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Die Bundesrepublik Deutschland im Vergleich mit der Demokratischen Volksrepublik

Nordkoreas hinsichtlich der Gewaltenteilung bzw. -monopolisierung

“Anarchie und Diktatur sind auf ewig zwei Seiten einer Medaille. Nie dauert es lang, bis sich die Medaille
dreht und die andere Seite zum Vorschein kommt, und so weiter, hin und her. Es gibt nur einen Ausweg:
Struktur. Wir kennen sie auch unter dem Namen Demokratie.”, Jaron Lanier1

Gewaltenteilung soll einen Machtmissbrauch durch einzelne Organe verhindern. Dazu ist die
Gesamtgewalt dezentral über verschiedene Machtorgane verteilt. Dies führt zu einer Machtbegrenzung
und soll Sicherheit, Gleichheit und Freiheit sichern.
Die Idee geht zurück auf Montesquieu, der Legislative, Exekutive und Judikative in seinem Werk Vom
Geist der Gesetze aus dem Jahr 1748 unterscheidet.

In der Bundesrepublik Deutschland (BRD) hat man die Gewaltenteilung im unveränderlichen Artikel
20 Absatz 2 GG manifestiert. Die Unveränderlichkeit des Artikels und der Trivialname Verfassung
in Kurzform unterstreichen die besondere Bedeutung in der Verfassung, denn hier werden die
Staatsstrukturprinzipien (Demokratie, Sozialstaat, Republik, Bundesstaat, Rechtsstaat) festgelegt.
Der erste Satz des Absatzes 2 lautet: Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Das Volk wird somit als
souverän verstanden. Die einzelnen Staatsorgane vertreten also das Volk und üben somit repräsentativ
die Staatsgewalt aus.
Der zweite Satz regelt, dass die Bürger das Recht haben, die Mitglieder der Organe durch Wahlen und
Abstimmungen zu ernennen. Man setzt diese Wahlen und Abstimmungen in der BRD ebenfalls teilweise
repräsentativ um: Denn der Bundespräsident und -kanzler, die Mitglieder des Bundesgerichtshofes,
sowie die Bundesminister und damit die Bundesregierung können nicht direkt durch alle Bürger gewählt
werden. Sie werden aber repräsentativ durch die gewählten und damit legitimierten Volksvertreter
bestimmt - ebenfalls durch Wahlen und Abstimmungen.

Diese Gewaltenteilung schien notwendig bei der Ausarbeitung der Verfassung mit den Alliierten, denn die
vollständige Machtkonzentration eines Staates auf eine Person birgt enorme, unabsehbare Risiken, wie
im Zweiten Weltkrieg festgestellt werden musste.
Heutzutage ist deswegen auch von Gewaltenverschränkung zwischen Legislative und Exekutive die
Rede. Die Judikative bleibt weiterhin völlig unabhängig, damit keine Beeinflussung stattfinden kann. In
dieser Verschränkung nehmen die ausführende (Exekutive) und gesetzgebende (Legislative) Gewalt so
viel Einfluss aufeinander, dass die Gewaltbefugnisse sich teilweise überschneiden oder vermischen.
Eine Vermischung findet beispielsweise zwischen der Länderregierung (Exekutive) und dem Bundesrat
(Legislative) statt: Die aus der Länderregierung entsendeten Minister bekommen im Bundesrat statt
exekutiven Funktionen legislative aufgetragen.
Die Machtbefugnisse überschneiden sich bei der Gesetzesinitiative. Sowohl Bundesrat (Legislative),
-regierung (Exekutive) und -tag (Exekutive) haben das Initiativrecht. Also das Recht Debatten um
eventuell notwendige Gesetzte oder Gesetzesänderungen anzustoßen und auf die Tagesordnung
einer Sitzung zu bringen. Innerhalb dieses Initiativrechts ist wieder eine Verschränkung zu erkennen:
Bundesrat beziehungsweise Bundestag können nur mit einer Stellungnahme des anderen Organs ihr
Recht ausüben.

Dem Staat ermöglicht diese Machtverteilung das Gewaltmonopol. Also das Recht physische Gewalt
zu legitimieren und auszuüben. Es soll vermieden werden, dass Selbstjustiz zwischen den Bürgern
praktiziert wird. Normalerweise wird sich mit Einvernehmlichkeit geeinigt oder der Staat zum Klären
hinzugezogen. Nebenbei gibt es auch Fälle, die aufgrund gesellschaftlichen Allgemeininteresses ohnehin
durch den Staat geklärt werden müssen (beispielsweise Mord).
Damit jeder, der eine strafbare Handlung begangen hat oder Schaden anrichtete, die gleiche Strafe
beziehungsweise Wiedergutmachung ableisten muss (Gerechtigkeit gesprochen wird), ist das Verhindern
von Selbstjustiz wichtig. Gerichte (Judikative) sind dabei die unabhängigen Instanzen, die die Buße
festlegen. Sollte jedoch ein Richter seine Macht missbrauchen, so kann Kläger und/oder Angeklagter die
nächst höhere Instanz um Hilfe bitten (durch Einlegen von Rechtsmitteln wie Berufung oder Revision,
sofern diese zugelassen wurden). Zuerst muss jedoch versucht werden, den Konflikt auf der kleinsten
Ebene zu klären. Nur wenn der Versuch scheitert, wird in die nächst höhere Instanz gegangen. Diese
Maxime heißt Subsidiaritätsprinzip.

Die Situation in der Demokratischen Volksrepublik Nordkorea (Nordkorea) ist grundverschieden. Auch
wenn laut Staatsname, wie in der BRD, eine Demokratie vorherrschen sollte, so ist die Regierungsform
doch ein realsozialistisches Einparteiensystem unter dem Diktator Kim Jong-iL. Die vertretene Ideologie
ist die 1977 durch Kim Il-Sung eingeführte Chuch’e-Ideologie. Oberstes Ziel ist Selbstständigkeit bishin
zur Autarkie. Seit 2009 ist diese Ideologie auch in der Verfassung aufgenommen.
Die wichtigste Partei des Landes, die realsozialistische Partei der Arbeit Koreas (PdAK), ist ebenfalls in
der Verfassung des Landes verankert. Ihr wird die Führungsrolle zugesprochen.
Auch wenn das höchste Machtorgan die Oberste Volksversammlung ist, welche durch allgemeine,
gleiche, direkte und geheime (in der BRD zusätzlich unmittelbare) Wahlen durch das Volk legitimiert
werden, so handelt es sich dennoch nicht um eine Demokratie, da zwar zwei weitere Parteien existieren,
sie jedoch nicht an der Wahl teilnehmen können. Somit ist ein Mehrparteiensystem im politischen Sinne
nicht vorhanden. Ebenso die freie Meinungsbildung.
Da die Oberste Volksversammlung nur sehr selten im Jahr zusammentritt, hat in der Restzeit der
Vorsitzende des Präsidium der Obersten Volksversammlung die Regierungsbefugnisse. Dieses Amt
hat der 1994 verstorbene Kim Il-Sung inne. Eine Neubesetzung findet nicht statt, weil das Amt dem
Ewigen Präsidenten vorbehalten ist. Sein Sohn Kim Jong-IL hat wiederum die “Interimsmacht”. Einerseits
ist er Vorsitzender der PdAK andererseits des Verteidigungskomitees und anderer wichtiger Posten.
Das Verteidigungskomitee ist in der aktuellen Politik das wichtigste Organ. Andere Ämter sind zwar
verfassungsrechtlich höher gestellt, aufgrund des Todes von Kim Il-Sung und keiner stattfindenden
Neubesetzung (zum Großteil aus Ehrengründen Kim Il-Sung´s und Machtsicherungszwecken Kim Jong-
iL´s) allerdings so gut wie handlungsunfähig.
Die Machtsicherung durch Kim Il-Sung´s Sohn Kim Jong-iL ist weiterhin erkennbar in der Sŏn’gun-
Politik, welche die Ziele des Staates zum Wohl und der Entwicklung des Militärs richtet. Man will sich
damit gegen Südkorea, die USA und Japan absichern. Gleichzeitig ist es hilfreich bei der Einhaltung der
Chuch’e-Ideologie.
Der beschriebene Aufbau zeigt, wie sehr die Macht auf den verstorbenen Staatsgründer und dessen
Sohn monopolisiert ist.
Das sie auch im großen Stil missbraucht wird, zeigt der Umgang mit den Menschenrechten: Das Land
darf nicht verlassen werden, die Medien stehen unter vollständiger Kontrolle des Staates, eine freie
Meinungsbildung ist somit nicht möglich. Es gibt kein öffentlich zugängliches Netz für Internetzugänge.
Nur Ministerien haben höchst zensierten Zugang. Mobiltelefone wurden eingezogen und Funknetze
verboten. Auch die freie Meinungsäußerung wird nicht praktiziert. Kritik an der Führung des Landes wird
mit strengsten Sanktionen (wie zum Beispiel Aufenthalt im Arbeitslager) geahndet. In diesen Lagern sind
neben politischen Oppositionellen auch Personen, die aufgrund ihres Glaubens eine drakonische Strafe
ableisten müssen. Die Glaubensfreiheit ist jedoch formell vorhanden. Neben Folter soll auch ein hohes
Maß an Bestechung existieren. Auch die Todesstrafe ist nicht abgeschafft.
All diese Fakten sind jedoch schwer zugänglich, da Visa für Ausländer nur sehr selten vergeben werden.
Zudem wird jedem journalistischen Besucher ein Team von Kontrolleuren zur Seite gestellt, welches
Besuche plant und zeigen soll, wie gut es den Menschen doch geht (Es gibt nur zwei von Journalisten
besuchten U-Bahnstationen, wenige besuchte Fabriken, usw). Man ist stets bemüht die Probleme
nicht in das Ausland zu kommunizieren, um Sanktionen der anderen Staaten zu vermeiden. Es werden
Hilfsgüterlieferungen von China stets abgestritten, obwohl China zur Sicherung der Nahrungsversorgung
seit Jahren Reis liefern soll.
All diese Fakten zeigen, wie sehr sich der Staat bemüht den führerkultähnlichen Status aufrecht zu
erhalten. Es werden enorme Summen in Einrichtungen für Jugendliche und Kinder gesteckt, damit diese
schon sehr früh für das politische System begeistert werden. Ob das Volk wirklich derart hinter seinem
Führer steht und ihn schon fast vergöttert, lässt sich nur mutmaßen. Unbeobachtete Interviews mit
authentischen Meinungen der Bevölkerung kann man nicht führen.

Insgesamt zeigt sich ein recht differenziertes Bild der beiden Staaten mit sehr wenig Gemeinsamkeiten.
Auch wenn beide Staaten formell eine Demokratie sind, so zeugt gerade die Missachtung der
Menschenrechte oder das faktische Einparteiensystem in Nordkorea von einer diktatorischen
Regierungsform.
Auch wenn die Verfassung Nordkoreas nicht unbedingt Repressalien und anderweitig
menschenverachtende Maßnahmen billigt, sondern die Mehrheit des Volkes berücksichtigen und damit
eine Demokratier herstellen will, so wurde sie an so vielen Stellen ausgehebelt und missbraucht, dass der
jetzige Führungsstil des Landes möglich wurde. Dies lässt sich auch durch mangelnde, beziehungsweise
unterdrückte, Opposition, eine nicht unabhängige Judikative und nicht außreichender Gewaltenteilung,
sondern Machkonzentration auf eine Person und Ideologie begründen.

Quellen:
● Unterichtsaufzeichnungen aus dem Fach GRW
● http://www.bundesrat.de/cln_152/nn_6898/DE/organe-mitglieder/organe-mitglieder-node.html
● http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/01-Laender/
KoreaDemokratischeVolksrepublik.html
● Visionen, Innovationen und der Umgang mit dem Wandel in einer neuen Ära: Rede des
Botschafters der Vereinigten Staaten von Amerika John C. Kornblum in der Bundesrepublik
Deutschland: Industrie- und Handelskammer, Frankfurt, 10. November 1998
● Nordkorea - Die Grenze und der Krieg (ARTE): http://www.youtube.com/watch?v=sfN0dWoOe1E
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Zitat:
1. Jaron Lanier: Nur Maschinen brauchen keine Geheimnisse - Übersetzung: Eva Gilmer aus
Wikileaks und die Folgen - Die Hintergründe. Die Konsequenzen., edition suhrkamp, 2011, Seite
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