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Einführung in die Literaturinterpretation I.

Uvod u književnu interpretaciju I.

– Arten und zentrale Elemente der Epik –


drugo predavanje

Dr. sc. Marijana Jeleč


Warum interpretiert man Texte?
Texte wollen in bestimmter Weise
Im literaturwissenschaftlichen Aussagen über Sachverhalte machen,
Gebrauch ist die Interpretation die sie wollen etwas bedeuten, sie haben
Erklärung, Deutung oder Auslegung eine Botschaft.
von literarischen Texten.

Was ist Literaturinterpretation?


Die Interpretation ist die
lateinisches Wort
Hauptaufgabe der
„interpretatio“ bedeutet
Literaturwissenschaft.
Erklärung, Deutung

literaturwissenschaftliche
Interpretation erfordert bestimmte
Kenntnisse - über literarische
Gattungen, Epochen, Techniken,
Methoden, Struktur usw.
Literarische und nichtliterarische Texte
Wo ist der Unterschied?
Nichtliterarische Texte: Anleitungen, Telefonbuch, technische Texte, Reportagen,
Werbung, Gesetze usw. → Gebrauchstexte, sie belehren, informieren, die Sprache
ist einfach, sie sind realitätsbezogener

Merkmale:
- Funktionalität
- Sachlichkeit
- Realitätsbezogenheit
- Eindeutigkeit
Literarische Texte
Merkmale
- Literarische Texte sind künstlich-künstlerisch. Sie erschaffen fiktionale Welten, d.h. nicht-
wirkliche Welten – künstlich. Sie sind künstlerisch, was die Sprache und den Stil betrifft, sie
verwenden Symbole, Metaphern, rhetorische Figuren usw. Literarische Texte sind
Kunstwerke.
- Mehrdeutigkeit: Sie sind mehrdeutig, fordern oft ein zweites Lesen und geben dem Leser
Spielraum.
- Der Text erwartet vom Leser eine „Wertantwort“ (Beurteilung). Diese Antwort ist individuell
und subjektiv. Der Leser kann dabei von außertextlichen und außerliterarischen Faktoren
(Tradition, Konventionen, Mode, Bildung, literarische Vorkenntnisse usw.) beeinflusst
werden.
- Die Redeabsicht des Autors wird nur durch den Text vermittelt, was eine individuelle,
subjektive Deutung fordert.
- Sie reisen durch Raum und Zeit.
- Literarische Texte sind intertextuell, d.h. ein literarischer Text bezieht sich auf einen
anderen literarischen Text und übernimmt etwas von diesem Text oder spielt darauf an.
Epik leitet sich vom griechischen Wort „epos“ ab
→ große Erzählungen, die von Gö?ern, von großen Helden oder
vom Jenseits handeln
Epik epische Formen: Roman, Erzählung, Kurzgeschichte,
Kalendergeschichte, Novelle, Märchen, Parabel, Essay,
Witz, Schwank, Anekdote, Sage, Epos, Fabel, Legende
usw.

Roman
- bekannteste epische Gattung
- unterscheidet sich von den epischen Kleinformen durch seinen Umfang
- verschiedene Romantypen: Bildungsroman, Gesellschaftsroman, Familienroman,
Heimatroman, Zeitroman, Abenteuerroman usw.
Lyrik
- im 19. Jh. wird der Roman zum Massen- und Unterhaltungsmedium und die
gesellschaftlichen Umstände wirken sich immer mehr auf den Roman aus
- im 20. Jh. erlebt der deutsche Roman seinen Höhepunkt. Bekannte Namen sind:
Thomas Mann, Heinrich Mann, Günter Grass, Heinrich Böll, Erich Kästner, Stefan Zweig,
Josef Winkler usw.
Erzählung
- zählt zu den epischen Kleinformen
- ist umfangreicher als andere Kleinformen und kürzer als der Roman
- zwei Formen der Erzählung – Rahmenerzählung und chronikalische Erzählung
- die Handlung wird chronologisch und aus einer Perspektive erzählt
- eine Erzählung hat eine Einleitung, einen Hauptteil und einen Schluss
Kurzgeschichte
- entstand in Deutschland um 1920
- der Name ist eine Lehnübersetzung vom amerikanischen „short story“
- sie hat einen strengen Aufbau
- konzentriert sich auf ein Geschehen
- verzichtet auf Vor- und Nachgeschichte
- beschreibt eine konfliktgeladene Situation
- hat oft einen offenen Schluss
Novelle
- vom italienischen Wort „novella“ (Neuigkeit)
- ein unerwartetes Ereignis im Mittelpunkt
- die Handlung spielt in einem realistischen Raum und führt geradlinig auf den Schluss zu
- Giovanni Boccaccio führt die Novelle um 1350 als literarische Gattung ein
- wichtigste Merkmale: das Überraschende und Außergewöhnliche (Goethe)
- Thomas und Heinrich Mann, Arthur Schnitzler, Gottfried Keller, Heinrich von Kleist usw.