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PRAXISLEITFADEN

GESUNDHEITSSPORT IM VEREIN
EIN PRAXISLEITFADEN FÜR DIE ARBEIT IM SPORTVEREIN
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VORWORT

GESUNDHEIT – EIN WICHTIGES ANLIEGEN


DER SPORTVEREINE
Gesundheit geht uns alle an. Die demographische Entwicklung, begrenzte Res-
sourcen im Gesundheitssystem und der zunehmende Bewegungsmangel der
Bevölkerung haben das Thema längst in den Fokus von Politik und Öffentlich-
keit gerückt. Parallel dazu ist auch das Bewusstsein der Bevölkerung, dass re-
gelmäßige Bewegung sowohl Körper als auch Geist positiv beeinflusst, in den
letzten Jahren deutlich gestiegen. Mit dieser Erkenntnis übernehmen immer
mehr Menschen Eigenverantwortung für ihre Zukunft.

Sport und Bewegung als Grundlage für Gesundheit über die gesamte Lebens-
spanne zu begreifen – dazu bedarf es geeigneter Bewegungsangebote, wie
sie rund 5700 Sportvereine in Württemberg bereits seit vielen Jahren durch-
führen. Gut ein Drittel der Sportvereine in Baden-Württemberg bietet gesund-
heitsorientierte Sportprogramme an. Doch Gesundheit ist noch viel mehr als ein
regelmäßiges Sportprogramm. Es geht darum, das Thema in der alltäglichen
Lebenswelt der Menschen zu platzieren. Galt früher der Rehabilitationssport im
Bereich der „Älteren“ als das Nonplusultra, legt man seit der Jahrhundertwende
auch immer stärker den Fokus auf die Gesundheitsvorbeugung (Prävention).
Mittlerweile hat sich das Gesundheitsangebot von der älteren Generation über
das Erwachsenenalter bis hin zum Kinderbereich ausgebreitet und findet posi-
tive Resonanz.

Um unsere starken Vereine in Württemberg bei der Planung, Gestaltung und


Umsetzung von Bewegungsangeboten im Gesundheitssport bestmöglich zu
unterstützen, bietet der WLSB ein vielseitiges Aus- und Fortbildungsprogramm
sowie verschiedene Beratungsdienstleistungen an. Als weiterer Baustein dient
diese Broschüre, die praktische Hilfestellung und Leitfaden sein soll, um das
Thema Gesundheit in den Vereinen weiter zu stärken. Neben der Klärung von
Begrifflichkeiten werden Beispiele aufgezeigt, wie sich der Verein als gesund-
heitsorientierter Player positionieren kann. Denn neben den bekannten Kursen
gibt es viele weitere Möglichkeiten sich um das Thema Gesundheit zu kümmern
und dies auch nach außen darzustellen.

Christine Vollmer, Andreas Felchle


WLSB-Vizepräsidentin Sportentwicklung WLSB-Präsident

3
INHALTE

INHALTSVERZEICHNIS

Vorwort 3

Einleitung 6

1 Gesundheit: Eine Einführung 8

1.1 Bedeutung von Gesundheit 8


1.2 Der Sportverein als Gesundheitspartner 10
1.3 Politische Rahmenbedingungen: Das Präventionsgesetz 11

2 Gesund im Verein 12

2.1 Zielgruppen im Gesundheitssport 12


2.2 Sportangebote im Gesundheitsbereich: Gesundheitssport und Breitensport 14
2.3 Gesundheitssport und Prävention 14
2.4 Kernziele von Gesundheitssport
im Verein 15

3 Ausgangslage analysieren 16

3.1 Planung und Organisation von Gesundheitssportangeboten 16


3.2 Angebotsform 22
3.3 Wissenswertes zu Steuern und Versicherung 23
3.4 GEMA-Gebühren 24

4 Das Qualitätssiegel SPORT PRO GESUNDHEIT 26

4.1 Das Siegel SPORT PRO GESUNDHEIT 26


4.2 Qualitätskriterien des Siegels 27
4.3 Die Service-Plattform SPORT PRO GESUNDHEIT 30
4.4 Die Gesundheitsprogramme im Überblick 33

5 Die Zentrale Prüfstelle Prävention (ZPP) 36

5.1 Aufgabe der Zentralen Prüfstelle Prävention 36


5.2 Gesetzliche Rahmenbedingungen: Der Leitfaden Prävention 36

6 Netzwerke und Kooperationen 39

6.1 Kooperationen von Sportvereinen und Ärzten: Das Rezept für Bewegung 39
6.2 Sportvereine und Unternehmen: Betriebliche Gesundheitsförderung 42
6.3 Sportvereine und Kommune: Offene Bewegungsangebote 45
6.4 Weitere Kooperationsmöglichkeiten 48

Literaturverzeichnis 50

5
EINLEITUNG

EINLEITUNG
Älter, weniger, bunter – dieser Dreiklang beschrieb vor – und dies nicht nur mit medizinischer Behandlung. Es
einingen Jahren noch die Bevölkerungsentwicklung ist vor allem notwendig, den Menschen ein körperlich,
in Baden-Württemberg. Doch aus diesem Trio ist fürs geistig und sozial aktives Altwerden zu ermöglichen –
Erste ein Duo geworden. Denn der Südwesten wird und am besten schon zu einem Zeitpunkt anzusetzen,
zwar älter und bunter, aber für die kommenden Jahre an dem Frau oder Mann sich noch gar nicht alt oder
nicht weniger. Die steigende Lebenserwartung gepaart auch krank fühlt.
mit dem Wunsch nach einem gesunden und selbst-
ständigen Leben lassen dabei den Gesundheitsmarkt Bewegung ist auch psychischer Ausgleich
seit einigen Jahren boomen. Der Anteil der Menschen, Denn Sport und Bewegung sind die Grundlage für
bei denen Sport und Bewegung das Gesundheitsmo- Gesundheit über die gesamte Lebensspanne. In der
tiv Nr.1 ist, dürfte künftig noch weiterwachsen. Kindheit ermöglichen sie die Entwicklung grundlegen-
der motorischer und kognitiver Fähigkeiten, fördern
Vor allem im sogenannten „zweiten Gesundheits- die Lernbereitschaft und das psychosoziale Wohl-
markt“, zu dem alle privat finanzierten Produkte und befinden. Für Erwachsene ist sportliche Aktivität ein
Dienstleistungen rund um die Gesundheit wie zum wichtiger körperlicher und psychischer Ausgleich zu
Beispiel freiverkäufliche Arznei, individuelle Gesund- den vorwiegend sitzenden oder stehenden Arbeitstä-
heitsleistungen, Wellness und Gesundheitstourismus tigkeiten und oft einseitigen Bewegungsabläufen. Im
gezählt werden, wurden 2017 Schätzungen zufolge Alter dient sie der Erhaltung grundlegender Funktio-
etwa 85 Milliarden Euro umgesetzt. Das ist knapp nen und persönlicher Unabhängigkeit.
die Hälfte der Gesamtausgaben aller gesetzlichen
Krankenkassen in Deutschland. Die Bevölkerung in Der Stellenwert von Bewegung und Sport und ganz
Deutschland lässt sich es einiges kosten, gesund zu speziell das Thema Gesundheit gewinnt auch bei
bleiben oder wieder zu gesund zu werden. Politik und Öffentlichkeit immer mehr an Bedeutung.
Eine alternde Bevölkerung und begrenzte Ressour-
Aktives Älterwerden soll gefördert werden cen im Gesundheitssystem erfordern ein Umdenken.
Das Gesundheitsmotiv steht also hoch im Kurs bei Maßnahmen, die mit relativ einfachen Mitteln den Ge-
den Menschen. Vor allem bei den älteren Menschen sundheitszustand von Menschen verbessern können,
ist der Wunsch groß, gesund und fit alt zu werden. werden immer wichtiger. Sport und regelmäßige kör-
Gleichzeitig ist es auch aus gesellschaftspolitischer perliche Aktivität sind innerhalb eines ganzheitlichen
Sicht erforderlich, den altersbedingten körperlichen Gesundheits-Ansatzes dabei ein sehr bedeutsamer
Einschränkungen und Krankheiten entgegenzuwirken Baustein.

6
EINLEITUNG

Abb. 1: Kursteilnahmen in den jeweiligen Handlungsfeldern 2017 (eigene Darstellung)

Vereine haben bereits vielfältige Angebote Individuelle verhaltensbezogene Präventionsangebote


Der Vereinssport bietet hierbei die besten Vorausset- werden überwiegend von Frauen nachgefragt. Etwa
zungen. Mit seinen vielfältigen Bewegungsangeboten 80 % der Kursteilnehmenden war im Jahr 2017 weib-
im Gesundheitssport leisten die Sportvereine in Ba- lich. In der betrieblichen Gesundheitsförderung werden
den-Württemberg bereits einen wesentlichen Beitrag hingegen mit 63 % mehr Männer erreicht. Dies ist vor
zur Gesunderhaltung der Bevölkerung. allem darauf zurückzuführen, dass Krankenkassen
insbesondere gesundheitsfördernde Angebote im ver-
Der DOSB-Sportentwicklungsbericht zeichnet dabei arbeitenden Gewerbe unterstützen, in dem der Anteil
folgendes Bild für Baden-Württemberg: männlicher Beschäftigter höher ist.

„„ Etwa jeder Vierte der knapp 11 400 Sportvereine Der Württembergischen Landessportbund möchte
im Land bietet Programme mit den Zielsetzungen noch mehr Vereine dazu motivieren, sich mit dem
der Gesundheitsförderung und Prävention an Thema Gesundheit auseinanderzusetzen, Gesund-
„„ Zertifizierte Gesundheitssportkurse mit dem Qua- heitssportangebote in ihr Portfolio aufzunehmen und
litätssiegel SPORT PRO GESUNDHEIT werden mit dem Siegel SPORT PRO GESUNDHEIT die Qua-
von 7,5 Prozent der Sportvereine angeboten lität im Sportverein herauszustellen.
„„ Der Anteil der Angebote mit Zielsetzungen der Ge-
sundheitsförderung und Prävention am gesamten Leitfaden für die Vereinspraxis
Sportangebot der Vereine liegt bei 7,3 Prozent. Der vorliegende Beratungsleitfaden gibt einen umfas-
senden Überblick über die Struktur des Gesundheits-
Die individuellen Präventionsangebote finden in Grup- sports und soll den Sportvereinen als Unterstützung
pen statt und haben das Ziel, die Teilnehmer für eine auf dem Weg zur Bildung eines gesundheitsorientier-
gesunde Lebensführung in ihrem Alltag zu motivieren ten Profils dienen.
und zu befähigen. Zum Großteil werden Bewegungs-
angebote von Versicherten nachgefragt. Rund 70 Neben Hintergrundinformationen zum Qualitätssie-
Prozent konzentrieren sich auf Bewegungskurse, 26 gel SPORT PRO GESUNDHEIT werden wertvolle
Prozent auf Stressbewältigung. Ein geringerer Anteil Hinweise zu Inhalt, Organisation und Umsetzung von
der Kursteilnahmen findet zu Ernährung und Suchtmit- Gesundheitssportangeboten im Verein vermittelt so-
telkonsum statt (siehe Abb. 1). Die Anteile von Män- wie die Chancen einer Zusammenarbeit mit externen
nern und Frauen unterscheiden sich dabei deutlich. Partnern aufgezeigt.

7
GESUNDHEIT: EINE EINFÜHRUNG

1. GESUNDHEIT: EINE EINFÜHRUNG

1.1 BEDEUTUNG VON GESUNDHEIT


„Die Gesundheit ist des Menschen höchstes Gut“ sagt sich krank, ohne es körperlich zu sein. Es ist offen-
man im Allgemeinen, ohne dabei eine genaue Defi- sichtlich ein Zusammenspiel vieler Faktoren, die dafür
nition von Gesundheit zu haben. Verhaltensregeln, sorgen, dass der Mensch sich wohlfühlt. Die Definiti-
gesunde Ernährung, Gesundheitstipps – all diese on von Gesundheit der Weltgesundheitsorganisation
Faktoren spielen sicher eine große Rolle in unserem (WHO) geht über das körperliche Wohlbefinden hin-
Gesundheitsbewusstsein und können dafür verant- aus. Diesem Verständnis von Gesundheit folgen die
wortlich sein, dass manche sich gesund fühlen, aus Sportverbände in Deutschland und damit auch der
medizinischer Sicht aber gar nicht sind. Andere fühlen WLSB:

Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und
nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen.

Dass dieser von der WHO definierte Zustand nicht Sportvereine bieten eine soziale Heimat, den Raum
dauerhaft auf einem gleich hohen Niveau gehalten für Begegnungen und Kontakte und die ehrenamtli-
werden kann, dürfte außer Frage stehen. Daher ist che Mitarbeit erzeugt gesellschaftliche Anerkennung
es wichtig, Schutzfaktoren wie Bewegung, gesun- – alles sind wichtige Faktoren für das soziale Wohl-
de Ernährung und Entspannung aufzubauen und ergehen.
Risikofaktoren wie Stress, Übergewicht oder Bewe-
gungsmangel abzubauen – damit sich ein dynami- Demographische Entwicklungen verändern die Zu-
sches Gleichgewicht einstellt (siehe Abbildung 2). sammensetzung der Bevölkerung und auch die
Auf den ersten Blick mag der Vereinssport vor allem Nachfrage im Sport. Glaubt man den Vorhersagen in
auf das „körperliche Wohlergehen“ einen direkten wissenschaftlichen Studien, wird der Bedarf der Be-
und spürbaren Einfluss haben. Aber auch geistiges völkerung an gesundheitsorientierten, präventiven
und vor allem soziales Wohlergehen stärkt er. Denn und rehabilitativen Bewegungsangeboten steigen.

Abb. 2: Schutzfaktoren (grün) und Risikofaktoren (rot) für die Gesundheit (eigene Darstellung).
8
GESUNDHEIT: EINE EINFÜHRUNG

Das liegt zum einen an der Zunahme vieler (Zivilisa- Gesundheitsberichten gegenüberstellt. Auf der einen
tions-) Krankheiten und entsprechender Risikofakto- Seite wird über ein Viertel der Deutschen als überge-
ren, denen mit regelmäßiger Bewegung entgegen- wichtig oder fettleibig eingestuft. Und hat wegen Rü-
gewirkt werden kann. Denn Sport und Bewegung ckenschmerzen schon mal einen Arzt aufgesucht.
können Folgen der häufigsten Risikofaktoren wie
Bluthochdruck, Übergewicht, Bewegungsmangel oder Laut dem Gesundheitsbericht des Robert-Koch-Insti-
Fettstoffwechselstörungen entgegenwirken und sind tuts von 2015 bewerten drei von vier Deutschen ihren
somit ein wichtiger Schutzfaktor vor Krankheiten wie: Gesundheitszustand als gut oder gar sehr gut. Dabei
gibt es natürlich erhebliche Unterschiede in Abhängig-
„„ Herz-Kreislauf-Erkrankungen, z. B. Schlaganfall keit vom Lebensalter. Während sich bei den 18- bis
„„ Muskel-Skelett-Erkrankungen, z.B. Osteoporose 39-Jährigen zwischen 80 und 90 Prozent gesund oder
„„ Stoffwechselerkrankungen, z.B. Diabetes mellitus sehr gesund fühlen, sinken die Werte mit jeder weite-
„„ Krebserkrankungen, z.B. Darmkrebserkrankung ren Lebensdekade um jeweils fast zehn Prozent. Bei
den 70- bis 79-Jährigen sind es gerade mal – oder
Zum anderen wächst das Bewusstsein bei den Men- immerhin noch – etwas mehr als die Hälfte, die sich
schen, dass regelmäßige Bewegung Körper und Geist als gesund oder sehr gesund einschätzen, wie der
bis ins hohe Alter fit halten kann und sich damit Er- Gesundheitsbericht zeigt.
krankungen eindämmen oder gar verhindern lassen.
Denn wer möchte nicht gesund alt werden – vor allem Wenig überraschend ist, dass sich Menschen mit
nach einem langen und anstrengenden Berufsleben. zunehmendem Alter tendenziell weniger gesund ein-
schätzen als jüngere. Doch leiden viele Menschen in
Subjektive Gesundheit den Dreißigern dafür unter psychischem Stress. Sie
Der subjektive Gesundheitszustand - also wie Men- fühlen sich zerrissen zwischen den verschiedenen
schen Ihre Gesundheit individuell erleben, wahrneh- Anforderungen aus Beruf, Familie und Freizeit. Was
men und bewerten - und der objektive Gesundheits- dann als erstes gestrichen wird, ist offensichtlich: das
zustand, der vorrangig über medizinische Parameter Freizeitprogramm, oftmals der Sport.
bestimmt wird, können sich deutlich voneinander un-
terscheiden. Kurz gesagt: Sich gesund zu fühlen und Doch genau das Gegenteil rät die Weltgesundheitsor-
medizinisch als gesund zu gelten, sind manchmal ganisation (WHO). Wer im Stress ist, sollte sich mehr
zwei Paar Schuhe. bewegen, nicht weniger. Denn wer sich mehr bewegt,
fühlt sich auch gesünder, bekämpft Symptome von
Am offensichtlichsten wird das, wenn man die Er- Depressionen und Angststörungen und steigert au-
gebnisse von Umfragen den Zahlen aus offiziellen ßerdem sein Selbstbewusstsein.

Abb. 3: Selbsteinschätzung der Gesundheit bei 18- bis 79-Jährigen (Robert-Koch-Institut, 2015).

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GESUNDHEIT: EINE EINFÜHRUNG

1.2 DER SPORTVEREIN ALS GESUNDHEITSPARTNER


Ob Gesundheitssportangebot oder Reha-Training, Frei- ausgewichen sind. Er spricht damit auch neue Ziel-
zeit-Volleyball oder Wettkampf-Leichtathletik – Sport ist gruppen an, deren Interesse darin besteht, durch Be-
in jeder seiner zahlreichen Facetten gesund. Trotzdem wegung und Sport ihre Gesundheit zu erhalten und
sprechen besonders Angebote mit dem Etikett „ge- zu verbessern. Sportvereine bringen hierfür von Haus
sundheitsfördernd“ die Menschen an. Das sollten sich aus schon zwei große Stärken mit:
noch mehr Sportvereine als bislang zu Nutze machen.
Attraktive, zeitgemäße Angebote mit einem pfiffigen Ti- „„ Non-Profit-Organisation: Sie können die Teilnah-
tel und insbesondere Angebote mit dem Qualitätssiegel me zu erschwinglichen Beiträgen ermöglichen und
SPORT PRO GESUNDHEIT lassen sich gut in der Öf- sind somit für jedermann nutzbar.
fentlichkeit kommunizieren und finden große Beachtung „„ Flächendeckung: Sie sind beinahe in allen Kom-
und Anerkennung bei potentiellen Neumitgliedern. Auch munen vertreten und können so auch für Angebote
Sportvereinszentren, die Raum für Gesundheitskurse in den ländlichen Regionen sorgen. Bei den Sport-
und das gesundheitsorientierte Training an Geräten angeboten allein muss aber noch nicht Schluss sein.
schaffen, können eine Antwort auf gesellschaftliche
Veränderungen sein. Mit ihnen lassen sich wiederum Ein Verein kann sich auch auf den Weg machen, Ge-
andere Zielgruppen – etwa Berufstätige – ansprechen, sundheitsförderung zu einer Leitidee der Vereinskultur
die mehr zeitliche Flexibilität für ihren Sport benötigen zu machen – und etwa mit einem Gesundheitstag In-
und den Fokus auf ein gerätegestütztes Training legen. teressenten werben, Vorträge zu Gesundheitsthemen
für die Mitglieder organisieren oder die Speisekarte in
Da Vereine Non-Profit-Organisationen sind, können der Vereinsgaststätte entsprechend ausrichten.
sie eine Mitgliedschaft zu erschwinglichen Beiträgen
anbieten. Die zusätzlichen Finanzmittel durch neue Vorteile und Perspektiven durch ein Engagement
Mitglieder oder durch zusätzliche Beiträge, die mit im Gesundheitssport:
speziellen Kursen eingenommen werden, eröffnen die
Möglichkeit, andere Bereiche zu unterstützen – ganz „„ Angebotserweiterung und so Attraktivitätssteigerung
im Sinne einer Solidargemeinschaft. So können mög- „„ Gewinnung und Bindung neuer Mitglieder
licherweise Angebote für Kinder und Jugendliche ge- „„ Aktivierung passiver Mitglieder
schaffen werden, Sportstätten neu erschlossen oder „„ Zukunftssicherung des Vereins durch Erschlie-
erneuert und mehr qualifiziertes Personal beschäftigt ßung eines neuen Angebotsfeldes
werden. „„ Profilbildung in einem gesellschaftlich relevanten
Allgemein gesundheitsfördernde und präventive Kurs- Bereich
bzw. Dauerangebote bieten den Vereinen vielfältige „„ Potenzial zur Vernetzung und Gewinnung neuer
Zugewinne und Vorteile. Durch die Erweiterung der Kooperationspartner
Palette um Sport und Bewegung mit Gesundheitsbe- „„ Förderung des Vereinszweckes durch mehr finan-
zug werden mehr Menschen als bisher angesprochen. zielle Möglichkeiten
So bindet der Verein nicht nur „alte“ Mitglieder, son-
dern insbesondere auch jene, die nach der Zeit als
Wettkämpfer oder Mannschaftssportler oft zum pas-
siven Mitglied werden oder gar auf andere Anbieter

10
GESUNDHEIT: EINE EINFÜHRUNG

Eigene Stärken herausstellen und kommunizieren: „„ orientieren sich als gemeinnützige Organisationen
Sportvereine… an den Interessen der Mitglieder und nicht an wirt-
schaftlichen Zielen
„„ fördern das soziale Miteinander „„ bieten Angebote zu sozial verträglichen Beiträgen
„„ ermöglichen Sporttreiben in der Gemeinschaft und an, die jedermann und -frau die Teilnahme an den
schaffen Raum für Begegnung Angeboten ermöglicht
„„ sorgen für sozialen Zusammenhalt und Integration
„„ leisten mit ihren Angeboten einen Beitrag zur Ge-
sundheit und zum Wohlergehen der Allgemeinheit

1.3 POLITISCHE RAHMENBEDINGUNGEN: DAS PRÄVENTIONSGESETZ


Nach langem Vorlauf ist im Juli 2015 das neue „Ge- Denn diese Angebote sind meist nicht zertifizierungs-
setz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und Prä- fähig nach SGB V § 20 Absatz 5. Nach dem Präven-
vention“ (kurz: Präventionsgesetz) in Kraft getreten. tionsgesetz sollen die Ausgaben der Krankenkassen
Darin wird der organisierte Sport als wichtiger Part- insbesondere für die lebensweltbezogenen Präventi-
ner im Gesundheitssystem genannt. Zudem werden onsangebote (z. B. in Kitas, Schulen und Betrieben)
darin einzelne Maßnahmen wie das Qualitätssiegel ausgeweitet werden. Seit Beginn des Jahres 2016 gilt
„SPORT PRO GESUNDHEIT“ oder das „Rezept für für die Krankenkassen ein Ausgabenrichtwert von 7
Bewegung“ ausdrücklich erwähnt. Euro je Versicherten für primärpräventive und gesund-
heitsfördernde Leistungen, wovon mindestens jeweils
Neben der besonderen Würdigung des organisierten 2 Euro für Maßnahmen in Lebenswelten wie Kitas und
Sports enthält das Präventionsgesetz auch einige Schulen sowie die betriebliche Gesundheitsförderung
handfeste Neuerungen, von denen Sportvereine pro- entfallen.
fitieren können – auch wenn die zusätzlichen finanzi-
ellen Mittel nicht direkt bei den Sportvereinen ankom- Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels
men. So sind die Leistungen der Krankenkassen zur liegt ein besonderes Augenmerk auf dem Thema Ge-
Prävention und Gesundheitsförderung deutlich ange- sundheitsförderung im Betrieb, vor allem im Hinblick
hoben worden. Fast 500 Mio. Euro gaben sie 2016 auf die Unterstützung von mittleren und kleinen Unter-
insgesamt für die Gesundheitsförderung in Lebens- nehmen (KMU). Denn gerade KMU sollen über aus-
welten, die betriebliche Gesundheitsförderung sowie geweitete Leistungen der Krankenkassen ermuntert
für individuelle Präventionskurse aus und erreichten werden, mehr für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter tun.
damit ca. 6,4 Mio. gesetzlich Versicherte. Diese Unternehmen sind auch für Sportvereine interes-
sant und stehen daher im Mittelpunkt des WLSB-Pro-
Das Gesetz stellt darüber hinaus sicher, dass Kran- gramms „G.U.T. im Beruf“ (s. auch Kapitel 6.2).
kenkassen ihren Versicherten Boni für die Teilnahme
an praxisbewährten, gesundheitsförderlichen Ange- Somit ist das Präventionsgesetz ein Anfang, um die
boten wie etwa dem Ablegen des Deutschen Spor- Prävention und Gesundheitsförderung zu stärken. Noch
tabzeichens oder qualitätsgesicherten Bewegungs- ist die Prävention keine eigene, selbständige Säule im
angeboten in vereinseigenen Fitnessstudios leisten Gesundheitswesen, die Politik hat aber erkannt, dass
können. eine verstärkte Investition in diesem Bereich wichtig ist.

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GESUND IM VEREIN

2. GESUND IM VEREIN
Es steht außer Frage: Sport im Verein ist gesund. einen, mit Änderungen der Vereinsphilosophie und
Dennoch haftet Sportvereinen nicht selten noch das des Selbstverständnisses des Vereins einher. Einen
Image eines veralteten, nicht mehr modernen Bewe- solchen Prozess anzustoßen, braucht oftmals einen
gungsanbieters an. Durch die Aufnahme speziell auf langen Atem.
Gesundheit ausgerichteter Angebote zeigen Vereine
nicht nur ihre Kompetenz bei aktuellen Themen, son- Hinweis:
dern unterstreichen auch ihre Bereitschaft, sich für Hilfe bei der Aufstellung des Vereins bietet der WLSB
neue Zielgruppen zu öffnen und dafür auch an ihren mit seinen Zukunftswerkstätten, bei denen sich der
eigenen Strukturen zu arbeiten. Verein in 1,5 Tagen ganz intensiv damit beschäftigt,
gemeinsam die Zukunft des Sportvereins zu gestalten.
Das muss nicht immer im großen Stil sein oder alles Die Entwicklung neuer Ziele, Ideen und Projekte wird
auf einmal passieren. Schon einige kleine Änderun- dabei von einem Moderator und einem WLSB-Berater
gen, die nach und nach umgesetzt werden, können begleitet und orientiert sich immer an den jeweiligen
einen Imagewandel in Gang setzen. Ressourcen des Vereins.

Doch Veränderungen sind mit Arbeit verbunden. Es

!
gilt, die Mitglieder zu überzeugen, Konzepte für neue Weitere Informationen
Strukturen zu erarbeiten und schließlich die Umset-
zung der Angebote zu organisieren. Häufig geht eine www.wlsb.de/zukunftswerkstatt
solche Neuorientierung, vor allem bei Einspartenver-

2.1 ZIELGRUPPEN IM GESUNDHEITSSPORT


Wie gelingt es nun, Menschen für die Teilnahme an Effekt sein, z.B. für Mitglieder, die Ihre Sportart brei-
Präventionsmaßnahmen zu gewinnen? Vergleichs- tensportlich betreiben und gesundheitliche Aspekte
weise einfach dürfte eine zielgruppengerechte An- berücksichtigen. Ein weiteres Motiv mit wachsender
sprache fallen, wenn ein Gesundheitssportangebot Bedeutung für das Vereinsleben ist das soziale Wohl-
Linderung bei erheblichen körperlichen Beeinträchti- befinden. Der gesellige Austausch und der persönli-
gungen erkennen lässt, wie das etwa bei einer Gruppe che Kontakt kann eine wirksame Gesundheitsressour-
„Sport bei Diabetes“ oder einer Herzsportgruppe der ce darstellen.
Fall ist. Ebenso klar umrissen sind Gesundheitssport-
angebote, die gezielt für eines der beiden Geschlech- Ein Sportverein, der langjährige Mitglieder binden und
ter gestaltet sind oder die junge Generation bzw. sehr neue hinzugewinnen will, muss sich also mit deren
alte Generation aktivieren sollen – wie etwa Gymnas- Sportmotiven auseinandersetzen. Sie erwarten, dass
tik für Hochaltrige. der Sportverein auf ihre Wünsche und Bedürfnisse
eingeht und passende Angebote vorhält. Es stellt sich
In den Altersgruppen dazwischen spielen für die Be- also die Frage, was die Zielgruppe mit dem Begriff
stimmung der Zielgruppen von Gesundheitssport- Gesundheit verbindet, welches Sportmotiv sie haben
angeboten jedoch weniger tatsächliches Alter und und wie man diesem gerecht werden kann. Da die Ge-
Geschlecht eine Rolle, sondern gefühltes Alter und sundheitsbedürfnisse sehr unterschiedlich sein kön-
subjektiver Gesundheitszustand sowie die ganz per- nen, gilt es offen und sensibel auf Alter, Geschlecht,
sönliche Motivation zu Bewegung und Sport. Nicht der soziale und kulturelle Zugehörigkeit und Lebensphase
objektive Bedarf, sondern das subjektive Bedürfnis einzugehen und passende gesundheitsfördernde Pro-
muss deshalb in den Mittelpunkt der Angebotsgestal- gramme zu entwickeln. Dabei geht es weniger um die
tung gerückt werden – natürlich immer im Rahmen der Menge an Maßnahmen, sondern vielmehr um deren
in einem Verein vorhandenen Ressourcen und Mög- Passgenauigkeit.
lichkeiten.
Gesundheitsangebote werden überwiegend von Frau-
Für Vereinsmitglieder und Nichtmitglieder kann Ge- en mittleren Alters oder von Älteren im Ruhestand bei-
sundheit und Prävention ein primäres Motiv sein, der Geschlechter wahrgenommen. Warum ist das so?
um Gesundheitsangebote des Sportvereins zu be- Frauen haben per se einen anderen Zugang zu Ge-
suchen, wie bspw. qualitätsgesicherte Angebote mit sundheit als Männer. Sie gehen regelmäßig zu Vorsor-
dem Siegel SPG oder anerkannte Rehabilitationsan- geuntersuchungen und nehmen Ratschläge bezüglich
gebote. Gesundheit kann aber auch ein begleitender ihres Gesundheitsverhaltens eher an als Männer.

12
GESUND IM VEREIN

Aber nicht nur das Geschlecht, auch der Umstand, mit dem Thema befasst ist, das Angebot auszuweiten.
dass sich das Berufsleben stetig ändert, führt dazu, Warum aber sollte sich etwa ein bislang wettkampfori-
dass Menschen im erwerbsfähigen Alter weniger die entierter Einspartenverein mit Gesundheitssport be-
„klassischen“ Angebote der Vereine nutzen. Flexibili- fassen? Die Argumente liegen auf der Hand:
tät ist hierbei ein Schlüsselfaktor. Die Vereine müssen
heutzutage flexibel auf Ansprüche reagieren und die „„ Bindung der Vereinsmitglieder: Mitglieder, die
Zielgruppe in ihrem direkten Umfeld abholen, wo sie aus dem Wettkampfbetrieb ausscheiden, bleiben
sich die meiste Zeit befindet, zum Beispiel im Betrieb dem Verein eher erhalten. Idealerweise spielt die
(s.a. Kapitel 6.2). Hauptsportart des Vereins bei den gesundheitsori-
entierten Angeboten eine wichtige Rolle (Bsp. Ten-
Gesundheitssport – für jeden Vereinstyp nis als Gesundheitssport). Diese Angebote können
von Bedeutung auch über Kooperationen erfolgen.
Sportverein ist nicht gleich Sportverein. Es gibt gro- „„ Mitgliedergewinnung: Der Verein kann damit
ße Mehrspartenvereine und kleine Einspartenvereine, auch die Partnerin oder den Partner des „Wett-
es gibt Vereine, bei denen der Wettkampf- und Leis- kämpfers“ bzw. der „Wettkämpferin“ ansprechen.
tungssport im Mittelpunkt steht und Vereine, die auf Das erzeugt zusätzliche Bindung.
den Breiten- und Freizeitsport setzen. In der Stadt „„ Erweiterung des Vereinsangebotes: Ein breites
werden Vereine eher als Dienstleister verstanden, in Angebotsspektrum erhöht die Chancen, jene zu
ländlichen Regionen sehen die Menschen im Verein erreichen, die sich bislang nicht für das Vereinsan-
eine starke Solidargemeinschaft. Und zwischen die- gebot interessiert haben.
sen Polen gibt es noch einige weitere Vereinstypen „„ Finanzieller Spielraum: Sofern Teilnahmegebüh-
als Mischformen, in denen die einzelnen Teile unter- ren erhoben werden, verbreitert der Verein seine
schiedlich stark ausgeprägt sind. finanzielle Grundlage und wird damit unabhängi-
ger von Sponsoren.
Doch ganz gleich, welchem Typus ein Verein zugeord- „„ Imageverbesserung: Der Verein zeigt damit,
net werden kann: Das große Interesse der Menschen dass er nicht nur bei leistungsorientiertem Sport
an Gesundheitssport sollte als Chance verstanden stark ist, sondern auch für die Gesundheit der Be-
und die Möglichkeiten ausgelotet werden, in diesem völkerung Verantwortung trägt.
Bereich aktiv zu werden. Oder.wenn der Verein schon

Die sekundäre Präventi- nung von Krankheiten sollen zu einem mög- erkannt werden, um so
on ist auf die Früherken- gerichtet. Erkrankungen lichst frühen Zeitpunkt eine frühzeitige Therapie

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GESUND IM VEREIN

2.2 SPORTANGEBOTE IM GESUNDHEITSBEREICH:


GESUNDHEITSSPORT UND BREITENSPORT

Sportvereine sollten beim Auf- oder Ausbau von Ge- Was zeichnet „Gesundheitssportler“ aus?
sundheitssport die für ihren Verein und ihr Umfeld ge- Teilnehmer von Gesundheitssportangeboten wollen
eigneten Angebote in den Blick nehmen. Das ist nicht nicht „animiert“ werden. Bei ihnen steht der Erwerb
immer ganz einfach, da gerade im Gesundheitsbereich von Wissen über Gesundheit und das eigene Gesund-
viele Maßnahmen in einen Topf geworfen werden. Zu- heitsverhalten im Vordergrund, um zu einem gesunden
erst gilt es dabei die Grenzen zwischen Breitensport- Lebensstil zu kommen. Durch ein ganzheitliches Ge-
und Gesundheitssportangeboten deutlich zu machen. sundheitsverständnis werden nicht nur die physischen
Ressourcen durch Bewegung gefördert, sondern auch
Was zeichnet „Breitensportler“ aus?
psychosoziale Ressourcen wie etwa die Selbstwahr-
Teilnehmer eines Breitensportangebots haben andere
nehmung oder das Handlungs- und Effektwissen.
Motive und damit Erwartungen als jene, die sich für
den Gesundheitssport anmelden. Das sollte bei der
Gesundheitssportangebote sind überwiegend in
Angebotsgestaltung und der Ansprache berücksichtigt
Kursform mit festgelegtem Start- und Endtermin aufge-
werden. Teilnehmer im Breitensport...
baut. Idealerweise steigen die Teilnehmer über einen
„„ möchten sich mit anderen sportlich messen. Die Schnupper- oder Basiskurs ein und werden über einen
Teilnahme an Turnieren und Wettbewerben spielt anschließenden Aufbaukurs an das regelmäßige - und
aber eine untergeordnete Rolle.. idealerweise lebenslange - Sport treiben im Verein he-
„„ wollen sich regelmäßig bewegen und etwas für rangeführt. Um Inhalte vermitteln und eine ausreichen-
Gesundheit und Fitness zu tun. Deshalb darf es de Betreuung eines jeden Teilnehmers gewährleisten
gerne auch mal anstrengend werden. zu können, sind Gesundheitssportangebote meist auf
„„ möchten vor allem, dass Spaß und Gemein- einen Kreis von maximal 15 Personen beschränkt.
schaftsgefühl nicht zu kurz kommen. Diese Motive
sind ihnen wichtiger als die sportliche Leistung. Natürlich sind auch Dauerangebote denkbar, wenn
„„ sind meist bereits Vereinsmitglied und wünschen sich etwa herausstellt, dass eine ausreichende Zahl
sich ganzjährige, regelmäßige Sportmöglichkeiten. an Teilnehmern dauerhaft und langfristig dabeibleiben
möchte. Gesundheitssportangebote sind nicht auf ein
Breitensportangebote helfen dabei, aktive Mitglieder Themenfeld beschränkt. Daher kann im Laufe der Zeit
an den Verein zu binden. Sie finden teilweise in Form und bei ausreichendem Interesse eine Ausdifferen-
von Kursen, häufiger jedoch in dauerhaften Angeboten zierung angebracht sein. Das Qualitätssiegel SPORT
statt, bei denen der Einstieg jederzeit möglich ist. Darü- PRO GESUNDHEIT, mit dem Gesundheitsportange-
ber hinaus gibt es so gut wie keine Beschränkungen bei bote von Sportvereinen ausgezeichnet werden kön-
der Teilnehmerzahl – abgesehen von der Verfügbarkeit nen, unterstützt die Bewerbung und das Erreichen
und der Größe der Sporthalle oder des Sportplatzes. neuer Zielgruppen (siehe auch Kapitel 4).

2.3 GESUNDHEITSSPORT UND PRÄVENTION


Die Gesundheitssportprogramme im Verein verfolgen Maßnahmen werden in primäre, sekundäre oder tertiä-
primärpräventive und teils sekundärpräventive Ziele re Prävention eingeteilt, je nachdem in welcher Phase
und richten sich an zwei Hauptgruppen: einer drohenden Erkrankung die Prävention ansetzt.

„„ Mitglieder mit Bewegungsmangel sowie Bewe- Die primäre Prävention zielt darauf ab, die Ent-
gungseinsteiger- und Wiedereinsteiger stehung von Krankheiten zu verhindern. Gerade
„„ Mitglieder mit speziellen Risiken im Bereich des Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus Typ 2 oder
Herz-Kreislauf-Systems, des Muskel-Skelettsys- Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z. B. Herzinfarkt), aber
tems, des Stoffwechsels oder der Psychosomatik. auch einige psychische Störungen (z. B. Depression)
können in vielen Fällen durch eine gesundheitsbe-
Viele Krankheiten sind nicht angeboren, sondern wer- wusste Lebensweise – unterstützt von gesundheits-
den im Laufe des Lebens erworben. Vielen dieser so- fördernden Lebensbedingungen – vermieden, verzö-
genannten „Zivilisationskrankheiten“ und deren Folge- gert oder in ihrem Verlauf günstig beeinflusst werden.
erscheinungen könnte dabei vorgebeugt werden. Der Zu den begünstigenden Faktoren zählen u. a. eine ge-
Begriff Prävention bedeutet die Verhütung von Krank- sunde Ernährung, sportliche Aktivitäten oder eine gute
heiten. Stressbewältigung.

14
GESUND IM VEREIN

Die sekundäre Prävention ist auf die Früherkennung und beseitigt wurde. Wird hingegen eine bereits ein-
von Krankheiten gerichtet. Erkrankungen sollen zu ei- getretene Krebserkrankung im Frühstadium entdeckt,
nem möglichst frühen Zeitpunkt erkannt werden, um handelt es sich um eine Maßnahme der sekundären
so eine frühzeitige Therapie einleiten zu können. Eine Prävention im Sinne der Krankheitsfrüherkennung.
eindeutige Abgrenzung von primärer und sekundärer
Prävention ist nicht immer möglich. Die tertiäre Prävention hat das Ziel, Krankheitsfolgen
zu mildern, einen Rückfall bei schon entstandenen
Ein Beispiel macht das deutlich: Die Früherkennung Krankheiten zu vermeiden und die Verschlimmerung
von Darmkrebs und Gebärmutterhalskrebs sind Maß- der Erkrankung zu verhindern. Die tertiäre Prävention
nahmen der primären Prävention (Krankheitsvermei- ist Teil der medizinischen Rehabilitation.
dung), falls eine Vorstufe der Krebserkrankung erkannt

2.4 KERNZIELE VON GESUNDHEITSSPORT IM VEREIN


Die Gesundheitsangebote des organisierten Sports 4. Bewältigung von Beschwerden
verfolgen eine ganzheitliche Zielsetzung. Ihr Anliegen und Missbefinden
betrifft nicht nur die Prävention, sondern konzentriert Gesundheitssportliche Aktivitäten können zum Bei-
sich darüber hinaus auf die Ausbildung und Stärkung spiel über die Verbesserung der Muskelkraft dabei
einer dauerhaften und individuellen Gesundheitskom- helfen, bestimmte gesundheitliche Probleme wie
petenz im Sinne physischer, psychischer und sozialer z. B. Rückenschmerzen zu bewältigen. Die Stim-
Gesundheitsressourcen. mungsverbesserung bei und nach entsprechend
gestalteter sportlicher Aktivität kann zudem zu einer
Zur Herausbildung eines gesunden Lebensstils fin- Verbesserung des Wohlbefindens und zu einer posi-
den in Gesundheitssportprogrammen, die auf einem tiveren Bewertung des eigenen Gesundheitszustan-
modernen Verständnis von Gesundheitsförderung des führen.
basieren, sechs Kernziele Berücksichtigung. Sie
bilden auch den Ausgangspunkt der Anforderun- 5. Aufbau von Bindung an
gen, die für den Erhalt des Qualitätssiegels SPORT gesundheitssportliche Aktivität
PRO GESUNDHEIT erfüllt werden müssen. Bindung bedeutet die regelmäßige Teilnahme am
Gesundheitssport. Darüber hinaus führt regelmä-
1. Stärkung von physischen ßige sportliche Aktivität zu vielfältigen direkten ge-
Gesundheitsressourcen sundheitswirksamen Anpassungen des gesamten
Ziel ist es, insbesondere die körperlichen Eigenschaf- Lebensstils (Ernährung, Entspannung, Freizeitakti-
ten zu stärken, die zur Gesunderhaltung beitragen. vitäten, etc.). Langfristiges Dabeibleiben ist deshalb
Beispielsweise hat ein regelmäßiges Ausdauertraining eine zentrale Zielsetzung gesundheitssportlicher Ak-
deutliche gesundheitswirksame Effekte hinsichtlich tivitäten im Sinne der Herausbildung eines gesunden
des Auftretens von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Lebensstils.
Verbesserung von Kraft, Dehnfähigkeit und Koordina-
tion beugt dem Auftreten von Rückenschmerzen vor. 6. Verbesserung der Bewegungsverhältnisse
Eine bewegungsbezogene Gesundheitsförderung
2. Stärkung von psychosozialen muss auch die Lebensverhältnisse, insbesondere
Gesundheitsressourcen die Bewegungsmöglichkeiten der Bevölkerung, be-
Sportliche Aktivität kann auf der emotionalen Ebene rücksichtigen. Profilierte Gesundheitssportangebo-
zu einer direkten Steigerung des Wohlbefindens bei- te, qualifizierte Übungsleiterinnen und Übungsleiter,
tragen. Angestrebt wird der Aufbau eines positiven adäquate Räumlichkeiten und Geräte, kommunale
Körperkonzepts sowie die Vermittlung von Wissen Vernetzungen und Kooperationen sowie eine Quali-
über die vielfältigen Möglichkeiten und Wirkungen kör- tätssicherung in Bezug auf die Maßnahmen sind hier
perlicher Aktivitäten. zielführend.

3. Verminderung von Risikofaktoren


Gesundheitssportliche Maßnahmen wirken über das kör-
perliche Training direkt auf Fettstoffwechsel, Blutzucker,
Übergewicht oder das Immunsystem. Dies gilt auch für
muskuläre Dysbalancen. Körperliche Aktivität wirkt sich
dadurch vorbeugend auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
Diabetes, Osteoporose, Krebserkrankungen etc. aus.

15
AUSGANGSLAGE ANALYSIEREN

3. AUSGANGSLAGE ANALYSIEREN

3.1 PLANUNG UND ORGANISATION VON GESUNDHEITSSPORTANGEBOTEN


Damit der Start mit Gesundheitssportangeboten ge- Anforderungslevel strukturieren (z.B. Grundkurs, Kurs
lingt, ist vorab eine ausführliche Analyse der Gege- für Fortgeschrittene. usw.), um den an ihn herangetra-
benheiten und vorhandenen Möglichkeiten im Verein genen Bedürfnissen gerecht zu werden.
empfehlenswert. Diese ist natürlich auch hilfreich,
wenn ein Verein sein Gesundheitssportangebot Schritt Um Doppelstrukturen oder Wettbewerbssituationen zu
für Schritt erweitern möchte. vermeiden, ist es auch sinnvoll, sich einen Überblick
über bereits vorhandene Angebote in der Gemeinde,
Besonders wichtig sind: Stadt oder Region zu verschaffen.

„„ Eine klare und aussagekräftige Formulierung des Bei der Analyse sollte auch die Lage der Sportstätte,
Angebotstitels, damit sich das Zielpublikum direkt in der der Kurs stattfinden soll, mitbedacht werden.
angesprochen fühlt. Sie sollte verkehrstechnisch gut angebunden sein, da-
„„ Die Kursdauer soll befristet und überschaubar sein. mit sie für mögliche Teilnehmer leicht zu erreichen ist.
„„ Eine Preisstaffelung bei speziellen Kursange- Gerade für die Zielgruppe der älteren Menschen kann
boten ist empfehlenswert (bspw. Teilnahme von die schlechte Erreichbarkeit ein Hindernis sein, wel-
Nicht-Mitgliedern). ches der Verein durch gute Planung vermeiden bzw.
„„ Bei der Bewerbung sollten Ansprechpartner zu- möglichst gering halten kann.
sammen mit den jeweiligen Kontaktdaten bekannt
geben werden. Personelle Voraussetzungen
„„ Kooperationen mit Partnern suchen, z.B. Senioren- Die personellen Ressourcen sind bei der Planung
einrichtung, Schule, Betrieb, Krankenkassen. neuer Angebote das A und O – denn die Kurse stehen
und fallen mit der Verfügbarkeit wie auch der Qualität
Die folgenden Punkte sollten bei der Entscheidung der Trainer und Übungsleiter.
und der anschließenden konkreten Planung beleuch-
tet werden: Um ein Angebot planen zu können, muss der Verein
daher über die aktuelle Personalsituation Bescheid
Angebotsinhalte und Angebotsstruktur wissen. Wie viele Übungsleiter gibt es, auf die der Ver-
Sportvereine bieten unterschiedliche Bedingungen ein zurückgreifen kann? Müssen weitere Übungsleiter
und Voraussetzungen zum Einrichten gesundheits- B „Sport in der Prävention“ ausgebildet werden? Ver-
orientierter Angebote. Dabei gibt es vor der Planung fügen alle aktiven Übungsleiter über gültige Lizenzen
von Angeboten einiges zu beachten. und sind diese ausreichend für gesundheitsorientierte
Angebote qualifiziert? Wenn nicht, kann es weiterhel-
Wenn ein Verein ein neues Gesundheitssportangebot fen, einfach mal unter den Mitgliedern nachzufragen,
anbieten möchte, sollte er im ersten Schritt die Ange- ob Interesse an einer Lizenz-Ausbildung besteht. Der
botsinhalte und deren Struktur klären. Dazu gehört ein oder andere wartet vielleicht nur darauf, angespro-
eine Analyse der Zielgruppen, die er mit dem neuen chen und aus der Reserve gelockt zu werden. Um
Programm erreichen möchte (z.B. Männer, Frauen, vorhandene Übungsleiter langfristig an den Verein zu
Mitglieder, Nicht-Mitglieder, usw.), und der Interessen, binden, lohnt es sich, über die Entwicklung eines An-
die diese Zielgruppen verfolgen. Ein erster Blick in die reizsystems nachzudenken.
Mitgliederstatistik zeigt, ob das neue Angebot über-
haupt in die Vereinsstruktur passt. Zudem kann ein Das kann verschiedene Bestandteile haben, wie
einfacher Fragebogen, den man zum Beispiel bei der z.B. das Angebot, an Aus- und Fortbildungen der
Mitgliederversammlung austeilen kann, Aufschluss Verbände teilnehmen zu können, eine finanzielle
über die Wünsche und Bedürfnisse der Mitglieder ge- Gegenleistung für das Engagement oder Möglich-
ben. keiten zur persönlichen Weiterentwicklung. Neben
der Bindung von bereits aktiven Übungsleitern ist
Beides zusammen liefert bereits eine erste Antwort es unabdingbar, sich über die Gewinnung neuer
auf die Frage, ob die Nachfrage nach gesundheits- Übungsleiter Gedanken zu machen – und das muss
oder sportorientierten Übungsstunden überhaupt vor- nicht allein Aufgabe des Vorstandes sein. Geziel-
handen ist – und ob es sich lohnt, solche Angebote te Ansprache, am besten persönlich, und eine gute
auf- oder auch auszubauen. Liegen diese Informati- Öffentlichkeitsarbeit sind dabei wichtige Faktoren.
onen vor, kann der Verein sein Kurssystem anhand
verschiedener Kriterien wie bspw. unterschiedlicher

16
AUSGANGSLAGE ANALYSIEREN

Materiell-technische Voraussetzungen
Für die reibungslose Durchführung eines Angebotes Anhand der Kalkulation kann der Verein prüfen, ob
im Gesundheitssport sind die materiellen und techni- seine Ausgaben in Relation zu den Einnahmen ste-
schen Bedingungen ein weiterer wichtiger Punkt. Der hen und so schließlich die Teilnehmergebühren fest-
Verein sollte sich einen Überblick darüber verschaf- setzen. Bei der Festlegung der Höhe der Kursgebühr
fen, welche Materialien und technischen Geräte vor- sind weitere Kriterien zu beachten. So hat Qualität
handen sind und welche noch benötigt werden. Die durchaus ihren Preis und das arf sich auch in den Teil-
Überprüfung der vorhandenen Sportstätten (Sporträu- nahmegebühren widerspiegeln.
me, Bäder, ..) und des Gerätepools geben Aufschluss
über den aktuellen Stand. Durch die Erstellung eines Dazu kann man sich am regionalen Preisniveau orien-
Angebotskataloges kann der Verein beispielsweise tieren und auch die Preise von Volkshochschulen oder
den genauen Bedarf an Materialien übersichtlich er- Krankenkassen recherchieren. Für Nichtmitglieder
fassen und weiß, was er für das Angebot noch alles sollten diese deutlich höher liegen als für Mitglieder.
benötigt. Bevor der genaue Termin und der Ort des Für die Erschließung zusätzlicher Finanzierungsmit-
neuen Angebots festgelegt werden, muss natürlich die tel ist die Gewinnung von Sponsoren ein geeignetes
Verfügbarkeit von Sporträumen zu den angedachten Mittel. Und das gelingt auch leichter, wenn der Ver-
Zeiten überprüft werden. Gegebenenfalls muss die ein über seine aktuelle Finanzlage Bescheid weiß.
Anmietung neuer Räume in Erwägung gezogen wer-
den. Kooperationspartner
Durch die Einbindung von Kooperationspartnern kann
Erst wenn die Raumfrage geklärt ist, können Beginn, der Verein seine Reichweite noch erhöhen und sein
Ende und Dauer des Kursangebotes abschließend Angebot ergänzen. Bei der Auswahl von neuen Part-
festgelegt werden. Kooperationen, etwa mit der Kirche nern ist es wichtig, die Inhalte, Kompetenzen und
oder der Kommune, sind eine weitere Möglichkeit, um Ziele der Partner mit den eigenen abzugleichen. Der
an zusätzlich benötigte Räume zu kommen. Verein sollte sich also überlegen: Wer passt zu uns?
Welche Möglichkeiten eröffnen sich durch diese Ko-
Finanzielle Voraussetzungen operation? Um das Thema „Kooperationen“ langfristig
Für die Kalkulation der Kosten, die bei Planung und auf stabile Füße zu stellen, sollte es idealerweise in
Umsetzung eines neuen Angebots auf den Verein zu- das Gesamtkonzept des Vereins eingebunden werden
kommen, sollte ein Budgetplan erstellt werden. Wie- (s. auch Kapitel 6).
viel Geld steht zur Verfügung und welche anderen
Finanzierungsquellen lassen sich erschließen? Wie
hoch muss die Kursgebühr mindestens sein, damit
der Verein nicht draufzahlt? Anfallende Kosten sind
bspw. Raummiete, Übungsleiter-Honorare, Geräte,
Werbung, Verwaltung und Versicherung. Einnahmen
setzen sich z.B. aus Kursgebühren, Zuschüssen und
möglichen Sponsorenleistungen zusammen (siehe
auch Abbildung 4).

17
AUSGANGSLAGE ANALYSIEREN

Finanzplan

Ausgaben Betrag

Übungsleiterhonorar

Reise-/Fahrtkosten

Hallenmiete

Sportgeräte

Öffentlichkeitsarbeit (Flyer, Plakate, etc.)

Verwaltungskosten (Porto, Telefon, Kopien, etc.)

Teilnehmerunterlagen (Handouts, Bestätigung, etc.)

Versicherung (Unfall, Haftplicht, Nichtmitglieder)

Verpflegung

Sonstiges

Summe

Einnahmen Betrag
Teilnahmegebühr

Zuschuss für Übungsleiter

Sponsoren

Sonstiges

Summe

Abb. 4: Finanzplan mit Übersicht über Einnahmen und Ausgaben


(mod. nach Vogt & Töpper, 2011, S. 256)

18
AUSGANGSLAGE ANALYSIEREN

Bewerbung des Angebots


Um die gewünschten Zielgruppen zu erreichen, ist Angebot bewerben will. Welche Ziele sollen mit der
eine passgenaue, zielgruppengerechte Bewerbung Öffentlichkeitarbeit erreicht werden? Möchte der Ver-
des Angebotes wichtig. Das bedeutet, die Werbung ein seinen Bekanntheitsgrad steigern oder auf spe-
je nach Publikum entsprechend zu gestalten und zu zielle Angebote aufmerksam machen? Bis wann soll
platzieren. Dabei gibt es verschiedene Kanäle, die der die Werbung platziert sein? Welche Medien eignen
Verein bedienen kann. sich dabei besonders? Auch persönliche Besuche bei
Ärzten, Krankenkassen und Firmen in der Umgebung
Sie reichen von Printmedien wie z.B. Lokale Zeitung, können für die Bewerbung eines Kursangebotes von
Vereinszeitschrift, Aushänge am schwarzen Brett oder Vorteil sein.
Flyer, mit denen man eher die ältere Generation er- Für den Beginn des Kurses sollte der Verein einen
reicht, bis hin zu den sozialen Medien (Homepage, passenden Zeitpunkt wählen. Ein günstiger Startter-
Facebook, usw.), die eher von den Jüngeren genutzt min ist z.B. der Frühling, wenn die Teilnehmer ihre
werden. Dabei gilt es zu prüfen, welche Kommunika- guten Vorsätze für das neue Jahr umsetzen möchten
tionswege der Verein bereits bedient und welche wei- (z.B. Aktion „Fit in den Frühling“). Außerdem eignen
teren Wege sinnvoll wären. Vielleicht sind im Verein sich neue Kurse nach den Oster-, Sommer- oder
bereits Personen vorhanden, die sich mit einzelnen Herbstfreien, um nach dem Urlaub wieder aktiv zu
Medien gut auskennen und ihre Erfahrung und ihr werden. Das Kursangebot kann in einer „Staffelung“
Wissen gerne einbringen. Hier lohnt es sich, die Situa- über das Jahr hinweg erfolgen, bspw. Start im Januar
tion im Verein in Erfahrung zu bringen. mit einen Schnupperkurs, den Aufbaukurs im Frühjahr
stattfinden lassen und im Herbst dann den Übergang
Damit die Öffentlichkeitsarbeit zielgerichtet umgesetzt in das Dauerangebot ermöglichen.
wird, sollte sich der Verein eine grundlegende Stra-
tegie überlegen, wo, wann und vor allem wie er das Ein Beispiel für eine Ausschreibung könnte so aussehen:

Mit dem Sportverein Musterstadt aktiv in das neue Jahr starten – Jetzt zum Schnuppern anmelden.

Neu im Programm:
„Fit in den Frühling: Funktionelles Fitness-Training“

Für diejenigen, die etwas für ihre Gesundheit tun und aktiv ins neue Jahr starten wollen, bietet der Sport-
verein Musterstadt ab dieser Woche ein neues Kursangebot an. Im Rahmen der Schnupperwoche einfach
unverbindlich reinschauen und testen.

Titel des Angebots: Fit in den Frühling: Funktionelles Fitness-Training


Angebotsprofil: Haltung und Bewegung
Alters-/ Zielgruppe: gemischte Gruppe, Erwachsene
Bewegungsbiographie: Neu- und Wiedereinsteiger
Angebotsform: Kurssystem, 10 Einheiten à 60 min
Förderung der Kraftfähigkeit, Rückenbeschwerden vermeiden mittels
Gesundheitsziele:
Handlungs- und Effektwissen, Alltagsbezug herstellen
Kosten: Mitglieder: X Euro / Nichtmitglieder: X Euro

>> Start des neuen Kurses: 12. Januar <<

Abb. 5: Beispiel für die Bewerbung eines Kursangebotes

19
AUSGANGSLAGE ANALYSIEREN

20
AUSGANGSLAGE ANALYSIEREN

Zeitplan und Checkliste zur Organisation von Gesundheitssportangeboten

Checkliste der Aufgaben Woche vor bzw.


nach Kursbeginn

1. Idee fixieren: Festlegung der Inhalte und Zielgruppen 15

2. Terminfestlegung (Schulferien berücksichtigen) 12

3. Ort (Turnhalle, Schwimmhalle, etc.) 12

4. Finanzplanung 10 - 8

5. Kursprogramm 10 - 8

6. Suche nach Partnern 10 - 0

7. Start der Bewerbung (Flyer, Internet, etc.) und erste Information 8


an lokale Medien und im Amtsblatt

8. Honorarvertrag und Abstimmung mit Referent/Übungsleiter 6

9. Versicherungsfrage klären, wenn Nichtmitglieder teilnehmen werden 6

10. Zweite Bewerbungsphase (Flyer, Plakate, Internet) und 6-3


Information an lokale Medien und im Amtsblatt

11. Schriftliche Vorbereitung (Teilnehmeranschreiben, Teilnehmerunterlagen, 2


Eingangs- und Anamnesefragebogen, Quittungen)

12. Letzte Absprachen und Ankündigung Kursbeginn in den lokalen Medien 1

KURSBEGINN 0

13. Bericht über Kursstart an die lokalen Medien geben +1

14. Auswertung (Teilnehmerfragebogen, Teilnahmebestätigung, + 12


Vermittlung in Dauerangebote, ...)

Abb. 6: Zeitplan und Checkliste zur Organisation Präventiver Kursangebote


(mod. nach Vogt & Töpper, 2011, S. 253)

21
AUSGANGSLAGE ANALYSIEREN

3.2 ANGEBOTSFORM
Neben den Dauerangeboten haben sich v.a. im Ge- Hierzu sollte jeder Verein im Vorfeld seine individuel-
sundheitssport bei vielen Vereinen Kursangebote len Möglichkeiten und den Bedarf überprüfen.
etabliert. Das Kurssystem erfreut sich zunehmender
Beliebtheit und kann Vereinen zur Gewinnung neuer Was zeichnet ein Kursangebot im Verein aus?
Mitglieder dienen. Dabei sollte nicht die Frage im Vor-
dergrund stehen, ob ein zeitlich befristetes Kursangebot „„ Es ist ein zusätzliches und ergänzendes Angebot
oder ein Dauerangebot sinnvoller ist, sondern welche zum laufenden Sportbetrieb
Vorteile eine Kombination aus beidem mit sich bringt. „„ Es ist zeitlich begrenzt und damit überschaubar
(z. B. 8 bis 12 Unterrichtseinheiten)
Ein Kursangebot kann vorhandene Vereinsstrukturen „„ Es werden spezielle Inhalte (meist gesundheits-
sinnvoll ergänzen, die Wettbewerbsfähigkeit des Ver- sportorientiert) für eine spezielle Zielgruppe ange-
eins stärken, Sport- (Wieder-)Einsteiger motivieren boten (z.B. junge Mütter oder Männer, nicht sport-
und Nichtmitgliedern den Vereinssport nahebringen. lich aktive Mitglieder, etc.)
„„ Es werden zusätzliche Kursgebühren erhoben
Zudem eröffnet es die Möglichkeit, den bestehenden „„ Die Teilnehmerzahl ist begrenzt
Mitgliedern ein weiteres attraktives Angebot vorzuhal- „„ Das Angebot ist auch für Nicht-Mitglieder geöffnet
ten und damit deren Bindung an den Verein zu festi- „„ Mit dem Qualitätssiegel SPORT PRO GESUND-
gen. HEIT kann mit der Gesundheitskompetenz des
Vereins geworben werden

22
AUSGANGSLAGE ANALYSIEREN

3.3 WISSENSWERTES ZU STEUERN UND VERSICHERUNG


Die Besteuerung von Kursangeboten Leistungen des Sportversicherungsvertrags auch für
Die Gesundheitssportkurse eines als gemeinnützig Nicht-Mitglieder in Sportkursen gelten sollen – unab-
anerkannten Sportvereins werden wie die anderen hängig davon, ob diese eine Teilnehmergebühr ent-
Sportangebote des Vereins im Sinne des Steuerrechts richten müssen oder nicht – muss der Verein eine
als „sportliche Veranstaltung“ gewertet. Diese „sport- entsprechende Zusatzversicherung mit der ARAG ab-
liche Veranstaltung“ ist dabei eine organisatorische schließen. Der Abschluss dieser Nicht-Mitgliederver-
Maßnahme, die es aktiven Sportlern, und damit nicht sicherung ist schnell und unkompliziert zu erledigen.
nur Mitgliedern des Vereins, ermöglicht, Sport zu trei- Der Beitrag richtet sich dabei nicht nach der Zahl der
ben. Eine bestimmte Organisationsform oder -struktur Kursteilnehmer, sondern nach der Vereinsgröße.
ist für die Veranstaltung nicht notwendig.
Der WLSB empfiehlt seinen Vereinen den Abschluss
Ist für die Teilnahme an diesen Gesundheitssportkur- einer Nicht-Mitgliederversicherung, um mögliche Re-
sen eine Gebühr zu bezahlen, wechselt der Verein gressansprüche zu vermeiden.
aus steuerlicher Sicht vom ideellen Bereich in den
Zweckbetrieb. Umsatzsteuer ist dennoch nicht auf die Der Versicherungsschutz gilt für die aktive Teilnahme
Teilnehmergebühren zu bezahlen, da sie durch § 4 am Sportangebot sowie den Rückweg nach Hause
Nr. 22 Ziff. b des Umsatzsteuergesetzes steuerbefreit und umfasst gemäß aktuellem Sportversicherungs-
sind, sofern der Großteil der Einnahmen zur Deckung vertrag (Stand Januar 2017):
der Kosten dient.
„„ Unfallversicherung mit Invaliditätsleistung, Todes-
Allerdings gilt es als Verein, die Zweckbetriebsgrenze fallleistung und Unfall-Zusatzleistungen wie z.B.
von derzeit 45 000 Euro im Jahr (Stand 2017) zu be- ein Reha-Management
achten. Denn übersteigen die Vereinseinnahmen aus „„ Haftpflichtversicherung mit Schutz bei Personen-
dem Zweckbetrieb einschließlich Umsatzsteuer (so- und Sachschäden sowie bei Mietsachschäden
fern die Leistung nicht steuerbefreit ist) diese Gren- „„ Rechtsschutzversicherung bei Schadenersatzfor-
ze, werden die Einnahmen im Zweckbetrieb als wirt- derungen der Nicht-Mitglieder sowie in Strafver-
schaftlicher Geschäftsbetrieb eingeordnet. Die Folge: fahren gegen Nicht-Mitglieder
Es gilt Ertragssteuerpflicht für die Überschüsse und „„ Krankenversicherung mit Kostenersatz bei Sport-
der volle Umsatzsteuersatz von derzeit 19 Prozent unfällen, etwa bei Zahnschäden oder beschädig-
muss entrichtet werden. ten Brillen

Der Gesetzgeber gewährt Vereinen aber noch einigen Weitere Informationen


steuerlichen Gestaltungsspielraum. Daher sollte man ARAG-Versicherungsbüro beim WSLB
als Verein einen Steuerexperten zu Rate ziehen. Tel.: 0711/28077-800
E-Mail: vsbstuttgart@ARAG-Sport.de
Was ist ein Zweckbetrieb? www.arag.de

Zweckbetriebe sind solche,

„„ die zur Verwirklichung der gemeinnützigen, mildtä-


tigen oder kirchlichen Zwecke unentbehrlich sind,
„„ unmittelbar diese Zwecke verwirklichen und
„„ mit denen der Verein nicht in größerem Umfang in
Wettbewerb zu steuerpflichtigen Betrieben derselben
oder ähnlicher Art tritt, als unbedingt notwendig ist.

Gesundheitssport-Kurse und
Versicherungsschutz
Grundsätzlich sind alle Vereinsmitglieder bei der Teil-
nahme an den Sportangeboten ihres Vereins über den
Sportversicherungsvertrag zwischen dem WLSB und
der ARAG versichert. Anders sieht es aus mit dem
Schutz für Nicht-Mitglieder, die an Sportangeboten ei-
nes WLSB-Mitgliedsvereins teilnehmen. Wenn die

23
AUSGANGSLAGE ANALYSIEREN

3.4 GEMA-GEBÜHREN
Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und einen dauerhaften Kurs, bei dem die Teilnehmer
mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA) hat für für jede Kursteilnahme bezahlen, z. B. über eine
die Musiknutzung in Kursen von Sportvereinen im Jahr Zehner-Karte.
2015 die Vergütungssätze und -regelungen geändert. „ Eine einzelne Kursstunde darf dabei maximal 90
Bis auf Weiteres gelten die folgenden Vorgaben: Minuten lang sein. Ist die Kursstunde kürzer (z. B.
60 Minuten), reduziert sich die Vergütung nicht.
„ Alle Kurse im vereinsinternen Trainingsbereich,
„ Die Anmeldung von Kursen mit festem Anfangs-
an denen ausschließlich Vereinsmitglieder teilneh-
und Enddatum bei der GEMA muss vor Kursbeginn
men und bei denen keine zusätzliche Kursgebühr
erfolgen. Nach dessen Ende müssen der GEMA
erhoben wird, sind über eine Vereinbarung zwi-
die Höhe der Kurseinnahmen (inkl. Umsatzsteuer)
schen der GEMA und dem Deutschen Olympi-
und die Anzahl der Teilnehmer gemeldet werden.
schen Sportbund (DOSB) abgegolten.
„ Für die Lizenzierung von dauerhaften Kursen kann
„ Alle Kurse, an denen Nichtmitglieder teilnehmen
der Verein einen Pauschalvertrag mit der GEMA
und/oder eine Kursgebühr erhoben wird, sind bei
abschließen. Er erhält dann einen Nachlass in
der GEMA anzumelden und zu lizenzieren. Das gilt
Höhe von 8,33 Prozent bei vierteljährlicher bzw.
auch, wenn Personen teilnehmen, die nur um den
16,67 Prozent bei jährlicher Vorauszahlung (Stand:
Kurs zu besuchen, eine Mitgliedschaft im Verein
Januar 2017). Maßgeblich zur Berechnung der
eingegangen sind (z.B. befristete Kurzmitglied-
GEMA-Vergütung ist die Anzahl der Kursstunden.
schaften bis zu 6 Monaten Dauer).
Die Höhe der Vergütung je Kursstunde berechnet
„ Die genaue Berechnung der GEMA-Gebühren sich nach der Anzahl der Teilnehmer je Kursstunde
hängt davon ab, ob es sich um einen Kurs mit sowie dem zu entrichtenden Teilnehmerbeitrag.
festem Anfangs- und Enddatum handelt oder um

Vergütungsbeispiel – Kurs mit festem Anfangs- und Enddatum


An einem Ganzkörperkräftigungskurs nehmen zehn Vereinsmitglieder und fünf Nichtmitglieder teil. Die Kursge-
bühr für Mitglieder beträgt 70 Euro, für Nichtmitglieder 100 Euro. Der Kurs findet an zehn Abenden jeweils 90
Minuten lang statt:

Kurseinnahmen von Nichtmitgliedern 5 x 100 Euro 500 Euro

Kurseinnahmen von Mitgliedern 10 x 70 Euro 700 Euro

Zwischensumme 1200 Euro

davon 3,75 % 45 Euro

GVL-Zuschlag für Tonträgernutzung 9 Euro

Zwischensumme 54 Euro

abzügl. 20 % Gesamtvertragsnachlass: - 10,80 Euro

Gesamtvergütung netto 43,20 Euro

Sportvereine können komplizierte Verfahren der Beispiele für Anbieter GEMA-freier Musik sind
GEMA umgehen, indem sie lizenzfreie bzw. GE-

!
MA-freie Musik einsetzen. Hierfür gibt es ver- „ jamendo
schiedene Portale im Internet, die eine Auswahl „ Free music archive (FMA)
GEMA-freier Musik anbieten. Übungsleiter sollten „ ccMixter
daher für sich prüfen, ob diese für ihre Angebote „ opsound
nutzbar und sinnvoll sind. „ Soundcloud

24
AUSGANGSLAGE ANALYSIEREN

Persönliche Auskunft erhalten Sie beim Ansprech- gigen Rundfunkbeitrags im Jahr 2012 ist hier vieles
partner für WLSB-Mitgliedsvereine: einfacher. Doch wie verhält es sich mit Geräten mit
Radio-Empfang, die bei Bewegungs- und Gesund-
GEMA KundenCenter, 11506 Berlin heitskursen eingesetzt werden?
Tel.: 030/58858999
Fax: 030/21292795 Wenn der Verein an verschiedenen, voneinander ge-
E-Mail: kontakt@gema.de trennten Orten Geräte aufgestellt hat – z.B. ein Radio
in der Turnhalle, fallen nur Gebühren an, wenn die
Weitere Informationen gibt es in der WLSB-Infothek Geräte ständig vorhanden sind. Werden sie nur zum
unter www.wlsb.de/infothek unter dem Reiter „Ver- Training/Sportkurs mitgebracht und danach wieder
einsmanagement“ in der Rubrik „Steuern“. mitgenommen, wird keine Gebühr fällig. Es gilt dann
die sogenannte „Zweitgerätefreiheit“.

GEZ und Musikgeräte Ebenfalls keine Gebühren fallen an, wenn Übungslei-
Neben den Gebühren für die GEMA sollte in Vereinen ter ihr eigenes Gerät im Kurs verwenden – weder für
auch die Frage der GEZ-Gebühr geklärt sein. Seit der den Verein noch für den Übungsleiter, der ja schon
Einführung des von der Zahl der Geräte unabhän- privat den Rundfunkbeitrag bezahlt hat.

25
DAS QUALITÄTSSIEGEL SPORT PRO GESUNDHEIT

4. DAS QUALITÄTSSIEGEL
SPORT PRO GESUNDHEIT
4.1 DAS SIEGEL SPORT PRO GESUNDHEIT
SPORT PRO GESUNDHEIT ist ein Qualitätssiegel, von SPORT PRO GESUNDHEIT, was Teil der Voraus-
das für hochwertige, wirkungsvolle und vor allem für setzungen ist, um das Qualitätssiegel beantragen zu
flächendeckende Gesundheitssportangebote steht. können. Nähere Informationen hierzu finden Sie im
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat es Kapitel 4.3 „Serviceplattform SPORT PRO GESUND-
in Zusammenarbeit mit der Bundesärztekammer ent- HEIT“.
wickelt. Damit verpflichtet sich der organisierte Sport,
die hohe Qualität seiner Gesundheitssportangebote SPORT PRO GESUNDHEIT ermöglicht dem Sport-
vor Ort in den Vereinen nach gemeinsamen verbindli- verein, Masterprogramme und standardisierte Pro-
chen Grundsätzen sicherzustellen. gramme zu nutzen. Der WLSB als Zertifizierungs-
stelle vergibt für die bereitstehenden ausgearbeiteten
Seit vielen Jahren können Sportvereine, genauer ge- Programme die Auszeichnung des Qualitätssiegels
sagt WLSB-Mitgliedsvereine, dieses Qualitätssiegel SPORT PRO GESUNDHEIT (s. auch Kapitel 4.3 und
für ihre gesundheitsorientierten Sportangebote erwer- 4.4). Individuell gestaltete Kursangebote des Vereins
ben. Mit diesen sollen vor allem Zielgruppen erreicht (z.B. mit eigenem Kurskonzept und -titel) können zwar
werden, die normalerweise nicht für Bewegungspro- nicht mit dem Qualitätssiegel SPORT PRO GESUND-
gramme zu begeistern sind. HEIT ausgezeichnet werden, sind jedoch für eine be-
darfsgerechte vielfältige Gestaltung der Angebotspa-
SPORT PRO GESUNDHEIT hat klar definierte Ziele lette im Sportverein unentbehrlich.
und Kriterien und schafft Orientierung im Dschungel
der zahlreichen, mittlerweile auch von kommerziellen SPORT PRO GESUNDHEIT verfolgt kurzfristige Ziele
Einrichtungen angebotenen Programmen des Ge- wie z. B. die Stärkung von physischen und psychoso-
sundheitssports. Es wird für die Dauer von drei Jahren zialen Gesundheitsressourcen oder die Verminderung
verliehen. Danach muss es erneut beantragt werden. von Risikofaktoren. Im Kern zielen die Bemühungen
von SPORT PRO GESUNDHEIT aber auf eine lang-
SPORT PRO GESUNDHEIT hilft Interessenten, aber fristige Bindung an gesundheitssportliche Aktivität
auch Ärzten und Krankenkassen bei der Auswahl und sowie die Bildung einer eigenen Gesundheitskompe-
Bewertung der Angebote und unterstützt die Sport- tenz; auf eine Nachhaltigkeit, die sich im Idealfall im
vereine bei der Bildung eines gesundheitsorientierten lebenslangen Sporttreiben äußert.
Profils.

Die inhaltliche Ausrichtung eines SPORT PRO GE- Vorteile für den Verein
SUNDHEIT-Angebots muss klar definiert sein. Dabei
sind folgende Schwerpunkte möglich: „„ Qualitätsnachweis des Angebots und Kompetenz-
nachweis des Übungsleiters
„„ Gesundheitstraining (Allgemeine Prävention) „„ Angebotserweiterung und Attraktivitätssteigerung
„„ Herz-Kreislauf-System „„ Imagegewinn und Marketinginstrument
„„ Haltungs- und Bewegungssystem „„ Bindung der Vereinsmitglieder und Gewinnung
„„ Entspannung/Stressbewältigung neuer Mitglieder

Die Schwerpunktsetzung des Angebots muss der „„ Förderung des Vereinszwecks durch größeren fi-
Qualifikation des Übungsleiters entsprechen. Die Aus- nanziellen Rahmen
bildung Übungsleiter B „Sport in der Prävention“ mit „„ Akzeptanz bei Ärzten, Wissenschaft, Politik, Kran-
dem Profil „Gesundheitstraining für Erwachsene/Äl- kenkassen
tere“ berechtigt zur Beantragung des Siegels SPORT
PRO GESUNDHEIT mit dem Masterprogramm „Prä-
ventives Gesundheitstraining“.

Für die weiteren Schwerpunkte sind entsprechende Profil-


fortbildungen erforderlich. Dabei erhalten Übungslei-
ter auch eine Einführung in die Master-Programme

26
DAS QUALITÄTSSIEGEL SPORT PRO GESUNDHEIT

4.2 QUALITÄTSKRITERIEN DES SIEGELS


Die folgenden sechs Kriterien müssen von Vereinen der 2. Lizenzstufe. Verantwortlich umgesetzt werden
berücksichtigt und erfüllt werden, wenn sie das Qua- die diesbezüglichen Aus- und Fortbildungen in den
litätssiegel SPORT PRO GESUNDHEIT erhalten Landessportbünden und den Sportverbänden.
möchten:
Die Ausbildung gliedert sich in eine Basisausbildung
1. Zielgruppengerechtes Angebot (mind. 120 Unterrichtseinheiten (UE)) und in darauf
2. Qualifizierte Leitung aufbauende Profilbildungen (mind. 60 UE). Die Ausbil-
3. Einheitliche Organisationsstrukturen dungsprofile können mindestens einem der Bereiche
4. Präventiver Gesundheits-Check „Herz-Kreislaufsystem“, „Haltungs- und Bewegungs-
5. Begleitendes Qualitätsmanagement system“, „Stressbewältigung und Entspannung“ oder
6. Gesunder Lebensort Sportverein „Gesundheitstraining für Erwachsene/Ältere“ zuge-
ordnet werden bzw. einer der Zielgruppen „Kinder und
Kriterium 1: Zielgruppengerechtes Angebot Jugendliche“ oder „Erwachsene“ .

Standardisierte Programme und Masterprogramme Mit dem Erwerb der Lizenz ist der Ausbildungspro-
Es muss deutlich werden, dass die Gesundheitssport- zess nicht abgeschlossen. Durch regelmäßige Fort-
programme ein eigenständiger Angebotsbereich für bildungen (mind. 15 UE innerhalb von 4 Jahren) sol-
bestimmte Zielgruppen, Zielsetzungen und Inhaltsbe- len Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten vertieft
reiche sind. Die Kernziele des Gesundheitssports soll- und der Informationsstand der Übungsleiterinnen /
ten durchgängig durch Inhalte und Methoden in den Übungsleiter aktualisiert werden. Zusätzlich muss die
Kursen umgesetzt werden. Die Programme bestehen Übungsleiterin oder der Übungsleiter in das durchzu-
aus Kursmanualen sowie Teilnehmermaterialien. Die führende Programm eingewiesen werden.
Übungsleiterinnen/Übungsleiter werden in die Pro-
gramme eingewiesen (siehe auch Kap. 4.3). Übereinstimmung Angebots- und Ausbildungsprofi l
Für die spezifischen Angebotsprofile sind jeweils pas-
Angebotsprofi l sende Ausbildungsprofile erforderlich.
Das Angebot muss einem der Bereiche „Herz-Kreis-
laufsystem“, „Haltungs- und Bewegungssystem“, Höherwertige bewegungs- und sportbezogene
„Stressbewältigung und Entspannung“ oder „Gesund- Berufsausbildungen
heitstraining (allgemeine Prävention)“ zugeordnet Alternativ zur Übungsleiterausbildung „Sport in der
werden können. Findet das Programm im Bewegungs- Prävention“ auf der 2. Lizenzstufe verfügt die Leiterin
raum Wasser statt, muss eine Zusatzqualifikation im / der Leiter über eine höherwertige bewegungs- und
Bereich Wasser vorliegen und die Rettungsfähigkeit sportbezogene Berufsausbildung. Diese muss min-
während des Kurses gewährleistet sein. destens einer der nachfolgend genannten Qualifikati-
onen entsprechen:
Zielgruppe
Die Zielgruppe, an die sich das Angebot schwerpunkt- „ Sportwissenschaftler mit nachweislich gesund-
mäßig richtet, ist zu benennen. Insbesondere muss heitsorientierter Ausrichtung
zwischen Kindern (6 bis 7 und 8 bis 12 Jahre), Ju- „ Sport- u. Gymnastiklehrer/in mit nachweislich
gendlichen (13 bis 17 Jahre) und Erwachsenen (18 bis gesundheitsorientierter Ausrichtung
49, 50 bis 69 und ab 70 Jahren) differenziert werden. „ Physiotherapeut/in bzw. Krankengymnast/in mit
Weiterhin sollten das Geschlecht, die Bewegungsbio- Zusatzqualifikation in der Methodik des Sports
grafie und das Lebensumfeld berücksichtigt werden. „ Ergotherapeut/in oder Motopäde/in mit Zusatz-
qualifikation in der Methodik des Sports
Kriterium 2: Qualifizierte Leitung

Übungsleiterausbildung „Sport in der Prävention“


Die Übungsleiterinnen und Übungsleiter, die Gesund- Termine der Lizenzausbildung Übungsleiter B
heitssportprogramme im Verein umsetzen, sind we-
sentliche Garanten für die Qualität dieser Programme.
Die Ausbildungsrichtlinien des Deutschen Olympi-
schen Sportbundes bilden die erforderliche Grundlage
„Sport in der Prävention“ ( 2. Lizenzstufe)

Die Ausbildung zum Übungsleiter B „Sport in


der Prävention“ findet in der Regel zwei Mal im
!
zur Qualifikation von Leiterinnen und Leitern gesund- Jahr an der Landessportschule Albstadt statt.
heitsorientierter Sportangebote. Die Leiterin / der Lei- Die aktuellen Termine sind immer online zu fin-
ter eines Gesundheitssportangebotes verfügt über die den unter www.wlsb.de/aus-fortbildung.
Übungsleiterausbildung „Sport in der Prävention“ auf

27
DAS QUALITÄTSSIEGEL SPORT PRO GESUNDHEIT

Kriterium 3: Einheitliche Organisationsstrukturen keit gesundheitsorientierter Bewegungsprogramme


hinsichtlich der Erreichung ihrer Kernziele. Ein be-
Teilnehmerzahl gleitendes Qualitätsmanagement hat insbesondere
Die Gruppengröße ist auf maximal 15 Teilnehmerin- die Aufgabe, sicherzustellen, dass Gesundheitssport-
nen/Teilnehmer je Angebot begrenzt. Damit wird eine programme ihre formulierten Ziele erreichen. Dazu
individuelle Betreuung der Teilnehmerinnen und Teil- müssen die Qualitätskriterien konsequent umgesetzt
nehmer gewährleistet. werden.

Rhythmus und Dauer der Angebote Die Betreuung der Übungsleiterinnen / der Übungslei-
Nachhaltige Verhaltensänderungen im Sinne einer ter und der Vereine in diesem Bereich erfolgt über die
lebensbegleitenden Stärkung der Gesundheit sind Verbände mit Unterstützung des Deutschen Olympi-
nur langfristig zu erreichen. Deshalb ist es besonders schen Sportbundes.
wichtig, dass das entwickelte Bedürfnis nach Bewe-
gung gepflegt wird. Ziel ist es, die Teilnehmerinnen Qualitätszirkel und weitere Maßnahmen im Rahmen
und Teilnehmer möglichst dauerhaft an Bewegungs- eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses
angebote zu binden. Ein Kursangebot dauert mindes- Wesentliche Voraussetzung für ein begleitendes Qua-
tens 8 und maximal 12 Unterrichtsstunden und um- litätsmanagement ist die Bereitschaft der Übungslei-
fasst mindestens eine Unterrichtsstunde wöchentlich. terin / des Übungsleiters zur Teilnahme an regionalen
Qualitätszirkeln und an weiteren Maßnahmen im Rah-
Kriterium 4: Präventiver Gesundheits-Check men eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses
wie z.B. Teilnehmerbefragungen, Begleituntersuchun-
Gesundheitsvorsorgeuntersuchung gen oder Qualitätsbewertungen (Audits).
Vor der Teilnahme an einem Sportprogramm wird eine
Gesundheitsvorsorgeuntersuchung angeraten: Kriterium 6: Gesunder Lebensort Sportverein

Allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern ab dem 18. Kooperation und Vernetzung


Lebensjahr wird vor der Aufnahme des Angebotes ein Auf Verbandsebene sind die Voraussetzungen ge-
Gesundheits-Check empfohlen, bei Teilnehmerinnen schaffen, um z.B. mit ärztlichen Standesorganisatio-
und Teilnehmern ab dem 35. Lebensjahr sollte gene- nen – insbesondere den Bundes- und Landesärzte-
rell eine Gesundheitsvorsorgeuntersuchung nach § 20 kammern – oder verschiedenen Versicherungsträgern
(1) SGB V erfolgen. In begründeten Fällen oder bei zu kooperieren. Auf der örtlichen Ebene geht es vor
krankhaften Befunden sollte eine darüber hinausge- allem darum, die entsprechenden Zielgruppen zu er-
hende Untersuchung in Abstimmung mit dem Haus- reichen und über die Zusammenarbeit mit Partnern im
arzt vorgenommen werden. Gesundheitsbereich Teil eines Netzwerkes „Gesund-
heitsförderung“ zu werden.
Für Kinder und Jugendliche bis zum 17. Lebensjahr
gilt: bei Kindern, die vom Schulsport ausgeschlossen Der Verein sollte daher bereit sein, z.B. mit Ärzten,
sind oder waren, sollte vor der Aufnahme des Angebo- Schulen, Kindergärten, Seniorenorganisationen,
tes eine Rücksprache mit dem Hausarzt oder ggf. eine Gesundheitsämtern, Krankenkassen und Kranken-
Jugenduntersuchung erfolgen. häusern zu kooperieren. Besonders die Zusammen-
arbeit mit niedergelassenen Ärzten wird empfohlen.
Ärztliche Bescheinigung und Teilnehmeraus- Die Angebote sollten entsprechend in der Ärzteschaft
schluss aus gesundheitlichen Gründen bekannt gemacht werden. Durch die Zusammenar-
In begründeten Fällen kann von den Teilnehmern eine beit mit dem Arzt hat der Verein die Möglichkeit, neue
ärztliche Bescheinigung gefordert werden. Zielgruppen zu gewinnen und findet in ihm darüber
hinaus einen kompetenten Ansprechpartner für alle
Aus gesundheitlichen Gründen können Personen ggf. fachlichen Fragen – angefangen von der Gesund-
von der Teilnahme ausgeschlossen werden. Dies be- heitsvorsorgeuntersuchung bis hin zur Teilnahme an
trifft insbesondere gefährdet erscheinende Teilnehmer, Informationsveranstaltungen zum Thema „Sport und
die keine Unbedenklichkeitsbescheinigung durch den Gesundheit“.
Arzt vorlegen können.
Beschreibung der „Lebenswelt“ (Setting), in dem
Kriterium 5: Begleitendes Qualitätsmanagement das Angebot stattfindet
Es sollte ersichtlich sein, in welcher „Lebenswelt“ (Set-
Die Sportorganisationen arbeiten auf der Grundlage ting) das Gesundheitssportangebot stattfindet. Denk-
empirisch abgesicherter Zusammenhänge zwischen bare Settings sind Sportvereine, Kindergärten, Schu-
Bewegungsaktivitäten und Gesundheitsbefinden. len, Betriebe und Senioreneinrichtungen.
Zahlreiche Evaluationsstudien belegen die Wirksam-

28
DAS QUALITÄTSSIEGEL SPORT PRO GESUNDHEIT

Bereitschaft zur gesundheitsorientierten lung des Vereins. Dies schließt insbesondere eine
Weiterentwicklung des Vereins Unterstützung der Übungsleiterinnen/Übungsleiter vor
Der Sportverein sollte eine aktive Rolle bei der Schaf- Ort und eine Vernetzung der Gesundheitssportpro-
fung eines gesundheitsorientierten Umfeldes für die gramme auf allen Ebenen mit ein.
angebotenen Sportprogramme spielen. Eine wesent-
liche Voraussetzung hierfür ist die grundsätzliche Be- Das Qualitätssiegel SPORT PRO GESUNDHEIT wird
reitschaft zur gesundheitsorientierten Weiterentwick- für eine Gültigkeitsdauer von drei Jahren verliehen.

29
SERVICEPLATTFORM SPORT PRO GESUNDHEIT

4.3 DIE SERVICE-PLATTFORM SPORT PRO GESUNDHEIT


Um sich als Verein auf dem Gesundheitsmarkt zu po- Mit dem Service-Portal sind die Service-Leistungen
sitionieren, sollten die Angebote und deren Qualität rund um das Qualitätssiegel deutlich umfangreicher
nach außen aussagekräftig dargestellt werden. Das geworden. Die Service-Plattform SPG bietet:
Qualitätssiegel SPORT PRO GESUNDHEIT kann
dabei helfen, in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu „ Einfaches, transparentes und bundesweit einheitli-
werden. Über die Service-Plattform, das neue On- ches Antragsverfahren
line-Portal für die Beantragung des Qualitätssiegels, „ Gleichzeitige Beantragung der Siegel SPORT
hat der Verein die Möglichkeit, seine Gesundheits- PRO GESUNDHEIT und „Deutscher Standard
sportangebote öffentlichkeitswirksam nach außen zu Prävention“ möglich
tragen. „ Direktanbindung an die ZPP und damit verbindli-
che Anerkennung
Die Service-Plattform bietet ein schnelles, übersichtliches „ Übersichtliche Angebots- und Datenverwaltung für
und unbürokratisches Antragsverfahren für zwei Siegel. den Verein
„ Kalender mit Erinnerungsfunktion über auslaufen-
1. Das Qualitätssiegel SPORT PRO GESUNDHEIT: de Angebote
„ Übersicht über Qualifikationen der Übungsleiter
SPORT PRO GESUNDHEIT ist eine bundesweit ein- und alle zertifizierten Vereinsangebote
heitliche Dachmarke und das eigenständige Siegel „ Zugriff auf hinterlegte Präventionsprogramme und
des organisierten Sports, mit dem seit mehr als 15 ausgearbeitete Stundenkonzepte
Jahren hochwertige gesundheitsfördernde Angebote „ Materialien (z.B. Teilnehmerunterlagen) und Ur-
im Sportverein ausgezeichnet werden. kunden sind direkt zum Download hinterlegt
„ Baukasten-System mit Übungspool ermöglicht fle-
2. Das Prüfsiegel „Deutscher Standard Prävention“: xible Gestaltung und Änderung der Stundenkon-
zepte der Master-Programme
Das Qualitätssiegel „Deutscher Standard Prävention“
wird seit 2014 von der Kooperationsgemeinschaft ge- Im Rahmen des Umstellungsprozesses wurden so-
setzlicher Krankenkassen zur Zertifizierung von Prä- genannte Master-Programme entwickelt, die die bis-
ventionskursen - § 20 SGB V verliehen. Die Zentrale herigen Profile abdecken. Viele Master-Programme
Prüfstelle Prävention wird von den beteiligten Kran- können zusätzlich zum Qualitätssiegel SPORT PRO
kenkassen verantwortet. Über 90% der gesetzlichen GESUNDHEIT das Siegel „Deutscher Standard Prä-
Krankenkassen in Deutschland gehören dieser Ko- vention“ erhalten, da Sie den Kriterien des GKV-Leit-
operationsgemeinschaft an. fadens Prävention entsprechen und somit von der
Zentralen Prüfstelle Prävention (ZPP) anerkannt sind
Die Vergabe von SPG ist an die Qualitätskriterien von (nähere Infos siehe Kap.4.4).
SPG des DOSB gebunden. Der Deutsche Standard
Prävention orientiert sich an den Prüfkriterien bzw.
Ì www.service-sportprogesundheit.de
Anforderungen des GKV-Leitfadens Prävention (siehe
auch Kapitel 5).

SPORT PRO GESUNDHEIT und


Deutscher Standard Prävention !
Die Auszeichnung eines Angebots mit dem Quali- Da es sich bei der Service-Plattform vorrangig um
tätssiegels SPORT PRO GESUNDHEIT durch den ein Antragsverfahren zur Verleihung des Qualitäts-
WLSB/ DOSB ist für Übungsleiter B Sport in der siegels SPORT PRO GESUNDHEIT handelt, das
Prävention die notwendige Voraussetzung für die als Marketinginstrument für qualitätsgesicherte An-
Verleihung des Prüfsiegels „Deutscher Standard gebote im Sportverein genutzt werden kann (z. B.
Prävention“ durch die Zentrale Prüfstelle Prävention Rezept für Bewegung), finden Übungsleiter dort
und somit Anerkennung durch die Krankenkassen. auch Master-Programme, die von den Krankenkas-
Sind die Angebote mit beiden Siegeln ausgezeich- sen als nicht-bezuschussungsfähig eingeordnet wer-
net, können sie durch die Krankenkassen bezu- den. Dazu gehören beispielsweise Angebote im Profil
schusst werden. „Gesundheitstraining für Erwachsene/Ältere“.

30
SERVICEPLATTFORM SPORT PRO GESUNDHEIT

Auch standardisierte Programme mit dem Qualitäts-


siegel SPORT PRO GESUNDHEIT sind weiterhin
gültig und teilweise zuschussfähig. Da sie bereits
durch die Zentrale Prüfstelle Prävention vorgeprüft
sind, bekommen auch hier die Übungsleiterinnen und
Übungsleiter eine verbindliche Aussage darüber, wel-
che der Programme den „Deutschen Standard Prä-
vention“ erlangen können.

Von der Beantragung bis zur Zertifizierung:

Voraussetzung für die Beantragung des Siegels


SPORT PRO GESUNDHEIT:

1. Mitgliedschaft des Vereins im WLSB:


1) Grundqualifikation
Damit sich ein Sportverein in der Service-Plattform
registrieren kann, muss er Mitglied beim WLSB sein. „„ Eine gültige Übungsleiter-Lizenz B „Sport in der
Dies ist Grundvoraussetzung, um das Siegel SPORT Prävention“ (2. Lizenzstufe). Das Lizenz-Profil des
PRO GESUNDHEIT für ein Angebot im Sportverein zu Übungsleiters muss dabei mit dem inhaltlichen
erhalten. Schwerpunkt des Angebotes übereinstimmen.
Bsp: Für ein Angebot mit dem Schwerpunkt
2. Vereinsregistrierung: „Herz-Kreislauf-System“ (z.B. das Masterpro-
gramm Präventives Ausdauertraining) benö-
Mitgliedsvereine des WLSB können sich unter www. tigt der Übungsleiter in seiner Lizenz das Profil
service-sportprogesundheit.de registrieren. Die Re- „Herz-Kreislauf-System“.
gistrierung erfolgt über ein Kontaktformular, in das „„ Nachweis einer höherwertigen sport- und bewe-
die Stammdaten des Vereins sowie die Daten des/ gungsbezogenen Berufsausbildung (z.B. Zeugnis
der Vereinsvorsitzenden bzw. vertretungsberechtigten der Ausbildung/ Studium im Sportbereich). Nähere
Vorstands eingegeben werden müssen. Nach Absen- Infos hierzu s. auch Kapitel 6.2
den des Registrierungsformulars werden die Angaben
durch die Zertifizierungsstelle, sprich den WLSB, ge- 2) Programmeinweisung:
prüft. Der Verein wird manuell in die Serviceplattform
eingetragen und daraufhin erhält der im Formular Zur Beantragung und Durchführung der ausgearbei-
angegebene vertretungsberechtigte Vorstand einen teten Programme (Master- und standardisierte Pro-
Zugangslink an seine E-Mail-Adresse. Nach seinem gramme) ist eine Einweisung erforderlich. Nach der
Erstlogin kann der Vereinsvorsitzende weitere Perso- Teilnahme an einer Einweisungsveranstaltung erhal-
nen anlegen, z.B. einen Ansprechpartner, der sich um ten die Übungsleiter – entsprechend ihrer ÜL-Lizenz
die Verwaltung und Beantragung des Qualitätssiegels oder Ausbildungsnachweise – das passende Zertifi-
kümmert. kat. Für jedes Programm gibt es ein eigenes Zertifikat,
das individuell auf die Übungsleitung ausgestellt wird.
Hinweis: Die Registrierung bzw. das Ausfüllen des
Formulars kann von Übungsleitern und Mitarbeitern Die Einweisungen werden beim WLSB im Rahmen
im Sportverein durchgeführt werden. Nur der Erstlogin der Lizenzausbildung Übungsleiter B „Sport in der
(und damit Bestätigung der AGBs und Datenschutzbe- Prävention“, ausgeschriebener Profil-Fortbildungen im
stimmungen) in die Serviceplattform muss über einen Bereich „Sport in der Prävention“ oder anderen Einwei-
vertretungsberechtigten Vorstand des Sportvereins sungsveranstaltungen, z.B. in Form einer Kurz-Schu-
erfolgen. Ist ein Ansprechpartner für das Qualitätssie- lung, angeboten.
gel im Verein festgelegt, kann sich der Vorstand dann
wieder aus dem Prozess zurückziehen. Für die Antragstellung in der Plattform müssen folgen-
de Qualifikationen der Übungsleitung als PDF-Datei
3. Übungsleiter-Qualifikation: hochgeladen werden:
Für die Beantragung eines SPORT PRO GESUND-
HEIT-Angebotes benötigen Kursleiter eine entspre- 1. Grundqualifikation bzw. Ausbildungsnachweis
chende Grundqualifikation und eine Einweisung in das 2. Zertifikat über die Einweisung in das Programm
durchzuführende Kursprogramm. 3. ggf. Zusatzqualifikation bei spezifischen Program-
men (z.B. im Bewegungsraum Wasser)

31
SERVICEPLATTFORM SPORT PRO GESUNDHEIT

4. Beantragung: Alle weiteren Informationen wie z.B. der Titel des An-
Die für die Siegelbeantragung zuständige Person (z.B. gebots und der Name des Trägervereins stehen be-
Ansprechpartner) oder der Übungsleiter selbst kann reits auf dem Formular.
das neue Angebot nun online erstellen und bei Bedarf
zwei Siegel auf einmal beantragen: das Qualitätssie- Informationsmaterialien für die Teilnehmer:
gel SPORT PRO GESUNDHEIT und das Siegel „Deut- Die Teilnehmerunterlagen stellen eine Zusammenfas-
scher Standard Prävention“. sung der im Stundenkonzept geplanten Schwerpunkt-
themen dar. Die Handouts werden an Kursteilnehmer
5. Zertifi zierung: als Unterstützung, Hilfestellung, Wissensvermittlung,
Der Antrag geht zunächst an die Zertifizierungsstelle Hausaufgabe etc. ausgehändigt. Die Ausgabe der Teil-
beim WLSB und bei positiver Prüfung wird das Ange- nehmerunterlagen dient zur Wissensvermittlung und
bot mit dem Qualitätssiegel SPORT PRO GESUND- Anregung für eigenständige Durchführung von Übun-
HEIT ausgezeichnet. Hat sich der Verein für die zu- gen und Aktivitäten:
sätzliche Zertifizierung mit dem Siegel „Deutscher
Standard Prävention“ entschieden, wird der Antrag
nach erfolgreicher Zertifizierung durch den WLSB au-
tomatisch an die ZPP weitergeleitet. Die Prüfung des
Antrags bei der ZPP erfolgt in einem Zeitraum von ca.
3 Wochen. Anschließend werden die Angebote in die
Datenbank der ZPP aufgenommen, auf die alle be-
teiligten Krankenkassen Zugriff haben. Kurse, die in
dieser Datenbank aufgenommen wurden, können von
den Krankenkassen bezuschusst werden.

Hinterlegte Angebotsunterlagen:

Urkunden:
Die Urkunde für das Qualitätssiegel SPORT PRO
GESUNDHEIT sowie das Zertifikat für das Prüfsiegel
Deutscher Standard Prävention stehen als Download
auf der Plattform zur Verfügung. Stundenverlaufsplan und Begleitheft:
Der Stundenverlaufsplan ist ein Kursmanual für die
Übungsleiter und gibt einen Überblick über die ein-
zelnen Kursstunden. In der Übersicht sind die einzel-
nen Phasen und deren Dauer, die Ziele, Inhalte und
Übungen, die angewandte Methodik/Didaktik sowie
die eingesetzten Geräte dargestellt. Der Stundenver-
laufsplan gibt die Reihenfolge und Organisation der
Kurseinheiten mit entsprechenden Zeitangaben vor.

Das Begleitheft ist ein Dokument für den Übungs-


leiter, das die Beschreibung der Übungen aus dem
Stundenverlaufsplan beinhaltet. Es ist nicht zur Wei-
tergabe an den Kursteilnehmer gedacht. Das Heft mit
den Übungsbeschreibungen wird automatisch erstellt
– passend zum jeweiligen Stundenverlaufsplan.

!
Teilnehmerbescheinigung: Anleitung zum Download
Die Bescheinigung, die die Kursteilnehmer bei regel-
mäßiger Teilnahme zur Vorlage bei ihrer Krankenkas- Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum
se zur Bezuschussung der Kursgebühren erhalten, Antragsverfahren gibt es in der WLSB-
wird automatisch vom System generiert. Durch den Infothek unter:
Kursleiter sind der Name des Kursteilnehmers, die An-
zahl der besuchten Kurseinheiten, der Kurszeitraum www.wlsb.de/vereinsentwicklung/
und die Dauer je Einheit einzutragen. breitensport-gesundheit

32
SERVICEPLATTFORM SPORT PRO GESUNDHEIT

4.4 DIE GESUNDHEITSPROGRAMME IM ÜBERBLICK


Die Beantragung des Qualitätssiegels SPORT PRO (2. Lizenzstufe) zugeordnet. Aktuell stehen Mas-
GESUNDHEIT ist nur noch online über die Ser- ter-Programme in den Profilen „Gesundheitstraining
vice-Plattform möglich. Auf der Plattform haben Verei- für Erwachsene/Ältere“, „Gesundheitstraining Hal-
ne die Möglichkeit, zwischen folgenden Programmen tungs- und Bewegungsssytem“ und „Gesundheitstrai-
zu wählen: ning Herz-Kreislaufsystem“ zur Verfügung. Die
Übungsleiter haben darüber hinaus die Möglichkeit,
„„ Master-Programme (und Master-Baukastensystem) zwischen 8, 10 oder 12 Kurseinheiten mit jeweils 60-
„„ Standardisierte Programme oder 90-minütiger Dauer zu wählen. Zudem gibt es
speziell für den Bewegungsraum Wasser zwei weite-
Die in der Service-Plattform hinterlegten bundesweit re Master-Programme (Aquagymnastik und -jogging)
einheitlichen Präventionssportprogramme sind quali- wahlweise für 8, 10 oder 12 Kurseinheiten à 60 min.
tätsgesichert und durch die ZPP vorgeprüft. Individuell
ausgearbeitete Programme des Vereins sind bei SPG Eine Individualisierung der Masterprogramme, d.h.
nicht mehr nötig und möglich. inhaltliche Änderungen in einzelnen Phasen der Kurs-
einheiten, ist über ein Baukasten-System in der Platt-
Masterprogramme form möglich. Masterprogramme ermöglichen somit in
Masterprogramme sind Kursprogramme, die ausge- einem vorgegebenen Rahmen flexible Gestaltungs-
arbeitete Stundenverlaufspläne, ein Begleitheft für möglichkeiten für ein Präventionssportangebot im
Übungsleiter mit den Übungsbeschreibungen und Sportverein. Die Übersicht zeigt die Masterprogram-
Informationsmaterialien für die Teilnehmer enthalten. me, die derzeit in der Serviceplattform beantragt wer-
Diese Materialien sind alle in der Plattform hinterlegt den können mit ihrer Zuordnung zum jeweiligen Profil.
und können dort eingesehen und direkt runtergela- Außerdem ist erkennbar, welche(s) Siegel und damit
den bzw. ausgedruckt werden. Die Masterprogramme mögliche Anerkennung bei der ZPP die Programme
sind den Profilen des ÜL-B „Sport in der Prävention“ haben:

Master-Programm Profil Siegel Zertifizierung bei

Präventives Gesundheits- Gesundheitstraining für SPORT PRO WLSB


training für Erwachsene Erwachsene/Ältere GESUNDHEIT

Präventives Gesundheits- Gesundheitstraining SPORT PRO GESUND- WLSB


training für Kinder für Kinder HEIT & Deutscher Standard
Prävention

Haltung und Bewegung durch Gesundheitstraining SPORT PRO GESUND- WLSB


Ganzkörpertraining Haltungs- und HEIT & Deutscher Standard
Bewegungssystem Prävention

Präventives Ausdauertraining Gesundheitstraining SPORT PRO GESUND- WLSB


Herz-Kreislauf-System HEIT & Deutscher Standard
Prävention

Aquagymnastik Gesundheitstraining SPORT PRO GESUND- SVW/DSV


Haltungs- und HEIT & Deutscher Standard
Bewegungssystem Prävention

Aquajogging Gesundheitstraining SPORT PRO GESUND- SVW/DSV


Herz-Kreislauf-System HEIT & Deutscher Standard
Prävention

Tab. 1: Übersicht der Masterprogramme

33
SERVICEPLATTFORM SPORT PRO GESUNDHEIT

Masterbaukasten
Der in der Serviceplattform SPORT PRO GESUND- Hierfür steht dem Übungsleiter ein Übungspool mit
HEIT integrierte Masterbaukasten ermöglicht eine Praxisinhalten zur Verfügung, aus denen er auswäh-
individuelle Gestaltung der Masterprogramme. Wie len kann. Dieser ist auf der Service-Plattform unter
bei einem Baukastensystem können bestimmte In- dem Reiter „Service“ einsehbar. Nicht veränderbar
halte variiert und somit individualisiert werden. In den sind der Aufbau und die Dauer der einzelnen Kursein-
Phasen der Erwärmung, des Hauptteils und des Aus- heiten (Phasen). Auch die Zielsetzungen der Stunde
klangs können Übungen, Methoden und Geräte aus- sind im Stundenverlaufsplan definiert.
getauscht, ergänzt oder entfernt werden.

Dauer Phase Ziele Inhalte Methodik/ Organisation


(min) Didaktik (Hinweise)

5- 10 Einführung

10-15 Information

10-15 Erwärmung

20-40 Hauptteil veränderbare Inhalte

10-15 Ausklang

5-10 Abschluss

Tab. 2: Masterbaukasten-System

Jedem Ziel (z.B. „Allgemeine psycho-physische Akti- Beim Hinzufügen von Übungen sowie bei der Auswahl
vierung“) ist ein Übungspool zugeordnet, aus dem In- der Organisationsform, Methode und Geräte ist auf
halte übernommen werden können. die Sinnhaftigkeit zu achten.

Organisationsform

Ziele Übungen Methoden

Geräte

Abb. 7: Masterbaukasten-Logik

Zielsetzungen (Beispiele): Methoden (Beispiele):


Förderung der Kraftfähigkeit, Entwicklung von Hand- Vortrag, Demonstration, Methodische Reihe, Reflexi-
lungs- und Effektwissen, Kennenlernen von Belastungs- on, usw.
steuerung, Erleben von sozialer Unterstützung, etc.

Organisationsform (Beispiele): Geräte (Beispiele):


Kreisaufstellung, Halbkreis, Stationstraining, freie Bank, Matte, Theraband, Kleinhantel, Pezziball,
Raumwege, Kleingruppen, Partnerarbeit, usw. Poolnoodle, Aqua-Gürtel, usw.

34
SERVICEPLATTFORM SPORT PRO GESUNDHEIT

Ansprechpartner und Zertifizierungsstelle für das den vorgegebenen Kriterien durchgeführt werden.
Qualitätssiegel SPORT PRO GESUNDHEIT in Würt- Eine Individualisierung von standardisierten Program-
temberg: men ist nicht möglich.

Württembergischer Landessportbund Auf der Service-Plattform kann unter dem Reiter „Ser-
Fritz-Walter-Weg 19 vice“ in der Rubrik „Programmübersicht“ eine Liste
70372 Stuttgart aller zertifizierten Kursprogrammen und den zustän-
Geschäftsbereich Sport und Gesellschaft digen Verbänden eingesehen werden. Angebote des
Tel: (0711) 280 77 -168/ -169 Deutschen (DTB) bzw. Schwäbischen Turnerbundes
E-Mail: gesundheit@wlsb.de (STB) können weiterhin nur über das „Gymnet“ be-
antragt werden und werden auch von dort über eine
Schnittstelle in die DOSB-Serviceplattform eingespielt.
Standardisierte Programme
Standardisierte Programme sind feststehende aus- Ansprechpartner bei Fragen zu den standardisierten
gearbeitete Kursmanuale, bestehend aus Stunden- Programmen des DTB ist Ihr Turnerbund vor Ort. In
verlaufsplänen und zugehörigen Informations- und Württemberg ist der Schwäbische Turnerbund zu-
Teilnehmerunterlagen. Der Aufbau und die Inhalte des ständig.
Kursprogramms sind standardisiert und müssen nach

35
ZENTRALE PRÜFSTELLE

5.DIE ZENTRALE PRÜFSTELLE PRÄVENTION (ZPP)


5.1 AUFGABE DER ZENTRALEN PRÜFSTELLE PRÄVENTION
Die Zentrale Prüfstelle Prävention, kurz ZPP, ist eine gramme sowie die Leistungsnachweise begutachtet.
Kooperationsgemeinschaft zahlreicher gesetzlicher Durch diese umfassende Prüfung wird sichergestellt,
Krankenkassen (ca. 90% der gesetzlichen Kranken- dass ein Präventionsangebot alle gesetzlichen Quali-
kassen in Deutschland). Aufgabe der ZPP ist es, Prä- tätsanforderungen erfüllt – und die Teilnahme daran
ventionsangebote nach § 20 Absatz 1 des Sozialge- bezuschusst werden kann.
setzbuches (SGB) V kassenübergreifend zu prüfen.
Damit wird seit Januar 2014 sichergestellt, dass von Hat ein Präventionsangebot die ZPP-Prüfung erfolg-
der ZPP zertifizierte Präventionsangebote von allen reich durchlaufen, erhält es das Prüfsiegel „Deutscher
teilnehmenden Krankenkassen als bezuschussungs- Standard Prävention“ und wird in die Datenbank der
fähig anerkannt werden. Die bis dahin übliche Prüfung ZPP aufgenommen. Diese Datenbank nutzen die an
durch jede einzelne Krankenkasse wird durch die Teil- der ZPP beteiligten Krankenkassen auch, um auf ih-
nahme an der ZPP hinfällig. ren Internetseiten geprüfte Präventionsangebote im
Zuständigkeitsbereich der Kasse aufzulisten.
Präventionsangebote in den vier Handlungsfeldern
Bewegung, Ernährung, Stressbewältigung/ Entspan- Die Krankenkassen sind allerdings nicht verpflichtet,
nung und Suchtmittelkonsum werden von der ZPP alle Angebote abzubilden. Derzeit bietet die DAK-Ge-
nach bundesweit einheitlichen Standards geprüft. Für sundheit als einzige Krankenkasse auf ihrer Internet-
Sportvereine ist dabei vor allem das Handlungsfeld seite eine Auflistung aller von der ZPP zertifizierten
Bewegung von Bedeutung. Grundlage der Prüfung ist Angebote. Dort können Vereine in einer Datenbank
der aktuelle Leitfaden Prävention des Spitzenverban- über die Kurssuchfunktion in Erfahrung bringen, wel-
des der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV). che anderen Anbieter in ihrer Stadt oder Region aktiv
Insbesondere werden die Qualifikation der Kursan- sind.
bieter bzw. Kursleiter, die Trainingsmanuale und -pro-

Eine Auflistung der beteiligten Krankenkassen findet sich auf der Website der ZPP:
ÌÌ www.zentrale-pruefstelle-praevention.de

5.2 GESETZLICHE RAHMENBEDINGUNGEN: DER LEITFADEN PRÄVENTION


Den Krankenkassen ist nach den gesetzlichen Vorga-
ben im Bereich der Leistungen zur primären Präventi- Der Leitfaden unterscheidet zwischen dem Set-
on nach § 20 SGB V nur erlaubt, solche Präventions- ting-Ansatz, darunter fällt z.B. die Gesundheitsförde-
angebote zu bezuschussen, die einem einheitlichen rung in einer Schule oder in einem Betrieb, und dem
Qualitätsstandard entsprechen. Um die einheitliche individuellen Ansatz, bei dem sich die Angebote an
Qualitätsprüfung sicher zu stellen, wurde der Leitfa- den einzelnen Versicherten richten. Der Abschnitt „In-
den Prävention des Spitzenverbandes der gesetzli- dividueller Ansatz“ wiederum ist in vier Handlungsfel-
chen Krankenversicherungen (GKV), in Zusammen- der untergliedert:
arbeit mit den Verbänden der Krankenkassen, auf
Bundesebene erstellt. „„ Bewegungsgewohnheiten
„„ Ernährung
Der Leitfaden Prävention des GKV-Spitzenverbandes „„ Stressmanagement
enthält die inhaltlichen Handlungsfelder für Präven- „„ Suchtmittelkonsum
tionsangebote sowie die Richtlinien für deren Bezu-
schussung. Der Leitfaden wurde seit der letzten Fas- Die einzelnen Handlungsfelder sind dann nochmals in
sung vom 10.12.2014 modulweise weiterentwickelt. In mehrere Präventionsprinzipien unterteilt. Dabei sind
Kapitel 5 „Leistungen zur individuellen verhaltensbezo- für den Sport vor allem das erste und zweite Prinzip
genen Prävention nach § 20 Abs. 4 Nr. 1 SGB V“ aus von Bedeutung.
dem Leitfaden in der Fassung vom 9. Januar 2017 sind
die Handlungsfelder & Kriterien für die Leistungen der
Krankenkassen in der Primärprävention festgelegt.

36
ZENTRALE PRÜFSTELLE

1. Präventionsprinzip: Reduzierung von Bewegungsmangel durch gesundheitssportliche


Aktivität (z. B. Ganzkörperkräftigung)
Die Präventionsangebote der Sportvereine zählen Qualitätssiegel SPORT PRO GESUNDHEIT aus-
meist zum ersten Präventionsprinzip „Reduzierung gezeichnet wurden.)
von Bewegungsmangel durch gesundheitssportliche „ Sportwissenschaftler mit den Abschlüssen Diplom,
Aktivität“. Staatsexamen, Magister, Bachelor/ Master
„ Krankengymnasten/ Physiotherapeuten, Sport-
Zur leitfadenkonformen Durchführung benötigt es hier und Gymnastiklehrer sowie Ärzte, sofern diese im
Fachkräfte mit folgenden Qualifikationen: Rahmen einer Schulung in das durchzuführende
Gesundheitsprogramm speziell eingewiesen sind.
„ Lizenzierte Übungsleiter der Sportvereine mit der
Ausbildung „Sport in der Prävention“ auf der 2. Das bedeutet: Im 1. Präventionsprinzip können Sport-
Lizenzstufe (ÜL B), die in das durchzuführende vereine mit einem qualifizierten Übungsleiter B „Sport
Gesundheitssportprogramm speziell eingewiesen in der Prävention“ abrechnungsfähige Gesundheits-
sind. (Der Einsatz der Übungsleiter ist auf Ange- sportangebote durchführen. Sie sind im Leitfaden Prä-
bote der Sportvereine beschränkt, die mit dem vention explizit erwähnt.

2. Präventionsprinzip: Vorbeugung und Reduzierung spezieller gesundheitlicher Risiken


durch geeignete verhaltens- und gesundheitsorientierte Bewegungsprogramme
(z. B. Rückenschule)
Das zweite Präventionsprinzip „Vorbeugung und Re- Das bedeutet: Verfügt ein Verein über Kursleiter mit
duzierung spezieller gesundheitlicher Risiken durch den oben aufgeführten Qualifikationen, können die-
geeignete verhaltens- und gesundheitsorientierte Be- se Gesundheitssportangebote im zweiten Präventi-
wegungsprogramme“ beinhaltet Maßnahmen, die sich onsprinzip anbieten. Die Qualifikation Übungsleiter B
vorrangig auf bestimmte Organe und Systeme bezie- „Sport in der Prävention“ reicht in diesem Fall nicht
hen. aus. Einzige Ausnahme bilden Kursangebote zur
Sturzprävention, die mit dem Qualitätssiegel SPORT
Zur leitfadenkonformen Durchführung von Gesund- PRO GESUNDHEIT ausgezeichnet sind. Hierfür
heitssportangeboten des zweiten Präventionsprinzips kommen lizenzierte Übungsleiter B „Sport in der Prä-
sind Fachkräfte mit nachfolgenden Ausbildungen an- vention“, die eine Fortbildung zur Sturzprävention
erkannt: und eine Einweisung in das durchzuführende Sturz-
präventionsprogramm haben, in Betracht (s. Info im
„ Sportwissenschaftler mit den Abschlüssen Diplom, Leitfaden Prävention S. 59).
Staatsexamen, Magister, Bachelor/ Master
„ Krankengymnasten/Physiotherapeuten, Sport- und
Gymnastiklehrer und Ärzte mit Zusatzqualifikati-
on einer anerkannten Institution für den jeweili-
gen Problembereich und einer Einweisung in das
durchzuführende Bewegungsprogramm.

Den kompletten Leitfaden Prävention gibt es online unter

www.gkv-spitzenverband.de

Rubrik „Krankenversicherung“ -> Prävention,Selbsthilfe, Beratung -> Prävention und betriebliche


Gesundheitsförderung.
!
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NETZWERKE

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NETZWERKE

6. NETZWERKE & KOOPERATIONEN

Die Bevölkerung gesund zu erhalten und deren Wohl- „ Kindergärten, Schulen und Hochschulen
befinden zu verbessern – dieses Ziel verfolgen viele „ Regionale Gesundheits- und Bewegungsanbieter
verschiedene Organisationen. Um dieses Vorhaben „ Betriebe, inklusive Unternehmen, die den Verein
ganzheitlich anzugehen, ist es für die Akteure im Ge- fördern (z.B. Sponsoren)
sundheitswesen empfehlenswert, an einem Strang zu „ Freiwilligenzentren, Seniorenbüros, Altenheime
ziehen und sich vor Ort zusammenzutun. Die Sport- „ Jobcenter, Kirche uvm.
vereine als Vertreter für Sport und Bewegung nehmen
dabei eine wesentliche Rolle ein. Durch Kooperationen und Netzwerke können beson-
dere Zielgruppen erreicht werden:
Für die Verantwortlichen in Sportvereinen bedeutet
das: Streben Sie die Vernetzung sowohl mit sportin- „ über Ärzte und Apotheken: Patienten, die auf
ternen als auch sportexternen Partnern an. Setzen Sie ärztliche Empfehlung hin etwas für ihre Gesundheit
den Fokus auf ein gemeinsames Vorgehen vor Ort. tun sollen (z.B. durch das Rezept für Bewegung)
Dabei können die Partner variieren, je nachdem wie „ über Betriebe und Unternehmen: Arbeitnehmer
die Situation vor Ort ist. und Angestellte (z.B. mit dem WLSB-Programm
G.U.T. im Beruf)
Mögliche Netzwerk-Partner können sein: „ über Stadt- und Kommunalverwaltung: die ge-
samte Bevölkerung (z.B. über offene Bewegungs-
„ Sportvereine, die bereits im Gesundheitssport tätig angebote)
sind oder tätig werden wollen „ über Kindergärten und Schulen: Kinder und
„ Stadt- und Kommunalverwaltung (Sportamt, Ge- Jugendliche (z.B. durch SPORT PRO GESUND-
sundheitsamt, etc.) HEIT- Angebote für Kinder)
„ Ärzteschaft (Hausärzte, Kinderärzte, Diabetolo- „ über Jobcenter, Arbeitsagenturen: Arbeitssu-
gen, etc.) und Apotheken chende, um sie für die Arbeitswelt fit zu halten

6.1 KOOPERATION VON SPORTVEREINEN UND ÄRZTEN:


DAS REZEPT FÜR BEWEGUNG
Das „Rezept für Bewegung“ ist kein Rezept im klas- Darum gibt es das Rezept für Bewegung
sischen Sinne. Es ist vielmehr eine Art schriftliche Nur acht Prozent jener Menschen, die sich ungesund
Gedankenstütze für Patienten, die sich zu wenig be- verhalten, haben schon einmal an einem Präventions-
wegen – mit dem Ziel, sie auf die SPORT PRO GE- programm teilgenommen. Offensichtlich fühlt sich die
SUNDHEIT-Angebote der umliegenden Sportvereine große Mehrheit von den bisherigen Formen der Be-
aufmerksam zu machen. werbung, wie etwa Flyer oder Berichte in der Zeitung
bzw. dem Amtsblatt, nicht angesprochen. Selbst per-
Da das Rezept für Bewegung nicht vom Arzt abge- sönliche Empfehlungen aus dem Freundes- oder Be-
rechnet werden kann, ähnelt es dem grünen Rezept, kanntenkreis scheinen nur wenig Wirkung zu zeigen.
das Ärzte für Arzneimittel ausstellen können, die nicht
verschreibungspflichtig sind, aber als medizinisch An dieser Stelle kommen die niedergelassenen Ärz-
notwendig erachtet werden. In der Beratung weisen te ins Spiel. Denn sie sind bei den „Nichtbewegern“
die Ärzte gezielt auf geeignete Sportangebote in ört- oft der einzige Bezugspunkt zum Gesundheitswesen.
lichen Vereinen hin, die mit dem bundesweit gültigen Gleichzeitig genießen sie bei diesen präventionsfer-
Qualitätssiegel SPORT PRO GESUNDHEIT ausge- nen Bevölkerungsgruppen sehr hohes Vertrauen. Das
zeichnet sind. Allerdings dürfen Ärzte aus rechtlichen macht den Arzt zu einem wichtigen Multiplikator, um
Gründen keine Empfehlung aussprechen, welches diese Gruppe zu mehr Bewegung und einem gesün-
Sportangebot und welchen Verein der Patient aufsu- deren Lebensstil zu motivieren. Deshalb sollten sich
chen soll. Sportvereine mit den Ärzten vor Ort vernetzen.

Eine Übersicht aller SPORT PRO GESUNDHEIT-Angebote gibt es online unter:


https://suche.service-sportprogesundheit.de
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NETZWERKE

Schritt für Schritt: So wirkt das Rezept

Der Arzt stellt fest, dass sich (mehr) Bewegung po-


sitiv auf die Gesundheit des Patienten auswirken
würde und stellt ein „Rezept für Bewegung“ aus. Der
Arzt wählt zwischen den vier Trainingsschwerpunkten
Herz-Kreislauf, Muskel-Skelett-System, Entspannung/
Stressbewältigung und Koordination/motorische Fä-
higkeiten die passende(n) aus und macht gegebenen-
falls weitere Notizen für den Übungsleiter.

Der Arzt informiert den Patienten über die Sportangebo-


te mit dem Qualitätssiegel SPORT PRO GESUNDHEIT
und bespricht mit dem Patienten, welche Angebote bei Hinweis: Der WLSB stellt Sportvereinen wie auch
seinen Beschwerden geeignet sind. Der Patient meldet Übungsleitern kostenloses Info-Material zur Verfü-
sich zum Kurs im Verein an und nimmt regelmäßig teil. gung, um Ärzte von der Qualität der SPORT PRO
Nach Absolvieren des Kurses erhält er eine Teilnahme- GESUNDHEIT-Angebote und zu einer Vernetzung mit
bestätigung des Sportvereines. Auf der Rückseite des dem Verein zu überzeugen.
Rezepts kann der Übungsleiter gegebenenfalls Ver-
merke für den behandelnden Arzt machen. Für wen eignet sich das „Rezept für Bewegung“?

Die Teilnahmebestätigung kann der Teilnehmer bei Zielgruppe des „Rezepts für Bewegung“ sind alle Pa-
der Krankenkasse einreichen. Einige Krankenkassen tienten ohne akute Erkrankungen oder besondere ge-
beteiligen sich mit einem Zuschuss an den Kursge- sundheitliche Vorbelastungen.
bühren. Dies variiert von Krankenkasse zu Kranken-
kasse und sollte vor dem Besuch des Sportkurses ab- Dazu lassen sich vor allem Patienten zählen mit
geklärt werden. Bei einem weiteren Arzttermin können
der Erfolg der verordneten Bewegung und das weitere „ Bewegungsmangel
Vorgehen besprochen werden. „ erhöhten Blutdruckwerten
„ erhöhten Blutfett- oder Blutzuckerwerten
„ Übergewicht
„ unspezifischen Problemen des Stütz- und Bewe-
gungsapparats
„ Stress oder anderen psychischen Belastungen

Nicht geeignet ist das Rezept für Patienten,

„ bei denen eine akute oder chronische Erkrankung


vorliegt, die einer ärztlichen Behandlung bedarf
„ bei denen eine Indikation zur Rehabilitation vor-
liegt (siehe Formular 56 „Verordnung Rehabilitati-
onssport und Funktionstraining“).

! Der WLSB bietet seinen Vereinen Informationsmaterial und Beratung rund um das Rezept für Bewegung.

Alle Infos und Kontaktdaten unter: www.wlsb.de/rezept-fuer-bewegung

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NETZWERKE

Das sind die Vorteile für den Verein: wird Verbindlichkeit geschaffen über die sozialen Kon-
takte und die Bindung an eine Gruppe.
Mit dem „Rezept für Bewegung“ und der Ärzteschaft
bekommen Sportvereine einen Draht zu „Nicht-Bewe- Das sind die Vorteile für Ärzte:
gern“, an die sie sonst nur schwer herankommen. Sie
haben damit einen überzeugenden Partner, weil der Das Rezept für Bewegung kann natürlich nur wir-
ärztliche Rat mehr Gewicht hat als jede Werbeaktion. ken, wenn die Ärzte es kennen und auch ausstellen.
Das „Rezept für Bewegung“ ist außerdem ein starker Deshalb: Vernetzen Sie Ihren Verein mit den Ärzten
Beweis für Qualität. Denn was Ärzte empfehlen, muss in Ihrer Region. Besprechen Sie dabei die Vorteile
ja einfach gut für die Gesundheit sein. des Rezepts für Bewegung für den Arzt wie z.B. den
positiven Einfluss auf das Image, Kompetenzgewinn
Das sind die Vorteile für den Patienten: und Entlastung des Arzneimittelbudgets. Auch die Un-
tersuchung der Leistungsfähigkeit lässt sich leicht in
Sport und Bewegung im Verein fördern Fitness und Vorsorgeuntersuchungen einbinden. Die Kostenüber-
Wohlbefinden. Damit kann die Menge an Medikamen- nahme für eine sportmedizinische Untersuchung ist
ten wie auch das Körpergewicht reduziert werden. Es möglich.

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NETZWERKE

6.2 SPORTVEREINE UND UNTERNEHMEN:


BETRIEBLICHE GESUNDHEITSFÖRDERUNG
Die Gesundheit kommt im Berufsleben allzu häufig un- „„ Imagegewinn: Kooperationen mit Unternehmen
ter die Räder. Wochenend- und Schichtarbeit, Stress, werden in der Öffentlichkeit positiv aufgenommen.
Burnout, ständige Erreichbarkeit hinterlassen körper- Der Sportverein stellt seine Kompetenz als Partner
liche und psychische Spuren. Eine bewegungsarme im Bereich Gesundheit nach außen dar.
Umgebung oder eine überwiegend sitzende Tätigkeit „„ Erweiterung der Angebotspalette: Der Verein
verstärken das Problem zudem. Ebenso lässt sich in erschließt sich ein weiteres Betätigungsfeld. Zu-
den letzten Jahren das Phänomen „Präsentismus“ be- dem eröffnet er sich ein interessantes Arbeitsfeld
obachten, d.h. Beschäftigte gehen zur Arbeit, obwohl und neue finanzielle Spielräume, um Trainer und
sie eigentlich krank sind. Betriebliche Gesundheitsför- Übungsleiter zu engagieren.
derung sollte deshalb nicht erst zum Thema werden, „„ Wertvolles Netzwerk für den Verein: Sponsoren
wenn der Krankenstand nach oben geht. und Förderer können gebunden oder gewonnen
werden.
Der Blick auf die Arbeitswelt zeigt sehr deutlich: Der „„ Gleichzeitig wirken die Mitarbeiter, die BGF mit
demografische Wandel macht auch vor den Toren dem Verein erleben, als Multiplikatoren in der Be-
der Betriebe nicht halt. Der Gruppe der älteren und legschaft.
erfahrenen Mitarbeiter kommt eine immer größere
Bedeutung in den Betrieben zu und gerade bei ihnen Vorteile für Arbeitgeber und Unternehmer
ist der Erhalt der Gesundheit und der Leistungsfähig-
keit besonders wichtig. Sportvereine stellen mit ihrer Damit eine Kooperation in der Betrieblichen Gesund-
umfangreichen Erfahrung im Bereich Sport und Be- heitsförderung zustande kommt, müssen die Ent-
wegung sowie der Möglichkeit, den Mitarbeitern des scheider im Unternehmen überzeugt werden
Unternehmens nachhaltige Angebote für ein langfris-
tiges Sporttreiben bereitzustellen, ideale Partner in „„ Besserer Gesundheitszustand der Mitarbeiter und
der Betrieblichen Gesundheitsförderung dar. Das trifft damit höhere Leistungsfähigkeit
insbesondere auf kleine und mittlere Unternehmen „„ Steigende Produktivität und Qualität der Arbeits-
(KMU) zu. Diesen fällt der Einstieg ins Thema häufig leistung
schwer, da sie kaum über ausreichend Know-How und „„ Weniger Krankheitstage und damit Produktions-
Ressourcen verfügen, um das Thema Gesundheits- ausfälle
förderung im Betrieb anzugehen. „„ Höhere Motivation und stärkere Identifikation mit
dem Unternehmen
Durch die Kooperation kann eine Win-win-win-Situ- „„ Gesteigerte Wettbewerbsfähigkeit des Unterneh-
ation geschaffen werden, von der die Beschäftigten, mens
die Unternehmen und die Vereine profitieren. Mit ih- „„ Imageverbesserung und Wahrnehmung als attrak-
ren gesundheitsförderlichen Bewegungsangeboten tiver Arbeitgeber
bieten Sportvereine einen niederschwelligen Einstieg
und können als Türöffner für das Thema Gesundheit
im Betrieb fungieren. Vorteile für Arbeitnehmer:

Diese Chancen und Potenziale bieten sich Verei- „„ Reduzierung gesundheitlicher Risiken, Verbesse-
nen durch Betriebliche Gesundheitsförderung: rung des Gesundheitszustandes
„„ Steigerung der Arbeitszufriedenheit, Verbesserung
„„ Zugang zu neuen Bevölkerungsgruppen: Durch des Arbeitsklimas
die Kooperation mit KMU erreichen Vereine auch „„ Verbesserung der Lebensqualität
die Problemzielgruppe der 27- bis 40-Jährigen. „„ Verbesserung der gesundheitlichen Bedingungen
Gerade ihnen fehlt oft die Zeit für den Sport, weil im Unternehmen
sie durch Familie und Beruf stark eingebunden „„ Mitgestaltung des Arbeitsplatzes
sind. Auch zugezogene Mitarbeiter, also Neubür-
ger in der Kommune, lassen sich gut erreichen. Für Sportvereine gibt es vielfältige Möglichkeiten, mit
„„ Potential für neue Mitglieder: Wenn es gelingt, einem Unternehmen beim Thema Gesundheit zusam-
die Teilnehmer aus dem BGF-Programm für die menzuarbeiten (siehe Abbildung 8).
regulären Vereinsangebote zu gewinnen, ist eine
Win-win-Situation geschaffen.

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NETZWERKE

Abb. 8: Kooperationsmöglichkeiten

Das WLSB-Programm „G.U.T. – gesund G.U.T. im Beruf ist ein standardisiertes Programm,
und traininert im Beruf“ das mit dem Qualitätssiegel SPORT PRO GESUND-
HEIT ausgezeichnet ist. Vereine erhalten mit G.U.T.
Mit dem Programm G.U.T im Beruf hat der WLSB ein ein evaluiertes, qualitativ hochwertiges Programm für
standardisiertes Programm entwickelt, das Sportver- die Betriebliche Gesundheitsförderung – ein überzeu-
eine und Betriebe zu Kooperationspartnern macht. gendes Argument, um Unternehmen für die Zusam-
Insbesondere für kleine und mittlere Betriebe, soge- menarbeit mit dem Sportverein zu gewinnen.
nannte KMU, ist es als Einstieg in das Thema sehr gut
geeignet. Gerade KMU haben Nachholbedarf in Sa- Umsetzung
chen Betrieblicher Gesundheitsförderung und können Das Programm „G.U.T. im Beruf“ ist systematisch in
mit dem Sportverein in ihrem Ort oder Stadtteil den mehrere Schritte unterteilt und besteht aus den drei
idealen Partner hierfür finden. Säulen Bewegung, Ernährung und Entspannung. Der
Sportverein ist dabei Experte im Bereich Bewegung.
Zielsetzungen von G. U. T. im Beruf: Er kann alle drei Bereiche selbst durchführen oder bei
den Themen Entspannung und Ernährung mit Part-
„„ Verbesserung der persönlichen Fitness und des nern kooperieren.
Wohlbefindens
„„ Auseinandersetzung mit dem eigenen, gesund- Beratung
heitsbezogenen Verhalten Anhand einer Checkliste kann der Sportverein im
„„ Förderung sozialer Aspekte und Schaffung positi- Vorfeld für sich überprüfen, welche Voraussetzungen
ver Erfolgserlebnisse und Ressourcen er als Akteur in der Betrieblichen Ge-
„„ Vermittlung von Spaß an der Bewegung sundheitsförderung bereits erfüllt bzw. noch optimie-
„„ Sensibilisierung für die Themen Bewegung, Er- ren muss.
nährung, Entspannung
„„ Hintergrundwissen zu körperlichen Belastungen
am Arbeitsplatz

Übungsleiter B „Sport in der Prävention“ können sich im Rahmen einer Schulung des WLSB in das Pro-
gramm „G.U.T. im Beruf“ einweisen lassen. Die Schulungstermine gibt es unter
ÌÌ www.wlsb.de/aus-fortbildung

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NETZWERKE

Planung Hierzu setzt das Programm G.U.T. im Beruf auf ein


Beim Gespräch mit dem Unternehmen nimmt der standardisiertes Angebot, das die drei zentralen Hand-
Verein eine erste Standortbestimmung bereits beste- lungsfelder Betrieblicher Gesundheitsförderung, näm-
hender BGF-Strukturen im Betrieb vor. Die einzelnen lich Bewegung, Ernährung und Stressbewältigung,
Module von „G.U.T. im Beruf“ werden vorgestellt. Im beinhaltet. Jedes Handlungsfeld wird mit einem Exper-
Gespräch werden die Grundlagen des weiteren Vor- ten-Workshop eingeführt, bei dem die Teilnehmer theo-
gehens gelegt und wichtige Rahmenbedingungen ge- retische Grundlagen und wichtige Hintergrundinforma-
klärt (z.B. Motivation des Unternehmens, Bedarf und tionen zu den einzelnen Themenbereichen erhalten.
Wünsche des Unternehmens, Art der Auftaktveran- Anschließend folgen insgesamt zehn Kurseinheiten,
staltung, Zielgruppe, Ansprechpartner usw.) die schwerpunktmäßig die motorischen Fähigkeiten
Ausdauer, Kraft und Koordination behandeln. Zusätz-
Maßnahmen lich gibt es Einheiten, die den Stundenschwerpunkt auf
Das G.U.T. - Programm startet mit einer Auftaktveran- Stressbewältigung und Entspannung legen.
staltung (z.B. Infoabend) für die Mitarbeiter, um die-
se für das Thema Gesundheit zu sensibilisieren und Evaluation
für die Teilnahme am Programm zu motivieren. Der Eine Auswertung führt der Verein am Ende der Maß-
Verein erfasst dabei die Rahmenbedingungen im Be- nahmen durch. Zunächst erfolgt ein Rückblick, welche
trieb für Sport- und Bewegungsangebote, z. B. wann Inhalte des Maßnahmenblocks bei den Mitarbeitern
sollte der Kurs stattfinden? Alternativ kann auch ein besonders gut ankamen und was die Highlights wa-
Gesundheitstag für die Belegschaft als Auftakt für das ren. Zudem kann sich der Verein im Abschlussge-
Thema BGF durchgeführt werden. Anschließend fin- spräch mit seinem Angebot als kompetenter Partner
den die verhaltensorientierten Maßnahmen in Form präsentieren und mit dem Unternehmen klären, wie
von Kursstunden statt. die weitere Zusammenarbeit aussehen kann.

Als Partner des WLSB fördert die AOK Baden-Würt- Geschäftsbereich Sport und Gesellschaft

! temberg das Programm „G.U.T. im Beruf“ und un-


terstützt aktive Vereine und Unternehmen. Weitere
Informationen hierzu erhalten Sie beim WLSB.
Denise Nejedly
Tel. 0711 / 28077-168
E-Mail: denise.nejedly@wlsb.de

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NETZWERKE

6.3 SPORTVEREINE UND KOMMUNE: OFFENE BEWEGUNGSANGEBOTE

Sportvereine sind eine wichtige Säule des öffentli- Offene Bewegungsangebote zeichnet ein nieder-
chen gesellschaftlichen Lebens und für Städte und schwelliger Ansatz aus. Das bedeutet:
Gemeinden unverzichtbar für die Gesundheitsver-
sorgung der Bevölkerung. Über diese Verbindung hi- „„ Sie werden wohnortnah und zentral durchgeführt
naus gibt es auch ganz praktische Ansatzpunkte für und sind so leicht erreichbar
Kooperationen zwischen Sportvereinen und Kommu- „„ Sie bieten einen niederschwelligen Einstieg, wes-
nen – etwa bei Aufbau und Umsetzung sogenannter halb auch sportlich Ungeübte mitmachen können
offener Bewegungsangebote, meist betitelt als „Sport „„ Die Teilnehmer können kostenfrei und ohne An-
im Park“, „Fit im Park“, „Sport in freier Natur“ oder meldung teilnehmen (keine Mitgliedschaft)
ähnlich. „„ Sie sind zeitlich flexibel gestaltbar und finden vor-
rangig im Freien statt (barrierefrei)
Offene Bewegungsangebote sind im Kommen. In „„ Sie erzeugen Spaß an Bewegung in der Gemein-
einigen Kommunen gibt es diese freien Sport- und schaft und motivieren zum Dran-bleiben
Bewegungsangebote bereits, andere ziehen nach.
Inzwischen findet sich hier ein breit gefächertes Pro- Die Angebote haben einen offenen und unverbindlichen
gramm der verschiedenen Vereine vor Ort mit ihren Charakter, um die Hemmschwellen möglichst niedrig
Kooperationspartnern. Schließlich müssen sich auch zu halten, und eignen sich als Einstieg zur Aufnahme
die Kommunen mit dem demographischen Wandel eines aktiveren und bewegteren Lebensstils. Anders
und der Frage, wie ihre Bürger gesund älter werden, als bei klassischen Kursangeboten ist hier der Ein- oder
auseinandersetzen. Ausstieg jederzeit möglich. Über den Angebotstitel wie
auch die sportlichen Inhalte lassen sich unterschiedli-
Und natürlich steigern solche Sport- und Bewegungs- che Zielgruppen ansprechen. So wird ein Titel wie „Fun-
angebote auch die Lebensqualität und damit die ctional Fitness“ eher die jüngere Generation anlocken,
Attraktivität einer Kommune. wohingegen „Gesund in der Natur“ oder „Gemeinsam
aktiv“ eher die älteren Mitbürger anspricht.

Offene Bewegungstreffs für Ältere


Besonders für die ältere Generation ab 60 Jahren ist mit „Untrainierten“ bzw. „Nicht-Sportlern“ eine qua-
eine zielgruppengerechte Ansprache wichtig. Da die- lifizierte und erfahrene Leitung erfordert. Betreuung,
se Zielgruppe oft nur schwer mit Begriffen wie „Sport“ fachkundige Anleitung und Motivation sind bei dieser
und „Leistung“ zu erreichen ist, hat sich bei offenen Zielgruppe besonders wichtig. Daher sind die Sport-
Angeboten für ältere und hochaltrige Menschen die vereine mit ausgebildeten Übungsleitern der kompe-
Bezeichnung „Bewegungstreffs“ mittlerweile etabliert. tente Ansprechpartner für die Umsetzung der Bewe-
Mit den „Bewegungstreffs“ sollen vor allem diejenigen gungstreffs vor Ort. Sie bieten den Menschen bei den
älteren Menschen erreicht werden, die sich nicht oder öffentlichen Angeboten die Möglichkeit, in ungezwun-
nur wenig bewegen und durch organisierte Sportan- gener Atmosphäre Neues zu erlernen, ganz nach dem
gebote im Verein nicht angesprochen werden. Motto „zuschauen-mitmachen-erleben-begeistern“.

Viele ältere Menschen würden sich gerne einer Sport- Darum sind Sportvereine der richtige Partner
gruppe anschließen, haben jedoch oft Hemmungen, Ganz gleich, von wem in einer Kommune die Initia-
das in die Tat umzusetzen. Oft fehlt es in der Um- tive zu einem offenen Bewegungsangebot oder Be-
gebung an wohnortnahen, zentral gelegenen Bewe- wegungstreff ausgeht – Sportvereine sollten mit da-
gungsangeboten, die auf kurzen Wegen erreichbar bei sein. Die folgenden Stärken können Sportvereine
sind. einbringen, damit ein qualitativ ansprechendes und
erfolgreiches Angebot zustande kommt:
Die inhaltliche Gestaltung der „Bewegungstreffs“ kann
sehr unterschiedlich sein, und neben Kräftigungs- und „„ Qualifizierte, gut ausgebildete Übungsleiter mit ho-
Gleichgewichtsübungen können auch koordinative hem Fachwissen
und kognitive Elemente (z.B. Gehirnjogging) oder Be- „„ Erfahrung mit zielgruppengerechten Angeboten
wegungsaufgaben mit spielerischem Charakter inge- und im Umgang mit heterogenen Gruppen
baut werden. Hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten, „„ Nutzung vorhandener Strukturen und geeigneter
und je nach Teilnehmerkreis kann der Übungsleiter Sportgeräte
hier variieren und die Inhalte entsprechend anpassen. „„ Funktion als „Brückenbauer“ für den Übergang zu
Die Erfahrung hat gezeigt, dass vor allem der Umgang dauerhaften Bewegungsangeboten des Vereins

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NETZWERKE

Für die Kommune bringen solche Bewegungsan- Auch der Sportverein profitiert von dieser Zusam-
gebote viele Vorteile mit sich: menarbeit:

„„ Für alle Zielgruppen können gesundheitsförderli- „„ Zugang zu neuen Bevölkerungsgruppen und damit
che Angebote bereitgestellt werden zu potenziellen neuen Mitgliedern
„„ Die soziale Vernetzung im Stadtteil wird unterstützt „„ Aufbau eines regionalen Netzwerks
und die Angebotskultur in der Stadt bzw. im Stadt- „„ Erweiterung des bestehenden Vereins-Angebots
teil wird bereichert und Alternative bei Hallenknappheit
„„ Die Lebensqualität in der Kommune nimmt zu, die „„ Zunahme des Bekanntheitsgrads und Abgrenzung
Bürger sind aktiv und bewegen sich gemeinsam von anderen Anbietern
„„ Die Attraktivität der Kommune steigt (bei der Ziel- „„ Positive Auswirkungen auf das Image (Verein küm-
gruppe und bei den Partnern) mert sich um alle Menschen)

Bewegungstreffs optimal angehen


Von der Idee bis zur Umsetzung eines offenen Bewe- boten für Ältere alle Beteiligten. Jeder Partner hat
gungsangebots gibt es einige Punkte und Rahmenbe- spezifische Möglichkeiten und Kompetenzen, die er
dingungen, die der Verein bei der Planung berücksich- einbringen kann, wie etwa finanzielle Unterstützung,
tigen sollte. Kontakt zur Zielgruppe, Pressearbeit, Fahrdienste.

Analyse: Gibt es Bedarf in der Kommune? Mögliche Kooperationspartner sind:

Im Rahmen einer Standortanalyse sollte der Verein „„ Kommunale Ämter (z.B. Sportamt, Amt für Sozia-
zunächst die Voraussetzungen für die Umsetzung die- les, Gesundheitsamt)
ses Vorhabens prüfen. Wie sieht die Altersstruktur in „„ Institutionen im Gesundheitswesen (z.B. Arztpra-
der Kommune aus? Welche Bewegungsangebote gibt xen, Apotheken, Krankenkassen)
es bereits für die Zielgruppe und wer bietet sie an? Die „„ Sportorganisationen (z.B. Sportkreis, Stadtsport-
Altersstruktur in der Kommune lässt sich bspw. über bund, DRK)
das Meldeamt ermitteln. Eine Auflistung der bestehen- „„ Seniorenorganisationen (z.B. Seniorenrat, Wohl-
den Angebote in der Kommune und weitere Informa- fahrtspflege, Altenheim)
tionen findet man in der Regel auf der Internetseite „„ Gemeinnützige Vereine (z.B. AWO, Caritas, Sozi-
der jeweiligen Gemeinde oder beim Bürgerbüro. Wie alverband VdK)
viele Ältere an organisierten Angeboten teilnehmen „„ Weitere Institutionen (z.B. Kirche, Seniorentreff,
bzw. welche Wünsche sie an ein Bewegungsangebot Mehrgenerationenhaus, Stiftungen)
stellen, lässt sich etwa durch einen einfachen Frage-
bogen an die älteren Bürger herausfinden. Rollen: Wer hat welche Aufgaben?

Ressourcen: Was wird benötigt? Bei der Arbeit im Netzwerk ist es wichtig, die Aufga-
ben und Rollen jedes Einzelnen klar zu definieren und
Für die Planung und Umsetzung eines Bewegungs- transparent zu machen. Wie bei den meisten Vorha-
angebots sind bestimmte Ressourcen unabdingbar. ben braucht es auch hier einen „Hauptkümmerer“ bzw.
Finanzmittel werden vor allem für Werbemaßnahmen, einen motivierten Verantwortlichen, bei dem die Infor-
die Vergütung der Übungsleiter und sonstige Auslage- mationen zusammenlaufen.
nerstattungen (z.B. Fahrdienst) benötigt. Personelle
und zeitliche Ressourcen sind vor allem in Form von Die Kommune spielt bei diesem Thema eine zentra-
motivierten und fachkundigen Übungsleitern gefragt, le Rolle, da sie in der Regel erster Ansprechpartner
die den Teilnehmern Spaß und Freude an der Bewe- ist. Wird es dann konkret, übernimmt sie vor allem die
gung vermitteln. Neben dem Übungsleiter ist es hilf- Koordination der Aktivitäten (z.B. Raumsuche, Teil-
reich, einen Hauptverantwortlichen im Verein zu ha- nehmerakquise), organisatorische Aufgaben (z.B. Ter-
ben, der als Ansprechpartner für die Kommune und mine, Kontakt mit den Ehrenamtlichen), Werbung und
andere Netzwerkpartner zur Verfügung steht und or- Öffentlichkeitsarbeit (z.B. Druck von Werbematerial,
ganisatorische Angelegenheiten regelt. Flyer, Kontakt zu Medien). Auch die Steuerung der
Netzwerktreffen gehört zu den Aufgaben der Kommu-
Partner: Wer eignet sich für eine Zusammenarbeit? ne. Die Erfahrung hat gezeigt, dass zudem die aktive
Unterstützung des Projekts durch den (Ober-)Bürger-
Ob Netzwerk oder Kooperation – von einer Zusam- meister oder auch durch einen Schirmherrn gewinn-
menarbeit profitieren bei offenen Bewegungsange- bringend ist.

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NETZWERKE

Ziele und Meilensteine: Was soll erreicht werden? Bewegungstreffs eine wichtige Rolle. Eine freundliche
Begrüßung, der persönliche Umgang miteinander und
Gemeinsame Ziele sind wichtig und geben die Rich- ein motivierender Übungsleiter tragen wesentlich zum
tung vor: Was wollen die Beteiligten? Was soll in wel- Gelingen bei. Auf Wunsch kann sich ein „Folgepro-
cher Zeit erreicht werden? Wer ist für was verantwort- gramm“ bspw. in Form eines Spaziergangs oder eines
lich? gemeinsamen Besuchs eines Cafés anschließen.

Hauptziel sind der Aufbau und die Durchführung von Finanzierung:


niederschwelligen, wohnortnahen Bewegungsange- Da die Vereinsstrukturen und die Organisationsformen
boten – die Bewegungstreffs – mit denen vor allem äl- der Angebote so unterschiedlich aussehen, wird an
tere Menschen zur Bewegung aktiviert werden sollen. dieser Stelle bewusst darauf verzichtet, Vorgaben zur
Den Start des Bewegungstreffs in Form einer Auftakt- finanziellen Abwicklung zu machen. Anfallende Kos-
veranstaltung zu gestalten, zu der etwa Lokalpolitik ten u.a. für Aufwandsentschädigungen, Übungsleiter-
und örtliche Presse eingeladen sind, unterstützt den honorar, Öffentlichkeitsarbeit usw. sollten die Vereine
Start des Angebots und sorgt für öffentliche Aufmerk- in ihre Planungen einrechnen. Idealerweise werden
samkeit. diese Kosten von der Kommune bzw. dem Träger des
Bewegungstreffs (z.B. Seniorenrat, Gesundheitsamt,
o.ä.) übernommen. Für die Teilnehmer ist das Angebot
Welche Rahmenbedingungen braucht es? kostenfrei.

Wahl des Standorts: Versicherung:


Der Standort sollte möglichst zentral oder in der Nähe Die Versicherung des Übungsleiters erfolgt über
eines Wohngebiets oder einer Einkaufszone liegen. den Sportversicherungsvertrag zwischen WLSB und
Idealerweise ist er fußläufig gut zu erreichen. Damit ARAG. Bei einem kostenfreien, offenen Angebot sind
das Bewegungsangebot von älteren Teilnehmern die Teilnehmer meist (noch) keine Mitglieder des Ver-
wahrgenommen werden kann, sollten bei der Planung eins. Trotzdem sollte eine Versicherung für diesen
zudem folgende Aspekte berücksichtigt werden: WC, Personenkreis abgeschlossen werden, entweder über
Nahverkehrsanbindung, Parkplätze, Unterstellmög- eine Nichtmitgliederversicherung des Vereins oder al-
lichkeiten. ternativ über Zusatzvereinbarungen. Nähere Auskunft
können die Vereinsversicherungen (ARAG) bzw. der
Termin: WLSB geben. Erfolgt die Teilnahme hingegen auf ei-
Bei vielen Bewegungstreffs hat sich der Vormittag als genes Risiko, muss dies schriftlich festgehalten wer-
günstig erwiesen. Da viele Ältere einen geregelten den.
Tagesablauf haben und um 12 Uhr zu Mittag essen,
sollte das Angebot spätestens um 11.30 Uhr enden. Öffentlichkeitsarbeit und Akquise: Wie soll Wer-
Bei Angeboten am Nachmittag sollte genügend Zeit bung aussehen und wo soll sie platziert werden?
eingeplant werden, damit die Teilnehmer noch im Hel- Besonders bewährt hat sich die Mund-zu-Mund-Pro-
len den Heimweg antreten können (im Winter daher paganda, um ältere Menschen auf ein Angebot auf-
maximal bis 16.30 Uhr). merksam zu machen.

Organisation und Vertretung: Ein Seniorennachmittag der Gemeinde bietet bspw.


Um ein wöchentliches Angebot gewährleisten zu kön- eine gute Gelegenheit, das neue Bewegungspro-
nen, hat sich die Anleitung im Tandem bewährt. Das gramm vorzustellen und die Teilnehmer zu einem
Doppel bestehend aus Übungsleiter und einem wei- Schnuppertermin einzuladen. Neben der direkten An-
teren ehrenamtlichen „Helfer“ (oft als „Bewegungsbe- sprache der Zielgruppe ist auch die Werbung bei Er-
gleiter“ betitelt) aus der sozialen Partnerorganisation wachsenen, die ihre Eltern oder Großeltern zu mehr
ist empfehlenswert, um eine gute Betreuung jedes Bewegung animieren möchten eine erfolgsverspre-
Einzelnen zu garantieren. Zudem ist so die Vertre- chende Maßnahme.
tungsregelung (z.B. bei Urlaub) sichergestellt.
Geeignete Mittel sind zum Einen Anzeigen in der Zei-
Inhalte: tung oder im Wochenblatt der Gemeinde und zum An-
Den Schwerpunkt des ca. 30- bis 60-minütigen Bewe- deren Flyer und Plakate, die an öffentlichen Plätzen
gungsprogramms bilden Übungen zur Kräftigung, Ba- bzw. Orten ausgehängt werden, an denen sich Ältere
lance, Beweglichkeit und Ausdauer. Der Einsatz von aufhalten (z.B. in Apotheken, Wartezimmern, Super-
spielerischen Elementen und Inhalten aus dem „Ge- märkten). Die Netzwerkpartner, die meist den direkten
hirnjogging“ hält die Motivation der Teilnehmer zudem Zugang zur Zielgruppe haben, sollten das Angebot er-
hoch. Außerdem spielt die soziale Komponente bei den gänzend bewerben.

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NETZWERKE

Bindung an den Verein: Wie gelingt es, dass Teil-


nehmer zu Mitgliedern werden?
Häufig hat die Teilnahme an einem Bewegungstreff Mitgliedschaften oder vergünstigte Tarife zum Ken-
dazu geführt, dass die Teilnehmer in den Verein einge- nenlernen der Angebote im Verein. Hat diese Alters-
treten sind, um weitere Angebote nutzen zu können. gruppe das Bewegungsangebot erstmal kennen und
Der Übergang in den Sportverein und die Gewinnung schätzen gelernt, nehmen sie gerne regelmäßig teil.
neuer Mitglieder ist jedoch kein Selbstläufer. Da ältere Durch Schnupperangebote und flexible Anpassungen
Menschen oft Angst vor langfristiger Bindung haben, wie z.B. gelockerte Austrittsmöglichkeiten kann es ge-
sollte der Verein eine Übergangs- oder Schnupper- lingen, diese spezielle Zielgruppe als dauerhafte Mit-
phase ermöglichen etwa durch kurzfristig kündbare glieder zu gewinnen.

6.4 WEITERE KOOPERATIONSMÖGLICHKEITEN


Sportvereine erweitern ihren Handlungsspielraum Gemeinsam Übungsleiter austauschen
deutlich, wenn sie mit anderen Akteuren im lokalen
Raum kooperieren. Dies hat nicht nur Einfluss auf den Andernorts wiederum sind vielleicht nicht die Räum-
Kooperationspartner selbst, sondern auch auf andere lichkeiten der Engpassfaktor, sondern die Verfügbar-
Bezugsgruppen wie Eltern, Kommune oder Sponso- keit von Übungsleitern und Trainern. Auch bei dieser
ren. Diese stehen einer solchen Öffnung des Vereins Herausforderung können sich Austausch und Zusam-
meist sehr positiv gegenüber. Sportvereine gewinnen menarbeit zwischen Vereinen lohnen. Denn vielleicht
damit an Akzeptanz für ihr Handeln. Die Folge: Man engagiert sich im Nachbarverein ein Übungsleiter, der
traut dem Verein mehr zu, lässt ihn gewähren und bie- gerne mehr machen möchte, aber dort keine Möglich-
tet ihm weitere Entwicklungschancen an. keit dazu bekommen kann. Oder man hilft sich gegen-
seitig mit Übungsleitern aus, geht gemeinsam auf die
Kooperationen zwischen Vereinen Suche oder motiviert eine Person zur Lizenzausbil-
dung. Auch hier muss die Kooperation auf Augenhöhe
Gemeinsames Sportangebot erfolgen.

Kaum ein Sportverein dürfte in der Lage sein, alle Wün- Kooperationen mit Schulen und Kindergärten
sche seiner Mitglieder zu erfüllen oder ein passendes
Sportangebot auf die Beine stellen zu können. Warum Schulen, und seit einiger Zeit auch Kindergärten, sind
sich also nicht zusammentun und seinen Mitgliedern ein wichtiger Kooperationspartner für Vereine. Denn
die Teilnahme an den Angeboten des anderen Vereins wo sonst kommt man als Verein mit so vielen Kindern
ermöglichen, ohne dass diese in den anderen Verein in Kontakt. Dass der Verein mit seiner Schul-AG oder
eintreten müssen? Dabei ist es auch denkbar, dass seinem Sportangebot im Ganztag auch noch Gesund-
ein großer Verein einem oder mehreren kleinen Verei- heitsförderung betreibt, wird zwar selten hervorgeho-
nen unter die Arme greift. Ein Beispiel dafür sind jene ben, ist aber ein ungemein wichtiger Aspekt. Denn so
Vereine, die ein Sportvereinszentrum gebaut haben, eine Kooperation kann für Kinder der Einstieg zum le-
und Mitgliedern anderer Vereine die Nutzung der An- benslangen Sporttreiben sein.
gebote ohne zusätzliche Mitgliedschaft ermöglichen.
Der WLSB fördert solche Kooperationen mit Zuschüs-
Gemeinsam Sportanlagen betreiben sen – über das Programm „Schule –Verein“ und „Kin-
dergarten – Verein“.
Mancher Verein würde gerne seine Angebotspalette
erweitern. Das Interesse der Mitglieder ist vorhanden,
genügend Übungsleiter und Trainer ebenfalls, allein
die Räumlichkeiten dazu fehlen. Die städtischen Hal- Weitere Informationen unter:
len sind ausgelastet, kleinere und für den Gesund-
heitssport geeignete Räume in der Stadt oder Ge-
ÌÌ www.wlsb.de/foerdermittel
meinde aber Mangelware. Ein gangbarer Weg könnte
daher sein, dass sich zwei oder mehr Vereine zusam-
menschließen, um Gymnastikräume zu errichten oder Tel: 0711 / 28077-133
gleich eine ganze Sporthalle zu bauen. Die meisten E-Mail: kooperation-sv@wlsb.de
Kommunen würden solche Initiativen sicher tatkräftig
unterstützen.

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NETZWERKE

Kooperationen mit weiteren Organisationen

Der Kreativität beim „Kooperieren“ sind eigentlich kei- oder dem Wanderverein an. Sportvereine haben viel zu
ne Grenzen gesetzt. Vor allem kommt es darauf an, bieten, von dem andere profitieren können. Aber genauso
welche möglichen Partner es vor Ort gibt. Mal kann sehr haben andere Organisationen viel zu bieten, von de-
es eine Reha-Klinik, mal eine Behinderten-Werkstät- nen Sportvereine profitieren können. Ein Austausch kann
te, mal ein Senioren-Wohnheim sein. Andernorts bie- interessante Aspekte zu Tage fördern – und womöglich
tet sich vielleicht die Zusammenarbeit mit dem Deut- schon die erste Gelegenheit sein, gemeinsam Ideen für
schen Roten Kreuz, den lokalen Kirchengemeinden eine Zusammenarbeit in der Zukunft zu entwickeln.

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LITERATUR

Literaturverzeichnis
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gesundheitswirtschaft-im-ueberblick.html (August 2017)

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schen. Handlungsempfehlung 2. Wie gelingt ein Bewegungstreff im Freien? Stuttgart: LGA

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(15) Landessportbund Nordrhein-Westfalen e.V. (2017). VIBBS: Service & Projekte. Sport und Gesundheit. Zugriff unter www.vibss.de. (Novem-
ber 2017)

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überarbeitete Aufl.). Köln: Deutscher Ärzte-Verlag

(19) Württembergischer Landessportbund e.V. (2015). Flyer Rezept für Bewegung. Stuttgart: WLSB

(20) Zentrale Prüfstelle Prävention (2017). Zugriff unter www.zentrale-pruefstelle-praevention.de/ (November 2017)

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LITERATUR

ZGH 0057/51 · 06/15 · Foto: www.peterheck.de

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