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Aber gern.

Beginnen wir vielleicht damit, wer von der Krankheit betroffen ist,
denn das ist in diesem Fall sehr spezifisch. Es sind also meistens Módchen im
Alter zwischen 13 und 20 }ahren. In den letzten Jahren ist leider die Zahl der
Erkrankten bei den 8-l0-jóhrigen M§dchen gestiegen, sogar bei den fungen,
was frtiher nur ganz selten vorkam. Diese Altersgrenze ist durch die Ursachen
der Krankheit bedingt, also vor allem durch Probleme mit dern Erwachsenwer-
den. Der Kórper einer jungen Frau ver[ndert sich sehr stark mit dem Eintritt
in die Pubertót. Aus einem Módchen wird langsam eine Frau und diese Tatsa-
che wird von unseren Patientinnen sehr schwer oder gar nicht akzeptiert. Sie
sptiren eine starke Ablehnung gegentiber ihrem eigenen Kórper und wollen,
dass alle Anzeichen dieser Verinderung am besten verschwinden. Vor allem
handelt es sich hier um die Menstruation, die als starkes weibliches Symptom
angesehen wird.
Ist die Pubertót die einzige Ursache der Magersucht?
Nein, es gibt natiirlich noch andere Faktoren, die dazu beitragen kónnen, dass
jemand magersiichtig wird. Zum Beispiel die Schónheitsideale, mit denen wir
in den Medien stindig konfrontiert werden. Wenn man noch dazu wenig oder
kein Selbstbewusstsein hat, dann ist man auf dem besten Weg zur Magersucht.
Sehen Sie sich die Módchen auf dem Laufsteg an: die sind alle weit iiber 170
cm gro13 und wiegen hóchstens 50 Kilo. Ihr BMI ist also etwa 16, das bedeutet
Untergewicht. Alle diese wunderschónen Models sind, gesundheitlich gese-
hen, zu diirr. Und diese falschen Schónheitsideale prógen sich als ldeal ins Un-
terbewusstsein der Módchen ein, was zur Folge hat, dass sie auch so aussehen
wollen. Meine Meinung zu diesem Thema ist eindeutig: solche Praktiken soll-
ten verboten werden! Die Modeschópfer kreieren einen ungesunden Lebensstil
und sind sich dessen entweder nicht bewusst, was sie den jungen Menschen da-
mit antun, oder es ist ihnen vóllig egal, Hauptsache, es sieht ,,6sthetisch" aus.
Aber ich frage mich, welche Asthetik das ist, die taVo der Magerstichtigen zum
Tode ftihrt?
Sterben tals[chlich so viele?
Aber natiirlich! In Zahlen sieht das so aus, dass es etwa nur 30% schaffen, wie-
der gesund zu werden,31o/a nehmen zwar zu, empfinden sich aber immer noch
als viel zu fett,259o bleiben leider chronisch krank und die iibrigen 107o sind
diejenigen, die entweder Selbstmord begehen, weil sie das Leben mit der stiln-
digen Angst vor dem Zunehmen nicht mehr ertragen kónnen, oder sie verhun-
gern ganz einfach. Haben Sie von dem wunderschónen brasilianischen Model
Ana Carolina gehórt?
Ia, eine sehr bewegende Geschichte!
Nun ist sie tot. Sie hat sich jahrelang ausschlie8lich von Apfeln und Tomaten
ernóhrt, kónnen sie sich das vorstellen? sie ist bei den Aufnahmen ftir eine
Modezeitschrift zusammengebrochen und wurde ins Krankenhaus gebracht,
aber bedauerlicherweise konnte man ihr nicht mehr helfen. seit der Einliefe-
rung ins Krankenhaus hat sich ihr Zustand durch zahlreiche Entzńndungen

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