonnen für die Einrichtung des Angriffsraumes).
d) Beginn des materiellen Zuschubes zunächst bei voller Ausnützung aller
Nachschublinien.
e) Eintreffen der neu zugewiesenen Artillerie und Minenwerfer.
f) Eintreffen der neu zugewiesenen Infanterie.
An Einze1heiten sind beim Ausarbeiten des Operationsplanes zu beachten :
a) Regelung der Befehlsgliederung.
b) Gliederung der Artillerie und Minenwerfer, Wahl und Ausbau der Befehls- und
Beobachtungsstellen, der Batterie-und Minenwerferstellungen, Munitionsausstattung.
c) Ergänzung der Verbindungsmittel.
d) Gliederung der Infanterie, Festsetzung der Gefechtsstreifen, Befehlsstellen,
Vormarschwege, Bereitstellungsplätze, Angriffsziele im einzelnen.
e) Bereitstellung von technischem und sonstigem Material in vielen kleinen, weit
vorgeschobenen Depots sowie auf Fahrzeugen; Zuteilung von technischen Truppen zur
Unterstützung der anderen Waffen bei Ueberwindung von Hindernissen und beim Ausbau
der gekommenen Stellung.
f) Verstärken der Luftstreitkräfte (Flieger, Ballone, LFA- Formationen).
g) Herstellung und Ausgabe der Karten,
h) Ausbau der Nachschubslinien, Straßen, Bahnen, Depots usw.
i) Unterbringung, Verpflegung, Wasserversorgung; letztere namentlich unmittelbar nach
dem Angriff.
k) Bereitstellen ausreichender Artilleriematerial Reserven (Geschütze aller Kaliber,
Lafetten, Ersatzteile), vermehrte Einrichtung von Artilleriewerkstätten mit vorgeschobenen
Zweigstellen für Einstellung von Ersatzteilen und Ausführung kleiner Reparaturen.
1) Sanitätsmaßnahmen
m) Bereitstellung von Divisions- und Armeesammelkompagnien.
Die Wichtigkeit aller mit dem Nachschub in Zusammenhang stehenden Vorbereitungen
darf nicht unterschätzt werden.
105. Auf Grund der Pläne der Führung berechnen die Telegraphenoffiziere bei
Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden Zeit den Bedarf an Personal und Material
für
a). den Ausbau des Netzes im Aufmarschraume,
b) den Ausbau der Netze zur Bereitstellung im Angriffsraume,
c) die Durchführung, des Angriffes,
d) Operationen nach dem Angriff.
Hiebei muß bedacht werden, daß man sich bei den Operationen nach dem Angriff mit
bescheideneren Materialmengen begnügen kann und muß als im Stellungskriege.
106. Die neu benötigten Verbindungseinrichtungen sind sobald als möglich in Angriff zu
nehmen und sorgfältig durchzuführen. Diese Arbeiten bilden einen wesentlichen Teil der
Angriffsvorbereitungen.
107. Der Ausbau des Verbindungsnetzes Aufmarschraume muß noch vor Eintreffen der
für den Angriff bestimmten Truppen beendet sein.
Zum Ausbau des Netzes im Versammlungsraum sind besondere Telegraphenformationen
einzusetzen. Die für den Angriff bestimmten Formationen sind hiezu möglichst wenig
heranzuziehen, damit sie ausgeruht und rechtzeitig in den Kampf treten können.
Die Leitung des Ausbaues des Netzes im Versammlungsräume obliegt dem
Telegraphenoffizier jenes höheren Kommandos, das den Aufmarsch zu regeln hat.
Die Telegraphenoffiziere der aufmarschierenden Verbände müssen mit dem
Quartierregulierenden im Aufmarschraume eintreffen, um dort die nötigen Ergänzungen an
den Verbindungen einzuleiten. Jedes eintreffende Kommando muß eine Skizze jener
Verbindungseinrichtungen erhalten, welche für dieses von Interesse sein können.
108. Der Ausbau des Verbindungsnetzes im Angriffsraume obliegt den
Stellungsdivisionen nach dem Weisungen des den Angriff leitenden Kommandos.
Noch vor Bereitstellung der Truppen zum Angriff muß auf Grund der beabsichtigten
Angriffsgruppierung jenes Verbindungsnetz geschaffen sein, welches für die Durchführung
des Angriffes notwendig ist.
Die bestehenden Netze sind planmäßig zu verdichten; weit vorne gelegene,
leistungsfähige Meldesammelstellen müssen eingerichtet werden, an die sich die neuen
Verbindungen bei Fortsetzung des Angriffes anschließen.
Das für den Angriff erforderliche Material ist in weit vorne gelegenen Depots nahe den
voraussichtlichen Verwendungsorten dezentralisiert niederzulegen.
Für den Nachschub von Verbindungsmitteln sind besondere Transportmittel
bereitzuhalten. Die Bereitstellung von leichten. Handwagen zum Transport des Materials
durch das Trichterfeld wird zweckmäßig sein.
109. Die Hauptschwierigkeit bereitet die Ueberbrückung des feindlichen
Stellungssystems mit Verbindungsmitteln.
Klarstellung des gegnerischen Verbindungsnetzes teils zwecks Zerstörung vor dem
Angriff, teils zwecks späterer Ausnützung, eingehendes Studium des Geländes und der Karte
bezüglich Einbaumöglichkeiten der Verbindungsmittel nach gelungenem Angriff sind
erforderlich.
Bei Ausnützung feindlicher Leitungen müssen zum Schutze gegen Abhören besondere
Maßnahmen getroffen werden.
110. In der Zeit nach dem Vorbrechen aus den eigenen Stellungen bis einige Zeit nach
Erreichen des ersten Angriffszieles werden die Formationen für das Verbindungswesen vor
besonders schwierige Aufgaben gestellt. Das auf die vorbrechenden und in die feindlichen
Linien eingedrungenen eigenen Truppen gerichtete feindliche Feuer, die Unachtsamkeit der
Truppen beim Vordringen unterbrechen oft die Verbindungen.
Für diesen Zeitabschnitt des Kampfes mit allen Mitteln vorzuarbeiten und dafür zu
sorgen, daß die Verbindungen auch in dieser kritischen Zeit richtig funktionieren, ist die
Pflicht aller Telegraphenoffiziere.
111. Die Führung des Angriffs übernimmt je nach der Zahl der beteiligten Trappen ein
Korpskommando oder eine Division.
Selbst bei beschränkten Angriffszielen und geringer Stärke der beteiligten Infanterie
empfiehlt sich Führung durch die Division, da sie' allem über die erforderlichen Kräfte und
Mittel zur einheitlichen Gesamtleitung der Kampfhandlung, insbesondere zum
Zusammenfassen und Leiten des Artilleriefeuers und zur Regelung des Zusammenwirkens
der Waffen verfügt.
112. Der Führer des Angriffs prüft die an der Angriffsfront bereits vorhandenen
Ergebnisse der Aufklärung und gibt Weisungen für ihre Ergänzung durch Lichtbild und
sonstige Fliegererkundungen, Beobachtung des feindlichen Telephonverkehrs, eigene
Erkundungsunternehmungen, Ueberläuferaussagen usw. Er sorgt dafür, daß die Aufklärung
durch die Aenderung in der Befehlsgliederung infolge des Einsatzes neuer
Kommandobehörden yor und während dem Angriff keine Unterbrechung oder Störung
erleidet.
In der Vorbereitungszeit kommt es darauf an. Ablösungen und Verstärkungen beim
Feinde, seine täglichen Gewohnheiten, die Stärke, Art und Verteilung der Infanterie, der
Maschinengewehre, der Artillerie, Minenwerfer und der Reserven, die Stellungen des
Feindes bis in alle Einzelheiten, besetzte und unbesetzte Stellungen, Scheinstellungen,
Vormarschwege, Sammelplätze, Fassungsstellen für Munition, Material und Verpflegung,
Nachschubwege, Förderbahnen usw. und die Geländeverhältnisse vor, in und hinter der
feindlichen Front festzulegen. Im einzelnen unscheinbare Beobachtungen geben in ihrem
Zusammenhang oft wertvolle Aufschlüsse. Diese Feststellungen sind die Grundlage der
Angriffsvorbereitungen.
Durch dauernde Nachprüfung auf etwaige Veränderungen wird sich schließlich ein
ziemlich lückenloses Bild der feindlichen Anlagen, Truppen Verteilung und Tätigkeit
ergeben.
Die richtige Bewertung der einzelnen Anlagen nach ihrer Bedeutung für den Feind und für
den Erfolg des Angriffs ist besonders wichtig. Daraus ergibt sich die Zuweisung der
Angriffsziele und Angriffswege im einzelnen und die Zielverteilung für Artillerie und
Minenwerfer.
Besonderes Gewicht ist auf die Feststellung zu legen, ob der Gegner in dem
Angriffsabschnitt auch die vorderen Teile seiner Stellung halten will oder ob er eine
Vorfeldzone eingeschoben hat. Die Klärung dieser Frage wird vor falschem Krafteinsatz
bewahren.
113. Für den Angriff sind gute und übersichtliche, in bezug auf die feindlichen Stellungen
möglichst vervollständigte Karten und Skizzen auszugeben. Artillerie und Flieger müssen
außer etwaigen Sonderkarten auch die von der Infanterie benutzte Karte in der Hand haben.
Es ist damit zu rechnen, daß einzelne Karten in die Hand des Gegners fallen. Deshalb
sind von der eigenen Stellung nur die vordersten Teile aufzunehmen, Angriffsziele,
Gefechtsstreifen, Feuerzonen und sonstige Linien, die auf die eigenen Absichten schließen
lassen, sind nicht einzudrucken. Handschriftliche Eintragung der für sie wichtigsten Linien
durch die Unterführer ist unbedenklich.
Die Zahl der Karten und Skizzen muß bei allen Waffen zur Ausstattung bis mindestens
einschließlich Zugskommandanten ausreichen.
Vorführungen der feindlichen Stellungen und des Angriffsgeländes im Lichtbild auf
Grund von Fliegeraufnahmen erhöhen das Verständnis der Mannschaften für ihre
Kampfaufgaben.
114. Auf Grund der Angriffsabsicht, der zur Verfügung gestellten Mittel und ihrem
Eintreffen sowie dem bisherigen Aufklärungsergebnis ist vom Führer des Angriffes ein
Angriffsentwurf aufzustellen, der in großen Zügen den geplanten Verlauf des Angriffes
festlegt. Insbesondere bedürfen Tätigkeit der Artillerie und Minenwerfer sowie Regelung des
Verbindungswesens und der ganzen Bewegung auf den Zufahrtstraßen von Anfang an
einheitlicher Bearbeitung.
Deshalb wird es sich empfehlen, den mit der Leitung des Artillerieangriffes betrauten
Artilleriekommandanten, falls es nicht ohnehin der bodenständige Artilleriebrigadier ist, mit
seinem Stabe frühzeitig im Angriffsraum eintreffen zu lassen (Studium des
Angriffsentwurfes, Erkundung der feindlichen Stellungen, des eigenen Aufmarsches).
115. Dem bisherigen Artilleriekommandanten im Angriffsabschnitt wird
zweckmäßigerweise die Leitung der Bekämpfung der ihm bekannten feindlichen Artillerie,
den Kommandanten der neueintreffenden Artillerie jene des Sturmreifmachens der
feindlichen Stellung innerhalb des Angriffsstreifens überfragen. Zum Niederhalten der
Anschlußstellungen und zu Täuschungsversuchen sind besondere Artilleriegruppen zu
bilden.
Die bisherigen Artilleriegruppen und Untergruppenkommandanten bleiben im
Abschnitt eingesetzt.
Im übrigen siehe Punkt 60 — 64.
Vorbereitend müssen Batteriestellungen, Beobachtungsstellen. Gefechtsstandpunkte für
die neueintreffende Artillerie hergerichtet und deutlich bezeichnet werden.
116. Die Munitionsversorgung muß sich dem Ausbau des Feld-, Roll- und Seilbahnnetzes
anpassen; eine Erweiterung des Netzes kann in Betracht kommen.
Die Verhältnisse werden bestimmen, ob die Munition direkt in Zwischendepots
geschoben oder vorerst in Hauptdepots niedergelegt werden soll.
Der Transport bis in die Zwischendepots wird einheitlich durch die Führung geleitet.
Vom Zwischendepot bis in die Feuerstellung muß die Truppe den Transport der Munition
übernehmen.
Die gesamte, für den Angriff benötigte Munition muß bei Beginn des Angriffes in den
Feuerstellungen erliegen: (Vgl. Punkt 72.)
Bei den Minenwerfern sind ähnliche Vorbereitungen zu treffen. Den Minenwerfern muß
aber zum Munitionstransport in die Feuerstellung Infanterieaushilfe gegeben werden.
117. Den technischen Truppen fällt hauptsächlich die Anlage von Wegen zu.
Hindernismaterial muß vorbereitet werden.
118. Während der Angriffsvorbereitungen werden nur Artillerie und Minenwerfer sowie
technische Truppen und Telegraphenformationen vorgezogen.
Dem Gegner soll das Einschieben von neuer Verbänden möglichst lange verborgen
bleiben Die Infanterie bleibt daher so lange als möglich in Unterkünften weit hinter der
Front, um in Ruhe auszubilden Ihre Unterkunft im Angriffs ab schnitt für den Zeitpunkt des
Vorziehens muß vorbereitet werden.
Die Schulung der Truppen im Gelände, an Uebungswerken, durch Vorträge,
Besprechungen, Skizzen usw. ist sorgfältig zu regeln. Eine Nachbildung des
Angriffsgeländes in stark verkleinertem Maßstabe (z. B. 1:500) im rückwärtigen Gelände
mit Darstellung der Geländeformen und Bodenbedeckungen kann vorteilhaft sein. (Punkt 9
und 98.)
Die Ausbildung der Truppen ist zuerst in sorgfältiger Kleinarbeit, dann erst in der
Kompagnie und in größeren Verbänden durchzuführen. Die Aufgabe jeder Abteilung muß
genau festgesetzt und geübt werden. Zu den Uebungen der Infanterie sind die Sturmtrupps,
die Kommandanten der besonderen Kampfmittel, der Artillerie und der Minenwerfer
heranzuziehen.
Die Wege der einzelnen Abteilungen sind in Skizzen darzustellen und bis zu den
Sturmtruppkommandanten auszugeben.
Telephonformationen und die bei Lösung der Aufgabe zweckentsprechendsten sonstigen
Verbindungsmittel sowie Trägertrupps für Munition, Verpflegung, Stellungsbau,
Blessiertenträger usw. sind planmäßig einzuteilen. Auch sie müssen den Uebungen
beigezogen werden.
Der Munitionsnachschub der Infanterie, namentlich an gegürteter MG.-Munition ist
besonders wichtig; auch der Munitionsnachschub für die Minenwerfer bedarf besonderer
Regelung.
119. Bei großen Angriffen wird es angezeigt sein, daß die Divisionen auf Grund des
Angriffsentwurfes des Korpskommandos Befehlsentwürfe für den Infanterieangriff, die
Aufstellung und Tätigkeit der Artillerie usw. nach örtlicher Erkundung einreichen.
Hierauf wird der Angriffsbefehl (Punkt 28) ausgegeben, der für die ganze Front das
Verhalten aller Waffen, insbesondere die Zeiten, einheitlich regelt und dadurch dem
gesamten Angriff einen zeitlich und räumlich fest begrenzten Rahmen gibt. Dies ist
notwendig, da auf der ganzen Front alle Waffen auf die Minute genau zusammenarbeiten
müssen.
120. Sehr wichtig ist die richtige Bestimmung des Zeitpunktes des Angriffs; er hängt im
wesentlichen von artilleristischen Gesichtspunkten ab.
Wenn der Gegner über nennenswerte Kampfartillerie verfügt, macht die feindliche
Gegenwirkung während des eigenen Wirkungsschießens ein Einrücken und ein
ordnungsmäßiges Bereitstellen meist unmöglich. Ebenso ist das Einrücken in die
Sturmstellung bei Tage nur in ausnahmsweise günstigem Gelände und bei völliger
Ausschaltung der feindlichen Erd- und Luftbeobachtung möglich; ob das Wetter die
feindliche Luftbeobachtung verhindern wird, ist aber meist nicht vorherzusehen.
Daraus ergibt sich, daß das Einrücken in die Sturmstellung in der Regel in der Nacht vor
dem Angriff erfolgen wird. Es wird um so glatter und sicherer vor sich gehen, je weniger der
Gegner mit einem Angriff rechnet und je schwächer die Sturmtruppen gehalten werden
können.
Braucht die eigene Artillerie also nicht zu lange Zeit für ihr Wirkungsschießen, so ist es
zweckmäßig, mit dem Wirkungsschießen erst am Morgen nach dem Einrücken der Infanterie
zu beginnen und im Laufe des Tages zu stürmen.
Erfordert das Wirkungsschießen der Artillerie ausnahmsweise mehr als einen Tag Zeit, so
bleiben die eigenen Gräben zunächst ganz schwach besetzt. Es muß dann in der Nacht vor
dem Sturm in die Sturmstellung eingerückt werden. Mehr oder minder starkes feindliches
Feuer muß in Kauf genommen werden.
Es könnte danach zweckmäßig erscheinen, an einem Tage das Wirkungsschießen
auszuführen, in der Nacht mit der Infanterie einzurücken und am frühen Morgen zu stürmen.
Die Erfahrung ergibt aber, daß der während des Tages beschossene Gegner trotz nächtlichen
Störungs- und Gasschießens während der Nacht Reserven und namentlich frische MG. in die
Stellung vorzieht, die Stellung notdürftig wieder herstellt und am frühen Morgen besonders
aufmerksam ist. Deshalb muß in der Regel am Sturmtage selbst dem Sturm ein nach den
Tageseinflüssen neu geregeltes und so kräftiges Wirkungsfeuer vorhergehen, daß auch frisch
eingesetzte Kräfte erschüttert werden.
Bei kleinen Angriffen ist neben der Möglichkeit der Bereitstellung die Art der
Einrichtung in der genommenen Stellung für die Angriffszeit maßgebend. Bei kleinen
Angriffen in den Nachmittagsstunden kann die gewonnene Stellung in der Nacht ausgebaut
werden. Sie dürfen aber nicht zu spät angesetzt werden. Für die kräftige Ausnutzung eines
Anfangserfolges ist es dagegen am günstigsten, wenn der erste Sturm in den frühen
Vormittagsstunden erfolgt.
Ganz allgemein gilt jedoch, daß jede zum Schema gewordene Angriffszeit falsch ist. Mit
den Zeiten muß daher gewechselt werden, um den Gegner dauernd in Erwartung eines
Angriffs zu halten. Dies ist bei nicht zu ungünstigen Verhältnissen durchführbar, da gute
Infanterie, für deren reichliche Versorgung mit Konserven und Getränken gesorgt ist, in der
Sturmstellung selbst bei langem Ausharren während des eigenen Wirkungsschießens und der
feindlichen Gegenwirkung angriffskräftig und freudig bleibt.
Die endgültige Festsetzung der Angriffszeit ist wesentlich abhängig von der Witterung
(z. B. bezüglich Verwendung von Gas, Sichtverhältnisse, Beeinflussung der
Artilleriewirkung, Wegsamkeit bei nassem und trockenem Wetter). Der Wetterdienst ist
daher frühzeitig zu Rate zu ziehen.
121. Bei Angriffen mit weitgestecktem Ziel sind für die Unterführer die neuen
Gefechtsstandpunkte, dann die neuen Meldesammelstellen von Anfang an zu bestimmen und
soweit sie noch innerhalb der eigenen Linien liegen, auch auszubauen. (Punkt 108.)
122. Die Bereitstellung wird je nach den örtlichen Verhältnissen dicht aufgeschlossen
oder mehr nach der Tiefe gegliedert vorgenommen. Im ersteren Fall erfolgt das
Auseinanderziehen erst nach dem Antreten. Unter besonders günstigen Umständen kann die
gesamte Bereitstellung vorwärts der feindlichen Sperrfeuerzone dicht zusammengelegt
werden. (Vgl. Punkt 102 c.)
Die Bereitstellung der Angriffsinfanterie ist die Krisis des Angriffs. Beschränkung auf
das Notwendige, Vermeidung zu weitgehender Massierung, die Deckung beim Heranführen
und Bereitstellen erschwert, die Ueberraschung gefährdet und bei Zwischenfällen leicht zu
unnötigen Verlusten, Verwirrung und Panik führt, ist ganz besonders wichtig.
Wird die gesamte Bereitstellung vorwärts der feindlichen Sperrfeuerzone eingenommen,
so muß während des Vorgehens Tiefengliederung nach vorne gewonnen werden. Die
Infanterie verbraucht sich sonst nutzlos schnell.
Durchführung des Angriffes.

123. Bedingung für das Gelingen des Angriffes ist die Einhaltung des ausgegebenen
Planes. Im letzten Augenblick verfügte Aenderungen dringen nicht durch und stören das
geregelte Zusammenarbeiten.
124. Das Einschließen (vgl. Punkt 65) ist an Kampffronten möglichst unauffällig zu
bewerkstelligen. An sonst ruhigen Fronten kann versucht werden, es auf längere Zeit zu
verteilen und als scheinbares Störungsfeuer auszuführen.
Genaue Regelung und schärfste Einflußnahme seitens des leitenden Artilleriekommandanten
ist dann notwendig.
Stehen die eigenen Batterien dazu zu offen und ist ihre Zahl zu groß, so muß das
Einschießen auf möglichst kurze Zeit zusammengedrängt werden, um zu vermeiden, daß der
Gegner den bevorstehenden Angriff vorzeitig erkennt. Das vorherige Einschießen der
Minenwerfer kann oft fast völlig wegfallen. Sollte der Gegner auch bei diesem
beschleunigten Verfahren den beabsichtigten Angriff erkennen, so ist dies im Vergleich zu
einem mangelhaften Einschießen das kleinere Uebel. Eine Irreführung des Gegners durch
Einschießen mit Radiofliegern an anderer Stelle muß immer versucht werden.
(Vgl. Punkt 15.)
Das genaue Einschießen kann durch Erschießen der besonderen Einflüsse, kartenmäßige
Festlegung der Batteriestellungen und der Ziele, rechnerische Ausschaltung der
Tageseinflüsse, Festlegung der Seitenrichtung durch Geschütze der Stellungsartillerie
wesentlich verkürzt werden. Dies bedeutet eine Vereinfachung der für den Feind auffälligen
artilleristischen Vorbereitungen und erleichtert so die Ueberraschung. Abgeschlossene
Erfahrungen hierüber werden noch mitgeteilt werden.
125. Im einzelnen fallen der Artillerie im Zusammenwirken mit den Minenwerfern bei
Angriffen gegen ausgebaute Stellungen folgende Kampfaufgaben zu:
a) Bekämpfung und Niederhalten der feindlichen Artillerie und Minenwerfer,
b) Niederhalten der feindlichen Grabenbesatzung oder Sturmreifschießen der feindlichen
Stellungen,
c) Beschießung der Reserven und rückwärtigen Verbindungen, der Beobachtungs- und
Befehlsstellen, der Parks, der Ballone, des Verkehrs und Munitions-Nachschubs rückwärts
des Angriffsziels,
d) Unterstützen des Infanterieangriffs durch eine vor ihm hergehende Feuerwalze,
e) Begleiten des Infanterieangriffs durch Infanteriebegleitbatterien zum Brechen örtlichen
Widerstandes im direkten Granatschuß auf nahe Entfernung,
f) Schutz der Infanterie durch einen Feuerriegel nach Erreichen des Angriffsziels,
g) Abwehr feindlicher Gegenangriffe, Fernhalten herankommender Reserven.
126. Zur Einleitung eines Angriffs werden in manchen Fällen Minensprengungen
ausgeführt. Erfolgt die Sprengung im Augenblick des Antretens zum Angriff, so kann sie
dem Gegner erheblichen Schaden zufügen. Sprengungen haben ferner starke moralische
Wirkung und erleichtern das erste Vorbrechen. Sie erfordern aber langwierige Vorarbeiten
und bedeutende Arbeitskräfte; ihre Wirkung reicht nicht weit in die Tiefe. Wenn der Gegner
die Arbeiten erkennt, wird er versuchen, durch Einleitung des Minenkriegs den Erfolg in
Frage zu stellen. (Vgl. Teil II der Abschnitte aus der Gefechtslehre "Minenkampf".)
127. Ausschaltung der feindlichen Artillerie (Punkt 125 a), wenigstens während des
ganzen Sturmes selbst, ist eine der wichtigsten artilleristischen Angriffsvorbereitungen. Je
tiefer der Angriff in die feindlichen Stellungen eindringen soll, um so vollkommener und
nachhaltiger muß diese Aufgabe gelöst werden. Eine auffällige Steigerung des gewöhnlichen
Artilleriekampfes vor dem Angriffstag ist im allgemeinen zu vermeiden. Der
Artilleriekommandant nehme hierauf scharfen Einfluß. Der Feind wird sonst vorzeitig
aufmerksam gemacht.
Sind die feindlichen Batterien nicht sehr stark und ist ihre Aufstellung bekannt, so kann
die Bekämpfung jeder einzelnen feindlichen Batterie am Angriffstag mit Brisanzfeuer
bestimmten eigenen Batterien übertragen werden unter Zurückhaltung von Lauerbatterien
für den Kampf gegen neu auftretende feindliche Batterien.
Dieses Verfahren erfordert sehr zahlreiche Artillerie und gute Beobachtung. Eine völlige
Niederkämpfung der feindlichen Artillerie ist damit nicht erreichbar.
Als Angriffsvorbereitung ist der Einzelbekämpfung der feindlichen Artillerie daher das
Massenverfahren durch Vergasung entschieden vorzuziehen. Hierbei ist auf die Betretbarkeit
des vergasten Geländes Rücksicht zu nehmen, Der Eigenart des verwendeten
Gaskampfstoffes ist Rechnung zu tragen. (Vgl. „Gasschießen der Artillerie", Teil XIV. der
Abschnitte aus der Gefechtslehre.) Unter Umständen wird ein Teil der innerhalb des
Angriffszieles stehenden feindlichen Batterien mit Brisanz-Munition beschossen werden.
Außer den zum Gasschießen erforderlichen Batterien werden zur Bekämpfung besonders
störender und neu auftretender Batterien, deren Vergasung nicht gelungen ist, Lauer-
Batterien (mit Gas- oder mit Brisanz-Munition) bereitgehalten. Ist die Vergasung nachts
oder am frühen Morgen, erfolgt und setzt der Angriff erst längere Zeit darauf ein, so ist es
zweckmäßig, die gefährlichsten Batterien des Gegners kurz vor dem Angriff erneut zu
vergasen.
Es wird nur selten vorkommen, daß Vergasung und Sturmreifschießen zeitlich
zusammenfallen. In diesem Falle den Gasbatterien auch Ziele zum Sturmreifschießen
zuzuteilen, ist wegen der großen Anstrengung der Mannschaften und Geschütze zwar nicht
wünschenswert, wird sich aber nur selten ganz vermeiden lassen.
128. Für kleine Unternehmungen hat sich eine Feuervorbereitung von wenigen Minuten
als zweckmäßig erwiesen.
Die Forderung, daß im Augenblick des Sturmes die feindliche Artillerie lahmgelegt und
die feindlichen Verteidigungsanlagen im wesentlichen zerstört sind, kann nur durch
mehrstündige Feuer Vorbereitung erreicht werden.
129. Sturmreifmachen (Punkt 125 b) erfordert Zerstörung der feindlichen Stellungen
(Gräben und Zwischengelände) in möglichster Tiefe, d. i. Einebnen der Gräben, Zerstörung
leichterer Entdeckungen, bei stärkeren Verschüttung der Eingänge, Außergefechtsetzen von
Flankierungsanlagen, Maschinengewehrnestern, Minenwerfern, Zerstörung von
Hindernissen.
Für das Niederhalten der Grabenbesatzung bzw. Sturmreifschießen gelten folgende
Grundsätze:
a) Das ganze Angriffsziel wird in Zielfelder für jede einzelne Batterie eingeteilt. Die
Zielfelder enthalten alle zu zerstörenden Stellungsanlagen, insbesondere Kampf- und
Annäherungsgräben, Unterstände, Hindernisse, Befehlsstellen, Maschinengewehrstände
usw.
Erfahrungssatz für die Größe der Zielfelder ist, daß im Durchschnitt für je etwa 100 m
feindlichen Kampfgrabens eine Steilfeuer-Batterie angesetzt werden muß. Bei allen Gräben
ist Beschießung nach der Länge besonders wirksam. Ist flankierendes Feuer möglich, so
genügen oft Feldkanonen. Schweres und schwerstes Feuer ist gegen die bestausgebauten
Stellungen (Befehlsstellen, Unterstände, Flankierungsanlagen und Maschinengewehrstände)
und gegen die wichtigsten Einbruchpunkte zusammenzufassen. Hier sind die Zielstreifen
unter Umständen schmäler zu machen.
Bei kurzem Sturmreifschießen (1—2 Stunden und weniger) würde die Zerstörung aller
feindlicher Kampfgräben usw. die Verwendung ungezählter Batterien bedingen. Eine völlige
Zerstörung ist aber auch nicht nötig. Man kann sich damit begnügen, die wichtigsten
Anlagen (Flankierungsanlagen, Schnittpunkte von Verkehrsgräben, Hindernisse an den
Stellen, wo der Angreifer durch will usw.) zu zerstören. Je schwächer die Besetzung ist, je
mehr auf Ueberraschung gerechnet werden kann, desto geringer werden die reinen
Zerstörungsaufgaben sein.
Den Minenwerfern sind im allgemeinen die nächstgelegenen Zielfelder zuzuweisen. Ihre
Zerstörungswirkung ist an sich völlig ausreichend. Das Schießen kann wegen der geringeren
Streuungen meist in kürzerer Zeit durchgeführt werden als durch die Artillerie. Wo jedoch
infolge schwieriger Munitionsversorgung und ungünstiger Deckungsverhältnisse Gefahr
besteht, daß die Minenwerfer vorzeitig ausfallen, kann ausnahmsweise Ueberlagerung der
Minenwerferziele durch Artillerie notwendig werden. (Vgl. auch Teil VII „Minenwerfer".)
b) Die Zertrümmerung der Gräben und sonstigen Verteidigungsanlagen allein genügt zum
Sturmreifmachen nicht, da der Gegner, namentlich im Trichterfeld, die feuerarmen Räume
aufsuchen wird. Auch das Zwischengelände muß unter Wirkungsfeuer liegen.
Das nahe um die Gräben liegende Gelände erhält infolge der Streuung der die Gräben
beschießenden Batterien genügend Feuer. Für das hiervon nicht erfaßte Gelände sind
besondere Batterien anzusetzen. Dazu genügen im allgemeinen Feldkanonen.
Auch das Ausweichen nach vorne muß dem Gegner unterbunden werden. Das hierzu
erforderliche Feuer muß bis dicht an die eigenen Gräben heranreichen und wird deshalb
zweckmäßig Minenwerfern und flankierenden Kanonen-Batterien übertragen.
Die Beschießung des Zwischengeländes wird nicht jeden Widerstand darin vernichten
können. Sie soll dem Feinde nur Verluste bringen, ihn niederhalten und moralisch
erschüttern. Sie soll ihm ferner Beobachtung und Verbindung rauben, so daß er schließlich
durch den Augenblick des Infanterieangriffes überrascht, verwirrt und außer Zusammenhang
mit seinem Führer den Entschluß zum spannkräftigen Widerstand nicht findet.
Es wird also, besonders wenn das Vorbereitungsfeuer nur kurz ist, im wesentlichen
moralische Wirkung angestrebt (Punkt 56.) Der Erfolg hängt davon ab, daß die
Angriffsinfanterie die erreichte moralische Wirkung nicht abflauen läßt. Nur selten wird der
Infanterie der Nahkampf völlig erspart werden; dieser wird leichter sein, wenn die Infanterie
rücksichtslos scharf zufaßt und so schnell nachdrängt, daß sie gleichzeitig mit den letzten
eigenen Schüssen vor dem Verteidiger steht. (Vgl. Punkt 46.)
c) Fast stets müssen auch noch Teile der feindlichen Stellung beschossen werden, die
nicht genommen werden sollen, aber dem Angriffsziel so nahe liegen, daß aus ihnen
feuernde Infanterie und Maschinengewehre den Angriff erschweren können. Zu scharfes
Begrenzen des Feuers würde dem Gegner zudem die genaue Breitenausdehnung des
beabsichtigten Angriffs vorher anzeigen und dadurch die Gegenwirkung und das
Bereitstellen zum Gegenangriff erleichtern. Die Feuervorbereitung muß daher breiter sein als
das wirkliche Angriffsziel. (Betr. Täuschung durch Tätigkeit an weiter entfernt liegenden
Stellen vgl. Punkt 15.)
d) Die Vergasung des Angriffszieles kann den Beschuß mit Brisanz-Munition in
wirkungsvoller Weise ergänzen, soweit die Vergasung die eigenen Truppen nicht beim
Vorgehen gefährdet. Ob es möglich ist, das Sturmreifmachen des ganzen Angriffszieles oder
einzelner Teile ausschließlich auf Vergasung zu gründen, bleibt von der Witterung, und von
örtlichen Verhältnissen abhängig und ist im Einzelfall zu entscheiden.
Auf die Verwendung der Gasminen und der Gaswerfer an der Angriffsstelle selbst oder
zur Ablenkung an anderer Stelle wird ausdrücklich aufmerksam gemacht.
e)Auch das Vernebeln der Anschlußfronten, der Artilleriebeobachtungen oder der
Einbruchsstellen selbst kann in Frage kommen.
f) Die Ziel Verteilung für das Sturmreifschießen erfolgt zunächst nach der beabsichtigten
materiellen Wirkung unter Berücksichtigung der notwendigen Verschleierung.
Aber selbst eine zerstörte Stellung ohne Unterstände und Hindernisse gewährt einem
hartnäckigen Verteidiger Widerstandsmöglichkeit. Völlige Vernichtung der Besatzung ist für
die Artillerie eine meist unlösbare Aufgabe. Von besonderer Bedeutung ist daher die
moralische Wirkung gegen die noch lebende Besatzung. Sie wird als Nebenwirkung des
Zerstörungsschießens erreicht. Die Rücksicht auf die moralische Wirkung kann dazu führen,
gegen bestimmte Punkte — meist gegen die Einbruchspunkte— das Feuer dichter
zusammenzulegen und vor allein schwere Kaliber, einzusetzen, auch wenn die Stärke des
Ausbaus und der Besatzung hierzu keine Veranlassung gibt.
Besonders stark ist die moralische Wirkung der Minenwerfer.
Ueber Durchführung des Sturmreifschießens siehe Punkt 61 — 70.
130. Die Beschießung der Gefechts Standpunkte, Melde-und Beobachtungsstellen,
Telephonzentralen, rückwärtigen Bahnanlagen und Verbindungen, Bereitstellungsräume,
Munitionsdepots und Fesselballone (Punkt 125 c) muß sorgfältig vorbereitet sein. Die
Erkundung des rückwärtigen feindlichen Geländes ist für die Zielverteilung
ausschlaggebend. Durch ständige Lichtbildüberwachung wird die Organisation der
feindlichen Verteidigung (Beobachtungs- und Befehlsstellen, Verbindungen,
Aufstellungsplätze und Vormarschwege der Reserven) in erster Linie erkannt werden. Sie ist
im Augenblicke des eigenen Angriffes so zu stören und zu zerschlagen, daß dem Feinde eine
wirkliche Führung der Verteidigung unmöglich ist. Dieses Feuer darf nicht starr sein, sonst
findet der Gegner noch während des Kampfes die feuerarmen Räume und Zeiten heraus.
Ueberwachungsbatterien zur Bekämpfung von Augenblickszielen sind bereitzuhalten.
Gasmunition ist besonders wirksam. (Vgl. Punkt 69.)
131. Zu der im Angriffsbefehl bestimmten Stunde bricht die Infanterie zum Sturme vor.
(Vgl. Punkt 46 und 129 b.) War die Bereitstellung so weit vom Gegner entfernt, daß nicht
mit einem Satz in die feindliche Stellung eingebrochen werden kann, so hat die
Vorbewegung der Infanterie entsprechend früher zu beginnen.
Das erste Antreten muß überraschend und in der Regel in breiter Front einheitlich nach
ganz genau geregelter Zeit erfolgen. Die voraussichtliche feindliche Sperrfeuerzone wird in
schnellstem Laufe überwunden. Mit Sicherheit kann erreicht werden, daß wenigstens die
ersten Wellen etwaiges feindliches Sperrfeuer unterlaufen. Man wird deshalb oft die erste
Welle verhältnismäßig dichtmachen und sie die auch beim Angriff unerläßliche Gliederung
nach der Tiefe erst beim Vorgehen gewinnen lassen. (Vgl. Punkt 102 c und 122.)
Später aus größerer Tiefe antretende Wellen und Reserven kommen oft schwerer durch
das inzwischen auflebende feindliche Sperrfeuer. Sie haben sich zu bestreben, Lücken,
feuerarme Räume und Augenblicke schwächeren Feuers auszunutzen. Eine an griffsfreudige
Truppe läßt sich durch Sperrfeuer nicht längere Zeit aufhalten. Oft glückt das Durchkommen
bei schnellem und entschlossenem Handeln mit überraschend geringen Verlusten.
Die Formen und die Art der Durchführung des Sturmes sind im III. Teil der
Abschnitte aus der Gefechtslehre niedergelegt. (Der Nahkampf.)
132. Gleichzeitig mit dem Einbruch der Infanterie verlegen die auf der ersten feindlichen
Linie liegenden Batterien und Minenwerfer ihr Feuer nach vorwärts. Die
Artilleriebekämpfung, das Zerstörungsfeuer auf die rückwärtigen Linien und in das
Zwischengelände und die Bekämpfung der Kampftätigkeiten des Feindes dürfen auch nach
gelungenem ersten Sturm keinen Augenblick nach1assen. Die Infanterie braucht jetzt den
größten Schutz.
Das Feuer der Batterien geht der angreifenden Infanterie als unmittelbarer Feuerschutz
voran, sich dem Tempo des Vorwärtskommens der Infanterie anpassend. Es soll die noch
vorhandenen Verteidiger in ihren Unterständen, Gräben, Trichtern usw. festhalten und die
Verteidigungsmaßnahmen des Zwischengeländes nicht zur Wirkung kommen lassen.
Sprechen sich feindliche Gegenstöße aus, so soll es als Sperr- und Vernichtungsfeuer den
Feuerschutz der Infanterie bilden.
Inwieweit Batterien, besonders Feldkanonen, die vor dem Sturm für andere Aufgaben
eingesetzt waren, hiefür herangezogen werden, ist von Fall zu Fall zu entscheiden. Jedenfalls
ist die bewegliche Feuerwand, die Feuerwalze, mit möglichst zahlreichen Batterien zu
bilden.
Mörser und schwere Feldhaubitzen sind für die Feuerwalze weniger geeignet, weil ihre
Sprengstücke zu weit nach rückwärts fliegen. Einer Feuerwalze von Mörsern und schweren
Feldhaubitzen kann die Infanterie nicht ganz dicht folgen. An Feldkanonen- und
Feldhaubitzfeuer kann und muß die Infanterie näher heran bleiben.
Damit die Infanterie beim Antreten bis fast in das Artilleriefeuer hineinlaufen kann,
empfiehlt es sich, zur Verminderung der Splittergefahr die letzten Schüsse des
Vorbereitungsfeuers mit Verzögerung zu schießen (soweit m. V. vorhanden ist) oder als
Abschluß einige blinde Minen abzufeuern. Die Truppe ist in dem Vorgehen hinter der
Feuerwalze auszubilden.
133. Auch wenn man auf 50 m Breite oder weniger je 1 Batterie rechnet und die
schießenden Batterien weit vorschiebt, wird die Feuerwalze infolge der natürlichen
Streuungen, die durch schlechtes Schießen vergrößert werden, und infolge der
Notwendigkeit, das schwere Feuer weiter vorzuverlegen, keine dichte Wand darstellen,
sondern in einer Tiefe von einigen 100 m das Angriffsfeld bedecken.
Die Walze wird auch nicht schematisch gleich dicht sein dürfen. Auf wichtigere Punkte
wird das Feuer seitlich enger zusammengezogen, besonders jenes schwerer Artillerie. Die
Walze wird nach der Tiefe um so ausgedehnter sein, je größer die Schußweiten sind.
Die Feuerwalze wird nur sicher arbeiten, wenn sie durch genaue Befehle vorbereitet ist.
Meist wird dies durch Zuweisung von Gefechtsstreifen an die einzelnen Artilleriegruppen
erfolgen. Sie setzt im Augenblicke des Infanteriesturmes ein, indem sie in mehr oder
weniger großen Sprüngen (200 bis 400 m oder mehr) von den der eigenen Infanterie
nächstgelegenen Zielen je nach dem Vorwärtskommen der Infanterie verlegt wird. Die
Vorverlegung des Feuers der schweren Batterien erfolgt unter Umständen nach besonderem
Plan (größere Sprünge, weiterer Abstand von der eigenen Infanterie, Zusammenfassung auf
wichtige Punkte).
134. Die Walze läuft entweder schematisch ab (geregelt durch den Angriffsbefehl nach
Zeit und Tiefe der Sprünge) oder man versucht, ihr Vorschreiten durch Sichtzeichen in der
Hand zu behalten. Letzteres ist vorzuziehen und daher stets anzustreben. Die Infanterie soll
nicht an die Feuerwalze gebunden werden, sonst erstickt der Angriffsschwung der Infanterie
hinter dem starren Feuervorhang. Die Möglichkeit hierzu hängt von der Beobachtung und
dem schnellen Durchdringen von Zeichen oder Befehlen ab. Oft wird den
Artillerieverbindungsoffizieren und den bei den Sturmtruppen eingeteilten
Artilleriehilfsbeobachtern bei der Regelung der Feuerwalze eine sehr wichtige Rolle
zufallen. Es wird aber selten angängig sein, sich hierauf allein zu verlassen. Der Befehl für
die Feuerwalze wird daher in der Regel so gegeben werden müssen, daß das schematische
Ablaufen der Walze gewährleistet ist, wenn Sicht und Verbindung unterbrochen sind; dabei
müssen alle Vorsorgen getroffen sein, dem Vorgehen der Infanterie sich anzupassen, wenn
Sicht und Verbindung vorhanden sind.
Bei schematisehem Ablaufen wird man der Walze eine Geschwindigkeit anfänglich und
in freiem Gelände von etwa 1 Minute, später und in schwierigem Gelände bis zu 4 Minuten
für je 100 m geben. Maßgebend ist der Gesichtspunkt, daß das Vorgehen der Infanterie
durch zu langsames Fort schreitender Walze nicht auf gehalten werde n darf, daß aber
andererseits die Infanterie unmittelbar an der Walze heranbleiben muß.
Die Feuerwalze schreitet bis zur Erreichung des Angriffszieles vor (unter Umständen mit
längerem Aufenthalt an bestimmten Linien z. B. an rückwärtigen Stellungen, die durch
erneute Feuervorbereitung sturmreif zu machen sind) und bleibt da als Feuerriegel vor der
Infanterie liegen. (Punkt 125 f.)
Um bei tiefen Angriffen das Vorgehen der Infanterie mit dem Vorschreiten der
Feuerwalze nach größeren Zwischenräumen (1—2 km) wieder in Uebereinstimmung zu
bringen, kann das Festsetzen bestimmter Linien angezeigt sein, an denen die Feuerwalze
zunächst halt macht. Das weitere Vorverlegen des Feuers beginnt dann erst, nachdem die
Infanterie es durch verabredete Zeichen angefordert hat. Das Vorgehen der Infanterie darf
auch durch ein derartiges Verfahren keinesfalls aufgehalten werden.
Erreicht die Infanterie das Angriffsziel nicht, so kann es kommen, daß völlig nutzlos
Munition verschossen wird. Ebenso kann für die Infanterie schnelleres Vorschreiten der
Walze erwünscht werden.
Für solche Fälle sind einige wenige, vorher zu bestimmende Zeichen (z. B. Feuerwalze
halt! und Feuerwalze marsch!) notwendig. Während des Haltens der Walze ist durch
Beobachtung von der Erde und aus der Luft das Feuer so weit als möglich zu regeln.
Die Artillerie muß auch in der Lage sein, bei vorübergehenden Rückschlägen durch
Zurückziehen des Feuers die Infanterie zu schützen.
135. Die schwierigste Aufgabe der Artillerie, ihre Feuerwalze beständig knapp vor der
vorwärts schreitenden Infanterie zu halten, erfordert peinlichste Organisierung des
Verbindungsdienstes, Ausstattung mit allen Verbindungsmitteln und weitgehende Vorsorgen
für den Munitionsnachschub.
Vor einer Ueberschätzung der Feuerwalze muß jedoch gewarnt werden. Das mit
Beobachtung gegen bestimmte Ziele abgegebene Feuer wird der Feuerwalze, die auch bei
geschicktester Handhabung stets bis zu einem gewissen Grade starr und schematisch bleiben
wird, immer überlegen sein. Ihre Wirksamkeit ist davon abhängig, daß es gelingt, die Walze
von der Infanterie abhängig zu machen statt umgekehrt und die eigene Infanterie so zu
erziehen, daß sie selbst auf die Gefahr vereinzelter Kurzschüsse unmittelbar hinter der Walze
bleibt.
136. Das Vordringen der Infanterie erfolgt auf den ihr vorher genau bezeichneten Wegen.
(Punkt 118.)
Den einzelnen Wellen der Schwarmlinie bzw. der Sturmtrupps müssen bei der Bereitstellung
ganz bestimmte Aufgaben zugewiesen werden, so die Wegnahme bestimmter feindlicher
Stellungsteile, MG.-Nester, Unterstände oder Einschwenken zur Umfassung, Flankenschutz,
Grabenreinigung usw.
Besonders sorgfältig ist die Verteilung der MG. auf die Kampftruppe vorzunehmen.
In der Bereitstellung schieben sich Handmaschinengewehrschwärme oder Züge noch vor
Beendigung des Sturmreifschießens als Angriffsnester so weit als möglich vor. Ihre Aufgabe
ist es, innerhalb der ihnen zugewiesenen Abschnitte durch Abkämmen der vordersten
feindlichen Linien das Vorbrechen der eigenen Infanterie zu sichern. Ihr Feuer setzt mit
Beendigung des Sturmreifschießens ein und hört mit Einbruch der ersten Welle in die
feindliche Stellung auf. Die Handmaschinengewehrzüge folgen sodann unmittelbar der
ersten Welle.
n die Wellen sind andere Handmaschinengewehrzüge von Anfang an eingeteilt. Sie
bilden die Hauptfeuerkraft der Wellen, schießen auf nächste Entfernungen, um sogleich bei
Aufenthalten durch Niederhaltung der Widerstandsnester das Vorgehen der Gewehrträger
und Handgranatenwerfer zu decken und deren unaufhaltsames Durchstoßen bis zum
Sturmziel zu ermöglichen oder um feindliche Gegenstöße abzuweisen.
Die normalen Maschinengewehre besorgen das Abkämmen der feindlichen Linien zur
Unterstützung der eigenen Sturmwellen von rückwärtigen oder flankierenden Punkten,
sollen vor allein den Angriff der Handmaschinengewehrzüge vortragen helfen und den
Kampf mit den Schlachtfliegern aufnehmen. Sie folgen dem Angriff tief gestaffelt und sollen
durch ihre, auch im Angriff beizubehaltende Tiefengliederung dauernd ein Rückhalt gegen
feindliche Einbrüche sein. Ihr Ziel in ihrem abschnittsweisen Nachdrängen sind daher stets
jene Punkte im Terrain, die überhöhende oder flankierende Wirkung ermöglichen. (Vgl.
Punkt 43.)
Falls die Minenwerfer und Granatwerfer der Infanterie während des Sturmreifschießens
der Artillerie unterstellt waren (Punkt 44 und 63), so stehen sie mit Beginn des Sturmes
wieder der Infanterie zur Verfügung und sind von ihr in ähnlicher Weise wie die
Maschinengewehre nachzuziehen.
In gleicher Weise sind mittlere Minen werf er der Batterien möglichst beweglich
bereitzustellen und nachzuziehen. Ihr Schuß auf nahe Entfernung ist eine äußerst wirksame
Unterstützung sowohl, wenn der Angriff stecken zu bleiben droht, als auch zur Abwehr von
Gegenstößen.
Bezüglich Begleiten der Infanterie durch einzelne Geschütze und Batterien vgl. Punkt 68.
Flammenwerfer können zum Brechen örtlichen Widerstandes, Räumung von Unterständen
und Höhlen und ähnlichen Aufgaben von hohem Wert sein. Es empfiehlt sich aber nicht, sie
im Augenblick des Antretens zum Angriff an der Angriffsstelle selbst in Tätigkeit treten zu
lassen, weil dadurch dem Gegner das Antreten erkennbar gemacht und sein Sperrfeuer
ausgelöst wird.
Sollen Geländeteile (Stützpunkte, Ortschaften, Waldstücke) nicht frontal angegriffen,
sondern nach in den Nachbarabschnitten gelungenem Durchbruch umfaßt werden, so bleibt
während des Sturmes auf die Nachbarabschnitte das Feuer auf ersteren, namentlich auf ihren
Rändern, liegen und wird nach genau bestimmten Zeiten oder verabredeten Zeichen
rückwärts oder seitwärts herausgezogen. Unter Umständen wird vor dem Herausziehen des
Feuers ein Zusammenfassen auf das Innere des zu stürmenden Geländeteils notwendig sein.
(Vgl. Punkt 47.)
Verhalten der Reserven vgl. Punkt 21—23, 52.
137. Nach Erreichen des Angriffszieles bleibt die Feuerwalze als Feuerriegel (Punkt 125
f.) davor liegen. Das Nachlassen des Feuers, dann das allmähliche Einstellen des Feuers muß
durch den Feuerbefehl geregelt sein. Das Feuer darf nicht zu früh eingestellt werden und
muß auf verabredete Zeichen jederzeit wieder auszulösen sein. (Punkt 49, 71.)
Die Schwäche der Zeitspanne vom Erreichen des Angriffszieles bis zur Erlangung der
vollen Abwehrbereitschaft muß durch persönliches Eingreifen aller Kommandanten, vom
Zugskommandanten bis zum Truppen kommandanten, überwunden werden. Eine Leitung
durch das Telephon ist jetzt nicht angängig.
138. Während des Angriffs und nach demselben ist mit allen Mitteln danach zu streben,
daß die Aufklärung nicht abreißt und daß die Fühlung mit dem Feinde nicht verloren geht.
Von besonderer Bedeutung ist die Feststellung der vordersten feindlichen Abteilungen,
etwaiger Rückzugsbewegungen, Bereitstellungen zu Gegenangriffen sowie Aufstellung,
Bewegung, Verschiebung oder Ansammlung feindlicher Reserven und feindlicher Artillerie.
139. Aufgaben der technischen Truppen beim Angriff sind das Sprengen der eigenen und
Aufräumen der feindlichen Hindernisse, das Sprengen von verteidigten Unterständen,
Betonbauten, Höhlen und Kellern, soweit nicht der Widerstand durch Flammenwerfer
gebrochen werden und dadurch die Anlagen der eigenen Truppe erhalten bleiben können,
ferner die Herstellung von Schnellbrücken und sonstigen Uebergängen. Für diese und
ähnliche Aufgaben sind technische Trupps einzuteilen und, mit den nötigen Werkzeugen
versehen, teils den Sturmtruppen mitzugeben, teils weiter rückwärts einzusetzen.
Wo bei tiefen Angriffen ein Vorziehen von Artillerie stattfindet (vgl. Punkt 68), ist es von
entscheidender Wichtigkeit für den Verlauf des Kampfes, ihr den Weg in die neuen
Stellungen gangbar zu machen. Hierzu sind innerhalb des eigenen Stellungsgebiets über die
Gräben hinweg und durch die Hindernisse, unauffällige Vorbereitungen zu treffen und
Trupps bereitzustellen. Für das zu nehmende Gebiet sind besondere Einheiten zu bestimmen,
die gleich mit den Sturmtruppen vorgehen.
Den Hauptkräften der technischen Truppen fällt bei Angriffen mit beschränktem Ziel die
Unterstützung der anderen Waffen beim Ausbau der genommenen Stellung, insbesondere
die Sorge für Materialzuführung und rückwärtige Verbindungen zu. Erforderlichenfalls sind
ihnen hierzu weitere Arbeitskräfte zuzuteilen.

Der Durchbruch.

140. Die Angriffsschlacht erstrebt den taktischen Einbruch und schließlich den hieraus
sich entwickelnden operativen Durchbruch. Sie wächst sich in diesem Fall zur
Durchbruchsschlacht aus, die den Uebergang zum Bewegungskrieg zu erzwingen sucht.
Kann die Führung sich dieses große Ziel stecken, so haben sich alle Maßnahmen von Anfang
an in dieser Richtung zu bewegen.
Der Schwerpunkt des Unterschiedes zwischen Durchbruch und dem Angriff mit
begrenztem Ziel liegt in den Vorbereitungen, in der Wahl des Angriffsraumes sowie in den
dem geglückten Durchbruch unmittelbar folgenden Maßnahmen, die dem Uebergang zum
Bewegungskrieg dienen.
Beim großen Durchbruchsangriff müssen sich Kommandanten und Truppe von
Gewohnheiten und Gedankengängen des Stellungskrieges freimachen.
141. Gleichlaufend mit den Vorbereitungen für den Angriff sind die Vorbereitungen zu
treffen, die den Uebergang zum Bewegungskrieg gewährleisten sollen. In beiden Arten von
Vorbereitungen muß volle Uebereinstimmung herrschen. Die von der obersten Führung mit
Leitung und Ueberwachung dieser Vorbereitungen eingesetzten Kommandos und Organe
sind zweckmäßigerweise an einem Orte vereint unterzubringen, damit stete Aussprache und
Fühlung die Einheitlichkeit der Anlage verbürgt.
Auch beim Durchbruch geht allen Vorbereitungen die Berechnung des Bedarfes voraus.
Die Grundlage hierzu bildet die Breite des Angriffes.
In der Breite von wenigen Kilometern angesetzt, kann kein Angriff zum Durchbruch
führen, wenn der Verteidiger am Platze ist. Unter 35 bis 40 km sollte nicht herunter
gegangen werden. Je breiter oder an je mehr Stellen der Durchbruch aber angesetzt werden
kann, desto günstiger für den Erfolg.
In der Berechnung der nötigen Mittel tritt neben dem Bedarf an Artillerie, Minenwerfern
und Munition der Pferdebedarf zur Ergänzung der Truppentrains, der Bedarf an Staffeln und
Autokolonnen in den Vordergrund.
Notwendig ist ferner die Berechnung des voraussichtlichen täglichen Verpflegsbedarfes
der im Angriffsraume zu versammelnden Kräfte und des technischen Materiales, das für die
Einrichtung des Angriffs- und Aufmarschraumes (Bau von Unterkünften, Stallungen,
Depots) erforderlich ist.
Die Dotierung der höheren Kommandos von der Division an mit einer ausreichenden
Zahl technischer Formationen (Sappeur-, Eisenbahn-, Brücken-, Elektro-, Bau- und
Arbeiterkompagnien) sowie Etappentruppen muß nicht nur für die Vorbereitung des
Angriffes, sondern auch für die Operationen nach geglücktem Durchbruch genügen. (Vgl.
Punkt 88, 101—110.)
142. Als Leitlinie für die Reihenfolge der materiellen Vorbereitungen und das erwünschte
Eintreffen der Transporte sind die Bedürfnisse maßgebend, die sich während der
Vorbereitungszeit im Aufmarschraume nach und nach einstellen.
Sofort nach Festlegung des Operations- und Versorgungsplanes muß der materielle
Aufmarsch beginnen; die Bereitstellung der materiellen Formationen und Mittel soll dem
Antransport (der Verschiebung) der Kampfformationen möglichst vorangehen, keinesfalls
darf sie nach den letzteren erfolgen. Zu beginnen ist mit dem Heranführen jener technischen
Formationen und Arbeiterkompagnien, die den Angriffs- und Aufmarschraum einzurichten
haben (Bau von Unterkünften, Verpflegs- und Munitionsdepots, Ausgestaltung der
Ausladestationen, Herrichtung von Straßen und Wegen, Verstärkung von Brücken, Bau von
Roll- und Seilbahnen, Einleitung der Wasserversorgung, Sanitätsanstalten usw).
Gleichlaufend mit diesen Transporten ist das zu den erwähnten Arbeiten erforderliche
technische Material im Aufmarschraum beizustellen und müssen die zur Fortbringung des
Materials notwendigen Transportmittel einlangen; diesen erst soll das Heranführen der
Munitions- und Verpflegsvorräte folgen.
Je unbeweglicher die im Angriffsraum befindlichen Kampfformationen infolge Mangel
an Pferden während des Stellungskrieges sind, umsomehr Transportmittel müssen vor
Verschiebung dieser Kräfte bereitgestellt werden.
Die neu anzutransportierenden Formationen sind in bereits marschfähigem Zustande
heranzubringen.
Für die Reihenfolge der Vorbereitungen kann als Anhalt dienen:
a) Verstärkung aller vorhandenen Kommandos und Verwaltungsbehörden bis
einschließlich Etappe;
b) Ausarbeiten des gesamten Operations- und Versorgungsplanes bei der leitenden Stelle;
c) Heranführen von Stäben der Angriffsverbände (Korps und Divisionskommandos,
Verwaltungs- und Etappenbehörden, Sonderformationen usw.).
Heranführen von Telegraphenformationen, der für den Nachschub notwendigen
Arbeitskräfte und Transportmittel (einschließlich der zum Beweglichmachen der im
Angriffsabschnitt eingesetzten Armeekörper);
d) Ausscheidung des nicht leistungsfähigen Menschen und Pferdematerials bei den in
Betracht kommenden Formationen, Ersatz der ausgeschiedenen Pferde durch die ad c
herangeführten Transportmittel. Hebung der Bewegungsfähigkeit der Truppen durch
Zuweisung von Transportmitteln;
e) Entlastung der Infanterie;
f) Ausstattung der Artillerie mit Munitionswagen für den Bewegungskrieg;
g) allmähliches Verdichten des Aufmarschgerippes durch Heranziehen der niederen
Kommandos und Vorkommandos der Truppen;
Abtransport der Masse der Staffeln, Autokolonnen und sonstiger Trains, der Munition,
technischen Materials, Verpflegung;
h) Aufmarsch der Kampftruppen, voraus die Artillerie und die Minenwerfer;
i) Vorsorgen für die Zurücklassung, Lagerung und Bewachung des bei Antritt der
Bewegung entbehrlichen Materials.
Das Kartenmaterial für die Bewegungen nach dem Durchbruch muß bereits vor dem
Angriff bei den Truppen sein. (Vgl. Punkt 113.)
Alle die Vorsorgen müssen zu Beginn der Angriffsschlacht beendet sein, soll der Angriff
nicht bald stecken bleiben.
143. Die bei Bearbeitung des Operationsplanes zu beachtenden Einzelheiten siehe
Punkt 104.
Die technischen Vorsorgen (Absatz e der Einzelheiten) sind aber viel ausgedehnter und
müssen sich auch auf die Operationen nach dem Durchbruch erstrecken. Sie werden
umfassen:
a) die Ausgestaltung der rückwärtigen Verbindungen (Straßen, Bahnen, Bahnhöfe,
Depots usw.);
b) den raschesten Ausbau durchlaufender Kommunikationen nach gelungenem
Durchbruch, um das durch den Großkampf zerpflügte Gelände und die zerstörten Straßen für
das Vorbringen der Artillerie und der Munition passierbar zu machen;
c) die Einrichtung von Flußläufen und Kanälen für den Nachschub.
Der technische Teil des Operationsentwurfes hätte also zu enthalten:
I. Bereitstellung der personellen Mittel.
a) Verstärkung des technischen Personals bei den höheren Kommandos ;
b) Schaffung einer Personalreserve für durchzuführende Rekognoszierungen, Bildung
von Erhaltungsgruppen für die Nachschubslinien. (Vgl. Punkt 76 und 184.)
c) Bereitstellung technischer Formationen als Verstärkung.
II. Bereitstellung der materiellen Mittel:
a) Brückenbaumaterial;
b) Straßenerhaltungsmaschinen ;
c) Schiffahrtsmittel und Werkstatten für die Inbetriebnahme von Wasserwegen;
d) Drahtseile und Rollen für die Herstellung von Ueberfuhren;
e) Drahtseil- und Rollbahnen ;
f) Baracken- und sonstiges Baumaterial;
g) Spreng-, Zünd- und Leuchtmittel;
h) Werkzeuge aller Art;
i) Befestigungsmaterial; j) Wasserversorgung.
Bei den vorderen Divisionen sind auch technische Rekognoszentengruppen einzuteilen
(Punkt 143), die konkrete Daten über die zu überwindenden Hindernisse, den Zustand
gesprengter Brücken usw. liefern. Die Tätigkeit bestimmter Rekognoszentengruppen hat sich
auf die technische Auswertung des Landes zu erstrecken und folgendes festzustellen:
1.Vorbereitete befestigte Stellungen, deren Widerstandskraft und die Möglichkeit ihrer
Ausnützung für eigene Zwecke;
2. Ueberschwemmungsanlagen; Bewässerungs- und Entwässerungsanlagen. .
3. Straßen, Brücken, Schmalspur-und Seilbahnen, Vollbahnen, Fluß- und Kanalschiffabrt;
4. Unterkünfte (Baracken, Spitäler, Kasernen, Magazine usw.);
5. Wasserversorgung (Wasserleitungen und Brunnen);
6. Beute und sonstige Vorräte;
7. Industrielle und elektrische Kraftanlagen;
8. Holzgebiete und Sägeanlagen;
Die Bereitstellung des Personals für die Militär- und Straßenpolizei (Gendarmerie,
Etappentruppen, Etappenstations-, Etappenlinien- und Bahnhofkommandos, Divisions- und
Armeesammelkompagnien, Organisierung von Versprengtensammel- und Auskunftsstellen)
muß im Operationsplane ebenfalls vorgesehen werden. (Vgl. Punkt 91, 92, 184, 186.)
144. Völlige Ueberraschung ist selten erreichbar, aber auch nicht nötig. Bei einigermaßen
geschickter Verschleierung und Täuschung an anderer Stelle wird es sich meist erreichen
lassen, daß der Gegner mit seinen Abwehrmaßregeln nachhinkt, auch wenn er vom
bevorstehenden Angriff etwas gemerkt hat. In der Regel wird er wenigstens durch den
Zeitpunkt des Infanteriesturmes überrascht werden. Schon dadurch gewinnt der Angreifer
einen wesentlichen Vorteil.
145. Die Führung des Angriffes übernimmt eine Heeres- oder Armeegruppe.
146. Aufklärung vgl. Punkt 112.
147. Angriffsstelle und Angriffsrichtung ist so zu wählen, daß sie größte Rückwirkung
auf die ganze Front erhoffen lassen. Die taktische Umfassung ganzer Stellungsteile ist schon
bei der Anlage der Schlacht anzustreben.
148. Im Angriffsentwurf (Punkt 114) empfiehlt es sich nicht, die Angriffshandlung nach
Zeitabschnitten zu fixieren. Zweckmäßiger erscheint eine nicht zu enge begrenzte
Bestimmung der einzelnen Operationsabschnitte nach dem Terrain. Besonders das erste, in
ununterbrochenem, Tag und Nacht währendem Vordringen zu erreichende Ziel muß weit
gesteckt sein, zumindest den Artillerieraum des Gegners umfassen und seine vorhandene 2.
Kampfzone unhaltbar machen. (Vgl. Punkt 97.) Keinesfalls darf die Festsetzung des
1. Angriffszieles von der Reichweite der Masse der Artillerie abhängig gemacht werden.
Es ist Aufgabe der Führung, Vorsorgen für das Vorziehen der Artillerie zu tref149. Bei der
Durchbruchsschlacht wird immer ein Einschieben neuer Divisionen und neuer höherer
Kommandos erfolgen. Korps und Divisionen müssen Kommandanten und Generalstabschef,
letztere auch den Artilleriebrigadier voraussenden, damit diese sich in die bereits ergangenen
Befehle und Weisungen einarbeiten und persönlich erkunden können.
Die antransportierten neuen Armeekörper sollen sich womöglich bereits in jenem
„beweglichen" Zustand befinden, auf den die Stellungsdivisionen gebracht werden (Ersatz
von Pferden, Munitionswagen der Artillerie, Trainausrüstung, Winterausrüstung,
Gebirgsausrüstung für die im Gebirge zur Verwendung gelangenden Truppen usw.).
Die Reihenfolge und die Zeiten des Heranführens der neuen Armeekörper müssen genau
geregelt sein, desgleichen die Uebernahme des Kommandos durch die neuen Führer.
Artillerie und Minenwerfer dieser Divisionen werden in der Regel sogleich nach ihrem
Eintreffen eingesetzt.
Die Munitionsversorgung muß nach den Gesichtspunkten des Punktes 116 so geleitet
werden, daß bei Beginn des Angriffes außer der für den Angriff erforderlichen Munition, die
in der Batterie erliegt, auch Protzen und Munitionswagen gefüllt sind.
Die wochenlang dauernden, großen Marschbewegungen erfordern peinlichste Regelung.
Jeder Marschstaffel, ob Truppe oder Train, muß auf den Aufmarschstraßen (Wegen) von
jenem Kommando instradiert werden, das die Gesamtvorbereitungen leitet oder von einem
hiezu ausdrücklich befugten Kommando. Die Instradierung muß auch das
Etappenlinienkommando wissen und ihre Einhaltung überwachen. (Ausgabe von
Marschtableaux.)
Empfehlenswert ist die Instratierung aller zur Front gehender Marschstaffel als
Nachtmarsch, aller von der Front gehenden Transporte als Tagmarsch anzubefehlen.
Ausnahmen sind nur für die Autokolonnen, Personenautos und ganz kleine Transporte zu
gestatten.
Es ist angezeigt, zur Vereinfachung für Nächtigungen, Rasten usw. immer dieselben
Bereiche zu wählen und dort verantwortliche Stationskommandanten einzusetzen.
Bezeichnung der Bereiche mit Buchstaben oder Zahlen erleichtert die Zusammenstellung der
Marschtableaux.
150. Die Trains der Truppen müssen beweglich gemacht werden.
Die Artillerie muß Munitionswagen erhalten. Bei Zuweisung von landesüblichen Wagen
genügen 2 Wagen pro Feldkanone, 4 pro Feldhaubitze, 6 pro 15 cm Haubitze.
Dagegen ist alles, was die Truppe im Stellungskriege bei sich hatte und im
Bewegungskriege nicht benötigt, ihr abzunehmen und im Räume der Division zu
deponieren
Es muß genau bestimmt werden, welche Teile des Truppentrains und der mobilen
Anstalten bei Beginn der Bewegung von den Divisionen sogleich nachgezogen werden
dürfen. Eine scharfe Kontrolle dieser Maßregel beim Antritt der Bewegung ist unerläßlich.
151. Die Angriffszeit (Punkt 120) wird zweckmäßigerweise in die Vormittagsstunden
fallen, um noch am gleichen Tage den errungenen Erfolg ausweiten zu können.
152. In der Bereitstellung (Punkt 122) sind die Divisionen 2. und 3. Linie nahe
heranzuhalten (Punkt 12, 22). Die Angriffsabsicht darf aber dem Gegner nicht durch
vorzeitige Massierung an der Angriffsfront verraten werden.
153. Die Artillerievorbereitung und das Eindringen in die feindliche Front wird sich wie
beim Angriff mit begrenztem Ziel vollziehen. (Vgl. Punkt 123—139.)
Vom ersten Einbruch ab wird der Angreifer mit immer neu eintreffenden feindlichen
Kräften und feindlichen Gegenangriffen zu rechnen haben. Hierdurch erhält die
Durchbruchsschlacht ihren besonderen Charakter:
Eindringen in die feindliche Stellung mit weitestem Ziel,
Wegnahme wenigstens der feindlichen Artillerie am ersten Tage,
festes In die Hand-Nehmen des Gewonnenen, Abwehr feindlicher Gegenstöße und
Gegenangriffe,
Vorführen der Masse der Artillerie und frischer Infanterie,
neue eigene Angriffe und feindliche Gegenmaßnahmen usw.
Der Durchbruchkampf ist ein Durchfressen durch die feindlichen Stellungssysteme meist
unter starker offensiver Gegenwirkung des Feindes. Der Angriff muß schnell und tief
vorgetragen werden.
Der erste Einbruch ist verhältnismäßig leicht. Die Schwierigkeit liegt im richtigen Nähren
des Angriffs. Der überraschte Gegner darf nicht zur Besinnung kommen. Seine
Gegenmaßnahmen müssen durch den schnellen Fortgang des Angriffs durchkreuzt werden.
Es gilt schnell zuzufassen, in dem Bewußtsein, daß von rückwärts her für Flanke und
Rücken sowie für Feuerunterstützung gesorgt wird.
Die Gefahr, daß die Angriffskraft erlahmt, ist groß. Durch die Energie der weit vorn
befindlichen Führer und durch Einsatz frischer Kräfte muß der tote Punkt überwunden
werden.
154. Die Artillerie und die Minenwerfer sind für das Brechen der feindlichen
Widerstandskraft auch beim Fortschreiten des Angriffes unentbehrlich. Stockt der Angriff,
so ist in erster Linie nicht frische Infanterie, sondern erneute Feuervorbereitung notwendig.
Bei dem Vordringen des Angriffes über die Reichweite der Masse der eigenen Artillerie
hinaus ist daher das schnelle Vorziehen der Artillerie und die Munitionsversorgung der
vorgezogenen Artillerie für den Erfolg des Angriffes ausschlaggebend.
Je stärker der Widerstand wird, desto mehr braucht man zusammengefaßte
Artilleriewirkung stärkerer, besonders auch schwerer Artillerie. Je mehr feuerkräftige, mit
Munition versorgte Artillerie heran bleibt, desto besser wird der Angriff im Fluß erhalten
werden können. Hingegen ist die Infanterie sparsam einzusetzen. Tiefengliederung muß stets
vorhanden sein oder, wenn sie im Verlauf des Angriffes vorübergehend verloren geht,
immer wieder hergestellt werden, und zwar möglichst durch Vordrücken der vordersten
Teile.
Die Ausgestaltung eines Anfangserfolges zum operativen Durchbruch hat daher zur
Voraussetzung, daß starke Infanterie und zahlreiche leichte und schwere Artillerie glatt
vorwärts kommen und daß die Munitionsversorgung und der sonstige Nachschub nicht
versagen. Größte Straßendisziplin, zahlreiche Staffeln, Arbeitstruppen usw. sind daher
erforderlich. Der Bedarf hieran muß von Anfang ebenso in Rechnung gestellt werden wie
der Bedarf an Kampftruppen. (Punkt 141.)
155. Für das unmittelbare Begleiten der Infanterie (125 e) sind verlastete
Gebirgskanonenbatterien, bespannte Batterien und Minenwerfer derart bereit zu stellen,
daß sie sich der Vorbewegung der Infanterie sofort anschließen können. Diese Batterien
unterstehen den Infanteriegruppenkommandanten, nehmen an der Artillerievorbereitung
nicht teil und eröffnen das Feuer frühestens im Augenblicke des Sturmes. (Vgl. Punkt 69.)
156. Von der gesamten Angriffsartillerie kommen die bespannt bereit gehaltenen
Begleitbatterien (Punkt 155) für die Feuerwalze nicht in Betracht. Außerdem müssen
Ueberwachungsbatterien ausgeschieden werden und schließlich muß die Bekämpfung der
Artillerie (Punkt 127) und der Ziele nach Punkt 130 sowie von Stützpunkten und von
Terrainteilen, die nicht frontal angegriffen werden (Punkt 129 c) auch während des
Vortragens des Infanterieangriffes aufrecht erhalten bleiben. Lediglich diejenigen Batterien,
die für die genannten, in erster Linie zu berücksichtigenden Zweck nicht in Frage kommen,
sind also für die Feuerwalze verfügbar.
Je weiter die Feuerwalze aus den ursprünglichen Stellungen vorwärts zu bringen ist, desto
länger wird der Angriff im Fluß bleiben. Es ist daher wichtig, vor Beginn des Angriffes die
Batterien bis an die Infanterielinien heran nach vorwärts zu staffeln.
Da die Feuerwalze auch dann, wenn die Reichweite der Masse der in Stellung
befindlichen Artillerie überschritten ist, ungestört fortlaufen soll, ist — abgesehen von den
unmittelbar an die angreifende Infanterie überwiesenen, ausgeruhten Batterien und
Minenwerfern (Punkt 155) — das staffelweise Vorziehen leichter und schwerer Artillerie
sowie von Minenwerferbatterien von rückwärts angefangen derart zu organisieren, daß eine
Artilleriewelle die andere übergreift.
157. Im weiteren Vordringen des Angriffes wird sich die geschlossene
Artilleriefeuerwalze nicht aufrechterhalten lassen. Es tritt das selbständige frische Handeln
aller weit vorne befindlichen Führer in den Vordergrund. Es kann sich in dieser Zeit
empfehlen, für jeden Infanterieregimentsgefechtsstreifen eine Artilleriegruppe zu bilden und
die gesamten, im Gefechtsstreifen befindlichen Kampfmittel (Infanterie, Artillerie,
Minenwerfer) einem gemeinsamen Kommandanten zu unterstellen.
Die zur Bekämpfung feindlicher Artillerie nötigen Batterien und Gruppen wird aber der
Artilleriebrigadier immer selbst in der Hand behalten müssen, um in steter Fühlung mit den
Artilleriefliegern diese Aufgabe beständig lösen zu können.
158. Für das Gelingen des Nachziehens der Artillerie ist das Verhalten der Stäbe (weit
vor!) von ausschlagendem Einfluß.
Das wünschenswerte Vorziehen der gesamten beweglichen Artillerie und Minenwerfer ist
selten möglich. Die Schwierigkeit liegt:
a) in dem zerschossenen, von Gräben, Hindernissen, Trichtern durchsetzten Terrain,
b) in der Gefahr der Verstopfung, wenn zu viel von rückwärts nach vorn und umgekehrt
durchgebracht werden soll,
c) in der geringen Zahl und der mangelhaften Zugleistung unserer Pferde.
Man muß daher der Artillerie Ueberbrückungsmaterial und technische Truppen beigeben,
für schnellen Wegbau und scharfe Verkehrsdisziplin sorgen und sich in der Gesamtzahl der
vorzubringenden Geschütze und Minenwerfer beschränken. Dabei ist nicht zu übersehen,
daß Geschütze und Minenwerfer ohne Munition im Kampfe wertlos sind. Die Pferde der
stehenbleibenden Teile (vgl. auch Punkt 150) sind als Vorspann für Geschütze oder
Munitionswagen auszunützen oder als Reserve mitzuführen. Sämtliche überhaupt für das
Nachziehen in Betracht kommenden Geschütze müssen vor Beginn des Angriffes gefüllte
und bespannte Protzen und Munitionswagen haben, die während der Feuervorbereitung nicht
angegriffen werden.
159. Für das Vorziehen der Batterien, den Verkehr der Munitionskolonnen müssen die
Wege hergerichtet und bezeichnet sein (Punkt 143). Als Anhalt kann dienen, daß innerhalb
jedes Infanterieregimentsstreifens — also rund innerhalb Kilometerbreite — je ein Weg für
die vormarschierenden Batterien und Minenwerfer, innerhalb jedes Divisionsstreifens
mindestens ein Weg für die vormarschierenden Munitionskolonnen, ein Weg für
zurückgehende leere Staffel durch das Stellungsgewirre erwünscht wäre.
Unabhängig hievon ist innerhalb jedes Divisionsstreifens die Herstellung eines
Autoweges zur Bewältigung des großen Nachschubes anzustreben.
Die hierfür nötigen Arbeiten müssen innerhalb der eigenen Stellung in der
Vorbereitungszeit hergestellt und mit vollzogenem Einbruch in die feindliche Stellung in
dieser durch technische Truppen und sonstige Arbeitskräfte sofort aufgenommen werden.
(Vgl. Punkt 143.)
160. Frische Verbände, die mit fortschreitendem Angriff nachzuziehen sind, haben den
Erfolg durch Fortsetzung des Angriffes zu erweitern. (Vgl. Punkt 22.)
Die rückwärtigen Divisionen müssen möglichst lange in der Hand der Korpskommandos
bleiben, die ihrerseits, um führen zu können, weit vorn gehören. (Vgl. Punkt 30, 32.) Das
Nachführen erfolgt zum Einsatz an den Stellen, wo der Angriff gut vorwärts geht. Hierbei
wird entsprechend der fächerförmigen Ausdehnung des Angriffes meist ein Einschieben, nur
in Ausnahmsfällen ein Ablösen in Frage kommen.
Die höhere Führung muß das Gefecht, ohne in Einzelheiten des Gefechtsverlaufes
einzugreifen, in die von ihr gewollten Bahnen lenken. Hierzu braucht sie Reserven, die nach
ihrem Willen eingesetzt werden. Nur so können Anfangserfolge zu großen Erfolgen
ausgebaut werden.
161. Der Gedanke, daß die zuerst angreifenden Divisionen regelmäßig am ersten oder
zweiten Schlachttag abzulösen sind, muß verworfen werden.
War der Angriff gut vorbereitet und wird die Artillerie rechtzeitig nachgezogen, so wird
der Angriff ohne allzu große Verluste glücken. Die Angriffsdivision wird also auch nach
dem ersten Angriff zunächst genügend Kampfkraft behalten. Auch für ihr weiteres
Vorwärtskommen ist dann weniger der Einsatz frischer Infanterie als starker, feuerkräftiger
Artillerie maßgebend.
Ein Wechsel der höheren Kommandos würde die Geschlossenheit und den
Zusammenhang der Führung lähmen und ist daher äußerst unerwünscht.
162. An die Telegraphentruppe treten beim Durchbruch umfassende Aufgaben heran.
Von der schnellen Aufnahme der Verbindung hängt der Einfluß der Führung auf den Gang
der Schlacht ab. Die Verbindung zwischen Infanterie, Artillerie und Luftstreitkräften ist
besonders wichtig.
Die zur Teilnahme am Angriff bestimmten Telegraphenformationen müssen rechtzeitig
aus der Front gezogen, beweglich gemacht, aufgefüllt und für den Angriff geschult werden.
Sie müssen zeitgerecht den Betrieb der Verbindungseinrichtungen im Angriffsraum ihrer
Verbände übernehmen, damit sie sich mit dem Netz vor Beginn des Angriffes gründlich
vertraut machen können.
Die Armee- und Korpstelegraphenformationen übernehmen den Betrieb der
Verbindungsmittel der unterstehenden Verbände so weit als möglich, damit die
Divisionstelegraphenkompagnien nicht genötigt sind, ihr ganzes Personal und Material
einzusetzen, sondern zur Verlängerung der Verbindungen beim Fortschreiten des Angriffes
befähigt werden.
Für die Fortsetzung des Angriffes sowie für unvorhergesehene Fälle sind Reserven an
Telegraphenformationen möglichst weit vorne bereitzustellen.
163. Im Verlauf der Operationen hat als leitender Grundsatz für den Ausbau des
Verbindungsnetzes zu gelten, daß die rückwärtigen Telegraphenformationen die vorne
befindlichen möglichst bald ablösen. Jedes Kommando bleibt stets dafür verantwortlich, daß
die Verbindungen nicht verloren gehen, wenn es seinen Standort verläßt.
Die frühzeitige Bekanntgabe der in Aussicht genommenen neuen Standorte ist für die
Telegraphenoffiziere von hoher Wichtigkeit. Sind die Arbeiten zur Herstellung der
Verbindungen zum neuen Kommandostandpunkt im Fluß, so ist eine Aenderung des neuen
Standortes schädlich.
164. Die Beigabe von Dolmetschen zu den Telegraphenformationen ist vorteilhaft, da
hierdurch die Ausnützung der vorgefundenen gegnerischen Netze erleichtert wird.
Die Ausnützung der beim Fortschreiten des Angriffes vorgefundenen Netze muß
planmäßig einsetzen, damit die weitere Nutzbarmachung reibungslos fortgesetzt werden
kann.
Namentlich die Inbetriebnahme der permanenten Leitungen bedarf sorgfältiger
Erwägungen. Planlose oder unsachgemäße Wiederherstellungen erschweren den folgenden
Formationen die weitere Ausnützung und verursachen zeitraubende und nutzlose
Mehrarbeit. Die rationelle Ausnützung von permanenten Leitungen wird daher in der Regel
der Telegraphentruppe vorbehalten werden müssen.
165. Die nachstehenden Bestimmungen über Einsatz und Verwendung der
Luftstreitkräfte gelten für große Angriffe, bei denen zahlreiche Luftstreitkräfte aller Art
unentbehrlich sind; sinngemäß finden sie auch bei kleineren Angriffen Anwendung.
166. Das Auftreten starker Luftstreitkräfte (Flieger, Ballone und LFA-Geschütze) ist für
den Gegner eines der sichersten Zeichen bevorstehender Angriffe. Während der
Vorbereitungen muß die Tätigkeit der Luftstreitkräfte daher zurückhaltend sein.
Den Fliegereinsatz trotz der Forderung der Geheimhaltung auf dem Angriffsfeld
sicherzustellen, ist sehr schwierig, da die Verstärkungen nicht vorzeitig gezeigt werden
dürfen. Durch Kommandierung zu den auf dem Angriffsfeld bereits vorhandenen
Fliegerformationen und Einrichtung von Lehrkursen hinter der Front muß erstrebt werden,
auch ohne frühzeitige Verlegung von Fliegerverbänden die für den Angriff nötige
Geländekenntnis zu gewinnen. Die Flüge selbst sind so einzuteilen, daß einerseits der Feind
nur schwer auf Vermehrung schließen kann und andererseits den Fliegern doch genügend
Gelegenheit zur Orientierung gegeben wird.
Unter allen Umständen muß die lückenlose Lichtbilderkundung sichergestellt
werden. Sie ist von ausschlaggebender Bedeutung. Dann ist das Einleben der Artillerie-,
Infanterie- und Schlachtenflieger auf dem Angriffsfeld wichtig.
Die Verteilung der Fliegerverbände auf die Angriffsdivisionen hat so rechtzeitig zu
erfolgen, daß sie hinter der Front — möglichst weit zurück — an den Angriffsübungen ihrer
Divisionen teilnehmen können. Ein gegenseitiges Einspielen ist unerläßlich.
Aehnlich liegen die Verhältnisse für die Heranziehung, Unterbringung und Aufsteigen
der Ballone und für die LFA-Formationen.
167. Von Wichtigkeit sind in ruhigen Zeiten vorbereitete Flughäfen mit ständigen Hallen
und Baracken, weil das Aufschlagen neuer Zelte usw. kurz vor dem Angriff den
Fliegeraufmarsch verrät. In neu belegten Häfen dürfen Flugzeuge und Autos nicht außerhalb
der Hallen stehen bleiben. Genügt der Raum in den Hallen nicht für alle Flugzeuge, so kann
ein Abrüsten eines Teiles der Flugzeuge in Frage kommen. Abteilungen, die in Zelten
untergebracht werden, dürfen zunächst nur einen Teil der Zelte aufschlagen und müssen
diese nach Möglichkeit der Sicht entziehen.
168. Die Verschleierung der Vorbereitungen darf auf keinen Fall durch eine starke Sperre
angestrebt werden, da selbst die stärkste Sperre vom Gegner zeitweise durchbrochen wird.
Schwache, aber aufmerksame und rücksichtslos angreifende Ketten von Jagdflugzeugen
müssen in großen Höhen, nötigenfalls auch in zwei Höhenlagen, eingesetzt werden. Sie
haben sich im Hintergrund und auf den Flügeln des zu schützenden Abschnitts zu halten.
Durch Richtungsschüsse der LFA-Batterien und große Richtungsweiser am Boden wird
ihnen die Anwesenheit feindlicher Flugzeuge gemeldet.
169. Für die neuen Fliegerverbände und für die Angriffstruppen sind Lagenbilder nach
neuesten Aufnahmen in großer Zahl vorzubereiten.
Ferner sind Karten herzustellen mit Einzeichnung der Abwurfstellen, Verteilung der
Feuerräume, Einzeichnung der Räume, gegen die ungünstige oder gar keine Erdbeobachtung
vorhanden ist, sowie Abwurfskizzen für die Meldungen der Infanterieflie170. Die Verteilung
der Wellen und Anrufe für Flieger und Radiostationen bedarf einer sehr vorsichtigen
Handhabung, da der Gegner durch neue Anrufe sofort auf die Vermehrung der Kräfte
aufmerksam werden muß. Wenn neu einzusetzende Anrufe nicht vermieden werden können,
sind sie auf solche Stationen zu verteilen, die seltener gebraucht oder vom Gegner schlechter
gehört werden können.
171. Auch während des Einschießens der Artillerie und nach Beginn des
Wirkungsschießens empfiehlt sich noch Zurückhaltung der Luftstreitkräfte, damit der
Gegner über die Bedeutung des Angriffs im Unklaren bleibt.
Erst wenn der Gegner den bevorstehenden. Angriff offenbar erkannt hat, starke
Fliegerkräfte zeigt und starke Artillerie-Gegenwirkung beginnt, muß alles daran gesetzt
werden, die feindlichen Luftstreitkräfte und besonders die Ballone schon vor dem Angriff
niederzukämpfen und unsere Luftbeobachtung zur Erhöhung der Artilleriewirkung in
vollkommener Weise auszunutzen.
Je überraschender, einheitlicher und je kürzer vor Beginn des Angriffs der Einsatz der
Luftstreitkräfte erfolgt, desto größer wird seine Wirkung auf den Verlauf des Angriffs sein.
Die verstärkte Fliegertätigkeit darf sich nicht nur auf den Angriffsraum beschränken,
sondern muß sich mindestens so weit nach der Seite ausdehnen, als die Artillerietätigkeit am
Boden reicht.
Nach Beginn des verstärkten eigenen Feuers pflegt eine erhebliche Verstärkung der
feindlichen Infanterie-Fliegertätigkeit einzusetzen. Ihre Abwehr ist Sache der
Maschinengewehre und LFA-Formationen, da eine Sperre durch Jagdflugzeuge sich in
diesen geringen Höhen nicht durchführen läßt. Es ist zweckmäßig, LFA-Formationen
vorzuschieben, die erst bei Beginn, des Angriffs das Feuer eröffnen.
172. Während des Vorbereitungsschießens von Artillerie und Minenwerfern müssen
dauernd schwächere Ketten von Jagdflugzeugen über der Front sein und jeden Versuch
einzelner Flugzeuge oder kleiner Patrouillen, unsere Front zu überfliegen, verhindern. Je
nach dem Wetter sind diese in zwei bis drei Höhenlagen einzusetzen. Stärkere Ketten, ganze
Jagdfliegerkompagnien oder mehrere solcher müssen von Zeit zu Zeit die feindlichen
Luftstreitkräfte jenseits der Linien aufsuchen und niederkämpfen. Dabei ist aber zu
berücksichtigen, daß die Luftstreitkräfte nicht schon verbraucht werden, ehe der Angriff
beginnt.
173. Fliegerkompagnien G sind während der Artillerie-Vorbereitung gegen Bahnhöfe und
Lager, große Stapelplätze und Flughäfen anzusetzen. In der Nacht und am Morgen vor dem
Angriff sind die feindlichen Flughäfen das wichtigste Ziel. Angriffe auf Eisenbahnzüge auf
offener Strecke — von wagemutigen Besatzungen aus niedrigster Höhe ausgeführt —
können große Wirkung haben. Angriffe gegen feindliche Stabsquartiere können durch
Zerstören der Drahtleitungen Störungen in der Gefechtsführung verursachen.
174. Der Artillerie-Flieger ist neben der Zielerkundung nicht nur zum Einschießen
einzelner Batterien zu verwenden. Er ist durch seine Beweglichkeit und seine gute
Uebersicht ganz besonders geeignet, von Zeit zu Zeit die Nachprüfung einer ganzen Reihe
von Wirkungsschießen und der Lückenlosigkeit des Feuers zu übernehmen. Kurze
Steigerung der Feuergeschwindigkeit erleichtert ihm diese Aufgabe außerordentlich. Das ist
besonders dann von Wichtigkeit, wenn starker Rauch den anderen Beobachtungsmitteln die
Sicht erschwert.
Die Prüfung der Wirkung erfolgt während der Feuerpausen. (Vgl. Punkt 67.)
175. Kurz vor dem Sturm darf sich die eigene Fliegertätigkeit unter keinen umständen
auffällig verdichten, Besser ist es sogar, wenn wenige Minuten vorher die meisten der
niedrig fliegenden Flugzeuge nach der Seite oder rückwärts ausbiegen.
Nur hochfliegende Jagdflugzeuge müssen auch kurz vor dem Sturm über den feindlichen
Linien sein, um die feindliche Aufklärung niederzuhalten. Durch Befehl muß geregelt sein,
daß in der Luft nichts auf den bevorstehenden Sturm schließen läßt.
Der Augenblick des Sturmes ist der schwierigste Zeitpunkt für den Einsatz der
Fliegerverbände. Die Flugzeuge sollen den Beginn des Sturmes nicht durch ihre
Anwesenheit verraten sondern erst nach dem Einsetzen des feindlichen Sperrfeuers
erscheinen, andererseits aber mit Maschinengewehrfeuer, Handgranaten und Bomben in den
Infanteriekampf eingreifen und die feindliche Artillerie und die feindlichen Luftstreitkräfte
bekämpfen.
Dies ist nur zu erreichen durch genaueste Regelung ihrer Tätigkeit im Angriffsbefehl und
durch äußerste Pünktlichkeit beim Einsatz.
176. Beim Sturm müssen als erste Schlachtflieger eingreifen; sie werden auf günstig
liegendem Flugplatz oder Zwischenlandeplatz bereit gestellt. Sie müssen rechtzeitig starten
und so weit ab von der Front kreuzen, daß sie nicht gesehen werden, aber dennoch auf die
Minute pünktlich eingreifen können. Vorheriges Erproben der Flugzeit durch ein einzelnes
Flugzeug am Tag des Angriffs selbst ist unter Umständen zweckmäßig, da die Windstärke
jede Berechnung umwerfen kann.
Alle Fliegerkompagnien D und F, die nicht bei der Schlachtfeldüberwachung Verwendung
finden, sind als Schlachtstaffel zu Bekämpfung von Erdzielen einzusetzen. Je mehr Kräfte
hierfür freigemacht werden, desto größer wird der moralische Eindruck auf den Gegner sein.
Die Luftbeobachtung für die Artillerie und für die Führung darf hierunter jedoch keinesfalls
leiden.
Die Schlachtstaffel richten ihre Angriffe nicht nur gegen die vordere feindliche Linie,
sondern suchen sich auch weiter rückwärts lohnende Ziele, z. B. noch feuernde
feindliche Batterien, bereitgestellte oder im Vorgehen befindliche Reserven, Verkehr auf den
für. den feindlichen Nachschub hauptsächlich in Frage kommenden Straßen.
Einheitliche Regelung des Einsatzes der Schlachtstaffel muß einer Zersplitterung ihrer
Wirkung vorbeugen und die große Kampfkraft mehrerer im Kampf zusammenwirkender
Flugzeuge zur vollen Entfaltung an entscheidender Stelle des Schlachtfeldes bringen. Vgl.
auch Teil 11 der Abschnitte aus der Gefechtslehre.
177. Gleichzeitig mit den Schlachtfliegern erscheinen die Jagdflieger, um, über die Linien
hinaus vorstoßend, den Gegner über seinem Gebiet niederzukämpfen und jede Erkundung
unserer Hauptstoßrichtung zu verhindern.
Starke Kräfte auf den Flügeln der Jagdstaffel sichern gegen eine Umgehung. Besonders
gefährdet ist der Flügel, der nach der Sonne zeigt, weil der Gegner oft seine Angriffe und
Erkundungen mit der Sonne im Rücken versuchen wird. Dorthin gehören die stärksten und
am meisten nach der Höhe gestaffelten Kräfte.
Zweckmäßigerweise wird die Luft über dem Kampffeld in mehrere Räume geteilt, die
etwas ineinander übergreifen. Jede Kette erhält im Befehl einen nicht zu schmalen Raum
und Höhen streifen zugeteilt, die sie nur auf Grund besonderer Ereignisse oder Erwägungen
verlassen darf, abgesehen von kurzen Vorstößen gegen feindliche Geschwader, die auch
außerhalb dieser Räume angegriffen werden müssen.
Die übergreifenden Teile müssen über den Brennpunkten des Kampfes fliegen, um dort
eine Verstärkung an Fliegerkräften zu erzielen. Ueber 4000 m ist eine derartige Einteilung
nur bei einer sehr breiten Angriffsfront erforderlich, da die Kräfte in großen Höhen nicht
zersplittert werden dürfen; denn sie haben in der Regel den Kampf gegen stärkere
Geschwader aufzunehmen, die tiefer ins Land dringen wollen.
Durch die Einteilung solcher Räume wird ein schädliches Zusammenballen der
Fliegerverbände an einzelnen Stellen und ein Entblößen anderer Frontteile vermieden.
Vgl. auch Teil 11 der Abschnitte aus der Gefechtslehre.
178. Einige Minuten nach dem Beginn des Sturmes erscheint der Infanterie-Flieger; er
verfolgt die Vorwärtsbewegung der Infanterie, meldet Störungen im planmäßigen Verlauf,
besonders noch nicht erschütterte Stützpunkte des Gegners, die einer erneuten Vorbereitung
durch Artilleriefeuer bedürfen, und fordert, nachdem das Ziel erreicht ist, die
Kennzeichnung der vorderen Linie. Zu frühes Anfordern ist stets ohne Erfolg und macht die
Infanterie unruhig; es muß dieser etwas Zeit gelassen werden, um sich einzurichten und
Widerstände kleiner feindlicher Abteilungen noch zu brechen. Hat der Infanterie-Flieger das
Erreichen des befohlenen Zieles erkannt, so meldet er zunächst durch Funkspruch die
erreichten Punkte. Unklare Stellen sind als solche zu melden und dann durch weitere
Erkundung zu klären. Ergänzung durch abgeworfene Skizze ist erforderlich.
Soll beim Angriff ein tieferer Geländeraum genommen werden, so müssen auch während
des Angriffsverlaufs die vorderen Linien festgelegt werden und zwar während der Halte
nach Punkt 134. Auf keinen Fall darf aber dadurch der Angriff aufgehalten werden.
Neben der Verfolgung des eigenen Fortschreitens muß der Infanterie-Flieger auch die
Tätigkeit des Gegners überwachen, um Gegenstöße und bereitgestellte bzw. heraneilende
Reserven zu melden und rechtzeitig Artilleriefeuer anzufordern.
179. Bombenangriffe gegen die feindlichen Flughäfen sind während und kurz nach dem
Angriff besonders erfolgreich, weil sie den Einsatz der feindlichen Luftstreitkräfte erheblich
stören und zum Teil verhindern, während Angriffe gegen Lager und Munitions- oder
Material-Stapelplätze in diesem Augenblick weniger Bedeutung für die Kampfhandlung
haben. Dagegen können Bomben- und Maschinengewehr-Angriffe gegen feuernde Batterien
oder gegen Reserven die Tätigkeit des Gegners empfindlich stören.
180. Nur der Artillerie-Flieger befindet sich ununterbrochen vor, während und nach dem
Sturm über dem Kampffelde.
Bei seinem Einsatz kommt es weniger auf eine Häufung von Beobachtungen zur Zeit des
Sturmes an, als auf eine ununterbrochene Ueberwachung der feindlichen und eigenen
Gefechtstätigkeit während der ganzen Schlacht und auf rechtzeitige und schnelle
Uebermittlung an die in Betracht kommenden eigenen Batterien. Von der größten
Wichtigkeit sind Meldungen über die am lebhaftesten feuernden feindlichen Batterien, über
erfolgreich bekämpfte Batterien, über gut und schlecht liegendes Feuer, nicht beschossene,
lohnende Ziele usw. Für derartige Beobachtungen muß der Artillerieflieger ganz bestimmte
Aufträge bekommen, die er neben der allgemeinen Ueberwachung zu lösen hat. Die Befehle
für die eigene Artillerie muß er genau kennen, um sein Verhalten dem Gefechtsverlauf
anpassen zu können. Nur bei gründlicher Unterweisung wird seine Tätigkeit erfolgreich sein.
181. Die Tätigkeit der Artillerieflieger wird ergänzt durch die Ballone, die der Führung
und der Artillerie außerordentlich wertvolle Meldungen bringen werden. Das Vorziehen der
Ballone unmittelbar vor oder nach dem ersten Einbruch ist verhältnismäßig - gefahrlos, da
die feindliche Artillerie durch andere Aufgaben gefesselt ist.
182. Nach dem Sturm sind die Schlachtflieger sobald als möglich wieder startbereit zu
machen, damit sie gegen einsetzende Gegenstöße angesetzt werden können.
Erneuter Ballonangriff kann von Vorteil sein.
Bei weiterem Einsatz der Jagdflieger muß bedacht werden, daß der Gegner den
Augenblick des Sturmes nicht kennt und infolgedessen nicht ununterbrochen stärkere
Fliegerkräfte über dem Kampffeld haben kann. Dagegen wird er, sobald der Sturm
eingesetzt hat, alle verfügbaren Kräfte nach vorn werfen, um die Ueberlegenheit in der Luft
zu erringen. Dementsprechend ist mit einer großen Verstärkung des Gegners in der Zeit 1/2
bis 1 1/2 Stunde nach dem Sturm zu rechnen. Es müssen deshalb etwa 3/4 Stunden nach dem
Angriff frische Jagdflieger eingesetzt werden, damit zu diesem Zeitpunkt auch beim
Angreifer der stärkste Einsatz der Fliegerverbände vorhanden ist.
183. Erweitert sich der Angriff zur Durchbruchsschlacht und wird die Artillerie
vorgezogen, so treten im Vormarsch und auf den neuen Kampffeldern die gleichen
Aufgaben an die einzelnen Verbände der Luftstreitkräfte heran, wie vorstehend niedergelegt.
Das Vorziehen der Luftstreitkräfte muß rechtzeitig befohlen und durch Zuweisung von
Transportmitteln ermöglicht werden.
184. Die Instandhaltung der rückwärtigen Bahnen und Straßen erlangt beim Durchbruch
besondere Bedeutung. Vom Nachschub hängt die Ausbeutung des Erfolges ab. (Vgl. Punkt
86 und 87.)
Die Verkehrsregulierung muß von den Divisionen auf den ihnen zugewiesenen Straßen
(Punkt 89) mit rücksichtsloser Schärfe erfolgen. Gleiche Anordnungen treffen die
Armeekommandos für die rückwärtigen Straßen. Die Straßenkommandanten für die Straßen
in dem, dem Feinde erst abzunehmenden Gebiet müssen im voraus bestimmt sein und sind
von den Armeekommandos mit dem zugehörigen Personal schon bei Beginn des Angriffes
den Divisionen zuzuteilen.
185. Die polizeilichen Anordnungen dürfen beim Vorwärts tragen des Angriffes nicht
nachlassen, sondern müssen schärfer werden. Schon die Divisionen haben ihre
Feldgendarmerie, dann die Divisionskavallerie hierfür einzusetzen. Die Regimenter müssen
selbst für die Militärpolizei in ihrem unmittelbaren Bereiche sorgen.
Die Armeekommandos sorgen für rasches Vorziehen von Etappentruppen zur
Uebernahme des Polizeidienstes.
Besondere Vorsorgen sind von den Divisionen vorderer Linie vor dem Betreten großer
Ortschaften zu treffen. Es wird angezeigt sein, von Haus aus eine der Größe der Ortschaft
entsprechende Abteilung als Polizeitruppe zu bestimmen, deren Kommandant als
Stationskommandant; fungiert. Diese Abteilung hat möglichst frühzeitig, am besten gleich
mit den Sicherungstruppen, den Ort zu erreichen und den Polizeidienst zu übernehmen.
Die Armeekommandos sorgen für baldige Ablösung dieser besonderen Polizeitrupps
durch Etappentruppen.
186. Verpflegsschwierigkeiten werden in den ersten Tagen nach einem gelungenen
Durchbruch kaum eintreten. Die Truppe lebt von den Vorräten des Feindes und des Landes.
Daher sind zuerst Munition, eventuell Brückenequipagen vorzuziehen und dann erst
Verpflegung.
187. Die Ausnützung der neu gewonnenen feindlichen Gebiete ist von allem Anfang an
einheitlich, aber mit allen Mitteln zu betreiben.
Große erbeutete Verpflegsvorräte sind sofort unter Bewachung zu stellen und
ordnungsgemäße Fassungen einzuleiten.
Das Beutemachen einzelner Personen oder der Truppe muß mit allen Mitteln verhindert
werden. Die Truppe darf nur ihren laufenden Bedarf an Verpflegung durch
Requisitionskommandos unter Führung von Offizieren aufbringen; vorgefundenes
Beutematerial ist von ihr unter scharfe Bewachung zu stellen und der Division zu melden.
Mit allem sonstigen Beutemachen hat die Truppe in keiner Beziehung etwas zu tun.
Den Divisionen müssen sogleich bei Beginn der Bewegung Etappentruppen mit der
Bestimmung für Beutesammeln folgen. Wenn nicht gleich mit dem Sammeln der Beute
begonnen wird, geht viel wertvolles, unersetzbares Material verloren.
Das Sammeln der Beute darf nicht untergeordneten Organen überlassen bleiben, da es
sonst in Plünderung ausartet. Die Aufstellung von Beutekommandos (Verpflegspersonal,
Ingenieure, Kunstverständige, Chauffeure usw.) und ihre Angliederung an die Divisionen
vorderer Linie wird zweckmäßig sein. (Vgl. Punkt 104, Einzelheiten, m.)
188. Mobile Sanitätsanstalten müssen ausreichend bereit gestellt sein. (Vgl. Punkt 94.)
Vorsorgen erheischen auch die vielen ermatteten eigenen und Beutepferde.
189. Bald nach Beginn der Bewegung wird eine Ueberprüfung der Truppentrains nötig
werden, sollen nicht die Kolonnenlängen infolge der eingereihten Beutewagen ins
Ungemessene steigen.
Das Nachziehen der nach Punkt 150 zurückgelassenen Trainteile ordnet das höchste
Kommando erst nach Maßgabe des Freiwerdens der Straßen an.
D) Die Verfolgung.
190. Erst die Verfolgung beutet den errungenen Erfolg aus. Ihr Ziel ist die
Vernichtung des Gegners.
Die Erreichung dieses Zieles erfordert von der Führung aller Grade Tatkraft bis zur
Härte, Ton der Truppe hervorragende Ausdauer.
Der Erfolg der Verfolgung liegt in den Beinen. Die Truppe muß bei Einsatz ihrer ganzen
moralischen und körperlichen Kraft das Höchste leisten. Marschverluste müssen in Kauf
genommen werden. Der leitende Gedanke ist Raschheit, um dem geschlagenen Feinde keine
Zeit zur Erholung und zum Ordnen zu geben.
191. Die Verfolgung schließt unmittelbar an den gelungenen Angriff an.
Unter dem Schatze der Feuerwalze strebt die Infanterie unaufhaltsam dem ihr bezeichneten
ersten vorläufigen Ziele zu, um dieses womöglich gleichzeitig mit dem zurückflutenden
Gegner zu erreichen. Läßt sich die Feuerwalze nicht mehr geschlossen aufrecht erhalten, so
tritt an ihre Stelle die Feuerunterstützung durch die im Gefechtsstreifen befindliche
Artilleriegruppe. (Vgl. Punkt 156.)
192. Mit Erreichung des ersten vorläufigen Zieles soll die Zone des vorbereiteten
feindlichen Widerstandes hinter der Infanterie liegen. (Vgl. Punkt 148.)
Es muß sich nun klären, ob zum Niederwerfen des Gegners neue Angriffe notwendig sind
oder ob die Verfolgung einsetzen kann. Die Entscheidung über diese Frage muß rasch fallen
und kann nur vorne fallen. Deshalb gehört die untere Führung bis einschließlich jener der
Division in diesem Falle weit nach vorne zur Truppe. Das Reißen der Verbindungen nach
rückwärts hat keine Bedeutung, wenn die Kommandanten durch eine weit vordenkende
Befehlsgebung der höheren Führung über ihre Aufgabe im Klaren sind und ihren Einfluß auf
die Truppe geltend machen können. (Vgl. Punkt 97.)
193. Weicht der Gegner, so daß kein neuer Angriff notwendig ist, so leitet der vorne
befindliche Führer die Verfolgung im Gefechtsstreifen der Division und auf den ihr
zugewiesenen Straßen ein, ohne erst auf Befehle von rückwärts zu warten.
Oft wird sich die Verfolgung von selbst aus den dem Feinde nachdrängenden Infanterie-
und Artilleriegruppen (Punkt 157) herausschälen und ist dann von den Führern in die
gewünschte Richtung zu lenken.
194. Nach Erreichen des Angriffszieles wird Ordnung in die vermengten Verbände
gebracht werden müssen. Um die hierfür nötige Zeit für die Verfolgung nicht zu verlieren,
sind hinter dem Feinde aus allen Waffen zusammengesetzte Verfolgungsgruppen
nachzusenden.
Beigabe von Radfahrern, Radiostationen und Brieftauben ist sehr erwünscht.
195. Der Zweck der Verfolgungsgruppen besteht im unmittelbaren Nachdrängen hinter
dem weichenden Feind. Er darf weder bei Tag noch bei Nacht zur Ruhe kommen.
Besonders erfolgversprechende Ziele der Verfolgung werden große Städte, Straßen- und
Bahnknoten sein. Eine Wirkung in die hier eingetretene Anschoppung wird die Verwirrung
erhöhen und schnell verbreiten.
196. Feindliche Abteilungen, die zum Schutze des Rückzuges Widerstand leisten, sind
durch die Verfolgungsgruppen im raschem entschiedenem Angriff zu werfen. Hat der
Gegner sich nur flüchtig gestellt, so werden häufig einige Schuß der Artillerie genügen,
um ihn zum Weitergehen zu bewegen.
Oft kann es angezeigt sein, die entfernteren Teile des Gegners zuerst unter Feuer zu
nehmen oder Engwege mit Feuer zu sperren, um hierdurch die Auflösung zu beschleunigen.
(Einsatz der Autokanonenbatterien.)
Wem es gelingt, seitwärts der feindlichen Rückzugslinie vorzukommen und hierdurch
den Zeitverlust beim Kampf mit den feindlichen Nachhuten zu vermeiden, der hat die meiste
Aussicht auf große Erfolge. Das überraschende Erscheinen vor den feindlichen Hauptkräften
ist am besten geeignet, sie im Fluß zu erhalten und Panik auszulösen.
Gefangene sind durch die Verfolgungsgruppen nicht zu machen; die zurücklaufenden,
nur auf Rettung bedachten Ausreißer sind gute Verbündete und tragen den Schrecken meist
bis in den feindlichen Train.
197. Ist Kavallerie in größeren Verbänden vorhanden, so ergänzt sie die Verfolgung der
Verfolgungsgruppen. Die Beigabe von Maschinengewehren und Geschützen ist auch für sie
unerläßlich.
Die Kavallerie muß ihre Aufgabe darin sehen, die ihr beigegebene Artillerie rasch nach
vorwärts und gesichert zur Wirkung zu bringen. Nur ausnahmsweise wird sich Gelegenheit
ergeben, von der blanken Waffe Gebrauch zu machen. Eine unter Verkennung der Lage
gegen nicht genügend zermürbte Infanterie zu Pferd eingesetzte Kavallerie verliert jede
Schneid zur Verfolgung.
Da die Verfolgungsgruppen dem Feinde auf den Rückzugslinien folgen, muß die
Kavallerie unter Ausnützung ihrer größeren Marschgeschwindigkeit trachten, die Nachhuten
des Feindes zu umgehen, sie mit Feuer in den Flanken zu fassen und dadurch der Infanterie
den Weg zu öffnen.
Gelingt es ihr, die zurückgehenden Hauptkräfte des Gegners im Marsche oder in der
Ruhe überraschend mit Feuer anfallen zu können, so werden besonders große Erfolge zu
erwarten sein.
198. Die Arbeit der Verfolgungsgruppen und der Kavallerie wird durch die
Luftstreitkräfte wirkungsvoll ergänzt. Das Beschießen der mit dichten Kolonnen bedeckten
Rückzugsstraßen mit Maschinengewehr und der Bombenabwurf auf Ruheplätze wird
wesentlich zur Minderung der moralischen Verfassung des Gegners beitragen.
Die Hauptaufgabe der Flieger bleibt aber die Aufklärung. Die Führung will jetzt wissen:
Richtung des feindlichen Rückzuges, Umfang desselben nach Breite und Tiefe, das
allgemeine Bild desselben, ob geordnet oder regellos, Antransport frischer feindlicher
Kräfte, Anzeichen, die auf ein Stehenbleiben des Feindes schließen lassen, Verlauf von
vorbereiteten Widerstandslinien.
199. Die Hauptkraft der Angriffsdivisionen wird so rasch möglich hinter den
Verfolgungsgruppen in Marsch gesetzt. Auch hier tritt jetzt die Schonung hinter das Gebot
zurück, den Gegner nicht zur Ruhe kommen zu lassen. Starke Marschleistungen ersparen
spätere schwere Kämpfe.
Artillerie, auch schwere, ist weit vorne einzuteilen.
Die Sorge um Munition überwiegt die um jeden anderen Nachschub.
200. Werden Divisionen zweiter Linie bei der fächerförmigen Ausweitung des Erfolges
zwischen die Angriffsdivisionen eingeschoben, so empfiehlt es sich, die von den
Angriffsdivisionen bereits angesetzten Verfolgungsgruppen auf ihren Linien zu belassen,
ihnen aber frische Gruppen nachzusenden. Die Ablösung vollzieht sich erst mit der Zeit.
201. Das Nachziehen von Divisionen zweiter Linie hinter den Angriffsdivisionen
während der Verfolgung ist nicht so wichtig, als der gesicherte Nachschub an Munition für
die vorderen Verbände. Das Nachziehen der rückwärtigen Divisionen wird zweckmäßig erst
dann erfolgen, wenn die Straßen Verhältnisse geordnet sind. Ein frühzeitiges Inmarschsetzen
führt zur Ueberlastung der Straßen und damit zu Marschverzögerungen, die unabsehbar
werden und den ganzen Nachschub gefährden können. Strengste Straßendisziplin ist
notwendig, um die Verfolgung im Flusse zu erhalten. Etappenstations- und
Etappenlinienkommandos mit reichlichem Personal sind rasch aufzustellen.
202. Stoßen die Verfolgungsgruppen auf nachhaltigen Widerstand, so ist durch sie die
Linie des Widerstandes, Ausdehnung und Verlauf der feindlichen Stellung, Art und Stärke
des Feindes im Kampfe zu erkunden.
Der von ihnen gewonnene Eindruck dient als Grundlage für das Heranführen und die
Verwendung der anmarschierenden Hauptkräfte der Division. Vor Einsatz der Hauptkraft
müssen Kommandant und Generalstabschef die von den Verfolgungsgruppen gemeldeten
Grundlagen durch eigenen Augenschein überprüfen.
Grundsatz bei der Verwendung der Hauptkraft ist, durch Einsetzen möglichst starker
Artillerie und Minenwerfer gegen erkannte Schwächen des Feindes den Widerstand zu
brechen, ohne viel Infanterie ansetzen zu müssen. Raschheit des Handelns ist hierbei
erwünscht, auf Befehle von rückwärts darf nicht gewartet werden.
Je öfter sich solche erfolglose Versuche des Gegners zum Widerstandleisten wiederholen,
je entscheidender sie gebrochen werden, umso größer der Erfolg.
203. Während der Verfolgung darf sich die Führung nicht an den Draht klammern.
Telegraph und Telephon werden mit ihren Kommandos nur dann Schritt halten können,
wenn sie mit Autos entsprechend dotiert werden. Die drahtlosen Verbindungsmittel,
namentlich Radio, treten in den Vordergrund.
204. Eine überaus wertvolle Quelle militärischer Nachrichten und der feindlichen
Spionageorganisation ergibt sich aus dem Schriftenmaterial, das in den Kanzleien der
Kommandos, in den Truppenunterkünften und Verteidigungsanlagen, dann in den Aemtern
und von der flüchtenden Bevölkerung zurückgelassen werden mußte.
Der für den Polizeidienst eingesetzten Feldgendarmerie und den Kommandanten der
Polizeitruppen sind geschulte Nachrichtenorgane beizugeben, die für die Sammlung,
Bergung, Bewachung, erste Sichtung und Uebergabe der erbeuteten Schriften an die
Armeekommandos Sorge zu tragen haben.
205. Der Kraftzustand der eigenen Truppen, der Nachschub an Munition werden meist
bestimmen, wann die Verfolgung ein Ende zu nehmen hat. Auch das Auftauchen frischer
feindlicher Kräfte, Wachsen seines Widerstandes, Rücksichten auf die große Lage werden
mitbestimmend sein.
Die Beurteilung solcher Umstände ist Sache der höheren Führung. Bevor nicht von dieser
die Verfolgung angehalten wird, hat jeder Kommandant das beste aus seiner Truppe
herauszuholen und dem Feinde auf den Fersen zu bleiben.

E) Ergänzende Bestimmungen für den Angriff im Bewegungskrieg.


Der Angriff im Bewegungskrieg wird im Teil XVI. der Abschnitte aus der Gefechtslehre
behandelt.

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