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Oberstufe

Deutsch
Deutsch: Die verkaufte Sprache
Sachtextanalyse / Erörterung

Klausur mit EHZ


Anglizismen – Sprachwandel – Mehrsprachigkeit -
Kiezdeutsch – Sprachvairietäten - Sprachkritik
Deutsch-Klausur Nr.
Analyse eines Sachtextes mit weiterführendem Schreibauftrag

Aufgabenstellung:

1 Analysiere den vorliegenden Text von Jens Jessen!

Stelle dabei die Position sowie Intentionen des Verfassers dar und untersuche die
argumentative und sprachliche Gestaltung des Textes!

40 Punkte

2 „Der Sprachimporteur ist vor allem ein Marketingexperte in eigener Sache." (Z.40f.)

Nimm ausgehend von einer kurzen Vorstellung der sprachwissenschaftlichen


Diskussion um Kiezdeutsch Stellung zu der Frage, inwieweit sich auch die
Verbreitung von Kiezdeutsch auf der Grundlage dieser Einschätzung Jessens
erklären lässt.

32 Punkte

Erläuterung und Worterklärungen:

Z. 1 heimattümelnd übertrieben stolz auf die eigene Heimat


Z. 16 Einfalt naive Art, die auf einer gewissen Beschränktheit, auf mangelndem
Urteilsvermögen beruht
Z. 32 Zeitgeistopportunismus zweckmäßige Anpassung an die gegenwärtige allgemeine Gesinnung
Z. 54 ridikül von französisch ridicule lächerlich
Z. 55 arkan von lateinisch arcanus: geheim, verschlossen
Z. 65 malträtieren von französisch maltraiter: misshandeln

Über den Verfasser:


Jens Jessen (* 2. August 1955 in Berlin) ist ein deutscher Journalist und Publizist. Von 2000 bis 2014
war Jessen Ressortleiter des Feuilletons der Wochenzeitung Die Zeit. Seine Arbeitsschwerpunkte sind
Literaturkritik und Filmkritik.
Neben seinem Kunstgeschichts- absolvierte er ein Germanistikstudium. In der
sprachwissenschaftlichen Forschung ist er jedoch nicht aktiv.

Arbeitsmaterial:
– Textblatt (Jens Jessen: Deutsch - Die verkaufte Sprache, in: DIE ZEIT Nr. 37/2007.)
– Duden (Rechtschreibung)

Viel Erfolg!
Deutsch-Klausur Nr.
Analyse eines Sachtextes mit weiterführendem Schreibauftrag

DIE ZEIT Nr. 31/2007


Deutsch: Die verkaufte Sprache
von Jens Jessen

Aus dem Kreis der Weltsprachen ist das Deutsche schon verschwunden.
Nun wird es auch in seiner Heimat zum Sanierungsfall.

Aus urheberrechtlichen Gründen kann der Text an dieser Stelle nicht


abgedruckt werden. Er findet sich unter
https://www.zeit.de/2007/31/Deutsch-Aufmacher

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Deutsch-Klausur Nr.
Analyse eines Sachtextes mit weiterführendem Schreibauftrag

Bewertungsbogen
Name der Schülerin/ des Schülers:

Leistungsanforderung
Lösungsqualität
a) inhaltliche Leistungen Max.
Erreichte
Punktzahl
Punktzahl

Die Schülerin/Der Schüler …

verfasst eine aufgabenbezogene Einleitung unter Nennung von Autorin, Titel,


3
Textsorte, Erscheinungsdatum.

erschließt das zentrale Thema, etwa:


• Einordnung in die Debatte zum Sprachwandel: Inwieweit ist die deutsche
Sprache vom Verfall bedroht?
3
• Fokus auf Anglizismen: Inwieweit muss die deutsche Sprache vor Einflüssen
aus dem Englischen geschützt werden?

stellt Jessens Position dar, etwa:


• Die deutsche Sprache, die bereits keine Weltsprache mehr ist, ist vom
Verfall bedroht. (Vgl. z.B. Vortext)
• Die deutsche Sprache hat bisher durch Einflüsse aus anderen Sprachen
gewinnen können. (Vgl. Z. 16ff.)
• Die Übernahmen englischer Wörter führt hingegen zur „Simplifizierung“. (Z.
8
24) des Deutschen und nehme ihr viele Möglichkeiten, sich
weiterzuentwickeln.
• Die unreflektierte Übernahme englischer Begriffe erfolgt aus
Marketinggründen und zur vermeintlichen Aufwertung des Sprechers.
• Es liegt an der Sprechergemeinschaft den Sprachverfall zu stoppen und das
Deutsche diesem Trend nicht zum Opfer fallen zu lassen. (Z. 56-66)

erschließt den Inhalt des Textes unter Berücksichtigung der argumentativen


Entfaltung, etwa:

• Kernthese: Die deutsche Sprache wird zu einem „Sanierungsfall“


(Überschrift)
• Abgrenzung der eigenen Position von engstirnigen sprachpuristischen
Positionen: begründete Sorge um die deutsche Sprache (Z. 1-4)
• illustrierende Beispiele: Anglizismen und Pseudo-Englisch im Alltag (Z. 5-8)
• kurzer historischer Abriss des Sprachwandels: „Deutsch [ist] seit Langem
eine Hybridsprache“ (Z. 16ff.)

• Kritik an den Motiven für die Bevorzugung der englischen Sprache:


12
◦ Englische Wendungen dienen dem Marketing (Z. 9-15; Z. 38ff.; Z. 54f.)
◦ Englische Ausdrücke verdrängen die natürliche Wortbildung des
Deutschen und schränken das Deutsche so ein (Z. 20ff.)
◦ Der Gebrauch des Englischen ist ein „Zeitgeistopportunismus“ (Z. 29ff.)
◦ Das Englische der Businesssprache täuscht andere Mitglieder der
Sprechergemeinschaft (Z. 46-53)
◦ Deutsch ist somit eine „verkaufte Sprache" (Überschrift)

• Ausblick: Skizzieren von Möglichkeiten der Einflussnahme der Sprecher auf


die weitere Entwicklung des Deutschen und ihren zukünftigen Status (Z.
56ff.)
untersucht sprachliche Besonderheiten im Hinblick auf ihre Funktion, etwa:

• bildreichen Sprache: Metaphern und Vergleiche; Personifikation der


Sprache, der Gewalt angetan wird (Vgl. Z. 50)
• rhetorische Fragen zur Leserlenkung (Z. 4ff.)
• Kontrastierungen, z.B.: „heimattümelnde[r] Sprachschützer[], dem man
nicht im Dunkles begegnen möchte" (Z. 1f.) - Rationalität („im hellen
Mittagslicht der aufgeklärten Vernunft"; Z. 2f.) des „um den Bestand der
deutschen Sprache"(Z. 3f.) Besorgten 8
• abwertende Formulierungen und teilweise ironische Distanzierung (Vgl. Z.
54f.) gegenüber dem Englischen in der deutschen Sprache und den für diese
Entwicklung Verantwortlichen
• direkte Leseransprache (Z. 56)
• Komplexe Syntax und zahlreiche Fachwörter sowie das Spielen mit
verschiedenen Stilebenen weisen den Verfasser als kompetenten Sprecher,
der um den Erhalt einer kultivierten Sprache besorgt ist, aus.

untersucht Intentionen des Textes hinsichtlich der inhaltlichen Aussage und der 6
Leserlenkung, etwa:

• Selbstdarstellung als um den Bestand der deutschen Sprache besorgter


vernünftiger Sprachschützer in Abgrenzung zu „heimattümelnden" (Z. 1)
Sprachpuristen
• unterhaltsamer Problemaufriss: Thematisierung alltäglicher Erfahrungen mit
Anglizismen und Pseudo-Englisch im Deutschen
• Aufrütteln der Leserschaft durch das Heraufbeschwören des Bildes einer
toten Sprache als Konsequenz aus achtlosem Umgang mit dem Deutschen
• Appell an die Leser, das Schicksal der deutschen Sprache in die eigenen
Hände zu nehmen

 meinungsbildende Funktion des Artikels

erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (4)

Punktzahl (1. Aufgabe) 40

verfasst eine aufgabenbezogene Überleitung, etwa unter Verweis auf aktuelle 3


kontroverse Debatten im Hinblick auf das Thema Sprachvarietäten.

- erläutert, was man unter Kiezdeutsch versteht und benennt zentrale Elemente 7
dieser Varietät des Deutschen:

• multiethnische Jugendsprache: vornehmlich unter Jugendlichen in urbanen


Räumen mit einem hohen Bevölkerungsanteil an mehrsprachigen Sprechern
gesprochen
• Abweichungen vom Standarddeutschen, z.B.: Veränderte Wortstellung,
Aufnahme fremdsprachiger Begriffe aus Heritage-Sprachen (lan), Gebrauch
bloßer Nominalgruppen, Koronalisierung des „Ich-Lautes, Entwicklung neuer
Partikeln (musstu, lassma)
fasst zentrale Positionen der sprachwissenschaftlichen Diskussion 7
zusammen, etwa:

• Verständnis von Kiezdeutsch als „produktives eigenes Sprachsystem“ (H.


Wiese), das Teil eines größeren sprachlichen Repertoires ist und daneben
auch formellere Sprechweisen wie das Standarddeutsche umfasst

• Abwertungen als ‚gebrochenes Deutsch‘ oder Form der ‚doppelten


Halbsprachigkeit‘

setzt sich abwägend mit der Fragestellung auseinander, inwieweit ein Sprecher von 10
Kiezdeutsch als „Marketingexperte in eigener Sache" zu bezeichnen ist, indem er
Pro- und Kontra-Argumente erörtert, z.B.:

Pro:
• Kiezdeutsch als Identität stiftende und Abgrenzung ermöglichende
Sprachvarietät: Peer-Group-Sprache
• Auch Jugendliche, die nicht mehrsprachig aufgewachsen sind, ahmen diese
Sprachform nach (Act of Identity)
• mediale Stilisierung durch Künstler wie Buddy Ogün oder Erkan und Stefan

Kontra:
• Kiezdeutsch wird häufig als defizitäre Sprache wahrgenommen
• Rückschlüsse auf die Kompetenz des Sprechers und seine Intelligenz werden
gezogen; wissenschaftlich nachgewiesene Verunsicherung von Sprechern
aufgrund deren Verinnerlichung negativer Beurteilungen ihrer sprachlichen
Varietät
• Kiezdeutsch als Erweiterung authentischer sprachlicher
Ausdrucksmöglichkeiten

formuliert ein abschließendes Fazit, etwa unter Berücksichtigung 5


• einer persönlichen Gewichtung von zuvor entfalteten Argumenten,
• der Entwicklung einer begründeten Schlussfolgerun.

erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (6)

Punktezahl (2. Aufgabe) 32


Punktzahl (Inhaltliche Leistung) 72

Leistungsanforderung
Lösungsqualität
b) Darstellungsleistung Max.
Erreichte
Punktzahl
Punktzahl

Die Schülerin/Der Schüler …


strukturiert seinen Text kohärent, schlüssig, stringent und gedanklich klar

• angemessene Gewichtung der Teilaufgaben in der Durchführung


• gegliederte und angemessen gewichtete Anlage der Arbeit
6
• schlüssige Verbindung der einzelnen Arbeitsschritte
• schlüssige gedankliche Verknüpfung von Sätzen

formuliert unter Beachtung der fachsprachlichen und fachmethodischen


Anforderungen
• Trennung von Handlungs- und Metaebene
• begründeter Bezug von beschreibenden, deutenden und wertenden
Aussagen 6
• Verwendung von Fachtermini in sinnvollem Zusammenhang
• Beachtung der Tempora
• korrekte Redewiedergabe (Modalität)

belegt Aussagen durch angemessenes und korrektes Zitieren


• sinnvoller Gebrauch von vollständigen oder gekürzten Zitaten in
3
begründender Funktion

drückt sich allgemeinsprachlich präzise, stilistisch sicher und begrifflich differenziert


aus
• sachlich-distanzierte Schreibweise
5
• Schriftsprachlichkeit
• begrifflich abstrakte Ausdrucksfähigkeit

formuliert lexikalisch und syntaktisch sicher, variabel, komplex und zugleich klar
5

schreibt sprachlich richtig


3

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Summe:
Gesamtsumme (Summe Inhalt und Darstellung) 100

Endnote: _________________________

95- 90- 85- 80- 75- 70- 65- 60- 55- 50- 45- 39- 33- 27- 20-
0-19
100 94 89 84 79 74 69 64 59 54 49 44 38 32 26

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Fehleranalyse zur Klausur