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Vorlesung: Mathematik zur Astronomie


Dozent: Angelika Erhardt, Prof. i.R.

Aufgabenblatt 29

Aufgabe 1

x y

b c
Abbildung 1: Torus. Gezeigt ist nur ein Ausschnitt zur besseren Übersicht.
a) Torus mit einem gros̈sen (Länge des roten Pfeils) Radius a und einem kleinen (Länge des blauen Pfeils) Radius b.
b) Schnitt mit der yz-Ebene, mit gros̈sem Radius a (in Abb. a in rot), kleinem Radius b ´(in Abb. a in blau) sowie Parameter θ
c) Schnitt mit der xy-Ebene, mit kleinem Durchmesser 2b und Parameter ψ

Ein Torus hat, wie eine Kugel, eine Oberfläche, die durch zwei Parameter θ und ψ aufgespannt wird.
Sind die beiden Radien a und b in Abb. 1 konstant, so hat die Oberfläche die Parameterdarstellung:
 
x(θ, ψ)
~r(θ, ψ) = y(θ, ψ)
z(θ, ψ)
2

mit

x(θ, ψ) = (a + b cos θ) cos ψ


y(θ, ψ) = (a + b cos θ) sin ψ
z(θ, ψ) = b sin θ

Dabei ist ~r(θ, ψ) der Ortsvektor, ausgehend vom Ursprung in Abb. 1a. Die Herleitung dieser Gleichung
ist nicht verlangt. Wir suchen die Christoffelsymbole Γjik der Torusoberfläche. Dazu berechnen wir:
∂~r ∂~r
a) die Basisvektoren und
∂θ ∂ψ
b) die Metrik gik sowie die inverse Metrik g kl
c) die Christoffelsymbole Γjik (extrinsische Form), berechnet nach Script Gl. 5.11 Seite 50110. Man
kann sich dabei an Beispiel 5.2 orientieren.
d) Wer möchte, kann die intrinsische Form der Christoffelsymbole außerdem nach Gl. 5.13 berechnen.
Dazu sollte man das Kapitel 5.1.4 auf den Seiten 50112–50114 verstanden haben, die wir noch
nicht durchgenommen haben.
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Lösung 1

 
(a + b cos θ) cos ψ
~r(θ, ψ) =  (a + b cos θ) sin ψ 
b sin θ

a) Die Basisvektoren
 
−b sin θ cos ψ
~b1 = ∂~r(θ, ψ) =  −b sin θ sin ψ 
∂θ b cos θ
 
−(a + b cos θ) sin ψ
~b2 = ∂~r(θ, ψ) =  (a + b cos θ) cos ψ 
∂ψ 0
b) Die Metrik
~b ~b ~b1 ~b2
 
gik = ~ 1 ~ 1 ~b2 ~b2
b2 b1

   
−b sin θ cos ψ −b sin θ cos ψ
~b1 ~b1 =  −b sin θ sin ψ  ·  −b sin θ sin ψ 
b cos θ b cos θ
= b2 sin2 θ cos2 ψ + b2 sin2 θ sin2 ψ + b2 cos2 θ
= b2 sin2 θ(cos2 ψ + sin2 ψ) + cos2 θ = b2


   
−(a + b cos θ) sin ψ −(a + b cos θ) sin ψ
~b2 ~b2 =  (a + b cos θ) cos ψ  ·  (a + b cos θ) cos ψ 
0 0
= (a + b cos θ)2 sin2 ψ + (a + b cos θ)2 cos2 ψ = (a + b cos θ)2

   
−b sin θ cos ψ −(a + b cos θ) sin ψ
~b1 ~b2 = ~b2 ~b1 =  −b sin θ sin ψ  ·  (a + b cos θ) cos ψ 
b cos θ 0
= b(a + b cos θ) sin θ cos ψ sin ψ − b(a + b cos θ) sin θ cos ψ sin ψ = 0

~b1 ~b1 ~b1 ~b2


   2 
b 0
→ gik = ~ ~ ~ ~ =
b2 b1 b2 b2 0 (a + b cos θ)2
Da gik eine Diagonalmatrix ist, enthält die inverse Metrik den Kehrwert der Diagonalelemente:

1
 
2
0
g ik =  b
 
1 
0
(a + b cos θ)2
4

c) Die Christoffelsymbole Γjik (extrinsische Form), berechnet nach Gl. 5.11:


∂ 2~r ∂~r
Γjik = i k
· m · g mj ((a))
∂u ∂u ∂u
Hier ist (1 ≤ {i, j, k, j, m} ≤ 2, und m ist ein Dummy-Index
∂ 2~r
 
j ∂~r 1j ∂~r 2j
→ Γ ik = · ·g + 2 ·g
∂ui ∂uk ∂u1 ∂u
Da wir jetzt also 3 freie Indices haben, von denen jeder den Wert 1 oder 2 annehmen kann, gibt es
auch 2 · 2 · 2· = 8 Christoffel-Symbole:
∂ 2~r ∂ 2~r
 
1 ∂~r 11 ∂~r 21 ∂~r
Γ 11 = 1 1
· 1
· g + 2
· g = 1 1
· 1 · g 11
∂u ∂u ∂u ∂u ∂u ∂u ∂u
2
∂ 2~r
 
∂ ~r ∂~r ∂~r ∂~r
Γ112 = · · g 11
+ · g 21
= · · g 11
∂u1 ∂u2 ∂u1 ∂u2 ∂u1 ∂u2 ∂u1
∂ 2~r ∂ 2~r
 
1 ∂~r 11 ∂~r 21 ∂~r
Γ 21 = 2 1
· 1
· g + 2
· g = 2 1
· 1 · g 11
∂u ∂u ∂u ∂u ∂u ∂u ∂u
2
∂ 2~r
 
∂ ~r ∂~r ∂~r ∂~r
Γ122 = 2 2
· 1
· g 11
+ 2
· g 21
= 2 2
· 1 · g 11
∂u ∂u ∂u ∂u ∂u ∂u ∂u
2
∂ 2~r
 
∂ ~r ∂~r ∂~r ∂~r
Γ211 = 1 1
· 1
· g 12
+ 2
· g 22
= 1 1
· 2 · g 22
∂u ∂u ∂u ∂u ∂u ∂u ∂u
2
∂ 2~r
 
∂ ~r ∂~r ∂~r ∂~r
Γ212 = · · g 12
+ · g 22
= · · g 22
∂u1 ∂u2 ∂u1 ∂u2 ∂u1 ∂u2 ∂u2
∂ 2~r ∂ 2~r
 
2 ∂~r 12 ∂~r 22 ∂~r
Γ 21 = 2 1
· 1
·g + 2 ·g = 2 1
· 2 · g 22
∂u ∂u ∂u ∂u ∂u ∂u ∂u
2
∂ 2~r
 
∂ ~r ∂~r ∂~r ∂~r
Γ222 = 2 2
· 1
· g 12
+ 2
· g 22
= 2 2
· 2 · g 12
∂u ∂u ∂u ∂u ∂u ∂u ∂u

Die gestrichenen Koeffizienten der inversen Metrik sind 0.


∂ 2~r
Gleichung (a) enthält noch doppelte Ableitungen i k , und es ist vielleicht schlau, diese zuerst
∂u ∂u
zu berechnen.
Dazu müssen wir beschließen, welche der beiden Variablen (θ, ψ) u1 und welche u2 ist.
Wir setzen: (u1 1, u2 ) = (θ, ψ)1 .
Von den doppelten Ableitungen gibt es sechs Stück:
∂ 2~r ∂ 2~r ∂ 2~r ∂ 2~r
, und = ,
∂u1 ∂u1 ∂u2 ∂u2 ∂u1 ∂u2 ∂u2 ∂u1
bzw.
∂ 2~r ∂ 2~r ∂ 2~r ∂ 2~r
, und = ,
∂θ∂θ ∂ψ∂ψ ∂θ∂ψ ∂ψ∂θ
Die ersten Ableitungen haben wir schon bei der Berechnung der Basisvektoren in a) berechnet.
Wir müssen also jede nur noch einmal ableiten:
   
2
~ −b sin θ cos ψ −b cos θ cos ψ
∂ r ∂ ~  ∂ 
= b1 = −b sin θ sin ψ  =  −b cos θ sin ψ 
∂θ∂θ ∂θ ∂θ b cos θ −b sin θ

1 Man sollte möglicht die Reihenfolge von Variablen nicht vertauschen bevor man ganz sicher ist, dass es ungefährlich ist.
5

=
   
2 −(a + b cos θ) sin ψ −(a + b cos θ) cos ψ
∂ ~r ∂ ~
  ∂ 
= b2 = (a + b cos θ) cos ψ  =  −(a + b cos θ) sin ψ 
∂ψ∂ψ ∂ψ ∂ψ 0 0
   
−b sin θ cos ψ b sin θ sin ψ
∂ 2~r ∂ ~  ∂  ∂ 2~r
= b1 = −b sin θ sin ψ = −b sin θ cos ψ  =
 
∂ψ∂θ ∂ψ ∂ψ b cos θ 0 ∂θ∂ψ

Jetzt nur noch sortieren:


   
−b cos θ cos ψ −b sin θ cos ψ
1
Γ111 =  −b cos θ sin ψ  ·  −b sin θ sin ψ  · 2 = 0
−b sin θ b cos θ b
   
b sin θ sin ψ −b sin θ cos ψ
1
Γ112 = −b sin θ cos ψ  ·  −b sin θ sin ψ  · 2 = 0
0 b cos θ b
   
b sin θ sin ψ −b sin θ cos ψ
1
Γ121 = −b sin θ cos ψ  ·  −b sin θ sin ψ  · 2 = 0
0 b cos θ b
   
−(a + b cos θ) cos ψ −b sin θ cos ψ
1 (a + b cos θ) sin θ
Γ122 =  −(a + b cos θ) sin ψ  ·  −b sin θ sin ψ  · 2 =
0 b cos θ b b
   
−b cos θ cos ψ −(a + b cos θ) sin ψ
1
Γ211 =  −b cos θ sin ψ  ·  (a + b cos θ) cos ψ  · 2
=0
−b sin θ 0 (a + b cos θ)
   
b sin θ sin ψ −(a + b cos θ) sin ψ
1 −b sin θ
Γ212 = −b sin θ cos ψ  ·  (a + b cos θ) cos ψ  · 2
=
0 0 (a + b cos θ) (a + b cos θ)
   
b sin θ sin ψ −(a + b cos θ) sin ψ
1 −b sin θ
Γ221 = −b sin θ cos ψ  ·  (a + b cos θ) cos ψ  · 2
=
0 0 (a + b cos θ) (a + b cos θ)
   
−(a + b cos θ) cos ψ −(a + b cos θ) sin ψ
1
Γ222 =  −(a + b cos θ) sin ψ  ·  (a + b cos θ) cos ψ  · 2
=0
0 0 (a + b cos θ)

d) Die Christoffelsymbole Γjik (intrinsische Form), berechnet nach Gl. 5.13: und Bsp. 5.3 im Script.
Wie in Bsp. 5.3 ist die Metrik diagonal und und g11 =const. Es bleiben also nur 3 Christoffelsym-
bole:
1 ∂  1 (a + b cos θ) sin θ
Γ122 = −g22;1 · g 11 = − (a + b cos θ)2 · 2 =
2 ∂θ b b
1 ∂ 1 −b sin θ
Γ212 = g22;1 · g 22 = (a + b cos θ)2 ·

2
=
2 ∂θ (a + b cos θ) (a + b cos θ)
−b sin θ
Γ221 = g22;1 · g 22 =
(a + b cos θ)
∂ 1
Γ222 = g22;2 · g 22 = (a + b cos θ)2 ) · =0
∂ψ (a + b cos θ)2 )