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Christliches Europa

Im Mittelalter wächst Europa aus der Welt der Antike heraus. Was Europa jedoch erst
entstehen ließ, war der Sieg des Monotheismus über die Vielgötterei der Antike.
Christen, Juden und Muslime leben nebeneinander in multireligiösen Gesellschaften.
Es war der Sieg des Monotheismus, der Europa von der vorchristlichen Antike ebenso
unterschied wie von der Welt des Fernen Ostens. Er hat Europa in der Spätantike und
im Mittelalter erst hervorgebracht. Zeichnet man die Verbreitung der
monotheistischen Religionen und der durch sie geprägten Kulturen nach, ergibt sich
ein Bild, das bunter ist, als sich viele träumen lassen. Doch wenn nur ein Gott die Welt
lenkt, aber verschiedene Religionen von ihm erzählen, dann sind Konflikte
unvermeidlich. Europa ist historisch betrachtet weder eine geographische Einheit noch
eine Wertegemeinschaft noch eine ideelle Größe; es war bisher noch nie »fertig« und
hatte nie eine unstrittige Identität.

Der Geist des Hochmittelalters fϋhrte zu einer Wandlung der kϋnstlerischen


Zielsetzung. In der Baukunst wurde der Stil der Romantik abgelöst von der Gotik. Die
gotische Architektur gab der Malerei und Plastik reiche Anregung. Die Glasmalerei
wurde zum besonderen Merkmal gotischer Kunst.

Der „Hundertjährige“ Krieg (1339-1453)

In Frankreich und England wuchs die Macht des Königs. Das größte Hindernis fϋr die
Machtbestrebungen der französischen Könige bildeten die Besitzungen des englischen
Königshauses auf dem Boden Frankreichs. Aus Feindschaft gegen England,
unterstϋtzten die Franzosen die Schotten im Kampf um ihre Unabgängigkeit. So kam es
zum „Hundertjährigen“ Krieg (1339-1453). Die Engländer waren zunächst weit
ϋberlegen. Mit der Unterstϋtzung der flandrischen Städte schlugen sie die französische
Flotte beis Sluis. 1415 erzwang der Engländer Heinrich V. durch den Sieg bei Azincourt
die Anerkennung seines folgerechts und Paris war in seinen Händen. Da wandte das
Landmädchen Jeanne d' Arc aus Domremy das Schicksal. Sie riß Dauphin (Thronfolger)
Karl (VII.) zum Handeln fort und fϋhrte ihn nach Reims zur Krönung (1429). Nach ihrem
Tode in englischer Gefangenschaft, wo sie als Ketzerin verbrannt wurde, wurde sie zur
Nationalheiligen des französischen Volkes. Am Ende des Krieges (1453) war Frankreich
frei und geeint. Nur Calais (bis 1559) und die Kanalinseln blieben in englischer Hand.

Reformbestrebungen in Kirche und Reich


Nach dem Hundertjährigen Krieg, kam es in Europa zu Reformbestrebungen in Kirche
und Reich. Die Kirche war als Institution in die politischen Gegensätze der Zeit
verflochten und durch die Sorge um Ihre materiellen Grundlagen belastet. Nur eine
grϋndliche Reform konnte ihre Autorität auf die Dauer sichern.

Das steigende Geldbedϋrfnis der Kurie fϋhrte zu Gegenmaßnahmen des Staates.

Das Konzil von Konstanz (1414-1418) – Da erklärt der Deutsche Dietrich von Nieheim,
daß in allgemeinen Angelegenheiten der Kirche auch den christlichen Laien das Recht
auf Mitwirkung zustehe.

Die Entdeckung des Menschen und der Welt

Um 1500. sah es in Deutschland anders aus als im ϋbrigem Europa. Die Renaissance
und der Humanismus erreichten in Italien ihren Höhepunkt. In Italien hatten sich
selbstständige Stadtrepubliken gebildet. Man hatte die Antike wiederentdeckt und
pflegte die Wissenschaften. Besonders erlebten die Kϋnste ihre große Blϋte in der
Renaissance. Berϋhmt waren Leonardno da Vinci, Michelangelo und Rafael. In England
war gerade der 30jährige Krieg zwischen dem Hause Lancaster und York beendet
worden, und mit den Tudors begann unter Heinrich VII. der Aufstieg Englands.
Kolumbus hatte Amerika entdeckt, und Spanien und Portugal hatten gerade einem
Schiedsspruch des Papstes die Neue Welt geteil. Während man im ϋbrigen Europa –
besonders in Italien – freudig den neuen humanistischen Geist und die neuen
Entdeckungen aufnahm, herrschte in Deutschland eine andere Art innerer Erregung.
Auch hier hatte der Humanismus Anhänger gefunden. Es gab viele Menschen, die das
neue Zeitalter begrϋßten (etwa Ulrich von Hutten). Aber in Deutschland hatte diese
neue geistige Unruhe und Bewegung zunächst keine tiefere und umwandelnde
Wirkung. Falls der Humanismus eine tiefere Wirkung hatte, dann verbanden sich seine
Ideen sehr oft mit religiösen Fragen. War der Humanismus in anderen Ländern das
große geistige Erlebnis des individuellen Eigenwertes, so hatte dieses Erlebnis in der
Mystik in Deutschland schon hundert Jahre vorher auf religiöser Ebene stattgefunden.
Die Kunst diente dem religiösem Erlebnis, wie es das ganze Mittelalter hindurch
gewesen war. Der berϋhmteste Humanist Deutschlands war Erasmus von Rotterdam.

Die größten sozialen Spannungen gab es in dieser Zeit zwischen den Bauern einerseits
und den kleinen Territorialherren und Grundbesitzern andererseits sowie zwischen
den Rittern, die wenig eigenes Land besaßen, und den Territorialherren. In dieser
Situation suchten viele Hilfe bei der Kirche und der Religion, was dem Geist der Zeit
besonders entsprach. Die damalige Kirche aber konnte den gläubigen Menschen in
vielen Dingen nicht mehr befriedigen. Der Deutsche suchte nicht so sehr eine nach
außen hin im weitlichen Bereich mächtige Kirche. Er suchte eine christliche Religion
der Tat, denn er ahnte wohl, daß etwas getan werden mϋsse. Er suchte eine Religion,
die mit den Worten der Bibel Ernst machte. Um 1500 erwarteten viele Deutsche auf
die radikalen Fragen nach dem wahren Gott, dem wahren Glauben und der wahren
Gerechtigkeit Gottes eine Antwort der Kirche. Und vielleicht kann man etwas
pathetisch sagen: während andere Völker eine neue Welt entdecken wollten, wollten
die Deutschen einen neuen Gott entdecken oder wenigstens den alten
wiederentdecken. Die Kirche konnte auf eine solche radikale fragestellung keine
richtige Antwort geben. So ist die Reformation vielleicht das entscheidendste Ereignis
in der deutschen Geschichte und Kultur gewesen. Ihre Wirkung und ihre historischen
Folgen reichen bis in die Gegenwart.