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Das Nibelungenlied

Geschichtlicher Hintergrund der Nibelungensage:


- Zerfall des Weströmischen Reiches (Plünderung Roms durch die Goten unter Alarich
410n.Chr.)
- Besetzung Mitteleuropas durch die Hunnen unter König Attila (434 n. Chr.)
- Regierung des europäischen Raums durch die Heerführer Roms

Vermuteter Ursprung der Nibelungensage:


- Aufstände am Niederrhein von Burgundern unter Gundicarius (=Gunther?) und deren
Niederschlagungen bilden Grundstoff des Nibelungenliedes.
- Auch die Hochzeit des Attlia (=Etzel?) mit Ildico (=Kriemhild?) soll hier überliefert sein

Das Nibelungenlied
Um 1200 entstand das Nibelungenlied, etwa 800 Jahre nach den historischen Ereignissen
(siehe oben) und etwa 300 Jahre nach den älteren Edda-Liedern. Der Verfasser des Liedes ist
unbekannt. Überliefert ist das Nibelungenlied in verschiedenen Handschriften. Es ist ein
gewaltiges Epos von ca. 2400 vierzeiligen Strophen - je nach Handschrift sind es einige
Strophen mehr oder weniger. Das Nibelungenlied besteht aus zwei Teilen, Teil I beinhaltet 18
Gesänge, Teil II 21. Es werden das Schicksal Siegfrieds und der Untergang der Burgunden
dargestellt. Die wichtigsten Gestalten der Edda (=eine aus Island stammende Götter- und
Heldenliedersammlung; = älteste Fassungen des Nibelungenstoffes) und der Volsungasaga
(fasst einen Teil der Edda-Lieder in Prosa zusammen; siehe oben) finden sich wieder. Sigurd
als Siegfried, Gudrun als Kriemhild, die Königssöhne Gunnar und Högni als König Gunther
und dessen Lehensmann Hagen, der Hunnenkönig Atti als Etzel.

Inhalt: 
1. Teil
Siegfried ist der Sohn des Königs Siegmund (von Xanten) und dessen Frau Sieglinde. Er
gewinnt den Nibelungen Hort, erschlägt mit dem Schwert zwölf Riesen und sechshundert
Recken, besiegt den mächtigen Zwerg Alberich und nimmt ihm den/die Tarnmantel/-kappe
ab. Schließlich wird er zum Drachentöter - badet in dessen Blut und wird unverwundbar (bis
auf eine Stelle zwischen seinen Schultern, wo ein Lindenblatt während des Bades im
Drachenblut die Hornhautbildung verhinderte). Als er von der großen Schönheit der
Königstochter der Burgunden, Kriemhild, hört, bricht er nach Worms auf und will um sie
werben. Beim Burgunder König Gunther angekommen, wirbt er um dessen Schwester
Kriemhild. Er darf sie ehelichen, nachdem er dem König hilft, die starke Brünhild (=Königin
von Island) im Dreikampf zu bezwingen. Unsichtbar unter dem/r Tarnmantel/-kappe, führt er
Gunther beim Weitwurf die Hand und trägt ihn beim Sprung. Weil sich die Besiegte in der
Hochzeitsnacht dennoch verweigert, muss Siegfried erneut einspringen - nach heftigem
Kampf gibt sich Brünhild geschlagen. Siegfried nimmt Brünhilds Ring und den Gürtel mit
und gibt beides Kriemhild. Nach der Hochzeit und der Nacht mit Gunther verliert sie ihre
früheren magischen Kräfte. Jahre später verrät Kriemhild den Betrug und nennt Brünhild eine
Dirne ihres Mannes. Brünhild vertraut sich Hagen von Tronje an und dieser verspricht
Siegfried zu töten. Er bringt Siegfried auf der Jagd um. Da Kriemhild auf Rache sinnt und
mittels des Nibelungenhortes versucht sich Anhänger zu verschaffen, bringt Hagen den
Schatz an sich und versenkt ihn im Rhein.
2. Teil
13 Jahre später folgt Kriemhild dem Werben des Hunnenkönigs Etzel, zieht auf seine Burg in
Gran (Ungarn) und wird dessen Frau - in der Hoffnung dadurch doch noch Macht und
Möglichkeit zur Rache an Siegfrieds Tod zu erwerben. Sie lockt die Burgunden, die jetzt
Nibelungen heißen, ins Hunnenland zu einem Fest. Auf der Burg von König Etzel beginnen
schon bald die Kämpfe. Nachts lässt Kriemhild den Festsaal - in dem sich ihre Brüder, Hagen
von Tronje und weitere Nibelungen verbarrikadiert haben - in Brand stecken. Alle werden
getötet bis auf Gunther und Hagen. Da Hagen die Bekanntgabe des Aufenthaltsortes des
Nibelungenhorts verweigert, solange noch einer seiner Könige am Leben sei, lässt Kriemhild
ihren Bruder töten. Da Hagen trotzdem nichts verrät, schlägt Kriemhild ihm den Kopf ab.
Hildebrand (Heermeister Dietrich von Berns) rächt Hagens Tod und erschlägt Kriemhild. Von
den Nibelungen lebt niemand mehr.

Die Nibelungen

Hebbels Tragödie “Die Nibelungen” ist eine Trilogie, bestehend aus den Teilen “Der gehörnte
Siegfried”, “Siegfrieds Tod” und “Kriemhilds Rache”. Hebbel nennt sie “Ein deutsches
Trauerspiel”. Den Nibelungenstoff hatte Hebbel 1835 kennengelernt. Er hatte das Buch
(Nibelungenlied) in der Bibliothek der Schriftstellerin Amalie Schoppe entdeckt. Er war von
Anfang fasziniert von diesem Buch. Viele Jahre später, nach einer Theateraufführung der
“Nibelungen” Raupachs, in der seine Frau Christine die Kriemhild spielte, fasste er den
Entschluss, das Nibelungenlied als Drama zu bearbeiten. Sein Werk entstand zwischen 1855
und 1860 und war sein größter Bühnenerfolg.
Im Vordergrund stand für Hebbel nicht, den Nibelungen-Stoff als bloßes Mittel für den
Ausdruck eigener Gedankenwelt in einem neuen Drama zu nutzen, sondern er wollte vielmehr
sein Drama dem alten Nibelungenlied als solchem widmen. Er verglich sich mit einem
“Uhrmacher”, der ein vortreffliches altes Uhrwerk von Spinnweb und Staub gesäubert und
neu gerichtet hat. Ziel war es, “den dramatischen Schatz des Nibelungen-Liedes für die reale
Bühne flüssig zu machen, nicht aber den poetisch-mythischen Gehalt des weit gesteckten
altnordischen Sagen-Kreises, dem es selbst angehört zu ergründen, oder gar ... irgend ein
modernes Lebens-Problem zu illustrieren.” Es erschien ihm “Pflicht und Ruhm” zugleich,
dem “gewaltigen Schöpfer unseres National-Epos, in der Konzeption Dramatiker vom Wirbel
bis zum Zeh, auf Schritt und Tritt zu folgen, so weit es die Verschiedenheit der epischen und
dramatischen Form irgend gestattete”. Entsprechend eng hält sich Hebbels Nibelungenwerk
an das mittelalterliche Nibelungenlied.
Quellen:
Stuttgart: Reclam 1995.
Ehrismann, Otfried: Nibelungenlied: Epoche – Werk – Wirkung. München 2002.
Heinzle, Joachim/Klein, Klaus/Obhof, Ute (Hg.): Die Nibelungen: Sage-Epos-Mythos.
Wiesbaden 2003
Kaiser, Herbert: Friedrich Hebbel. Geschichtliche Interpretationen des dramatischen Werks.
München 1983.
Müller, Norbert: Die Nibelungendichter Hebbel und Wagner. Essen 1991.
Müller, Ullrich: Richard-Wagner-Handbuch. Stuttgart: Reclam 1986.
Wagner, Richard: Ring des Nibelungen. Stuttgart: Reclam 2003.
Hebbel, Friedrich: Die Nibelungen. Stuttgart: Reclam 1967.