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Die Umweltverschmutzung nimmt bedrohliche Ausmaße an

Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts haben die Verschmutzung aller Erdhüllen – der Atmosphäre, der Hydrosphäre und der
Lithosphäre – und die rapide Veränderung der natürlichen Bedingungen bedrohliche Ausmaße angenommen. Am meisten
betrifft das den Weltozean und die Binnengewässer – die Flüsse und Seen. Das hängt damit zusammen, dass die rasch
wachsenden Städte der Welt und die riesige Zahl an Betrieben ihre Abfälle in die Flüsse leiten. Der Weltozean wird gegenwärtig
auch stark durch die breite Förderung von Erdöl durch Bohranlagen im Meer verschmutzt.
In raschem Tempo schreitet die Verschmutzung der Atmosphäre voran. Sie hat bereits globalen Charakter angenommen. Aus
den Industriegebieten, wo die Betriebe ihren Rauch in die Atmosphäre schleudern, trägt der Wind diese Emissionen über
hunderte und tausende Kilometer hinweg. Die Stickstoff- und Schwefelverbindungen vermischen sich mit der atmosphärischen
Feuchtigkeit und verwandeln sich in Säure. Es fallen „saure Regen“, die sich nicht nur verheerend auf die überirdischen
Pflanzen und kleinen Tiere auswirken, sondern auch auf die Fische und Wasserpflanzen in den Wasserreservoiren.
Verschmutzt ist auch die Lithosphäre. Die Abfälle der Industriebetriebe gelangen in die Erde unter den großen Städten.
Die Tätigkeit des Menschen ist in ihrem Ausmaß bereits mit dem Wirken planetarer Kräfte vergleichbar. Aber die von den
Menschen erlangte Macht ist widersprüchlich. Während der Mensch eine Technik erschafft, mit der er Zeit und Kraft spart,
„verschlingt“ er dabei Berge und Wälder, vergießt das Wasser und verräuchert mit den Schornsteinen einer riesigen Zahl von
Betrieben den Himmel. Mit seiner technischen Macht überschreitet der Mensch häufig die Grenze, hinter der sich sein
Verhältnis zur Natur aus einem freundschaftlichen in ein feindliches verwandelt.
Jahr für Jahr werden in der Welt Dutzende Milliarden Tonnen Rohstoff verarbeitet, und diese Zahl verdoppelt sich alle 15
Jahre. Heute werden 98 Prozent des aus dem Erdinneren geförderten Stoffs wegen „Nutzlosigkeit“ weggeworfen. In einem Jahr
bilden sich beim Abbau und der Verarbeitung mineralischer Rohstoffe etwa 8,5 Milliarden Tonnen fester Abfälle. Allein in die
Atmosphäre werden jährlich hunderte Millionen Tonnen Qualm und Staub ausgestoßen. Die Abfälle häufen sich auf den
Halden und werden ins Wasser geleitet. Schädliche Beimengungen lösen sich in großen Wasserreservoiren oder in der Luft
auf, aber sie verschwinden nirgendwo hin.
Die Einmischung des Menschen in die Angelegenheiten der Natur nimmt zügig zu. Bei gegenwärtigem Wasserverbrauch der
Wirtschaft wird die Trinkwasserversorgung pro Kopf der Erdbevölkerung bis zum Jahr 2050 um ein Drittel sinken. Auch die
Qualität des Wassers verschlechtert sich. Selbst nach der Reinigung des Wassers gelangen ca. ein Drittel organischer
Verunreinigungen und fast alle nicht organischen Stoffe mit den Abwässern in Flüsse und Seen.
Bedroht sind die Wälder, die den Kohlenwasserstoff- und Wasserhaushalt, die Aufrechterhaltung der Bodenfruchtbarkeit
sowie die Erhaltung der Pflanzen- und Tierwelt gewährleisten. Bis zu 60% der Wälder auf der Erde sind tropische, aber die
Geschwindigkeit ihres industriellen Abholzens hat bereits 20 Hektar pro Minute erreicht. Beim Beibehalten dieser Tendenzen
verringert sich rapide die Fläche der Wälder in einigen Jahren, und in einigen Gebieten verschwinden völlig die Wälder.
All diese Faktoren wirken sich negativ auf die Gesundheit des Menschen aus. Mit der Luft, dem Wasser und der Nahrung
dringen gesundheitsschädliche Substanzen in den menschlichen Körper ein. Als erste spüren die Industrieländer die Gefahr der
Umweltverschmutzung. Dort wächst ständig die Zahl der chronischen Herz-, Gefäß- und Lungenkrankheiten. Darüber hinaus
nehmen Allergieerkrankungen, die den Menschen früher fast unbekannt waren, und leider auch Krebserkrankungen zu.
Es treten unbekannte Krankheiten in Erscheinung, bekannte verlaufen schwerer – die Behandlung erfordert mehr Zeit. Hoch
ist die Wahrscheinlichkeit genetischer Veränderungen, deren Folgen noch gar nicht abzusehen sind.
Deshalb ist die Sorge um die Erhaltung einer sauberen Umwelt auch die Sorge um die Erhaltung der Arbeitsfähigkeit und
Gesundheit der Bevölkerung.