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und Atemschwierigkeiten weiter verschlechtert.

Nach etwa vier Wochen ist sie


an den Folgen der Magersucht gestorben. Ihre Leber hat versagt, sie hatte kei-
ne Widerstandskrófte mehr und die Medikamente schlugen bei ihr nicht an.
Aber nicht nur die Modebranche ist daftir verantwortlich, dass Módchen an
Anorexie erkranken.
- Tats[chlich? Was gehórt noch zu den Ursachen dieser Krankheit?
- Vor allem die nichste Umgebung. Meistens ist es die Familie. Sehr oft kom-
men magerstichtige M6dchen aus in Anfiihrungszeichen ,sehr guten Verhiilt-
nissen". Hier gibt es zwei Modelle: entweder schuftet die Mutter so viel, dass
sie keine Zeit lund keine Kraft mehr fiir ihr Kind hat. Das passiert oft in den
Familien, in denen die Mutter ihre kinder allein erzieht. Das kind fiihlt sich
einfach vernachlżissigt und sehnt sich nach der Aufmerksamkeit der Mutter.
Oder das zweite Modell: die Mutter hat zugunsten der Familie auf ihre eigene
karriere verzichtet, ist selbst deswegen unglticklich und macht auch ihre Fa-
milie dadurch ungliicklich, dass sie alle stiindig kontrolliert und Korrektheit
und Ordnungvon allen Familienmitgliedernverlangt. Fast alle magersiichtigen
Midchen sind intelligent oder sehr intelligent, gelten in ihrem Umfeld als lie-
be Módels und gute §chiilerinnen. Sie streben nach Perfektion, auch was ihren
Kórper betrifft. Sie wollen sehr oft durch die Ablehnung von Essen zumindest
die Kontrolle 0ber ihren eigenen Kórper haben, denn das ist oft das Einzige,
was unter ihrer eigenen Kontrolle steht. Nach au8en scheint alles in Ordnung
zu sein, die Familie perfekt, aberwenn man hinter die Kulissen schaut, sieht
man, dass die Ehe der Eltern oft unbefriedigend ist. Der Schein trtigt, wie man
so schón sagt. Oft hat ein magersńchtiges Miidchen auch eine iltere und schó-
nere Schwester und móchte dieser gleichen. Wenn die Schwester schlank ist und
das Módchen ein wenig mollig, wird sie vielleicht von der §chwester gehiinselt
oder sogar verspottet und fóngt dann die erste Diót an.
- Und so beginnt die Krankheit?
- Genau.
- Und was kónnen die Eltern ftir ihre magerstichtigen Kinder tun?
- vor allem s?hnell handeln, denn das ist bei dieser krankheit entscheidend.
Die ersten Anzeichen der krankheit sind vor allem extremer Gewichtsverlust,
Verstecken des Kórpers hinter weiten Klamotten, bis hin zum Aussetzen der
Regel. Oft weigern sich Magersiichtige, in Gegenwart anderer zu essen oder
haben ungewóhnliche Essgewohnheiten, wie zum Beispiel Essen nach Farben
oder Zahlen zu ordnen. Nicht selten kommt es vor, dass sie ftir die ganze Fa-
milie kochen, selber aber nicht mitessen.
- sollen die Eltern schon bei den ersten Anzeichen der krankheit die kinder daza
tiberreden, mehr zu essen?
- Nein, eben das nicht. Wichtig ist es, unverziiglich einen Spezialisten aufzusu-
chen undzazvlassen, dass sich Fachleute mit dem Problem beschóftigen, denn
der Druck von Seiten der Eltern kónnte nur das Gegenteil bewirken.
- Ach so. Und an wen kann man sich da wenden?

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