Vorwort

Zukunft WOZU? Eine banale Frage? SO nicht stellbare Frage...? Nach den Ereignissen des vergangenen Monats, seit ich dieses Essay fertig gestellt habe, nach den Aufständen der Jugend in Arabien und Nordafrika, die explosionsartig aus dem “Nichts” aufgetaucht sind, scheint mir diese Frage nötiger denn je. Nur zu fragen, Zukunft WIE, entpuppt sich als eine zunehmend technische Frage, zum Beispiel, WIE können wir die riesigen Energieprobleme lösen? WOZU zu fragen, heisst dagegen, die Grundannahme genauer unter die Lupe zu nehmen, DASS wir immer mehr Energie benötigen. WOZU also...? Diese anfänglich etwas bescheiden wirkende Frage, erlaube ich mir, diversen Grundannahmen unserer Epoche entgegen zu halten, besonders – aber nicht ausschliesslich – Europas, wo viele dieser Grundannahmen formuliert wurden. Als Schweizer bin ich Landsmann des berühmten Pädagogen Pestalozzi, dessen Idee einer guten Schulbildung für Alle, zu einer selbstverständlichen Grundannahme geworden ist, die man nicht mehr hinterfragt. Was etwas in Vergessenheit geraten ist, ist sein Credo: Bildung für den Kopf, die Hand und das Herz! In diesem Essay gehe ich unter anderem der Frage nach: Wie geht es der HAND? Dem HERZ? Derer, die unsere Schulen verlassen und ihre Zukunft in “Angriff” nehmen. Interessant in diesem Zusammenhang sind für mich die Revolten des gerade ausklingenden Monats Februar, die SO niemand voraussehen konnte, aber doch logisch erklärbar sind. Ihre Gründe findet man in einer Kombination neuer Wirklichkeiten, zu denen gehört, dass auch in exotischen Ländern eine breite Schicht Jugendlicher intellektuell gut

ausgebildet ist, aber sich DESWEGEN daraus noch nicht ergibt, dass sie damit ihr Geld verdienen können. DAS hatte man ihnen aber anders erzählt... (In Europa passiert dasselbe, die Auswirkungen sind aber noch nicht so offensichtlich!) Manuell weitgehend ungefördert, unfähig Kamele zu melken, Kochtöpfe zu schmieden, oder Zelte zu nähen, steht eine kluge, neue Generation einer klugen, alten Kultur vor dem Nichts. Das einzige was sie haben, sind Handies, Facebook und Millionen gleichaltriger, aber bildungsferner Freunde, die ebensowenig Arbeit finden wie sie, die Universitätsabsolventen. Im Gegensatz einer Studentenrebellion, wie die in den Siebzigern, die in den gut beschäftigten Arbeiterschichten Europas wenig Echo fand, handelt es sich jetzt neu um eine breit abgestützte Revolution, deren Ende kaum absehbar ist. Ich glaube nicht, dass man in Arabien moderne Prophetie studiert haben muss, um voraussagen zu können, dass diese Revolution in der einen oder anderen Form bald jeden Erdteil erreichen wird. Mit Zorn im Kopf über zynische Poltik und korrupte Wirtschaft, mit einem Handy in der einen Hand und einem Pflasterstein in der anderen, mit Hoffnung im Herzen auf eine gerechtere Zukunft, beginnt ein neue Zeit. Wird sie besser? Ich bin froh, dass ich dieses Essay vor diesen weltbewegenden Revolutionen geschrieben habe - zwischen Dezember 2008 und Februar 2011 - Nicht abgelenkt von quakenden Medien, die gerade nonstop aus Tripolis berichten. Aber auch fernab DESSEN, was mir als ergründenswert galt, entstand dieses Essay in den kindlichen Gefilden pazifischer Südseestaaten, die ich im Segelschiff bereiste. Ein Hauch papalagimässiger Denkweise (Siehe Buch “Papalagi”) mag die eine oder andere Passage eingefärbt haben. Mir war nicht darum, die Menschen und Kulturen zu beschreiben, die ich HIER besuchte, denn sie schienen mir besser daran zu tun, dem suchenden Blick der Touristen möglichst unbekannt zu bleiben. Ihre tieferen Geheimnisse kenne ich nicht und wollte sie den Insulanern auch nicht entlocken. Ich liess mich aber beseelen von ihren auf den ersten Blick einfachen Lebens- und Denkweisen, ihren einfachen Fragen. In diesem Geist habe ich gut zwei Jahre immer wieder den Stift in die Hand genommen, um einer Frage nachzugehen, die man vielleicht vor

allem auf dem Herzen hat, wenn man Mutter oder Vater oder Kind ist, was hier in der Südsee auf praktisch ALLE zutraf! Das Wort Kind brauche ich in diesem Essay oft, ich meine damit nicht immer das “klassische” Kind, sondern ebenso Schüler, Jugendliche, Studenten, Junggebliebene, manchmal sogar das Kind in JEDEM. Schüler ist man nur kurz, EIN Kind aber garantiert sein Leben lang... Dass ich nicht überall versuchen konnte, geschlechtsneutral zu schreiben, möge man (frau) mir verzeihen! Gemeint sind natürlich BEIDE, und wenn nicht, so hebe ich das meistens hervor. Erzählfluss geht mir vor political correctness! (Vieles sonst auch...) Nicht vergessen, dies ist ein Essay, es bedient sich oft Aphorismen (symbolischer Vergleiche), es hat radikale Spitzen, versucht sich nicht in Mässigung, noch in wissenschaftlicher Objektivität. Es berührt sensible Bereiche, von Geld bis Religion und Politik, von Drogen bis Wissenschaft und verknüpft diese Bereiche in teils herzerfrischender Originalität. Und es stellt viele Fragen, ohne sie klar zu beantworten. Gewidtmet habe ich dieses Essay (genauere Erklärung was ein Essay ist im Anhang) meinen Kindern, Luna 9 und Piran 14. Auch wenn mir dies nicht immer gelang, so versuchte ich zumindest, so zu schreiben, dass sie es verstehen, BEVOR sie erwachsen sind. Ausgestattet mit schulischer Bildung, Handy und Facebookaccount, voller Zuversicht ein erfülltes Leben führen zu dürfen, möge “PS. Zukunft ...WOZU?” ihnen helfen, Nötiges von Unnötigem im Leben zu unterscheiden. PS. Ich mache hier nur Vorschläge wie man Dinge und Phänomene AUCH sehen kann. Eine Art Fussnote zum grossen gesellschaftlichen Diskurs “wie weiter?”. Es soll keine Anleitung zur Revolution sein, kein politisches Manifest, nur eine Inspiration zur notwendigen Evolution heutigen HANDELNS. (Wie heute GEDACHT wird, interessiert die Zukunft kaum!) Ich möchte nicht Weisheiten von “oben” nach “unten” reichen, eher frische, originelle Sichtweisen von “hinten” nach “vorne”. Gerd Fehlbaum, Dili, Osttimor, 28. Februar 2011

1. Kapitel Zukunft, was bedeutet sie uns eigentlich? Wer heute von Zukunft spricht, meint selten mehr als ein paar Jahre. 2020 vielleicht. Aber selbst diese wenige Jahre entfernt liegende Zukunft erscheint unwägbar und fremd, also reduzieren wir unsere Vorausschau, die uns einigermaßen sicher erscheint, auf momentan etwa, so schätze ich, sechs Monate. Bereits ein volles Jahr hat so viele Variablen, dass man als vernünftig denkender Mensch keine Ahnung hat, was auf unser Leben - sowohl individuell, als auch global - zukommen wird. Lebe JETZT! sagen daher Viele. Ob sie mit dieser Einstellung eine gute Antwort gefunden haben? Lebe jetzt! Alte Weisheit liegt darin, im Hier und Jetzt zu sein, im Denken und Tun. Sich nicht große Gedanken zu machen über DIE Zukunft. Zu komplex sind die Stränge aus Ursachen, als dass die zukünftigen Wirkungen daraus sichtbar wären. Noch schwerer, daraus Korrekturen zu formulieren, die in Zukunft zu Bedingungen führen würden, die unserer Gegenwart als erstrebenswert gelten. Seit der Klarheit, die Newton in unser menschliches Denken eingebracht hat, indem er Fragen der Himmelsmechanik als erster logisch erklären konnte - also auch vorhersehbar machte - ist es trotzdem trübe, wenn man auf unserer Erde “nach vorne” schauen will. Es ist einfacher, die Gegenwart im globalen Masstab zu erfassen, als über den Zeithorizont zu spähen. Symbolisch sitzt die Menschheit in einem Bus mit so klaren Scheiben zur Seite – in die Ferne – wie nie zuvor, dank den modernen Medien. Auf die “Strasse” vor uns sehen wir wegen dem aber nicht besser. Nun gibt es Institutionen, die sich zur Aufgabe machen, unseren Blick nach vorne zu schärfen. Wissenschaftlich wird hochzurechnen versucht, was passiert, wenn wir uns weiterhin so verhalten, wie bisher. Uns SO vermehren, SO unsere Bedürfnisse befriedigen etc.

Es werden auch Voraussagen gemacht, was passieren wird, wenn wir uns anders verhalten würden. Alles sehr interessant, aber als Masstab für das eigene Verhalten oft kaum zu gebrauchen. Andere versuchen mit Gottes Hilfe, Kristallkugeln, Inkakalendern, oder Nostradamus über den Zeithorizont zu schielen. Ihre Aussagen sind von Glauben geprägt, nicht Logik. Das größte Mysterium von allen, ist die ZUKUNFT geworden...! Nicht mehr die Weite des Alls, oder der Ursprung von Blitz und Donner, oder das Leben an sich. Seit der Vielfalt wissenschaftlicher Erkenntnisse und ihrer Verbreitung durch die Medien sind die grossen, einstmals göttlichen Fragen zur unterhaltenden Kuriosität geschrumpft. Ähnlich ist es einem anderen grossen Mysterium ergangen, der Vergangenheit. Sie liegt weitgehend ausgegraben vor unseren Augen, entschlüsselt in TV Serien, erklärt bis zurück zum Urknall. Es geht nur noch um die Bruchteile der ersten Nano-Sekunde der Schöpfung, dann weiß der Mensch eigentlich alles. Ausser die Zukunft. Also: Lebe JETZT! Ein altes Bedürfnis, glaubt man, aus dem Bauch heraus richtig. Gut 300 Jahre nachdem Newton seine Regeln formulierte, wie die Welt zu beobachten ist, um zu brauchbaren Resultaten zu kommen, nach rund 300 Jahren Präzisierung auf das Wesen der Natur - den Menschen eingeschlossen - stelle ich einfach mal die Frage, ob unsere jetzige “Menschenwelt” das Resultat 300 jährigen Strebens nach Logik ist? Natürlich kann diese Frage nur beantwortet werden, wenn es gelingt, eine Art Ziel zu formulieren, oder Richtung, in welche die Welt getragen werden wollte, durch den Einsatz kollektiver Logik, statt göttlicher Moral. HATTE Logik ein Ziel? Wohl kaum! Aber sie ergab eine Richtung. Und in der sind wir weit gegangen. Sicher haben wir es auch der Logik zu verdanken, dass heutzutage alle Menschen (theoretisch) als ebenbürtig betrachtet werden, egal welcher Rasse, Zugehörigkeit etc. Demokratie, Menschenrechte, Frauenstimmrecht: alles Folgen klaren, logischen Denkens.

So steht unsere Menschenwelt heute auf den Säulen der Logik unveräußerlicher Menschenrechte, als auch konstitutioneller Demokratien in immer mehr Ländern. Sogar die ersten Ansätze unveräußerlicher Rechte der Natur auf Artenvielfalt, gelingt es logischem Denken zu begründen. Die Logik, die wir in der Natur vorfinden, lässt es zunehmend logisch erscheinen, sie beschützen zu müssen vor Ausbeutung über das Maß hinaus, in der sich die Natur erneuern kann. Und sie vor unnötiger Qual zu beschützen, ist auch immer logischer, da uns durch wissenschaftliche Betrachtung klar geworden ist, dass Tiere und Menschen sich ähnlicher sind, als Menschen früher gedacht hatten - tief drin dieselbe Sprache haben. Das sind Säulen des Wissens, auf denen der Mensch jetzt steht und etwas “erhöht” die Welt überblickt. Es sind Siegesäulen, dem langen Zwist mit religiöser Bevormundung gewidmet - es gibt immer noch Ausnahmen - Säulen des Wissens über fast ALLES, was JETZT geschieht! Wir stehen auf den Säulen der inzwischen BEWÄHRTEN Logik, dass für jedes Problem eine Lösung gefunden wird, solange der zuständige Zweig der Wissenschaft genug daran herum studiert und genug Geld dafür zur Verfügung gestellt wird. Freiheit, Wissen, Forschung. Auf diesen stabilen Säulen sind wir bestens für die Zukunft positioniert. Komme was wolle! Nur WIE die Zukunft denn tatsächlich aussehen wird, entzieht sich unserer Kenntnis. Insofern sind Strategien, die jetzt ausgedacht werden, vielleicht morgen falsch. Diese Gefahr bestand schon immer, liesse sich dazu sagen. Ist es aber nicht vielleicht wichtiger denn JE, dass Strategien wenigstens einigermaßen richtig sind? Ganz einfach, weil die Zukunft von uns, sich von der Zukunft unserer Vorfahren vor allem dadurch unterscheidet, dass sie sich VIEL schneller entwickelt. Als auch aus den Ergebnissen temporärer Ereignisse, Moden, Trends entsteht. Während alte Kulturen sich zwangsläufig auf lange Zeiträume stützten, stützt sich die Zukunft auf eine ganz kurze Vorentwicklung. Symbolisch: der Menschenbus fährt so schnell wie nie zuvor!

Wenn man die Menschen von früher aber etwas genauer studiert, fällt auf, dass ihnen die Zukunft wichtig war, sowohl im persönlichen, wie im kollektiven Sinn. Schon die Höhlenbewohner waren gezwungen, Vorräte anzulegen für den Winter, später begann der Mensch Bäume zu pflanzen, die erst die kommende Generation ernten wird. Der Mensch von früher lebte - nicht überall, versteht sich - im Bestreben, nicht von der Hand in den Mund zu leben, sondern versuchte, die Zukunft der Natur unter möglichst grosse Kontrolle zu bringen, obwohl seine Mittel dazu sehr begrenzt waren. Parallel entstand der Wunsch, auch im persönlichen Bereich eine kontrollierbare Zukunft zu erzeugen, indem man sich “Nischen im Sein” ausdachte, in denen nach dem Tod weiter existiert werden kann. "Ich lebe jetzt!" dürfte den meisten Menschen von früher kaum als Lebensmotto gedient haben, um sich vollwertig zu fühlen in einer ansonsten wenig durchschauten Welt. Fremde hinter jedem Horizont, unverstandenen Naturphänomenen wie Blitze es waren, Kometen, der ganze unbegreifliche Sternenhimmel, der über den unheimlichen Nächten lag. DARAUS nun zu schließen, der Mensch von HEUTE möge sich bitte auch um die Zukunft kümmern, würde allerdings keinen weiteren Sinn ergeben, höchstens traditionelle Persönlichkeiten in ihrer Weltsicht bestätigen, die letztlich nur sie als maßgebend erachten. Ihrem GLAUBEN nämlich. Die moderne Freiheit des Individuums, zu tun und zu lassen, wie er/sie es richtig findet - solange es niemanden schadet - beinhaltet nämlich (noch) keinen Anspruch darauf, im täglichen Handeln an die Zukunft denken zu müssen. Nicht zu schaden hat man die Gegenwart, den Moment, die existierende Realität, ihren Ablauf und ihre Funktion. Mehr nicht! Wenn man nun die Zukunft der Menschen von früher mit der des Menschen von heute vergleicht - spätestens seit der Entwicklung der

Atombombe - fällt auf, dass die Zukunft früherer Menschen leichter zu deuten war, als die von heute. Fast alle Entwicklungen verliefen langsam. Die Zukunft zu deuten war ein einfacher Prozess der Extrapolation des Vergangenen. Was war, ist. Was ist, wird. Auch wenn schon seit Beginn der Menschengeschichte global betrachtet eine Katastrophe nach der anderen passierte, wo die Kontinuität der Geschichte gesprengt wurde, so hatten sie nur selten Einfluss auf die Zukunftsperspektive einzelner Gemeinschaften oder Individuen, weil die Informationen über die Katastrophen nicht da waren. DIE Zukunft war recht klar vorhersehbar, was früheren Menschen Kraft gab, die noch verbleibenden Unwägbarkeiten der Gegenwart zu ertragen. Und heute? Rund um die Uhr gefüttert mit Katastrophennachrichten aus der ganzen Welt, befürchtet man die Unwägbarkeit der Zukunft und glaubt, dass sie total offen ist. Dass sich alles ändern wird in unbekannte Richtung. Ergo: Lebe einfach JETZT! Wer Lust hat, pflanzt ein Bäumchen...

2. Kapitel Hoffnung, worauf? Eine zunehmende Dualität: Den Moment betonende Lebenslust einerseits, Einsicht, vernünftig HANDELN zu müssen, andererseits. Dieser Dualismus war den früheren Menschen vielleicht weniger bekannt. Selbst Kriege wurden "weise" geplant und durchgeführt. Gewonnen hat oft, wer die vorausschauendere Strategie hatte, nicht unbedingt, wer bessere Waffen besass. Dass dies heute anders ist, zeigt der Krieg zwischen dem Gaza Streifen und Israel. Weder die Palästinenser hatten gut geplant, noch die Israelis. Vorausschau ist ersetzt worden durch rücksichtslose Brutalität, auch gegenüber der Zivilbevölkerung. Auf beiden Seiten. Man könnte meinen, Kinder die nie zur Schule gegangen sind, würden die Offiziere befehligen. Die Palästinenser - die Hamas, was nicht GENAU dasselbe ist – beschießt Israel mit Raketen. Fern jeglicher Strategie, damit ihre Zukunft zu verbessern oder ihren Feind zu irgendetwas zu zwingen,

ausser zum sinnlosen Gegenschlag. Ein Krieg aus Eitelkeit. Ein Krieg für die Gegenwart, den Moment, die Medien, die der ganzen Welt davon berichten. Ein Krieg fürs Image, für den kurz durchlebten Stolz, ohne Nutzen für die eigene Seite, für morgen, die Zukunft. Es ist der 4. Januar 2009 und es wird weiter gebombt, es werden weiter Raketen abgeschossen. Eine tödliche Silvesterparty, die sich wie ein ferner Albtraum über den Zeitgeist der Menschen ergießt. Die Welt ist nur “in Ordnung”, wenn man keinen TV hat, kein Internet und tief im Wald lebt, statt im (via Medien UNS ALLEN) nahen Osten. Es ist gut vorstellbar, dass Menschen früher nicht das Risiko eingegangen wären, einen so offensichtlich nutzlosen Krieg zu führen! Menschen von früher "mussten" sich ja auch nicht.... vor TV Kameras produzieren, wie sie Steine in Richtung ihrer Gegner warfen, oder Schlimmeres, um ihrem Tun Achtung zu verschaffen. Die Amerikaner haben der neugierigen Weltöffentlichkeit einen “Gefallen" getan, als sie im Kuwaitkrieg 1991 TV Kameras in ihre ferngesteuerten Bomben eingebaut haben. Und Israel tut jetzt - 18 Jahre später - dasselbe. Wozu? Ich lebe jetzt! Und denke nicht an morgen, an übermorgen, an die Zukunft, die beim Stichwort Naher Osten tatsächlich rätselhaft ist. Und da bei diesem - im jetzigen Zeitalter ewig wirkenden - Konflikt sich regelmäßig die ganze Welt angesprochen fühlt, ist die Zukunft der ganzen Welt rätselhaft, da in einen unlösbaren Konflikt verwickelt. Der normale Mensch geht einer noch ungewisseneren Zukunft entgegen, als vor einem Jahr, so viel lässt sich sagen, ohne einen Funken Zynismus. Seine Auswirkung auf die Zukunft ist gleich NULL, denkt jeder und verkriecht sich im Jetzt, im Spass, im Konsum, zu dem wir jeden Tag ermuntert werden. Werfen wir nochmals einen Blick zurück in die Vergangenheit unseres Menschengeschlechts, so fällt nicht nur auf, dass sich zumindest Hochkulturen konkret mit ihrer Zukunft befasst haben, sondern auch, wie wenig dies bewirkt hat. Wie klein letztlich ihr Einfluss war auf die

Zeit danach. Wie jede Hochkultur abtreten musste. Wie fast alle Prinzipien und Werte, Bilder, Figuren und Gefäße sich entweder auflösten, oder zerbrachen in wenigen Generationen. Wie Erde und Flugsand, das Meer, Vulkane und Dschungel in relativ kurzer Zeit alles Menschliche "verdaut" hat. (Von Ausnahmen abgesehen – Paradebeispiel die Pyramiden - da ihre Erbauer wirklich gründlich an der Zukunft herum studiert hatten...) Der Mensch von früher wusste wenig über "die Welt an sich", gar nichts über seinen biologischen Werdegang (Evolution), aber achtete seine Zukunft mehr, als der moderne Nachfahre. Er konnte sie sich – im Gegensatz zu UNS – vorstellen... UND, er wollte von der Zukunft rückwirkend geachtet werden. Der weit verbreitete Ahnenkult zwang ihn, “zukunftsrichtig” zu handeln. Über lange Zeiträume gepflegte Traditionen halfen ihm dabei. Grosse Änderungen waren nicht gefragt. Wohlergehen nach dem Tod lag in der Hand seiner Nachfahren – nicht NUR in der Hand von Göttern – also bemühten er bzw. sie sich redlich um ihren Nachwuchs... “Zurück” ins Jahr 2009. Die Welt ist aufgeteilt in eine arme Hälfte und eine reiche Hälfte. Das Wort Zukunft ist auf der armen Hälfte der Welt fast ein Fremdwort. Die Nachkommen der Inkas, die den Lauf der Planeten für Jahrhunderte genau voraus berechnen konnten, leben heute von der Hand in den Mund. Und auf der reichen Hälfte der Welt hat das Wort Zukunft etwas... nun ja, Altmodisches an sich! Es tönt nach Siebzigern, nach Club of Rome, nach längst versiegter Aufbruchstimmung. Das Wort Zukunft sorry - tönt fast wie ein WITZ! “Lebe jetzt, mein Freund, setz dich hin, hab einen Tee mit mir. Was möchtest du? Darjeeling, Rosentee, Green Tea, Holunderblüten? Nun sag doch endlich...!” Hinter jeder Realität steckt eine andere Realität. Wir sind darauf trainiert, auf eine solche Aussage zu nicken und denken vielleicht an die Atomstruktur in den Teeblättern, oder fragen uns, ob der Rosentee

aus einem Fair Trade Laden stammt. (Den Gastgeber zu fragen, trauen wir uns nicht unbedingt!) Die rasche Entwicklung der Logik, seit Newton uns messerscharfe Werkzeuge dazu in die Hand gegeben hat, führte zu einem Verständnis des Kosmos ohnegleichen. Aber parallel entsteht ein Unverständnis gegenüber den Dingen. Was aus rationalem, logischem Tüfteln entstand, an Produkten, ist dem Einzelnen immer öfter ein Rätsel. Es wird gekauft, was in den Laden kommt, genauso wie geglaubt wurde, was von der Kanzel gepredigt wurde. Damals, vor Newton. Und ebenso wie die Religion eine Mischung war aus Sinn - denn sie half den Menschen, Leid zu ertragen - und Unsinn - denn sie diente letztlich dem Machterhalt der Kirche - ebenso ist Wirtschaft eine Mischung aus Sinn und Unsinn. Wie in der Religion werden wir kaum aufgeklärt, was was ist. Jede Firma, jedes Produkt, beansprucht für sich, Sinn zu machen. Aber konkret weiß die Mehrheit der Menschheit nicht, aus was Zahnpasta besteht. Der Mensch von früher dagegen, war zunehmend - und mit dem Mittelalter vielleicht als Höhepunkt ausgeliefert einem Denken, das aus heutiger Sicht obskur und absurd erscheint. Er wurde geleitet von Idealen, die im Himmel ihren Sitz haben sollen. Er wurde gewarnt vor unsichtbaren Kräften, erschrak, wenn es eine Sonnenfinsternis gab und begann zu beten, wenn es donnerte und blitzte. Aber man wusste um seine DINGE... Ebenso wie heutzutage in der Werbung, wo die wahre Qualität von Produkten eher verschleiert als erklärt wird, wurde früher die Natur das angenommene Produkt Gottes - von der Kirche mehr verschleiert, als erklärt. Genaues präzises Hinsehen war nicht gefragt, sondern der Glaube, an was die Kirchen vorgaben, glauben zu müssen. Es braucht nicht viel Einsicht, und man merkt, dass wir wieder in einem Zeitalter zunehmenden Aberglaubens gelandet sind: Der Glaube, angesichts jeglicher Offensichtlichkeit ABER sagen zu müssen... Der Glaube an Wunder, dass sich zum Beispiel Geld von

alleine vermehren kann. Wir glauben, dank den Fortschritten der Forschung, dass wird kurz davor stehen, unsere Welt umfänglich erklären zu können. Fast ohne Wenn und Aber. In dieser Erwartungshaltung – die Erlösung vom Unwissen steht kurz bevor... merken wir kaum, dass unser Alltag, unser Wirken auf die Welt, als auch das Wirken der Welt auf UNS mysteriös geworden ist. Undurchschaubar. Das Denken, die Logik, das Bewusstsein hat sich getrennt vom kindlichen Verlangen nach Zuckerbrot und Spiel ohne Grenzen. Ein Paralleluniversum aus Filmen, Musik, Geschmäckern, Salben, Müslis, Softdrinks, Fahrzeugen, Fitnessapparaten ist entstanden, unübersehbarer als der Sternenhimmel. Zum Teil mit den selben logisch kalkulierten Werkzeugen hergestellt, die in ihrer Summe und Substanz den Werkzeugen Newton's entsprangen. Ohne Newton keine DVD, kein Batman im Kinderzimmer. Wissen das die Kinder? WIE wird es von hier aus wohl weiter gehen? Warum diese 2000 vor der Zahl 9? Es hat doch schon längst eine neue Zeit begonnen, die Zukunft nämlich. Die Zukunft ohne Vorbild in der Vergangenheit. Kein Zeitalter kann uns Rat geben zur Bewältigung der Klimaerwärmung, um nur EIN Beispiel zu nennen. Trotz GPS und Google Earth sind wir in der größten Orientierungskrise. Blase um Blase zerplatzt. Peng! Wieder ein verlorener Grundwert. Wer in der Zukunft nicht Horror ahnt, ist beneidenswert. Immerhin EIN Wert, der bleibt... Aber vielleicht täuscht es ja, was wir zu sehen glauben, denn die Frontscheibe im "Menschenbus" ist wie gesagt undurchsichtig - wie nie zuvor. Gleichzeitig ist das Tempo höher denn je. Vorhersehbar ist so gut wie gar nichts mehr. Bleibt also nichts anderes übrig, als auf das Gute zu HOFFEN? Das Jahr 2009 liegt immer noch frisch und unverbaut vor uns. Aber nicht überall... Israel hat sich tief in den Gazastreifen vorgedrängt, mit Panzern und Soldaten. Heute wurde der Staat Israel von Norden her

mit drei Raketen angegriffen. Der immer noch junge Staat Israel sucht nach einer Lösung zum Problem der Sicherheit seiner Bürger. Und findet sie nicht. In den letzten Tagen habe ich mal wieder über die Hoffnung nachgedacht, und inwieweit sie uns hilft - helfen KÖNNTE – sogar wenn sie objektiv nicht begründbar ist. Es ist mir wenig eingefallen. Der Hoffende ist der Hoffnung auf den Leim gegangen, mehr nicht. Wo stehen wir mit dem Prinzip Hoffnung im Jahre 2009? Früher mag Hoffnung Wunder bewirkt haben, denn sie steckte an, breitete sich aus und fruchtete in adäquaten Lösungsprozessen, gegenüber der die Krise verursachenden Gründen. Oder das GLÜCK half, die NATUR beruhigte sich wieder - nach einem Erdbeben - es regnete wieder - nach einer Dürre. DIE Natur, trotz all ihren Bedrohungen, war immer des Menschen bester Unterhalter. Materiell und spirituell. An dieser Tatsache hat sich in einer Million Jahren Menschheitsgeschichte wenig geändert. Bis vor wenigen Jahren, oder Jahrzehnten... Langsam, aber messbar - zunehmend sogar MERKBAR - verändert sich die Natur in Richtung Chaos. Ein Chaos, das wahrscheinlich vom Menschen ausgelöst wurde, aber nicht rückgängig gemacht werden kann. Von vereinzelten Ausnahmen abgesehen. Die Natur war auch früher nicht in einem statischen Gleichgewicht, sondern in einem dynamischen Entwicklungsprozess, der auch in Richtung Chaos tendieren konnte, aber in der Summe entwickelte sich die Natur zu grösserer Ordnung hin, was zum Beispiel an der ungeheuren Anzahl der Arten ersichtlich ist. Während die Erde - aus ETWAS Distanz betrachtet (nicht aus galaktischer Distanz, denn von dort aus gesehen, ist sie irrelevant!) über Mechanismen der Selbstregulation verfügt, und somit aus Menschlicher Perspektive als stabil bezeichnet werden kann, verfügt der Mensch offensichtlich nicht über die Macht, dieser “Stabilisationsvorsorge” der Natur etwas nur annähernd Gleichwertiges entgegen zu setzen. Im Kleinen gelingt dies, zum Beispiel in der Konservierung von Nahrung für den Winter,

im Heizen des Wohnraums, in der Landwirtschaft. Einem Klimawandel gegenüber stehen wir aber machtlos gegenüber. DIE Zukunft braucht sich nicht als offene Frage zu äussern, wie der Mensch in einer Million Jahren leben wird (Kosmischer Masstab), sollte sich aber etwas weiter erstrecken, als die im Moment "schicke" Jahreszahl 2020. Oder die unter Spirituellen hoch gehandelte Jahreszahl 2012. Oder den sechs Monaten, der typischen Messlatte in Entscheidungen der Wirtschaft. Oder einfach bis zur nächsten Wahl, der Zeithorizont demokratisch gewählter Politiker. Diese Vorausschau in Richtung Zukunft ist zu kurz, um die langfristigen Konsequenzen unseres Handelns im Auge zu behalten. Des HANDELNS, denn um das geht es mehr, als um Hoffnung. Die Multitude an Welt- als auch Regionalkrisen entstammen zu einem immer grösseren Teil Konsumangewohnheiten des modernen Menschen, der sich bis zur scheinbaren Paralyse verstrickt hat in alltägliche Widersprüche seines Handelns gegenüber seinem Wissen. Während Jeder möglichst niedrige Ölpreise will, ist gleichzeitig Jedem klar, dass einzig hohe Ölpreise zu einem Rückgang der CO2 Emissionen (und zahlreicher anderer Gifstoffe) führen würde. Diese Inkonsistenz des Denkens und Handelns lässt sich auf so viele Bereiche des Alltags ausdehnen, dass man damit Bücher füllen könnte. Hier auf etwas zu HOFFEN ist sinnlos! Zuerst müssen die Zusammenhänge sortiert werden. Zu hoffen, heisst für den modernen Menschen, ein möglichst klares Bild zu haben, auf was überhaupt gehofft werden soll. Um dies zu ergründen und Hoffnung daraus abzuleiten, erfordert es eine Wertskala, die auf einer gehörigen Portion konkretem Wissen beruht über die “Natur der Dinge” - als auch einer Erweiterung des kategorischen Imperativs: Tue deiner Zukunft nicht an, was du von deiner Vergangenheit nicht angetan haben möchtest! Mit solchen Problemen musste sich der Mensch früher nicht allzusehr

auseinander setzen, da sein HANDELN nicht so viel Auswirkung auf die Zukunft hatte. Ausnahmen abgesehen, wie als schlimmes Beispiel die Abholzung von ganzen Küsten des Mittelmeers durch die Römer. Hoffen ist also nur angebracht, wenn man zuvor die Hausaufgaben der Moderne gemacht hat und hiermit seinem Hoffen eine SEHR KONKRETE Richtung geben kann. Ob aber dieser bewusste Prozess noch als Hoffnung deklariert werden kann, ist fraglich.

3.Kapitel Die “Weisheit” der “Märkte” - eine Illusion! Eine wichtige Frage scheint mir die, ob wir in einem Zeitalter der Logik leben, wo das Messbare der Realität unser Denken und Handeln prägt, oder ob wir in einem Zeitalter der Irrationalität leben, die dem Mittelalter ebenbürtig ist, wenn nicht sogar in Teilbereichen “überlegen”. Ich meine diese Frage durchaus ernst... Wessen Geistes Kind regiert die Neuzeit? Das der neulichen Aufklärung, oder das des vorgestrigen Aberglaubens? Neuesten wissenschaftlichen Berechnungen zufolge, erfahre ich zum Beispiel (in irgendeinem Käseblatt), entstehen ZUERST die schwarzen Löcher, aus denen DANN Galaxien werden. Toll! Ich frage mich aber, ist hier Aufklärung immer noch am aufklären? Oder hat sie sich auf einen Elfenbeinturm verabschiedet und schickt zur (Zahl...)Erinnerung sinnfreie Postkartengrüsse aus den Enden des Weltalls? Die letztere Frage ist klar mit Ja beantwortbar, wenn man das Pech hat, z.Bsp. Südseeinsulaner im Jahr 2020 zu sein, dem die Insel im steigenden Meer versinkt. Indirekt eine FOLGE der Aufklärung. Eine Folge des sich aus der Aufklärung ergebenden Wissenszuwachses, kombiniert mit Demokratie und Wohlstand – für scheinbar Alle! Die Aufklärung ist durchgeführt, die aufgeklärte Menschheit zieht es also wieder zurück an die Kirmes, die gewaltiger und pompöser

geworden ist, als sie es je zuvor war. Mit so vielen bunten Lichtern am Rande aller drehenden Räder, dass man die Achse nicht sieht, um die sich alles dreht. Missionierenden Kirchen gleich, hat sich eine Wirtschaft für Nutz- und Zweck- und Sinnloses an die Verlangen des modernen Menschen geheftet. Scheinbar unentrinnbar und auf Dogmen beruhend, die höchstens oberflächlich hinterfragt werden. Die einstmals existierende Zensur einer übermächtigen Kirchenstruktur ist wieder auferstanden. In Form von - was ich hier mit einem selbst erfundenen englischen Wort bezeichnen möchte - "brain swamping". Des Ertränkens jeglicher Ansätze, Wertskalen neu zu definieren, unter einem "Niagarafall" an Werbung, Information, Bildung. All dies FÜR die Beibehaltung eines als GUT und WELTWEIT richtig gepriesenen Metasystems namens "Freie Marktwirtschaft". Der Name an sich führt bereits in die Irre. Freie Marktwirtschaft tönt aufgeklärt, rational und deshalb logisch. Was dem modernen Menschen extrem wichtig ist, wenn er sich zur Abwechslung mit "der Realität" beschäftigt.. Nur ist unsere Realität eine Realität der Worte, der Sprache, und vorerst nicht anders vorstellbar. Selbst Zahlen kommen nicht ohne Worte aus, um zu erklären, was mit ihnen definiert wird. Umgekehrt ist Realität auch ohne konkrete Zahlen erfassbar. Auch Bilder bedürfen der Sprache, um sie einzuordnen. Bilder ohne Sprache ergeben meist keinen Sinn, während Sprache ALS Bilder uns die Welt erklärt. Das Wort Wirtschaft kommt aus der Bewirtung von Land, also der Landwirtschaft. Jemand bewirtet Land, arbeitet daran, besitzt es nicht unbedingt. Man arbeitet mit der Natur in Form des Wachstums, den man fördert. Wirtschaft heisst nicht Besitz (statisch), sondern die Hege und Bewirtschaftung (dynamisch) eines übergeordneten Prinzips, der Natur. Mit MARKT hat die Marktwirtschaft nichts mehr gemein, ausser dem

Namen. Es ist einem modernen Menschen zwar erlaubt, auf immer einfachere Art zu erwerben, was ihm oder ihr angeboten wird. Man braucht "nur" das nötige Geld... Wenn er oder sie aber etwas SELBER anzubieten hat, ist ein ganzer Kanon an Auflagen damit verbunden, der genau dies zu verhindern sucht. Nämlich eine einem Markt ähnliche Situation zu schaffen, wo Jeder, dem der Sinn danach steht und glaubt, ein verMARKTbares Produkt zu haben, dieses auf den Markt bringen kann. Es dort auf niederschwellige Art verkaufen DARF. Um das Produkt eventuell einfach zu testen. (Durch ebay und andere Internetseiten hat sich das Problem einer NICHT vorhandenen MARKTwirtschaft zwar scheinbar gelöst, aber durch den rein virtuellen Auftritt des Anbieters geht damit die menschliche Komponente des Marktes unter, die oft ebenso wichtig ist für den Erfolg, wie das Produkt selbst.) WO gibt es noch Märkte? Wo gibt es gar NEUE Märkte, nicht bloss kitschige Weihnachtsmärkte, Überbleibsel alter Traditionen? Ja, in Asien! Unter anderem DARUM ist Asien wirtschaftlich auf dem Vormarsch. Wo Marktwirtschaft auch an der Basis funktioniert, ist es logisch, dass diese ein viel solideres Fundament hat, als eine dem MARKT letztlich abgeneigte Kultur, wie die Amerikas - und leider davon "inspiriert" – Europas, weil hier Marktwirtschaft eine Form von Privatbürokratie darstellt. Kaum MÄRKTE! Marktwirtschaft wird spätestens dann zum hohlen Wort, wenn noch das Wort "Freie" davor gestellt wird, da das "Freie" daran aus kilometerlangen Sätzen an Gesetzesvorlagen besteht, die im Monatstakt verlängert werden. Während sicher ein Teil der Gesetze zum Wohl der Konsumenten eingeführt wurden, dient ein anderer Teil eher dem Selbstschutz grosser Unternehmen. Ein gutes schlechtes Beispiel ist die Einführung der Auflage, dass in Frankreich an Märkten neuerdings Käse nur im Kühlschrank angeboten werden darf, selbst im Winter. Dies ist der Lobby der Supermarktketten zu verdanken! Es liessen sich auch hier Bücher füllen mit solchen Beispielen unserer "Freien Marktwirtschaft". Von einer Lüge zu sprechen, die uns

bewusst vorgesetzt wird, ist aber falsch. Es ist bloss ein, eventuell der Bedeutungsträgheit innerhalb der Sprache inne wohnender Hang, Worte immer noch als richtig zu interpretieren, obwohl sie zunehmend ihre DEUTUNG, ihre Richtung auf die sie hinweisen, eingebüsst haben - im konkreten Fall die (einstmals) freie Marktwirtschaft. Sie, als auch ihre angenommene “Weisheit” ist zur Illusion geworden!

4.Kapitel Der “Fussabdruck” eines modernen Menschen Die Ölzeit nähert sich mit Vollgas ihrem Ende zu. So oder so, könnte man sagen. Von zwei Seiten wird sie in die Zange genommen. Erstens neigen sich die Vorräte dem Ende zu. Zweitens sind die Auswirkungen der Ölzeit auf die Natur so offensichtlich EKLIG, dass der Ruf nach Alternativen zu einer auf Öl basierenden Lebensweise zunehmend rational begründbar wird. Also sich vom Gefühl, dass es SO nicht richtig ist, zu einer knallharten, logischen Richtigkeit wird! Neueste Forschung in der Medizin deutet darauf hin, dass Autoabgase agressiv machen. Sicher würde das einiges erklären... Die Kirche am Ende des Mittelalters, also dem Anfang der Aufklärung, zu entmündigen... (argumentativ und logisch begründbar), war aber ein Sonntagsspaziergang im Vergleich zur notwendigen Korrektur dessen, was heutzutage DREIDIMENSIONAL "schief läuft", um es ganz profan zu sagen. Wie geeignet Demokratie ist, ihre eigenen materiellen Erzeugnisse zu regulieren, zeigt sich bereits... Das Problem mit einem um den Besitz der Wahrheit ringenden Klerus, war ein zweidimensionales Problem. Es ging um Symbolik (zweidimensional), als auch um das Numinose (Gott = die alles überragende, jedoch unerklärbare VIERTE Dimension), auf das die Symbolik hindeutete. Die Logik hingegen, die die Aufklärung als Grundvoraussetzung der Wissens ansah, entsprang dem konkreten Experiment, dem

Beschäftigen mit dem Stofflichen, Greifbaren, Dreidimensionalen. Die Deutungshoheit des Klerus wurde letztlich "gesprengt" durch die sachliche Beschäftigung mit der dritten Dimension. Bevor ich fortfahre, Annahmen mit Dimensionen zu verknüpfen, möchte ich nur kurz erklären: Es geht mir nicht um geometrische Aspekte, auch nicht um Metaphysik, sondern um Kategorien von Auswirkungen, die etwas auf die Welt, bzw. Menschen hat. Natürlich hatten Menschen VOR der Aufklärung auch dreidimensionale Probleme, aber einfach gesagt war dies meistens eine Form von Mangel am Materiellen, also Dreidimensionalem, und mündeten nicht in Probleme für die Zukunft. Keine Hungersnot, kann man ironischweise sagen, führte zu weit reichenden Problemen in der Zukunft, eher im Gegenteil... Je länger je mehr steht man heutzutage aber vor einem ganz anderen dreidimensionalen Problem. Es ist der Überfluss..., der MÜLL! Der Müll in der Luft, dem Wasser, der Erde, in UNS! Und der MANGEL ist nicht bloss ein Mangel an Weizen oder Feuerholz, sondern an Rohstoffen verschiedenster Art. Wir sind Gefangene - aber wenn wir um sie wissen... vielleicht auch Gebieter - der vier Dimensionen menschlicher Realitäten: Die erste Dimension ist das MEHR und das WENIGER, also das Geld. Materiell unnütz, symbolisch langweilig, aber unendlich polarisierend zwischen Arm und Reich. Die Grundidee des Geldes liegt einzig in seiner Vermehrung, das Grundproblem liegt in der Knappheit. SCHÖN ist an Geld NICHTS! Zweidimensional ist dagegen die Symbolik. Von der eigenen Visitenkarte über ein Van Gogh Gemälde bis zum Kino, Werbeplakat etc. Das, auf was gebannt geschaut werden soll. Die Rolex, der Mercedesstern, das Hanfblattsymbol, alles zweidimensionale Angelegenheiten in meiner Weise, wie ich die Teile sortiere, mit der unsere menschliche Existenz spielt.

Auch Sprache ist zweidimensional, erst recht Schrift und Zeichen. Alles REPRÄSENTIERT nur, existiert aber - mehr oder weniger kaum. Auch dieses Buch ist weitgehend zweidimensionaler Natur, also symbolisch. Nur Menschen die deutsch lesen können zugänglich. Kein Tier würde mit Zweidimensionalitäten etwas anfangen können. Kein Hahn würde je ob einer Schlagzeile krähen, kein Hund vor dem Wolf im Fernseher Angst bekommen. Ganz anders die Dritte Dimension, die Materie. Das materiell WAHRE. Die Ware. Das Ding an sich. Nicht mehr die symbolische Relevanz, sondern die konkret materielle Relevanz. Dieses Buch ist z.Bsp. AUCH dreidimensionaler Natur (sobald es in gedruckter Version existiert, online in Form des Stromverbrauchs), aber die Relevanz liegt – wenn überhaupt - in den Buchstaben, Worten, Sätzen. Ein Sack Reis dagegen mag zwar auch hübsche Bilder aufweisen, WICHTIG ist aber nur der INHALT, also die dritte Dimension. Viele Dinge des täglichen Lebens sind entweder Monetär (Eindimensional), Symbolisch (Zweidimensional), oder Materiell (Dreidimensional) relevant. Oft, oder fast immer, sind sie miteinander verflochten, teils subtil, teils offensichtlich. Ein gutes Beispiel: Benzin. Benzin ist dreidimensional bis zum Gehtnichtmehr. Jeden Tag werden weltweit rund 80 Millionen Fass Öl gefördert. Ausserdem ist Benzin Eindimensional, denn der monetäre Wert spielt eine immense Rolle. Zweidimensional, sprich Symbolisch, hat Benzin keine Relevanz. Niemand käme auf die Ideee, Benzin nur bei Shell zu kaufen, weil es dort so einen schönen Blauton hat... Wasser wiederum ist dreidimensional, aber kaum eindimensional, da fast gratis! Dreidimensional ist aber nicht nur die Ware oder der Betriebsstoff, den wir erhalten, sondern auch der im Hintergrund aller Produkte laufende Produktionsprozess. Die dabei anfallenden Nebenstoffe, die sogenannte graue Energie, Rauch, abgebrannte Brennstäbe in Atomkraftwerken etc. Der jedem Menschen eigene, aber nicht bewusst wahrgenommene CO2 "footprint" ist dreidimensional! Er ist nicht nur ein Symbol, der etwas repräsentiert, nicht nur ein linearer

(Geld)wert, sondern konkrete Masse, konkrete Energie. Der sogenannte CO2 "footprint" des modernen Menschen ist ein gutes Beispiel, wie von der Dreidimensionalität abgelenkt wird bewusst! Ein Fussabdruck ist etwas subtiles, fast zweidimensionales. Ein Fussabdruck ist etwas NATÜRLICHES (niemand kann etwas dafür), es tönt geradezu organisch... Ausserdem ist ein Fussabdruck hübsch und klein. In Wirklichkeit - es WIRKT auf die Atmosphäre - ist der Ausstoss an diesem unsichtbaren Gas beim Durchschnittseuropäer in einer Grössenordnung von Ballons, grossen Ballons - die Menschen tragen würden, wären sie mit Helium gefüllt - die jeder "normal" lebende Zivilisationsbürger JEDEN Tag mehrere Male mit CO2 aufpumpt und in eine Luftschicht entlässt, die bei genauerer Betrachtung eher dünn ist.... 1oo Gramm GAS (CO2) hat ein grosses Volumen, über das man kaum erfährt. Und doch gälte dies als ein erstrebenswerter Ausstoss “umweltfreundlicher” Autos – pro KILOMETER.... Im Jahr entsteht so ein CO2 Volumen - pro Mensch - in der Grössenordnung von DUTZENDEN von Luftschiffen, Zeppelinen! Jedes Jahr. Tendenz STEIGEND. Trotz allem - zweidimensionalen - ...Geschnorr! Trotz Klimaprotokollen und Mahnern, die mit verschiedensten Argumenten und Methoden versuchen, dass die "footprints" kleiner werden... Unter unseren Turnschuhen brennt längstens die ERDE! Wir haben sie fundamental in Brand gesteckt! 5.Kapitel Wie kommt die Wurst auf die Gabel? Es besteht eine Tendenz, anzunehmen, wir seien zu materialistisch geworden. In unserer Lebensweise und Art zu denken, handeln und fühlen. Für diese Annahme müsste man erst Materialismus definieren. Wenn es bedeutet, dass einem das Materielle so extrem WICHTIG ist, wie kaum etwas sonst, ist es schwer zu verstehen, was alles

weggeworfen wird, "entsorgt" werden muss (originelles Wort übrigens!), was alles ABFÄLLT von uns Menschen. Die Menschen früher hatten eine innige Beziehung zum Materiellen, zu den Dingen, die sie besassen. Sie bedeuteten ihnen viel. Sie reparierten, wenn etwas kaputt ging, bauten Dinge, die fast ewig hielten. Kinder hatten nur wenig Spielzeuge. Dass sie sie MEHR liebten, als moderne Kinder ihre Spielzeugberge, ist eine berechtigte Annahme. Der moderne Mensch KANN gar kein wahrer Materialist sein, er tauscht ja andauernd Alt gegen Neu aus! Besitz ist nur ein temporär eng begrenzter Zustand der Begeisterung - nachdem alles auf den Müll wandert. Wir sind Konsumenten, das Materielle ist uns danach nur im Weg! Die vierte Dimension menschlicher "Affären" gibt es - wie ich es sehe auch. Das ist der SINN hinter dem "Schlachtfeld des Tuns". Der Endzweck, der gesucht und selten gefunden wird. Das Numinose, der Glaube, die Moral, aber auch das Schöne, "das" Böse, der Krieg im Kopf. All diese Stränge sind in einer Art vierten Dimension verankert. Wie, wo, warum genau entzieht sich meiner Kenntnis. Sicher hat es zu tun mit der existentiellen Verletzbarkeit des Lebens an sich, die vielleicht nur der Mensch bewusst wahr nimmt. Das Schöne, das Gute, alles sind Endwerte, die von den darunter liegenden Dimensionen angesprochen und hervorgebracht werden können - aber letztlich ebenso geheimnisvoll bleiben, wie eine vierte Dimension aus menschlichem Blickwinkel logisch unerklärbar bleibt. Wie diese vier Dimensionen Menschlicher Realitäten verbunden sind und WERDEN – ist kaum ergründbar, aber das RESULTAT dieser verknüpften Dimensionen ist wohl die Identität. WER sind wir? Als Individuen, als Kollektiv. Diese Frage hat seit jeher den Menschen beschäftigt. Irgendetwas muss also extrem wichtig sein, dass man eine Antwort auf die Frage sucht: WER BIN ICH? Wer sind WIR?

Dass wir KEINE waschechten Materialisten sind, ergibt sich auch aus der einfachen Logik, dass man IST, über was man Bescheid weiss, das man kennt. Wenn man jemanden als Mechaniker bezeichnet, will man sagen, dass dieser Mensch die Tricks der Mechanik kennt. Ein Materialist würde also einiges über seinen materiellen Besitzstand wissen. Schön wärs...! Früher wusste man Bescheid über materielle Güter. Das Material, aus dem es hergestellt war, spielte eine herausragende Rolle. Woher etwas kam, war zum Teil enorm wichtig und Teil seiner Eigenschaft. Natürlich, die Materialwelt war ja noch einigermassen überschaubar, im Gegensatz zu heute... Im heutigen, real existierenden (Pseudo)Materialismus spielt weder die Herkunft eine Rolle, noch das Material, aus dem etwas hergestellt ist, als auch die angewendete Technik, in der etwas gemacht wird. Geradezu perplex steht der Konsument im Laden vor einer Wand aus Produkten, die substanziell undurchschaubar sind - dabei wäre DAS mindestens ebenso wichtig wie früher! Wie entstehen... all diese steril verpackten Produkte? Aus WAS sind sie gemacht? Unter welchen Bedingungen, sowohl für Menschen, als auch für die Umwelt? Welche Nebenprodukte entstehen in ihrer Produktion? Von WO kommen sie? Wieviel Energie wurde verbraucht, sie hierher zu bringen? Ketzerische Fragen der Neuzeit. Wir sollten sie auf unseren Einkäufen durch die Tempel des Konsums immer wieder präsent haben, um SELBER die Verantwortung für unser Konsumverhalten übernehmen zu können - statt sie der Verantwortung der Industrie zu überlassen! Konsumentenaufklärung - notfalls bis in peinliche Details - wäre die Grundlage für einen "aufgeklärten Materialismus". Technisch - auch dank Internet, RFD Chips etc. - wäre das kein Problem! Hinhören, lesen, MUSS ja niemand! Aber DÜRFEN sollte man dürfen... Trotzdem ist Aufklärung über die Hintergründe unserer Produktwelt selbst an Schulen, als auch ERNSTHAFT in Medien, die Ausnahme.

Es sei denn, es gilt über Skandale zu berichten. Eine Art wöchentliche Glosse in Frauenzeitschriften nach dem Motto: “Und heute nehmen wir mal die Zahnpaste ULTRA SMILE unter die Lupe und kucken GAAANZ genau, was da eigentlich DRIN ist...” ist jenseits heutiger Regeln etablierter Medien. Was sich daraus ergibt, ist, dass uns schlicht das WISSEN und damit die Urteilsfähigkeit bezüglich unserem materiellen Eigentum abhanden gekommen ist: Erstens ist er unüberschaubar GROSS, als auch undurchschaubar FREMD. (Eine Art jährliche Inventur des Privatbesitzes wäre eine interessante Aktion, ja AUFGABE an Kinder! Die KEIN Massenmedium JE aufgreifen würde.) Materielle Entfremdung hat gravierende Folgen, die uns kaum bewusst sind. Unbewusst spüren wir es vielleicht: Wir sind umgeben von dreidimensionalen Rätseln, die uns niemand zu entschlüsseln hilft. Und natürlich interessieren auch UNS diese Rätsel kaum... Wer will schon GENAU wissen, wie die Wurst auf der Gabel entstanden ist? (Ein Freund von mir hat DREI TAGE in einer renomierten Schweizer Wurstfabrik gearbeitet. Er isst seitdem keine Wurst mehr...) 6.Kapitel Tabu der Neuzeit: Die Einfachheit Ist Zynismus Teil des Zeitgeistes geworden? Unbewusst wohl schon. In unserem Handeln, das unserem Bewusstsein vorauseilt. Wir kaufen ein Produkt und erfahren danach, dass es eigentlich schlecht ist für dies und das, die Umwelt kaputt macht, von Kinderarbeitern hergestellt wurde, etc.. Das Umgekehrte passiert fast nie. Dass man erst später raus findet, wie GUT ein Produkt ist, also unbekannte postive Nebenwirkungen entdeckt wurden. Aspirin ist ein schönes Beispiel dafür. In Europa gehen Kinder etwa 10 Jahre zur Schule, lernen aber absolut NICHTS über täglich verabreichte Produkte. Der wahre Inhalt der Breakfast Cereals auf dem Frühstückstisch möge bitte Mutti

alleine rausfinden. Hauptsache sie sind süss und schnell essbar. Ausserdem freut sich das noch aufzuklärende Kind, weil es nach der zwölften Packung endlich den fehlenden Roboterkopf aus Plastik darin findet. Papi ist froh, dass die Packung voller Denksportaufgaben ist, damit er nicht in Gespräche mit der Familie verwickelt wird. So fängt Bildung an. Durch Bilder. Durch Vorbilder. Durch vor der Nase stehende Pappschachteln, die immer grösser werden. Der Inhalt, bzw. die dritte Dimension des in seiner komplexen Ganzheit betrachteten Produktes, würde eine Befragung etlicher Spezialisten an einem mehrtägigen Symposium erfordern. Vom Werdegang der Pappschachtel bis zum Produktionsprozess des “Chock and Roll” Inhalts sind aber alles durchaus vermittelbare Vorgänge. Kinder die Komplexität hinter alltäglichen Produkten begreifen zu lassen, macht Sinn! Sie erahnen, wie kompliziert das EINFACHE Alltagsprodukt entsteht. Vielleicht entsteht dabei ein Interesse, einfachere Produkte zu entwickeln, da Kinder ein Gespür für Verhältnismässigkeit besitzen. Ihre Schulbildung befasst sich aber nicht mit solchen “Details”, wie einem Blick auf das Gesamte eines täglich konsumierten Produkts. Es geht eher um Ausleseverfahren, die später in eine Spezialisierung münden sollen. In die erwünschte Teilnahme am Produktionsprozess, den Handel mit Produkten, die Verwaltung, das Bankenbusiness. Über die Vermeidung unnötiger Produktion - man könnte auch sagen Sparsamkeit - lernt kein modernes Kind in irgendeinem modernen Land irgendetwas. Materielle Bescheidenheit als Schulthema wäre ein Tabubruch, der zwar nicht auf dem Scheiterhaufen enden würde, aber in Lachanfällen bei Lehrern und Schülern, denn Schulen von heute vermitteln Wissen von Gestern an die Erwachsenen von Morgen.

7.Kapitel Abfallende Kurve der Faszination "Bigger, better, more!" war das Motto, mit dem Präsident Clinton die

Amerikaner in's Jahr 2000 einführte. Es ist 2009 und es darf gelacht werden! Eine tiefe Rezession geht von seinem Land aus um die Welt. Echte Chancen in dieser Vielen aufgezwungenen Armut bieten sich kaum. Eine Wirtschaft aus Giganten hat dem einstmaligen Gefühl des Amerikaners, es selber zu schaffen, den Garaus gemacht. Sich als Arbeitsloser selbstständig zu machen, sprich nützlich, gelingt den Wenigsten. Arbeitslose Spezialisten haben es schwer, sich andere Wege auszudenken, als die ihnen bekannten. Ein Problem, das natürlich auch Europa betrifft. So wird darauf gehofft, die Produktion von Gütern wieder steigern zu können, egal wie verschuldet die Zukunft sein wird. Und es wird gehofft, dass der sehr verehrte Kunde wieder seine Freude an all den Sachen findet, die ohne wirkliche Alternativen sich in den Regalen türmen, dass es Schwerverletzte geben würde, wenn ein Regal umkippt. Und für die Finanzierung des erhofften Kaufrausches hat man Finanzierungsmodelle in Form von bunten Plastikkarten... Etwa so stellen sich die Herren der Wirtschaft eine “Erholung” vor. Dass nur ein Megacrash mit Entwertung von allem was auf Papier steht, die einzige Chance der Zukunft sein wird, sich von der Last von Gestern zu befreien, ist egal. Hauptsache der Crash passiert nicht UNS! Keine Zivilisation hat ihren Nachkommen so gigantische Probleme hinterlassen! Je länger ungelöst, je unlösbarer. Was sind die AUSLÖSER unseres historisch sicher einmaligen Konsumrausches? Was ist gut daran? Was sind die Probleme daran? Was ist schlecht daran, wenn der Kaufrausch um 10% zurück geht? Warum? Wie kann man als einzelner Mensch reagieren, wie SOLLTE man? Wie kann man sich selbst definieren, ausser über seinen Besitz? Was besitzen wir überhaupt? Was ist uns nur ausgeliehen worden? Was VERBRAUCHEN wir nur? Wie fing alles an...? Jugendgewalt und Gewaltverherrlichung im TV, im Kino, in

Videogames. Gewalt gegen die Natur. Bäume auf denen man als Kind spielte, stehen plötzlich nicht mehr. Gewalt im Strassenverkehr, Gewalt im Zug, Gewalt vor der Haustüre, im Treppenhaus, in der Küche.... Alles hängt zusammen, wie eine Kette. Hinter dieser Kette verknüpfter Faktoren - Vorgemachte Gewalt, Gewalt, Ersatzgewalt, Konsum... (oder UMGEKEHRT?) - gibt es einen Hintergrund, der kaum auffällt. Die abgrundtiefe Ödniss zu der unsere Art zu PRODUZIEREN geführt hat. Vom Jäger zum Bauern zum Industriebetrieb zum Büro... Eine abfallende Kurve der Faszination, verbunden mit einer angenommenen Zunahme an Sicherheit. Leben und Produktion, einstmals nebeneinander her gehend, haben sich voneinder getrennt. Alles steht einfach da, im Regal, und kann gekauft werden, wenn die erste Dimension überwunden ist, sprich das Geld da ist. Aufmerksamkeit geht daher primär in Richtung dieser ersten Dimension - und der zweiten: Die Symbolik. Ein Produkt muss gut aussehen, nicht unbedingt gut SEIN. Qualität ist kurz davor, zum Fremdwort zu werden, bzw. zum Fremdwert.

8.Kapitel Liberalität? Ja GERNE! Am Wichtigsten – nicht nur in der Schule - ist die Marke! Man ist, über was man Bescheid weiss. Die ganze Kindheit wird von dieser Einsicht geprägt. Über Marken weiss man Bescheid durch zweidimensionale (TV) Symbolik. Symbolik, nicht Inhalt, umzingelt den Menschengeist, wie seit langer Zeit nicht mehr. Wie vielleicht noch NIE! Ist der moderne global citizen auf dem Weg zum VODOO Geschöpf...? Die Aufklärung ist tot! Es lebe die Kirche, sorry, der Kommerz! Diesem modernen Glauben an Symbole wieder etwas Ratio beizufügen, erfordert nicht bloss Zurückhaltung von Kaufräuschen am Ramschtisch der Weltwirtschaft, sondern auch hoch gekrempelte Ärmel. Wer macht, hat Macht!

Leider sind wir im Westen und Norden dieses bezaubernden Planeten aber gerade damit beschäftigt, unsere bald letzten Produktionsstätten abzumontieren, um sie nach Indien zu verschiffen..., weil wir nacher in China produzieren (lassen) wollen. Ein wirtschaftlicher Schachzug, der aus einfachen Gründen nicht mehr als etwa zwei bis drei Züge weiter führt. Wer produziert, kontrolliert irgendwann die Produkte, um die sich der Zirkus der modernen Zeit dreht. Da schützen schicke Handelshäuser in Berlin, Zürich oder Barcelona nicht davor. Wer NICHTS macht, riskiert die Machtlosigkeit und hat irgendwann ausgepokert. Handel und Gewerbe räumlich komplett zu trennen, wagen sich nur Glücksspieler. Der Glaube an den Globalismus, also der Glaube, dies führe zu einer besseren, gerechteren, freieren Welt, ist eben genau DAS. Ein Glaube. Geglaubt von allen, die davon profitieren, oder hoffen, davon profitieren zu können. Weltweit eine Minderheit! Die Idee ist dem Menschen nicht unbekannt, dass jeder das produzieren soll, in dem er überlegen ist - auf nationaler, wie auch auf persönlicher Ebene - und alles andere importieren soll, KAUFEN soll, in dem die Arbeitskräfte oder Resourcen fehlen. Mit dieser Idee im Kopf produzierten Höhlenbewohner Steinäxte und zogen darauf mit hölzernen Musterkoffern durchs Land. Aus Lagerhäusern versorgte man die Leute mit feinsten Klingen... (Moorfunde in Skandinavien haben das ergeben) Dieser Grundidee den gesamten Planeten zunehmend zur freien Sinnentfaltung zur Verfügung zu stellen, zeugt aber nicht von wahrem Fortschritt! Ein noch so gut gemeinter Welthandel auf einer zunehmend VON diesem Welthandel zerstörten Welt wirkt irgendwie veraltet..., als Leitidee. Es geht aber nicht um die Frage, Welthandel ja oder nein. Das wäre eine dumme, naive, ja gefährliche Frage, die viel Gutes in Frage stellen würde. Die Frage ist vielmehr, WAS an diesem weltweiten

Austausch an Gütern ist sinnvoll? Und was ist barer Unsinn? Und WER bestimmt, was was ist? Und was werden die Konsequenzen daraus sein? Dies sind astronomisch komplizierte Fragen, die durchaus auch im öffentlichen Diskurs auftauchen sollten, nicht nur auf einsamen Gipfeln! Scharfsicht, resultierend in logisch begründbare Regeln, ist die beste Einstellung, mit der wir unsere längst nicht mehr FREIE, sondern verordnete Marktwirtschaft in - vom Verstand zumindest MITdiktierte – also vernünftige Bahnen führen können. Wobei vernünftig Nachhaltigkeit sein kann, gleich einer Uhr, deren Zeiger mit der tatsächlichen Zeit Schritt hält. Ohne Regulation von aussen, ohne Unruh, hat eine Uhr ihre Bedeutung verloren. Natürlich ist die Wirtschaft ein zu dynamisches Gebilde, um es mit einem Uhrwerk zu vergleichen, doch zeigt uns die Realität, dass es nötig ist, nicht nur zu reagieren, wenn etwas passiert, sondern eventuell zu regulieren, bevor es passiert. Wie sinnvoll ist es, Wirtschaftszweige durch Deregulation zu fördern, wenn sie gleichzeitig dafür verantwortlich sind, dass die Natur daran zu Grunde geht? (Ein gutes schlechtes Beispiel ist die Australische Zuckerproduktion in Queensland, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu den Hauptverursachern des Absterbens des Great Barrier Reefs gehört, aber trotzdem fleissig von Staatsseite subventioniert und durch Zölle geschützt wird. Betrachtet man dazu die eklatante Fehlernährung der Australier, wird klar, dass hier einzig die Zuckerbarone und –baronessen davon profitieren!) Auch ein Kyoto Protokoll ändert wenig an der Übersäuerung der Weltmeere, wenn die Emission von CO2 zum handelbaren Gut von Konzernen und Staaten erhoben wird. Damit wird nur etwas in der ersten Dimension (Geld) verändert, das Zweitländer für ihre geschützten Wälder bekommen - an der dritten Dimension (materielle Wirklichkeit) ändert sich so gut wie nichts! Es gleicht dem einstigen Ablassshandel der Kirche und bewirkt primär einen Geldsegen für alle Länder ohne Industrie, aber mit einigermassen intakter Natur. Mit

diesem Geld können sie dann Strassen asphaltieren... Ob insgesamt die Natur davon profitiert, wird die Zukunft zeigen. Immerhin ist es ein Ansatz, der zeigt, dass man die heutigen Umweltprobleme grenzübergreifend anpacken muss, um sie vermindern zu können. VERMINDERN! Ich rede nicht von beseitigt oder gelöst. Wie LÖST man Millionentonnenprobleme? Von OBEN, vom Staat? Vom Staat, ja, aber vor ALLEM indirekt, durch Bildung. Statt durch Verbote.... durch ZULASSEN! Ein etwas anderes Wort für unsere so hoch gepriesene Liberalität (Lebenskraft), aber mehr auf Junge zugeschnitten.

9.Kapitel Aufklärung reloaded: Das Kinderstimmrecht! Angesichts wahrlich gigantischer Zukunftsprobleme in so vielen Bereichen, auf die Mithilfe der Jugend, ja, der KINDER zu verzichten, wäre unverantwortlich! Wer heute 12 ist, weiss mehr über die Welt, als Anfang des letzten Jahrhunderts ein Erwachsener. Ebenso wie es den Männern schwer fiel, sich ein Frauenstimmrecht vorzustellen, fällt es heute den Erwachsenen schwer, sich ein Kinderstimmrecht vorzustellen. Und genau so, wie es damals wohl auch den meisten Frauen schwer fiel, sich VORZUSTELLEN, fällt es heutzutage auch vielen Kindern schwer, sich auszumalen...., wie es wäre...., wenn man/frau auch SIE einbeziehen würde in unseren demokratischen Prozess, auf den alle (Erwachsenen) stolz sind. Zumindest in die Belange der weiteren Zukunft tangierenden Entscheidungen, wie z.Bsp. der Atomkraft. Dass Kinder nicht fähig sind, komplexe politische Entscheidungen mitzutragen, ist ein fragwürdiges Argument. Jeder Mensch wächst an den Anforderungen, die man an ihn stellt. Eine politische Kultur, die sich AUCH an Kinder richtet, muss nicht notgedrungen kindisch

werden - sondern kann ganz im Gegenteil zu Verständlichkeit der Argumentation führen, an der es heutzutage oft mangelt! Ein allgemeines Kinderstimmrecht ist nichts weniger als Fairness gegenüber der Zukunft. Aber Kinder brauchen ihre Kindheit, unbeschwert von Politik, wird der Tenor Vieler sein! Ist dies nicht ein ähnliches Argument, wie damals, als es hiess, Frauen kochen lieber...? Kindern eine Stimme zu geben, laut und klar, und ja, machtvoll, hiesse auch, ihnen einen Ausweg zu ermöglichen aus ihren Phantasiewelten, in die sie sich zum Teil über alle Massen verstrickt haben. Und aus denen sie oft nicht MEHR mitnehmen, als ein allgemeines Gefühl der Langeweile gegenüber der Wirklichkeit. (Was ich für eine der grössten Gefahren für den Menschengeist überhaupt halte!) Kinderstimmrecht ist ein notwendiges Werkzeug im Entstehungsprozess von Regulatoren, die unsere Marktwirtschaft menschenfreundlicher und zukunftskompatibler macht. Was Kinder im Kleinen spielen, werden sie später im Grossen tun oder haben wollen. Eine Revolution der Spielzeuge ist die einzige Revolution, die ich in diesem Buch propagieren und gutheissen möchte! Spielzeuge sind oft Modelle der Zukunft. Was heutzutage den Kindern als Spielzeug vorgelegt wird, ist nicht selten eine Beleidigung der Zukunft. Ein Ausbund von Pessimismus, der Ausdruck des Bösen, des Grössenwahnsinnigen - oder lila Sondermüll für Mädchen... Von Kinderarbeitern bunt angemalter Kitsch und von Maschinen ausgespuckte Gewalt, unaufmerksam von Eltern eingekauft, im Stress. Absurd wirkende Plastikautos, die man eine Generation später auf der Strasse sieht. Sind Spielzeuge Schablonen kommender Wirklichkeit? Dann kriege ICH es mit der Angst zu tun! Spielzeuge (Ja, es gibt auch GUTE Spielzeuge!) sind eindimensional gekauft (mit Geld also) werden zweidimensional betrachtet (Repräsentieren etwas) – werden zum Entsorgungsproblem

(dreidimensional), kaum tritt man darauf. Worauf das Kind die einfachste aller Antworten lernt: Man (Papi/Mami) kauft etwas Neues. Ich erhebe nicht Anspruch auf Originalität oder gar Scharfsicht, diesen Teufelskreis bei meinen und anderen Kindern entdeckt zu haben (und bei mir selbst), brauche aber doch diese banale Einsicht, um weitere Zusammenhänge zu erklären: Dass sich Erwachsene später wie Kinder verhalten werden, die auf den Besitz von Spielzeugen fixiert sind, statt auf das SPIELEN. Dass sie parallel dazu einer todseriösen Arbeit nachgehen (Schule...), dass sie sich in ihrem dreidimensionalen Handeln wie Kinder verhalten. Ihr Leben lang. Es liesse sich sogar die vielleicht etwas originellere Annahme daraus ableiten, dass der ständige Wachstum in Länge, Breite und Höhe von Supermärkten damit zusammenhängt, dass man sich vor einem 4 Meter hohen Regal wieder so benimmt (bzw. benehmen SOLL), wie als Kind damals, als die Regale 2 Meter hoch waren. Als Erwachsener erscheinen mir die Läden immer noch gleich gross, wie damals als Kind, nur der “Rest der Welt” scheint etwas kleiner zu sein... (Wie hoch werden die Regale wohl eine Generation später sein?) Unsere auf Konsum gerichtete Kultur ist in einen Zwiespalt geraten, der kaum zu überbrücken geht. Einerseits eine knallharte Geldverdienrealität, andererseits die auf allen Kanälen beworbene Kindlichkeit in uns. Eine Form kuschelweicher Unschuldigkeit, mit der wir bitte unsere täglichen Unwichtigkeiten kaufen sollen. Bitte, Bitte...! Die Frage, ob der moderne Mensch zu nüchtern und rational handelt, oder zu verspielt und kindisch, ist nicht klar zu beantworten. Unser Handeln erstreckt sich abwechslungsweise in beide Extreme. Diese wieder in Sichtweite zueinander zu führen, dass sie sich gegenseitig kontrollieren können, ist vielleicht einfacher, als man denkt... Aber wie alles Einfache, ist diese Einfachheit schwer zu erlangen. 10.Kapitel WO sind unsere ungenutzten Potentiale – WIRKLICH?

Für die meisten religiösen Menschen ist Gott der grosse Macher. Der/die Schöpfer des Sternenhimmels, der Bäume, der Käfer. Ausserdem Richter, Moral- und Sinnstifter etc. Gott, die vierte Dimension, hat also Wirkung (gehabt) in der dritten Dimension, der Wirklichkeit. Die zweite Dimension (Symbolik) ist menschengemacht, die erste (Geld) sowieso. Die erste Dimension, da fühlen wir uns einigermassen sicher, für sie opfern wir ohne grosse Widerrede einen grossen Teil unseres Lebens. Wieviel Geld wir BRAUCHEN ist sekundär. Primär ist, wieviel können wir KRIEGEN. Im Lotto herrscht diese Einstellung bis zum Exzess. Was mit den gewonnenen 256 Millionen GEMACHT werden soll, überlegt niemand genau. Trotzdem spielen viel mehr, als wenn es “nur” 6 Millionen Gewinn im Jackpot hat. In der zweiten Dimension fühlen wir uns auch eingermassen gut, auch wenn wir uns nicht immer sicher sind in unserem äusseren Erscheinen, in unseren Statussymbolen, in der Wahl der "richtigen" Vorhänge... Letztlich haben wir aber “Schöner Wohnen” Magazine, die uns ausführlich “beraten” und all die originellen Einrichtungshäuser mit Musterzimmern. Die dritte Dimension, wo sich Menschen lange als wahre Könner fühlen konnten, jeder in seinem Gebiet, ist uns allerdings unbemerkt abhanden gekommen, als Können, als "Gewusst wie". Das uns Umgebende ist uns in Wahrheit völlig FREMD geworden! Wir machen uns Gedanken über Nuancen der Symbolik, sehen aber nur die Oberfläche, ohne Bescheid zu wissen über die Vorbedingungen, Inhalte und Auswirkungen (Ausdünstungen) des Konkreten. Dies hat Kosequenzen auf unsere Wahrnehmung, was wir als WIRKLICH betrachten. Ist dies WIRKLICH eine "Prada" Handtasche oder eine Kopie? Was IST wirklich eine "Prada" Handtasche...? WAS ermuntert, den Blick auf die wahren Eigenschaften zu richten? Ohne in philosophische Diskussionen verstrickt zu werden, was wahre

Eigenschaften sind? Was könnte als Klammer dienen zwischen symbolfixiertem Infantilismus und nüchternem Kommerzdenken? Ich versuche eine mögliche Antwort zu finden, indem ich zuerst den Menschenkörper betrachte, und frage, wie intensiv wir die verschiedenen Organe benutzen - und werde etwas kindisch... Die wichtigste Frage vielleicht, die sich ein moderner Mensch stellen kann, bezüglich seinem körpergegebenen Potential: Gibt es ein Organ, dessen Fähigkeit nicht ausgeschöpft wird, das brach liegt? Gibt es eine Art “Marktlücke” unseres Selbst...? Gibt es irgendwo an uns eine geistig/materielle "Rettungsvorrichtung", die uns vor dem freien Fall in oben erwähnten Zwiespalt bewahren könnte? Wir betrachten ja auch sonst die meisten Probleme intern, also getrennt von der Umgebung. Warum sollen wir bloss bei uns SELBER auf die externen Faktoren verweisen, die unser Leben bestimmen (Es war BILLIG...), die unser Konsumverhalten steuern? Fangen wir beim Hirn an, auf der Suche nach ungenutztem Potential in UNS. Wird das Hirn überhaupt eingesetzt im täglichen Leben, abgesehen davon zu reagieren? Regiert es auch? Eine bissige Frage, die man aber logisch leicht mit JA beantworten kann! Selbst der drögste, routinierteste Alltag wird immer noch vom Hirn orchestriert. Die Schaltzentrale Hirn langweilt sich nicht..., oft ganz im Gegenteil! Die Augen? Sind sie nicht voll offen den ganzen Tag, ewig am Scannen, am Suchen? Kaum offen für NOCH mehr Input! Die Ohren vielleicht? Akustisch betrachtet sicher nicht unterstimuliert! Über die Qualität des Gehörten lässt sich streiten, aber dass wir nichts zu hören kriegen in unseren "modern times", kann wohl niemand behaupten. Die Nase? Man gewöhnt sich an ALLES! Autoabgase, Bremsbeläge, Zigarettenrauch. Unterstimuliert scheint keines modernen Menschen Nase zu sein! Der Mund? Keine Generation hat so viel gegessen, wie die jetzige, lässt sich gefahrlos behaupten. Resultat offensichtlich. Geredet wird auch mehr als genug, wenn jemand zuhört, was aber eher selten ist. Der Bauch? Voll ausgelastet

mit Hamburger oder Cola verdauen. Keine Zeit für Nebenjobs! Die Geschlechtsorgane? In einem Zeitalter medialer sexueller Berieselung nonstop im standby mode! Also auch keine Zeit für Nebenjobs. Der Hintern vielleicht? Voll belastet! Die Niere, die Leber, die Galle vielleicht? Alle unentwegt am Herausfiltern von Umweltgiften. Die Beine? Was machen die Beine eigentlich? Nicht sehr viel! Im Vergleich zu ihrem Potential fast gar nichts. Meistens schlafen sie unter dem Schreibtisch (oder der Schulbank) und warten, bis Herrchen sie weckt, weil er Gassi gehen muss. Oder zum Lift und in die Tiefgarage. Um Sechs dürfen sie wieder ins Koma fallen, bis Programmschluss, wenn sie Herrchen zum Bett tragen müssen... Ja, die Beine. In ihnen steckt ungemütlich viel Potential, CO2 einzusparen. Also wird bereits auf BBC erklärt – wohl von BP gesponsert - dass zum Einkaufen zu LAUFEN, unter dem Strich MEHR CO2 erzeugt, als im Auto zum Laden zu FAHREN. Wegen der zusätzlichen Nahrung, die Mensch dann braucht... (Gutes Beispiel für medialen Schwachsinn!) Ebenso wie den Beinen geht es den Füssen, den entferntesten Domainen des Hirns. Die Füsse dienen fast nur noch als Grund, teure Schuhe tragen zu dürfen. Nicht Menschen. Aber auch wenn. Den Spalt zwischen gallopierendem Infantilismus und tiefgefrorener Nüchternheit können weder Füsse noch Beine überspringen! Diese Herkulesaufgabe erfordert ganz andere Handlungen, da der Spalt nicht nur übersprungen gehört, sondern zusammengezogen, ähnlich wie ein Chirurg eine Wunde zusammen zieht, mit griffigen Klammern, um zu heilen, was krank ist: Unsere Fähigkeit, zu HANDELN... Irgendwo griffige Klammern am Körper eines modernen Menschen? Ach ja, die HÄNDE! Die alten, kalten Hände, die im Laufe des letzten Evolutionsjahrzehnts praktisch in Vergessenheit geraten sind und vor Nichtgebrauch langsam absterben... Die Diskrepanz zwischen den Fähigkeiten einer Menschenhand und ihrem tatsächlichen Einsatz im Alltag - ist unheimlich! 90% vom Hirnpotenzial liegt brach, hört man immer wieder mal Spinner sagen,

aber wieviele Prozent vom HANDpotenzial liegt brach, frage ich? Die akrobatischste Aufgabe, die wir unseren Händen noch zumuten, ist, dieses bestimmte "kuschelweiche Papier" von der Rolle zu ziehen und zwei, drei oder vier Mal zu falten - je nach "Sicherheitsbedürfnis". Praktisch alle weiteren Aufgaben des Alltags liessen sich prima mit maximal zwei Fingern pro Hand erledigen, angefangen mit der Klospülung. Am wohlsten, glaubt man, fühlen sich Hände, wenn sie tief vergraben in Stoffsäcken Winterschlaf halten, oder auf Keyboards rumhacken. Aber gehören sie hier hin, die WAHREN Könner der Spezies Mensch? Es ist nicht klar beweisbar, wer das beste Hirn hat, im Reich der Tiere. Wer aber die besten HÄNDE hat, ist klar! Es mag Affen mit stärkeren Händen geben, aber kein Wesen verfügt über so GENIALE Hände wie der Homo Sapiens. Und DAS wird leicht vergessen! In der Aufklärung ging es darum, die Macht der Kirche zu mindern. Gefragt waren für die Aufklärung nicht Hände, sondern ein scharfer Geist. Denn ein stumpfer, ungenauer Geist musste besiegt werden. Zu glauben, wir packen die heutigen Probleme mit scharfem Geist, mit Bewusstsein, irrt! Im Gegensatz zum Mittelalter haben wir ein eklatant DREIdimensionales Problem, das über damalige dreidimensionale Probleme, beispielsweise keine Kanalisation zu haben, weit hinaus reicht. SEHR weit!

11.Kapitel Im Zeitalter des Weihnachtsmanns Parallel von einem sich heraus kristallisierenden Kinderstimmrecht, ist es unser Schulsystem, wo Gewichte verschoben werden sollten, um nicht zu einer einseitig intellektuell orientierten Schule zu werden. Wie GENAU diese Gewichte verschoben werden sollten, kann ich auch nicht sagen, aber ein paar Verschiebungen erscheinen mir logisch. Eine Schule, die der Fertigkeit der Hände weniger Bedeutung

beimisst, als der Fertigkeit des Kopfes nimmt den Menschen als Ganzes nicht ernst! Unsere Delegationskultur, wo niemand mehr etwas in die HAND zu nehmen gedenkt, handelt grob fahrlässig, hat keine Handhabe, keinen Handlungsspielraum mehr! Die bewusste Stimulation der Hände ist genau so wichtig wie die Stimulation des Hirns! Während eine beschäftigte Hand immer mit dem Hirn kommuniziert, ist es umgekehrt nicht unbedingt so. Denken kann man ohne Hände, die Hände aber nicht gebrauchen, ohne zu denken. Die Bedeutung der Hände liegt im Dreidimensionalen, man erfühlt oder gestaltet die Wirklichkeit, statt nur um sie zu WISSEN, oder sie (symbolisch) zu besitzen. Gerade ein Kind muss dies unbedingt lernen können! Besitz dagegen ist nur eine zunehmend abstrakte Beziehung zwischen Mensch und Materie, etwas Befühltes, und mehr noch, etwas GEMACHTES ist konkret. Und echt. Man kann sagen, wenn man etwas berührt, gibt es einen geistigen Erkenntnis"funken". Unbewusst fasst jeder Autofan gerne einen Ferrari an die Kühlerhaube, während er ihn bewundert. In Läden kann man Kinder beobachten, wie sie die Dinge ihrer Begierde oft einfach berühren und dann lachen. Frauen halten ihre Finger auf Schmuckstücke, wie um eine unsichtbare Qualität zu prüfen. Und laufen lächelnd weiter... Interessanterweise wird die Begierde danach, etwas zu BESITZEN, NICHT gesteigert durch diese unbewussten haptischen Kontakte. Der "magische Funke" zwischen Hand und Objekt FÜHRT nämlich zu einer Art Besitz. Es ist die konkrete Verbundenheit, die man zu etwas hat, das man berührt hat. Man hat sein ICH erweitert durch die Berührung des ES. Ein Akt der Freiheit, könnte man sagen... Und allzu oft reicht dies - was aus kommerzieller Sicht unbefriedigend ist! Also verpackt man zunehmend Produkte wie in kleinen Schaufenstern, wo man sie zwar sieht, aber nicht berühren kann. Besonders bei Spielzeugen ist dieser Trend unmöglich zu übersehen. Man verschweisst praktisch alles in durchsichtige PET-boxen, die man ohne Teppichmesser kaum aufkriegt. (Das andere Problem ist, dass das Teppichmesser auch so verpackt ist...)

Um dem Müllberg Herr zu werden, propagiert man seit Jahr und Tag, dass man weniger luxuriöse Verpackungen einsetzen möge - ohne sichtbaren Erfolg. Warum? Auf zwei nebeneinander liegenden Verkaufstischen mit identischen Produkten, die man sowohl eingepackt, als auch uneingepackt kaufen kann, wird meistens zuerst der Tisch mit den verpackten Produkten leer sein. Auch wenn die Verpackung technisch unnütz ist und keine wichtige Information bietet. Es scheint, dass dem Verhalten, verpackte Produkte unverpackten vorzuziehen, etwas fundamental Wichtiges zu Grunde liegt. Vordergründig mag es mit Hygiene zu tun haben..., aber dahinter verbirgt sich etwas anderes: Die Selbstbelohnung. Zunehmend autark in den meisten Bereichen, lebt man individuell, sprich ohne Partner, Familie oder Clan in thermostatgesteuerten Wohnungen. Eigene Waschmaschine, Brotbackmaschine, Heimkino. Und “natürlich” eigenem Büro in der Wohnung - von wo aus das Projekt ICH verwaltet wird. Also ist man sich auch selbst der Weihnachtsmann. Ist man sich SELBST sein nächster Freund, ist nichts schöner, als von ihm andauernd beschenkt zu werden... Wir nähern uns nicht dem Zeitalter des Wassermanns, sondern des Weihnachtsmanns! Ein Zeitalter aus fünf Monaten Vorweihnachtszeit, einem Abend Weihnachten und sieben Monaten Nachweihnachtszeit. Nächstenliebe - eigentlich mal die Idee des Weihnachtsfestes - ist zum Akt der Selbstbereicherung geworden. Symbolisch betrachtet sind viele Läden zu ewig grünen Weihnachtsbäumen geworden, unter denen man/frau rund ums Jahr Weihnachtsgeschenke abholt. Wenn schon das Leben einem nichts schenkt, beschenkt man sich selbst! Und nur etwas Eingepacktes trägt die Aura des Geschenks, da der feierliche Akt des Auspackens zuhause stattfindet, im nach aussen isolierten Privaten. Paralellen zur Sexualität sind unübersehbar, der Akt des Auspackens gleicht dem Akt des Ausziehens eines (neuen...) Menschen. Freud hätte am heutigen ENTpackungsfetischismus seine

helle Freude gehabt... Die wirtschaftlichen Gründe dahinter scheinen relativ offensichtlich, ich erhebe keinen Anspruch auf Originalität, darüber Worte zu verlieren. Originell werde ich eventuell, wenn ich postuliere, dass der höchste sexuelle Wunsch - nämlich die Entjungferung - sich AUCH in unserem Konsumverhalten niederschlägt. Nicht nur bei Männern... Der WUNSCH nach Verpackung, die zuvor nicht geöffnet werden KONNTE, das Siegel, der unverletzte Hymen, AUCH um das geht es; aber nicht NUR, denn auch das Produkt SELBER möge unberührt sein..., von fremden Menschenhänden! Das Resultat eines WUNDERS also! Ein Geschenk, wenn schon nicht Gottes, so doch immerhin wenigstens einer Form moderner Zauberei. Zauberei, die wir zwar SO nicht vermuten, aber die uns diese ERSETZT (die verloren gegangene Magie der Natur), weil - wie gesagt - uns jegliches Wissen über den Werdegang eines Produktes unbekannt ist. Und unbekannt bleiben wird, da wir es ebenso wenig wissen wollen, wie ein Kind die Wahrheit über den Weihnachtsmann NICHT wissen will. VOR unseren Produkten ist - trotz aller Konsumtipps und - magazine die Aufklärung in die Kniee gegangen. DAHINTER nicht, denn sie ist die GRUNDLAGE moderner Produktion! 12. Kapitel Die Aggregatzustände des Besitzes Um der gut gemeinten Aufklärung wieder eine Chance zu geben in unserer Generation und den darauf folgenden, sollte man die Produktionsproblematik in kleinere Teile zerlegen, um sie besser zu verstehen. Im Bezug auf unser kommunikatives DENKEN gibt es drei Aggregatzustände - vielleicht auch mehr, aber das ist hier unwichtig ähnlich dem Wasser, das es als Dampf, Flüssigkeit oder Eis gibt. Ein Gedanke ist vielleicht wie Dampf (unsichtbar), ein gesprochener

Gedanke, also Reden, ist wie Wasser (sichtbar aber noch ohne Halt), und aufgeschrieben wird die Rede, die dem Gedanken entsprang, zu Eis. Zu einer kristallinen, festen Struktur. Gegenüber einem Produkt verhält sich unsere Beziehung ähnlich. Zu WISSEN, dass es das Produkt überhaupt gibt (Gedanklich/via Werbung), es zu sehen und zu BERÜHREN (Kommunikation), es zu besitzen in seiner herauskristallisierten 3-D Form (Niedergeschrieben) - die letztlich erstrebte dritte Aggregatsbeziehung gegenüber dem Materiellen: der Besitz. Mit oben skizzierten Schritten nähert sich fast alles Materielle der "Mitte" unseres Lebens, unseres vermuteten Wohlstandes. Nicht alles schafft den Weg vom Wissen darob bis zum Besitz. Aber die schiere Möglichkeit, dass es das KÖNNTE, hält auf Trab. Und die Arbeiter in Schwung. Und den Erdölverbrauch bei 80 Millionen Fass pro Tag. Eine der Hauptaufgaben einer mit den Anforderungen unserer Zeit gehenden Schule sollte es sein, diese Aggregatzustände auf dem Weg zum Besitz zu durchschauen. Und immer wieder zu STÖREN mit einer konkurenzierenden Kausalkette. Die zwar neu wirkt, aber so alt ist wie die Menschheit. Statt Denken, Berühren, Kaufen, AUSdenken, Planen, Bauen. Endzustand ist ebenso Besitz. Aber durch eine andere Art der Entstehung entsteht ein anderes BesitzGEFÜHL. Statt Information (Werbung) einer "Alles-ist-fertig-Wirtschaft", die Inspiration einer "Wie-könnte-man-es-AUCH-machen-Philosophie". Statt ahnungslosem Besitz ohne Grund zum Stolz - ausser dass man das Geld hatte - Befriedigung, dass man es SELBER gemacht hat, bzw. die Gruppe, der man angehört (Schulklasse, Schule, Familie). Das hört sich jetzt vielleicht mächtig nach einer Propagierung des Häkelkurses für Mädchen an und des Schnitzkurses für Buben - wenn auch kompliziert dargebracht... Und genau DAS ist die Blockade in unseren Köpfen, die überwunden werden sollte! Hände können so viel MEHR!

Wir diskutieren über neue oder andere Denkweisen ohne Ende; aber letztlich geht es um HANDLUNGSWEISEN. Deren Zentrum die Hand ist, deren Land die Tat. Um ALLERletztlich - in der vierten Dimension eine Art Zufriedenheit oder Erfüllung zu finden, die etwas DAMIT zu tun haben könnte, dass das, was uns UMGIBT - zum Teil mindestens – nicht mehr FREMDE ist! Nicht aus einer Maschine gespuckt kommt, nicht von anonymer Sklavenhand auf der anderen Seite der Welt gemacht wurde, nicht vom Mond stammt... Eine "Hands-on-culture", wie es die Amerikaner nennen würden, ist so weit von uns entfernt - von unserem mitteleuropäischen Neuzeitleben - dass es so aussieht, dass man sich ihr nur noch annähern kann, da eine weitere Entfernung fast nicht möglich ist. Immerhin EIN Hoffnungsschimmer... 13. Kapitel: (Fast) jede Idee hat ihre Zeit in der sie richtig ist! Ein Rundgang durch die Shoppingcenter der Welt zeigt eine so verblüffende Vielfalt an Produkten, dass man leicht dem Irrglauben erliegt, es gäbe langsam praktisch ALLES! Es ist schwer, in diesem Dickicht System zu erkennen (oder gar eine Marktlücke). Oder einen Wunsch zu haben, der noch nicht erhältlich ist. Also, es FLIMMERT, wenn man in ein Shoppingcenter geht... Man mag sich kaum eine so schwer wiegende Frage zu stellen, wie die nach der Nützlichkeit des "Ganzen" - höchstens nach der Zweckmässigkeit einzelner Komponenten. Wie die Schöpfung den Mensch hervor gebracht hat, hat der Mensch SEINE Schöpfung vollbracht. Gibt es mehr Lebensarten auf dieser Welt, oder mehr Produktarten? Aus kindlicher Perspektive betrachtet - sie bringt uns oft weiter - gibt es im Shoppingcenter lauter grosse, kleine, laute, leise, schnelle oder stehende Wesen. Mit oder ohne Leuchtaugen, Antennen, Fell, Saugnäpfen, Zeigern, Haken, Schalen, Türen und natürlich Schwänzen (Kabeln). Es krabbelt und es wimmelt im Zoo menschlicher Erzeugnisse. Es gibt essbare UFO's (Hamburger),

Vanilleeis scheissende Quadratkühe, gelbe Plastikaffen in Bückstellung, die unter dem Namen "Stühle" für 199 Franken/Dollar/Euros verkauft werden. (Weil 200 zuviel wäre...) Es flimmert! Popcornmaschinen aus matt gebürstetem Chromstahl, die materiell Tausend Jahre halten - aber spätestens nächste Weihnachten funktionell kaputt sind . Und im “Stall” vor den Shoppingcentern warten zahme Dinosaurier, die im Moment noch solange fossiler Brennstoff vorhanden ist - AUTO genannt werden. Selbst. Ingenieure auf der ganzen Welt arbeiten an der Entwicklung des Autopiloten für das Auto. (Ist es übertrieben, zu sagen, das mächtigste Produkt der Erde hat sich spätestens dann verselbstständigt? Ist aus unserem zentralen Bedürfnis nach Unabhängigkeit selber in's Zentrum gerückt und in sich selbst unabhängig geworden - vom Zweck; also ein Sichselbstgeschöpf geworden?) Mensch ist gross! Bloss, wie kann der Homo Sapiens Herr seiner eigenen Schöpfung werden? Hat es denn Gott etwa geschafft? Müssen wir etwa KLÜGER werden, als Gott? Zumindest von Weitem betrachtet, ergibt Gottes Schöpfung einen Sinn, und wenn es "nur" ist, dass die Erde schön und zeitlos ist. Dass sie, trotz vorhersehbarem Hitzetod in Jahrmillionen, eine Zeit überdauert, die - der Mensch sei getröstet - DIE Zukunft einschliesst, ohne Wenn und Aber. Wenigstens DIESES Problem haben wir nicht... Konkret leben wir auf einer Insel in den Weiten leeren Alls. Eine letztlich ruhende Insel (und sie bewegt sich doch nicht...) mitsamt Sandstrand, Palmen und etwas Wasser und Luft, damit die hier ansässigen Insulaner gut durch die Zeit kommen. Die sich neuerdings das Leben schwer machen, ob Millionen ausgedachter Kreaturen, die mit ihnen um Wasser und Luft konkurenzieren, als wären sie... Ja, WER eigentlich?

Wenn Dinosaurier nicht ausgestorben wären, gäbe es jetzt wohl keine Menschen, gäbe es keine Autos, die mit kompostierten Dinosauriern und Urwäldern von damals (Erdöl) herumfahren. Jede Idee hat ihre Zeit in der sie richtig ist. Das Auto war mal toll, hat aber unsere Welt an den Rand des ökologischen Kollapses gefahren. Das Auto, der motorisierte Einkaufskorb. (Es gibt EINE, wenn auch nicht politisch durchführbare technische Änderung, die den Dinosaurier namens Benzinauto schnell aussterben lassen würde. Sie ist einfach, aber sehr effizient. Man muss nur den Auspuff INNEN im Auto anbringen, statt aussen... Die Nettoumweltbelastung wäre dieselbe. Aber nicht LANGE. Cabrios wäre plötzlich MEGA in! Ein Bonus für die Wirtschaft also...) Zugegeben, ich liebe manchmal das Absurde! Verzeihen Sie mir, liebe Leserin, lieber Leser! Aber viel mehr als das Absurde, liebe ich das Praktische. So mobil wir geworden sind, so festgefahren ist doch gleichzeitig unsere Mobilität. Das eine Extrem beinhaltet oft das andere Extrem. Die in's Exzess getriebene Globalisierung der Wirtschaftsabläufe, Medien, als auch Kultur, fördern zunehmend wieder einen altbackenen Regionalstolz. Praktisch simultan und weltweit. Dass diesem von mir als Regionalstolz beschriebenen Phänomen der Boden fehlt, steht auf einem anderen Blatt. Kann man sich mit einer typischen Regionalidentität brüsten, wenn alles von woanders kommt, selbst das Viehfutter? Später mehr zu diesem Thema! 14. Kapitel Behindertes Handwerk der Gegenwart Zurück an die Schule. Nach einer Tour d'horizont durch die Warenwelt ist AUCH offensichtlich geworden, wieviele Werkzeuge, Techniken und Materialien erhältlich sind, aus denen, oder mit denen etwas GEMACHT werden KANN. Es flimmert nicht nur, es bohrt, es sägt, es malt und näht auch. Aber: Keine Generation, so wage ich zu behaupten, hat ein derartiges Potenzial an Machbarem zur

Verfügung gehabt - und hat KONKRET so Wenig daraus gemacht. Abgesehen von den sich erst kürzlich ergebenden Möglichkeiten des Computers und Internets. Wo bleibt aber die Echtheit des Lebens, wenn man seine Identität, sein Können, sein Wissen nur noch auf einem Bildschirm beweisen will..., kann..., nein MUSS? Mein vorgetragener Ruf nach handwerklichem Können und Verständnis von Materialien als wichtiges Pflichtfach an Schulen hat etwas anachronistisches an sich. Aber ist es das? Sind solche Fähigkeiten nicht ebenso wichtig für die Zukunft, wie sie für die Vergangenheit waren? Wenn auch aus teils anderen Gründen? Die Gegenwart ist vom Resultat her ein materialistisches Zeitalter, aber vom Verständnis her nicht wirklich - warum also nicht das konkrete, dreidimensionale Talent im Menschen fördern? Statt es nur Maschinen zu überlassen, nur den Chinesen zuzumuten? Die Ruhigstellung der Hände durch die industrielle Revolution hat zu einer Entfremdung des Menschen beigetragen von seiner konkret ihn umgebenden Wirklichkeit. Die Folgen davon sind unter anderem Jugendliche, die wie unter Trance einen Joint nach dem anderen "bauen", da ihre Hände Beschäftigung suchen. Wo können Junge noch ihre Hände gebrauchen, ausser zum Drücken von Knöpfen? Dabei haben wir leichten Zugang zu Techniken - traditionellen und modernen, zu exotischen und fast vergessenen - unter Anderem DANK dem Internet. Wir haben flugzeughangargrosse Heimwerkerläden voller Werkzeuge, Materialien, von Farben bis Seilen, Holz und Stoff jeglicher Farbe. Alle Bausteine unserer Alltagskultur stehen zur Verfügung. Was fehlt, ist eine Initialzündung in Form eines SINNS, der sich gerade für Junge - daraus ergibt, diese Bauteile in die Hand zu nehmen und etwas damit zu MACHEN. Hinderlich ist mit Sicherheit das absurde Überangebot an billigem Fertigem, von Schmuck über Kleider bis zu Möbeln. Wo - scheinbar - alles schon existiert, besteht

wenig Anlass, Neues zu schaffen. Ein weiteres Hindernis bei der Förderung manueller Kreativität ist der Anspruch an Perfektion, der mit dem Berufsethos des traditionellen Handwerks zu tun hat und andererseits mit der “überheblichen” Perfektion alles maschinell Erzeugtem, die zunehmend zum Masstab wird. Perfektion hat seine Berechtigung in vielen Bereichen unseres technischen Daseins, aber in anderen Bereichen, im dekorativen Sektor beispielsweise, ist Perfektion unnötig, wenn nicht sogar hinderlich. Ein Rad MUSS präzise rund sein, aber ein Gartentisch, ein Hut, ein Spiegel nicht. Dieselbe Präzision von Dekorativem, wie von der Technik zu fordern, führt zu einseitigen Wirtschaftsstrukturen, da mit denselben Maschinen, bzw. mit denselben (rationalisierbaren) Methoden, mit denen Felgen produziert werden, letztlich auch unsere Gartentische, Campinggrills und Schirmständer gefertigt werden. Der Mensch passt sich damit an die Technik an, mit verheerenden Folgen für die Weiterentwicklung einer nichttechnischen Kultur, deren Existenz und Daseinsberechtigung von der Technik keinesfalls in Frage gestellt werden müsste, noch sollte. Eine NICHTtechnische Kultur, was ist das, kann es das überhaupt (noch) geben, wo jeder Tropfen Ölfarbe aus einer Raffinerie kommt, der Schaumgummipinsel aus Schanghai? Kindlich betrachtet: Er KÖNNTE auch aus dem Wald kommen, dem Stadtpark... Pinsel wachsen auf Bäumen. Farbpigmente sind in Blättern, in der Erde, in Federn. Es wimmelt ja an Büchern, die genau solche Möglichkeiten aufzeigen! 15. Kapitel WAS ist “minimal design”? Natürlich gibt es eine zumindest (un)technisch mögliche - technisch unmögliche... - Kultur! Ich nehme hier als ein Beispiel von sehr vielen die gewöhnliche Astgabelgarderobe (“Garderobus Silva Brutus

Doityourselfiensis...”). Minimalistisch nicht im Styling, aber in der Herkunft. Absolut Bio! Wiederverwertbar als Hundespielzeug, ohne ökologische Schäden entsorgbar, CO2 freundlich, eigentlich ein absolutes MUSS...! Eines von denkbar vielen Puzzlesteinen, aus denen unsere Kultur besteht: Die Garderobe. Eine Garderobe aus Chromstahl hält dagegen ca. 1000 Jahre, ohne sich zu verbiegen! Ihre betonte Schlichtheit in der zweiten Dimension, ihrem LOOK, steht einer absurden Komplikation in der dritten Dimension gegenüber, die aber nicht zu erkennen ist. (Die Astgabelgarderobe mag nicht jedermanns Geschmack sein, aber Hand auf's Herz, haben SIE mal richtig hingeschaut, wieviele Formen von Astgabeln es gibt? Wenigstens die AUSWAHL wäre RIESIG!) Und die Astgabelgarderobe wäre ECHT! Eine echte Astgabel... Die Chromstahlgarderobe ist im Vergleich dazu undurchschaubar in ihrer hintergründigen Realität. Sie ist weder echt, noch unecht. Sie soll nebst ihrer Funktion die Ästhetik des Hausherrn repräsentieren, der sich – vielleicht als Ausgleich zu seinem komplizierten Leben - nach formaler Schlichtheit in seinen eigenen vier Wänden sehnt. Ich frage mich, ob dies nicht eine Fehleinschätzung von ihm ist. Ganz einfach deshalb, weil durch die Herstellung solcher Produkte das materielle Chaos in der Welt geradezu gefördert wird, von TATSÄCHLICHER Schlichtheit am Ende keine Rede sein kann. Das Reduzierte ist in Wirklichkeit nur Schein. Schlichtheit schlicht gelogen. Ich bin Augenzeuge geworden, wie über Jahre ein Gebiet ehemals geordneter Natur - sie ist ironischerweise ökologisch so wertvoll, dass sie fast von der UNESCO als Weltnaturerbe deklariert worden wäre "umgebaut" wurde in eine Nickelmine, das zur Herstellung unter anderem von Chromstahl benötigt wird. Riesige Gebiete sind bereits zur Steinwüste verkommen, auch wenn hier und da Bäume gepflanzt werden. Ein Beispiel von vielen auf dieser Welt. Jeder weiss das... Hier hinterlässt der um Schlichtheit bemühte Designfreak sein

jämmerliches Chaos. Weit weg, ausserhalb seines Horizontes. Die industriellen Prozesse bis seine Chromstahlgarderobe an der schneeweissen Wand hängt, erzeugt endloses Chaos. Was für ein Aufwand, um ein paar Jacken aufzuhängen! Was für ein schönes Projekt aber auch für Schulen, um den Kindern die Hände aus den Taschen zu ziehen, durch das ZULASSEN eigener Ideen. Verbunden mit Prinzipien, die dadurch erklärungsbedürftig werden. Als kindlicher Anfang, Logik und Umweltgerechtigkeit in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. In 3D. Ein Anfang von vielen! Es tönt gut, sich Gedanken zu machen, über die grössten Umweltverschmutzer, wie das Auto, Klimaanlagen oder die Heisswasserzubereitung. Aber zu all diesen Fragen sind die Antworten viel komplexer, als zu den kleinen Problemen, wie die Chromstahlgarderobe, die, aus menschlicher Perspektive, EWIG da sein wird. Vielleicht drei Jahre von Nutzen, den Rest nutzlos und dumm. Natürlich kann man fast alles recyclen, doch ändert dies nicht viel, da dies in einem industriellen Prozess geschieht, der spätestens zum Erliegen kommt, wenn der Hochofen aus ist, die Energie, das Öl zu Ende ist. Der mir beim Schreiben dieser Zeilen bereits hörbare Ausspruch aller Chromstahlliebhaber heisst: Es gibt keinen Weg zurück! Ich frage ganz höflich zurück: Warum nicht? Erstens gibt es hoffentlich nicht nur einen Weg, sondern deren viele. Das ist eines der grossen Probleme unseres technikversessenen Zeitalters: Dass man glaubt, es müsse ALLES hochtechnisiert sein, bzw. hochtechnisiert hergestellt sein, was im Endeffekt dasselbe ist. So wird dann auch die “minimalistische” Garderobe mit einer Laserwasserwaage ausgerichtet, damit sie auf den Viertelmilimeter genau gerade hängt. Muss das sein? Ja, es MUSS, denn Minimalismus verlangt Präzision, sonst stört "etwas". Minimalimus hier, Fototapete dort, egal: Des Kaisers neue Kleider sind zum Schnittmuster der Moderne geworden! Vielleicht sind es

wieder Kinder - die Erfinder der Sprache - die es schaffen, die Lüge hinter den naturfarbenen Gardinen (100% Polyester) zu benennen. Es wäre zwar nicht immer angenehm..., aber letztlich im Interesse Aller, nicht nur der Kinder der Kinder. Wie Kinder, die nicht wissen, woher Kinder kommen, steht der Erwachsene im Jahr 2009 vor einem peinlichen Rätsel, wenn er und sie gefragt werden, WOHER kommt all dieser Weihnachtsschmuck, kommen all diese Designprodukte in unseren Zimmern, in unserem Alltag. Aus WAS ist etwas? Um dieses Unwissen zu beseitigen, braucht es eine radikal modernisierte Art von Handwerksunterricht an der Schule. Mehr Materialien, mehr Werkzeuge, mehr Techniken. Alles ist da! Aber letztendlich geschieht nur etwas Sinnvolles durch Regeln, auch hier: Mit einer Kaskade von Fragen, nach dessen Beantwortung man weiss, was MÜLL ist - und was WERTVOLL. Diese Fragen könnten lauten: Aus WAS wollen wir etwas machen? WOHER stammt das Material? Ist es giftig oder ungiftig? Führt der Gebrauch dieses Materials zu einem Verlust in der Natur, der im Vergleich zum Nutzen nicht hinnehmbar ist? (Definition von Werten). Führt die Herstellung zu unerwünschten Nebeneffekten? WAS kann daraus hergestellt werden? (Phantasietraining/ Brainstorming) Gibt es einen PRAKTISCHEN Nutzen? Kann es etwas ersetzen, was man bereits HAT? Ist es SCHÖN? (Ästhetische Werte entschlüsseln) Lässt es sich von Hand bearbeiten, braucht es Werkzeuge oder Maschinen? Ist es letztlich SCHÖNER, wenn es von Hand hergestellt ist und nach Augenmass, oder mit einer Maschine und einem Lineal? Hätte Präzision einen Zweck, oder wäre es nur Gewohnheit, es präzise zu machen? Passt es etwa “einfach nicht”...? WARUM? Und DANN: Welche Resourcen werden NICHT gebraucht, wenn man etwas SO macht? Und die nächste grosse Frage: WAS könnte man aus den gesparten Resourcen SONST herstellen? Ein Chromstahlwaschbecken für ein Spital in Afrika vielleicht? (Vernetzte Ethik) Usw. Die Astgabelgarderobe steht hier natürlich nur als Beispiel, als Symbol des in der Schule Machbaren. Die Technik der Autos und wie

man sie verbessern könnte ist kein Stoff für die Primarschule, aber das heisst nicht, dass man sich nicht an X nichttechnische Produkte oder niederschwellig technische Produkte wagen kann. Der Mensch lebt nicht von High Tech alleine! Auch Kinder nicht!

16. Kapitel Schule der Blumen und Bäume Es ist wichtig, der sich rapide ausbreitenden Ahnungslosigkeit gegenüber unserer Dingwelt mit einer Formel aus Sinn und Verstand zu begegnen. Auch damit die Hand nicht ihre Aufgabe verliert in dieser theoretisch voll automatisierbaren Welt. Damit es gelingt, dem Automatismus der Idee der Automatisierbarkeit Herr zu werden! Mehr Handarbeit im Schulunterricht, und der (an)gelernte Schreiner Gerd Fehlbaum behauptet, dass sich damit unsere verflixt fragwürdige Zukunft irgendwie meistern lässt.... Wieviele Akademiker (die klugerweise dieses Buch lesen) sind bereits am Hüsteln? Ich bitte um Geduld! Um die Chance, Querschlüsse aus dem bisher Gesagten ziehen zu dürfen, die sich logisch ergeben, aber nicht sofort auffallen. Ich habe ja erst auf "dem Markt" (der Ideen) ein paar frische Zutaten geholt. Jetzt geht's an's Kochen, meine Damen und Herren! Die Auswirkungen einer gesteigerten Aufmerksamkeit gegenüber der dritten Dimension - von Deko bis Nutzvoll - lassen sich ausweiten in den Bereich der notgedrungenen Dreidimensionalität. Dem Essen und Trinken. Ebenso undurchschaubar, wie der Werdegang und die Herkunft eines Plastikspielzeuges ist die einer Fertigsuppe, einer Eiscreme oder die neuesten Frühstücksflocken mit "Wohlfühlkonzentrat". Nahrung ist heute so bunt verpackt wie Spielzeug! Die Regale im Supermarkt sehen aus wie die Regale in Spielzeugläden. Essen wir Spielzeuge?

Auch dieser Frage lässt sich nachgehen, wenn man die Komplexität moderner Nahrung in ihre Bestandteile zerlegt. Eine interessante Aufgabe, nicht nur für Mädchen und nicht nur im Chemieunterricht, denn es grenzt fast an Wunder, mit wie WENIGEN Zutaten wieviele verschiedene Nahrungsmittel "entstehen". (Zauberei auch hier...!) Vielfalt besteht vor allem in den Zusatzstoffen. Ein breites Verständnis der Grundnahrungsmittel und wie einfach daraus gutes Essen zubereitet werden kann, ist dringend erforderlich auf dem Weg in die Zukunft. Es gibt in diesem Gebiet Kochkunstinterpreten - wie Jamie Oliver - die in der Richtung für Aufklärung sorgen. Thanks Jamie! Spätestens hier kann auch das Interesse für Pflanzen geweckt werden. Pflanzen, die im Rahmen des Schulunterrichts gesät, gepflegt, geerntet und später zubereitet werden. Alles was es braucht, sind Blumenkästen vor und/oder hinter den Fenstern. Mit dem angenehmen Nebeneffekt einer verbesserten Luftqualität, die gerade in Schulen fragwürdig ist. Erst wer einen Samen gesät hat, der danach keimt, den man hat wachsen SEHEN (man hat ja Zeit in der Schule...), und den man dann am Schluss ernten und zubereiten darf, erst wer diesen Naturzyklus begreifen darf, wird verstehen, dass wir Menschen von Pflanzen abhängig sind - und diese auch von uns. Ein regelrechter Schulgarten müsste schon längst selbstverständlich sein, leider ist er die rare Ausnahme, obwohl der Platz meistens vorhanden wäre. Die Nutzung von Dächern zum Anbau von Nahrung ist logisch begründbar und oft technisch kein Problem, besonders wenn Handwerkskenntnisse zum Schulunterricht gehören, ebenso wie Mathematik, mit der sich am praktischen Beispiel die Durchführbarkeit eines solchen Projekts ausrechnen lässt. Ein ganz einfaches Projekt mit hohem Lernpotential... ist die Umwandlung eines Autoparkplatzes in einen Gemüsegarten, weil ein paar Lehrer bereit sind, mit dem Fahrrad zur Schule zu kommen, statt mit dem Auto. Man muss nicht gleich den Asphalt weg kratzen - wozu unglaubliche Mengen Energie nötig sind - sondern kann aus Schichten von Ästen aus dem Wald ein Fundament und einen

Rahmen machen und diesen mit Erde füllen, die auch aus kompostiertem Küchenabfall der Haushalte der Schüler stammt. Wodurch Abfälle zu trennen plötzlich OFFENSICHTLICH Sinn macht. Es ist verblüffend, was mit entsprechendem Wissen und bewusst geförderter Geduld auf der Fläche EINES Autoparkplatzes wachsen kann! Auch die oft verkümmerten Spielplätze lassen sich in ihrer Bedeutung leicht ausweiten, wenn sie nebst den Standartspielgeräten mit Nutzpflanzen "garniert" werden. In solchen Projekten kann die praktische UND theoretische Fähigkeit der Jugend gefördert werden, als auch Teamgeist, vom KinderGARTEN bis zur Uni. Das Wissen um die Welt der Pflanzen kann nicht hoch genug eingeschätzt werden, während das Wissen um Tiere und ihre Aufzucht weitgehend nutzlos ist. Es gibt keine wirklichen Nutztiere mehr - im Gegensatz zu Nutzpflanzen - sondern eigentlich fast nur noch Nahrungskonkurenten gegenüber Menschen. Ich will damit nicht sagen, dass Tiere nichts bedeuten! Aber wenn 90% aller Säugetiere der Erde (von der Masse her, also Gewicht) entweder Menschen, oder menschliche Nutztiere oder Haustiere sind, stimmt etwas nicht im Verhältnis zwischen Mensch und Erde! Fleischkonsum ist alleine schon eines der grössten globalen Umweltprobleme. Kombiniert mit dem Fleischhunger der Abermillionen Hunde und Katzen droht ein "Erklärungsloch" - für Millionen Menschen, die jedes Jahr verhungern. Das heisst nicht unbedingt, dass man wegen dem zum Vegetarier werden muss (finde ICH), nur, dass die Gewichtung dieser zwei grundverschiedenen Nahrungsformen (tierisch/pflanzlich) verschoben werden muss, wenn man an Zukunft glauben will. Mit genug Wasser und Anbaufläche für eine immer noch wachsende Menschheit. Die Begründung dieser Neugewichtung liegt wie so vieles in der Erziehung, und speziell in der Schule, die das Thema Nahrung gründlich "durchkauen" sollte. Und sich als logischem nächstem Schritt mit den medizinischen Qualitäten von Pflanzen beschäftigen sollte. Ein mit der Wunderhaftigkeit des Alls konkurierender

Mikrokosmos an Wundern, der aber bedeutend näher an der Wirklichkeit des Menschen und seinen Ansprüchen an ein gesundes Leben steht. Ein weites Feld feinstofflicher Dreidimensionalität, das vor heutigen Schulen als unerkannte Möglichkeit brach liegt und wohl AUCH in falsch verstandenem Respekt gegenüber der industriellen Pharmazie weitgehend ignoriert wird. Dass sich daran etwas ändert, ist annehmbar, doch den Kindern will man die Komplexität lange bestehender medizinischer Alternativen nicht zumuten, obwohl gerade sie offen sind - nun ja, weil sie Kinder sind - für fast ALLES!

17.Kapitel Gegenposition Bevor ich mich mit den ökonomischen Seiten der skizzierten Neugewichtung praktischer Kenntnisse und manueller Fähigkeiten beschäftige, unternehme ich den Versuch - ebenso skizzenhaft - alles bisher Gesagte von einer Art Gegenposition zu hinterfragen: Unter welchen Bedingungen ist es akzeptabel, dass die Warenwelt undurchschaubar ist, dass Produkte von weit her kommen, dass sie chemisch/materiell "ewig" halten - unverdaubar sind für die Natur dass die tägliche Nahrung ebenso undurchschaubar und überverpackt ist wie Spielzeug, dass die Pharmazie sich hinter Patenten und Markennamen versteckt? Unter welchen Bedingungen wäre es gleichgültig, ob der Mensch seine Hand, als fähigstes Werkzeug von allen, wiederentdeckt? Einfach gesagt, wenn unser Verlangen nach dreidimensionaler "Unterhaltung" nachhaltig funktionieren würde, wenn der weltweite Güterverkehr keine irreparablen Schäden an der Natur bewirken würde, wenn unsere 1000 Jahre haltbaren Chromstahlprodukte auch 1000 Jahre benutzt würden, wenn die moderne Ernährung nicht zu Krankheiten und Übergewicht und ausgelaugten Ackerböden führen

würde, wenn die industrielle Pharmazie zu einer Abnahme der Krankheiten und einer Steigerung der Gesundheit führen würde... Ich weiss, dass ich mich mit den letzten zwei Argumenten in eine Zone manövriert habe, die debattierbar ist, da es hier nicht um ein Entweder/Oder gehen kann, sondern "nur" um eine Neugewichtung entlang dem Menschlichen Mass. Was das Menschliche Mass IST, darüber kann diskutiert werden in einer Zeit genereller Masslosigkeit. Also Absenz von Masstäben, nach denen man sich richten kann. Eine letztlich philosophische Frage, die keineswegs überflüssig ist. Was philosophisch bewertbar ist – und relevant - sollte philosophisch diskutiert werden. Nicht nur am Ende, sondern auch am Anfang. Nicht nur von Erwachsenen, sondern auch von Kindern. Wir merken sonst nicht, wie die Luftqualität ist, wie Bäume um uns herum in der Nachbarschaft zugrunde gehen und sang - aber nicht klanglos - eines frühen Morgens von Gemeindearbeitern abgesägt und "entsorgt" werden. Wir hören es, spüren aber die Wichtigkeit kaum, wenn plötzlich keine Vögel mehr singen. Wir haben die Umwelt Anderen überlassen. Organen des Gemeinwesens, Gesetzen, den Bedürfnissen des Autoverkehrs. Direkt neben uns beginnt nicht die Nachbarschaft, sondern eine ferngesteuerte Fremde. Vielleicht würden wir es mit allen Sinnen spüren, hätte sich die Fremde nicht längst auch in unsere Wohnungen geschlichen und als Produktfremde bequem gemacht. Vielleicht würden wir es mit der Angst zu tun kriegen, hätten wir keinen Fernseher, der den zentralen Platz in unserem wichtigsten Raum besetzt hat. Um uns die Fremde erträglich erscheinen zu lassen, indem er eine noch grössere Fremde zeigt. Den Horror der grossen weiten Welt.

18.Kapitel WAS ist eine humane Zukunft? Eine Reform des Bildungssystems, das dieser Ablenkung durch

Fremde entgegenwirkt, ist schwer zu erreichen, da die meisten Lehrer das Resultat eines Ausleseprozesses sind, wo das Verständnis abstrakter Naturwissenschaft höher bewertet wird, als vernetztes Denken bezüglich unseres konkreten Alltages. Einerseits wird gelehrt, wie sich die Entwicklung der letzten Generation in der nächsten fortführen lässt. Andererseits ist jedem logisch denkenden Lehrer klar, dass ein Kurswechsel in fast allen Dimensionen menschlicher Wirklichkeit stattfinden sollte. Über DAS schweigt man sich aber lieber aus! Und schon bei der einfachsten aller Fragen, woher kommt Geld, herrscht Ahnungslosigkeit. Wer weiss das schon GENAU...? Ohne konkretes Wissen um die erste Dimension, lässt sich schwer begründen, mit welcher Zielsetzung die zweite Dimension funktioniert, die Symbolik, die meisten Medien. Und wer die Absurdität unseres 3D-Verhaltens nicht durchschaut – z.Bsp. das vielseitigste "Elexier", das die Natur uns Menschen zu bieten hat, Erdöl, für die profansten Zwecke zu missbrauchen - dem fehlt letztlich der wichtige Respekt vor der vierten Dimension, dem Sinn des Lebens. Der wohl weniger in der Beantwortung steckt, sondern der Befragung. Die Frage nach einer Umformung des Schulwesens (des Wesens der Schule) in eine zukunftskompatible "Schule des Lebens", statt einer "Schule des nackten Wissens", und meine Antworten darauf, mögen kümmerlich sein. Ein Brainstorm. Nicht ein zielgenaues Vorgehen, eher ein Tasten durch die Dunkelheit, in all den ungeahnten Nischen an Möglichkeiten. Ungeahnt heisst nicht unahnbar. Erst Recht nicht unmöglich! Wer an der Zukunft mitmachen will und nicht nur auf Entwicklungen reagieren möchte, muss die Gegenwart in ihrer Struktur begreifen und die Dynamik, mit der sie sich ergeben hat. Oder WURDE auch sie erschaffen? Ist die Gegenwart ein Resultat kosmischer Zufälle, wie es die entfernte Vergangenheit war? Oder ist die Gegenwart eher das Ergebnis einer Kombination aus Absichten... Einzelner? Vielleicht GUTER Absichten sogar, um das Chaos der Weltkriege auszugleichen mit kühner Planung, wie zum Beispiel dem

Marshallplan der Amerikaner. (Er diente dazu, Europas Wirtschaft wieder aufzubauen, denn sonst hätte es wohl bald den DRITTEN Weltkrieg gegeben...) Um die Gegenwart zu verstehen, muss man die Vergangenheit begreifen. Aber nicht primär DIE Geschichte, weit zurück, das Mittelalter, die Römer, Griechen etc. Primär sollte man die gerade erst vergangene Vergangenheit durchschauen. Die letzte Generation, die vorletzte. Und da gilt: Ein Augenzeuge ist mehr Wert als ein Buch! Es scheint mir mit Sicherheit nutzvoll zu sein, Rentner, aber auch ältere Handwerker, Bauern, Hausfrauen zu einer Art Sonderunterricht zuzulassen, die aus ihrem Leben erzählen und aus ihrer Perspektive die Probleme des modernen Alltags erst zur Sprache bringen, um dann mit den Schülern gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Ihre Erfahrungen können sehr wichtig sein. Die Dynamik unserer Zeit ist ihnen bewusster als Kindern. Alte langweilen sich zum Teil buchstäblich zu Tode, während es ihnen materiell an nichts fehlt. Zeit haben sie also, und vielen würde es wohl ein ersthaftes Anliegen sein, ihren akkumulierten Wissenschatz weiterzugeben. Eine Gesellschaft, die sich nicht der Erfahrung der Alten bedient, ist blind auf einem Auge! Sie tendiert dazu, alles als gegeben zu erachten, was in Wirklichkeit sich gerade erst ergeben hat. Verkappt führt diese Blindheit auf einem Auge zu einem neuen Konservatismus, der sich zunehmend "einschleicht" in allen Schichten. Weil er lange bestehende Werte gar nicht mehr kennt, sondern relativ neue für alt und daher richtig hält. Wenn etwas den Geist der Gegenwart prägt, dann die Geschwindigkeit, in der etwas als normal erachtet wird, was gerade noch als utopisch, absurd, grausam oder abnormal gegolten hat! Diese Dynamik der Veränderungen - die sicher teilweise positiv sind wird am Besten von Alten wahrgenommen. Ihren Masstab zu erfahren ist zumindest interessant und ein guter Anknüpfungspunkt, weiter zu

denken. Ein ausgesprochen menschlicher Faktor im Schulunterricht, der notabene auch die Lehrerschaft entlastet, Kosten spart, Wissen fördert. Die ältere Generation in dieser Hinsicht zur Schulung von Kindern zuzulassen, bzw. sie dazu zu ermutigen, ihren Wissensschatz zu teilen, würde den Graben überbrücken helfen, der sich zwischen den Generationen zunehmend verschärft. Dialog zwischen Generationen ist die Urform des Lernens! Vielleicht wichtiger als der Dialog zwischen Kulturen und Religionen ist der Dialog zwischen Gestern und Heute. Ähnliches gilt beim Handwerk. Die Berufe, wo konkret etwas hergestellt wird. Und nicht nur etwas verwaltet, was zunehmend zur Hauptbeschäftigung westlicher Nationen zu werden droht. Eine schrumpfende Minderheit also, die sich Handwerker nennen lässt. Zunehmend sind sie so "hochgerüstet" mit Maschinen, dass ihre Hände eher eine Nebenrolle spielen. Trotzdem tragen sie zum Teil einen Wissensschatz mit sich herum, bezüglich Materialien und Techniken, dass sie die geborenen Lehrer sein können, in der Umgebung einer Schule. Ihr Druck unter dem sie stehen, alles möglichst rationell herzustellen, der ihnen auferlegte Zwang, maschinell und präzise zu arbeiten, weicht purem Stolz, wenn sie befreit von der täglichen Konkurenz ihr wahres Können zeigen dürfen. Hinter allen Maschinen verborgen, liegt die Einfachheit der Grundtechniken brach, mit denen Kindern die Faszination am Handwerklichen ermöglicht werden kann. Damit sie eines Tages mehr Fingerfertigkeit haben, als es braucht, einen Joint zu drehen. Während die Alten die Brücke zwischen Generationen sind, sind Handwerker die Brücke zwischen Hirn und Hand. Und ebenso wie es bei "den Alten" nur ein kleiner Teil ist, der sich berufen fühlen wird, solche Brücken zu schlagen, wird es auch unter Handwerkern nur eine Minderheit sein. Der Natur geht es auch oft nur um Kristallisationskeime, die völlig ausreichen, um Grosses entstehen zu lassen, wie Schneeflocken zum Beispiel, die sich um Staubpartikel herum bilden. Und am Schluss

entstehen daraus Lawinen. Es sollte unser Anliegen sein, Schulen so auszurüsten, dass die aus ihnen entstehende Zukunft eine annehmbare ist, inklusive der Zukunft der Biosphäre, die unser Lebensstil - um den dreht sich ja alles – immer mehr beinflusst. Ähnlich wie Handwerker sind auch Bauern und Gärtner hochtechnisiert. Aber einigen unter ihnen ist doch ein breites Wissen geblieben über die Grundregeln des Anbaus von Nutzpflanzen (OHNE übermässigen Einsatz von Chemie), das sie vielleicht gerne im Umfeld einer Schule weitergeben würden. Es gibt kaum etwas menschlich motivierenderes, als um sein Wissen gefragt zu werden. Die Kunst der Saat und der Ernte ist naturgewollt eine LOKALE Angelegenheit, jedenfalls in ihrer konkreten Form, und sie lässt sich am Besten konkret und lokal erklären. Bauern, Förster, Gärtner sind gute Brücken zwischen der Natur und der beheizten Wohnung, besser als jede Fernsehsendung über "die Natur". Auch in Städten lässt sich "der Bauer" bzw. Gärtner in den Schuluntericht integrieren, besonders, wenn man sich mit der dringend nötigen Begrünung der Städte beschäftigen will, einem der Aufgabenbereiche der Zukunft, mit entsprechenden Jobchancen. (Siehe den Trend zu “urban farming” in BERLIN und NEW YORK!) Dass Städte eine Art Gegenpol zum Land sein "müssen", und daher vor allem künstlich - sprich grau und trist und aus Beton, ODER glänzend, schrill und laut – ist eine veraltete Denkweise. Neben den beiden heute verfolgten "Wegen", Trist oder Schrill, gibt es den Weg Natur, der sich besser mit Urbanität verträgt, als zuerst vermutet. Wichtig ist, die Natur klar zu trennen in eine pflanzliche und eine tierische. Es grenzt an Tierquälerei, wenn Leute in ihren Wohnungen Hunde halten, die einmal täglich um den Block geführt werden, aber von Pflanzenquälerei hat man bislang noch nichts gehört... Der leider der Jugend zuwenig bekannte Architekt Friedensreich Hundertwasser hat mit dieser Einstellung Häuser entworfen und zum Teil gebaut (vor allem in Wien), die wegweisend sein könnten für eine

humane Zukunft im Städtebau. Und was IST eine humane Zukunft? Nicht nur der Beginn eines Denkens, sondern auch eines Handelns, das den Erhalt und die Pflege der uns Menschen primär ermöglichenden Natur als nicht minder wichtig erachtet, als den Erhalt von wirtschaftlichem Wachstum oder dem Fortbestand kultureller Angewohnheiten! Im Zweifelsfall sogar GEGEN wirtschaftlichen Wachstum, gegen kulturelle Schemen, bzw. FÜR eine Neuausrichtung dieser beiden Seiten der menschlichen Medallie.

19. Kapitel Elternstress, Babystress, Weltstress Wo beginnen, dass man mit seinem Handeln das Symbolische durchbricht und in den exklusiven und vorerst immaginären "Club" derer aufgenommen wird, die in der TAT ihren Lebensstil den verzwickten Anforderungen der Zukunft anpassen? Wie anfangen, wenn man nicht zu einer Elite gehört, die sich das LEISTEN kann? Wo aufhören, damit elementare Grundbedürfnisse des Menschen Stichwort Menschenrechte, Sicherheit - nicht geopfert werden? Dies sind zwei schwerwiegende Fragen. Sie sind wie die obere und untere Messlatte der menschlichen Zukunft schlechthin. Wir kommen nicht darum herum, uns mit ihnen von jung an zu beschäftigen. Sie stehen im Weg in die Zukunft wie blinkende Bojen, zwischen denen das "Menschenschiff" durch zu manövrieren hat. Will es nicht auf die "Riffe" gehen, die immer klarer ersichtlich links und rechts davon lauern. Ich bleibe kurz bei dieser seemännischen Metapher. Was von weit her wie ein Nadelöhr aussieht, ist von Nahem immer viel grösser, breiter, als man dachte. Ob es tief genug ist, wissen wir natürlich erst, nachdem wir zwischen den "Bojen" durchgefahren sind. Ob es so ist, dass dahinter eine weite, unzerstörte Zukunft liegt, weiss niemand. Mensch sein, ja LEBEN sein, heisst immer auch, Glück zu haben. Chaos regiert die Welt in letzter, hündischer Instanz - und daran wird

keine Menschenwelt und keine Anwesenheit je etwas ändern! Rein "statistisch" gesehen scheint aber das Glück auf der Seite des Lebens zu stehen, der Vielfalt, sonst gäbe es ja nur ein Universum aus totem Gestein. Wenn überhaupt... Im Gegensatz zu Ameisen sind wir Menschen mit der Möglichkeit einer gewissen Selbstreflektion ausgestattet, die bewusstes Handeln ermöglicht, wenn auch nicht immer erfordert. Uns ist die Aufzucht unserer "Brut" nicht mechanisch vorgegeben wie einer Ameise, sondern unterliegt unserer freien und bewussten Einschätzung dessen, was wir als Wichtig oder Unwichtig erachten. Jeder neu geborene Mensch ist eine Facette der Zukunft. Aus vielen Facetten entsteht eine Generation, eine Brücke in ein neues Zeitalter. Wer trifft die Einschätzung, was wichtig ist, was unwichtig, was falsch? Am Anfang sicher die Eltern, die Familie, die ihr Baby frei "gestalten" darf. Was für eine Freiheit! Eine SO grosse Freiheit, dass sie Angst macht, also sucht man/frau Rat. Die Instinkte sind zwar noch da, aber werden vom "Zirkus der Moderne" übertönt, was zum Teil auch richtig erscheint. Mehr als alles Andere sind Menschen Kulturgeschöpfe und Kultur lässt sich nur ansatzweise instinktiv erfassen. Also gibt es Ratgeber in Hülle und Fülle, wie man denn nun seine "Brutpflege" am Besten angeht... Es dreht sich um Verhaltensweisen und ihre Normen, um die Chronologie der Entwicklung, um Nahrung, Spielzeuge, musikalische Stimulanz und ihre Wirkungen, um Frühenglisch, Frühballet, Frühmathematik... Was weniger gefördert wird, ist elterliche Gelassenheit und ein weit gehendes Vertrauen in den kleinen Menschen - dass dessen Persönlichkeit sich von alleine in einer akzeptablen Richtung entwickeln wird. Zumindest wenn der äussere Rahmen stimmt und ein paar naheliegende "Tricks" angewendet werden, wie Zärtlichkeit, Augenkontakt, Sprechen. Statt dessen entsteht immer mehr ein nagender Selbstdialog, ob man denn nun alles RICHTIG macht. Salopp gesagt, machen sich manche Eltern ähnlich in die Hose, wie ihr Nachwuchs, was kein gutes Vorbild ist!

Aber vielleicht entsteht dieser Elternstress nicht zu Unrecht. Nichts ängstigt mehr, als Freiheit, während überall von Krise, bzw. KRISEN gesprochen wird. Weltkrisen gar. Sie erfordern eine Art geistiges Spagat. In dieses aufziehende Weltengewitter aus diametral entgegengesetzten Lösungsansätzen - für die Wirtschaft hier, für die Natur dort - ein Kind zu setzen, ist ein kämpferisches Signal der Hoffnung. Und ein Widerspruch. (Ich bin ihn selbst eingegangen!) Man sieht in vielen modernen Staaten eine Überalterung der Bevölkerung einerseits, weiss aber, dass Übervölkerung unserer Erde wohl eines der grössten Probleme der Zukunft sein wird, bzw. bereits IST. Vor all diesen Problemen kann man sich je länger je weniger verstecken, erst Recht nicht, wenn man Kinder hat und diesen eine lebenswerte Zukunft wünscht. Aber WIE soll diese Zukunft aussehen, wenn man gleichzeitig hofft, diese Zukunft möge materiell ebenso gut, wenn nicht sogar BESSER ausgestattet sein, als die Gegenwart? Spätestens ab diesem Anspruch wird der Widerspruch total ernst... Eine Revolution des Materiellen bahnt sich an, ob gewollt und geplant, oder ungewollt und chaotisch. Wir haben die Grenzen des Wachstums in DER Richtung, unter der wir gemeinhin Wachstum verstehen, nicht ERREICHT, sondern überschritten - denn meine Generation lebt weitgehend auf Pump von der nächsten Generation. Wenn wir zulassen, dass die beschränkten Resourcen für alltägliche Banalitäten des heutigen Alltages VERWERTET (tolles Wort übrigens!) werden, entfesseln wir einen zukünftigen Raubtierkapitalismus ohne Grenzen und ohne Kontrolle, der sich bereits jetzt skizzenhaft abzeichnet. Unsere Kinder werden keine guten Manieren haben müssen, nicht menschlich und freundschaftlich gesinnt sein müssen, nein, das würde sie nur behindern... Was sie brauchen, sind scharfe Eckzähne, spitze Ellbogen und krass gesagt: eine profunde Ausbildung in der Kunst des Schiessens und Übertölpelns.... So kehrt er dann zurück zu seinen Anfängen, der Jäger und Sammler, dem das Prädikat MENSCH erst verliehen wurde, als er

sesshaft wurde, Bauer, Kulturmensch. SIND wir noch sesshaft? Zurück zum Baby, das von alledem nichts weiss. Es fühlt, es riecht, es hört, es sieht. Ungefiltert von Dogmen und Erklärungen. Unerklärlich einem Erwachsenen. Alles was ist, ist einfach. Richtig und Falsch gibt es noch nicht, bloss angenehm und unangenehm. Weich und warm oder hart und kalt. Hell und dunkel. Natürlich ist ein Baby nicht nur durch sein Erbgut vorgeprägt, sondern auch durch Erfahrungen im Mutterleib. Geräusche, Licht, Rythmen im Tagesablauf, Stimmen. Ausserdem hormonelle Faktoren, von Angst bis Freude, denen es ausgeliefert ist. Der neu geborene Mensch ist kein leeres Gefäss, das mit Erfahrungen gefüllt werden will, sondern hat solche bereits hinter sich - und wartet auf neue. Aber nicht allzu neue... Ein Baby ist auf kuriose Art ein konservatives Geschöpf. Es erwartet zwar Input auf allen Sinneskanälen, aber auch eine Beibehaltung des Gewohnten. Ersteres regt an, zweiteres beruhigt. So wird aus neuen Erfahrungen Gewohntes, das konkret das weitere Leben prägt, als gegeben betrachtet wird und unendlich beruhigend wirkt, fast egal um was es sich handelt. Ein Baby ist von Natur aus neugierig, will aber, dass der Unterbau des Gewohnten sich nicht verändert. Es gleicht in diesen Ansprüchen konservativen Parteien, die die Beibehaltung des Erreichten reklamieren, aber gleichzeitig unermüdlich von Fortschritt reden, zumeist materieller Natur. Schon BEVOR es geboren wird, gewöhnt sich ein Baby an ein Geräusch, das es noch viel hören wird, das Geräusch von Autos. Dieses Geräusch gehört zum Grundgeräusch so vieler Menschen, dass sie es erst hören, wenn es nicht zu hören ist... Spätestens wenn sich ein Kind ankündet, ist es praktisch jedem modernen Menschen klar, dass es jetzt Zeit für die Familienkutsche ist. Die Autowerbung hat dahingehend Hervorragendes geleistet! Das sonore Dröhnen des Autos, das Vibrieren, die unveränderte Körperstellung der Mutter über lange Zeiträume, führt zu einem guten Schlaf im Körperinnern. SO soll das Leben sein! Geweckt wird das

Baby von dem kamelhaften Schwanken von einer Seite zur anderen, wenn seine "Umgebung" plötzlich aussteigt und zu Fuss zu laufen beginnt. Ein ganz anderer Takt. Unregelmässiger, spannender. Vielleicht aber - wer weiss - nicht so "gemütlich". Einmal geboren, wird das Brummen der Motoren lauter. Und der Anblick eines Autos entzückt jedes Baby, denn es bewegt sich, ja, es LEBT! Und es fasziniert daher nicht nur, sondern es umhegt, beschützt vor Kälte und Regen, lässt EIN, ist innen weich und gepolstert, fast so, wie die letzten 9 Monate, an die sich das Baby erinnert... Es hat sich vielleicht - ich spekuliere wild - gar nicht so viel verändert. Es dröhnt immer noch, es vibriert und es schaukelt sanft. Aber gleichzeitig ist es unendlich interessant. Es hat Scheiben, es gibt Lichter, Gesichter, die es in Ruhe betrachten kann. Mutter, Vater, Geschwister vielleicht. Es ist nicht mehr alleine in seiner "Höhle", seinem kuschelweichen Raum. Selbst die Decke ist gepolstert, rot, warm, herzlich. Innen. Aber es gibt jetzt auch ein Aussen. Es ist ganz anders. Es ist hart, es ist kalt, es hat lauter fremde Gesichter. Fremde Autos, die wild umher fahren. Aber auch tote Häuser, tote Fabriken, farbige Ampeln. Es erkennt zunehmend eine PRIVATE und eine FREMDE Welt und wird sich seines Lebens nie dieser Unterteilung entziehen können! Ein Baby will getragen werden, ein nachvollziehbarer Urreflex. Gerollt zu werden geht auch, ob im Auto oder Kinderwagen. Das eine führt zum Anderen und das Andere wieder zum Einen. Auf den ersten Blick zwei reichlich verschiedene Bewegungsarten (Auto/Kinderwagen), aber doch austauschbar. Der Kinderwagen ist das Auto des Kindes. Erst die geteerte Strasse und der “Bürgersteig” hat ihn ermöglicht. Und aus dem ursprünglichen Kinderwagen, wo das Baby ZURÜCK schauen durfte, Mutti sehen konnte, zuschauen konnte, wie sie läuft, ist inzwischen der moderne "Racer" geworden, wo das Kind mit Blick nach vorne stur durch das fremde Gewühl geschoben wird, ohne sich an irgend etwas festhalten zu können mit den Augen. Ohne genau zu

wissen, wer überhaupt schiebt. Kaum eine Art, fortbewegt zu werden, erscheint mir anonymer und Furcht einflössender, als quer durch eine Stadt bugsiert zu werden, mit Sichtblenden links und rechts. Zunehmend sieht man sogar schwarze Kinderwagen! Fast ein Verbrechen an der Idee des Kindes! Besonders, wenn man den Sicherheitheitsaspekt im Strassenverkehr im Denken der ach so “ganzheitlichen” Muttis und Daddies der Neuzeit einschliesst. Wie bitte? SCHWARZE Kinderwagen...? Früher gab es die Wiege, die den wiegenden Gang der tragenden Mutter simulierte und gleichzeitig auf's Gehen vorbereitete. Der Kinderwagen dagegen führt zur früh gelernten Annahme, dass wir Menschen uns typischerweise rollend fortbewegen. Bald hat das Kleinkind das erste Dreirad, später sein Fahrrad, dann das Mofa. Endlich kommt auch die Komponente des "richtigen" Geräusches dazu und - unbewusst auch wichtig - des richtigen Geruchs. Der Geruch des Erwachsenseins gar...? Dieser von Kleinstkind an gewohnte Geruch von verbranntem Benzin, der angenehm die Sinne stimuliert und von Weite, von Geschwindigkeit träumen lässt. Als Kleinkind, also aus Bodennähe, noch intensiver inhalierbar, als später als Erwachsener. Der vielleicht zu so Hilfsmitteln greifen "muss" wie Zigaretten, um das Gefühl von Weite und Freiheit wach zu rufen? Die instinktiv zurück erinnerte Freiheit als Kind früher, als die Welt noch ein neues, von Erfahrungen unverbautes, aber per Auto durchquerbares neues Land war? Ist die Sehnsucht nach automobiler Freiheit etwa in unseren Babywünschen verankert? Oder stammt dieses Verlangen aus noch tieferen Gründen? Der Mensch, die Menschin, das Mensch. Ein ehemals sesshaftes Wesen, das zu seinem davor liegenden Urzustand zurückzukehren im Begriff ist, als man noch Jäger und Sammler war. Bloss dass diese nomadischen Vorfahren nicht annähernd solche Distanzen zurück legten, wie ein moderner sogenannt Sesshafter. Dessen "Jagdrevier" so gross ist, wie früher ein halbes Königreich, wenn er z.Bsp. von

Beruf Vertreter ist. Und wer ist schon kein Vertreter? Vertreter von irgendetwas Fremdem, das er in der Fremde versucht, Fremden zu verkaufen. Symbolisch sind wir auf der ganzen Welt zuhause. Horizonte, hinter denen die Fremde beginnt, gibt es nicht mehr. Sie ist überall entstanden! Die eigene Wohnung, das Haus in dem wir leben, ist eher ein Produkt des Zufalls, als Heimat.

20. Kapitel Heimatlose Sesshafte Und doch brauchen wir die Heimat, von Kindheit an. Wir erschaffen sie notfalls im Alleingang, als Kunstwerk, das nur wir und wenige andere verstehen - das Typische an Heimat. Aber leider ist es immer mehr ein Kunstgebilde ohne Adern, in denen Blut fliesst. Die kleine, scheinbar abgegrenzte Region, auf die man glaubt, Stolz sein zu dürfen - was im überschaubaren Kollektiv gedacht auch gelingt. Obwohl jeder Zweite als Pendler irgendwo sonst arbeitet, entsteht seit Kurzem fast überall in der modernen Welt eine Neuauflage von Regionalstolz, der den eben erst aus der Taufe gewuchteten Geist globaler Verbundenheit ersetzt. Nach Nationalismus kam Globalismus, gefolgt von Regionalismus. In der Moral, der Verantwortung, dem Sinn des Lebens, gibt es oft nur die nächste Umgebung, etwa bis knapp vor den Horizont. Klirrend zerspringt die zukunftsschwangere Kristallkugel globaler Mitverantwortung in immer kleinere Scherben regionaler Identitäten. Trotz immer schneller pulsierender Warenströme von Land zu Land, die eigentlich zu globaler Verbundenheit führen sollte. Unsere Kinder lassen wir mit den Problemen der Welt in Ruhe, solange es irgendwie geht, wir können es ja selber nicht mehr hören! Wir schenken unseren Kindern eine Mitgliedschaft im WWF, damit sie regelmässig bunt auf Recyclingpapier gedruckte Hefte kriegen und lassen sie alleine bei der Lektüre. Wir bemühen uns zwar um sexuelle Aufklärung, kaum aber um Aufklärung bezüglich unseres Lebensstils.

Mit Eisbären auf dem Titelbild, die sich an den letzten Eisschollen festkrallen, verraten wir ihnen nur die Auswirkungen, kaum je aber die Ursachen, geschweige denn die Zusammenhänge. Und dann trösten wir sie mit einem Nestlé Schoko Eis aus dem Tiefkühler, damit ihre kleine Welt in Ordnung bleibt. Und dann schenken ihnen einen Hund, dass sie lernen, selber Verantwortung für Tiere zu tragen. Und dann... Wir sagen ihnen aber nicht, dass der Tiefkühler, der lautlos das Eis kalt hält, alleine schon mehr Kraft verschlingt, als ein erwachsener Eisbär aufzubringen vermag, wenn er eine Eisscholle hochklettert. Dass DURCH unsere Kühltruhen AUCH die Erde aufgeheizt wird, genug um langsam die Polkappen zum Schmelzen zu bringen. Diese Querschlüsse lassen wir selber kaum zu, geschweige denn, stecken unsere Kinder mit diesem vernetzten Denken an. Hauptsache, es hat IMMER Eis im Kühlschrank und die Kühlkette bricht nie zusammen. (Damit wir möglichst ALTE Nahrung immer noch als frisch empfinden.) Unser Weltbild ist auf Spezialisierung aus, nicht auf Generalisierung. Wir sind ja selber so gross geworden. So sind wir unbemerkt wieder zu Jägern geworden, umgeben von Hunden, auf Motoren reitend und bis auf seltene Augenblicke der Ruhe immer öfter auf der Pirsch. Der moderne Jäger und Sammler. Im Vorbeireiten schnell einen Hamburger mit Zwiebeln und Ketchup. Hauptsache er kann es in Jägermanier mit blossen Händen essen und sich danach unbeobachtet das Ketchup von den Fingern lecken. Auf der täglichen Aufholjagd auf der Überholspur. Im kuschelweichen Gebärmuttermobil. Was sollen Kinder dazu sagen? Hier wird ihre Zukunft festgelegt, aber gefragt werden sie nie. An den Osterhasen müssen sie nicht mehr glauben, aber an die Zukunft der Kernfusion. Ihre Phantasiewelt ist bevölkert von Tieren die reden können, von Mutanten (sie haben die Tanten ersetzt...), von Dinosauriern mit Mickymausstimme. Ablenkung - unter Abgelenkten Unterhaltung genannt – ist ein Dreiergespann um Aufmerksamkeit ringender Phänomene geworden, mit TV

Hintermännern im Kutschenseparé, von wo gelenkt wird. Im TV der Moderne gibt es drei verschieden ernste “Kasperli”, die uns durch den Abend führen, wie Alice im Wunderland: EIN Kasperli spielt pünktlich die aufklärerisch wirkende Angstmacherrolle (News), ein ANDERER Kasperli spielt danach schier endlos Verkäuferli (Werbung), wonach man endlich wieder die “Originalkasperli” zu sehen kriegt: Thomas Gottschalk, Kommisar Dampfbacke, Sportreporter Kuno Kleinhirn... Durch Youtube, Blogseiten, Facebook, Twitter etc. hat sich aber etwas ganz Neues ergeben: Eine die Sinne und Sozialisierungsfähigkeit des Menschen vielleicht noch überfordernde Gerechtigkeit in den Medien. Man kann nicht bloss empfangen, sondern nun auch senden, und zwar gleich weltweit! Wer hätte das gedacht? Nach jahrelanger Kritik Vieler, dass Medien nur als Einbahnstrasse funktionieren, denen man widerspruchslos ausgesetzt war, besteht plötzlich "Gegenverkehr" der wildesten Sorte. DAS muss honoriert werden, als vorerst letzter Baustein einer lebendigen Demokratie! Nicht als letztgültiger Baustein, aber als Versuch, jedem Einzelnen eine Stimme zu geben, eine Frequenz, auf der gesagt werden darf, was einem beliebt. Jedem Menschen eine Stimme! Jedem Kind seine Radiostation, seinen Fernsehsender. Wer hätte DAS vor nur einer Generation gedacht? Die von allen irdischen Zwängen (Papier z.Bsp.) losgelöste zweite Dimension. Symbolik total. Die freie Reproduzierbarkeit von Allem, was sich auf einem Bildschirm, mit Lautsprechern darstellen lässt. Vieleicht reicht dies aber nicht, als zum Leben anspornende Projektionsfläche sozialer Zugehörigkeit und Symbol eigener Kultur. 21. Kapitel Das geheime Leben der Pflanzen Neben diese digitale Projektionsfläche eine Blumenkiste zu stellen, mit Erde und ein paar Samen, und zu hoffen, damit Interesse, ja, Faszination zu wecken in Kindern und Jugendlichen, wirkt zugegebenerweise etwas absurd. Einzige Ausnahme wäre eventuell eine Hanfpflanze, aber auch nur, wenn es sich um die richtige Sorte

handelt... Keiner Lebensart gegenüber sind wir modernen Menschen mehr entfremdet, als den Pflanzen. Den EIGENTLICHEN Freunden der Menschen und potenziellen Rettern vor dem sich abzeichnenden Klimachaos. Einzig Pflanzen sind fähig, aus CO2 wieder Sauerstoff zu erzeugen. Dies BEWUSST zu tun, ist dem heutigen Menschen noch ebenso fremd, wie der BEWUSSTE Anbau von Nahrung es dem Menschen in der Altsteinzeit war. (Was soll denn DAS?, soll Herr Feuerstein gesagt haben, als seine Frau den ersten Samen in den Boden steckte...) Notgedrungen sollte sich unsere Loyalität, unsere Aufmerksamkeit, wieder dem grossen, mysteriösen Reich der Pflanzen zuwenden. Aus praktischen Gründen sollte man sie gar als HEILIG betrachten (heilend) - mehr als Kühe, seltene Uhus oder aussterbende Pandas. Brutal gesagt sind die meisten Tierarten, die wir im Zoo so gerne bewundern, für die Balance der Natur praktisch unnötig. Ihre Fortexistenz wiegt nicht viel, jedenfalls im Vergleich zum Gewicht der allgemein gesprochen - Pflanzenwelt. Nur sie kann still und im Verborgenen heilen, was der Mensch zerstört hat. Nebst dem, das die Pflanzen offensichtlich liefern, zum täglichen Leben (Brot) eines Jeden. Löwen, Pandas, Riesenschlangen, Elefanten, Zebras, Emus, sind edle Schmuckstücke der Schöpfung, die wir mit grossen Augen bewundern dürfen und um die wir bangen, aber es sind die Pflanzen, die Bäume, mit denen alles steht und fällt. Ohne Papageien wäre der Zoo farbloser, aber ohne Wald und chaotische Wildniss ist die Natur in ihrer innersten Mechanik bedroht. Das weltweite Bienensterben das nie in die Schlagzeilen kommt (und auf das ich daher “gerne” hinweise!) - ist ein düsteres Omen für die Natur! Bienen sind ECHTE Nutztiere und ihre Existenz wiegt ebenso schwer, wie die der Regenwürmer. Ohne sie gerät die Natur in ein solches Chaos, dass der Fortbestand unserer eigenen Art in Frage gestellt wird. All dies und mehr lässt sich erfühlen, riechen und bewundern in einem Blumentopf vor dem Fenster, in dem EINE Pflanze wächst, EIN Regenwurm lebt, die von EINER Biene besucht wird. Das ist das

Schöne an Pflanzen. Sie sind selbsterklärend und mysteriös zugleich. Und hegen keine hohen Ansprüche. Man muss mit ihnen nicht Gassi gehen, ihre Nahrung kann kompostierter Küchenabfall sein, sie atmen mit Wonne dreckige Luft ein und Sauerstoff aus. Etwas Sonnenlicht und schon strecken sie ihre grünen Fühler aus, an denen sich in regelmässigen Intervallen Solarzellen entrollen, zwecks interner Energieversorgung. Alles vollautomatisch. Und wenn es nur das Unkraut ist, das den Asphalt spaltet und dem Licht zustrebt - was grenzt näher an ein Wunder, als das stille Leben einer Pflanze? In ihrer Dreidimensionalität stellen sie jedes Tier in den Schatten wortwörtlich. Dass Pflanzen eine Art primitiv formuliertes Wissen innewohnt, in ihrer buddahhaften Reglosigkeit, kann nicht ganz ausgeschlossen werden. Ansatzweise ist dies sogar experimentell bestätigt, wenn auch nicht hundert Pro bewiesen worden (vom einstmaligen Chef von IBM). Von ihrer Morphologie her betrachtet, wäre das auch nicht unlogisch. Viel Aussenfläche im Vergleich zum Inhalt, ist fast allen Pflanzen gemeinsam. Welchen menschlichen Erfindungen gleichen Pflanze am Meisten - morphologisch? Nebst Solarzellen natürlich ANTENNEN! Da das Wahrnehmen von Gefühlen nach wie vor unerklärbar ist, kann es selbst in Pflanzen nicht ganz ausgeschlossen werden. Dass Pflanzen sich FREUEN können, dass sie gerne gewisse Musik hören...., ist so gut wie erwiesen! In welcher Richtung man auch schaut, überall im Reich der Pflanzen herrscht subtile, leicht überhörbare Faszination. Man muss etwas darauf hingewiesen werden, besonders als Kind, diese Faszination zu spüren. EINE Art der Faszination geht nämlich Pflanzen grundsätzlich ab. Die, die Kinder am einfachsten in ihren Bann zieht: Die Bewegung. Als ursprünglicher Jäger achtet man schon als Baby auf Bewegungen in der Umwelt. Ob sich etwas von alleine bewegt (lebt), oder bewegt werden muss (nicht lebt), gehört zu den ersten Umweltbeobachtungen eines Menschen. Dass Pflanzen LEBENDIG sind, dazu braucht es tiefere Einsicht. Und dass Pflanzen für jedes Tier lebensnotwendig sind, dazu führt einzig Wissen.

Keine einfache Aufgabe, Kindern, die in Steinhäusern aufwachsen, umgeben von Strassen, dieses Wissen zu vermitteln. Dabei ist es gar nicht kompliziert, und die graue Theorie davon wird ja auch an der Schule vermittelt. Jedenfalls der CO2 Kreislauf, wonach er sich aufspaltet in unzählige Facetten, die dann aber kaum erwähnt werden, da kaum ein Stoff in der Breite vermittelt wird, sondern nur in der noch zu bohrenden Tiefe. Die ästhetische Wirkung von Pflanzen, mit etwas Phantasie Charaktereigenschaften, bleiben unerwähnt. Das, was sie begehrenswert machen, abstossend, mysteriös, königlich, kindisch, verspielt, oder schlichtweg banal wie englischer Rasen. (Warum will irgendwie keine Pflanze "sportlich" aussehen...?)

22.Kapitel Eigene Pflanzenerfahrungen Dass es nicht allzugrosser Naturnähe bedarf, um sich von der Welt der Pflanzen fesseln zu lassen, weiss ich aus eigener Erfahrung. Es begann mit der Beobachtung von Ameisen, denen ich in unserem kleinen Reiheneinfamilienhausgarten ein Habitat baute. Die von mir mit neugierigen Augen verfolgten Ameisen nahmen bald Reissaus aus ihrem an eine gewölbte Plexiglasscheibe grenzenden Ameisenbau, vielleicht störte sie das Licht oder mein ewiges Geglotze. Was aber blieb, waren die kleinen Pflanzen, die ihre feinen, weissen Wurzeln der Scheibe entlang trieben und jede Woche ein sichtbar dichteres Geflecht bildeten im ansonsten undurchschaubaren Erdreich. Auch Pflanzen bewegen sich, resümierte ich in meiner kindlichen Bewunderung - sie WACHSEN! Auf feuchter Watte brachte ich Linsen zum spriessen und fragte mich, woher sie bloss all das Material her haben, aus dem sie grüne Blätter machen. Da war doch kein GRÜN in der Watte! Ein Wunder, wie mir schien, wohl bevor ich 10 war. Mit 12 musste ich umziehen, weil meine Eltern eine Eigentumswohnung gekauft hatten - im 16. Stock eines neu gebauten, nach feuchtem Beton riechenden Hochhauses abscheulicher Zweckmässigkeit. Wir kauften uns einen schwarzen Pudel, mit dem ich jeden Tag

spazieren ging. Ich hatte ihn total lieb, aber von tieferer Faszination konnte keine Rede sein. Er gab mir nie ein Rätsel auf, hatte keine geheimnisvollen Eigenschaften, lief einfach vor mir her und bellte mal hier, mal dort aus nicht weiter überlegenswerten Gründen. Was mich dagegen faszinierte, war ein verwilderterter Garten in der Nachbarschaft. Er war voller verschiedener Pflanzen, die ich zuvor noch nie gesehen hatte und die teils essbar waren. Hier, in dieser kleinen Restecke relativer - wie ich es sah - Urnatur, packte mich das Kuriose dieses stillen, bunten Lebens der Pflanzen. Ich versuchte sie nicht zu katalogisieren und besorgte mir auch keine Bücher, um darin ihre Namen auszumachen. Mich interessierten nicht ihre Namen, ich bewunderte sie einfach und ohne Zweck und war ergriffen von ihrer sanften, aber mir deutlichen Ausstrahlung. Ich verstand sie als ein unerklärliches Wunder und freute mich, und glaubte von ihnen Freude zu spüren, wenn ich sie anpinkelte, oder mein Pudel. Immerhin glaubte ich, das Grundprinzip der Pflanzen verstanden zu haben, seit ich etwa zu derselben Zeit das Buch "Gleichgewicht der Natur" las, ein gut illustriertes Jugendbuch in lindgrünem Umschlag. Es war nicht wie "Tom Sawer und Hukkleberry Finn", das man einmal durchlesen musste und das war's. Aus der Verbindung dieser intellektuellen Stimulanz einerseits und einem kleinen, überwucherten Garten in der Nachbarschaft andererseits, entstand der nährende Boden für eine anhaltende Verehrung des Weltreichs der Pflanzen. Ich war später so gelangweilt von den meisten Fächern der Schule, dass ich oft die Schule schwänzte und mit einer Lupe und meinem inzwischen erstandenen Pflanzenbuch die verpasste Schulzeit im botanischen Garten verbrachte, oder in selbst entdeckten Biotopen entlang der grünen Grenze zwischen Deutschland (Weil am Rhein) und der Schweiz (Riehen). Wo jetzt eine Autobahn durch geht... Aus den geschilderten Naturbeobachtungen hat sich zwar - nach üblicher Leseart - nichts ergeben, ich bin nicht Förster geworden, wie einstmals von mir erhofft, auch kein Naturforscher oder Entdecker irgendeiner Eigenschaft, die einer Pflanze innewohnt. Aber ich habe

doch von diesen kindlichen Erfahrungen profitiert. Mein inneres "Haus" an Interessen hatte ein reich ausgestattetes Zimmer, ja, eine Etage mehr, ohne die mein heutiges Weltbild wohl farbloser wäre. Als die ersten Anzeichen klimatischer Änderungen bekannt wurden, musste ich mich auch nicht von Grund auf orientieren, um sie zu verstehen. Auch wenn hochkomplex, sind sie in ihren Grundzügen jedem verständlich, der sich bereits als Kind damit beschäftigt!

22. Kapitel Die Kunst des Lebens Diese prägenden Erlebnisse meiner Kindheit fanden zu einer Zeit statt, als meine Mitschüler sich für Rennräder interessierten - wer hat mehr Gänge? - dann für Mofas - wer kann besser frisieren? - dann für Gokarts - wer geht schneller in die Kurve? Auch mich packte diese Männer prägende Faszination, aber nur sehr milde. Wenn ich am Rande der Gokartbahn stand, die jedes Jahr an der Herbstmesse Basel errichtet wurde. (Wohl gesponsert von den Schweizer Autoimporteuren, die heutzutage jedes Jahr (!) so viele Autos in dieses kleine Land "quetscht", dass sie Stosstange an Stosstange vom Genfersee bis zum Bodensee reichen würden - und zurück!) Am Rand stehend schaute ich zu, wie Gokarts auf der nierenförmigen Bahn um die Wette fuhren. Selber fahren durfte ich nicht, meine Eltern gönnten mir den Spass nicht. Da stand ich und genoss das Jaulen der Zweitaktmotoren, eingenebelt von Abgasen, die den Genuss sogar erhöhten. Es standen auch Eltern mit ihren kleinen Kindern wie angewurzelt und für Stunden um diesen qualmenden Motorenzirkus. Eine Langzeitwirkung dürfte sich daraus ergeben haben für mich, und zwar meine fortwährende Faszination für Aussenborder, die ebenso riechen und ähnlich tönen wie Gokarts. Noch heute kommen mir eine Art Urerinnerungen hoch an die Herbstmesse Basel, wenn ich nach langer Zeit einen Aussenborder starte. Nur kurz, aber es ist ein

Gefühl, das mir Freude bereitet. Wesentlich tiefere und länger anhaltende Gefühle unerklärlicher Faszination ergreift mich beim Riechen eines Waldes. Besonders nachdem es geregnet hat. Eine Art Geborgenheit und Sicherheit, die ich dann verspüre, ohne dass mir je Furcht hochkommt, auch nicht, wenn es dunkel wird im Wald. Ich führe dieses Gefühl der Sicherheit, ja, Geborgenheit, darauf zurück, dass ich die Natur nicht gezwungen wurde, von aussen zu verstehen, intellektuell zuerst und im Rahmen der Schule, sondern sie von Innen heraus selbst entdecken und erleben durfte, nach meinem Gutdünken. Aber dies ALLEINE hätte mir auch nicht viel gebracht, hätte ich nicht parallel dazu mein Buch gehabt "Das Gleichgewicht der Natur", das mir nicht im Geringsten half, irgendeine Baumart zu identifizieren, aber viel, die tiefen Geheimnisse eines Waldes zu begreifen, ja, der Natur an sich. Zwei Extreme - das Abstrakte des Buches, das Emotionelle (Romantische) der Pflanzen - gaben mir einen grossen Freiraum für persönliche Interpretation. Hätte sich das Ganze im üblichen Schulrahmen ergeben, wo die NAMEN der Pflanzen das A und O sind, und man dann besagte, benannte Blume auf dem Feld suchen muss, hätte mich das sicher zum Gähnen gebracht... Ich bin durch diese kindlichen Beobachtungen und Erfahrungen, als auch spätere, die ich an fremden und an eigenen Kindern gemacht habe, zum Schluss gekommen, dass Kinder fähig sind, abstraktes und gleichzeitig fundamentales Wissen zu verstehen und in eine selbstverständliche Logik zu integrieren. GERADE ein Kind versteht philosophische Gedanken und kann diese weiter "spinnen" - während es in der Erde wühlt oder einen Baum erklettert. Das "Dach" und der "Boden" ist im Falle der Erziehung zeitgleich errichtbar. Wenn man die Möglichkeit bietet, konkrete "Hands On" Erfahrungen zu machen, entsteht daraus ein Haus mit Wänden. Ich will hier den Wert von theoretischer Bildung an sich nicht in Frage stellen, aber die einseitige Ausrichtung auf eine unermessliche

Umweltschäden nach sich ziehende Wirtschaft, die, so wie sie funktioniert, NUR funktioniert, weil Schulen ihnen intellektuell konditionierten Nachwuchs "liefern". In Pestalozzis Worten: Es braucht eine Schule für den Kopf, das Herz und die Hand. Besonders das Herz, die gegenseitige Achtung, die Freude, Anderen zu helfen, hat es schwer in einer Schule, die zunehmend zu einer intellektuellen Rekrutierungseinrichtung für Kaderpositionen Weniger verkommt... Wenn das Herz und die Hand vernachlässigt wird, kommt nach der Schule ein eng gesteckter Weg zum idealen Konsumenten - auch Karriere genannt. Die berufliche Leiter hochklettern zu können, ist das Ausbildungsziel der meisten Schulen. Und wer am schnellsten hochklettert, ist nach allgemeinem Verständnis am “Besten”. Dass eine besser ausgebildete Allgemeinbevölkerung wegen DEM weniger Arbeitslosigkeit hat, ist nicht bewiesen. Alternative Strategien, die im Schulunterricht erlernt werden KÖNNTEN, um eines Tages seine Brötchen zu verdienen, werden kaum gelernt. Natürlich, es ist ja auch keine Berufsschule, sondern vorerst nur eine Schule für eine breite Allgemeinbildung. Aber ist sie das...? Ist die typische, moderne Schulstruktur nicht selbstverständlich eine Vorbereitungsschule für spätere Beschäftigung - in einem bürokratischen Umfeld? Wodurch später die oder der bevorzugt wird, der die Grundstruktur der Schule, inklusive ihrem hirarchischen Prinzip, am BESTEN verinnerlicht hat. Was ist eine gute Sekretärin, wenn nicht die logische Fortführung ihrer eigenen schulischen Bildung – und zwar von Anfang an? Vom Beamten im Büro bis zum Bankkader, vom Chemiker im Labor bis zum Architekten, sind alle nicht nur das “Ergebnis” ihrer späteren Berufsausbildung, sondern DIREKT auch ihrer gesamten Schulzeit. Dass sie daher auch wiederspruchslos akzeptieren, dass man das ganzes Leben lang LERNEN muss, ist kein Wunder. Eine Bekannte von mir, die nach verschiedenen Jobs am Schluss wieder im Büro landete - das sie einstmals so innig gerne für immer verlassen hätte - begründete dies mit der klaren Aussage “Ich glaube, ich gehöre einfach hinter ein Pult!” Nun, da ist sie immer noch, ca. 15 Jahre später.

Sie wird gut bezahlt von der Institution für die sie arbeitet, nimmt täglich ihre Psychopharmaka und funktioniert “reibungslos”. Sie ist ein Beispiel von vielen Opfern eines Schulsystems, das in engem Korsett "gezüchtete" Nachfolger für die Durchsetzung grosswirtschaftlicher Interessen rekrutiert. Es findet weniger eine AUSbildung statt, als eine “HINbildung”. Vielleicht erscheint obige Feststellung zu banal, als dass man sie überhaupt in Frage stellen könnte. Was soll Schule SONST sein, wenn nicht die Grundlage unserer Berufe? Oh, was für eine SCHLIMME Frage! Nicht nur das Berufsleben ist zunehmend kompliziert geworden, das Leben überhaupt ist zu einer schwierigen Aufgabe geworden. Vielleicht weniger riskant als früher, aber mit mehr Entscheidungen, die einem abverlangt werden. Gleichzeitig ist zu beobachten, dass immer weniger Eltern in der Lage sind, ihre Kinder in die Komplexität des Alltags einzuführen, auch weil sie selber darin rettungslos verstrickt sind..., weil ja auch SIE nicht gross unterrichtet wurden. In der KUNST des Lebens. Im Erkennen des RICHTIGEN Weges. Im Abschätzen, welches Verhalten menschenrichtig ist, und welches bloss maschinenrichtig. All dies sind Facetten der Kunst, ein anständiger, gewissenhafter, aufrechter Mensch zu sein. Werte, die sich kurz belächeln lassen. Aber immer nur kurz! Und nebst dieser wohl wichtigsten “Nebenaufgabe” jeder Schule, diese Kunst des Lebens zu vermitteln, ganz selbstverständlich und ohne Eile, besteht die andere Anforderung, den Rahmen des Gelernten auszudehnen. Damit später auch ein Künstler sagen kann, ich glaube ich gehöre hinter die Staffelei, eine Musikerin, ich gehöre hinters Klavier, ein Schreiner, ich glaube ich gehöre hinter die Werkbank und, ja, sogar die eine oder andere Frau, ich gehöre hinter den Backofen... , WEIL die SCHULE das ganze Leben in uns drin bleibt und wir dank ihr wissen, WOHIN wir gehören! Aber all diese für eine Kultur so unglaublich wichtigen Tätigkeiten und Berufe werden als blosse Nebensächlichkeiten dargestellt, als Hobbys bestenfalls, denen man/frau nebst seiner EIGENTLICHEN Betätigung nachgeht.

Der ewigen Jagd nach (abstraktem) finanziellem Erfolg. So ist nicht nur die Kunst des Lebens eine unseren Kindern fremde Kunst, über die sie nie etwas erfahren, sondern auch der Sinn des Lebens ein absolutes Rätsel geworden. So ist der Sinn des Handwerks verloren gegangen – es gibt Jobs, wo man BESSER verdient – der Sinn der Kunst ist verloren gegangen – JEDER ist Künstler... - der Sinn Hausfrau (oder Hausmann) zu sein, ist unklar geworden. Niemand hat wohl den Wert einer Hausfrau so gründlich herab gewürdigt, wie die vereinigte Frauenzeitschriftenschaft. Mit tausend Tipps, wie frau ihre monotone, dumme... Hausaufgabe durch einen anständigen Beruf ersetzen kann, damit sie endlich ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft sein kann (damit ihre Kaufkraft steigt, zum Wohl der Inserenten...) Ebenso viele Tipps, wie sie sich der stupiden Kindererziehung entziehen kann, durch regelmässige Fluchten in Fitnesscenter, Shoppingmalls oder einen Cityflug nach London ohne Anhang. So und ähnlich wird Allen der Spass verdorben, die nicht mehrheitskonform am Hochklettern der Karriereleiter sind. Und so bereiten die “normalen” Schulen den werdenden Menschen fachgerecht auf einen normierten Beruf vor, aber auch auf die bevorstehende Langeweile des Lebens. Eine Langweile, die - was für ein nützlicher Zufall - praktisch nur durch ewig steigenden Konsum und Unterhaltung erträglich ist. Innerlich kommt so dem Westen ein kollosaler Sinnkollaps entgegen, den weder hirnstromgesteuerte Videogames noch die schärfste Psychopharmaka aufzuhalten vermag. Wir sind immer tiefer in einem Labyrinth aus Ansprüchen, die Andere an uns, als auch wir an Andere stellen. Wir sind umzingelt von Forderungen der Allgemeinheit. Und die Schule bietet keine Anleitung dazu, wie man diesem Labyrinth an Pflichten entkommt. Ganz im Gegenteil: sie ist der Haupteingang... Sicher auch, weil es praktisch nie um das "grosse Wissen" geht, das vielleicht nicht so tiefe, aber umfassende, sei es das Gleichgewicht der Natur, globale Erdkunde, Kulturgeschichte in groben Zügen, Kosmologie für Jeden, Philosophie zum anfassen. Alle grossen

Themen, die das noch junge, unbelastete Menschenhirn integrieren könnte in sein zukünftiges Weltbild, alle grossen Weisheiten werden tendenziell eher gegen Ende der Schulzeit verabreicht (in kleinen, spitzen Dosen), nachdem man die Kinder jahrelang technisch gefoltert hat mit gnadenloser Routine. Was der grosse Überbau ist, unter dem sich alles bewegt und befindet, wird schulabschliessend als Klarlack auf ein fertig geschnitztes Menschenideal gepinselt. Als “kulturellierendes Feigenblatt” einer sonst zu leicht sichtbaren Nacktheit der Zukunft jeden Schulabgängers. Als Stoff für Smalltalk an kommenden Betriebsjubiläen... Man verschont Kinder mit der kosmologischen Richtigkeit, dass es eigentlich egal ist, ob es sie gibt, ob es überhaupt Menschen gibt oder nicht - da dann zu befürchten wäre, dass sie entweder in eine zeitaufwändige Sinnkrise trudeln. Oder, dass sie in einer sich aus dieser Erkenntnis entstandenen Bescheidenheit, den Weg durch's Leben beginnen. Und wenn es EIN echtes Pfuiwort gibt, in unserem real existierenden Materialismus, dann ist es Bescheidenheit! Oder schlimmer noch: Die Bescheidenheitslehre, als Pflichtfach an der Schule, zwecks Moderation total aus den Fugen geratener Lebensweisen. Mit griffigen Aufsatzthemen wie: "Kann Armut schön sein?", oder: "Kann Reichtum stinken?" (Kinder FREUEN sich auf solche Themen...!) oder: "Wann ist viel, ZU viel?" (Gibt es eine GELDverschmutzung?) Und wenn es NUR ist, um zu erreichen, dass die Kinder der Kinder dieser Kinder noch SELBER mit einem Funken Hoffnung für IHRE – uns unbekannte - Zukunft durch's Leben kommen. Wir LIEBEN doch Kinder, oder...? Wir sind doch AUCH froh, dass die Habsburger nicht mit irgendeinem Gas zur Federung ihrer Kutschen die Atmosphäre ruiniert haben und es jetzt in Europa nur noch regnet. Dass nicht die Kelten Plutonim verscharrt haben.

Wir leben nicht in einem geschlossenen Raum, wo wir uns einrichten können, wie es uns beliebt, sondern auf der offenen, windigen Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft. Immer noch! Nach uns kommen Andere über diese Brücke gestolpert und wollen auf ihr alt werden. Unsere Kinder. Und noch "schlimmer": Menschen, die wir noch gar nicht kennen, die wir nie kennen lernen werden! Aber auch SIE sollten Menschen sein dürfen! Zarte, schöne Wesen, denen das Recht auf ein menschenwürdiges Leben zusteht. Oder? Dürfen wir sie "abtreiben", durch unser Handeln im Jetzt? Dürfen wir sie vertreiben aus einer menschenwürdigen Zukunft? Täusche ich mich, oder sind diese Fragen logische Konsequenz der Frage nach universalen Menschenrechten? Ist die ZUKUNFT nicht AUCH ein Teil des Universalen...? Voltaire, bitte melden! ALLO! Monsieur....! 23. Kapitel Wir vergasen die WELT! Die Gegenwart ist kein geschlossener Raum mit einem dekorierten Schaufenster in die Vergangenheit rein, an dem wir geistig auftanken können! Mit was nicht mehr ist, aber mal war. Mit Bildern und Klichees. Und Gegenwart ist kein Palast mit einem der Unterhaltung dienenden Kindergarten! Die Kinder werden Alte sein und ihre Kinder Greise, wenn man sich immer noch den Kopf zerbrechen wird, wie man die Abfälle der Ahnen "entsorgt". Wobei wir uns klar werden müssen, dass schlicht ALLES, was uns heute so wichtig ist, morgen Abfall sein wird. Wollen wir im Ernst alles verbrennen..., eingraben...? Die Gegenwart WAR aber mal eher ein geschlossener Raum, alleingültig und zur freien Verfügung gestellt, und noch nicht diese aberwitzig schwankende, im Freien stehende Brücke, die sie mir heute zu sein scheint. Durch die materiellen Konsequenzen der Moderne IST die Gegenwart nicht mehr in sich geschlossen. Und DARF sie nicht mehr so scheinen, wenn wir uns weiterhin als Menschen sehen wollen - auch im Spiegel der Zukunft - und nicht

Terminatoren unser eigenen Art! Keine einfach begründbare Hoffnung. Die Worte einer Begründung sind uns von UNSERER Vergangenheit nie überrreicht worden, weil die Vergangenheit diese Hoffnung SO nie in sich tragen musste, weil jede Generation ein eingermassen “sauberes” Feld hinterlassen hat (in sich abgeschlossen war). Das geflissentliche Tun und Handeln, damit es den Kindern besser geht..., erzeugt Probleme ungeahnten Ausmasses für unsere Kinder. Ab welcher Bauhöhe eines Kartenhauses, so frage ich mich höflich..., sollte man besser mit dem Weiterbau aufhören und in neue Baumaterialien investieren? Wie gut lässt es sich leben mit voraus ahnbarem Hass der Zukunft auf ihre Vergangenheit? Auf UNSERE Generation. Nicht SONDERLICH gut, man muss sich die ganze Zeit “Lebe jetzt!” “Lebe SOFORT, lebe AUGENBLICKLICH!” sagen. Die Zukunft wird mit Fingern auf uns zeigen! Viele Fehlentwicklungen der Jugend, deren Gründe im einzelnen Individuum gesucht werden, haben ihren Ursprung in einer kollektiven Dämmerung der Zeit nach uns. Die Deutschen haben im 2. Weltkrieg wohl nicht so viel gewusst über die "Fehlentwicklungen" im eigenen Land - wie WIR über die HEUTIGEN gravierenden Fehlentwicklungen. Wir vergasen aber nicht Juden - wir "vergasen" die ganze Welt..! Wo sonst, wenn nicht in unseren Kindern, dürfte die Dämmerung so einer krassen Zukunft als Erstes sichtbar sein? Ihre Apathie, ihre Hyperaktivität, alles sind Zeichen falsch angegangener (gelernter) Gegenwart, Reflexionen ihrer gut begründbaren Zukunftsängste. Wo und wie also von diesem immer schneller drehenden Karussel allseits vorgegebener Handlungs- und Konsumweisen abspringen? Hier und JETZT? Eltern voraus, oder Kinder voraus, weil sie noch jung und "flexibel" sind? Oder doch Eltern voraus, weil sie Vorbilder sein sollten?

In nur einer Generation hat ein kleiner Teil der Wissenschaft durch Beobachtungen der Natur - wie aussagekräftig sie sind ist umstritten (Was vorhersehbar war!) - Veränderungen messen können, die in Kombination betrachtet, ein vor uns liegendes Szenario des Schreckens skizzieren. Wer jetzt JUNG ist, hat Pech gehabt! Ob es SO kommt, weiss niemand mit Sicherheit, was an der Komplexität der Vorgänge liegt, die beobachtet, respektive antizipiert werden. Fortlaufende Beobachtungen dessen, was tatsächlich passiert, zeigen aber, dass früher gemachte Vorhersagen stimmen, oder zum Teil sogar schneller eintreffen, als befürchtet. Inwieweit Änderungen in z.Bsp. dem Klima katastrophale Auswirkungen haben, bzw. Folge relativ harmloser, ja POSITIVER natürlicher Schwankungen sind, kann momentan niemand schlüssig sagen. Es kann aber sein, dass sich innerhalb einer weiteren Generation die Anzeichen verdichten, dass wir unsere Erde tatsächlich "vergasen". Spätestens DANN wäre es gut, bereits angepasste Wirtschafts- und Konsummodelle AM LAUFEN zu haben, die schon ihre Tauglichkeit ausserhalb der Theorie bewiesen haben! Darf damit BEGONNEN werden? Ernsthaft, umfänglich, JETZT? Es ist hinderlich, wenn Zweiflern unseres einseitig ausgerichteten (bigger, better, more) Fortschritts, immer genau zwei Argumente vor die Füsse geworfen wird. Nämlich, dass sie A) den Weg ZURÜCK suchen, und dass es B) diesen Weg nicht gibt. Diese Argumente sind Ausdruck eindimensionalen Denkens, die man sich zurecht legt, während man im Learjet (von Washington oder Beijing) zur nächsten Klimakonferenz fliegt. Es gründet in veraltetem, militaristischem Denken, wo es um Vorstoss geht, oder Rückzug. Sieg oder Niederlage. Sind wir Mitläufer einer militärischen Industrie, mit Offizieren (CEOs) an der Spitze? Klar doch!

24.Kapitel Campingplatz der Kulturen

Was die Zukunft mit der Vergangenheit verbindet, ist kein linearer Ablauf an Geschehnissen, keine Strasse, derer entlang sich die Gegenwart vorwärts quält - und wenn sie da ist, stehen wir am Strassenrand und dürfen ihr zuwinken, wie einem Konvoi an Geschehendem, dessen Teil wir sein dürfen, solange wir mithalten können... Was Gestern mit Morgen verbindet ist eher ein Campingplatz, ein Set statischer Bedingungen, die wir nur zum Teil erkennen (können), auf dem Kulturen, Menschen, Ideen, Techniken ihre Zelte aufschlagen und sich am immer gleichen Boden festkrallen und dort verharren, so lange die Zeit es ihnen erlaubt, zeitgemäss zu sein. Der Zugang zu diesem "Campingplatz" geschieht von allen Seiten. Kontrolliert, wer rein darf, wird nicht wirklich, jedenfalls nicht von Menschenhand (ausser durch Geburtenkontrolle, Jagd oder Rodung). Wer darin lebt, hat das einmalige Glück, Gegenwart zu sein! Die Zukunft und die Vergangenheit sind nicht durch einen WEG verbunden, sondern durch den ewig gleichen BODEN, auf dem die Gegenwart gründet. Die begrenzte Erde, dem von Weitem bläulichen Planeten zwischen der Sonne und dem Nichts. Wir sind immer noch da, wo wir angefangen haben. Nun zu hoffen, wir können unseren “Campingplatz” eines Tages verlassen, ist Ausdruck kindlicher Phantasie eines Nomadenwesens, das dazu “verdammt” ist, sich ewig doch nur in einem kleinen Kreis zu drehen, entlang den ultimativen Grenzen seines irdischen Reviers. Weltraumtechnokraten beflügeln die Phantasien natürlich GERNE, andere Planeten zu erreichen – sprich andere Bedingungen zu schaffen - denn im Verborgenen entwickeln sie “nebenbei” immer bessere Waffen, die zum Bereisen des Weltalls nicht gemeint sein können. Sie dienen einzig und alleine dem Drang, das Feld auf dem wir unsere Zelte, unsere Hoffnungen stehen haben, unter ihre Kontrolle zu bringen, Feldherren zu werden, nichts weniger. Herren über das Hier und das Jetzt, um die Zukunft vorgeben zu können, als

Marschrichtung. Verkauft wird uns aber eher eine “Marsrichtung”, ein Traum der Superlative, der nur geträumt ein schöner Traum sein kann, denn gelebt würde er zum Albtraum. Diese ultimativ die Technik vorantreibende Utopie eines die Erde verlassenden Ritters in Weltraumrüstung, ist die perverse Schlussfolgerung einer als WEG gedachten Annäherung an eine von der Gegenwart räumlich getrennten Zukunft. Es ist des Verbrauchers (ehrliches Wort!) letzte Hoffung, dass am "Ende" auch unsere Erde ersetzbar sein wird wenn sie aufgebraucht ist, leer gesaugt wie eine alte Batterie. Ausstieg nach "oben" geht nicht, zurück in die Vergangenheit geht nicht, links wartet eine bereits begangene Sackgasse, rechts auch, unterirdisch fehlt die Sonne. Und um die dreht sich unser alter "Campingplatz" seit circa ewigen Zeiten. Sonnengötter waren die vorherrschenden Götter der Antike, der “Sohn” Gottes ist eine vermenschlichte Fehlübersetzung, eigentlich war die SONNE Gottes gemeint, der gehuldigt wird, kaum dass die Tage wieder länger werden... Wer den Schrecken der Nacht derart kraftvoll besiegen konnte, musste wahrlich grossartig sein. Die Strahlkraft der Sonne hat nichts an Glanz verloren. Ihre Zukunft ist circa ewig (plus minus 3 Jahre...). Jede Form der Energie - ausser Atomkraft und Geothermik - ist indirekte oder direkte Sonnenenergie. Auch Wasserkraft natürlich, Windkraft, ja, die Kraft unserer Muskeln und sogar unsere Denkkraft ist Sonnenenergie. Die heutige Generation Eltern steht vor der schwierigen Aufgabe, ihre Kinder davon zu überzeugen, Dinge ANDERS anzupacken, als sie selber es getan haben, ja, es selber TUN. Hier entsteht ein Riss in der Logik der Dinge, denn wie fördert man ein Handeln, das einem SELBER noch fremd ist? Ich vermute, durch Anteilnahme, Interesse, Neugier und Geduld. Ich versuche, diese vier Eigenschaften etwas gründlicher zu erklären:

25. Kapitel Einstellung gegenüber der Jugend: Revisionsbedürftig! Zuerst die Geduld. Das Wartenkönnen. Trotz dem gefühlten Stundentakt in dem sich die Welt ändert, in dem neue Schlagzeilen über uns herein brechen, sagen zu können: "Wart mal! Da war noch etwas...”. Werte, die konstant bleiben. Welche sind dies genau? Das Gute braucht Zeit, auch wenn das Böse manchmal zu explodieren scheint. Es ist wie eine Pflanze, die sich langsam entwickelt, aber wie durch ein Wunder zum Baum werden kann. "You can never count the apples in a seed", sagen die Engländer. Du kannst nie die Äpfel zählen in einem Apfelsamen. Das Gute – sehen wir es denn nicht? vermehrt sich wie von selbst. Aber langsam und nur wenn es darf... Neugier. Die Gier nach Neuem. Ausgeprägt bei Kindern, und dann oft leider abfallend bis ans Lebensende. Die "rundum" blickende Neugier des Kindes wird immer mehr gebündelt in eine Richtung, je erwachsener es wird, auf etwas, das man als Wettbewerb bezeichnen könnte. Zuerst in spielerischer Weise, im Sport, auf Videospielen, in der Schule. Wer ist der/die Beste, Schnellste, Stärkste im Kindergarten, der Schule, dem Leben. Bis am "Ende der Neugier" das Prädikat REICHER zu sein als Andere, alle andere Interessen übertönt. Wie der laute Takt einer Musik, die ein Kind noch gar nicht interessiert. Noch gar nicht hört. Was später von anfänglicher Neugier übrig bleibt, ist die Gier nach materiell fassbaren Neuheiten. Neugier muss von innen kommen, nicht von Aussen abverlangt werden. Es ist eine Erwartungshaltung, die sich an die eigene Offenheit richtet. Interesse. Die Gabe, sich nicht nur nach Neuem zu sehnen, sondern dies auch verstehen zu wollen. Sie wird zwar durch Internet gefördert,

via Wikipedia befriedigt, kann sich dadurch aber nur auf das konzentrieren, was bereits mental vorbereitet worden ist und auf symbolischer Ebene in Bildschirmgrösse darstellbar ist. Eventuell mit einer parallel einhergehenden Verarmung des Interesses an der grösseren Oberfläche der uns umgebenden WIRKlichkeit. Wo die Dinge eine Wirkung haben (können) und uns nicht nur Geschichten erzählen und Bilder „aus dem Nichts“ auftauchen. Das Interesse und das Nahe liegende sind entkoppelt worden. Materiell, als auch Menschlich. Mit einer Vehemenz und Selbstverständlichkeit, die ein Jahrhundert nach Einführung des Telefons, eine Generation nach Einführung des Internets, die unbewusst facettenreiche Erde zu einem bewusst global vernetzten Dorf zusammen geführt hat, in dem der Nachbar ausstirbt, Heimat zum Fremdwort wird. Aus der Lebenseinstellung allgemeinen Interesses, ist der spezifische Akt des Googelns entstanden. Was nicht auf Internet ist, gibt es nicht. Was es nicht gibt, hat kein Interesse verdient. Je früher ein Mensch exklusiv mit dem Internet verbunden wird, je logischer erscheint ihm dieser (Trug)schluss. Neben dem gleissend hellen Geflacker, das durch diesen virtuellen “Türspalt” dringt, versinkt der Rest vom Raum im Dunkeln. Man weiss viel, versteht aber “die Welt” nicht - da sie zu gross geworden ist! Resultat: der global citizen ist ein geschrumpfter Bildungsbürger voller Worte, aber ohne seine wirkliche Relevanz zu verstehen – daher ist er befreit von der Verantwortung seiner konkreten Handlungen! Und macht weiter wie gehabt... Anteilnahme. Sie mag das erste zarte Leuchten sein, das wieder Helligkeit in die neue Dunkelheit bringt. Das Zulassen der Teilnahme der Jugend am Gestalten unserer Welt. Nicht bloss digital, sondern REAL! Leider passiert dies aber nicht, sondern das entsetzliche Gegenteil. Ein Baby, ein Kind, ein Jugendlicher wird in eine scheinbar fertige Wirklichkeit gesetzt, die durch und durch fabriziert worden ist, fast ausschliesslich von Maschinen, ausser das Alte, museale, antike. Alles andere: Ausgedacht von Fremden, produziert in der Ferne.

Spielerische Interaktion von Kindern mit konkreten Dingen ist unerwünscht und wird wo nur möglich unterdrückt! Den meisten Eltern ist dies gar nicht bewusst. Es fängt an bei den Spielzeugen: Simple Bausteine aus Holz, aus denen sich alles Mögliche machen lässt, sind verdrängt worden von Barbie für Mädchen und Mondmobilen für Jungs. Alles ist fixfertig, inklusive die Geschlechterrolle. Nichts lässt sich mehr auseinander nehmen, Nichts anders zusammen bauen, Nichts reparieren. Nun, Anteilnahme bedeutet doch auch, dass man bereit ist, zu NEHMEN, und nicht nur zu geben... Haben wir das vor lauter Schenken vergessen? Wir empfinden unseren Kindern gegenüber unbewusst eine Art materielle Bringschuld und decken damit ihre keimende Kreativität zu, ihren urmenschlichen Schöpfungsdrang. Mit immer fixfertigeren Spielzeugen lassen wir diesen Drang nicht zu. Interaktivität wird praktisch nur virtuell ermöglicht, kaum mehr in dreidimensionaler Form. Dass hierdurch die Intelligenz eines Menschen gefördert wird, bezweifle ich stark! Was dadurch hingegen mit Sicherheit gefördert wird, ist ein unbewusstes Gefühl der Machtlosigkeit. Wer nichts machen kann, darf, oder soll - flüchtet in die vorgegaukelte Scheinwirklichkeit aus Computergames, oder Drogen. Und/oder versinkt in lebenslanger Aphatie und Resignation vor einer Welt, die sich weigert, die noch so kleinste Essenz eigener Persönlichkeit aufzunehmen, zu integrieren in den gemeinsamen Überbau, da dieser schon längst nicht mehr gemeinsam ist, sondern als übergestülpter Sachzwang existiert. So ist aus einem über Jahrtausende euphorisch produktiven Wesen, das Gegenteil geworden: der jugendliche Konsument. Die „Hauptschuld“ des Einzelnen gegenüber der Allgemeinheit liegt nicht mehr im Anteil an der Produktivität - sondern im VERBRAUCH des Produzierten. Von ANTEILNAHME an der Jugend von heute kann im Ernst nicht mehr die Rede sein! Jugendarbeitslosigkeit ist ein Witz!

Die Jugend sollte gar nicht ARBEITEN..., sondern sich zuerst die Zukunft ausdenken! Aber die Kinder von heute erwartet eine Wirtschaftsstruktur, die keinerlei Interesse hat an ihren Wünschen, sich nicht um ihre Ängste schert, keine Verwendung für ihre Ideen hat, keine Beschäftigung für ihre Hände vorsieht, sich langweilt, wenn ein Kind einen Traum hat, zurück weist, wer einfache Lösungen bietet, keinerlei Respekt hat vor der Zukunft, auch wenn in all diesen Belangen das genaue GEGENTEIL versprochen wird! (Zu übertreiben oder zu untertreiben sind veraltete Strategien, cool ist heute, diametral das Gegenteil zu behaupten! Ironie in der Werbung, plakative Soundbites der Politiker verleiten zu immer effizienteren Formen der Lüge.)

26. Kapitel Der „look“ der Wirklichkeit Wehe dem, der solche Gedanken hat! Wehe dem Kind, das merkt, dass der Kaiser nackt ist! Pfeifen in der Dunkelheit nützt nichts mehr, um an den Morgen zu glauben. Das kakophonische Kreischen des Erdballs auf allen Frequenzen, das Gleissen von Milliarden Lampen in den dunklen, ewigen Raum hinaus, können nicht verhindern, dass sich Angst breit macht, Kinderangst. Das dumpfe, schäbige Gefühl, ausgesetzt zu sein, einem futuristischen Planeten ohne Future. Weniger als alleine zu sein. Nicht mal ein kleines Zahnrad im Getriebe der Welt, als was sich die Eltern noch fühlen durften. Nein, höchstens ein Atom zu sein, funktionslos und ohne Sinn, einzig dazu da zu sein, von elektronischen Produkten umkreist zu werden, die von Maschinen produziert werden, die selber von Maschinen produziert wurden, die auch wiederum von Maschinen produziert worden sind. Das grosse Blutbad der Rationalisierung. Der grosse Bluff! Die Angst, niemand zu sein, ist gut ersichtlich! Zum Beispiel an der Ausbreitung von Graffiti und TAGS. In jedem Betonland der Erde

stehen sie bunt an die Wände geschmiert. Ich war hier! ICH! ICH! Nein, IIIICH! Lautlose Zeichen der Angst, niemand zu sein. Was das Pfeifen im dunkeln Wald ist, ist das Anbringen von Tags in einer anonymen Stadtlandschaft. Es versichert die Seele. Signaturen ohne Sinn leider, für die empfindlich niesende Allgemeinheit, zum Verdruss einer auf Ordnung bestehenden Mehrheit – als auch zum Vergnügen einer daraus entstandenen Industrie, die fachmännisch Graffiti von den Wänden entfernt. Mit speziell dafür produzierten Chemikalien, die speziell dafür spezialisierte Chemiker sich speziell dafür ausgedacht haben... Der homöopathische Frohmut der Erwachsenenwelt wird also bereits empfindlich gestört durch Farbklekse aus Kinderhand. Na also! Hier offenbart sie ihre EIGENE Verunsicherung. Selbst ZWEIDIMENSIONAL wird der Jugend das Mitwirkungsrecht an der Gegenwart verweigert. Von Anteilnahme keine Spur. Nicht mal AUTOS dürfen von den Kids angemalt werden, fällt meiner empfindlichen Seele da auf... Kein Anteil kindlichen, jugendlichen Denkens, kein Anteil ihrer Kreativität, ihrer Phantasie wird entgegengenommen von einer teflonbeschichteten Erwachsenenwelt. Kein Zeichen, kein Tag, kein Farbkleks darf sein auf den Wänden der Wirklichkeit. Aus Gründen, die nie genau besprochen wurden, ist der "Look" unserer heutigen Welt eine REINE Erwachsenenangelegenheit. Geworden! Denn DAS ist neu! Einstmals war der Look der Welt nicht in erster Linie das Resultat Erwachsener...., sondern einer mehr oder minder intakten Natur. Es bestand wenig Grund, der Natur Symbole anzufügen, die auf die eigene Existenz verweisen. Man konnte dies aber, zum Beispiel indem man in die Borke von Bäumen ritzte, wenn man etwas auf dem Herzen hatte, aber man lehnte sich DADURCH nicht GEGEN den Untergrund auf, den man benutzte. Ein Baum war nicht Eigentum anderer, sondern der Allen zur Verfügung stehende „Canvas der Natur“. Es war nicht in sich ein politisches Statement, sondern

höchstens die Message. Ein Baum, ein Felsen, verkörpert nicht Fremde, sondern ist als Natur Teil des universellen Selbst. Wie anders die Situation in einer modernen Grossstadt! Die zu Grunde liegende Ästhetik sind Betonmauern, anonym erstellte Wände. Auf Computern errechnete, für die Ewigkeit in Zement gegossene Wirklichkeit. Umwelt ist nicht eine sich selbst gehorchende Natur, nicht mal eine domestizierte Natur, sondern höchstens eine von Stadtgärtnern bewachte Feigenblattnatur. Durch das ist nicht mehr Natur die Umwelt, sondern der Mensch ist die Umwelt geworden. Seine Zweckarchitektur in ihrer sich auf sich selbst berufenden Funktion ist der äussere Rahmen, Natur findet nur noch seine Funktion als Hundeklo. Diese Wirklichkeit, diese Umwelt, erschreckt die innere Natur des alleine gelassenen, ungetrösteten Menschen, dem die Verbindung zur äusseren Natur, als wohl beste Hilfe im Versuch seine Identität zu ergründen, fehlt. Die Umwelt in die man verwurzelt ist und als Kind sich damit zu verbinden versucht, ist essentiell das Resultat Fremder, über die man nichts weiss, die man nie sieht, nie gesehen hat, die aber mit einer Machtfülle gegenüber der Wirklichkeit ausgestattet sind, dass sie ganze Stadtquartiere gentrifizieren, Vororte aus dem Boden stampfen und den Look von Schulhäuser bestimmen. In dieser umfassenden Fremde eine Spraydose auszupacken und Spuren des Selbst anzubringen, gehört zu den letzten Freiheiten, die einem Kind oder Jugendlichen technisch noch möglich sind, um sich selbst in die Wirklichkeit zu "befördern". Alles andere ist vorgegeben. Diktiert von einer Erwachsenenwelt, deren Selbst nicht über das Geben, sondern über das Nehmen, den Konsum, den daraus erwachsenen Status definiert wird. DEM Erwachsenen geht es also letztlich auch nicht besser, ihm ist die Umwelt genauso fremd und unantastbar, jedoch ist sein Reflex, sich dagegen aufzulehnen und SICH SELBST einzubringen, erlahmt, denn er darf und SOLL seinen Anteil NEHMEN am Ganzen, nicht GEBEN.

Dieses alleingültige Verhalten der Erwachsenenwelt, ist der Königsweg in den kulturellen Abgrund! Wir folgen ihm... Dass GLEICHZEITIG das Wohl der Kinder fast emblematisch zur Hauptaufgabe unserer aufgeklärten Spassgesellschaft erhoben wird, verleiht unserem Zeitalter etwas absurd Heuchlerisches. Das Absurde reflektiert sich besonders in Tags. Sie sind ästhetisch angepasst an den Hintergrund, auch wenn sie ihn scheinbar konterkarieren. Sie verunzieren moderne Architektur nicht, verzieren sie aber auch nicht. Von Ausnahmen abgesehen. Sie sollen zwar persönlich sein, wirken aber gleichzeitig anonym, ja, belanglos! Sie sind die einzigen kleinen Triumphe einer Generation, deren Teilnahme am Gestalten auch IHRER Umwelt unter Strafandrohung verweigert. Kleine, bodenlose Frechheiten gegenüber einer Gesellschaft, die kaum etwas mehr fürchtet, als das Freche, da es in einer Grauzone zwischen Legal und Illegal nistet und sich einer klaren Beurteilung dadurch entzieht. Ironie findet jederzeit verständnisvolle Anhänger, ebenso wie Zynismus. Eine Frechheit bleibt aber in sich, was sie ist – eine Frechheit!

27. Kapitel Dreiergespann um Aufmerksamkeit ringender Phänomene Wohin also mit der Schöpfungskraft der Jugend? Diese Frage ist nicht neu. Jedes Zeitalter hat Antworten darauf gefunden. Viele Generationen lang bestand sie im Weitergeben alter Traditionen, die durch die zur Verfügung stehenden Materialien, Techniken und Inspirationen beschränkt waren. In diesem Rahmen konnten Kinder ihre Schüpfungskraft beweisen. Kultur war noch keine Materialschlacht, sondern der zarte Versuch, gruppenverbindende Symbolik zu schaffen. Kulturen hatten oft etwas kindliches an sich, das Kinder weniger ausschloss in ihrer ENSTEHUNG. Das Christentum betete nicht bloss einen ans Kreuz genagelten Jesus an,

sondern auch ein in der Krippe liegendes Baby mit süssen Eseln, bunt gekleideten Weisen und einem geheimnisvollen Sternenhimmel als Rahmen. Der romantische Teil war wohl in jeder Kultur vorhanden. Keine Kultur dürfte sich mit ihrer technischen Zweckmässigkeit so stark identifiziert haben, wie die europäisch-westliche von heute. Das, was Kultur ausmacht, ist zum digitalisierbaren Content geschrumpft, die sich durch Verkäuflichkeit definiert - die im reproduzierbaren Rahmen aber leider schnell an Wert verliert. Beabsichtigt? Von ästhetischer Kraft der vereinenden Symbolik kann wenig Rede sein, jedenfalls im visuellen Bereich. Der ursprüngliche Schriftzug von Coca Cola trägt noch etwas romantischen Charme des der Natur entliehenen Jugendstils um die Welt, ist aber längst zum Prototyp des Allerweltssymbol geworden. Facebook in seiner modern bewussten Nüchternheit, und viele andere (Gap z.Bsp.) sind Repräsentanten einer modernen Symbolwelt, die von Ästhetik nichts mehr wissen will. Die ästhetische Kraft ist ersetzt worden durch Tags der totalen Macht, die klug als Möglichkeit getarnt wird, sich selbst dieser Macht zu bedienen. „The new master of the internet is YOU!“ kreischt Yahoo. Wer etwas unbeteiligt die moderne Welt betrachtet, sieht ein Dreiergespann um Dominanz ringender Phänomene: Aus dem Boden schiessende, graue oder glitzernde, kunstlose Gebäude, die sich überbieten an Grösse, als auch an ästhetischer Zurückhaltung. Zweitens, bonbonfarbene Werbung mit Grossaufnahmen glücklicher Menschen, im Idealfall erotisch aufgemotzt, an den Wänden der Gebäude oder in Busstationen. Drittens, schwarz angezogene, dreidimensionale Menschen, die maschinell von A nach B gebracht werden. Kinder, deren Wohlbefinden uns offiziell so am Herzen liegen, entdeckt man nur mit einer Lupe in der Hand. Nicht nur der Look der Umgebung, sondern auch der Look der Kinder, ihre Kleider, ihr „Zubehör“, sind das Ergebnis Erwachsener. Zum Wohl der Welt der Kinder hat sich der Erwachsene selbst auf ihr Niveau begeben. Glaubt, lustig zu sein. Erheiternd. Mut machend. Und merkt nicht, dass er dabei selbst kindisch geworden ist.

So entsteht ein weiteres Paradox. Die betont der Logik und Sachlichkeit verpflichtete Welt aus Betonarchitektur und durch schrille Werbung geförderte Wirtschaft - bedient von verantwortungbewussten Erwachsenen - ist in SICH SELBST kindisch geworden (nicht kindlich...). Kaum etwas verletzt ein Kind mehr, als kindische Erwachsene, da sie ihr eigenes Kindsein als blosse Karikatur wiederspiegeln. Was dazu führt, dass sich in einer von der Mehrheit (Erwachsener) vehement abgelehnten, aber real mehr denn je existierenden Parallelgesellschaft - der der Kinder - Resignation breit macht, gesellschaftliches Desinteresse, das Gefühl allgemeiner Nutzlosigkeit und daher eine diffuse Angst vor der Zukunft. WIE kindisch unsere Erwachsenenwelt daher kommt, fällt besonders einem Kind auf... Während Erwachsene glauben, das Monopol für die LOGIK zu besitzen, sind in Wirklichkeit SIE perfide KINDISCH geworden! Während nun umso MEHR den Kindern die Bürde der Logik in den Schulranzen gesteckt wird, wie ein Felsen, durch eine zunehmend von Logik getriebene Schulungsidee. Wer Atworten auf Fragen der Zukunft sucht, kann sie nur von denen erwarten, die sie VOR sich haben, denn Erfahrung, akkumuliertes Wissen aus der Gegenwart, verliert zunehmend an Glaubwürdigkeit. Wir schieben einen solch kollosalen Berg an Problemen vor uns her, weltweit, wie keine Erdbevölkerung dies je in ihren schlimmsten Albträumen erahnen konnte! Die meisten dieser Probleme sind menschengemacht, lifestylebedingt, modebedingt. Es wäre unangebrachter Stolz, sich nicht der Schöpfungskraft der Jugend zu öffnen, einen Lifestyle zu erfinden, der verträglich ist mit einer menschlichen Zukunft! Anteilnahme an ihren Ideen also. Integration in die Wirtschaft nicht nur am empfangenden Ende. In letzter Konsequenz: Respekt vor der Zukunft, dem grossen, weiten Land ohne uns.

28. Kapitel Kinder sind Monster! Als Basis menschlichen Strebens und Wirkens kann man heutzutage risikolos die Wirtschaft bezeichnen, früher war es Religion, davor das nackte Überleben der Sippe. Wenn die Wirtschaft das massgebliche Prinzip ist, dem wir uns ein Leben lang unterordnen müssen, ist es interessant, wie WENIG Kinder die Möglichkeit erhalten, die konkreten Mechanismen der Wirtschaft zu durchschauen! Noch etwas konkreter: wie wenig Ahnung sie haben von der freien Marktwirtschaft, wenn sie bereits längstens daran teilnehmen. Es gibt Ausnahmen. Auf drei möchte ich eingehen, um dann daraus Schlussfolgerungen zu ziehen. Ein Onkel von mir hat in seiner Schulzeit mit allem Möglichen gehandelt und seinen Mitschülern von Schnürsenkeln bis Uhren alles verkauft, was er anderswo erstehen konnte. Aus ihm wurde später ein Kaufmann und Fabrikbesitzer. Er wurde einer der reichsten Schweizer seiner Generation. Zweites Beispiel. In Asien trift man auf Schritt und Tritt auf Kinder, die etwas zu verkaufen haben. Überall gibt es Märkte. Oft sind Kinder hinter den Ständen. Der gut betuchte Europäer in seiner massgeschneiderten Thaiseide neigt zu Mitleid mit den armen Kindern, die bereits in zartem Alter zu Händlern erzogen werden. Dann fliegt er heim und merkt, dass sein Arbeitgeber plötzlich pleite ist. Wegen der Konkurenz aus Asien... Drittes Beispiel. Jedes Kind Mitteleuropas, Nordamerikas, Australiens besitzt so viele Spielzeuge, dass es sich darin prima einbuddeln könnte und nicht mehr sichtbar wäre. 100% dieser Spielzeuge sind von Erwachsenen entwickelt worden. Sofern sie nicht von Maschinen ausgespuckt werden, sind sie oft von Kindern GEMACHT. Unter unmenschlichen Bedingungen. Für ein Pack 2-Minuten-Nudeln pro

Tag und zwei Tassen Tee. Für eine Millionenschar gelangweilter Kinder des Westens. Aus diesen drei lose zusammen hängenden Feststellungen ergibt sich vielleicht die Frage, warum nicht die Sache vereinfachen? Warum nicht die Kinder ihre Spielsachen SELBER bauen lassen... UND sich gegenseitig verkaufen lassen? Nicht nur unter der Hand am Pausenhof, sondern geregelt an wöchentlichen Märkten, deren Teilnahme zum Unterricht gehört. Mit der realen Chance, reales Geld zu verdienen. In einer Gesellschaft, wo jedes zweite Wort Wettbewerb heisst, jedes dritte FREIE Marktwirtschaft, jedes vierte Liberalität, also die Kraft des Lebendigen... - warum nicht gleich anfangen, diese Werte zu vermitteln in einfacher Form, von Kindesbeinen an? Warum sich entsetzen, wenn mit Drogen gehandelt wird, wo man eigentlich als Kind mit gar nichts (mehr) handeln darf? Nur zuhören darf, warten darf. Studieren darf, um eines Tages mit Derivaten handeln zu dürfen, zum Wohle einer alten, bemoosten Bank. Warum nicht die freche und unbelastete Bande der Jugend wirtschaftlich aufeinander los gehen lassen? Bis es sprüht vor Ideen, knallt vor Erfindungen, stiebt vor Inspiration für Mode, Kunst, ja Kultur! Warum nicht WIRKLICH Liberalität zeigen? Zukunft wozu? Als Rummelplatz zum Austoben der immer gleichen Wirtschaft? Oder als Kindergarten für neue, ethische, von Klein an ökologische, von Anfang an soziale Wirtschaftsstrukturen? Zukunft für Natur, den Menschen eingeschlossen, statt Zukunft für totes Kapital, arbeitsplatzmördernde Maschinen. Was diese Generation nicht schafft, muss sie der nächsten Generation helfen, zu werden. Samariter eines verletzten Planeten. In jedem Kind steckt ein Monster, eine Schamanin, ein Genie. Wir pflegen eine Kulturlandschaft, die das Monster fördert. In Filmen, Spielen, Geschichten. Kinder fressen, was ihnen vorgesetzt wird. Was

sollen sie sonst? Was sollen sie SEIN, ausser was sie vorgestellt kriegen...? Amerika hat aus Mangel einer lauteren Geschichte - die man erzählen kann, ohne rot zu werden wie ein Indianer... - die Dinosaurier entdeckt. Sie wurden zum Prototyp amerikanischer Ablenkung von der Gegenwart. Europa ist nachgehechelt und hat den Zauberer und die Hexerei von Spinnweben befreit und ihrer Jugend als Ablenkung vom Jetzt vorgelegt. Noch nie ist eine Generation technisch so hochstehend von der Wirklichkeit abgelenkt worden. Dabei wird immer die gleiche Geschichte erzählt. Finstere Gesellen wollen der Welt (dem Guten, der Jungfrau etc.) an den Kragen, kurz bevor es tödlich endet, tritt Schwarzenegger auf den Plan. Der schaurigschöne Kampf gegen die Verdorbenheit. Aber letztendlich, und nur um Haaresbreite, gewinnt immer Arnie, Harry, Jack, bzw. das Gute. Amen. Konträrer zu der Wirklichkeit kann heutzutage kein Handlungsstrang sein! Ein paar Schweissperlen in Grossaufnahme, ein paar Hektoliter Blut, Tränen, und/oder einige Sexbomben - ja nach Zielgruppe Lächeln, Schweiss abwischen, Abspann, Ende. Interaktiv konsumierbar, Breitbild, ferngesteuert, Quadro, 3D, HD. Hundert Millionen Produktionskosten pro Film, aber immer die gleiche Geschichte. Jegliche Ähnlichkeit mit der Wirklichkeit ist rein zufällig und unbeabsichtigt.

29. Kapitel Vom konstruktiven Gebrauch von Baustellenbrettern Das Erwachsenenmonopol in der Kultur gehört von Kinderhand geschleift! Die Gefahr, dass ihre Entwürfe NOCH banaler sind, besteht kaum... Die Frage, was schön ist, und daher gut und richtig, gehört einem grösseren Publikum vorgelegt. Und zwar nicht nur als per Fernbedienung vorgeschlagene Wahl aus 1000 Kanälen, die von

Erwachsenen moderiert - also zensiert - worden sind, sondern als konkrete Chance, auf die Kultur einwirken zu können, die der Wirklichkeit nicht nur den Spiegel vorhält, sondern auch eine andere Wirklichkeit entwerfbar macht. Vorstellbar, in Form des kulturell verübten Gegenvorschlags. Aber wo wäre der Rahmen solcher kindlicher Freiheiten? Ich erinnere mich an die beginnenden Achziger Jahre in Zürich, eine Zeit der Konfrontation zwischen den offensichtlich Etablierten und der um Sebstinterpretation bemühten Jugend. Während ein zweistelliger Millionenbetrag für die Renovation der Oper bereitgestellt wurde – abgesegnet vom Stimmvolk – gab es nicht mal EIN Jugendzentrum in dieser steinreichen Stadt. Eine alte Fabrik im Stadtzentrum wurde besetzt und bunt angemalt, die eigentlich abgerissen werden sollte. Ein Parkplatz wurde offiziell gebraucht, nicht ein Jugendzentrum. Zwei gewaltige Interessen standen sich bewaffnet gegenüber. Eine rebellierende Jugend- und eine dominierende Opernkultur. Es gab Verletzte auf beiden Seiten, und das Ganze zog sich in die Länge. Das AJZ getaufte Jugendzentrum (Autonomes Jugend Zentrum) mit eigener Druckpresse und anfänglich von logisch vertretbaren Argumenten angeführt, wurde zum Drogentreff der harten Sorte. Das AJZ schaffte es nicht, sich vom Vorwurf zu befreien, NUR autonom sein zu wollen, aber kaum als Jugend-Treff dienen zu können. Inmitten dieser explosiven, tränengasgeschwängerten Lage entstand ein interessanter „Ableger“ des AJZ, das „Chaotikon“, wie es genannt wurde. Eine Alternative zur Alternative, bzw. eine Brettersiedlung auf einer ungenutzten Insel in der Siehl, dem kleinen Fluss neben dem AJZ. Hier entfiel wenigstens der Vorwurf, einem Bauvorhaben der Stadt im Weg zu sein. Auch entpuppte sich dieser konstruktive Versuch als interessantes Experiment, was passiert, wenn man Jugendliche mit Brettern, Sägen, Hammern und Nägeln „ausstattet“. Sie ARBEITEN nämlich... Und exponiert wie sie waren, mitten in einem Fluss, direkt hinter dem Zürcher Hauptbahnhof, eingekreist von Strassen, Brücken und Parks, setzten sie einen bemerkenswerten Kontrapunkt zu der scheinbaren Zweckmässigkeit ihrer Umgebung.

Während das AJZ zunehmend zu einem Drogengetto wurde, mit eingeschlagenen Scheiben und verzweifelten Graffitis, blühte in Chaotikon kurz ein Versuch auf, konstruktiv zu sein, statt destruktiv. Was dann auch schnell sein Ende fand, schneller als das AJZ. Ein Grosseinsatz der Polizei mit Hunden beendete den Spuk, der NOCH weniger sein DARF, als eine Jugend, die der Allgemeinheit ihre Verzweiflung entgegenhält. Nämlich eine Jugend mit konstruktivem Mut! Dass sie sich an Baustellen ihre Bretter besorgt hatten, war der einzige Vorwurf, den man ihnen machen konnte... Und sonst? Wo gibt es zumindest graduelle Freiräume der Jugend? Christiania in Koppenhagen kenne ich nur vom Hörensagen. Scheint ein gelungener Versuch zu sein, auch wenn die der Allgemeinheit so sakrale Drogenprohibition ihr andauernd zwielichtige Gestalten zutreibt. Und sonst? Biobauernhöfe in der Toscana, Aussteigertum im Vereinzelten, lose Zirklel alternativer Lebenskonzepte, die aber selten viel Sexappeal auf die heutige Jugend haben. Ist man verloren, auf der Suche eines anderen Weges durch die Moderne? MUSS JEDER letztlich die Werte der Gegenwart vereinnahmen? IST Geld, Fortschritt, Karriere das Ende menschlicher Entwicklung? Eine „die Welt ist so wie sie ist“-Philosophie scheint unausweichlich und breit wie ein Readers Digest Jugendlexikon der Allgemeinheit entgegenzufliegen, egal wieviel von Umdenken geredet wird! Der Mensch hat sich damit abzufinden, dass Umdenken nichts bewirkt, also auch Denken nicht... Gedacht wird in den oberen Etagen der Politik – und zwar an die Wirtschaft. Wenn überhaupt! Jugend ist bloss ein Spassurlaub bevor es ernst wird! (So sehen das doch die „Herren der Schöpfung“...!) In meinem eigenen jugendlichen Leichtsinn konnte ich es mir nicht verkneifen, im Fall eines Landes wie der Schweiz darauf zu hoffen, dass vielleicht das eine oder andere unbewohnte Bergtal freigegeben wird, um dort in relativ autonomer Art jugendliche Selbstorganisation

erlaubt zu kriegen..., wenn es schon keine autonomen Jugendzentren in den Städten geben darf. Warum denn NICHT? Fragte ich mich, in unbewohnten Bergtälern stört nicht mal die lauteste Musik. Das war noch vor der Zeit der Parallelkulturen. Wie NAIV ich damals war... Selbst ein offiziell so freies Land wie die Schweiz würde kein noch so kleines Bergtal, keine Wiese, nicht mal einen Felsvorsprung sich selbst organisieren lassen. Obwohl ihre eigene Geschichte diese Möglichkeit ja bildhaft (Rütli) vorgemacht hat! Oder gerade DESHALB...? Aus Angst, ein Vorbild zu erlauben für etwas so ungestümes, wie die JUGEND?

30. Kapitel Die Zukunft ist eine Wüste – mit Oasen! So wird Einigkeit bis zur Ewigkeit beschworen. Und hinten rum werden Mechanismen gefördert, die dieser Eingkeit zuwiderlaufen, bis die Zerstückelung der Gesellschaft perfekt ist. Nur so funktioniert die Macht der Moderne! Die Angst vor Parallelgesellschaften ist die Angst einer nicht vorhandenen Gesellschaft vor einer vorhandenen. Wer Nachbarschaftshilfe, Nächstenliebe, Gemeinschaft erleben will, suche diese Werte am Besten in genau diesen von uns gefürchteten Parallelgesellschaften. Uns fleissigen Mitteleuropäern sind diese Werte reichlich abhanden gekommen... Unser als Antwort versuchter Dialog zwischen den Kulturen, setzt voraus, dass wir selber Teil einer Kultur des Dialoges sind. Sind wir das? Im öffentlichen, moderierten Raum vielleicht, also in Diskussionsrunden am Fernsehen, kaum aber noch im die Privatheit sprengenden Mittelraum, wie öffentlichen Plätzen, Restaurants, Nahverkehrsmitteln. Und dass der Dialog uns dort nicht gelingt, hat seine Ursache in der Diskussionslosigkeit im privaten Raum, von dem aus zwar Dialoge beobachtbar sind (TV) aber nicht mehr geführt werden. Entweder weil man alleine lebt – in Zürich sind die Merheit der Haushalte Alleinstehende – oder weil der Rest an familiärer Gemeinsamkeit nicht geopfert werden soll, für so etwas banales wie

DISKUTIEREN. Das überlässt man den schwatzhaften Negern... (Ja, ich zeichne hier bewusst mit schwarzer und weisser Farbe! Übertreiben macht anschaulich, hat mir mein Vater in vielen der endlosen Diskussionen gesagt, die wir zeitlebens führten.) Und doch hat sich die Diskussionskultur erhalten. Sie ist ausgewichen auf das Internet und findet auf Bloggerseiten ihren Niederschlag. Man wird dort regelrecht nieder geschlagen... Hinter einer anonymen Maske entfaltet sich der Hang zum Radikalen besser, könnte man meinen, was aber kein Nachteil sein muss. Vielleicht im Gegenteil! Was uns der gute Ton im Alltag zunehmend verbietet, findet hier einen Ausgleich. Auf Internet scheint die Chance entstanden zu sein, sagen zu dürfen, was man denkt. Jedem Kind surren Internetseiten durch den Kopf, wenn man es fragt, ob es sich mit der Welt verbunden fühlt. Input geben darf. Am Treiben der Welt teilhaben darf. Ja, im Internet hat's funktioniert! Jetzt ist "nur" noch die Wirklichkeit „dran“! Nicht das Darstellende, sondern das Dargestellte. „Wenn wir die Welt schon nicht ändern können, dürfen wir sie dann wenigstens bunt anmalen?“ formulierte ich in jungen Jahren meine Ambivalenz zu der Unveränderbarkeit der Wirklichkeit. Die Wirklichkeit ist für jede neue Zeit zuerst eine Wüste, deren Oasen selten sind. Die letzten Brocken Weisheit und Wahrheit vielleicht, die die Zeiten überdauert hat, dazwischen die gähnende Leere substanzloser Überreste dessen, was dazwischen war. Die Wüste Zukunft. Der verlassene Campingplatz. Wie nach einem Open Air Tekknospektakel, das 300 Jahre gedauert hat und Milliarden Menschen vor die Lautsprecher gezogen hat, vor die Breitwandmonitore. Und beim Ende das Konzerts haben sich alle gegenseitig zu Tode gequetscht. Überlebt haben bloss ein paar Kinder...

Den letzten "Poker", den wir haben, sind unsere Kinder! Der letzte Pfeil im Köcher gegen sich anschleichende Sinnlosigkeit ist die Jugend von heute! Newton darf sich wieder setzen! Wir haben ein anderes Problem zu lösen. Wir wissen jetzt, wie die Welt sich dreht. Wir müssen jetzt herausfinden, wie man mit diesem Planeten weiterfährt. Mit bald zehn Milliarden Passagieren. Vielen Dank, Newton! "Was nice talking to you!" Dass die Natur auf krasse Art aus dem Gleichgewicht kommt, von dem hat Newton selbst im Alter nichts geahnt. Heutzutage weiss es jedes Kind. Dass die Wirklichkeit zur Wüste werden kann. Die Umgebung des Menschen Fremde werden kann. Mit all dem hat Newton nicht gerechnet. Friede seiner Optik. Ja, Alter, du hattest RECHT! Die Zukunft ist eine Wüste, wie gesagt mit Oasen. Wie und wie gross sie sind, muss wieder neu vermessen werden, Karten gibt es noch nicht, der Überblick ist noch nicht da. Wo und wie gross die Oasen sind, weiss niemand mit Genauigkeit. Eine Zukunft eines Zeitalters ist von Natur aus offen, was auch heisst, gefährlich. Jede Abbiegung vom Mainstream wird also wahrgenommen, so breit und weit gefächert dieser scheinen mag. Der moderne Schweizer geht fröhlich pfeifend durch sein Land, glaubt es gibt langsam ALLES, und bleibt wie angewurzelt stehen, wenn er im Warenhaus eine Astgabelgarderobe zu sehen bekäme. Weiter nichts. Und er würde die Brille anziehen und das Label studieren. Und wenn er darauf lesen würde, dass sie im Nachbardorf hergestellt ist, würde er sich erst Recht wundern. Unsere Gegenwart ist daran, zur Wüste zu werden, weil alles

selbstverständlich geworden ist. Selbsterklärend. Der Rarheit beraubt. Des Regionalen. Des Menschlichen. Und so würde der Herr Schweizer zuerst mit dem Fingernagel an der Borke kratzen und prüfen, ob dabei nicht ein Stück abbrechen könnte. Damit seine Frau nicht unnötig Arbeit hätte mit ihrem Hoover X7000 GTI Staubsauger mit selbstreinigendem Turbosack und Blinkern. Aber. Er würde vielleicht Gefallen finden an der knorrigen Garderobe und sie sich KAUFEN! Sie müsste nur billig sein, etwa 48,50. Das ist aber leicht hinzukriegen, wenn man im Nachbarwald die Astgabeln findet und sie mit Freunden nach – oder während - der Schule zusammen baut und anmalt. Da kann man fast so viel verdienen, wie der Lehrer. Und der "Schwertransport" zum Laden findet mit dem Lastvelo statt! Das wären Fr. 48,50 gewesen. Aufgesammelt während einer Zeit der sogenannten globalen Finanzkrise, die zuerst eine Krise der Ideen ist. 31. Kapitel Sieht die Welt FERTIG aus? Die globalisierte Wirtschaft erscheint grenzenlos genial, kann aber nur Übergangsdogma unserer Handlungsweisen sein. Als Heftklammer zwischen zwei Epochen. Die Erde als Insel, damals. Und die Erde als Schiff, irgendwann. Wir sind Alle doch nur Besatzung. Ausgesetzte der Wirklichkeit, kurz hier zum Tee trinken. Zufällig mit Augen ausgestattete, zufällig mit Hirn und zufällig eventuell mit Verstand, aber hoffentlich nicht nur. Wo bleibt die Begreiflichkeit in einer Welt, in der Babys nichts anfassen können, was nicht aus Plastik ist, Kinder nichts anfassen dürfen, Autos, Schaufenster, Hochhäuser nur FREMDEN gehören? Von DIESER Wüste sind wir umgeben! Dem Eigentum anderer. Den Produkten von anderswo.

Alles, weil dieses Eigentum durch einen lächerlich dünnen „Welt“Strohhalm gesaugt wird, wo z.Bsp. jeder Gartenstuhl aus der gleichen Fabrik in China kommt. Ein Produkt einer höchst menschlichen Struktur, die kein Prophet kommen sah: ein ganzer Planet, der auf den selben Gartenstühlen sitzt, weil die global economy es SO am bequemsten findet... Am „EINFACHSTEN“ gar, denn lokal hergestellt, wäre er zu KOMPLIZIERT... So ist es NICHT zu kompliziert, im mittleren Osten Kriege zu führen, dass das Öl bereit steht, um in Öltankern nach China gebracht zu werden, wo man Plastik daraus macht, das in der Gartenstuhlfabrik Nummer Eins in Shanghei zum Gartenstuhl gegossen wird, der per Containerschiff und gegen somalische Piraten ankämpfend irgendwann in Rotterdam ankommt, wo er Platz nimmt in einem Sattelschlepper, der nach 1276 Kilometern Autobahn letztlich in Fügliswil landet, wo man ihn im örtlichen Baumarkt besichtigen und per Kreditkarte kaufen kann....., bevor man es sich in seinem Garten auf dem neuen Gartenstuhl bequem machen kann, ohne dass die professionelle Goretex Treckinghose nur einen Grasfleck kriegt! So werden wir erlöst vom Komplizierten, geführt in die Einfachheit, die wir falsch verstanden haben. Der Arschreflex für 19,90. Der typische, mitteralterliche Handwerksunterricht lernt noch diese Präzision, dieses kirchlich sanktionierte Meisterwerkdenken, egal um was es sich handelt. Ein Holzstuhl muss immer noch dem Anspruch eines römischen Chorstuhls genügen, wenn er aus Europa kommt. (Auch die Kirche konnte das Wort Einfachheit kaum ertragen...) Wir haben uns von diesem meisterlichen Diktat GERADE durch die moderne Technik (noch) nicht entledigen können, was bedauernswert ist. Es wird geschult, mit der Maschine mitzuhalten. Die besten Noten kassiert, wer am besten mit den blossen Händen die Präzision einer Maschine imitiert. Ideen sind zweitrangig, ja, hindern den Unterricht. Masshaltigkeit ist selbst bei Möbeln zur bis zur Schwachsinnigkeit

erhobenen Norm geworden. Es grüsst Europa! Der Protestantismus pur. Die zähe Trockenheit. Das Insistieren auf Hochglanz in rauen Zeiten. Irgendwo und irgendwie muss die Jugend Hand anlegen dürfen, an diese Wirklichkeit. Im Bau von Möbeln wäre es höchste Eisenbahn. Wie gut, dass ein Möbelhaus des Nordens uns eine Generation lang Bretter geliefert hat, die sich auf verschiedenste Art zusammen nageln lassen. Jeder Europäer kann dadurch sein Haus mit neuen Holzmöbeln ausstaffieren, ohne dass EINE Tanne gefällt wird! Gerade neulich ist die Erde in Fahrt gekommen, hat abgelegt von den Inseln, die mal Heimat waren! Ist zum Schiff geworden... Jeder darf seiner Zeit nachwinken, vor uns liegt das nackte All. Das Grauen. Das Entsetzen, dass wir alleine sind. Und uns tastend durch die Zeiten quälen, wie ausgedachte Clowns und ständig wechselnden Gesichtern, die hinter dem Vorhang des Möglichen hervorschauen. Wir fliegen durch's All auf einem unaufgeräumten Campingplatz voller toller Dinge. Wie lässt sich etwas ANDERS brauchen? Gesunde Fragen an die Berge eigentümerlosen Eigentums der Zukunft. Ab wann wird ein Lifestyle fragwürdig? Reicht es, dass dabei ein Planet beschädigt wird? Wir haben zwar offiziell noch keinen Motorenbrand im Raumschiff Erde, aber der Rauchentwicklung nach zu urteilen, vielleicht doch. Wir haben die als gottgegeben betrachtete Insel verlassen und sind in ein technisch funktionierendes Schiff umgestiegen, voller Knöpfe und Möglichkeiten. Wir sind ein weiteres Mal aus dem Paradis ausgezogen, der statischen Heimat. Wir nähern uns einer Zeit der Mutigen. Obwohl man es kaum merkt. Jeder will irgendwo auch mutig sein, weiss aber nicht wie. Uns sind die Insignien des Muts abhanden gekommen, neulich, als der Touchscreen erfunden wurde. Nicht der Mut zu kämpfen, sondern zu

denken. Hinabzusteigen in die Keller unserer Kulturen, dank deren wir Menschen sind und nicht blinkende Pilze. Oder Ameisen mit Handys. Es gibt viel zu tun. Arbeitslosigkeit ist ein völlig unverständlicher Nebeneffekt dieser rohen und noch unbehauenen Gegenwart, wo die Technik der Kultur voraus geeilt ist. Und jetzt etwas leiser treten könnte, bis unsere Kultur mit dieser Technik verträglich wird. Bis der Elektriker zum Solarelektriker umgeschult wurde, die Sekretärin zur Schriftstellerin, der Maschinist zum Segler geworden ist. Unsere Welt ist ein Segelschiff voller spassiger Energie, die zu ernten jedes Pfadfinderherz interessiert. Woher soll eine "grüne Evolution" ihren Schub kriegen, wenn nicht durch jugendliche Liebe und Kraft? All diese Fragen, wie man mit Sonnenlicht Tee kocht, mit Wind Wasser pumpt, mit einem Bach Maschinen antreibt, sie sind alle längstens gelöst. Es ist peinlich, wie viel geniale Alternativtechnologie angeboten wird, und wie parallel dazu unser Hunger nach Öl und Gas immer noch steigt. Was für eine Gier nach Aktion! Was für eine falsch verstandene Einfachheit! Die Inselmöblierung ist bald passé, die Villa am Strand kurz vor dem Absaufen, das Kamin als Zeichen des Reichtums hat ausgedient. Der Fahrtwind löscht alle Feuer unseres Planeten aus, um als blinkendes, morsendes Schiff mit Maschinenschaden die Fahrt durch's All fortzusetzen. Nach aussen gelangweilt, nach innen aber digital verbunden. Dank der Vergangenheit, die sich die ganzen technologischen Sprossen ausgedacht hat, die letztlich dazu führten, dass die Menschen voneinander erfuhren. Wohl die grösste Errungenschaft der europäischen Kultur von allen! So wie jetzt, so wie auf youtube, facebook, etc. Hallo, da bin ICH! Dieses urmenschliche Gefühl, sich bemerkbar machen zu können, ohne das Menschen in der Anonymität der Moderne nicht auskommen. WAHNSINN, dass es DAS jetzt gibt!

Die Natur erlaubt eine Zwiesprache, in ihr kann ein Mensch sich erkennen und kundig werden seines Selbst. Der Natur konkret so weit entfernt und gleichzeitig so hoch aufgeklärt über sie, war keine noch so verrückte Epoche. Man weiss alles. Man fühlt nichts. Kein feuchtes Gras, kein Geruch des Waldes, kein Rascheln im Busch. Das up- und downloaden von Information geschieht durch ein Portal aus genormter, charakterloser Schrift und einer Lampe mit flackernden Erscheinungen, auch Computer genannt. Jegliche Ähnlichkeit mit der Wirklichkeit ist beabsichtigt. Gottseidank hat diese Lampe auch einen Ausschalter... Wie sieht die Welt SO aus? Unbeleuchtet. Offline. Nachdem man den MP4 Player, das Smartphone, verloren hat. Kurz vor Ladenschluss. Sieht die Welt fertig aus?

32.Kapitel Die Blüte des Apfelbaumes Sie sieht aus wie die Ladefläche eines Pickups, voll mit dunklem Müll, verrosteten Werkzeugen, Holzbohlen, Lederresten, Knochen, Treibholz, Eingekauftem, Mitgenommenem, Angesammeltem, Hergeflogenem, Ausrangiertem, Runtergefallenem, alten Pneus und vielleicht einem zerzausten Hund, dessen Flöhe sofort überspringen, sobald man auf der Ladefläche mit quietschenden Reifen Richtung Zukunft mitgenommen wird – ohne dass man eigentlich wollte! DA fliegt einem vielleicht Dreck um die Ohren! Und in Kurven besser festhalten! Die Fahrt geht rein in den Dschungel aus Kreaturen, die kurz vor dem Aussterben sind, zum Anfassen sind wir zu schnell! Hinten auf dem Truck des Lebens. Aber eben, es hat diese Bohlen. Und Werkzeuge, die noch

funktionieren. Und einen Hund. Wir müssen wieder lernen, was man aus all dem machen kann, was wir bereits HABEN. Das grosse Inventar des Nützlichen. Besser gesagt eine Triage. Die Einteilung unserer Berge an Vorgefundenem in A) Hoffnungslos egoistisch. Etwas, das nur um seiner Selbst willen besteht. Energiefressender Firlefanz. Kühlschränke im Winter. B) Kann verbessert werden. Eine breite Kategorie. Ja, die Technik wird noch gebraucht. Jetzt (in der Zukunft) erst recht! Aber welche? Die ambivalente Komponente des Wohlstands, über die man diskutieren kann. Und dann C), die Kategorie unübersehbar zukunftsfreundlicher Technologien und Produkte. Die Elite der Ideen, klein aber fein. Aber auch ungeahnt powervoll, wenn man den Gedanken des Einsparens, also der Vermeidung von Technologie, bzw. Energie zu Ende denkt.. Was kann eingespart werden, was kann verändert werden? Die Welt kreischt danach, neu angemalt zu werden! Jeder bemalte Ikeatisch ist plötzlich nicht mehr skandinavisch-reformierte Biederkeit, sondern ein Altar. In ihm wurde ein Mensch sich selbst, wurde ein Schritt getan aus dem Maschinenraum an Deck, Luft geholt und nach vorne geschaut. Danke Ikea für all die tollen Anmalmöbel! Danke Corbusier für all die tollen Anmalhäuser! All die Betonwürfel, um später darauf Wein zu ziehen, oder wenn die Tage wärmer werden, Feigen. Was auch immer aus dieser lausigen Zukunft wird, immerhin wird vielleicht weniger gefroren dabei! Die Blumenkinder sind nicht nur hinter uns, sondern auch vor uns. Ihr kurzes Lächeln in den Sechzigern und Siebzigern war nur ihr Trailer. Ihre Botschaft hiess Liebe, ihr Feuer war die Natur. Umgekehrt kommt sie wieder, die Zeit der Blumenkinder. Wo wären wir ohne die geballte, zugedröhnte Kultur, die in den Sechzigern entstand und immer noch weit von klinisch tot ist? Ohne sie hätten wir Kukuksuhren an der Wand und Atomkraftwerke in unseren Gärten. Bevor der kulturelle Nachlass der Hippiegeneration endgültig den Sagen übergeben wird, wäre es an der Zeit, noch einmal zu fragen, was unter den vielen Stickers wirklich drin war.

Es geht nicht darum, jetzt alles neu zu bauen, bloss weil das Alte bald bescheuert aussehen wird, schneller veraltet, als alle Stile davor (was natürlich beabsichtigt ist...). Die Frage ist vielmehr, wie man die kulturelle Staffage unserer Zeit irgendwie wieder ansehnlich kriegt, ohne bloss Müll zu produzieren. Die Polstergarnitur zum Beispiel, ohne sie entsorgen zu müssen. DAS ist Zukunftsphilosophie! Wie man begründet, NICHT schimpfen zu müssen, wenn die Tochter eine Regenbogenschlange auf die todschwarze Ledercouch näht. Die Kunst, Freude zu haben, wenn die Jugend Hand anlegt an die von uns Erwachsenen hervorgerufene Wirklichkeit. Statt leer zu schlucken, voll begeistert zu tun..., zu SEIN! Aus Anteilnahme. Aus Respekt vor einem sich automatisch ergebenden Recht, eine gestaltbare Wirklichkeit, AUCH mitgestalten zu dürfen. Mehr noch: dies sogar zu fordern, von einer im praktischen Sinne in totaler Lethargie versinkenden Jugend. Als ernst gemeinter Tipp, in einem vorgetrampelten Dickicht neue Wege zu suchen. Wenn wir schon nicht wirklich bereit sind, nach religiösen Gründen funktionierende Gegenmodelle unserer Kultur zu dulden, sollten wir es vielleicht doch, und GERADE zwischen den Generationen zulassen. Keine Kultur braucht wirklich eine Gegenkultur zu scheuen, so sie selber eine Kultur ist. Meist vereinen sich beide später zu etwas Besserem. Besonders wenn das Eine automatisch zum Anderen führt, wie die Kultur der Kinder, wenn sie mal keine mehr sind. Gegenkulturen sind das Salz in der Suppe, ohne sie verblödet der Mainstream, verendet er in Beliebigkeit. Was Kinder können, ist nicht immer kinderleicht. Und als Erwachsener hat man oft gar keine Chance, sie zu verstehen. Kulturell sollten wir Erwachsenen die Löffel abgeben und uns mit der Gabel zufrieden geben! Kindern sollte das Recht gehören - eine Art Notrecht - Kultur zu definieren. Sie tut es als ZIELGRUPPE ja bereits. In den

Chefredaktionen sollten Zwölfjährige sitzen, mal vorerst für drei oder vier Jahre. Galleristen sollten mit 18 zum Teufel gejagt werden. Nachrichtensprecher können durchaus 16 sein, die Welt sähe ganz anders aus... Denn sie ist, wie sie aussieht. Und wie sie aussieht, entscheiden immer noch pädophile Greise mit Yachten in Rapallo. Und das finde ich falsch. Langweilig. Zu kompliziert. Findet das Kind in mir falsch, zu kompliziert, das immer das Einfachste für das Erstrebenswerte gehalten hat. Findet das Kind in mir langweilig, das immer noch neugierig, immer noch offen für die Rätsel der Welt - in einer Ecke von mir selbst hockt. Und dies so sagt. Nicht anders. Und hofft, dass Ideen, Kraft und sein Inneres nicht zusammenschmelzen vor dem grellen Licht des Äusseren, den bunten Lampen, die ferngesteuert sind und wie Bilder aussehen. Sich bewegen, ja, reden! Welch fürchterliche Ablenkung von der Kindheit, die Blüte des Apfelbaumes am Bildschirm zu betrachten. Wie ein Arzt, der seine Patienten nur noch per Röntgenbild wahrnimmt und glaubt, sie ohne Berührung zu erkennen. Und so wundern wir uns, in Staaten umgezogen zu sein, die ihre Bürger digital verarbeiten - dabei sind es ja wir ALLE, die mit den gleichen Mitteln die Wahrheit suchen, indem wir uns der gleichen Indirektheit bedienen. Das moderne Kind ist regelrecht privilegiert, wenn es noch eine Blüte am Apfelbaum betrachten darf. Kann. Mit Zeit betrachten kann. Es braucht lange, eine Apfelblüte von allen Seiten gesehen zu haben. Der Biene zuzusehen, die in Kreisen darum herum fliegt. Den Blütenstaub anzufassen, daran zu riechen, niesen zu müssen. Sich am Ast festzuhalten. Und dann wieder den Baum herunter zu klettern. Kinder, die noch solche Spielplätze haben, sollten sich "Von" nennen dürfen. Sie sind wie alter, piekfeiner Landadel. Kinder sind von Natur aus reaktionsschneller. Wendiger. Wahrscheinlich auch schlauer, wenn Schlauheit das intuitive Erfassen

bedeutet. An dem Punkt in der Geschichte der Menschheit, wo durch einen unangepassten Lebensstil sich im Jahrzehntetakt das Klima verändert, Arten verschwinden, die Natur zerstört wird, sich nicht der Schlauheit dieser Jugend zuzuwenden, wäre eine schreckliche Ironie! 33. Kapitel Das Ende der Kunst Es gibt mindestens zwei Bevölkerungsmodi, die das Partizipieren der Jugend logisch begründbar machen: Staaten mit VIELEN Kindern. Dort ist kindliche Teilnahme an politischen Entscheidungen schon rein demokratisch schwer zu verweigern. Und Staaten mit WENIG Kindern. Fordert ihre kleine Anzahl nicht gerade in diesem Fall unsere Fairness heraus? Eine Art Minderheitenschutz, bzw. Notrecht, da sie - die Kinder - sonst von uns, den Erwachsenen, diskriminiert werden. Man/frau will doch nicht einer aussterbenden Spezies..., die Zukunft vorenthalten. Ihre notgedrungene Mitgestaltung daran mit bürokratischen Argumenten auf einen späteren Zeitpunkt verschieben? Und es darauf beruhen lassen, dass ihre Teilnahme an der Wirklichkeit sich einzig auf die Digitalik beschränkt? Wir wollen doch nicht mit unseren Nachfahren experimentieren! Oder...? Natürlich tun wir das bereits, auch mit uns wurde ja experimentiert. Von Atombombenversuchen bis zur globalen Wirtschaft, alles sind Experimente im Sichern ökonomischer Interessen. Jede Generation findet, mit der darauf folgenden Generation Fehler gemacht zu haben - ob wir dies offen zugeben, oder nur unbewusst ahnen. Wir sind in einer schnellen Entwicklung der Dinge und wie wir darüber DENKEN. Gerade dieses Denken prägt den Zeitgeist. Früher war jedes Jahrhundert anders. Im zwanzigsten Jahrhundert war jedes Jahrzehnt anders. Im noch frischen 21. Jahrhundert wirkt jedes einzelne Jahr anders, eine neue Ausprägung des Zeitgeistes. Was wird 2011

prägen? Wird irgendwann jeder Monat eigenen Zeitgeist haben? Und: An wieviele „Zeitgeister“ kann man sich zurückerinnern, um noch eingermassen die Veränderungen zu verstehen? SO passiert Geschichte. Sie wiederholt sich nicht, nein sie stürmt wie unter Adrenalin auf einer Zielgeraden vorwärts - und wirkt doch wie ein besoffener Taxifahrer, der uns heimbringt, in eine ungewisse Zukunft, die wie eine Wüste vor uns liegt, über der langsam Tag hereinbricht, Erkenntnis. Immer ist die Wüste eine andere, in die aufgebrochen wird. Wo andere Oasen warten, andere Wünsche. Wenige haben sich über die Zeit erhalten. Eine ist immer wieder aufgetaucht am Horizont jeder neuen Zeit - ausser dieser. Die Oase des Wunsches nach Schönheit. Eine real nicht existierende Fata Morgana des Menschengeistes. Die uns abhanden kam, auf der Hatz durch die Stile, die Moden, die Trends und Gags der GagaModerne. Die Schönheit, die als Fata Morgana enttarnt wurde, als Illusion, die sich nicht beweisen lässt. Sie ging verloren. Im Kampf, den die Aufklärung gegen das Obskure führte, wurde auch die Kunst verletzt, die in ihrer Essenz dieser Schönheit gewidmet war. Die Kunst wurde befreit von religiöser Zensur und überliess es dem Einzelnen, zu urteilen, was Kunst ist und was nicht. Mit dem Erfolg, dass neue Stile entstanden und die Welt durch die Augen der Künstler an Vielfalt gewann. Die huldigende Schönheit mittelalterlicher Ikonen war eine kindliche. Aber Schönheit an sich war ihr Zweck. Ebenso wie Glaube an sich der Zweck war, auch wenn, an was geglaubt wurde, kindisch war. Hauptsache es wurde geglaubt und über den gemeinsamen Glauben konnte das Volk unter Kontrolle gehalten werden. Und in der Kunst war Hauptsache, dass sie schön war, einfach und ergreifend schön. Und was konnte schöner sein, als die Geschichte der Bibel als Vorlage zu nehmen? Die einfach und ergreifend schöne Natur war nur der Rahmen, in dem das Unbeschreibliche sichtbar gemacht wurde. Durch die Aufklärung wurde die Kunst arbeitslos. Ihr grösster

Arbeitgeber war zwar nicht pleite, nur vorsichtiger geworden im Einsatz seiner Mittel. Die kleinen Fortschritte kirchlicher Kunst hörten auf. Ihre Bildwelt wurde zementiert – bis zum heutigen Tag übrigens – und die Kirche konzentrierte sich wieder auf ihr „Kerngeschäft“. Die Ausübung ihrer Dominanz über das, was geglaubt wird. Über das, was gut und böse ist. Was schön und was hässlich ist, gab sie als Einflusssphäre ab, an die sich verselbstständigende Kunst. Die Kirchen waren dekoriert. Der Ton der Orgeln war festgelegt. Die Herstellung von Kirchenglocken wurde zu einer rationellen Kleinindustrie. Das Kirchengeläut ist automatisiert. Eine Maschine, die tönt. Die Verbindung zur Kunst war noch da, aber sie lebte nicht mehr. In solchen Problemen kannte die Kirche sich aber aus. Sie balsamierte die Kunst ein. Zumindest was kirchliche Kunst angeht, ermöglichte sie ein Leben über den Tod hinaus. Ihre vor Jahrhunderten als richtig erachtete Ästhetik hat sie vor dem Zerfall bewahrt. Die Kirche die Kunst. Denn umgekehrt nicht. Die einstmalige Magie in ihren Bildern ist verblasst. Auch wenn der Geldwert von Kirchenkunst immens ist, so ist ihr Wert als Inspiration der heutigen Kunst nicht mal mehr fragwürdig – denn alleine die Frage danach zu stellen, tönt lächerlich. Schade! Der Glaube an die Schönheit ist tot. Zwei Sphären die einander bedingten. Die von ihren Bedingungen befreite Kunst blühte auf. Die Erde wurde zu Ende entdeckt. Die Wissenschaften ersetzten Annahmen mit Erkentnissen. Die industrielle Fertigung von Alltagsgütern führte zu Spezialisierungen ungeahnter Vielfalt. Die Komplexität der Atomstruktur wurde sichtbar. Das Weltall dehnte sich aus zu unvorstellbaren Dimensionen. Die Zeit dehnte sich aus. Die Entstehung des Lebens wurde erklärbar – bloss der Verstand konnte nicht folgen. Die Geschichte der Menschheit wurde immer länger. Man stammte plötzlich von Affen ab. Was SO gar nie behauptet wurde. Aber doch in Etwa stimmt. Kurz: Je grösser die Welt wurde, je kleiner wurde der Mensch. Seine

kosmische Bedeutung schrumpfte im Jahrhunderttakt. Also schrumpfte auch die kosmische Bedeutung der Kunst. Dabei sah es kurz so vielversprechend aus. Die Erschaffung der Moderne gelang ihr durch die Integration aller neu gefundenen Werte. Ja, sie schuf diese Werte, schwang sich kurz auf zum Vorbild einer Wertskala, wo das Unbewusste sich ausdrücken darf in mehr, als bloss der Analyse von Worten. Sie bildete die Welt im Voraus ab, explodierte aus innerer Kraft und Zuversicht, dass der Mensch nun endlich frei sein kann. Und andere Kunst gab die inneren Eindrücke preis, die das Äussere in ihnen erzeugte. Wie feine Seismometer, die das Beben des entstehenden Individualismus wiedergaben - den Glauben an sich Selbst - zeichnete Kunst die Strömungen der Zeit ab. War man noch Jahrhunderte Leonardo Da Vinchis Rat gefolgt, die Realität einfach von einem Spiegel abzumalen, richtete man den Spiegel nun auf sich selber. Zuerst noch auf den Menschen in seiner ganzen Geschichte, dann auf sein SELBST. Jeder Künstler wurde gezwungen, sich neu zu erfinden. Schleichend übernahm die Industrialisierung die Produktion der alltäglichen Symbolik. Die in sich zunehmend zersplitterte Kunst bekam Konkurenz durch maschinell hergestellte Dekoration, durch Fotografie usw. Aber sie war sich immer noch einig im ultimativen Streben nach Schönheit! Gerade erst wurde sie entdeckt als des Menschen ältester Wert, in den Höhlenmalereien die man fand. Picasso wuchsen Flügel durch sie. Wie ein Weiser zog er in unerreichbarer Höhe Kreise über den Niederungen der neidischen Kunst. Selbstsicher wie kein zweiter, spaltete er das Atom der Schönheit und kocketierte mit zunehmender Abstraktion. Er konnte aus einem alten Fahrrad einen Stier werden lassen. Er war ein Zauberer. Sein Blick sprühte Funken. Seine Bilder brannten sich ein in die Menschheit. Er war nicht Teil vom Fortschritt. Er WAR der Fortschritt. Ihm gelang es, die Idee der Kunst in einen Rahmen zu bringen, der die ganze Geschichte der Kunst einschloss. Es waren Ikonen, die ein Höhlenmaler in das Gästebuch der Kunst pinselte.

Picasso war hier! Gott ist nicht schön, sondern Schönheit ist Gott! Olee! Und die ganze Kunstwelt schnaubte, wie die tödlich getroffenen Stiere, die Picasso mit sekundenschnellen Pinselstrichen für die Ewigkeit malte. Der Kunstzirkus übte sich in Salto Mortale. Pausenclowns drehten Runden, mit Gegenvorschlägen in Sachen Schönheit. Picasso aber näherte sich dem Zenith. Derweil ein gewisser Henry Duchamps weit unten im Schatten Picassos die Manege betrat. Er kündete sich an als grösster Entfesselungskünstler aller Künstler. Seine Bilder lösten den Knoten, mit dem Kunst seit Ewigkeiten mit Schönheit verknüpft war. Seine Bilder mussten verstanden werden, nicht betrachtet. Sie wären auf dem Müll gelandet, hätte Duchamp ihnen nicht Anleitungen beigefügt, WIE man sie zu verstehen hat... Er erfand den Beipackzettel für Kunst. Und kam durch den Hintereingang in die Manege. Zuerst zögerlich, dann immer lauter wurde applaudiert. Der durchaus gut angezogene König namens Kunst wurde vom Publikum für nackt erklärt. Schönheit wurde für ein Taschenspielertrick gehalten, der vom Kern der Kunst ablenkt. Diese habe eine intellektuelle Stimulanz zu sein, raunten immer mehr Künstler, denen zu Schönheit nichts mehr einfiel. Duchamps gelang es, ein paar Bilder zu verkaufen. Endlich! Aber immer noch lag der Schatten Picassos auf ihm. Duchamp folgten andere Künstler. Ihre Beipackzettel, wie man ihre künstlerischen Vorschläge zu entziffern hat, wurden länger. Ihre Kunst wurde die Kritik an der Gesellschaft, ihre Werke wurden Schmerz erzeugende Aufschreie. Und ihre Preise zogen an. Der Künstler huldigte nicht mehr das Unwissbare, universal Schöne, das Worte nicht zu beschreiben vermochte, sondern mockierte sich über den Alltag, indem er nun das Bemerkenswerte in der Banalität erfand. Andy Warhol verdiente seine Brötchen, indem er malte, was auf den Tisch kam. Aber nicht Dosensuppe, als Stilleben, sondern die

Verpackung, die Suppendose. In Millionenauflagen gedruckt, wurden seine Bilder zu Werbepostern für die Idee, die schon Duchamps umtrieb. Dass Kunst witzig zu sein hat und mit Ironie gewürzt. Ein einfaches Kochrezept. Die Kunst verabschiedete sich vom Können. Nicht handwerkliches Geschick war gefragt, sondern Verhandlungsgeschick in der Vermarktung. Statt Reflektion innerer Zuversicht, wurde Kunst zum Abklatsch einer zunehmend banalen Alltagswirklichkeit. Wer am Besten der Idee von Schönheit die trockene Stirn bieten konnte, wurde am Meisten belohnt. Andy Warhol hatte ein Vermögen von geschätzten 500 Millionen Dollar, bevor er starb. Sein Geist aber, zusammen mit dem von Duchamps und vielen anderen Vetretern seiner Zunft, lebt in unseren Köpfen weiter. Gut ist, was verkäuflich ist. Richtig ist, was alle richtig finden. Schön ist gar nichts. Wer diesem Wert noch huldigt, kann nur ein Anfänger sein. Oder ein Kind, das glaubt, der Kaiser sei nicht nackt, sondern trage ein Kostüm aus Papageinfedern und Perlmut. Die Kunst ist am Ende. Nicht dass es keine Künstler mehr gibt, bloss glaubt man ihren Entwürfen der Ästhetik nicht mehr, wenn sie diese statt mit Fragezeichen, mit Ausrufezeichen verabreichen. Kunst ist am Ende, weil sie sich bloss noch selber hinterfragt. Oder zum politischen Statement mutiert ist, der Denkprozesse auslösen soll, die niemand versteht, aber jeder annickt. Nicht dass es politische Statements nicht braucht, wohl im Gegenteil! Sie via Kunst zu verbreiten, ohne ästhetische Zuversicht, ist aber wie Sex ohne Liebe. Es dient der Fortpflanzung und verleugnet das Streben nach Glück. 34. Kapitel Die Autokunst, der sexy Ableger der Urkunst Die „Kunst“ auf die dieses Streben nach Glück sich zu richten begann, wurde das Künstliche. Die Ikone vor der wir „beten“ ist ein die Länge, Breite und Höhe gezogenes Stück Blech. Das Selbst der Kunst ist zum Selbst einer automatisierten Künstlichkeit geworden. Im gleichen Mass, wie uns der Sinn nach Schönheit in der Kunst abhanden kam, erkannten wir Schönheit in elegant geschwungenen Kotflügeln und

Stosstangen. Die raue Nacktheit der Maschine wurde von Anbeginn verschleiert. Mit glänzenden Zierstreifen wurde der Mensch in der Romantik abgeholt. Der Rausch der Geschwindigkeit wurde zur Volksdroge. Wie im Zeitraffer konnte man sich daran gewöhnen, dass alles sich ändert. Ich fahre, also ändere ich. Und wie im Zeitraffer der Kunst, folgte der Huldigung automobiler Schönheit die trockene Einsicht, dass nur gut ist, was funktioniert. Die Nacktheit der Maschine durfte also erkennbar werden. Rau durfte sie aber nicht sein, sondern ganz im Gegenteil, sie musste domestizierbar wirken, bis in jedes Detail unterwürfig, wie ein technischer Sklave mit elektrischen Fensterhebern und Tempostat, der auf Wunsch die Geschwindigkeit einhält. Dem Menschen, dem die Kontrolle über seine Umwelt klammheimlich aus den Händen genommen wurde – unter anderem durch den Aufbau eines Autobahnnetzes, das ebenso TRENNT, wie es verbindet – konnte sich weiter einer Kontrolle erfreuen, die er ausüben konnte. Die Freiheit, über einen Ort bestimmen zu dürfen, als Konsequenz der Idee der Menschenrechte, wurde umgemünzt zu der Freiheit des sich öffnende Raumes, der Jedem offen steht. Jedem Auto, versteht sich. Und hier stehen wir nun, im Stau. Die eigene Freiheit steht der Freiheit Anderer im Weg. Bzw. Umgekehrt. Das Auto hat allerlei kleine Veränderungen erfahren..., an den Dimensionen hat sich wenig geändert. Wenn der Mensch das Mass aller Dinge ist, dann ist das Automobil zu lang, zu breit und zu schwer. Standartmässig für 4 bis 5 Personen entwickelt, transportiert es selten mehr als EINE. Und wenn die Logik das Mass aller Dinge wäre, fragt es sich, warum es 230 Kilometer schnell fahren kann, obwohl es selten über 130 kommt, was die Gesetze angeht, meistens sogar weit darunter, was die Gesetze der Verkehrsdichte anbelangt. Und es fragt sich, warum sich DARAN nichts ändert, in unserer doch so aufgeklärten Zeit. Das Auto hat längst die Kunst überflügelt, als Raum der Illusionen.

Der Zweck, Schönheit erahnbar zu machen, dem der Künstler über Jahrtausende gedient hat, wurde dem Auto angedichtet, zumindest als Nebenzweck. Ergriffen ist das Publikum heutzutage eher bei der Vorstellung eines neuen Cabrios, als in einer Kunstvernissage. Denn und dies ist vielleicht der Hauptgrund – das Auto erlaubt, selbst Teil des Kunstwerks zu werden. Es ist ein Bild, in dem man Platz nehmen kann. Es ist eine Skulptur mit Türen. Nicht alle Autos natürlich, aber die elitären – sprich teuren – Autos umweht schon lange eine künstlerisch angedeutete Aura, auch wenn die Auspuffgase gleich riechen, wie die ganzen Popelautos. Aber eben, die Aura... Wer will schon ohne eine sein? Wenn Automarken wie BMW den Slogan verbreiten, ihre Autos seien Kunstwerke, will man nicht als Banause dastehen. Die Aufrüstung des nationalen Wagenbestandes von Kleinwagen zu Mittelklasse, dann zum Luxusmobil, gilt als klares Zeichen gesunden Wachstums. Umgekehrt wünscht sich Jeder, dass die Autos der Anderen kleiner würden, was nur dem gelingt, der sich ein grösseres Auto anschafft. So gebiert die Mobilität Mobilität. Und wenn der „freie Markt“ nicht genug Autos an den Mann zu bringen vermag, erfindet Frau Merkel die Abwrackprämie. Ein todsicheres Instrument angeblich verpönten staatlichen Interventionismus. Die Ergebnisse waren vorhersehbar, der “Markt” wurde dadurch “angekurbelt”. Dass zur Produktion eines Autos ähnlich viel Energie verbraucht wird, wie dieses in seinem knapp gehaltenen “Leben” verbraucht, steht in keinem Kaufvertrag. Ein energieökonomischer Fakt, der die Hinterfragung des Nutzens einer Abwrackprämie sinnvoll macht!

35. Kapitel Die Zehnmilliardenmenschenfrage Wirtschaft einerseits, Natur andererseits, um nichts weniger dreht sich der Zwist der Zukunft. Menschen sind unentrinnbar mit beiden Welten, beiden Sphären des Handelns und des Existierens verbunden. Wir

können weder ohne Geld leben – das sich aus Produktivität ergibt – noch ohne Luft, Wasser und vieles mehr, das die Natur uns bislang kostenfrei zur Verfügung stellt. Und wir können nicht ohne Zukunftsperspektive sein, was unsere Kinder angeht. Dieser Dreisatz grundlegender Facts wirft eine riesige, materielle, als auch technologische, als auch moralische Frage auf, die SO sich keine Generation vor uns stellen musste. Die Zehnmilliardenmenschenfrage, die ein Jeder für sich beantworten möge, so gut es geht. Nicht weil wir diese Frage beantworten können, sondern weil sie zu anderen Fragen führt, die wir zumindest teilweise beantworten können. Fragen im täglichen Leben: Konsum-, Lifestyle-, Erziehungsfragen, Teilaspekte der Zehnmilliardenmenschenfrage. Oder der einfachen Frage, muss WIRKLICH die Wirtschaft zuerst wieder im herkömmlichen Sinn auf Hochtouren laufen – also WACHSEN – BEVOR wir sie bewusst, kontrolliert und internationalen Abkommen folgend (auf die wir alle sehnlichst zu hoffen vorgeben...) REDUZIEREN. Das heisst, ihren Ausstoss an Müll verringern. Ihren Energiehunger drosseln. Haben wir da noch Zeit, für dieses riskante Überholmanöver, um an der Spitze fahrend zu hoffen, vorbildlich andere Länder zu niedriger Gangart zu bewegen? BRAUCHEN wir diesen Umweg über das “weiter so”, um uns zu wappnen für was danach kommt, das “anders so”? Gelingt eine Kursänderung mit den Mitteln und dem Wissen, das wir bereits HABEN? Oder muss zuerst in üblicher... Richtung weiter gefahren, in hergebrachten Strukturen weiter geforscht, weiter konsumiert werden, bis sich der elegante, alles unter einen Hut bringende Ausweg ergibt, aus unserem zukunftsUNkompatiblem Lebensstil? In einigen Bereichen sieht es so aus, als ob eine Richtungsänderung zuerst gründlich erforscht werden sollte, da die Konsequenzen daraus andere Fragen aufwerfen, die zuerst beantwortet werden sollten. Wer davon träumt, dass bald das Elektroauto mit Lithiumionen Batterien

den individuellen Transport übernimmt, hat schnell ausgeträumt, wenn er erfährt, wie wenig Silizium die Erde in ihren Vorratskammern hat. Und woher der Strom letztlich kommen soll, ist ebenso wenig erklärt. Wir neigen dazu, ein strombetriebenes und daher abgasfreies Fahrzeug als umweltfreundlich zu betrachten. Ein Zeichen von NICHT zusammenhängendem Denken! Der Einsparungseffekt durch den Einsatz von Stromsparlampen – in sich eine fragwürdige Technologie – wird durch den Einsatz von Elektromobilen mehr als zunichte gemacht. Der massenweise Einsatz von Windkraft wird auch nicht ausgleichen können, was ein elektrischer Individualverkehr an Strom benötigt. Die Herstellung von Solarzellen ist energieintensiv, benötigt seltene Materialien und wird auch nicht zu einer wahren Alternative zur Abhängigkeit von Erdöl führen, sondern zu anderen Abhängigkeiten, die die Gefahr neuer Kriege um Ressourcen birgt, wie wir sie bei Erdöl schon so gewohnt sind, dass wir sie kaum mehr wahrnehmen. Atomstrom fehlt der Gütesiegel der Zukunftskompatibilität, jedenfalls nach heutigem Stand der Technik. Dass sich nach Jahrzehnten massivster Subventionierung etwas ändern wird, ist zu bezweifeln. Für eine Übergangslösung fehlt dem Atomstrom die Eigenschaft, nur vorübergehende Folgen zu haben. Das krasse Gegenteil ist der Fall! Erdwärme zur Stromerzeugung tönt gut, ist aber das Spiel mit einem ganz anderen Feuer, dem des Erdinnern. Kontakt mit diesem aufzunehmen, heisst, Gase in die Atmosphäre freizusetzen, die hochtoxisch sind und sich bei genauer Analyse quasi von selbst verbieten. Einzig heisse Quellen, wie z.Bsp. in Island, ermöglichen den Einsatz von Erdwärme ohne Nebenrisiken. Aber Island ist weit entfernt von der theoretischen MILLIARDE zukünftiger Elektromobilbesitzer. Nicht gerade ein “energetischer” Planet. Sollen wir deshalb neidisch sein auf Planeten voller Geysire, wo kein Grashalm wächst? Im Kleinen wie im Grossen ist wichtig, sich bewusst zu sein, was man

hat. Und was nicht. Ein Schiff ist immer ein Schiff für einen bestimmten Zweck. Einen Zweck hat unser Erdenschiff sicher formal nicht, aus den zur Verfügung stehenden Resourcen und Bedingungen kann aber abgeleitet werden, für was unsere Erde gut sein kann – und für was NICHT! Als Lebensgrundlage von zehn Milliarden Menschen zu dienen, diese Fähigkeit sollte ihr keine Bürde sein. DER Mensch ist gar nicht so gross... (“Komprimiert” zu EINEM Menschen würde er kaum zu den Wolken reichen!) Als guter Futterverwerter lässt er sich auch bezeichnen, ganz im Ggenteil zu Pandabären, die nur die Schösslinge einer ganz bestimmten Bambusart fressen. Darum ist der Pandabär bedroht, der Mensch aber nicht. 36.Kapitel Lobby der Zukunft Die grossen vier Fragen, die sich der “inflationierende” Mensch stellen muss, sind A) die nachhaltige Erzeugung von (gesunder) Nahrung, B) die nachhaltige Bereitstellung von Wohnraum und Kleidung, C) die Erzeugung von “Sinn”, D) die Entwicklung nachhaltiger Verkehrsmittel. In etwa dieser Reihenfolge – scheint mir... Ich habe auf keine dieser Fragen eine Antwort. Nur kleine Bausteine, die zum Greifen nahe vor mir in der Luft schweben und die von immer mehr Menschen auch erkannt werden. Ich erhebe daher keinerlei Anspruch auf Originalität, wenn ich auf ein neues Zeitalter der Segelschiffahrt setze. Ein neues, weil es ja ein so bewährtes Zeitalter war. Ohne Segelschiffe wäre die Erde in unseren (europäischen) Köpfen immer noch flach und weitgehend unentdeckt. Im Deutschen Intelligenzblatt SPIEGEL war vor wenigen Jahren ein Artikel über einen hochmodernen Frachter, der auf einer Werft in Deutschland gebaut wurde und der mit computergesteuerten Segeln ausgerüstet war. “Das erste mit Windkraft betriebene Frachtschiff der Welt” hiess es im Artikel. So schnell vergisst man... Die Handelsschiffahrt täte gut daran, wieder in Segel zu investieren. Gerade hier scheint die Alternative zu Erdöl in greifbarer Nähe,

immerhin hat sie sich Jahrhunderte bewährt, im Grossen wie im Kleinen. Bleiben die Schritte in dieser Richtung zaghaft und eher symbolisch, weil es eine Mehraufwand an Personal bedeutet? Ich befürchte es! Die Seefahrt ist das Gewerbe, das einen Grossteil unserer globalen Wirtschaft erst möglich macht. (Ohne Luftfahrt ginge alles wie gehabt weiter – minus Tourismus – ohne Seefahrt aber blieben alle Räder stehen, ausser die Fahrräder!) Mit der Technik von HEUTE, den Materialien von HEUTE, liessen sich Schiffe bauen, die etwa die Hälfte an Sprit brauchen. Alles was es braucht, ist eine “Perestroika” im Sinneswandel der Reedereien. Als auch in unseren Energiebedürfnissen... Dass man die halbe MILLION TONNEN Öl, die ein moderner Öltanker transportiert, unter SEGELN in Fahrt bringt, geht technisch nicht. Die heutzutage dazu verwendeten Schiffsmotoren sind so stark wie FÜNF MILLIONEN Ruderer! Solchen titanischen Kräften und Techniken – die uns beim betanken unserer Kleinwagen unbewusst sind – etwas Brauchbares gegenüber zu stellen, als Alternative, ist schwer. Gerade in der Handelsschiffahrt zeigt sich, wie grandios unsere zivilisatorischen Ansprüche sind. Und wie es DOCH funktioniert. Und letztlich doch nicht... Zigtausende Container fassende Frachter sind rund um den Globus im Einsatz, um Billigware in teure Länder zu transportieren. Der Nutzen dieses Kraftakts ist zweischneidig. Einerseits Rundumversorgung mit “Klimbim” aus aller Welt – sprich China – zu immer günstigeren Preisen, andererseits das schulterzuckende Inkaufnehmen, dass lokale Industrien DADURCH zu Grunde gehen. Ein Teufelskreis, da eine zunehmend arbeitslose Bevölkerung sich zunehmend mit Billigimporten versorgt, die zu weiterer Arbeitslosigkeit führt. WAS aber letztlich auf den Weltmeeren transportiert wird, kann zu einem mehr als symbolischen Teil auch unter Segeln getan werden. Windkraft hat gerade in der Schiffahrt Zukunft. Aber nur, wenn Qualität die Quantität überholt, damit ein von Australien nach Europa

transportiertes Dosenbier (konkret) nicht nur läppische 2 Cent Transportkosten verursacht. Spiegelt sich hier die freie Marktwirtschaft wider, oder findet eine Wettbewerbsverzerrung unter der Annahme statt, dass Zukunft ein hohles Wort ist? Wenn dies so ist, müsste es dann nicht eine “Lobby der ZUKUNFT” geben? Auch das Kinderstimmrecht ist nicht das “Ende” der Demokratie! Wo bleibt das Mitstimmrecht IHRER zukünftigen Kinder....? JETZT! 37. Kapitel Die grössten Resourcen liegen in den Patentämtern Das Leitmotiv des Welthandels, dass jedes Land das produzieren möge, in dem es besser ist als Andere, führt zu einer Entdiversivizierung regionaler Industrien und Handwerke. Dadurch kommt es zu einer Innovationsarmut, da “monolithisch” strukturierte Grossindustrien selten vom eingeschlagenen Kurs abweichen. Ein kleines, aber typisches Beispiel ist die Firma Commer, eine in Vergessenheit geratene englische Bus- und Lastwagenmarke. Ihren guten Ruf verdankte sie ihren äusserst langlebigen und zähen Dieselmotoren vom Typ TS-3. Ein ganz und gar ungewöhnlicher Dieselmotor mit 2 Kolben pro Zylinder. Dazu ist es ein Zweitakter mit einem Turbo. Ein totaler Exot, wie ein Mensch mit zwei Köpfen... Aber der Motor hatte den Ruf, ohne grosse Reparaturen viele Jahre zu funktionieren, relativ sparsam zu sein und mit den verschiedensten Treibstoffen zu laufen, inklusive Frittieröl, Kokosöl oder sogar Parafin. Der TS-3 war ein Brainchild des Weltkriegs, bewusst auf Ressourcenknappheit ausgelegt und hätte der Vorläufer sein können des idealen Dieselmotors der Zukunft. Die Firma Commer wurde Anfang der Siebziger von der Amerikanischen Auto- und Lastwagenfirma Dodge aufgekauft. Das praktisch ERSTE, was die neuen Geschäftsherren taten, war, die Produktion des TS-3 einzustellen und alle Weiterentwicklungen daran zu stoppen. Statt dessen wurde die ganze Commer Fahrzeugpalette

mit Dodge Motoren ausgestattet, im Vergleich zum TS-3 wahre Steinzeittechnologie. Durstig nach Öl und nicht annähernd so wartungsarm. Heutzutage wird auf verschiedenen Technoblogs von Ingenieuren lamentiert, wie WEIT man heutzutage wäre in der Dieseltechnologie, hätte man den TS-3 weiter entwickelt. Viele glauben, dass man viel bessere, sparsamere Motoren hätte. Hätte... Dies ist ein Beispiel von leider Unzähligen. Gefühlmässig WISSEN wir das. “Unser Ziel ist die totale Zufriedenheit unserer Kunden!” Gefühlmässig WISSEN wir, dass dies IMMER eine Lüge ist. Aber WIE darauf reagieren? Als technischer Laie, als Unwissender in Chemie und Pharmazie, als Dummkopf in Sachen Atom? Ich weiss es auch nicht. Meine grösste Hoffnung richtet sich auf die Vielfalt, ja, die Konkurenz der Jugend und dem Laientum, das von Neuem alte Fragen zu beantworten versucht. Ich glaube an WIRKLICH freie Marktwirtschaft, nicht den Lippenbekenntnissen eines elitären Industrieestablishments. Es gibt Tausende solcher Beispiele, in allen Sparten der Industrie, wie das mit dem TS-3, dessen Technologie über die Jahrzehnte Millionen Tonnen CO2 eingespart hätte. Beispiele, wo grosse Firmen kleine Firmen mit genialen Ideen ausmanövrieren, indem sie aufgekauft werden. Und dicht gemacht. In den Patentämtern der Industriestaaten schlummern genug Erfindungen, um den Energieverbrauch aller Einwohner zu halbieren, ohne Verlust an Lebensqualität! Vielleicht sogar im Gegenteil, denn wenn man halb so viel Energie verbraucht, spart man auch Geld und gewinnt dadurch Zeit. Die vielversprechendsten Bohrungen nach neuen Energiequellen lassen sich in Patentämtern durchführen - sauber, effizient und gnadenlos modern! Aber wann wird man endlich belohnt, wenn es einem gelingt, den Verbrauch zu DROSSELN, statt ihn zu erweitern? Die Zukunft wartet auf die Beantwortung dieser entscheidenden Frage, aber erst ein radikaler Wertewandel wird dies ermöglichen. In Ansätzen vollzieht er sich bereits. Die konkrete Belohnung von materieller Sparsamkeit entspricht noch nicht unserer Logik und nicht unserem von der

Werbung induzierten Lebensgefühl. Wer mehr hat (und verbraucht) geniesst immer noch das höhere Ansehen. Konsum ist Bürgerpflicht. Reichtum heisst unser aller Ziel. Zugriff zu Energie ohne Grenzen. Auf die Frage, wie man Energie SPAREN kann, gibt es viel mehr Antworten, als wie man Energie ANDERS produzieren könnte. Mir scheint aber, diese Frage nach energetischer Sparsamkeit ist mit einem wahren Stigma behaftet, wird von der Mehrheit gescheut, vielleicht als “minimalistisch” abgetan. Im Vergleich zu den Maximallösungen. Der heroischen Suche nach Energie, im besten Fall aus dem NICHTS. Der “heilige Gral” der Kernfusion z.Bsp., der unter Science Fiktion Lesern immer noch beschworen wird... In dieser technischen Richtung werden wir dazu ermutigt, immer weiter zu denken, immer weiter zu hoffen, wohl nicht zuletzt, um immer weiter Subventionen locker zu machen, die ein Jeder von uns mitträgt. Ich glaube, dass eine unnatürliche, ungesunde Scheu uns davon abhält, vergleichbar optimistisch alle Wege auszutesten, Energie zu SPAREN, bzw. Resourcen an sich. Warum? Haben wir Angst, die eingesparte Energie werden Andere nutzen? Ja, das kann sein! Aber was ist, wenn dies unsere Kinder sein werden? Hat sich insgeheim eine “Jetzt erst Recht”-Mentalität entwickelt, je näher Peak Oil rückt? Noch mal anständig Gas geben, bevor dies reglementiert wird, oder unanständig wirkt, oder zu teuer wird, da das Öl versiegt? Ich vermute etwas von allem spielt hier mit, aber ursächlich könnten dies Nachwirkungen der Weltkriege sein, wo gehungert und an allem gespart wurde. In einem noch grösseren Zusammenhang könnte es die Folge unserer gesamtmenschlichen Vergangenheit sein. Wo gehungert wurde und an Allem gespart. Sind wir auf der Flucht vor unserer ärmlichen Vergangenheit, als um Existenz ringende Menschheit? Ich befürchte es. Nein, ich befürchte nicht diesen Zusammenhang, sondern nur, dass er uns nicht bewusst wird. Dass wir vom Kampf um tägliche Beute wie befreite KINDER in eine ungesunde Phase des “JETZT” eingetreten sind. In eine – global betrachtet – WENIGEN offene Tür eines Warenhauses, in dem wir

uns seit etwa zwei Generationen wie Vandalen benehmen. Gut angezogene Vandalen mit sauberen Socken. Und jetzt den ganzen Planeten inspirieren, sich ebenso zu verhalten. Ein riskantes Spiel!

38. Kapitel Fahrspass zu Fuss... Ursächlich ist dieses Warenhaus (der Illusionen) das Resultat zweier grosser Kriege. Wenn der Krieg die Mutter aller Dinge ist, dann wirken die zwei Weltkriege wie Mutter und Vater der Moderne. Abgesehen von Computertechnologie ist fast alles ein Resultat der durch die Kriege geförderten Industralisierung. Selbst so profane Sachen wie die Konservendose waren zuerst militärische Errungenschaften. Dieser schrecklichen Vergangenheit entzog man sich nach dem Krieg durch plötzlich möglich gewordenen Konsum. Oder besser gesagt, dem ersten, zarten Versuch, masslos zu konsumieren, denn was die Wirtschaft Europas in den Fünfzigern produziert hat, produziert sie jetzt im Monat. Und jeder spricht heute von Flaute, dabei entspricht ein Prozent Wirtschaftswachstum real einem FÜNF Prozent Wachstum in den Fünzigern. Hinter der Frage nach Sparsamkeit verbirgt sich auch eine moralische Frage, sie riecht altbacken und trotz ihrer Begründbarkeit – oder gerade deshalb – ist sie “uncool”. Jede neue Möglichkeit, auf ANDERE WEISE Energie zu erzeugen, wird von den Medien lang und breit präsentiert, auch wenn es Sonnenspiegel im Weltall sind. Egal. Wie man Energie SPART, ist hingegen selten ein Thema..., WENN es nicht irgend einer Technologie bedarf, die man parallel dazu erklären kann, hinführend zu Produkten, die beworben werden. Wie zum Beispiel die benötigte Isolation eines Hauses, um DANACH zu sparen... (Dass man schlicht gut daran täte, die Innentemperatur auf 18 Grad zu drosseln, da man dadurch mehr Kalorien verbraucht und somit abnimmt..., liest man in Tipps betreffend Eigenheime nie.) Spätestens durch die mediale Förderung einzig KOMPLZIERTER

Lösungen, Energie einzusparen, outen sich Medien als Lautsprecher des Maschinellen, sprich des Kommerzes. Noam Chomsky, Sprachwissenschaftler, hat es so auf den Punkt gebracht: Das Produkt von Medien sind nicht gute Reportagen und Berichte, sondern – LESER! Dieses “Produkt” wird dann verkauft an diverse Industrien. Am wenigsten Leser gewinnt, wer Einfachheit propagiert. Einfachheit, also einfache Lösungen für die schlicht nichts benötigt wird, entziehen dem um Geld ringenden Bürger seine “raison d`etre”, seine Seinsberechtigung, denn sie ignoriert seine Kaufkraft. GERADE in Zeiten wirtschaftlicher Probleme, besteht am wenigsten die Chance, in Medien irgendwelche Alternativen zur althergebrachten Wirtschaft zu erfahren. Zu Blütezeiten ist man vielleicht noch bereit, augenzwinkernd Alternativen zu propagieren, in Krisenzeiten aber stehen Medien ihren Inserenten bei Fuss, wie Schäferhunde mit spitzen Ohren. Einfach gesagt – ich erlaube mir dies – kann Weniger oft Mehr bedeuten! Aber dies via etablierte Medien gesagt zu kriegen, ist besonders dann ein frommer Wunsch, wenn und wo es am Meisten angebracht wäre. Und so stellt die Medienbranche sicher, dass auch die Freizeit – ein Surrogat vom Wort FreiHEIT – eng verbunden bleibt mit der Industrie, die diese Freizeit “ausrüstet”. So wird der Endzweck modernen Seins, nämlich frei zu SEIN, unterwandert durch Produkte und Tätigkeiten, die in IHREM Endzweck wirtschaftlicher Natur sind und daher der Idee der Freizeit entgegen stehen. Zeit, Ruhe, Gelassenheit, nachdenken, diskutieren, beobachten, spielen, ausruhen, spazieren, all dies sind uralte, unserem Leben Sinn gebende Aggregatszustände, für die es keine Begründung braucht und es materiell, ausser einem Spazierstock oder Ball, nicht viel braucht. Eigentlich... Aber diesen einfachsten aller einfachen Tätigkeiten wird zunehmend durch diverse Wirtschaftszweige etwas nachgeschoben. Alles was du brauchst sind die “richtigen” Schuhe... Oder, ein mir unerklärliches Phänomen, der oben erwähnte Stock.

WAS könnte einfacher sein, als ein Stock? Wohl seit ewigen Zeiten braucht der Mensch einen Stock, wenn er Mühe hat, zu gehen, oder das Terrain ihn dazu zwingt, in den Bergen, im Geröll... Heutzutage scheint man aber davon auszugehen, dass GEHEN AN SICH eine Mühsal ist – jedenfalls in der Freizeit – also hat sich die Hightechindustrie des Stocks angenommen, hat diesen verdoppelt und auf den letzten Stand der Weltraumtechnologie gebracht. Mit gasgedämpften Schockabsorbern, ergonomischen Handgriffen und austauschbaren, per Bajonettverschluss anklickbaren Stockspitzen, je nach Untergrund, demnächst mit Saugnäpfen für Gebäudekletterer. Schwupps, hat die Welt der Maschinen Einlass gefunden in so etwas rudimentär Einfachem, wie dem Sonntagsspaziergang. In der Schweiz ist es mittlerweile schwer geworden, nicht vom stakkatischen Geklapper an Stöcken gehender Wanderer gestört zu werden, wenn man an einem ansonsten idyllischen See entlang spaziert, oder in den Bergen seine Ruhe sucht. Man kommt sich fast hinterwäldlerisch vor, wenn man immer noch nur auf zwei Beinen läuft, jedenfalls dem strengen Blick entgegen kommender Stockwanderer nach zu urteilen. Das spielerische, kontemplantive, sinnliche Element der Freizeit wird zurück gedrängt durch Anteilnahme an von Medien propagierten Trends – im Name diverser Industrien, bzw. Importeure, da die meisten solcher Produkte eine “halbe Welt” entfernt produziert werden. Alles unter dem Banner vermehrten Freizeitglücks. “Fahrspass” zu Fuss quasi. Hauptsache man kann sich via exklusive Stöcke gegenüber dem einfachen Wanderer hervortun, bzw. seinem Tun eine Professionalität andichten, die gerade in so einem “professionellen Land” wie der Schweiz überaus beeindruckt.

39.Kapitel So ist den Erwachsenen das Lachen vergangen Andere Sportarten scheinen nur im entsprechenden Kostüm möglich

zu sein, was besonders auf Fahrradenthusiasten zutrifft, die am Wochenende in mit Werbung verzierten Trikots die Landschaft verschönern. Dem Diktat der Sportnachrichten folgen sie markenidentisch. Dasselbe mit Skifahrern. Wer die Woche durch schwarz gekleidet und mit vorgeschriebenen Socken die sehr verehrte Kundschaft bedienen muss, scheint auf der Piste alle Hemmungen zu verlieren, was Farben und ihre Kombinationen betrifft. Fasnacht jeden Tag auf den Pisten der Welt? Gut so! Zurück ihr Menschen, in die BUNTE Vergangenheit! (Wo steht geschrieben, dass die Vergangenheit Schwarzweiss war? Eine Folge der Fotografie?) Aber..., beim letzten Mal auf einer Piste – diesen Winter – konnte ich bereits den neuen Trend für coole Bretthasen erkennen. Bald dürfte auch hier Schwarz zur kleinsten gemeinsamen Farbe werden. Keine Minute der Freizeit, für die uns nicht irgendein Sonderangebot unterbreitet wird! Kein Aspekt der wertvollen Freizeit, die nicht von Maschinen gestört wird – die einstmals erfunden wurden, uns mehr Freiheit zu ermöglichen. Die Freizeit, die sakrale Auszeit im Strudel des Berufslebens, liegt darnieder wie der Riese Gulliver im Reich der Zwerge. Eingekesselt von Angeboten, die Freizeit möglichst sinnvoll zu gestalten. So zweckgebunden das Erwerbsleben geworden ist, so zweckgebunden soll auch die Freizeit sein! Täusche ich mich, oder dient hier die Freizeit eher dem optimalen Funktionieren im Beruf – als umgekehrt? Leben um zu arbeiten, statt arbeiten, um zu leben! So ist den Erwachsenen das Lachen vergangen. Und den Kindern das Spielen. Das unbeschwerte, musevolle Spielen. Ein Spiel zu spielen interessiert nur noch, wenn daraus ein Gewinner hervorgeht. Spielen ist zur Vorwegnahme des beruflichen Konkurenzkampfes geworden. Kinder werden auf KÄMPFEN geeicht, auch wenn wir sie sonst in Zuckerwatte einpacken. Wir wandern nicht mehr, sondern betreiben Fitnesstraining. Wir reisen zum Sprachstudium. Alles möge einen

Zweck haben. Im Idealfall richtet sich Freizeit auf Weiterbildung, damit man in der Berufswelt weiter kommt. Weiter wohin...? Ja, was bleibt noch übrig, wenn Leute von heute DAS tun, was sie WIRKLICH tun wollen? In ihrem kollektiv angestrebten “Endzweck” erklärt sich jede Kultur. Stichworte: Zufriedenheit mit sich und seinem Land (Kultur, Land, Ort, Quartier), Ausgeglichenheit, Momente des Glücks, das immer wieder da ist. Austausch mit Anderen. Spielen, Basteln, Kommunizieren, Musik hören, Tanzen, Siesta halten. Sich gehen lassen in Momenten ohne ein Morgen, ohne ein Gestern. Sein. Dies sind Inhalte von Endzweck, ihr Rahmen kann verschiedenste Formen haben. In diesem Rahmen erklärt sich Kultur besser, als im Rahmen wie sie zielgerichtet handelt, da sie ihr wahres Ziel preisgibt. Ihren Reichtum. Oder ihre Banalität. Ihre einladende Wärme. Oder ihre eiskalte Exklusivität. Ihre Spiritualität. Oder ihre Nüchternheit. Ich schreibe dieses Essay aus dem Blickwinkel eines Schweizers, nicht eines Inders oder Südseeinsulaners. Ich fühle mich der westlichen, sogenannt aufgeklärten Welt nahe genug, wenn ich sage, dass wir uns alle wesensverwandt sind. Ähnlich genug, dass mein vermutetes Defizit in unserem Endzweck – unsere Mühe ungeniert glücklich zu sein – ein allgemeines ist. Dass sogar dem heutigen Italiener zunehmend das Lachen abhanden kommt. Dem Spanier der Stolz. Dem Amerikaner der Zukunftsglauben. Dem Engländer der schwarze Humor. Dem Deutschen seine gute Laune. Ich habe in den Siebzigern in Deutschland gelebt, ich kann mich gut erinnern, wie nach getaner Arbeit oft die menschenmöglich beste Laune ausbrach. Und niemand wusste warum... Im Vergleich zu heute waren wir Bettler! Ich habe hier vielleicht dünnes Eis betreten und verlasse es gleich wieder, die Idee nämlich, dass es früher besser war (klar, man war

JÜNGER...), als auch die Bewertung des allgemeinen “Glückslevels”, also des Inhalts des Endzwecks, nicht dessen äussere Form. Ich frage lieber, Was BRAUCHT es zum glücklich sein? DA kann man einen einfachen Schluss ziehen: Mehr denn je! Wir sind umgezogen von einem Zeitalter, in dem Jeder irgendwie froh war, das Zeitalter davor lebendig überstanden zu haben, in ein Zeitalter des momentanen Habens. Und es ist dieses Haben, das Spuren hinterlässt, unabhängig vom Sein. Früher hat es dazwischen noch eine Verbindung gegeben, heute kaum noch. Das Haben sagt nichts mehr über das Sein. Die Form nichts mehr über den Inhalt. Das Sein reflektiert sich kaum mehr im Haben, bloss binär in der abschätzbaren Menge Geld, die dem Haben zugrunde liegt. Mausetot ist jeder persönliche Stil, wenn er global in Kettenläden erhältlich ist. Der Ausdruck des Persönlichen hat immer mehr Mühe, wahrgenommen zu werden, da die Zutaten verschwinden. Und weil das Abweichen von der gedachten Mittellinie mit strengeren Blicken bestraft wird. Trotz – oder WEGEN – den Kapriolen, die in der Berufswelt in den Himmel projeziert werden. Die Spassfeuerwerke und fliegenden Champagnertrüffel der ausgetrockneten Banken. 40. Kapitel Wer zu wenig lange Kind sein durfte, wird es immer bleiben Durch unsere differenzierte Sprache, die unser Denken prägt, existieren Arbeit und Freizeit nur getrennt. Sie sind zwei verschiedene Lebenswelten und die eine möge bitte nicht auf die andere abfärben, steht in der “Bedienungsanleitung” zum heutigen Leben. Dies wird schon Kindern klar gemacht, durch die Trennung von Schule und Spiel, Unterricht und Pause. Das eine ist bitterer Ernst, das andere ist zügellos und beliebig. Spielerisch zu lernen ist zwar theoretisch ein Ideal, aber es kommt nur Kleinkindern zu Gute, und Schulanfängern.

Aus dem Spiel wird ein Gerangel um Noten. Ein Gewinnspiel ersetzt das kreative Spielen. Offenheit in viele – beinahe ALLE – Richtungen wird zunehmend eingeschränkt, das Kind wird fokussiert auf einzelne, sauber getrennte Fächer. Es ist nicht das Verbindende, das interessant gemacht wird, sondern das herausgelöst einzelne Phänomen, der Fakt, die Jahreszahl, Pi. So trocken und nüchtern von einer kommisarisch waltenden Schulbehörde vorgegeben, dass Phantasie – das Ringen um Möglichkeiten – verglimmt. In den Köpfen derer, in denen es einstmals loderte und um sich greifen wollte. Das wärmende Feuer kindlicher Vorstellungsmacht. Der “Wert” des Kindes wird am Potenzial seiner Fähigkeiten gemessen, erwachsen handeln zu können. Diese Einschätzung erfolgt nicht unbedingt durch seine Eltern, aber von der Schule, der Umgebung, der Gesellschaft. Kind zu sein – und was das bedeutet – wird nicht reflektiert. Ähnlich wie beim Status der Frauen vor ihrer halbwegs geglückten Selbstbefreiung, geht es auch bei Kindern mehr um ihre Pflichten, denn um ihre Rechte, sich selbst zu sein. In der Schule erlernt man als Kind die Verpflichtung gegenüber der Welt der Erwachsenen, deren Mustergültigkeit nicht zur Debatte steht. Selbst nicht in einer Zeit, wo der Lebensstil der Erwachsenen die Zukunft der Kinder in Frage stellt. Wer zu wenig lange Kind sein durfte – wird es immer bleiben! Nur das Durchlebte kann durchschaut, überwunden, ohne Tränen verlassen werden, auf dem langen Weg durch das Leben. Wer nicht “zu Ende” Kind sein durfte, weiss nicht, was anfangen mit dem unvollendeten Kind in sich. Wer diese schöne Reise nicht hinter sich gebracht hat, wird kindisch sein, sein Leben lang. Blind für das menschliche Mass, für Vernunft und Einsicht. Zynisch gesagt: Was einem Kind verboten wird, ist, sich so kindisch zu benehmen wie Erwachsene es oft tun. Von Kindern erwartet man Vernunft, von Erwachsenen Konsum. Von Kindern erwartet man Mässigung, dass sie nicht zu wild und laut sind. Als Erwachsene dürfen wir masslos sein, Gas geben, auf der Überholspur leben,

rasen, rauchen, saufen. Von Kindern erwartet man Logik und Verstand. Ihnen diese Werte beizubringen, betrachtet unsere Gesellschaft als ihre höchste Aufgabe. Von Erwachsenen erwartet man Verständnis wirtschaftlicher Logik. Dass zum Beispiel alles, das man kauft, bezahlt werden muss. Irgendwann... Dass man zum Geld verdienen arbeiten muss (Es sei denn man kennt die Tricks). Dass man zum Arbeiten anständig angezogen sein muss. Eher einfache Regeln... Die tiefere Logik aber, inwiefern die Modalitäten des modernen Lebens zukunftskompatibel sind, wie die Hintergrundtechnik unseres Alltags funktioniert, welches die herrschenden Prioritäten der Politik sind, wo in der Geschichte der Menschen wir uns befinden – und warum – all DIES wird verdrängt, kaum dass man sein sonniges Plätzchen gefunden hat. Als “frisch Erwachsener” alle jugendlichen Beschränkungen fallen lassen darf, um mit dem Auspacken der Geschenke zu beginnen, die einem ein an die Wirtschaft angepasstes Leben von hinan bescheren wird. Christmas around the clock! Das Kind, das viel zu früh schon keines mehr sein durfte, ist zum kindischen Erwachsenen geworden, unter kindischen Erwachsenen, wodurch es niemandem auffällt. Dies zeigt sich gut in der Werbung, die oft null informativ ist, aber so kindisch, dass man sich ernsthaft fragt, warum dies zunehmend die Norm wird. Ironie, Sarkasmus, Schadenfreude einerseits, kuschelweicher Schwachsinn andererseits. Typischer Ansprechpartner heutiger Werbung: Das Kind in der Frau, das Kind im Mann, das Kind im Hund und der Katze... Alles sehnt sich nach einer Fortsetzung kindlicher Unbeschwertheit, im zunehmend rigiden Drill des Arbeitslebens. Kein Spruch scheint zu infantil, um nicht gross und breit auf Plakaten daher zu kommen. Als “unfertiges Kind”, als kindisch Erwachsener, braucht man eine Autorität, eine Art höhere Instanz. Dies wird äusserlich und im Alltag zwar der Chef sein, notfalls die Chefin, ein klein Bisschen die Politik

(vielleicht), die Polizei, die Gesetze, aber innerlich sagen sie uns wenig. In einer demokratischen, die Menschenrechte propagierenden Gesellschaft fühlt sich jeder gleichwertig, das heisst, man will sich auch nichts sagen lassen, wirklich. Religion spielt keine grosse Rolle mehr, in weiten Teilen Europas nicht mal mehr eine kleine. Spätestens die bekannt gewordenen Vorkommnisse in zumeist katholischen Kirchen der letzten Jahrzehnte, dürfte die “Haltbarkeit” der Kirche als Vertreterin christlicher Moral endgültig beenden. Ihr noch leutselig die grossen Fragen des Lebens zu stellen, bekommt folkloristischen Wert. Aus einstmaliger Autorität in Sachen Wahrheit, sind Gesangsclubs geworden, mit überdimensionierten Proberäumen. Urbi et orbi. Friede der Asche aller sinnstiftenden Autoritäten, könnte man sagen. Aber was bleibt, als oberste Instanz dessen, WAS man glaubt, ist längst die Wissenschaft geworden, der ehemalige “Zweigbetrieb” christlicher Religion, der sich selbstständig gemacht hat. Ihr, der Wissenschaft, werden alle Fragen zu Füssen gelegt, die man selber nicht beantworten kann. Ihr wird der Schlüssel anvertraut in das Reich der Wahrheit. DIE Wissenschaft. Noch vielseitiger, als DIE Wirtschaft. Der Wirtschaft geht es um Geld, als Essenz alles Strebens. DER Wissenschaftler verfolgt zwar dieses Ziel auch, aber nicht unbedingt DIE Wissenschaft. Sie ist auf der Suche nach Wahrheit. In unserer egalitären Gesellschaft, wo jeder gleich viel Wert ist wie der andere, jeder Erwachsene wählen darf, Jeder Jedem augenzwinkernd zugesteht, letztlich das gleiche Ziel anzustreben – Geld, MEHR davon! - ist es an der Wissenschaft, eine übergeordnete, unprofane Funktion auszuführen. Wie eine besorgte Elternschaft bemüht sie sich, unsere Gene zu entschlüsseln, die Chemie unserer Erde zu erklären und die Physik des weiten Kosmos in Formeln zu giessen. Und wie eine schützende Hand, die sie über uns Menschheit hält, versuchen engagierte Wissenschaftler, uns aufzuklären über die katastrophalen Folgen, die unser momentaner Lebensstil nach sich ziehen wird. Auch wenn wir

konkret im Einzelnen ahnungslos sind, verlassen wir uns doch auf DIE Wissenschaft als zwar nicht sinnstiftende, aber zumindest wahrheitsstiftende Autorität. Sie trägt die Fackel durch die Dunkelheit. Stark vereinfacht könnte man behaupten, es gibt zwei Arten Menschen. Wissenschaftler...., und normale Menschen. Der “normale” Mensch strebt nach Geld, der Wissenschaftler nach Wissen. (Früher gab es Kleriker und Laien...) Zu denken ist anstrengender als zu arbeiten, forschen komplizierter als produzieren. Den einfachen Arbeiter und den CEO in einer Firma verbindet das Streben nach Geld, das zu besitzen kaum als Bürde gesehen wird. Wissen dagegen ist oft eine Bürde, und wenn es sich nur um die Unvermittelbarkeit des Wissens handelt, die Einsamkeit im kleinen Kreis aus Spezialisten. Nun gibt es DIE Wissenschaft aber gar nicht! Bzw. es gibt sie in drei “Geschmacksrichtungen”: Die Welterklärer, die Weltveränderer und die Weltverbesserer. Die Welterklärer sind meistens unverständlich, was wohl in der Natur der Dinge liegt. (Dafür kosten sie viel!) Ihre Erkenntnisse mögen durchaus richtig sein, wem oder was diese nutzen, steht jedoch oft buchstäblich in den Sternen. Weltveränderer arbeiten im Diskreten. Eingebunden in der Wirtschaft fördern sie den Fortschritt in die Richtung, die ihnen aufgetragen wird. Von Atombomben bis Zuckerersatz, alles kann bestellt werden! 41.Kapitel Die Krönung aller Laborratten: Der Mensch Im Rampenlicht der Medien stehen aber weltVERBESSERNDE Wissenschaftler, die Klimaforscher momentan an vorderster Front. Zwischen Autowerbung und Kauftipps für den besten Föhn warnen sie in den Medien vor einer drastischen Klimaerwärmung durch CO2. Auch wenn der Bogen weit geschlagen ist: Handelt es sich etwa um die Dreifaltigkeit des Christentums, der hier die Struktur des

Wissenschaftsbetriebs unterteilt? Der heilige Geist – der den Kosmos durchleuchtet = Grundlagenforschung. Gott – der “Produzent” der Schöpfung = Entwickler von Netzwerken und sich bewegenden Wesen... Und schliesslich: Dr. Jesus! Der Mahner in der Wüste = Wird regelmässig von der Wirtschaft (Rom) und ihre Knechten an eine Strassenkreuzung genagelt gewünscht... Es IST wie im alten Rom! Nur sieht alles modern aus, hat Touchscreens, Halogen Beleuchtung und Überwachungskameras. Der geistige Überbau, den einst Religion formulierte, entspringt heutzutage der Wissenschaft, der Kernphysik, der Genforschung, der Kosmologie. Unsere allgemein anerkannte Schöpfungsgeschichte ist abenteuerlicher denn je geworden. Und irgendwie wieder WAHR. Gott ist durch das Atom erstetzt, in dem endlose Kraft schlummert. Der Himmel ist in Wahrheit grösser, als man dachte, bunter, voller, verrückter, bizarrer, märchenhafter! Die Welt entstand nicht in sechs Tagen, sondern dem Bruchteil einer Nanosekunde. Bzw. 17 Milliarden Jahren, was dasselbe ist. Ein Wunder! Was die Religion angenommen hat, hat die Wissenschaft unbeabsichtigt bestätigt. Auch wenn Gott letzten Endes in einer mathematischen Formel hockt, so ist er/sie/es keineswegs weniger wunderbar – kommt es nicht nur Laien vor. Auch wenn es keine Engel gibt, gibt es Neutrinos, Quarks, Diamantplaneten, Archebakterien. Der heilige Geist manifestiert sich in den skurrilen Gesetzen der Natur. Die Wissenschaft spielt mit ihnen einen - etwas behinderten – Gott.... hervorragend! Sie hauchen unseren Smartphones Leben ein, erfinden neue Waffen, präzise wie göttliche Blitze. Ein weltweiter Club der Religion der Zukunft, fällt Einem bei Wissenschaft fast ein...

Zukunft WOZU? Diese Frage der Wissenschaft gestellt, würde Antworten zu der Frage Zukunft WIE hervorbringen: Wie sieht die Bremse der Zukunft aus? Wie sieht die Batterie der Zukunft aus? Wie der Motor? Der Bildschirm, die Klimaanlage, das Auto... WIE wird kommuniziert? (Worüber fragt man nie!) WIE schnell, WIE weit? Mit diesen auf die Technik übertragenen olympischen Disziplinen verdienen sich Wissenschaftler ihr tägliches Brot. Ausgebildet an staatlichen Universitäten, die jeder Einzelne mitfinanziert, werden die Meisten ihr Leben danach im Dienst der Wirtschaft verbringen. Die Frage WOZU es diese technische Aufrüstung aller Lebensbereiche braucht, fällt nie. Klar, genetisch verändertes Saatgut tut jedem Staat gut, um die sonst hungernde Bevölkerung zu ernähren. Aber ist es auch so? Entsteht dabei nicht eher Futter für Batteriehühner, oder Ethanol für Fahrzeuge? Werden dabei nicht nur Umwege ausgebaut, statt die zentralen Probleme angesteuert, also die Frage, warum jeder moderne (sesshafte) Mensch jeden Tag zur Arbeit fahren MUSS, jeden Tag Fleisch essen WILL - oder MUSS...? Irgendwo findet man immer einen “Haken” am Menschen, wo man etwas anhängen kann (bei der Nahrung ist es ja offensichtlich...), oder eine “Steckdose”, wo man einen weiteren Kommunikationskanal anschliessen könnte. Brillen mit “augmented reality” dürften bald zur Statussymbolik des Wohlstandbürgers werden. Kein Sonderangebot, das diesen modernen Scheuklappen noch entgehen kann. Kein Stück Menschenhaut, das sich nanotechnologisch nicht stimulieren liesse. Kein Ausweg, sich den Experimenten der “organisierten Wissenschaft” zu entziehen. Keine Hoffnung, bald weniger als hundert Jahre alt zu werden. Aus jeder Agonie erlöst zu werden. Von jeder Krankheit befreit, aus jedem Seelenschmerz chemisch errettet... Die Krönung aller Laborratten: der Mensch – aus Fleisch und Blut, bzw. aus Mitteleuropa, Texas oder Shanghai.

Die organisierte Wissenschaft gruppiert sich zunehmend um eine wissensdurstige Industrie, die ohne ihre Erkenntnisse stagnieren würde, da jede Weiterentwicklung nur vorübergehenden Wert besitzt, nämlich den technologischen Vorsprung vor einer ebenso forschenden Konkurenz. Ein Formel 1 Rennen um bessere (sprich rationeller hergestellte) Produkte. Mit frischen Universitätsabgängern als Motor und einem smarten CEO am Steuer. Betankt von chinesischen Dollars. Die globale Zukunftsvision aller Banker: der eisgekühlte Bacardi am Pool auf den Bahamas. Unangefochten! Mit vollautomatischer Alarmanlage. Von nun an und bis zum Ende aller Sunsets. Amen. Bzw. Prost! Gottseidank – und vielleicht nützt es – gebiert die Wissenschaft auch den Typ des Warners, der dies nicht mehr einsam in der Wüste tut, sondern in einem immer schwerer zu überhörenden Chor rund um die Welt. “Etwas stimmt nicht” im von ihren ehemaligen Kollegen ausgedachten Weg in die Zukunft. Wenn der technologische Fortschritt dazu führt, dass dabei die Erde verwelkt, kann er SO nicht richtig sein. Doch wenn der rasend schnelle Fortschritt in Richtung Technik total an Fahrt verliert, verwelken die Arbeitsplätze. Wird argumentiert, meist von Kreisen, die keine Chance auslassen, eben diese Arbeitsplätze einzusparen. Typischerweise gehen die Börsenkurse von Firmen hoch, sobald Massenentlassungen angekündigt werden. Dies gelingt ihnen oft durch Meisterleistungen ihrer besoldeten Wissenschaftler, die durch neue Verfahrenstechniken weitere Schritte der Rationalisierung ermöglichen. Wissenschaftler stellen sich vielleicht nicht ganz freiwillig diesem Ziel zur Verfügung, aber die schiere Anzahl (In Deutschland studieren momentan 2,2 Millionen Studenten an Unis) zwingt sie dazu. In die Zukunft extrapoliert heisst das, sie arbeiten auch daran, sich selber überflüssig zu machen. Das noch weit in der Zukunft liegende Fernziel ist die vollautomatische und selbstwartende Universalfabrik für ALLES – mit Robotern, die die Resourcen abbauen und in die Fabrik fahren, als auch autopilotgesteuerten Verteilrobotern, die die vollautomatisch produzierten Waren am Gartentor “schnuckeliger” Einfamilienhäuser

abladen – die Produkte dieses einsamsten aller Reichsten der Erde (Mischung aus Stephen Hawkins und Mike Zuckerberg), der Alle gegen Alle ausgespielt – und GEWONNEN hat. “The winner takes it all!” (Bedeutender Spruch des Amerikanischen Traums!) Wahrlich, ein noch weit entfernter Traum, aber je möglicher er wird (an der Universalfabrik wird bereits emsig geforscht, am Autopiloten für den Strassenverkehr auch!), desto mehr Menschen werden ihn verinnerlichen. Auch wenn diese industrielle Vision ein totaler ökonomischer Schwachsinn wäre, so kann man schon jetzt davon ausgehen, dass ein Millionenheer weltweit bereit wäre, sich auf den Weg an diese absurde Spitze zu machen, diesen letzten von Polsterrobotern gepolsterten Managerstuhl unter ihrem Gesäss spüren möchte. Vor den Hebeln totaler Macht sitzend. Ich will hier so schreiben, dass Kinder verstehen. Es ist durchaus logisch, dass sie die Erfinder der Sprache sind. Also gebe ich mir Mühe... Die Sprache war die Haupttrophäe vormenschlicher Ausflüge in die Phantasie. Kinder kennen sich dort am Besten aus. Einmal erwachsen, zählen nur noch Konventionen. Auch keine Sprache zu haben, wortlos zu sein, war im weitesten Sinn eine Konvention, an die man sich lange hielt. Vielleicht ein paar rudimentäre Laute, die Gefahr bedeuteten, Angst, Schlange etc. könnte auch Erwachsenen im Schreck eingefallen sein. Aber die ersten poetischen Worte dürften das Resultat von kindlicher Phantasie sein! Ich kenne persönlich eine Gruppe Kinder, die von zu Hause ausriss, per Pferd in ein entlegenes Dschungeltal, und dann dort über mehrere Wochen blieb. Die Eltern waren nicht weiter besorgt, vielleicht sogar froh... Das Erstaunliche war nicht, dass sie nicht verhungerten, denn das Tal war voller tropischer Früchte und sie erlegten sogar ein Wildschwein mit einem Speer. Das absolut Grandiose war, dass sie sich eine eigene Sprache ausdachten und niemand sie mehr verstand, als man sie endlich suchen ging und fand. Wäre eine Gruppe Erwachsener je auf so eine Idee gekommen? Wohl kaum! Ähnlich mag der Ursprung der bildlichen Symbolik durch Kinderhand

entstanden sein – Sandzeichnen wohl – an denen sich Erwachsene zuerst nur zögerlich beteiligten, bis daraus Konventionen wurden, DIE Sprache, DIE Schrift, etc. Äonen später ist daraus die Logik entstanden. Eine Erfindung des puren Erwachsenseins. Das insistieren auf das Wort – Logos – an sich. Der Schritt vom Analogen (Gefühl) zum Digitalen (Begriff). Was schon Religionen versuchten, ist der Wissenschaft gelungen. Wahrheit ist die gravitätische (alles anziehende) Mitte geworden, der Nullmeridian des logischen Denkens, von wo aus die Welt neu vermessen wird, um sie in ihrer Fremdheit zu verstehen. Aber Wahrheit hilft uns nicht immer, zu verstehen, was RICHTIG ist, was die richtige Richtung ist, was wir tun sollen, mit all dem was WAHR ist. Wir (Europäer) glauben, friedlich zu sein und normale, einfache Leben zu führen, aber dahinter (als Grundlage) existiert eine knallharte Wirklichkeit aus Krieg, Ausbeutung, Müll und Zerstörung. Die uns zwar mitgeteilt wird als Wahrheit, als Fakt, aber nicht als die Konsequenz UNSERER “einfachen”, “friedlichen”, “normalen” Leben. Die Richtigkeit, die Verbindung dazwischen (die Tatsache, dass beispielsweise Europa immer “sauberer” wird, weil immer mehr in China produziert wird), wird im Grossen und ganzen “beschwiegen”. Kein Wunder, dass unser Schulsystem in erster Line und als höchst erreichbares Ziel “wertvolle” Intellektuelle formt. Nicht Menschen. Nicht Handwerker. Nicht Künstler. Erst recht nicht Bauern. Agroingenieure vielleicht, aber keine Pflanzenheger. Jäger irgendwelcher verborgener Genschätze, aber keine Feld- Wald- und Wiesenjäger. Die Schule ist eben eine Schule, man soll lernen, was in Büchern, was an der Wandtafel steht. Oder auf dem Bildschirm. Die Schule ist im Idealfall ein schalldichtes Gebäude mit geräuschloser Klimaanlage und ferngesteuerten Jalousien. Sie ist per Fussgängerunterführung unter der Hauptstrasse hindurch erreichbar, hat einen Getränkeautomaten und abwaschbare Toilettenwände. Was Pestalozzi geträumt hat, ist wahr geworden. Bildung für Jeden.

Chemie, Physik, Geschichte. Erdkunde, Geografie, Sexualkunde. Scheinbar jeder Wissensbereich wird vermittelt, jeder Muskel im Sportunterricht beansprucht, in kirchengrossen Sporthallen, wo die Kleinen auf Kommando um die Wette klettern, hüpfen und springen. Ein wahres Idyll! Wer ist der Erste, der Klügste, der Beste? Um das geht es im Vorbereiten auf das Leben. BESSER zu sein, als die Anderen. Trainiert zu sein für den grossen, weltweiten Wettbewerb um Partner, Ehe, Glück, bzw. um Job, Karriere, Geld. WAS würde Pestalozzi heutzutage dazu sagen? Wäre er stolz? Vielleicht. Vielleicht wäre er aber auch schockiert! Aus seiner damals zeitgemässen Forderung nach gerecht verteilter Bildung (fürs Leben), ist eine subtile Form von Industrie geworden. Aus einer Schule für Menschen hat man durch veränderte Stellwerte und Normen über Jahre Schulen für Menschen für die Wirtschaft gemacht. Der schulische Endzweck Mensch ist untergeordnet worden, dem Endzweck wirtschaftlicher Nützlichkeit des Menschen. Output: Gesellschaftliche Leistungsträger (was auch immer das sind), austauschbare Manager, Spezialisten im Rationalisieren von Arbeitskräften, Wissenschaftler mit Tunnelblick, zockende Banker, Lehrer, die keine neuen Fragen mehr stellen, als die ihnen aufgegebenen. Wundert es, dass die Mehrheit Deutscher Schüler gerne KÜNSTLER würde? (Umfrage 2010) 42.Kapitel So begann die Zeit des Wissens Selbstzweck bahnt sich in der Schule an. Was ist, will sein. Was sein will, setzt auf Wachstum. Die Schulindustrie boomt. Je komplexere Bildung sich vermitteln lässt, je wichtiger erscheint sie sich selber. Das Prinzip Schule wird zum Lebensprinzip erhoben. Konkurenz in Form von “nicht Schule” gibt es nicht mehr (ihr WAHRER Wert lässt sich daher auch nicht mehr messen...). Man muss ein Leben lang lernen – denn das tun die Anderen auch. Die Schule ist AUSSCHLIESSLICH der Anfang einer universalen Verpflichtung gegenüber der Wirtschaft, der Wissenschaft oder der Schule selbst!

Die Kunst, ein gutes Leben zu führen, erlernt man nur unter der Bedingung, dass man darunter eine Karriere versteht. Wer ein schlichter, gar mit WENIG zufriedener Mensch sein will - also “rationell” GLÜCKLICH sein möchte - findet im Schulalltag keine Inspiration. Wer lernen will, Mensch zu sein, wird auf den erstrebenswerten Individualismus verwiesen und erntet den strengen Blick der Lehrerschaft. (Wenn Alle von Individualismus reden, ist das nicht AN SICH verdächtig?) In den wenigsten Schulen lernt man etwas übers MENSCH sein, trotz Goethe, Rousseau, Gandhi und andere Lehrer, die weniger selbstverliebte Epochen geboren haben. Mensch sein will aber nicht nur erlernt, sondern auch geübt werden. Auf DAS sind moderne, sichere Schulen kaum ausgelegt. Mensch zu sein, gelingt Kindern ja auch nur – unter Kindern. Unter Erwachsenen sind sie nämlich “nur” Kinder... Wie sollen sie lernen, handlungsfähige, sich selbst und Anderen gegenüber verantwortungsfähige Menschen zu sein? Unter der weitreichenden Bevormundung durch die – immer noch – paternalistische (Pestalozzianische) Schule, die ihren Wissensvorsprung als verkappten Vorwurf an die noch ungebildete Kindheit vermittelt? Ihre Deutungshoheit der Welt den Kindern aufs Auge drückt, auf IHRE Welt, deren Wahrheitsgehalt in Frage stellend, ewig am korrigieren, bis zum letzten, passgenauen Schliff aller Zahnräder im Hirn? WIE sollen Kinder üben, Menschen zu sein, nicht bloss unfertige Erwachsene? Und WO? Auf dem Pausenhof? Zwischen Wippe, Klettergerüst und verrosteter Rutschbahn? Die Professionalisierung des Lebens hat kaum Grenzen. Sie erfindet immer neue Bereiche und kaum etabliert, fällt sie uns nicht mehr auf. Die Formierung des Menschen zum professionellen Wesen erfordert in sich Professionalität und die Bildung einer dieser professionellen Logik dienenden Hirarchie. Historisch betrachtet kann man vermuten,

dass, wer sich am Meisten um Kinder gekümmert hat – waren Kinder. Auch sie in ihrer Weise hirarchisch strukturiert, aber nicht professionell, sondern menschlich begründet. Die älteren Kinder kümmerten sich von Natur aus um die Jüngeren, Mädchen um die Jungs, Jungs halfen Mädchen, Mädchen lernten Frau zu sein, indem sie sich um Babies kümmerten, Jungs machten Feuer... Die Welt der Kinder war eine Welt für sich. Märchen berichten noch von ihr. Kinder folgten durch Nachahmung den Erwachsenen. Einsicht war wichtiger als ein Lehrplan. Sie kam durch Erfahrung. Die Eltern waren nicht gross mit Formierung der Kinder beschäftigt, wodurch sie mehr Zeit hatten, Menschen sein konnten. Sie moderierten Kinder höchstens, zwangen sie aber noch nicht in Schablonen, wie man zu denken und handeln hat. Das ergab sich von alleine, als Quintessenz dessen, was richtig war. Erkennbar richtig. Auch Kindern erkennbar richtig. Berufe wurden nicht im Geheimen ausgeführt, sondern waren zum grossen Teil jedem Kind ersichtlich. Weisheit war ein relatives Gut, nicht ein von der Erwachsenenwelt für sich beanspruchtes. Nicht eines, das immer mehr abhanden kam, je kleiner der Zirkel derer wurde, die es exklusiv beanspruchten. Die organisierten Religionen, die Mutter aller Schulideen. Wo die Wahrheit entstand und die Richtigkeit verklausuliert wurde, statt offensichtlich zu sein. Wo es plötzlich Lehrer brauchte, Imame, Mönche. Als die Kinder eingefangen wurden, festgesetzt auf hartem Boden, ihre Blickrichtung koordiniert, weg vom Rundumblick, hin zum Blick nach vorne, nach oben. Als Kinder nicht mehr Menschen waren, sondern nur noch Kinder... Unfertige Erwachsene. Den Idealzustand noch nicht erreicht hatten. Noch nicht NORMAL waren. Nichts mehr wirklich zu sagen hatten. Zuhören mussten. Aufpassen. Still sitzen. Schweigen. So begann die grosse Zeit des Wissens. Ohne sie wäre unsere Welt eine andere. Dass sie BESSER wäre, will ich nicht behaupten. Jedem Zeitalter sein Pläsierchen. Vieles ist irgendwann richtig, aber kaum etwas ist immer und ewig richtig. Die Idealform der Natur ist die Welle. Eine andere Zeit bahnt sich an,

oder die Welle bricht. Die Formierung der Kinder ist zu weit gegangen. Es ist zu leicht durchschaubar geworden, dass sie der Fortführung dessen dienen sollen, was die Vergangenheit sich ausgedacht und als richtig erachtet hat: der gallopierende Fortschritt. Die Welle, die sich bereits aufbäumt und tosend in sich zusammenbrechen wird, an den Klippen der Realität. (In menschengemachten “Wellen” zeigt es sich schon, in Statistiken: Sie zeigen steil nach oben, oder nach unten.) Kindern mehr Autonomie zu gewähren in der Definition ihrer Werte und das Akzeptieren der sich daraus ergebenden Konsequenzen, ist sicher kein gutes Ruhekissen für unsere Gesellschaft. Auch ich hätte Mühe und würde nur zögerlich einen neuen Generationenvertrag unterschreiben. Er wäre auch gespickt mit Klauseln. Jugendliche Ansprüche auf Anarchie ist in keinem Interesse, auch nicht der Jugend. Andererseits vermute ich eine (europäische) Jugend, die von Anarchiegedanken eher weit entfernt ist – fast ZU weit, befürchte ich... ETWAS Anarchie braucht es nämlich, um verhärtete Denkweisen zu erneuern. DIE Jugend erscheint mir etwas sediert, etwas eingelullt. Wachsamkeit im Blick sehe ich selten. Das Bewusstsein für das grössere Bild kann durch das Internet gewachsen sein, gleichzeitig wird es durch Facebook etc. wieder zurück geworfen auf den eigenen Freundeskreis. Auch wird unser Sozialverhalten dadurch einem standartisierten, technischen Prozess unterworfen und in engen Grenzen gehalten, auf diskrete Art mechanisch koordiniert und überwachbar gemacht. Via Handy ist eine Art Röhrenblick entstanden. Was leider etwas in Vergessenheit gerät – trotz inflationärem Gebrauch – ist die Fotografie, die BEWUSSTE Fotografie. Das beste Rezept gegen Röhrenblick! Die Kamera fordert heraus Spuren zu suchen, die man sonst nicht sieht. Fotografieren ist so fundamental für unsere Wahrnehmung, wie die Erfindung der Sprache für unser Denken. Wir merken dies erst bewusst durch bewusstes Fotografieren. Töne zu artikulieren war auch erst Sprache, als dies bewusst geschah. Die Folgen einer “Kultur des bewussten

Fotografierens” für die Zukunft sind unabsehbar. Ohne kollektives Wahrnehmen dessen, was ist, entsteht keine Vision, was sein könnte. Durch Fotografie KANN (visuelle) Wahrnehmung kollektiv werden. Anarchie ist machbar, Herr Nachbar! hat es in den Siebzigern geheissen. Und jetzt sind sie sich alle selbst “Nachbarn” geworden... Auch wenn Anarchie wieder salonfähig wird – als Idee – so halte ich die Idee zwar für verlockend, aber ebenso für unausgegoren, um Etwas zum Positiven zu ändern. Ich habe gerade “Der kommende Aufstand” gelesen, eine umfassende Manifestation französischer Anarchisten, und wie man “die Bullen platt wie Stullen” kriegt (vermummt, anonym, aus dem Hinterhalt!). Und DANN? Ich fand in dem Manifest leider kaum Antworten darauf. Ein paar, aber die sind offensichtlich: Mehr Gemeinsamkeit, mehr Mut andere Strukturen aufzubauen (Archien...), Verabschiedung von der Idee, die Industrien, die die Umwelt in Schutt und Asche gelegt haben (bitte wörtlich verstehen!), würden jetzt dazu taugen, eine neue, ökologisch vertretbare Wirtschaft aufzubauen. Das ist, wie wenn man den Würger von Boston um eine Nackenmassage anflehen würde! Die kommende Generation steht vor der historisch einmaligen Aufgabe, einen anderen Kurs in IHRE Zukunft zu finden, als ihnen gleichzeitig von meiner Generation einsuggeriert wird. Das ist absurd. Nach den Weltkriegen herrschte wenigstens ein breiter Konsens, dass es SO nicht weiter gehen kann, heutzutage herrscht dieser Konsens nicht. Oder nur in vager Form und wird immer davon abhängig gemacht, dass die GANZE ERDE diesem Konsens beipflichtet (Kijoto Protokoll ist ein gutes Beispiel), bevor irgend etwas WIRKLICH Effektives angepackt wird. Die individuelle Freiheit steht sonst auf dem Spiel... Sie wird ERST abgebaut, wenn ALLE sich einig sind... Gute Nacht, liebe Veränderung! Bis es soweit ist, also Business as usual! Tun als OB man etwas tut, aber es dann DOCH nicht tun, denn das Individuum gilt es, von “einseitigen” Handlungen fernzuhalten.

So hockt sich die ganze Menschheit gegenseitig auf dem Schoss und niemand wagt, aufzustehen und weiter zu gehen. Aus diesem Teufelssitzkreis zu kommen, wem soll DAS gelingen, wenn nicht unserer Jugend? Sie braucht Geduld und eine gewisse Einsicht, die aber eventuell schon weiter fortgeschritten ist, als manch Erwachsener glaubt. Alternativen im Weg stehen weniger Menschen, als die Wirtschaft. Brauchen wir also eine Art “Wahrheitskommision”, die aus möglichst neutraler Warte (einfach gesagt!) unsere moderne Welt “zerpflückt”? Und was dann...? Utopien ausbrüten? Mit dem Schlagstock den Verzehr von Haferflocken fördern? “Wenigstens” Kultur, der Mittelstreifen zwischen Zwang und Freiheit, sollte ein die Jugend einbeziehendes Gesamtwerk sein. Nicht ein die Jugend überziehender Flickenteppich vorwiegend wirtschaftlicher Interessen. Irgendwie herrscht Einigkeit, dass die Jugend kulturell rundumversorgt gehört , und genau diese Einigkeit halte ich für bedenklich, denn sie ist heuchlerisch! Sie entbindet die Jugend von ihren kulturellen Pflichten. Sie führt zu einer Entwertung jugendlicher Partizipation an der Definition der Kultur – sprich der Ästhetik des Lebens. Geübt wird aber bereits mächtig: (Gratis)Technologien wie Youtube, digitale Fotografie, Synthesizerprogramme. Wenn man das kombiniert, schnappt man fast über vor kultureller Potenzialität, die jedes Kid zur Verfügung hat! Aber all dies sind in sich nur Gefässe, ob Youtube oder eine Blechtrommel. Es sind Vehikel zum Transport von Emotionen und Visionen, aber IN SICH sind sie hohl und nutzlos. In heutigen Schulen wird eher gelernt, wie man diese Vehikel weiter beschleunigt – der technische und mathematische Unterbau - als wohin man mit den Kulturvehikeln steuern könnte. Das Gefäss droht dem Inhalt den Vorrang zu nehmen, spätestens seit der Inhalt zu Content verdichtet wurde. Die technische Einfachheit, mit der Menschen sich einst kulturell ausdrücken konnten (beginnend mit dem Kasperlitheater), ist ersetzt worden durch die Vermutung der Einfachkeit – oder Banalität – in dem, was ausgedrückt wird.

Der Kulturschaffende ist zum Contentlieferanten geworden, zum Betriebsnarren in einer weltweiten Schraubenfabrik! Seine/ihre Aufgabe ist es, abzulenken vom Blick vor die Tür, indem die Wirklichkeit in leicht verdaubarer Ironie in Frage gestellt wird, oder durch Fantasy temporär ersetzt. Wer den Takt zum erwünschten Tempo der Arbeit findet, ist ein Star der Moderne. Science Fiction zieht immer noch unter Älteren, verpasst aber den jugendlichen Esprit, seit sie von der Wirklichkeit links und rechts überholt wird! Spuk ist dafür wieder angesagt, nicht nur unter Kindern! Hexen sind auf dem Vormarsch, Zauberstäbe liegen unter Weihnachtsbäumen, um von den Kids auf ihre Tauglichkeit getestet zu werden. Die erst eben noch kühne Lust an einer Zukunft voll technischer Kreaturen hat eine Kehrtwendung gemacht Richtung Mittelalter. (Zumindest in der Unterhaltung GIBT es den Weg zurück...) Piraten erobern jugendliche Herzen, der Outlaw wird zum wahren Helden, was Viele schmeichelt. Kultur ist das vorläufige Resultat endloser Inspiration, als auch seltener Visionen und ab und an einer gefährlichen, aber unverzichtbaren Utopie. Inspiration durch die Umwelt, die Anderen, DAS Andere, funktioniert nur so lange gut, wie es Vielfalt gibt. Aber gerade diese Vielfalt ist bedroht. Die Vielfalt der Arten ebenso wie die Vielfalt der Kulturen, der Sprachen, der Gebräuche. Individualismus ist eine Falle, in die das Individuum tappt, wenn es in einer vereinheitlichten Welt existiert. Die Geschenke können noch so individuell verschieden sein, aber wenn sie genau am 24. Dezember weltweit unter grünen Tannen liegen, haftet diesem Brauch eher etwas von “oben” Verordnetes an, als sinnliche Inspiration. Inspiration ist nicht plumpes Nachahmen, das zu einer Angleichung unserer Kulturen führt, und sie uns dadurch aus den Händen nimmt. Inspiration ist Anteilnahme an fremden Einflüssen, ohne sich von diesen vereinnehmen zu lassen. Die Kultur der arabischen Welt

z.Bsp. ist voll Inspirationen, die unsere europäischen Kulturen stärken könnten, ohne dass uns ein Zacken aus der “Krone” fallen würde. Dies durften sie ja schon früher. Wir sind ALLE Araber...ein Bisschen. Inspiration führt nicht zu einer totalen Angleichung – die sich unsere Wirtschaft insgeheim erwünscht – sondern zu einer Atmosphäre gegenseitigen Respekts. Durch Anteilnahme. Visionen sind die bewussten Störungen des Prozesses der Angleichungen, die Kristallisationskeime lokaler und persönlicher Verschiedenheit. Sie sind zu Tage tretenden Verknüpfungen zwischen äusserer Inspiration und erahnter, aber noch nicht fassbarer Utopie. Dem entfesselten Grundgedanken, dass letztlich alles möglich IST. Kultur, das sind die erfahrbaren Resultate insgeheimer kollektiver Wünsche im Rahmen des technisch und finanziell Möglichen. Die Wünsche der Kinder mit einzubeziehen, erscheint mir nichts als logisch in einer kulturell so stark umworbenen Zeit. Obwohl tendeziell verflacht, verfolgt uns Kultur auf Schritt und Tritt! Man merkt sie nur nicht immer... Den Kindern, der Jugend von heute, die insgeheimen Wünsche von den Lippen abzulesen, um sie dann professionell “umzusetzen” in gewinnbringende Unterhaltung, mag wirtschaftlicher Logik folgen, erscheint aber gleichzeitig “mager”, als kulturelle Chance für die nächste Generation. Wer den neuen Superstar sucht, überlasse das bitte nicht nur griesgrämigen Talentexperten und tanzenden Witzbolden! Aber eben, WER sucht ihn (oder sie)? DIE Industrie! Labels. Konservenfabrikanten von Gute Laune Würstchen. So sitzen wir alle in der ersten Reihe zwar, kommen aber keinen Schritt weiter, solange wir den Anspruch auf die globale Präsenz, den weltweiten Erfolg, das Superstargehabe nicht schleunigst als unwichtig bewerten und uns mit kleineren Wirkungskreisen begnügen! Das wäre kein Rückschritt, sondern ein wesentlicher Fortschritt in Richtung Vielfalt. Ja, es wäre die Bedingung dazu. Voraussetzung

dafür ist aber ein Publikum, das diese Einschätzung teilt. Dieses Publikum unter Erwachsenen zu finden, ist schwer. Wer gewohnt ist, in einer Wirtschaft zu agieren, die globale Ambitionen hat, erwartet diese Ambitionen in JEDEM Bereich, auch im Bereich der Kultur. Ein Musical auf Welttourne ist AN SICH reizvoll, weil es schon so Viele gesehen haben. Daher ist es auch 100 Euro Eintritt wert. Dass die ganzen Strassenmusiker und Strassenclowns am Verschwinden sind, merkt der normale Bürger gar nicht, auf dem Weg vom Parkhaus in die Oper. Klammheimlich verbannt man sie aus den Städten. Inspiration und Kultur soll gefälligst in – nur Wenigen greifbaren kosmischen Bahnen verlaufen, mit leuchtenden Stars. Wie in anderen Lebensbereichen, die ich in diesem Essay tangiere, fällt mir auch beim Thema Kultur nicht viel mehr ein, als zu hoffen, dass es die heutige Jugend schafft, sich SELBST eine Kultur zurecht zu “basteln”, die wieder Spass MACHT, nicht bloss Spass IST! Also jeden Einzelnen einzubringen versucht, in den Tanz durch die Möglichkeiten. Deren es so viele gibt, wie wohl nie zuvor. Professionell gelingt dieser Versuch nur selten, aber “gebastelt” hat man mit dem VERSUCH bereits sein Ziel erreicht. Vielfalt. Ohne “Reservekulturen” steuert jede Kultur in eine Wüste. Ohne den Beitrag der Jugend verblöden wir! Amen. Lebenslanges Lernen heisst trotzdem das Leitmotiv der Gegenwart nicht TU etwas, mit dem was du weisst, auch wenn es wenig ist... Lernen WOZU? Um uns latent als dumm zu empfinden? Als Ablenkung davon, dass uns das Erlernte zwar vorwärts bringt – aber in der falschen Richtung? Verbunden mit der Hoffnung, dass, wenn wir weiter eisern Kurs halten, die Richtung plötzlich stimmt? Jeder, der Augen für die Natur hat, SIEHT, dass der Kurs nicht stimmt. Jeder, der ein Ohr für unsere Mitgeschöpfe hat, hört sie verstummen. Jeder, der ein Herz für Kinder hat, hegt zunehmend Zweifel an IHRER

Zukunft. Jeder der Kultur versteht, merkt, dass sie nicht von WISSEN lebt – sondern von MUT! Jeder Erwachsene, der kommunikativ am Weltgeschehen angeschlossen ist und ohne Zweifel fortschreitet im Hochrüsten seines Turbolebensstils, ist herzensdumm. Sehend, aber blind für das grosse Bild, hörend, aber taub für die sich ausbreitende Stille des Lebens. Mit einem Wort: Kulturlos! Es gibt zwar immer noch solche Erwachsene, aber es werden langsam weniger. Gesunde Zweifel breiten sich aus, ein erneuertes Bewusstsein für die Natur bildet sich, das diese Natur nicht nur als Lieferanten sieht..., dieser EINEN Generation, sondern aller. Grüne Parteien werden immer erfolgreicher. Ihre Programme werden von der Allgemeinheit zunehmend gutgeheissen. Sie verändern das Spektrum der Politik. Selbst konservative Parteien merken, dass der zügige Ausbau des Autobahnnetzes das Gegenteil von Konservatismus ist. Christliche Parteien halten eine Verminderung des Ausstosses von Gift in die Umwelt nicht mehr für belanglos für ihren Glauben. Notwendige Änderungen an unserem Lebensstil werden identifiziert und in der Realität teils vollzogen, wenn auch sehr langsam. Was schädlich ist für die Erde, wird immer deutlicher erklärt von besorgten Institutionen. Die Alternativen dazu bleiben aber vage, schwammig und werden nicht als Frage der Allgemeinheit gestellt (tolle Wettbewerbe etc.), sondern den selben Konzernen zur Lösung überlassen, die mit ihren Produkten zu den Problemen geführt haben (Autoindustrie z.Bsp.). Ausserdem dürfen sie diese Produkte noch so lange weiter produzieren, BIS sie eine Lösung haben. Und selbst DANN dürfen sie selbige weiter verkaufen, solange sie in ein Land exportiert werden, wo noch keine entsprechenden Auflagen herrschen. (Kronzeuge dieser perfiden Mutmassung ist im Moment Asbest, das demnächst aus ganz NEUEN kanadischen Minen in entsprechende Länder geliefert wird!) Wir gehen in die Metzgereien der Welt und bitten um vegetarische

Rezepte. Es muss irgendwie immer von AUSSEN eine Lösung an uns angetragen werden! Das sind wir uns gewohnt, seit etwa 2,5 Generationen. Jede Idee muss jemand ANDERS haben, keine noch so kleine Erfindung traut sich jemand zu, keine Mode fällt jemandem ein, kein Rezept, wie etwas ANDERS gemacht werden könnte. Und DAS ist jämmerlich! Dass wir uns so wehrlos daran gewöhnt haben, dass alles von AUSSEN kommt, via Medien, sanktioniert von Redaktionen, selektioniert von Wissenschaftlern, abgesegnet durch die Wirtschaft, gutgestempelt von Behörden, geschützt durch Patente. Und erhältlich irgendwann in der Zukunft... Alles um die grosse Frage zu meistern, wie wir unsere kleinen, läppischen Leben so leben könnten, dass dadurch nicht die Luftschicht eines ganzen Planeten zur Sau geht. Die grosse Krise heisst Ideenlosigkeit – der Allgemeinheit. 99,9% der Menschheit wartet darauf, dass 0,1% sich etwas einfallen lässt. 43.Kapitel Wählt elektroautofahrende Männer, liebe Frauen! Was hätte uns da besseres passieren können, als das Internet? Ein Kindertraum...? (Das Kindernet). Demokratie, vermute ich, kommt erst! Das Abgeben einer Stimme alle vier Jahre macht etwa so viel Spass wie Sex alle vier Jahre. Zwei, drei, vier Parteien reichen nicht. Politik reicht nicht. Stimmen gehören ebenso unserer Wirtschaft – was wir unbewusst ja bereits tun durch unsere Kaufentscheidungen. Wo bleiben die “Boycot-aps” um beim Einkaufen per smartphone und barcode-scanner gleich eine Vorwahl treffen zu können? Kommen sie noch, oder gibt es sie schon? Firmen gehören überwacht in ihrem Tun. Für die Offenlegung der Produktionsprozesse mag sich bald Wikileaks kümmern, aber für Konsequenzen braucht es Menschen... Nebst den sozialen Überlegungen – Kinderarbeiter z.Bsp. - geht es um den Einsatz von Techniken, die die kommende Generation lieber genauer unter die Lupe nehmen sollte. Es geht um nichts weiter, als

um einen technologischen Evolutionsprozess, also den Einsatz quasidarwinistischer Regulatorien gegenüber unserer “Schöpfung”, der menschengemachten. Überlassen wir den Ausleseprozess einzig dem Markt, ersticken wir im Müll, geht alles weiter wie gehabt. Aber WIE eine betont Müll produzierende Wirtschaft in eine “saubere” umbauen? Und WAS bleibt dann überhaupt noch übrig...? Fragen, auf die ich keine Antwort weiss. Nur in hoffnungsvollen Fragmenten kann ich Bemerkungen machen: Es geht wohl nicht um DIE Wirtschaft an sich, sondern nur um ihre Techniken, Prozesse, ihre materielle Ausrichtung, ihren Energiebedarf. Ja, und da gibt es Techniken etc., die gehören neu erfunden, ersatzlos gestrichen, leicht verbessert, oder haargenau SO weitergeführt. All das! Die Kunst ist es, die Kategorien entsprechend zuzuordnen. Es gibt wenig offensichtliche Fälle. Schon die Neuerfindung der Glühbirne stellt uns vor ein Dilemma. Erst Recht das Elektroauto. Beim Passagierflugzeug scheint mir der Fall klarer. Dass Flugzeuge Weekendshopper von Wien nach Paris fliegen, ist schon fast ein Schildbürgerstreich. Ich bin selber reichlich geflogen, meistens sehr weite Strecken, und will mich hier nicht als Vorbild präsentieren, aber irgendwann wurde mir in zehn Kilometern Höhe über der Erde klar, dass die Abwesenheit von Pflanzen, als auch die Eiseskälte, wohl dazu führt, dass meine Abgase hier ziemlich lange bleiben werden... Dass Flugzeuge überproportional an der Schädigung unserer Atmosphäre Schuld sind, ergibt sich eigentlich fast von selbst. Und dass Fahrräder wiederum kaum zu verbessern sind, auch. GENAU SO weiterproduziert gehört vielleicht das Schweizer Armeemesser. Ja, ein kindischer Gedanke, ein typischer Schweizergedanke, aber doch weiss ich, dass jeder ihn versteht, der im Besitz dieser metallenen Magie ist. Was ist da schon ein Zauberstab dagegen, ein läppischer Nimbus 2000? Es ist die Essenz aller Werkzeuge! Fertig lustig! Es geht nämlich zentral um unseren Lebensstil, nicht mehr und nicht weniger. Unser aller – und erst seit kurzer Zeit – als normal empfundener Lebensstil. Der gehört vom Kopf auf die Füsse

gestellt, bevor er allzu verstaubt ist. Nach ein paar Generationen Kopfstand, das Hirn voller Blut, kommt die Zeit, wo die Beine wieder gebraucht sein wollen. Beine sind nicht nur ein Sexsignal, sondern auch ein Fortbewegungsmittel. Ein ziemlich uriges und so einfaches, dass man in unserer Zeit leicht vergisst, dass man zu Fuss oft schneller ist, mehr sieht, weniger braucht und allgemein zufriedener ist, da ausnahmsweise etwas aus uns selbst kommt und nicht aus dem Shoppingcenter. Auch wenn es nur die Distanz ist, die man laufend, radelnd, schlurfend, keuchend zurück gelegt hat. In diesen Bereich investiert unser “normaler” Lebensstil die meiste Energie: In den Transport, als auch die Erwärmung schlapper Glieder. Niemandem dürfte dieser Schritt leichter fallen, als Kindern, Jugendlichen, Schülern, Studenten. Es geht nicht um Revolution, sondern um Evolution. Nicht der eine grosse Schritt bringt uns weiter, denn er müsste koordiniert getan werden. Und das wäre ein Traum – von dem ich nicht sicher bin, dass es ein guter wäre... Was viel mehr zählt, sind die vielen kleinen Schritte in eine neue Richtung, die sich zwar nicht von alleine ergibt, aber auch nicht von Aussen koordiniert sein muss. Das scheint mir ganz wichtig zu sein, denn das HABEN wir ja... Dieses von Aussen koordinierte Verhalten. DAS ist ja genau das Gefährliche! Dass in einer Zeit einer real existierenden Revolution – auch wenn sie oberflächlich betrachtet “nur” eine technische ist – eine Evolution AUCH der Revolution verdächtigt wird. Aber das ist falsch! Es geht nicht um eine weitere Umdrehung um die ewig selbe Achse, sondern darum, dass diese eine neue Mitte bekommt. Einen neuen Dreh- und Angelpunkt. Revolution ist ein Spiel für Erwachsene, wie Roulette, Evolution dagegen eine ernste Aufgabe unserer Kinder - zu wachsen und später selber Kinder zu haben. Das erwarten wir doch von ihnen.... Trotz der weltweiten Bevölkerungsexplosion. Dass sie selber mit süssen Babys daher

kommen, später, wenn wir alt sind und auf unsere Leben zurückschauen, wie ein Bauer auf sein gemähtes Feld. Genau DAS wollen wir doch. Dass unsere eigene Saat weiter blüht. Dass unsere Früchte weiter ihre Früchte tragen, soweit die Ewigkeit dies gewährt. Wir wollen doch keine Spielverderber sein, in diesem göttlichen Spiel um Zukunft, durch falsch verstandenen Fortschritt. Zukunft wozu? Jede Frage ist ein Anfang. In jedem Anfang besteht die Gefahr, Fehler zu machen, die man später nicht mehr wahrnimmt. Ein grosser Ökonom namens Deming hat diese Gefahr in der Wirtschaft erkannt und festgestellt, dass die frühesten Fehler oft die teuersten sind, da man sie am spätesten sieht, wenn überhaupt. Er hat Automobilkonzerne beraten. Zu Beginn des Automobilbaus war es noch offen, ob sie elektrisch angetrieben sein werden, oder mit Explosionsmotoren. Siemens baute vor hundert Jahren Elektromobile, aber der Mangel an der allgemeinen Verfügbarkeit von Strom führte zur Entscheidung für den Benzinmotor. Es ging damals nicht darum, etliche hundert Kilometer mit 180 Kmh zurücklegen zu können. Das Auto war noch nahe den Kutschen, was ihre Performance anging. Dies nur als Beispiel, wie sehr frühe Entscheidungen ganze Zeitalter prägen. Und jetzt wollen wir WIEDER zu Elektromobilen zurückkehren, die sicher unglaubliche Leistungswerte hätten, hätte man sie von Anfang an zum Standart gemacht. Beigetragen HÄTTE eventuell die rudimentäre Tatsache, dass Benzinautos STINKEN – man überlege sich mal, ein 1898er Mercedes.... - und alleine dies HÄTTE beispielsweise die Damen von damals, mit ihren breiten Hüten, dazu bringen können, Elektroautos zu bevorzugen. Heutzutage sind Frauen ja auch ausschlaggebend, welche Autos gekauft werden, nebst den Kindern natürlich (laut einer Studie über den Kauf des Familienautos). Kauft nicht auch der Junggeselle DAS Auto, nach dem sich die meisten Frauen umdrehen? Also!

Mit anderen Worten: Bitte wählt elektroautofahrende Männer, liebe Frauen! Viele Komponenten unseres modernen Lebensstils wurden zwar von Männern ausgedacht, gingen dann aber als Proposition an die Damenwelt, die diese entweder gut hiessen, oder ablehnten. Dass sich die Gesellschaft in auf Männer zurückzuführende Technologien “verheddert”, bzw. verfahren hat, ist nicht das Resultat der “dominierenden Männer” alleine! Und ist auch kein Grund, dass die Hälfte der Menschheit darauf HOFFEN darf, dass die andere Hälfte jetzt mit was “Grünem” daher gefahren kommt. Krempelt die Ärmel hoch, Frauen, und kuckt euch das Auto mal gründlich AN! Vielleicht hättet ja auch IHR gute Ideen..., abgesehen vom Schminkspiegel im Handschuhfach! Wo bleiben die ErfinderINNEN, mann wartet gespannt! (Weil müde...)

44.Kapitel Kurze Geschichte von Geld, Gold und Gott Die Frage, Zukunft wozu? erscheint mir eine wertvolle Frage, auch wenn sie eiskalt ist. Immer nur die Zukunft mit einem WIE zu verbinden ist dagegen butterweich und führt zu keiner grossen Selektion dessen, was überhaupt zukunftswürdig ist und was nicht, von Technologien bis Verhaltensweisen. Für alles ist Platz, in der mit WIE hinterfragten Zukunft. Kein noch so grosser Schwachsinn bleibt chancenlos, sich endlos zu repetieren. Zukunft WIE - als Hauptfrage führt automatisch zu IRGENDWIE. Und irgendwie zu irgendwas, irgendwo, irgendwann. WOZU hingegen sind die Fragen nach dem Sinn unseres Strebens, WOZU GENAU Kernkraft, Weltraumfahrt? Jede Frage ist ein Anfang. Und in jedem Anfang besteht also die Gefahr, Fehler zu machen, die man später nicht mehr wahrnimmt. Umso wichtiger erscheint daher, der Formulierung wichtiger Fragen nicht weniger Bedeutung zukommen zu lassen, als ihren Antworten. Die allgemein gestellte Frage, Zukunft WIE? Ist so sperrangelweit offen in ihrer Bedeutung, dass sie eine solche gar nicht beinhaltet. Sie

deutet in keinerlei Richtung, ermöglicht beliebige Antworten und ist daher banal. Und doch ist es DIE Frage, die rund um die Welt gestellt wird. WIE bewältigen wir die Zukunft....? Wie sieht die Zukunft meiner Kinder aus? Wie steht es um die Zukunft der SPD? Wie steuert sich das Auto der Zukunft? Wie funktioniert das Atomkraftwerk der Zukunft? Alles etwas banale Fragen – ausser die um die Kinder natürlich Ausdruck einer gewissen Mutlosigkeit, angesichts einer vorhersehbar chaotischen Zukunft. Oder, wie man ebenso befürchten kann, einer totalitären Zukunft. Chaotisch, Totalitär, Zustände die sich kaum jemand wünscht. Wer in einem dieser Zustände die letzte Chance der Zukunft wittert, denkt zu kurz. Es hat leider genug Beispiele gegeben in den letzten hundert Jahren, aus denen man ersieht, dass weder Totalitarismus, noch um sich greifendes Chaos Menschen irgendwie geholfen hat. Nur der Stahlindustrie! Umso wichtiger scheint mir, sich dem getarnten Totalitarismus unserer modernen Zeit bewusst zu werden, der oft unter dem Namen Sachzwang daher kommt, aber noch viele andere Tarnnamen hat. Wer A sagt, muss auch B sagen..., wer X sagt muss ergo Y sagen. (Was sagt der, der Z sagt? Aha?) Ebenso wichtig ist es, das sich anbahnende Chaos zu erkennen. Trotz aller scheinbaren Ordnung leben wir zunehmend im Chaos. Im Chaos der Resourcen, im Chaos der Migrationen, im Chaos der Kulturen und Religionen, die aufeinander prallen - was aber alles weit vorhersehbar war. “Ordnung” wird es in keinem dieser Bereiche je wieder geben. Oder, wie der Vorsitzende des Hochkommisariats des Flüchtlingswesens der UN gesagt hat: Man muss sich darauf einstellen, dass die Vermischung von Völkern und Kulturen bleiben wird und nicht rückgängig zu machen ist. Also MÜSSEN wir Wege des friedlichen NEBENEINANDERS finden. Da führt KEIN WEG daran vorbei, an dieser Kulturhauptaufgabe der Neuzeit, und fast JEDER Weg sollte diesem Ziel offen stehen. Es geht schlicht nicht anders! Was das Chaos von Resourcen angeht, hat der Vorsitzende der

Vereinten Nationen – vor einigen Jahren... - gesagt: “Es ist die Wahrheit, die zentrale verblüffende Wahrheit über entwickelte Länder, dass sie jederzeit – ausser in KÜRZESTER Zeit – die Art und Menge an Resourcen zur Verfügung haben können, die sie entscheiden. Es sind nicht mehr Resourcen, die Entscheidungen nach sich ziehen, sondern Entscheidungen, die die Resourcen hervorbringen. DAS ist eine fundamentale, revolutionäre Änderung gegenüber der Vergangenheit – vielleicht die revolutionärste der Menschheitsgeschichte.” Nun, WIE Herr U Thant das damals genau gemeint hat, entzieht sich meiner Kenntnis, aber auf die heutige Zeit übertragen, KANN er neben anderen Alternativen eigentlich nur von HANF geredet haben. Entschuldigung, aber WARUM GENAU ist es jetzt (wieder...) VERBOTEN, in grossem industriellen Stil Hanf anzubauen und daraus von Stoff über Papier bis zu Plastik und Öl, als auch Medizin, Brot und Knabberriegeln so ungefähr fast ALLES herzustellen, was nicht nur unsere Jugend täglich konsumieren möchte, sondern wir ALLE könnten...? Bzw.: Entschuldigung, aber WARUM GENAU wird dieser umweltschonende Rohstoff nach wie vor nicht im INDUSTRIELLEN Masstab verwertet – obwohl es MÖGLICH wäre? Glaubt die Wirtschaft noch an Vodoo oder Hexen? Dass es IRGENDEIN Gesetz gibt, das IHRER Lobby letztlich unumstösslich im Weg sein könnte...? Auch wenn unser Zeitalter – zumindest was Europa betrifft – momentan nicht als Totalitär oder Chaotisch bezeichnet werden kann, so trägt es diese Züge doch in sich, nicht nur in der offensichtlich irrationalen Hanfprohibition. Es ist ähnlich wie mit dem Hygienebegriff. Der moderne Mitteleuropäer ist der wohl best gewaschenste, sprich SAUBERSTE Mensch, den die Gattung Homo Sapiens hervorgebracht hat (die Schweizer geben am MEISTEN für Körperhygiene WELTWEIT aus!) Dafür – vielleicht nicht im kausalsten aller Zusammenhänge – verdreckt die Umwelt, die Flüsse, das Meer, die Luft, der Wald. Drogenprohibition führt ebenso indirekt zu

Drogenmissbrauch, wie Mobilität zu Verkehrschaos führt, Stillstand. Ich fühle mich nicht alleine auf der Suche nach einer neuen “Mitte”, um die sich alles drehen könnte, also nicht primär die Sauberkeit als Mitte, denn sie führt zu Schmutz, nicht die (globale) Wirtschaft als Mitte, denn sie führt zu Resourcenchaos. Und zu weitreichendem Totalitarismus, wenn auch schleichend und in watteweiche Werbesprüche verpackt - da ganz woanders eingepackt, als ausgepackt wird. Es ist interessant, den Chinesen zuzuschauen, wie rapide die Idee der freien Marktwirtschaft eine totalitär regierte Bevölkerung anspornt. Kann es Wirtschaft überhaupt BESSER gehen, als unter dem Patronat politischer Diktaturen? Dieser Gegensatz scheint bestens zu funktionieren, was zu Denken gibt. Jedenfalls wirkt sich freie Marktwirtschaft nicht zwangsläufig positiv auf die Freiheit der Bürger aus, wie bislang “gepredigt”. Finanzielle Freiheit, ja, zu dem mag die Wirtschaft viel beitragen, zu Handlungsfreiheiten ausserhalb des vorgesehenen Produktgebrauchs aber eher NICHTS... Geld an sich zu verdächtigen, es sei die elegante Ursache “allen Übels”, ist ein bequemer Standpunkt. Vor allem die, die wenig davon haben, scheinen oft magisch von dieser Idee angezogen. Auch in spirituellen Kreisen wird teils die These hoch gehalten, dass Geld SCHLECHT sein soll. Man muss ganz schön masochistisch veranlagt oder spirituell verblendet sein, sich dieser Symbolik von Wert entledigen zu wollen. Geld ist so alt wie es wohl Städte sind, da keine Stadt ohne Geld funktionieren könnte. Schon Römer sind mit Münzen rumgelaufen und haben damit am Markt eingekauft. Geld reflektierte schon ihre Kultur. Glitzernde Bilder, ein Kopf auf einer Seite, eine Zahl auf der anderen. OK, aber VOR den Römern, VOR den Griechen war bereits Geld da, wohl für Tausende von Jahren. Geld hat die Menschheit gemacht! Bis in die hintersten Inseln der Südsee ist irgendwann die Idee von Geld entstanden, auch wenn es nur Muschelgeld war. Menschen sind die KINDER dieser einigenden Idee.

Es war die Idee des Mana, aus dem später Money wurde. Feinmotorisch zunehmend begabt, schnitzte man Mana für alle möglichen guten Zwecke und aus allen möglichen Materialien, um die Fruchtbarkeit anzuregen oder feindliche Geister fernzuhalten. Wie selbstverständlich hatte Mana die Menschheitsgeschichte begonnen. Es diente als Tauschobjekt für Nahrung, wurde zur Bedingung von Sex in Form der Brautbeigabe, wurde dem Menschen in sein Grab gelegt. Man GLAUBTE an Mana, Money, Geld, bzw. Gold, also an den höheren Wert umhängbarer, kleiner, seltener Dinger, die konkret total nutzlos waren. Diese tragbare Symbolik bedeutete dem materiellsten aller Wesen von Anbeginn wohl sehr viel. So viel, dass sich Neid bilden konnte und der eine oder andere Urschlaumeier die Theorie erfand, dass das WIRKLICHE Mana... im Himmel wohnt, in der Erde, in Rauchwolken und dergleichen. Wodurch Mana Konkurenz entstand in Form von allerlei Religionen, die den angenommenen Verursacher von Glück in nur ihnen bekannte Sphären entführte. Dies führte zu einer Machtverschiebung vom Materiellen zum Geistigen und dürfte zur ersten kräftigen Inflation von Mana geführt haben, je mehr sich der Glaube an entfernte Götter ausbreitete. Statt an naheliegend Greifbares. Der urtümliche Mensch dürfte kaum das Abstraktionsvermögen gehabt haben, ZUERST an unsichtbare, unberührbare, diffuse Gottheiten zu glauben – die ihn SCHÜTZEN, nicht BEDROHEN - und DANN diese ihnen (den Göttern) inne wohnenden Kräfte auf konkret fassbare Symbole zu übertragen. Eher umgekehrt: Am Anfang (des Glaubens) stand nicht der Geist, sondern die Materie! Kleine Steine... DER magische Stein, mit dem man IMMER trifft (den Höhlenbär zwischen den Augen), denn Mana war zuerst SCHUTZ. Ein magisches, schützendes Objekt. Eine Art symbolische Überwaffe en miniature. Denn man war noch unterwegs...

Durch die Fähigkeit, Materie bearbeiten zu können, ihr Form und Gestalt zu geben - AUSDRUCK – ENSTAND die Symbolik. Und erst durch diesen verstanden geglaubten SINN im Konkreten und Fassbaren, konnte das Abstraktionsvermögen reifen, bis es zuerst Animistisch, dann Pantheistisch und schliesslich All-umfassend war. Sich Göttern zuwenden konnte, die losgelöst von Materie und Form existierten, irgendwo in den Weiten des Himmels. Was der Mensch einst selbst in der Hand hielt, sein Amulett, sein zum Tausch gegen Nahrung geignetes Symbol, wurde durch die Hinwendung an eine IHN in der Hand haltende Gottesannahme entwertet. Es wurde profan. Es wurde Geld. Es wurde in Formen gegossen, unter der Kontrolle der entstehenden Staatswesen. Es war der Motor vieler früher Staaten, wie den Griechen und Römern, die die Hoheit über die Tauschmittel zur eigenen Erhöhung gebrauchten. Mit offensichtlichem Erfolg. Was als ein nie genau festgelegter Wert begann - die unzähligen Variationen zum Tausch eingesetzter Zahlungsmittel, die die Vielfalt der Kulturen reflektierte – wurde zum Instrument der Kontrolle ganzer Völker, kaum unterlag die Produktion von Geld EINEM Monopol, dem des Staates. Da halfen keine noch so guten Sprüche mehr, seitens der Amulettschnitzer und sonstigen Symbolproduzenten: ihre Erzeugnisse waren nicht mehr DIREKT eintauschbar, sondern nur indirekt, via das standartisierte Geld. Die Frage nach Glück, für die waren zunehmend abstrakte Religionen zuständig. Das Wort kommt von Relikie und bedeutet SICH FESTHALTEN. Diese Urbedeutung dürfte aber schon früh wortwörtlich abhanden gekommen sein, denn man gab sich mit Glücksformeln zufrieden, an denen man sich eher NICHT festhalten konnte. Das nun bereits seit Jahrtausenden gepflegte Abstraktionsvermögen, liess den Menschen eine unsichtbare Götterschar durchaus als wahr erscheinen. Man stellte sie sich einfach vor. Sie wohnten auf Bergen

oder im Meer, im Himmel, in Vulkanen. Mit Donnergrollen meldeten sie sich zu Wort, mit Erdbeben straften sie, mit reicher Ernte belohnten sie. Man erfand ein Fest nach dem anderen und trank Alkohol in Gottes Namen, kiffte und sah sie vor sich, betete und stellte sie sich vor. Die Götter. Das half auch über Zeiten hinweg, in denen die Verteilung von Geld ziemlich einseitig war, sprich die Mehrheit gar keines besass. Das war das natürliche Resultat der Monopolisierung des Geldes (im Gegensatz zur Vielfalt des Mana) und der Anfang der Erkenntnis, dass Reichtum nur existieren kann, wenn es gleichzeitig Armut gibt. Aber Religion war das Opium für das Volk. Endlich GAB es nämlich Völker, und nicht nur umherziehende Nomaden. Und durch Religion war man auch noch glücklich, obwohl längst die Armut erfunden war. Und das störte natürlich... Diese Freiheit des Geistes, die Macht von Göttern nach Lust und Laune frei zu interpretieren, je nach Bedarf einzelner Religionen. Es störte die Idee der Macht an sich, die keine Nebenbuhler duldet. Der Urgeschichte des Geldes, dem Mana, wesensverwandt, waren auch die Werte der Götter anfangs verhandelbar und noch nicht in Stein gemeisselt oder in Münzen geprägt. DAS musste sich ändern, wollte man nicht bloss Nomaden unter Kontrolle kriegen – sondern Völker. Man erfand die Annahme, dass es nur EINEN Gott geben kann. Ebenso wie Geld monopolisiert wurde, wurde Gott monopolisiert; und damit - auch dem Geld ähnlich – zum absoluten Machtinstrument der Metropole. Es entstand die Deutungshoheit in der Kirche (Moschee, Synagoge). Diese bestimmte den Kurs ihrer Glaubenswährung: das Quantum Glück, das aus der Befolgung des Wertekanons resultiert. Da Glück aber nur sehr bedingt erreichbar sein durfte, um die Kirche voll zu halten (ähnlich wie Reichtum Armut braucht, braucht das Heil das Unglück), erfand man die Heilsversprechung nach dem Tod, eine Zauberformel, die sich skurillerweise lange bewährte.

Die Kirche und der Staat wurden Eins. Nach anfänglichen Rivalitäten sah man ein, dass man gemeinsam weiter kam in der Unterdrückung der Menschen, die im Interesse beider war. Aber beide boten auch etwas, ohne was sie schnell ihre Macht eingebüsst hätten. Der Staat bot Sicherheit vor Feinden durch die Armee. Und die Kirche bot die grosse Show, die Möglichkeit, ergriffen zu sein, berührt, verzaubert, aber auch getröstet. Kurz: Geistig unterhalten. Das expandierende Christentum erreichte dies dank immer mehr gen Himmel strebender Symbolik, kitschiger Engel, Blattgold und purpurroter Gewänder des Personals. Für was selbstverständlich auch etwas geopfert werden musste, im Idealfall Goldmünzen. Der dem Menschen inzwischen angeborene Hunger nach Symbolen wurde dafür reichlich versorgt. Was aber das - erst viel später erkannte - Risiko barg, dass dem doch eigentlich unsichtbaren Gott eine Konkurenz entstand, in Form von “heiligen” Holzschnitzereien und von schnöden Malern gefertigten Bildnissen. Diese Gefahren abzuwenden gelang am Überzeugensten den Reformatoren. Eigentlich ging es um den Ablass. Ein wahrlich abgekartetes Spiel, das sich die Christliche Kirche ausgedacht hatte. Dies wurde in Frage gestellt von der Reformation. Ausserdem erkannte man im gleichen Aufwasch: Den ganzen Symbolismus, den ganzen vergoldeten Popanz, die Heerschaar Engel, alles muss weichen - um endlich Gott ALLEINE zu erfahren, unsichtbar, unvorstellbar, ein grosser Gedanke, eine Kraft, frei jeglicher Gestalt. Sogar frei von der Kirche, als Klammer zwischen Gott und Mensch. So wurde die Verbindung mit Gott eine direkte, eine persönliche. Das rote Telefon zwischen Gott und Mensch. Nicht die Gruppe war mit ihm in Kontakt, sondern jeder Einzelne stand nackt vor ihm. Das Haus Gottes wurde in der Reformation nicht abgeschafft, ebensowenig der Klingelbeutel, aber was man dafür bekam, war zunehmend nüchterne Kahlheit. Rationalisierung entstand im reformierten Glauben. Spartanische Holzkreuze, von der Ästhetik von Stoppschildern.

Sicher hätte all dies ziemlich bald ein Ende gefunden, als die Sinnlichkeit des Menschen nicht dauerhaft berührende Mentalstruktur, WÄRE nicht parallel mit der Reformation eine GANZ COOLE Heilsversprechung ausgesprochen worden, die Formel der Moderne schlechthin, ohne die wir heute in einer anderen Welt leben würden: “WEN Gott liebt, zeigt er... ihm oder ihr!” So einfach ist das! So einfach wird aus einer spassigen Menschheit (zwar masslos unterdrückt etc.) über kurz oder lang eine Armee von hechelnden, statussymbolfixierten (da man IRGENDWO wieder Symbole brauchte...) Strebern. Nelson Rockefeller wurde so zum “Pabst” der Weltevangelisation, nebst dem, dass er die Firma Exxon begründete. (Er hatte eine eigene Kirche neben seiner Villa und war abwechslungsweise am managen und am beten). Mit diesem “WEN Gott liebt...” wurde die ganze Moderne eingeläutet! Der Mensch als Gruppentier wurde abgeschafft, der Individualismus aus dem Gatter gelassen, die Gier fast jedes Einzelnen nach vorzeigbarem Reichtum zur Norm. Am Ende der Reise durch die Entstehung, hat Geld/Gold Gott/Glück ERSETZT, statt ihn/sie/es als Mana zu repräsentieren, oder zu besänftigen, oder zu huldigen. Das Gefäss war zum Inhalt geworden. Mit der Einführung von Papiergeld ist Geld weiter zum geistigen Konstrukt abgesackt, und mit der Aufhebung der Goldreserven zur Fiktion! Und mit der Erfindung von Hedgefonds, Derivatenhandel und anderen monetären Geistesübungen, ist Geld zum virtuellen Machtfaktor einer diese Abstraktionen beherrschenden Elite geworden. Jede Faser des KONKRETEN menschlichen Daseins wird heute von Geld beinflusst, wie keine Religion es je mit Göttern geschafft hat! (WO ist der Unterschied zwischen Gottesstaaten und Bankenstaaten? Beide vertreten ein Machtmonopol, gestützt auf Glauben.) Mit der Tendenz, Währungen zu vereinheitlichen, tritt Geld in die Fussstapfen monotheistischer Religionen und bauscht sich weiter auf in seiner Alle normierenden Bedeutung. Jeder Sinnlichkeit beraubt, erfindet Geld seinen eigenen Sinn. Als Honig des Fortschritts fliegen

wir ihm zu, wie Bienen den Blumen. Dies, meine vielleicht etwas bunte oder gar krude Interpretation von Geld. Ich bitte um Entschuldigung für etwaige Ausschweifungen – als auch Abkürzungen! (Es fehlen noch ein paar Details, ich weiss...) Trotz aller Probleme, die unsere moderne Auffassung von Geld nach sich zieht, kann man trotzdem Geld AN SICH nicht die Schuld geben. Die Frage ist eher, ob INNERHALB dieses Geldsystems Alternativen bestehen, offensichtliche Ungerechtigkeiten zu lindern. Ich habe neulich im Deutschen Radio gehört – in einer Sendung über die Bankenkrise in Irland – dass Banken das Rückgrat von Staaten sind. Aber WARUM sind sie es eigentlich...? Weil wir unser Erspartes dorthin bringen und sie es dann – mit etwas Profit – anderweitig weiter verleihen, um Jungunternehmern unter die Arme zu greifen und den Traum vom Eigenheim zu ermöglichen? Hahaha! Das tönt ja fast sozial - und kann schon daher kaum zutreffen! Vielmehr ist es so, dass Banken Geld ERSCHAFFEN! Durch Schulden. (Kirchen funktionieren auf einer verwandten Logik!) Dass der normale Bürger zwar weiss, woher Babys kommen, aber im Normalfall wenig bis nichts über die Entstehung von GELD, ist kaum eine Informationspanne, sondern hat System! Ohne andauernde Neuverschuldung gäbe es nicht andauernd mehr Geld. Geld wird nur zu etwa 10% vom Staat in Umlauf gebracht. Der Rest von Banken. Jeder neue Kredit wird normalerweise von der Bank ausgegeben, OHNE dass sie dafür mehr als 10% Einlagen hat. DAS muss man zuerst verdauen... Für die restlichen 90% besteht der einzig konkrete Gegenwert aus dem VERSPRECHEN des Gläubigers, seine Schuld zurück zu zahlen. Der Schuldner trägt so das Joch des Wachstums, ohne sich dessen klar zu sein. Demensprechend will jede Bank soviel Geld verleihen, wie es nur geht. Das heisst, möglichst viele Gläubiger haben, die sich letztlich an ihr Versprechen halten. In der Beurteilung der Zahlungsfähigkeit

verschätzt sich jede Bank immer mal wieder, also bestehen gegenseitige Hilfsabkommen zwischen den Banken. Ihre Vernetzung ist ihre Stärke. Wenn EINE Bank plötzlich von verärgerten Kunden (IHREN Gläubigern) heimgesucht wird, stehen hinter der Kulisse andere Banken bereit, dieser einen zu helfen. Kompliziert wird es erst, wenn mehrere Banken das Problem haben... Banken gehen dann nicht alleine pleite, sondern im Multipack. Das muss um ALLES in der Welt vermieden werden, warum letztendlich der Staat sich immer dazu opfert, den Banken aus der Patsche zu helfen. Oder, wie im Fall von Europa, ein ganzer Kontinent. Dies geschieht gerade. Auch wenn noch so unpopulär, so ist es doch nicht anders möglich – wird uns gesagt. Gut. Bzw. schlecht. Wir sind auf Gedeih und Verderb EINER Geldwährung ausgeliefert und wie EIN Gott, schickt sie uns Heuschrecken und dergleichen. Was kann man tun? Beten? Wenn man vernetzt denken will, dann sollte man immer wieder Querschlüsse ziehen aus verwandten Gebieten, auch WENN diese bereits ihre separaten Wege eingeschlagen haben. Was passierte dann eigentlich mit unserem monotheistischen Glauben, im Speziellen der Reformation, im Bezug zu Geld? Ich glaube, das ist im Jahre 2010 eine berechtigte Frage. Die Skandale um pädophile Priester haben die katholische Kirche in ihre grösste Krise gebracht. Symbolismus hat gegen Rationalismus verloren. Protestantismus hat (vorerst) “gesiegt”? Statistisch gesehen sind protestantische Staaten wirtschaftlich permanent erfolgreicher als katholische. Zufall? Kaum, denn auch das Geld wurde “reformiert”: Es gebietet unter dem Namen Euro über eine geschlossene Gemeinde Gläubiger von Sizilien bis Dänemark. Der Euro ist betont nüchtern und ohne heroischen Firlefanz herausragender Persönlichkeiten, statt dessen Brücken, also herausragende TECHNIK, als gemeinsamer optischer Nenner. Wer den Euro in FRAGE stellt, hat ein EU Wirtschaftsexperte kürzlich gemeint, solle sich die Soldatenfriedhöfe Europas anschauen.

Klar: Der Euro wird bleiben! Ihn wieder abzuschaffen, käme dank seiner prägenden Symbolik zwar NICHT einem Gesichtsverlust Europas gleich, jedoch einem Verlust der Brücken, der angestrebten Einheit. Aber das heisst ja nicht, dass es keine ANDEREN Währungen INNERHALB des Euros geben darf. Oder? Duldet der grosse “Gott” Euro andere “Geldgötter” neben sich? Lokalwährungen? Mit dieser Möglichkeit wird immer wieder experimentiert, besonders in den USA, wo das Gesetz dies zulässt. Ob dies auch im Euroraum legal wäre, ist mir unbekannt. Ich tue jetzt einfach mal so, wie wenn dem so ist... und nehme mir wieder Freiheit, etwas kindisch zu denken: Natürlich ist jegliche Lokalwährung zuerst mal ein Albtraum für die Weltwirtschaft. Jede Währung ist eine Abmachung innerhalb einer Gruppe. Man versucht eine Norm zu erfinden, die einem bestimmten Gegenwert entspricht. Eine Stunde Arbeit zum Beispiel oder ein Gramm Gold gleich zehn Kilo Kartoffeln. Je kleiner die (Währungs-)Gruppe, desto limitierter ist zwangsläufig ihr Angebot, je grösser sie ist, desto grösser wird die Konkurenz innerhalb der Gruppe und der Druck zur Spezialisierung steigt. Beide Richtungen haben ihre Vor- und Nachteile. Es ist, wie es die Wirtschaft einmal war, ein Spiel - aber ein Spiel mit lokalen Ergebnissen. Und wie jedes Spiel, so überlässt man vielleicht auch dieses den Kindern, es zumindest zu starten. Jedes Kuhdorf ist es würdig und eventuell dem besseren Wirtschaftsverständnis seiner Jugend schuldig, eine eigene Währung zu besitzen, den “MuhhhTaler” meinetwegen. Nicht als kompletten Ersatz für Euros oder Franken oder Rupien, sondern parallel mit diesem existierend. Dies fördert automatisch den Austausch von Gütern und Dienstleistungen im lokalen Rahmen. Diese Förderung tut vielen Regionen gut. Es fördert ihr Selbstbewusstsein. DAS hört sich in den Ohren Vieler natürlich verdächtig an... Sie haben aber vielleicht noch nicht beobachtet, dass parallel zu unserer entstehenden Globalökonomie der durchaus verständliche Wunsch zum schieren Gegenteil existiert. Weil die konkrete, dreidimensionale

Wirklichkeit fremdbestimmt und daher anonym ist. Weil jeder Bürger jeder Region fast ganz Europas nur ein winziges Anhängsel der Globalökonomie ist. Die Folgen davon sehen wir in unzähligen Bereichen bereits. Von den Toten erweckte Folklore unter Masken Made in China. Kombiniert man das mit unerfindlicher Arbeitslosigkeit Vieler, dann ist es DAS perfekte Rezept für Irrationalität und Wut im Bürgerbauch. Wie anders das Konzept der lokalen Währung! Der Fremde verliert seine Fremdheit durch Teilnahme an einer lokalen Wirtschaft. Er fährt nicht jeden Morgen anonym in die Fabrik, um dort Turbinenschaufeln für China zu polieren, sondern tut, was er wirklich gut kann. Ob dies Teppiche knüpfen ist, Hasen züchten oder Konfitüre kochen, ist nebensächlich. Er oder sie sind Teil einer lokalen Union geworden. Einmal zur Lokalwährung erhoben, kann diese sich frei ausbreiten. Jeder, der sie hat, spornt Andere an, etwas Handelbares oder Rohstoffe einzubringen, man will ja Vielfalt im Angebot, als auch eine grössere potenzielle Kundschaft. Grenzen zur Einheitswährung MÜSSEN nicht existieren. Ein Wechselkurs zwischen der Lokalwährung und dem Euro wird zum Spiegel der Wirtschaftskraft der jeweiligen Region. Und das Geld an sich, der “Muhhh-Taler”, wird zum Ausdruck der regionalen Kultur(en). Diese verharren nicht mehr in peinlicher Wiederbelebung toter Folklore, sondern erschaffen eine neue, die nicht exklusiv ist, sondern inklusive. Ob und wie (oder WAS) genau an Steuern fällig wird, dürfte sich demokratisch ergeben. Wer mit der Kaufkraft seiner Lokalwährung unzufrieden ist, braucht nicht an ihr teilzunehmen. Oder kann mit gutem Beispiel vorausgehen und bessere Angebote schaffen. Eine Lokalwährung ermutigt dazu. Sie belohnt nicht nur mit besserem Umsatz, sondern auch der Steigerung ihres Wertes an sich. Die Idee einer Lokalwährung ist in letzter Konsequenz die Idee relativer Freiheit von der Verpflichtung für das Totale. Dem Einzelnen gelingt dies nicht, als Gruppe wäre man verdächtig, aber als Region verhält man sich goldrichtig!

45. Kapitel Kinder der Blumenkinder in der Krise der Coolheit DAS Hauptproblem (von Gier bis Umweltzerstörung) – so es das überhaupt GÄBE - ist sicher nicht DAS Geld, sondern WIE es entsteht, aber auch WAS damit gemacht wird. Das tönt banal, aber ist es das? Drehen wir die Sache einmal um: Entscheidend ist nicht das Produkt, für das man sich interessiert, sondern was mit dem Profit passiert, den man durch den Kauf ermöglicht. Diese Denkweise ist radikal, zugegeben. Ich sehe sie aber kommen und gehe ihr daher etwas auf die Spur. Wir beginnen bereits unsere Kaufentscheidungen beinflussen zu lassen durch Argumente, die nicht mit der Qualität von Produkten zu tun haben, sondern von der Ethik des Produzenten abhängig gemacht werden, seine Profite sinnvoll zu reinvestieren. Von Banken bis zu Modelabels gibt es gute Beispiele. Firmen mit einer sozialen Agenda werden weltweit gegründet. Ihr Hauptproblem dürfte vorerst noch sein, ihre Ziele verständlich zu machen, ohne viel Papier zu bedrucken, wo aber das Internet wie gerufen kommt. Ihre sinnvollen Anliegen zu vermitteln wird auch zur Herausforderung an die Kommunikation. Einer Marke den Vorzug zu geben, WEIL sie die ABSICHT hat, eine betriebseigene Windkraftanlage zu bauen, oder eine Recyclierungsanlage für Abfälle, erfordert Vertauen. Bonität in sozialer Glaubwürdigkeit. Über diverse “grüne” Banken geschieht dies bereits, aber auch die normale Kundschaft beginnt Folgewirkungen ihrer Kaufentscheidungen zu bedenken. Das soziale Gewissen und wirtschaftliches Kalkül gehen eine bemerkenswerte neue Beziehung ein. Besonders in sozial höheren Schichten macht man bzw. frau traumhaft mit. Leider fällt dies den unteren Schichten nicht so leicht. Und nicht auf. Interessant wäre daher, die Frage der Ethik umgekehrt zu stellen, nämlich dem Lohnempfänger gegenüber: WAS mein lieber Bewerber für Stelle XY gedenken SIE mit ihrem Lohn zu tun? Einen 8 Zylinder Jaguar kaufen...? Weekendshopping in New York? Eine Motoryacht in

Rüschlikon....? Ok, das macht 2000 Netto! Noch Fragen? Und sie da, werte Dame? Drei Kinder durchfüttern? Einen Schrebergarten kaufen? Rollerblades für die Kids? Ein Abo für den Bus? OK, das macht... Ich überlasse die Rechnerei jedem Einzelnen. Mich interesserieren Zusammenhänge. Dass oft Familien kaum durchkommen mit dem Lohn, den ihre Väter oder Mütter heimtragen z.Bsp. Dass Singles zwei Autos und drei Fernseher besitzen. Und warum das alles SO ist. SO, dass man in der Schweiz alle paar Jahre zu hören kriegt, dass Kinder das grösste Armutsrisiko schlechthin sind... Ja, meine Güte! Und dann sich wundern, dass man ausstirbt. Und DANN sich erregen, dass es plötzlich vor Fremden nur so wimmelt. Also EHRLICH! DA stimmt etwas nicht! Und zwar in unserer gesamteuropäischen Vorstellung von Wohlstand, Friede und Fortschritt! HIER dürfte die Gefahr liegen, die mit Soldatenfriedhöfen beschworen wird. In dieser gähnenden Kluft zwischen individuellen Ansprüchen und den Nöten – ja, den NÖTEN – der europäischen Durchschnittsfamilien. Jener, die per Geburt eigener Kinder für eine Zukunft gestimmt haben, nicht nur für Krippenplätze und Tagesstrukturen. Aus irgendwelchen Gründen wollten sie nämlich Kinder, und ich bezweifle, dass dies war, um sie weitgehend von staatlichen Institutionen formen zu lassen. Um irgendwann Fremde vor sich zu haben. Praktisch jeder Quadratmeter Umwelt, in die ein Kind hineinwächst, erfüllt eine wirtschaftliche Funktion. Sie gehört jemandem, steht zum Verkauf, dient dem Verkaufen, ist vermietet, ist ein Parkplatz, eine Fabrik, darf nicht betreten werden, ist eine Strasse, ein Geleise, ein Auffangbecken, oder ein Kanal. Praktisch jedes Kind Europas ist von einer Umwelt umzingelt, die grösstenteils nicht mehr betreten werden darf, da sie PRIVAT ist. Fremdes Eigentum. Fremde. Fremdbestimmt zu sein ist das bittere Los moderner Kinder. Ohne

eine ALLEN gehörende Natur, ohne eine SICH SELBST gehörende Natur, fehlt den Heranwachsenden eben genau dies als Vorbild. Letztlich – oder primär – SICH SELBST zu gehören. AUF sich selbst zu hören. Eigenverantwortung zu tragen. Die innere Stimme wird übertönt vom mechanischen Gebrüll der Aussenwelt. Das Elternhaus – sorry, die 4 Zimmer Wohnung im Block – wird zum Schneckenhaus, statt zum Rückzuggebiet einer spannenden Umwelt. Es wird “gewohnt”, eine recht NEUE Tätigkeit übrigens. Und man hat sich daran zu gewöhnen... All dies führt natürlich zu Problemen, die sich in keiner Pisa Studie zeigen. Physische Probleme wie Übergewicht, psychische Probleme, wie permanente Unruhe – die letzten Zuckungen einer vermasselten Kindheit – aber auch soziale Probleme, die zu Einsamkeit führen, ersatzweisem Markenfetischismus, ab und an einem Schulmassaker und noch so viele weitere Probleme, dass mit ihnen ganze Bücher gefüllt werden, die sich dann Fachleute anschauen. Denn auch diese Probleme ergeben leider durchaus einen wirtschaftlichen “Sinn”. Sie sind die Geschäftsgrundlage für Psychologen, Psychiater, Sozial”mechaniker” aller Couleur, von Jugendarbeitern bis Gefängniswärtern. Unsere sich als Spassgesellschaft empfindende Gesellschaft ist in Wirklichkeit eine ernste Problemgesellschaft geworden. Aber sie wandelt jedes Problem schnell in ein halbwirksames Produkt, teils mit riesigen Investitionen und der daraus folgenden Hoffnung... (Siehe Tamiflu), dass möglichst VIELE dieses Problem haben werden. Diese perfide Logik ist Kindern nicht klar: dass ihnen letztlich niemand ECHT hilft, höchstens, im Idealfall, ihre eigene Familie. Für WAS Kinder aber gute Antennen haben, ist für die gähnende Langeweile, die Fremdbestimmheit hervorruft. Diese zweckbestimmte Umwelt, die ausser ökonomisch sinnvoll, nichts vorhat, zu sein. Was nun? What now? Die grosse Befreiung des Kindes von

Fremdbestimmtheit – dann wird alles gut? Aber wie? Kinderstimmrecht, und alles wird sich einrenken? Liberalismus in Beziehung zum Kind – statt nur auf den Kommerz bezogen – und alles regelt sich? Antiautorität zum Zweiten..., und plötzlich klappts? “Kinder, erzieht euch GEGENSEITIG, wir Erwachsenen haben VERSAGT?” (Erfindet die Zukunft doch selber...!) ? Ein BISSCHEN von Alllem täte wohl gut! Wo die Grenzen sind, finden wir nie heraus, wenn wir das Risiko nicht eingehen, diese zu überschreiten. Wir überschreiten andere Grenzen täglich, sind uns der Risiken voll bewusst – und leben noch. Letztlich hat die Menschheit alles mögliche überlebt, “sogar” die Sechzigerjahre... Das Aufblühen der Blumenkinder. Es ist schwer, zu leugnen, dass uns diese Epoche auch viel GUTES gebracht hat. Sie war die kulturellste Überraschung des letzten Jahrhunderts. Es tut fast in den Augen weh – in den Ohren erst Recht! - sich die Stimulanz der Sechzigerjahre wegzudenken. Dass der Versuch an der Idee einer menschlicheren Gesellschaft nicht ganz umgesetzt werden konnte (…), kann nicht nur der Idee angelastet werden. Aber sicher auch! Einhergehend mit einem Ganzheitsbewusstsein kam parallel der Individualismus zu erster globalen Blüte. Leider zwei Wertmasstäbe, die sich schwer unter ein T-Shirt bringen lassen. Wenigen war klar, dass in ihrer der Allgemeinheit gestellten Forderung SIE SELBST auch gemeint waren. Es reicht nicht, sich Blumen ins Haar zu stecken und “Friede herrscht!” zu rufen. Aber es tut gut! Und was gut TUT...., ist es ja vielleicht auch. Dieser Rückkehr zu sinnlicherer Symbolik sollte man wieder eine Chance geben! Es IST wieder Zeit, sich Blumen ins Haar zu stecken! Wie kann eine auf Coolheit konditionierte Gesellschaft ihrem Nachwuchs Wärme ans Herz legen? Vielleicht indem sie sich selber nicht als ALLEINE massgebend sieht, in der Ausformung ihrer Selbst. Womit ich nicht das individuelle Selbst meine, sondern die Fehlannahme, dass sich das kollektive

Wissen der Gegenwart praktisch singulär aus dieser abzuleiten scheint – und daher nur durch sie interpretiert werden soll. In Bezug auf Technik mag dies zwar meist richtig sein, auf Kultur übertragen, führt dies aber zu Verarmung und Orientierungslosigkeit. Beispiele: Es bringt kaum neue Erkenntnisse, würde man die Originalbaupläne von James Watts erster Dampfmaschine hervorholen, um damit bessere Motoren zu konstruieren. Marconis erstes Radio auseinander zu nehmen, um die heutige Technik der Handys zu verbessern, wäre ebenso fruchtlos. Aber die Stile und Inhalte vergangener Kulturen neu zu studieren und interpretieren, kann einer zeitgenössischen Kultur sehr wohl weiter helfen. Inklusive der Kunst, die eben erst (Beginnendes 20. Jahrhundert / Picasso etc.) von zuvor entdeckten Höhlenmalereien und der Antike massgeblich beinflusst wurde und von uns die “Moderne” genannt wurde, kaum dass sie vorbei war. Und jetzt, hundert Jahre danach, risikolos als TOT bezeichnet werden kann. Die Kunst. Die Moderne. Und Picasso.

46.Kapitel Think GLOBAL, act LOCAL! Es darf gewiehert werden! Renaissance also! Wiedergeburt des Menschlichsten: seines Geistes, seiner Sprache, seiner Bilder. Seiner KULTUR! Durch das Abstützen nicht einzig auf eine Kultur der Gegenwart - die sich selbst in ihren Veränderungen nicht fühlen kann, da ihr der Bezug fehlt - sondern durch das Abstützen auf Kultur an sich, die immer dieselben grossen Fragen aufwirft. Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir? Eine Art gesamthistorische Hauptaufgabe eines ansonsten nicht sinnvolleren Geschöpfes, als jedes andere Geschöpf dieser ewig alten, aber nur uns Menschen ewig schönen Welt. DASS sie schön ist, DIES herauszufinden, DESSEN bedarf es letztlich des Menschen und seiner Kultur in ihrer langen, suchenden Geschichtlichkeit. Sie verleugnen wir, indem wir wie unter einem Brennglas nur die Gegenwart betrachten. Unsere Ratlosigkeit gegenüber der Zukunft

spiegelt sich in unserer Ahnungslosigkeit gegenüber unserer eigenen Vergangenheit. Nicht, dass wir über die Vergangenheit nichts WISSEN! - sondern weil sie für die Gegenwart nicht mehr verständlich ist, nicht erlebbar, ja, kaum ÜBERLEBBAR aussieht! Jeder Gegenwart spielte Vergangenheit eine Rolle. Unserer Gegenwart ist Vergangenheit nur noch düster, farblos, ABSCHRECKEND! Den Tiefpunkt der Menschheitsgeschichte (hoffentlich!) hinter uns – die Weltkriege – blicken wir mitleidig zurück auf Epochen, die diesen Tiefpunkt noch VOR sich hatten. Und wir schliessen daraus, dass wohl einiges falsch gelaufen sein musste und nehmen als Beweis, zu was diese Vergangenheit geführt hat. Wir glauben zu wissen, dass einzig Menschen für die Weltkriege verantwortlich waren, übersehen aber dabei die Eigendynamik der damaligen Technologien, die eine grosse Rolle spielten. Besonders die eben erst möglich gewordenen riesigen Kriegsschiffe, die so wunderbar unverwundbar schienen, dass man (Mann) sie endlich mal “testen” wollte. Wieviele neue Technologien sind seither entstanden, die sich systeminherent auch irgendwann beweisen wollen? (Alles was ist, will sein!) Unsere “Cooltur” hat den Blick auf ihre eigene Geschichte verloren. Sie verweist mit verengten Pupillen auf das Vacuum des Augenblicks: “Lebe JETZT!” wird überall gehaucht. Das Allheilemittel gegen meist als verkrustet empfundene Traditionen und diffuse Angst vor der Zukunft. Statt im Strom der Geschichte sich ihrer bewusst zu sein, werden wir unter einem rauschenden Wasserfall globaler Grossereignisse in die Froschperspektive gezwungen, in eine “Lebe überall ein Bisschen, aber nirgends WIRKLICH!”- Plattheit. Ohne zu merken, dass “Lebe JETZT!” vielleicht seine Schwester verloren hat, die “Lebe HIER!” heissen könnte. “Think global, act local!” Ein gut gemeinter Spruch aus den Achzigern. Der erste Report des “Club of Rome” über die Grenzen des globalen Wachstums war gerade erschienen. Denke global, handle lokal!

Heutzutage kursiert der Spruch in der einen oder anderen Form immer noch, er hängt vergilbt an WG-WC-Türen, wirkt aber etwas saftlos und müde. Ausserdem passiert so ungefähr das Gegenteil “on the ground”, wie in neuestem Englisch die Wirklichkeit umschrieben wird. Wir HANDELN global und DENKEN lokal. Natürlich nehmen wir Teil am Geschehen der Welt, aber es gleicht Unterhaltung. Naturkatastrophen, Krieg, Terror, was hat das schon mit dem Leben des Einzelnen zu tun? Zum Teil tatsächlich rein GAR nichts, zum Teil aber schon, was den Nachrichten kaum zu entnehmen ist, denn sie sind wertfrei, scheinbar neutral und eine zusammenfassende “Moral der Geschichte” wäre eine Störung des Gewohnten. Eventuell sogar ein Verstoss gegen das Sendegesetz. Ein gutes Beispiel sind die schier endlosen Kriege in Staaten, die entweder Öl besitzen, oder “im Weg” sind zum Bau von Pipelines. Bzw. die Kriege nicht IN, sondern MIT diesen Staaten, die unter der Führung Amerikas so ungefähr jeder Staat mitmacht, der sich für Menschenrechte einsetzt. Klar geht es IHNEN nur ums Öl, bezichtigen wir die Amerikaner, froh keine zu sein, und geben schnell Gas, um den hässlichen Gedanken abzuschütteln, dass eigentlich in unser aller Namen auf der ganzen Welt Konflikte gebrodelt und säuische Intrigen geschmiedet werden, um unser liebes Benzin in unsere Tanks zu kriegen. Ja, zu KRIEGEN! Was hier sicher nicht stimmt, ist, dass wir global denken, weil denken immer auch zu Gefühlen führt, zu Mitgefühl mit Anderen. Dass nicht global gedacht wird, zeigt sich im weiter steigenden Ölverbrauch einer auf die Deklaration der Menschenrechte stolzen Gesellschaft. Dass uns die Klimaerwärmung kalt lässt, ob all der Kontroversen und Ungereimtheiten, scheint mir etwas verständlich zu sein – ich bin auch verunsichert – aber dass uns auch Peru egal ist, Nigeria, Irak, Timor und all die anderen Länder, wo Öl die Mittel heiligt, zeigt, dass globales Denken eher einem knallharten Kalkül gleicht, als zu

Gerechtigeit führt. Uns – als anonyme Masse – interessieren bloss Handlungen, mit denen wir (via Unternehmen) eingreifen dürfen in die global verfügbaren Bodenschätze. Wir HANDELN also mitnichten LOKAL, sondern brutal und indirekt in der Ferne, wo es etwas zu holen gibt für unseren als normal erachteten Lebensstil. Die Folgen dieses Lebensstils sind nicht nur ein eventuell verändertes Klima, sondern auch der Exodus verzweifelter Menschen aus den von und DURCH uns ausgebeuteten Ländern. In Richtung Europa natürlich, als auch Australien, die USA, Kanada. Ein gutes schlechtes Beispiel ist Nigeria, seit einem halben Jahrhundert ein Ölexportland grossen Stils. Warum entschliessen sich so viele Nigerianer – unter denen es lauter wunderbare Menschen gibt – lieber als Underdog in Europa zu leben, als in ihrem potenziell reichen Nigeria? (Folgen von 50 Jahren Erdölforderung im Nigerdelta: Kaputte Umwelt, vergiftete Brunnen, verarmte Bevölkerung, Krieg der Regierung, reiche Eliten!) Der hässliche Nebeneffekt dieser Völkerwanderung in unsere Richtung ist, dass unser globales Denken erst Recht versagt und einem substanzlosen Stolz auf die Heimat weicht. Substanzlos, weil die Substanzen von praktisch ALLEM, ausser dem nackten Boden, von irgendwo stammen, bloss nicht aus der auf sich selbst stolzen Region. Diesen Widerspruch können wir abzubauen versuchen, indem wir lokales Handeln verbinden mit unserem globalen Handeln, globales Denken in unser lokales Denken integrieren. “Denke global und lokal, handle lokal und global” würde es dann heissen in unserer nicht einfacher werdenden Zukunft. Man kann schliesslich nur HANDELN wie man DENKT! Kann dies anders beginnen, als durch Kinder? Durch ihre Erziehung, ihre Bildung? Und etwas Zwang... Wohl kaum! Es ist einfach gesagt schwer, einen Erwachsenen zu viel mehr zu zwingen, als mit seinem Auto rechts zu fahren (Als ob...). Aus diesem Grund kann man auf

die heutige Generation Erwachsener kaum zählen, wenn es um Änderungen in ihrer Lebensweise geht, die angebracht sind, um die krassesten Auswirkungen des Industriezeitalter zu mildern. Immerhin hat es aber einen Paradigmenwechsel gegeben, die Zeichen stehen bereits auf Umdenken, was sich aber noch kaum auf den konkreten Lebensstil ausgewirkt hat, der sich nach dem Weltkrieg blitzartig entwickeln konnte, aber bereits jetzt furchterregend statisch wirkt, ja, beinahe traditionell. Solche Observationen tönen vielleicht gefährlich in den Ohren von Traditionalisten (der Moderne). Aber sie tönen auch nach Arbeit, hochzukrempelnden Ärmeln, Wirtschaftsaufschwung in neue Richtungen. Die Alternativenergien machen es vor. Wieviele hundertausend Jobs hängen in Deutschland bereits an ihnen? Bravo! Weiter so! Neue Energien sind erst der Anfang. Vielleicht definieren sich ja Kulturen immer mehr über ihre Energiegewinnung. Dann ist Deutschland auf dem Weg in eine neue Kultur, ebenso wie Dänemark und jedes weitere Land, das die verflixte Ölabhängigkeit, bzw. die Abhängigkeit von diesen Industrien, abbaut. Was war zuerst, die Kultur, oder die Energie, die sie antreibt? Ist es unsere “Raucherkultur”, die uns in dieser fossilen Zwangsjacke festzuhalten versucht? Sind wir insgeheim CO2 süchtig, brauchen Rauchgeruch in unseren fossilen Kleidern, um in Fahrt zu kommen?

47. Kapitel Menschen braucht es nur noch als Ausbrüter Auch die Mode ist in einer Sackgasse. Zumindest scheint mir, als ob wir aus einer solchen beliefert werden. Dezente – sprich beliebige – Klamotten mit grossen Labels. Uni, kunstlos, unverziert, langweilige Baumwolle, von uns ferngedüngt in China, oder China, oder China. Dem Mutterland aller Uniformen. Freiwillig unterstellen wir uns dem Diktat endlos vieler Marken, die kaum unterscheidbar sind. Um als

Individualisten in der Masse nicht aufzufallen... Dieses Paradox zu lösen, gelingt wohl auch am Besten dem von Natur aus innovativen Geist der Jugend. So wir diesen zulassen und fördern, und ihre Bedürfnisse nach Originalität nicht nur den Marken überlassen. Dies ein Plädoyer für schrankenlose Freiheit der Jugend, in der Ausgestaltung IHRES Lebensstils in allen Dimensionen der Mode. ZEIGT ES UNS! Macht uns vor, wie man einen die Verschwendung von Resourcen fördernden Lebensstil ersetzen kann, durch neue Techniken und Resourcen, wo Klugheit mehr zählt, als Kraft. Dies ist Voraussetzung, nicht die Folge, kultureller Identität, die das Lokale einschliesst, aber das Globale nicht verleugnet - höchstens zurückdrängt im Materiellen. Daran zu arbeiten, Märkte zu schaffen, wo sich der Geldfluss in kleineren Kreisen dreht, um den Launen der Weltwirtschaft weniger ausgeliefert zu sein, weniger Energie in den Transport und die Logistik stecken zu müssen, lieber “on demand” zu produzieren, damit weniger unverkäufliche Ware hängen bleibt, daran zu arbeiten, ist sinnvoll wie nie zuvor! (Ich kenne einen Lastwagenfahrer, der hat den “Vertrauensjob”, bei einem Schweizer Warenhaus unverkaufte Waren zu einer Müllverbrennungsanlage zu karren. Er hat viel zu tun und fährt immer nachts...) Wir leben in einer Zeit sich verwirklichender Selbstzwecke, die einer technischen Logik folgen und den Menschen nur als Ausdenker und Ausbrüter braucht. Als Zuträger seines eigenen technischen Selbst. Wäre Technik fähig, sich automatisch zu reproduzieren, zweifeln wir, dass sie es täte? Natur zeigt uns, dass es dazu kein Bewusstsein braucht. Es reicht ein “Götterfunke”, eine geniale Idee. Ob sie Zellteilung heisst, oder verordneter Aufschwung ist unwichtig. Leben ist das Resultat aus ursprünglichem Chaos. Technik ist das Resultat aus dem Chaos menschlicher Ideen. AN SICH geplant war Technik nie, nur kleine Komponenten wurden bewusst erfunden. Die konkrete Technik unserer Zeit hat sich ERGEBEN. Das Internet: Es wurde erst

möglich durch unzählige Einzelerfindungen. Jede hatte ein Ziel, aber kaum EINE hatte das Ziel, DAS Internet zu erfinden. Und was sich daraus entwickeln wird, in den nächsten hundert Jahren, ist total offen. Kollaps, Big Brother is watching you!, die totale Freiheit des Wortes? Gefolgt vom babylonischen Einknicken der letzten Kommunikation? Oder das grosse Völkerverständnis? Oder Cyberwar und Anarchie? Niemand weiss es, aber in hundert Jahren wissen es ALLE! (Dank Internet...) In der Evolution ist es mehrere Male zu grossen Katastrophen gekommen, die ganze Artenstämme vernichtet hat, die Dinosaurier zum Beispiel. Unserer allgegenwärtigen Technik steht eine ähnliche Katastrophe bevor, wie vor Millionen Jahren dem Leben. Und zwar, weil über Kurz oder ein klein bisschen Länger der Sprit ausgeht. Was wiederum nicht die Technik AN SICH ans Ende ihres Daseins bringt, sehr wohl aber UNSERE Dinosaurier... Was auch immer wir uns an Alternativen einfallen lassen, keine Energie wird so einfach verfügbar sein wie Öl – könnte man meinen. Wenn man die ganzen Prozesse bis der Sprit aus dem Hahn fliesst ignoriert. Von scheinbarer Logik gepolt, versuchen wir den “Tyrannosaurus Merz” vor dem Aussterben zu retten. Millionen freiwillige Helfer in Automobilclubs schauen mitleidig auf die ersten “Rollversuche” alternativer, kleiner, wendiger, geräuschloser Vehikel, die sich in Nischen bilden. Aus Gewohnheit lieben wir das Grosse, Starke, jedoch zeigt uns die Natur, dass das Kleine, Intelligente oft gewinnt. Auch in der Technik. Würde der individuelle Nahverkehr einer strikt ökonomischen Kosten/Nutzenrechnung unterworfen, würde alles anders aussehen und fast reibungslos funktionieren! Strassen sind aber eher Laufstege persönlicher Eitelkeiten, als Ergebnisse des Verlangens nach reibungsloser Mobilität. “Gestört” von einem stetig anwachsenden Schwerverkehr, entpuppt sich unser Verkehrschaos als eine täglich gelebte Groteske, für die einstmals unsere Kinder noch Fragen haben werden.

So uns irgendeine Restmenge an Fairness gegenüber unseren Nachkommen noch helfen möge, sind wir am hinteren Ende des Automobilbooms angelangt. Am Ende eines wahrlich gelebten Traums. Die Zeichen der Zeit ändern sich, die Träume verabschieden sich, zumindest aus Europa. Während Berlin, die Trendstadt Europas, aufs Fahrrad umsteigt, steigt Beijing vom Fahrrad aufs Auto um. Im Land der aufgehenden Sonne sieht man die Sonne nicht mehr. Aber auch in Beijing erkennt man die Zeichen der Zeit. Die Neuzulassung von Autos ist ab nächstem Jahr auf eine Viertelmillion begrenzt... Unsere Städte werden zu Fehlkonstruktionen, wenn wir sie weiterhin dem Autoverkehr zur freien Verfügung stellen. Diese Einsicht verbreitet sich und führt zu allerlei originellen Massnahmen, die aber erst ein Anfang sind. Das Demokratiegefühl leidet sonst, da ein grosser Teil der Autos von der Region ausserhalb kommen, der Städter aber immer mehr auf Alternativen ausweicht. Städte sind per Definition offene Räume mit der grössten kulturellen Dichte und dem breitesten materiellen Angebot. Trotzdem sollte man sie nicht zu Shoppingcentern für Fernfahrer verkommen lassen! Mit mehr Parkplätzen als Parks. Das schier unlösbare Problem des Automobils, ob elektrisch, oder “klassisch”, ist und bleibt die Tatsache, dass es mechanisch primär ein AUTO befördert, nicht AutoFAHRER! Lösungen für dieses Problem sind eher als von der Autoindustrie, von Skatebordtüftlern zu erwarten, von Bastler, ja, von Amateuren (übersetzt: die was sie TUN LIEBENDE). Sie sind besser positioniert, Transportmittel für Menschen zu bauen. Ja, durchaus auch fett gepolsterte und crashsichere Kleinstmobile für den Rentner! Liegevelos für Eilige. Schwerfahrräder für den Transport. Mobile Crepebuden mit Pedalantrieb. Tandemgezogene Müllanhänger. Recyclingtonnen auf Skatebordrädern. Werkstatträder für Handwerker. Rollende Eisdielen. Genau! Alles, was den Asiaten schon längst eingefallen ist – plus UNS noch einfallbar wäre... Wir finden doch eh die Asiaten so toll! Was gibt es stilvolleres, als in einer

Rikscha zur Arbeit gestrampelt zu werden, liebe Manager? Mikroelektronik, Mikrotransportmittel, Mikrofabriken. Die beste Richtung, in der sich unsere Lebensweise weiter entfalten kann, ist in Richtung Mikrokosmos. Hoch lebe der intelligente Zwerg! Der materiell verdichtete Glückspilz. Ebenso wie ein Städter keinen eigenen Garten mehr hat, verliert er auch zunehmend das Recht, die Stadt mit seinem Auto zu möblieren. Es sei denn..., er lässt es unverschlossen stehen und offeriert es der Allgemeinheit als wettergeschütze Parkbank und Ruheraum für Obdachlose, denn Parkplatzgebühren werden fast ausnahmslos MASSIV von der Allgemeinheit subventioniert. Eine Gemeinheit gegenüber denen, die keine eigene “Droschke” haben. Ebenso wie es irgendwann ein Anachronismus wurde, in der Stadt ein Pferd zu haben, wird es unzeitgemäss, Autos in Städte zu lassen, ohne dass sie mindestens zur Hälfte voll sind. Alleine diese Vorgabe würde den Verkehr massiv reduzieren. Es hätte dann wieder Platz für Pferde... Wo es längst selbstverständlich ist, die Natur kollektiv zu benutzen, in Form von Stadtparks, sollten öffentliche Verkehrsmittel kostenlos sein! Subventioniert von realistischen Parkplatzgebühren für Autos. Als auch durch eine milde Zurückhaltung beim Einkauf neuer Busse, Strassenbahnen etc. San Franziscostyl also, statt gnadenlosem technischen Fortschritt um des technischen Fortschritts wegen. Seit Jahrzehnten habe ich immer wieder mal das zweifelhafte Vergnügen, das Hochrüsten des öffentlichen Verkehrs der Schweiz durch explodierende Fahrpreise mitzufinanzieren. Er wird immer perfekter, NOCH pünktlicher, fährt im Takt und verbindet jeden Hühnerhof mit jeder Bank. Die Busse sind fast geräuschlos, neigen sich zum Einsteigen zur Seite, haben Monitore, um über Verspätungen Bescheid zu wissen - und sind meistens leer. Ausser zur Stosszeit, wenn sie im Autoverkehr stecken bleiben, dann sind sie voll wie Sardinendosen.

Die Karten der Busnetze sehen wie Schaltkreise aus, man fühlt sich als Elektron wenn man einsteigt. Mehr als öffentliche Transportmittel, sind es Transportmittel, die Anonymität (be)fördern. Sie entbehren jeglichen Sinn, ausser zu transportieren. Der Umbau vom öffentlichen Transportmittel, wo man sich sicher und aufgehoben fühlte, zum anonymen Transportmittel, fand genau in dem Moment statt, als der Billeteur, der Schaffner, der mitreisende Kassierer, Auskunftgeber, Witzeerzähler, ersetzt wurde durch einen Automaten. Diese Automaten haben ein paar Arbeitsplätze geschaffen, als auch Tausende Arbeitsplätze gekostet - nebst Menschenleben durch von Anonymität begünstigter Gewalt. Dass diese Gefahr potentielle Umsteiger weiter Auto fahren lässt, ist klar! Diese scheinbare Rationalität, die zum Einsatz solcher Automaten in Europa geführt hat, hat weder zu billigeren Nahverkehrsmitteln geführt, noch zu profitablen Betrieben, oft im Gegenteil. Etwa 40 Jahre nach Einführung der “Selbstkontrolle”, wie es die Schweizer Verkehrsbetriebe griffig formulierten (kenntlich gemacht durch ein schwarzes Auge in einem gelben Oval), kann einzig EIN Gewinner klar identifiziert werden: Der Produzent der Automaten, die “dank” Vandalismus regelmässig ersetzt werden müssen. Und als Folge davon, eine ganze Kaskade weiterer “Sicherheitsmassnahmen”, Videokameras also, Monitore, Sicherheitspersonal, die allerdings mit der Qualität einstmaliger Ticketverkäufer wenig gemeinsam haben. Ihre Aufgabe ist nicht eine allgemeine, im weiten Sinn öffentliche, sondern eine spezifisch die Sicherheit wahrende, autoritäre. Kaum Witzeerzähler... Die singulär beste Massnahme, um öffentliche Transportmittel wieder populär, ja, SALONFÄHIG zu machen, wäre die einfache Möglichkeit, einsteigen zu dürfen, einem Billeteur sagen zu dürfen, wo man hin will, einen Preis genannt zu kriegen (ohne dass man sich gleich setzen muss), eventuell mit einem Lächeln verbunden das Retourgeld zu kriegen, um danach die Fahrt zu geniessen... Ich sage dies auf das

erhebliche Risiko, für einen Romantiker gehalten zu werden, was ich keineswegs leugne! Tief drinnen ist Jeder ein Romantiker, nicht ausschliesslich, aber AUCH. Ohne Romantik fühlt sich die Umgebung trocken an, nüchtern, belanglos, auch wenn sie funktioniert. Kaum ein Bereich in der Öffentlichkeit liess sich bis vor kurzer Zeit mit so viel romantischer Faszination verbinden – ich weiss, und mit muffigen Abteils, kalten Klos etc. – wie Züge, Busse, Schiffe. Nebst der nackten Funktion des befördert Werdens erfuhr man auch die Raum überbrückenden Werte der Schönheit via der dekorativen Symbolik der Transportmittel. Was der Individualverkehr kaum bieten konnte, boten Züge, Bahnhöfe, Busse in Reinkultur. Eine Bühne des eigenen Stils, in dem Jeder Akteur, als auch Zuschauer sein konnte, ohne Zwang. Ausser dem, sich voneinander nicht entfernen zu können, verpflichtet zu sein, über kurz oder lang im engsten Kreis zufällig Zusammengewürfelter zu sein. Mit der Chance, dabei Bekanntschaft zu machen, sich aber zumindest wahrnehmen zu müssen, aneinander teilzuhaben. Ohne Worte, oder im Gespräch mit dem Gegenüber, bewusst oder unbewusst sich einem nicht nur funktionellen Transportmittel, sondern auch ästhetischen Vorschlag auszuliefern. Diese Zeiten sind vorbei, ausser, dass man immer noch eng nebeneinander sitzt. Die Zweckmässigkeit des Transportmittels führt aber kaum mehr zu Gesprächen. Wo alles perfekt funktioniert, kann man sich nicht mal mehr durch gemeinsames Schimpfen erkenntlich zeigen. Soziale Kontakte entstehen nur noch, wenn Züge stecken bleiben. Der diskussionsfördernde ästhetische Vorschlag einstiger Massentransportmittel ist technischem Sachzwang gewichen. Der Effekt ist derselbe, wie wenn man öffentliche Parks dahingehend modernisieren würde, dass alle Bäume durch sturmfeste Betonschirme ersetzt würden, damit das Risiko entfällt, dass jemand von einem Ast getroffen wird, oder man vom Regen nass wird. Mit Videokameras hinter den Plastikbüschen, der Sicherheit halber. Und 10 Euro Eintritt bitte nicht vergessen!

Zugegeben, der Vergleich hinkt wie ein einbeiniger Pirat. Der Park ist ein Ziel IN SICH, ein Endzweck, während der öffentliche Verkehr bloss Mittel zum Zweck ist, zu funktionieren hat, pünktlich sein soll, effizient und möglichst schnell. Dieses Unterscheiden birgt aber auch Probleme. Es vertieft die Kluft zwischen zwei immer getrennteren Lebensmodis, dem Rationalen und dem Sinnlichen. Der Erwerbswelt und der Genusswelt. Der Unfreiheit und der Freiheit... Parks sind ein Sinnbild bürgerlicher Freiheiten, eine demokratische Chance, denn Jeder kann sich in ihnen aufhalten, ob laufend, gehend, joggend, sitzend, liegend, dösend, philosophierend mit Anderen, Selbstgespräche führend, jodend, pfeifend, essend, trinkend, Enten fütternd, liebend in einem Gebüsch, mancherorts sogar nackt badend. Gratis und ohne Konsumzwang. Man muss auch keinen Pass und kein Abo zeigen. Keine Kleiderordnung und keine Vorschrift, in einer bestimmten Richtung durch den Park schlendern zu müssen. Und als Höhepunkt geistiger Freiheit in Parks (es gibt Ausnahmen...) das eine oder andere Kunstwerk, das als Fokuspunkt für Tagträumer dient, als Inspiration für Künstlerseelen, als Objekt ohne Funktion, oder als Anknüpfungspunkt für Diskussionen. SCHÖNE neue Welt! Neu von der Idee her (des emanzipierten Bürgertums), gleichzeitig alt und inspiriert von den Griechen. Eine Stadt lebt durch ihre Parks, nicht Parkhäuser! Vielleicht..., würde es öffentlichen Verkehrsmitteln gut tun, sich zumindest homöopathisch von öffentlichen Parks inspirieren zu lassen. Blumen statt Werbung zum Beispiel, auch wegen dem Duft in den Strassenbahnen. Schiefertafeln mit Kreide für die Kinder oder fahrende Poeten, statt Werbung. Stört doch nicht, oder? Ein Gedicht, ein Spruch des Tages, eine Karikatur. Die allgemeine Sprachlosigkeit wird kaum gestört, wenn die Kreide etwas quietscht... Die Strassenbahn quietscht viel MEHR! Geigenspieler am Abend täten gut, vorselektioniert natürlich, mit

Ausweis und 7 Stempeln. Satt die Bremer Stadtmusikanten, die die Strassenbahnen entern und erst aufhören “La Paloma” zu spielen, wenn man zahlt. Ich fände auch den massiven Einsatz lizenzierter Spassmacher in den Morgenstunden angebracht, jedenfalls in Basel! Fliegende Kaffee- und Teeausschenker mit Fairtradesorten und Genehmigungsplakette am Rever und sauberen Fingernägeln. Wieder: East meets West! Diese Leichtigkeit des Lebens in einer rauen Wirklichkeit. Es brauchen ja nicht rollende KIOSKS zu sein mit 27 Aluschubladen, die dem Reisenden im Weg sind. Lieber billiger und flexibler! Besser, EINE Sorte Tee, die man auf dem Weg zur Arbeit schlürfen darf - als GAR KEINE! Qualität statt keine Auswahl... Tönt doch gut..., meine kleinen Experimente mit der Wirklichkeit? Der Moderne werden nicht gleich die Zahnräder klappern, wenn man sie mit fliegenden Teehändlern verbindet. Oder? Nach eingehenden Beobachtungen unseres Zeitalters, glaube ich aber, obige Frage leider bejahen zu müssen. Da würde allerhand “klappern”! Als TRÄUMER möchte ich obige Skizzen einer nur sanft anderen Wirklichkeit im öffentlichen Verkehr für problemlos umsetzbar halten. Als REALIST kann ich es nicht! Die Abkehr von einer vollautomatisierten Massentransportkultur mag aus individueller Perspektive erstrebenswert sein, aus kollektiver aber kaum. Man gönnt sich lieber NICHTS, als allen ETWAS. Freiheit, Musse, Zeit sucht jeder für SICH, gönnt sie vielleicht einem kleinen Kreis Auserwählter – aber NIE der Masse! Lieber sich der Unfreiheit unterwerfen, als der Freiheit Anderer ausgesetzt zu sein! Wobei das Wort Freiheit mit dem Wort Menschlichkeit ersetzt werden kann. DARUM unterliegt fast jeder Lebensbereich wirtschaftlich begründeter Logik, die durchgehend in technischem Sachzwang mündet. Konkret: Ein TeeAUTOMAT, warum NICHT..! Ein TeeVERKÄUFER? Ja, wo kämen wir denn DA hin! Das wäre ja wie BAGDAD... Auch wenn vermehrt Autofahrer auf öffentliche Transportmittel umsteigen würden, wenn Busfahren einfach gesagt mehr SPASS

machen würde, ist es trotzdem undenkbar, dass es je wieder Billeteure geben wird, bei denen man von Mensch zu Mensch, unter Ausnutzung der einfachsten Kommunikation – der Sprache – sich ein Ticket kaufen kann. Auch wenn durch ein paar solche Massnahmen am Schluss die Luftqualität einer ganzen Stadt verbessert würde, Kinder weniger Atemswegerkrankungen hätten, auch wenn die Erde vor einem steigenden Meeresspiegel gerettet würde..., durch die wieder eingesetzten Schaffner, Blumen, Geigenspieler, Clowns und Schiefertafeln – auch wenn es DADURCH zum plötzlichen Frieden im Nahen Osten käme, in Somalia, in Korea..., wenn plötzlich die Kinder unserer Kinder wieder eine Chance hätten auf ein gutes Leben, der Fortbestand der ganzen Spezies Mensch davon abhinge, so wäre selbst DIESER klitzekleine Schritt in eine andere Richtung TOTAL unmöglich! Alleine der Verdacht, es könnte sich um einen RÜCKSCHRITT handeln, würde eine satte Mehrheit empören. Die Annahme, dass alles, was nicht bolzengerade VORWÄRTS geht, ZURÜCK geht, ist Folge einer eindimensionalen – auf Geld fixierten – Leitkultur, die nicht nur die Schweiz anführt, sondern bald die ganze Welt! In welche der manigfaltigen Katastrophen, die sich bereits am Horizont ankünden, unser Weg in die Zukunft uns oder unsere Nachkommen auch führen mag, das einzig Sichere ist, dass wir uns auf stahlharten Schienen darauf zubewegen. Von STEUERN kann gar nicht die REDE sein! Die Schienen heissen Rationalisierung und Sachzwang. Zusammen entspringen sie dem (un)heimlichen Einverständnis, dass es sich bei uns Menschen um technische Kreaturen handelt, deren Bedürfnis nach Resourcen, Energie, Mobilität oberste Priorität hat. Grössere Stromausfälle ernten heutzutage gleich dicke Schlagzeilen wie Erdbeben oder Epidemien. Menschen OHNE Stromversorgung gelten als hilfsbedürftig, egal in welcher Klimazone sie “vegetieren”, oder ob sie genug zu Essen haben. Hauptsache sie haben Mikrowelle. Diesem stillen Einverständnis in den Menschen als technisches

Wesen, folgt Einverständnis in Rationalisierung in jedem Sektor, ausser es betrifft den eigenen. Roboter finden mehr Zuwendung als Menschen, versprechen sie doch Präzision und Neutralität, die kein Mensch so bieten kann. Der Fahrkartenautomat behandelt jede Person in stoischem Gleichmut. Man erntet keinen blöden Blick, wenn man ein Pflaster auf der Nase hat, frau fühlt sich nicht verunsichert, weil der Billeteur ihre Frisur mustert, während sie das Portemonnaie sucht. In Ruhe gelassen zu werden von jeder Form menschlicher Inspektion wird zur Voraussetzung eigenen Wohlgefühls. Abschliessbare Einzelkabinen in Zügen dürften bald in Erwägung gezogen werden, mit Highspeed Internet natürlich und Kaffeautomat. Menschen bei der Arbeit zu sehen ist schwer geworden. Kinder haben keine Chance mehr, Handwerkern bei der Entstehung von Gütern zuzuschauen, dies ALLEINE ein herber Verlust! Nicht mehr Teil des Stolzes - nur noch ein Job - verbirgt Arbeit sich zunehmend hinter einer Scham, dass man dieser überhaupt nachzugehen hat. Gefüttert durch Medien, die den Alltag am Pool sitzender Promis portraitieren, fühlt sich jeder als Versager, der mit 30 noch arbeiten muss. (Wer mit 30 noch nicht MILLIARDÄR ist, hat kaum eine Chance: O-Ton eines jungen, erfolgreichen Internetunternehmers im Jahre 1999...) Um die Scham wegzugrinsen, noch arbeiten zu MÜSSEN, behandelt man beim Einkaufen Verkaufspersonal mit blankem Zynismus und weint ihne keine Träne nach, wenn sie demnächst durch RDF-Chips (drahtlos ablesbare Preisschilder) wegrationalisiert werden. Moralisch sind wir vorkonditioniert für Shoppingcenter, wo man wie im Schlaraffenland alles aus dem Regal nehmen und wortlos mitnehmen kann, da am Ausgang alles automatisch von unserem Konto abgebucht wird. Wir sind keineswegs beunruhigt, wenn unsere Welt jeden Tag anonymer wird und der MENSCH ersetzt wird durch Technologie, Hauptsache alles geht SCHNELLER! Als Ausgleich zu diesem Stress wird alles Äussere vernachlässigbarer für unsere individuelle, samtausgeschlagene Welt im Innern. (Wozu durchaus auch unser Heer an Facebookfreunden zählt...) Die Stadt der Zukunft droht eine Versammlung gegenüber den Anderen rätselhafter Individuen zu werden, die ungeachtet ihrer diskret im

Beruf ausgeübten Spezialisierungen, sich alleine durch zur Schau getragene Statussymbole unterscheiden. Dass man als Passagier eines Stadtbusses zur Verliererseite gehört, ist man sich insgeheim längst einig. Und dass man Verlierern nur per Roboter Tickets verkaufen SOLLTE, als auch ihnen keinen Kaffee oder gar Kuchen anbieten sollte, oder sie gar mit Geigenmusik bei Laune halten sollte, dass all das nicht sein DARF, entspricht der zynischen Logik unseres frisch polierten Klassendenkens. Dem “einfachen” Angestellten wäre es wohl PEINLICH, im öffentlichen Verkehr einen Strauss Blumen vor der Nase zu haben. Ihm (IHR vielleicht weniger) käme der leise Verdacht, dass hier Fahrgeld zweckentfremdet wird. Diese Bedenken kommen aber kaum, wenn perfekt funktionierende Züge, Busse, Strassenbahnen, gegen NOCH perfektere, noch futuristischere ausgetauscht werden, die aussehen wie Raumschiffe auf Schienen. Sachzwänge haben einen durch die Moderne theoretisch entstehenden Zwang zur Menschlichkeit längst das Wasser abgegraben. Im Zweifelsfall hat der moderne, aufgeklärte, weltoffene Bürger lieber mit einem Roboter zu tun, als mit einem in seiner Anonymität belanglos gewordenen Menschen. (Leute stehen lieber Schlange vor Parkhausautomaten, als beim direkt daneben liegenden Parkhauswäterhäuschen zu zahlen, wo ein MENSCH sich hinter einer Kasse zu Tode langweilt...)

48.Kapitel Hilfe zur Selbsthilfe? Lasst mich MIR SELBST helfen! Was zu dieser Entwicklung beiträgt, ist das soziale Hilfsnetz, das in institutionalisierter Form vom Staat errichtet wurde. Die Maschen sind verschieden eng, je nach Land, aber zumindest in Europa lindert es die Chance, in totale Armut zu sinken, betteln zu müssen oder gar zu verhungern. Das ist IN SICH eine edle Geste der Moderne. Sie verführt aber auch zu sozialer Kälte auf zwischenmenschlicher Ebene. Sie bieten einen Fluchtweg aus dem Gefühl, helfen zu müssen!

Das Risiko, dass Sozialhilfe an die “Falschen” gezahlt wird, ist umso grösser, je anonymer die Instititution ist, die die Hilfe bietet. Der Bettler tritt durch sein Auftreten quasi den Armutsbeweis an. Er, bzw. sie, haben sich ihre Almosen “redlich verdient”, alleine schon durch ihre Bereitschaft, betteln zu gehen.... und, weil sie den Mitmenschen die Chance geben, etwas Gutes zu tun. Dies vor Anderen zu tun, verleiht dem Spender soziales Prestige! Wer SICHTBAR gut sein kann, ist dies eher, als wenn niemand davon erfährt. Wo nicht mehr gebettelt wird, hat es der Gönner schwer. Und wo nicht mehr gebettelt werden DARF, fehlt ein weiterer dünner Faden in unserem sozialen Gewebe. Er hat seit Ewigkeiten Überfluss und Mangel verknüpft, auf eine einzig menschliche Art. Bettler haben MICH selten gestört. Sie haben Zeit, wer hat dies schon? Man kann mit ihnen diskutieren und lachen. Und hie und da hat man einen Job für sie, weil man ein paar Hände braucht für den Umzug, oder um das schwere Paket zu bewachen, das man beim Einkaufsbummel nicht mit sich rumtragen will. Bettler sind Aussenposten der Menschlichkeit. In einer Zeit des Raubtierkapitalismus wirken sie schon fast SERIÖS! Auch wenn sie keine Vorbilder unserer Gesellschaft sind, so sind sie doch gute Abbilder! Und gute Philosophen und Psychologen. Wer eine Gesellschaft durchschauen will, betrachte sie am Besten aus der Schuhperspektive. Wer sich zu Bettlern setzt, erfährt den wahren Menschen! Soziale Institutionen haben diese Möglichkeiten gedämpft... Nicht dass sie den Bettler in die Gesellschaft integriert haben, eher indem sie ihn desintegrieren! Das eigentliche Netz, lange vor der offenen Bettelei, ist ja der Clan, der Kreis aus Freunden und Bekannten, die Nachbarn. Also nicht die öffentliche, sondern die PERSÖNLICHE Hand, die milde Gabe aus dem engen Kreis, der zugesteckte Hunderter, das Gespräch unter vier Augen. Die Ermutigung, um vor dem Abgleiten in Armut zu bewahren, die oft FOLGE der Vereinsamung ist, nicht deren Ursache. Wir sind von Geburt an soziale Wesen. Wenn wir nur für UNS SELBST sorgen sollen, fehlt

Manchen das Motiv. Auch wenn unsere Zeit versucht, diesen Schluss zu entkräften, beweist die Geschichte, dass der Mensch erst ganz Mensch ist, wenn er für Andere existiert. So hat das soziale Netz, das man mit anonymen Steuergeldern mitzufinanzieren HAT, einerseits zu einem höheren Lebensstandart der sozial GEschwächTEN geführt – was auch die Wirtschaft freut – aber andererseits auch soziale Kälte salonfähig macht. Ist der Fall noch so akut, EINES wissen wir: Eine spezialisierte “Armee” von Sozialarbeitern ist Tag und Nacht unterwegs, Opfer der Moderne in die Moderne zu retten. KEINER ist von MIR abhängig..., ist eine klare Beruhigung des sozialen Gewissens (des modernen Wohlstandsbürgers). Das Motto “Hilfe zur Selbsthilfe” in weniger hoffnungslosen Fällen, ist sicher ein gutes Motto. Eine Ausbildung hilft oft, sich selber in die Gesellschaft zu integrieren. Aber es gibt zahllose Fälle, die dies gar nicht anstreben! Wegen dem müssen sie nicht hoffnungslose Fälle sein, die nur durch Hilfe von Aussen überleben. Es sind Menschen, die ihre eigenen Vorstellungen haben, was Leben und Arbeit heisst, und was sie daran hindert sind die rigiden Normen: von Montag bis Freitag, von Acht bis Fünf arbeiten zu müssen! Lieber weniger arbeiten, weniger verdienen, weniger ausgeben, aber mehr LEBEN, scheint ein Wunsch zu sein, der doch eigentlich erfüllt werden (können) sollte, OHNE Millionen auf der Bank zu haben und ist doch nicht verwerflich! Folgen wir etwa dem Diktat der Wirtschaft, uns voll und ganz ihr zu WIDMEN? Um dann gut entlöhnt das Geld in die Wirtschaft zu “reinvestieren”? Also Konsumzwang via Arbeitszwang? Dies sind vielleicht naive Fragen. Erstens, da sie so offensichtlich bejaht werden müssen, sobald man nur die Brille geputzt hat. Zweitens, weil durch den Immobilienboom der letzten Jahre und die Explosion der Mieten, alleine diese Miete einen so grossen Faktor darstellt, dass zum LEBEN nicht viel übrigbleibt, wenn man (und speziell frau) nicht täglich am Rackern ist, am Funktionieren. Indirekt hat diese Entwicklung (explodierende Immobilienpreise)

natürlich auch die Handelspreise erhöht, aber nicht so stark, weil der Handel sich auf die grüne Wiese verlagert hat. Aber verbunden mit wiederum dem Effekt, dass ein Auto zu haben quasi Bürgerpflicht wurde, was indirekt die “grüne Wiese” verteuert. In diesem Teufelskreis sich mehr Lebenszeit zu ermöglichen, ohne zum Sozialfall zu werden, gelingt nur Wenigen. Man nennt sie Lebenskünstler und begegnet ihnen mit einer Mischung aus Respekt und Verachtung. Viele unter diesen Wenigen sind Künstler. Dies anzuerkennen ist man unfähig, weil die Kompetenz für Kunst von der eigenen Bauchgegend abgetreten wurde, an Kunstinstitutionen, die einen kleinen Kreis von Stars fördert und den grossen Rest ignoriert. Der Typ Lebenskünstler wird dadurch am Boden gehalten und zum Asphaltmaler degradiert, unter denen es aber bemerkenswerte Genies gibt, in deren Hut sich nicht nur Münzen sammeln. Ich kenne einen, der wie ein freier, pfeifender Vogel die schönsten Städte Europas am Boden malend verziert. Da er dazu aber noch einen schottischen Geschäftssinn hat und eine Box mit Postkarten neben sich stehen hat, gerät er immer wieder in Schwierigkeiten, weil er mit dem Verkauf von selbst gemachten Postkarten für ein Euro pro Stück bereits gegen Gewerbepolizeiliche Verordungen verstösst. Er muss immer wieder mal eine Busse zahlen. So schnell, so einfach übertritt man die Gesetze der “freien Marktwirtschaft”... In dieser und ähnlicher Weise kamen Lebenskünstler einstmals über die Runden, als man noch Wohnungen für unter 1000 Euro fand, die Gewerbepolizei noch nicht Büttel der Ladenketten war, die jede Innenstadt auf individuelle Versuche, selbstständig zu sein, abklopfte. Ich schwele in Nostalgie... Ich erinnere mich an Helmut Biel, der auf der Strasse so reissenden Absatz für seine Ölbilder fand, dass er sich ein Haus BAUEN LASSEN konnte, mit allem drum und dran, inklusive Wintergarten, auf einem Hügel mitten in Deutschland. (Von ihm weiss ich, dass dunkle Bilder sich teurer verkaufen lassen, als helle...) Er war der Prototyp des erfolgreichen Lebenskünstlers. Er wurde nach

seinem Output beurteilt und nicht dumpf verachtet, weil er nicht in Reih und Glied jeden morgen vor dem Fabriktor stand. Damals, als es in Europa noch Fabriken gab... Damals, als es noch nicht so schmerzte, UNTEN zu sein, da wir das fast Alle waren. Damals, als man noch arbeitete um zu leben und nicht lebte, um Karriere zu machen. Damals, als man noch froh war, überhaupt am Leben zu sein unter der Bedrohung der Atombomben beiderseits des eisernen Vorhangs. Lebt man gar BESSER unter existentieller Bedrohung, als abgesichert von Institutionen? Die einen mit sanfter, wohlwollender Güte immer wieder zurückstossen in die Normen, die sich gebildet haben? Ich weiss es nicht. Laut neuesten Statistiken sind die Dänen und Schweizer die glücklichsten Völker der Erde. Und zwar je älter sie sind, je glücklicher! Ich will dieses Glück nicht relativieren, aber doch vermuten, dass man sich gerade in solch undurchschaubaren Zeiten glücklich schätzt, gleichzeitig alt und relativ vermögend zu sein. (Dass der Prototyp des glücklichen Menschen ein pensionierter Däne oder Schweizer ist, hilft leider kaum weiter auf der Suche nach einer erstrebenswerten Zukunft. Ebenso wie ein Rolls Royce vielleicht das BESTE Auto der Welt ist, aber kaum das Vorbild von Mobilität.) Um was es in der Integration von Randgruppen geht, ist in etwa dieser Reihenfolge: A) das ZULASSEN sich SELBST zu helfen. B) die Hilfe zur Selbsthilfe. C) die Hilfe in der Not. Aus bereits angedeuteten Gründen ist die Version A die, die am herausfordernsten ist, da hier primär etwas zugelassen werden soll, das einzig dem Individuum selbst nützt, inkl. seiner Kleinfamilie (was aber nicht zählt...), jedoch NICHT der “Gesellschaft” AN SICH, ausser dass vielleicht – in Form von Kunst – die Tätigkeit sinnstiftend ist. Was aber auch nicht zählt... Das einzige was zählt, so befürchte ich, ist, was zählbar ist!

Darunter fällt Kunst also sicher nicht. Und alleine der VERDACHT, dass hier Künstler Geld verdienen können, OHNE Steuern zu zahlen, lässt jegliches kommerzielles Interesse eines Lebenskünstlers als potentielle Gaunerei erscheinen. Nicht zuletzt darum, entscheidet sich der Staat zunehmend gegen jegliche Strassenkunst, neue Märkte, illegale Parties, unkontrollierte Bars und Restaurants im Privaten. Das ZULASSEN, sich SELBST zu helfen, kollidiert mit dem Anspruch der Bürokratie, über alle geschäflichen “Zuckungen” jedes Einzelnen informiert zu sein. Es wird lieber via Behörde GEHOLFEN – mit Steuergeldern – als dass man sich selbst helfen darf. Eine Frechheit! Auch dem Steuerzahler gegenüber, der sich diesen Zusammenhängen kaum bewusst ist... Systembedingt, oder der Psychologie der Masse entsprechend, wird das ZULASSEN von Selbsthilfe auch von der Bevölkerung nicht nur mit Wohlwollen bedacht. Sie erfährt immer wieder von spektakulären Steuerhinterziehungen und glaubt daher oft, wenigstens im Kleinen auf der Hut sein zu müssen, im Interesse des Ganzen. Wer in einem Grosskonzern seine Brötchen verdient, will diese auch in einer Grossbäckerei kaufen. Nicht bei der “arbeitslosen” Nachbarin, die eigentlich viel besseres Brot bäckt, das kaum mehr kostet. So scheisst der Teufel immer auf denselben Haufen, wie mein Vater zu sagen pflegte. Und so ist auch der Erzfeind des Lebenskünstlers nicht die Gewerbepolizei, sondern der schwerhörige Rentner, der keine Strassenmusik vor seinem Haus duldet. Im Kommunismus herrschte Gesinnungsschnüffelei, der Kapitalismus fördert Gewerbeschnüffelei. War es dort und damals verboten, bestimmte Dinge zu SAGEN, ist es hier und jetzt verboten, gewisse Dinge zu VERKAUFEN. Zumindest das WIE es verkauft wird, wird mit Argusaugen überwacht. Eine Gewerbestasi durchforstet neuerdings auch das Internet nach klammheimlichen Gewinnern, die es zur Kasse zu bitten gilt. Wer sich selbst einen klitzekleinen Brosamen am wirtschaftlichen Kuchen wegpicken will, stösst schnell auf Widerstand. Nur wer “ordentlich”, also mit erdrückenden Bankkrediten und Mieten, die tausendste

Franchisingfiliale für Salzbrezel aufmacht, hilft sich systemkonform. Als Geschäftsmodell für angehende Lebenskünstler ist dies kaum geeignet, was die breite Masse mit einem Schulterzucken quittiert. Solche Regeln interessiert diese wohl weniger, als die Sorge um Meinungsfreiheit die Einwohner der damaligen DDR interessiert hat. Die “natürlich” AUCH die Gewerbefreiheit des Einzelnen so strikt eingeschränkt hat, dass von Freiheit nicht geredet werden kann. Trotzdem – oder GERADE unter diesen Verhältnissen – blühte Meinungs- und Gewerbefreiheit im Privaten. Die wahre Solidarität der Mehrheit war nicht die gegenüber dem totalitären Staat, sondern untereinander. Aufrechterhalten durch die Offensichtlichkeit, mit der das Individuum gegängelt wurde, entstand im Innern ein Zusammenhalt, der als Vorbild aber trotzdem kaum dienen kann, weil die “schöne neue Welt” uns heute auf ganz andere Weise gängelt. Scheinbar um unser eigenes Wohl bemüht, werden wir alle in das Kaufhaus des Westens getrieben. Und sonst nichts! Nichts!

49. Kapitel Spiel mir das Lied vom Leben! Parallelen mit der Entwicklungshilfe sind kein Zufall. Auch sie dient Wirtschaftsinteressen. Via seine Einsicht, IRGENDWIE sozial handeln zu müssen, wird der Steuerzahler zu einer schwer sichtbaren Quersubventionierung der Wirtschaft gezwungen. Ein gutes Beispiel ist der Staat der Solomonen. Reich an Resourcen wie Gold, Silber, Nickel, Holz und Fisch, leidet dieser Inselstaat an bitterer Armut. Aus diesen Gründen wimmelt es nur so von Entwicklungshelfern. Die Gründe sind aber NICHT die bittere Armut, sondern die Resourcen. Läppische 10% vom geförderten Goldwert bleiben im Land hängen, die HÄLFTE davon im Gouvernement. 50 Australische Dollar kommen für jede TONNE Fisch ins Land, etwa 70 US Dollar für jeden Kubikmeter Tropenholz, der in China zu Bodenbelägen verarbeitet wird, der in der Schweiz die Villen von stolzen Davosern

ausstaffiert. Das übliche Übel also. Weltwirtschaft zum Wohl Einzelner. In den Solomonen wird derweil den Einwohnern das Allernötigste finanziert, aber kein Cent mehr. Resultat ist ein Volk von Bettlern, die auf gerodeten Goldbergen wohnen. Ein angenehmer Kontrast ist Vanuatu, ein Inselstaat gleich daneben, aber ohne die geringsten Resourcen. DAHER kaum Entwicklungshelfer. Armut, aber keine bittere... Alleine gelassen und DADURCH clever geblieben im sich selbst Helfen, lebt hier das glücklichste Volk der Erde von Fischfang, Süsskartoffeln und unverseuchtem Quellwasser. DASS es das glücklichste Volk der Erde ist, ergab die weltweite Studie einer Englischen Universität im Jahre 2006. O-Ton einer grossen Schweizer Tageszeitung zu dieser Studie: “Die glücklichsten Menschen der Erde gibt es da, wo man sie am Wenigsten vermutet, auf Inseln in der Südsee....” (Als ob irgendjemand DAS wundern würde!) Da das aber nicht sein DURFTE, ergaben zwei weitere zwischenzeitlich gemachte Studien (ich glaube es war diesmal eine Uni in Frankreich), dass die Glücklichsten, wie gesagt - wie sich gehört - in der Schweiz leben, Dänemark etc. Man will JA keine Zweifel aufkommen lassen an der Richtigkeit des Fortschritts, der gerade in diesen zwei hübschen Kleinstaaten wirklich fortgeschritten ist! So weit, dass er kaum mehr logisch begründbar erscheint... Wer einen Doktor in Zynismus machen will, wird am besten Mediziner. Medizin ist nicht mein Gebiet, dafür ist mein Freund M. zuständig, der mich auf dem Laufenden und bei Laune hält. Dass Bevölkerungsexplosion auch eine Folge der Medizin ist, nun ja, für das braucht man nicht zu studieren. Den Fortschritt der Medizin GLOBAL als GUT anzuerkennen..., setzt kaum weniger Zynismus voraus, als ihn verkehrt zu finden. In diesem Dilemma lebt zwar nicht der einzelne Arzt, aber DIE Medizin vielleicht. Mein alter Freund Dr. M. ist im Knochenbusiness, und das ist in der Schweiz ein gutes Gebiet, vor allem im Winter, nach Weihnachten.

Die “besten” Sportunfälle passieren, weil sich Menschen entweder kaum bewegen und Paraplegikern gleich jede noch so kleine Distanz auf Rädern gerollt sein wollen... ODER (Modus B), sie bewegen sich plötzlich, wie wenn sie einen frisierten Rasenmähermotor im Hintern montiert haben. Kaum mit neuem Sportgerät ausgerüstet, rastet jegliche Logik aus und das verrostete Skelett reisst... Herrlich! M. hat eine Motoryacht, fliegt oft zu Golfturnieren und hält sich das Jahr durch am OP Tisch fit. Er schraubt neue Hüftgelenke in Greise, damit diese bald wieder joggen können und ihre Tage nicht zwischen Zeitungslesen und Baukränen zuschauen verbringen müssen. Binär gepolt, geht der moderne Mensch entweder überhaupt nicht, oder er hetzt. Reines, gemütliches GEHEN kommt beim Mitteleuropäer praktisch nicht mehr vor, ausser wenn sein Hund müde ist. Die letzten sozial schwachen Kinder, die noch nicht von ihrer Mutter im Porsche Cayenne zur Schule chauffiert werden, müssen rennen um dann rechtzeitig zu Scheintod gelangweilt dazusitzen, weil der halbe Lehrstoff Schnee von Gestern ist. Der unter dem Mikroskop auf Restspuren Logik, oder gar Relevanz fürs Leben untersucht sein will. In den Pausen ein paar Schlägereien und verwandte Leibesübungen, versinkt das Skelett schnell wieder in Totenstarre, um das Geburtsjahr Nepukadnezars zu erfahren, oder das Verhältnis zwischen X Quadrat und Y Quadrat. Nicht mal in der Nase darf gebohrt werden! Draussen vor dem Klassenfenster jagen sich derweil quietschende Jaguare gegenseitig die Vorfahrt vor der Nase weg, was von wesentlich grösserer Bedeutung ist! Schon in der Schule werden wir auf zwei Bewegungsformen konditioniert. Stillstand oder Wettlauf. Auch dies eine Folge der Eindimensionalität, die schleichend immer mehr Gebiete umfasst. Die Technik verhilft uns dazu. Eine Lampe ist an, oder aus. Ein Mensch lebt oder ist tot. Am Ende des Lebens werden wir zum Daseinsgrund lebenserhaltender Maschinen und beenden es dank diesen ein paar Tage später als geplant, meist als gerade werdende Sinuskurve auf einem Flachbildschirm. Unsere

letzten Äusserungen sind digital. Sobald man tot ist, wird von On auf Off gekippt. Die Vermutung, dass es Kinder braucht, statt Ärtzte, habe ich ausnahmsweise in dem Gebiet NICHT! Ich bin ein träumender Realist, kein Spinner! Aber ich träume... Und ich träume, wie es sein muss, angebunden ans Bett dazuliegen und auf das Ende zu warten. Was gibt es da noch zu tun? Was hilft uns, Sinn zu finden, spätestens kurz vor Schluss? Egal wie nüchtern man gelebt hat, unwichtig, wie viel man gerackert hat, hängt unsichtbar ein feines Fragezeichen über unseren Köpfen: War das Leben lebenswert? Oder so ähnlich. Die moderne Medizin gibt Wenig her, ebenso moderner Zynismus. Die Bibel, der Koran mag Antworten liefern, aber es sind nicht unsere Antworten, sondern überlieferte Formeln des Glücks. Worte. Buchstaben. Uralte Symbole. Manchen helfen sie, manchen nicht. So wie Bettler Aussenposten der Menschheit sind, sind Alte dies auch, wenn auch in einer anderen Dimension. Und ebenso wie der Überfluss einen kleinen Kanal offen halten sollte zum Mangel hin, braucht es den Verbindungskanal vom Überfluss an Lebensenergie, -freude, -zeit, hin zum Mangel an noch verbleibender Zeit. Die beste Medizin für Alte sind Kinder, das Lachen des frischen Lebens. WO und WIE gräbt sich dieser Kanal durch so getrennten Welten? Kinder können keine Ärzte ersetzen, nur Botschafter des Lebens sein. Und das in so starkem Masse, dass Ärzte vielleicht etwas mehr Zeit bekämen... Wenn Lachen die beste Medizin ist, dann sind Kinder die besten Pharmaproduzenten der Zukunft! Ich vermute... Ich vermute – da ich selber so gesund bin, dass ich seit Ewigkeiten kein Spitalzimmer mehr aus der Bettenperspektive gesehen habe – ich VERMUTE also bloss, dass sie weiterhin weiss und sauber sind, die Betten, die Wände, die Decke, und dass

ordentlich in der Mitte der Wand ein Bild hängt von beispielsweise dem Gotthardmassiv, den Alpen, einem See oder so. Ein Foto. Vielleicht sogar schwarzweiss, weil man in den letzten 7 Zimmerrenovationen nie auf die Idee kam, das auszutauschen. Vielleicht ist es auch ein vergilbter Clown hinter Glas oder Sonnenblumen, die vor hundertfünfzig Jahren von Van Gogh gemalt wurden. (Schön wärs...!) Etwa so stelle ich mir den Hauptfokuspunkt in einem Europäischen Krankenzimmer vor, abgesehen vom unausweichlichen TV. Der Rest – wie auf einem Biobauernhof – effizient, abwaschbar, artgerecht. Kurz, ein Graus für jedes Kind! Arm, wer hier zu Besuch kommen muss. Für den klinischen Geruch kann die Klinik wahrscheinlich nichts, aber für den FabrikLOOK. Sicher renne ich hier offene OPTüren ein, wenn ich ein BETONT menschliches, also künstlerisch verspieltes Environment für Kranke, Alte, aber auch ihre Besucher, durchaus begrüssenswert fände! Ich bin mir todsicher, dass alleine schon ein menschlicherer LOOK zu schnellerer Genesung und einem längeren Leben führt! Und für den LOOK..., verweise ich mal wieder gerne auf das “arbeitslose” Heer an Kindern. In weissen Kitteln sollten sie malend und gipsend durch die Labyrinthe moderner Kliniken schleichen und “Spiel mir das Lied vom Leben” summen. Es gibt viel zu tun! Eine Chance nicht bloss für Hersteller der besten Biofarben, nein, auch DIE Chance, einen kleinen Kanal zwischen Alt und Jung, Krank und Gesund zu eröffnen. Eine Chance auch, dass sich schon früh ein Kunstverständnis bilden kann, in unserer von Kunst kaum tangierten Medizin. Und dass Kunst uns durch das GANZE Leben begleitet! Eine Chance für eine Medizin, die Ästhetik einschliesst, nicht nur ihre nackte Funktion! Eine RIESENCHANCE, die einzig auf der Grundlage kindlicher Naivität nicht Gefahr läuft, institutionalisiert zu werden, Projektionsfläche verkappten Sponsorentums zu werden -

und wie die ganzen Tricks noch heissen, der KUNST die Luft aus den Schwingen zu nehmen. Sage mir WO du bist, und ich sage dir, WER du bist! Von der Schaltzentrale eines AKWs erwarte ich keine beruhigende Symbolik, aber von einem Spital, dass es nicht wie ein AKW aussieht, mit Menschen statt Brennstäben, die langsam abklingen! Erwarte ich zuviel?

Nachwort Dieses Essay ist der Versuch, zusammenhängend zu schildern, wo wir – primär Europa – sind. Eine Art Lagebestimmung in mehreren Dimensionen. Geradlinigkeit im Denken fällt oft etwas flach, wenn man vernetzt denkt! Wie es auf einer Kugel keinen LOGISCHEN Weg gibt. Nicht mal einen geraden Wege, es sei denn man bohrt in die Mitte rein. Aber dann wird es bloss dunkel und man SIEHT nichts mehr! Ohne Geheimnisse sieht jede Kultur so nackt aus, wie ein Mensch ohne Kleider. Diese Vermutung hege ich schon länger. Ereignisse der letzten Monate (Wikileaks) bestätigen mich. Die relative Stärke Chinas ist wohl auch damit zu begründen, dass man sich nicht SO weit geöffnet hat, dass der “Kaiser” nackt ist... Ihre Sprache, ihre Schrift, ihre Kultur, geben diesem Land Kräfte, die dem Westen unheimlich sind. China verfügt über genügend Arbeitskräfte, um die Europas, US Amerikas, Australiens und Japans zu “ersetzen” UND im eigenen Land weiter zu machen wie gehabt... Dies eine kürzlich veröffentliche Nachricht. Ob sie stimmt, kann ich natürlich nicht wissen.

Wo Geheimnisse sind, blühen Vermutungen. Und wo zuviel Geheimnisse sind, wird verdächtigt. Im übertragenen Sinn sieht man das bei Menschen, die verschleiert in der Öffentlichkeit auftreten. Was machen wir uns “in die Hosen” wegen ihnen... Zu Recht? Zu Unrecht? Nicht mal DAS können wir wissen! Ja, wir können im Einzelfall nicht mal wissen, ob es sich um Frauen oder Männer handelt, und alleine DAS verunsichert den Europäer ungemein. Das EINZIGE was sichtbar ist, ist dieser Jedem ins Gesicht gehaltene GLAUBE. Ist es vielleicht besser, Glauben als das letzte grosse Geheimniss zu bewahren, das Jeder vor fremden Blicken hüten möge, so gut es geht? Jede Kultur sollte Geheimnisse haben, um stark zu sein, jede Famile, um sich als Einheit zu fühlen, jeder Mensch, um seine innere Freiheit zu bewahren. Auch Religionen täte gut, ihre angenommenen Wahrheiten wieder aus den hell erleuchteten Vitrinen zu holen und dorthin zu versorgen, wo sie mal herkamen. In die Herzen. Eine der grössten Zukunftsfragen wird immer mehr: Wie erreichen wir eine Balance zwischen totaler Offenheit und totaler Obskurität? Auf persönlicher Ebene, auf kultureller Ebene, auf Staatsebene. Das Internet, speziell Facebook und Co., verändert die Bedingungen in Lichtgeschwindigkeit. Wer daran teilnimmt, riskiert zum gläsernen Menschen zu werden. Wer nicht daran teilnimmt, zum schwarzen Fleck, unsichtbar, obskur... Gibt es einen dritten Weg? In meinem Essay habe ich VERSUCHT, zumindest ein paar Punkte zu kennzeichnen, wo dieser Weg beginnen könnte. Oft kam ich mir vor, wie wenn ich am Rand einer Autobahn ein Schild an einen Baum nageln würde, mit dem Hinweis, dass in einem Kilometer ein Feldweg abbiegt, in Richtung Menschlichkeit. Für nichts weiter möge dieses Essay geworben haben: Für die Rückbesinnung auf Menschlichkeit in ihren schillernden Facetten! Viele sind entlang dieser Autobahn auch am Schilder anbringen. Die Richtung in die sie weisen, scheint mir in Etwa dieselbe zu sein. Süden! Menschliche Wärme, statt eiskalter Technik – ohne Sinn. MIT

Sinn kann Technik WUNDERBAR sein! COOL! MENSCHLICH! Nur der PROFIT strebt immer nach Norden. Ich habe dieses Essay als Arbeiter geschrieben, als Kanalarbeiter. Es ging mir um Verbindungen zwischen Teilaspekten der Wirklichkeit. Ich glaube nicht, dass ich Berge versetzt habe und die Logik auf den Kopf stellen musste, um den Lauf der zu grabenden Kanäle zu bestimmen. Vielmehr bin ich den Senken gefolgt, um Gewässer zu verbinden. Sehr tiefschürfend konnte ich nicht sein, da sind Andere besser! Als Mitte des 19. Jahrhunderts der Suezkanal gebaut wurde, war man sich zuerst nicht sicher, in welche Richtung das Wasser fliessen wird, da man die Meeresspiegelhöhe der beiden Meere noch nicht genau messen konnte. Dieses Risiko bin auch ich eingegangen. Was in von mir vermuteten Zusammenhängen der Ursprung ist, und was die Auswirkung, ist mir oft unklar. Zu mutmassen, heisst aber zu WAGEN! So möge der eine oder andere von mir in diesem Essay gegrabene Verbindungskanal munter weiter sprudeln und sich tiefer eingraben. Andere Kanäle mögen stagnierende, seichte Gewässer sein, voller Binsen(wahrheiten). Wieder andere, Wasser über die falschen Mühlen tragen, die extrem links und rechts meiner Gedankenströme lauern. Ich glaube aber nicht, dass von ihnen ECHTE Gefahr ausgeht, da sie in ihrer äusseren Form als Extreme (Parteien, Ideologien) längst erkannt und daher gebannt sind. Die viel grössere Gefahr liegt im Übersehen des Extremismus, der getarnt im Mainstream fliesst! Ihn zu enttarnen und ihm Wasser abzugraben, kann zu einem Sturzbach neuer Erkenntnisse und Produkte führen. Ich hoffe es! Quelle meiner Zuversicht ist DIE Jugend. Sie speist einen grossen See an unsichtbaren Möglichkeiten, die wohl nur sie unverfälscht an Land ziehen könnte. Natürlich sind sie aber auch auf die Hilfe der vereinigten “Erwachsenenschaft” angewiesen, ihnen dafür Raum und Resourcen zu überlassen – und mögen sich daher ziehmen...! In meiner symbolischen Sichtweise - die mir meine Kindheit, als auch

meine eigenen Kinder erleichtert haben - sehe ich im “See der Jugend” eine Insel. Ihr zunächst liquides, in alle Richtungen tauchendes, delfinisch planschendes Denken, betritt hier das erste Mal den harten Boden der Wirklichkeit, auch Schule genannt. Leicht isoliert vom Land der Erwachsenen, besteht an der Schule die Möglichkeit, die Konventionen der Kultur zu lernen. Es wird versucht, die Kultur als gemeinsames Gut zu erklären, als RICHTIG. Jeder ist dem anderen ebenbürtig. Diesem Bedürfnis nach kultureller Einheit widerspricht latent das Ausleseprinzip moderner Schulen. Vielleicht nicht nur mir kommt es vor, als ob hier Einheit erzwungen wird, um dann entlang anderer Koordinaten wieder zu teilen. Hamburg, meine zweite Heimat, geht da gerade mit schlechtem Beispiel voraus. Die Idee der Gesamtschule hat Schiffbruch erlitten. Sie liegt wie ein Wrack am Ufer der Elbe und rollt in den Wellen... Wie kann man sich als Jugendlicher identifizieren? Solide, robust, selbstsicher werden? Wie, wenn nicht durch das Einbringen dürfen seiner eigenen Originalität? Die zuckt doch in JEDEM Kind! Wir müssen achtsam sein, dass ihre Einzigartigkeit nicht in lebenslangen Tiefschlaf fällt. Ein auf Höchstleistung in nur wenigen Fächern basierendes Schulsystem ist der falsche Weg! Breitet den Fächer an Möglichkeiten voll und ganz vor der Jugend aus, liebe Lehrer/innen! Es sind mehr denn JE! Eine Schule der Zukunft gibt es offiziell vielleicht noch nicht, sollte es aber unbedingt geben! Wo Zukunft antizipiert und hinterfragt wird. Wo Modelle entstehen, angetestet und wieder verworfen. Oder in Serie produziert, wenn zukunftskompatibel. Nur in einer Vielfalt an Möglichkeiten findet man die Richtigen! Die Freude am experimentieren sollte nicht nur im wissenschaftlichen Bereich gefördert werden, sondern auch in unserem Lebensstil. Zu gut Deutsch, die Schule der Zukunft braucht mehr Isolation nach Aussen, um im Innern wachsen und blühen zu können. Sie DARF die Erwartungshaltung der Wirtschaft auf “gute” Schulabgänger dämpfen,

WENN sie mit sinnvollen Alternativen aufwarten kann! Die Konkurenz der Wirtschaft sollte nicht nur innerhalb der Wirtschaft stattfinden dürfen, sondern auch zwischen den Lebenskonzepten der Generationen. Zukunft gehört von der Jugend gestaltet, mehr denn je! Was Kirchen früher waren, was Banken heute sind, werden Schulen morgen sein: Das logische Zentrum der Gemeinschaft. Aber eben...: Wo die Lehrer und Lehrerinnen sind, die einen eher radikalen Paradigmenwechsel der Schule mittragen können und WOLLEN, kann ich nur vermuten. Sie gehen wohlgesinnt auf Tauchurlaub, vor der Insel der Schule, um Hirnkorallen zu studieren..., kämpfen aber vom ersten Flossenschlag an mit Schwärmen beamteter Tintenfische, die fortlaufend Lehrpläne ablaichen, die dem Wohl des Witschaftskraken dienen. Sobald die Ambitionsreserven der Lehrer für eine bessere Welt weitgehend aufgebraucht sind..., lässt man sie Luft schnappend, Schwämme werfend und unter höllischen Quallen in fixfertige Schulen auftauchen, die von Imobilienhaien gebaut wurden. Wie Zitteraale müssen sie einen Kubikmeter Kreide Wandtafeln entlang ziehen, bis sie irgendwann pensioniert werden. Mögen sie sich ihrer fundamentalen Macht bewusst werden, wenn sie die Kreide nicht FRESSEN, sondern NUTZEN für eine coole Zukunft! Es brennt sonst in der Zukunft!

Es brennt weiter und weiter...

Es brennt ja schon JETZT!

Die ZUKUNFT? Wir stecken mitten drin...
(Geschrieben zwischen 31.Dezember 2008 und 1.Februar 2011 auf den Solomon Inseln, Vanuatu, Neukaledonien, Neuguinea und Ost Timor, an Bord des Segelschiffes Liberty und mit Solarstrom.

Überarbeitet in der Schweiz und Ost Timor)

Dieses Essay ist bald in Buchform erhältlich!

Copyright: Gerd Fehlbaum 2011 – Copy and Paste erlaubt, aber nur mit Quellangabe. (Gilt auch für zukünftige Politiker!)

„Ich hoffe, ich habe Euch, liebe Leser/innen, auf die eine oder andere Art inspiriert, Dinge anders zu sehen und frische Fragen dahinter zu entdecken, die zu interessanten, klugen Antworten führen werden!“
Etwaige Kommafehler... bitte unbedingt SOFORT melden an: gfehlbaum at yahoo.com

„Es gibt 3 Regeln ein gutes Buch zu schreiben. Leider kennt sie niemand!“ Aldous Huxley

ANHANG (Wird in Buchform noch umfassender)

1. Erklärung, was ein Essay ist (aus Wikipedia): Essay (Plural: Essays), auch: Essai (über französisch essai von mittellateinisch exagium, „Probe“, „Versuch“), ist eine geistreiche Abhandlung, in der wissenschaftliche, kulturelle oder gesellschaftliche Phänomene betrachtet werden. Im Mittelpunkt steht die persönliche Auseinandersetzung des Autors mit seinem jeweiligen Thema. Die Kriterien streng wissenschaftlicher Methodik können dabei vernachlässigt werden. Essays zählen auch zu den journalistischen Darstellungsformen. Ähnliche Textarten, teilweise auch synonym verwendet, sind Causerie, Glosse, Kolumne, Traktat, Aufsatz und der journalistische Kommentar sowie der Leitartikel. Der Übergang zwischen Essay und Aphorismus ist fließend: 'Der Essay ist der große Bruder des Aphorismus'... ….Die essayistische Methode ist eine experimentelle Art, sich dem Gegenstand der Überlegungen zu nähern und ihn aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Das Wichtigste ist jedoch nicht der Gegenstand der Überlegungen, sondern das Entwickeln der Gedanken vor den Augen des Lesers. Viele Essays zeichnen sich aus durch eine gewisse Leichtigkeit, stilistische Ausgefeiltheit, Verständlichkeit und einen nicht zu unterschätzenden Witz. Jeder neue Begriff wird eingeführt und vorgestellt. Handlungen werden chronologisch erzählt und Zitate deutlich gekennzeichnet; meist ist es aber befreit von vielen Zitaten, Fußnoten und Randbemerkungen. Zuweilen ist es auch schlicht eine stilisierte, ästhetisierte Plauderei. Während der Autor einer wissenschaftlichen Analyse gehalten ist, sein Thema systematisch und umfassend darzustellen, wird ein Essay eher dialektisch verfasst: mit Strenge in der Methodik, nicht aber in der Systematik. Essays sind Denkversuche, Deutungen – unbefangen, oft zufällig scheinend. Damit ein Essay überzeugen kann, sollte er im Gedanken scharf, in der Form klar und im Stil geschmeidig sein..... ….In seinem Buch Lebenslauf III deutete Walter Benjamin seine Essays so: „Ihre Aufgabe ist es, den Integrationsprozess der Wissenschaft […] durch eine Analyse des Kunstwerks zu fördern, die in ihm einen integralen, nach keiner Seite gebietsmäßig einzuschränkenden Ausdruck der religiösen, metaphysischen, politischen, wirtschaftlichen Tendenzen einer Epoche erkennt.“....