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UVO HÖLSCHER

ANFÄNGLICHES FRAGEN

Studien zur frühen griechischen Philosophie

VANDENHOECK & RUPRECHT


IN GÖTTINGEN
© Vandenhocck Sc Ruprecht Göttingen 1968. — Printed in
Germany - Alle Rechte vorbehalten. Ohne ausdrückliche Ge
nehmigung des Verlages ist es nicht gestattet, das Buch oder
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vielfältigen. — Gesamtherstellung: Hubert & Co., Göttingen
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VORWORT

Die hier vorgelegten Kapitel sind aus Einzeluntersuchungen hervor


gegangen und sollen keine Geschichte der frühgriechischen Philo
sophie darstellen. Ich hätte sie in eine solche umschreiben können;
die Gesamtanschauung, die sie intendieren, wäre damit dem Leser
erleichtert worden. Aber keine Darstellung des Ganzen entgeht
dem Zwang, die Lücken, die zwischen den eigenen Wegen der For
schung bleiben, mit bloß Übernommenem zu füllen. Wenn ich
also hier die Form des Aufsatzes beibehalten habe, so geschieht das
auch in der Überzeugung, daß in der gegenwärtigen Situation der
Forschung den Einzeluntersuchungen ein gewisser Vorrang zu
kommt. Ungleichheiten unter den einzelnen Kapiteln habe ich in
den Kauf genommen.
„Eine jede Theorie, sie sei, von welcher Art sie wolle, setzt eine
Unterlage voraus, irgend etwas in der Erfahrung Gegebenes, welches
man sich so gut als möglich zurechtlegen möchte. Von Aristoteles
bis auf Kant muß man erst wissen, was diesen außerordentlichen
Menschen zu schaffen machte, ehe man nur einigermaßen begreift,
warum sie sich so viele Mühe gegeben." (Goethe, Klassiker und
Romantiker in Italien, 1819.) Seit Aristoteles ist die problem
geschichtliche Betrachtung der Philosophiegeschichte vorherrschend,
und das Problem, dem er speziell die Vorsokratiker, als die „Physi
ker", hingegeben sah, war die Frage nach dem Stoff und der Ursache
der Bewegung. Die Geschichte der philosophischen Systeme stellte
sich ihm dar als wechselnde Beantwortungen dieser Frage im Fort
schritt des Denkens. Die neuere Forschung hat sich von der ari
stotelischen Fragestellung mehr und mehr emanzipiert und die
eigenen Wege und Formen frühgriechischen Denkens zu begreifen
versucht. Auch die vorliegenden Arbeiten stellen sich in den Zu
sammenhang dieser Bemühungen. Wenn dabei die frühen System
entwürfe von den Schematismen der späteren Philosophiegeschichte
noch weiter abgelöst und einerseits in die Nähe vorgriechischer
Mythologien gerückt werden, andrerseits hinter ihrer Physik ein
6 Vorwort

existentielles Motiv hervortreten lassen, das aus der Erfahrung der


menschlichen Vergänglichkeit das Problem von Werden und Ver
gehen im Ganzen stellt, so wird damit weder einem uferlosen
Orientalismus noch einem Existentialismus das Wort geredet. Es
wird nur der Versuch gemacht, die „Unterlage" dieses anfänglichen
Denkens und bei einem jeden das „in der Erfahrung Gegebene",
das heißt, den Punkt zu finden, wo man sagen kann: hier fing er
zu fragen an.
INHALT

Anaximander und der Anfang der Philosophie


I. Simplizius über Anaximander 9
II. Aristoteles über die Gegensätze bei Anaximander . . 14
III. Anaximanders Kosmogonie 18
IV. Gewalt und Vergeltung 25
V. Die Gegensätze bei Anaximenes ? 33
VI. Das Zwischenelement 34
VII. Warum das „Unbegrenzte"? 38
VIII. Das Wasser als Ursprung 40
IX. Thales und Ägypten 43
X. Lehrsätze des Thaies 46
XI. Der Sukzessionsmythos 49
XII. Die phönizische Kosmogonie 52
XIII. Das Chaos bei Hesiod 58
XIV. Chaos und Sukzessionsmythos 65
XV. Die kretische Überlieferung des Sukzessionsmythos 69
XVI. Hesiod in der vorgriechischen Tradition 78
XVII. Anaximenes und die orientalische Kosmologie 82
XVIII. Anaximander: Tradition und Anfang 84

Parmenides
I. Der Grund des Denkens 90
II. Das Selbige 101
III. Die Gegensätze 103
IV. Die Welt 108
V. Erkenntnis 112
VI. Das Denken 117
VII. Das Nichtsein des Todes 126

Heraklit
I. Die Logos-Fragmente 130
II. Orakelstil 136
8

III. Das richtige Denken 141


IV. Gleichnis und Sprudiform 144
V. Stoische und christliche Exegese 150
VI. Schlaf und Tod 153
VII. Das Seelenfeuer 156
VIII. Die Chronologie 161

IX. Gegensatz-Lehren 165


X. Physik und Existenz 169

Empedokles
I. Das Problem der Periodenlehre 173
II. Weltzeiten und Lebenszyklus 175

III. Gleiche Dauer der Weltphasen? 183


IV. Weltuntergang und doppelte Zoogonie ? 186
V. Die „frühere Welt" 196
VI. Die biologische Absicht 201
VII. Unsterblichkeit 209
Register 213