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LOS ANGELES

WERDEN, LEBEN UND GESTALT


DER ZWEIMILLIONENSTADT IN SÜDKALIFORNIEN

VON

ANTON WAGNER

193 5

BIBLIOGRAPHISCHES INSTITUT AG. IN LEIPZIG


r

MEINEM LIEBEN VATER


ZUM VOLLENDETEN SIEBZIGSTEN LEBENSJAHRE

UND DEM ANDENKEN

MEINES ONKELS ADOLPH PETSCH


IN KALIFO RNIEN

IN DANKBARKEIT GEWIDMET
Sto.

23. JUHI 1978


\' .

I
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Alle Rechte vom Verleger vorbehalten


Copyright 1935 by BibliogIaphisches Institut AG., Leipzig:
I
Druck: BibliogIaphisch~s Institut. AG., Leipzig
Printed in Germany
7

VORWORT

Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde Südkalifornien erschlossen und
dann ein Jahrhundert lang allmählich kolonisiert. Vor Ausgang des 19.Jahr-
hunderts setzte eine erstaunlich schnelle städtische Entwicklung ein, deren
Ausmaß bei den Nachteilen der geographischen Lage gar nicht verständlich
ist. In dem Jahrzehnt nach dem Weltkriege sind Los Angeles und die Sied-
lungen,rnit denen es verwächst, zur Zweimillionenstadt geworden. Das Pro-
blem lockt zu geographischer Untersuchung.
Die Anregung zu dem Thema gab mir mein verehrter Lehrer Herr Professor
Schrnieder im Friihjahr 1932. Ich ging um so lieber darauf ein, als ich
schon während früherer dreijähriger Tätigkeit in Industrie und Handel in den
Vereinigten Staaten mit amerikanischem Leben vertraut geworden war und
von San Francisco aus 1925 und 1926 Los Angeles kennengelernt hatte, als
dort die für die Stadt so bedeutsame Nachkriegsentwicklung noch im Gange
war. Außerdem hatte ich in Mexiko, . Spanien und Südamerika Verständnis
für spanische Kultur und Kolonisation gewonnen. Eine neue Studienreise
nach Kalifornien sollte mir Gelegenheit geben, der Arbeit eigene gründliche
Beobachtung in Los Angeles zugrunde zu legen.
In der kalifornischen Staatshauptstadt Sacramento, in den Bibliotheken und
einzelnen Instituten der Staatsuniversität in Berkeley, in San Francisco und
in der Bundeshauptstadt Washington sammelte ich Material verschiedenster
Art. Von Ende August 1932 bis Ende Februar 1933 arbeitete ich in Los An-
geles selbst. Von meinem Onkel in Santa Monica, der seit 1878 in Südkali-
fornien lebte,selbst kolonisiert hatte und ein scharfer Beobachter war, erfuhr
ich noch sehr viel mehr über den früheren Zustan<;l der Landschaft und ihres
städtischen Mittelpunktes, als er mir bereits bei meinen früheren Besuchen er-
zählt hatte.
Mein Aufenthalt in Los Angeles galt in erster Linie der Begehung der Stadt,
die an Ausdehnung Berlin weit übertrifft. Nur durch äußerste Ausnutzung
der Zeit war es möglich, sämtliche Stadtteile zu Fuß abzuwandern.

VII
Daneben besuchte ich alle in Frage kommenden Behörden von Los Angeles Herrn Dr. von Hentig, dem damaligen deutschen Generalkonsul in San Fran-
und mehr als ein Dutzend angrenzenden Städten, ferner die Hochschulen und cisco, dessen Empfehlungsschreiben mir viel nützte.
Bibliotheken und eine große Zahl privater Unternehmen, Institute und Firmen. Meinem verehrten Lehrer Herrn Professor Schmieder bin ich größten Dank
Auch eine Reihe von Geologen, Architekten, Rechtsanwälten, zahlreiche schuldig für dIe Anregung zu der Arbeit. Ihm und auch Herrn Dr. Wenzel
Kaufleute und Angehörige anderer Berufe gaben mir wertvolle Auskünfte. bin ich für manchen wertvollen Hinweis bestens dankbar. Meine erste
Überall zeigte man lebendiges Interesse für die Sache. Nirgends wurde ich Pflicht ist es, meinem verstorbenen Onkel und meiner Tante in Süd-
abgewiesen. Jeder einzelne ging auf meine Fragen und Wünsche auf das ent- kalifornien allzeit herzlichsten Dank zu bewahren. Sie luden mich ein, ermög-
gegenkommendste ein, und manche opferten einen erheblichen Teil ihrer Zeit, lichten mir die Arbeit und gaben mir die persönliche Beziehung zu dem
um mir behilflich zu sein. Am Schlusse dieses Buches (S. 287/89) sind die wich- Gegenstand der Untersuchung.
tigeren der besuchten öffentlichen und privaten Stellen aufgeführt; ihren Lei-
tern und Mitgliedern, die sich mir als so außerordentlich hilfsbereit erwiesen, Kiel, im April 1934 An ton Wagner
danke ich hiermit aufrichtig.
Zu großem Dank bin ich den verschiedenen Herren der Handelskammer
von Los Angeles verpflichtet, die mir trotz Arbeitsüberlastung viel Zeit wid-
meten. Auch dort wurde mir ebenso wie an vielen anderen Stellen mannig-
faltiges Material bereitwillig und unentgeltlich überlassen. Der Security-First
National Bank, die mir über IOO Photographien aus ihrem historischen
Bildarchiv nach Kiel entlieh, und der Historischen Gesellschaft von Südkali-
fornien, welche mir auf gleich lange Zeit fast die ganze Serie ihrer in Europa
unzugänglichen Veröffentlichungen zur Verfügung stellte, danke ich für diese·
besonders großzügige Unterstützung.
Allen denen, die mich gastlich aufnahmen und mich in hilfsbereiter Weise
im eigenen Automobil durch Gebiete fuhren, die zu Fuß schwer zu erreichen
sind, spreche ich an dieser Stelle ebenfalls meinen herzlichen Dank aus.
Leider ist es mir nicht möglich, allen, die das Zustandekommen der Arbeit
durch ihr Entgegenkommen förderten, einzeln zu danken. Besonderen Dank
schulde ich Herrn Professor Frank Adams, Herrn Professor Herbert E. Bolton,
Herrn Professor J. P. Buwalda, Miss Laura C. Cooley, Herrn Professor Owen
C. Coy, dem verstorbenen Herrn Professor W. M. Davis, Mr .. Chas. H. Diggs,
Dr. Carl Epling, dem Bruder meiner Tante Mr. Carl J. Frese, Dr. Jona-
than Garst, dessen Edinburger Dissertation über die Physiographie des
Südkalifornischen Beckens mir eine wertvolle Hilfe war, Mr. Ross H. Gast,
Mr. D. E. Hughes, Mr. D. A. Lane,Mr. A. A. Miller von der Handelskammer
in Long Beach, Mr. J. Marshall Miller, Miss Marion Parks,Mr. William
C. Putnam, Mr. H. F. Raup, Herrn Professor Carl O. Sauer, Herrn Professor
Chas. F. Shaw, Mr. EIden Smith, Herrn Professor Paul S. Taylor, der Familie
Tegner in Santa Monica, Herrn Professor Weatherhead und nicht zuletzt

VIII
INHALT
Vorwort .......................... '...................................... ; VII
Einlei tung:
Landschaftsüberblick .................. '........... : •. '...........•........
Fragestellung und Arbeitsmethode ........................................ 8
Die Natur:
Bau und Formen •.•...................................................... I I
Klima ••..........•.................................................... 23
Hydrographie •................•...•..' ...•. ; ........................... . 29
Böden •••...•..•....................•..................•............... 34
Vegetation •.....••..•..•.......•........•. '.' ........................... . 36 .
Landschaftswandlung vor de~ ersten Boom;
Indianerlandschaft •....................................................
Spanische .Missionsherrschaft ........................ : ................... .
Extensive Weidewirtschaft •.................... '.' .•.......... '" '.' ....... .
Acker- und Gartenlandschaft .......•...................•.. '.' ........... .
Siedlungsanfänge:
Das "Pueblo" Los Angeles •. ; ...... '.' ....................•.............. 76
Die Siedlungen im Umkreis ............................................. . 86
Siedlungstypen ••....................................................•.. 98
Großstadtbildung:
Anfänge des Fremdenverkehrs ...............• , ........................... . 99
Erster Boom und Stadtentwicklung .•.. ; ......... , ...•.................... 102
Zweiter Boom und Großstadtentwicklung •................................ 115
Dritter Boom und Millionenstadtentwicklung ..........~ ................... . 13 1
Leben und Erscheinungsformen der heutigen Landschaft:
Die Bewohner .•......•..••...................•......•..................
Namengebung und Aufteilungsgeschäft ... , ......................•.........
Grundriß und Aufriß .................................................... .
Verkehr, Wirtschaft, Hafen ...........................•..................
Die Wasserfragen ••..........•..•...................••............•.....
Schluß .....•..........•............•..................•.........•.•.........
Li tera turverzeichnis •.•.........••....................•...................
Anhang:
Verzeichnis der Behörden und Institute .................................. .
Statistische übersichten . • • • • • . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 290
Bildteil •••....•............ ;.......................................... 297
Tafel-Beilagen ........................................ am Schluß des Buches
KARTEN EINLEITUNG
Im Text: Der pazifische Küstensaum zwischen Alaska und Mexiko mitseinem Hinter-
Fig. I. Los Angeles, Berlin und Rheinhessen im gleichen MaBstab . . . . . . . . . . . . . . . . 5 land erscheint noch auf Weltkarten aus der 2. Hälfte des 18.Jahrhundertsals
Fig. 2. Stadterweiterungen und Randstädte von Los Angeles ................ - . . . . 7 weißer Fleck. Unter den menschlichen Ansiedlungen, die seit 165 Jahren in
Fig. 3. Die Böden der Südhälfte des tos Angeles County. . . . . . . . . . . .. . . . . . . . . . . .. 18
diesem Raum entstanden sind, ist Los Angeles heute mit über 2 Millionen
Fig. 4. Die Klimagebiete von Los Angeles .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . • . . . . . . . .. 24
Fig. 5. Die ehemaligen Überschwemmungsgebiete von Los Angeles. . . . . . . . . . . . . . .. 32 Bewohnern bei weitem die größte. Die jungen Kulturkräfte des Fernen
Fig. 6. Stätten der Gabrielino-Indianer im heutigen Stadtgebiet ...... . . . . . . . . . . .. 42 Westens offenbaren sich in dieser Stadtlandschaft Südkaliforniens am mannig-
Fig. 7. Das Pueblo "La Reina de los Angeles" 1786. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 50
faltigsten. Aber nicht nur der Mensch ist hier am Werke, sondern auch die
Fig. 8. Die spanischen und mexikanischen Lehensbesitzungen um Los Angeles ...... 59
Fig. 9. Die Landaufteilung der Indiana Colony 1874 (später: Pasadena) . .. . . . . . . .. 94 Kräfte der Natur zeigen sich besonders lebendig. So ist es das Ziel der Arbeit,
Fig. 10. Der Rückgang der Bewässerung im Owens-Tal infolge des Wasserentführung an dieser Stelle das Treiben des Menschen zu beobachten und zu sehen, wie
nach Los Angeles ................................................... , 120 die Natur sich ihm entgegensetzt und er gegen sie angeht, bis er sie bezwingt.
Fig. I I. Der Hafen von Los Angeles ........................................... 125
Fig. 12. Die Erdölfelder des Los Angeles-Beckens .................... , ....... ; ... 139
-Zuvor müssen die Lagefaktoren und der Lebensraum mit seinen Zugangswegen
Fig. 13. Grundriß der Häuserblocks ...................... '.•.................... 183 betrachtet und das Objekt selbst, die städtische Landschaft, überblickt wer-
Fig. 14. Die Innenstadt von Los Angeles ........................................ 2 13 den. Dann erst kann das Problem von Los Angeles genauer formuliert und
Fig. 15. Der Rückgang des Grundwasservorrats von Los Angeles ................... 242
die Arbeitsmethode, die wir wählen, bestimmt werden.

Am Schlusse des Buches:


Taf. I. Übersichtsskizze
LANDSCHAFTSÜBERBLICK
Taf. 2. Die natürlichen Kleinlandschaften von Los Angeles
Taf'. 3. Die städtische Ausbreitung von Los Angeles
Vorzüge und Nach teile der Lage
Taf. 4. Das Straßennetz von Groß-Los Angeles (nördlicher Teil)
Taf. 5. Plan von Los Angeles aus dem Jahre 1857
Innerhalb des Bereichs der kalifornischen Küstenketten erscheint das Süd-
kalifornische Becken als der größte besiedlungsfähige Raum. Keine andere
der Alluviallandschaften, die dem Küstengebirge eingebettet sind, öffnet sich
mit so breiter Front zum Meere und seinen klimatischen Einflüssen. Keine ist
gegen Nordwesten so geschützt wie sie mit ihrer vorwiegend südwestlichen
Orientierung. Nirgends biegen die Küstenketten so weit landeinwärts aus wie
gerade hier, und nirgends erreichen sie solche Höhen, 2000-3000 mund
darüber, dadurch noch genügend Regenmengen auffangend, um das Wüsten-
klima auf ihrer seewärtigen Seite zum Steppenklima,ja teilweise zum Etesien-
klima zu modifizieren und hohen Grundwasserstand zu ermöglichen. Zugleich

I Wagner, Los Angeles


I
stellt das Gebirge für den Zugang von der Küste zum Innern des Kontinents Zwischen den Teillandschaften besteht mannigfache Verbindung; während
gerade hier ein geringeres Hindernis dar als an irgend einer anderen Stelle, nur 6 Pässe und 2 Küstenwege das Gesamtbecken mit den umliegenden Teilen
denn es bildet nur ein e Hauptkette. Trotz der Höhe des Gebirges sind seine des nordamerikanischen Westens verbinden. Den Zugang von See her er-
Pässe - in erster Linie Cajon und San Gorgonio - stets schneefrei, gleich-." '," ,möglichten an der 125 km langen Küste lange Zeit nur ein paar schlechte
zeitig bequemer zu queren und niedriger als die nördlicheren, steileren der Landungsplätze, von denen der bei San Pedro, durch das San Pedro-Vor-
gebirge vor Westwinden geschützt, am meisten benutzt wurde. Hier liegt
Sierra Nevada.
Doch die geschilderten Vorteile der Lage lassen menschliche Besiedlung nur heute der Hafen von Los Angeles und Long Beach.
bis zu einer mittleren Größe zu. Darüber hinaus sind ihr starke Schranken Von den insgesamt acht Landwegen, die aus der Landschaft hinauslühren, gehen drei nach
gesetzt, die eine Großstadt an dieser Stelle gegenüber anderen Großstädten Südosten. Der südlichste von diesen verläuft über die gehobenen Strandterrassen, die so-
des Westens konkurrenzunfähig zu machen scheinen. Denn an der Pazifischen genannten "Mesas", entlang der Küste nach San Diego. Die beiden anderen verlassen das
San Bernardino-Becken an den äußeren Flanken der Perris Plain und des SanJacinto-Gebirges.
Küste der Vereinigten Staaten liegt Los Angeles exzentrisch im Süden. Die Sie stellen die Verbindung mit dem Salton Sink und der Colorado-Wüste her. Die südliche
Stadt ist schon damit benachteiligt gegenüber dem zentral gelegenen San Temecula-San Felipe-Route ist der schwierigere der beiden Wege, während der San Gorgoriio-
Francisco. Zum anderen tritt gerade hier im Süden das ~iedlungsfeindliche Paß, der zwischen dem SanJacinto- und dem San Bernardino-Gebirge hindurchgeht, ganz von
Alluvium erfüllt ist und die bessere Öffnung darstellt. Aus dem San Bernardino-Becken f'ührt
Große Becken näher an die Küste heran als in irgend einem anderen Teil
ein dritter Weg, der Cajon-Paß, nach Norden zur Mohave-Wüste hinauf. Der San' Andreas-
des pazifischen Westens der Union lmd engt damit den Lebensraum von Los Bruch, der San Bernardino- und San GabrieI-Gebirge voneinander trennt, hat ihn geschaffen.
Angeles ganz erheblich ein, während San Francisco und die Städte des pazi- Das mächtige San Gabriel-Gebirge, der zentrale Block der Angeles-Ketten, erstreckt sich
fischen Nordwestens ein sehr' viel größeres Hinterland besitzen. F~rner ist Los 100 km lang in ostwestliclier Richtung, ohne eirien Durchlaß zu bieten. Erst am Westende
des San Gabriel-Gebirges f'ührt zwischen ihm und seiner Fortsetzung, dem Santa Susana-
Angeles dadurch benachteiligt, daß es schon an der Grenze des semiariden Gebirge, der San Fernando-Paß (auch Fremont-Paß genannt) nach Norden aus dem San
Klimas liegt. Es verfügt über Grundwassermengen, di~ zwar zunächst reich- Fernando-Becken hinaus. J\m Nordende des Passes verzweigt sich 'der Weg nach Osten und
lich erscheinen, weil sie vom Gebirge her nachgefUllt werden, die aber für Westen, talaufwärts zur Mohave-Wüste, über sie nördlich hinweg und über den Tehachapi-
Paß zum Sari Joaquin-Tal - talabwärts zur Küste. Geradeaus nach Norden in der Ver-
eine Millionenbevölkerung keinesfalls genügen. Auch besitzt die Küste des längerung des San Fernan.do-Passes windet sich die "Ridge Route" über die Berge als kürzeste
Südkalifornischen Beckens von Natur aus keinen Hafen, und schließlich ist Verbindung zum San Joaquin-Tal. Ebenso wie die drei Wege nach Südosten verlaufen auch
die Stelle, an der Los Angeles sich entwickelt hat, eine Erdbebengefahrzone die drei Wege, die nach Westen aus dem Südkalifornischen Becken hinausführen, p'arallel zur
Gebirgs- und Küstenrichtung. Zwischen Santa Susana-Gebirge im Norden und den Simi-
erster Ordnung, wie die Erdheben von 1769, 1812 und erst das jüngste vom
Bergen im Süden führt der Simi Valley-Santa Susana-Paß hindurch und im Einschnitt zwischen
10. März 1933 gelehrt haben. den Simi-Bergen und dem Santa Monica-Gebirge der schwierigere Conejo-Calabasas-Paß.
Beide Pässe verbinden das San Fernando-Becken mit der Oxnard Plain. Der Küstenweg nach
Westen entlang dem Südabhang des Santa Monica-Gebirges ist der schwierigste, weil die
Lebensraum und Zugangswege Gebirgsflanke auf eine Etstreckung von 50 km hart bis an das Meer heranreicht.
Die ersten Europäer, die von San Diego zu Lande kamen, betraten das Südkalifornische
Allseits gebirgsumschlossen, bildet das Südkalifornische Becken eine land- Becken auf dem Küstenweg von Südosten her, querten die Cahuenga-Ketten dreimal und'
schaftliche Einheit. In sich ist es in Teillandschaften gegliedert. Zwischen den verließen die Landschaft auf dem Weg, der über den San Fernando-Paß und talabwärts durch
das Tal des Santa Clara-Flusses führ:t. Von den Spaniern, die von Sonora und Neumexiko
Angeles- und den niedrigeren Cahuenga-Ketten liegt das dreigekammerte kamen, benutzten die einen die Temecula-San Felipe-Route oder den San Gorgonio-Paß,
Interior Valley mit den San Fernando-, San Gabriel- und San Bernardino- die anderen den Cajon-Paß. Ebenso wie die erste Erkundungsexpedition, folgte auch der
Teilbecken. Vor den Zug der Cahuenga-Ketten legt sich seewärts die Coastal spanische Missionspfad, gern "Camino Real" genannt, dem Küstenweg von San Diego her,
ging al;ler vom San Fernan~o-Becken gleich nach Westen durch den Conejo-Calabasas-Paß
Plain, die das eigentliche Los Angeles-Becken ausmacht. Der Höhenzug der
weiter in direkter Richtung auf Ventura und Santa Barbara, anstatt erst zum Tal des Santa
Dominguez-Kette trennt das nordwestliche Ende des' Los Angeles-Beckens Clara-Flusses nach Norden auszubiegen.
von dem vorgelagerten Santa Monica-Long Beach-Küstenvorland, und dieses In derZeit der U. S.-amerikanischen B~siedlung gelangte die Butterfield-Post von San Fran-
macht das bis zu 450 m aufragende San Pedr6-Vorgebirge landfest. cisco durch den sÜdlichen Teil des San Joaquin-Tales und über den San Fernando-Paß in das

1*
2 3

I
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Südkalifornische Becken. Über die Temecula-San Felipe-Route und Fort Yuma fuhr sie weiter Landschaft aus. Im Westen hat sie das Meer erreicht. Im Süden wachsen ihr
bis zum Mississippi. Die erste Eisenbahn, die heutige "Valley Line" der Southern Pacific-Bahn,
die Hafenstädte entgegen. Die vorherrschenden, in Gartengrundstücken
kam durch das Große Tal Kaliforniens und erreichte vonMohave her durch den San Fernando-
Paß die Landschaft. Die Hauptlinie der Southern Pacific-Bahn führt von New Orleans über stehenden Einfamilienhäuser, fast jedes mit eigener Autogarage, und die
Yuma nach Kalifornien. Ihre Schienen wurden durch den San Gorgonio-Paß gelegt, während Breite der Straßen bringen eine Weitläufigkeit mit sich, die keine Rücksicht
die Santa Fe-Bahn, deren Geleise in diesem Teile der Strecke auch von der von Salt Lake
City herkommenden Union Pacific-Bahn benutzt werden, durch den Cajon-Paß in das Süd-
kalifornische Becken eintritt. Die Southern Pacific "Coast Line" nach San Francisco benutzt
den Simi Valley-Santa Susana-Paß. Eine Stichbahn der Santa Fe-Bahn verläuft entlang der
Küstenroute von Los Angeles nach San Diego. So führen auf nur fünf Paßwegen die Bahnen
aus der Landschaft hinaus, während alle acht Routen heute zu asphaltierten Autostraßen aus-
gebaut sind, zuletzt der schwierige Küstenweg nach Westen. Er wurde von den Spaniern nicht
benutzt. Das Land geriet deshalb frühzeitig in Privatbesitz, so daß das Durchgangsrecht später
erkauft werden mußte. Die Straße, "Roosevelt Highway" genaIlIlt, wurde erst 1929 dem Ver-
kehr übergeben (Lit. 123).

Die scharfumrissene Landschaft, die nur der Hafen und die 8 Paßwege mit
der Außenwelt verbinden, i~tder eigentliche Lebensraum von Los Angeles.
Alle ihre Teile gravitieren zur Metropole hin. Sie sind nicht nur Hinterland
im engsten Sinne, sondern Teile ihres Produktionsgebietes. Die Stadt selbst
dehnt sich in vier Teilbecken hinein aus, nur das fünfte, das San Bernardino-
Becken, wird von ihr nicht erreicht.

Das Stadtbild

Das zusammenhängend städtisch bebaute Gebiet, das den westlichen Teil


des Südkalifornischen Beckens ausmacht, ist die Stadtlandschaft von Los
Angeles. Das alte Zentrum der Stadt, die ursprünglich spanische Plaza, die
ganz in der Unmenge der Häuser verschwindet, liegt dort, wo der Fort Hili,
ein niedriger Ausläufer der Cahuenga-Ketten, bis auf 200 m an den Rand der
Niederterrasse des Los Angeles-Flusses herantritt. Drei Kilometer oberhalb tritt
der Fluß, der im San Fernando-Becken entspringt, aus den Cahuenga-Ketten
aus und nimmt das Trockenbett des Arroyo Seco, seines ehemaligen Neben-
flusses aus dem San Gabriel-Becken, auf. Behördenzentrum und Geschäfts-
zentrum mit ihren Hochhäusern beginnen erst in einigem Abstand südwestlich
des ältesten Stadtviertels. Die Plaza ist der mathematische Mittelpunkt der
Innenstadt, deren alte quadratische Grenzen mit den Himmelsrichtungen
verlaufen und deren diagonal dazu gerichtetes Straßenschachbrett sich mar-
kant aus dem Grundriß der übrigen Stadtlandschaft heraushebt. Die Stadt-
mitte innerhalb des alten Gebietsquadrats bedeckt allein eine Fläche von Fig. I. Los Angeles, Berlin und Rheinhessen im gleichen Maßstab'
70 qkm. Darüber hinaus dehnt sich die äußere Stadt unübersehbar über die Schwarze Fläche = _Los Angeles, weiße Linie = Berlin, punktierte Linie = Rheinhessen

4 5
aufVerkehrsnähe und Orientierung zur Stadtmittehin kennt. Sie ist nur in
einem winterlosen Klima möglich, welches das Autofahren das ganze Jahr
hindurch ohne Einschränkung gestattet.
In .das unermeßliche Häusermeer schiebt sich keine Bucht, kein breiter
Fluß oder Meeresarm. Dadurch fehlt die Gliederung, die die Stadtlandschaften
vün San Francisco, New Orleans und New York so. übersichtlich macht.
Lüs Angeles kennt keine solchen Grenzen. Die Küste ist vüm Mittelpunkt zu
weit entfernt, um als Orientierung zu dienen. Nur die Cahuenga-Ketten teilen
die Stadt. Düch werden auch ihre Hänge und Höhen schün vün städtischer
Besiedlung erfaßt. Diese Bergketten erreichen ihre höchsten Erhebungen im
Santa Münica-Gebirge, das sich vün Westen her bis zum Nürdrand der
Innenstadt .ausdehnt. Hier erhebt sich der Müunt Hollywoüd, der an drei
Seiten vüm Stadtgebiet umgeben ist, und gewährt ebenso. wie der nahe, 550. m
hühe Cahuenga Peak einen Run d bl i c k über den größten Teil der Stadt-
landschaft. Endlüs dehnen sich die Häusermassen wie ein ausgeschütteter
Riesenbaukasten über die Landschaft aus. Von' der Innenstadt flutet das
Häusermeer über die langen Nürdsüd-Arterien Vermünt Avenue un~ Western
Avenue nach Westen hinaus bis an die entfernte Küste bei Santa Münica.
Nüch breiter schiebt sich die Südvürstadt gegen den Hürizünt vür, und
durch die Täler und Pässe und über die Hügel im Osten dringen die Wohn-
vürstädtein die San Fernando-Ebene und weiter noch in das San Gabriel-
NICIfT ElNGEMl!INDS
Becken ein. Aus der Unzahl der Kleinhäuser und Villen ragt das Hüchhaus- STADTGEBIET 1895

. zentrum der Stadtmitte heraus. Bunker Hill läßt gerade noch die Turm- HINZU 1895-1900
1901-1910
spitze des Rathauses erkennen. Lücker verteilte Mietshüchhäuser setzen das
1911 -1920
Geschäftszentrum nach Westen entlang der Westlake-Terrasse fürt, um 1921 -1931

sich am mittleren WilshireBüulevard zu der Hüchhauszüne eines neuen SEIT 1931·

SELBSTÄNDIG E RANDSTADTE
äußeren Geschäftszentrums zu verdichten. Unmittelbar vür uns liegt ·die
ausgedehnte Hüchhausanhäufung von Hüllywoüd, in weiterer Entfernung
Fig. 2. Stadterweiterungen und Randstädte von Los Angeles. Die Randstädte :
die kleinere vünBeverly Hills, Santa Münicas Geschäftshochhäuser nur
schwach erkennbar im Dunst der Ferne. Am anderen Ende heben sich cl San Fernando 10 Monterey Park 19 Signal Hill 28 Hawthorne
2 Tujunga 1 1 MontebelIo 20 Seal Beach 29 Inglewood
die Hüchhäuser des Pasadena-Zentrums aus der schwachgeneigten, von 21 Long Beach 30 Culver City
3 Burbank 12 Vernon
Bäumen überragten Villenfläche des westlichen San Gabriel-Beckens heraus. 4 Glendale 13 Maywood 22 Torrance 31 Santa Monica
Unter uns im Nordüsten liegt das Hüchhauszentrum vün Glendale, von der Klein- 5 Pasadena 14 Bell 23 Gardena 32 Beverly Hills
6 South Pasadena 15 Huntington Park 24 Redondo Beach 33 Sierra Madre
hausstadt wie von einem Heere ausgerichteter Streichholzschachteln umgeben.
7 San Marino 16 South Gate 25 Hermosa Beach 34 Monrovia
Die zusammenhängende Stadt mißt in ihrer Längserstreckung vün Burbank 8 Alhambra 17 Lynwood 26 Manhattan Beach 35 Arcadia
bis Alamitüs Beach 54 km, in ihrer Quererstreckung vün Castellammare bis 9 San Gabriel 18 Compton 27 EI Segundo 36 EI Monte
Lamanda Park 48 km. Sie würde das Dreieck Neumünster-Lübeck-Hamburg 37 Whittier

6 7
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f voll ausfüllen. So wird es verständlich, daß der Besucher weder ADfang noch
Ende der Stadt sieht. Um die Millionenstadt Los Angeles drängen sich un,.
!
i
So ergibt sich die Aufgabe, an der Untersuchung der Landschaftswandlung
die in ihr erkennbaren entwicklungsfördernden und -hemmenden Kräfte
1
1 gezählte städtische Siedlungen. Allein über 600000 Menschen wohnen in 37 zu analysieren. Erst mit Kenntnis dieser Kräfte können die' Erscheinungs-

I
11
selbständigen Städten (s. Fig. 2,.S.7), darunter 13 Mittelstädten und einer
Großstadt. Zwischen ihnen schiebt das unersättliche Los Angeles sein seltsam
formen der heutigen Stadtlandschaft-erklärt und die Besonderheiten, die Los
Angeles von den anderen amerikanischen Großstädten unterscheiden, heraus ..
verzweigtes eingemeindetes Gebiet gebirgs- und seewärts vor und erreicht an gestellt werden.
vier Stellen die Küste. Trotz aller Eingemeindungen leben noch 300000 Eine moderne geographisch-entWicklungsgeschichtliche Untersuchung einer
Menschen in Siedlungen, die vom Stadtgebiet der Riesenstadt und den typischen amerikanischen Großstadt liegt noch nicht vor. Die amerikanischen
übrigen Städten umklammert werden oder sich an den Rand schmiegen und soziologischen Arbeiten verfolgen weitgehend andere Ziele. Eine sich rasch
weder ·zu Los Angeles noch zu den 37 Randstädten gehören (Lit. 528). wandelnde Landschaft und eine Großstadt, deren Bildung schneller vor sich
Die städtischb.ebaute Fläche entspricht etwa derjenigen Rheinhessens und girig als jede normale Stadtentwicklung und dabei größere Raumeinheiten
ist drei- bis viermai so groß wie Berlirt (s. Fig.I). Die riesige Villen- und Klein- erfaßte, verlangt Betonung des umwälzenden Geschehens, der Bewegung, der
hausstadt, dieh~ute von über 2 Millionen Menschen bewohnt wird, ist schlag- . Kräfte. Gerade auch für das Gegenw~rtsbild von Los Angeles ist das Werden
artig hidie Landschaft hineingesetzt worden, denn vor 50 Jahren war von 'I
!"
charakteristischer als das Sein. Das besthnmt die Methode der Darstellung.
der Stadt nur ein dürftiger Ansatz, vor 150 Jahren so gut wie nichts vor- Die Untersuchung fußt in erster Linie auf gründlicher Beobachtung und Er-
handen~ 1880 stand Los Angeles mit li 000 Einwohnern an der 135. Stelle kundung im Gelände, den wichtigsten Vorbedingungen jeder geographischen
unter den U.S.-amerikanischen Städten, 1930 an 5. Stelle. Detroit, dessen Arbeit. Hinzu kam das Studium alter und neuer Pläne" Abbildungen und
Wachstum gern mit dem Wachstum von Los Angeles verglichen wird und das Karten, von Dokumenten und des Schrifttums. Eine lebendige Synthese der
heute die 4. Großstadt ist, hat 1870 und 1880 vor seiner neueren Entwicklung Landschaft ist aber erst möglich, wenn man ihre Einzelheiten nicht nur beob-
schon an der If Stelle gestanden, während das entlegene Los Angeles eine achtet .und auf Grund mündlicher und schriftlicher Quellen versteht, sondern
unbekannte Kleinstadt war (Lit.102). wenn man ihren Wandlungsprozeß auch miterlebt. Dazu ist ein längerer
Aufenthalt im Lande erforderlich, als allein für· die Beobachtung nötig wäre,
ein längeres Mitarbeiten im Geschäftsgetriebe des fremden Landes und ein
FRAGESTELLUNG UND ARBEITSMETHODE .
persönliches Verhältnis zur Landschaft, nicht der gegenwärtigen allein,
Aus den Tatsachen, die wir beim Betrachten der Lage, des Gesamtsta:dt- sondern auch der vergangenen. Erst so konnte die mündliche Erkundung
bildes und der gestrigen und heutigen Bevölkerungszahl von Los Angeles voll nutzbar gemacht werden.
erkannt haben, schält sich eine dreifache Fragestellung heraus: Schon der frÜhere mehrjährige Aufenthalt im Lande hatte mir einen Begriff
I. Wie konnte in scheinbar großstadtfeindlicher geographischer Lage eine von den Vorgängen in Los Angeles gegeben. Während der 6 Monate, die ich
Millionenstadtentstehen, die zugleich Industriestadt ist und der Tonnage zum Zwecke dieser Untersuchung in Los Angeles arbeitete, habe ich mich
nach unter den Häfen Amerikas den zweiten Platz einnimmt? - nicht nur mit allen Teilen der Stadtlandschaft, sondern auch mit den Be-
2. Welche Kräfte haben das schnelle Wachstum bewirkt, das Los Angeles wohnern vertraut gemacht. Durch regen Umgang mit Menschen der ver-
sowohl in der Bevölkerungszahl als auch räumlich zur, größten Stadt
.
des schiedensten Altersstufen, Berufe, Stellungen und Herkunft habe ich ver-
amerikanischen Westens gemacht hat, was bei der kurzen Entwicklungszeit sucht, den Geist von Los Angeles so weit wie möglich zu erfassen. In der
unverständlich erscheint? Landschaft Geborene, Angehörige und Nachkommen der alten einheimischen
3. Welches sind schließlich die Ursachen der, mit anderen amerikanischen Aristokratie, Zuwanderer aus acht Jahrzehnten, von denen viele an den
Städten verglichen, so viel größeren Ausdehnung der Stadt u~d der auf- Wandlungsprozessen der verschiedenen Perioden selbst mitgewirkt haben,
fallend viel weitständigeren Bebauung? habe ich befragt. Zur Beurteilung wichtiger Erscheinungen und Vorgänge

a 1\ 9
I,:
!,I
-,'I
die sich dokumentarisch oder statistisch nicht oder nur durch Wochen oder
Monate erfordernde Spezialuntersuchung erfassen lassen, wurden möglichst
mehrere BeteiHgte oder zuverlässige Beobachter herangezogen in dem Be-
streben, ein einseitiges, übertriebenes oder schiefes Bild auszuschließen. Um
bei der gleichförmigen Bebauung und Nutzung weiter Teile der städtischen
Landschaft doch die Unterschiede erkennen zu können, wurde auf das übliche
Verkehrsmittel, das Automobil, verzichtet und die Begehung des Gebietes DIE NATUR
trotz seines Umfanges zu Fuß durchgeführt unter Benutzung der öffentlichen
Verkehrsmittel für den Anmarsch. Nur in wenigen Fällen, und dann nur in BAU UND FORMEN
randlichen, leichter zu übersehenden Teilen, wurde vom privaten Automobil
hilfsbereiter Freunde für Beobachtungsfahrten Gebrauch gemacht. Dynamik des Untergrundes
Die mündlichen Auskünfte, die ich auf meinen Begehungen von Menschen Das Gebiet, das heute vom Südkalifornischen Becken, seinen Gebirgs- und
erhielt, die mir vertrauenswürdig erschienen, gaben mir den lebendigen Höhenzügen eingenommen wird, ist seit dem mittleren Tertiär meist küsten-
Hintergrund des Entwicklungsganges der Stadtteile und ergänzten dadurch naher Sedimentationsraum. Es ist Mittelstück des südkalifornischen Geo-
die übrigen Quellen, aus denen ich schöpfte. Die Erscheinungsformen der synklinalbogens, der die später absinkende jurassisch konsolidierte Masse
Städte und Viertel hielt ich in zahlreichen photographischen Aufnahmen Catalinia umsäumt, seine Sedimente dagegen vorwiegend vom alten Hoch-
fest, die mir die Einzelheiten der Stadtlandschaft noch nach größerer räum- gebiet Mohavia aus dem Nordosten empfing (Lit. 143)' Ausdehnung und
licher und zeitlicher Entfernung vergegenwärtigten. Tiefe der miozänen und pliozänen Meere wechselten vielfach. Orogene und
Bei der Fülle der Erscheinungen und der Größe des Raums mag vieles der epirogene Bewegungen schufen Unterbrechungen und Erosionsintervalle.
Beobachtung entgangen sein, auch das umfangreiche Material konnte im Konglomerate, grobgebankte und feingeschichtete Sandsteine und sandige
Rahmen dieser Arbeit nicht entfernt so vollständig ausgewertet werden, wie Schiefer sind die typischen Ablagerungen jener Zeiträume. Die jungtertiären
es ein Gegenstand von solcher Problemfülle erheischt. Sedimente erreichen 3-7000 m Mächtigkeit. Im spätmiozänen Meere wurden
Diatomeenschiefer abgelagert, die als ÖI-Ursprungsgestein angesehen werden.
Das Öl wandert in darüber abgesetzte Sande irgendeiner späteren Fo~mation,
die es bei entsprechender Tektonik speichern. Gegen Ende des Pliozäns wurden
die inneren Teile des Gebietes landfest. Bei Beginn des Pleistozäns war das
L

San Gabriel-Gebirge zur Fastebene abgetragen. Ein Relikt der alten Land-
oberfläche ist in der Perris Plain im südöstlichen San Bernardino-Becken er-
halten. Erst durch die pleistozäne Orogenese, die gewaltige Ausmaße annahm
-und noch fortdauert, erhielt die Landschaft ihre heutige Gliederung. Der feste
Untergrund wurde zerblockt. Wo er aufsteigt, schiebt er sich zum Teil auf
sein absinkendes Vorland, dessen Deckschichten dabei überfaltet wurden, wie
im südwestlichen San Gabriel-Gebirge. Die heutige Kulturlandschaft verdankt
dem Aufsteigen der Angeles~Ketten zu ihrer heutigen Höhe das Dasein. Sie
riegeln das Südkalifornische Becken von der Wüste ab, halten deren Winde
fern, fangen die Regen' auf und beeinflussen damit das Klima. Sie liefern
den Schutt der Becken, deren Alluvialböden intensive Land- und Garten-

II
wirtschaft möglich machen. Schuttanhäufung und Niederschläge schaffen die Teilbecken und ein äußeres seewärtiges, das Los Angeles-Becken. Die innere
Grundwasserbecken, damit die Vorbedingung für künstliche Bewässerung und Beckenzone wird im Südosten durch die San Jacinto-und Perris-Blöcke, im
Wasserversorgung zu allen Jahreszeiten, die es dem Spanier, später dem Westen durch den Simi-Block abgeriegelt. Jenseits der Simi Hills ist der Santa
Amerikaner, möglich machte, hier zu siedeln. Selbst der Hafen ist ohne den Barbara-Kaual ihre Fortsetzung, dessen östliches Ende von· Flußmaterial zu-
Westwindschutz des aufsteigenden San Pedro-Vorgebirges nicht denkbar. geschüttet ist (Oxnard Plain). Die Hebungszone der Cahuenga-Kettenstreicht
Aber die junge Orogenese kann der Stadtlandschaft, der sie alle Lebens- von den Kanal-Inseln über das Santa Monica-Gebirge, Elysische, Highland-
bedingungen schenkt, auch das Leben wieder nehmen. Man denke sich nur und Repetto-Höhen, die Puente-Berge, das Santa Ana-Gebirge in die Penin-
das Epizentrum eines neuen Erdbebens unter den zentralen Teilen von Los sular Range hinein. Präkretazisch gefaltete, tertiär mehrfach verbogene Sedi-
Angeles!
mente, kretazische Tonschiefer und tertiäre Sandsteine und sandige Schiefer
In den aufsteigenden Gebirgsblöcken wurden präkretazische Intrusiva, vor- bauen das Santa Monica-Gebirge auf, in dessen östlichem Teile sie den Granit,..
wiegend Granite, und metamorphe Gesteine weitgehend freigelegt. Gefaltete kern des Gebirges und jungtertiäre Basaltintrusionen - zum Teil scheinen es
triassische, oberkretazische und eozäne Sedimente sind zum Teil erhalten. auch Ergüsse zu sein - weitgehend freigeben. Erst in jüngerer Zeit baute sich
Jungtertiäre Basalte stehen im Santa Monica-Gebirge an. Die Angeles-Ketten das Santa Monica-Gebirge östlich zum Santa Ana-Gebirge hin fort. Zum Teil
wurden am stärksten herausgehoben, so daß sich hier die südlichsten diluvialen noch jünger als dieses Mittelstück der Cahuenga-Kette sind die Hebungszonen,
Vereisungsgebiete Nordamerikas finden. Die Angeles-Ketten stteichen von die sich weiter seewärts anbauen, Dominguez-Kette und San Pedro-Vor-
Westen in mehreren parallelen Gebirgssystemen heran, die die Nordwest- gebirge.
Südost streichenden Küstenketten Mittelkaliforniens abschneiden. Die Santa Zu den großen Horst- und Halbhorst-Blöcken gehört das San Gabriel-
Ynez Mountains, SulphurMountain, South Mountain, Oak Ridge und Santa Gebirge, das im Süden von den Sierra Madre- und Burbank-Brüchen, im
Susana Mountains bilden die Südflanke der Angeles-Ketten. Die Gebirgszüge Nordwesten vom Soledad-Bruch und im Nordosten vom San Andreas-Bruch
vereinigen sich zu einer mächtigen Kette im San Gabriel-Gebirge, das über
begrenzt wird, die San Betnardino-, San Jacinto-, Santa Ana-Gebirge und
die Enden der mittelkalifornischen Küstenketten östlich hinausragt. Der Nord- das Santa Monica-Gebirge, wenigstens in seinem östlichen granitischen Teil.
abfall des San Gabriel-Gebirges bildet die Südbegrenzung der Mohave-Wüste, Westlich von Beverly Hills in seinem vorwiegend sedimentären Teil wird· es
von ihr durch den San Andreas-Bruch abgetrennt. Mit dem San Bernardino- neu aufgewölbt.
Gebitge biegt das Gebirgssystem nach Ost-Südost um. Die einzelnen Teile Die Blöcke werden von Brüchen in zahlreiche kleinere Schollen zerlegt.
der Angeles-Ketten unterscheiden sich voneinander sowohl in ihrem Aufbau So sind das Verdugo-Gebirge und die San Rafael-Berge Teilblöcke des San
als auch in ihren heutigen Oberflächenformen. Während das Santa Susana- Gabriel-Gebirges. Wo der Untergrund abgesunken ist, sind seine Decksedimente
Gebirge aus Sedimenten besteht, ist der Granit des San Gabriel-Gebirges an den Bruchzonen schräg gestellt und in Falten gelegt worden. Vom San Ga-
schon fast vollständig der Deckschichten entblößt. Der San Gabriel- briel-Gebirge bis zur Los Angeles-Ebene fällt der Untergrund staffelförmig ab,
Gebirgsblock ist heute weitgehend zertalt im Gegensatz zum östlich an- wobeijeweils der nördlichere Block auf den südlich angrenzenden aufgeschoben
schließenden San Bernardino-Gebirge. An die Angeles-Ketten bauen sich oder wenigstens ihm gegenüber weiter herausgehoben ist. Das San Gabriel-
nach Südwesten jüngere parallele Hebungsbögen an, von denen der Bogen Gebirge ist auf den MonkHill~Block,dieser auf den Raymond-Block, der
der Cahuenga-Ketten 1 ) am weitesten herausgehoben ist. Bei Eagle Rock und wieder auf den Repetto-Block aufgeschoben, der Repetto-Block auf das Los
San Dimas nähert er sich den Angeles-Ketten, gliedert so das Südkalifornische Angeles-Becken.Auch die westliche Verlängerung der Puente-Berge und
Becken in die drei inneren: San Fernando-, San Gabriel- und San Bernardino- Repetto-Höhen, die Elysischen Höhen, sind auf ihr Vorland, das Westliche
I) Die Hebungszone, für die bisher kein einheitlicher Name bestand, ~ei so genannt nach Los Angeles-Hügelland, die Randzone des Los Angeles-Beckens, aufgeschoben.
dem Cahuenga-Paß, dem während der spanischen und mexikanischen Besiedlung wichtig- Das pleistozäne Schuttfächermaterial, das unter den Überschiebungsflächen
sten Übergang über die Kette bei dem heutigen Hollywood.
in größerer Mächtigkeit erhalten ist, dünntmit der Entfernung von der

12
Überschiebung aus. Am Monk Hill tritt Granit zutage, am Raymond HilI ist an der Potrero-Athens-Platte und an der Signal-Höhe deutlich an der
Sandstein, in den Repetto-Höhen die tertiären Sedimente, die in Falten gelegt Oberfläche. ausgeprägt. Die Bewegung am Dominguez-Bruch verläuft vor-
wurden. Diese Lagerungsverhältnisse gliedern den westlichen Teil des San wiegend horizontal. Sie war die Ursache des Inglewood-Erdbebens vom
Gabriel-Beckens in drei treppenförmig angeordnete Grundwasserbecken, welche 21.Juni 1920 und des Long Beach-Compton-Bebens vom 10. März 1933·
die Besiedlung beeinflußten. Von diesen Schollen sind die Repetto-Höhen Relativ zum Küstenvorland-Block wird der Untergrund des Los Angeles-
und Puente-Berge als Glieder der Cahuenga-Kette am stärksten hochbewegt, Beckens nach Südosten geschoben. Damit reißt er die Aufwölbung seiner
An ihnen ist das Los Angeles-Becken abgesunken. Auch der Südflügel des Decksedimente fiederförmig auseinander. Es wurde eine Kette ovaler Kuppeln
östlichen Santa Monica-Gebirges ist mit dem Block des Los Angeles-Beckens geschaffen, geradezu ideale "Erdölfallen", die seit 1921 erschlossen wurden
in die Tiefe gegangen. Sein Nordflügel wird am Hollywood-Bruch zu beträcht- und zu einer unerhörten Petroleumproduktion geführt haben (s. Fig. 12, S. 139)·
licher Höhe herausgehoben. Die ihm anlagernden tertiären Deckschichten Die kuppelartigen Aufwölbungen sind so jung, daß der Ölgeologe ihren Bau
tauchen nach Norden unter das Alluvium der San Fernando-Ebene. In der von denOberflächenformen ablesen kann. Ist mehrmalige Aufwölbung er-
Gipfelflur des Santa Monica-Gebirges sieht Hoots eine wahrscheinlich früh- folgt, spiegelt die Anordnung der konsequenten Entwässerung die ältere Auf-
pleistozäne Rumpffläche (Lit. 126, S. 129), die also gleichaltrig wäre mit der wölbung wider (Lit. 152 u. 153). Auch am gegenüberliegenden Rande des
früher erwähnten Fastebene, deren Relikt die Perris Plain darstellt (s. S. I I). Los Angeles-Beckens gegen die Repetto-Höhen und Puente-Berge kam es zur
Auch das Westliche Los Angeles-Hügelland, an das sich das Geschäftszentrum Bildung von Erdölsätteln. In Spalten konnte das Öl an die Oberfläche
der Stadt unmittelbar anlehnt, ist eine zertalte frühpleistozäne Peneplain. dringen, wo die schwerflüchtigen Bestandteile zurückblieben. Im La Brea
Steilgestellte obermiozäne bis oberpliozäne marine Sedimente werden von Calion ("brea" spanisch = Pech) in den Puente-Bergen wurde Asphalt schon
einer pleistozänen Terrasse gekappt (Lit. 147, S. 1049). Die Zertalung ist von den Spaniern gewonnen und für die Hausdächer des Pueblos Los Angeles
jünger. Den östlichen Teil des hemmenden Hügellandes, Fort Hill und Bunker· verwandt. So kam es, daß man die Puente- und Whittier-Ölfelder schon 1886
Hill, hat man durchtunnelt, und jetzt durchschneidet man seine Ränder und erschloß (s. Fig. 12, S. 139). Auch am Nordwestende des Los Angeles-Beckens
trägt sie künstlich ab, um den Verwaltungs- und Geschäftszentrenmehr gegen Santa Monica-Gebirge und Elysische Höhen hin kam es zu Sattel-
Lebensraum. zu geben und den Verkehr zu erleichtern. bildung und Petroleumaufstieg. Die ölführenden Schichten kamen hier näher
Vor dem Bogen der Cahuenga-Kette lag noch im Spätpleistozän der Strand. an die Oberfläche heran als in der Dominguez-Antiklinale. Die Lagerstätten
Erst seitdem konnte die Senkung der vermehrten Schuttanhäufung, die durch sind seichter, der Druck geringer. Die Zone erstreckt sich vom alten Los
Klimaverschlechterung oder erneute Hebung der Abtragungsgebiete oder Angeles nördlich der Plaza westlich bis nach Beverly Hills, 14 km lang. An
beides zusammen bedingt sein kann, nicht mehr die Waage halten. Das Los Brüchen schafft sich das Bitumen den Weg zur Oberfläche. Daraus erklären
Angeles-Becken wurde dem Lande angegliedert. Die Dominguez-Kette wurde sich die früheren vielen Asphaltvorkommen im Westlichen Los Angeles-Hügel-
zuerst im Frühquartär aufgewölbt und hat wahrscheinlich als Inselkette aus land, wo manscho~ 1890 nach Petroleum bohrte, und auf der Hollywood-
der flachen Meeresbucht von Los Aitgeles aufgeragt. Die vonjungpleistozänen Platte. Hier kam es in den Rancho La Brea-Tümpeln zur Bildung von regel-
Sanden und Kiesen gekappte Antiklinale pliozäner Schichten legt davon rechten Asphaltseen, die im späten Pleistozän als vermeintliche Tränke Tiere
Zeugnis ab (Lit. 173, S.639), ebenso die Form der Signal-Höhe, die eine aller Art bis zu den größten Säugern anzogen. Sie wurde zur Falle, besqnders
doppelte Aufwölbung erkennen läßt. Damit ist schon gesagt, daß die Domin- VOl1 Raubtieren, die in großer Zahl dem einzelnen versinkenden Beutetier

guez-Kette später, und zwar in rezenter Zeit, noch einmal aufgewölbt wurde. folgten. Reste von allein annähernd 4000 Karnivoren (9 I Prozent der ge-
Diese Kette ganz junger Aufwölbungen wird vom heute wiederholt aktiven fundenen Individuen) aus dem Rancho La Brea befinden sich im Los Angeles-
Dominguez-Bruch (auch Inglewood-Bruch genannt) längs durchzogen. An Museum (Lit. 148, S. 30). Nicht nur am Rande, auch im Beckeninnern. kam
ihm hebt sich der Block des Los Angeles-Beckens. Seine Deckschichten bis es zur Antiklinalbildung tertiärer Schichten, wodurch Öllagerstätten ent-
zum rezenten Alluvium wölben sich. Die nach Westen fallende Bruchstufe standen (Santa Fe Springs-, Coyote-Ölfelder).

15
Der Küstenvorland-Block grenzt an den Dominguez-Bruch seewärts an. bis zum Schelfrande fortsetzt (Lit. 135). Die Gesteine der Inseln lassen ver-
Auf Absinken am südöstlichen Ende weist die ertrunkene Mündung des Los muten, daß der breite Schelf südlich Point Conception eine vulkanische
Angeles-Flusses und die Haffbildung. Bei Playa del Rey bricht der Block Provinz ist. Seine Physiographie scheint zu beweisen, daß er im ganzen ab-
gegen die Ballona.,Niederung scharf ab. Wahrscheinlich ist derSteilabfall, sinkt (Lit. 135).
der sich unter dem Meeresspiegel nach Westen fortsetzt, eine Bruchstufe.
Dieser Teilblock wäre also nach Süden gekippt. Der nördliche Teilblock des Aufschüttung
Küstenvorlandes läßt Kippung im gleichen Sinne vermuten. Der untere Teil Seit dem Einsetzen der Orogenese im Posttertiär wurden über die ab-
der Ballona-Niederung mit der Lagunenbildung zeigt die ertrunkene-Fluß- sinkenden Räume mächtige, oft fanglomeratähnliche Schuttdecken gebreitet.
mündung. Nördlich anschließend hebt sich die Santa Monica-Platte heraus. Das Pleistozän geht hier unmerklich ins Alluvium über. Zeitliche Gliederungen
Sie scheint die Aufwölbung des Santa Monica-Gebirges mitzumachen. Zwei des Quartärs sind lokal versucht worden. Die Korrelation über das ganze
Petroleumlagerstätten sind im Küstenvorland erschlossen worden (Venice- Gebiet f~hlt noch. Die Art der Schuttführung wechselt Init den Phasen;
Playa del Rey und Torrance-Redondo Ölfelder, s. Fig. 12, S. 139). stärkerer Gebirgsheraushebung und Perioden relativer Ruhe. Dazukommen
Seewärts steigt vor dem Küstenvorland das San Pedro-Vorgebirge auf. Klimaschwankungen, auf welche die Zusammensetzung der Molluskenfaunen
Um den Kern des inselartigen Blockes legen sich Iniozäne, pliozäne und zwei des marinen Quartärs von San Pedro und der Baldwin-:Höhen uIld der Säuge-
pleistozäne marine Sedimentfolgen, die alle durch Winkeldiskordanzen von- tierfaunen des Rancho La Brea hinweist. Die eingehenden Bodenkartierungen
einander getrennt si:nd. Die Flachwasser- und Strandbildungen des jüngeren des U. S. Department ofAgriculture und der University ofCalifornia ermög-
Pleistozäns liegen 'nahezu horizontal.' Sieben bis neun marine Terrassen - lichen es, zwei Schuttserien zu unterscheiden, eine ältere, deren Böden ein
Ashley spricht von 18 Terrassen (Lit. 156, S. 59) - sind zu unterscheiden, wohlausgebilde~es Profil zeigen, und eine jüngere, erst in der Verwitterung
davon vier schön ausgebildete Hau.ptterrassen. Die jüngste bildet die Ober- begriffen9(s. Fig. 3, S. 18). Dazu kommt ein ältester Schuttfächer in der Nähe
fläche eines 30-5° m hohen Kliffs. Über dem Pleistozän des Deadman Island, des, Ge,hirgsrandes. Weitgehend weggeräumt und zum Teil vom nächst-
das der Erweiterung der Hafeneinfahrt zum Opfer fiel, und der San Pedro- jüngeren Schuttfächer überlagert; ist er nur noch ani Monk Hill und un-
Terrasse wurden im Alluvialboden Anhäufungen von Muscheln verschiedenst~r Inittelbar am Gebirgsfuß nördlich Pasadena erhalten. Hier ist er am Bruch-
Herkunft zusammen Init Resten verkohlten Holzes, Säugetierknochen und rande des San Gabx:iel-Gebirges zum Teil 60-100 m hochgehoben und ragt
anderen Küchenresten, die als Kjökkenmöddinger früherer Indianerkultur an- als Bruchstufe über den jüngeren Schuttfächer auf, deutlich erkennbar am
zusehen sind, gefunden (Lit. 107, S. 33). Der gehobene Strand von Deadman Austritt des Arroyo Seco aus dem Gebirge (Lk 140). Sonst ist von dieser
Island enthielt nur Muscheln in unversehrtem Zustand und mit erhaltener ältesten Schuttdecke oberflächlich so gut wie nichts erhalten. Die nächst-
Farbe. Das zeigt, daß die Aufwärtsbewegung noch im Gange ist (Lit. 107, S. 33). jü~gere, hier als ältere Schuttdecke bezeichnet, übe~schweinmt weit hina'us
Der Landschaft vorgelagert sind Catalina Islandund weiter draußen San das Vorland, durch die Durchlässe der Repetto~Höhen flutet sie über das
Clemente Island. Beide Inseln sind dem Schelf aufgesetzt. Die eine Insel sinkt Los Angeles-Becken bis zur See, wo sie in der gehobenenStrandterrasse von
ab, wie die ertrunkenen Tält:r zeigen. Dagegen ist San Clemente Island, wie Long Beach und auf der DoIninguez-Kette erhalten ist (s. Fig.3, S. 18).
das SanPedto-Vorgebirge, ein aufsteigender Block mit jungen, noch kaum Hinzu kommt die Schuttführung vom Santa Monita-Gebirge, die das Material
zerschnittenen Terrassen. Beide Inseln, von denen San Clemente typische liefert, das die Hollywood-Platte und die Santa Monita-Platten aufbaut.
Basin Range-Struktur besitzt, sind die höchsten Aufragungen breiter sub- Für den Schuttfächer von Santa MoniqJ. steht das Alter als spätpleistozän
mariner Rücken, die Init kalifornischem Streichen ebenso an den westost- fest: Er überlagert horizontale oberpleistozäne Meeresbildungen (Lit. 126,
streichenden Kanal-Inseln ansetzen wie die Dominguez-Kette an deren öst- S. 130). Die Mächtigkeit der älteren Schuttdecke beträgt hier bis z~ 60 mund
licher Fortsetzung, dem Santa Monica-Gebirge. Die genaue Auslötung des darüber 1 Die Höhe des ganz aus diesem Material zusammengesetzten
Schelfmeeres läßt darauf schließen, daß sich die Bruchtektonik Südkaliforniens "Palisades"-Kliffs beträgt 52-60 m (Lit. 126, S. 130).

2 Wagner, Los Angele.


"

I:
11

/i
,liiI Die Reste des· älteren Schuttmantels bilden überall dort" wo sie nicht zer- der älteren Schuttserie überdeckt wurde, wäre dann seine Cahuenga sur-
I, furcht sirid, wohl das beste Siedlungsgelände der Landschaft. Schon früh sind
I face (Lit. 153). Die erste Aufwölbung der Dominguez-Kette wurde zur Zeit
11
Randstädte von Los Angeles auf ihnen entstanden: Pasadena, Santa Monica. der Dominguez surface denudiert. Die Signal':Höhe ist ein Relikt jener
I! altenOberfiäche. Die Hollywood- und Santa Monica-Platten wurden von
1
1
1 einem älteren Los Angeles-Fluß unternagt, ~der, wohl vom Arroyo Seco her-
1
1
kommend (Lit. 149), um die Südseite des westlichenLQs Angeles-Hügellandes
/1
I'
westlich herumfioß und durch die heutige Ballona-Niederung bei Playa del
li Rey mündete. Wo der Los Angeles~Fluß heute seine Mündung hat, unter-
1I
schnitt er oder ~eiI'l. Vorgänger, vielleicht ein Mündungsarm des San Gabriel-
1
1
11
Flusses (ein älterer Rio Hondo), die. Ostseite der Dominguez-Höhe· und die
Westseite der Long Beach-Platte. Der. Los' Angeles-Fluß wurde von seinem
11

.1
1
1
westlichen Lauf nach Osten abgelenkt, möglicherweise durch seine eigene
i' Schuttanhäufung. Die Ballona-Ni~derung versumpfte, wie die bis zu 10 m
!!
i! mächtigen Torfablagerungen über den groben Flußgeröllen beweisen. Noch
.)
!i heute ist diese. Gegend schlecht dräniert und siedlungsfeindlich. Die jüngere
iI
11
Schuttdecke legte sich weitgehend über die ältere. Die neuaufsteigende
il
Dominguez-Kette hält sie aber landwärts zurück. Die Dominguez-Kette ~rd
11 nun vom Ballona Creek und Los Angeles-Fluß antezedent durchschnitten,
soweit man bei dem fiederfönnigen Auseinanderreißen der Antiklinale von
11
1;
Antezedenz sprechen kann. Cerritos-Höhe und .Bixby-Platte wurden auf-
I!
I1
gewölbt und mit ihnen nochmals die Signal-Höhe.
11 Die vereinigten Schuttfächer des Los Angeles .. und des San Gabriel-Flusses
I,
I1
füllen das westliche Los Angeles-Becken. Der westliche Mündungsarm des
!I San Gabriel-Flusses mündet heute in den Los Angeles-Fluß. Wo sich ihre
!:
Schuttfächer südwestlich Montebello vereinen, hat der stark aufschüttende
Los Angeles-Fluß einen kleinen Zufluß abgedämmt. und die Bildung eines
heute ausgetrockneten Sees veranlaßt, den die Spanier "Laguna" nannten,zum
Fig. 3. Die Böden der Südhälfte des Los Angeles Count}>' nach Alter und Herkunft Unterschied von den "Cienegas", Seen aufsteigenden Grundwassers. Sie gab
(Auf Grund der Soil Surveys des U. S. Dept. of Agriculture und der University of California) der Laguna: Ranch den Namen. Dieser Teil des Los Angeles-Beckens sei
daher "Laguna-Ebene" genannt (s. Tafel·2), auch wenn sie vorwiegend aus
Long Beach und die Vorläufer von Hollywood. Alle vier sind bevorzugte älterem Schuttmaterial ;:tufgebaut ist, das hier aber tief liegt und fast un-
Wohnstädte geworden. merklich unter diejüngeren Schuttfächer untertaucht. Im San Gabriel-Becken
Auf diese Periode der Aufschüttung ist verstärkte Erosion gefolgt, die in grö- legen San Gabriel-Fluß und Rio Hondo ihrejunge Schuttdecke über die ältere
ßerer Wasserführung der Flüsse (Klimaänderung?),neubelebter Tektonik und der San Gabriel-Platte, in die sie unmerklich übergeht. Die San Gabriel-Platte
Senkung der Erosionsbasis (Absinken der Ballona Creek- und Los Angeles~ ist das V örland der Pasadena- und der Sierra Madre-Platte, von ihnen ge-
Flußmündungen?) ihre Ursache haben mag. Die neue Erosionslandschaft trennt durch die Staffel der Raymond-Kette, die sich vom Arroyo Seco im
entspricht wohl der Dominguez surface Vickerys. Die Landschaft, die von Bogen nach Nordosten bis zum Fuß des San Gabriel-Gebirges him;ieht.

18 ,,* 19
Vom Gebirge kominen junge Schuttkegel herunter, die sich mit steilerem unter der Linda Vista-Pasadena-Platte. Der langgezogene, über die Pasadena-
Gefälle auf die älteren Schuttplatten legen. Altadena ist auf dem Schuttkegel Platte aufragende Orange Grove Avenue-Rücken wird als Erosionsrest eines
erbaut, der sich über die nordöstlichePasadena-Platte legt, Beverly Hills auf ,ehemaligen, erst östlich, dann westlich davon fließenden Arroyo Seco an-
dem, der den westlichen Teil der Hollywood-Platte überdeckt. Auch das gesehen, sofern es sich nicht um einen Grundgebirgshorst längs einer Nord-
neuere Hollywood liegt auf solch jungem Schuttfuß. Die ganze San Fernando- nordwest.Südsiidost verlaufenden Bruchzone handeln sollte (Lit. 129,S. 92).
Ebene ist eine junge Schuttdecke, die ihr Material von Norden, von dem Südlich des Vorsprungs der Elysischen Höhen hat der Los Angeles-Fluß
Santa Susana- und vor allem· dem San Gabriel-Gebirge erhält. Das GeIalle nach Aufnahme des Arroyo Seco im jungen Alluvium erodiert und am Fuß
beträgt in den zentrali~n Teilen der Ehene 8-g m pro Kilometer. Am östlichen des westlichen Los Angeles-Hügellandes die Niederterrasse geschaffen, auf der
Ende der San Fernando-Ebene kommen vom Verdugo-Gebirge und den San das Pueblo Los Angeles entstehen konnte. Auf der Überschwemmungsterrasse
Rafael-Bergen schön ausgebildete Schuttkegel herunter, die zur Anlage der konnten. die ersten, leicht berieselbaren Gärten angelegt werden. Die Über-
Siedlungen Burbank und Glendale Anlaß gaben. schwemmungsterrasse (River flat) reicht östlich des Flusses bis an den Fuß
der ungleich höheren altalluvialen Terrasse. Diese haben junge Kerbtäler von
Süden her zerschnitten und damit das Östliche Los Angeles-Hügelland ge-
Oberflächenformung schaffen. Seine Taleinschnitte waren der frühen Besiedlung ungünstig, so daß
Die junge Aufwölbung der Ketten innerhalb des Südkaliförnischen Beckens hier ärmliche Wohnviertel und Mexikanerviertel entstanden. Die ältere
hat an vielen Stellen antezedente Durchbruchstäler entstehen lassen. Schon pleistozäne Rumpffläche westlich des Flusses ist vielfach zerschnitten, sie ist
der in frühgeschichtlicher Zeit und noch heute so wichtige Cahuenga-Paß zum Westlichen Los Angeles-Hügelland geworden. Es hat sich zwar zum
läßt Antezedenz erkenneIl. Aufseiner heutigen Wasserscheide liegen Schotter. Wohnviertel der Stadt entwickelt, aber nur langsam, und ist nie ganz bebaut
Aus dem San Fernando- und dem westlichen San Gabriel-Becken brechen worden. Noch viel mehr gilt das von den höheren Elysischen Höhen, die
die Korridore des Los Angeles-Flusses und des Arroyo Seco :durch die I" nördlich angrenzen,aber auch innerhalb der alten Stadtgrenze liegen. Wegen
Cahuenga-Kette in die Los Angeles-Ebene durch, wahrscheinlich antezedent, seiner großen Reliefunterschiede hat man das Land früher als wertlos für
von denen wenigstens das Tal des Los Angeles-Flusses tektonisch begünstigt Siedlungszwecke angesehen und den östlichen Teil zum städtischen Elysian
erscheint, wie der gradlinige Verlauf des Nordostabfalles der Elysischen Höhen Park gemacht. Die typischen, wohl durch Bodenbewegung begünstigten,
vermuten läßt. Der Coyote-Paß, der die San Gabriel-Platte mit dem östlichen gut abgerundeten Formen dieses Teiles der Cahuenga-Kette treten uns mehr
Hügelland verbindet, wird von V ickery als antezedentes Tal angesehen 1 poch in den Highland- und Repetto-Höhen entgegen, soweit sie von der Be-
(Lit. 151). DerPaso d.e Bartolo (Bartolo-Pforte), an dem San Gabriel-Fluß und siedlung noch nicht ergriffen sind. Ganz anders als an den miozänen und
Rio Hondo die Cahuenga-Kette passieren, ist ein Synklinal-Tal (Lit. 121, S. 61). pliozänen Sedimenten greift die Erosion den Granit an, der im östlichen Teil
j des Santa Monica-Gebirges ansteht. Allenthalben tiefgründig verwittert,
Der Durchbruch des mit dem Rio Hondo vereinigten Los Angeles-Flusses
am "Paso de Dominguez" "(Dominguez-Pforte) wird durch eine Unter-
brechung in der Reihe der Antiklinalen der Dominguez-Kette erleichtert
l leistet er der Auswaschung keinen Widerstand. Ähnlich zerfurcht wird der
Granit des Verdugo-Gebirges, der San Rafael-Berge und des San Gabriel-
worden sein. Eine ebensolche Begünstigung mag beim Ballona Creek-Durch .. I Gebirges, soweit der Chaparral nicht dicht genug ist, um ihn zu schützen.
bruch vorliegen, während der kleine Paß zwischen Cerritos- und Signal-Höhe I Gelegentlichen Wolkenbrüchen kann selbst die Gebirgsvegetation nicht stand-
halten, sie wird -dann samt der Bodenkrume weggespült (Lit.225).
mehr als das Werk rückschreitender Erosion. anzusehen ist (Lit. 151).
In die Schuttmäntel graben die aus dem Gebirge austretenden episodischen Die geringeren Erhebungen der Dominguez- und der Raymond-Kette
Flüsse und Bäche verkehrshindernde Schluchten ein (Pacoima Wash, Tujunga werden von Kerbtälern von ihrem Vorland aus angeschnitten. Die Potrero-
Wash, Arroyo Seco, Eaton Wash). Ihre:; Wände sind so steil, daß sie land- Athens-Platte wird dadurch in eine Potrero-, Belleview- und Athens-Höhe
schaftsteilend wirken. Oer Boden des Arroyo Seco-Einschnitts liegt 25-30 m zerteilt. Ein Kerbtal trennt Cerritos- und Signal-Höhe. An der Raymond-

20 21
Kette ist die Erosion weit genug zurückgeschritten, um das Grundwasser- Die .Küste selbst ist eine Ausgleichsküste. An den in steilem Kliff ab-
becken der' Pasadena-Platte anzuzapfen. Die Bäche konnten daher das ganze brechenden Santa Monica-Platten "greift ~as Meer an. Vor der Ballona-Senke
Jahr Wasser führen und dadurch jene welligen Formen schaffen, die für baut es auf, dann setzt sich die KüsteDlinie in leichtem Bogen bis zum San
immerfeuchte Gegenden charakteristisch .sind. Auch das Nordende der Pedro-Vorgebirge.fort, an dem dieSee wieder heftig angreift. Am Südost-
Dominguez-Kette und die höheren Teile der Santa Monica-Platte werden vorsprung des San Pedro-Kliffs ist der Wellenangriff so stark, daß im Sommer
von Kerbtälern zerschnitten, die das Buenos Aytes- und San Vicente-Hügel- 1929 dasSchichtpaket am Point Fermin. zum Meere hin absank und die
land schufen (so benannt nach den Ranchos' San Jose de Buenos Ayres und ~äuser geräumt werden mußten.
San Vicente y Santa Monica). Beide Hügelländer entwässern zur Ballona- Im Lee von Point Fermin kann sich ein Küstengegenstromentwickeln, der
Niederung, in ihrem westlichen Teil durch die Sawtelle-Ebene. Seitdem man an der LongBeach.,Terrasse ein Kliff bildet, mit dessen Material er die
von dem Schachbrett-Straßensystem abgeht, entstehen in diesen zertalten Nehrung, heute Terminal lsland (früher Ratdesnake Island), vor der alten
Gebieten vornehme WohnViertel: Oak Knoll an der Raymond-Kette, West- Mündung des LosAngeles-Flusses aufbaut. Damitist ein Wellenschutz für die
wood und HolmbyHills auf dem Buenos Ayres-Hügelland und Brent- seichte, innere Bucht· gegeben, der neben dem Windsch:i.ttz die Vorbedingung
wood-Heights auf dem San Vicente-Hügelland. Die höchste Erhebung der für q.en Hafen sein mußte.
Dominguez-Kettesind die Baldwin-Höhen. Sie beginnen schon die runden Die Zerfurchung des San Pedro-Vorgebirges ist an seiner landwärtigen
Formen auszubilden, die für die etwas älteren Highland- und Repetto-Höhen Seite, wo es sich am langsamsten hebt; am' weitesten fortgeschritten. Dort
typisch sind. lassen sich die Terrassen auch ain wenigsten deudich erkennen. Es kommt
Das San Vicente-Hügelland geht allmählich in die Santa Monica-Platten weitgeh~nd zur Ausbildung gerundeter Oberflächenformen.·
über, deren westlicher Teil, die Palisades-Platte, von mehreren Oafions zer-
schnitten wird. Bis zu vier Terrassen können in diesen Schluchten unter-
KLIMA
schieden werden, deren Entstehung noch problematisch ist. Als Ursachen
kommen nach Hoots vor allem in Betracht: postpleistozäne Hebungen mit . Unter den Vorzügen der Landschaft, die seit den 1?7oer Jahren von der
Stillstandspausen, Verkürzung und Verstärk~ng des Gefälles durch marine Rekl~me uneingeschränkt ausgenützt werden, um Menschen anzulocken,
Abrasion, wechselnde Erosionskraft infolge von Niederschlagsschwankungen. steht das Klima an erster Stelle. Früher zog in erster Linie der milde Winter
Die Santa Monica-Platte im engeren Sinne ist unzertalt. Nur ein Einschnitt, die Menschen nat;h Los Angeles und Pasadena. Seit 1920 preist man das
den die' Bahn benutzt, trennt sie von ihrem südlichen Teil, der Ocean "all-year-round"-Klima, an und schließt die Vorzüge des Sommers in die
Park-Platte. Propaganda ein. Auf Nachteile des Klimas hinzuweisen, wäre in den Augen
Das Küstenvorland von Playa del Rey bis Redondo ist eine gehobene des Angelefio ebenso frevelhaft, wie von einer Erdbebengefahr zu sprechen.
Dünenlandschaft (s. Fig. 3, S. 18). Vom Fuß'des küstennahen Santa Monica- Das Klima wird schlechthin als mediterran bezeichnet. Es ist aber keineswegs
Gebirges her konnte durch Strandversetzung reichlich Sand zur Dünenbildung einheidich. Höhenunterschiede,
I
Gebirge, Meereseinfluß und Küstenform be-
geliefert werden. Für diese gehobene Landschaft, das Hinteriand vom Playa dingen eine starke Gliederung.
del Rey-Steilabfall bis Redondo Beach sind zahlreiche, zum Teil beträchtlich Das normale Klima des Tiefla'ndes von Südkalifornien ist das Steppenklima,
tiefe abflußlose Hohlformen charakteristisch. Hier liegen fünf und mehr alte Köppens BS-Typus. Die Hochbewegung der Angeles- und Oahuenga-Ketten
parallele Dünenzüge hintereinander. Aufschüttung im Mündungsbereichdes und des Küstenvorlandes hat das Klima modifiziert und differenziert. Los
Los Angeles-Flusses und Hebung des Dünenvorlandes dämmen das Altwasser Angeles liegt heute ·auf der Grenze zwischen Os- und BS-Klima (s. Fig. 4).
des Nigger Slough vor der Dominguez'-Kette zurück. Auffallend ist das unter- Die Beobachtungsstation Los Angeles befindet sich auf dem Dach eines viel-
seeische Tal, das auf Redondo Beach hinweist. Es setzt sich landeinwärts stöckigen Gebäudes im' Geschäftsviertel. Sie empfängt. genug Niederschlag
nicht fort •. (jährliches Mittel 379,7 mm), um bei einer mittleren Jahrestemperaturvon

22
17,1° C nicht mehr in den Bereich des BS-Klimas zu fallen. Die Temperatur tiefere südliche Teil des San Bernardino-Beckens, der im Regenschutz des bis
des wärmsten Monats ist 21,8°. Somit liegt das Zentrum der Stadt gerade an 1650 m ansteigenden Santa Ana-Gebirges liegt, empfangt nicht genug Nieder,.
der Grenze des Csa-Klimas, aber noch in Csb. Santa Monica hat mit 19,1° schläge. Er hat BS-Klima. Dasselbe ist für den südlichen Te~l des San Fer-
im wärmsten Monat besser ausgeprägtes Csb-Klima. San Pedro und Long nando-Beckens anzunehmen, der durch das Santa Monica-Gebirge geschützt
:1
ist (Lit. 218, Klimakarte).
Im südlichen Teil des San Gabriel-Beckens wiederholt sich das BS-Klima .
~. nicht. Er liegt nicht so tief, und die Repetto-Höhen sind nicht hoch genug,
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um einen Schutz zu bieten.'
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Man muß sich vor Augen halten, daß die Köppensehen Klimabezeich-
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nungen nicht die richtige Vorstellung des Klimas von Los Angeles geben,
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denn hier bestimmt gerade das periodische An- und Abschwellen der Nieder-
schlagsp1enge den Klimacharakter. Das jährliche Mittel von 379,7 mm be,.
• steht nur in der Theorie. In den elf Wintern von 1893/94 bis 1903/04 betrug
das Mittel 286 mm, in den darauffolgenden acht Wintern dagegen 409 mm
(Lit. 272, S. 32). So hat die BeobachtungsstationLos Angeles in Wirklichkeit
periodisch abwechselnd' BS- und Cs-Klima. Der Schluß, daß das Klima zeit-
11
lich gefaßt werden muß, wenn man den wahren Klimacharakter erkennen
will, ergibt sich aus der Betrachtung der Beobachtungsstatistiken von Los
Angeles. In diesem Sinne hat auch R.J. Russell jüngst allgemein die ;Be-
trachtung des. Klimas in kurzen Zeitabschnitten gefordert (Lit. 219). Nur so
können übergangsklimate richtig erfaßt werden.
Das Klima der kalifornischen Landschaften wird von den niedrigen sommer-
0...._ _...
,,_K...;;ILOMETiR lichen, Wassertemperaturen, die in der küstennahen Zone des Ozeans auf-
o 1~ MEILEN treten, eigenartig beeinflußt. Um Kap Mendocino, nördlich von San Francisco,
nS"lO' erreicht das kalte Küstc::nwasser, das als aufsteigeI,1des Tiefenwasser angesehen
f, wird, seine niedrigsten Temperaturen. Die Anomalie nimmt nach Norden
. . HÖHf:N UNO GEB1RGEr:::~ FLÜSSE • BEOBACHTUNGSSTATIONEN
iL und Süden ab. Immerhin sind auf der Breite von Los Angeles die Unter-
':::
Fig. 4. 'Die Klimagebiete von Los Angeles schiede zwischen Wasser- und Lufttemperatur im Frühsommer groß genug,
Um zu Nebelbildung Anlaß zu geben, wenn auch lange nicht so stark wie an
der mittelkalifornischen Küste. Die westlichen Winde treiben die Nebel als
Beach, im Regenschutz des San Pedro-Vorgebirges gelegen, empfangen- Dunstschleier (high fogs) über die Beckenlandschaft. Das Maximum der
weniger Niederschlag. Sie fallen in das BS-Klima, ebenso die Stationen im sommerlichen Einstrahlung verspätet sich. Der wärmste Monat ist der August.
südöstlichen Teile des Los Angeles-Beckens. Die Cahuenga-Kette und die Der Einfluß des Nebels kommt im San Bernardino-Becken zum Ausklingen.
höheren Teile ihrer Schuttfacher empfangen wieder mehr Niederschläge. Die Hier ist Juli der wärmste Monat. Ebenso im Gebirge, das über den Dunst-
Höhe ermöglicht hier größere Einstrahlung, die die Temperatur des wärmsten schleier hinausragt.
Monats auf über 22 ° erhöht. Sie haben Csa-Klima, das sich im Interior Santa Monica hat ausgesprochen maritimes Klima mit einer mittleren
Valley und an der Südabdachung der Angeles-Ketten fortsetzt. Nur der jährlichen Temperaturschwankung von 7,8° C und einem mittleren

t' 25
!

Augustmaximum von 20,5 ° C. Bei Santa Monica tritt die Seebrise auf das Daher ist auch der Eintritt der Regenzeit schwankend. Sie kann im September
Festland über. Los Angeles erhält von hier dauernd Westwinde, die das beginnen, sie kann sich auch bis November oder Dezember verspäten.
mittlere Maximum des heißesten Monats noch im Geschäftsviertel auf 27,8° C Der Niederschlag ist von so überragender Wichtigkeit für die Landschaft,
halten. Das entspricht einer Zunahme von etwa 3 ° pro IO km. Im San daß die Zeitungen nach jedem Regen auf ihrer ersten Seite eine ausführliche
Fernando- und San Gabriel-Becken ist das· durchschnittliche Augustmaximum Statistik darüber bringen. Darin führen sie für alle Stationen der Landschaft
4 ° bis 5 ° C höher, im San Bernardino-Becken noch mehr. Die Differenz der Regenmenge, Summe des bisherigen Niederschlags der betreffenden "season"
mittleren August-Tagesmaxima zwischen' Küste (San Pedro) und Interior und einen Vergleich mit der durchschnittlichen Regenmenge bis zu demselben
Valley (San Fernando) beträgt 9,5° C, die der nächtlichen Augustminima Tage auf. Die Eigenart des Regenfalls bringt es mit sich, daß in der Mehrzahl
nur 2,9° C, wobei sich das Verhältnis zwischen Küste und Interior Valley der Jahre der Durchschnitt der Regenmenge nicht erreicht wird.
umkehrt. Der meist periodische Wechsel in· der Niederschlagsmenge mehrerer Jahre
Im Winter ge,hen die Temperaturen von Los Angeles nur selten unter 7,5 ° hat ein Schwanken des Grundwasserstandes mit entsprechenden Perioden zur
(Januar-Mittel 12,8°, mittleres Januar-Minimum 7,5°), etwas niedriger im Folge. Bei weniger als 250 IIlm jährlichen Niederschlags fließt kaum mehr
Interior Valley (mittleres Januar-Minimum von Pasadena 4,1°). Die mit Wasser aus dem Gebirge ab (Lit.272, S.32).
dem Regen kommende Abkühlung macht, wenn auch nur wenige Tage In der Entwicklung der Landschaft spielen "droughts" und "floods" eine
dauernd, Heizung der dünngebauten Häuser nötig. Fröste sind selten. Sie entscheidende Rolle. So haben mehrere aufeinanderfolgende Trockenjahre
betreffen am meisten die tieferen Teile des Interior Valley, vor allem nach Ende der 1850er Jahre und Anfang der 1860er Jahre das Ende der extensiven
dem Auftreten föhnartiger Wüstenwinde, den sogenannten Santa Anas, die Weidewirtschaft veranlaßt und in den 1870er Jahren die Schafzucht zum
aus dem winterlichen Hoch, das über der Möhave-Wüste steht, heraus wehen Erliegen gebracht.
(Lit. 211, S. 163). Zum Schutz gegen Frost und die beträchtlichen Temperatur- Zahlenmäßig können wir die Niederschlagsschwankungen erst seit 1877,
veränderungen innerhalb weniger Stunden werden die gefährdeten Agrumen- dem ersten Beobachtungsjahr der Meteorologischen Station von Los Angeles,
kulturen allgemein durch billige Petroleumöfen geheizt. Die Frostgefahr hat verfolgen. Während einer 53jährigen Beobachtungsperiode hat Los Angeles
in der amerikanischen Besiedlungsperiode der 70er Jahre, als man einerseits in 15 Wintern mehr als 456 mm und in 9 Wintern weniger als 228 mm Nieder-
anfing, Gartenkulturen anzulegen, andererseits Rücksicht aufLungenleidende schlag empfangen mit Extremen von 970 mm im Winter 1883/84 und 142 mm
nahm, einen entscheidenden Einfluß auf die Siedlung ausgeübt. Während für im Winter 1898/99. Nur an durchschnittlich 37 Tagen des Jahres regnet es
die Lokalisierung der vorherigen amerikanischen landwirtschaftlichen Sied- mehr als 0.25mm. Die Monate Dezember bis März haben im Mittel nur je
lungen (EI Monte, Compton) Boden und Wasser ausschlaggebend war, suchte 6 Regentage, die anderen Monate weniger. Der durchschnittliche monatliche
man jetzt frostärmere Stellen auf. Es entstand eine Kette von Siedlungs- Niederschlag beträgt von Dezember bis März 66,5 mm und darüber, in den
anfängen auf dem oberen Teil der Schuttfächer des San Gabriel-Gebirges. anderen Monaten 30,5 mm und darunter. Selbst innerhalb der Monate De-
Auch die Anfänge von Hollywood gehen aufKlimaeinflüsse zurück. In den zember bis März ist die Schwankung beträchtlich. Innerhalb dieser 4 Monate
höheren Lagen am Gebirgsfuß haben sich seitdem stets vornehme Wohn- sind Schwankungen um mehr als die zehnfache Regenmenge von einem
viertel entwickelt, denn hier können nicht nur Agrumen,. sondern jetzt vor Monat zum andern in 55 Jahren 36mal aufgetreten. Mehrtägige Bewölkung
allem empfindliche, nicht einheimische Zierpflanzen aller Art angepflanzt kündigt die Regen an, die dann einige Tage anhalten. Heftige Regengüsse
werden. Schon der Bewohner des südlichen Hollywood ist darin benachteiligt sind dabei nicht ungewöhnlich. Während 34 Jahren ist in Los Angeles 20mal
gegenüber dem Villenbesitzer ein oder zwei Kilometer weiter nördlich. mehr als 63,5 mm Niederschlag in 24 Stunden niedergegangen mit 173 mm
Die Ausläufer der winterlichen Zyklonen der feuchtgemäßigten Zone er- als Extrem (Lit. 222, S. 8). Der Schaden, den solch heftige Regengüsse
reichen Südkalifornien nur gelegentlich. Das bedingt von Jahr zu Jahr und anrichten, ist meist beträchtlich. Die Entwässerungskanäle können solche
innerhalb der Jahreszeit eine auffallende Niederschlagsschwankung. plötzlich niedergehenden Wassermassen nicht fassen, und die Straßen werden
überschwemmt. Das Tiefbauamt legt unentwegt neue, größere Entwässerungs-
röhren, die nur für den vielleicht einmal im Jahr auftretenden heftigen Regen- Nur die Angeles-Ketten erhalten Niederschlag in Form von Schnee, der
guß berechnet sind. Nur dann erreicht der Los Angeles-Fluß seine Ufer. Um im San Bernardino-Gebirge Wintersport ermöglicht. Die Schneedecke schmilzt
der schadenstiftenden Geröllführung der Wildbäche, die selbst Baumstämme im Sommer wieder ab.
mitführen, zu begegnen, werden vom "County Flood Control District" x) in
den Cafions des San Gabriel- und Verdugo-Gebirges sogenannte "check dams" HYDROGRAPHIE
und "debris dams" errichtet, denn die Siedlungen auf den jungen Schutt-
Das Wasser der heftigen Regengüsse fließt zum.großen Teil zum Ozean ab.
fächern werden nicht nur von den Wasserrnassen, sondern fast noch mehr
Die Niederschlagsmenge, die im Boden versickert, wird dauernd verringert
von den Schuttmassen gefährdet. Die geologischen Veränderungen, die ge-
legentliche Wolkenbrüche im Gebirge hervorrufen, hat J. E. Wolff am Bei- mit der Ausdehnung des gepflasterten Straßennetzes und dem Rückgang der
J künstlichen Bewässerung infolge städtischer Bebauung. Ein weitverzweigtes
spiel des Wolkenbruchs vom 4. April 1926 beschrieben. Blöcke bis zu 17 t
wurden mehrere hundert Meter transportiert (Lit.225). System von Entwässerungskanälen führt die Wasserrnassen den Trockenbetten
der Flüsse zu. Das Grundwasser, dessen Spiegel ohnehin infolge zu starken
Gewitter sind selten. Sie treten im März oder April (Lit. 222, S. 3) im Gefolge
Pumpens sinkt, wird nicht nachgefüllt. Auch dem Los Angeles-Fluß und dem
lokaler Zyklonen auf, die sich in dieserJahreszeit über den Wüsten und Gebirgen
Arroyo Seco wird das unterirdische Wasser künstlich entzogen, ehe es das
des südöstlichen Kalifornien undArizona bilden. Als sogenannte Sonoras sind sie
Los Angeles-Becken erreicht.
berüchtigt. Sie bringen wolkenbruchartige Regengüsse, die vielfach Schienen-
Am aufnahmefähigsten sind die gebirgsnahen Teile der Schuttfächer, die
wege, Landstraßen und Brücken zerstören (Lit.224, S. 69 u. S. 328). Blake
hier ihren größten Porenraum haben. Weiter unterhalb bleiben die Flußbetten
beschränkt den Begriff Sonoras auf die plötzlichen Gewitter, die im Juli
und August über der Mohave- oder Colorado-Wüste als Folge örtlicher als washes (Geröllbetten) während des größten Teiles des Jahres trocken.
Konvektion auftreten (Lit. 203, S. 585/88). In ihnen tritt Wasser nur dort zutage, wo es an Untergrundaufragungen zur
Hohe relative Feuchtigkeit und Frühjahrs- und Sommernebel machen Oberfläche gedrängt wird.
Das San Gabriel-Becken besteht aus drei Grundwasserbecken, dem unteren
die Küstenorte ungeeignet für Hals- und Lungenleidende (Lit. 224, S. 46917 1).
eigentlichen San Gabriel-Becken und zwei höheren Teilbecken, Pasadena-
Los Angeles selbst hat mit 63 Prozent noch eine unerwartet hohe relative
und Altadena-Becken (s. S. 14). An der Nordostecke der San Rafael-Berge
Feuchtigkeit. Sie geht allein auf ozeanischen Einfluß zurück, sinkt daher rasch
setzt die Monk Hill-Aufragung an, durch die sich der Arroyo Seco am Devils
mit zunehmender Tagestemperatur und läßt es fast nie zu Schwüle kommen.
Gate hindurchgenagt hat. Das Altadena-Becken ist die östliche Fortsetzung
Nächtliche Feuchtigkeit ist am spürbarsten in der Ballona-Niederung, durch
welche die kalte Nachtluft zur See zurückfließt. Hier schreitet daher auch die des La Cafiada-Beckens (Lit. 284, S. 51). Die Granitaufragung, die vom Devils
Besiedlung nur sehr langsam fort. Gate 1,3 km südsüdöstlich verläuft, um dann erst nach Ostsüdosten umzu-
biegen, bewirkt, daß das. Grundwasser nach Osten in die Tributärbecken des
Von Juli bis Dezember empfängt Los Angeles über 70 Prozent des
San Gabriel-Beckens abgelenkt wird, anstatt mit dem Arroyo Seco oder unter
möglichen Sonnenscheins. Dasbeeinflußte anfangs' die Niederlassung
dessen Geröllbett dem Los Angeles-Fluß zugeführt zu werden. Schon die ersten
der Filmindustrie. Vom monatelang wolkenlosen Himmel strahlt die Sonne
Siedler entnahmen ihr Wasser am Devils Gate. Noch zur Zeit der Entdeckung
erbarmungslos nieder. Sie wirkt bei dem Fehlen jeglicher Abkühlung durch
Regen nervenerschlaffend auf den Menschen. . war der Arroyo Seco wasserführend ; nur so konnte das Trockenbett zu seiner
Die vorwiegende Windrichtung ist westlich. Nur im Winter erhält Los heutigen Tiefe eingeschnitten werden; mit dem Sinken des Grundwassers
Angeles nordöstliche Winde. Die Seebrise ist hinter dem Buenos Ayres-Hügel- und der Abdämmung des Devils Gate ist er in dem an Pasadena angrenzenden
land nur noch schwach. Die Nächte sind windstill. Teil gänzlich trocken, so daß auf seiner "Flußaue" ein öffentlicher Park und
das große Rose Bowl-Stadion angelegt werden konnten. Erst vor seinem
X) Kreis-Wasserbauamt.
Eintritt in die Highland- und Repetto-Höhen wird der Arroyo Seco wieder

29
wasserführend. Hier pumpt die Stadt South Pasadena ihr Wasser, so daß des San Gabriel-Beckens ist, so daß alles Grundwasser an diesen Durchlaß
praktisch alles Arroyo Seco~Grundwasser dem San Gabriel-Becken erhalten derCahuenga-Kette gedrängt wird. Es ist schon bei EI Monte dicht unter
bleibt. Früher trat das Wasser außer am Devils Gate auch etwa 4 km weiter der Oberfläche, was hier frühe U.S.-amerikanische Besiedlung veranlaßte.
südlich am Sheep Corral in Quellen zutage. Die Raymond-Kette kann vom Die erste Mission San Gabriel war an der Westseite der Bartolo-Pforte an-
Arroyo Seco bis zum Santa Anita-Cafion verfolgt werden. Wo sie die Ober- gelegt worden, mußte aber wegen Überschwemmungsgefahr schon nach
fläche nicht erreicht, ist ihr Vorhandensein am Unterschied des Grundwasser- wenigen Jahren verlegt werden. Südlich der Bartolo-Pforte versickert das
standes zu erkennen, der nördlich etwa 75-90m höher liegt als unmittelbar Wasser beider Flußarme und bleibt im Untergrund bis in die Nähe des ehe-
südlich der Aufragung (Lit. 241, S. 44). Die Westbegrenzung des Beckens ist maligen artesischen Gebietes des Los Angeles-Beckens.
eine Bruchlinie, die, ungefähr parallel mit dem Arroyo Seco, an der Ober- Im San Fernando-Becken empfängt die sandigere östliche Hälfte(s. S. 34)
fläche durch einen Steilhang deutlich wird. Dieser erreicht zwischen Orange die größeren Zuflüsse. Pacoima, Little Tujunga und Tujunga Creeks sind die
Grove Avenue und Arroyo Boulevard 22 m Höhe und ist vonSouth Pasadena Hauptzuflüsse des Los Angeles-Flusses. Vom San Gabriel-Gebirge bringen sie
bis Altadena auf einer Strecke von 8 km zu verfolgen. gewaltige Geröllmengen herunter, die zum Teil zur Betonherstellung genutzt
Bei Ankunft der Spanier stand das Grundwasser im Pasadena-Becken noch werden. Im breiten Geröllbett des Tujunga Creek, ebenso wie in dem des
so hoch, daß es das ganze Jahr hindurch in einer Reihe von Bächen an oberen San Gabriel-Flusses stehen heute riesige Geröllbrecher..
der Oberfläche in das eigentliche San Gabriel-Becken übertreten konnte Die winterlichen Wassermassen, die aus den Angeles-Ketten austreten,
(s. S. 22). Das veranlaßte die frühzeitige Besiedlung der San Gabriel-Platte. breiten sich über die flach nach Süden geneigte Oberfläche des San Fernando-
Mit dem Sinken des Grundwasserspiegels (s. Fig. 15, S. 242) mußte das Wasser Beckens. In dessen östlicher, aus groben Sanden und Kiesen aufgebauten
für die Städte der San Gabriel-Platte mehr und mehr erbohrt werden. Man Hälfte sinken sie rasch ein. Infolgedessen ändert sich der Neigungswinkel
pumpt es imhöherliegenden Pasadena-Becken, von wo es in Reservoire ge- des Grundwasserspiege~s mit der periodisch wechselnden Niederschlagsmenge.
leitet wird. Auf diese Weise stieg der jährliche "Wasserexport" vom Pasadena- Am Südrande des Beckens ist die Höhe des Grundwassers ziemlich konstant.
Becken zur San Gabriel-Platte von 1913 bis 1925 um 72 Prozent (Lit. 24 1, Hier tritt es in Quellen an die Oberfläche, die den Ursprung des Los Angeles-
S. 22). Die ersten U.S.-amerikanischen Siedler der Pasadena-Platte faßten Flusses bilden. Er allein entwässert das Becken. Alles innerhalb des Beckens
das Wasser am bequemsten in den Arroyo Seco-, Millard-, Las Flores- und genutzte Wasser, das nicht durch Verdunstung oder Pflanzentranspiration ver-
Rubio Cafions vor deren Austritt aus dem San Gabriel-Gebirge und an den lorengeht, kommt ihm zugute. Die Konstanz seiner Wasserführung, die im
Quellen des Devils Gate und Sheep Corral. Heute ist Pasadena genötigt, Gegensatz zu der des San Gabriel-Flusses steht, der unmittelbar aus dem Ge-
imPasadena-Becken selbst zu bohren, South Pasadena, Alhambra und San birge austritt, gewann größte Bedeutung für die städtische Wasserversorgung.
Gabriel müssen bereits südlich der Raymond-Kette pumpen. Sie wird nicht unmittelbar von den Trockenperiodengefährdet. Am Ausgang
Das Material des Hauptbeckens ist so durchlässig, daß bei einer Ober- des Beckens, wo eine Untergrund-Barre den Los Angeles-Fluß ohnehin an
flächenabdachung von 9,4 m pro km der Gradient des Grundwasserspiegels die Oberfläche zwingt, kann das Wasser leicht gefaßt und ohne weiteres zur
nur 75 cm pro km beträgt (Lit.241, S. 52)~ Nach Austritt aus dem San , tiefer liegenden Stadt geleitet werden. Ein Teil wird in die hochgelegenen
Gabriel-Gebirge sinkt der San Gabriel-Fluß sehr rasch unter sein breites Reservoire der Highland-Höhen und des Santa Monica-Gebirges gepumpt.
Geröllbett, das sich in Rio Hondo und San Gabriel-Fluß teilt. Von Nord- Die Bedeutung des seit 1915 eingemeindeten San Fernando-Beckens für die
westen münden inden Rio Hondo eine Reihe von Trockenbetten, die heute städtische Wasserversorgung erhellt daraus, daß noch heute ein Drittel des
als künstliche Entwässerungskanäle der San Gabriel- und Pasadena-Platten gesamten Wasserbedarfs von Los Angeles von hier gedeckt wird'). Jetzt geht
ausgebaut sind. Rio Hondo und San Gabriel-Fluß treten aber unter dem man auch daran, dem Becken das von außen zugeführte Owens River-Wasser,
Einfluß einer wasserundurchlässigen Untergrundaufragung im Alluvium erst
wieder an der Bartolo-Pforte zutage. Dazu kommt, daß hier die tiefste Stelle 1) Mitteilung von Mr. D.A. Lane, Los Angeles Dept. ofWater and Power.


das bisher in großen künstlichen, der Verdunstung ausgesetzten Reservoiren auch im Sommer wasserführend. Er gab Anlaß zu Indianeransiedlung an
angesammelt wurde, in das Becken auf groß angelegten "spreading grounds" seinen Ufern. Damals führte auch der Arroyo Seco noch Wasser und gab unter-
versickern zu lassen. Man läßt heute auch die Abwässer von San Fernando halb seiner Einmündung dem im Unterlauf mäandrierenden Los Angeles-
Fluß für eine kurze Strecke feste Richtung. Am Fuß der Elysischen Höhen war
die bequemste Wasserentnahme für die Plaza-Terrasse. Beides führte zur
HÖHEN UND GEBIRGE. Gründung von. Los Angeles an· dieser. Stelle.
IN HISTORISCHER ZEIT Der Unterlauf des Los Angeles-Flusses, der früher stark mäandrierte und
ÜBERSCHWEMMT. sich vor Eintritt in die See in der Ebene verlor (Lit. 345, IV, S. 244, Lit 358,
UND GEFÄHRDET.
H, S. 563, Lit. 489, S. 10), ist heute in einem künstlichen Bett festgelegt.
Ais der Europäer die Landschaft betrat, haben Los Angeles-Fluß und Arroyo
Seco genügend Wasser geführt, um in der Los Angeles-Ebene einen sehr
hohen Grundwasserstand zu erzeugen. Das Grundwasser trat in zahlreichen
"cienegas" an die Oberfläche. Auf den Hollywood- und· Santa Monica-
Platten trat eine Reihe von Cienegas in 1-3 Meilen Entfernung vom Gebirge
auf; der Name des Ranchos Rodeo de las Aguas (heute Beverly HiIIs) er-
innert daran. Ein zweiter Gürtel solcher Grundwasseraustritte zog sich am
Nordrande der Baldwin-Höhen entlang (Rancho La Cienega!). Ballona Creek
ist heute zum wichtigsten Entwässerungskanal der Westvorstädte von Los
Angeles ausgebaut.
Die Bruchzone derDominguez-Kette wirkt grundwasseraufstauend. Sie ließ
ein großes artesisches Gebiet entstehen, das heute verschwunden ist (s. Fig. 15
S. 242). So litten die tieferen Teile der Hollywood-Platte, die obere Ballona-
Niederung und das große Gebiet der heutigen Südvorstadt noch bis vor wenigen
Jahren unter schlechter Entwässerung (s. Fig. 5). In früheren Jahren war das
Gebiet südlich Watts zur Regenzeit stets von Überschwemmungen gefährdet.
Ein alter Lokalitätsname "Green Meadows" weist noch darauf hin. Compton
Creek ist von der County Flood Control zum Entwässerungskanal der Süd-:
vorstadt ausgebaut worden. Das Grundwasser, das zum großen Teil noch
von privaten Wassergesellschaften erbohrt und gepumpt wird, tritt schicht-
weise unter Tonlinsen auf. In den tieferen Lagen steht es unter natürlichem
Druck, der die Wasserentnahme erleichtert.
Das Grundwasser des Küstenvorlandes ist zum Teil unter Meeresniveau ge-
Fig·5· Die ehemaligen Überschwemmungsgebiete von Los Angeles (nach J. W. Reagan)
sunken. Salzwasser dringt ein und verdirbt die Trinkwasserversorgung mancher
im Untergrund versickern und ist dabei, das Trockenbett des Pacoima in ein Randstädte an der Küste (s. Fig. 15). Auch die Abwässer der Petroleum-
System von Kanälen aufzuteilen, die das Versickern des sonst oberflächlich raffinerien erhöhen den Salzgehalt des Grundwassers. Die Umgebung des
abfließenden Wassers der winterlichen Regengüsse ermöglichen sollen. Nigger Slough-Altwassers ist stets zur Regenzeit überschwemmt. Sie wird
Der Los Angeles-Fluß war in seinem Mittellauf zur Zeit der Entdeckung nach Watson und zum Hafen hin entwässert.

3 Wagner, Los Angeles


32 33
Nachschub, den heftige Gewittergüsse bringen, gefährdet immer wieder die
BÖDEN Häuser. Trotzdem schieben sich die Villenviertel von Sierra Madre, Alta-
dena und die Siedlungen des La Cafiada-Korridors in diese Zone vor. Mit
Die Böden des Südkalifornischen Beckens sind up.ter Zusammenarbeit des der Entfernung vom Gebirgsfuß gehen die groben Schuttböden in kiesige,
United States Department of Agriculture und der University of California sandige und feinsandige Böden über. Bei den älteren Böden dieser Art ist es
1915/16 kartiert worden. Die mit den Bodenkarten herausgegebenen Er- zur Ausbildung eines festenB-Horizonts gekommen, der an Wegeinschnitten
läuterungen bringen Beschreibungen von Oberflächenformen, Klima, Wasser- gesimsartig hervorragt. Am verbreitetsten unter den älteren Schuttböden ist
versorgung und Anbau außer der genauen Untersuchung der Bodenarten.' die Ramona-Serie. Auf den kleinen Resten der ältesten Schutt-Terrasse, die am
Die Möglichkeit landwirtschaftlicher Nutzung steht dabei im Vordergrunde. Bruchrand des San Gabriel-Gebirges hochbewegt wurde, ist die Placentia-
C. F. Shaw hat die Böden in 6 Hauptgruppen eingeteilt. Ursprungsgestein, Serie ausgebildet. Auf ihr fortgeschritteneres Alter weist die stärkere Rotfär-
Klim~einfluß, chemische Zusammensetzung, Profilcharakter im Endstadium, bung hin (s. S. 17r Unter den jungen Böden granitischen Ursprungs nimmt
Alter (Stadium der Profilentwicklung) und Farbe bestimmen die Boden- die Hanford-Serie den weitesten Raum ein, vor allem in der Los Angeles- und
serien, deren es ip. Kalifornien über 170 gibt.. Sie werden nach der Lokalität Los Nietos-Ebene.
ihres typischen Vorkommens benannt und zerfallen weiter nach der Textur Unter den Böden sedimentären Ursprungs ist die Pleasonton-Serie zu
des obersten Horizonts in Bodentypen. Unter den ariden und semiariden nennen, die vor allem auf dem alten Santa Monica-Schuttfächer auftritt,
Klimaverhältnissen kommt es selten zur Ausbleichung, so daß die chemische und die besonders fruchtbaren jungen Yolo-Böden. Zu den Böden dieser Art
Zusammensetzung der des Ursprungsgesteins entspricht. Auch der physi-, gehören auch solche, die sich auf sekundär verfrachtetem Beckenmaterial
kalische Charakter des Ursprungsgesteins ist bei der geringen Entfernung vom entwickeln.
Abtragungsgebiet im unteren Bodenhorizont erhalten. Die Menge der Boden- Wo der Untergrund wenig durchlässig ist, bilden sich vielfach schwere
typen verwirrt 9,as geographische Bild. Nach ihrem Alter zusammengefaßt, dunkle Adobe-Böden.
lassen sie deutlich die großen morphologischen Einheiten der Landschaft er- Die Dünensand-Böden im Hinterland der Küste von Playa del Rey bis
kennen, die Gebirgs- und Höhenzüge, die älteren Schutt-Terrassen und die Redondo eignen sich schlecht für Bewässerungskulturen. Mit der Entfernung
jungen Schuttkegel. Dazu kommen Dünen und Marsch. So wird die Boden- von der Küste nimmt dieWasserdurchlässigkeit ab. Hier sind die Sandböden
karte zur morphologischen Karte (s. Fig. 3). Nach ihrer Herkunft getrennt, vorwiegend zum Anbau von Weizen, Heu, Lima-Bohnen und Mais nutzbar
weisen die Böden auf den Gesteinscharakter des Abtragungsgebietes hin: gemacht (Lit. 317, S. 70). Infolge der Bearbeitung wird der Boden aufgelockert
Granit im San Gabriel- und Verdugo-Gebirge, in den San Rafael-Bergen und und der Sand der Verdriftung durch den Wind preisgegeben. Windschutz hat
im östlichen Santa Monica-Gebirge, Sedimente im Santa Susana-Gebirge, im man in Gestalt von Eukalyptus-Baumreihen angelegt, die dem Inglewood-
westlichen Teil des Santa Monica-Gebirges und in den Highland- und Re- Redondo-Vorland das Gepräge geben.
petto-Höhen. Das Alluvium der San Fernando-Ebene, das nur von Norden Überall, wo anstehendes Gestein freigelegt wird, kommt es zur Bildung von
zugeführt wird, ist daher deutlich in eine West- und Osthälfte geschieden. Primär-Böden, sofern das Relief eine Bodenbildung überhaupt gestattet. Wir
Das beeinflußt Anbau und Wasserhaushalt. Die größere Durchlässigkeit des finden sie im Bereich der gefalteten tertiären Deckschichten, im Westlichen
granitischen Materials macht den östlichen Teil des San Fernando-Beckens zu Los Angeles-Hügelland, den Elysischen, Highland- und Repetto-Höhen und
einem geradezu idealen natürlichen Wasserreservoir, das seit jüngster Zeit auch 'I zum Teil am Fuß der höheren Gebirge. Das Relief begünstigt die Bodenab-
der Mensch nützt., Die Karte (Fig. 3) zeigt, daß im ganzen Gebiet granitisches tragung (soil erosion), die durch Abbrennen der Vegetation und zu starke
Material vorherrscht. Daraus erhellt die Bedeutung des San Gabriel-Gebirges Bestockung noch verstärkt wird.
als Hauptmaterialquelle. In den oberen Teilen der Schuttkegel herrschen Marschen finden sich im Mündungsbereich des Ballona Creek und 9,es Los
grobe Gerölle vor, die die Hausfundamentierung erschweren. Auch der Angeles-Flusses.Sie sind heute weitgehend drainiert. Außer in den relativ

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kleinen Marschgebieten kam es zur Salzanreicherung vor dem Nordosthang (Kiefer-?) Baumstämme aus dem Gebirge bei der Errichtung der Missions-
der Dominguez-Kette, in einem Streifen, der sich von Culver City bis in die gebäude verwandten.
Los Nietos-Ebene hinzieht, am stärksten in einer Zone nordöstlich und östlich Die Hauptvertreter des Chaparral sind (etwa nach dem Feuchtigkeits-
der Baldwin-Höhen bis Florence Avenue, dem Gebiet der Wasserscheide bedürfnis geordnet):
zwischen Ballona Creek und Los Angeles-Fluß, - ferner um Compton und im Live oak . . . . . . . • . . . . . . . . • . . . . . . • Querclls agrifolia
südwestlichen Teil der Los Nietos-Ebene. Hier entstanden Zuckerrübenkul- California walnut . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Juglans californica
Laurel sumac . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Rhus laurina
turen. Die Salzkonzentration hat sich im Bereich hohen Grundwasserstandes Buck brush (California lilac) • . . . . . . . . . . Ceanothus cuneatus
und schlechten Abflusses gebildet. Mit dem Sinken des Grundwassers und mit Manzanita . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Arctostaphylus pungens
der künstlichen Bewässerung und modernen Entwässerung hat der Salzgehalt California sage brush. . . . . . . . . . . . . • . . Artemisia californica
Chamise (greasewood). . . . . . . . . . . . • . . . Adenostoma fasciculatum
stetig abgenommen. Wo sich nicht die städtische Besiedlung darüber ausgedehnt
Black sage . . . . . . . . . . . • . . . . . . . . . . . Salvia mollifera
hat, wird in den Gebieten ehemaliger Salzböden an Stelle der Zuckerrübe und White sage (buckwheat) . . . . . . . . . . . . . . Salvia apiana,
der Luzerne heute vorwiegend Gemüse und Beerenobst angebaut. Wo Groß- von denen Coast Live Oak der meisten Feuchtigkeit und besten Böden bedarf,
grundbesitz vorhanden ist, finden wir noch extensive Landwirtschaft, Gersten- während White Sage, schon ein typischer Zwergsteppenstrauch, die Trocken-
anbau auf Regen in der Ballona-Niederung östlich Culver City (Baldwin heit am meisten bevorzugt. Dementsprechend verarmt die Zusammensetzung
Estate) und Weideland nordöstlich der Signal-Höhe (Montana Ranch). Im des Chaparral mit zunehmender Boden- und Lufttrockenheit. Die Coast Live
Bereich der Salzböden der Hafen-Ebene finden sich keine Kulturen. Mitder Oak bevorzugt Stellen hohen Grundwasserstandes - sie tritt heute noch in
Entwicklung der Häfen von Los Angeles und Long Beach wird das Land zum verhältnismäßig dichten Beständen auf der Raymond-Kette auf (Oak Knoll
Industriegelände. und Baldwin Ranch). Sie findet sich ferner an den Nordhängen, an denen auch
die California Walnut auftritt. Auffallend ist der Unterschied gegenüber den
VEGETATION Südhängen, an denen Ceanothus, Artemisia, Chamise und Sage vorherrschen,
im Tiefland in die Coastal Sage-Formation übergehend. Bienen lieben die
Die natürliche Vegetation Südkaliforniens ist der Coastal Chaparral Blüte des Sage. Das zog schon in den 1860er Jahren Bienenzüchter an, die die
(Lit.337 a), eine hartblättrige Krummholzvegetation, 1-2.m hoch, und je ersten Ansiedler am Gebirgsfuß waren. Mit dem Agrumen-Anbau und der
näher der Küste, desto undurchdringlicher unter dem Einfluß des Nebels. Besiedlung wurde der Chaparral von den Schuttfächern bis zum Gebirgsfuß
Im Bereich von Los Angeles bedeckt der Chaparral heute die Gebirge: Santa weitgehend verdrängt.
Monica- und Verdugo-Gebirge, San Rafael-Berge und den Hang des San Manzanita zieht die höheren Teile der Gebirgshängevor . Zum besseren Schutz
Gabriel-Gebirges .. Bei der Ankunft der Europäer hat er die höheren Teile vor Waldbränden, die während des trockenen Sommers große Zerstörungen
der Schuttfächer weithin eingenommen, wo er in isolierten Resten noch zu anrichten können, sind die Angeles-Ketten und das Santa Ana-Gebirge als
finden ist - wahrscheinlich bis nahe an den Bereich hohen Grundwasser- National Forests unveräußerliches Regierungsland, in denen der U. S.
standes. Jenseits der Angeles-Ketten geht er bei 400-500 m Meereshöhe in Forest Service zahlreiche Beobachtungsstationen unterhält. Die Gebirge um
Zwergstrauchsteppe über (Lit.337a). Im Gebirge reicht der Chaparral bis Los Angeles sind zur Erleichterung der Brandbekämpfung von zahlreichen
zu 1500 m Höhe. "fire breaks" von 6-30 m Breite überzogen. Nur in der Nähe der Stadt kann
Die höheren Teile der Angeles-Kettenwerden von Ausläufern des Sierra an Wiederaufforstung gedacht werden. Bei der kürzeren Entfernung vom Ge-
Nevada-Bergwaldes bedeckt mit Big ConeSpruce (Pseudotsuga macrocarpa), birgskamm zum Gebirgsfuß hat die Erhaltung der dichten Chaparralbe-
Yellow Pine (Pinus ponderosa), White Fir (Abies concolor), Sugar Pine deckung überragende Bedeutung für die Verhinderung allzu starken Regen-
(Pinus lambertiana) und Incense Cedar (Libocedrus decurrens). Er muß abflusses. Oberflächlicher Abfluß und Erosion werden nach großen Bränden
früher allgemein tiefer heruntergereicht haben, da die spanischen Missionare verhängnisvoll gesteigert.

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Die Pflanzendeckebraucht etwa 25 Jahre, um sich voll zu regenerieren. Es Die wenigen Untersuchungen über die ursprüngliche Vegetation, die in
treten zuerst Gräser und Unkräuter sowie Sprossen von halb abgebrannten Tallandschaften der kalifornischen Küstenketten gemacht wurden, die Er-
Stämmen auf. Der kalifornische Mohn (Eschscholtzia), der zur Zeit der innerungen der ältesten: Bew.ohner und die Beschreibungen der ersten Spanier
Ankunft der Spanier den Schuttkegelvon Altadena bedeckte, konnte sich nach und U. S.-Amerikaner lassen darauf schließen, daß wenigstens die tieferen
Abbrennen des Chaparral in auffallender Menge breitmachen. Dann folgen Teile der Alluvialbecken ursprünglich Grasland waren. Wir wissen allerdings
Sage und Chamise, deren Samen im Boden erhalten bleiben, wenn das Feuer nicht, wie weit die Indianer die Entwicklung der Pflanzendecke beeinflußt
keine allzu hohen Temperaturen entwickelt. Diese Vorstufe des Chaparral- haben. Die einheimischen Gräser, wie Leilica, Stipa und andere sind so gut
Endstadiums wird als Chamisal bezeichnet. Er liebt arme Böden, tritt daher wie ausgerottet, d. h. sie sind den von Südeuropa eingeführten Gräsern und
meist an den Südhängen auf. Erst später kommen die größeren Formen, Eichen- vor allem dem wilden Hafer erlegen.
kratt, Ceanothus usw., die nach und nach den Chamisal verdrängen, es sei Vereinzelte immergrüne Eichen und einheimische Walnußbäume müssen
denn, daß die Erosion den Boden schon zu s·tark ausgewaschen hat. Am Gebirgs- wir an den Stellen hohen Grundwasserstandes annehmen. Eicheln und Nüsse
fuß ist der Chamisal die Sukzessionsform des Chaparral, der seinerseits in den boten den Indianern Nahrung. Dazu kommen an den Wasserläufen die ameri-
höheren Teilen des Gebirges die Sukzession des Koniferenwaldes darstellt. kanischen Platanen und Pappeln: Sycamore (Platanus racemosus) und Cot-
Die aus wenig konsolidierten jungtertiären Sedimenten aufgebauten Teile tonwood (Populus monolifera) und Erlen, die auch in den Cafions der Ge-
der Cahuenga-Kette, auf denen sich ein tieferer Boden entwickeln kann, birge zu finden sind. Cienegas waren von Weiden (Salix lasiolepis) bestanden
unterscheiden sich von den aus älteren Sedimenten oder Intrusiven auf- und an den Trockenbetten der Flüsse, soweit sie nicht reguliert sind, bilden
gebauten Teilen der Gebirge nicht nur durch ihre gerundete Oberflächenform, alle diese Bäume heute noch einen niedrigen Galeriewald.
sondern auch durch das Fehlen der Ohaparral-Decke. Sie sind kahl, nur von Den Unterlauf des Los Angeles-Flusses begleitete früher ein dichter Weiden-
Gräsern bestanden, vorwiegend wildem Hafer (Avena fatua). Während des wald, der Wildkatzen, nordamerikanischen Waschbären, Dachsen, Wieseln und
größten Teiles des Jahres bieten diese runden Hügel einen öden Anblick. Nur "Gophers" Unterschlupf gewährte. An die Koyoten, die noch in den I 880er
vereinzelt treten an ihren Nordhängen die schwarze Walnuß und die imIller- Jahren gejagt wurden, erinnert heute nur noch ein Rancho-Name. Der
grüne Eiche auf. Weidenwald fiel bald den ersten amerikanischen Ansiedlern zum Opfer.
Die sommerliche Trockenruhe der Pflanzenwelt dauert oft -bis in den Die vereinzelten Baumbestände des Tieflandes wurden stets auf den Rancho-
Dezember und Januar hinein. Erst nach mehrmaligem Regenfall kommt Leben Skizzen vermerkt, die die spanischen und mexikanischen Rancheros vor Besitz-
in die Vegetation. Die Grasdecke der Hügel ergrünt. Die hartlaubigen immer- ergreifung ihres Landes der Regierung einreichten. Rancho-Namen, wie
grünen Büsche und Bäume des Chaparral, die vorher grau erschienen, zeigen Encino (encina = immergrüne Eiche) und Sausal Redondo (sauce = Weide)
auf einmal frisches, dunkles Grün. So erhalten die Höhen und Gebirgszüge zeugen von früherem Baumbestand. Ob auch der Name Palos Verdes von
im Winter ein ganz neues Aussehen. Aber auch auf dem u~genützten Land ehemaligem Wal~ der Palos Verdes Hills (= San Pedro-Vorgebirge) her-
der Ebene, das viele Monate öde _aussah, und auf den vielen unbebauten geleitet ist, ist nicht erwiesen.
Grundstücken sprießen jetzt wilder Hafer und andere Gräser. Die einzelnen In der Stadtlandschaft fällt das völlige Fehlen alter einheimischer Bäume
Vertreter des Gebirgs-Chaparrals blühen zu verschiedenen Zeiten der Vege- auf. Sie finden sich nur an ganz wenigen Stellen, wie im Santa Monica Cafion
tationsperiode. Ceanothus erst im April, Adenostoma sogar erst im Juni. und im Oak Knoll-Distrikt von Pasadena.
Sobald die trockene Hitze des Sommers einsetzt, verschwindet das Grün. Das Der wilde Hafer, dessenÜberhandnehmen Clements aufÜberbestockung
Grasland sieht bald wieder braun aus. Das Blätterwerk des Chaparrals ver- zurückführt, tritt heute alljährlich an den ungenützten Stellen der Landschaft
staubt, wird dadurch graugrün und schließlich mehr oder weniger. grau. auf. Burclover (Medicago hispida) und Alfilerilla (Erodium cicutarium) sind
Nur die künstlich bewässerte Vegetation der städtischen Anlagen und Gärten eingeführte mediterrane Futterpflanzen, die ausgezeichnete Weiden geben.
behält auch den Sommer hindurch ihr frisches; grünes Aussehen. Auffallend ist die Verbreitung des gelb blühenden wilden Senfes (Brassica

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nigra oder campestris), der besonders stark nach Regen auftritt und die
schweren Adobeböden bevorzugt.
Von den Sukkulenten wurden die Opuntien früher von den Missionen ihrer
Frucht wegen und als Hecke angebaut. Die Rancho-Skizzen lassen erkennen,
daß sie auch an anderen Stellen der Schuttfächer in Dickichten (nopaleros)
vorkamen.
Seit der Besitzergreifung des Landes durch die U.S.-Amerikaner, besonders LANDSCHAFTSWANDLUNG
seit der Stadtentwicklung, ist eine solche Vielzahl von Nutz- undZierpflanzen
aus allen Erdteilen eingeführt worden, daß diese heute dem Fremden viel typi- VOR DEM ERSTEN "BOOM"')
scher für die Landschaft erscheinen als die einfache einheimische Vegetation.
INDIANERLANDSCHAFT

Die Entwicklung, die die Landschaft bis zur späten Ankunft der Spanier
imJahre 1769 durchgemacht hat, verbleibt im Dunkel. Die Indianer, die das
Südkalifornische Becken bewohnten, gehören zur Sprachgruppe der Shoshonen,
die zur uto-aztekischen Völkerfamilie rechnen. Außer dem mittleren und
östlichen Südkalifornien wurden nur die Teile des Staates Kalifornien von
Shoshonen bewohnt, die zur Mohave-Wüste und zum Großen Becken gehören.
Um San Diego und um Ventura und Santa Barbara lebten Indianer anderer
Herkunft und Sprachzugehörigkeit. Im Los Angeles-, San Gabriel- und San
Fernando-Becken sowie auf den Inseln Santa Catalina und San Clemente
wohnten Gabrielinos, die sich nach ihrem Dialekt von den anderen Shoshonen
Südkaliforniens unterscheiden. Font berichtet in seinem Tagebuch, die
Indianer der Mission San Gabriel gehörten den Beneme und den J eneguechi
an, beides Stämme der Serrano-Shoshonen (Lit.345, IV, S. 178). Charak-
teristisch für die südkalifornischen Shoshonen ist die Ortsnamenendung -nga
oder -gna, in Namen wie Cahuenga, Cucamonga, Topanga, Tujunga.
Kulturell unterschieden sich die kalifornischen Shoshonen von ihren Nach-
barn weniger. Trotz verschiedenen Ursprungs waren sie alle Sammler und
Jäger und an der Küste Fischer. Die Gabrielinos jagten fast alle Tiere,
Antilopen, Koyoten, Hunde u. a., die sie mit dem Bogen erlegten. Zur Hasen-
und Vogeljagd hatten sie ebenso wie ihre östlichen und südöstlichen Nachbarn
eine Art Bumerang. Ihre Hauptnahrung bestand indes aus Eicheln und Gras-
samen, die sie in Mörsern zerkleinerten, ferner aus Wurzeln und eingehandelten
Fischen der Küstenindianer (Lit. 358, I, S. 202). Sie wohnten in Dorfgemein-
schaften, die einem Häuptling unterstanden. Ihre transportable geräumige

,) Erklärung des Begriffes Boom auf S. 96.


Kegeldachhütte bestand aus einem Gerüst von Holzpfahlen, um die Binsen- Es ist anzunehmen, daß die Gabrielinos ebenso wie die anderen kaliforni-
decken herumgelegt und befestigt wurden (Lit.342 u. Lit. 357, S. 35I). Nur schen Indianer durch Abbrennen des Chaparrals zur Erleichterung der Jagd
das kleine Schwitzhaus, das mit Feuer und Rauch erhitzt wurde, hatte ein die natürliche Vegetation zugunsten der Ausbreitung des Graslandes verändert
Dach aus Erde. Jedes Dorf hatte eine Weideneinfriedigung, Yoba, für reli- haben. Von der Indianerbesiedlung der· Landschaft sind heute so gut wie
giöse Zeremonien unter freiem Himmel. Die Korbflechterei der Gabrielinos keine Relikte mehr vorhanden. Nur ein paar Muschelhaufen wurden bei San
war dieselbe wie bei fast. allen südkalifornischen Indianern. Töpferei, welche Pedro gefunden (Lit. I07, S. 33). Auch die Indianer selbst sind verschwunden.
die südöstlich benachbarten Indianer betrieben, kam bei den Gabrieli,nos erst / Sie setzten der Kolonisation keinen Widerstand entgegen, und bei der Ankunft
in der späten spanischen Missions- der U.S.-Amerikaner waren sie bereits so gering an Zahl, daß die spätere
periode auf. Dagegen benutzten sie Kulturentwicklung uni so ungehinderter sich entfalten konnte. Direkt be-
s.f.~'p~se~
.: , .,' , einftußt wurde wohl nur die Lage der Mission San Gabriel, die im Gebiet
. .
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zum Kochen und zum religiösen Zere-
moniell Specksteingefaße, die auf ein größter indianischer Bevölkerungsdichte gegründet wurde.
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Steatitvorkommenauf Santa Catalina Am Westufer des Flußbettes des Los Angeles-Flusses, auf der Flußterrasse
AsukS~.
Island zurückgehen und über die. Dör- zwischen Aliso- und First Street soll das IndianerdorfYa-ngna gelegen haben,
Siba&S.a(' fer bei Redondo und San Pedro nach das der Schotte H ugo Reid in seiner I852 erschienenen Schrift über die
Akura /
Hou! •
dem Inneren der Beckenlandschaft ge- Indianer des Los Angeles County erwähnt. Reid kam I834 nach Kalifornien,
langten. Überhaupt bestand zwischen heiratete die Tochter des Gabrielino-Häuptlings und siedelte sich in San
Küste und Innerem ein reger Austausch. Gabriel an. Auf die spätere Anlage von Los Angeles auf der nahen Nieder-
Muschelperlen, getrockneter Fisch, terrasse hat Ya-ngna sicherlich keinen Einfluß .gehabt.
Seeotterfelle und Steatitgefaße wurden
gegen Rehhäute, Samen und wahr-
SPANISCHE MISSIONSfIERRSCHAFT
scheinlich Eicheln eingetauscht. Die

LUkUP .'
Scheibenperle (der Venusmuschel) war
das allgemeingültige Geldstück. Die
..
Die Indianerlandschaft des Südkalifornischen Be~kens blieb unberührt bis
I 77 1. In diesem Jahre gründeten die spanischen Franziskanermönche die Vor-
Insel- und Küstenindianer besaßen läufige Mission San Gabriel, nachdem sie zwei Jahre vorher unter dem
Fig.6. Stätten der Gabrielino-Indianer im Flöße, die aus zusammengebundenen spanischen Statthalter PortoIa von San Diego aus auf der. Suche nach der
heutigen Stadtgebiet (nach Kroeber) und mit Asphalt verpichten Holzbret- Bucht von Monterey eine erste Erkundungsreise durch die Landschaft gemacht
"Wenot" ist wahrscheinlich mit "Yabit" und .Hugo
Reid'. "Yang-na" identisch tern bestanden. Auf den Lagunen be- hatten. Zwar hatten schon I542 Cabrillo und I602/I603 Vizcaino die
L.A. = Los Angeles S.F. = San Femando . kaliforIJische Küste befahren und dabei Catalina Island und die Buchten von
nutzten sie wahrscheinlich "balsas"
L.B. = Long Beach S.G. = San Gabrie1
.R.B. = Redondo Beach S.M. = Santa Monica aus Binsen. San Pedro und Santa Monica berührt (Lit. 357, S.47 und 349ff.). Beide
San Gabriel- und Los Angeles- Fahrten galten der Erkundung eines geeigneten Verpftegungshafens für die
Becken waren im Vergleich mit den anderen Teilen Kaliforniens verhältnis- alljährlich von den Philippinen zurückkehrende Galeone. Denn um den Passat
mäßig dicht bevölkert (Lit. 358, I, S. 202). Die Zahl der Gabrielinos bei Ankunft auszunutzen, querte diese den Pazifischen Ozean auf der Breite von San
der Spanier wird auf 5000 geschätzt. Vorteilhafte Wasserverhältnisse und Francisco und bog erst vor der kalifornischen Küste nach Acapulco ab. Auch
reichliche Eichenbestände (Oak KnolI) begünstigten die Niederlassung von wurde Niederkalifornien bereits seit dem Ende des I7.Jahrhunderts koloni-
Indianern im südwestlichen San Gabriel-Becken. Nach der Schätzung betrug siert. Aber es bedurfte erst der Bedrohung durch die von Nordwesten heran-
die durchschnittliche Bevölkerungsdichte etwa I,O pro qkm im Gegensatz zu rückenden Russen in der 2. Hälfte des I8. Jahrhunderts, um Spanien zu ver-
.etwa 0,5 für den Staat. anlassen, die oberkalifornischen Küstenlandschaften zu -besetzen. Spanien

42 43

..
/

machte so Kalifornien zum Glacis seines mexikanisehen Reiches. Außerdem" alle Vorbedingungen auch für eine größere Ansiedelungzu erfüllen schien. Er
erwachte die Furcht vor England, das auf der erneut angeregten Suche nach rühmt die Fruchtbarkeit des S~huttfächers des Santa Monica-G~birges und er-
der Nordwestdurchfahrt die Westküste zu besetzen drohte. Die Gefahr winter- wähnt die ausgedehnten Asphaltvorkommen im Hinblick auf deren mögliche
licher Unwetter an der mittelkalifornischen Küste und die ununterbrochenen Nutzung. Daß die Mission San GabrielzweiJahre später trotzdem nicht inder Los
Nordwestwinde während des Sommers verzögerten die Erschließung Ober- Angeles-Ebene, sondern an der Westseite der Bartolo-Pforte angelegt wurde,
kaliforniens von See her um mehr als zwei Jahrhunderte (Lit.419, S. 170). ist wahrscheinlich in der Entfernung vom nächsten Halteplatz begründet.
Dazu kam, daß mit dem Verfall der spanischen Kolonialverwaltung bis zu Denn die Missionen sollten je eine Tagereise voneinander entfernt sein. Ferner
den Reformen Karls 111. der Vizekönig über kein .geeignetes Seefahrzeug war von der Bartolo-pforte aus die Beherrschung beider Teillandschaften, des
mehr verfügte (Lit. 348, S. 353)' Colorado-Wüste und Großes Becken isolierten Los Angeles- und San Gabriel-Beckens, möglich. Es mag auch die Nähe zur
die Landschaft von der Landseite und verhinderten das Vordringen der dichteren indianischen Besiedlung der San Gabriel-Platte maßgebend gewesen
Spanier von Sonora oder Santa Fe aus. Nach der militärischen Besetzung sein. Ohne Zweifel erkannten die· Missionare bei der Wahl des Ortes die
Oberkaliforniens durch die Spanier in den 70er Jahren des IB.Jahrhunderts durch Grundwasserstauung an der Bartolo-pfoi'te hervorgerufene oberfläch-
sorgte das merkantilistische System Spaniens dafür, daß die Landschaft ein liche Wasserführung der beiden Flüsse Rio Hondo und San Gabriel River~
weiteres halbes Jahrhundert der Außenwelt für Handel und Siedlung völlig Nicht erkannten sie die winterliche überschwemmungsgefahr an dieser Stelle.
verschlossen blieb. Die spanische Krone hatte ?on. der Landschaft nur ein So kommt es, daß die Mission fünfJahre nach ihrer Gründung verlegt werden
militärisches Interesse, und die Missionare hielten Siedler grundsätzlich fern, mußte. Heute ist von der "Misi6n Vieja" nichts mehr erhalten. Die neue Lage
da diese ihrem Bekehrungswerk nur hinderlich waren. der Mission in der Mitte der San Gabriel-Platte zwischen Alhambra Wash
Die Expedition, die unter Portola, dem Statthalter von Niederkalifornien
. - ,
und Rubio Wash und 3 km unterhalb der Raymond-Kette war weit günstiger.
ausgesandt wurde, h~:ttte zur Aufgabe, in den Buchten -von San Diego und Wasserversorgung während des ganzen Jahres war vorhanden (s. S. 30) und
Monterey militärische Stützpunkte zu errichten. König Karl 111., der mehr damit die Bewässerungsmöglichkeit gegeben. Die höhere Lage verhinderte,
Verständnis für Kolonialfragen hatte als seine -Vorgänger, gab den Franzill- daß die Ernten durch überschwemmungen gefährdet wurden. Die -Mission
kanermönchen des Colegio de San Fernando in Mexiko die Erlaubnis zur war nun auch den Indianerdörfern bei den Eichenhainen des San Gabriel-
Missionstätigkeit im neu zu besetzenden Land. Sie waren die Nachfolger der Beckens nahegeruckt, die für die Eingeborenen die Grundlage der Ernährung
ausgetriebenen Jesuiten in Niederkalifornien, und ein Teil von ihnen unter bildeten. Für die Überwachung großer Herden war die zentrale Lage im San
Serra begleitete von hier aus PortoUts Land- und See-Expeditionen. 1769 Gabriel-Becken ebenfalls günstiger als die Paßlage.
wurde die Mission San Diego gegründet. Ende Juli bis Anfang August des- Die starkeIndianerbevölkerung der Landschaft (schätzungsweise 5000)
selben Jahres durchquerte Portohis Landexpedition das Südkalifornische machte von vornherein eine zweite Mission erforderlich. Allerdings kam es
Becken, im Januar 1770 nochmals auf dem Rückweg. Das Tagebuch des erst 1797 zur Gründung der Mission San Fernando. Sie Wurde im höheren
Franziskanerbruders Crespi gibt eine lebendige Schilderung der Landschaft nördlichen Teil der San Fernando-Ebene, außerhalb des überschwemmungs-
(Lit. 343, S. 59-273), die er besonders auf die Möglichkeit ihrer landwirtschaft- bereiches angelegt. Ein naher Grundwasseraustritt gewährleistete die Wasser-
lichen Nutzung und Besiedlung hin betr;:tchtete. Auffallend in der Beschreibung versorgung auch den Sommer hindurch. Der Tonboden in der Nähe bot
sind die sich an mehreren Tagen wiederholenden Erdstöße und die:im Hoch- das Material zur AdobeherstellungI ) für die Gebäude. Die beherrschende
sommer beobachtete starke Wasserführung der heute trockenen Flüsse Santa zentrale Lage der Mission begünstigte ebenso wie bei San Gabriel ausgedehnte
Ana, San Gabriel und Los Angeles. Nur der Arroyo Seco war schon trocken. Viehhaltung.
Crespi hielt die Ebene am Mittellauf des von Galeriewald bestandenen Los Die Regierungsinstruktionen sahen außer der Anlage von Militärstütz-
Angeles-Flusses für geeignet zum Anbau aller Arten von Getreide und Fruchten punkten an der Küste und von Missionen zur Unterwerfung und Bekehrung
und für das beste auf der bisherigen Reise beobachtete Missionsgelände, das I) Adobe = an der Luft getroCkneter Ziegel.

44 45
der Eingeborenen die Anlage von Kolonistensiedlungen (pueblos de gente Streifen Nied~rterrasse, der sich auf eine Erstreckung von 3 km an das west-
de raz6n) vor, die den Presidios Lebensmittel liefern sollten. Die Presidios liche Los Angeles-Hügelland anlehnt, wird bis zu 1/2 km breit und bietet
waren abhängig von den unsicheren Transporten von San Blas an der West- Raum genug für eine ländliche Siedlung, bei der es in .erster Linie auf die
küste Mexikos. Auch die Missionen hatten bei der großen Zahl derBekehrun- Nähe ausgedehnter Anbauflächen mit gutem Boden arikam. Die Einengung
gen nichts abzugeben, im Gegenteil, sie mußten in den ersten Jahren noch des Siedlungszentrums durch das Hügelland wirkte sich .natürlich später bei
von San Diego aus mitversorgt werden. Nach der Verordnung des Statthalters der modernen Großstadt verhängnisvoll auf die Verkehrsentwicklung aus.
N eve sollte die Zahl der Garnisonen von zwei auf vier erhöht werden. Das Wohl hat bei Ankunft der Spanier ein Indianerdorf, wahrscheinlich das
machte die Schaffung von Kolonistensiedlungen, die den Presidios zu unter- erwähnte Ya-ngna, am Galeriewald des Los Angeles-Flusses an dessen Mittel-
stellen waren, erst recht notwendig. Pensionierte Soldaten und Zuwanderer' lauf bestanden. Doch kann von einer Siedlungskontinuität im Sinne absicht-
aus Alt-Mexiko sollten in Pueblos angesiedelt werden. Mit der Zeit sollten licher Anknüpfung an das Indianerdorf nicht gesprochen werden.
die Pueblos den Rekrutenriachwuchs für die Garnisonen abgeben. Der Begriff Die Portola-Expedition von 1769 passierte diese Stelle am 2. August,
Pueblo ist nicht an die Größe der Siedlung geknüpft - sie kann Dorf von nachdem am Tage zuvor die Franziskaner das Fest der Engelsmutter von
mindestens zehn verheirateten Einwohnern oder Stadt sein -, sondern .an die Porciuncula (Ortschaft in Italien) gefeiert hatten. Sie nannten daher den
Rechte, das Landlehen und die Verwaltung, die sie erhält (Lit. 366, S.48/49). Fluß "Rio' Porciuncula de Nuestra Senora de los Angeles" . Hieraus wurde
Der Vizekönig beauftragte Neve, im Lande nach den günstigsten Stellen der Name für die Siedlung und deren Kirche abgeleitet. Der Siedlungskern
für den Anbau von Getreide Umschau zu halten und die Pueblos dort an- r um die Plaza besitzt die Vorteile der Schutz- und Verkehrslage. Er liegt
an der schmalsten Stelle der Niederterrasse unter dem Schutz des Buriker
zulegen. Die erste planmäßige Kolonistensiedlung San Jose wurde: 1777 im
Norden des Landes angelegt. Nach demselben von Kar! III. bestätigten Plane HilI-Vorsprungs, auf dem, allerdings erst in mexikanischer Zeit, eine Be-
gründete N eve 1781' das Pueblo Los Angeles von San Gabriel aus. Die festigung angelegt wurde. Zugleich liegt die Plaza am nächsten zupJ. Fluß-
Missionare waren darauf bedacht, daß die Siedlungen in genügender Ent- übergang, dessen Lage ein Vorsprung des östlichen Los Angeles-Hügellandes
fernung von der Mission entstanden. Denn Missionssoldaten vergriffen sich bestimmt. Hier an der Plaza bog der über San Gabriel von Osten kommende
bereits an den Indianern und brachten Unruhe in das Bekehrungs- und Missionsweg nach Südwesten um in Richtung auf den Cahuenga-Paß unter
Kolonisationswerk der Franziskaner. Ähnliches fürchtete man Init Recht von Umgehung des Westlichen Los Angeles-Hügellandes. Die Siedlung lag so, daß
den Siedlern. Trotzdem mußte die Siedlung nahe genug sein, um unter der Landungsplatz San Pedro ohne Flußüberquerung erreicht werden konnte.
weltlicher .und geistlicher Aufsicht stehen zu können. Los Angeles wurde N eves Verordnung von 1779'), nach der Los Angeles gegründet wurde,
13 km westsüdwestlich von San Gabrielan der von Crespi ursprünglich für sah vor, daß Kolonisten in den älteren Provinzen Sonora und Sinaloa
die Mission empfohlenen Stelle angelegt. Der Los Angeles~Fluß wurde vom für Kalifornien geworben wurden. Jedem Siedler sollte ein Wohngrundstück
Grundwasser des San Fernando-Beckens, dessen einzigen Ausfluß er bildet, (solar) im Dörfe und ein Stück Anbauland (suerte) außerhalb zugewiesen
reichlich genährt und führte deshalb auch im Sommer genügend Wasser. werden. Die Suertes sind die Sortes des altröInischen Kolonialsystems
Die Vorbedingung zu stetiger Wasserversorgung und Bewässerung war dort (Lit. 366, S. 18). Den Kolonisten, nur solchen, die ihre Heimat ver-
gegeben, wo der Schuttkegel des einmündenden Arroyo Seco den Los Angeles- ließen, um in Kalifornien zu siedeln - nicht pensionierten Soldaten -, sollten
Fluß am Mäandrieren hindert. Hier konnte der Fluß abgedämmt werden, Vieh, Geräte und Samen zur Verfügung gestellt werden, die sie vom Ertrag
ohne daß die Gefahr seitlichen Ausbrechens bestand. Hier, wo der Los Angeles- ihres Landes innerhalb von fünf Jahren an die Regierung zurückzuzahlen
Fluß in südliche Richtung einbiegt, war das Wa:;;ser leicht auf die westliche hatten. Jedem Kolonisten dieser Art sollten ferner während der ersten beiden
Niederterrasse zu leiten, die eine überschwemmungsfreie Siedlungslage bietet, ') Abgedruckt in Ann. Publ. of the Hist. Soc. of SQuth. Calif., Bd. XV, Teil I, Lit 427,
während die südwärts breiter werdende überschwemmungsterrasse sich als S. ~48-252. Englische übersetzung ebenda S.' 180-185, auch bei Dwinelle, Li!. 395, addenda
gutes, bewässerbares Anbauland zwischen Fluß und Siedlung schiebt. Der S.3-8. Die wesentlichen Punkte bei Bancroft, Lit.358, Bd. I. S.336-337'

47
Jahre Kleidung und andere ßedarfsgegenstände im Werte von 116,40Pesos
Bedingungen, l,lnter denen die Nordeuropäer ohne Regierungshilfe im Osten
jährlich, in den folgenden dreijahren im Werte von 60,- Pesos jährlich ge-
des Kontinents siedeln mußten. Beim Ausscheiden der Franziskaner war daher
g~ben werden. Die Dorfgemeinde hatte das Recht, Regierungsland als Weide
keine wirtschaftlich widerstandsfähige Bevölkerung vorhanden, die sich gegen.
zu benützen und sich Holz und ·Wasser von dort zu beschaffen. Das Pueblo
über den langsam eindringenden, an härteres Leben gewöhnten britisch':' und
sollte eine Schmiede erhalten, Als Gegenleistung sollten die Kolonisten ihr
deutschstämmigen U.S.-Amerikanern behaupten konnte.
Getreide und ihre FrUchte und Pferde zu Preisen, die von Zeit zu Zeit von der
Entsprechend dem Befehl N eves (Lit.358; I, S. 345; Anm. 23) wurde bei
Regierung den Marktpreisen der südlichen Provinzen entsprechend festgesetzt
der Pueblo-Anlage zuerst die günstigste Stelle für Staudamm und Bewässe-
wurden, an die Presidios verkaufen. Sie hatten mit zwei Pferden und Gewehr
rungskanal ausgesucht, so daß ein möglichst großes Gebiet bewässert werden
in militärischer Dienstbereitschaft zu sein. Nach spanischem Brauche mußten
konnte. Die Siedlung wurde in der Nähe der Felder am Bewässerungsgraben
ihre Felder innerhalb der Pueblogrenzen von 4 Quadratleguen (= etwa 72 qkm)
auf der Niederterrasse angelegt, wobei beobachtet wurde, daß sie den "Nord-
liegen. Ihr Land durften sie weder veräußern noch Schulden darauf auf-
und Südwinden" ausgesetzt sei. Nach den Erfahrungen yon San Jose wurde
nehmen. Sie waren verpflichtet, Häuser zu bauen, Bewässerungskanäle an-
ausdrücklich darauf hingewiesen; daß die Ortschaft außerhalb des Über-
zulegen, ihre Geräte in Ordnung zu haben und eine bestimmte Zahl Vieh zu
schwemmungsgebiets liegen sollte. Von der 200 x 300 Fuß großen Plaza, die
halten. Das Abschlachten des Viehs hatte in gewissen Grenzen zu bleiben,
diagonal zu den Himmelsrichtungen angelegt wurde, gingen die Straßen aus,
damit die Vermehrung sichergestellt würde. Andererseits wurde Anhäufung
rechtwinklig zu den Seiten der Plaza mit Rücksicht auf die Winde (I). Die
des Viehbesitzes in einer Hand durch die Vorschrift 'verhindert, daß keinem
4. Seite der Plaza war für die Kirche und öffentliche Gebäude bestimmt.
Kolonisten mehr als 50 Stück gehören durften. Außerdem hatten sich die
Die Hausgrundstücke (solares) waren20X40 spanische Ellen (varas) groß
Siedler zu bestimmten Gemeindearbeiten beim Bau und bei der Instandhaltung
(161/ 2 x33 m). Es wurden so viele ausgemessen, wie Feldstücke (suertes) ver-
von Staudämmen, Bewässerungskanälen, Wegen, öffentlichen Gebäuden und
fügbar waren, also gleich für später kommende Siedler. Das Pueblo-Land
der Kirche zu verpflichten. Sie sollten die Gemeindefelder (propios) gegen
umfaßt 4 Quadrat-Leguen (etwa 7200 ha), ein Quadrat, dessen Seiten von
eine Pacht bestellen, von der die öffentlichen Ausgaben zu bestreiten waren.
je 2 Leguen (etwa 8,5 km) Länge mit den Himmelsrichtungen laufen und
Im dritten Jahr war ein öffentlichesVorratshaus zu errichten und im 'vierten
das im Abstan:d von 1 Legua (4,25 km) um den Mittelpunkt der Plaza gelegt
Jahr die Verwaltungsgebäude. Während der ersten fünfJahre sollten die Siedler
wurde. Auf das Bodenrelief wurde keine Rücksicht genommen.
frei von Zehntabgaben und Steuern sein.
Von den vermessenen Feldstücken (suertes), von denen jedes 200 varas
Mit Mühe wurden elf Familien in Sinaloa und Sonora zusaIIimengebracht,
(166 m) im Quadrat groß war - für den Ertrag von einer "fanega" Mais
sämtlich des Lesens und Schreibens unkundig, von denen neun in San Gabriel
berechnet -, sollte jeder Siedter je 2 bewässerbare und 2 nicht bewässerte durch
ankamen. Der Plan wurde ausgeführt und 1786,5 Jahre nach der Siedlungs- I
das Los erhalten - oder 4 bewässerte Sliertes, wenn genügend davon vor-
gründung, wurden die neun Kolonisten in deri Besitz ihrer Ländereien gesetzt.
An der Lässigkeit der Kolonisten scheiterte zunächst der Zweck des gut aus- I handen wären, was bei der Verteilung 1786 der Fall war (Lit. 427, S. 220).
Damit erhielt jeder Kolonist etwa I I ha Land. Die übrigen vermessenen Fluren
gedachten und für die Kolonisten vorteilhaften Siedlungsplanes, denn einen ./ waren Königsland (realengas) ; einen Teil davon erhielt das Pueblo als Ge-
Überschußertrag für die Presidios konnten sie nicht erzielen. Dazu kam, daß
die Missionare von San Gabriel an einem Aufblühen der benachbarten 'o/elt-
I meindeflur (propios), aus deren Verpachtung es Einnahmen erzielen konnte.
Der Rest der Realengas und der Hausgrundstücke (solares) konnte vom
lichen Siedlung nicht interessiert waren. Die Franziskanermissionen behielten
während der ganzen spanischen Kolonisationsepoche die wirtschaftliche Füh- I Statthalter an später Kommende, - Kolonisten, pensionierte Soldaten oder
Hinterbliebene von Kolonisten -, verliehen werden, die keine Regierungs-
rung des Landes in ihren Händen. Schließlich wurden die Garnisonen nicht von
:zuschüsse mehr erhielten.
den Pueblos
. ,sondern von den Missionen unterstützt. Die Erleichterungen, die den
Am Rande der Niederterrasse verlief der Hauptbewässerungskanal (s. Fig. 7,
spanischen Kolonisten gewährt wurden, standen im Gegensatz zu den harten
S.50). 1786 wurde das Land zwischen ihm und dem Fluß bis zu 2200 Varas

4 Wagner, Los Angeles


49
südlich des Staudamms als Propios vermessen. Südlich daran schlossen sich
die 36 suertes. Ein über 2000 Varas lap.ges Stück Flußaue jenseits des
Flusses verblieb als Realengas (Lit. 427, S. 220).

I
VorteIlung der Grundstücke
und Felder: An den Ausgängen (lateinisch exitus) der Siedlung wurden unverkäuf-
PablO ROd'(gu". INDIANER
Jose Sanegas, INDIANER liche Bezirke von 1/2- 1 Legua Ausdehnung als "ejidos" reserviert, die zur
Jos. Moreno. MULATIE

::::::: .' :;:IS:I~~;~t:;:.IO, SPANIER


Aufteilung in Hausgrundstücke für spätere Siedler bestimmt waren. Solange
BosiUo Rosas,
Alejandro Rosas,
INDIANER
INDIANER
die Ejidos nicht aufgeteilt und· bebaut waren, konnte die Bevölkerqng darin
Antonlo Nil.VarrO, MESTIZE P ROPIOS ein paar Milchkühe und Pferde für eigenen Gebrauch halten. Die spanischen
Manuel Camero, MULATTE

Kolonialgesetze schreiben vor, daß Solares in den Ejidos erst verliehen


werden dürfen, wenn das Pueblo voll ausgebaut ist. Es ist charakteristisch
für die spanische Kolonialstadt, daß absichtlich eine Siedlungsauflockerung
verhindert wird. Außerhalb der Siedlung, der Ejidos und der Fluren (suertes,
EJ I DOS
propios und realengas) lagen die "dehesasC<I), (Gemeindeweiden, "prado
boyal"), die verkäuflich waren. Dagegen waren die Solares und Suertes zwar
unverkäuflich und unteilbar, wohl aber vererblieh; Bei Verlassen, Vernach-
lässigung des Landes oder Nichterfüllung der Bedingungen war der Besitz
verwirkt. Aus spanischen Dokumenten der mexikanischen Zeit geht hervor,
daß auch die außerhalb des Pueblo-Gebietes gelegenen Weiden als Ejidos
im Sinne von Gemeindeweiden bezeichnet werden. 2 ) Wälder und Gewässer
waren Gemeindeeigentum.
Von der ursprünglichen Einteilung der 4 Quadrat-Leguen ist heute nicht
mehr viel sichtbar. Auf der Niederterrasse hebt sich der Siedlungskern mit den
Ejidos in seiner Straßenführung von der umgebenden Stadt ab. Auf der Fluß-
aue lassen die etwas gewundenen Straßen erkennen, daß hier einst Garten-
land oder Fluren waren. Die ursprünglich quadratischen Suertes sind früh-
zeitig verwischt worden, wahrscheinlich durch Überschwemmungen. Eine

I
Fluraufteilung mit unregelmäßigeren Grenzen hat sie ersetzt. Während die

I) ."dehesas" ("dehensas", "defensas") vom lateinischen "defendere", verbieten. Es ist


fremden Anwohnern verboten, ihre Herden in den "dehesas" zu weiden. .
2) Vgl. Entscheidung der "Comision de Terrenos Valdios" vom 14. März 1837 über das
Anrecht, das Antonio Ignacio Abila, der Ranchero des Ranchos Sausal Redondo, auf
den Rancho Aguaje de la Centinela zu haben glaubte: " ... N oriega cuando concedio
Sausal redondo ... tubo en consideracion que 10 dara como en calidad de egidos que
reconocia eran de aquella ciudad y franquio que podrian hacerlo los demas vecinos del
Pueblo que quisieran agregarse al mismo paraje. " (MS. unter den Originalen der 580 voll-
ständigen "expedientes", die nach dem Erdbeben von San Francisco 1906 nicht mitve:r:-
brannten und heute im U. S. Public Survey Office in Glendale, California, verwahrt
Fig.7. Das Pueblo "La Reina de los 'Angeles" 1786
werden.) - über die Vermessung der "ejidos" von Los Angeles 1846 vgl. Bancroft, Hist.
of Cal., S.627.

4*
51
ersten Kolonisten in der Hauptsache mexikanische Indianer und Mischlinge Der AlcaldeFrancisco Reyes, der sein und anderer Kolonisten Vieh in der
waren, bestand der Bevölkerungsnachschub aus Presidiö-Soldaten, die vielfach San Fernando-Ebene hielt, verlor seinen Encino Rancho mitsamt dem Haus
aus dem spanischen Mutterlande stammten. Dadurch gewann die Bewohner- 1797 an die Mission San Fernando, die in diesem Jahre gegründet wurde.
schaft zum Teil mehr spanischen als mexikanischen Charakter. Weit wichtiger als die Anfange der Weidewirtschaft im San Fernando-·und
Seit 1784' wurden grÖßere Landlehen, sogenannte Ranchos oder Sitios Los Angeles-Becken ist die Entwicklung, zu der es im San Gabriel-Becken
als Weidegebiete (Lit. 395, S. 33/34) ,an Offiziere oder verdiente Soldaten unter dem Einfluß der Mission San Gabriel kam. Das Missionssystem
vergeben, ähnlich wie im Römerreich. Sie sollteri nicht größer sein 'als 3 Leguen hatte seinen Ursprung in den "Leyes de las Indias" und war zuerst von den
(54 qkm), mußten außerhalb des ,4 Leguen-Bereiches der Pueblos, des Jesuiten erfolgreich angewandt worden (Lit. 366, S. 33/34). Die Mission er-
Missionsgebiets und der Indianerdörfer (rancherias) liegen. Ein "Steinhaus" hielt das Land nicht als Lehen, sondern hatte nur das Nutzungsrecht bis zur
war auf dem Rancho zu errichten, und es mußten mindestens 2000 Stück V<?llendung des Bekehrungs- und Kolonisationswerkes. Die anfängliche mili-
Vieh gehalten werden (Lit.443, S. 347). Als erster erhielt" J ose Maria tärische Aufsicht der Missionen führte zu unerwünschten Zwischenfällen in
V erd ugo 1784 den Rancho San Rafael, der nördlich an Los Angeles grenzte. San Gabriel, welche die sonst bekehrungswilligen Indianer aufwiegelten.
Gleichzeitig wurde an Manuel Nieto ein Landbezirk in der "Los Nietos"- Darauf ent;zog der Vizekönig den militärischen Machthabern die Rechte über
Ebene verliehen. Trotzdem das Land kaum besiedelt war, fanden vorläufig die Indianer, über die von nun an die Missionare unumschränkte Vollmacht
keine weiteren Belehnungen statt. Bei der Zunahme der Bekehrungen brauch. hatten. Eine Soldatenbedeckung blieb bei der Mission.
ten die Missionen zusehends mehr Land zum Anbau als für Weiden und für Die Eingeborenen der weiteren Umgebung wurden durch die materiellen
Indianersiedlungen. So wurde Nieto 1796 ein Teil seines Ranchos, für den Vorteile, die ihnen die Mönche boten, vor allem durch die bessere, zubereitete
er noch keinen beglaubigten Titel' erhalten hatte, wieder entzogen. Die Nahrung angezogen. Morgens gab es "atoie" , Maisgrütze, mittags "pozole",
Mission San Gabriel gab vor, es für ihre Indianer zu benötigen, und Niet<> ein dickes Suppengericht aus Gerste, Gemüse und Fleisch. Die Eingeborenen
mußte alles Land abgeben, das er nicht als Feld oder Weide nützte (Lit. 358, I, ließen sich freiwillig bekehren und errichteten sich dann außerhalb der
S. 662). Man fürchtete auch, daß das Vieh der RanChos die Indianerfelder Mission Hüttensiedlungen, sogenannte Rancherias, von denen sie sich nur
beschädigte und es überhaupt zu Reibereien zwischen Siedlern und Ein- mit Erlaubnis der Missionare auf eine bestimmte Zeit entfernen durften.
geborenen käme. Andererseits wäre bei größerer Entfernung der Ranchos von Anfangs wurden die Häuser der Mission ebenso wie die des Pueblos aus
den Missionen aiIzeitigegeistHche Fürsorge nicht mehr möglich gewesen. In Holzpfosten errichtet, zum Teil außen und innen mit Lehm verschmiert und
der spärlichen Vermehrung der Ranchos während der spanischen Koloni- I mit einem Dach aus Binsengeflecht versehen. Infolge dieser wenig dauerhaften
sationsperiode kommt ebenso wie in der Niederhaltung der Pueblos der sied-
hingshemmende Einfluß der Franziskanerherrschaft zum Ausdruck. Es kommt
II Bauweise ist von der "Misieln Vieja" heute nichts mehr erhalten. Die Holz-
häuser der neuen Mission wurden nach ein paar Jahren durch Adobe-Gebäude
noch dazu, daß man beim Fehlen jeglicher Ausfuhr infolge der handelsfeind- ersetzt. Erst 20 Jahre später wurde die heutige Missionskirche aus Stein er-
I
lichen spanischen Kolonialpolitik wenig' Interesse daran hatte, den Vieh- richtet (Lit. 488, S. 58). Bauholz und Brennholz ~ar reichlich vorhanden,
J
bestarid zu vermehren (Lit. 358, I, S; 6II). Die Statthalter zogen es vor, Sied- I denn die San Gabriel-Platte war reichlicher mit immergrünen Eichen be-
lern die vorläufige Niederlassung auf dem von ihnen erbetenen Stück Land standen als heute. Man schlug auch die Bäume in den Cafions des San Gabriel-
Gebirges.
unter Vermeidung der Verleihung zu erlauben. Für den "ranchero" hatte das
den Vorteil, daß er nicht zur Erfüllung von Lehensbedingungen verpflichtet I Die erste Weizenernte an der Bartolo-Pforte wurde durch eine Überschwem-
mung vernichtet. Nach Überwindung der Schwierigkeiten, mit denen in den
war. Die Kirche konnte die Landentziehung veraillassen. So finden wir am
Ende des Jahrhunderts um Los Angeles ein paar vorläufige, unbestimmt ersten Jahren gekämpft wurde, übertraf San Gabriel bald alle kalifornischen
begrenzte Weidebesitzungen in Händen einiger' Rancheros. Nur zum Teil Missionen in ~er Anzahl der Bekehrungen und dem Umfang der landwirt-
erhielten sie oder ihre Nachkommen später den Lehenstitel für ihr Land. schaftlichen Produktion. Die Mission hatte 1776 bereits 500 bekehrte Indianer

I
52 53
I.
I
(Lit. 345, IV, S. 177178). Pferde, Maultiere, Rinder, Schweine, Schafe und Gabriel zu Beginn des 19. Jahrhunderts geht vor allem auf die Einz~linitiative
Hühner hatten die Missionare eingeführt, ebenso Kulturgewächse. Mais des Mönches Zalvidea zurück, der von 1806 bis 1827 in San Gabriel statio-
wurde auf bewässerten Feldern angebaut. Der Ertrag an Weizen und Bohnen niert war.
wuchs ebenfalls rasch. Die Weizenernte übertraf bald die Produktion des Auch vom Standpunkt des Verkehrs war San Gabriel die wichtigste der
gewohnten Maises, was bei dessen sommerlichem Regenbedürfnis erklärlich ist kalifornischen Missionen. Hier trafen sich die Routen von San Diego und die
(s.Tabelle 1, S. 291). Die starken Schwankungen der Ernteerträge von Jahr beiden vom Colorado und von Santa Fe, von denen die eine über den San Felipe-
zu Jahr erklären sich aus der verschieden großen Aussaat und den großen Paß, die andere über den Cajon-Paß in das Südkalifornische Becken eintrat
jährlichen Unterschieden der Niederschlagsmenge. Aus den Erntestatistiken (Lit.443, Karte). Zwischen 1770 und 1780 wurde diese Landverbindung
der Missionen hat Lynch versucht, Niederschlagsstatistiken zu rekonstruieren von Sonora her durch mehrere Expeditionen erforscht. Die Kolonisten, die
(Lit. 209)' Über die Frucht- und Traubenernten sind keine Aufstellungen ge- im nordwestlichen Mexiko für Los Angeles geworben wurden, kamen noch auf
führt worden. Der Anbau war aber ebenfalls beträchtlich. So wurde ein Teil dieser Landroute. 1781 wurde die Expedition des Rivera von den Yuma-
der San Gabriel-Platte in Garten- und Ackerland, der Rest des San Gabriel- Indianern niedergemetzelt, die auch die am unteren Colorado errichteten
Beckens in eine Weidelandschaft verwandelt. Ähnlich ging die Ep.twicklung beiden Missionen zerstörten, und die Landverbindung wurde nicht mehr be-
im San Fernando~Becken. nutzt. Der Plan, eine Kette von Missionen von Sonora bis San Gabriel zu er-
San Gabriel, später auch San Fernando, betrieben Weidewirtschaft in immer richten (Lit.345, I, S. 168/69), mußte aufgegeben werden. Damit blieb die
steigendem Maße (s. Tabelle 2, S. 291). Die Viehzucht lieferte Fleisch, Talg Landschaft für ein weiteres halbes Jahrhundert isoliert und auf den Seeweg
für Kerzen, Leder, Wolle, Milch, Käse und Butter. Zu all den Arbeiten, angewiesen.
sowohl im Felde als auch in der Missionsbewirtschaftung und zu handwerk- Während der Unabhängigkeitsbewegung in Mexiko wurde Kalifornien mehr
licher Beschäftigung, wurden die bekehrten Eingeborenen unter einem "mayor- und mehr auf sich selbst gestellt. So wurden die Garnisonen immer stärker
domo" angehalten. Arbeitsungewohnt, wurden sie durch die nun von ihnen von de~ Missionen abhängig, von denen sie sich versorgen mußten. Die
geforderten Anstrengungen geschwächt und starben bei der ersten Krankheit. Missionen, unter denen San Gabriel an erster Stelle stand, waren die In-
Trotz der großen Zahl der Todesfälle nahm die Zahl der bekehrten Indianer dustrie- und Handelszentren des Landes. Was San Gabriel nicht selbst her-
durch Neubekehrungen stetig zu (s. Tabelle 3, S. 292). Die Zahl der ständig stellen kOI).nte, handelte es gegen Getreide, Häute und Talg von Kauffahrtei-
bei der Mission lebenden Indianer überschritt im zweiten Jahrzehnt des schiff~n ein (Lit. 397, S. 119), die jetzt anfingen, die Küste anzulaufen.
19.Jahrhunderts 1500 bei San Gabriel, 1000 bei San Fernando. 1820 waren Mit dem Anwachsen der Missionsbevölkerung und der Herden beanspruchte
die bekehrten Indianer von San Gabriel in 15 Ranchos um die Mission San Gabriel die Laguna- und Los Nietos-Ebenen <;tls Weideland. 1820 weideten
verteilt. bereits 800 Pferde von Los Angeles in der Laguna-Ebene (Lit. 397, S. 113).
Von den industriellen Arbeiten, die die Indianer in San Gabriel verrichteten, Es kam zu Auseinandersetzungen mit der Bevölkerung von Los Angeles und
legen die. erst jüngst ausgegrabenen steinernen Anlagen Zeugnis ab. Große dem Statthalter in Monterey. In dem Streit berufen sich die Missionare auf die
Gerberbecken, Becken als Behälter der Kessel zur Seifenherstellung, Riesen- Anforderungen, die an sie gestellt werden und denen sie nur gerecht werden
backöfen und Reste von Entwässerungskanälen sind freigelegt worden. Über könnten, wenn ihnen das Weideland der Ebene zur Verfiigung stehe. Eine
die Deutung mancher jetzt ausgegrabenen Anlagen dieser Art, die kaum über Ausdehnung der Schafweiden gegen das San Gabriel-Gebirge sei nicht möglich,
100 Jahre alt sind, sind sich die Archäologen ebenso im unklaren wie in Europa weil von dort her die noch heidnischen oder entlaufenen Indianer die Herden
über Jahrtausende alte Funde. 1810/11 wurde am Ausgang des Kewen beraubten. Außerdem würden die Schafe im Dorngestrüpp des Chaparrals und
Cafion am Fuß der~Raymond-Kette eine Getreidemühle errichtet, die jüngst am halb abgebrannten Holzbestand ihre Wolle abstreifen (Lit. 397, S. 115).
renoviert wurde. Eine neue Getreidemühle wurde einige Jahre später näher Die Missionare sollten die Indianer selbständig machen. Danach sollten die
an der Mission erbaut. Der Aufschwung der Missionsindustrien von San Missionen in Pueblos umgewandelt werden. Das war der Gedanke, der dem

54 55
.,

Missiortssystem ursprünglich zugrunde lag (Lit. 395, S. ~w). Anstatt dessen weltliche Verwaltung gestellt. 1805 landete das erste U.S.-amerikanische
gewannen die Missionen immer mehr an Macht, hinderten die Entwicklung Schiff bei San Pedro. Kalifornien wurde dadurch dem Welthandel geöffnet .
des Pueblos Los Angeles und 'nahmen den Einzelsiedlungen den Raum. Als .Die mexikanische Regierung erließ 1824 ein Gesetz zur Begünstigung von
die Säkularisierungsbestrebungen nach der mexikanisehen Unabhängigkeit Siedlern. Kalifornien wurde erneut als Strafkolonie benutzt. Daneben nahm
Erfolg hatten, hatte das Missionssystem zur Folge, daß die an dauernde Be- die Vergebung von Ranchos zu, besonders seit der Säkularisierung der Mis-
vormundung gewohnten Indianer restlos und widerstandslos den spanischen sionen. 'Gm Los Angeles entstanden auf Weidewirtschaft gestellte Einzel-
Siedlern preisgegeben wurden und rascher untergingen, als es bei größerer siedlungen. Der Viehbestand wuchs rasch. Häute und Fett waren die
Selbständigkeit der Fall gewesen wäre. Dabei sollten durch Enteignung der Produkte, die jetzt bei der zunehmenden Berührung San Pedros durch
Kirche .gerade die Indianer in den Besitz ihres Landes und der Herden gesetzt Handelsschiffe ausgeführt werden konnten. Bedarfsgegenstände wurden da-
werden (Lit. 369, S. 283). für eingehandelt. Erst jetzt, da die Produkte der Viehzucht Handelswert be-
Unter der mexikanischen Regierung wurde das Land rasch in Lehen auf- .. kamen, konnte die extensive Viehwirtschaft sich voll entwickeln und 40 Jahre
geteilt (s. Fig. 8). Seit der Säkularisierung, die 1834 durchgeführt wurde, be- lang das Landschaftsbild beherrschen. Vorher, unter spanischer Herrschaft,
warben sich die Siedler um Verleihung von Ranchos im San Gabriel-Becken. konnte die private Weidewirtschaft nicht recht blühen, denn der. Ranchero
Es blieb schließlich nur ein Bezirk um die Mission übrig, der nach der Säku- hatte keine Möglichkeit, mit den Produkten seines Viehs Tauschhandel zu
larisierungsvorschrift in unveräußerlichen kleinen Stücken an einzelneMis- treiben. Seine Rinder und Schafe lieferten ihm lediglich Nahrung und Klei-
sionsindianer vergeben wurde (Lit. 366, S. 46). Die Indianer versäumten aber, dung (Lit.443, S. 348).
sich Titel für diese Landstücke geben zu lassen, wodurch sie bei der späte~en Die Ranchos waren eine bis elf Quadrat-Leguen (18-200 qkm) groß,
Besetzung des Landes durch die U.S.-Amerikaner ihren Besitz endgültig ver- durchschnittlich 50 qkm. Sie erhielten eigene Namen, die sich bis heute viel-
loren. Die Mission San Gabriel besteht nach der Säkularisierung als einfache fach in den Namen von Vorstädten, Bezirken und Straßen erhalten haben.
Kirche bis heute weiter. San Fernando wurde 1846 aufgegeben, mitsamt dem Mit der Bewilligung von Ranchos, die unentgeltlich von der Regierung ver-
Missionsland als Rancho vergeben, und das Gebäude verfiel. Heute wird die geben wurden, war die Bedingung verknüpft, daß ein Haus darauf errichtet
Mission als Sehenswürdigkeit erhalten. Sonst sind aus der Periode der Mis- werde und mehrere Hundert Stück Hornvieh gehalten würden. Das Vieh ver-
sionsherrschaft in der heutigen Landschaft keine Relikte mehr vorhanden. mehrte sich sehr rasch, und es kam oft vor, daß ein Ranchero 5000 Stück
besaß. Die Tiere, die durch Brandzeichen markiert waren, verliefen sich beim
Fehlen jeder Umzäunung bis. zu 60 und 80 km E~tfernung. Sie wurden mehr-
EXTENSIVE WEIDEWIRTSCHAFT I' mals im Jahr auf dem Rancho gesammelt, und jeder Ranchero war gesetzlich
Das 'Völlige Fehlen einer Überlandverbindung seit 1781, die koloniale Ab- verpflichtet, da das Kalben im allgemeinen am Anfang des Jahres stattfand,
schließungspolitik Spaniens und die Missionsherrschaft hatten für Los Angeles im Frühjahr einen "rodeo" abzuhalten, bei dem die anwesenden benachbarten
Isolierung und Stagnation zur Folge. Geeignete nichtspanische Siedler konnten Vieheigentümer ihr Vieh heraussuchten. Die noch nicht tnarkierten Kälber
l1icht zuwandern, eine auf Ausfuhr gestellte Produktion konnte sich nicht ent- folgten ihren Mutterkühen, sobald diese herausgetriebenwurden. Bei einem
wickeln und der Handel, soweit er überhaupt möglich war, lag in Händen der Rodeo waren oft 5-8000 Stück Vieh auf einer Quadratmeile zusammen-
Mission. Mit der mexikanischen Unabhängigkeit, die 1822 erklärt wurde, gedrängt. Die Herde wurde von berittenen Hirten, "vaqueros", die auch das
änderten sich diese Bedingungen. Schon vorher liefen fremde Handelsschiffe Vieh herbeitrieben, zusammengehalten. Die großen Frühjahrs-Rodeos, die
gelegentlich den Landungsplatz bei San Pedro an, 1820 kam von einem dieser vielfach mehrere Tage dauerten, waren die gesellschaftlichen Ereignisse des
Schiffe der erste~U.S.-amerikanische.Siedler nach Los Angeles, 1826 wurde Jahres. Die Vaqueros zeigten dabei gern ihre Geschicklichkeit in der Reit-
die Überlandverbindung vom Mississippi her gefunden, und 1834 wurden San kunst und im Werfen des Lassos (riata). Auf jedem Rancho befand sich eine
Gabriel und San Fernando Init den übrigen kalifornischen Missionen unter Hürde (corral), etwa 30-5° m im Durchmesser, in der Pferde und Rinder

57
und besonders nach dem Rodeo die Kälber gebrannt wurden. Dann folgte die CI:

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"matanza", das Schlachten, das von den Vaqueros auf freiem Feld besorgt 0:
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wurde (Lit. 443, S. 349). Das Fleisch der spanischen Kühe-ist z~h und fast x::E
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trocken (Lit. 461, ~: 64). Es war in solchem Überfluß vorhanden, daß man
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sich nicht zur Meiereiwirtschaft, die erst mit den Kühen der später zu-
wandernden U.S.-Amerikaner möglich wurde.
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Oktober, trotzdem sie trocken uJ!d braun werden, Nahrung genug. Von Ok- §
tober bis Januar magerte aber das Vieh rasch ab, und jährlich verhungerte eine
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große Zahl. Ställe und Stallfütterung gab es nicht. Boden und Klima gestatten l!I'
das (Lit. 461, S. 195). .~
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Die Rinderzucht wurde nur der Häute und des Fettes wegen betrieben, '"
Produkte, die ausgeführt wurden. Es ist klar, daß sich bei der ~tensivenVieh- j
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wirtschaft, die zur Monokultur wurde, die Lebenshaltung und die gesell-
schaftlichen Verhältnisse der· Rancheros entsprechend großzügig gestalteten. ~
Die neben dem Rinde reichlich gezüchteten Pferde stammten von den im. 'ä<11
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16. Jahrhundert von Spanien nach Mexiko exportierten ab. Sie waren klein, 'B
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leicht und zäh. Zum Reiten eigneten sie sich ausgezeichnet, was für den Beruf
der Vaqueros von Wichtigkeit war. Zur Arbeit vor dem Pflug oder Lastwagen
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waren sie aber nicht zu gebrauchen. Deshalb mußten die seit den 50er Jahren .8
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zuwandernden U.S.-Amerikaner Pferde aus dem Osten mitbringen. Zur .~-
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spanischen und mexikanischen Zeit fand der gesamte Verkehr nur zu Pferde r:: on

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statt, nicht mit dem Wagen. Wenn die Zahl der pferde zu groß wurde, trieb ~ A
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. man sie über ein Kliff, von dem sie abstürzten (Lit. 443, S.349). ·on ..c
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Quadrat-Legua (4438 acres, 18 qkm) waren zunächst selten. In den 1840er <t
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Jahren, als das meiste Land schon vergeben war, finden wir Verleihungen solch
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fach wurden kleine Ranchos aus größeren herausgeschnitten, was bei der 0- E .'<> vi ca>
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ungewissen Begrenzung möglich war. So ist erwiesen, daß Rancho Aguaje eil
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de la Centinelaaus Sausal Redondo abgegrenzt wurde (s. Expedientes im &!.a


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U. S. Public Survey Office, Glendale). Rancho La Brea war ursprünglich ein


Teil des Ranchos Rodeo de las Aguas. San Jose de Buenos Ayres, genau eine
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Quadrat-Legua groß, und Boca de Santa Monica schneiden winkelförmig in
Handel wurde von 1825 bis 1834 von den Bostoner Kauffahrteischiffen
den Rancho San Vicente y Santa Monica ein, so daß auch für sie eine nach-
besorgt, die Konserven und.Baumwollwaren brachten. Da es weder Zeitung~n,
trägliche Abtrennung anzunehmen ist. ~. ~ ~ ~ ~ ~,
Telegraphen noch Postwagen gab, die die gelegentliche Ankunft eines solchen
Das Ranchhaus _lag meistens auf einer Anhöhe vor überschwemmungs-
Schiffes hätten melden können, reiste die amerikanische Besatzung selbst durch
gefahr geschützt ~nd so, daß von ihm aus der Rancho überblickt werden
das Land, um die Ladung abzusetzen. Gegen Ende der Saison konnten dann
konnte. Die noch heute erhaltenen Häuser der Ranchos San Pedro, Los
Häute und Fett und bis zur Ausrottung der Otter imJahre 1840 Otterfelle
Cerritos und Los Alamitos lassen die Vorzüge dieser Lage deutlich erkennen.
(Lit. 389, S. 62) eingehandelt werden. Die so bedingte lange Liegezeit des
In der Nähe der Ranchhäuser wurden ein paar künstlich bewässerte Gärten
Schiffes und der Aufenthalt im Lande gab vielen U .s.-Amerikanern Ge-
und Felder angelegt. Daraufwurde Getreide, Gemüse und Obst für den eige-
legenheit, das Land, die freizügige Lebensweise und die Zukunftsmöglichkeiten
nen Bedarf gezogen. Lortzings Angabe, daß Bewässerung außerhalb der
kennenzulernen, so daß mancher desertierte und blieb. Einzelne ließen sieh
Mission nicht angewandt wurde, stimmt nicht, wenigstens nicht für die
in Boston schon mit dieser Absicht anwerben (Lit. 389, S. 35). Die Entwick-
mexikanische Periode (Lit.426, S.56; vgl. dagegen die Expedientes über
lung führte ganz natürlich zur Annektierung Kaliforniens durch die Ver-
Rancho Sausal Redondo und Aguaje de la Centinela im U. S. Public Survey
einigten Staaten, die im Frieden von Guadalupe Hidalgo 1848 bestätigt wurde.
Office, Glendale). Trotz des reichen Vieh- und Landbesitzes der Rancheros
Die in mexikanischer Zeit mit den Handelsschiffen kommenden Ausländer,
war ihr Wohnhaus einfach, einstöckig aus Adobe errichtet, mit einer Veranda
dazu einige Pelzjäger, die sich in Kalifornien ansässig machten, gewannen
gegen den auf zwei oder drei Seiten vom Hause umschlossenen Garten. Die
rasch an Einfluß und heirateten vielfach in die wohlhabenden spanischen
Außenwände waren meist gekalkt, und das Dach wurde mit den gewohnten
Familien ein. Damit entstand jene sogenannte spanisch-kalifornische Ge-
spanischen roten Ziegeln gedeckt, sofern nicht der bei Los Angelesreichlich
sellschaftsschicht, eine auf großen Vieh- und Landbesitz basierte Aristokratie,.
vorhandene Asphalt die Ziegelbedeckung ersetzte. Die Inneneinrichtung war
die sich von den nach 1848 kommenden amerikanischen Zuwanderern ab-
einfach. Was an Möbeln vorhanden war, stammte vielfach aus Ostasien. Alle
hebt. Zu mexikanischer Zeit finden wir in Südkalifornien bereits 100 U.S.-
Arbeit um das Ranchhaus wurde von den reichlich vorhandenen Indianern
Amerikaner, 33 Briten, 21 Franzosen, 13 Iren und 4 Deutsche (Lit. 544,
verrichtet. Bekannt war die Gastfreiheit der Rancheros. Soweit ihr Besitz im
S.237)·
SüdkalifornischenBecken lag, unterhielten sie in der Regel neben ihrem Ranch-
Neben der Verbindung auf dem Seewege festigte sich auch die überland-
haus auch ein Stadthaus in Los Angeles, dort an den politischen Ereignissen
verbindung mit den Vereinigten Staaten im Osten immer mehr. Die
teilnehmend. Die Ranchobesitzer waren jetzt die eigentlichen Herren der ent-
beiden wichtigsten Wege vom Mississippi über Santa Fe nach Südkalifornien
legenen mexikanischen Provinz, so wie es zur Zeit der spanischen Oberhoheit
waren die Gila-Route, die dem Gila, einem Nebenfluß des Colorado, folgend
die Missionare gewesen· waren.
über Yuma zum Warner's Paß führte, und der sogenannte Spanish trail,
Wie früher der Missionar, so gewährte jetzt der Ranchero Reisenden Gast-
der durch den Cajon-Paß in das Südkalifornische Becken eintrat. Auf beiden
freiheit in der großzügigsten Weise. Noch 1846 gab es im ganzen Lande kein
drangen zuerst Pelzjäger nach dem Südwesten vor, auf dem einen die Pa tties
Hotel oder Restaurant (Lit.389, S. 36). Zu Mexiko bestanden sehr geringe
1827/28, auf dem anderen William Wolfskill 1830/31 (Lit. 349, S. 167/68).
Beziehungen, wozu die vorwiegend spanische Herkunft der Ranchobesitzer
Wahrscheinlich hatte schon J edediah S. Smith, der 1826 vom Großen
beitrug (Lit. 369, S.294).
Salzsee kommend, in San Gabriel eintraf, den Spanish trail und den Cajon-
Bei dem schwachen Einfluß, den die Zentralregierung in Mexiko auf das
Paß' benutzt (Lit.349, S. 137). Weitere Pelzjäger folgten auf beiden Wegen.
entlegene Departamento hatte und bei den fortgesetzten Bürgerkriegen der
Von 1833 bis 1846 bestand ein eifriger Handelsverkehr zwischen Santa Fe
kalifornisehen Machthaber, die Los AngeIes mehrmals vorübergehend zum
und Los Angeles. Neumexikanische Decken und Wollgewebe wurden gegen
Regierungssitz machten, wurde das Land immer mehr von Fremden friedlich
die geschätzten Maultiere von Los Angeles eingetauscht. Der Cajon-Paß war
durchdrungen. Die meisten kamen zunächst aus Boston, denn der gesamte
aber auch die beliebte Einfallspforte der indianischen, mexikanischen und

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61
U.S.-amerikanischen Pferdediebe dieser Zeit (Lit.443, S. 289/90). Nach und Die ersten Jahre nach der Zuwanderung der Goldsucher im Norden hatten den
nach benutzten den Spanish- und Gila trail auch Emigranten, die sich in Santa Viehbesitzern zunehmenden Wohlstand gebracht. Als dieser nachließ, be-
Fe für die überlandexpedition ausrüsteten. 1849 sollen allein 9000 Goldsucher hielten sie ihre großzügigen Lebensgewohnheiten bei, indem sie sorglos sich
auf den Südwestrouten nach Kalifornien gekommen sein (Lit. 349, S. 168). Geld borgten. Der hohe Zinsfuß, den der Charakter der Wirtschaft seit Beginn
der Bergbautätigkeit und die Entfernung von den Geldmärkten mit sich
brachten - 2 Prozent monatlich waren nicht ungewöhnlich, 11/2 Prozent per
ACKER- UND GARTENLANDSCHAFT
Monat auf 1. Hypothek auflange Dauer, 2-2 1/2 Prozent auf kurze Dauer und
Um die Mitte der 60er Jahre trat die Landschaft um Los Angeles in eine bei geringster Zweifelhaftigkeit (Lit.461, S. 144) -, ließ sie rasch zu Fall
neue Entwicklungsphase ein. Der bestimmende Faktor dieser Änderung war kommen. Mit der Trockenperiode von 1856/58 setzte diese Entwicklungein.
die Zuwanderung einer neuartigen Bevölkerungsgruppe, die neue Wirtschafts- Im ersten Trockenjahr 1856 starben im Los Angeles County allein 75 000 Stück
formen in die Landschaft trug. Wohl haben klimatische Ursachen, die Trocken- Vieh (Lit. 38 9, S. 371) oder mußten geschlachtet werden. In den über':
jahre 1856/58 und 1862/64 und die Überschwemmungswinter 1859/60 und schwemmungswintern konnte sich das Vieh nicht retten, denn Ställe gab es
1861/62, der Rinderzucht das Ende bereitet. Doch hätte sich diese erholt, nicht. Es ging an Schutzlosigkeit und Kälte ein, und nach der 2. Trocken-
wenn sie sich nicht jetzt unter den veränderten Wirtschaftsvoraussetzungen als periode boten noch jahrelang die Mengen von Rinderskeletten, die sich ~m
überholt erwiesen hätte. die Cienegas häuften, wo die letzten Vegetationsspuren zu finden waren,
Die neue Bevölkerungsklasse, die das Goldfieber von 1849 und den einen trostlosen Anblick (Lit.488, I, S.290). 1856/57 erlebte das besonders
folgenden Jahren in den Norden des Landes gebracht hatte, war eine Aus- hart getroffene Los Angeles Zinssätze von 5 und 10, ja 15 Prozent monatlich
lese von Abenteurern und Leuten von Unternehmungsgeist aus allen Ländern (Lit·488, I, S.274). Die Rancheros waren gezwungen, Teile ihres Land-
der Erde. Ende der 50er Jahre begann die Ausbeute der Minen nachzulassen. besitzes zu verpfänden oder zu den unerhörten Zinssätzen Hypotheken auf-
Nun war ein großer Teil der Bergleute bereit, sich in andere Unternehmungen, zunehmen, die sie nicht zurückzahlen konnten. Damit begann die Aufteil ung
sei es Handel, Landwirtschaft oder Industrie, spekulativ einzulassen. Diese der Ranchos, welche die folgenden Jahrzehnte charakterisiert. Hand in
Menschen von Unternehmergeist, die bereit waren, alles aufs Spiel Zu setzen Hand damit ging die Landspekulation, deren Träger das neue geschäfts-
und sich nicht scheuten, immer wieder ganz von neuem anzufangen, brachten tüchtigere Bevölkerungselement wurde. Die Aufteilung der großen Land-
San Francisco hoch und bildeten in diesen Jahrzehnten dessen einheitliche komplexe, die 1868 anfing, brachte eine neue U.S.-amerikanische Zu-
Gesellschaftsschicht trotz ihrer verschiedenen Herkunft. Naturgemäß wurden wanderung. Die Siedler kamen jetzt unmittelbar- auf dem überlandweg oder
bald die landwirtschaftlichen Möglichkeiten des Südkalifornischen Beckens mit dem Dampfer nach Los Angeles (Lit. 488, I, S. 276). Der geschäfts-
erkannt. Die neue Bevölkerung drückte der Landschaft in der Zeitspanne von gewandte Zuwanderer verstand es nicht nur, die wirtschaftliche Notlage des
1865-1885 den Charakter der stetigen Wandlung auf. In dieser Übergangs- spanisch-kalifornischen Großgrundbesitzers, sondern auch dessen Unkenntnis
periode unterschied sich das Landschaftsbild sowohl von der Weidelandschaft in den Kniffen der Landgesetze auszunutzen. Im Frieden von Guadalupe
der vorausgehenden 40 Jahre als auch von der Landschaft des folgendeI). Hidalgo ist der mexikanische Grundbesitz von den Vereinigten Staaten an-
Zeitabschnitts, der die städtische Entwicklung das Gepräge gibt. erkannt worden. Im Hinblick auf den kommenden Frieden hatte aber der
Dem rücksichtslosen Unternehmergeist, den die von den Minen her kom- letzte mexikanische Statthalter Pio Pico noch rasch zahlreiche Ranchos an
menden Menschen, vor allem U.S.-Amerikaner, Engländer, Iren und· seine Freunde vergeben. Diese Verleihungen wurden nicht anerkannt. Wer
Deutsche, mitbrachten, war die an bequemes Leben auf ihren Ranchos ge- einen Freund bei der Landkommission hatte, welche die Rechtmäßigkeit der
wohnte spanisch~kalifornische Bevölkerung des Südens nicht gewachsen. In- "grants" vor Bestätigung der Besitztitel untersuchte, konnte die Nichtaner-
folge der Gewöhnung an den Tauschhandel, der in der spanisch-mexikanischen kennung auch in anderen Fällen zuungunsten des Spanisch-Kaliforniers be-
Ära üblich gewesen war, konnten diese Rancheros mit Geld nicht umgehen. wirken. Weder der englischen Sprache mächtig, noch mit den amerikanischen
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Gerichtsverhältnissen vertraut, war dieser stets im Nachteil. Auch die Grenz-
ziehung fiel häufig zu. seinem Schaden aus. Die mexikanischen Ranchos
I verpflichteten, mindestens fünf Jahre auf dem Lande zu wohnen. Unter dem
Einfluß der raschen Wertsteigerung des Landes warteten die Siedler vielfach
nicht die fünf Jahre ab, sondern erwarben das Land vorher zu $ 2,50 für den
waren nur nach natürlichen auffallenden Stellen in der Landschaft begrenzt.
Die U.S.-amerikanische Landkommission schreibt Vermessung vor, ehe Be- acre (commuted homestead), um es zu höherem Preis verkaufen zu können.
stätigung erteilt werden kann. Bei der Vermessung verlor der Spanier oft Wenn der Boden bereits kultiviert war, stieg sein Wert auf $20,- für den
einen großen Teil seines Landes. Die. U.S.-Amerikaner verstanden es oben- acre (Lit. 461, S. 197) oder darüber hinaus auf das Zehn- bis Fünfzigfache.
drein, die Vermessung und die Verhandlungen vor der Landkommission Zu dieser Entwicklung trugen die Landverkäufe der Eisenbahn und des Staates
hinauszuzögern, so daß der Ranchero aus wirtschaftlicher Not, um überhaupt bei. Dem Staat steht jede 16. und 3.6. Section als "schoolland" zu, also der
seinen Besitz, den er schon verpfändet hatte, veräußern zu können, mit jeder 18. Teil des Landes, dessen Erlös er zum Bau von Schulen verwenden soll.
Entscheidung sich zufrieden gab. Die Verspätung der Bestätigung, die sich Für die "school sectioris", die in meXikanischen Ranchos liegen, konnte er
in der Umgebung von Los Angeles von 1858 (Rancho San Pedro) bis 1882 sich an anderer Stelle im Regierungsland Ersatz aussuchen (State Lieu
(Ranchos San Rafael und Boca de Santa Monica) hinzogen, verzögerte Auf- se1ection). So erwarb der Staat Kalifornien bereits 1868 südlich und 1873
teilung und Besiedlung, denn nichts ist weniger wünschenswert für den Land- östlich des Pueblo-Landes von Los Angeles zwei größere zusammenhängende
käufer, als ein unsicherer Besitztitel. Trotzdem siedelten sich auf den Ranchos Gebiete, die er in kleineren Stücken innerhalb weniger Jahre zum vor-
vielfach "squatters" an, ohne.Vermessung oder Bestätigung des Ranchobesitzes geschriebenen Preis von $ 2,- für den acre verkaufte. Ein Käufer darf nicht
mehr als 640 acres kaufen und muß erklären, daß das Land für dauernde
abzuwarten.
Nur wenige Ranchos, die sich in Händen geschickter Spekulanten befanden, Besiedlung bestimmt .ist. Das Regierungsland um Los Angeles befindet sich
haben sich bis in jüngste Zeit gehalten und bildeten Inseln oder Buchten in außerdem innerhalb des Zwanzigmeilenbereiches . beiderseits der beabsich-
der großstädtischen Fläche~ Rancho San Jose de Buenos Ayres wurde erst tigten Bahnlinie, fällt damit unter die Landschenkung, die der Southern
nach 1922 aufgeteilt und hat bis dahin, die Siedlungsverbindung von Santa Pacific-Eisenbahn 1871 von der Regierung gemacht wurde. Innerhalb der
Monica nach Los Angeles aufgehalten. Schenkungszone suchte sich die Eisenbahn die ungeraden Sections aus, so-
Nach der Vermessung der Ranchos wurde gegen 1870 und später das Re- fern diese noch nicht besiedelt und vergeben waren. Infolge der raschen
gierungsland, das zwischen dem Pueblo-Gebiet und den Ranchos und um die Besiedlung konnte der Landagent der Southern.Pacific';Eisenba:l~n 1876 in der
Mission San Gabriel freigeblieberi war, nach dem quadratischen Sections- Umgebllng von Los Angeles nur noch einen Bruchteil der ungeraden Sections
System des General Land Survey vermessen. Es konnte danach zum Preise für die Eisenbahn in Besitz nehmen, die nun ihre Landstücke schneHzu hohen
von $ 1,25 für den acre (0,4 ha) erworben werden (cash sale). Vielfach Preisen verkftufte.
hatten sich auf dem Regierungsland schon vorher während der 60er Jahre Die Verkleinerung oder völlige Veräußerung mancher Ranchos und der
Siedler niedergelassen, die 33 Monate nach der Vermessung ihr Stück Land Verkauf von Staatsland, Eisenbahn-, Heimstätten- und Vorkaufsland ermög-
von verschiedener Größe bis zu 160 acres (64 ha) unter dem Vorkaufsrecht lichten die Vereinigung größerer zusammenhängender Gebiete in einer Hand.
(preemption law) zu $ 1,25 für den acre erhalten konnten, sofern sie drei Wildy und Stahlbergs Karte des Los Angeles County von 1877 zeigt
Monate nach registrierter Vermessung ein "declaratory statement" eingereicht Besitzverhiiltnisse, die erheblich von den früheren· abweichen. Keiner· der
hatten. Sie mußten beweisen, daß sie ihr Land bewohnten und unter Kultur Ranchos um Los Angeles ist mehr unberührt außer Los Palos Verdes, der
genommen hatten. An Stelle der Barbezahlung wurde vielfach mit Schuld- unter die Erben aufgeteilt ist, die allerdings Squatter-Prozesse führen müssen
verschreibungen, die einzelne Staaten für Errichtung landwirtschaftlicher (Lit.555). Andere sind teilweise unter die Erben des ehemaligen Besitzers,
Hochschulen herausgaben (Agricultural College scrips), bezahlt. Ein Teil teilweise unter neue Besitzer aufgeteilt, wie Tajauta, La Ballona, San Rafael.
des Regierungslandes wurde in Stücken von derselben Größe unter dem Rancho San Pedro ist am Rande beschnitten, San Jose de Buenos Ayres, La
Heimstättengesetz (homestead law) kostenlos an Siedler vergeben, die sich Brea, Paso de la Tijera, Los Cerritos und Los Alamitos sind unaufgeteilt in

5 Wagner, Los Angeles


r-
fremden Besitz übergegangen. San Jose de Buenos Ayres konnte so bis in di~ Koyoten und vor dem Verlaufen zu schützen. Mit der Zeit griff der Ackerbau
jüngste Zeit (19 23) der Aufteilung widerstehen, was in Händen des ursprüng- auf die Schafweiden über und drängte die Schafzucht mehr und mehr auf
lichen Besitzers oder dessen Erben nicht möglich gewesen wäre. Die beiden die Randgebiete der Landschaft zurück. Die meisten großen Ranchos in der
Ranchos Centinela und Sausal Redondo ,zusammen sind Besitz von Free- Umgebung von Los Angeles wurden, sofern man sie nicht gleich aufteilte;
man. Von dem großen Rancho San Antonio gehört den Lugo-Erben nur bei Besitzwechsel zunächst mit Schafen bestockt. In der Zeit der Geldnot nach
noch ein verschwindend kleiner Teil. Durch Aufkauf von Staatsland südlich dem großen Rindersterben wurde 1866 der Rancho Los Cerritos anJ. Bixby
von Los Angeles konnte trotz Anfechtung (Lit.460) der "Rosecrans T:ract" und seine Partner, bereits erfahrene Schafzüchter aus dem Norden, verkauft,
als großer zusammenhängender Besitz entstehen, ebenso östlich von Los die d.en Besitz von 27000 acres (10800 ha) sogleich als Schafweide nutzten
Angeles der Rancho Repetto und der Besitz von Temple. Auf dem Gebiet (Lit. 488, II, S. 18). Die Brüder Garnier betrieben in den I 860er und 1870er
des Rancho San Antonio erscheinen die Laguna-, Nadeau-und Tweedy- Jahren Schafzucht auf dem Rancho EI Encino in der San Fernando-Ebene
Ranches und andere große Besitzungen. Als neue Teile des ehemaligen (Lit. 504, S. 221). Sie waren im WolleXport von Los Angeles führend (Lit.5IO,
Rancho San Rafaelsind die Ländereien von Beaudry, Burbank, Dreyfus, S.421 u.438). Lankershim erwarb 1869 die Hälfte des San Fernando-
Glasell und Hunter nennenswerte Besitze. Seinen kleinen Rancho aufder Rancho, mit anderen Interessenten gründete er, die "San Fernando Farm
San Gabriel-Platte hat B. D. Wilson durch Landzukaufvergrößert. Daneben Association" und bestockte den Besitz von annähernd 60000 acres (24000 ha)
finden wir 1877 besonders westliCh und südwestlich des Stadtgebiets zahlreiche ebenfalls mit Schafen. Wenige Jahre darauf wurde hier bereits mit Weizen-
Farmen von 80 und 160 acres Größe (32 und 64 ha), anbau begonnen (Lit. 510, S. 381 u. Lit. 504, S. 220). Ähnlich im Südwesten
Das neue Bevölkerungselement brachte neuartige Formen d.er Land- von Los Angeles, wo der Kanadier Daniel Freeman 1873 die Ranchos
wirtschaft in das Südkalifornische Becken. Die Pferde- und Rinderhaltung, Aguaje de ·la Centinela und Sausal Redondo von zusammen 25000 acres
die, an großen Ranchobesitz gebunden ist, kam nach der zweiten Trocken- (10000 ha), die er mit Schafen bestockte, zunächst pachtete, dann erwarb
periQqe von 1862 bis 1864 nicht mehr hoch. Mit der Aufteilung der Ranchos (Lit. 5 I 0, S. 445 u. Lit. 358, VII, S.37). Erst nach dem Verlust von 22 000 Schafen
rentierte sie sich nicht mehr auf den verIdeinerten Landbesitzungen. Das Land im regenarmen Winter 1875/76 begann er Gerste und Weizen anzubauen
wurde zu wertvoll. AnihreStelletratdieSchafzucht,dienichtaufdie Alluvial- (Lit.51O, S. 445, u. Lit. 358, VII, S. 37). Nach einer Reihe solcher für die
böden angewiesen war, sondern in den für Ackerbau weniger geeigneten Teilen Schafzucht verhängnisvoller Trockenjahre ist die Zahl der Schafe, die 1874
.' 482000 betrug (Lit. 456, S.204), bis 1880 auf 330000 zurückgegangen. In
der Landschaft und im Gebirge betrieben werden konnte. In den Gebirgen ,

Kaliforniens beförderten die Schafe die Ausdehnung des Chaparrals gegen den der Verzweiflung, die der Winter 1876/77 brachte, begannen viele Schaf-
Wald, ähi:llich wie in Südeuropa (Lit.358, VII, S. 78). Die Transhumance züchter, ihre Schafe nach Arizona, Neumexiko oder Utah zu treiben, doch
wurde in den 50er Jahren von Basken in Südkalifornien eingeführt. Leonis, kamen die meisten Tiereunterw-egs um (Lit. 510, S.507).
Qxarart, Amestoy, Bastanchury u. a. betrieben bereits Ende der 50er Einzelne Versuche mit Bienenzuch t im Norden des Staates hatten Erfolg.
Jahre Schafzucht in größerem Maßstabe (Lit.5Io, S.3IO). Sie brachten Bald wurde erkannt, daß die Blüten des wilden Salbei (Lit.389, S. 373) im
spanische und französische Merinoschafe nach Südkalifornien. Im Los Angeles südkalifornischen Gebirgs-Chaparral von den Bienen bevorzugt werden. Wir
County übertraf 1860 bereits die Zahl der Schafe (95000) die der Rinder finden Bienenzüchter als erste Siedler an den Hängen der Santa Monica- und
(71000). 1870 wurden hier rund 250000 Schafe gezählt, während die Rinder San Gabriel-Gebirge. 1870 produzierte Los Angeles Coun'ty bereits 66000
auf weniger als 20000 Stück zurückgegangen waren (Lit. 102). Da der Schaf- Pfund Honig, die exportiert wurden.
besitz nicht ortsgebunden ist, eignet sich diese Art der Viehzucht für Gebiete Der Seidenraupenzucht, für die das Klima geeignet ist, waren die
und Zeiten, in denen die Landbesitzverhältnisse nicht stabil sind. Erleichtert hohen Arbeitslöhne hinderlich (Lit.461, S. 74). Die Staatsregierung setzte
wurde die Schafhaltung dadurch, daß die Tiere nie unter Obdach gehalten 1867 Prämien aus für Pflanzung von Maulbeerbäumen und Produktion von
wurden, nur nachts trieb man sie in einen Pferch (corral), um sie vor Kokons. Das hatte zur Folge, daß in Los Angeles und' Umgebung über

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2 Millionen Maulbeerbäume gepflanzt wurden, was zunächst zu großen Umzäunungen erschwert. An Stelle der vorgeschriebenen Umzäunungsart
Gewinnen, dann zu Überproduktion und· schließlich zum Preissturz und entstanden vielfach Weiden- und Kakteenhecken (Lit.461, S. 58), die eine
zum Ende der Industrie führte (Lit.488, I, S.292/93). Cronise war 1868 Art Knicklandschaft schufen. 1873 begann Lankershim in der San Fernando-
von dem kommenden Erfolg der Seidenraupenzucht im Südkalifornischen Ebene Weizen in großem Maßstabe anzubauen, und 1877 wurde das Ingle-
Becken noch voll überzeugt,. weil er das Klima für sehr geeignet hielt wood-Redondo-Küstenvorland von Freeman unter Getreidekultur ge-
(Lit. 389, S. 109)' nommen (Weizen und Gerste, Lit.358, VII, S. 37). So stieg die Weizen-
Auch mit dem Baumwollanbau, der ebenso vom Staat subventioniert produktion des Los Angeles County von 1860 bis 1880 von 55000 auf 316000
wurde, machte man in Los Angeles vergebliche Versuche. Die Baumwolle Scheffel, die Gerstenproduktion von 46000 auf 153000 (1870) und weiter
gedeiht zwar sehr gut, war aber konkurrenzunfähig, weil zu weit von den auf 406000 Scheffel (Lit. 102). Der Weizenexport von Wilmington gewann
Märkten entfernt (Lit. 488, I, S. 293/94). an Bedeutung.
Der Tabakanbau mißlang aus klimatischen Gründen. Immerhin pro- Daß neben dem Anbau der Getreidesorten, die im Mittelmeergebiet hei-
duzierte das Los Angeles County 1874 100000 Pfund (Lit. 358, VII, S.35). misch sind, auch der Anbau von Mais, der doch sommerliche Feuchtigkeit
Seit 1854 wurde chinesisches Zuckerrohr in Los Angeles ohne be- benötigt, zunahm, ja an der Spitze stand t1860: 85000,1870: 455000,1880:
. deutenden Erfolg angebaut. Man benutzte es zur Herstellung von Sirup 752000 Scheffel, Lit. 102), ist auf die Herkunft der Siedler dieser Periode
(Lit. 358, VII, S. 36). zurückzuführen. Von den U.S.-Amerikanern waren diejenigen, die aus dem
Die Senf-Pflanze, die heute allenthalben auf den unbebauten Grund- Mittleren Westen kamen, an Maisbau gewöhnt. Dementsprechend wurden
stücken wild gedeiht, wurde in der frühen U.S.-amerikanischen Kolonisa- auch die ersten amerikanischen Siedlungen im Gebiet höchsten Grundwasser-
tionsperiode als Gewürz- und Öllieferant geschätzt (Lit. 358, VII, S. 3'.5). standes, in der San Gabriel-Rio Hondo-Ebene, angelegt. EI Monte besteht
Zur ÖI- und Fasergewinnung wurde Flachs angebaut. 1879 waren 160 ha noch heute, während Savannah einging. Beide Siedlungen kamen nicht recht
mit Flachs bestanden (Lit. 358, VII, S.31). voran. Trotzdem war die Maisproduktion des Los Angeles County die größte
Die Hopfen-Produktion in Los Angeles County stieg von 1870 bis 1879 des Staates. Sie trat nach 1880 hinter die Weizen- und Gersteproduktion
von 17000 auf 56000 Pfund (Lit. 102). zurück. Das Getreideanbauland des Los Angeles County war 188037000 ha groß,
Getreide wurde mit dem Rückgang der Weidewirtschaft in zunehmendem davon entfielen auf Gerste 16000ha, Weizen 12000ha, Mais 9000 ha (Lit. 102).
Maße angebaut, vor allem Mais (Indian corn), Gerste und Weizen. Der Im Gegensatz zur raschen Ausdehnung des Getreideanbaus stimd Las lang-
durchschnittliche Ertrag eines Getreidefeldes in Kalifornien ist höher als im samere Anwachsen der Obst- und Gemüsezucht, deren Ertrag sich von
Osten der Vereinigten Staaten (Lit.461, S.55) und in Los Angeles County 1860 bis 1880 etwas mehr als verdoppelte. Die Gartenkultur blieb in dieser Zeit
höher als im übrigen Kalifornien. Die Trockenheit des Bodens erlaubt das noch durchaus im Versuchsstadium und nahm erst nach 1880 sprunghatt zu.
Pflügen erst, nachdem die ersten starken Regen den Boden etwa 15 cm tief Bei den unentwickelten Verkehrsverhältnissen war die Gemüseversorgung der
erweicht haben. Dann folgt die Aussaat. Die Zeit der Ernte fällt in die Bevölkerungszentren des Staates von Los Angeles aus unmöglich. Der Obst-
Trockenzeit, so daß Scheunen nicht benötigt wurden. Das Dreschen geschah anbau konnte sich ohne Versandmöglichkeit per Bahn nach dem Osten nicht
maschinell auf dem Felde (Lit. 389, S. 353)' Im August und September wurde rentieren. V cr allem aber konnte die Fruchtkultur erst nach der Entwicklung
das gedroschene Getreide in Säcken verpackt in viereckigen Haufen auf dem der Bewässerung hochkommen. Selbst dann ging die Entwicklung langsam
Stoppelfelde aufgespeichert, wo es bis zum Verkaufe blieb. Das Stroh wurde voran, bis das vielfach strittige Wasserrecht geklärt war und die ersten Jahre
vielfach verbrannt (Lit. 461, S. 57). Das amerikanische no-fence-Iaw schrieb überwunden waren, die der junge Baum braucht, bis er zum Ertrag kommt.
dem Farmer Umzäunung seines Ackers vor, wenn er bei Flurschaden infolge Bereits in den 50er Jahren brachten einzelne Pflanzungsunternehmer junge
einbrech~nden Viehs Ersatz beanspruchen wollte, doch wurde in Kalifornien Apfelsinenbäume und Samen aus Mittelamerika und Hawaii nach Los
die Durchführung dieser Bestimmung bei den hohen Herstellungskosten der Angeles (Lit. 488, I, S. 295/96). Es ist nicht anzunehmen, daß vor 1857 ein

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Apfelsinenversand von Los Angeles nach San Francisco stattfand (Lit. 488, I, Überschwemmungsterrasse von Los Angeles, als 1857 Anaheim im südöstlichen
S. 296). In den60erJahren wurde nur aufderÜberschwemmungsterrassevon Los Angeles-Becken als Weinbausiedlung von Deutschen gegründet wurde und
Los Angeles bewässert. Neben den Agrumen wurden aus dem Osten und aus dieser Form der Landwirtschaft im SüdkalifornischenBecken einen starken Im-
Europa eingeführte Früchte angebaut, in erster Linie Aprikosen, Pfirsiche, puls gab. Die Weinproduktion im Los Angeles County stieg von 1850 bis 1870
Äpfel, Birnen und Pflaumen, außerdem Oliven. Die Obstbäume wurden von 57000 (etwa 2280001) auf 530000 Gallonen (etwa 2120000 1). Nach
niedrig gehalten, da man ihre frühe Tragfähigkeit nützen wollte. Man Cronise lieferte die Ernte von 1867 in Los Angeles County 1500000 Gallonen
pflanzte sie dicht, um sie vor ,Wind zu schützen und den Boden in ihrem (etwa 6 Mill.l) Wein und 100000 Gallonen (etwa 400000 1) Branntwein, außer
Schatten nicht zu sehr austrocknen zu lassen (Lit.461, S. 60/61). Die von den nach San Francisco versandten frischen Trauben (Lit'389, S. 106). Damit
den Missionaren eingeführten Obstarten eigneten sich nicht zum Anbau in wurde der Handel von der Weinausfuhr beherrscht, die 1875 über 1,3 Millionen
größerem Maßstabe. Sie wurden durch Pfropfen mit eingeführten Sorten Gallonen (Lit.524, S. 316) erreichte. In zweiter Linie kam die Wollausfuhr.
veredelt. Schnellerer und kräftigerer Wuchs der Obstbäume im Vergleich 1880 waren über 4000 acres (Iqoo ha) des Countys in Weingärten angelegt.
mit dem Osten, frühes Tragen, geringe Wetterschäden und auffallende In der Zeit der Weinernte, September bis Oktober, war Los Angeles bereits
Größe der Früchte machten die Veredelungskultur trotz hoher Arbeitslöhne in dieser frühen Periode der Ausflugsort Kaliforniens (Lit. 461, S. 166). Nur
und sinkender Preise rentabel. Dazu kam, daß der Apfelsinenbau nicht in die Sonoma und Napa Counties des Nordens hattt;n eine größere Anbaufläche.
dem Maße wie etwa die Baumwollzucht unter der Konkurrenz näherer Zunächst blühte dort der Weinbau auf, um San Francisco und die rasch zu-
Märkte in New York zu leiden hatte. Nachdem Wolfskill in Los Angeles nehmende Bevölkerung im Norden Kaliforniens zu versorgen. Noch 1867 gab
einen großzügigen Anfang gemacht hatte (s. S. 81), wurde in den 70er und es in San Frandsco nur ein Haus, das regelmäßig größere Sendungen nach
80er Jahren das San Gabriel-Becken in seinem westlichen, heute städtischen New York und Boston machte (Lit. 461, S. 79). Wegen der noch ungenutzten
Teil, und entlang dem Gebirgsrand in eine Apfelsinenpflanzungslandschaft Weinexportmöglichkeiten wies Wimme! seine Landsleute in Deutschland auf
verwandelt. Diese Wandlung, die mit einzelnen großen Pflanzungsbesitzen in die günstigen Aussichten des Weinbaus und die niedrigen Landpreise und
den 60er Jahren begann, vollzog sich schlagartig, seitdem die 70er Jahre eine Pflanzungsunkosten in Kalifornien ausdrücklich hin (Lit.461, S. 79).
neue Siedlerklasse brachten, die primär vom Klima angezogen wurde. Außer Die Zuwanderer aus dem Osten und aus Europa erkannten bereits in den
dem Baumobst wurden Beerenfrüchte (Erdbeeren, Stachelbeeren, Himbeeren) 60er Jahren, welch große Möglichkeiten für die Entwicklung der Kunst-
um Los Angeles in Menge auf Feldern angepflanzt. gärtnerei bestehen (Lit. 461, S. 62/63). Es gibt fast das ganze Jahr hindurch
Weinbau wurde bis 1853 nur um die Missionen und zum Selbstverbrauch irgendwelche Blumen, die gerade blühen. Die Blumen behalten ihre Blätter
getrieben. Die Los Angeles-Traube, welche die spanischen Missionare ins Land während des Winters, was einen besonderen Anreiz für die Pflege des eigenen
gebracht hatten, lieferte einen dicken, sehr süßen Saft, aus dem ein portwein- Gartens bildet und später als Vorzug gegenüber dem Osten von den Grund-
artiges Getränk hergestellt wurde. Mit der Erkenntnis der kommerziellen stücksmaklern in ihrer Reklame ausgenutzt wird. Die Möglichkeit, Gärtnerei
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Möglichkeiten des Weinbaus, der ja im mediterranen Klima zu Hause ist, ohne Treibhäuser zu betreiben, reizte zum Import aller möglichen seltenen
wurden bereits in den 50er Jahren größere Anbauversuche bei Los Angeles und empfindlichen Pflanzen. Die geschäftsmäßige Ausnutzung der Garten-
gemacht und andere für die Weinbereitung besser geeignete Trauben aus kultur setzte mit der stärkeren Bevölkerungszuwanderung der 80er Jahre
Europa importiert. Die Reben wurden nicht an Stöcken gezogen, was eine in größerem Maße ein, wodurch nach und nach die Flora der Landschaft
erhebliche Arbeitsersparnis bedeutete. Frost-, Hagel- und Sturmgefahr sind ". von Los Angeles grundlegend geändert wurde. Schon frühzeitig begann man
gering, wodurch der Weinbau Südkaliforniens gegenüber dem Norden be- auch, viele Arten von Bäumen einzuführen, an erster Stelle den rasch wach-
günstigt wurde. Dem Rebenbau im Südkalifornischen Becken stand im Norden senden Eukalyptus aus Australien, der zum Windschutz angepflanzt wurde, als
des Staates nur der von Sonoma gegenüber, der aber zunächst erheblich ge- Brennholzlieferant diente und heute der Charakterbaum der Landschaft ist,
ringer war (Lit. 461, S. 75ff.). Es bestanden bereits einige Weingärten auf der zahlreiche Akazienarten und noch viele andere.
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I Fischerei wurde noch nicht in Südkalifornien betrieben. Sie begann sich Der sandige Lehm wurde mit Wasser und Stroh zu einer kompakten Masse
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im Norden des Staates zu entwickeln (Lit.461, S. 131). gemengt. Die Mauern wurden außen wiederum mit Lehm verschmiert. Um
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Mit der Ausdehnung des Ackerbaues und besonders der Obstpflanzungen das Zerfließen des Adobes in der Regenzeit zu verhindern, stand das Dach
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I verringerte sich der Bestand anJ agd tieren, besonders der schadenstiftenden, mehr als 2 m über. In Los Angeles und in der Umgebung waren die Dächer
wie der amerikanischen Antilope und des Bären, sehr rasch. Die Antilope aus Asphalt, der aus den Asphaltseen der Nachbarschaft gewonnen wurde.
wurde in den 8rier Jahren trotz Jagdverbotsvon den Pflanzern ausgerottet. Das Dach mußte daher flach sein. Über den Dachstuhl wurden Bretter oder
Jagd auf wilde Enten wurde in den Cienegas um Los Angeles noch bei Rohr gelegt, darauf Erde geworfen und Asphalt darüber gestrichen. Bei Frost
beginnender .8tadtausbreitung betrieben. sprang er, wurde regendurchlässig, dehnte sich aber wieder aus, sdbald die
Bei den hohen Arbeitslöhnen, den hohen Zinssätzen, die nur langsam Sonne darauf schien. Bei großer Hitze schmolz der Asphalt und tröpfelte auf
niedriger wurden, .und dem Mangel eines Massenabsatzes konnten sich die Straße herunter. Die Häuser in der Stadt und ihrer Umgegend waren
I nd us t ri en vorläufig nicht entwickeln. Das meiste wurde über San Franciscö zunächst noch einstöckig, von überdachten Gängen umgeben, im Innern war
importiert (Lit. 461, S. 128/129). Große Mengen des Asphalts von Los Angeles vielfach nach spanischem Brauche ein offener viereckiger Raum, der mit
wurden nach San Rrancisco versandt, wo man seine Eignung als Brennstoff Bäumen bepflanzt wurde. Die Arbeit der Adobe-Herstellung wurde in
experimentell festgestellt hatte. Gleichzeitig wurden in den 60er Jahren die amerikanischer Zeit zu teuer, seitdem der indianische Arbeiter immer mehr
ersten Petroleumbohrungen in Kalifornien bei Newhall nördlich San Fernando verschwand. Auch war der amerikanische Handwerker nicht gewohnt, im
fündig (Lit. 389, S. 110). Freien in der Sonnenhitze zu arbeiten. Geschäftshäuser wurden bereits häufig
Der Holzbedarfwurde aus der Sierra Nevada gedeckt. Er war sehr groß, aus Backsteinen errichtet.
da die Häuser nach der Gewohnheit der amerikanischen Zuwand.erer aus Holz Da der Verkehr früher beinahe ausschließlich zu Pferde bewältigt wurde,
errichtet wurden. Die Straßen wurden mit Holz belegt, das no-fence-law gab es fast keine Landstraßen. Wo solche existierten, waren sie schlecht, nach
schrieb Holzumzäunung für die Felder vor, wie Wimmel, der in den 50er dem Regen morastig und im Sommer staubig. Der aufkommende Wagen-
und 60er Jahren in Kalifornien ansässig 'war, berichtete, und "flumes" und verkehr kam Los Angeles zu statten, denn die Schneepässe der Sierra Nevada
"sluices"I) wurden aus Holz hergestellt (Lit. 461, S. 129). bedeuteten für ihn ein Hindernis. So benutzte die Butterfield Stage, die
Die AufteiIung des Landes in Farmen und kleinere Ranchos brachte eine San Francisco mit dem Mississippi verband, den Weg über Los Angeles und
Vermehrung der Einzelsiedlungen nach U.S.-amerikanischem Gepräge :mit Yuma. Auf diese Weise an den Verkehr angeschlossen, trat die Landschaft
sich. Die Adobe-Bauweise verschwand. Die Farm- und Ranchhäuser wurden seitdem aus ihrer Isolierung heraus. In den 60er Jahren bestand bereits
aus Holz gebaut und mit Schindeln gedeckt. Es sind Rahmenhäuser 2 ) zweimal wöchentlich Omnibusverbindung nach San Francisco. Daneben
nach Muster des Mittleren Westens. Tür- und Fensterrahmen wurden fuhr der Dampfer ebenfalls zweimal in der Woche (Lit. 461, S. 193). Außer-
meist fertig importiert. Sofern Adobe~Häuser noch gebaut wurden, waren dem ermöglichte der verhältnismäßig leicht zu überwindende Cajon-Paß
sie jetzt nicht mehr wie in spanisch-mexikanischer Zeit mit Ziegeln gedeckt, einen stärkeren Verkehr zwischen Los Angeles und Utah (Lit. 461, S. 141).
sondern mit Schindeln. Der Adobe wurde in der Nähe des zu errichtenden Der Handel war bis in die 70er Jahre noch durchweg nach San Francisco
Hauses gestochen, um den Transport zu ersparen. Dabei darf Lehm und Ton orientiert, über dessen Hafen alle Ausfuhr und Einfuhr des Staates ging.
nicht rein, sondern muß sandig sein, damit er beim Trocknen nicht springt. San Francisco hatte alle 14 Tage direkte Dampferverbindung nach Panama
und New York oder Boston, während die Waren, die von Südkalifornien
I) Wasserrinnen und -schleusen, die im hydraulisc~en Bergbau und für Bewässerungs- kamen oder für Los Angeles bestimmt waren, umgeladen werden mußten.
anlagen gebraucht wurden. Die Kaufleute dieser Zeit, fast durchweg junge Menschen, standen noch unter
2) Das Rahmenh~s (frame house) besteht aus einem Holzgerüst (Rahmen, frame), das
außen und innen mit Latten verkleidet ist. Die Latten der Außenseite liegen meistens waage- dem ,Einflusse der Erregung des Goldfiebers. Sie drückten dem Handel den
recht übereinander und überdecken sich dachziegelförmig. spekulativen Charakter auf. Es waren Menschen, denen in Europa und im

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I Osten der Vereinigten Staaten die Entwicklung zu langsam ging und die nach
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( und Europäer gaben ihrien deri Rest. Im Los Angeles County gab es 1852
Kalifornien kamen, um rascher Geld zu verdienen. Bei der UnsIcherheit des noch mehr Indianer (4200) als Weiße (4100). Ihre Zahl war 1860 auf die
Geschäftes und den großen Marktschwankungen war der Zinsfuß ungewöhn- Hälfte zurückgegangen, und 1870 gab es nur noch 200.
lich hoch (s. S. 63), wozu zum Teil der unsiehere Wohnsitz des Schuldners An die Stelle der Indianer trat in dieser Zeit eine neue Bevölkerungsklasse
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beitrug. Der Getreide-, Woll- und Weinexport war infolge der großen Ent- von größerer Arbeitsausdauer, die Chinesen. Die Nachricht von der Ent-
fernung Kaliforniens von den Märkten und der teuren Fracht dorthin ebenfalls deckung des Goldes erreichte China, gerade als das Land unter einer der
mit großen Risiken verbunden, weshalb die Landwirtschaft noch nieht im häufigen Hungersnöte litt, und gab Anstoß zur Auswanderung nach K.ali-
Großen betrieben werden konnte. Bis zur Ankunft der Ware im atlantischen fornien (Lit. 388), vorwiegend aus dem südlichen China (Lit. 461). So sehen
oder europäischen Bestimmungshafen konnte ein erheblicher Preissturz ein- wir viele Chinesen in den Gol~minen beschäftigt. Die fünf oder sechs chinesi-
getreten sein, Rücksendung war bei der hohen Fracht äußerst verlustreich schen .Gesellschaften, die für sie die Arbeit vermittelten, brachten weitere
(Lit.461, S. 147/48). So warteten Landwirtschaft, Handel und Industrie in Chinesen zum Bahnbau ins Land, mit dem sie in den 7öer Jahren auch
Kalifornien im allgemeinen, in Los Angeles im besonderen, auf die Eisenbahn- nach dem Süden des Staates gelangten. Im Los Angeles County lebten 1860
verbindung nach dem Osten. nur 11 Chinesen. Ihre Zahl wuchs bis 1870 auf 234. 1880 waren es 1169 und
Die Bewohner, die aus den Goldminen nach SüdkaIifornien kamen, brachten 1890 über 4400 (Lit. 102). Der Chinese ist arbeitsam, genügsam, zuverlässig,
recht lockere Sitten mit. In den 50erJahren war das Spiel noch erlaubt. Das nicht spekulativ und betrinkt sich !licht. Er ist mit niedrigem Lohn zufrieden
Temperament und der Dünkel vieler dieser vom Gold ins Land gelockten und erregte dadurch die Mißgunst der Weißen, was zum Federal Exclusion
Zuwanderer sowie der reichliche Alkoholgenuß trugen dazu bei, daß Er- Act von 1882 führte (Lit. 461, Lit. 388 u. 504). Die Chinesen, die im Lande
mordungen und Totschläge eine alltägliche Erscheinung wurden, denen vor . waren, durften bleiben. Sie fühlten sich nur als vorübergehende Bewohner
allem die Indianer zum Opfer fielen. 1855 wurden in Kalifotnien 538 Per- des Landes, was ganz natürlich ist, da sie von vornherein das Bürgerrecht nicht
sonen ermordet (Lit. 461, S. 170). In deri 60er und 70er Jahren ließ die Ro- erwerben konnten, und nahmen keine amerikanischen Gewohnheiten an.
heit der Sitten etwas .nach. Die Möglichkeit schnellen Gelderwerbs in jedem Chinesische Frauen gab es nur s~hr wenige (Lit.461). Ebenso wie in San
Berufe brachte eine luxuriöse Lebenshaltung mit sich, die sich in Essen, Francisco lebten die Chinesen in Los Angeles abgesondert. Sie waren Arbeiter,
Kleidung und vornehmer Wohnungseinrichtung ausdrückte. Wäscher, Köche oder hatten einen kleinen Laden. Von ihren Gesellschaften
Die Periode U.S.-amerikanischer Kolonisation war die Zeit des Untergangs wurden sie als Landarbeiter zur Kontraktarbeit auf Pflanzungen der Um-
der Indianer. Nach der Säkularisierung der Missionen wurden sie entweder gebungverdingt.
auf den Ranchos als Arbeiter verwandt, oder sie zogen sich in die Randgebiete
zurück, wo sie wieder verwilderten und Diebstahl Von Vieh und anderen
Dingen betrieben. Inder Umgebung von Los Angeles war die Mohave-Wüste
ihr Rückzugsgebiet, von wo aus sie durch den Cajon-Paß die Mormonen..
siedlung San Bernardino bedrohten, nachdem eine frühere Zweigmission von
San Gabriel an dieser Stelle bereits den Indianereinfällen zum Opfer gefallen
war. Nur noch wenige Indianer konnten sich in ihren Rancherfas, die aus
Adobehäusern bestanden (Lit. 461, S. 187), um die alte Mission San Gabriel
halten. Hier trieben sie Viehzucht und bauten Obst und Wein an. Zum großen
Teil versklavten sie_aber und gingen im Kontakt mit der rauhen Bevölkerungs- 1\1
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klasse, die für das Los Angeles der 50er Jahre charakteristisch war, unter.
Der Alkohol, ansteckende Krankheiten und die Feuerwaffen der Amerikanet

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Mulatten, Indianern und Negern. Drei von ihnen, ein Spanier und die beiden
Neger, erwiesen sich als völlig unfähig. Sie wurden mit ihren Familien 1782
ausgewiesen. Mit einem neu aufgenommenen Kolonisten waren es 1786 9 Fa-
milien. Bis 1790 war die Zahl bereits auf 139 (30 Familien) angestiegen, 1800
waren es 315 (70 Familien). Neben der natürlichen Bevölkerungsvermehrung
ist das Anwachsen auf die Zuwanderung der ausgedienten Soldaten von den
SIEDLUNGSANFÄNGE Presidios zurückzuführen, die sich mit den Töchtern der ursprünglichen Siedler
verheirateten. Da die Soldaten vorwiegend aus Spanien stammten, gewann die
In den 1880er Jahren setzte die Periode städtischer Entwicklung ein. Bisher
Bevölkerung von Los Angeles mehr spanischen als mexikanischen Mischlings-
.haben wir die Kulturlandschaft nacheinander als spanische Missionskolonie
charakter. Von außen kam so gut wie kein Zuwachs. Zwischen 1792 und 1795
gesehen, als mehr oder weniger unabhängige extensive Weidelandschaft und
kamen ein paar Handwerker von Mexiko, zum großen Teil deportierte Ver-
schließlich als U.S.-amerikanische Kolonisationslandschaft, in der die Wand-
brecher. Es konnte deshalb den Missionaren von San Gabriel nur willkommen
lung zum Ackerbau vor sich ging. Nun begann der Prozeß der Ausfüllung
sein, daß das Pueblo so entfernt lag, daß es den Missionsindianern nicht
dieses Raumes durch die Großstadt und ihre Vorläufer, die Herausbildung
schaden konnte. Wer die Messe hören wollte, mußte dazu 14 km bis San
der Stadtlandschaft. Die Umwandlung der Landschaft knüpfte an das Pueblo
Gabriel zurücklegen.
Los Angeles an, dessen bisherige Entwicklung innerhalb der geschilderten
Zum Zwecke der Verleihung von 1786 wurde eine Art Vermessung vor-
aufeinanderfolgenden Kulturlandschaften wir zuvor kurz verfolgen wollen,
um dann die randlichen Siedlungsgründungen der V.S.-amerikanischen Kolo-
genOI~men (s. Fig. 7, S. 50). Die Häuser der ersten neun Familien standen an
drei Seiten der Plaza, deren Südwestseite für öffentliche Gebäude und lür die
nisationszeit kennenzulernen, die zusammen mit Alt-Los Angeles die ältesten
Kirche reserviert blieb. Von den Ecken und Mitten der drei Seiten gingen
Siedlungskerne der späteren Großstadtlandschaft bilden. ?
sieben Straßen rechtwinklig aus. Mit der Zunahme der Bevölkerung wurden \
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weitere Häuser ziemlich unregelmäßig auf den anschließenden Teilen der
DAS "PUEBLO" LOS ANGELES Niederterrasse, vor allem nördlich der Plaza errichtet. Die Plaza selbst ist
auf dem nächsten Plan, der 1849 vermessen wurde, nicht mehr an ihrer alten
Die Kolonistensiedlung von 178 I behielt ihrer Bestimmung gemäß während
Stelle (s. Tafel 5). Sie ist nach Süden verschoben, so, daß die Nordecke der
der Zeit der Missionsherrschaft den Charakter der Veteranenkolonie.
neuen Plaza mit der Südecke der alten zusammenfällt, und zwar-gerade dort,
Trotz eigener Verw~ltung stand das Pueblo") praktisch unter dauernder
wo die Kirche steht, die 1818 errichtet wurde. Überschwemmungen können
Militärkontrolle. Läs~igkeit der Bevölkerung, die benachbarte Mission und
nicht der Anlaß der Plazaverlegung gewesen sein, denn die neue Plaza liegt
die Entfernung von Mexiko wirkten entwicklungshindernd.
niedriger als die alte. Begründeter scheint die Vermutung Willards (Lit. 524)
Den' Gründungsbedingungen entsprechend erhielten die aus Sonora und
zu sein. Er nahm an, daß in den ersten Jahrzehnten vor Errichtung der neuen
Sinaloa herbeigeholten neun Kolonistenfamilien 1786 ihre unveräußerlichen
Kirche die Plaza allmählich zugebaut wurde, während man später vor der
Titel für Wohngrundstück, Felder und Brandeisen zur Markierung des Viehes.
Kirche von 1818 einen freien Platz ließ, der dann zur neuen Plaza wurde.
Dabei bleibt dahingestellt, ob die Kolonisten ihrerseits die Bedingungen er-
Die Häuser waren einstöckig und enthielten vielfach nur einen Innenraum.
füllt haben. Jeder sollte innerhalb der ersten 5 Jahre ein Adobehaus errichten,
Das flache Dach bestand aus Balken von Binsen überdeckt, die anfangs mit
ein paar Hühner und landwirtschaftliches Gerät besitzen und über eine an-
Lehm verschmiert wurden. Später wurde anstatt des Lehms Asphalt vom
gemessene Mais-und Weizenernte verfügen.
benachbarten Rancho La Brea verwandt. Um die Jahrhundertwende bestand
Die I I Kolonisten von 1781 waren ein Gemisch von Spaniern, Mestizen,
das Pueblo aus etwa 30 Häusern, die ZUm Schutz gegen Indianerdiebe eng
") über den Begriff Pueblo s. S. 46. zusammengebaut waren.

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Mit der Zunahme der Bevölkerung nahmen auch die Getreideernten zu.
1800 überschritten sie den Eigenbedarf, so daß der Vorschlag gemacht
wurde, alljährlich 3400 Scheffel Weizen zu 1,66 Pesos der Scheffel an den Markt
von San Blas zu liefern. 20 Jahre vorher waren die Soldaten Kaliforniens noch
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Seit Beginn der mexikanischenRevolution kamen keine spanischen Schiffe mehr,
so daß seitdem das Land auf die U.S.-amerikanischen Schiffe angewiesen war.
Jetzt blieben Gehaltszahlungen und Proviant für Soldaten, Missionare, den
Statthalter und seine Beamten aus. Damit wurde das Land auf sich gestellt,
von San Blas versorgt worden. Die Arbeit in den Feldern von Los Angeles wurde und die Missionen mußten es versorgen, was ihre Stellung nur stärkte. Der
in der Hauptsache von ehemaligen Missionsindianern verrichtet, die einen An ... Machtzuwachs, den die Missionen in den ersten 20 Jahren des r9.Jahrhunderts
teil am Ertrag erhielten. Für die Indianer war das bequemer, als das Leben gewannen, drückte sich andeterseits in einer Stagnation der Entwicklung
unter ständiger Beaufsichtigung der Mission, während sich die Pueblo-Be- des Pueblos aus. In San Gabriel blühte Handwerk, Acker- und Gartenbau
wohner auf die faule Haut legen konnten. Um der Zerstörung der Felder durch mehr als zuvor. Nach dem verhältnismäßig raschen Anwachsen der Pueblo-
das rasch zunehmende Vieh zu begegnen, mußten Umzäunungen errichtet Bevölkerung bis r800 stieg ihre Zahl bis r8ro nur von 3r5 auf 365. Rinder
werden. Die Zahl der Rinder und Pferde stieg von 3000 imJahre r790 auf und Schafe nahmen an Zahl ab, und der Ertrag der Ernten wuchs nicht weiter
r2500 im Jahre r800, beir700 Schafen (Lit. 524, S. 1Or). Die Zunahme muß (Lit. 524, S. rr7). Seit r806 wurde Hanf in größerem Stil für den spanischen
auf natürliche Vermehrung zurückzuführen sein. Denn ein Handel war nicht Markt angebaut, doch wurde durch den Ausbruch der Revolution in Mexiko
möglich. Dementsprechend war das Vieh so gut wie wertlos. Es diente nur zur r8r r die Verbindung mit dem Mutterland unterbrochen und der Hanfanbau
Fleischversorgung. Hinter den Häusern wurde geschlachtet, und das Gerippe aufgegeben. Im Gegensatz zur Aktivität von San Gabriel stand die Passivität
blieb liegen. Die Wege des Pueblos waren in schmutzigem und staubigem Zu- von Los Angeles. r8r6 waren von 9rFamilienoberhäuptern 7 Ranchobesitzer
stand. Auch der Bewässerungsgraben wurde vernachlässigt und mußte auf in der Umgebung, 20 Landbesitzer im Pueblo; 24 arbeiteten auf dem Ge-
Regierungsbefehl erneuert werden. Auf Anordnung des Statthalters Borica meindeland, das im Laufe der Zeit in ihren Besitz überging; 40 waren landlos,
(r794- r800 ) wurden Obstbäume und Reben gepflanzt und diese Grundstücke von diesen arbeiteten 25 für andere, die übrigenr5 lebten, ohne zu arbeiten.
mit Umzäunungen und Mauern umgeben. Daraus hat sich der Weinbau von In diesem Jahre, 35Jahre nach der Gründung, war von den ursprünglichen
Los Angeles entwickelt. Der sich damit ergebende starke lokale Weinverbrauch Siedlern nur noch einer vorhanden und nur je ein Nachkomme von zwei
führte zu Trunksucht,worüber sich um r820 die Missionare beschwerten. Zum anderen.
Handel irgendwelcher Art konnte es in spanischer Zeit nicht kommen. Ihre über- Nach der mexikanischen Unabhängigkeit wurde Los Angeles dasZentrum
schüssige Produktion mußten die Pueblos zu Preisen, die von der Regierung fest- derWeidelandschaft. Die Bevölkerung nahm durch natürlichen Zuwachs
gesetzt wurden, an die Presidios verkaufen (s. S. 48). Die Postverbindung nach weiter zu. r830 hatte ihre Zahl r200 überschritten. Von außen war nur ein
Mexiko, die einmal im Monat bestand,konntevon den Einwohnern nicht benutzt neuer Verbrechertransport aus Mexiko dazu gekommen, der das ohnehin
werden, denn keiner konnte lesen und schreiben. Die wenigen Reisenden, niedrige moralische Niveau des Pueblos weiter herabdrückte.
die, den Camino Real benutzend, Los Angeles berührten, machten hier Wie die Karte von r 849 zeigt, war die ursprüngliche Abgrenzung der
nicht halt, sondern in San Gabriel, wo sie Unterkunftshäuser vorfanden, Felder längst verwischt (s. Tafel 5). Überschwemmungen sind in erster Linie
Fremde Schiffe durften die Küste nicht anlaufen. Der geringe Handel, der mit dafür verantwortlich zu machen. Willard berichtet,daß r8r5 der Fluß
spanischen Schiffen, die in San Pedro ankerten, möglich war, lag in Händen seinen Lauf an den Fuß der Niederterrasse verlegte, um bei einer noch
der Mission San Gabriel, die am Anfang des Jahrhunderts dort ein Lagerhaus größeren Überschwemmung r825 wieder in sein altes Bett zurückzukehren.
errichtete. r805 wurde das erste Yankee-Schiff anscheinend zufällig nach Diese Überschwemmung vernichtete das "Waldland" (wahrscheinlich Weide..
San Pedro verschlagen, wo es im Tausch gegen amerikanische Fabrikations .. gebüsch, Erlen und Platanen) zwischen Los Angeles und San Pedro und schuf
artikel mit Schweinen und Schafen versorgt wurde. Trotz des Verbots kamen dem Fluß ein Bett bis zur See, wodurch das Überschwemmungsland, in dem
seitdem öfters U.S.-amerikanische Handelsschiffe nach San Pedro, anfangs die Bäume wuchsen, dräniert wurde. Zweifellos sind in der spanischen Kolonial-
auf der Suche nach Otterpelzen, später um Rinderfelle und Fett einzuhandeln. zeit die Baumbestände im unteren Teil der Angeles-Ketten zu Bauzwecken

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(s. S.53) weitgehend abgeschlagen worden. Die dadurch verursachte Ver- viel geändert. 1817 wurde eine Schule eröffnet, 1818 die Kirche fertiggestellt,
nichtung der Bodenkrume im Gebirge mußte für die Tallandschaft größere vor der sich die neue Plaza herausbildete. Vngenaue Landtitel erschwerten
Heftigkeit der Überschwemmungen zur Folge haben. Mangels Beweismaterials den Landverkauf. Erst von den V.S.-Amerikanern wurde 1849 Leutnant
über die Ausdehnung der Abholzung muß dahingestellt bleiben, ob erst da- Ord beauftragt, das Pueblo und alle seine bebauten Felder zu vermessen.
durch, also erstmalig 1825, der Los Angeles-Fluß Kraft genug erhielt, sein Die damaligen Feldwege erkennen wir noch im .heutigen Stadtbild. in
Bett bis zum Meere zu verlängern. North Main Street, AIameda Street, Weller Street, SanPedro Street, quer
In mexikanischer Zeit verlagerte sich das Kulturzentrum von der Mission dazu AIiso-Lyon-Macy Streets, East Ist Street, East 7th Street und East
zum Pueblo. Los Angeles trat wirtschaftlich das Erbe von San Gabriel an, 8 th Street. Der Rand des Hügellandes schrieb dem Camino Real die Richtung
Der Reichtum der Landschaft hatte San Gabriel zur blühendsten der kali- vor, der schwach gekrümmt diagonal zum geplanten Straßennetz führte, um
fornischen Missionen gemacht. Nach Ausschluß dieser Konkurrenz wurde dort, wo heute West 8th Street verläuft, nach Westen zum Cahuenga-Paß
Los Angeles der natürliche Siedlungsmittelpunkt der besten Ranchos der auszubiegen.
Provinz. Boden und Klima machen Los Angeles seit seiner Gründung zur Los Angeles war in dieser Zeit eine ländliche Wein ba usiedl ung. Die
größten Siedlung Kaliforniens mit Ausnahme einer Zwischenperiode von Ausländer waren es, die dem Pueblo diesen Charakter aufprägten. 1829 kam der
6oJahren, in denen San Francisco durch das Goldfieber von 1849, das die Franzose Vignes nach Los Angeles und legte auf der Flußterrasse einen
Entwicklung nach dem Norden verlagerte, einen Vorsprung hatte. Es kommt Weingarten von 104 acres (42 ha) an, der später von seinem Neffen Sainse-
dazu, daß das Gold gerade bei Beginn der Verkehrsentwicklung gefunden vain weitergeführt wurde. Vignes Street erinnert heute daran. Ein Deutsch-
wurde, so daß sich diese nicht nach den natürlichen Bedingungen richtete, stämmiger, Wolfskill, aus Kentucky pflanzte 1838 seine erste Rebe. In den
sondern nach dem vorübergehenden wirtschaftlichen Vorsprung des Nordens. 50er Jahren stand er im Weinbau und Traubenexport an der Spitze, später in
Der Vorsprung wurde geringer, der Norden konnte aber erst vom Süden der Baumobstzucht. Zu den Weingartenbesitzern der 30er Jahre gehörten
überholt werden, als die Verkehrsbedingungen sich änderten und die natür- ferner der Deutsche Groningen. (umgetauft in Domingo) und der Franzose
lichen Vorteile des Südens in der neuen Verkehrsentwicklung zum Ausdruck Bouchette. Wolfskill und Groningen heirateten in die wohlhabenden
kommen. Diese Änderung tritt ein, seitdem das Automobil die Vormacht- spanischen Ranchero-Familien Lugo und Feliz ein. Als 1853 Neumark aus
stellung der Eisenbahn immer mehr einschränkt. Heute steht Los Angeles Ostpreußen nach Los Angeles kam, gab es um Los Angeles bereits "hundert
wieder an der Spitze. oder mehr Weingärten, von denen 75 oder 80 innerhalb des Stadtgebiets"
Mit dem Beginn nichtspanischer Zuwanderung setzte in der EntwiCklung lagen (Lit. 510, S. 199), während der "Mutterweingarten" der San Gabriel-
des Pueblos die Einzelinitiative ein. Die Gartenkultur von San Gabriel wurde Mission in "malerischem Verfall" war. In der Nähe von San Gabriel besaß
auf die Fluß aue von Los Angeles verlegt. Einzelne Reben und Fruchtbäume 1855 W. M. Stocktorreine große Rebenpflanzschule (Lit.478, S. 345). Der
wurden von dort hierher verpflanzt. Die Bewässerungskanäle (zanjas) des Traubenversand von Wilmington nach San Francisco,'der 1857 21000 Pack-
Pueblos und die bewässerte Fläche wurden nach Süden ausgedehnt. Händler körbe erreichte (Lit.478, S. 345), ließ bald nach, seitdem im Norden Wein-
von Neumexiko fingen an, nach Los Angeles zu kommen, um ihre Webwaren gärten entstanden. Dafür nahm jetzt die Weinbereitung und der Weinexport
(sarapes) gegen Maultiere einzutauschen, die auf dem Pfad zwischen Santa Fe zu. Ein Deutsch-Schweizer, Dr. Huber, der 1849 nach Los Angeles kam,
und dem Missouri gebraucht wurden (Lit. 232, S. 19)' Von den vereinzelten gehörte zu den ersten, die sich auf die kommerzielle Weinbereitung warfen.
Pelzjägern, die vom Norden und Nordosten kamen, blieben einige in Los 1856 pflanzte der Thüringer Julius Weyse einen Weingarten von 20 acres
Angeles. Die Mehrzahl der Ausländer kam zur See auf englischen oder ameri- (8 ha) an der San Pedro Road (Ecke 8th Street). Schon 1857 exportierte
kanischen Schiffen. Los Angeles 250000 Gallonen (etwa 1000000 Liter) Wein. Viele V.S.-Ameri-
1835. wurde Los Angeles vom Pueblo zur Ciudad erhoben. In dieser Zeit kaner widmeten sich dem ertragreichen Weinbau. Dem Beispiel der Fremden
beginnen die Dokumente des Stadtarchivs. Im Siedlungsbild hatte sich nicht folgten auch einzelne einheimische Spanier. In diesem Wirtschaftszweig, der

80 <6 Wagner, Los Angeles 81


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mit Grundbesitz verbunden ist, treffen wir die Mitglieder der spanisch-kali-
r 1853, soweit es noch nicht von Ord aufgenommen war, bis zu seinen Grenzen
fornisthen Gesellschaftsschicht. Sie hatte sich durch Einheirat der Ausländer von Hancock vermessen. Die geplanten Straßen laufen annähernd diagonal
in die reichen spanischen Ranchero-Familien herausgebildet. Aus dieser noch zu den Himmelsrichtungen (s. Tafel 5). Sie folgen etwa der Hauptabdachungs-
zum Teil spanisch sprechenden Aristokratie entstand durch Vermischung mit richtung des Schuttkegels. Darüber hinaus wurden sie ohne Rücksicht auf das
einzelnen später kommenden Zuwanderern eine Gruppe "alter Familien", Gelände in das westliche Hügelland verlängert, ebenso wie auf der Ostseite
die aber bei dem raschen Wachstum der Stadt keine entwicklungshemmende des Flusses. Die Straßen schließen rechteckige nummerierte Blocks ein, die in
Clique bilden konnten wie in San Francisco. Unter den späterenWeinprodu- je 8 Grundstücke von 35 acres (14 ha) aufgeteilt wurden. Die Stadt erließ
zenten standen Fröhling und Kohler, die den größten Teil der Trauben- alsbald ein Gesetz, wonach jeder ein Hancock-Vermessungsgrundstück von
ernte von Anaheim aufkauften (Lit. 510, S. 213), und der Ire (Lit. 456, S. 28) 35 acres umsonst erh,alten konnte, sofern er darauf baute oder andere Ver-
Ma tthew Keller an erster Stelle. Zum Pressen der Trauben wurden all- besserungen im Werte von mindestens 100 $ anbrachte. Es war die Geldnot,
jährlich im Frühherbst Indianer angestellt. Die Zahl der Weinkellereien im die die Stadt zum Erlaß dieser Verordnung veranlaßte. Denn sobald ein
Los Angeles County stieg von 8 im Jahre 1860 auf 43 im Jahre 1870, von Grundstück in private Hände überging, wurde es steuerpflichtig. Mit der
29 Angestellten auf 438 (Lit. 102). zunehmenden Geldnot am Ende der 50er und in den 60er Jahren versteigerte
Anfang der 50er Jahre suchte man auch das Hinterland von Los Angeles die Stadt nach und nach fast alle Grundstücke für $ 2,50-7,50 den acre.
mit mäßigem Erfolg nach Vorkommen von Edelmetallen ab. Die Ausbeutung Die Grundstücke, die für irgendwelchen Anbau wertlos erschienen, fanden
der Goldseifen, die schon 1842 nordwestlich der Mission San Fernando auf keinen Käufer. Auf ihnen wurden später Parks angelegt. Auf diese Weise ent-
dem Rancho San Francisco entdeckt worden waren, lebte wieder auf. Die standen Westlake Park und Elysian Park. Selbst unmittelbar am Rande der
(
Goldfunde des Hinterlandes haben aber Los Angeles nur ganz vorüber- damaligen Stadt, inmitten des heutigen Geschäftszentrums, wurde ein großes
gehend belebt. Bleibender als der episodische Zustrom von Goldsuchern war Stück Land, 16 Häuserblocks umfassend, umsonst vergeben mit der einzigen
das Verbrechertum, das in den Minenstädten des Nordens durch die Käuf- Bedingung, eine Abzweigung des Hauptbewässerungskanals hindurchzulegen
lichkeit der Beamtenstellen gefördert wurde (Lit. 358, VI, S. 434). 1853 waren (Lit. 488, I, S. 275)' Der Verlauf dieses Bewässerungskanals war es, der der
in Los Angeles 20-30 Morde im Monat das Übliche (Lit. 510, S. 31). Schnaps- späteren Anlage des vornehmen Wohnviertels entlang Figueroa Street die Rich-
bars, Spielhöllen und Tanzhöhlen, die gesetzlich nicht beschränkt wurden tung wies. In der frühen und billigen Vergebung städtischen Landes, durch
(Lit. 510, S. 30), beherrschten das Bild der städtisch-dörflichen Siedlung. die Geldnot bedingt, und in der Größe der Grundstücke erkennen wir die Vor-
Die Trockenjahre der 50er und 60er Jahre brachten nicht nur die mexi- bedingungen für die Entwicklung zur Gartenstadt in den 70er Jahren und zur
kanischen Ranchobesitzer in finanzielle Not, sondern auch die Stadtverwal- späteren weitläufigen Anlage.
tung. Die von Ord 1849 vermessenen Grundstücke (s. Tafel 5) an Main, In der Zeit, in der die Weidelandschaft sich zur Ackerbaulandschaft wan-
Spring, Fort (Broadway) und Hill Street, dem heutigen Geschäftszentrum, delte, wurde das Pueblo, das immer noch den Charakter der ländlichen
wurden Anfang der 50er Jahre für $ 50,- zum Verkauf angeboten. Das Weinbausiedlung bewahrte, zur Gartenstadt. Außer den Weingärten finden
regte die Bautätigkeit an. Jetzt wurden die Häuser nicht mehr aus Adobe er- wir in der 2. Hälfte der 1860er Jahre auf der Übetschwemmungsterrasse von
richtet. Man begann Backstein und geripptes Eisen zu verwenden und fertige Los Angeles Anpflanzungen von Apfelsinen, Zitronen, Limonen, Oliven,
Rahmenhäuser aus New York zu importieren (Lit. 488, I, S. 274). Die Gren- Feigen, Granatäpfeln, Pfirsichen, Äpfeln und Birnen - eine Huerta, wie sie
zen des Stadtgebietes, die nach der spanischen Belehnung im Abstande von sonst zu dieser Zeit nirgends in Kalifornien begegnet -, dazwischen Getreide-
einer Legua (4,25 km) von der Plaza verlaufen sollten, waren bei Beginn der felder von dichtem Kaktuszaun umgeben (Lit.389, S. 105/106). William
amerikanischen /Herrschaft so unbestimmt, daß man glaubte, 4 Leguen im Wolfs ki 11 hatte 1868 bereits 2000 Apfelsinenbäume, durchschnittlich 16 Jahre
Quadrat (290 qkm) beanspruchen zu müssen,. die aber von der Regierung alt, von denen ein jeder im Jahr etwa 1500 Apfelsinen lieferte. Mit dem be-
auf 4 Quadrat-Leguen (72qkm) reduziert wurden. Dieses Quadrat wurde ginnenden Zustrom der u..S.-amerikanischen Kolonisten in den 60er Jahren

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nahm die Bautätigkeit rasch zu. Im Geschäftsviertel der Stadt, das an die Die Weingärten, die den Stadtplan von 1849 beherrschen, waren bereits
Plazasüdlich anschließt,. ersetzten zum Teil. mehrstöckige Backsteingebäude weitgehend in Apfelsinenpflanzungen verwandelt, von denen die schönsten
die alten einstöckigen Adobehäuser. Im neuen Wohnviertel, das 1870 bereits zwischen San Pedro Street und Main Street lagen.
bis zur 6. Straße nach Süden sich vorschob, wurden amerikanische Rahmen- Die Stadt fing an, sich auf das westliche Hügelland auszudehnen, auf das
häuser '. errichtet, während die vornehmeren Villen auch aus Backstein zum Teil bereits Wasser hinaufgepumpt wurde. Private Initiative sorgte für
bestanden. Bau des Straßennetzes und Wasserversorgung, so daß sich entlang Temple
Das Stadtbild von 1876 hat Erzherzog Ludwig Salvator vonToscana Street· und 2nd Street eines der besten Wohnviertel in den 70er und 80er
in deutscher Sprache anschaUlich geschildert (Lit. 504). Nach seiner Beob- Jahren entwickelte, das indes bereits in den 90er Jahren durch die Petroleum-
achtung war das Aussehen der Stadt noch halb mexikanisch, obwohl das funde herunterkam (Lit.524, S. 318). AmSüdende des Bunker Hilllag die
amerikanische Element vorwog. Die Straßen waren ungepflastert, vielfach Init vornehme "Bellevue Terrace"~Besitzung des Bürgermeisters Beaudry, 61/ 2
pfeffer- und Eukalyptusbäumen bepflanzt. Die Gärten der Huerta waren acres groß,· mit mehreren hundert Apfelsinen-, Zitronen- und anderen Obst-
zum Teil mit Adobemauern gegen die Ausläufer der Straßen abgeschlossen, bäumen sowie Weinstöcken bepflanzt und von Eukalyptusbäumen eingefaßt.
die Bewässerungskanäle (zanjas), die die Huerta durchflossen, waren von Jenseits des Los Angeles-Flußbettes war East Los Angeles im Entstehen. Das
Weidenhecken oder Agaven eingefaßt. Die meisten Adobehäuser waren no~h Land gehörte zu dem 2000 acres großen Landbesitz eines V.S.-Amerikaners,
im Chinesenviertel am oberen' Ende der San Pedro Streetund in Sonora Dr. Griffin, der es 1863 zu geringem Preis als Schafweide von der Stadt
Town zu finden. Sie waren mit Asphalt, einzelne mit Ziegeln oder Schindeln gekauft hatte (Lit.5IO, S.322). 1875 teilte er zusammen mit einem Iren
gedeckt! Die amerikanischen Wohnhäuser(im Südwesten standen vielfach von (Statthalter Downey) 170 acres von seinem Besitz auf als "East Los Angeles"-
der Straße zurück Init einem selbst im Hochsommer bewässerten Rasenplatz Aufteilung, für deren Wasserversorgung erstmalig eine kostspielige eiserne
davor. In den Ziergärten, in denen diese Villen standen, und die gegen die Röhrenleitung gelegt wurde~ die man an das städtische Wasserwerk anschloß.
Straße abgezäunt waren, wuchsen vielfach Eukalyptus, Zypressen,Mandel- Die beiden Vnternehmer legten breite Straßen an,Downey Avenue (heute
und Apfelsinenbäume, auch Araukarien (A. excelsa) und Feigen (F. elas- North Broadway), 30 m breit, und Griffin Avenue als die wichtigsten. Griffin
tica). Windgetriebene Wasserpumpen fanden sich in den entlegeneren Gär- selbst wohnte in einem 30 acres großen Pflanzungspark (estate) Init drei
ten, die abseits der Villen lagen und nicht 'mehr von den zanjas bewässert Bewässerungsreservoirs, die von zwei Mühlen bewässert wurden. Jeden Käufer
werden konnten. Neben den vornehmen Häusern fielen die zahlreichen ärm- verpflichtete er, seine .Parzelle zu umzäunen und eine bestimmte Anzahl
lichen amerikanischen Bretterhäuser und die leeren Grundstücke auf. Die Ent~ . Bäume zu pflanzen (Lit. 504, S. 185/86). Die Entwicklung von Los Angeles
stehung eines Wohnviertels im Südwesten bis zur 6. Straße bewirkte, daß zur Gartenstadt mit weitständigen Häusern wurde auf diese Weise durch
die Kaufkraft der Bewohner dieses neuen Stadtteils dem Geschäftsviertel Privatinitiative planmäßig'gefordert.1876 begann eine ähnliche Entwicklung
die Entwicklung in gleicher Richtung vorschrieb. So hatte sich das Geschäfts- wie in East .Los Angeles auf dem östlichen Hügelland von Los Angeles
zentrum von der Plaza entlang der Main Street bis zur I. Straße verlegt (Boyle Heights), das ebenfalls durch eine Brücke mit der Stadt verbunden
(Lit.488, I, S. 280). An der Main Street lagen die meisten Läden, die Bank, wurde.
das Rathaus und die 1876 vollendete' katholische Kathedrale. Neben Main Die Bewohner der Stadt waren etwa zuje einem Drittel V.S.-Amerikaner,
Street waren Spring Street,an .der die deutsche Turnhalle lag, und San Europäer und Spanisch-Kalifornier. Trotz des Sprachengemisches und der
Pedro Street die Hauptstraßen. Durch 4th Street, Main Street, San Pedro verschiedenen Bekenntnisse bildeten sie eine geschlossene Bürgerschaft. Land
Street und durch Sonora Townbis East Los Angeles führte bereits die Straßen- und Häuser gehörten meistens den V.S.-Amerikanern. Der Handel war vor-
bahn. Zwei Bahnhöfe hatte die Stadt für die Bahn, die nach Santa Monica I wiegend in Händen der Europäer, vOn denen die Deutschen und Iren am
führte (Los Angeles and Independence Railroad), und für dieSouthern Pacific rührigsten waren. Die Kalifornier waren Init Viehzucht, Hüten der Schafe
Railroad. und in Wein- und Apfelsinengärten beschäftigt.

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Die Stadt hatte bereits zehn Kirchen und ein jüdisches Gotteshaus, ver- der Priele reichte von der damaligen Einfahrt noch über 21/2 km weiter in
schiedene Logen, mehrere Schulen und seit 1873 eine öffentliche Bibliothek nordöstlicher Richtung landeinwärts mit genügender Wassertiefe für die da-
mit 2000 Bänden. Das katholische St. Vincent's College am Südwestrande der maligen Schiffe. Trotzdem wurde zu spanischer und mexikanischer Zeit die
Wohnstadt bildete den Ansatz zu einer Universität. Aus ihm hat sich die Loyola- weiter seewärts gelegene· Landungsstelle vorgezogen. Für die Landtransport-
Universität entwickelt, die zweimal mit der Peripherie der Stadt nach Süd- mittel dieser Zeit, Ochsenkarren und Lastpferd, waren die Geländeuneben-
westen rückte. Heute liegt sie auf der Playa del Rey-Anllöhe. Die kommende heiten, die sie am Ostabhang des San Pedro-Vorgebirges passieren mußten,
Entwicklung der Wohnstadt nach Südwesten war bereits durch drei Parks kein Hindernis. Außerdem war sowohl zu spanischer Zeit als auch von 1826
angedeutet, die sich in dieser Richtung vorschoben: City Park (heute Pershing bis 1846 der Handel offiziell verboten, so daß das Tauschgeschäft vielfach
Square), Washington Garden und am Rande des ursprünglichen Pueblolcmdes heimlich und nachts vor sich gehen mußte (Lit. 659). Von dem Ankerplatz
Agricultural Park mit einer Rennbahn, an deren Stelle heute das Olympische südlich des heutigen San Pedro konnten sich die Schiffe unter diesen Verhält-
Stadion getreten ist. Die zahlreichen Nutz- und Ziergärten, die die Maisfelder nissen natürlich leichter nachCatalina Island zurückziehen als von einem
a~s mexikanischer Zeit weitgehend verdrängt hatten und neben die reinen Prielende der inneren Bucht. Anders zu amerikanischer Zeit. Der Hafen stand
Weingärten getreten waren, verliehen der Stadt denneuen Charakter. Obst- offiziell dem Handel offen. Schiffsverkehr mit San Francisco wurde auf-
baum-, Zierbaum- und Blumengärtnereien, die Import fremder Gewächse genommen. Es entwickelte sich ein Wettbewerb von verschiedenen amerikani-
und Samen betrieben, förderten diese Entwicklung, deren Nutzen für die schen Unternehmern, die zwei konkurrierende Postkutschen von San Pedro
Wertsteigerung des Landes die U.S.-AmerikaIier erkannt hatten (s. S. 71). nach Los Angelesunterhielten (Lit. 510, S. 23)' Banning, dem Timms Point,
der eine der beiden Landungsplätze von San Pedro, gehörte, kaufte 1857
einen Teil des Ranchos San Pedro, legte einen Landungssteg an einem der
DIE SIEDLUNGEN IM UMKREIS
Prielenden an, errichtete Lagerhäuser und eröffnete 1858 die neue Siedlung
Gleichzeitig mit der Entwicklung von Los Angeles zur Gartenstadt finden New San Pedro, 1863 nach der Hauptstadt seines Heimatstaates Wihnington
wir an anderen Stellen des Südkalifornischen Beckens im kleinen ähnliche genannt (Lit. 510, S. 236, und Lit. 389, S. 106). Für Schiffe normaler Größe,
Ansätze zu städtischer Entwicklung. Die ersten von ihnen sind auf Ackerbau, die wegen des seichten Wassers draußen ankern mußten, richtete er einen
die späteren auf Veredlungskultur gestützt, daneben finden sich zwei Ansätze Leichterdienstein (Lit.51O, S.237). Für die neuen Landtransportmittel,
zu Hafensiedlungen. Sie alle unterscheiden sich von Los Angeles grundsätzlich. Frachtwagen und Postkutsche, lag die Landungsstelle an der inneren Bucht
Sie knüpfen nicht an spanisch-mexikanische Siedlung an, finden kein erwei- günstiger als San Pedro. Der Weg von Wilmington nach Los Angeles ist etwa
terungsfähiges Bewässerungssystem vor, sondern müssen damit neu anfangen. 10 km kürzer, und die Hügellandschaft von San J>edro wird vermieden.
Die erste Randsiedlung ist der Landeplatz Wilmington. Die Missions- Sturmschaden anTimms Point war ein weiterer Grund für Banning, seine
väter von San Gabriel hatten bereits vor 1820 ein Lagerhaus zum Lagern Landegelegenheit nach der geschützteren inneren Bucht zu verlegen. So
von Häuten auf dem Kliff von San Pedro, das zur Zeit der Säkularisation wurde San Pedro vorläufig ausgeschaltet. Mit der Bohrung eines Brunnens
in den Besitz eines der frühen anglo-kalifornischen Unternehmer, Abel und der Errichtung einer Pumpe stellte Banning die Wasserversorgung der
Stearns, überging. Doch blieb es bis zur U.S.-amerikanischen Besetzung Siedlung sicher und hatte damit auch die Wasserversorgung der Schiffe
des Landes bei einem Haus. Der Landeplatz, vor dem die Schiffe ankerten, in der Hand. Hier wurde zum erstenmal in Südkalifornien eine Stadt
lag zu dieser Zeit etwa 1200 m westlich der heutigen Hafeneinfahrt. Hier war durch private Initiative gegründet. Diese Art der Stadtgründung ist als Ge-
infolge eines Einschnitts im Kliff, der gleichzeitig den Zugang von Land her schäftsform aufzufassen. Die Gründung hängt nicht primär von natürlichen
ermöglichte, ein ~breiterer Strand vorhanden. Die Einfahrt zur inneren Bucht, Gegebenheiten ab, sie wird nur bestimmt von der Geschäftstüchtigkeit des
die aus Marsch und Watt und l'!inem System von verzweigten Prielen bestand, Gründers, kann deshalb überall erfolgen, wie wir noch sehen werden. Das
lag etwa 21/2 km nördlich der j~zigen Hafeneinfahrt (s. Fig. II, S. 125). Einer Gründungsgeschäft hängt ebenso wie jedes andere Geschäft von der Konjunktur

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ab. Der Bestand der Gründung ist der Auslese unterworfen, und erst hier, dessen Fahrtteilnehmer sich naturgemäß in besonders kauflustiger Stimmung
also sekundär, wirken sich die natürlichen Verhältnisse, die sonst schon befanden. Neun Monate später hatte die Stadt bereits 160 Häuser und 1000
bei der Gründung maßgebend sind, aus, wenn es auch mit zur Geschäfts- Einwohner (Lit. 488, I, S. 454). Der Plan,Santa Monica zum Endpunkt einer
tüchtigkeit des Gründers gehört, den Gang des Ausleseprozesses vorauszusehen transkontinentalen Eisenbahn zu machen, mißglückte, die Bahn nach Los
und dementsprechend auf natürliche Bedingungen zu achten. Im Falle von Angeles kam in den Besitz der Southern Pacific Railroad, die Landungssteg
Wilmington haben wir gesehen, wie Banning seinem Siedlungsplan durch und Lagerhaus niederriß und Handel und Schiffsverkehr nach Wilmington
Anlage eines Brunnens, mit dem er Ackerbau auf Bewässerung ermöglichte, zurückverlegte. 1880 hatte Santa Monica nur noch 350 Einwohner. Von nun
Aussicht auf Entwicklung gab. Brunnen und Anlage von Getreidefeldern und an setzte die unnatürlich gegründete Hafenstadt die natürliche Entwicklung
Fruchtgärten dienten gleichzeitig dazu, dem Landkäufer zu zeigen, was hier zur Badestadt fort, die bereits 1855 (Lit. 358, VI, S. 521) weiter nördlich am
möglich ist. 1876 hatten bereits fast alle Häuser ihre eigenen Brunnen (Lit. 504, Santa Monica Cafion angefangen hatte. Dort war, begünstigt durch den Schutz
S. 252). Banning machte Wilmington zum ersten Badeplatz von Los Angeles; der höheren Bäume (s. S. 39), eine Zeltsiedlung mit Badehaus entstanden,
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mit seinen Leichtern hatte er den Badeverkehr zum offenen Badestrand von die jeden Sonntag Postkutschenverbindung mit Los Angeles und dadurch oft
Timms Point inder Hand (Lit.51O, S.237). Mit dem Bürgerkrieg nahm Hunderte von Sonntagsbesuchern hatte. 1876 wurden in dieser Badesiedlung
Wilmington einen weiteren erheblichen Aufschwung. Die Regierung errichtete Alt-Santa Monica etwa 45 Familien angetroffen, von denen viele mehrere
hier eine Militärstation mit einem Warendepot (Drum Barracks) für die Ver- Monate dort lebten (Lit.504, S. 247/48). Die Vorzüge dieses Badestrandes
sorgung der Truppen in Südkalifornien, Vtah, Arizona und Neumexiko. Seit gegenüber allen anderen bestehen darin, daß er unmittelbar nach Westen
dem Bau einer Eisenbahn von Wilmingtonnach Los Angeles 1869 gewann Wil- exponiert ist und infolge der vorwiegenden Westwinde den stärksten Wellen-
mington endgültig den Vorsprung vor San Diego als Ein- und Ausgangsstelle schlag hat, dabei gegen Norden und Osten durch das Santa Monica-Gebirge
für Handel- und Reiseverkehr des ganzen Südwestens (Lit. 488, I, S. 453)' und das Kliff geschützt ist. Infolge der Eisenbahnverbindung, die Neu-Santa
Die Bedeutung des Hafens stieg mit der Zunahme des Wollexports beträchtlich Monica erhielt, verlegte sich der Badeverkehr von selbst dorthin, nachdem
(Lit. 504, S. 252). 1880 hatte Wilmingtonannähernd IOooEinwohner (Lit. I02). hier der erste Versuch einer Hafengründung an diesem Teile der Küste miß-
MitIO Prozent der Bevölkerung von Los Angeles war es die zweitgrößte lungen war.
Siedlung der Landschaft. Die Häuser, durchweg amerikanische Rahmen- Neben den Hafensiedlungen entstanden in der Zeit amerikanischer Koloni-
häuser, waren über das weitläufige rechtwinklige Straßennetz einzeln zer- sation eine Reihe von Ackerbausiedlungen. Hier können wir zweierlei
streut (Lit.504, S. 251). Noch heute sind die großen Lücken der Bebauung Formen unterscheiden:
erhalten. a) solche, die als geschlossene Siedlungen gegründet wurden, und
Die zweite geschäftsmäßige Siedlungsgründung ist Santa Monica. 1872 b) solche,· die aus Einzelsiedlungen zusammenwuchsen.
verkauften die Erben des Spaniers Sepulveda ihren Rancho San Vicente Es istverständlich, daß die ersten V.S.-amerikanischen Siedlungen, die auf
y Santa Monica an einen amerikanischen Wollproduzenten, Oberst Baker, Ackerbau gestellt waren, dort gegründet wurden, wo künstliche Bewässerung
der kurz darauf den Senator J ones von Nevada mit drei Vierteln an dem sich erübrigte. In der San Gabriel-Rio Hondo-Ebene oberhalb der Bartolo-
Besitz beteiligte. Die beiden Amerikaner faßten zusammen qen Plan einer Pforte war diese Bedingung erfüllt. So entstand hier die erste amerikanische
Hafengründung an der Küste ihres Ranchos.· Sie bauten eine Eisenbahn von Siedlung EI Monte, nach dem Weidengebüsch (Wald spanisch = monte)
hier nach Los Angeles, errichteten eine Anlegemole, legten ein rechtwinkliges benannt. Die Siedler waren Emigranten, vorwiegend aus Texas und den an-
Straßennetz parallel zum Kliffrand an und teilten Hausgrundstücke ab. 1875 grenzenden Staaten des Südens und Südwestens, die, der Anziehungskraft
verkauften sie unter großem ReklameaufWand einen Teil der Grundstücke des Goldes folgend, mit ihren Familien über den Santa Fe-Trail nach Süd-
ihrer "Zenitstadt an der Sonnenuntergangssee"
/
an willige Käufer. Zum ersten kalifornien gekommen waren. Nach den Strapazen der Überlandexpedition
Verkaufstag fuhr ein Extradampfer von San Francisco nach Santa Monica, setzten sie ihre Reise nicht weiter fort, sondern gründeten 1851 EI Monte.

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Den ersten zehn Familien (Lit. 460, S. 132) folgten im nächsten Jahre 40-50 wie vor als Weideland für Rinder und Pferde. 1865 gingen 4000 acres für 36
weitere (Lit. 510, S. 91), die dem beginnenden Ackerbau der Landschaft den Cents der acre in die Hände amerikanischer Landspekulanten über. Einen
ersten Impuls gaben. De~ Zustrom dauerte noch einige Jahre an (Lit. 459, Teil des Landes kaufte 1867 ein ehemaliger Pastor Comp'ton für $ 5,- den
S.63), und 1860 hatte EI Monte 900 weiße Einwohner (Lit. 102), die vor- acre. Sechs Monate später nach seiner ersten Ernte, die zeigte, was das an-
. wiegend Mais und Kartoffeln anbauten und Schweinezucht trieben (Lit. 5 04, scheinend wertlose Land produzieren kann, begann er Parzellen zu verkaufen,
S. 223). Sie versahen einen weiten Umkreis mit Speck und Schmalz. Infolge zuerst für $ 20,-, kurz darauf für $ 5°,- den acre und darüber. Teile seines
der ungeklärten Landtitel, wahrscheinlich auch infolge der Überschwem- von ihm selbst bebauten 80 acres großen Farmlandes verkaufte Compton
mungsgefahr, konnte die Siedlung in den 60er Jahren nicht recht weiier- für $ 100,- bis $ 150,- den acre! (Lit'460, S. 141). Die Farmer, die er anzog,
wachsen (Lit.460, S. 132). waren Methodisten wie er selbst. 1869 gründeten sie Compton, indem
Nachdem der Rancho Santa Gertrudis unterhalb der Bartolo-Pforte in sie ein Geschäftszentrum planten, das 10 Jahre später aus 4 Läden,
amerikanische Hände übergegangen war, wurde er 1865 (Lit. 510, S.340 2 SchInieden,einer Sc;husterei, einer Sattlerei, einem Postamt, einem Bahnhof,
und 362) von Downey in Parzellen von durchschnittlich 10-40 acres Größe einer Käsefabrik, einem Restaurant und einer Logenhalle, dem einzigen Back-
aufgeteilt (Lit.504, S. 224). Wegen des hohen Grundwasserstandes der Los . steingebäude, bestand (Lit. 460, S. 140). 1871 wurde die Kirche, 1874 die
Nietos-Ebene und der ständigen Wasserführung des San Gabriel-Flusses und Schule errichtet, beides hölzerne Rahmengebäude. Von den vier Bars (sa-
des Rio Hondo am Paso de Bartolo, welche die Bewässerung, wenn nötig, loons), die nacheinander gegründet wurden, konnte sich keine in der streng
sicherstellte, war das Land von amerikanischen Farmern begehrt. Durch Er- methodistischen Gemeinde halten.
richtung einzelstehender Schulen, Kirchen und Läden an Wegekreuzungen Größeren Vorbedacht als die Ackerbausiedlungen verlangten die Grün-
inmitten der ländlichen Einzelsiedlungen entstanden Siedlungskerne, die zu dungen der Wein- und Obstbausiedlungen. Wegen der Frostgefahr, die
Landstädten heranwuchsen. Im Gebiet des Ranchos Santa Gertrudis waren in den Ebenen besteht, müssen sie höher liegen. Die Bewässerung ist dem-
SOInit in den 70er Jahren bereits zwei Einzelsiedlungsgruppen vorhanden, entsprechend schwieriger sicherzustellen als in den Niederungen mit hohem
Downey City und Los Nietos. Der Maisanbau stand im Vordergrund Grundwasserstand. Auf den höhergelegenen Schuttkegeln finden wir deshalb
(Lit·504, S. 224). Den Anstoß zur Gründung des "Geschäftszentrums" von keine Einzelsiedlungen, höchstens Wohnplätze der Bienenzüchter, die keine
Downey City 1874 bildete die Eisenbahn von Los Angeles nach Anaheim, Bewässerung benötigen, oder auf Viehzucht eingestellte Ranchos. Die Her-
die durch den Farmdistrikt gelegt wurde (Lit. 488, I, S.444). stellung kostspieliger Bewässerungskanäle würde sich bei Getreideanbau nicht
Florence, 5 km südlich der alten Gebietsgrenze von Los Angeles, war rentieren. Deshalb löste in diesen höheren Teilen die Veredlungskultur die
auch nichts weiter als der regionale Sammelname einer Anzahl Einzelfarmen, Bienen- uI).d Viehzucht ab. Dabei zwang die Wasserversorgung die, Siedler
die gemeinsame Schule und Kirche hatten. Auch hier finden wir frühzeitig zum Zu~ammenschluß, so daß hier die Form der Gemeinschaftsgründungen
Anbau von Getreide (außer Weizen, s. Lit.504, S. 250), daneben Obst- und entstand.
Weingewinnung (Lit. 5°4, S. 250). Anaheim ist die erste aller Pflanzungskolonien und Gemeinschafts-
State of M aine war eine weitere Gruppe von Einzelfarmen südlich gründungen. 1857 wurde die Siedlung von einer Gruppe von Deutschen aus
Florence im ehemaligen Rancho Tajauta, der im "artesian belt" lag. Die 'Nordkalifornie~ mit Hilfe des deutschen Vermessers von Los Angeles, Hansen,
Siedler stammten vorwiegend aus Maine. Sie betrieben Schweinezucht. Be- geplant, aufgeteilt und bewässert. Im Gegensatz zu den späteren und vOn
wässerung der Felder war nicht erforderlich. Fast jede Farm hatte einen Amerikanern gegründeten südkalifornischen Siedlungskolonien wurden in
artesischen Brunnen (Lit. 460, S. 138). Anaheim 50 kleine Wohngrundstücke in der Mitte der Siedlung angelegt und
Südlich anschließend liegt Co m pt on, ebenfalls im artesischen Gebiet, außen herum die 50 größeren Pflanzungsgrundstücke (Lit.389, S. 107). Die
eine typische Unternehmergründung. Anfang der 60er Jahre gehörte das Bedeutung von Anaheim liegt in dem Ansporn, den diese Gründung für die
Land noch dem spanischen Be~itzer des Rancho San Pedro und diente nach neue Form kultureller Entwicklung in Südkalifornien gab. Diese Kolonie

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zeigte den Weg, der zur Aufteilung _der großen Ranchos und mit Hilfe der steht, wird alle sechs Wochen das Wasser hineingeleitet und dann das Erdreich
-Bewässerung zur intensiven Landwirtschaft führen mußte (Lit. 292, S. 96/97).\ umgehackt. Neben Reben, Apfelsinen, Zitronen und Walnüssen pflanzte er
In Anaheim stand der Weinbau am Anfang. vielerlei andere Früchte an, betrieb außerdem Vieh- Und Pferdezucht, für
Die nächste Obstbaukolonie gemeinschaftlicher Gründung ist Riverside die er Heu und Hafer selbst zog (Lit. 504, S. 208ff.). Die geschmackvolle An-
im: San Bernadino-Becken. Auch hier hatten sich die Kolonisten bereits vorher lage des Besitzes,dessen Obstgärten gleichzeitig Nutz- und Zierpflanzungen
unter Führung einesJudge N orth aus Tennessee zusammengetan. 1870 kauften darstellten, wurde zum Vörbild aller späteren auf Obstbau gestellten Land-
sie 4000 acres (1600 ha) Schafweide von der "Silk Culture Association", nach- sitze. Bei der späteren städtischen Aufteilung wird der Apfelsinenbaum vom
dem deren Seidenraupenzucht nach kleinen Anfangen aufgegeben war. Auf Nutzbaum schließlich zum reinen Zierbaum, wie wir das heute in San MarinO-
gemeinsame Kosten wurde ein Bewässerungskanal vom Santa Ana-Fluß ge- und anderen Teilen der Stadtlandschaft sehen. Der Begriff "Estate" erlebt
baut. Es wurde eine Gesellschaft gegründet, die Land- und WasseranrecIit in der Umgeburig von Los Angeles innerhalb 50 Jahren eine Wandlung. Aus
an die Kolonisten verkaufte. Für das Wasser wurde eine jährliche Miete er- der Pflanzung, in der das Wohnhaus Nebensache ist, wird der Landsitz, in
hoben, die mit der Nachfrage und dem Ausbau des Zuleitungssystems im dem die-Pflanzung Nebensache ist. Nutzpflanzungeri können sich beim hohen
Laufe der Jahre sich erhöhte (Lit.292, S. 99/100). In Riverside entwickelte Steuerwert städtischen Landes nicht mehr rentieren. Sie sind heute an die
sich die Agrumenzucht. Peripherie gerückt. Im heutigen Stadtgebiet des San Gabriel-Beckens sind
Ähnlich wurde 1874 die Indiana Colony gegründet, später Pasa- - die Relikte, deren Bewirtschaftung zum Luxus wurde, noch zu sehen. Zum Teil
dena genannt. Diese Siedlung ist eine der wichtigsten Siedlungsverdich- werden in Zeiten schlechter Konjurikturaus Steuerersparnis die Obstbäume
tungen derStadtlandschaft, deren Gesamtcharakter sie bis 1920 mit-- niedergelegt und das Land zum Getreideanbau verpachtet, bis bessere Land-
bestimmte. preise die Aufteilung lohnend machen. Der Wohlhabende kommt aus dem
Vor der Gründung der Indiana Colony wurden die höheren Teile des San Osten der Vereinigten Staaten nach Los Angeles, um zwischen Apfelsinen-
Gabriel-Beckens für die Veredlungskulturin der Form von Einzelland- bäumen zu wohnen. Ohne diese Derikart des wohlhabenden Bewohners des
sitzen erschlossen. Die Indiana Colony war es erst, die den Gang der Ent- Ostens wär~ die städtische Entwicklung großer Teile des San Gabriel-Beckens
wicklung auf die städtische Besiedlung des San Gabriel-Beckens lenkte. Wir nicht denkbar.
sahen, daß-sich mit dem Kommen der Nichtspanier besonders in den 50er Dem Beispiel Roses folgten andere. Es entstand in den Jahren bis 1875
Jahren die Weingärten auf der Flußterrasse von Los Angeles zusehends ver- eine Reihe von größeren und kleineren Estates westlich von RosesBesitz, die
mehrten. Der erste, der mit der Anlage seines Wein- und Obstgartens davon alle mit der Be~ässerung an die Wasserläufe der Raymond-Kette anknüpften.
abwich und ins San Gabriel-Becken ging, war ein Deutscher, Leonhard Den größten Besitz, der sich über Teile der Pasadena- und San Gabriel-
J ohann Rose. Er erwarb 1861 nördlich der alten Mission ein Stück Land Platte ausdehnte, hatteB. D. Wilson, zum Teil zusammen mit seinem
von 160 acres (64 ha), in das er durch Benutzung eines für eine ehemalige Schwiegersohn Shorb. Die beiden gründeten die "Lake Vineyard Land and
Missionsmühle errichteten Dammes einen Bewässerungskanal leiten konnte. Water Association", leiteten Wasser von der Raymond-Kette in Reservoire
Auch jetzt floß das Wasser noch während aller Jahreszeiten. Ros.es Erfolg im südlichen Teil ihres Besitz~s, den sie 1873 parzellierten und nach und nach
in der Wein- und Weinbrandbereitung, die er mit deutschen Angestellten verkauften (Lit. 510, S. 445, u. Lit. 515). Dort hat sich Alhambraentwickelt.
betrieb, ermöglichten ihm, seinen Besitz, Sunny Slope, bald auf über 2000 Andere Teile von Wilsons und Shorbs Besitz und die anderen Pflanzungs.,
acres zu erweitern,den er zur Muster-Reben- und Apfelsinenpflanzung des landsitze blieben noch lange ungeteilt.
Countys machte (Lit. 510, S. 200 u. 286). Die meisten Reben führte e; vom Im westlichsten Teil des San Gabriel-Beckens ging die Entwicklung anders.
1'1 Rhein ein. Fü~ die Berieselung der Obstgärten benutzte er die Becken.;. Nachdem der San Pascual-Rancho, der die Pasadena-Platte umfaßte und als
-bewässerung. Um jeden Baum wird im Durchmesser von 4 m ein kleiner Schafweide diente, in wenige große Teile aufgeteilt war, entstand 1870 unter
Erdwall aufgeworfen, und in )fas so hergestellte Becken, in dem der Stamm den Besitzern der Plan, eine Pflanzungskolonie auf geschäftsmäßigem
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Wege hier ins Leben zu Parzellen,von 15, 30,45 und 60 acres (6, 12, 18 und 24 ha) aufgeteilt wurden
rufen. Der Gedanke konnte (s. Fig. 9, S.94). Es wurde eine Gesellschaft "San Gabriel Orange Grove
erst verwicklicht werden, Association" auf 10 Jahre gebildet, die an die Kolonisten 100 Anteile ver-
als er drei Jahre später kaufte. Jeder Anteil berechtigte zu 15 acres. Nachdem die Kolonisten an-
mit dem Wunsche einer gekommen waren, wurde Anfang 1874 die Verteilung des Landes unter die
Gruppe von Leuten aus 27 "Aktionäre" vorgenommen. Wer nur eln oder zwei Anteile hatte, durfte
Indianapolis zusammen- sein Land zuerst wählen (Lit. 515). Unter Benutzung eines vorhandenen
traf, die, des harten Win- Bewässerungskanals, der durch Röhren ersetzt wurde, entnahm man das
ters im Mittleren Westen Wasser dem Arroyo Seco am Devils Gate (so S. 29 f.), sammelte es in einem
überdrüssig, eine Kolonie Reservoir, von wo aus auf jedes Grundstück Röhrenleitungen gelegt wurden
in Südkalifornien gründen (Lit. 510, S. 445, und Lit. 515). Der baumbestandene Arroyo Seco, an dessen
wollten. Es ist das erste Rand Inan siedelte, ermöglichte die Holzversorgung. Er wurde in "wood lots"
Mal, daß das Klima die Ein- unter die Siedler. aufgeteilt. Die Nordsüdlängsachse der Kolonie war die
wanderer angelockt hat. Orange Grove Avenue, von der aus nach Westen und Osten die parallelen
Das Risiko machte die Ge- 30-acres-Parzellen ausgingen, die an der Arroyo Drive im Westen und an der
meinschaftsgründung' zur Fair Oaks Avenue im Osten ihre Begrenzung fanden. Drei Hauptquerstraßen
Bedingung. Die Kolonisten waren vorgesehen, Columbia, California und Colorado Street, an deren Kreu-
schlossen sich in India- zungen mit Orange Grove Avenue Schulen, Kirche und Laden errichtet werden
napolis zur "California sollten. Auffallend ist die Abweichung vom quadratischen Aufteilungssystem
Colony of Indiana" zu- des Mittleren Westens und die Anpassung an das Relief (s. Fig. 9, S.94).
sammen und schickten. Die Orange, Grove Avenue verläuft auf dem gleichnamigen Rücken (s. S. 21).
18 73 vier Beauftragte nach Dem Plane lag wahrscheinlich der Gedanke zugrunde, daß alle Parzellen
Los Angeles voraus, die gleichwertig sein sollen, mit einem Stück hohen Landes, das an die Haupt-
das Land für die Siedlung straße stößt, ux;td einem Stück· niedrigen Landes östlich oder westlich davon~
aussuchen sollten. Geeig- Die Anlagen der Haup.tstraße, die der Siedlungsplan vorsah, und die beab-
neter Boden und die Mög:- sichtigten Parks lilss~n e,rkennen, daß die Siedlung von vornherein keineswegs
lichkeit der Wasser- und als rein ländliche Farmersiedlung gedacht war, sondern von Anfang an der
Holzversorgungwaren aus- Gedanke angenehmen Lebens in diesem KliIna damit verbunden war, ein
.schlaggebend f~r die Wahl. . Gedanke, der für die, städtische Besiedlung der Landschaft leitend wurde.
Sie kauften rund 4000 Die Kolonisten, die sich zur Indiana Colony zusammenschlossen, waren
acres (etwa 1600 ha) des auch nicht eine geschlossene Gruppe von Farmern, sondern Leute aus den
ehemaligen Rancho San verschiedensten Berufen, Kaufleute, Handwerker, Ärzte, Rechtsanwälte, die
Pascual mit dem Wasser- wenig Erfahrung in der Landwirtschaft hatten, aber entschlossen waren,
etwas Neues zu begi~nen, um im besseren Klima leben zu können. Das ist
Fig. 9. Die Land~ufteilimg der Indiana Colony 1874-
(später: Pasadena)
recht, von denen im süd-
westlichen Teil der Pasa- I der Menschentyp, der später einen großen Teil der Zuwanderer stellte. Die
Größe der Grundstüte :
dena-Platte die besten meisten der ersten Siedler kamen aus dem Mittleren Westen, dem Gebiet der
rund 15, 30, 45 und· 60 acres 1 strengsten Winter.
(= 6, 12, 18 und 24 ha) 1500 acres (600 ha) in
!
I
94 95

I
I
Die Herkunft der ersten Siedler von Pasadena (nach H. A. Reid):

Davon Angehörige
r
I die Kreuzung der Fair Oaks Avenue mit der Colorado Street. Die Größe der
ursprünglichen Grundstücke, die als Pflanzungen gedacht waren, ist für die
1873-1880 insgesamt der ursprünglichen Weitständigkeit der Häuser verantwortlich, die bis heute für die weiten Wohn-
Indiana Colony teile der Stadtlandtsc4aft typisch ist. Selbst bei Aufteilung der ursprünglichen
Pflanzungsgrundstücke bleibt der Gartenstadtcharakter erhalten. Solange die
Mittlerer Westen . . . . . . . . . 84 21
Neu-England . . . . . . . . . . . . 27 2 Siedlung Pflanzungscharakter hatte, bewirkte die Bevölkerungszunahme, daß
Mittlere Atlantische Staaten • 13 die Aufteilung unter Beibehaltung derselben geringen Wohndichte radial fort-
Süden " . . . . . . . . . . . . 3 2
schritt. Die Siedlung blieb Lockersiedlung. Zuerst wurden die Pflanzungs-
Utah • . . . . . . . . . . . . . 4
Kanada . . • . 8 grundstücke, auf denen die Wohnhäuser stehen, festgelegt, dann erst mit der
Großbritannien 4 Errichtung eines Ladens das Siedlungszentrum I).
143 26 I) Antrieb zur Iliründung der Indiana Colony (Pasadena) war der Wunsch
Die geplanten Parks und Anlagen wurden nicht ausgeführt, da die ganze einer Kolonistengruppe in Indianapolis. Die Gründung entsprang also der
Siedlung ohnehin ein gartenartiges Aussehen annahm. Die Apfelsinen- und Gruppen-Initiative. Sekundär erst war die Bildung der San Gabriel Orange
Weingärten begannen 1880 zu tragen. So nahm eine große Fläche schlagartig Grove Association, die die Aufteilung des Landes, unter die Kolonisten
einen neuen Charakter an. Solch sprunghafte Entwicklung pflegt der D.S.- organisierte. Nach diesem Vorbilä haben' sich später andere "Associations"
Amerikaner Boom zu nennen, in diesem Falle "Orange Boom". Das Wort gebildet, wobei aber umgekehrt verfahren wurde, d. h. die Association be-
schließt den Begriff des überstürzten Fortschritts ein, der über das Ziel hinaus- stand, ehe die Kolonisten vorhanden waren. So wurde bereits bei der
schießt, und der Krankheit, die ansteckend, also als Epidemie wirkt. Von Gründung von Pomona 1875 verfahren (Lit. 488, I, S. 436). Diese Art
dem Rest des Landes, der nordöstlich der Kolonie auf dem oberen Teile des der Gründung entsprang der Einzel-Initiative. Allen Siedlungen dieser
Schuttkegels liegt, wurden nach und nach etwa 1400 acres (560 ha) in Par- Art ist der Gartenstadtcharakter gemeinsam. Die Straßen wurden mit
zellen verkauft, und 1882 die letzten 900 acres (360 ha) ohne Wasser an die Schattenbäumen bepflanzt. Kirchen und Schulen entstanden frühzeitig
Brüder W ood bury aus Iowa, die schon vorher das Wasserrecht des Rubio (Lit. 426, S. 82).
Cafions erworben hatten. Mit diesem Wasser bewässerten sie ihren Piedmont
Ranch und verwandelten ihn in ein Doppel-Estate mit Wein- und Obst- I) Der europäiscp.e Begriff "Siedlungskern" ändert damit seine genetische Bedeutung. In
Pasadena, das den südkalifoI:,nischen Siedlungstyp darstellt, befindet sich der "Siedlungskern"
gärten. Nach der späteren Aufteilung entstand hier der heutige Villenvorort außerhalb der ursprünglichen Siedlung. Hier wurde sogar die älteste Hauptstraße, Orange
Altadena (Lit. 515, S. 347). Das Land der San Gabriel Orange Grove Asso- Grove Avenue, zur vornehmsten Wohnstraße der Stadt, der späteren Millionärs-Allee. In
ciation zwischen dem Arroyo Seco und der Fair Oaks Avenue wurde so rasch dem Augenblick, in dem eine Bevölkerungsklasse zuwanderte, die nicht mehr auf Pflanzungs-
ertrag angewiesen war, änderte sich das Siedlungsbild. Die Aufteilung schritt kaum mehr
besiedelt, daß das östlich an die Fair Oaks Avenue angrenzende Land, 2500 acres
über die erreichte Peripherie hinaus fort, sie ergriff nunmehr die vorhandenen Pflanzungs-
(1000 ha) umfassend, von seinem Besitzer B. D. Wilson 1876 ebenfalls auf- grundstücke, die zu Garten-Wohngrundstücken verkleinert wurden. Der Wunsch, den park-
geteilt wurde. Die Grundstücke, die 5 und 10 acres (2 und 4 ha) groß sind, artigen Charakter der Siedlung bestehen zu lassen, verhinderte die Aufteilung in rein städtische
wurden verhältnismäßig schnell verkauft, so daß der erste Laden und damit Wohngrundstücke, wie etwa in San Francisco. Die Beibehaltung des Gartengrundstücks
setzt der Wohndichte die Grenze. Ist diese erreicht, schreitet die Aufteilung über die
das kommende Geschäftszentrum beinahe in diesem Teil der Siedlung er- Peripherie hinaus fort. In Wirklichkeit tut sie das s~hon früher, da innerhalb der
richtet worden wäre. Es gelang den "Westsiders" gerade noch, zu bewirken, Peripherie stets einige Pflanzungsgrundstücke aus Tradition oder Spekulation ungeteilt
daß die" Colony village", wie man das Geschäftszentrum einer solchen Locker- gehalten werden. Proportional mit der Wandlung von Pflanzungs- zu Wohnsiedlung wächst
der "Siedlungskern" zum Geschäftsviertel an. Nur hier kommt es zur Aufteilung in rein
siedlung nannte,' auf die Grenze der beiden Siedlungsteile gelegt wurde, an
städtische Grundstücke, zum späteren "Subzentrum" der Stadtlandschaft. Der Begriff des
I) Mit dem schon vor 1873 im (San Gabriel-Becken lebenden Gründer der San Gabriel Subzentrums wird mit den übrigen Erscheinungsformen der heutigen Landschaft zu er-
Orange Grove Association waren es 27 Aktionäre. klären sein (s. S. 217f.).

96 7 Wagner, Los Angeles


97
Die Vorbedingung für die Umwandlung der südkalifornischen Siedlungen
zu Wohnstädten, die später zur Stadtlandschaft zusammenwuchsen, war die
Entwicklung der transkontinentalen Eisenbahnverbindung.

SIEDLUNGSTYPEN

Nach dem bisher Gesagten ergibt sich folgende Gliederung der Siedlungen GROSST ADTBILDUNG
des Südkalifornischen Beckens: >ot

A. Nach den Triebkräften· der Entstehung in Gründungen durch: ANFÄNGE DES FREMDENVERKEHRS
1. Obrigkeits-Initiative (spanische Missionen und Pueblo); 1869 wurde die Central Pacific Railroad fertiggestellt, die San Francisco
2. Einzel-Initiative (spanische Ranchos, U.S.-amerikanische Farmen, mit dem Osten verbindet. Von San Francisco aus bestanden Zweigbahnen nach.
Estates und geschäftsmäßige Siedlungsgründungen) ; einzelnen Punkten der Umgebung. Aber noch immer stand die wirtschaft-
3. Gruppen-Initiative (Farmgruppen und Pflanzungskolonien) ; liche Bedeutung Südkaliforniens in keinem Verhältnis zu Nordkalifornien.
dazwischen Übergänge (mexikanische Ranchos durch Obrigkeits- und Los Angeles als Zentrum des Südens blieb mit 5700 Einwohnern 1870 be-
Einzel-Initiative, Pasadena durch Einzel- und Gruppen-Initiative). trächtlich hinter Sacramento und Stockton im Norden des Staates, selbst
B. Nach ihrer Form in: hinter San Jose zurück, das 9000 Einwohner zählte (Lit. 102). Eine Bahnver-
I. Städtische Siedlungen (Los Angeles, Landstädtchen Anaheim);
bindung mit Los Angeles erschien gar nicht erforderlich, denn der geringe
2. Lockersiedlungen (Farmgruppen, Pflanzungskolonien, geschäftsmäßige Reise- und Güterverkehr wurde ja durch die Schiffsverbindung mit San
"Tract"-Aufteilungen) ; Francisco bewältigt. Zwar baute die Southern Pacific Railroad, eine Zweig-
3. Einzel-Siedlungen (spanische Ranchos, U.S.-amerikanische Farmen gesellschaft der Central Pacific-Eisenbahn, in den 70er Jahren eine Bahn-
und Estates); linie im SanJoaquin-Tal südwärts, doch erschien es wahrscheinlicher, daß sie
die eine Form kann aus der anderen hervorgehen; die Lockersiedlung von Bakersfield der ebenen Route längs de~ 35. Parallels ostwärts über die
durch Zusammenfassung von Einzelsiedlungen (Farmgruppen, Estate- Mohave-Wüste folgen würde, anstatt einen Umweg über Los Angeles zu
Aufteilung); die städtische Siedlung aus der Lockersiedlung (zu-- machen, der mit der Überwindung mehrert;r zum Teil schwieriger Pässe
nehmende Wohndichte mit fortschreitender Aufteilung und Funktions- (Soledad- und San Ferhando-Paß) verbunde~ ist. Als die Bahnlinie entlang
änderung der Farm- und Pflanzungskolonien). dem 32. Breitengrad gebaut werden sollte, wurde ernstlich erwogen, die Bahn
C. Nach ihrer Wirtschaftsgrundlage in: von Mohave in gerader Richtung entlang der Nordseite des San Gabriel-
I. Zentrale Marktsiedlung (Los Angeles-Geschäftsviertel) ;
Gebirges und durch die bequemen Cajon- und San Gorgonio-Pässe nach
2.. Gartenbesitzungen = städtische Estates (GartenvorstadtvonLos Angeles) ; Yuma durchzuführen. Man wollte höchstens von San Bernardino eine Stich-
3. Pflanzungslandsitze = ländliche Estates (Einzelpflanzungen im San bahn nach Los Angeles legen (Lit.639). Im San Joaquin-Tal war es die
Gabriel-Becken) ; Politik der Bahn, sobald ihr Bau sich einer Siedlung näherte, diese um freies
4. Pflanzungskolonien (Anaheim, Riverside, Pasadena) ; Wegerecht und um eine Prämie zu bitten. Wurde ihr das versagt, so legte sie
5. Ackerbausiedlungen (Einzelfarmen und Farmgruppen) ; ihre Linie in einiger Entfernung an der Siedlung vorbei, so daß sich an der
6. Hafensiedlungen (Wilmington, Santa Monica). Eisenbahn ein neues Siedlungszentrum bildete, während das alte einging. So
Erst mit' der transkontinentalen Eisenbahnverbindung kam der Typ der war es auch für Los Angeles in der Hauptsache eine Geldfrage, ob die Stadt
Wohn- und Vergnügungs~iedlung hinzu, womit Santa Monica den An-
fang machte, nachdem es als Hafensiedlung gescheitert war.
• Eisenbahnverbindung erhielt oder übergangen wurde. Trotz langer Opposition
überwog die Angst vor dem Übergangenwerden, so daß die Abstimmung über

98 7*
99
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I'

die Prämienumlage positiv ausfiel. Mittlerweile kamen zu der Bahnverbindung heitsbedürftigen und dessen Verwandten, die hier siedelten, der Tourist. Hier
mit Wilmington, die seit 1869 bestand, solche mit Anaheim, dem San Bernar- wirkte wieder die Einzel-Initiative. ~ie organisierte den Fremdenverkehr,
dino-Becken und San Fernando, alle in Händen der Southern Pacific Railroad, indem sie Hotels baute, die den Bedürfnissen der wohlhabenden Yankees ent-
bis 1876 der Anschluß an deren "Valley Line" fertiggestellt war. Der sprachen, für Reklame sorgte und die "personally conducted tour" einrichtete.
Bau einer konkurrierenden Bahnlinie, die von Santa Monica über Los Angeles Walter Raymond, dessen Reiseagentur als Raymond-Whitcomb& Co.
und Independence (Iriyo County) nach Salt Lake City gebaut werden sollte, . noch heute besteht, begann die "Raymond Excursions" von Boston nach
kam nicht über Los Angeles hinaus. Überhaupt verwirklichten sich die Kalifornien zu organisieren. Unter den Ortschaften Südkaliforniens wählte er
großen Hoffnungen, die an die Bahnverbindung geknüpft wurden, noch lange 1883 Pasadena zur Anlage eines Luxushotels, das als Winteraufenthalt den
nicht. Dazu kamen die nationale Depression, die sich fühlbar machte, und verwöhnten Touristen aus Neuengland, der bisher nach Florida, New Orleans
ein paar Trockenjahre, welche Schafzucht und Wollhandel ruinierten. Eine oder Havanna gegangen war, anlocken sollte (Lit. 515, S. 467). Der Gipfel
1873 errichtete Handelskammer wurde nach 4 Jahren wieder aufgegeben, des Raymond Hill, der die San Gabriel-Platte im Süden überragt und nach
nachdem sie wenigstens bei der Bundesregierung eine Geldbewilligung ;-:;ur Norden eine umfassende Aussicht auf Pasadena~Platte und San Gabriel-
Vertiefung des Fahrwassers von San Pedro erreicht hatte. Gebirge gewährt, wurde planiert und darauf ein Hotel mit bisher in Süd-
In den 70er Jahren lockte das Klima zum ersten Male einzelne neuartige kalifornien unbekannten Ausmaßen und unerhörtem Luxus errichtet. Es
Zuwanderer an. Später brachte es, wie wir sehen werden, eine ganz neue domi- bestimmte den. Charakter der kommenden Entwicklung Pasadenas.
nierende Bevölkerungsklasse in die Landschaft. C h a r I e s No r d hoff schilderte Seit den 70er Jahren wurden auch die ersten Reklameversuche von Los
in einem 1873 erschienenen, in den Oststaaten viel gelesenen Buche (Lit.435) Angeles selbst unternommen. AufNeumarks~Initiative hin sandte die erste
die Vorzüge des südkalifornischen Klimas und seine für Schwindsüchtige heil- Handelskammer ein ganzes Jahr lang jede Woche 50 Exemplare der 3 Zei-
samen Kräfte. Zur gleichen Zeit schrieben Zeitungskorrespondenten, die Süd- tungen von Los Angeles an die führenden Hotels und Bibliotheken im ganzen
kalifornien besucht hatten, über die Vorteile eines Erholungsaufenthaltes in Lande. 1875 ließ sie durch eine Reihe von aufallen Gebieten des Geschäfts und
dieser Landschaft. So kamen, trotz der ungenügenden Hospitäler und wenig der Landwirtschaft führenden erfahrenen Unternehmern von Los Angeles eine
komfortablen Hotels, die nicht einmal geheizt werden konnten, schon einzelne Schrift zusammenstellen, die für die wirtschaftlichen und klimatischen Vor-
Lungenkranke nach Los Angeles, Santa Barbara und San Diego (Lit. 524, züge der Landschaft Reklame machte. Die Schrift war für die Jahrhundert-
S. 327). Seit Bestehen der Eisenbahnverbindung 1876 kamen sie in größerer feier in Philadelphia bestimmt, an deren Besucher sie verteilt wurde (Lit. 510,
Zahl, meist auf ärztliche Verordnung. Ein großer Prozentsatz der "one S.482/83 und498). Sie~ar die erste organisierte Reklameaktion, die eine Gruppe
lungers", bei denen die Krankheit noch nicht zu weit fortgeschritten war, führender Bürger von Los Angeles zur Beförderung der Zuwanderung unter-
erlangte in der Tat die Gesundheit wieder. Die Briefe dieser Geheilten brachten nahm. Den Unternehmer und Touristen, der die Jahrhundertausstellung in
einen weiteren Zustrom nicht nur Leidender, sondern auch ihrer gesunden Philadelphia 1876 besuchte, bestachen die südkalifornischen . Ansichten, die
Verwandten. Viele von ihnen erwarben ein Grundstück im San Gabriel-Becken, Payne im Projektionsverfahren vorführte und die vielen zum erstenmal
wo sie sich dem Obstbau widmeten und gesund wurden. Die trockene Luft einen anschaulichen Begriff von der reizvollen Landschaft gaben. Die
und die Frostfreiheit der höheren Schuttkegel hatten die gesuchte heilsame Reklameversuche hatten zunächst bescheidenen Erfolg; denn es folgte ihnen
Wirkung, so daß wir entlang dem sogenannten "foothill belt" in den 80er ein aufsehenerregender Bankzusammenbruch, das Ende der Schafzucht
Jahren eine Reihe von Siedlungen entstehen sehen. Pasadena verdankt zum und eine jahrelange Wirtschaftsdepression.Die Reklame half immerhin,
großen Teil diesem Zustrom sein rasches Wachstum in den ersten Jahren nach den .Fremdenverkehr zu fördern, vor allem aber machte sie die Boden-
der Gründung. spekulanten des ganzen Landes darauf aufinerksam, daß sich in Südkalifornien
Nachdem die Überlegenheit des südkalifornischen Klimas gegenüber etwas vorbereitete.
Flo,rida, der Golfküste und Kuba erkannt war, kam nun neben dem Gesund-

100 101
Die Santa Fe-Eisenbahn, die ebenso wie an tier Bahn maßgebend Beteiligte
ERSTER BOOM UND STADTENTWICKLUNG entlang ihrer Strecke in Südkalifornien großen Besitz an Land während des
Bahnbaues erworben hatte, benötigte Siedler und Fra€ht (Lit. 524, S. 327/28
Die Eisenbahnen und das große südkalifornische Landfieber
und 76). Sie begann einen Konkurrenzkampf mit der Southern Pacific-Eisen-
Die Wirtschaftsdepression dauerte noch bis in die 80er Jahre. Die Land- bahn,der zu unerhörter Schärfe führte (Lit. 524, S. 328). Bereits 1886 sank
schaft litt unter landwirtschaftlicher Überproduktion, hohen Frachtsätzen und der Preis für Hin- und Rückreisefahrkarte vom Missouri nach Los Angeles,
Mangel an Absatzmärkten. 1882 war endlich die südliche Transkontinental- der 1884 noch $ 150,- betragen hatte (Lit. 524, S. 325), bis auf $ 15,- (Lit'488,
route der Southern Pacific-Eisenbahn fertiggestellt. Damit wurde den Produkten I, S. 279)' Das verlockte Tausende von Menschen im Osten, Los Angeles kennen-
Südkaliforniens, das jetzt mit Nordkalifornien konkurrieren konnte, der öst- zulernen (Lit.488, I, S. 279)' Dem Bewohner des Ostens, der nur die nüch-
liche Markt eröffnet. Außerdem konnten nun die Minengebiete von Arizona ternen Städte der östlichen und mittleren Staaten kannte, erschien die Garten-
und Neumexiko Von Los Angeles aus versorgt werden. Während die bisher stadt Los Angeles und die Pflanzungslandschaft des San Gabriel-Beckens als
einzige Transkontinental-Verbindung, die Central PacificRailroad, vielfach im Paradies. Wer nicht gleich dablieb, fuhr nach Hause, um seinen Besitz zu ver-
Winter durch Schneefall Unterbrechungen erlitt, ist die neue südliche Route kaufen und nach Los Angeles zurückzukehren. Die rasch wachsende Nachfrage
schneefrei. Sie wurde deshalb bald zur bevorzugten Winterroute nach Kali- . nach Grundstücken und Häusern, die einem wirklichen Bedürfnis entsprang.
fornien, wodurch natürlich Los Angeles, das an dieser Strecke liegt, bekannt hatte zur Folge, daß der Wert von Grund und Boden sprunghaft anstieg,
wurde. Darauf ist es zurückzuführen, daß jetzt Einwanderer und Kapitalisten was nun über das Bedürfnis hinaus zur fieberhaften Landspekulation führte,
die Zukunftsmöglichkeiten des südkalifornischenBeckens erkannten (Lit.488, I, von der weniger die vorhandene Bevölkerung als die neuen Zuwanderer und
S. 279). Dazu kam ein wichtiges Ereignis. Auf der Baumwollausstellung von gerade die weniger Bemittelten unter ihnen und viele im Immobiliengeschäft
New Orleans trugen zum ersten Male 1884 die südkalifornischen Apfelsinen Unerfahrene ergriffen wurden (Lit. 524, S. 324).
einen höheren Preis als die Früchte Floridas davon. Das öffnete mit einem Der Fahrpreiskrieg der Eisenbahnen ging weiter. Für kurze Zeit betrug der
Schlage Kalifornien und dem Osten die Augen, wurde zum Anlaß gesteiger- Fahrpreis vom Missouri nach Los Angeles $ 5,-, ja an einem Tage sogar nur
ten Agrumenanbaues (Lit. 524, S. 326) und war die beste Reklame für die $ 1,-. Außer den fahrplanmäßigen Zügen, die in mehreren Abteilungen
wirtschaftlichen Möglichkeiten der Landschaft. fahren mußten, liefen jeden Tag 3-5 Sonderexkursionen in Los Angeles ein.
1885 stellte dann die mit der Southern Pacific-Bahn konkurrierende Atchi- Alle Unterkunftsmöglichkeiten der Stadt waren überfüllt. Schlagartig wurde
son, Topeka and Santa Fe Railroad die Verbindung mit Los Angeles durch das ausgedehnteFar~land innerhalb der Stadtgrenzen in städtische Grund-
den Cajon-Paß und über San Bernardino her und begann für Südkalifornien stücke aufgeteilt. Über Nacht wurde ein Teil des bisherigen Wohnviertels
Reklame zu machen. Dem folgte die Southern Pacific Railroad (Lit. 5 24, zum Geschäftsviertel, und wasdaran grenzte, erfuhr eine Wertsteigerung um
S. 326). Schon im Winter 1885/86 war die Landschaft mit Touristen angefüllt das Vielfache im Hinblick auf die kommende Ausdehnung des Geschäfts-
wie nie zuvor. Bisher waren es immer nur einzelne gewesen, die als Touristen zentrums. Der Land-Boom von Los Angeles der Jahre 1886 und 1887 steht
kamen und von denen der eine oder andere dablieb. Jetzt war es eine ganze in der Entwicklung amerikanischer Städte einzig da; in seinen bevölkerungs-
Bevölkerungsklasse, die zum Träger der kommenden Entwicklung wurde. Es anziehendenWirkungen kann er nur mit dem Goldfieber von 1849 ver-
waren bemittelte Menschen, die einen Wohnort suchten, an dem sie den Härten glichen werden.
des östlichen Winters entgingen. Im Gebiet der späteren Südwestvorstadt und Das Landfieber brachte naturgemäß auch eine andere Klasse Menschen
Oberstadt kauften sie zu hohen Preisen Grundstücke, die sie, indem sie darauf nach Los Angeles, den reinen Spekulanten, darunter den verantwortungs-
hübsche ViJlen er:r:ichteten und Gärten mit Schattenbäumen, Blumenbeeten losen Grundstücksmakler, der von kleineren Booms in Iowa und Kansas Er-
und Rasenflächen anlegten, in städtische Parkbesitzungen verwandelten fahrung mitbrachte. Weniger die städtischen Grundstücke als die weitere süd-
(Lit. 524, S. 326/27). ( kalifornische Landschaft wurde zum Objekt dieser skrupellosen Profitgier.

102 1°3
I'
j-

Farrilland wurde auf Grund seiner Eisenbahnverbindung und der Möglichkeit -' auf der Straße, in der Schankstätte, oder wo man s1ch gerade begegnete. Oft
des Apfelsinenbaues oder wegen seiner schönen Aussicht zum. Zehnfachen des wurde ein Grundstück am. selben Tage mehrmals zu immer höherem Preise
Preises verkauft, den es eigentlich bei Berücksichtigung aller dieser Vorteile weiterverkauft. Die Grundstücksmakler schossen wie Pilze aus dem Boden
wert war. Der geschickteste Trick des Spekulanten war die Stadtgründung (Lit. 510, S. 570). Der gewissenloseste der Spekulanten, Simon Homberg,
auf dem Papier. Auf der Strecke von Los Angeles bis zur Grenze gegen das erwarb 2 Viertelsektionen Regierungsland auf der Nordseite des San Gabriel-
San Bernardino County, entlang der Bahnlinie eine Entfernung von 58 km, Gebirges am Rande der Mohave-Wüste. Hier gründete er 2 "Städte", Border
wurden allein in den Monaten März bis Mai 1887 13, im ganzen 25 "town- City und Manchester, ohne sie überhaupt zu vermessen. Auf den Karten des
sites" angelegt und aufgeteilt. Die Aufteilungen waren so groß, daß eine "Stadt" Katasteramtes bezeichnete er die Grundstücke und sah breite Straßen vor
unmittelbar an die nächste grenzte. Dazu kamen die " Städte" , die entlang (Lit.488, I, S.262). Schlauerweise bot er die Grundstücke nur außerhalb
der zur Santa Fe-Bahn parallel laufenden Southern Pacific-Bahn gegründet Südkaliforniens an, im Nordwesten, im Osten, selbst in Europa (Lit. 488, I,
wurden, so daß im San Gabriel-Becken allein plötzlich 36 "Städte" entstanden. S. 262), und machte derartige Reklame, daß er die Mehrzahl seiner über 3000
Ebenso rasch ging es an anderen Stellen, wo eine projektierte Eisenbahn, ein Grundstücke in der Tat an den Mann brachte. Dabei richtete sich der Preis
zukünftiger Hafen wie Port Ballona, ein umliegender Farmdistrikt oder eine einzig nach dem; was der gebluffte Käufer bot, bis zu $ 250,~ für das Grund-
geplante Hochschule als Reklame für die verheißungsvolle Entwicklung her- stück, das ihn selbst durchschnittlich 10 Cents gekostet hatte (Lit.488, I,
halten mußte. Aufteilungen, für deren "water privileges" Reklame gemacht S. 262), sofern man den Zahlen Guinns, der die Katasterbücher eingesehen
wurde, erwiesen sich dann als nicht dräniertes Land oder sie lagen in einem hat und als der zuverlässigste zeitgenössische Lokalhistoriker neben Willard
Trockenbett ! (Lit. 5 I 0,. S. 573). "Städte", deren Grundstücke auf Grund ihrer anzusehen ist, Glauben schenken darf. Wer ganz schlau sein wollte, kaufte sich
schönen Aussicht verkauft wurden, lagen meist, im Gebirge oder auf völlig un- ein Grundstück in den "Geschäftsblocks" von Border City. Im Südkali-
brauchbarem wasserlosen Gelände. Azusa wurde von den Spekulanten als die fornischen Becken selbst konnte man soweit doch nicht gehen. Hier mußte
kommende Rivalinvon Los Angeles hingestellt (Lit. 512, s. 63). Vor Eröffnung man wenigstens etwas von der kommenden Entwicklung zu zeigen haben.
des Grundstücksverkaufs, bis zu· der die Aufteilungspläne geheim gehalten So 'wurde oft inmitten der Aufteilung in aller Eile ein hölzernes Hotel im viel-
wurden, standen die ganze Nacht hindurch die Käufer vor dem Maklerbüro. verzierten viktorianischen Stile dieser Zeit errichtet. Es wurden unentgeltliche
Für gute Plätze in der Schlange wurden hohe Summen bezahlt. Denn wer zu- Exkursionen mit freiem Mittagessen veranstaltet. Santa Monica und Redondo
erst kam, .konnte sich die besten Eckgrundstücke aussuchen. So erhielt der Beach erhielten in dies~r Zeit ihre großen Hotels, und Long Beach vergrößerte
Dritte in der Reihe $ 500,- und selbst der Vierundfünfz~gste wollte seinen Platz und verbesserte das seine. Es genügte aber auch die Abbildung eines in der
für nicht unter $ 100,- hergeben. Allein am erstenVerkaufstag wurden Grund- Entstehung begriffenen Hotels, wenn nur die Reklame vielversprechend und
stücke im Gesamtwert von $ 280000,- verkauft (Lit. 488, I, S. 260/61). Der der Name wohlklingend war. Musikkapellen verkündeten neue Aufteilungen.
Verkauf dauerte 3 Tage an, obwohl.kaum 10 Prozent der Käufer die Auf- Die Unternehmer kamen auf die eigenartigsten Einfälle. Es gab genug Fremde,
teilung gesehen hatten. Sie wollten ja nicht da wohnen, sondern nur ihre in Los Angeles, die auf den Schwindel hereinfielen,. und es ist erstaunlich, zu
Grundstücke mit Gewinn weiterverkaufen (Lit.488, I, S.260/61). In, einem sehen, daß mit Ausnahme der letzten "Gründungen" fast alle Grundstücke
anderen Falle kam es vor, daß die Spekulanten schon Sonntag abend Schlange dieser unzähligen Phantasiestädte verkauft waren, als der Boom 1888 zu-
standen, wenn der Verkauf Mittwoch früh beginnen sollte. Manch einer stellte sammenbra~h. Wenn auch in den meisten Fällen nach der Anzahlung keine
einen Vertreter in die Schlange, den er von Zeit ZU Zeit besuchte, und später weiteren Zahlungen mehr folgten, so waren doch unter den Tausenden von
wurden sogar Nummern ausgegeben, so daß man in der Wartezeit seinem Grundstücken meist ein paar bezahlt, so daß der ursprüngliche Besitzer sein
Geschäft nachgehen konnte. Irgendwie wurde jeder vom FIeber gepackt und Land mit fremden Besitzinseln darin zurück erhielt, die er nur schwer ent-
- ""-
spekulierte so lange, bis er hereingefallen war~ Alles andere spielte keine Rolle fernen konnte (Lit. 510, S. 571). Manchmal blieben kleine Anfänge übrig und
mehr, überall wurden Grundstücke verkauft und Kontrakte abgeschlossen, manche spätere Stadt geht auf eine ursprüngliche Boom-Aufteilung zurück.,

I 1°5
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So sind Glendora, Azusa, Arcadia, Lordsburg (heute La Verne), San Dimas, dörfliches Hühnergackerri vernehmen. Dem machte erst eine Stadtverord-
Ontario, Lamanda Park, Santa Anita, Monrovia, Duarte, Alhambra, Glen- nung r88g ein Ende (Lit.5IO, S. 572). '"
dale, Burbank, Hollywood, Inglewood, Redondo Beach, Rivera, Santa Fe Auf den Land-Boom von r886/87 folgte erst r888/8g ein "Building-Boom".
Springs und manche andere in der Boom-Periode erstmalig aufgeteilt Die Grundstücke in der Nähe des Geschäftsviertels, die während des Booms
.1 worden. Long Beach hat in der Boom-Psychose seinen heutigen Namen mehrfach den Besitzer gewechselt hatten, waren jetzt zu wertvoll, um un-
I gegen den fr9:heren Willmore City von r884 eingetauscht. Selbst das in benützt zu bleiben. Die Grundstücksbesitzer sahen sich genötigt, Gebäude
dieser Zeit von Quäkern gegründete Whittier nahm den Vor'teil der Boom- darauf zu errichten, um Einkünfte aus ihrem Besitz zu erhalten. Die Obst-
Psychose wahr. Von vielen anderen jener Städte aber mit ihren phantasie- gärten im Gebiete der heutigen Industrie- und Unterstadt, die für das Los
vollen Namen zeugen heute nur noch die Register des Katasteramtes, ja Angeles der 70er Jahre so charakteristisch waren, wurden in den 80er Jahren
in vielen Fällen ist es in der Überstürzung von Verkauf und Weiterver- von einem durch Sämlingimport von Australien mit eingeschleppten Obst-
kauf r887 gar nicht mehr zur Eintragung gekommen. Mit dem Ende des baumparasiten (Icerya Purchasi) vernichtet. Hier entstand in der Nähe der
Booms vers.chwand auch der unsaubere Spekulant und Schmarotzer als Eisenbahn das Großhandelsviertel llf!.d in der Unterstadt ein Wohnviertel,
Bevölkerungselement (Lit. 524, S.329ff.), das während des Booms domi- dessen bescheidene Rahmenhäuser heute als Relikte erhalten sind.
niert hatte (Lit.524, S. 34r). Einige der Schwindler konnte man noch fassen Zur räumlichen Ausdehnung der Stadt trug die Erweiterung des Straßen-
und festsetzen. r 88g wurden die Spielhöllen geschlossen, und 2 Jahre darauf bahnnetzes bei, wobei der Bau der Straßenbahn in den Dienst der Land-
wurde ein Sonntags-Öffnungsverbot für Trinkstuben erlassen (Lit. 524, S. 34 r). spekulation gestellt wurde. So veranlaßten die Grundstücksbesitzer der Ober-
Los Angeles trat in die Periode geordneterer Entwicklung ein. Manches groß- stadt r884 den Bau der ersten Kabel-Straßenbahn entlang der 2. und r.Straße
artige Boom-Hotel blieb als Zeuge einer seltsamen Periode verlassen stehen, nach Westen durch Zahlung einer hohen Prämie. Das bewirkte die frühe Be-
vielfach halbfertig, diente als Heuschober oder wurde sonst einem Zwecke, siedlung der Oberstadt (Lit.488, I, S.280/8r). In den kommenden Jahr-
zugeführt, bis es früher oder später abbrannte. zehnten sehen wir immer wieder, daß der Bau von Straßenbahnen nicht auf
Während des Booms schritt die Ausdehnung des Geschäftsviertels nach städtische, sondern auf Einzel- oder Gruppen-Initiative zurückgeht und
Südwesten rasch fort. Anfang der r880er Jahre war das Geschäftsviertel von primär dem Zweck des Grundstücksverkaufs dient. Die Straßenbahn geht der
der Plaza aus entlang Main- und Spring Street über die erste Straße hinaus Besiedlung voraus, sie dient erst sekundär dem Lokalverkehr. Nur so ist die
zum Teil bis an die zweite Straße gelangt (Lit.488, I, S. 280). Noch r882 rasche städtische Auftei,lung auf großem Raum möglich. Die Ausnutzung dieser
wurde die Lage des neuerbauten Nadeau-Hotels an der Eck~ Spring und First Möglichkeit bringt von vornherein die weitläufige Anlage der Stadt mit sich.
Street als zu weit entfernt vom Zentrum empfunden. Man glaubte das Gebäude Bereits 1885 baute eine Gesellschaft, die ein Stück Land von 320 acres (r28 ha)
an dieser Stelle-nicht als Hotel verwenden zu können und vermietete es für Büro- an Pico Street, außerhalbder westlichen Stadtgrenze, erworben hatte, die
zwecke und Wohnungen (Lit. 524, S. 325). Nun mit einem Male wurden erste elektrische Straßenbahn dorthin, um ihre Aufteilung verkaufen zu können.
Maklerbüros in großer Zahl benötigt. Den Maklern, die gewillt waren, hohe Dabei wandte sie die in dieser Zeit mehrfach befolgte Methode des "Tract"-
Mieten zu zahlen, mußten die Ladenbesitzer weichen. Die Läden wurden in Verkaufs an, die darin bestand, daß der Verkäufer erst etwa ein halbes
viele kleine Verkaufsstände aufgeteilt, von denen jeder einzelne mehr Miete Dutzend billiger Häuser auf ein paar Grundstücken errichtete, sozusagen als
brachte als vorher der ganze Raum. Das hatte zur 'Folge, daß die Geschäfts- Köder. Dann verkaufte er seine Grundstücke, ohne deren Lage zu bestimmen.
leute ihre Läden weiter nach Südwesten verlegten (Lit.488, I, S.280). Für Sobald er alle an den Mann gebracht hatte, wurden sie durch Verlosung ver-
das Gesamtstadtgebiet hatte der Boom selbst nur eine gewaltige Wert- teilt, so daß der Gewinn eines Hauses dem Zufall überlassen blieb. Ein Grund-
steigerung von Grund und Boden gebracht, aber kaum eine wesentliche Aus- stück mit Haus kostete nicht mehr als ein solches ohne Haus (Lit. 488, I, S. 28 r).
dehnung der Bebauung. Auf unbebauten Grundstücken in der Nähe des Die englische Bezeichnung "lot" (Los) für Grundstück hat hier ihren wört-
l
Stadtzentrums konnte man 'noch wiederkäuenden Kühen begegnen und lichen Sinn.

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Die Grundlage zU der ruhigeren Entwicklung der 1890er Jahre hatte der und unter Beteiligung vieler südkalifornischer Städte abgehalten wird.
Boom gelegt. Ein ausgedehnter Raum um das Pueblo der 187ber Jahre war Die fortdauernde Anziehung, diePasadena auf vermögende Touristen aus
aufgeteilt und hatte trotz des Rückschlags einen Bodenwert erreicht, der ihn dem Osten ausübt, von denen mancher sich ankaufte, ließ hier eine..vornehme
nur durch städtische Nutzung rentabel machte. Der Ausbau eines Straßen- Wohnstadt von neuenglischer Stabilität entstehen, die sich noch heute aus
bahnnetzes - 1888 gab es schon 9 Straßenbahngesellschaften - machte die Be- der labilen Großstadtlandschaft abhebt. Anders war es mit den Zuwanderern,
siedlung des weiten Raumes möglich, ein Prozeß, der sich im Laufe der 90er die bereits mit dem festen Vorsatz kamen, sich in Südkalifornien niederzu-
Jahre vollzog. Wohl war der Boom zusammengebrochen, aber er hatte die lassen. Zum Teil waren sie angelockt durch das Klima, zum Teil durch die
entlegene, unbekannte, mexikanisch anmutende Siedlung Los Angeles in der Möglichkeiten der Obstwirtschaft (Lit. 524, S. 335)·
Welt bekanntgemacht. Man wußte von keiner Kleinstadt der Vereinigten Trotz der starken Abwanderung nach dem Zusammenbruch des Booms
Staaten so viel wie von Los Angeles. Journalisten waren unter den Besuchern, erfuhren die sudkalifornischen Landkreise zwischen 1880 und 1890 einen Be-
deren in den 90er Jahren erscheinende und immer wieder neu aufgelegte völkerungszuwachs von 137000 Menschen, von denen 40000 in Los Angeles
Bücher über Südkalifornien den Fremdenverkehr nach und nach für dauernd blieben. Die übrigen siedelten zum großen Teile auf dem Lande, entschlossen
nach Los Angeles lenkten. Dazu kam jetzt die Tätigkeit der Handelskammer. die Halbwüste zu bewässern, um Pflanzungen von Agrumen und laubab-
werfenden Obstbäumen anlegen zu können. Daneben warfen sie sich auf
Die Handelskammer und ihr Einfluß auf Fruchtvertrieb und Oliven- und Rebenanbau und in der Küstenebene aufWeizen-, Gersten- und
Fremdenverkehr Zuckerrübenbau. Los Angeles wurde das wirtschaftliche Zentrum, und hier
wurde das neue Bevölkerungselement, in dem das alte völlig untertauchte,
Los Angeles, das noch vor kurzem als altes ländliches Siedlungszentrum zum Träger der Entwicklung, als ob vorher. nichts dagewesen wäre, ebenso
erschien, ging aus dem Boom als junge Stadt hervor. In 10 Jahren hatte wie früher der Spanier den Indianer und dann die erste amerikanische Zu-
sich seine Bevölkerung verfünffacht, von 11000 auf 50000! Daneben hatten wandererwelle den Spanier abgelöst hatte.
sich aus der Fülle der Eintagsstädte, die nur auf dem Papier bestanden, immer- Von 1893 bis 1896 herrschte in den Vereinigten Staaten eine wirtschaft-
hin eine Reihe von Wohnstädten, Pflanzungszentren und Kurorten im Um- liche Depression, deren Einsetzen 1893 mehrere Banken in Los Angeles zum
kreis herauskristallisiert. Schließen zwang, davon 2 für dauernd (Lit. 524, S. 344 u. Lit. 488, I, S. 36 9).
Für den wohlhabenden Touristen aus den Oststaaten war es vorübergehend Sonst hatte Los Angeles infolge seiner isolierten Lage in den auf die allgemeine
Mode geworden, den Winter in Südkalifornien zu verbringen. In den Wintern Panik von 1893 folgenden Jahren weniger zu leiden als der Osten. Zwar
1886/87 und 1887/88 war erin großer Zahl gekommen und hatte den Boom mit- war der Absatz südkalifornischer Produkte und der Touristenverkehr geringer.
gemacht. Nachdem das aber nichts Neues mehr für ihn war, und Los Angeles Dem wirkte aber jetzt die neue Handelskammer entgegen. Die Gründung
außer dem Klima nichts, vor allem keine guten Hotels zu bieten hatte, blieb der Handelskammer 1888 - eine Folge des Selbsterhaltungstriebes nach dem
er im nächsten Winter völlig aus. Man hatte sich zwar schon für einen neuen Zusammenbruch des Booms - markiert den Anfang der neuen Entwick-
Massenbesuch vorbereitet und an allen möglichen Stellen der Landschaft lungsepoche, die sich von der überstürzt ungeregelten Entwicklung der Boom-
riesige hölzerne Hotels errichtet. Vergebens. Südkalifornien war zum Auf- Periode abhebt. Die Zeit von der ersten Eisenbahnverbindung 1876 bis zum
enthalt für "jedermann" geworden. Das stieß den verwöhnten Besucher aus Zusammenbruch des Booms 1888 war eine Übergangsperiode, ein Präludium
dem Osten ab. Er folgte anderswo einer neuen Attraktion und vergaß die zur städtischen Entwicklung, die erst jetzt mit der Tätigkeit der Handels-
letzte (Lit.524, S. 334/35). Damit war die Kontinuität des Fremdenverkehrs kammer einsetzte.
unterbrochen außer in Pasadena, wo ja 1887 das Raymond Hotel eröffnet . Die überragende Bedeutung der Los Angeles Chamber of Commerce
werden konnte und am I. J;jmuar 1888 der erste Rosenumzug stattfand, der als Faktor in der kommenden Entwicklung zwingt zur Charakterisierung
seither ununterbrochen bis he~te am Neujahrstag unter großem Kostenaufwand dieser Einrichtung, die sich von Handelskammern anderer Städte weitgehend

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unterscheidet. In Los Angeles ist die Handelskammer Angelegenheit der ganzen Spekulationsobjekt gekauft hatten. Neben den Stellen, die sich in festen Hän-
Bevölkerung, nicht nur der Geschäftswelt. Ladenbesitzer aller Geschäftszweige, den befanden, besiedelt waren und unter Anbau standen, hatte sich während
Fabrikanten, Kaufleute, Pflanzer, Rechtsanwälte, Ärzte, Verleger, behörd- des Booms vielerorts eine Spekulationslandschaft herausgebildet, besonders
liche Beamte, Eisen- und Straßenbahn-Unternehmer, Bankiers, Ingenieure, dort, wo Stadtgründungen auf dem Papier entstanden waren. Flächen, die
selbst Pfarrer, Lehrer und Schriftsteller (Lit. 523, S. II) schließen sich in der bisher als Weiden oder bereits als Ackerland gedient hatten, lagen ungenutzt
Handelskammer zu gegenseitiger Hilfsbereitschaft und gemeinsamem Wirken als Ödland. Die meisten, denen bei Zusammenbruch des Booms plötzlich
nach außen zusammen, denn ein jeder hat Interesse daran, daß die Stadt wirt- solch ein Spekulationsbesitz, den sie schon mehrfach weiter verkauft wähnten,
schaftlich aufblüht und eine fortgesetzte Bevölkerungsvermehrung erhält, von, zufiel, hatten keine Ahnung von Landwirtschaft. Selbst diejenigen Neulinge
der die berufliche Entfaltungsmöglichkeit jedes Einzelnen abhängt. Gemein-' in der Landschaft, die sich ernstlich niederließen und ihr land landwirt-
sam erkennen sie, daß, wenn man Menschenzustrom erhalten will, man schaftlich nützen wollten, kamen damit nicht voran, weil sie mit den örtlichen
Reklame machen muß ~ und dieses, bei der großen Entfernung von den Sied- Voraussetzungen, Boden und Klima, nicht vertraut waren. Hier half die neue
lungszentren des Landes, überlegter und viel intensiver als anderswo. Das ist Handelskammer, indem sie die Erfahrungen und Erfolge des einen dem
nur durch straffe, tätige, private Organisation möglich. Männer, denen das anderen weniger Erfahrenen zugänglich machte. Da jeder glaubte, Apfelsinen
südkalifornische Klima die fehlende Gesundheit wiedergegeben hat, stellen und Zitronen züchten zu müssen, stellte die Handelskammer die Produkte
sich in den Dienst der gemeinsamen Sache, mit um so überzeugterer Begeiste- der Züchter aus, so daß jeder Neuling für seinen Anbau hier Vergleichsobjekte
rung mitarbeitend. Das Gelingen ihrer Reklameaktionen verdankt die Handels- fand, an denen er lernen konnte. Zum gleichen Zwecke richtete die Handels-
kammer weitgehend dem unermüdlichen Frank Wiggins, der als Leiter kammer von 1890 bis 1895 jedes Jahr Agrumen-Messen und Ausstellungen
der Ausstellungen von Los Angeles in den Städten des Ostens und Nordwestens ein und beschickte die Columbische Ausstellung in Chicago.Die großartige
bald im ganzen Lande bekannt war (Lit. 488, II, S. 94/97; Lit. 523, S. 262 südkalifornische Schaustellung und die kostenlos unter das Publikum verteil-
u. Lit. 510, S. 647).Die Erfolge der Initiative dieses Mannes gehen nicht ten frischen Blumen und Früchte; die über 3000 km weit herkamen, erregten
zuletzt auf die Originalität seines Wesens zurück. Vor allem entsprang aus Aufsehen auf der Weltausstellung. Die Agrumenzucht erfuhr durch die Hilfe
dem eigenen Erlebnis der Genesung Wiggins' aufrichtige Überzeugung, dazu der Handelskammer einmal einen neuen gewaltigen AufSchwung, zum anderen
gab ihm Quäkertradition und -erziehung die erforderliche innere Energie und kam sie jetzt aus dem Versuchsstadium heraus.
werbende Wärme der Persönlichkeit. Der Aufschwung, den die Apfelsinenkultur nahm, beruht vornehmlich
Viele wohlhabende Zuwanderer aus dem Osten sind in der Handelskammer auf dem Erfolg, der mit dem Anbau von 2 gepfropften Apfelsinensorten erzielt
vertreten, gerade solche, die sich in Los Angeles zur Ruhe setzen. Statt un- wurde, der "Washington Navel"-Apfelsine, die 1870' aus Bahia, Brasilien,
tätig zu· sein, investieren sie ihr mitgebrachtes Kapital in Landbesitz und (ursprünglich aus Goa stammend) importiert wurde, und der "Valencia"-
geschäftlichen Unternehmungen. Aus dem Geschäftsgeist dieser Rentner ist es Apfelsine, die über England aus den Azoren ins Land gebracht wurde (Lit. 710,
erklärlich, daß sie sich in der Handelskammer zusammentun, um in ihr ein S. 4/5). Die eine reift im Winter, die andere im Sommer, so daß der Apfelsinen-
Mittel zu haben, die Entwicklung, an der sie ja selbst finanziell interessiert sind, markt im Osten der Vereinigten St~aten das ganze Jahr hindurch von Süd-
vorauszusehen, zu kontrollieren und künstlich zu fördern. Noch heute läßt kalifornien beliefert werden kann. E~de der 80er Jahre waren die Schuttkegel
die Handelskammer die Mitglieder, die zur· Sitzung nicht kommen können, der inneren Becken Südkaliforniens in Apfelsinenpflanzungen verwandelt.
kurzerhand fallen. So hat jeder ein Interesse daran, nicht nur Mitglied zu Allenthalben hatten sich Land-, 'Bewässerungs- und Pflanzungsgesellschaften
sein, sondern auch tätig mitzuarbeiten. gebildet nach dem Vorbild der Indiana Colony. Die Industrie konnte aber
Während des~Booms waren große Teile des Südkalifornischen Beckens in erst gedeihen, nachdem der Absatz des Pflanzers durch Bildung von Frucht-
städtische Grundstücke aufgetEilt worden und befanden sich mit einem Male vertriebsgesellschaften aufkooperativer Basis geschützt und garantiert und nicht
in Händen von ortsfremden Städtern (Lit. 523, S.66), die das Land nur als' mehr der Willkür von Kommissionären unterworfen war. Die kooperativen

110 111
Gesellschaften wurden später alle in der "California Fruit Growers in anderen Städten Amerikas und Europas. Neben der Verteilung von Propa-
Exchange" in Los Angeles vereinigt, die für die Apfelsinen aller kalifornischen gandaschriften wurden die Zeitungen und Zeitschriften des Ostens in den
Pflanzer einheitlich unter dem Namen "Sunkist" Reklame macht. Sie unter- Dienst der Reklame für Südkalifornien gestellt. Der Boom war ein Ziel der
hält Verpackungshäuser in allen Pflanzungsdistrikten, ja es gehören ihr Neugierde gewesen. Man mußte ihn gesehen haben, bis er nichts mehr Neues
70000 acres (28000 ha) Waldland in Nordkalifornien, aus dem sie das Holz war. Jetzt galt es, die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Landschaft im
für die Kisten gewinnt. Diese Entwicklung begann mit den 90er Jahren unter Osten Amerikas systematisch bekannt zu machen, bis man durch Schaffung
tätiger Mithilfe der Handelskammer. Zur selben Zeit fing man an, der Frost- der anfangs noch fehlenden Bequemlichkeiten und Attraktionen auch dem
gefahr erfolgreich zu begegnen durch Heizen der Pflanzungen vermittels verwöhnten Touristen etwas bieten konnte. Es galt, diesen durch geschickte
Petroleumöfen, die mit der beginnenden Erdölindustrie aufkamen (Lit. 679, Reklame dazu zu verlocken, daß er dabliebe und sich ein Estate anlege
S. 100/11). Nicht z,u unterschätzen ist die Förderung, die der Agrumenanbau und gleichzeitig bei ihm die Begier zu erregen, an der wirtschaftlichen Ent-
von seiten der Eisenbahn erhält. Jene Fahrpreispolitik.von 1885/87 war letzten wicklung des Neulandes teilzunehmen. Dank eines geschickten Einfalls, der
Endes mit darauf berechnet, die Frachten zu schaffen, die der Eisenbahn ein auf einen gebürtigen Deutschen, den Frankfurter Adolph Petsch, Oheim
dauerndes Geschäft neben, dem Personenverkehr sichern. Die Bahn ist infolge- des Verfassers, zurückgeht, nutzte man unter psychologischer Berechnung die
dessen in erster Linie am Anbau solcher Produkte interessiert, die der Osten wirtschaftliche Depression des Landes aus. In der Zeit des Tiefstandes der
nicht besitzt und die einen Schiffstransportnicht vertragen. Das sind die Wirtschaft im Osten kündigte Los Angeles 1894 einen Karneval an; für den
Agrumen. Für sie führte die Bahn Kühlwagen ein,die den Absatz der "Va,. der Lokalpatriotismus große finanzielle Opfer aufbrachte. Der Plan verdankt
lencia"-Apfelsine im Sommer im Osten der Vereinigten Stalitten möglich seine Verwirklichung dem einheitlichen Willen der Bevölkerung, die keine
macht. Das bewirkte naturgemäß eine Erweiterung der Pflanzungslandschaft Cliquen kennt, wie sie für langsamer gewachsene Städte charakteristisch sind.
in Südkalifornien. Wie sehr noch nach dem Weltkriege die Eisenbahnen an'den Die Reklame, die nun im Osten gemacht wurde, hatte zur Folge, daß sich der
südkalifornischen Agrumenkulturen interessiert sind, erhellt aus der Be- Geschäftsmann sagte: "Wenn Los Angeles es sich leisten kann, in dieser Not-
mühung der Bahnen nach den großen Frostschäden vom Januar 1922 (während zeit einen Karneval anzukündigen, dann muß da etwas los und etwas zu holen
zwei Nächten, 19./20. und 20./2I.Januar); die Frachtsätze für Pflanzungsöfen sein." "La Fiesta de Los Angeles" , wie man den Karneval bezeichnenderweise
von der Fabrik in Toledo, Ohio, nach Südkalifornien um 57 Prozent zu er- nannte, gipfelte in einem kostümierten UIllZug. Der Erfolg bewirkte, daß der
mäßigen. Mit anderen Worten, die Bahnen waren bereit, 40000 $ zu opfern, einheitliche Wille der Bevölkerung nur noch mehr gestärkt wurde. Die Fiesta,
um das Beheizen der Pflanzungskulturen populärer zu machen, sie dadurch für deren mühevolle Vorbereitung die Rentner die erforderliche Zeit zur
in ihrer Ausdehnung zu erhalten. Der Agrumentransport war infolge Verfügung hatten, wurde in den nächsten Jahren wiederholt, wobei man auf
des Frostes um beinahe 20000 Wagenladungen zurückgegangen (Lit. 227, die reiche Blumenausschmückung des Umzugs viel Gewicht legte, und wurde
S·584)· während 20 Jahren zur ständigen Institution. Sie bildete eine der Hauptattrak-
Die beratende Unterstützung der Handelskammer half nun auch anderen tionen des Fremdenverkehrs, dessen Saison Winter und Frühjahr waren. Man
Zweigen der Landwirtschaft und den Industrien, die aus ihr entspringen, berechnete: viele, die mitten im östlichen Winter mit seinen Unbilden vom
wie der Rübenzuckerindustrie, der Obstkonservenindustrie und der Röhren- Neujahrs-"Tournament of Roses" von Pasadena lesen oder Bilder vom Blu-
industrie für Bewässerungszwecke. Das Mißverhäl~s zwischen parzellicrrtem menkarneval in Los Angeles sehen, werden sich fragen: "Warum soll ich
städtischen und ländlichen Grundbesitz und vorhandenen Bewohnern, das nicht auch in 'einem solchen Klima leben können, anstatt in der Kälte Schnee
der Boom geschliffen hatte~ zwang zu einer Aktion, welche die künstliche schaufeln zu müssen?" So wird mancher, der die Mittel dazu hat, früher oder
Zuwanderungssteigerung zum Ziel hatte. Die "Rentner" drangen daraufhin; später eine Reise nacH Los Angeles unternehmen und wenn er nicht dableibt,
Pläne wurden von einzelnen a~gedacht, für deren Verwirklichung die Handels- wenigstens anfangen, Geld dort zu investieren. Viele, die nicht sofort dableiben
kammer das Organ war. Zu der Ausstellung in Chicago kamen Ausstellungen können oder wollen, werden wiederkehren.

112 8 Wagner, Los Angeles


113

"Jl.
Die erfolgreiche Bohrtätigkeit gritr 18ggnach Westen über. Zwischen Coronado
Beginn der Erdölerschließung Street und bis jenseits der alten Gemarkungsgrenze an VermontStreet heran ent-
Agrumenanbau und Touristenverkehr, beide durch Klima und Reklame wickelte sich das "West field", dessen Bohrtürme schon Ig12 weitgehend ver-
bedingt, charakterisieren den Anfang der städtischen Entwicklung. Los schwundenwaren (Lit. 175, S. 204/05). Nur noch ein paar im Winkel zwischen
Angeles w~r Kurort und Pflanzungszentrum. Die Industrie fehlte. Erst mit der Third Street und Ocean View Avenue sind heutevorhanden. Hier im Westeri ließ
Erdölerschließung der goer Jahre, die die Versorgung mit Brennstoff gewähr- die Entwicklung des vornehmen Wilshire Boulevard-Wohnviertels am West Lake
leistete, entfaltete sie sich. Wohl war schon in den 60er Jahren im nahen Santa Park die Grundstückswerte erheblich ansteigen~ so sehr, daß schon um Ig10
Clara-Tal Erdöl erbohrt worden, aber die Asphaltvorkommen in der' Um';" der Grundstücksverkauf und die Nutzung für Wohnzwecke ertragreicher waren
gebung von Los Angeles führten erst Ende der 1880er Jahre zur Petroleurri- als die Petroleumförderung. Daraus erklärt es sich, daß die 331 Bohrtürme,
erschließung von Puente östlich von Los Angeles (s. Fig~ 12, S. 139)· Die die Ig03 zwischen Coronado Street und Vermont Avenue vorhanden waren,
Petroleumfunde von Puente bewirkten,' daß auch im Anschluß an die Ig12 bis auf eine Gruppe von 21 verschwunden waren (Lit. 175, S. 203/04).
Asphaltvorkommen im westlichen Teil des Stadtgebiets nach Erdöl gesucht In der westlichen Verlängerung des beschriebenen Ölgürtels und zwar in
wurde. 18g2 wurden Doheny und ein Partner im neuen Wohnviertel der der Nähe des Asphaltsees des Rancho La Brea wurden schon seit 1885 Tiefbohr-
Oberstadt in geringer Tiefe fündig, was bei der fortgeschrittenen Aufteilung versuche gemacht, die endlich Ig02 zum Erfolg führten. Aber erst zwischen
'und teilweisen Bebauung des Stadtteils eine große Zahl Grundstücksbesitzer Ig05 und Ig10 wurde dieses nach einer der Ölgesellschaften benannte "Salt
ebenfalls zum Bohren trieb. Bereits Ende 18g5 wurden 308 produzierende Lake Field'~ (s. Fig. 1.2,' S. 139) in seiner ganzen Ausdehnung in Tiefen von
Petroleumbohrtürme von diesem "Centralfield" oder "Old field" gemeldet 250-goo m erschlossen (Lit. 175, S. 227/28). Außerhalb der Stadt gelegen,
(Lit. 175, S. 201). Die städtische Entwicklung geriet damit in diesem Gebiet wurden hier die Bohrpachten rechtzeitig von yerhältnismäßig wenigen Öl-
ins Stocken. Die Grundstücke gewannen an Wert, verloren aber an Güte'. gesellschaften erworben, so daß es nicht zum "townlot drilling" I) kam. Die
Die besseren Bewohner zogen in die vornehmen Viertel am Südrand der Nachkriegsstadtentwicklung ging schnell über dieses Ölfeld hinweg, so daß
Oberstadt und in' der Südwestvorstadt; Daran änderte auch der Rückgang die Bohrtürme seitdem mit dem Ablauf der Pachten verschwinden müssen.
der Ölproduktion nichts. Bei einer Lebensdauer des einzelnen Bohrturms von
etwa 6 Jahren wurden anfangs etwa 7 Faß pro Tag und pro Bohrturm ge-
ZWEIIJ'ER BO,OM UND GROSSSTADTENTWICKLUNG
fördert. Ig11 betrug die durchschnittliche Tagesproduktion nur noch 3 Faß,
die Lebensdauer eines Bohrturms 18 Jahre (Lit. 175, S.203)· Ig03 waren ' Schnellbahnnetz und neues Landfieber
von den 537 Bohrtürmen 80 aufgegeben und Ig12 von 522 bereits 35 2 (Lit. 175,
Während sich die Bewohnerzahl von Los Angeles zwischen 1880 und 18go
S. 2Ö2). Noch heute sind in der Nachbarschaft von Colton Street und Glendale
verfünffacht hatte, konnte sie sich von 18gö bis zur Jahrhundertwende nur
Boulevard eine Reihe jener alten kleinen hölzernen Bohrtürme in Betrieb.
verdoppeln. Immerhin erreichte siejetzt 100000. Räumlich hat sich die Stadt
Die Straßen sind mittelmäßige Wohnstraßen, deren große Zahl unbebauter,
in den 18goer Jahren wenig verändert. Man beschränkte sich darauf, die
Grundstücke auffällt. Von Südosten her schiebt sich eine ostjüdische Be-
Grundstücke, die während des Booms in der Oberstadt, in der Südwest-
völkerungsinsel bis in diese Gebiete vor, die nicht gegen minderwertige
vorstadt und auf der Oberen Ostseite aufgeteilt wa~en, zu bebauen, meist den
Ausländer geschützt sind.
vorhandenen Straßenbahnlinien folgend. Wo die Bebauung bereits über die
18g6 wurde das östlich anschließende "East field" zuerst im nördlichen
alte quadratische Stadtgrenze hinausreichte, kam es nach 1895, zu den
Teil von Sonora Town erschlossen (Lit. 175,S. Ig8), das sich ähnlich wie
ersten Eingemeindqngen (s. Taf. 3 u. Fig. 2, S. 7). Die Erinnerung an den
das "Ceritral fi~ld"entwickelte, nur mit dem Unterschied, daß hier von vorn-
herein ein dürftigerer Stadtteil betroffen wurde. Hier erscheinen die alten I) Unter "townlot drilling" versteht man die Erbohrung von Petroleum auf eng benach-
Bohrtürme heute noch zahlreicher im Stadtbild als im "Central field". barten städtischen Grundstücken in unwirtschaftlichem fieberhaftem Wettbewerb.

8*
II4 II5
Boom und seine Folgen hinderte neue Landaufteilung für städtische Zwecke. Vorstädt~, die einen Siedlungskern darstellen. Ist die B.hn primär vorhanden,
Ohne die Möglichkeiten raschen Umsatzes ist der Besitz von Grundstücken so wird die Vorstadt naturgemäß weitständig sein, denn es ist ja einerlei, an"
eine teure Sache, besonders wenn Hypotheken darauf lasten. Auch in der welcher Stelle der Bewohner die Bahn besteigt, wenn er nur die Verbindungs~
Art der Nutzung des städtisch aufgeteilten Landes hatte sich seit dem Boom möglichkeit mit dem Stadtzentrum hat. Die räumliche Ausdehnung, die das
wenig geändert. Das Geschäftsviertel war kaum etwas weiter nach Süden ge~ Schnellbahnnetz bewirkte, hatte naturgemäß eine Verdichtung des Geschäfts~
wandert, ja es befanden sich noch einzelne der großen Detailgeschäfte nördlich zentrums zur Folge. Der Bodenwert der Wohnviertel, die an das alte Geschäfts~
der Plaza an der North Spring Street. Das Großhandelsviertel zog sich parallel viertel angrenzten, stieg innerhalb von 5 Jahren um das Zehnfache und darüber.
dem unteren Niederterrassenrand an der Los Angeles Street entlang von der Damit wurden dielle Bezirke als Wohnviertel unrentabel, das Geschäftszentrum
Plaza bis zur 2. Straße. Neuer Impuls zu beschleunigter Landaufteilung war dehnte sich hierhin aus, der Hauptausdehnungsrichtung der Stadt, also nach
erst gegeben, nachdem genügend neue Bevölkerung sich angesammelt hatte Südwesten, folgend. Mit der Steigerung des Bodenwertes wuchs die Höhe der Ge~
und diese die alte, welche die Lehre des Booms durchgemacht hatte, über~ schäftshäuser. 1902 wurde der erste Wolkenkratzer mit 14 Stockwerken errichtet,
wog. Wiederum ist das neue Bevölkerungselementder Träger der Entwicklung, eine Höhe, die seitdem nicht mehr überschritten wird außer vom Rathausneubau
die älteren Bewohner mitreißend. Das Charakteristikum der Zeit von etwa von 1927. Am Ende dieser zweiten spekulativen Entwicklungsperiode war das
1902-1914 ist die Aufteilung von Ackerland in städtische Grundstücke und Hochhausgeschäftsviertelvorhanden. Damit gewann die Stadt der']ahrhundert~
die bauliche Ausdehnung von Wohnvierteln und Geschäftszentrum. wende innerhalb eines Jahrzehnts den Charakter der amerikanischen Groß~
Die räumliche Ausdehnung der Stadt in dieser Periode ist der Erfolg der -stadt. Die Bewohnerzahl verdreifachte sich, von 102000 auf 320000, wobei etwa
Einzelinitiative von Henry E. Huntington, der mit reicher Erfahrung im 13000 auf Eingemeindungen zurückzuführen sind. Was die Handelskammer
Straßenbahnbau 1902 von San Francisco nach Los Angeles übersiedelte." während der 90er Jahre durch systematische Reklame vorbereitet hatte, wirkte
Während 'eines Jahrzehntes kaufte er ausgedehnten Landbesitz in allen Teilen sich nach der Jahrhundertwende boom~artig aus, allerdings nicht so überstürzt
der Umgebung von Los Angeles auf. Gleichzeitig beteiligte er sich mit 50 Pro~ wie im ersten Boom, dafür dauerte er jetzt mehr als 12 Jahre und eilte der
~ent an den vorhandenen Straßenbahnen, die er 191 I vereinigte, - baute Bebauung nicht in dem Maße voraus, wie es das erste Mal der Fall gewesen
außerdem neue Schnellbahnlinien I) über die Stadtgrenzen hinaus durch seinen war. Jetzt wurde die Landschaft, die 1887 fast nur Stadtgründungen auf dem
Landbesitz hindurch und verband alle bestehenden Randstädte und die von Papier gesehen hatte, durch wirkliche Siedlungsansätze belebt (s. Tafel 3).
ihm gegründeten Ausflugsorte im Innern der Landschaft und am Strande Das Schnellbahnnetz und die zahlreichen Ausflugsorte, die gleichzeitig ent~
v "
nach und nach mit Los Angeles. Auf diese geschickte Weise brachte er seine standen und erreichbar w~rden, förderten den Fremdenverkehr gewaltig.
Ländereien, die in städtische Grundstücke aufgeteilt wurden, an den Mann Nun waren, auch genügend komfortable Hotels vorhanden, die den "ver~
zu Preisen, die den Bahnbau mehrfach wettmachten. Am Ende der Periode wöhnten Touristen jeden Winter wieder anlockten, bis er sich schließlich
dehnte sich die Stadt fingerförmig nach allen Seiten in die Landschaft hinein selbst ankaufte. Gerade die Neulinge sind die eifrigsten Verkünder des Heils
(s. Taf. 3), wobei die Entwicklung gerade umgekehrt gegangen ist als in von Los Angeles. Kaum sind sie selbst bekehrt, so fördern gerade sie die Ent~
anderen Städten. Es sind nicht die vorhandenen Vorstädte, die den Bahnbau wicklung am energischsten (Lit. 292, S. 157). Eine Aufteilung nach der anderen
nach sich ziehen, sondern die vorhandene Bahn bedingt die Vorstädte. Dabei wurde :vörgenommer>; und verkauft. Durch das Erdbeben von San Francisco

.
ist die Bahn Mittel zum Zweck des Grundstücksverkaufs. Das ist im großen 1906 erfuhr" das Landfieber einen Rückschlag, lebte aber nach 2 Jahren wieder
dieselbe Methode, die im kleinen während der ersten Boom~Periode inner~ auf und dauerte bis 1914 fort. ~~
"

halb des damaligen Stadtgebietes angewandt wurde. Die Vorstädte, di~ in Im Stadtbild wirkte sich der Boom von 1902-1914 dadurch aus, daß er
dieser Weise entStehen, sehen von vornherein anders aus als primär vorhandene das Bungalow brachte, das einstöckige leichte Sommerhaus mit großer
I)" Besonders große schnellfahrende Straßenbahnen, die in den Außenbezirken meist einen Veranda, das ursprüJ;lglich den Schweizer Chaletstil nachahmte. Die Mode,
eigenen Bahnkörper haben. im Bungalow wohnen zu" können und damit den Freunden und Verwandten

II6 II7
im Osten zu imponieren, griff wie eine Epidemie um sich. Der Kauf wurde Spiegel zu sinken. Von diesem Zeitpunkt an wuchs die Zahl der Monate,
durch das Teilzahlungssystem erleichtert. Zehn oder zwanzig Dollar im die künstliche Bewässerung erfordern, so daß selbst bei "-ortan gleicher Be-
Monat kann jeder leicht aufbringen, auch wenn es zehn Jahre dauert, bis man wässerungsintensität das Sinken des Grundwasserspiegels fortschritt. Bei weiter
sein Bungalow besitzt. zunehmender Bewässerungsintensität sank der Spiegel um das entsprechende
1905 wurde eine direkte Bahnlinie zwischen Salt Lake City und Los Angeles Vielfache. Für die Stadt war der kritische Punkt in dem Augenblick erreicht,
eröffnet, die dem Fremdenverkehr und damit dem Boom neuen Antrieb in dem die Wasserentnahme der städtischen Reservoirs den Zufluß überstieg.
gab, der noch dadurch verstärkt wurde, daß im westlichen Nevada kurz Das war 1904 der Fall (Lit. 488, I, S. 306). Bei dem konstanten Bevölkerungs-
darauf unweit der Bahnlinie erneutes Bergbaufieber herrschte. Das Bergbau- zustrom mußte mit einem von Sommer zu Sommer abnehmenden Wasservorrat
fieber belebte den Zuzug Neureicher nach Los Angeles in ähnlicher Weise . gerechnet werden. Los Angeles stand in dieser Zeit vor der Wahl, Kur- und
wie die kalifornischen Erdöl-Booms von 1900 und 191 r. Ausflugsort von konstanter Größe zu bleiben, entsprechend europäischen
Neben dem wohlhabenden Manne aus dem Osten zogen sich viele derer nach Städten an der Riviera, oder zur Großstadt weiter zu wachsen. Im ersten
Los Angeles zurück, die als große Viehbesitzer oder in den Minen der be- Falle würde der Fremdenverkehr zum Erill,zweck werden. Fur die Bewohner,
nachbarten Staaten des Südwestens reich geworden waren und die vor der die ja nicht Rentner im europäischen Sinne sind, kann er aber nur Mittel
großstädtischen Entwicklung von Los Angeles nach San Francisco gegangen zum Zweck sein. Nicht eine zünftige Klasse von Grundstücksmaklern - nein,
waren. Aber auch im Touristehverkehr spielte neben dem winterlichen Be- sie alle sind an der Wertsteigerung und dem Verkauf ihres Land- und Grund-
sucher aus dem Osten der Sommer tourist aus dem,ariden Südwesten eine stücksbesitzes, der ohne Wasser wertlos sein würde, mehr interessiert als an
fast ebenso große Rolle. irgend etwas anderem. Nur so ist es zu erklären, daß einem phantastischen
Projekt, das 25 Millionen Dollar kosten sollte, mit einer Stimmenmehrheit
von 10 zu 1 zugestimmt wurde (Lit. 488, I, S. 307). Europäische Geldgeber,
Wasserversorgung und Bau des Aquädukts bei denen sich Los Angeles vergeblich um Anleihen bemühte, schüttelten zu
Für die Bewässerungskulturen, die in der Zeit amerikanischer Kolonisation dem Unternehmen ungläubig den Kopf.
über die Stadtgrenzen des Pueblos immer weiter südwärts sich ausdehnten, Die Wassereinzugsgebiete Südkaliforniens, die für die zusätzliche Versorgung
reichte in den 1870er Jahren das Wasser des Los Angeles-Flusses nicht mehr für Los Angeles in Frage kamen, waren entweder zu unbedeutend oder hätten
aus. Man begann das Grundwasser des Arroyo Seco zu erfassen und für die die Stadt in rechtlichen Konflikt mit den schon vorhandenen Nutzern gebracht,
Trockenmonate aufzuspeichern. Das ermöglichte die Verlängerung der denn zu Beginn des Jahrhunderts hatten die Bewässerungskulturen bereits alle
zanjas und die Bewässerung von Obstgärten bis über Vernon hinaus (Lit. dafür in Frage kommenden Teile 'des Staates diesseits der Sierra Nevad~ er-
488, I, S. 300). Mit dem Boom verschwanden die Obstgärten. Das Wasser griffen. So war man gezwungen, in das 360 km entfernte Owens-Tal zu gehen,
wurde jetzt ganz für städtische Zwecke benötigt und konnte nicht mehr über das die reichlichen Schneeschmelzwässer vom steilen Osthang der Sierra
die Stadtgrenze llinaus geliefert werden. Damit begann die rasch zunehmende Nevada empfängt, die vom Owens-Fluß in den abflußlosen Owens-See ge-
Anlage von Brunnen, die das Grundwasser der Los Angeles-Ebene so sehr führt werden und hier verdunsten. 1905 wurden Land und die entsprechenden
beanspruchten, daß die winterliche Wasserzufuhr hinter der Entnahme zurück- Wasserrechte im Owens-Tal gekauft. Was zunächst nicht gebraucht wurde,
blieb. 1904 war das artesische Gebiet (s. Fig. 15, S. 242) auf2fg der Ausdehnu:rJ.g verpachtete man für Bewässerungskulturen. Bezeichnend für den allgegen-
zusammengeschrumpft, die es 1888 noch gehabt hatte (Lit. 272, S. 35). Ur-· wärtigen Spekulationsgeist ist es, daß kurz vor der Entscheidung hellhörige
sprünglich hatte der Grundwasserspiegel überall hoch genug gestanden, so daß "Landhaie" großen Landbesitz im Owens-Tal aufkauften, wodurch sie die
Bewäss,erung erst nach dem Juni und nur während 2-3 Monaten nötig war. Stadt nötigten, es ihnen zu Wucherpreisen abzunehmen.
Mit der Entnahme von Grundwasser zur Bewässerung während dieser 2-3 per Kanal- und Röhrenbau wurde in 5 Jahren von 1908-1913 durch-
Monate begann bei Erreichen einer bestimmten Bewässerungsintensität der geführt. Er ging durch unerschlossenes Gebiet und erforderte den Bau einer

II8 119
,
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~ ..
Eisenbahn, von Landstraßen und Wegen zum Heranbringen des Materials sowie I dehnten sich auf Kosten der Naturweiden aus. Die B'ljln ermöglichte den Ab-
zur Lebensmittelversorgung der Arbeiter und die Anlage von Telegraphen- satz der Produkte. Das war möglich, solange nicht alles Wasser in Los Angeles
und Telephonlinien - das alles auf einer Entfernung, die etwa so lang ist wie gebraucht wurde. 1915 wurde die San Fernando-Ebene, bis dahin vorwiegend
die Strecke von Frankfurt Getreideland, eingemeindet. Die Stadt sicherte sich dadurch alle Wasserrechte.
am Main bis Amsterdam. Nun begann die Stadt ihr überflüssiges Wasser an diesem Ende'<les Aquädukts
Der Aquädukt ist zum Teil zu vermieten, denn dadurch wurde ja eine intensivere Nutzung des Landes
. ein offener Kanal, zum möglich; es konnte aufgeteilt werden, sein Wert stieg und damit auch die
Teil eine Röhrenleitung, städtische Steuereinnahme. Auf diese Weise wird seit 1915 die intensiv be-
die Gebirge durchtunnelt stellte Landschaft des Owens-Tales, die sich wieder zur reinen Weidelandschaft
und als Druckröhre in Tal- zurückentwickelt, in die San Fernando-Ebene übertragen (s. Fig. 10, S. 120).
einschnitten hinunter- und Auch der Luzerne- und Getreideversand des Owens-Tales, der nach 1910
jenseits wieder hochführt. begann, hat in den 1920er Jahren wieder aufhören müssen. Die bewässerte
Der Höhenunterschied, der Fläche im Flußgebiet des Owens-Flusses ging von 1919-1929 von 57610 ha
zwischen dem Reservoir am auf 11922 ha zurück, während sie im Bereich des Los Angeles-Flusses trotz
oberen Ende des Aquädukts rasch zunehmender städtischer Bebauung von 23629 ha auf 33363 ha sich aus-
und dem untersten Reser- dehnte (Lit. 102). Das hieße in Deutschland, man entzieht den Feldern
voir in der San Fernando- und Gärten des unteren Maintales das Wasser, um damit auf den Sand-
Ebene 800 m beträgt, wird böden der Mark Brandenburg dieselbe intensive Kultur künstlich zu schaffen.
nahe dem unteren Ende in Die Bevölkerungszahlen des Inyo County spiegeln den Einfluß des Aquäduktes
3 Steilstrecken zur Kraft- deutlich wider. In der südlichen Hälfte des Countys stieg die Bewohner-
gewinnung genutzt. Damit zahl zwischen 1900 und 1910 von 478 auf2517, ging dann, nachdem der Bau
wird der Aquädukt gleich- vollendet war, bis 1920 auf 1927 Bewohner zurück. In der nördlichen Hälfte
zeitig zur Kraftquelle, was lebten 19003899 Menschen, 191,04457, 19205104. Von da ab macht sich der
bei der fehlenden Kohle I. Rückgang der Bewasserung bemerkbar. 1930 treffen wir hier nur noch 4015
• Nach 1922 der Bewässerung für die Industrieentwick- Bewohner. Derselbe Rückgang ist bei der Bevölkerupg von Bishop City zu
entzogen
~ Noch 19~2 bewässertes
lung von Los Angeles be- beobachten (Lit. 102).
~ Weide- und Anbauland deutsam ist.
Nalurweiden Die großräumige Wasser-
Hafenbau und Panamakanal
übertragung hat die land-
10 '5 ZO Z.S 3,0 Kilometer
,'z 1& i. Meilen schaftliche Entwicklung des Der Bau des Panamakanals, der 1903 von den Vereinigten Staaten über-
Owens-Tales eigenartig be- nommen wurde, löste in Los Angeles den Wunsch aus, einen Hafen zu be-
Fig. 10. Der Rückgang der Bewässerung im Owens-Tal
infolge der Wasserentführung nach Los AngeIes einflußt und in Wechsel- sitzen, um an der erwarteten Entwicklung der Pazifischen Küste teilhaben zu
wirkung dazu die des San können (Lit.488, I, S. 343). Ja man war gezwungen, sich einen Hafen zu
Fernando-Tales am anderen Ende des Aquäduktes. Die plötzliche Land- sichern, denn es war zu befürchten, daß bei Vollendung des Panamakanals
spekulatioJ1 im.Owens-Tal und die Bahnverbindung, welche die entlegene viele Rentnerkapitalisten aus geschäftlichen Gründen dorthin abwanderten,
Landschaft durch den Bau des Aquädukts erhielt, brachten zunächst eine auf- . wo sie an der Handelsentwicklung teilhaben könnten, etwa nach San Diego
fällige Bevölkerungszunahme. Bewässerte Weiden und die Gartenlandschaft oder San Francisco. Ohne den Hafen würde ja die Anziehung, die das

120 121
Spekulationsgeschäft bietet, zurücktreten müssen gegenüber den konkurrieren- (1880: 91 I; 1890 nur noch 687 Einwohner). Noch heute bezeugen die vielen
den Städten, wo sich dann mehr Geschäftsmöglichkeiten bieten würden als in unbebauten Grundstücke und die zerstreut darin liegetden amerikanischen
Los Angeles. Letzten Endes konnte das Landfieber nur aufrechterhalten bleiben, Rahmenhäuser alten Baustils, daß das Wachstum Wilmingtons um 1880 stehen-
wenn die Landwerte durch Handels- und Industrieentwicklung neuen An- blieb. San Pedro dagegen blühte auf und war schon 1890 doppelt so groß
trieb erhielten, und dieses war ohne Hafen nicht möglich. Die Erdölfunde der wie die Konkurrenzsiedlung (1890: 1240; 1900: 1787; 1905: 5600 Einwohner;
I 890er Jahre und die Aussicht auf die Kraftquelle des Aquädukts bewiesen, Lit. 659, XXV). Die Verlegung der Landungsstelle wurde dadurch noch
daß eine industrielle Entwicklung auch ohne nahe Kohlenvorkommen gewähr- begünstigt, daß die Bundesregierung seit i87I Schutzbauten vor San Pedro
leistet war. Die vorhandene Wasserversorgung zusammen mit dem Wasser aus anlegte, da es an Zufluchtshäfen nördlich von San Diego mangelte. Eine vor
dem Owens-Tal würde für eine Bevölkerung von 2 Millionen ausreichen. Das dem Hafen gelegene Insel anstehenden Gesteins, Deadmans Island, wurde
wäre eineVerbraucherzahl, die schon allein einer örtlichen Industrie Lebens- durch den Bau einer Mole mit der Dünenbarre Rattlesnake Island, die die
möglichkeit geben könnte. Wilmington Lagune vom Meere abschnürte, verbunden. Vorher war zwischen
Um einen Hafen bauen zu können, mußte Los Angeles die Städte Wilming- den beiden Inseln nur eine 21/2 km lange Strecke Niedrigwasser, die San Pedro
ton und San Pedro, wo Anfänge zu einem Hafenausbau gemacht worden den Verheerungen der Südoststürme aussetzte. Die Mole schützte gleichzeitig
waren, eingemeinden. Der Ausbau der ungeschützten Landeplätze von Re- die Hafeneinfahrt vor Versandung, indem der Ebbstrom in engere Bahn ge:-
dondo Beach und Santa Monica, der von den dort endigenden Eisenbahn- zwungen wurde und die vorhandene Sand barre mitnahm. Durch Baggern
gesellschaften eifrig verfochten wurde, kam bei der Überlegenheit der Wilming- wurde nachgeholfen. So wurde die Hafeneinfahrt, .die ursprünglich bei mitt-
ton-Lagune längst nicht mehr in Frage. Auch der Hafenbau in den Marschen lerem Hochwasser weniger als 60 cm tief war, auf über 4 m vertieft.
an der Mündung des Ballona Creek, wofür zur Boom-Zeit der 80er Jahre 1874 ging die Eisenbahn, die Los Angeles mit Wilmington verbindet, in die
bereits $ 300000 ausgegeben worden waren, war frühzeitig eingeschlafen. So Hände der Southern Pacific R.ailroad über. Trotz der gegen den Privaterwerb
knüpfte man wieder an San Pedro an. von Marsch- und Wattland von der Bundesregierung erlassenen Bestim-
Die Konkurrenzgründung Wilmington hatte den Landverkehr bei San mungen und der gesetzlichen Ansprüche, welche die Stadt Wilmington erhob,
Pedro 1858 zum Erliegen gebracht. Der Wagentransport der U. S.-Ameri- verstand es die einflußreiche Eisenbahngesellschaft, ihre im stillen erworbenen
kaner, der den Ochsenkarren der Mexikaner ersetzte, ließ das von Los Angeles Hafenfronten zu behaupten. Die Arbeiten am Strand von San Pedro riefen
viel leichter zu erreichende Wilmington als Landeplatz hochkommen, während 1877 die Siedlung Linville, ungefähr 21/2 km nördlich des alten Landeplatzes
San Pedro aufgegeben wurde. Wilmington erhielt 1869 Eisenbahnverbindung ins Leben, in der 1879 bereits 3 Läden bestanden bei einer Bevölkerung von
mit Los Angeles und blühte dadurch noch mehr auf. In U.S.-amerikanischer 7 Familien. Linville in der Mitte und am neueninneren Hafen von San Pedro,
Zeit spielt von Anfang an der Import von Bauholz eine große Rolle. Wilming- , Alt-San Pedro im Süden am alten äußeren Landeplatz und eine kleine
ton wurde zum Umschlagsplatz für ein großes Hinterland im Südwesten der Siedlung, Fayal, im Norden bildeten die Siedlungskerne von San Pedro
Vereinigten Staaten, das der Wagentransport von Los Angeles besser erreichen (Lit. 488, I, S. 337).
konnte als vom Hafen San Diego aus. Mit dem Größerwerden der Schiffe Holzeinfuhr und Weizenexport nach Europa, der mit der Ackerbauent-
erwies sich aber San Pedro, am tieferen Wasser gelegen, wieder als günstiger. wicklung des Hinterlandes, vor allem mit dem Weizenanbau in der San
Nachdem einmal der Schienenstrang bis San Pedro gelegt war, boten jetzt Fernando-Ebene rasch zunahm, bestimmten den wachsenden Verkehr des
für den Landtransport die Zertalung der San Pedro-Terrasse und die größere neuen Hafens von San Pedro. Es blieb aber immer noch eine Ausnahme,
Entfernung kein Hindernis mehr, wie das mit dem Aufkommen des Wagen- daß mehr als 10 Schiffe auf einmal in diesem Hafen ankerten, der kein Dock,
verkehrs der Fall~gewesen war. 1881 wurde die Eisenbahn von Wilmington sondern nur eine Anlegefront längs San Pedro besaß.
nach San Pedro verlängert, wo sie die ganze Hafenfront erwerben konnte, Einen Gegensatz zu dem raschen Fortschritt, den die Stadt Los Angeles
weil niemand da war, der sich wehrte (Lit. 659, VII). Wilmington ging zurück dank der einh~itlichen Willensbildung ihrer Bürger nahm, bildete der

122 12 3
Jahre lang
Stillsta nd der Hafene ntwick lung bis zur Jahrhu ndertw ende. 25
jeden auf-
verteid igte sich ein mächti ges Einzelinteresse energis ch gegen
klung. Um das
komme nden Wettbe werb und hemmt e die Gesam tentwic
zu brechen ,
Hafenm onopol der Southe rn Pacific -Eisenb ahn in San Pedro
det. Die Los Angeles
wurde 18 75 Santa Monica als Konku rrenzha fen gegrün
dem neuen
and Indepe ndence Railroa d, die gleichzeitig gebaut wurde, sollte
erkehr sichern . Schon . im
Landun gsplatz den transko ntinent alen Frachtv
San Pedro-
folgenden Jahre hatte aber die Southe rn Pacific ihre Zweigb ahn
ihre Trans-
Los Angeles an ihr bestehendes kalifornisches Bahnne tz und
en in Los
kontine ntallini e angeschlossen, so daß kein Umlad en der Fracht
Bau von
Angeles nötig wurde. Dagege n konnte die Konku rrenzba hn, deren
Sie wurde
Santa Monica nur bis Los Angeles fortges chritten war, nicht an.
Anlegemole
notged rungen 1878 an die Southe rn Pacific verkau ft, welche die
von Santa Monica wieder verfalle n ließ.
1888 in
Ein neuer Anlege platz von Bedeut ung für den Holzem pfang erstand
großen Hotel
Redon do Beach, das 1887 als typische Boom- Stadt mit einem
hn mit Los
gegrün det und im darauff olgend en Jahr durch eine Schma lspurba
Beach ermögl ichte
Angeles verbun den wurde. Eine Salzlag une bei Redon do
nicht nach
seit den 1830er Jahren die Herstel lung von Salz, das, soweit es
von hier verschifft
San Gabrie l und Los Angeles geliefert ward, unmitt elbar
Infolge des
wurde. An diesen alten Anlege platz konnte angekn üpft werden .
erforde rte er keine·
nahe an die Küste heranre ichend en unterse eischen Tales
lange Mole.
-Eisen-
Weit schlimm er war indes die Konku rrenz, die der Southe rn Pacific
aus dem
bahn 18g1 in San Pedro selbst erstand . Eine Grupp e von Kapita listen
enbahn , um
Osten spekuli erte mit der Idee einer neuen Transk ontinen tal-Eis
fen oder
an, deren pazifischem Ende Zugang zu einem Tiefwasserhafen verkau
Los Angeles
verpac hten zu können . Sie kauften die zwischen Pasade na und
h die
und Glenda le und Los Angeles bestehe nden Bahnen , erwarb en heimlic
damit eine
Düneni nsel Rattles nake Island gegenü ber von San Pedro und
die sie
mehrer e Kilome ter lange Hafenf ront an der Westseite der Insel,
Angeles und
durch den Bau der Termin al Railroa d über Long Beach mit Los
Monop ol der
Pasade na verban den (Lit.66 5, S.65/6 6, u.488, I, 338). Das
sie San
Southe rn Pacific in San Pedro schien gebroc hen zu sein. Nun verließ
, etwa 4 km nord-
Pedro und baute am Ausgan g des Santa Monica Calions SANDBANK}
11/2 km
westlic h der alten Mole von Santa Monica , eine neue große Mole, OÜN[N,ANO 859
1
I I HAFEN 1931
ahn von MARSCH
lang, die sie Port Los Angeles nannte und auf die sie die Eisenb KlifF
c' ;'

12 4 Fig.1 Der Hafen von Los Angeles 1859 und 1931 (ohne den Hafen von
Long Beach)

u
Santa Monica aus hinaus verlängerte. Während 20 Jahre lang die Southern Wilmington umgangen würde (Lit.659, XXVII). So stimmten 1909 beide
Pacific aus den Arbeiten, welche die Bundesregierung in San Pedro unter- Hafenstädte für Eingemeindung. Schön im folgenden Jahr 1910 beschloß
nahm, Gewinnfür ihr Hafenmonopol zog, suchte sie jetzt die Regierungzum Los Angeles, 3 Millionen Dollar für Hafenverbesserungen auszugeben, auf die
Ausbau des Hafens bei Santa Monica zu veranlassen. Zu diesem Zweck gab immer 'höhere Bewilligungen folgten. 1906 liefen 1417 Schiffe den Hafen
sie auf einmal vor, der Untergrund der Bucht von San Pedro sei felsig, gestatte . an, 191 I bereits doppelt so viele. Von 1902-1913 verdreifachte sich der
deshalb weder sicheres Ankern noch die Gründung von Molenpfeilern. Die jährliche Holzempfang.
Bürger von Los Angeles setzten sich durch ihre Handelskammer gegen die Am Hafeneingang wurde ein städtisches Dock gebaut, während das Kliff
SouthernPacific und für einen monopolfreien Hafen bei San Pedro ein. Nach von San Pedro den Bau von Docks entlang der Westseite des Hafenkanals
langen Kämpfen, die der Einfluß der mächtigen Eisenbahngesellschaft in hindert (s. Fig. II, S. 125). Dazu kommt, daß die ganze Front von San Pedro
,Washington geschickt hinauszuziehen verstand, entschied sich endlich die der Southern· Pacific-Eisenbann gehört, die bei dem Fehlen stimulierend
Regierung für San Pedro. 1899 begann sie den Bau einer neuen Hafenmauer. wirkenden Wettbewerbs nur ein Dock baute. So kamen die Hafenver-
die die Hafeneinfahrt gegen Süden schützen sollte. 1910 war sie vollendet. besserungen in erster Linie Wilmington und East San Pedro zustatten. Der
Wiederum verfiel die Mole bei Santa Monica. Die Terminal RaiIroad von innere Hafen wurde verbreitert und vertieft, vor Wilmington wurde das
San Pedro nach Pasadena wurde zur San Pedro, Los Angeles & Salt Lake Wendebecken ausgebaggert, von dem aus West- und Ostbecken abzweigen
Railroad. 1905 erhielt sie Anschluß an die Union Pacific Railroad durch den (s. Fig. I I, S. 125)' Zwischen beiden entstanden zwei große Docks. Terminal
Cajon-Paß, wodurch die neue Transkontinentalverbindung über Salt Lake Island, das frühere Rattlesnake Island, wurde auf der Seeseite künstlich ver-
City hergestellt war. Wie bei der Stadtentwicklung von Los Arigeles ist auch breitert. Hier entstand der Fischereihafen (s. Fig. I I, S. 125)'
bei der Hafenentwicklung nicht die transkontinentale "Eisenbahnverbindung In der Zeit des Hafenbaus erlebte San Pedro seinen' Boom. Es erhielt
an sich, sondern erst die Konkurrenzeisenbahn das wirklich entwicklungs- einen starken Zuwachs von Bewohnern, die mit den Hafenarbeiten zu tun
fördernde Moment. Gesteigert wurde diese Entwicklung durch die Aktion von haben. Für den vermehrten Verbraucherkreisentstanden zahlreiche neue
Los Angeles, die der Bau des Panamakanals auslöste. Geschäfte. Die Wohnviertel von San Pedro dehnten sich gegen Point Fermin
Um den Hafen ausbauen zu können und Kontrolle über die Hafengebühren nach Süden und über die Pacific Avenue am Hange hinauf nach Westen aus.
zu erhalten, mußte Los Angeles die beiden Hafenstädte WiImington und San 19.1 I verlieh der Staat der Stadt Los Angeles alles Wattland, das sich inner-
Pedro eingemeinden. Nur an die Stadt angrenzende Gebiete können ein- halb der eingemeindeten Zone befand, mit der Bestimmung, es zum Nutzen
gemeindet werden. So mußte Los Angeles 1906.erst einen schmalen, 30 km von Handel, Schiffahrt und Fischerei zu verwenden. Zwischendurch vermag
langen Streifen eingemeinden, den sogenannten Schnürriemen, der an die die Stadt Teile dieses Landes auf 30 Jahre zu vergeben (Lit.659, XXXVII.).
Hafenstädte heranreicht (s. Fig.2, S. 7). Um auch diese eingemeinden zu Auch dadurch wird Wilmington, das mehr verfügbares Industrieland als San
können, bedurfte es der Abänderung der Eingemeindungsgesetze, die man . Pedro hat, begünstigt. So wächst San Pedro mi t dem Hafenbau, WiImington
eigens zu diesem Zwecke durchsetzte. Obendrein galt es, den Widerstand, nach dem Hafenbau und in dem Maße, in dem sich hier Industrien ansiedeln.
der in den Hafenstädten selbst bestand, zu überwinden. Los Angeles ver- Bei Eröffnung des Panamakanals 1914 und erst recht bei Beendigung des
kündete, die "Saloon"-Plage'), unter der SanPedro litt, abstellen zu wollen, Krieges war Los Angeles imstande, Handel und Industrie in seinen künstlich
während man im geheimen den "Saloon"-Leuten und den Interessen der geschaffenen Hafen zu ziehen und mit den anderen Häfen der Pazifischen
Eisenbahn Schonung zusicherte. So war San Pedro gewonnen. Wilmington Küste in Wettbewerb zu treten. Dem Frachtverkehr im Südwesten der Ver-
drohte man mit dem Bau eines Schiffskanals entlang dem "Schnürriemen",. einigten Staaten gab der Hafen von Los Angeles mit einem Male eine neue Rich-
der die Schiffe ~näher an Los, Angeles heranbringen würde, wodurch tung. Die eigenartige Nachkriegsentwicklung von Los Angeles ließ den Hafen
') "Saloons" waren Schankstätten, in denen in erster Linie' Schnaps und andere starke' unerwartet zu erstem Rang aufschnellen und im Verkehr zwischen der Ost- und
alkoholische Getränke verabreicht wurden. Westküste der Union sämtliche Häfen einschließlich New York überflügeln.

127

LJ
noch in Arizona bleiben. Sie setzte sich in Los Angeles in größerem Maße
Filmind us trie
in dem Augenblick fest, in dem hier die Wasserversor~ung für die kommende
Bei Kriegsbeginn war Los Angeles vorbereitet, eine große Bevölkerung Entwicklung durch den Bau des Aquädukts sichergestellt war (Lit.677).
aufzunehmen. Der Hafen machte Handels- und Industrieentwicklung mög- Obendrein wirkte sich hier die Gunst der Lage aus. Der Wechsel des Land-
lich. Der Aquädukt stellte dieWasserversorgung von 1-2 Millionen Menschen schaftsbildes, der im Umkreis von 120 km vorhanden ist, kommt der Film-
sicher. Noch war Los Angeles Winterkurort und Wohnstadt des wohlhabenden aufnahme zustatten.
Amerikaners, und es fehlte eine neuartige Reklame, welche die Massen des Von' vornherein wurde die Lage am landschaftlich abwechslungsreichen
Ostens, auf die man sich vorbereitet hatte, anzog. Diese Aufgabe erfüllte die Stadtrande bevorzugt. So legte Selig das erste dauernde Atelier 1909 in
Filmindustrie. " Edendale in einem Einschnitt in den Elysischen Höhen an. In unmittelbarer
Nachdem 1893 das erste Filmatelier von Edison in Orange, New Jersey, Nähe sind das Flußbett des Los Angeles-Flusses, der eukalyptusbestandene
eingerichtet worden war, entwickelte sich die Filmindustrie zunächst im Osten. Elysische Park, die kahlen Elysischen Höhen und die Chaparral-Hänge und
Sie war in ihren Anfängen an die Fabrikationszentren gebunden, damit Caiions d~s Griffith-Park erreichbar. Die nächsten drei Filmateliers, die dem
Kamera und Projektionsapparate fortlaufend verbessert werden konnten. ersten bis 1911 nach Los Angeles folgten, blieben alle in der Nähe guter lokaler
Dazu mußte man die Filmideen und technischen Verbesserungen in Europa Transportmöglichkeiten und gleichzeitig in der Nähe freien Geländes auf der
verfolgen können. Außerdem spielte der unmittelbare Kontakt mit einer Ostseite des Los Angeles-Flußbettes. Die zahlreichen Ateliers, die 1911 und
dichten Provinzbevölkerung eine Rolle, deren Reaktion auf neue Filme man seitdem hinzugekommen sind, blieben zum Teil in der Nähe der vorhandenen
aus der Nähe beobachten muß, um sogleich daraus zu lernen. Produktionsplätze, zum Teil suchten sie neues Gelände auf. Mit dem Abflauen
Am Ende des ersten Jahrzehntes des neuen Jahrhunderts gelangten die der Nachfrage nach Wildwestfilmen verlor die Lage in den vegetationsarmen
Wildwestfilme nach Europa, wo sie solche Popularität erlangten, daß 1912 Teilen der Cahuenga-Ketten beiderseits des Los Angeles-Flusses an Be-
amerikanische Ateliers solche Filme wöchentlich in Kilometerlängen herüber- • deutung; Auf der Hollywood-Platte konnte billigeres Land erworben werden,
schickten. Unter diesen Umständen genügte es nicht mehr, vorübergehende. dessen Wasserversorgung seit der 1910 erfolgten Eingemeindung der Agrumen-
Aufnahmeexpeditionen nach dem Westen zu entsenden. Es mußten die Ateliers pflanzungs-Siedlung Hollywood gesichert war. Die Lasky-Gesellschaft
selbst dorthin verlegt werden. Dazu war man jetzt in der Lage, künstliche (Paramount) mietete zunächst einen Teil einer Apfelsinenpflanzungmit einer
Kulissendörfer zu errichten, welche die Industrie unabhängig machten von Scheune an der Ecke Vine und Selma Streetund vergrößerte sich nach und
den natürlichen Kulissen, die bisher die Städte des Ostens boten. Daneben nach. Auch die anderen Ateliers blieben von vornherein südlicl~ des Wohn-
verlor der Kontakt mit der europäischen Produktion an Bedeutung. Schließ- viertels von Hollywood,' mit dessen Südausdehnung sie ebenfalls südwärts
lich war der Regisseur nicht mehr wie anfangs auf den Bühnenschauspieler wanderten über die Hauptostwest-Verbindungen Sunset Boulevard, Santa
angewiesen. Der Filmschauspieler brauchte nicht mehr nebenbei in den, Monica Boulevard und Melrose Avenue und an ihnen entlang westwärts
großen Städten des Ostens' aufzutreten, so daß mit der Selbständigkeit dieses gegen das noch offene Gelände hin, das in der Nachkriegs-Boom-Periode
Berufes der dauernde Aufenthalt im Westen möglich wurde. Erst nachdem rasch dräniert und' in vornehme Wohnviertel verwandelt wurde. Das
so die mannigfachen Faktoren der Abhängigkeit vom Osten überwunden Anwachsen des Bodenwertes und die einsetzende städtische Planung, die
waren, konnte der Filmunternehmer die klimatischen Vorteile des Westens- der Filmindustrie den Raum, in dem sie sich ansiedeln darf, vorschreibt,
Helligkeit, weite Sicht und Regensicherheit während des größten Teiles des bewirken, daß keine Ateliers mehr in Hollywood entstehen, und die modernen
Jahres - voll wahrnehmen und die Produktion ganz dorthin verlegen. Aus Kulissenstägte, die große Bodenflächen benötigen, randlichere Teile der
Gründen der Notwendigkeit der Großstadtnähe, wo Gewähr für rasche Be- Stadtlandschaft aufsuchen.
friedigung der vielfältigen Bedürfnisse der Industrie gewährleistet ist und wo Die Bedeutung der Filmindustrie für die gesamtstädtische Entwicklung liegt
rasch Statistenheere zu haben sind, konnte die Industrie weder in Colorado in der Massenreklame, die jeder Film, der aus Hollywood kommt, für Los

9 Wagner, Los Angeles


129
! I
I
Angeles macht. Der amerikanisehe Film, der im Krieg, während dessen die
Einflüsse europäischer Filme ~usgeschaltet waren, hochkam, gewann nach dem DRITTER BOOM UND MILLIONENSTJ\DTENTWICKLUNG
Krieg eine so wichtige Stellung im amerikanischen Leben, daß derJug~nd,
in erster Linie den jungen Mä4chen des unteren Mittelstandes, der Beruf des Nachkriegs-Laridfieber und Automobil
Filmschauspielers als das höchste zu erstrebende Ziel erscheint. Zweifellos
liegt darin eine nicht zu unterschätzende psychologische Voraussetzung für Der Bevölkerungszustrom, der seit Beginn des zweiten Booms, d. h. seit
die Massenzuwanderung aus den Kleinstädten des Mittleren Westens, die ein- 1902, vom Osten kam, dauerte ziemlich gleichmäßig bis 1914 an, mit einer
setzte, als die wirtschaftlichen Voraussetzungen für die Abwandetung aus dem vorübergehenden Unterbrechung anschließend an das Erdbeben von Sari
Heimatort gegeben Waren. Die 'Filmreklame steht somit in scharfem Gegen ..", Francisco 1906 und während der allgemeinen Wirtschaftsdepression 1907. Der
satz zu der Handelskammer- und Eisenbahnreklame, die den sich vom Ge- Zustrom setzte sich zum großen Teil aus älteren Leuten zusammen oder, so-
schäftsleben zurückziehenden Kapitalisten in erster Linie anziehen neben dem weit es mittlere Altersklassen waren, doch aus Menschen, die im Osten ge-
Touristen. Los Angeles war infolgedessen um die Jahrhundertwende keines- nügend Vermögen erworben hatten, um ihr Geschäft zu verpachten oder ganz
wegs eine "westliche" Stadt. Es war nach dem Charakter seiner Bewohner aufzugeben, um im Westen leben zu können. DIeser Strom versiegte mit dem
eine europäisch anmutende Wohnstadt wohlhabender, vornehmer, zum Teil Kriegsbeginn 1914. Die infolge des Krieges stärker beschäftigte Industrie des
intellektueller, vielfach untätiger leidender älterer Menschen aus dem Osten~ Ostens, die entstehenden neuartigen Industrien und die mit Kriegslieferungen
die' über die Kunst zu leben verfügten, - eine Stadt vornehmer Villen ohne verbundenen Gewinnmöglichkeiten verringerten den Prozentsatz der Men-
Übertreibung, konservativ trotz allen Fortschritts. Teile von Pasadena gewähren schen, die sich normalerweise vom Geschäftsleben zurückgezogen hätten, 'er-
noch heute diesen Eindruck. Gewiß, auch in Los Angeles gibt es noch diese heblich. Auch der Farmer blieb auf seiner Farm, die er intensiver als zuvor
Menschenklasse, aber die Werbekraft Hollywoods hat es ermöglicht, daß die bewirtschaftete. Außerdem kehrten viele, die sich schon zurückgezogen hatten,
Bewohnermasse, die zum großen Teil aus dem kulturärmeren Mittleren Westen' wieder in den Beruf zurück, um am Kiiegsgewinn teilzunehmen. Die Ge-
der Filmresidenz zuströmte, den Charakter der Stadt seit dem Kriege mehr. schäftshausse, die das ganze Land während des Krieges erlebte, wirkte sich
und mehr bestimmt. Ohne den Film wäre Los Angeles die Hochburg des in Los Angeles, das außer mit ein paar Schiffsbauten seiner Werften nicht
kulturell höher stehenden "Easterners" geblieben, den der "Middlewesterner" daran teilnehmen konnte, katastrophal aus. Das Ausbleiben der "normalen"
aus erklärlichen Gefühlen sonst meidet, wie die Touristenstädte Floridas zeigen. Bevölkerungsvermehrung traf den Nerv der Stadt, das Baugewerbe, auf das
So ändert sich die Zusammensetzung des weniger mitarbeitenden. Be- empfindlichste. Die Zahl der Baugenehmigungen, -die in den beiden letzten
völkerungselementes, das den äußeren Charakter der Stadt bestimmen mag. Vorkriegsjahren jährlich 16'500 betragen hatte, sank 1914 auf weniger als
Die treibende Kraft dagegen, die zuerst ihren gemeinsamen Ausdruck in der 10000 herab, 1918 ,waren es nur noch 6400. Die zahlreichen entlassenen
Handelskammer der 1890er Jahre gefunden hat, bleibt durch allejahrzehnte Bauhandwerker und Mechaniker wanderten nach den Industriezentren des
hindurch bis heute dieselbe. Es ist das lebendige Unternehmertum der aus- Ostens ab, wo sie für hohe Löhne Anstellung fanden. Ebenso wie die Bautä.tig-
schlaggebenden Bewohner, das den Geist von Los Angeles bestimmt, einerlei~ keit litt das Grundstücks- und Maklergeschäft. Häuser und Büros standen leer,
ob die Stadt vorwiegend wirtschaftliches Zentrum einer Pflanzungslandschaft~ und die Mieten sanken. Dafür erlebte Los Angeles nach Kriegsende nicht die
Gartenwohnstadt, Hafen- lind Handelsstadt oder Industriestadt ist, - einerlei Deflation der Jahre 1920-1922.Jetzt kehrte sich das wirtschaftliche Verhä.lt-
auch, ob die Bewohner aus Neuengland~ New York, dem Mittleren Westen nis zwischen Los Angeles und dem Rest des Landes um. Jetzt zogen sich mit
oder anderen Teilen des Landes kommen.· Wer von ihnen Betätigilngsdrang . einem Male die Kriegsgewinnler und alle die vom Berufe zurück, die das
besitzt und 'wirtSChaftliche Möglichkeiten sieht, arbeitet bald mit. normalerweise während der Kriegsjahre getan hätten, Fabrikanten, Kauf~
leute und Angehörige der freien Berufe aus allen Teilen des Landes. Davon:
gingen nicht alle nach Los Angeles, denn auch Florida, die Südstaaten an

9"
der atlantischen Küste" die Bundeshauptstadt Washington und New York Palisades und Palos Verdes Estates sind Beispiele dafür. Die Bevölkerungsver ..
nahmen Rentner auf. Die meisten blieben in ihrer Heimatstadt, und manche mehrung ist derartig, daß es heute in Los Angeles etwa ebensowenig Menschen
zogen sich in die Hauptstadt ihres Staates oder eine Nachbarstadt zurück. gibt, die das Aussehen der Landschaft um 1920 beschreiben können, wie in
Trotzdem folgte ein erheblicher Prozentsatz der Reklame von Los Angeles. einer deutschen Großstadt solche, die sich an das Leben in ihrer Stadt, wie
Dazu kam eine große Menge Farmer des Mittleren Westens, die bei den hohen es, um die Jahrhundertwende war, noch erinnern. Dementsprechend ist die
Preisen, die für Farmland nach dem Kriege gezahlt wurden, ihre Farm mit Landschaft von 1920 durchaus eine historische Landschaft, eine Vorstellung,
Gewinn verkauften oder ihren Söhnen zur Bewirtschaftung überließen. Der die dem Europäer fremd sein muß. Es bereitet heute Schwierigkeiten, jene
Krieg hatte somit wirtschaftliche Voraussetzungen geschaffen, die 1919/20 Landschaft zu rekonstruieren, wenn nicht ein paar Flugbilder von damals
schlagartig eine neue Bevölkerungsmenge von in Europa unvorstellbarem und die Feldkarten des Irrigation Census von 1910/12 vorlägen.
Ausmaße nach Los Angeles brachten, welche den Vorkriegszuzug um das Viel- Heute wird eine Landschaft von der Ausdehnung Rheinhessens städtisch
fache übertraf. Die 1922/23 einsetzende "prosperity" des Landes bewirkte, genutzt. Daraus mag man das Landfieber ermessen, das die Nachkriegsjahre
daß der Zustrom nicht ein einmaliges Ereignis blieb, sondern jahrelang an- über Los Angeles brachten. Die Stadt rückte von der zehnten Stelle, die sie
hielt. Der Aquädukt war gerade rechtzeitig vor dem Kriege fertiggestellt 1920 mit 580000 Einwohnern einnahm, zur fünften Stelle der Union auf mit
worden, um die Wasserversorgung, ohne welche die Aufnahme solcher 1,23 Millionen 1930. Der Zuzug kam in höherem Maße den Randstädten
Menschenmassen nicht möglich wäre, zu gewährleisten. Der ebenso recht- zugute. So hatte Los Angeles County 1920 940000 Einwohner, 1930 2,2 Mil-
zeitig ausgebaute Hafen ermöglicht den Großempfang von Holz, der für die lionen. Das bedeutet einen durchschnittlichen Zuzug von 125000 Menschen
plötzlich einsetzende Bautätigkeit erforderlich wurde. Zusammen mit dem in jedem Jahr. Das rascheste Wachstum zeigen, wie gesagt, die Randstädte.
vollendeten Panamakanal schafft er auch die Vonrussetzung vorteilhafter So schwoll von 1920'-1930 die Bevölkerung von Alhambra von 9000 auf 30000
direkter Einfuhr von Rohstoffen, die für eine den Bevölkerungsmengen an, die von Glendale von 14000 auf 63000, Huntington Park von 4500 auf
folgende absatzorientierte Industrie von Bedeutung ist. 25000, Inglewood von 3300 auf 20000. Beverly Hills macht den Rekord
Die Bevölkerungsaufnahmefähigkeit von Los Angeles bedingte, daß das neu, mit dem Anwachsen seiner Einwohnerzahl auf das Fünfundzwanzigfache
und weit stärker als zuvor auflebende Aufteilungsgeschäft das gesamte Leben innerhalb 10 Jahren, von 700 auf 17500! In Gesamt-Südkalifornien be-
auf viele Jahre hinaus beherrschte und ihm, anders als während des ersten trug der jährliche Durchschnitt der Zunahme 163000. Im großen Rest des
Booms von 1885/88, in der Tat eine entsprechende Bautätigkeit folgte. In- Staates nur 60000.
folgedessen erfuhr die Landschaft zwischen 1920 und 1930 eine gründlichere Die anziehenden Kräfte sind in erster Linie die langerprobten Methoden
Wandlung als jemals vorher in so kurzer Zeit. Während die städtische Auf- der Handelskammer-Reklame, die i~mer von neuem, mit den Schlagworten
teilung und Bebauung sich bis zum Kriege linienhaft an das Schnellbahnnetz vom" Orange Empire" und der Mannigfaltigkeit der südkalifornischen Szenerie
hielt, macht das Automobil, das seitdem Kriege als örtliches Transportmittel arbeitet, vom Badestrand bis zum nahen Wintersport alle Vorzüge der Land-
vorherrscht, die Bebauung von der Nähe der Bahnverbindung unabhängig. Da- schaft und die das ganze Jahr über mögliche Abwechselung auf das geschick-
mit wird die flächenhafte Entwicklung zur Großstadtlandschaft möglich. So- teste darstellend. Das Klima wird dabei so verlockend geschildert, daß dem
weit es Entwässerung und Relief zulassen, aber auch vielfach, ohne auf sie Amerikaner des Ostens, der alljährlich unter den Extremen winterlicher und
Rücksicht zu nehmen,. werden die bisher landwirtschaftlich genutzten Räume sommerlicher Temperaturen leiden muß, Los Angeles als ein Paradies auf
zwische~ den fingerförmigen Vorsprüngen'der Stadt und die Flächen zwischen Erden erscheint. Während die ersten Touristen der 80er Jahre und auch noch
Los Angeles und den Randstädten ausgefüllt. Das Automobil begünstigt erst die Amerikaner, die während des zweiten Booms vor dem Kriege nach
recht die weistäildige Bebauung und die rasche Aufteilung außerhalb der Los Angeles kamen, nichts von der spanischen Vergangenheit der Landschaft
bisherigen Randstadtperipherie liegender Gebiete. Girard am Südwestrand wissen wollten, versteht man es jetzt, auch aus ihr Kapital zu schlagen. Schon
der San Fernando-Ebene, die Städte des La Canada-Korridors, Pacific vor dem Krieg begann man, größere Gebäude im schlecht imitierten "Mission

133
Style" zu ~auen. Jetzt auf einmal kann gar nicht genug Reklame für die Hafen und ein vermehrter Bevölkerungszustromexistieren. Ebenso neu ist
Romantik der "spanish days ofCalifornia" gemacht werden. Es wird Mode die Reklame, die der "All Year Club" seit 1920 macht. Während früher Süd-
die Missionen Kaliforniens zu besichtigen. Der Amerikaner des Ostens braucht kalifornien dem Touristen als Winteraufenthalt gepriesen wurde, hat man
nicht nach Italien zu gehen. Er hat die Ruinen alter südländischer Kir<;hen jetzt herausgefunden, daß man auch für den südkalifornischen Sommer und
im eigenen Lande, obwohl es eigentlich nur provisorische Bauten sind, zum seine. Vorzüge Reklame machen kann. Seitdem kennt Los Angeles keine
Teil aus Adobe errichtet, kaum 150 Jahre alt. Es wurde entdeckt, daß Los . "season" mehr. Der "all year tourist" tritt von nun ab in Erscheinung neben
Angeles, das dem Neuengländer als Stadt ohne Vergangenheit langweilig dem "winter tourist". Daneben vermehren die erheblich ermäßigten sommer-
ersc~en, fast so alt ist wie die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten. M~n lichen Hin- und Rückfahrkarten der transkontinentalen Eisenbahnen die Zahl
kann sich nun mit Boston messen. Reklame machen heißt jetzt, die Geschichte der Sommerbesucher.
Südkaliforniens verbreiten. Auf der Bank, im Automobilklub, aus anderem Neben den vielen Zuwanderern aller Schichten, die kommen, um den Rest
Grunde auch bei den Titelversicherungsgesellschaften, trifft man eigene ihrer Tage in schöner Gegend golfspielend zu verbringen, kommt eine große Zahl
historische Mitarbeiter, Abteilungen mit vollständigen Bibliotheken und er- rein aus Gesundheitsrücksichten, besonders wenn der Arzt es ihnen empfohlen
hält in vielem bessere historische Auskünfte als auf dem Stadtarchiv, was den hat. Sehr oft zieht gleich die ganze FaInilie nach Los Angeles, wenn auch nur
Außenstehenden seltsam anmutet. In dem Augenblick, in dem ein Architekt einem der Aufenthalt im Inilden Klima verordnet ist. In. einem der folgenden
für. seine wohlhabenden Auftraggeber Villen im spanischen und spanisch- Jahre kommen dann vielfach Freunde oder Verwandte aus der Heimatstadt
kolonialen Wohnhausstil baute, erfaßte die Masse der Bauunternehmer den zu Besuch, und es ist fast die Regel, daß nach der Rückkehr der eine oder der
Gedanken und baute quadratmeilenweise spanisch. Nun wurde erst recht im . andere aus solcher Gruppe sich entschließt, auch nach Los Angeles überzu-
Middlewesterner der Wunsch lebendig, auch in s.o einem südlich anmuten- siedeln, und da man die Familie nicht spalten will, kommen Eltern und Ge-
den Hause zu wohnen wie sein Vetter oder Freund, der ihm.ein Bild seines schwister mit oder folgen bald. Die Möglichkeit, im eigenen Auto den Kontinent
neue~ "spanish bungalow" gesandt hatte. Die Reklame für Landschaft, Klima zu queren, erleichtert das Übersiedeln. So zieht einer den anderen nach, und
und spanische Romantik wirkt auf den U.S.-Amerikaner so, daß wohl in. jeder bringt etwas Geld Init, - die einen, die Init der Absicht kommen, sich
den meisten Bewohnern des Ostens die Sehnsucht mehr oder weniger lebendig vom Geschäft zurückzuziehen, viel, die anderen, die sich nicht zur Ruhe setzen
ist, früher oder später nach Südkalifornien zu geh~n, um das Land wenigstens wollell, weniger. Sie kommen alle mit dem Wunsch, ein eigenes Heim und
einmal zu sehen. Der Verfasser hat das von vielen Seiten erfahren,als er 1924 Garten unter kalifornischen Palmen und immerblauem Himmel zu besitzen,
im Osten der Vereinigten Staaten lebte und die Absicht äußerte., nach Kali- und fallen prompt, nachdem sie sich kaum im Hotel eingetragen haben, in
fornien überzusiedeln. Daneben wirkt weniger auf den "homeseeker" als auf die Hände des Maklers. Jeder kauft sich als erstes ein Grundstück, baut sich
die junge Generation Amerikas die Macht der Filmreklame Hollywoods ein Haus, 'meist ein einstöckiges Bungalow darauf - die zweistöckigen Mehr..
(s. S. 130). Der Strom "zukünftiger Filmstars" bildet schließlich ein Heer faInilienhäuser nehmen erst nach und nach zu - und beschäftigt sich in seinem
billig arbeitender Angestellter in Läden, Gaststätten und Schönheitssalons. Garten. Wer Vermögen mitbringt, verwahrt es in der Bank. In der Provinz-
Trotz der enttäuschten Hoffnung zieht mancher von ihnen seine Angehörigen stadt seiner Heimat hätte er daInit eine erste Rolle gespielt, wäre im Aufsichts-
nach sich. Daß der Reiz des Film1andes auch den Touristen und Ja~res­ rat der L()kalbank und wäre Stadtrat und im Vereins- und Kirchenleben
besucher weitgehend anzuziehen vermag, beweist die große Zahl Hotels, führend. In Los Angeles ist er ein Unbekannter unter vielen. Vielleicht wird
ApartmeE;t-Hotels und Mietshäuser Hollywoods. Ebenfalls bevölkerungs- er Mitglied eines Golfkl~bs und der nächsten Kirche seiner Sekte. Im Auto
anziehend wirkt die Reklame, mit der die Handelskammer systematisch auf Iahrt er Sonntags nach San Diego oder Santa Barbara. Nach und nach
die Vorteile hinweist, die für die Niederlassung der Industrie in Los Angeles schwindet aber die Lust am Rentnerleben, und die dem U.S.-Amerikaner
bestehen im Gegensatz zu San Francisco und den Städten des Nordwestens. innewohnende BetriebsaInkeit wird lebendig. Das fieberhafte Spekulations- . ;1

Das ist ein neues ReklameInittel, das erst angewandt wird, seitdem Aquädukt; treiben der Stadt, das ih,m anfangs fremd war und das er für Schwindel hielt,

134 I 135
I
beginnt ihn zu interessieren, um so mehr, sobald er sieht, daß Grundbesitz, wurden. In der "subdivision" angelangt, wurde ihnen unter einem Zelt
den er bei seiner Ankunft hätte kaufen können, innerhalb kurzer Zeit für den das versprochene Lunch verabreicht, danach ein Muster-Bungalow gezeigt
doppelten Preis verkauft wird. Nach 6 Monaten, spätestens nach 2-3 Jahren und dann, von allgemeinen Bemerkungen über die schöne Lage, Aussicht,
merkt er, daß das doch alles Dauer hat, und wer in seiner Heimat gewohnt rasche Entwicklung und Wertsteigerung gerade dieser Aufteilung ausgehend,
war, sein Geld in anderen Dingen anzulegen und an der Börse zu spekulieren,
gewöhnt sich daran, daß man hier Grundstücke kauft und verkauft und sich
an AufteilungenbeteiIigt. So wird in Los Angeles fast jeder früher oder später
.. '
auf die armen und vielfach völlig ahnungslosen Neulinge eine immer indi-
vidueller werdende Hochdruck-Verkaufstechnik losgelassen. Sie fand ihre
Opfer, denn man konnte ihnen ja die Beispiele der vielen über Nacht empor-
zum Grundstücksspekulanten. Das geht Arbeitern, Angestellten, Dienstboten' geschossenen neuen Stadtteile zeigen. Manche treugläubige alte Frau, mancher
und anderen ebenso wie dem Rentner. Dieser wird bald ermutigt, den Rest geschäftsunerfahrene Schullehrer gab da seine· paar Ersparnisse als An-
seines Vermögens aus dem Osten nach Los Angeles zu transferieren, und schon zahlung für ein oder mehrere Grundstücke hin in der vollen Überzeugung,
besitzt er außer einer Aufteilung auch eine Beteiligung an einem Geschäfts- "auch so wie die anderen" mit seinem Land schnell reich zu werden. Um so
haus. Er erkennt obendrein, daß in der Branche, in der er im Mittleren Westen größer war ihre Enttäuschung, wenn dann die verheißene Verkehrsentwicklung
oder Osten ein Geschäft betrieb, auch hier Geld zu verdienen ist. Wer Holz~ in der Stadt nicht gerade diese Aufteilung berührte und die Wertsteigerung
händler war, besitzt bald ein FiIialsystem von Holzverkaufslagern. Wer eine ausblieb. Dann konnten die Ratenzahlungen nicht mehr geleistet werden,
Fabrik hatte, die in irgendeiner Form das Baugewerbe belieferte, versucht, die Anzahlung verfiel, und das Grundstück fiel zurück an den Unternehmer.
damit am neuen Wohnsitz wieder anzufangen. Das erklärt die Existenz so Oft kam die Ernüchterung schon gleich nach der Rückkehr zur Stadt. Doch
vieler kleiner Industrieunternehmen, die von Leuten ins Leben gerufen wenn der Betroffene dann zur Bank eilte, um die Auszahlung seines Schecks
werden, die damit in einem anderen Teile des Landes schon erfolgreich waren zu verhindern, war ihm der Makler schon zuvorgekommen. Mancher kaufte
und vielfach jahrzehntelange Erfahrung besitzen. Mit darauf ist es zurück· auch sein Grundstück in der ernsten Absicht, darauf zu bauen, und wenn er
zuführen, daß alle diese Unternehmungen, die die alten Wohnhäuser rings um einzog, und die Entwicklung war in anderer Richtung gegangen, so fand er
das Geschäftsviertel und der Unterstadt verdrängen und sich in allen Ver- sich mit ein paar verstreuten anderen Häusern allein zwischen leeren Bau-
kehrsstraßenentlangziehen, lebensfähig sind. Unter den ankommenden plätzen in der ins Stocken geratenen Aufteilung und mußte in einem Torso
Rentnern ist mancher unbekannte Millionär, der sich, nachdem er sein seiner erträumten "Paradise Heights"- oder "Vista de los Cerros"-Vorstadt
Rentnerdasein aufgegeben hat, in entsprechend größere Unternehmungen leben 1). Die beschriebene Art des Grundstücksverkaufs trägt weitgehend dazu
einläßt. Bei den vielen großen und kleinen Rentnervermögen, die die Zu- bei, daß eine viel größere Fläche in die städtische Aufteilung einbezogen wird,
wanderer mitbringen, spielt naturgemäß das Bankgewerbeeine große Rolle. als es dem vorhandenen Bedürfnis entspricht, und führt eine verschwenderische
An den Verkehrskreuzungenjener ausgedehnten neuen Wohnviertel entstehen Weitständigkeit der Bebauung herbei. Dadurch gewährt die Stadtlandschaft
Zweigbanken, vielfach gleich zwei konkurrierende, während die anderen beiden in vielen ihrer Teile ein Bild der Unfertigkeit, für Los Angeles so typisch und
Ecken meist von zwei konkurrierenden Tankstellen oder zwei konkurrierenden ohne den geschilderten Vorgang schwer zu verstehen. Natürlich wird auch
Drug stores (s. S. 165 Anm.) eingenommen werden. So entstehen allenthalben von den vielen, die im eigenen Auto durch die werdende Stadtlandschaft
Siedlungszentren an Stelle der ursprünglichen Grundstücksmakler-Baracke. fahren, mancher von der allgegenwärtigen Maklerreklame oder durch ein
Diese bleibt entsprechend dem Fortgang der Bebauung beweglich. neuartiges, an der Autostraße stehendes Musterwohnhaus im "spanischen" Stil
Das Grundstücksgeschäft ist ohne das Automobil nicht denkbar. Beliebt bald neugierig gemacht, bis er früher oder später ebenfalls sein Grundstück
war die ~,free ride, free lunch, free lecture" -Methode des Maklers. Am Per- hat und seine Ratenzahlungen leisten muß. Viele betrachten den Grund-
shing Square odex: in der Nähe des Zentrums ließ er morgens einen Omnibus stückskauf als reine Spekulation und hören auf, weitere Raten zu zahlen, so-
parken, von dem aus die Passanten mit geschäftstüchtigen Worten zur freien' bald sie erkennen, daß die Aufteilung nicht die erwartete Entwicklung nimmt.
Fahrt in dieses oder jenes "schönste" Viertel der Umgebung eingeladen I) Diese beiden Namen sind in Analogie zu wirklich bestehenden Namen gebildet.

136 137
1
1
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I

Die Menge nach dem Kriege zugezogener reiner Spekulanten, von denen Faktor bei der Kohlenarmut des Westens, ebenso für industrielle Zwecke als
viele aus dem Mittleren Westen kommen, stellt den Typ des schrankenlosen Ersatz für Kohle.
"Boomers" und "Promoters", für den alle konservativeren Elemente und vor Mit den anderen vorhandenen Ölfeldern Kaliforniens Schritt haltend, er-
allem die Bewohner von San Francisco nur ein Lächeln haben, und der doch reichte das Los Angeles & Salt Lake-Ölfeld 1908 seine Maximalproduktion.
so charakteristisch für das junge Los Angeles ist. Der Fortschritt, den die Ölgeologie, die Tiefbohrtechnik und die Bohrapparatur
machten, und die größeren Kapitalien der großen Erdölgesellschaften ermög-

Petroleumfie ber
LOS ANGELE!
Die erstaunlich rasche Entstehung der heutigen Kulturlandschaft, die ganz ~
111 '690
WOLF$K'" .. MarmSELLO
in die Zeit nach dem Kriege fällt, hat ihre zweite Hauptursache in der plötz- 190&
~
~NG:LEWOOO 1917

,
lichen Erschließung der reichen Erdöllagerstätten im Untergrunde des Los
Angeles-Beckens, die in derselben Zeit, in der das Landfieber immer mehr
anstieg, zu einem Ölfieber von ebenso erstaunlichen Ausmaßen führte. Die
" 19~5

SANTA FE SPRIN6~
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Petroleumerschließung des Los Angeles-Beckens unterscheidet sich von anderen ~


1919 189~
Erdöl-Booms dadurch, daß sie vor den Toren einer Großstadt vor sich ging,
~A.THEH.S'
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~
ROSKAANS ·~1911

unter den Augen einer gerade zuwandernden Massenbevölkerung, mit der "
19~8 1924 1909 ~8RA

gleichzeitig ebensolche Massen flüssigen Geldes in die Landschaft strömten, ~DOMINGUEZ


~ 1911
das ohne weiteres in die beiden Hauptspekulationsobjekte, Grundstücke und
Erdölaktien, zu fließen vermochte. Das" townlot drilling"'), zu dem es bei der
schon bestehenden Landaufteilung im Bereiche verschiedener Ölfelder auch
sonst gekommen wäre, konnte nur so jenes Höchstmaß von Geschwindigkeit '
erlangen und seine zwiefache landschaftliche Auswirkung so schlagartig er-
reichen. Unmittelbar entstanden Bohrturm- und "Tankfarm"-Landschaften.
Mittelbar wurde der rasche Fortgang der Hafenerweiterung, Vermehrung DuRCH~CHNITTLlCH~ OltHTE I

der Industrieansiedlung und die großstädtische Entwicklung der Strandwohn-


stadt Long Beach bewirkt.
Wir haben gesehen, daß es in Los Angeles mit der Entdeckung des City-
I",,"··e> ~.
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Ölfeldes schon in den 90er Jahren zum townlot drilling gekommen war.:.
Das war wirtschaftlich berechtigt, weil das Erdöl hier nahe an die Oberfläche Fig. 12. Die Erdölfelder des Los Angeles-Beckens
kommt und unter geringerem Druck steht. Die Produktion der erstenkaliforni-
schen Ölfelder nahm stetig zu, nachdem sich größere kapitalkräftige Öl- lichten die Erschließung neuer Felder. Es bestand ein wirtschaftliches Bedürfnis
gesellschaften, vor allem die Union Oil Company, gebildet hatten und auch nach der Vermehrung der kalifornischen Pr04uktion aus verschiedenen
die Standard Oil Company ofNew Jersey nach Kalifornien gekommen war. Gründen. Die Bedeutung des Petroleums für die Lokomotivenfeuerung im
Weiter angeregt wurde die kalifornische Erdölförderung durch die erfolgreiche Westen wurde schon erwähnt. Die Vermehrung der Industrieansiedlung an
Verwendung von~Petroleum als Brennstoff für die Lokomotiven, ein wichtiger der pazifischen Küste verlangte nach mehr Brennstoff. Vor allem trat das
Automobil, das im Westen eine noch größere Rolle spielt als im Osten,
I) Erklärung des Begriffes auf S. 115 Anm. als örtlicher Großabnehmer an erste Stelle. Hand in Hand mit der

13 8 139
Automobilentwicklung geht der Ausbau des Netzes von Landstraßen, für Grundstücksbesitzerndas Bohrrecht erwarben, in der Lage, die Anteile an
deren Asphaltierung, die bei der Frostarmut des Westens möglich ist, große ihrem Unternehmen auf dem Ölfeld selbst zu verkaufen. Sie wandten dabei
Mengen Öl gebraucht werden. Schließlich hat die Eröffnung des Panama- dieselben Verkaufstricks an wie die Grundstücksmakler. Jeden Morgen waren
kanals die kalifornische Produktion beträchtlich angeregt, da sie seitdem die die Omnibusse, die in den Diensten der "Öl-Haie" standen, nahe den Zentren
Raffinerien und Absatzmärkte an der atlantischen Küste der Vereinigten von LOS Angeles, Long Beach, Pasadena und der anderen Geschäftsviertel
Staaten vorteilhafter beliefern kann, als es bei dem teureren Eisenbahn- der Stadtlandschaft aufgereiht, um die Passanten zur "free sight-seeing ride"
transport die Ölfelder im Innern des Landes vermögen. einzuladen, deren Nebenzweck der Besuch eines Ölfeldes war. Ma~ch einer
Das 1917 erbohrte Montebello-Ölfeld produzierte zwei Jahre später bereits war schon gewitzigt, setzte sich aus diesem Grunde in einen Wagen, der voll-
12 Millionen Faß'), neunmal soviel wie das Los Angeles & Salt Lake-Ölfeld zu besetzt erschien, in der Meinung, in der Menge besser durchschlüpfen zu
dieser Zeit. Im selben Jahre 1919 wurde die Union Oil Company in den können. Um so größer das Erstaunen, wenn dann bei der Abfahrt eine Schar
Richfield- und Santa Fe Springs-Ölfeldern fündig, 1920 die Standard Oil Co. Insassen ausstieg, die nur gemietet war, um Menge vorzutäuschen. Wer nicht
im Huntington Beach-Feld, 1921 die Shell on Co. im Long Beach-Feld. Mit im Omnibus fahren wollte, wurde bereitwilligst imPrivatwagen vom Hotel
den beiden letztgenannten Feldern war die Öl-Antiklinale der Dominguez- abgeholt. Ebenso wie beim Grundstücksgeschäft waren diese Verkaufs-
Kette entdeckt, was in den nächsten Jahren zur Erschließung der gesamten methoden möglich und erfolgreich, weil die Stadt angefüllt war mitMenschen,
Ölzone von Inglewood bis Newport führte (s. Fig. 12). die nicht nur über flüssige Mittel, sondern auch über freie Zeit reichlich ver-
Schon die mit dem Ölvorkommen im Zusammenhang stehenden Schwefel- fügten und schon aus Langeweile bereit waren, an solchen Freifahrten teil-
quellen von Santa Fe Springs, ursprünglich Fulton Wells, ließen hier 1887 zunehmen. Darunter waren aber auch gerade viele kleine Existenzen, die es
einen Boom-Kurort entstehen mit dem üblichen großen Hotel. Das Land verlockte, eine Mahlzeit umsonst zu erhalten. Ebenso wie im Grundstücks-
wurde damals aufgeteilt, zur Siedlung kam es nicht. Signal Hill und Huntingo:- geschäft war es der kleine Mann, den man am leichtesten übertölpeln konnte.
ton Beach waren im Anschluß an den Bau der 1904 eröffneten Newport Unter dem Eindruck der nahen Bohrtürme gaben unzählige ihre paar Dollars,
Line der Pacific Electric-Bahn aufgeteilt worden. Die Entdeckung von Öl die sie in der Tasche hatten, als Anzahlung hin, weil ihnen der Verkäufer
in diesen drei Bezirken durch die großen Ölgesellschaften mußte augenblick- vormalte, daß es die "letzte Chance" sei, auch reich zu werden" wie die da
lich zu fieberhafter Bohrtätigkeit in den benachbarten, in Grundstücke par- drüben", wobei natürlich totgeschwiegen wurde, daß man sich gar nicht mehr
zellierten Gebieten führen, was die großen Gesellschaften wiederum zwang, mit auf erwiesenem Ölgelände befand. Vielfach war es noch nicht einmal sicher,
derselberi Hast weitere Bohrungen niederzubringen, wenn ihnen nicht das ob die "Ölgesellschaft" .das Bohrrecht erworben hatte. Auf der Quittung steht
Petroleum von den anderen weggepumpt werden sollte. Das auf die Spitze in ganz kleinem Druck ein Satz, der besagt, daß die Ölerschließung- auf dem
getriebene townlot drilling ließ die Erdölproduktion im Los Angeles-Becken betreffenden Stück Land rein spekulativ ist. Dadurch bleibt der Verstoß gegen
in zwei Jahren von 1920-1922 von 30 Millionen auf 70 Millionen Faß an- die staatlichen Vorschriften vermieden. Der vortragende Verkäufer kann seiner
steigen. Schon im nächsten Jahre 1923 wurden 205 Millionen Faß gefördert. gutgläubigen Menge Dinge vorerzählen, die nur mit Gefahr in Rundschreiben
Das Maximum war erreicht. Damit lieferte das Los Angeles-Becken 79 Prozent oder als Zeitungsreklame gedruckt werden könnten. Vom Spekulanten wird
der gesamtkalifornischen Produktion, 1928 noch 68 Prozent. 1923 WUrden in meist übersehen, daß sein Kapital in der Bank durch Zins und Zinseszins sich
Santa Fe Springs täglich 332000 Faß gefördert, in Long Beach (Signal Hill) mit größerer Sicherheit in einer bestimmten Zeit verdoppelt, als wenn er es
244 000 Faß. Bei dem fieberhaften Grundstücksgeschäft war der Spekulations- in Ölanteilen anlegt. Denn die Öldividenden fangen erst dann an, wirkliche
trieb der nahen Großstadt in viel größerem Maße vorhanden als anderswo Dividenden zu sein, nachdem sie das angelegte Kapital wieder herausgeholt
oder zu normale~ Zeiten. Nur er ermöglichte das townlot drilling in dieser haben. Bis es dazukommt, läßt die Ölförderung des betreffenden Bohrturms
Intensität. Vor allem waren die kleinen Unternehmer, die sich von kleinen meist schon erheblich nach. So sank die Produktion von Santa Fe Springs von
'} I Faß = 1,5 Hektoliter. 80 Millionen Faß 1923 auf 26 Millionen Faß 1924, die von Long Beach von
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60 Millionen Faß 1924 auf 40 Millionen Faß 1925. Die großen Gesellschaften des Hafens zu seiner heutigen Größe und weitere Vertiefung des Fahrwassers
wissen, daß sie ihren Aktionären mindestens 200 Prozent zurückzahlen müssen, ermöglichen. Hinzu kommen die Pachten für das plötzlich benötigte Stapel-
um mehr zu geben, als eine Sparkasse es vermag. Sie sind daher viel vorsich- gelände im Hafenbereich. 1922 gingen 6,5 Millionen Tonnen Ladung durch
tiger mit Bohren. Eine 800-m-Bohrung kostet etwa RM. 100000 bis 600000, den Hafen von Los Angeles, 1923 springt die Tonnage auf 18,9 Millionen an.
doch sind viele der Bohrungen 1500 bis 2000 m tief. Das ist ein Anschwellen, das den Hafen mit einem Schlage an die zweite
Trotz des "wiIdcat drilling's" (d. h. Bohren auf gut Glück) sind die kleinen Stelle aller Häfen der Vereinigten Staaten bringt, in der Tonnage des
Unternehmer zum Erstaunen der großen, die die Ölfelder für nicht so aus- Küstenverkehrs der Union ihn sogar N ew York überflügeln läßt (Lit. 655,
gedehnt hielten, in erheblichem Maße tatsächlich fündig geworden. Ihre S. 433). Zieht man allerdings das Petroleum ab, so rückt er an fünfte Stelle
Verkaufsmethoden wurden deshalb geschildert, weil sie in erster Linie die (Lit. 661). Als normale Folge der Bau- und Bohrtätigkeit siedeln sich auf sie
Landschaftsumgestaltung in dem Umfang, der heute so auffällig und bei der gestellte Belieferungsindustrien in großer Zahl an, die unter den Zuwanderern
Überproduktion unerklärlich scheint, möglich machten. Das Ölfieber wirkt gelernte Arbeiter genug finden, die froh sind, ihr bescheidenes Rentnerdasein
auf das Landfieber zurück, weil der Grundstücksspekulant jetzt hofft, daß wieder aufzugeben.
unter seinem Lande Öl gefunden wird. Im Randgebiet der Stadt preist man Ehe die Ursachen der heutigen Bedeutung von Los Angeles zusammen-
die Grundstücke als "oillots" an. Wenn auf gepachtetem Lande in der Nähe fassend betrachtet werden,· sollen die Erscheinungsformen der Stadt im
eines Ölfeldes eine Bohrung nicht fündig wird, zweifelt der Grundbesitzer folgenden letzten Hauptabschnitt analysiert werden.
fast stets die Richtigkeit des Befundes an. Er ist überzeugt, daß die Bohr-
unternehmer ihn hintergehen, um das Land hintenherum vorteilhaft zu er-
werben, damit sie bei· Ausbeutung keine· Abgaben an den Landeigentümer
zahlen müssen. Denn warum soll hier kein Öl sein, wenn man es auf dem
Lande des Nachbarn doch gefunden hat? (Lit. 176.)
Der Öl-Boom hat \lnmittelbar zwei Klassen von Menschen angezogen:
1. deli hochbezahlten gelernten Bohrmechaniker, der, nachdem die eigent-
liche Bohrtätigkeit abnimmt, zum großen Teil wieder abwandert,
2. den Unternehmer, der wegen seines rasch wechselnden Wohnsitzes am
liebsten im bequemen Hotel oder in der Mietwohnung (apartment) wohnt.
Der vornehme Charakter der Wasserseite von Long Beach und die Hochhaus-
entwicklung gehen auf diese keine Unkosten scheuende Menschenklasse zurück.
Hier kann die Familie in der Nähe des Badestrandes angenehm leben, während
die Bohrstellen der Ölfelder von Signal Hill bis Newport leicht erreichbar sind.
Den größten Teil von Long Beach machen aber die mittelmäßigen Einfamilien-
häuser der Farmer aus dem Mittleren Westen aus, während das Viertel in der
Nähe der Signal-Höhe weitgehend von Bohrmechanikern bezogen wurde.
Die plötzlich ansteigende Verschiffung von Rohöl, für das an Ort und Stelle
zunächst" weder Lager- noch genügend Raffiniermöglichkeiten bestanden,
und der gleichzeitig einsetzende Großempfang von Bauholz bringen gewaltige
Einnahmen an Hafengebühren, die sich von 1920 bis 1924 beinahe versechs-
fachten (1920: $307000,1924: $ 1810000; Lit.652, 1931) und den Ausbau
werden und nicht mehr in der alten Heimat leben möchten, auch wenn sie
es könnten. Es gibt einen Tiroler-, Bayern-, Schwaben-, Sachsen- und Rhein-
länderverein, einen deutschen Turnverein, verschiedene deutsche Chöre und
in Pasadena einen Goetheklub, daneben eine Vnmenge deutsche Logen, eine
deutsche Kirche und eine deutsche Zeitung. Zahlenmäßig viel geringer, aber
geschlossener sind die Franzosen, die ein eigenes Hospital haben.
LEBEN UND ERSCHEINUNGSFORMEN Die wichtigste der Fremdgruppen bilden die Mexikaner, von denen
1930 allein 170000 im Los Angeles County lebten. Diese Mexikaner sind nicht
DER HEUTIGEN LANDSCHAFT die Nachkommen der spanisch-mexikanischen Bevölkerung Kaliforniens zu
mexikanischer Zeit. Jene "Kalifornier" wurden von der V.S.-amerika-
DIE BEWOHNER nischen Zuwandererwelle, hauptsächlich schon in der amerikanischen Kolo-
nisationsperiode bis in die 1880er Jahre hinein assimiliert. Wie wir gesehen
Wir haben die Kräfte kennengelernt, welche die Stadtlandschaft geschaffen
haben, verheirateten schon frühzeitig die kalifornisehen Ranchobesitzer ihre
haben. Gehen wir jetzt an die Einzelanalyse jenes Stadtbildes heran, so soll
Töchter an V.S.-Amerikaner. So entstand die kalifornisch-amerikanische
diese beginnen mit ihrem lebendigen Gestalter, dem Menschen. Einmal ist zu
Aristokratie, deren Nachkommen heute eine verschwindend kleine Gruppe
untersuchen, wie sich die Zusammensetzung der Bewohner nach ihrer Her-
unter der Millionenbevölkerung der Nachkriegszeit bildet. Auf die spanischen
kunft herausgebildet hat und wie sie nach Alter und Berufen gegliedert sind,
Traditionen, auf.die heute die meisten Bewohner so stolz sind, hat nur sie An-
zum andern ist zu betrachten, wie sie sich über die Fläche verteilen und welchen
recht, und gerade deshalb muß sie herhalten, die Reklame zu verkörpern.· Ihre
Ausdruck ihre nach Herkunft und Beruf verschiedene Zusammensetzung im
Namen kennt fast jeder. Bei allen historischen Reklameveranstaltungen müssen
Stadtlandschaftsbilde findet, also ihre Wohndichte und Wohnverhältnisse.
ein paar Nachkommen jener Aristokratie vertreten sein, möglichst in historischer
Die Gruppen der Bevölkerung, die, von der Masse abgesondert, mehr oder
Tra<:ht. Die Nachkommen der spanischen Rancheros im Mannesstamme konn-
weniger für sich in geschlossenen Quartieren oder ganzen Stadtvierteln wohnen
ten Init den amerikanischen Männern ihrer Schwestern nicht wetteifern. Sie
und dadurch zunächst ins Auge fallen, interessieren den Geographen in erster
gerieten deshalb vielfach in ungünstigere Verhältnisse, stehenaber gesellschaft..
Linie. Zu ihnen gehören die amerikanischen Neger sowie die eingewanderten
lieh und wirtschaftlich höher als die neu zugewanderten Mexikaner. An ihrer
Angehörigen fremder Rassen und die Südeuropäer, während die übrigen euro-
Sprache und' ihren Gewohnheiten wie den mexikanischen Ge~ichten halten sie
päischen Zuwanderer, außer ein paar Sektierern, rasch in der amerikanischen
fest. Trotzdem gelten sie als V.f:i-Amerikaner. Sie erhielten Posten in der
weißen Bevölkerung aufgehen und vor allem in der Stadtlandschaft nicht in
Stadtverwaltung, wo wir einige heute noch finden, und bekleiden Ämter, in
Erscheinung treten. So sind die 34000 Deutschen des Los Angeles County,
denen ihre Doppelsprachigkeit von Vorteil ist.
erst recht die 99000 Amerikaner von deutschen Eltern, deutschem Vater oder
Die heu tigen Mexikanersind ungelernte Arbeiter, die seit Beginn desJahr-
deutscher Mutter, völlig verstreut, obwohl viele von ihnen irgendeiner der
hunderts aus Mexiko herüberkommen. Die Eisenbahnen, die anfangs chinesische
28 deutschen Organisationen angehören. Im frühen U .S.-amerikanischen Los
Arbeiter, später Japaner und Griechen verwandten, stellen seit 1910, und be-
Angeles trat das deutsche Element auffälliger hervor. Schon um 1860 hatten
sonders seit dem Weltkriege, fast ausschließlich Mexikaner ein. Mit dem An-
die Deutschen ihre eigene deutsche Schule, bald darauf eine deutsche Loge
steigen der Löhne ~n und nach dem Kriege waren V.S.-amerikanische Arbeiter
und einen Turnverein. Noch in den 70er Jahren konnte man neben'
Spaniscli," Epglisch und Französisch viel Deutsch in Los Angeles sprechen I für ungelernte Arbeit nicht zu gewinnen. Noch heute, in der Zeit der Arbeits-
losigkeit, ist der V.S.-amerikanische Arbeiter so anspruchsvoll, daß er sich
hören (Lit. 456;'S. 21). Mancher Deutsche hat die Entwicklung der Stadt I für diese Arbeit nicht. verwenden läßt. Der Mexikaner ist gewillt, für niedrigen
und Landschaft tätig gefördert. Vnter den heutigen Deutschen von Los Angeles
bewahren viele ihr Stammesgefühl, trotzdem sie sonst gute Amerikaner
Ii Lohn zu arbeiten, der immer noch höher ist als die Verdienstmöglichkeiten,

I
I
~
10 Wagner, Los Angele.
145
1
11

die er in seinem Heimatlande hat. So besteht ein beiderseitiges Interesse an der auf der Oberen Ostseite gerade außerhalb der alten quadratischen Gemar-
mexikanischen Einwanderung. Es entstanden aufder U .S.-amerikanischenSeite kungsgrenze. Nach dieser Richtung hat Los Angeles keine Eingemeindungen
der Grenze mit den Eisenbahn-, Baumwoll- und Fruchtgesellschaften in Ver- vorgenommen. So fanden die Mexikaner in relativer Nähe der Plaza Sied-
bindung stehende Arbeitsvermittlungsagenturen, die den Mexikanern 6 Monate lungsgelände vor, das von anderen wegen seiner starken Zertalung und
Arbeit garantierten (vgI. auch Lit. 548). Dadurch, daß man die Mexikaner erst schlechten Entwässerung nicht begehrt wurde, aber den Vorteil hat,.daß hier
auf amerikanischem Böden anwarb, verstieß man nicht gegen das Contract nicht die hohen städtischen Steuern gezahlt werden müssen; Die damit ver~
Labor Law, das nur vorübergehend während des Krieges außer Kraft war. bundenen Nachteile des schlechteren Polizei- und Feuerwehrdienstes und der
Die Folge war, daß 15 Jahre lang 10000-15000 mexikanische Arbeiter jährlich schlechteren Unterhaltung der Straßen nimmt .der Mexikaner gerne in Kauf.
"freiwillig" die Grenze überschritten. Sie werden nicht nur von den Eisen- Hier kann er sich ein eigenes Heim leisten und m~ncher kann einen kleinen
bahnen und elektrischen Bahnen als Streckenarbeiter verwandt, sondern finden Laden aufmachen. Das Grundstück kauft er auf Abzahlung. Die Bauweise
auch als Saisonarbeiter Beschäftigung in den kalifornischen Obstpflanzungen seines Wohnhauses ist aber nicht die mexikanische, sondern das einfache ameri-
und Weinbaugebieten. 1927 lebten 50,9 Prozent der mexikanischen Volks- kanische. Rahmenhaus mit dem üblichen Verandaeingang auf der Vorderseite
schulkinder Kaliforniens in Los Angeles County, 80,3 Prozent in Südkali- des Erdgeschosses, sofern das Haus überhaupt zweistöckig ist. Von ameri-:-
for~ien (Lit. 548), was auf ein ähnliches, vielleicht nicht ganz so starkes Prozent- kanischen Arbeiterwohnvierteln unterscheiden sich diese Stadtteile nur durch
v~rhältnis unter den Erwachsenen schließen läßt. Die Volkszählung von 1930 den größeren Wechsel der Hausformen, dazwischen auftretende Bretterhäuser,
registriert außer 3800 in Mexiko geborenen "Weißen" 167000 Mexikan~r im die' geringere Sauberkeit und Pflege der Häuser, den Mangel an Straßen-
Los Angeles County, 7,6 Prozent der Gesamtbevölkerung. Bereits 1922 stellte pflasterung, den unregelmäßigeren Baumbestand, das häufige Vorhandensein
die Mexikanerbevölkerung 8,8 Prozent der. Schulkinder von Los' Angeles, von Staketenzäunen und die fast an keinem Hause fehlenden Kakteen und
1931: 14,9 Prozent (Lit.535), ein Prozentverhältnis, das den Kinderreichtum anderen Topfgewächse, an denen das Herz des Mexikaners hängt. Es kommt
ausdrückt trotz der drehnal größeren Kindersterblichkeit hn Vergleich mit noch hinzu, daß die Mexikanerwohnviertel sich nicht' nur hier, sondern auch
demStadtdurchschnitt (Lit.53Ia). Die holle Wohndichte der Mexikaner, in anderen Teilen der Stadtlandschaft vielfach in Geländefurehen finden. Das
wohl die höchste überhaupt außerhalb der wenigen Großstädte Mexikos, ist bedingt oft krumme und steile Straßenführung, weniger regelmäßige Häuser-.
darauf zurückzuführen, daß in Los Angeles zu der Arbeitsgelegenheit in den anordnung und unterschiedlichen Häuserabstand, wodurch sich diese, Aus-
nahen Agrumen-, Nußbaum.., und Rebenpflanzungen und bei der Eisenbahn länderviettel, auch manche japanisclt!!, von amerikanischen Wohnvierteln
die Anstellungsmöglichkeit bei städtischen Arbeiten kam, für die ungelernte ähclicher Güte abheben. Denn diese b~vorzugen ebenes Gelände, ·auf dem die
Arbeiter gesucht wurden. Diese Möglichkeit war reichlich vorhanden in der normale Aufteilung: möglich ist. Besonders häßlich wirken die ungepflegten,
Zeit des fieberhaften Straßenbaues und der intensiven Bautätigkeit nach dem unregelmäßig a~geordneten Häuser dei Mexikaner ariden Hängen der Repetto-
Kriege. Dazu kam die Anziehungskraft, die eine Fremdenverkehrsstadt auf den und südlichen Elysischen Höhen, wo sie von weit her ins Auge fallen. An ein-
Nichtstuer ausübt, der sich hier mit allerlei kleinem Gewerbe,. als Schuhputzer zelnen Straßenecken in Belvedere Gardens haben die Mexikaner ihre" tiendas".
oder Kuriositätenverkäufer ein paar Groschen verdienen kann, die zur Be- Auch ein "Teatro Azteca" und ein paar kapellenartig aussehende Missions-
friedigung seiner bescheidenen Lebensansprüche genügen. In San Francisco häuser amerikanischer Sekten sind vorhanden. Das Geschäftsviertel ist der stadt-
')
und Oakland, wo 1927 nur 2 Prozent der mexikanischen Schulkinder Kali- nächste Teil der Vorstadt mit einer Erstreckung über 8 Straßen auf ebenem
forniens registriert wurden, läßt sich wegen des kälteren und feuchteren Gelände zwischen der Stadtgrenze und dem ersten Terrasseneinschnitt gelegen.
Klimas der Mexikaner nur ungern nieder. Deshalb ist für viele mexikanisehe Die Hauptgeschäftsstraße ist die von der Straßenbahn durchfahrene East First
Saisonarbclter des San Joaquin-Tales Los Angeles das städtische Zentrum, Street von der Stelle ab, an der sie aus der Diagonalrichtung innerhalb des
in das sie sich hi Zeiten vorübergehender Arbeitslosigkeit zurückziehen. alten Quadrats in die geradeWestostrichtung umbiegt. Die Läden unterschei-
In Los Angeles haben sie ihr eigenes Gemeinwesen in Belvedere Gardens den sich außer in ihren spanischen oder zweisprachigen Reklameschildern

10*
147
durch nichts von amerikanischen Läden. Ein zweites, kleineres Geschäfts-
r Der Mexikaner erwirbt, im Gegensatz zum europäischen Einwanderer, in
viertel liegt weiter nordösdich, sein Zentrum ist die Kreuzung von Brooklyn den seltensten Fällen das amerikanische Bürgerrecht. Vom U.S.-Amerikaner
Avenue und Ford Boulevard. Es mutet mexikanischer an, wohl weil es zentraler verachtet, bleibt er Mexikaner, behält seine Gewohnheiten - höchstens seine
in der Mexikanersiedlung liegt. Kinder lernen in der Schule die englische Sprache - und hat den Wunsch,
Am liebsten wohnt der Mexikaner in der Nähe seiner Arbeitsstätte. Deshalb einmal in seine· Heimat wieder zurückzukehren. Um diesen Wunsch zu er-
finden wir ähnliche kleinere Mexikanerviertel in stadtnäheren Teilen der füllen, fehlt es ihm aber oft entweder an Mitteln oder an Energie. Viel-
Ob~ren Ostseite, in der Unteren Ostseite und in East Los Angeles, StadtViertel, fach verletzt er aus Unkenntnis die amerikanischen Gesetze, vor allem das
die alle nahe am Industriegelände und den Eisenbahnwerkstätten liegen. Aber Prohibitionsgesetz, bis es abgeschafft wurde. Die Anpassungsfähigkeit der
auch in der Industriestadt selbst westlich des Trockenbettes sind zahlreiche, mexikanischen Zuwanderer ist besonders gering, weil ihre Mehrzahl aus den
zum Teil recht ärmliche Mexikanerwohnviertel eingestreut zusammen mit ländlichen Bezirken mittelmexikanischer Staaten, wie Guanajuato, Michoacan
anderen Ausländervierteln. Am Nordende der Industriestadt zu beiden Seiten undJalisco, stammt und fast rein indianischer Abstammung ise).
der North Main Street ist eine ziemlich zusammenhängende Siedlung von Mit der Wirtschaftsdepression begannen die erwerbslosen Mexikaner mit
Mexikanern, die zum Teil in den nahen Schlachthäusern beschäftigt werden. ihren Angehörigen in zunehmendem Maße der öffendichen Wohlfahrt zur
In der alten Sonora Town, in die sie sich mit den Italienern teilen, sind sie die Last zu fallen, für die es schließlich billiger wurde, den Familien, die in ihre
Nachfolger ihrer längst im U.S.-amerikanischen Los Angeles aufgesogenen Heimat zurückzukehren wünschten, freie Fahrt bis zur Grenze zu gewähren,
Volksgenossen. Die Plaza und die südlich anschließenden Häuserblocks. der von wo ab die mexikanische Regierung die Kosten der Weiterbeförderung
Main Street bis First Street ist der eigendiche Sammelpunkt der Mexikaner, trägt. In ihrer Heimat angekommen, sind sie aber unglücklicher als zuvor,
der ihnen einen gewissen Ersatz für die Plaza ihrer Heimatstadt in Mexiko finden keine bessere Wirtschaftslage vor und sehnen sich nach Kalifornien,
bietet. Hier den Tag über herumsitzend oder stehend sind 'Sie die unfreiwilligen wo sie sich doch an einige Annehmlichkeiten der amerikanischen Zivi,lisatiori
Statisten einer Szene, die· den Förderern der Fremdenindustrie .als Reklame gewöhnt hatten, zurück. In der Zeit vom März 1931 (erste "repatriation")
Iur das historische Plazaviertel willkommen ist. Eine von der Plaza abgehende· bis Juli 1932 wurden von der Los Angeles County Welfare Division 7849
Nebengasse, in der man ein Haus mit historischer Erinnerung "entdeckte", Mexikaner zurückbefärdert. Dazu kommen viele, die mit Hilfe des mexikani-
wurde IUr die Touristen in einen mexikanischen Töpfer- und Kuriositäten- schen Konsuls oder ohne jede Unterstützung mit der Eisenbahn oder in ihrem
markt verwandelt. Da gibt es mexikanische "fondas" mit Laubensitzen da:- Automobil zurückkehrten, so daß Ende 1932 die Gesamtzahl der aus dem Los
vor, in denen man bei ~exikanischem Gesang und Gitarrenspiel mexikanisch Angeles County Zu~ückgewanderten bereits auf 35 000 geschätzt wurde,. also
essen kann. auf etwa 20 Prozent ihrer GesamtzahrZ);
Auch in randlicheren Teilen der Staddandschaft treffen wir den Mexikaner, Im Gegensatz zum gutmütigen, willensschwachen Mexikaner steht der ziel-
in der San Fernando-Ebene, wo er Beschäftigung in der Landwirtschaft findet, sichere Ostasiate, vOr allem der Japaner und Philippino, die weniger verachtet
in Pasadena, im Negervorort Watts in der Los. Angeles-Ebene, wo er die als gehaßt werden. Die Chinesen, die ursprünglich mit dem Goldfieber ins
Möglichkeit hat, bei der elektrischen Bahn oder auf japanischen Gemüse- Land gekommen waren, wurden beim Nachlassen des Bergbaues vorwiegend
farmen Arbeit zu finden und gleichzeitig ein billiges Grundstück und eigenes beim Eisenbahnbau beschäftigt. Damit kamen sie auch nach dem Süden, und
Heim zu erwerben, - auch in Long Beach und in Santa Monica begegnen wir es entstand gegen 1870 die "Chinatown" von Los Angeles zwischen Plaza
Mexikanern. In San Pedro gibt es eine größere Zahl Mexikaner, die hier in der und Alameda Street und ostwärts darüber hinaus, wo viele von ihnen kleine
Fischereündustrie oder als Packer bei Schiffahrtsgesellschaften Arbeitsgelegen- Läden unterhielten und auch ihre Gesellschaften, denen sie unterstanden und
heit haben:'Die Eisenbahngesellschaften unterhalten vielfach Siedlungshäqser
für ihre mexikanischeri Arbeiter, denen sie freie Miete, Wasser und Brennholz %) Laut Mitteilung des mexikanischen Konsuls in Los Angeles.
~) Auf Grund von Angaben der Los Angeles County Welfare Division, der Cal. State
gewähren. Division of Immigration and Housing und des mexikanischen Konsulats in Los Angeleli.

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r
die mit den amerikanischen Arbeitgebern den Arbeitskontrakt abschlossen, Einwanderung ausgeschlossen und an ihre Stelle traten die Mexikaner. Aber
ihren Sitz hatten. Ebenso wie der Chinese ein geschickter Kaunminn ist, auch als Feldarbeiter wurden sie gebraucht. Als sie sich selbständig im Obst-
schätzte man ihn als guten'und billigen Arbeiter; Durch seine Genügsamkeit und Gemüsebau beschäftigen wollten, trieb sie der italienische und chinesische
war er aber unter der Bevölkerung allgemein so verhaßt, daß nur ein Streit Wettbewerb, der um die Bucht und im Deltagebiet bei San Francisco vor-
zwischen zwei jener chinesischen Gesellschaften in der berüchtigten Nigger handen war, nach dem Süden. 1924 wurde jede Einwanderung der asiatischen
Alley nahe der Plaza (heute Los AngelesStreet) genügte, um das "Chinese Rassen, also auch der Japaner, abgedämmt und ihnen der Erwerb von Grund
Massacre" vom 24. Oktober 1871 herbeizuftihren, bei dem 19 Chinesen aufdie und Boden versagt. Das wurde 'aber dadurch umgangen, daß ihre in den
greulichsfeWeise gelyncht und beraubt wurden. Seit dem "Chineseexclusion Vereinigten Staaten geborenen Kinder das Land erwarben und ihre Eltern
act" vom 6. Mai J882 und 5. Juli 1884 und weiteren Einwanderungsverboten, darauf anstellten, was später verboten wurde. Auch das Pachten wurde ihnen
die den chinesischen Arbeiter ausschlossen, erhielten die Chinesen keinen bald versagt; trotzdem treiben sie heute auch unter Umgehung dieses Verbots
Nachschub mehr. Während sie 1880 5,4 Prozent der Bevölkerung ,von Los auf noch nicht städtisch aufgeteilten Landstücken, die großen Grundbesitzern
Angeles City ausmachen, nahm ihre Zahl relativ zur Gesamtbevölkerung seit gehören, ihren Feldbau. Sie arbeiten mit Frau und Kindern zusammen im
1890 schnell ab bis auf 0,3 Prozent 1930. Bis in die letzten Jahrzehnte lag die Felde, was ihnen der anspruchsvollere U .S.-Amerikaner nicht nachzumachen
Gemüsezucht in der bewässerten Zone am damaligen südlichen und südwest- vermag, dem ohnehin die Landwirtschaft im kleinen, (las Rüben- und Kohl-
lichen Stadtsaum in ihren Händen, einWirtschaftszweig, aus dem sie seither ausmachen, nicht liegt~ Die japanischen Gemüsefelder sind heute die typische
von denjapanern verdrängt wurden. Gern wurden die Chinesen zum Frucb,t- Erscheinungsform des bewässerten Landes am Stadtsaum, ih erster Linie in der
pflücken in den Agrumenpflanzungen des San Gabriel- und San Bernardino- unteren Ballona-Niederung, in der Los Angeles-Ebene und angrenzenden
Beckens wie heute die weniger guten mexikanischen Arbeiter angestellt, und Teilen des Küstenvorlandes, ferner in der Los Nietos-, Laguna-, der San
in der Stadt waren sie von den vielen wohlhabenden FaInilien als beste Köche Gabriel-Rio Hondo- und im stadtnahen Teil der San Fernando-Ebene. Auf
gesucht. Noch heute bewohnen diejetit lieber als die Japaner und PhiIippinos den feuchteren Terrassen und Hängen des San Pedro-Vorgebirges ist ihr Ge-
gesehenen Chinesen ihre ~te Chinatown, wo sie sich als' Importeure chinesi- müsebau ohne Bewässerung möglich. Sofern sie aufdem Gemüseland selbst
scher Waren und Ladenbesitzer betätigen und chinesische Gaststätten und wohnen, ist ihre Wohnstätte mit Garage, Lager- und Geräteraum eine Gruppe
Wäschereien betreiben. Mit der Chinatown von San Francisco läßt sich das kümmerlicher Holzhütten trotz ihrer Wohlhabenheit. Ein besseres Haus lohnt
Chinesenviertel von Los Angeles allerdings nicht vergleichen. Die Häuser, der sich nicht, qa ihnen das Land nicht gehört und siejederzeit bei fortschreitender
Chinesen sind zweistöckige, aneinandergereihte stillose Backsteingebäude, die
nur durch ihre die ganze Fassade des ersten Stockes entlanglaufenden über-
deckten hölzernen Balkons die AunnerkSamkeit auf sich lenken.
I städtischer Aufteilung davon vertrieben werden können. Dafür ist das Auto,
das zwischen diesen Baracken hervorHihrt, um so vornehmer. Viele wohnen
, ,

auch in älteren Wohnvierteln der nächsten Randstadt, wie in Venice, Sawtelle,


~-

Viel mehr als die Chinesen treten heute im Stadt- und Landschaftsbilde die I Palms, Gardena, Moneta u. a. Nicht nur der Anbau von Gemüse und Beeren-
Japaner hervor, deren Zahl im County von 1890-1930 von 36 auf mehr als obst, sondern auch der Vertrieb ist weitgehend in ihren Händen. Sogenannte
35000 angewachsen ist, ein stetiges Anwachsen, das die amerikanische Be- "collectors" sammeln im Auto das abends bereitgestellte frische Gemüse auf
völkerung Init Beunruhigung erfüllt. Obwohl sie nur 1,6 Prozent (County) den Farmen ein. Bis um 23 Uhr ist es auf dem Gemüsemarkt (9th Street Market'
bis 1,7 Prozent (City) der Gesamtbevölkerung stellen, ist das Prozentverhältnis an San Pedro Street - hier befindet sich auch die JapaneseFarmers Associa-
bei den Schulkindern von 1,7 Prozent (1922) auf 3,3 Prozent (193 I) der Ge- tion), wo sie es bis gegen 5 Uhr morgens an die ebenfalls japanischen "distri-
$amtschulkin?erzahl angestiegen (Lit.538). Streng organisiert und beruflich butors" verkauft haben, so daß der Kleinkaufinann, der in manchen Stadt-
zumeist auf sidl'selbst gestellt, sind sie ein viel weniger schwankendes' Be- teilen auch Japaner ist, oder der Kettenladen bei Geschäftsbeginn versorgt ist.
völkerungselement als die Mexikaner. 1907 wurden die j~panischen Arbeiter, In East San Pedro ist eine ganz regelmäßig angelegte japanische Fischer-
die an Stelle der Chinesen von den Eisenbahnen verwandt wurden, von der siedlung entstanden, deren Bewohner das Hauptelement dieses Hafenviertels
,
bilden. Den Fang des Thunfisches kennt der Japaner von seiner-Heimat her. wird. Überhaupt bildet der Philippino, gegen den der Amerikaner eine tiefe
So konnte es nicht ausbleiben, daß er zum Fischereihafen von San Pedro an- Abneigung empfindet, ein soziales Problem. Jlnter den 3000-4000 oder
gelockt wurde, als hier die Thunfischerei aufblühte. In randlichen Teilen des mehr Philippinos des Los Angeles County sind nur etwa 100 Frauen. Es sind
Haupt-Stadtkomplexes von Los Angeles finden wir mehrere japanische Wohn- meist junge Leute, die von den hawaiischen Zuckerpflanzungen herüber-
viertel, meist ältere Distrikte, in denen der übliche 20- oder 30jährige Vor- kommen, um amerikanische Landwirtschaftsmethoden kennenzulernen. Tags-
behalt abgelaufen ist, der beim ersten Verkauf der frischaufgeteilten Grund- über arbeiten sie in den Agrumenpflanzungen des San Fernando- und San
stückegegen Weiterverkauf oder Vermietung an Fremdrassige festgelegt Wird. Gabriel-Beckens, und viele von ihnen besuchen abends die Fortbildungsschule.
Deshalb ist das Wohnhaus desJapaners das alte ein- oder zweistöckige Rahmen- Den Philippino findet man auch als Hotelkoch und Kellner. Sie alle hoffen,
haus oder der älteste Typ des Bungalows. Ist einmal eine Japaner- oder in ihre Heimat zurückzukehren, sobald sie die Unabhängigkeit erlangt hat.
Negerfamilie in ein Wohnviertel, dessen "restriction" abgelaufen ist, einge:. Im Stadtbild tritt der Philippip.o im Stadtviertei zwischen der J apanerstadt und
zogen, dann dauert es nicht lange, bis die amerikanischen Bewohner dieses Main Street, der Straße billiger Vergnügungen, in Ersch~inung, sowie im
Viertels ausgezogen sind und die fremde Rasse ziemlich vollständig nachgerückt citynahen heruntergekommenen Wohnviertel der Oberstadt, heute "Möblierte-
ist. Die Flucht vor dem Japaner oder Neger macht da halt, wo eine bauliche stubenviertel" nahe Temple Street und Beaudry Avenue.
(Verkehrsstraß~) oder morphologische Grenze (Geländehang) vorhanden ist. In demselben alten Wohnviertel, das sich zwischen First und Temple Street
Dieser Vorgang läßt sich sowohl in der Südwestvorstadt gegen dieWestvorstadt bis zum Glendale Boulevard hin erstreckt und dessen Entwicklung seit der
hin (nordwestlieh Jefferson Boulevard und Western Avenue) als auch in der Petroleumerbohrung in den goer Jahren ins Stocken geriet, wohnt eine Gruppe
r
I~ I
Oberstadt gegen Hollywöod hin (Hoover und Clinton Streets) beobachten. 'li Ostjuden, von denen es in Los Angeles schätzungsweise 50000-60000 gibt.
Viele der hier wohnenden Japaner arbeiten als Gärtner in den vornehmen ! Die meisten von ihnen sind lange im Osten der Vereinigten Staaten,ansässig
Gartenbesitzungender westlichen Vorstädte, oder sie haben ihre eigene Kunst;'
I;:, gewesen, und weim einer aus Krankheitsgründen ein besseres Klima aufsuchen
gärtnerei und Baumschule an " eine; , nahen Verkehrsstraße. Auch auf de~ t mußte, ist die ganze Familie gefolgt (Lit.53Ia). Einzelne von ihnen haben
Oberen Ostseite gesellt sich seit wenigen Jahren zu den anderen Ausländer- noch auf ihrem Grundstück vor dem Hause einen alten Bohrturm stehen,
gruppen auch eine japanische. In der Unter- und Industriestadt finden wir dessen, heute bescheidene Produktion einen gerngesehenen Nebengewinn ab-
ein paar japanische Wohngegenden, zum Teil bedingt durch die Nähe der wirft. Geschlossener tritt der Ostjude im Stadtbilde in Erscheinung auf der
drei Gemüse- und Fruchtmärkte, während die eigentliche Japanerstadt mit Oberen Ostseite, wo er in Brooklyn Heights dichtergedrängt wohnt und die
den japanischen Banken, japanischen Geschäften, HO,tels und der japanischen Westost-Durchgangsverkehrsstraße Brooklyn-Avenue mit seinen Geschäften
Handelskammer sich am Nordende des Großhandelsviertels befindet, zwischen ~ beherrscht. Sie haben sich in den letzten Jahren so vermehrt, daß sie ihr Wohn-
Los Angeles Street, Ducommun Street, Third Street und gegen das Trocken .. / viertel, in dem gelegentliCh eine Synagoge oder ein hebräisches Schild den Be-
bett hin in ein von Industriegebäuden durchsetztes japanisches Wohnviertel wohner verrät, südlich bis zur East 4th Street ausgedehnt haben. Juden, Mexi-
)
mit kleinen alten Rahmenhäusern übergehend. Die zahlreichen ärmlichen kaner und J apaner beherrschen heute den westlichen Teil der Oberen Ostseite,
japanischen "Boardinghouses" dienen als Arbeitsvermittlungsbüros. Ihre die in den80er Jahren anfing, ein Wohnviertel der Wohlhabenden zu werden.
Hauptgeschäftsstraße, die erste Straße beiderseits der Kreuzung mit San Pedro Von Mexikanern, Russen und Armeniern·werden die ärmlichen Quartiere
Street, unterscheidet sich in der Bauweise nicht von einer älteren ameri- der Unteren Ostseite bewohnt, die auf der lange Zeit unbebauten östlichen
kanischen Geschäfustraße. Nur die Menschen, die Auslagen und die Ge- Überschwemmungsterrasse entstanden sind. Die Russen der Unteren Ost-
schäftsnamen erscheinen exotisch. seite sind die einzige Gruppe der 24000 Russen des Countys, die geschlossen
Die Nachbarschaft der Japanerstadt im Umkreis von Los Angeles Street wohnt, als Sekte ihre Gewohnheiten beibehält - sie tragen Vollbärte - und
und erster Straße ist die Szene der nächtlichen Unterwelt von Los Angeles, V
I deshalb in Erscheinung. tritt. Während des Russisch-Japanischen Krieges
'1

für deren Leben das Phili ppino -Element weitgehend verantwortlich gemacht verweigerten diese protestantischen Molokaner (= Milchtrinker, weil sie nicht

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die strengen Fasten wie die russischen Orthodoxen einhielten) den Kriegsdienst In der Bevölkerungszusammensetzung nach der Herkunft hat sich das Ver-
und kamen auf der Landsuche über New York nach dem ariden Südwesten, hältnis vom Anteil der nördlichen atlantischen Staaten zu dem des Mittleren
wo sie Baumwolle und Rosinen zogen. Um ihr Land betrogen, ließen sie sich Westens von 1890-1920 nicht so wesentlich geändert, wie allgemein angenom.,.
schließlich in Los Angeles nieder, wo sie als ungelernte Arbeiter auf den Holz.,. men wird. Der vorwiegend viktorianische Baustil der Wohnhäuser der 1890er
stapelplätzen, auch in Industriebetrieben, ihr Brot verdienen, obwohl sie jetzt Jahre, der sich ebenso in Städten wie Detroit, Cincinnati, St. Louis oder
von mexikanischen Arbeitern unterboten werden. Minneapolis findet, läßt erkennen, daß der Mittlere Westen schon bei Beginn
Die sogenannte russische Intelligenz, die nach dem Weltkriege wie nach der eigentlichen städtischen Entwicklung weit stärker vertreten war und mehr
New York und San Francisco auch nach Los Angeles kam, lebt vorwiegend in zum Gepräge der Stadt beitrug als Neu-England. Der Unterschied in der
Hollywood, wo sie meist ungewohnte Arbeit verrichtet, zum Teil in den Zusammensetzung der Bewohner vor und nach dem Kriege ist wenig~r
Filmwerkstätten, und einen harten Kampf ums Dasein führt. regional als sozial. Vor dem Kriege stellte eben der Mittlere Westen eine vot-
Von den etwa 6000 Armeniern ,- die Census-Zahlen sind geringer, weil wiegend großstädtische Bevölkerung, ebenso wie die atlantischen Staaten,
sie zum Teil als Russen oder Türken zählen - ist nur die Gruppe wesentlich, während er nach dem Kriege neben den reich gewordenen Großstädtern eine
die ein eigenes Viertel bildet, einen Teil der Unteren Ostseite. Ihre Mehrzahl auffallend große Menge plötzlich in mittleren Wohlstand versetzter Farmer
arbeitet in einem Berufe, dem Müllabfuhrgeschäft. und Kleinstädter nach Südkalifornien entsandte. Es ist nicht der Mittlere
Über einen viel größeren Teil der Stadt haben sich die I taliener ver- Westen an sich, sondern seine Kleinbürger und Bauern, die für den Ruf ver-
breitet. Sie wohnen, vermischt mit Mexikanern, in der alten Sonora To-wn, antwortlich sind, den Los Angeles seit dem Kriege im ganzen Lande genießt.
im ärmlichen Wohnviertel der nördlichen Industriestadt und in East Los Dem Stadtbilde drückt jene wenig· anspruchsvolle Bewohnergruppe mit zahl-
Angeles. Entlang den Geschäftsstraßen dieser Bezirke bieten ihre Läden losen mittelmäßigen Kleinwohnhäusern den Stempel des Monotonen auf, sei
dasselbe Bild wie in den Italienervie~teln der anderen Großstädte der Ver- es, daß diese Wohnviertel sich unabsehbar über die Süd- und äußere Südwest-
(
einigten Staaten. vorstadt ausbreiten, nur von ebenso monotonen Geschäftsstraßen im Meilen-
Ebenso bietet die Neger-Bevölkerung ähnliche Probleme wie in vielen oder Halbmeilen-Abstand(I,6 oder 0,8 km) unterbrochen, oder über die
Großstädten des Mittleren Westens und Ostens der Vereinigten Staaten, nicht Plateaus Von Long Beach, Alhambra oder Glendale, sei es, daß sie stillos-
des Südens. Sie ist weniger über die Stadt und den Stadtsaum verstreut als häßlich, neuerdings mit spanischen Ziegeln gedeckt, an den kahlen Hängen
die Mexikaner und Japaner, sondern in ihrer Hauptmasse auf ein Stadtviertel, der Elysischen, Highland- oder Repetto-Höhen hinaufklimmen. Menschen aus
die Unterstadt beiderseits der Central Avenue (südlich der 8. Straße) be- anderen Teilen des Landes passen sich, soweit sie in diesen Stadtvierteln
schränkt. Die Vorstadt Watts wird weitgehend von Negern bewohnt. In wohnen, 'der herrschenden Monotonie des Mittleren Westens an.
Pasadena finden wir sie in ehemals guter Wohngegend. Der Middlewesterner, der aus seiner kleinstädtischen Umgebung und
Weniger stark als die fremdrassige Bevölkerung tritt die unterschiedliche seiner gefestigten Gesellschaftsordnung gerissen ist, bedarf in der Großstadt
Herkunft der U.S. -Amerikaner im Stadtbilde hervor, denn für sie ist Los eines neuen Angelpunktes. So begünstigt das Vorhandensein einer Menge
Angeles der Schmelztiegel, so wie die Vereinigten Staaten im ganzen der "melt- solcher entwurzelter Kleinstädter eine größere Vielheit kirchlicher Sekten als
ingpot" für die Europäer sind. Die große Mehrzahl derU.S.-amerikanischen in anderen Großstädten mit anderer Bevölkerungsgruppierung. Eine ganze
Bewohner hat die gleiche Anziehungskraft, das Klima, nach Los Angeles ge- Stadt, wie Long Beach, beschränkt sich schon seit langem bewußt auf nur
bracht. So sind sie alle geistig verwandt - das konservative Element, das es diese eine Klasse von "Kundschaft", den Kleinstädter und Farmer aus dem
auch in Amerika gibt, ist im Osten geblieben - und die Unterschiede der Her- Mittleren Westen und dem anschließenden Kanada. Auf ihn ist die Reklame
kunft werden ausgeglichen dadurch, daß ein jeder vom Geist des Grundstücks- der Handelskammer von Long Beach zugeschnitten. So wurde diese Stadt
unternehmers erfaßt und bald zu einem besseren Angelefio und Verkünder der zum ruhigen Alterswohnort des sparsamen weltfernen Mannes, der ängstlich
Vorzüge von Los Angeles wird als viele der länger Ansässigen. vermeidet, sich. als Einwohner von Long Beach zu melden aus Furcht vor

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Besteuerung. Er zahlt nach wie vor die Steuern in seiner schläfrigen Heimat- dafür zu neu. Es. fehlt ihnen die Alters-Patina. Eine große Zahl Ausländer,
stadt. Dort hat er auch sein Geld noch in der Lokalbank investiert oder bleibt Deutsche, Russen u. a. haben Hollywood als Wohnort gewählt und tragen
am Warenladen der Ortschaft beteiligt. Mit einfachen Vergnügungen ist er zum gemischten Gepräge der Bewohner dieses Stadtteils bei.
zufrieden. Erst nach langer Zeit läßt er sich zum Golfspiel bewegen. Die Die Filmschauspieler sind mit dem Vorgang der Stadtwerdung Hollywoods
Petroleumerschließung hat diese Entwicklung gestört und Geschäftsbelebung . gewichen und haben sich die jüngere, westlicher gelegene Randstadt Beverly
gebracht. Der reiche Petroleumunternehmer kam. Für ihn entstanden Luxus- Hills als Wohnort gewählt, wo sie in ähnlichen parkartigen Besitzungen und
hotels und Mietshochhäuser. Der Zustrom wöchentlich entlohnterBohr- vom besten Architekten erbauten Villen leben wie der wohlhabende Geschäfts-
i arbeiter hat Long Beach zum Arbeiterparadies gemacht und die vielerlei mann. Wenn nicht an einer Durchgangsverkehrsstraße, die das Wohnviertel
1I Vergnügungsstätten jeden Samstagabend besonders stark belebt. quert, ein Privatauto stünde mit der Aufschrift "Will show you famous movie
Gegenüber der einheitlichen und ausgeglichenen Bevölkerungszusammen- stars' homes for 50 cents", wüßte man nicht"daß dies die Stadt der Berühmt-
setzung der zuvor beschriebenen Amerikaner-Stadtviertel spiegelt Hollywood heiten ist. Es ist nicht die Filmschauspieler-Bevölkerung an sich, die in Los
die differenzierte Herkunft seiner Bewohner mit Absicht wider. Gegen die Angeles in Erscheinung tritt, sondern die Reklame" die um jeden einzelnen
Gefahr des amerikanischen Ausgleichsvorgangs wird in Hollywood ange.,. . von ihnen gemacht wird. Die vom Filmunternehmer aus Geschäftstaktik er-
kämpft. Man will hier das Paris des Fernen Westens schaffen. Der Abendverkehr fundene Filmschauspieler-Scheidung rückt die Filmgröße in das Licht der
auf dem HollywoodBoulevard versucht das Pariser Boulevard-Leben nachzu- Öffentlichkeit und treibt den Lebenspuls Hollywoods, das so zum Mekka der
ahmen, wenn auch der Boulevard längst vor Mitternacht ausgestorben ist und Filmneugierigen ganz Amerikas wird.
die Sitze vor den Cafes, von denen man in Paris das Straßenleben in Muße Wegen des schlechten Rufes, in dem das Leben der Filmgrößen in gesitteten
beobachtet, fehlen. Filmtheater - darunter das berühmte Graumann-Theater Kreisen steht, ist die heutige Geschäfts-Aristokratie von Los Angeles von ihnen
im chinesischen Baustil, in dem die U~aufführungen der großen Filme statt- bewußt abgerückt. Den Beweis sehen wir in dem Verbot, das in der modernen
finden -, Läden aller Art bis zu den t~uersten und Schönheits-Salons flankieren Aufteilung Bel-Air gegen den Zuzug von Juden' und Filmschauspielern besteht,
die Straße. Man speist und tanzt in Nachtklubs oder sitzt zur Mahlzeit im' und in ihrem Ausschluß von der Mitgliedschaft im Los Angeles Country Club.
exotischen oder intimen Restaurant. Bilder mit den Köpfen der beliebten Die modernen, vereinzelt in jungen Parkanlagen stehenden Villen der
Filmgrößen leuchten abends von den Laternenpfählen auf Menschen herunter, Millionäre geben den Hängen des Santa Monica-Gebirges westlich Beverly
unter denen übertriebene Eleganz, künstlerisch-sein-wollende Kleidung oder Hills und den oberen Teilen der zertalten Schuttkegel heute das Gepräge.
europäisch nachgeahmtes Aussehen erkennen läßt, daß hier U. S.-Amerika I Schon ist der Wilshire-Distrikt mit seinen nach dem Kriege erbauten, fast
nicht amerikanisch sein möchte. Deshalb ist Hollywood die Stadt der Touristen, ~ ebenso kostbaren Villen, deren Stil kaum veraltet ist, nicht mehr der vor-
die in Hotel- und Mietshochhäusern, in Pensionen oder in der gemieteten nehmste, ganz abgesehen von dem besten Vorkriegswohnviertel West Adams
Villa wohnen. Wer das Exotische sucht, zieht in das "Garden of Allah Villas"- Street Heights oder den repräsentativen holzverkleideten Villen des St. James
Hotel. Den Französling zieht die amerikanisierte, dörflich-europäische Um- Park, die um die Jahrhundertwende entstanden, und den reichen viktoriani-
gebung des "Normandy Village" an, in dem Bananenbäume auf dem "Dorf.. schen Einfamilienhäusern an der Figueroa Street. Innerhalb 40 Jahren fünf zeit-
platz" die angepriesene "typical Normandy atmosphere" nicht beeinträch- lich einander ablösende Wohnviertel der Bank- und Geschäftsmagnaten sind
tigen. Kunst-Ateliers, Tanz-Akademien sowie Stimm- und Singschulen, viel- eine Leistung, die kaum eine andere Stadt der Vereinigten Staaten aufWeisen
fach an den Verkehrsstraßen liegend, die vom Hollywood Boulevard abzweigen, dürfte. Sie legen Zeugnis ab von der Modepsychose, der die Bewohner von Los
verraten einen weiteren hier lebenden Menschentyp. Aber trotz der Künstler, Angelesmehr als die anderer Städte unterworfen sind, ein Geist, der es dem
Schriftsteller und vermeintlichen Filmanwärter kann etwas wie ein Montmartre Reichen verbietet, in einem etwas veralteten Haus oder etwas zu nah an einer
oder Soho, selbst ein "Greenwich Village" hier nicht entdeckt werden. Das Durchgangsverkehrsstraße zu wohnen, und ein Beweis, wie wenig eingesessen
Automobil ist gegen eine solche Entwicklung, und auch die Häuser sind selbst die führenden Familien sind, und wie wenig beheimatet sie sich auf ihrem

157
Besitz in Los Angeles fühlen. Im Kontrast dazu steht Pasadena, das von dem
r r

Männer dieser Altersklasse über die Frauen mit 700 überwiegen (Lit. 102).
instabilen Geist von Los Angeles verschont ist. Die 25 und mehr Jahre alten In Pasadena verhielt sich 1930 die Zahl der Frauen im Alter von 30 Jahren
Villen der mit alten Pfefferbäumen bestandenen Orange Grove Avenue, die und darüber zu der gleichaltriger Männer wie 3 zu 2. Nur aus der Wurzel-
noch heute von Millionären und Industriekönigen des Ostens im Winter losigkeit so vieler Bewohner ist es zu erklären, daß eine "Four Square Gospel"-
bewohnt werden, atmen den Geist neuenglischer Beständigkeit. Zwischen dem Sekte teure zeitungsfüllende Skandalaffären inszenieren kann, sich einen
entwicklungshemmenden Arroyo Seco und dem Geschäftsviertel gelegen, war "Angelus-Tempel" von Schauspielhausgröße mit eigener Rundfunkanlage zu
Orange Grove Avenue von vornherein gegen eine Westausdehnung des Zen- leisten vermag und eine Menge zugleich neugieriger, gläubiger und urteilsloser
trums von Pasadena geschützt. Es hat den Anschein, als ob die verkehrsgeschützte Hörer findet. Aimee Sempie Mc Pherson, die das "Geschäft" des Angelus-
Eichenpark-Aufteilung von Oak Knoll am Südrande des Pasadena-Plateaus, Tempels betreibt, zieht in ähnlicher Weise ältere Kleinstädterinnen des Mitt-
die in jüngster Zeit bebaut wurde, einen ebenso beständigen Charakter leren Westens nach Los Angeles, wie der Zaubername "Hollywood" die Welt
erlange. filmfreudiger junger Mädchen anlockt.
Die Mietsstubenviertel, zu denen die altbebauten citynahen Teile der Ober- Weniger als die beschriebenen Bevölkerungsgruppen fällt das wichtigste
stadt, Südwestvorstadt und Vnterstadt 'geworden sind, zusammen mit der Bewohnerelement im Stadtlandschaftsbilde 'auf: der geschäftstätige, führende
großen Zahl von Dauerwohnhotels (residential hotels) und Kleinmietswoh- Bürger von Los Angeles. Er ist der Träger der Wirtschaft, der Entwicklung.
nungen (apartments) des Bunker Hill und der West Lake-Terrasse sind Von ihm geht der "Geist von Los Angeles" aus, der das möglich macht, was
Wohnstätten von zahllosenDauerbesuchern, die eine besondere Bevölkerungs- dem Außenstehenden unmöglich erscheint. Seine Eigenart ist der Schlüssel zu
gruppe darstellen, und von Einzelpersonen, die, ohne den Besitz eines Autos, der Lösung des Rätsels von Los Angeles. Die Analyse seines Wesens und seines
darauf angewiesen sind, in der Nähe ihrer Arbeitsstätte und im Bereich deS Wirkens bleibt deshalb dem Schlußkapitel vorbehalten.
Straßenbahnnetzes zu wohnen. Der "rooming house"-Gürtel ist eine Er-
scheinung aller V .S.-amerikanischertGroßstädte. Bezeichnend für Los Angeles
NAMENGEBVNG VND AVFTEILVNGSGESCHÄFT
ist nur die Menge der Einzelgäste der Dauerwohnhotels dieses Gürtels, unter
denen die Nichtstuer - vorwiegend ältere kälteempfindliche Frauen des An den Mündungen des Hudson und Mississippi, am Zusammenfluß des
Mittleren Westens - das Charakterelement bilden. Alleghany und Monongahela, am Michigan-See und an der Bucht von San
Manche dieser für Los Angeles typischen Existenzen leben schon Jahrzehnte Franciscohätte auch eine andere Nation große Städte entstehen sehen. Wohl
in demselben Hotelzimmer, ohne selbst das Frühstück in dem Hotel einnehmen wäre auch dann die Ortslage von Los Angeles' oder Hollywood zu einer städti-
zu können. Sofern sie ihre Zeit nicht mit Herumsitzen in der Hotelhalle und I
schen Siedlung genützt worden, aber es wäre eine Stadt entstanden, deren
Gesprächen über das Wetter, den jüngsten Zeitungsskandal oder die Absicht, Bewohnerzahl im Verhältnis zu der landwirtschaftlichen Produktion des Süd-
einen Besuch ,;back East" zu machen, totschlagen, füllt eine Bridge-Gesell-
schaft oder eine Veranstaltung ihrer Sekte oder ihres Frauenklubs den Tag
I kalifornischen Beckens und der dann weniger hastig sich vollziehenden Pe-
troleumförderung gestanden hätte: Die Millionenstadt Los Angeles dagegen
für sie aus. Die im Stadtbild hervortretende Vielheit der Kirchen verschiedener ist ein künstliches Produkt, das V.S.-amerikanische Psyche zur Voraus-
1-
Sekten deutet nicht nur auf den auffallenden Anteil hin, den der Mittlere setzung hat.
Westen an der Bevölkerungszusammensetzung hat, sondern auch auf die An- Reklame hat die Menschen' weit über das normale Maß in Massen nach
wesenheit einer beträchtlichen Menge älterer alleinstehender Frauen, die das Los Angeles getrieben. Die Stadt hatte sich weitgehend vorbereitet für die
Publikum für die Sektenveranstaltungen bilden. Vnter den Bewohnern im Aufnahme des Millionenzustroms, der erst im Zeitalter des Automobils ein-
Alter von 55 Jahren und darüber hat Los Angeles County einen Überschuß setzte. Das erklärt die wahllose Zerstreuung der städtischen Siedlung über die
von über 25000 Frauen gegenüber der Zahl der Männer gleiche.n Alters,wäh- Landschaft, eine Weitläufigkeit der Bebauung, die sich in keiner anderen
rend in San Francisco und Alameda County (mit Oakland und Berkeley) die langsamer gewachsenen V.S.-amerikanischen Stadt in diesem Maße findet.,

159
f
Um dieses Besondere des Phänomens Los Angeles zu verstehen, müssen wir hat zu der Geschichte, Lage oder dem zukünftigen Charakter der Siedlung.
den Vorgang der räumlichen Ausdehnung, der Aneinanderreihung einer So beschlossen schon 1875 die Kolonisten der Indiana Colony, ihre Siedlung
Vielheit von Siedlungen und Aufteilungen zur GroßstadtIandschaft im ein- "Pasadena" zu nennen, das im Dialekt der Chippewa-Indianer des Ostens
zelnen betrachten. Er setzt wohl, wie wir sahen, die Popularität des Auto- Krone oder Schlüssel des Tales heißen soll, nachdem sie sich vorher sorg-
mobils voraus, war aber nur möglich infolge erstaunlicher Geschäftstüchtig- fältig erkundigt hatten (Lit. 510, S. 463, Lit. 515 u. a.). Für die höhergelegene
keit unter Ausnutzung einer auf Reklame reagierenden menschlichen Seele. Nachbarsiedlung entstand daraus "Altadena" unter Verquickung mit dem
Eine Straße, eine neue Aufteilung, eine Vorstadt "entwickelt" sich um.,so Spanischen. Die andere in jener Zeit begonnene Obstbausiedlung des San
besser, je anziehender ihr Name wirkt. Von diesem Gesichtspunkt aus ent- Gabriel-Beckens nannten die beiden Unternehmer nach der römischen Göttin
stehen Orts- und Lokalitätsnamen, welche. die spätere Ortsnamenforschung der Gartenfrüchte "Pomona". Ähnliche Gedankengänge führten in modernerer
ohne Kenntnis jener Psychologie zu geographischen Fehlschlüssen führen Zeit zur Schaffung des Ortsnamens "Gardena", der zu den Gartenkulturen
müßten. Deutet nicht der Name Pasadena auf ortsgebundenen indianischen dieser Siedlung Beziehung hat. Die junge Aufteilung am Hange des Santa
Ursprung? Die Siedlungen Venice und Naples auf italienische, Athens auf Monica-Gebirges, die sich jetzt zur exklusiven Villenkolonie des Westens ent-
griechische Kolonistengründung? Sollte nicht das auf einem Schuttfächer- wickelt, erhielt den Namen "Bel-Air", da sie den frischen Seewinden von
plateau gelegene Beverly "Hills" eine verlegte Siedlung sein, ursprünglich Südwesten her ausgesetzt ist.
vielleicht auf dem westlich benachbarten Hügelland gegründet? Weist nicht Gern greift man auch den Ortsnamen völlig aus der Luft. Die Wahl des
der Ortsname "Westwood" auf ehemaligen Waldbestand und Rodung hin? Namens folgt dann dem Vorschlag eines Einwohners der betreffenden Sied-
"Palms" auf früheren Palmenhain, "Hollywood" auf ursprüngliches Vor- lung, der den Namen einmal auf der Reise gehört oder frei erfunden hat.
handensein von Stechpalmen (Ilex)? Und ist nicht die Vermutung berechtigt, So entstand in den 1880er Jahren "Hollywood" und "Glendale". Ebenso
daß Playa del Rey, EI Segundo, Lomita, Alhambra und San Marino aufspani- willkürlich erscheinen "Happy Valley", "Hollydale", "Lawndale" und ähn-
sche oder mexikanische Lokalitätstlamen zurückgehen? Mit um so größerem liche Namen. Schon frühzeitig erkennt der Grundstücksunternehmer den
Recht könnten jene Schlüsse gezogen werden, als in der Tat eine Reihe von Wohlklang des Spanischen und nennt seine Aufteilung entweder echt maurisch
Ortsnamen sich im Zusammenhang mit ihrer Gründung oder Umgebung "Alhambra" oder spanisch anklingend "Moneta" oder nur mit spanischer
bringen lassen. So istWilmington nach der Heimat des Gründers benannt, Endung "Walteria". Ohne sich des Widerspruchs bewußt zu werden, ver-
Compton und Culver City nach den Gründern selbst, Van Nuys und Lanker- knüpft man das Spanische mit dem Englischen, wie in "Hermosa Beach",
shim nach den ehemaligen Besitzern des Landes, Holmby Hills nach Holmby ist dagegen bei der Namengebung von "Playa del Rey" logischer. Der
in England, dem Geburtsort des ehemaligen Landbesitzers Letts (s. S. 167), moderne Aufteiler, der die Mode der plötzlich erwachten spanischen Tradi-
Strawberry Park nach der Erdbeerzucht, Oak Knoll nach der eichenbestan- tion wahrnimmt, nennt "Mar Vista", was er früher "Ocean View" genannt
denen Geländeerhebung und Artesia nach dem Gebiet artesischen Wassers, hätte, und "Linda Vista", was anderorts "Bellevue" heißen würde.
in dem die Siedlung gegründet wurde. Mit Recht lassen sich die Ortsnamen Für gute Wohnlage machen die vielen Namen Reklame, die mit Park,
Santa Monica, Redondo Beach, Los Palos Verdes und Verdugo City auf Wood, Hills, Heights, Mont, Crest, KnolI, Terrace oder View endigen, auch
spanische Ortsbezeichnungen oder den spanischen Landeigentümer zurück- wenn der Park nicht zu sehen ist, der Wald aus einem dürftigen Eukalyptus-
führen. Los Angeles selbst, San Gabriel und San Fernando erinnern an den gehölz besteht und die Hügel nur in der Nachbarschaft liegen. Diese Be-
Tag der Entdeckung oder Gründung, während Topanga Beach und Tujunga zeichnungen lassen sich beliebig mit spanischen Namen verknüpfen, wie in
über das Spanische auf indianische Lokalitätsnamen zurückgehen. "Ramona Park" oder "Montecito Park", so daß sie einerseits den Reiz der
Der Ortsname ist Reklame. Er muß daher leicht auszusprechen, wohl- spanisch-kalifornischen Romantik haben, andererseits dem Neuling aus dem
klingend und gut zu behalten sein, so daß er ortsfremde Grundstückskäufer Osten, der das Spanische vielfach nicht gleich deuten kann, sagen, in welch
·anzieht. Dabei wird der Name meistens so gewählt, daß er eine Beziehung reizvoller Umgebung die angepriesene Aufteilung liegt.

160 XI Wagner, Los Angeles


\

1904 kam ein geschickter Unternehmer, Ab botKinney, auf den Gedanken, Ebenso geht die Umbenennung von Straßen auf das Geschäftsinteresse der
in der siedlungsfeindlichen Marsch der unteren Ballona-Niederung Kanäle anliegenden Geschäfte oder Grundstücksbesitzer zurück. Ähnlich wie andere
anzulegen, dazu den Marcus-Platz und einige venezianische Straßen zu Städte, mußte auch Los Angeles nach New Yorker Vorbild seinen Broadway
imitieren. Die Siedlung "Venice" hatte in erster Linie als Vergnügungsort haben. Die alte Fort Street, die ihren Namen von einer früheren Befestigung
solchen Erfolg, daß im folgenden Jahre zwei Unternehmer ein Stück Land herleitet, wurde mit ihrer Umänderung in "Broadway" 1889 (Lit. 510, S. 592)
in der Alamitos-Niederung an der Mündung des San Gabriel-Flusses er- zur Hauptgeschäftsstraße prädestiniert. Dagegen vermochte der Broadway,
warben, wo sie eine Konkurrenzsiedlung "Napies" gründeten. Der Name den zwölf von den Randstädten erhielten, nicht immer gegen eine schon be-
hinderte nicht, eine Reproduktion des Dogenpalastes zu errichten und für ihr stehende Hauptgeschäftsstraße anzukommen, wie das Beispiel des Broadway
" Dreamland of .
Southern California" Reklainezu machen mit dem Satz: von Santa Monica zeigt. In einer Zeit, in welcher die spanische Lokaltradition
"Through the canals and under the high arching bridges gay gondoliers will noch nicht erwacht war, konnte Los Angeles seine Buena Vista Street in North
propel their crafts like those in the waters of the Adriatic (!) under the blue Broadway umtaufen. Das geschah 1909 (Lit. 510, S.681). Seit der Ent-
skies ofItaly" (Lit.488, I). Der beliebte Vergleich Südkaliforniens mit Italien wicklung eines Verwaltungszentrums beantragen die Grundstücksbesitzer an
führte während des Nachkriegs-Booms zu den Namen "Riviera" und der historischen Temple Street Umbenennung ihrer Straße in "Civic Center
Castellammare" für zwei exklusive Aufteilungen nördlich und westlich von Boulevard", was die Historische Gesellschaft nur mit Mühe verhindern kann.
"
Santa Monica. Die Reklamekraft spanischen Wohlklangs alter Lokalitätsnamen ist in jüngerer
Nur in wenigen Fällen haben sich die Ortsnamen natürlich herausgebildet. Zeit maßgebend für die Benennung künftiger Geschäftsstraßen. "La Brea"-
Als Beispiel dafür sei "Westgate" genannt, ein Siedlungskern, der sich vor und "La Cienega"-Boulevard sind daher besonders anlockend, während sie
dem westlichen Tor des Geländes der Veteranen-Heimstätte Soldiers' Home mit gleichbedeutenden englischen Namen ("Pitch"- und "Slough"-Boulevard)
entwickelte. das Gegenteil bewirken würden. Einer früheren Epoche, aber aus derselben
Die geringe Bindung an Tradition und die reine Geschäftseinstellung der Mentalität, entsprang der Name "Sunset Boulevard" (Sonnenuntergangs-
Bevölkerung drücken sich auch in der Schnelligkeit aus, mit der sich eine Boulevard).
Mehrheit für Änderungen alter Orts- oder Straßennamen findet. Wo der Ebenso wie die zahlreichen, aus Aufteilungs namen hervorgehenden Orts-
Ortsname keinen Reklamewert mehr besitzt, weil der Bezirk einen weniger namen sind der Grundriß in vielen Außenbezirken, Aufriß und Nutzung,
guten Ruf hat als ein benachbarter, wählt man gern dessen Namen, dem der Bebauungsabstand und die Wohndichte erst aus der Freiheit heraus zu
man dann die Himmelsrichtung hinzufügt. Sherman wurde ursprünglich verstehen, die der indivi<;luellen Willkür des Aufteilungsunternehmers gelassen
nach General Sherman benannt, der sich frühzeitig um die elektrischen ist. Das vorhandene Schnellbahnsystem und erst recht die Unabhängigkeit des
Bahnen verdient gemacht hatte. Das Straßenbahndepot, an das eine zum Automobils von einem an Schienen gebundenen Verkehrsnetz ermöglichen
Teil mexikanische Arbeitersiedlung geknüpft war, gab dem Namen einen es dem freien Willen des einzelnen, an ganz beliebiger Stelle der Land..,
so wenig anziehenden Klang für neue Bewohner, daß sie ihn 1927 in "West schaft eine Entwicklung von bestimmtem Typ einzuleiten. Der eine Auf-
Hollywood" umänderten. Ähnlich glaubten die Bewohner von Lankershim in teilungsunternehmer gründet eine Industriesiedlung mitten im Ackerbau-
der San Fernando-Ebene ihren Grundstücksverkaufzu fördern, indem sie den distrikt, wie Torrance, das abseits vom Industriegelände der Stadt und des
Ort in "North Hollywood" umbenannten. Die Siedlung Sawtelle, in der sich Hafens liegt, - der andere zieht Arbeiter und Mexikaner in seine Aufteilung
seit Ende des letzten Jahrhunderts die Familien vieler Veteranen des nahen wie in Belvedere Gardens, - ein Dritter teilt sein Land in "poultry tracts"
Soldiers' Home ansiedelten, wurde in jüngster Zeit weitgehend von J!ipanern auf, in deren Grundstücken man hinter dem Wohnhaus ein paar Hühner
besetzt, welche die Gemüsefelder der südlichen Sawtelle-Ebene bewirtschaften. halten kann; Teile von Inglewood sind für diese Entwicklung bezeichnend.
So änderten die Bewohner bei der Eingenteindung 1927 gerne den Orts- Die Industriesiedlung Vernon wird fast ganz von einem einzelnen Unter.,
namen in "West Los Angeles" um. nehmer kontrolliert, der keine Wohnhäuser in seinem Stadtviertel duldet.

II*
Häuser vorhanden. Das übrige war Weideland, und zum Teil Nuß-, Birnen-
Große Aufteilungsgesellschaften haben ihre Interessen über weite Teile der
und Apfelbaumpflanzung. Cudahys Land war ein paar Jahre vorher von
Landschaft verteilt und können alle Bedürfnisse befriedigen. So verfügt die
einem Unternehmer übernommen worden, der aufzuteilen anfing, aber ohne
Los Angeles Investment Company sowohl über Industrieaufteilungen als auch
Erfolg, weil niemand so weit vor die Stadt zog. Nachdem er bankerott gemacht
über vornehme Wohnviertel.
hatte, änderte er seinen Namen, stiftete der Straßenbahnge~ellschaft eine
Eine eigenartige Methode der Bevölkerungsanziehung wurde während des
Geldsumme, um sie zu bewegen, eine Bahnlinie zu seiner Aufteilung zu bauen
Vorkriegs-Booms von der Gesellschaft angewandt, die Hawthorne auf-
und gründete eine Wasser- und Land-Gesellschaft, die mit jedem Grund-
teilte. Nachdem sie das Land vom ehemaligen Großgrundbesitzer erworben
stück einen Gesellschaftsanteil verkaufte. Jetzt, da es möglich war, für 5 Cents
hatte, wurde 1902 die elektrische Bahn hindurchgelegt. Dann errichtete man
vor die Stadt hinauszufahren, kamen die Menschen. Mit dem Automobil
mehrere Fabriken, eine Möbel-, eine Handschuh-, eine Addiermaschinen-
waren sie nicht gekommen. Der Geruch der Schlachthäuser, die unterwegs
fabrik, "fake industries", die alle wieder verschwanden, nachdem sie ihren
passiert werden mußten, hatte sie abgelenkt. Nun aber begann der Verkauf,
Zweck erfüllt hatten, Siedler heranzuziehen. In Hawthorne und Lennox
während dazwischen und auf dem bisher nicht aufgeteilten Gebiet noch meh-
wurde auch ähnlich wie in Teilen Inglewoods die Methode der Aufteilung
rere Jahre Walnüsse geerntet wurden. In dem Maße, in dem die verstreut'
in "acre and half acre lots" angewandt, Grundstücke von 0,4 und 0,2 ha
errichteten Häuser sich mehrten, rentierte die Walnußernte nicht mehr, denn
Größe. Wer in Los Angeles arbeitet, kann hier in küstennaher Sommerkühle
das Furchensystem der Bewässerung war unterbrochen. Die neuen Grund-
leben und nebenbei ein paar Hühner, Kaninchen, eine Kuh oder ein Schwein
stücksbesitzer, die wohl der landschaftliche Reiz der Walnußpflanzung an-
halten, die einen Nebenverdienst abwerfen. Zum Teil sind diese großen Grund-
lockte, pflegen die Bäume nicht mehr mit der erforderlichen Regelmäßigkeit, die
stücke nach und nach weiter aufgeteilt worden. Das größte Wachstum hat
Bewässerung läßt nach, und die Bäume werden nicht mehr zum Schutz gegen
auch Hawthorne wie die meisten Randstädte erst während des Nachkriegs-
Insekten bestäubt. Strenge Bebauungsvorschriften erlauben nur bestimmte
Booms erfahren. Man bot kleine ,,25 foot lots" an, die einen billigen Grund-
Haustypen, und es ist verboten, alte Häuser von einem anderen Stadtteil
stückspreis ermöglichten. Wer auf die Reklame hin sich ankaufen wollte,
sah sich dann genötigt, zwei nebeneinanderliegende Grundstücke zu kaufen, I auf die Aufteilung zu transportieren. So entsteht in der alten Walnußpflan-
zung eine anmutige Kleinhaus-Siedlung. Bald zogen die Geschäftsleute der
um ein Grundstück von,Normalgröße zu erhalten. Heute ist das gesetzlich
benachbarten Randstadt Huntington Park nach Walnut Park und später,
verboten, und Aufteilungspläne mit ,,25 foot lots" können nicht eingetragen
nachdem eine der großen Reifenfabriken sich in der Nähe angesiedelt hatte,
werden.
begannen auch Arbeiter zu kommen, um hier zu wohnen. 1933 erloschen die
Anders ging die Entwicklung in Culver City. Mr. Culver kam 1914
Bebauungsvorschriften. Der junge Stadtteil tritt somit schon in: die zweite Pe-
aus Nebraska, geriet ins Aufteilungsgeschäft, kaufte den Erben der spanischen
riode seiner Entwicklung ein. ,;Noch heute leben in der Gegend einige Mexi-
Lehensbesitzer in der Ballona-Niederung ein Stück Ackerland ab, teilte es auf
kaner, die seiner Zeit auf der "Ranch" des Mr. Cudahy angestellt waren,
und verkaufte die Grundstücke an Touristen aus dem Osten, die Geld in Süd-
sozusagen als Reliktbevölkerung einer verschwundenen Landschaft. Die
kalifornien investieren wollten. Daneben zog er eigentliche Rentner heran
Wassergesellschaft, die 1920 hauptsächlich Wasser für die Bewässerung der
und schließlich die Filmindustrie, der er die meteorologischen Vorteile von
Pflanzung pumpte, beliefert heute die Hauswasserleitungen. Um die Mitte
"Culver City" bewies (Lit.677). Die Filmateliers machten wiederum die
der 1920er Jahre waren bereits so viele Wohnhäuser in Walnut Park ent-
Zuwanderer neugierig, da diese so etwas an ihrem Wohnsitz im Osten nicht
standen, daß der Unt\'!rnehmer ein an einer zentralen Straßenkreuzung ge-
kannten. So hat die nun in Culver City vorhandene Filmindustrie auch den
legenes Geschäftshaus mit einem "drug store"I), einem Spekulanten aus Chi-
Verkauf der Wohngrundstücke belebt.
cago für $ 33000 verkaufen konnte. Bei der raschen Bevölkerungsvermehrung
Die Wohnsiedlung Waln u t Park war mit Southgate noch 1920 ein länd-
licher Bezirk weit im Südosten der Stadt und noch wenige Jahre vorher in der I) Ein Drug store ist nicht nur Drogerie im deutschen Sinne, sondern zugleich allge-
meiner Warenladen und Erfrischungsrestaurant.
Hand eines einzelnen Landbesitzers, Cudahy. Ganz verstreut waren ein paar
und entsprechenden Wertsteigerung der Geschäftsecke konnte der Käufer Aufteilung Palos Verdes Estates Aussicht auf gesteigerten Absatz erlangten.
dasselbe Gebäude schon nach drei Monaten aufgg Jahre gegen eine An- Aber schon hatte die alterfahrene Aufteilungsgesellschaft, die den ehemaligen
zahlUng von $ 50000 und $ 1000 monatlicherMiete verpachten.· Selbst der Auf- Rancho San Jose de Buenos Ayres seit 1923 besaß, von den umliegenden
teilungsunternehmer konnte das nicht voraussehen! Städten Santa Monica, Vemce und Los Angeles mehrere Millionen Dollars er-
Beverly Hills, am Westendeder Hollywood-Platte gelegen, hat sich im halten, um der Universität den Landkauf zu billigerem Preise zu ermög-
Anschluß an ein vornehmes Touristenhotel entwickelt, das hier schon vor dem lichen. So erhielt denn die Universität einen großen Geländekomplex· für
Kriege im "Mission Style" errichtet und mit kostspieligen Gartenanlagen um- eine weit unter dem Marktpreis liegende Summe. Die kommende Universität
geben wurde. Es begann sich eine vornehme Wohnsiedlung daran anzuschlie- konnte man nun geschickt zur Reklame ausnutzen. Denn wer etwas auf
ßen, die Ig20 674 Einwohner zählte. Ig21 übernahm eine große Aufteilungs- Kultur hält, will das zum Ausdruck bringen, indem er in der Nähe des neueIi
gesellschaft den Grundstücksverkauf, setzte seitengroße Reklameanzeigen in geistigen Mittelpunktes von Los Angeles wohnt. So hat Westwood Hills als
die Zeitung und stellte die Filmtheater in den Dienst ihrer Propaganda. jüngste allerrVorstädte erst mehrere Jahre nach dem Höhepunkt des Nach-
Den Bewohnern von Los Angeles wurde klar, daß Beverly Hills, in dessen kriegs-Booms ziemlich schlagartig die letzte größere Lücke zwischen Los
Richtung die natürliche Westausdehnung der Stadt wies, die kommende vor- Angeles und Santa Monica ausgefüllt. Der Rancho San Jose de Buenos Ayres
nehme Wohnstadt sein werde. So zogen viele, die schon westlich der Vermont ist der letzte innerhalb der Stadtlandschaft, der sich noch bis in die zweite
Avenue oder in Hollywood wohnten, noch weiter westlich. Manch einen be- Hälfte der Ig20er Jahre so gut wie ungeteilt erhalten hatte. Von den Nach-
stachen die gewundenen Straßen von Beverly Hills, die eine Neuheitgegen-:- folgern des mexikanischen Besitzers hatte ihn "Don Benito" WiIson, ein
über der bisher üblichen Stra%nführurig darstellten. Schließlich begam~en ehemaliger Pelzjäger, der 1841 nach Los Angeles gekommen war und bereits
die Filmschauspieler aus Hollywood nach Beverly Hills zu ziehen. Die ge- 1844 die Tochter eines spanischen Großgrundbesitzers geheiratet hatte
schickte und konsequente Verkaufspolitik der Aufteilungsgesellschaft, die (Lit. 488, 11), 1852 erst mit halbem Interessenanteil und 1858 ganz erworben.
nur geschlossene Bebauung zuließ, hat es möglich gemacht, daß der gute Kurz darauf-es waren die Katastrophenjahre der Viehwirtschaft-veräußerte
Charakter, den die Wohnstadt hatte, als sie sich in kleinen Anfängen befand, _ er den Rancho. 1884 kaufte ihnJ ohn WolfskiII. Schon drei Jahre danach
bis heute bewahrt blieb, trotzdem sich die Bewohnerzahl innerhalb von während der großen Boom-Psychose, verkaufte er ihn zum zehnfachen
IO Jahren verfünfundzwanzigfachte. Beverly Hills ist heute eine der schönsten Preise an die Santa Monica Land & Water Co., die eine Bahn hindurch-
Wohnstädte der Landschaft. Sämtliche Straßen sind mit Bäumen bestanden. baute und die Stadt Sunset ("Sonnenuntergang") darauf gründete. Wie bei
Da keine Architektur vorgeschrieben ist, finden wir abwechslungsvolle Be- manchen solcher kurz. vor dem Zusammenbruch des ersten Booms gegrün-
bauung mit guten Typen aller Stile. Villen im spanischen, neomediterranen, deten"Städte" wurden nur ;wenige Grundstücke verkauft, so daß das Land
normannischen, englischen und im Phantasiestil wechseln miteinander ab. 18g1 an Wolfskill zurückfiel und die Grundstücke der "Stadt" wieder
Derselben Abwechselung begegnen wir in den Teilen der· Siedlung, .die statt überpflügt wurden. Iglg erwarb Arthur Letts, ein weitblickender Kauf-
mit Villen ausschließlich mit Kleiilhäusern bebaut sind. Nach dem grö~eren mann von Los Angeles, den Rancho als Kapitalanlage (Lit. 555). Letts
Vorbild von Los Angeles beginnt auch BeverIy Hills sich sein Verwaltungs- . hatte schon im Geschäftszentrum Erfahrung im Vorausfühlen kommender
zentrum zu schaffen. Ein prachtvolles Barock-Rathaus, das dem von Pasadena Entwicklungstendenzen . während vieler Jahre gesammelt. Seine Tochter
ähnelt, kündet mit weithin leuchtender Kuppel den Wohlstand dieser Stadt. 'heiratete den Aufteilungsunternehmer Janss, dessen Vater schon seit An-
Die Erwartung, daß der. südkalifornische Zweig der Staatsuniversität, die fang des Jahrhunderts das Aufteilungsgeschäft betrieb, das :von ihm und
"University of California at Los Angeles", sich ein neues größeres Gelände seinem Bruder fortgeführt wird. Die Gesellschaft hatte Übung in den ver-
suchen werde, hat an verschiedenen Stellen der Landschaft das AufteiluIigs- schiedensten Arten des Immobilienverkaufs. In der San Fernando-Ebene
geschäft belebt. Pasadena kam für die Universität in Betracht; dann der hat sie -Landbesitzungen verkauft, westlich vor dem Los Felis-Paß hat sie
Abhang des San Pedro-Vorgebirges, so daß plötzlich die Grundstücke der vornehme Wohngrundstücke aufgeteilt. Kurz nach dem Kriege und noch

166

.,ll
vor dem Boom hat sie außerhalb der Ostgrenze der Innenstadt ein ganzes agenten. So hat der Bauunternehmer heute das Risiko. Natürlich wurden
Arbeiterstadtviertel innerhalb von zwei Jahren fast vollständig verkauft viele Grundstücke an reine Spekulanten verkauft. Dadurch wechselten in
- trotz Wirtschaftsstockung - und hatte mit Kontrakten, die Zahlung inner- der Zeit der guten Konjunktur die Grundstücke rasch und oft den Besitzer,
halb von 5 Jahren vorschrieben, Erfolg. Die Gesellschaft übernahm 1922 die einige bis zu zwölfmal, was den yerkauf der übrigen Grundstücke, die noch
Aufteilung des Ranchos San Jose de Buenos Ayres, auf dessen 13 qkm noch in der Hand der Aufteilungsgesellschaft waren, nur beschleunigte. Als
bis dahin Gerste, Bohnen und Walnüsse von Pächtern geerntet wurden und dann der Erfolg einsetzte, die Universität sich zum Landkauf entschloß
zum Teil noch umzäunte Weiden bestanden. Die einzigen Häuser waren die und tatsächlich gut aussehende Häuser auf den unbebauten Grundstücken
Wohn- und Wirtschaftsgebäude der Pächter, die von Eukalyptusbäumen als entstanden, kam mancher Spekulant, um auf seinem Spekulationsgrundstück
Windschutz umstanden waren. Eine solche Eukalyptusgruppe war der" wood", sich selbst ein Heim zu bauen, die Zeit niedrigerer Baukosten nach Abflauen
von dem die Berechtigung zum Namen "W&twood" abgeleitet wird. Dank ! des Booms ausnutzend. Anders ging es bei der Aufteilung um die Loyola-
,l Universität, der über dem Playa del Rey-Steilhang ein Gelände gestiftet
ihrer Erfahrung und Kapitalkraft konnten die Unternehmer die Aufteilung .
vorsichtig und schrittweise betreiben und das Geschäft auf 15jährige Sicht wurde, das ganz abseits vom Durchgangs-Automobilverkehr liegt. Hier
berechnen. So blieb der ländliche Charakter des Landes in den Teilen, die hörte der Spekulant auf, weitere Ratenzahlungen für sein Spekulations-
erst nach und nach aufgeteilt wurden, noch weitere Jahre erhalten. Der süd- grundstück zu leisten und verzichtete, sobald er sah, daß die Aufteilung
liche Teil des Ranchos ist vorwiegend eben (Teil der Sawtelle-Ebene), der nicht einschlug. So breitet sich heute vor dem weithin sichtbaren einsamen
nördliche zertalt (Buenos Ayres-Hügelland). Das bestimmte den Charakter der Gebäude der Loyola-Universität ein Straßennetz aus, dessen Häuserblocks
Entwicklung. So liegt im nordöstlichen Teil, an Bel-Air grenzend, der vor- brachliegen.
nehm-exklusive Bezirk Holmby Hills, der in Parkbesitzungen aufgeteilt wurde. Der Erfolg der Entwicklung von Westwood Hills und die Wertsteigerung
Das kleinste Grundstück ist hier 0,3 ha groß (Lit. 534, S. 178). Im ebenen • des Landes, welche die städtische Bebauung des Rancho San Jose de Buenos
Süden konnte man viel billiger aufteilen und mit geringeren Kosten Straßen Ayres bringt, bewirkt, daß auf einmal ein Nachkomme des mexikanischen
anlegen. Das drückt sich im Grundstückspreis aus. Deshalb sind die Bau- Lehensbesitzers, dem 1843 der Rancho verliehen wurde, auftaucht, behauptet,
vorschriften südlich des Wilshire Boulevard, wo mit der Aufteilung begonnen daß seiner Familie ein ungeteilter halber Anteil am Rancho gehöre, und die
wurde, weniger scharf als nördlich dieser Hauptverkehrsstraße. Nördlich des Aufteilungsgesellschaft auf Herauszahlung der Hälfte der Verkaufsgewinne
Wilshire Boulevard legte der Aufteilungsunternehmer die Kanalisation und und Einkünfte verklagt. Geschickterweise beschränkt sich die Anklage zu-
unterirdische Röhren für die Telephon- und Lichtdrähte, die sonst aufhäß- nächst auf 9 genau spezifizierte Grundstücke innerhalb des Ranchos, für die
lichem Stangenwerk, das von der Stadt errichtet wird, oberirdisch verlaufen. man eine genaue Summe errechnen kann. Gewinnt der Kläger den Prozeß,
Eine vierfache, von Süden nach Norden fortschreitende Abstufung der Grund- dann wird er ihn sofort auf den seiner Familie angeblich zustehenden halben
stückspreise und Baukostengrenzen wird jedem Anspruch gerecht. "Kinder- Anteil am gesamten Rancho ausdehnen und Herauszahlung von Riesen-
gartens", Volksschulen, Privatschulen und Mädchenschulen in verschiedenen summen fordern .. Die Gefahr solch unerwarteter Anfechtung von Land-
Teilen der Aufteilung, eine "highschool" und eine Universitäts-Vorschule, titeln ist so groß, daß· es für jeden Landbesitzer und Aufteilungsunternehmer
dazu die Universität selbst mit den Verbindungshäusern der "fraternities" erforderlich ist, sich dagegen zu versichern. In vielen Teilen der Landschaft
und "sororities" sollen jedem die Erziehung und Ausbildung seiner Kinder hat Grund und Boden seinen Besitzer seit der Verleihung durch den
bis zum Ende der gesellschaftlich so wichtigen Universitätsjahre an Ort und König von Spanien oder den mexikanischen Statthalter durch die Zeiten
Stelle ermöglichen. Auch die Kirchen fehlen nicht. der frühen U.S-amerikanischen Kolonisation und die drei Booms hindurch
Das Grundstücksgeschäft wird hier anders betrieben als in den meisten . so oft gewechselt, daß es für den Landkäufer heute unmöglich ist, die Kette
Fällen. Es werden zuverlässige Bauunternehmer gewonnen. Die Aufteilungs- der Titel bis zur ersten Belehnung zurückzuverfolgen. Daraus erhellt die ge-
gesellschaft, der sie die Grundstücke abkaufen, benutzen sie als Verkaufs- waltige Bedeutung der Titelversicherungsgesellschaften. Zwei von ihnen sind

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~). 169
~ .
zu Rieseninstitutionen angewachsen mit eigenen Büro-Hochhäusern, fast den Die Bauunternehmer, die ja ihres Gewinnes in dieser gutgehenden Aufteilung
größten und modernsten des Geschäftszentrums. Sie besitzen vollständige sicher sind, scheuen keine Mühe in der äußeren und inneren Ausstattung ihrer
Kopien der Karten und Auszüge der Akten des Katasterarchivs von den mediterranen Häuser. Denn der Artikel "charm" ist heute, und gerade hier,
ältesten Zeiten an, registrieren laufend sämtliche Grundstücksverkäufe der gesucht. Fast jedes dieser reizvoll winkelig gebauten Apartment-Häuser
Landschaft, und jede unterhält einen Stab archivalisch geübter Titelforscher. bekommt einen schönen spanischen Namen. Eines heißt "EI Encanto", ein
Ein solcher Prozeß, wie er im Falle des Rancho San Jose de Buenos Ayres anderes "EI Lugar", womit man "The Village" übersetzen will. Ein weiteres
heute angestrengt wird, ist für die Titelgesellschaften ein schwerer Schlag. dieser Häuser, das in einem italienischen Stil errichtet wird, erhält von vorn-
Nachdem die Universität sich für das Gelände in Westwood Hillsent- herein ein Aussehen, das 50jähriges Alter vortäuschen soll. Die Dachziegel,
schlossen hatte, war die Aufteilungsgesellschaft verpflichtet, ein Geschäfts- das Holz der Türen und jede Einzelheit wird mit besonderer Sorgfalt aus-
viertel zu schaffen. Auch darin hat sie größte Vorsicht und Geschick walten gewählt. In den vom Hause umschlossenen südländischen Garten (patio)
lassen. Ehe man das Straßensystem plante, befragte man zahlreiche Planungs- hat man einen 12m hohen, über 200 Jahre alten Kaktus gesetzt, den man
fachleute. So weicht die Anlage vom üblichen Schachbrettsystem ab. Es ist trotz seines Gewichtes von 80 taus Arizona herbeischaffte. Über diese Selten-
möglich, die vielen Automobile so zu parken, daß sie nicht alle in einer Reihe heit erschien sofort in führender e:eitschrift und Zeitung ein Leitartikel,
stehen. Das Viertel wurde so kompakt geplant, daß die vielen, die nicht dessen Nebenwirkung natürlich Reklame für die 'reizvollen Kleinwohnungen
gewohnt sind, mehr als wenige Schritte zu Fuß zu gehen, es zu Fuß durch- des Gebäudes ist, - in Wirklichkeit der Hauptzweck. Geschick und Vorsicht
messen können. Die Durchgangsverkehrsstraße führt auch nicht durch das der Aufteilungsgesellschaft haben es verstanden, hier etwas zu entwickeln,
Geschäftsviertel hindurch, sondern an ihm vorbei. Dadurch bleibt der was von vornherein Dauer verspricht. Aus diesem Grunde gelang es, meh-
etwas intimere Charakter, den die Einkaufsstraßen des Universitätsviertels rere große Warenhäuser des Geschäftszentrums der Innenstadt zur Ein-
annehmen sollen, gewahrt. Um die Bebauung kompakt und einheitlich gut richtung von Zweiggeschäften hier draußen zu veranlassen. In anderen
·zu gestalten und zu bewirken, daß sie sofort eintritt, werden reine Speku- rasch gewachsenen Teilen der Stadtlandschaft zog man die Geschäfte heran,
lanten zurückgewiesen. Eine bis zwei Wochen vor der Eröffnung der Auf~ indem man den ersten von ihnen billige Pachten oder 2-3Jahre freie Miete
teilung 1929 machten deshalb die Verkäufer eine Reihe zuverlässiger Käufer gewährte. Sobald dann einmal ein paar gute Geschäfte da sind, folgen weitere,
dingfest. Bei Eröffnung hatte man dann schon die verkauften Grundstücke und die erwünschte Wertsteigerung des Landes ist da.
auf dem Plan in Rot eingetragen, so daß das Publikum sich eilte, sich soviel Das Aufteilungsgeschäft drückt der Stadt, die sonst eine Großstadt wie
als möglich vom Rest zu sichern. Denn keiner wollte der letzte sein und nehmen manche andere wäre, das Gepräge auf. Es beherrscht sie und seine Bewohner.
müssen, was übrigblieb. Da man etwas Neues, Besonderes schaffen wollte, Dafür ist Los Angeles im ganzen Lande bekannt. Denn kaum ein Besucher
was sich von anderen neuen Stadtvierteln unterscheidet, ist man ganz beson- kommt aus Los Angeles davon, ohne daß man ihm nicht ein Grundstück
ders wählerisch in der Architektur, die nicht so einförmig ist wie sonst, sondern verkauft hätte. Während in Europa das Iroroobiliengeschäft kaum auffälliger
vielerlei geschmackvolle Variationen zeigt, die der spanische, neomediterrane betrieben wird als irgendein anderes Geschäft, beschäftigt es in Los Angeles
und Monterey-Stil und das spanische Barock gestatten Die Büromieten sind die Öffentlichkeit um so mehr, als es bei Gefängnisstrafe verboten ist, Aktien-
teilweise so hoch wie im Geschäftszentrum der Innenstadt, obwohl gleich da- und Grundstücksreklame durch die Post zu versenden. Eine der vornehmsten
neben noch die Gemüsefelder des Regierungspachtlandes bestellt werden. Aufteilungen der Landschaft kam ins Stocken, seitdem der Makler auf diese
Den intimen und besonderen Charakter betont man noch, indem man diesem Weise ins Zuchthaus geriet. So muß der Unternehmer auffällige Reklame
kleinen Geschäftszentrum den Namen "Westwood Village" oder kurz "The in den Zeitungen machen und große Schilder auf den Straßen aufbauen,
Village" gibt in Anlehnung an Greenwich Village in New York. Man will die der Automobilfahrer von weitem lesen kann. Reklame an Litfaßsäulen,
so ein Künstlerelement heranziehen, das schon beginnt, die mannigfaltigen wenn es solche gäbe, hätte da gar keinen Zweck. Ein Makler darf sich auch
spanischen Apartments, die in der Village errichtet werden, zu bewohnen. nicht mit einem Büro im soundsovielten Stockwerk in einem Hochhaus des
Geschäftszentrums begnügen. Wohl haben die größeren Aufteilungsgesell- entsprechend über den Gesamtraum der bebauten Fläche, für die es die
schaften ihre zentralen Büros, aber sie müssen vor allem draußen auf der Auf- Maschen liefert, hinaus, wodurch ein Gürtel ~ußeren städtischen Brach-
teilung selbst möglichst nicht nur ein, sondern mehrere auffällige Büro- landes entsteht, der außerdem über den Außenrand des städtischen Straßen-
häuschen und möglichst auch ein oder mehrere Musterhäuser unterhalten. netzes bis an die Grenze ländlich genutzten Landes heranreicht. Am
Wenn die Aufteilung abseits vom Durchgangsverkehr liegt, dann muß eine wenigsten eilt das Straßennetz bei der gewordenen Siedlung voraus, bei
Abfangbürobude an der Verkehrsstraße liegen oder wenigstens ein markanter der die Bebauung, wenn sie den bestehenden Kern überschreitet, sich
Reklamefinger, der den Automobilfahrer in die Richtung weist, in der er ein . zunächst an die außerhalb der Siedlung vorhandenen größeren Maschen
epochemachendes Zukunftsstadtviertel zu sehen bekommt. Die Aufteilungs- hält, die durch Ausfallstraßen und Feldwege gegeben sind. Erst nachdem
gesellschaft, die den Rancho San Jose de Buenos Ayres abschnittweise auf- die Bebauung ihre Vorposten in Gestalt vereinzelter Häuser in den Außen-
teilte, besaß den Vorteil, daß drei Ostwest-Durchgangsstraßen durch ihr Land raum entsandt hat, folgt das Straßennetz mit seinen kleineren Maschen.
hindurchgehen und eine vierte auf der Südbegrenzung entlangläuft. Jedes- Dabei tritt die vorhandene Bebauung als weiterer richtunggebender Faktor
mal, wenn ein Aufteilungsabschnitt auf den Markt geworfen wurde, machte zu den vorhandenen Besitzgrenzen und den natürlichen Richtunggebern :
man in der Sonntagsausgabe der Zeitungen große Reklame, worauf viele Relief, Gewässern und Vegetation. Das Straßennetz langsam gewordener
ihre Sonntagsautofahrt dort hinaus machten. Daneben konnte man viele Städte reagiert empfindlich auf alle diese Faktoren. Die planmäßig an-
von denen abfassen, die auf einer der Ostwest-Straßen zum Strande fuhren gelegte Stadt wird die richtunggebenden Faktoren um so weniger berück-
und Westwood-Gelände durchqueren mußten. So dauerte es nicht lange, bis sichtigen, einen je größeren Raum der Plan erfaßt und je rascher die
der Abschnitt verkauft war und man schon an den nächsten denken konnte. Bebauung dem geplanten Straßennetze folgt. Im extremen Fall wird der
Kaum war ein Abschnitt verkauft, dann flog binnen einer Woche das Erd-. Straßenbau und die ihr folgende Bebauung nur dann an morphologischen
reich, die Dampfschaufel War am Werke, es wurde planiert, man lie~ oder hydrographi~chen Hemmnissen haltmachen, wenn ihre· überwindung
Kanalisationsrohre in den Untergrund ein, Asphaltstraßen und Bürgersteige- technisch oder finanziell unmöglich ist.
entstanden, bald kam die Dampfwalze, und ein geschäftiges Heer von Das Bild des Straßennetzes unserer Großstadtlandschaft läßt 7 Elemente
Arbeitern belebte plötzlich das Brachland. erkennen:
I. das Gewordene,
2. den älteren U.S.-amerikanischen Plan,
GRUNDRISS UND AUFRISS
3. das ortsfremde U.S.-amerikanische Schema,
Die Analyse des Siedlungsgrundrisses muß ihn in seine zwei Elemente 4. Einfluß alter Besitzgrenzen und Wege auf das Schema,
zerlegen, das Straßennetz und die bebaute Fläche. Dabei rechne ich zur Be- 5. individuelle geschäftsbedingte Willkür,
bauung sämtliche Gebäude, Gärten, Parks, Kirchhöfe und industriell ge- 6. Anpassung an hügeliges und gebirgiges Gelände,
nutztes und dem Verkehr dienendes Gelände, sofern es nicht linienhaft als 7. den nachträglichen regulierenden Plan.
Straße und Schienenstrang über den Außenrand des städtischen Straßen- Vom ursprünglichen spanischen Anlageplan von 1781 mit Plaza und von
netzes hinausgeht. Abweichend von Bobek (Innsbruck S. 102) schließe ihr ausgehendem Straßenkreuz (s. Abb. 7, S.50) ist nichts mehr zu sehen.
ich den unbebauten Raum innerhalb der natürlichen Stadtgrenze nicht in Bereits 50 Jahre nach der Gründung war die alte Anlage völlig verwischt.
den Begriff Bebauung ein. Ich nenne ihn "städtisches Brachland", wenn Die erste Plaza wurde, wahrscheinlich weil sie zugebaut war (s. S.77),
von bebauter Fläche umgeben "inneres städtisches Brachland". Ich fasse verlegt und 1834 die neue als Mittelpunkt des Quadrates des städtischen
also den Begriff "bebaute Fläche" enger als Bo bek, aber weiter als Kappe, Weichbildes bestimmt (Lit.486, S.216). Trotz der Versuche der m(!Xika-
der die Grünfläche von der bebauten Fläche scheidet (Die Unterweser nischen Stadtverwaltung, in das unregelmäßige System der Gassen und
S. 96). In der Regel eilt das Straßennetz der Bebauung voraus, greift dem- Grundstücke Ordnung zu bringen, ist es erst nach der Besetzung des Landes
durch die Amerikaner dazu gekommen. Auf Befehl des Statthalters vermaß Deutschen Hansen, der auch den Plan von Anaheim entwarf, das gesamte
1849 Leutnant Ord für $ 3000 einen Plan der Stadt (s. Tafel 5; künftig als rechtwinklige Straßengitter geplant, das innerhalb des alten quadratischen
Ords Plan bezeichnet). Im Bereich der damals vorhandenen Häuser mußte Weichbildes diagonal gerichtet erscheint. Im 'heutigen Grundriß fällt auf,
er an das Gewordene anknüpfen, das sich noch im heutigen Stadtgrundriß . daß das diagonale Rechtecksystem im Südwesten über die alte Stadtgrenze
an der verschiedenen Richtung der Ordschen Straßengitter südlich und hinausgeht. Die Stadt glaubte nämlich, auf vier Leguen im Quadrat, also
nördlich der Plaza kundtut (s. Tafel4)' Auch die diagonale Richtung des 16 Quadrat-Leguen, Anspruch zu haben, während ihr nach Prüfung der
beim Bau des neuen Rathauses 1927 verschwundenen ersten Abschnittes der spanischen Kolonialgesetze von der U. S. Land Commission 1856 nur die ihr
Spring Street wurde durch vorhandene Bebauung bedingt, die dem alten wirklich zustehenden vier Quadrat-Leguen, 72 qkm, bestätigt wurden (Lit.59 2).
Wege zu den Asphaltseen des Rancho La Brea folgte. Immerhin hat der Das Straßennetz war aber zu jener Zeit nach Südwesten schon über die
Niederterrassenrand Init dem ihm mehr oder weniger parallellaufenden bestätigte Stadtgrenze geplant worden. Auffallend ist, daß das Hancock-
Wassergraben die Bebauungsgelände und damit mittelbar auch die Richtung Hansensche Straßengitter dem Ordschen nicht parallel verläuft, sondern
der Main Street vorgeschrieben. Ebenso wie die Siedlungsanlage auf der aus der Nordost-Richtung um einen Winkel von 10° nach Norden gedreht ist
Niederterrasse waren die in der Gründungsakte von 1781 vorgeschriebenen (s. Tafel 4)· Allem Anschein nach haben sich Hancock und Hansen
quadratischen Feldgrenzen auf der Überschwemmungsterrasse frühzeitig nach der Abflußrichtung des Regenwassers gerichtet, das nach heftigen
verwischt worden, wozu auch Flußverlegungen beigetragen haben mögen. Regengüssen die Längsstraßen auf dem Schuttfächer in unpassierbare
Der unregelmäßige Gartenbesitz und die Feldwege, die der Ordsche Plan Wasserläufe umgestaltete. Davon wurde am meisten Figueroa Street betroffen,
zeigt (s. Tafel 5), haben das heutige Straßennetz des Großhandelsviertels welche die Wassermassen empfing, die sich in der Echo Park-Erosionsfurche
(s. Fig. 14, S. 213 und Tafel 4) vorgeschrieben. Wenn wir von den wenigen der Oberstadt sammelten. Man mußte also wahrscheinlich vermeiden, daß
durch Wege beeinflußten Straßen absehen, treten uns im Straßennetz der' der Wasserabfluß die auf der Südostseite der Längsstraßen liegenden Grund-
gesamten Stadtlandschaft gewordene, nicht geplante, Straßen nur noch in stücke bedrohte. Nach dem Hancock-Hansenschen Schema hat man
einigen randlichen mexikanischen Elendsquartieren entgegen, und auch nur dann auch die Straßen auf dem Westlichen und Östlichen Hügelland
d~, wo Geländefurchen das gradlinige Weiterbauen hindern. Im scharfen angelegt, ohne Rücksicht auf die Bodenplastik zu nehmen. Nur wo die
Gegensatz zum gewordenen Grundriß des Großhandelsviertels steht das Steigung das Maß des Möglichen überstieg, hat man die Straße unter-
rechteckige Straßennetz des Geschäftszentrumsund der alten Sonora Town brochen. So ist noch heute Reservoir Street zwischen Occident.al Avenue
bis über CollegeStreet hinaus, das derOrdsche Plan geschaffen hat (s. Tafeln 4 und Silver Lake Boulevard nicht durchgeführt, um nur ein Beispiel
und 5 und Fig. 14). Das westliche Abbiegen der Main Street an der 6. zu nennen. Mit der Bedeutung, die später Hollywood und die West-
und 7. Straße wurde durch zwei schon 1849 hier stehende Adobe-Häuser vorstadt gewannen, wuchs der Nachteil, den die unmögliche Straßen-
verursacht. Die an der Plaza im stumpfen Winkel gebrochene Längserstreckung führung auf dem Westlichen Hügelland darstellte. Sie wurde Zum Verkehrs ...
des alten Pueblos, die der Main Street die Richtung gegeben hat, hat ebenso hindernis. Man war genötigt, Durchbruchsstraßen zu schaffen. Sunset Bou-
. die dazu parallele Längserstreckung der rechteckigen Häuserblocks bedingt, levard sollte die Verbindung von der Plaza nach Hollywoo.<l darstellen und
damit die Gliederung des Straßengitters in Nordost-Südwest gerichtete Längs- wurde so durch das Hügelland in Windungen hindurchgelegt, daß mÖglichst
und rechtwinkelig dazu laufende Querstraßen bewirkt. wenig Einschneiden und Aufschütten nötig wurde. Zur Verbindung mit
Mit der Bevölkerungszunahme der 1850er Jahre begann die Stadt Par- Glendale wurde Glendale Boulevard im Echo Lake-Einschnitt angelegt.
zellen von 35 acres (14 ha) im Südwesten außerhalb des Ordschen Straßen- Da die 7· Straße, die den Verkehr über den verhältnismäßig ebenen Südrand
netzes zu vergeben, was weitere Vermessung nötig machte. Wer sich bereit des Hügellandes, die Westlake-Terrasse, zur Westvorstadt führt, dem steigen-
erklärte, für Verbesserung zu sorgen, konnte eine Parzelle von 35 acres er- den Verkehr nicht mehr gewachsen ist, legt man in neuerer Zeit immer mehr
halten (Lit.524, S. 293)' So wurde 1853 und 1857 von Hancock und dem Straßen der Oberstadt tiefer, vor allem der Südost-Nordwest verlaufenden.

174 f 175
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. So gräbt man in den natürlich zertalten Rumpf einen künstlichen Schac~­ also im Abstand von je einer Meile (1,6 km), die Haupt-Nordsüd-Straßen
brett-Rost ein, der auf der topographischen Karte, auf der die Bebauung VermontAvenue und Western Avenue, -die s~genannten längsten geraden
,I weggelassen ist, eine ganz eigenartige Morphologie wiedergibt. Silver Lake- Straßen der Welt, da sie bis zum Hafen verlängert(wurden, --:und die Haupt-Ost-
und Echo Lake-Einschnitt werden vom· Sunset Boulevard gequert, wodurch west-Straßen: Franklin Avenue, Santa MonicaBoulevard, Beverly Boulevard,
der Eindruck sich kreuzender Täler entsteht. San Francisco, das sich vor der Wilshire Boulevard, Pico Street, West Adams Boulevard, Exposition Boule-
Zeit des Automobils entwickelte, hat dasselbe Problem mittels der sogenannten vard, Vernon Avenue, Slauson Avenue, Florence Avenue, Manchester Ave-
cable cars überwunden, Straßenbahnen, die von in Rillen laufenden Seilen nue usw. Bei dem starken Ostwest-Verkehr haben sich auch viele Straßen,
auf den Berg hinaufgezogen werden. Als das Geschäftszentrum von Los die den Viertelsektionsgrenzen folgen, wie die Verlängerung des Sunset Bou-
Angeles die Einengung gegen Norden und Westen zu empfinden begann, levard und Melrose Avenue, auch Washington Boulevard und Santa Barbara
spielte das Automobil schon eine Rolle als Verkehrsmittel, so daß man Avenue, zu wichtigen Verkehrsstraßen herausgebildet. An der Grenze von
zur Durchtunnelung griff. Die 3. und 2. Straße und HilI Street untertunneln Sechzehntelsektionen ist Hollywood Boulevard zwischen Franklin Avenue
den Bunker Hill, Broadway den Fort Hill.· Neuerdings trägt man die beiden und Sunset Boulevard entstanden und zur Hauptverkehrsstraße geworden.
hemmenden Vorsprünge des Hügellandes randlich einfach ab. Die grad- Der Schnittpunkt dieser Straßen mit der quadratischen Grenze von Los
linige Verlängerung der Spring Street schneidet Fort Hill ab, der Durch- Angeles hing ab von der Lage des Mount San Bernardino, dem Ausgangs-
. führung der 5. Straße mußte das Südende des Bunker Hill weichen. Ja, man punkt des U .S. -amerikanischen Vermessungssystexns in Südkalifornien. Da die
trägt sich mit dem Gedanken, den Bunker Hill vollständig abzutragen. Eine Hancock-Hansenschen Straßen der Innenstadt naturgemäß an anderer'
Landtitel-Versicherungsgesellschaft kauft bereits die darauf liegenden Grund'- Stelle auf die Stadtgrenze treffen, hatten die Hauptverkehrswege außerhalb
stücke und Häuser auf. Die naturwidrigen Ordschen und Hancock-Han- der Stadt keinen Anschluß und die Straßen der Innenstadt keine Fortsetzung
senschen Straßengitter, die wohl auf dem Schuttkegel Berechtigung haben, über die Stadtgrenze hinaus. Im Süden, wo die Straßen der Innenstadt die
werden gewaltsam unter immer weitergehender Veränderung der Boden- Grenze überschritten, war das nicht so schlimm wie im Westen. Hier mußten
plastik durchgeführt. Das nach dem Hancock-Hansenschen Schema an- entweder die Außenstraßen in die Innenstadt hinein verlängert werden oder
gelegte Straßensystem des Östlichen Hügellandes ist von dem westlichen' die Straßen der Innenstadt nach außen, bis der Anschluß erreicht war. Na-
Hauptteil der Stadt weit getrennt durch Flußbett, Eisenbahn- und Industrie- türlich geschah das nur bei den wichtigeren Ostwest-Straßen wie Pico, Venice,
anlagen (s. Tafel4). Die Straßenführung von East Los Angeles zeigt zwei Washington, Adaxns und Jefferson Boulevard. Die dazwischenliegenden Wohn-
verschieden gerichtete Straßengitter, deren Anlage auf eine private Auftei- viertel der Außenstadt wurden aber durch mangelnden Anschluß ihrer zu
lung, die 1875 gemacht wurde, zurückgeht. Auch die Straßengitter der Korri- den Hauptstraßen parallellaufenden Straßen so benachteiligt, daß der Grund-
dore widersprechen dem Hancock-Hansenschen System. Hier wurde das stücksverkauf erheblich erschwert wurde. So ist z. B. die I I. Straße der Innen-
Land so parzelliert, daß jeder eine Front am Flußbett oder an dem durch die stadt so sehr gegen ihre Fortsetzung in der Außenstadt versetzt, daß der Auto-
Länge des Korridors verlaufenden Verkehrsweg hatte. Danach hat sich mobilist, sobald er an der Stadtgrenze angelangt ist, nicht weiß, ob er nach
später die Straßenführung gerichtet. Norden oder Süden wenden soll, um auf die Verlängerung zu treffen. Daraus
Ganz unvermittelt ("diskordaI}.t") setzt außerhalb der alten quadratischen erklärt sich, daß niemand gern in dieser Verlängerung wohnt, wo man ihn
Stadtgrenze an ihrer ganzen West- und Südseite und im Südosten das den nicht finden kann. Der Komplex unbebauter Grundstücke zwischen IO th
Himmelsrichtungen folgende Straßengitter an (s. Tafel4), das dem Land- u.nd Pico Street und EIden und Vermont Avenue und das Brachland zwischen
aufteilungssystem der General Land Survey seinen Ursprung verdankt. 17th Place rind Washington Boulevard, Orchard und Menlo Avenue legen
Die Sektionsgrenzen, die nach diesem System als öffentliche Wege zu reser- beredtes Zeugnis von dem Schaden ab, den das dem Zufall überlassene Zu-
vieren waren, bilden zusammen mit den Viertelsektionsgrenzen den Rost sammentreffen zweier ganz verschiedener Straßenroste bewirken kann. Selbst
der Hauptstraßen in diesem Gebiet. So entstanden an den Sektionsgrenzen, der Verkehr der wichtigsten Ausfallstraße aus dem Geschäftszentrum nach

:IZ, Wagner, Los Angeles


177
Westen, der 7. Straße, muß noch immer einen doppelten rechten Winkel über- dessen randlichen Teilen zum Verlauf der Grenze parallel gerichtet, während
winden, um die wichtigste Ostwest-Straße der Westvorstadt, Wilshire Bou- die zentralen Teile des Ranchos nach anderen Gesichtspunkten aufgeteilt
levard, der die natürliche Fortsetzung der 7. Straße sein könnte, zu erreichen . wurdyn. So steht das Straßenschachbrett von Santa M~nica auf einer Tangente
. Einen Anschluß wie bei den erwähnten Ostwest-Straßen hat man früher nicht zum Küstenbogen, während am Ostrande des Rancho Santa Monica y San
hergestellt, denn der Wilshire Boulevard hat seine überragende Bedeutung Vicente sich der Straßenrost von Sawtelle rechtwinkiig an die Grenzlinie
erst in jüngster Zeit mit der Entwicklung von Beverly Hills erlangt. Da heute anlehnt und einen Winkel mit dem Schema von Santa Monica bildet. Auch
die Winkelzone hohen Bodenwert besitzt und bebaut ist, wäre eine Änderung in West Hollywood laufen nur wenige Straßen beiderseits der Grenze zwischen
der Straßenführung mit erheblichen Kosten verbunden. Neuerdings hat man den Ranchos Rodeo de las Aguas und La Brea parallel oder rechtwinklig zu
durch Straßenerweiterung einen östlichen Teil des Wilshire Boulevard bis ihr. Über ein größeres Gebiet wirkt sich die nordnordost-südsüdwest laufende
zum Geschäftszentrum geschaffen, den aber der Westlake Park von dem west- Westgrenze des Rancho Las Cienegas aus, obwohl gerade hier das Straßen-
lichen Hauptteil des Boulevards trennt, bis schließlich auch der Westlake netz nach europäischen Begriffen Rücksicht auf Erosionsfurchen und den
dem Verkehrsbedürfnis zum Opfer fallen wird. Terrassenrand der Hollywood-Platte zu nehmen hätte. Die Parallelität der
Das den Himmelsrichtungen folgende amerikanische Normalschema der Straßen mit der alten Besitzgrenze ist nicht genau gewahrt, was auf ungenaue
Straßenanlage findet sich nicht nur in den Gebieten, die außerhalb der be- Vermessung der ersten Aufteilung des Besitzes zurückgeht. Die Krümmungen,
.stätigten Grenzen der spanischen und mexikanischen Ranchos liegen. Viel- welche Wilshire, Pico und Washington Boulevard aufweisen, zeigen, daß diese
fach schloß sich die Aufteilung der Ranchos an das U.S.-amerikanische Ver- Ostwest-Verkehrsstraße, in Teilen wenigstens, aus den alten Feldwegen ent-
messungsnetz an. Es war das den Zuwanderern geläufige bequeme Schema. standen sind, die um r890 Santa Monica und die Ballona-Mündung mit
Die meisten Städte, die in den r870er Jahren und während des Booms der . Los Angeles verbanden, während der Santa Monica Boulevard der alten
r880er Jahre am Fuß des San Gabriel-Gebirges gegründet wurden, von Pasadena & Pacific Railroad folgt.
Pasadena bis San Bernardino, weisen dieses Straßenschema auf. Die Anlage Die Windungen der neuen nördlichsten Ausfallstraße nach Westen, welche,
der ursprünglichen Indiana Colony weicht etwas davon ab (s. S. 95)' Die hart am Gebirgsfuß verlaufend, die exklusiven Wohnviertel von Beverly Hills bis
Aufteilung nach den Himmelsrichtungen mit entsprechendem Straßenschema Castellammaresäumt, sind geländebedingt. Immerhin mußte man bei derstarken
findet sich auch im gesamten südlichen und westlichen Teil der San Fernando- Zertalung der obersten Schuttkegel vielfach künstlich auffüllen. Infolgedessen
Ebene (Rancho Ex-Misi6n San Fernando) sowie in LongBeach, San Pedro, bricht nach heftigen Niederschlägen die Straße leicht an diesen Stellen ein,
EI Segundo, Inglewood, Glendale und anderen in ehemaligen Ranchos ge- wie es bei den Regengüssen vom Silvester- und Neujahrstage r 933/34 gerade vor
legenen Städten, während Burbank und San Fernando ebenso wie Downey der Villa des höchstbezahlten Filmschauspielers W i 11 R 0 g ers sichereignet hat.
und Norwalk ihr Straßenschachbrett rechtwinklig zur Eisenbahnlinie orientiert Schon während der Aufteilungsperiode, die an den Boom der r 880 er
haben. Ganz eigenartig wird das Normalschema von Long Beach von einer ein- Jahre geknüpft ist, weicht man gelegentlich vom überkommenen Rechteck-
zigen schräg dazu verlaufenden Straße, Alamitos Avenue, durchschnitten. Sie schema ab, um durch neuartige Straßenanordnung die Aufmerksamkeit auf
verläuft auf der alten Grenze der Ranchos Los Cerritos und Los Alamitos. die neue Aufteilung zu ziehen, was den Grundstücksverkauf erleichtern soll.
Parallel zu den bestätigten Grenzen wurde der Rancho Providencia süd- So ist das Amphitheater der Straßen von Redondo Beach zu erklären. Um
westlich von Burbank aufgeteilt, so daß in diesem Teil der San Fernando- r9IO entstanden die ersten Straßen von Beverly Hills im Anschluß an ein
Ebene drei verschieden gerichtete Straßenroste in scharfer Diskordanz an- hier errichtetes Hotel. Sie wurden in leicht geschwungener Form angelegt.
einanderstoßen. Der eine (Lankershim) richtet sich nach den Sektionsgrenzen, Später führte man diesen Plan fort, so daß heute ganz Beverly Hills nord-
der andere wird von den Ranchogrenzen bestimint, während für die Richtung westlich des Santa Monica Boulevard diesen für ein elegantes Villenviertel beson-
des dritten (Burbank) der Verlauf der Eisenbahn maßgebend wurde. Oft hat ders reizvollen Grundriß aufweist. Die anziehende Kraft dieses Planes,der aller-
sich die Aufteilung undStraßenanlage innerhalb eines alten Ranchos nur in dings schwieriger anzulegen und deshalb kostspieliger ist als das Schachbrett,

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wurde bald von anderen Unternehmern erkannt. Heute finden wir Aufteilun- Aufteilung, die allein im Jahre 1923 ein Gebiet von etwa 260 qkm erfaßte
gen mit regelmäßig, neuerdings auch unregelmäßig gewundenen Straßen in (Lit. 615, S. I I), mußte das vorhandene Netz von Verkehrsstraßen innerhalb
verschiedenen Gegenden der Stadtlandschaft. Eine allgemeine Anwendung kürzester Zeit als völlig ungeeignet angelegt sowie unzureichend und die
des gewundenen Straßensystems kann sich nicht durchsetzen, weil bei der Auf- Straßenbreite als durchweg zu gering erscheinen lassen. Denn in den neu-
teilung eines neuen Stadtteils als Villenviertel von vornherein daraufspekuliert aufgeteilten, bisher der Landwirtschaft dienenden Gebieten wohnten sehr bald
wird, daß später der Verkehr hindurchgeht und den Bodenwert steigert. Der Hunderttausende von Menschen. Vom I. März 1922 bis I. März 1923 ent-
Verkehr wird aber stets die gerade Straße vorziehen. Aus diesem Grunde können standen in Los Angeles County 81000 neue Grundstücke und 102000 neue
Aufteilungen mit gewundenen Straßen nur für ganz vornehme Wohnviertel in Häuser, und innerhalb der nächsten 12 Monate weitere 84000 neue Grund-
Frage kommen, die von Anfang an mit einer etwas längeren Lebensdauer stücke und 125000 neue Häuser (Lit. 615, S. 11). Wenn man bedenkt, daß
rechnen. Die gewundene Straße ist Verkehrsbarre, verbürgt deshalb den pri- der Straßenbau private Sache des Unternehmers ist, der nur für den Plan
vaten Charakter des Wohnviertels. Sie vermittelt einen ländlich-parkartigen seiner Aufteilung eine Genehmigung einholen muß, so kann man verstehen,
Eindruck. Wir finden sie mit Erfolg angewandt in Oak Knoll, in den Auftei- daß die Behörde beim raschen Gang der Entwicklung keinerlei Überblick
lungen von Westwood Hills nördlich von Wilshire Boulevard und in den Palos über das Ganze und die Auswirkung haben konnte. Sie wurde erst aufmerk-
Verdes Estates an der Nordwestseite des San Pedro-Vorgebirges, weitgehend sam, als es schon zu spät war. Aus den entstehenden Ausgaben für Straßen-
unter Ausnutzung der Geländeformen. Früher stellte man den privaten Cha- durchbrüche und -erweiterungen wurde ersichtlich, daß es billiger ist, Kom-
rakter einer exklusiven Villenaufteilung her, indem man die Straßen der Auf- missionen zu unterhalten, die den Grundriß und seine Nutzung vorher mit
teilung mit nur ein oder zwei als Toreinfahrten gekennzeichneten Zugängen Rücksicht auf die kommende Entwicklung genau planen und seinen Ausbau
an das umgebende Stadtviertel anschloß. Auf diese Weise hat sich bis heute entsprechend dirigieren. Aus dieser Einsicht entstand am 18. Dezember 1922
die Aufteilung St. James Park an der West Adams Street unweit der Figueroa die Kreis-Planungs-Kommission (Regional Planning Commission) als erste
Street als exklusives Villenviertel erhalten können. Planungskommission der Vereinigten Staaten, die über die städtischen Ver-
In der Nachkriegszeit wurden die Hänge des Santa Monica-Gebirges, be- waltungsgrenzen hinausgeht. Die Kommission entwirft für die gesamte Stadt-
sonders oberhalb Hollywood, und die Highland- und Repetto-Höhen auf- landschaft Bebauungspläne, deren Sinn es ist, bei fortdauernder Entwicklung
geteilt. Hier zwingt das Gelände zu gewundener Straßenanlage. Es entstehen kostspielige nachträgliche Planung zu vermeiden.
Anstiegsstraßen und Isohypsen-Straßen (s. Taf. 4). Im Santa Monica-Gebirge Aus der privaten Aufteilungspraxis hat sich eine Straßendifferenzierung
hat das quadratische Aufteilungssystem der General Land Survey zur Folge, herausgebildet, die 1923 von der öffentlichen Planung übernommen und ge-
daß der Besitzer einer Sektion sein Land zum Grundstücksverkauf vorbereitet· norrnt wurde. So können wir außerhalb des Geschäftszentrums, des Groß-
und asphaltierte Isohypsen-Straßen anlegt, während die Fortsetzung dieser handelsviertels und der Industriestadt die Straßen in folgende Typen einteilen:
Straßen in der benachbarten Sektion entweder völlig fehlt oder nur als schlecht
Genormte Breite
unterhaltener Gebirgsweg vorhanden ist. Dieser Zustand führt zu schwierigen
mit ohne
Zugangsverhältnissen, sobald der Verkauf beginnt und ein Villenviertel im
Bürgersteig Bürgersteig

I
Gebirge entsteht, wie westlich des Laurel Canon. Das Vermessungssystem,
a) Hauptverkehrsstraßen (major highway
das den Bedürfnissen des flachen Landes in Teilen des Mittleren Westens
I . 0 r d nung oder major through traffie way) . . . . . 30m 22m
entsprach, hat im städtisch aufgeteilten Gebirge seinen Sinn völlig verloren. b) Nebenverkehrsstraßen (parallel highway
Es wurde bereits am Beispiel des Sunset Boulevard und der westlichen oder seeondary highway) . . . . . . . . . 24 m 17 m
Ausfallsstraßen gezeigt, daß nachträgliche Planung eingreifen mußte, um a) Lokalverkehrsstraßen (loeal distributor
11. Ordnung [ street oder by-pass street) . . . . . . . . . 18m 10m
naturwidrige Folgen schematisch durchgeführter Straßenanlagen zu beheben, b) Wohnstraßen (Ioeal frontage street) .. . g-18m 6m
Die dem einzelnen Unternehmer überlassene, meist dem Schema folgende 111. Ordnung: Ga,ssen (alley) . . . . . . . . . . . . . . . . . 6m 6m

r80 r8r
Es erhellt daraus die den gänzlich anderen Verkehrsverhältnissen ent- oder ein Rechteck, dessen Schmalseite an die Längsstraße stößt. Nur Schächte
sprechende bedeutend größere Breite der Straßen als in europäischen Groß:" gestatten den Lichtzutritt im Innern. Der Grundriß des deutschen Geschäfts-
städten. Selbst für die breitesten Straßen sind in Berlin nur zwei Parallelfahr- hauses hat L-, vielleicht manchmal auch T -Form oder beschreibt ein Viereck
dämme von je 8 1/ 2 m vorgesehen, zusammen 17m, gegen 22 m in Los Angeles. um einen geschlossenen Hof. Wenn der Grundriß rechteckig ist, liegt die
Dagegen läßt gerade die Straßenführung und relative Straßenenge des Ge- Längsseite an der Straße. In diesem Falle ist vielfach ein Hinterhaus von
schäftszentrums erkennen, daß bei seiner Anlage nicht an großstädtische ebenfalls rechteckigem, dem Vorderhaus parallelen Grundriß vorhanden. Die
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Entwicklung gedacht war. So fehlt Los Angeles die breite Hauptstraße, die Fläche eines amerikanischen Geschäftshäuserblocks ist im Extrem eine einheit-
San Francisco in der Market Street, New Orleans in der Canal Street, Cleve- liche Hausfläche, die nur von der Gasse in zwei Hausflächenstreifen der Länge
land in seiner Euclid Avenue besitzt. Die Normung ist so gewählt, daß ein nach halbiert wird (s. Fig. 13)' DieserBebauungstyp ist im Geschäftszentrum
Fahrdamm von 10-1 I m Breite in jeder Richtung eine Reihe parkender und
zwei Reihen fahrender Automobile gestattet, d. h. im ganzen sechs Automobil- _I LJLJ L..J '-------'IIL.._-1 L ~ L
reihen, also auf der Hauptverkehrsstraße zwölf Automobilreihen! .~ .. ß
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Im Idealfall verlaufen die Straßen I. Ordnung in Abständen von einer ~ ':
(Sektionslinien) oder einer halben (Viertelsektionslinien) Meile (1,6 bzw. ~

0,8 km). Die Straßen 2. Ordnung füllen das Quadrat von 1/2 Meile Seiten-
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länge als Rechteck-Gitter aus. Dabei verlaufen die Lokalverkehrsstraßen ~
senkrecht zu den Wohnstraßen. Wie sich die Straßendifferenzierung im Stadt- ~
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grundriß auswirkt, zeigt die beigegebene Karte des Straßennetzes (s. Taf. 4).
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In ihr sind die Straßen 1. Ordnung dick, die Straßen 2. Ordnung dünn aus- ~
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gezogen. Die Gassen treten als Straßen nicht in Erscheinung. Sie verlaufen . f?@l . d
parallel zu den Wohnstraßen, jeweils einen Block halbierend (s. Fig.13)'
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Sie dienen dem Garagenzugang, der hinteren Anfahrt z. B. für Lieferanten,
und der Müllabfuhr. Entlang der Gasse stehen die Telephon- und Elektrizitäts-
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Fig. 13. Los Angeles. Grundriß der Häuserblocks:
Leitungspfosten, und unter ihr liegen die Überschwemmungswasser- und a) Geschäftshäuser b) Mietshäuser c) Einfamilienhäuser
Kanalisationsröhren.
Wir kommen zum zweiten Element des Stadtgrundrisses, der bebauten und im Großhandelsviertel von Los Angeles verwirklicht. In den Vorstadt-
Fläche. Die Einheit der bebauten Fläche ist der Häuserblock. In ihm ist zu Geschäftsvierteln haben die Geschäftshäuser, die hier als vorläufige Geschäfts-
unterscheiden zwischen Hausfläche und Hof- oder Gartenfläche. Die Gasse häuser zu betrachten sind, keine einheitliche Tiefe. Dementsprechend springt
ist zur Hoffläche zu rechnen, denn sie ist keine Straße. Die charakteristische in einem vorstädtischen Geschäftshäuserblock von der Gasse aus Hofraum
Form des Häuserblocks im Gittersystem ist nicht das Quadrat, sondern das von unregelmäßiger Tiefe gegen die Hausfläche vor, im Idealfall nirgends
Rechteck. Seine Länge ist 600 Fuß (180 m), die Breite 260-320 Fuß (78---:96 m), bis zur Straße durchstoßend (s. Fig. 13)'
wenn die Straße 60 Fuß (18 m) breit ist. Mit zunehmender Straßenbreite Im Bereich der Mietshäuser, bis zu den dreistöckigen, ist die bebaute Fläche
wird der Häuserblock entsprechend schmäler. in Einzelhausflächen mit umgebenden schmalen Garten- und Hofflächen
Haus- und Hoffläche bedecken den Geschäftshäuserblock in ganz anderer aufgelöst (s. Fig. 13). Garagen stehen entlang den Gassen. Haus- und Garagen-
Form als in deutschen Städten,. entsprechend dem grundverschiedenen Ge- fläche nimmt fast die Hälfte des Häuserblocks ein. Der mit Mietshochhäusern
schäftshaustyp. Das amerikanische Geschäftshaus hat im allgemeinen bis zur bestandene Häuserblock stellt eine geschlossene Hausfläche mit schmalen
Hühe von drei Stockwerken die Kastenform. Sein Grundriß ist ein Quadrat Innenhöfen dar. Hier ist das Maximum der Wohndichte erreicht.

183
Im Wohnviertel mit Einfamilienhäusern tritt die Hausfläche ganz gegen ßremen, wo das Kleinhaus vorherrscht und wo auf I ha Hausfläche 241 Be-
die Gartenfläche zurück (s. Fig. 13). Haus- und Garagenfläche nehmen nur" wohner kommen (Kappe, Die Unterweser,S. 96). Es erhellt daraus, daß
,I 20-25 % der Gesamtfläche des Häuserblocks ein. Die Häuser stehen in zwei für die geringe Wohndichte von Los Angeles nicht das Vorherrschen des Ein-
aufgelockerten Reihen parallel zu den beiden Längsstraßen mit der Front zu , familienhauses an sich, sondern die aufgelockerte Bebauung -jedes Einfamilien-
diesen gerichtet. Wo keine Gasse vorhanden ist, stehen die zu den Eckhäusern haus und die meisten Mietshäuser stehen für sich ~ und die Grundstücksgröße
gehörigen Garagen so, daß die Ausfahrt nicht wie bei den anderen Häusern verantwortlich sind. Weitergehende Auflockerungen finden wir in vielen rand-
zur Längsstraße (Wohnstraße), sondern zur Querstraße (Lokalverkehrs~traße) lichen Teilen der städtischen Landschaft, wo man die Häuserblocks in große
erfolgt. Gelegentlich stoßen statt der beiden zur Längsstraße gerichteten Eck- acre- und half acre lots aufgeteilt hat. Sie gestatten dem einfachen Manne,
gruJ;ldstücke vier oder sechs Grundstücke an die Querstraße, mit ihrer Schmal- der hier wohnt, nebenbei ein paar Hühner oder Kaninchen zu halten oder
seite zu dieser gerichtet. In dem Falle braucht die Gasse nicht auf die Quer- Landwirtschaft in kleinstem Maßstabe zu treiben. In Lennox und Hawthorne
straße auszumünden, sondern kann T-förmig hinter den QuergrundstüGken ist, wie wir gesehen haben, diese Entwicklung besonders typisch ausgebildet
auf die beiden Längsstraßen ausmünden. Das ist meist zu beobachten, wenn (s. S. 164).
die Querstraße eine Geschäftsstraße ist. Wo Quergrundstücke an beiden Enden Die Wohndichte wird in Los Angeles insofern noch ganz erheblich herab-
des Häuserblocks vorhanden sind, kann die Gasse H-Form annehmen. Im gedrückt, als die meisten Häuserblocks nicht voll bebaut sind. Das städ tische
Gebirge richten sich die Grundstücke nach den Krümmungen der Straße. Brachland macht während der letzten 10 Jahre dauernd mehr oder weniger
Die Anlage von Gassen ist meistens nicht möglich. die Hälfte des städtisch aufgeteilten Landes aus. Am I. Juli 1924 waren von
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Wir haben gesehen, daß im Normalfall die Gasse, die in Gegenden schmaler sämtlichen vermessenen Grundstücken in Los Angeles County 55, I Prozent
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Wohnstraßen nicht vorhanden zu sein braucht, den Häuserblock in zwei unbebaut, am I. Januar 1932 noch 45,5 Prozent, d. h. 499382. Im ganzen
600 Fuß (180 m) lange Streifen mit je 12 GrundstÜcken teilt. Aus der sich I: gab es Anfang 1932 1096817 vermessene Grundstücke, d. h. es kamen auf
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ergebenden Grundstücksbreite von 50 Fuß (15 m), die früher von selbst ein- ( je 100 Einwohner 48 Grundstücke (Lit. 106, IX, letter 13, S. 51/52). Außer
gehalten wurde, jetzt als Minimum vorgeschrieben ist, erklärt sich die weit- dem Broadway, an dem zwischen 3. und 9. Straße kein unbebautes Grund-
ständige Bebauung und geringere Wohndichte von Los Angeles gegen- stück liegt, gibt es wohl keine Straße in Los Angeles, an der auf einer Er-
über den anderen amerikanischen Großstädten. Die Grundstücke im raum- streckung von sechs Blocks kein Brachland läge, ohne Unterschied, ob in der
beschränkten San Francisco sind nur halb so breit (25 Fuß = 71/2 m). So ist Innen- oder Außenstadt. Gerade in der altbebauten Oberstadt gibt es ganze
es zu verstehen, daß in Los Angdes City die Bevölkerungsdichte nur 1080 Häuserblocks, deren Fläche unbebaut oder nur mit ein oder zwei Häusern
auf den Quadratkilometer beträgt, gegenüber 2040 in Oakland, 5770 in ~" bestanden ist. Hier ist das townIot drilling der 1890er Jahre und das für.das
San Francisco, 6540 in Chicago und 8850 in New York (Lit. 528). Die wellige Gelände ungeeignete Straßenschachbrett verantwortlich. Dazu kommt,
Zahl für Los Angeles ist übertrieben niedrig, weil das eingemeindete Santa
Monica-Gebirge und die noch zum Teil ländliche San Fernando-Ebene in
der Stadtfläche, von der die Berechnung ausgeht~ mit enthalten sind.
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daß manche der unbebauten Häuserblocks noch vor kurzem mit Ölbohr-
türmen bestanden waren und erst jetzt bebaubar werden. Einen noch größeren
Anteil an der städtisch aufgeteilten Fläche haben die unbebauten Grund-
Schätzungsweise dürfte die Dichte 1900 betragen. stücke in den jüngeren Stadtteilen der höheren Oberstadt auf den Elysischen
In einem Häuserblock mit Einfamilienhäusern, wie er in Los Angeles vor- Höhen, "ähnlich wie auf den Highland- und Repetto-Höhen. Mit Ausnahme
herrscht, kommen 163 Bewohner auf den Hektar Hausfläche, wenn sämtliche einiger Teile der Elysischen Höhen sind es Stadtviertel mittelmäßiger Güte,
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24 Grundstücke bebaut sind (Lit. 608, 2 E, S. 21), und etwas mehr, wenn vorwiegend nach dem Kriege aufgeteilt. Hier wandte der Aufteilungsunter-
man die Garagenfläche abzieht. Im Mietshäuserblock, der weit weniger ve,r- nehmer die Methode der verstreut liegenden Musterhäuser als Lockmittel
treten ist, erhöht sich diese Zahl auf 744 (Lit.608, 2 E, S. 21). Die Zahlen an, denen sich aber nur wenige andere Häuser zugesellten, so daß man Von
werden anschaulicher durch einen Vergleich mit einer deutschen Stadt wie steckengebliebenen Aufteilungen spricht. Kärgliche Vegetation, Gefahr der
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Auswaschung, schwierige Zufahrtswege und die Nähe dürftiger Durchgangs- hoher Prozentsatz der übrigen Grundstücke unbebaut ist. Daraus ergibt sich
viertel mögen diese Wohnlage wenig wünschenswert erscheinen lassen. Wo auf· der Typ der aufgelockerten Vorstadt, der Teile der Pacific Palisades, des
diesen Höhen ein Villenbesitzer um sein einzelstehendes Haus einen Garten an- nördlichen lind östlichen Santa Monica, der unteren Ballona-Niederung, der
gelegt hat, entsteht das eigenartige Bild der rechteckig abgegrenzten Wohnoase äußeren West- und Südwestvorstadt beherrscht. Er findet sich ebenso in der
inmitten verdorrter Graslandschaft. Auf die Gründe für die Existenz der Brach- äußeren Südvorstadt, im Küstenvorland, in der Hafenebene, in randlichen
land-Komplexe vor dem Westrande der Innenstadt wurde schon hingewiesen Teilen von Long Beach, in der Laguna-Ebene, auf der San Gabriel-Platte,
(s. S. 177). Hier am Westrand gab es aber bis injüngste Zeit Gebiete schlechter im nördlichen und östlichen Pasadena und in Teilen von Glendale und
Entwässerung. So wirkt der Einschnitt des Arroyo de la Sacatela zwischen Burbank.
Hoover Street und Vermont Avenue südlich Beverly Boulevard bis heute Die Gefahr des Steckenbleibens einer Aufteilung wirkt naturgemäß ent-
bebauungsfeindlich. Soweit dieses Gebiet nicht brachliegt, haben sich nur wertend auf die Grundstücke und beeinflußt die Güte der Bebauung, sofern
leichte Industrie und Lagerhäuser hier angesiedelt. Zum Teil ist der Ein- der' Aufteilungsunternehmer nicht kapitalkräftig genug ist, durch:z:uhalten
schnitt aufgeschüttet worden, um den neuen, durch die Oberstadt durch- und den Charakter, den die begonnene Bebauung seiner Aufteilung angl;!nom-
geführten Ostwest-Verkehrsstraßen, wie Beverly Boulevard, I. Straße, 3. Straße . men hat, weiter durchzusetzen. Das geschlossen bebaute "fertige" Villen-
und 4. Straße den Anschluß nach Westen zu geben. Doch besteht bei solchen viertel von Beverly Hills auf der Nordwestseite des Santa Monica Boulevard
Auffüllungen immer die Gefahr des Absackens bei heftigen Regengüssen; wie ist der Ausdruck vorsichtigen Vorgehens der Unternehmer. Hier wurde vom
die Erfahrungen des Winters 1933/34 gezeigt haben. Auch die quadratische Zentrum des Villenviertels nach Südwesten und Nordosten fortschreitend nur
Brachfläche zwischen 8. Straße und San Marino Street, Western Avenue und dann ein neues Stück Land aufgeteilt und verkauft, wenn das vorherige voll
Harvard Boulevard litt bis in jüngste Zeit unter schlechtem Wasserabfluß. bebaut war. Dadurch ist hier Gewähr für Permanenz des Wohnstadtcharakters
Nachdem die Entwässerung in den letzten Jahren durchgeführt wurde, ent- gegeben, wie sie s~it dem Ende des vergangenen Jahrhunderts nur die Orange
steht hier unter Überspringung d~r Periode der Villen- oder Mietshaus- Grove Avenue in Pasadena besitzt. Die meisten übrigen Stadtteile bieten
bebauung gleich ein Mietshochhaus-Komplex, der inselartig über die älter und Gegenbeispiele dafür, weil der großen Mehrzahl der Unternehmer am raschen
vorwiegend niedriger bebaute Umgebung herausragt. Mit der Wirtschafts- Verkauf ihres gesamten Landkomplexes gelegen ist. Die Folge dieser Me-
krise und dem Abflauen der Bautätigkeit kam die Entwicklung ins Stocken, thode, die naturgemäß unbebaute Grundstücke übrigläßt, zeigt z.· B. das
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so daß zwischen den Mietshochhäusern die brachliegenden Grundstücke noch älter bebaute Bungalow-Viertel zwischen Wilshire Boulevard und Montana
vorherrschen. Avenue in Santa Monica. Hier bestand ein in den kaufverträgen festgesetztes,
Während der Nachkriegsentwicklung blieben in den Wohnvierteln be- mehrere Jahrzehnte währendes Verbot gegen den B;:I.U anderer als Einfami-
sonders die Eckgrundstücke unbebaut. Wegen ihrer Front an zwei Straßen lienhäuser. In dem Augeriblick, in dem die Verbotsdauer ablief, wurden
hatten sie höheren Wert, waren höherer Besteuerung ausgesetzt und bildeten plötzlich Mietshäuser auf den unbebauten Grundstücken dieses Viertels er-
bessere Spekulationsobjekte. Die Möglichkeit, daß das Haus nach einer Seite richtet. Nur ein Mietshaus, das die bisher übliche Vorgartentiefe und Haus-
an eine künftige Durchgangsverkehrsstraße zu liegen kommt, ist bei diesen höhe nicht mehr einzuhalten brauchte, dazu mit flachem Dach und kahlen,
Grundstücken in Rechnung zu ziehen. Ganz auffallend ist die Erscheinung fensterlosen Seitenwänden, genügte, um mit einem Schlag den vornehmen
der unbebauten Eckgrundstücke in den Randstädten, besonders in Santa Kleinhauscharakter der palmenbestam;lenen 4. Straße zunichte zu machen,
.Monica. Sie werden meist von diagonalen Abschneidepfaden gequert, während ohne daß die Notwendigkeit einer Mietshausentwicklung in Richtung dieses
der Rest des Grundstücks, wie meistens das Brachland, von wildem Senf oder Stadtviertels vorlag.
wildem Hafer bestanden ist. Bei einer durchschnittlich nur 55 prozentigen
Bebauung der städtischen Grundstücke im Los Angeles County ist es ver-
J Ebenso wie die Eckgrundstücke am ehesten Brachland bleiben, fehlt in
fast allen erst in der Entwicklung begriffenen Stadtvierteln die Bebauung
ständlich, daß in vielen Vorstadtzonen außer den Eckgrundstücken auch ein entlang den Verkehrsstraßen völlig, während vielfach der Rest der Aufteilung

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voll bebaut ist. Die an den Verkehrsstraßen liegenden Grundstücke waren Mexikanersiedlung so gut wie unbebaut. Er trägt nur verstreut an den Hängen
früher vom Unternehmer für Geschäftsansiedlung vorgesehen, wurden daher ein paar dürftige Einzelhäuser, die vorwiegend von Mexikanern bewohnt
im höheren Maße Spekulationsobjekt. Neuerdings bestimmen die Planungs- werden.· Selbst der nordöstliche Teil von Sonora Town zwischen College und
kommissionen das Land entlang den Hauptverkehrsstraßen im voraus für Bernard Street ist zum größten Teil Brachland. Die Fabrikgebäude der Baker
Geschäfte. Das hat zur Folge, daß die Zahl der vorgesehenen Grundstücke Iron Works, die hier beiderseits des Broadway standen, wurden niedergerissen
die Zahl der möglichen Geschäfte weit übersteigt und die Brachlandstreifen nach der Vereinigung mit der Consolidated Steel Corporation, die sich im näher
zu beiden Seiten der Landstraßen unbebaut bleiben. Sie geben dann die Aus- zum Hafen gelegenen Industriegelände der Laguna-Ebene an der East
sicht auf die meist wenig schöne Rückseite der an der ersten Parallelstraße Slauson Avenue ansiedelte. Ebenso wie hier von Norden der Stadtrandcharak-
stehende Häuserreihe frei, soweit nicht häßliche Kleingeschäftsbuden und ter bis nahe an das Herz von Los Angeles heranreicht, schiebt sich von Süd-
schreiende Reklameschilder, beides verkehrsbedingt, auf ihnen errichtet osten der Brachlandkeil von der Laguna-Ebene auf der östlichen Fluß terrasse
werden. Diese Art der Landstraßen-"Bebauung" überwiegt schließlich in weit nach Norden vor, die Geschäfts- und Industriestadt der Westseite von
den randlichen Zonen der Stadtlandschaft, in denen die Aufteilungen zum der Oberen Ostseite trennend. Die geringe Bebauung des östlichen Industrie-
Teil ganz brachliegen. Hier kann man nicht mehr von aufgelockerter Vor;. geländes erklärt sich daraus, daß wegen der größeren Nähe des Geschäfts-
stadt, sondern nur noch von Brachland mit städtischer Einzelbebauung zentrums und im Anschluß an die Gleise der Southern Pacific-Bahn die In-
sprechen. dustrieansiedlungen zunächst die westliche Überschwemmungs terrasse bevor-
Am stärksten herrscht das Brachland in der San Fernando-Ebene vor, in zugten. Als diese bebaut war und normalerweise ein Übergreifen der Industrie
der 1925 nur 21,5% der aufgeteilten Grundstücke bebaut waren (Lit.106, auf das Ostufer, wo die Gleise der Union Pacific-Bahn lagen, zu erwarten
Vol. II, Letter 10, Mch.9, 1925). Trotz der geringen Bebauung ging man war, machte sich die industrieanziehende Kraft der selbständigen, als Indu-
hier dazu über, die Verkehrsstraßen, die schachbrettartig an den Viertel- striestadt gegründeten Gemeinde Vernon im Süden bemerkbar. Die Ge-
sektionslinien, also im Halbmeilenabstand, angelegt wurden, zu asphaltieren. schäftsleute, die Vernon aufteilten, sorgten dafür, daß hier ein erheblich
Vielfach haben das Vertreter von Zementfirmen in aller Eile durchgesetzt, niedrigerer Steuersatz als in Los Angeles erhoben wurde. Das lockte die In-
ehe die übrigen Bewohner sich einigen konnten. Die Umlage, die für den dustrien an. Außerdem kam Vernon die Nähe des Hafens zugute, besonders
Straßenbau von den Anwohnern erhoben wurde, wirkte sich bei der dünnen seitdem das Automobil immer mehr den Frachtentransport übernahm. Auf
Besiedlung auf den einzelnen so verhängnisvoll aus, daß sie in einzelnen Fällen die unvollständige Bebauung des Hafengeländes von Wilmington und der öst-
Konfiszierung des Grundstücks bedeutete. Es kam hier und in anderen Teilen lich anschließenden Marsch wird an späterer Stelle noch eingegangen werden.
der Stadtlandschaft vor, daß ein Grundstücksbesitzer $ 8000 für sein Grund- In der Innenstadt sind in den letzten Jahren weitere BrachHächen: durch
stück bezahlte, zugleich eine Hypothek von $ 3000 aufnahm und dann mit die Straßendurchbrüche des verlängerten Broadway und der Olive Street ent-
$ 6000 für die Straßenasphaltierung veranlagt wurde. Der Klimacharakter ~ standen. Solange die Stadt vorwiegend nach Südwesten und Westen wuchs,
der San Fernando-Ebene macht den Hauptteil dieser Teillandschaft unge- war von der 13. Straße ab die Ostwest-Verbindung wichtiger als die Nord-
eignet als städtisches Wohnviertel. So mußte der hohe Wert, den die Grund- süd-Verbindung. Dementsprechend wurden bei den Aufteilungen südlich
stücke nach Anlage eines dichten Straßennetzes und Asphaltierung annahmen, der 13. Straße zwischen Main Street und Grand Avenue und südlich Wa-
den Fortgang der kaum begonnenen städtischen Bebauung ins Stocken kom- shington Boulevard zwischen Main Street und Figueroa Street die Häuser-
men lassen. Es trat eine Rückentwicklung zu landwirtschaftlicher Nutzung blocks in ihrer Längserstreckung ostwestlich orientiert. Mit der Entwicklung
größerer Teile der San Fernando-Ebene ein. der Süd-Vorstadt und des Hafens gewann der Nordsüd-Verkehr so sehr an
Brachland vom Typ randlicher Zonen treffen wir auch in der Innenstadt Bedeutung, daß der Durchbruch von Broadway und Olive Street über Pico
selbst an (Fig. 14, S. 2 I 3). Der südlich an den Elysischen Park anschließende Boulevard (13. Straße) hinaus zur Entlastung der Parallelstraßen notwendig
kahle Teil der Elysischen Höhen ist außer einer isolierten, rechteckig absetzenden wurde. Die Wunden dieser Durchbrüche klaffen noch.

188 18g
Der Eindruck des Unfertigen, den die in allen Teilen der Stadtlandschaft amerikanischer Großstädte oder die "Ramblas" Barcelonas. Um so mehr wird
ins Auge fallenden unbebauten Grundstücke vermitteln, wird durch ihre das Fehlen einer solchen lang ausgezogenen Grünanlage im belebten Teile
gelegentliche Nutzung kaum gemildert. Im Geschäftszentrum und in den Sub- der -Innenstadt von den heutigen Planungskommissionen empfunden, als ja
zentren dienen die freien Flächen als Autoparks. In der Zeit der Wirtschafts- auch der Promenadengürtel nicht vorhanden ist, der inenggebauten euro-
depression ist es vorteilhafter, ein nur halbbesetztes Geschäftshaus nieder- päischen Handelsstädten meist an die Stelle der alten Befestigungen getreten
zureißen und aus dem Grundstück als Autopark eine Einnahme zu erzielen, ist. So versucht man denn, einen Ersatz für das Fehlende zu schaffen, indem
als die hohen Gebäudesteuern zu zahlen. In den intermediären Stadtteilen man für das neue Verwaltungszentrum, das unter großen Kosten zwischen
und Vorstädten werden auf den unbebauten Grundstücken, sofern sie an Ver- Geschäftszentrum und Plaza angelegt wird, größere Grünplätze vorsieht. Ein
kehrsstraßen liegen, Reklametafeln und mehr oder weniger primitive Verkaufs- Plan schlägt vor, den ganzen Bunker und Fort HilI in eine Grünanlage zu
baracken, kleine Restaurants und Immobilienbüros errichtet, die meist in verwandeln. Das eigentliche Geschäftszentrum hingegen wird nach wie vor
größeren oder kleineren Abständen voneinander stehen und die Aufmerksam- nur eine Grünfläche besitzen, den Pershing Square, früher Central Park,
keit des Autofahrers auf sich lenken sollen. Inden Jahren 1930 und 1931 einen ausgesparten Häuserblock zwischen Hill und Olive, 5th und 6th Street.
herrschte die Mode des Miniaturgolfs, das zahllose unbebaute Grundstücke Die Entstehung des Grünplatzes an dieser Stelle ist weniger auf das primäre
einer vorübergehenden Nutzung zuführte. Während der beginnenden Wirt- Bedürfnis nach einer Grünfläche zurückzuführen als auf den ursprünglich
schaftsdepression verschaffte das Spiel vielen Arbeitslosen Zeitvertreib, an- geringen Verkaufswert des Geländes. Der Arroyo de los Reyes, der unweit
deren Erwerbsmöglichkeit und dem Grundstücksbesitzer eine kleine Miete. westlich aus dem Hügelland austritt, pflegte zur Regenzeit den Block in
1932 waren nur noch wenige Miniaturgolfplätze in Betrieb. Von einigen sind sumpfiges Gelände zu verwandeln, was eine Frosch- und Moskito-Plage
noch die Überreste zu sehen. zur Folge hatte (Lit. 619). Dazu kam der Wunsch einiger Grundstücks-
In Long Beach setzte 1932 unter dem Einfluß der lokalen Handelskammer besitzer der umliegenden Blocks, durch Anlage einer zweiten Plaza die
die Bestrebung ein, die unbebauten Grundstücke als "Gemeinde-Sparsam- Entwicklung der Stadt in diese Richtung zu lenken, um so ihrem Grund-
keitsgärten" dem Gemüseanbau zuzuführen, um auf diese Weise den Arbeits- stück höheren Wert zu verschaffen. So wird 1866 der Block von der
losen Beschäftigung und selbstgezüchtete Lebensmittel zu verschaffen. Gleich- öffentlichen Versteigerung, der alles vermessene städtische Land damals
zeitig wird die öffentliche Wohlfahrt entlastet. Die Mehrzahl der unbebauten unterworfen war, ausgenommen und zum öffentlichen Park bestimmt (Lit.594).
Grundstücke der Stadtlandschaft bleibt jedoch völlig ungenutzt und macht Die nahe dem Westrande der Innenstadt zwischen 6. und 7. Straße aus-
manche vorstädtische Aufteilung nach wie vor zum Torso. gesparten Häuserblocks waren als Salzsumpf jahrzehntelang völlig unver-
Ähnlich wie das städtische Brachland nur aus dem individuellen Speku- käuflich. Für die Grundstücksbesitzer der Nachbarschaft wurde Ende der
lationsgeist heraus zu verstehen ist, sind mit nur wenigen Ausnahmen ge- 1880er Jahre das Vorhandensein jener wüsten quadratischen Fläche von
schäftliche Rücksichten für die Verteilung der Grünflächen innerhalb der 400 m Seitenlänge so unerträglich, daß sie allein schon zur Hebung des
Stadtlandschaft verantwortlich. Während die kleine Plaza auf den spanischen Grundstückswertes dieses Stadtviertels dem Bürgermeister anboten, die Hälfte
Gründungsplan zurückgeht, fehlt in der Innenstadt wie in den meisten nord- der Kosten für Anlage eines Sees und Parks zu tragen (Lit. 510, S. 349). Dar-
amerikanischen Großstädten eine der Größe der Stadt angemessene baum- aus entstand Westlake Park, dessen Umgebung eines der vornehmsten Wohn-
bestandene Promenade, wie sie in europäischen Großstädten oft einem viertel wurde, der Ansatzpunkt zum weiter westlich gelegenen Wilshire-
Herrscherwillen entsprungen sind. Man denke an "Unter den Linden" in Distrikt.
Berlin, die "Champs Elysees" in Paris, den "Paseo del Prado" und seine Ver- Das Gelände des Elysischen Parks blieb wegen seines ungünstigen Zugangs
längerungen in Mad~id,die "Avenida da Liberdade" in Lissabon. Der Innen- und seiner schwierigen Wasserversorgung unverkäuflich. Als 1886 fast das
stadt von Los Angeles fehlen auch die breiten Anlagen, die dem Bedürfnis gesamte Land der Innenstadt schon in Privathänden war, beschloß man die
südlicher Städte entsprechen, wie die "Alameda" und der "Paseo" latein- unverkauften Blocks der Elysischen Höhen als Parkgelände zurückzustellen

19 0 19 1
(Lit.488, I). Dem Deutschen Hansen ist der Beschluß zu danken (Lit. 510, mußten. Aus demselben Grunde fehlen den Straßen der Geschäftsstadt selbst
S. 37). So wurde denn hier 1896 unter Verwendung von Arbeitslosen der Park die Bäume völlig, in den inneren Vorstädten sind sie spärlich, nur z. B. im
angelegt, der den Bewohnern der Oberstadt eine willkommene Erholungs- St. James Park und entlang der angrenzenden Adams Street vollständig er-
stätte sein mußte. Trotz seiner Nähe zum Stadtzentrum geht der Verkehr halten, während wir sie in den Wohnstraßen der Außenstadt und der Rand-
westlich oder östlich an ihm vorbei. Neuerdings führen die Figueroa Street- städte selten missen. Eine moderne Aufteilung ist ohne baum- oder palmen-
Tunnels unter ihm durch. So kommt dem Elysischen Park nicht zentrale; bestandene Straßen nicht denkbar. Selbst die Hauptstraße des modernen,
sondern nur randliche Bedeutung zu, im Gegensatz zum Berliner Tiergarten. planmäßig angelegten Industrieviertels "Central Manufacturing District"
Bei der Versteigerung städtischen Landes war auch ein Stück Land im entbehrt nicht der heiden Baumreihen indischer Zedern. Ja, in einer Vor-
oberen Teil des Arroyo de los Reyes übriggeblieben, das nach alten Karten stadt wie Beverly Hills gibt es gar keine Straße ohne Bäume oder Palmen.
für ein Wasserreservoir (Reservoir Nr. 4) vorgesehen war. Hier entstand Pasadena und Altadena stehen in dieser Hinsicht kaum nach. Wo die un-
der Echo Park mit Echo Lake (Lit. 488, I). bebauten Grundstücke und auch die Geschäfts- und Mietshochhäuser zurück-
Das Gelände des heutigen "Exposition Parks" am Südwestrande der treten wie auf der Pasadena- und Teilen der Hollywood-Platte, nimmt die
Innenstadt wurde 1872 von einem Syndikat als landwirtschaftliches Aus- Stadtlandschaft den Charakter einer Villen-Parklandschaft an. Dazu tragen
stellungsgelände gekauft und gelangte 1899 in den Besitz des Staates, der nicht nur die baumbestandenen Straßen, sondern auch die im Vergleich zur
es der Stadt und dem Kreis Los Angeles für Park- und Ausstellungszwecke Hausfläche ungleich größeren Gartenflächen bei.
verpachtete (Lit. 488, I, S.360). Seit 1910 entstand in diesem Park, der Die einheimischen Bäume, wie die kalifornische Platane, Weide und Eiche
unmittelbar an das geistige Zentrum von Los Angeles, das Gelände der treten in der heutigen Stadtlandschaft ganz zurück (s. S: 39f). Viel ver-
Universityof Southern California angrenzt, das Historische, Naturwissen- breiteter ist heute der frühzeitig von den Amerikanern aus Australien ein-
schaftliche und Kunstmuseum, das ~usstellungsgebäude und schließlich geführte Eukalyptus. Ursprünglich wurde er als Holzlieferant und als Wind-
das Stadion, in dem die Olympischen Spiele des Jahres 1932 stattfanden. brecher verwandt, heute ist er Straßenbaum und Parkbaum. Als schnellwach-
Am Ostrande von East Los Angeles gab die Southern Pacific-Bahn ein sender anspruchsloser Baum findet er sich meist in den ärmeren Stadtvierteln
Stück Land der Stadt mit der Bestimmung zurück, daß darauf ein Park und in den Ausländerquartieren, durch sein unregelmäßiges Wachstum und
angelegt werde. Das führte zur Entstehung von East Lake Park (Lit. 488, I, sein graugrünes Laubwerk den ungeordneten und staubigen Eindruck jener
S. 357). Hollenbeck Park auf der Oberen Ostseite wurde der Stadt geschenkt. Wohngegenden noch verstärkend. So treffen wir ihn auch allenthalben im
Ebenso Griffith Park, der aber nicht als städtischer Park gelten kann. Das Bereich des alten Erdölgürtels in der äußeren Sonora-Stadt und in der Ober-
Ostende des Santa Monica-Gebirges mit Mount Hollywood umfassend, stellt stadt. Gern werden Eukalyptusbäume von Grundstücksunternehmern auf
er ein der Bebauung entzogenes Stück Chaparral-Landschaft dar. den grasbestandenen Highland- und Repetto-Höhen angepflanzt, um den
Schließlich verdanken auch die meisten Golfplätze in den Vorstädten und häßlich-kahlen Anblick ihrer Aufteilung zu mildern, was besonders not-
am Rande der Stadtlandschaft ebenso wie die Parks und "Plazas" der mo- wendig erscheint, sobald die ersten verstreuten Häuser auf den weithin
dernen Aufteilungen privater Initiative ihre Entstehung, wie beispielsweise sichtbaren Höhen errichtet werden.
in Beverly Hills und in den Palos Verdes Estates. Viel mehr als die vielen Eukalyptusarten, von denen sich der rotblühende
Erst in den letzten Jahren entstehen auf behördliche Initiative hin Grün- "Eucalyptus ficifolia" am besten für Straßenbepflanzung eignet, werden heute
flächen, meist im Zusammenhang mit der Anlage von Verwaltungszentren andere immergrüne Bäume neben blattabwerfenden Bäumen und drei be-
wie in Pasadena und Beverly Hills. liebten Palmenarten für die Straßenbepflanzung verwandt. Noch viel mehr
Im Mangel einer größeren Grünfläche nahe den verkehrsbelebten Teilen als die Bäume sind die kleineren Zierpflanzen der Gärten und die Nutz-
von Los Angeles sehen wir die Folge des pilzartigen Wachstums der Stadt, pflanzen der Plantagen aus allen Erdteilen zusammengetragen. Der Samen-
dem aUGh die privaten Parks der früheren städtischen Estates weichen import und die Züchtungsversuche werden seit langem von zahlreichen

13 Wagner, Los Angeles


193
Kunstgärtnereien betrieben (s.S. 71 und 86), die ein Interesse daran haben, landschaftlichen Gesamteindruck bestimmt. Die Differenzierung der Haus-
dem Villenbesitzer stets etwas Neues für seinen Garten zu liefern. Auf die typen, die zeit-, material- und nutzungsbedingt sein kann, bringt je nach dem
vielen japanischen Lohngärtner und Gärtnereibesitzer wurde schon hin- Vorwiegen des einen oder anderen Typs eine Gliederung der Stadt in Stadt-
gewiesen (s. S.152). viertel mit sich, die herauszuschälen das Ziel einer Stadtlandschaftskunde
Die typischen Straßenpalmen der Vor-. und Randstädte sind die hoch- sein muß.
wüchsige kalifornische Fächerpalme "Washingtonia filifera", die dickstäm- Im Gesamtstadtbilde springen zunächst die Unterschiede in der Haushöhe
mige plumpe "Phoenix canariensis", die, wie der Name sagt, auf den Kana- ins Auge. Aus der Masse der vorwiegend ein- und zweistöckigen Häuser treten
rischen Inseln beheimatet ist, und die kleinere graziöse "Cocos plumosa" das zentrale Hochhausviertel und die Hochhausgruppen im Wilshire-Distrikt,
aus Brasilien. in Hollywood, Beverly Hills, Santa Monica, Long Beach, Pasadena und
Unter den immergrünen Straßenbäumen stehen an erster Stelle der Glendale scharf heraus.Punktförmig greifen die Hochhäuser vom zentralen
weidenähnliche südamerikanische Pfefferbaum (Schinus molle und Schinus Hochhausviertel in das Großhandelsviertel vor, in die Südwestvorstadt uAd
terebinthifolius), schon in den 80er Jahren als schattenspendender Straßen- mehr linienhaft über die Westlake-Terrasse und randliehe Teile der Oberstadt
baum beliebt, die dunkelgrüne australische "Acacia. melanoxylon" und die in zum Wilshire-Distrikt hin. Ebenso klingt das Hochhausviertel von Hollywood
jüngster Zeit gern gepflanzte indische Zeder "Cedrus deodora" aus dem puriktförmig inmitten der Masse mittelhoher und niedriger Häuser aus.
Himalaya. Kurz nach 1882 hat F. J. Woodbury den Samen des "Deodar So ergibt sich eine Gliederung der Häuser nach Höhe, Nutzung, Material
Tree" aus Indien importiert, weil er etwas Neues auf seinem Landbesitzim und Zeit (Stil).
heutigen Altadena haben wollte (Lit. 328). Die aus jener Zeit stammenderi Nach der Höhe lassen sich die Häuser gliedern in:
beiden Zedern-Reihen entlang der Santa Rosa Avenue werden alljährlich
J

I. Hochhäuser, über 5 Stockwerke,


mit elektrischen Weihnachtskerzen geschmückt. Diese "Mile of Christmas 2. Mittelhochhäuser, 3-5 Stockwerke,
Trees" ist heute das Schmuck- und Reklamestück Altadenas, das um die 3· Zweistockhäuser,
Jahreswende zahllose Automobilisten anlockt. Von den vielen weiteren 4· Kleinhäuser, 1 und 11/ 2 Stockwerke,
immergrünen Straßenbäumen seien noch genannt der asiatische Kampfer- 5· Buden, d. h. Ein- oder Zwei-Raumhäuser.
baum "Camphora officinalis" aus Formosa, "Casuarina stricta" aus Austra- Nach der Nutzung in:
lien, die spanische Korkeiche "Quercus suber", "Magnolia grandiflora" aus I. Industrie- und Lagerraum-Gebäude,
den Südstaaten, der Johannisbrotbaum "Ceratonia siliqua", der in Arabien 2. Geschäftshäuser,
zu Hause ist, die brasilianische "Jacaranda mimosaefolia" und das kleine . 3· behördliche, öffentliche und halböffentliche Gebäude,
"Pittosporum rhombifolium" aus Australien. 4. Hotels,
Von den blattabwerfenden Bäumen werden Ahorn (Acer platanoides),
5· Miets- und Möblierte-Stuben-Häuser, Pensionen, Mehrfamilien-
Platane (Platanus orientalis), Ulme (Ulmus americana) und neuerdings die häuser,
Silberpappel (Populus alba nivea) gern als Straßenbäume angepflanze). 6. Eigenheime.
Mit den Zierbäumen ist bereits ein Element des Aufrisses beschrieben Nach Material und Konstruktion in:
worden. Der wichtigste Formbestandteil des Aufrisses aber ist das Hau s, das I. Adobehäuser,
zusammen mit der städtischen Vegetation und den anderen Nutzungsformen 2. Bretterhäuser,
der städtischen Fläche, die nicht unter den Begriff "Haus" fallen, wie Tank- 3· Rahmenholzhäuser,
stellen, Autoschlachthöfe, Holzstapelplätze, Tankanlagen usw., den stadt- 4· beworfene Rahmenhäuser,
I) Auf Grund eigener Beobachtungen, Mitteilungen des County Foresters und Angaben der 5· Backsteinhäuser,
Großgärtnerei Paul]. Howard, sowie deren Katalog "Flowerland" von 1930. 6. Eisenbeton-Gebäude.

194 13*
195
ImS tillassen sich nach den Hauptperioden drei Bau weis e nunterscheiden: häuser, die rasch unter den Witterungseinflüssen verfallen, wurden seitdem
I. die spanisch-koloniale Bauweise, mehr lind mehr durch Rahmenhäuser ersetzt oder, soweit man sie er-
2. die U.S.-amerikarrlsche Bauweise des Ostens und Mittleren Westens, neuerte, erhielten sie an Stelle des flachen Asphalt-Daches ein Satteldach
3. die kalifornische, bewußt imitierende Bauweise. mit Schindelbedeckung. Schon nach der Jahrhundertwende fing man an,
Aus dem innerhalb eines Stadtviertels auftretenden ältesten St!1 kann man die alten Missionen zu restaurieren. Dagegen "entdeckte" man die Adobes
nicht immer, wie in Europa, auf die Periode der ersten Bebauung zwingend von Los Angeles erst in den Nachkriegsjahren, als man sich auf einmal für
schließen. Denn unter den bodenständigen Häusern der Vorstädte treffen das "Adobe-Zeitalter" zu interessieren begann, während die Bewohner vorher
wir auch verfrachtete. Die leichte Bauweise des Rahmenhauses läßt den von den "alten spanischen Lehmhütten" meist nur mit Verachtung sprachen.
Haustransport zu. Bei Neubauten oder Straßendurchbrüchen in der Innen- So sucht man heute die wenigen noch vorhandenen vor dem fortschreitenden
stadt ist es billiger, vorhandene Häuser in die Vorstadt abzutransportieren Abbruch zu bewahren. Auch in San Gabriel und San Fernando sind noch
als sie niederzureißen. Nur bei nichttransportierbaren Backsteinhäusern und einige Adobebauten erhalten. Das Rancho-Haus unterscheidet sich vom
bei serienweisem Auftreten eines bestimmten Rahmenhaustyps sind aus dem städtischen Adobegebäude nur durch seinen größeren Grundriß, entsprechend
Stil abgeleitete Rückschlüsse auf die Bebauungsperiode gerechtfertigt.. der größeren Wohlhabenheit des Bewohners. Neben der L-Form finden wir
Aus den auf Grund der Gliederungen nach Höhe, Nutzung, Material und hier auch den U-förmigen Grundriß, der einen Innenhof umschließt wie in
Stil möglichen Kombinationen ergibt sich eine Mannigfaltigkeit des Haus- Los Cerritos, oder die T -Form wie in La Brea. Die Adobe-Bauweise wurde
typs, dessen Wandlung wir versuchen wollen, genetisch zu erklären, um dann, beibehalten, solange indianische Arbeiter vorhanden waren, die das Bau-
räumlich zusammenfassend, zu Nutzungseinheiten innerhalb der Stadt- handwerk von den Missionaren erlernt hatten. Der U.S.-amerikanische Hand-
landschaft zu gelangenI) . werker ist nicht dazu zu bewegen, bei der Hitze im Freien Adobeziegel zu
Die primitive Bauweise der Indianer - strohgedeckte Hütten -, die auch schneiden und zu trocknen. An seine amerikanischen Werkzeuge gewöhnt,
provisorisch von den ersten spanischen Siedlern angewandt wurde, hat schon hält er· an der Rahmenbauweise des Ostens fest, trotzdem das semiaride
in den ersten Jahren d~r europäischen Besiedlung den dauerhafteren s:pa- Klima und das Fehlen des Baumaterials eine andere Bauweise zweckmäßiger
nisch-kolonialen Häusern weichen müssen. Diese weißgetünchten erscheinen lassen. Dazu kam der Stolz der neuen Zuwanderer auf ihre
Ado bege bä ude 2 ) , von denen sich noch wenige in der Sonora-Stadt erhalten höhere Kultur, der sie erst recht an ihrer hergebrachten Bauweise festhalten
haben, sind vorwiegend einstöckig, von rechteckigem oder L-förmigem ließ. Anfangs, in der Zeit des Handwerkermangels und der hohen Löhne,
Grundriß und hatten meist eine die ganze Straßenfront des Hauses ein- scheute man es nicht, ganze Häuser um das Kap Horn herum nach Kali-
nehmende überdeckte Veranda. An Stelle der üblichen Bedeckung mit fornien zu bringe~ (vgI. Broek, The Santa Clara Valley, S. 156). So ent-
roten Ziegeln bestrich man in Los Angeles und San Gabriel das Dach stehen seit etwa 1860 hölzerne Rahmenhä user I) , welche bis etwa zur Jahr-
mit Asphalt aus den nahen Asphaltvorkommen (s. S. 73). Während das hundertwende die Stilentwicklung des Mittleren Westens mitmachten. Da
Stadtbild in den 1860er Jahren noch ganz vom Flachdach-Adobehaus das städtische Wohnhaus ein Einzelhaus ist, unterscheidet es sich nicht vom
beherrscht wurde, kam diese Bauweise sehr bald mit dem Verschwinden Landhaus. Bis in die 70er Jahre hinein wurde in der Stadt und auf dem Lande
des einheimischen Handwerkers außer Übung. 1870 waren noch 20 bis das einfache ein- oder zweistöckige koloniale Rahmenhaus des Mittleren
25 Prozent der Häuser von Los Angeles "Adobes" (Lit. 38). Die 'Adobe- Westens gebaut mit·rechteckigem, L- oder T.förmigem Grundriß und schindel-
I) Für Einzelheiten über die Entwicklung der Hausstile bin ich dem Leiter der School gedecktem Satteldach. Seit etwa 1870 fing man an, daran zu verzieren,
of Architeciure der University of Southern Ca1ifornia Dean Weatherhead besonders größere Veranden zu bauen und das Dach oft allseitig mit Giebeln zu versehen
dankbar, ferner dem Bauunternehmer Fritz Ruppel in Pasadena, dem ersten Immobilien- '4 • •; unter Bevorzugung des "Hohen und Schmalen". Dieser gotische Holzbau-
'I· ."

makler in Santa Monica Chas. Tegner, der seit 1887 dort ansässig ist, und dem Archi-
tekten J os e p h Wes t on in EI Monte. Ferner schöpfte ich aus Cl ar k (Lit. 589).
Stil ist typisch für die Häuser der ländlichen und städtischen Estates. Bei
2) s. S. 41 Anm. und S. 66. I) Erklärung auf S. 72 Anm. 2.

196 197
der Weiterentwicklung der Verzierungen in den 1880er Jahren verschwand Schornsteine sind kurz und verjüngen sich nach oben. Für das Fundament
die strenge Linienführung des gotischen Stils. Veranden, Erker, Türmchen, nahm man gern grobe Flußgerölle, um den Landhauscharakter ZU betonen.
Giebel, Mansardfenster, verzierende Leisten, Simse und Friese erschienen In dem Korridorviertel am Rande des Arroyo Seco-Geröllbettes sehen wir
jetzt wahllos, wo irgend möglich, und in allen Formen an den Rahmen- Gerölle mit Vorliebe verwandt. Allenthalben verrät das serienweise ent-
häusern. Der viktorianische Stil wirkt dadurch unerträglich üppig und standene Bungalow die Bebauungszonen des Vorkriegs-Booms.
geschmacklos. Die zahlreichen Hotels der Boom-Zeit wurden in ihm erbaut. Ebenso wie das Bungalow sich aus Stilen ableitet, die nicht in Amerika
Nach dem Zusammenbruch des Booms standen sie verlassen da wie in Glen- heimisch sind, finden wir um das Jahrzehnt von 1910-1920 auch im zwei-
dale, landschaftsverunzierend, teils brannten sie später ~b, wurden ab-, stöckigen Wohnhaus der Wohlhabendsten ein Abweichen vom Üblichen. Es
gerissen oder anderen Zwecken zugeführt. Die Menge viktorianischer Häuser, tritt das beworfen'e Backs teinha us auf, dessen Stil sich an italienische und
die heute noch die Südwestvorstadt innerhalb der alten quadratischen Stadt- spanische Muster anlehnt. In der gelegentlichen Betonung des flachen über-
grenze durchsetzen, legen Zeugnis ab von der Bautätigkeit, die dem Boom hängenden Daches mag man eine Anlehnung an den von Chicagoer Archi-
in diesem Teile von Los Angeles,folgte. Als Wohnhäuser der Rentner und tekten entwickelten "Western Plains-Stil" (Lit. 589, S. 51/52) erblicken, der
wohlhabenden Geschäftsleute erbaut, dienen sie heute als Pensionen, oder die horizontale Linie betont. Der Eindru~k dieses "Stils" wird verwischt,
es werden nur möblierte Stuben in ihnen vermietet. In den 1890er Jahren ver- sobald ein Walmdach mit roten Ziegeln darauf sitzt. Im billigeren bewor-
einfachte sich der viktorianische Stil etwas, indem keine durchbrochenen fenen Rahmenhaus, das als Vierfamilien-Mietshaus erbaut wird, erblicken
Verzierungen mehr angewandt wurden. wir hier oder dort Anklänge an diese Stile.
Neben dem zweistöckigen viktorianischen Wohnhaus finden wir schon seit Mit der AufmerksaInkeit, die man den alten spanischen Missionen zu
Beginn der 1880er Jahre das einstöckige Haus vom ausgesprpchenen Land- schenken begann, fing man schon vor deIn Kriege an, repräsentative Ge-
haustyp (cottage) mit quadratischem Grundriß und Pyramidendach oder bäude wie Rathäuser, auch Hotels und Geschäftshäuser mit Vorliebe im
rechteckigem Grundriß mit Giebeldach, das vom geringer Bemittelten be'- Missions-Stil zu J?auen. Es ist wahrscheinlich, daß ihn zuerst die Santa Fe-
vorzugt wird. In seinen Verzierungen machte es die Stilwandlungen mit vom Eisenbahn beim Bau ihrer Bahnhöfe anwandte. Man begnügte sich dabei,
viktorianischen Stil über die Jahrhundertwende bis in die Nachkriegszeit. die an das Barock anklingenden Linien der Kirchenfronten, besonders im
,Der Einfluß der neuenglischen Bevölkerung drückt sich nach der Jahr- Giebel, zu imitieren und spanische rote Dachziegel zu verwenden. Da der
hundertwende im Stil der zweistöckigen Wohnhäuser aus. Etwa 8-10 Jahre Stil am beworfenen Rahmenhaus angewandt wurde, ist die Wirkung verfehlt.
lang gingen der neuenglische Kolonialstil mit hohem Satteldach und Etwa mit Kriegsbeginn kam allgemein das stillose beworfene Rah-
vielfach schindelverkleideten Hauswänden, braun- oder grüngestrichen, und menhaus und das koloniale Bungalow auf. Das so vereinfachte Bunga-
der Königin-Elisabeth-Stil nebeneinander her. Beide Stile finden sich low nähert sich dem Landhaustyp. An den Kolonialstil der Südstaaten
in der Südwest-Vorstadt, auch in der West-Vorstadt beiderseits der Innen- erinnern die beiden einfachen Eingangssäulen, denen wir nun auch am
stadtgrenze, sind aber weniger verbreitet als der viktorianische Stil, denn zweistöckigen Haus begegnen. Vielfach erinnert das beworfene Rahmen-
gleichzeitig sind das Schweizerhaus und das Bungalow Mode geworden. haus mit Kastenform und flachem Dach mehr oder weniger absichtlich an
Im Schweizer Chaletstil, dem wir am 11/2- und 2stöckigen Wohnhaus den Pueblo-Stil.
begegnen, wird das grobe Balkenwerk und das weite Überhängen des flach- In derZeit des Nachkriegs-Booms, in der vom Grundstücks- und Bau-
geneigten Daches betont. Daraus entstand unter stärkerer Betonung der hori- unternehmer der Reklamewert der spanischen Vergangenheit erkannt wurde,
zontalen Linie das niedrige Bungalow, das an japanische Bauweise er- begann die Mode der spanischen Bauweise des beworfenen Rahmen-
innert. Typisch für das Bungalow sind neben dem flachen Hauptgiebel die hauses. Besonders seit 1925 wird fast ausschließlich "spanisch" gebaut, so daß
ebenso flachen kleineren Giebel,die von zwei kurzen dicken, nach oben sich bei der gewaltigen Bautätigkeit, die erst 1929 abnahm, ganze Stadtviertel
verjüngenden Pfeilern getragen, die breiten Veranden überdachen. Auch die im gleichen Stile entstanden. Meistens zeigt nur die Hausfront den spanischen
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Stil und die roten Dachziegel, während das übrige ein Kastenhaus mit billi- Verhältnis zu den Einzelwohnhäusern. Gerade viele der vorübergehenden
gem flachem Dach ist. Der Anblick eines solchen Hauses von der Seite oder Bewohner von Los Angeles ziehen das Wohnen in der kleinen Mietswohnung,
von hinten ist wenig schön. Stadtviertel, deren Häuser spanische Fronten in der Pension oder im Wohnhotel dem Haushalte im Einzelhause vor. Die
haben, wirken daher besonders unfertig, solange nicht alle Grundstücke be- Mietshochhäuser Hollywoods, des Wilshire-Distrikts und Long Beachs lassen
baut sind. In jüngster Zeit wird mit Vorliebe im Monterey-Stil gebaut, in ihrem Dache im Stile Heinrichs IV. den französischen Einfluß erkennen.
bei dem Grundriß und Linienführung einfacher und regelmäßiger sind als Eine bevölkerungsverdichtende Wirkung hat auch der "Bungalow-
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beim spanischen Stil. Das charakteristische Merkmal des Monterey-Stils ist Court", eine Gruppe von sechs oder acht mietbaren Bungalows auf einem
der schmale, meist lange Balkon des Obergeschosses mit einfachem Stab- Grundstück mit gemeinsamem Zugang von der Straße zum Hofe. Eine Weiter-
gitter. Man knüpft dabei an die wenigen, aus mexikanischer Zeit stammen-. entwicklung des Bungalow-Courts ist der "Auto-Court", der die großen
den Häuser Montereys an, die in ihrer Konstruktion gewisse Einflüsse fran- Ausfallstraßen des Fernverkehrs bevorzugt. Acht oder mehr Zweizimmer-
zösischen und englischen Kolonialstils erkennen lassen. Zwischen spanischem
und Monterey-Stil gibt es die vielfaltigsten Übergänge, die unter dem Begriff
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häuschen, jedes durch einen offenen A.utostall vom nächsten getrennt, stehen
um einen Hofmit Einfahrt von der Straße; das Ganze wird von einem Pfört-
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"N eo-Mediterran-Stil" (Broek, The Santa Clara Valley, S. 156, Abb. 22) ner überwacht. Viele Auto-Touristen und im Auto reisende Geschäftsleute
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zusammenzufassen sind. In Anlehnung an Vorbilder aus den Mittelmeer- i
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ziehen diese Art des Logierens 4em teureren Hotel vor. Als primitivster
ländern wird neuerdings gern ein kleiner Hof, Halb-Patio, angelegt. Er wird Auto-Oourt ist das "Auto-Camp" anzusprechen, das. sich auf unbebauten
auf zwei Seiten vom Hause, den beiden anderen Seiten von einer Mauer um- Grundstücken der Stadtrandgebiete findet.
schlossen und erzielt so eine wirkungsvolle Abgeschlossenheit. Neben der Entwicklung des Wohn- und Mietshaus-Stils geht die des Ge-
In denselben Stilen wird auch in den exkl usi ven Wohnvierteln gebaut, schäftshaus-Stils her. Anfangs wurde das einfache koloniale Rahmenhaus
aber nicht vom Bauunternehmer serienweise, sondern vom Architekten. Denn d,es Mittleren Westens zum Geschäftshaus, indem einfach eine Ladenfront
Architektur und Baumaterial werden hier aufs schärfste überwacht. In West- aus derselben Hauskonstruktion davorgesetzt wurd,e, so daß sie den Giebel des
wood Hills, Holmby Hills, Bel-Air, Pacific Palisades, Palos Verdes Estates, übrigen Hauses verdeckte. Die große rechteckige oder quadratische Bretter-
Altadena und anderen modernen Villenvierteln finden wir spanische und front ermöglichte in ihrem nicht von Türen und Fenstern durchbrochenen
Monterey-Häuser in höchster architektonischer Vollendung. Der weiß- oberen Teile das Anbringen des Geschäftsnamens und der Reklame. Wo
getünchte Backsteinunterbau mit weißer Holzverkleidung im Obergeschoß das Haus von vornherein nur Geschäftszwecken diente, "\o\(Urde das -Giebel-
verleiht den besseren "Monterey"-Häusern eine besonders geschmackvolle dach überflüssig, und es entstand' das einfache Kastenhaus, oft nur einen
Note. Wer ganz echt alt-"kalifornisch" und entsprechend teuer woh~en will, Raum enthaltend, mit hoch darüber emporragender Bretterfront. Die" western
läßt sich seine Villa aus Adobe-Ziegeln bauen, Erste Architekten und Bau- store front" ist typisch für alle Minenstädte des Westens. Rahmenhäuser mit
unternehmer studieren die Bautechnik der spanischen Missionare wie deren der großen Ladenfront repräsentieren den Typ des vorläufigen Geschäfts-
Methoden der Holzkonservierung und das dem Adobe beigemischte Prozent- hauses. Bei Ausbleiben der erhofften Geschäftsentwicklung der Stadt, des
verhältnis von Stroh und Pferdedung. Auch der spanische Barock-Stil mit Stadtviertels oder -der Straße mögen sie Jahrzehnte überdauern.
seinem Kontrast einfach-glatter Wände und fein ausgeführter Verzierungen Neben dem Rahmenbau führten die Amerikaner den Backsteinbau ein,
einer einzelnen Tür oder eines Fensters ist vertreten, daneben der französische der aber nur selten bei Wohnhäusern, dagegen in erster Linie bei Geschäfts-
Landhaus-Stil mit normannischen Dachformen, das englische Landhaus, der häusern, behördlichen Gebäuden und Hotels angewandt wird. Dement-
klassische amerikanische Kolonialstil und das Landhaus vom Kap Cod-Typ. sprechend finden sich Backsteinhäuser hauptsächlich im Stadtzentrum, in
Der Amerikaner lernte in Europa, wo er sich nach dem Kriege mehr als den vor- und randstädtischen Subzentren und entlang den Verkehrsstraßen,
zuvor aufhielt, die Bequemlichkeit des Wohnens im Mietshause oder in die zugleich Geschäftsstraßen sind. In der Stilentwicklung, die an den alten
der Pension kennen. Daraus erklärt sich die Zunahme der Mietshäuser im Geschäftshäusern der Main Street und in den ersten Blocks der Spring Street

200 201
und des Broadway zu beobachten ist, macht das Backsteinhaus die Wand- Den mediterranen Stil und den spanischen Barock-Stil verwendet man da-
lung des Rahmenh~uses mit, nur mit materialbedingten Abweichungen. egen gern bei Bibliotheken, Schulen, Kirchen und anderen öffentlichen
Die vielen ein- und zweistöckigen Geschäftshäuser und Geschäftsbuden und halböffentlichen Gebäuden, einerlei ob Backstein-, Beton- oder
der vorstädtischen Verkehrsstraßen werden auch heute noch vielfach aus Rahmenkonstruktion. Gerade diese Gebäude, bei denen mehr auf archi-
Backstein errichtet oder haben eine Backsteinfront. Soweit man die Haus- tektonische Wirkung und künstlerische Verzierung als auf Güte des Bau-
front nicht tüncht 09-er bewirft, werden die Backsteine an der sichtbaren materials urid der Konstruktion gesehen wurde,haben während des Erd-
Seite glasiert oder aufgerauht, - Verfahren, die seit 1910 angewandt werden bebens vom 10. März 1933 am meisten gelitten (Lit. 198). Wie weit bei
und der Mode unterworfen sind. Zeitlos ist der flache "römische Backstein", den Baukontrakten persönliche Beziehung eines Mitglieds der auftraggeben-
der etwa seit dem Kriege im Zusammenhang· mit der spanischen Bauweise. den Behörde zum Bauunternehmer mitspielt,' muß dahingestellt bleiben.
auftaucht, und der hohle Backstein (terra cotta). Nur dem Zufall, daß das Erdbeben sich erst am Spätnachmittag ereignete,
Um diejahrhundertwende kam in Los Angeles wie überall inNordamerika ist es zu danken, daß nicht Tausende von Kindern in den 85 Schulen von
der Standard-Stil der Geschäftshäuser auf, der seitdem beim Mittelhochhaus Long Beach, die zu 75 Prozent beschädigt oder zerstört wurden, den Tod
J.llld dem eigentlichen Hochhaus angewandt wird. Seine Gestalt ist ein fanden. Während das vom Eisengerüst getragene ,Hochhaus als Einheit
Groß-Kasten. Als reiner Zweck-Stil ist er nicht auf eine kurze Periode ,J schwingend auf die Bewegung des Untergrundes reagiert und höchstens die
beschränkt. Das Eisengerüst der Mittelhoch- und Hochhäuser trägt entweder Wände aus ihren Rahmen herausfallen, sind der Backsteinbau und der Rah-
Wände aus Backstein, dessen Außenseite oft nach einer der beschriebenen menbau mit Backsteinfront für das erdbebengefahrdete Gebiet völlig un-
Moden bearbeitet wird, oder Betonwände. Das moderne Geschäftshochhaus geeignete Bautypen. Das hölzerne Rahmenhaus, .das wegen seines leichten
trägt manchmal den Ansatz zu einem flachgeneigten, mit spanischen roten Gewichtes relativ widerstandsfähig ist, hält dem Stoß stand, sofern der Rah-
Ziegel~ gedeckten Dach. Im übrigen ist das Dach' des Geschäftshauses stets men in seiner Gesamtheit genügend querverklammert ist. Als völlig un-
flach. Die Geschäftsräume des Erdgeschosses durchdringen gewöhnlich zwei geeignet haben sich die überhängenden Verzierungen und Dachsimse erwiesen,
oder drei Stockwerke. Banken und große Versicherungsgesellschaften betonen die den Straßenverkehr unnötig gefahrden und deren Schutt die Ausgänge
das Repräsentative. Sie bringen an den Untergeschossen ihrer Hochhäuser der Gebäude gerade in dem Augenblick versperrt, in dem die Bewohner
oft römische Rundbogen und Säulen an und sparen auch in der inneren Aus- vor dem nächsten Stoß auf die Straße flüchten wollen. Das Leben eines so
gestaltung ihrer H~llenräume nicht an Marmor oder Granit. Die Stärke künstlichen Stadtorganismus hängt in viel höherem Grade davon ab, wie
und Unabhängigkeit der großen Geldinstitute wird auch gern dadurch be- w~it es gegen Katastrophen gesichert ist, als das natürlich gewachsener
tont, daß ihre Hallengebäude' für sich errichtet werden, ohne ein Bürohoch- Indu~trie- und Handelsstädte. Der Rückgang des Touristenverkehrs und
haus zu tragen. Anklänge an klassischen Stil zeigen auch gern die behörd- eine gewisse Rückwanderung nach dem Mittleren Westen nach dem Erd-
lichen Hochhäuser, wie das Gerichtsgebäude von Los Angeles, während das beben sind alarmierende Zeichen. Das weitere Wachstum von Los Angeles
State Building und das neue Rathaus, das 1927 errichtet wurde, moderne wird deshalb weitgehend davon abhängen, ob es gelingt, die Stadt vor
Linien bevorzugen, ebenso wie die neuen Gebäude der beiden großen Titel- dem Schaden, den Erdbeben anrichten können, zu schützen. Möglich ist das
versicherungs-Gesells~haften. Dieselbe moderne Linie, welche die glatte nur durch sichere Bauweise, die sich in einer Modifizierung der üblichen
Fläche und die vertikale Gliederung der Gebäudefront betont, hat man bei Baustile ausdrücken muß. Damit wird der Aufriß der Stadt ebenso eine
den Hochhäusern der "Wundermeile" des Wilshire-Distrikts angewandt, " Funktion des künstlichen Großstadtwachstums werden wie die Entstehung
- eine wohltuende Abwechselung im neuen, fast durchweg "spanischen" des Hafens, die Eingemeindung der San Fernando-Ebene und der Wasser-
Häusermee'r. Trotz der "spanischen" Mode setzt sich die Abwandlung des entzug im Owens-Tal und am Colorado. Bei der Eigenart der Handels-
Großkasten-Hochhauses im "modernistischen" Stile durch, denn er ge- kammer von Los Angeles, deren energisches Verhalten in den Fragen des
stattet größere Glasflächen l:J.ls der spanische und mediterrane Stil. Fruchtvertriebs, der Wasserversorgung, des Hafenbaus und der Heranziehung

202 )

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von Industrien zum Erfolg von Los Angeles ausschlug, ist auch in der das Gebäude der Pacific Goodrich-Gummifabrik oder den modernistischen
Frage rigoroser Baurevision ähnliches Durchgreifen zu erwarten. Die Bau- Stil, der im Falle der U. S. Rubber Co. stark und bewußt an altbabylonische
revision ist geradezu zwingend, auch wenn sie viele Millionen verschlingen Vorbilder knüpft. Von anderen Industriestädten unterscheiden sich die In-
wird. Nur so wird Südkalifornien in den Stand gesetzt, erneut nicht nur für dustrieviertel von Los Angeles durch das Fehlen der Fabrikschlote und durch
(
sein Klima, sondern auch für seine Sicherung gegen Erdbeben Reklame zu die damit zusammenhängende Sauberkeit der Gebäude, denn Elektrizität
machen. Dann braucht man die Erdstöße nicht mehr grundsätzlich wie und Petroleum ersetzen hier die Kohle. Infolgedessen wirkt sich auch die
bisher zu verschweigen, allein schon um das konkurrierende Florida zu über- Dezentralisation der leichten Industrie nicht nachteilig für die umgebenden
trumpfen, das sich gegen die Wirbelsturmgefahr viel weniger zu schützen Stadtviertel aus. Ein Muster an Sauberkeit und Zweckmäßigkeit der Gebäude
vermag. Bauunternehmer und Hausbesitzer werden erkennen müssen, daß ist das Industrieviertel des dank privater Initiative planmäßig angelegten
die Ersparnis an Versicherung bei erdbebensicherer Bauweise größer ist als "Central Manufacturing District".
die bei billiger Konstruktion eingesparten Baukosten. Obwohl die Gefahr Die Filmaufnahmestätten von Hollywood und Culver City sind große
schon immer bestand, hat erst das jüngste Erdbeben die neue Aufgabe, fensterlose Hallen, vielfach von nichtüberdecktem Kulissengelände um-
der Los Angeles gegenübersteht, aufgedeckt, denn die früheren großen geben. Kleinere langgestreckte Büro- oder Werkstättengebäude oder hohe
Erdbeben von 1769, 1812 und 1857 trafen eine kaum besiedelte Landschaft, Mauern schließen stets das Gelände der Filmgesellschaften von der Straße
in· der es vorwiegend einstöckige Adobehäuser gab, die keine Gefahr dar- wohl ab. Nur die gewaltigen Hallen ragen darüber empor. Das Bürogebäude
stellten. Los Angeles wird sich fortan nicht den Leichtsinn von San Francisco der Warner Bros.-Filmgesellschaft am Sunset Boulevard ist im repräsen-
leisten können, dessen Bauvorschrift, die nach dem großen Erdbeben 190 7 tativen klassischen Stil erbaut. Hinter der breiten Säulenfront würde der
erlassen wurde, nicht einmal das Wort Erdbeben erwähnt. So konnte Europäer eher ein Museum vermuten.
es kommen, daß man in San Francisco mit dem Einhalten der Bauvorschrift Aufnahmestätten und Gelände der größeren Filmgesellschaften bilden be-
immer lässiger wird, je mehr die Erinnerung an das Erdbeben und den da- sondere eingezäunte Stadtteile. Ich nenne sie Kulissenstädte. Zwei sind
durch hervorgerufenen viertägigen Brand schwindet. Für die Hochhäuser auf billigem Land in der San Fernando-Ebene hart am Nordfuß des Santa
von Los Angeles besteht im Falle eines stärkeren Erdbebens insofern eine Monica-Gebirges angelegt worden, während die Fox Film Corporation des
Gefahr, als sie in lockerem Medium fundiert sind, steilgestelltem Pliozän Bodenreliefs wegen ein größeres Gelände im Buenos Ayres-Hügelland an-
oder noch lockererem Alluvium, dessen Bewegung im Falle eines Erdbebens kaufte zu einer Zeit, als Westwood Hills noch nicht bestand und das Land
nicht mit der des festeren Untergrundes und des als Einheit reagierenden Ge- noch billiger war. Diese "Movietone City" der Fox-Gesellschaft würde in
bäudes übereinstimmt. In San Francisco ist die zerstörende Wirkung des Berlin das Rechteck zwischen Schloß, Brandenburger Tor, Dorotheenstraße
Erdbebens im Bereich quartärer Talfüllungen infolge der schlingernden Be- und Französischer Straße ausfüllen. Die Kulissenstadt unterhält einen eigenen
wegung um ein Vielfaches größer gewesen als in Gebieten älterer Gestein~ Omnibus, der zwischen ihren beiden Enden, eine Entfernung von 1,5 km,
(Lit. 26, Map 18). Die in Los Angeles vorgeschriebene Grenze der Bauhöhe alle fünf Minuten verkehrt. Nahe dem Südende steht der Komplex der Büro-
für Eisenbeton-Hochhäuser - 45 m, durchschnittlich 13 Stockwerke (Lit. 603, und Werkstättengebäude, mit Arsenal, Entwicklungslaboratorien, Projek-
General Building Ordinance ofL. A., Section 8) ist auf diese Sicherheitsgründe tions-, Filmzuschneide- und Zusammenstellwerkstätten, Film-Prüftheater,
zurückzuführen. Den Beweis für die Richtigkeit in der Vorschrift hat die Redaktionsbüro und feuersicherem Filmarchiv. Einen weit größeren Raum
Beschädigung geliefert, die das einzige Gebäude, das sie überschritt, das Rat- nehmen die neun Tonaufnahmehallen ein. Vierfache Wände machen sie
haus, erlitten hat. schalldicht. Pumpwerke besorgen den Luftaustausch, leiten gekühlte Luft
Die Bauweise der Industrie- und Lagerhausgebäude ist vorwiegend in die Tonbühnenräume. In der Südwestecke des Geländes hat ein japanischer
rein zweckbedingt. Einige der in den letzten Jahren errichteten Fabriken Architekt das "writers' building" erbaut, umgeben von geschmackvoll an-
wenden die spanische Bauweise mit den gewölbten roten Dachziegeln an, wie gelegter Grünfläche. 43 Filmschriftsteller arbeiten darin. Verstreut über

2°4 2°5
die Kulissenstadt liegen eigene Villen einzelner Filmschauspieler, die sie nur drilling deutlich. Beide Felder liegen benachbart über derselben Antiklinale.
während der Tage oder Wochen ihrer Schauspieltätigkeit bewohnen, während Noch auffälliger ist der Gegensatz, wo ein Ölfeld zur Hälfte in der Hand
deren sie sich von den Vergnügungen und gesellschaftlichen Ablenkungen der großen Gesellschaften ist, zur anderen Hälfte in wilder "townlot"-Kon-
des Schauspielerlebens fernhalten müssen. Für sie und die Filmdirektoren kurrenz erbohrt und erschöpft wird. Ende 1931 standen die Wochenendhäuser
unterhält die Kulissenstadt ein eigenes Luxusrestaurant "Cafe de Paris", am schmalen Strandsaum zwischen Venice und Playa del Rey in einem
das ebensogut in Piccadilly oder am Kurfürstendamm stehen könnte und den Bohrturmwald, in dem auf eine Fläche von 62 ha 218 Bohrtürme kamen.
Speisesälen Pariser Luxushotels nicht nachsteht. Unweit davon überragt eine In der Marschumnittelbar hinter dem Strand standen auf einer Fläche von
größengetreue Nachbildung der"Bremen" das Gelände. Gleich daneben 160 ha desselben Ölfeldes nur 29 Bohrtürme! (Lit. 163). Ein ähnliches Bild
betritt ~n den Trafalgar Square, aus wetterfestem Papiermache in seinen finden wir im Ölfeld von Huntington Beach (s. Fig. 12, S.139). .
wahren Größenverhältnissen nachgeahmt. 2600 Menschen konnten sich dar- Der Kulturlandschaftstyp des Ölfeldes zerfällt so entsprechend der Bohr-
auf versammeln, als die Waffenstillstandspsychose gefilmt wurde. Zum Mittel- turmdichte in zwei Gattungen: den Bohrturmpark und den Bohrturm-
und Nordteil des Geländes winden sich die Straßen zwischen mannigfaltigen wald. Der Bohrturmpark gestattet zwischen den einzelnen Bohrtürmen die
Kulissengruppen hindurch, hier eine verschneite Tallandschart, dort die normale Geländenutzung, sei sie städtisch oder landwirtschaftlich. So stehen
Rias-Küste Cornwalls. Neben der Wildwest-"Mining Town" steht ein be- die Bohrtürme im Los Angeles City-Felde in einem Wohnviertel, im Wolfs-
kanntes Viertel von Montmartre oder dem "Quartier latin". Ein französisches kill-Felde in einem Golfgelände, bei Torrance-Redondo in Gemüsefeldern
Schloß mit Parkanlage fehlt nicht und erst recht nicht die 47. Straße .von und bei Montebello in Agrumenpflanzungen. Im Grundriß des Bohrturm-
New York mit der Hochbahn der 9. Avenue. So ist die eigentliche Kulissen- parks bedeckt die städtische oder landwirtschaftliche Nutzungseinheit die
stadt ein wirres Durcheinander von Papiermache-Fassaderi. Fläche, während die Bohrtürme mit den dazugehörigen Pumphäuschen
Unvermittelt grenzt die Kulissenstadt auf.der einen Seite an ein modernes punktförmig darin verteilt sind. Erst im Aufriß tritt die Gesamtheit der Bohr-
vorwiegend "spanisches" Kleinhaus-Wohnviertel, das die übliche Auflocke- türme geländebeherrschend in die Erscheinung. Solange der Bohrturmpark
rungserscheinung zeigt. Auf dem östlich angrenzenden Golfplatz stehen besteht, kann die Nutzungseinheit, die er vorfindet, sich nicht zu einer höheren
neben der Kulissenstadt gleich die Vertreter der anderen charakteristischen Stufe der Entwicklung fortbilden. Er hält die Entwicklung auf oder setzt die
Industrie von Los Angeles, die Petroleum-Bohrtürme. Hier auf dem Güte deI' Nutzung herab, wie am Beispiele des Los Angeles City-Feldes ge-
Wolfskill- oder Beverly Hills-Ölfeld stehen sie in Abstä~den von durchschnitt- zeigt wurde (s. S. 114).· Befindet sich der Bohrtunnpark in· einem .Fann-
lich 150 m, also etwa 40 Bohrtürme auf den Quadratkilometer. Das ist distrikt, so erhält der Landbesitzer so· hohe Pachten oder Ausbeutungs-
bei der Tiefe _von mehr als 1000 m schon mehr als der nonnale Abstand, abgaben, daß er die Bewirtschaftung seines Landes aufgibt und in die Stadt
mit dem die Bohrtürme angesetzt werden, wenn sich das Gelände über dem zieht. Vielfach verpachtet er seinen Landwirtschaftsbetrieb. Daneben kommt
Ölfeld in der Kontrolle einer Petroleum-Gesellschaft befindet. Bei den.hohen es vor, daß die Bewirtschaftung ganz aufhört und die Felder dem Unkraut
Kosten einer Bohrung (etwa RM. 300-400 pro Meter) wird ein zu. dichtes preisgegeben werden (Lit. 176, S. 189).
Ansetzen der Bohrtürme in dem Augenblick unwirtschaftlich, in dem das Bei einer Bohrtunndichte von über 60 Bohrtünnen pro Quadratkilometer
natürliche. Öl-Einzugsgebiet eines Turms von mehr als einem erfaßt wird. Im können wir von einem Bohrturmwald sprechen. Hier bestimmt die eigen-
allgemeinen nimmt mit zunehmender Tiefe der natürliche Druck zu, so daß artige Forin des Bergbaus völlig den Charakter des Landschaftsbildes, be-
der Bereich, der von einem Bohrturm ausgepumpt werden kann, mit der herrscht Grundriß und Aufriß. Die vorherigen Nutzungsformen des Geländes
Tiefe größer wird. Dementsprechend ist das townlot drilling nur bei ganz müssen weichen oder können nur an lichteren Stellen des Bohrturmwaldes als
seichten Ölfeldern wie etwa bei dem alten City field von Los Angeles ge- Relikte verkümmert fortbestehen. So muten die "spanischen" Wohnhäuser, die
rechtfertigt. Di(,! Ölfelder von Dominguez und Long Beach zeigen den Kon- am Strande südlich Venice während des jüngsten "Building Booms" errichtet
trast zwischen wirtschaftlicher Ausbeutung und spekulativem townlot wurden, ganz seltsam inmitten des dichten Bohrturmwaldes an, der hier erst

206 2°7
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seit 1929 entstanden ist. Auf der Signal-Höhe ist noch ein Friedhof mitten im waten nur noch etwa ein Dutzend vorhanden. Das städtische Straßennetz
Bohrturmwalde erhalten und hier und dort vereinzelte Rahmenhäuser, deren ist bereits hindurchgelegt worden, ohne deh Bohrtürmen auszuweichen.
Baustil einen Rückschluß auf den Zeitpunkt der Entdeckung des Ölfeldes er- Ein Bohrturm mit Pumphaus steht' mitten in der fertig betonierten Haupt-
möglicht. Im übrigen ist der Bohrturmwald eine reine Industrielandschaft. verkehrsstraße, dem La Cienega Boulevard, und der starke städtische Auto-
Zu den Bohrtürmen und den kleinen Pumphäusern aus Wellblech gesellen verkehr benutzt sie bereits. Auf dem Brachland-Rest nQrdlich des Hancock-
sich die Gaskompressoren und Dampfkessel-Anlagen, die beide zum Pump- Park werden die Pump- und Dampfkessel-Anlagen abtransportiert, die Öl.
betrieb gehören, - die Gasfallen, Öltanks und ein Durcheinander.von sümpfe abgebrannt;
Röhren, - dann Entgasungswerke (auf dem Long Beach-Ölfeld gibt es Vom Ölfelde wird das Rohpetroleum zur Tankanlage oder gleich zu den
annähernd 100 solcher Anlagen) mit dem typischen Wasserkühlturm, viel- Raffinerien gepumpt, deren Lage von der Nähe zur Eisenbahn oder zum
fältigen metallenen Dampfschloten verschiedener Höhe und Tanks von un- Hafen bestimmt wird. Die Standard Oil Company hat ihre großen Raffinerie-
gleichen Formen. Die Wege, die durch die Vielheit von Bohrtürmen, Well- Anlagen im Bereich der alten: Dünen des Inglewood Redondo-Küstenvor-
blechhäuschen, Kesselanlagen und Tanks hindurchführen, und auf denen landes angelegt. Hier konnte sie in der Nähe des Hauptabwässerkanals von
gelegentlich noch ein paar Palmen erhalten sind, weiten sich hier und dort Los Angeles billiges Land erwerben und ihren eigenen Verladepier errichten.
zu Brachflächen, auf denen manchmal ein Aufseherbüro steht. In den Hohl- Nach Richmond bei San Francisco ist die südkalifornischeRaffinerie die
formen des Geländes sind Öl-Lachen und -Tümpel entstanden, oder es werden :zweite der Gesellschaft, daher der Name der Industriesiedlung "EI Segundo",
Metallreste und Schutt darin abgeladen. Es ist Vorschrift, solche Hohlformen, heute eine saubere kleine Arbeiterstadt von 3500 Einwohnern. Die Raffinerie
wo sie nicht von Natur vorhanden sind, künstlich anzulegen als Öl-Sümpfe nimmt allein 520 ha Fläche ein (Lit.764, 1931). Die Mehrzahl der Raffi-
(sump holes)" damit das überschüssige und verdorbene Petroleum nicht neriendagegen liegt in der Hafen-Ebene, 'entweder am Hafen selbst oder
auf die Straßen oder anderes benachbartes öffentliches oder privates Ge- gerade zwischen der Dominguez-Antiklinale und Wilmington. Hier ist beider-
lände abfließt (Lit. 189)' Nirgends sieht man Menschen. Nur in den Pump- seits des Schienenbündels der Southern Pacific und Pacific Electric-Bahn
häusern sind gelegentlich ein oder zwei Mann anzutreffen .. Das langsame die Raffinerie-Siedlung Watson entstanden und in dem Maße angewachsen,
Knarren des auf und nieder gehendenStangenwerks, das vom Pumprade in de~ die Petroleumförderung der benachbarten .Ölfelder stieg~' Die Asso-
bewegt wird, der Kurztakt des Dampfpuffens und der durchdringende ciated, Pan Arnerican, Shell, Texas und Union-Öl-Gesellschaften haben das
Petroleumgeruch beherrschen die Szene. Industriegelände von Watson besiedelt.
Die Bohrturmlandschaft ist infolge der vollständigen Erschließung und Der' schlagartigen Erschließung der Erdölfelder ist die Errichtung von
Ausbeutung der Erdölvorräte des Los Angeles-Beckens nur eine vorüber- Tankanl~gen (tank farms) gefolgt, die en.tweder u~ttelbat bei den
gehende Erscheinung. Schon nach einem Menschenalter mag sich das Bild der Raffinerien oder in .ihrer Nähe entstanden sind. Sie sind die notwendige
Kulturlandschaft, dort, wo es heute von dem Bergbau auf Erdöl beperrscht wird, Folge der überproduktion. Der frühere kleine hölzerne Tank, der 5000 Faß
vollständig geändert haben. Bergbaurelikte wie Halden oder alte Schächte (75 00 hl) aufnahm, ist ganz vom modernen Metalltank mit 80000 bis
werden nicht mehr vorhanden sein. Die Lizenzen schreiben vor, daß 30 Tage 180000 Faß Kapa~ität (125000 bis 280000 hl; Lit. 159, S. IIO/III) und von
nach Aufhören des Pumpens der Bohrturm abgeräumt sein muß. Das Ge- durchscpnittli~h 50 m Durchmesser verdrängt. Der Tank tritt selten allein
lände muß in den Zustand zurückversetzt werden, in dem es sich bei Ertei- auf. Bis zu 20, 30 oder mehr Tanks stehen zusammen in Reihen zu 2, 3 oder
lung der Bohrlizenz befand (Lit. 189). Den Typ des sterbenden Ölfeldes 4 ausgerichtet, oft im Quadrat oder Rechteck. Jeder Tank steht, aus Gründen
repräsentiert das Salt Lake field. Das Vordringen der Stadt in den Bereich der Sicherheit gegen' Feuer, in der Mitte eines quadratischen von Dämmen
des Ölfeldes hat verhindert, daß bei Nachlassen der vorhandenenÖlquellen umrahmten Feldes. Noch eigenartiger wirken die versenkten Riesentanks aus
neue, tiefere, erbohrt wurden. So ist die Zahl der Bohrtürme dieses Feldes :Beton, die bis 4 Millionen Faß halten (6,2 Mill. hl.; Lit. 159, S. IIO/III).
von 1920 bis 1927 von 267 auf 98 zurückgegangen (Lit. 126, S. 132). 1933 Sie' werden bis zu 360 m lang und 180 m breit. Im Landschaftsbilde

1:4 Wagner, Los Ange1ea 209


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1) erscheinen sie als einzelne bis zu 1/2 ha große Betonflächen, von breitem
1 möglichst groteske Form. So kann man im Zeppelin, im Eisberg, im braunen
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Damm umgeben und im Kreis oder Oval von Blitzableitern umstanden.
I, Derby-Hut oder anderen "einmaligen Budenformen" die Tasse Kaffee oder
Nach Behandlung der wichtigsten und für Los Angeles typischen Formen
"
das eilige Mittagessen einnehmen. Auch das allgegenwärtige Grundstücks-
der Wohnhäuser, Geschäftshäuser und Industrieanlagen bleibt noch eine weite
maklerbüro wählt vielfach eine vom Üblichen abweichende Kleinhausform.
Teile des Aufrisses beherrschende Erscheinung zu betrachten: die Geschäfts-
Dort, wo die Verkehrsstraßen aus dem Geschäftszentrum heraustreten oder
reklame. Abgesehen von der üblichen Reklame in den Hauptstraßen',des
weruger gute Vorstadtwohnviertel durchqueren, reiht sich eine unscheinbare
Hochhausviertels der Innenstadt und der größeren Randstädte tritt sie überall
Geschäftshütte neben die andere, alle mit' Reklameaufschriften übersät.
dort beherrschend auf, wo das Geschäftshaus oder die Industrieanlage nur vor-
'Drogerien, Schusterläden, Hut- und Kleiderreinigungs-Werkstätten und
läufigen oder vorübergehenden Charakter haben, wo das Geschäftshaus ein
Färbereien, Billardhallen, kleine Restaurants, Limonadenbüfetts, Althändler-
veraltetes Gebäude ist, und erst recht da, wo gar kein Gebäude vorhanden ist,
läden, Schuhputzstände, Barbiere, Mechanikerwerkstätten und billige Kinos
sondern sich das Geschäft auf unbebautem Grundstück abspielt., So betont
wechseln miteinander ab. Unterbrochen werden sie von Autoparks, Altauto-
gerade das Reklameschild das Unfertige der Stadtlandschaft. Seine beherr-
verkaufsständen, Reifenverkaufsständen und Tankstellen. Autoschlachthöfe
schende Stellung wird mitbedingt durch die Menge der unbebauten Grund-

!
treten in der Stadt meist zu mehreren auf oder nutzen am Stadtrande Hohl-
stücke einerseits, durch die Intensität des Verkehrs andererseits. Jeder Ge-
formen des Geländes entlang den Ausfallstraßen. Zu der Mannigfaltigkeit aller
schäftsmann läßt sein Reklameschild so malen, daß der rasch vorbeifahrende
dieser geschäftlichen Nutzungserscheinungen und den Reklameüberschriften
Automobilist es mit einem Blick lesen und in der Erinnerung von den vielen (
i in allen Farben und Formen kommen die unförmigen Pfosten und das Draht-
anderen Schildern unterscheiden kann. Daher rührt einmal die Größe der
werk der Telephon- und Lichtleitungen. Das Gesamtbild der Verkehrsstraßen
Schilder und, die schreiende Schrift und zum andern die Originalität der
dieser Gegenden, wohl die unerfreulichste Erscheinung der amerikanischen
Ausführung und die eigenartigen Formen der Reklame. Die Riesen-Reklame-
Großstädte, tut dem Auge ebenso weh wie der unausgesetzte Straßenlärm der
tafel, welche die Breite eines Grundstücks
. einnehmen kann und die nachts
'

Verkehrsstraßen, das Schellen der Verkehrssignale und das Schreien der Zei-
beleuchtet wird, ist sozusagen die Standard-Form der Reklame. Ganze Reihen
tungsjungen dem Ohre, der Automobilauspuff dem Geruchsinne. Die Be-
solcher Tafeln können entlang den Hauptverkehrsstraßen stehen. Die Reklame.;
bauung entlang den Hauptverkehrsstraßen bleibt auch dort von der Reklame
tafel preist in der Regel einen Markenartikel an, vom Kaugummi bis zum
beherrscht, wo sie gegen den Stadtrand hin lockerer wird. Schließlich be-
Automobil, oder eines der erstklassigen Geschäfte der Innenstadt.' Andere
gleitet die Reklame die Autostraßen über das freie Land hinweg. Mit Unter-
können sich diese teure Propaganda, die von einer Reklametafel-Gesellschaft
brechungen erscheinen immer wieder' Tankstellen, Mechanikerwerkstätten,
besorgt wird, nicht leisten.
Frühstücks- und Limonadenbüfetts.
Viele Kettengeschäfte geben ihren Filialläden, die sie an den Verkehrs-
Zu einer Gliederung der Stadt in Stadtviertel gelangen wir, wenn wir
straßen in allen Teilen der Stadtlandschaft unterhalten, eine bestimmte Er-
Aufriß und Nutzung flächenhaft betrachten und vorwiegend Gleiches zu-
kennungsform. So haben die Van de Kamp Holland-Dutch Bakers sämtliche
sammenfassen. Eine Stadt ist stets ein lebender, unfertiger Organismus, Los
90 Zweiggeschäfte als blau und weiß gescheckte holländische Windmühlen
Angeles ganz besonders. Die Nutzungseinheiten durchdringen sich. Die jungen
gebaut und die Verkäuferinnen in holländische Tracht eingekleidet. Jede
Planungskommissionen vermögen nur den Augenblicksstand der Durchdrin-
Petroleumgesellschaft hat für ihre Tankstellen, von denen es in der Stadtland-
gung zu fixieren, für neue Stadtteile den Grad der Durchdringung im Voraus
schaft 1929 mindestens 2500 gab (s. S. 223), eine bestimmte möglichst schreiende
festzulegen und die als Einfamilien-, Mehrfamilien- oder Mietshaus-Wohn-
Farbe gewählt, manche, wie die Standard Oil Co. auch einen geschmackvollen
viertel festgelegten Gebiete vor dem vorzeitigen Eindringen von Mehrfamilien-,
Streifen. Die vielen Frühstücksbüfetts, die in der Nachkriegszeit plötzlich auf~
Miets- oder Geschäftshäusern zu schützen.
gekommen sind, können den Automobilisten nur dadurch zum Halten bringen>
Die Entwicklung der idealen amerikanischen Stadt ist einer radikal fort-
daß sie ihn neugierig machen. Deshalb geben sie ihrem Büfett:"Stand eine
schreitenden Wellenbewegung vergleichbar. Burgess unterscheidet 5 Zonen:

210
2II
1. Das Geschäftszentrum (die "City'" in Amerika "Downtown" genannt),
um das sich 4 Wellenkreise legen.
2. Eine Übergangszone, in die zweitklassige Geschäfte, Großhandel, Garagen
und leichte Industrie und Gewerbe eindringen, ehemaliges Wohnviertel mit
Wohnhaus-Relikten.
3. Zone der inneren Arbeiter- und Angestellten-Wohnviertel, soweit diese
Einwohnergruppen nicht in der 2. Zone wohnen; zugleich Mietsstubenzone.
4. Die Zone der besseren Wohnviertel, mit Mietshaus- und Einfamilienhaus-
Bezirken.
5. Die Zone der vor- und randstädtischen Arbeiter-, Angestellten- und besseren
Wohnviertel.
Mit dem Anwachsen des Geschäftszentrums rücken die Wellenkreise radial
vor, gleichzeitig breiter werdend. Es entsteht eine Zonensukzession (Lit.616,
S. 50). In dem Maße, in dem die 2. und 3. Zone in die nach außen benach-
barte Zone eindringen, kommt die vorha.ndene Bebauung herunter. Nur teil-
weise treten an ihre Stelle Gebäude, die den neuen Nutzungen von vornherein
entsprechen. Ehemalige Villen werden zu Mietsstubenhäusern, Arbeitetwohrt- '
häuser zu Schneider- und anderen gewerblichen Werkstätten. Das Geschäfts-
zentrum dagegen duldet keine ehemaligen Wohnhäuser, so daß sich hier
Relikte alter Bebauung nicht erhalten. Das führt dazu, daß die Zone alter
Bebauung, die das Geschäftszentrum und die Geschäftshäuser der angrenzen-
den Übergangszone umgibt, zur Zone des Bebauungsverfalls wird, zum Spe-
lunkenviertel. Es ist das Viertel des mittellosen Zuwanderers. Mit der Besserung
seiner wirtschaftlichen Lage verlegt er seinen Wohnsitz immer weiter nach außen.

'-.
Innerhalb der einzelnen Zonen bilden sich lokale Differenzierungen heraus.
In derÜbergangszone läßt sich ein Gebiet billiger Mietsstuben der "Unter- , - - - . ,......._ _..,....-J~ MILOMETER
0.. Verwaltungshochhausvierte.l im EntSotehe:n

welt" herausschälen, Italiener-, Juden-, Chinesen- und Negerviertel. Das


o 1. uRSchäftshochhäuser vorwiegend mOder vertinnlt 4lJ)
"ml"" Morphologische Grenzen • Guchäft. - und Lagerhäuser vorherrschend
Negerviertel setzt sich radial über die beiden nächsten Zonengrenzen fort. In - - Grenun dIr vorwiegenden Nutl~ ~
Industrie vorherrschend
der 3. Zone, dem inneren Arbeiter- und Angestellten-Wohnviertel, werden wir ----- Grenzen der Güte oder des AI.I~S der Bebauung ~
etwas bessere Fremdenviertel antreffen. Mittelmäßige Hotels, Pensionen, Miets- ""'JI,."" TrQckeni>ellen der Flüsse ~ WOhnviertel. randlich m, ~ndustrie Od. ~rosshand.1 durchsetzt
P 'Plaza ~ Wohn viertel. m.Oeschäit,n u. halböf(,nfllchen Oebäuaen durChsetzt
stubenhäuser und "flats" (Zweifamilienhäuser) haben Anteil an dieser Zone. .... • Heutiger Stadlmillelpunkl ~
~ WOhnvierte.I" von,ue.sthäften nur linea.r durchq,uert
Am inneren Rande der 4. Zone, der Zone der besseren Wohnviertel, werden sich 'Verwaltungs.enlrum und }_ UR-LOS AtlliELES F="'="l,
$üdl. Tri! der Sonora -Town (1850 -18bO ) ~ Wobn vi er tel • LUmwancilung Z. Miet$haus .. u. Dur,hgangsvqrkehrs:cne

bessere Mietshäuser anreichern, die in die Villenviertel, zonar von Wohnhotels .--·····Bebauungsrcllld VDn ALT-LOS AN6ELES (UmISSO) l~ogcJ Park
durchsetzt, übergehen, an die sich nach außen die Kleinhauszone anschließt.
In Wirklichkeit modifizieren Bodenrelief, Lage der Eisenbahnen und der
o Brachland vorherrschind

Fig. 14. Die Innenstadt von Los Ange1es (Gliederung in Stadtviertel)


Industrie sowie Dichte der Ausfallstra.ßen die Zonenanordnung. Die Zusam-
mensetzung der Bewohner entspricht nicht dem Idealfalle, deshalb weichen

212 21 3
auch die Differenzierungen innerhalb der einzelnen Zonen davon ab. So läßt Negerwohnviertel, dessen Rahmenhäuser nach Süden fortschreitend einen
sich in der Innenstadt von Los Angeles nur hier und dort die Zonen- immer besseren Charakter annehmen.
entwjcklung des Idealfalls feststellen (s. Fig. 14, S.213)· Im Lee des südwestlich sich fortentwickelnden Geschäftszentrums ist sozu-
Überschwemmungsgefahr auf der Flußterrasse und morphologisch be- sagen ein Vakuum entstanden. In das ehemalige Geschäftszentrum zwischen
dingte Einengung im Norden und Nordwesten haben dem Wachstum des Plaza und 1. Straße sind mit dem mexikanischen Element Großhandel,
alten Los Angeles ganz einseitig südwestliche Richtung vorgeschrieben. billige Geschäfte und billige Vergnügungsstätten nachgerückt. Vor dem Süd-
Das hatte zur Folge, daß sich auch das Zentrum nach Südwesten vorschob. ausgang des Broadway-Tunnels stand das Rathaus und das Gebäude der Kreis-
Als auch die höheren Teile des Stadtgebiets mit Wasser versorgt werden behörden (Hall ofRecords). Die Millionenstadt bedarf heute eines viel größeren
konnten, entwickelten sich auf dem westlichen und östlichen Hügellande Behördenapparates. Man legt daher einfach das Stadtviertel nieder, trägt den
bessere Wohnviertel. Einen Schnitt in der normalen Entwicklung der Stadt- Rand des einengenden Hügellandes ab und schafft ein ganz neues Straßennetz.
viertel bedeutete aber die Anlage der Eisenbahnen auf beiden Ufern des Das moderne Streben der amerikanischen Städte nach einem planmäßig an-
Trockenbettes des Los Angeles-Flusses, an die sich, besonders auf dem Westufer gelegten Verwaltungszentrum mit repräsentativen Behördenhochhäusern auf
zwischen Bahnkörper und Flußbett die Industrie anlehnte. So haben sich weiter Grünfläche wird hier in großzügiger Weise erfüllt. Ein achtundzwanzig-
Schlachthäuser, Brauereien, Eisenbahnwerkstätten, Gasanstalt und schwere stöckiges neues Rathaus, ein Gebäude der kalifornischen Staatsbehörden und
Industrie frühzeitig im Anschluß an das Eisenbahngelände auf der Über- ein Gerichtsgebäude stehen bereits. Von alten Gebäuden dieses Stadtviertels
schwemmungsterrasse zwischen Alameda Street im Westen und Oberer Ost- soll nur die kleine Plazakirche erhalten bleiben. Zu dem Plane gehört die
seite im Osten angesiedelt. Die langgestreckte Industriestadt verstärkt die . Anlage eines Zentralbahnhofs, dem am Ostrande der Plaza das Chinesenviertel
Trennung von Ost- und Westseite, die schon das Trockenbett hervorruft. Die weichen muß. Im Lee des Geschäftszentrums gelegen, hat die Sonora Town
Wohnviertel, die nun im Lee der Industrie lagen, mußten notwendig zum Ar- seit 1880 nur insofern eine Wandlung durchgemacht, als ein Teil der Adobe-
beiter- und Angestellten-Wohnviertel herabsinken, in dem das fremde Element häuser durch Rahmenhäuser ersetzt wurde, entlang dem North Broadway, der
vorherrscht, Italiener und Mexikaner in East Los Angeles, Juden, Mexikaner, Hauptdurchgangsstr~ße, eine "Verdichtung der Läden eingetreten und an der
Japaner und Italiener auf der Oberen Ostseite. Auch die Korridorstadtviertel, North Spring Street leichte Industrie eingedrungen ist. Seitdem die Industrie-
die im Lee der Stadtentwicklung liegen und die von Eisenbahn und Ausfall- gebäude am Nordrande der Sonora Town niedergerissen sind, ist der alte
straßen durchzogen werden, gehören in diese Zone, wenn auch Italiener und Stadtrand gegen das Brachland der Elysischen Höhen fast wieder unverändert
Mexikaner hier weniger vorherrschen. Industriestadt und Geschäftsstadt vorhanden. Die südlichen Elysischen Höhen sind noch heute Stadtrandzone,
konvergieren zum Scheitel des Schuttkegels hin und treffen sich nahe der obwohl sie mitten in der Innenstadt liegen. An ihren Hängen und in einer
Plaza. In den Winkel zwischen Niederterrassenrand und Alameda Street Talweitungdes Innern sind dürftige Mexikanersiedlungen entstanden. Im
schiebt sich die Übergangszone, die zwischen dem Southern Pacific-Bahnhof, Norden bildet der Elysische Park den Abschluß dieser Leeseite. Das westliche
der am Westrande der Industriestadt liegt, und dem Geschäftszentrum zum Hügelland ist bis in die Gegenwart ein Hemmnis für die Ausdehnung des
Viertel billiger Hotels, Mietsstuben und Althändler wird. Die Spitze des Keils Geschäftszentrums gewesen. Die Oberstadt hat deshalb erst sehr spät und
ist schon weitgehend vom Großhandel, Lagerhäusern und leichter Industrie nur randlich ihren Villencharakter geändert. Nur in der Zone des "oil belt",
eingenommen, die südwärts fortschreitend zunächst flächenhaft, dann linien- der ostwestlich durch die Oberstadt zieht, ist frühzeitig das vorhandene
haft und schließlich punktförmig mit einzelnen Garagen, Wäschereien oder Wohnviertel verkommen und die weitere Bebauung gehemmt worden. Nördlich
Werkstätten in das im Verfall begriffene Wohnviertel, den nördlichsten Teil der Ölzone hat sich der gute Wohncharakter des Stadtviertels um so mehr
der Unterstadt, vordringen. So vollzieht sich allmählich der Übergang zum erhalten, je höher die Wohnstraße liegt und je geringer die Möglichkeit des
Wohnviertel der Unterstadt, das in die nächstbessere Zonenstufe einzuordnen Zuganges zur nächsten Verkehrsstraße ist, auch wenn diese unmittelbar
ist. Durch die Unterstadt zieht sich beiderseits der Central Avenue das parallel läuft. In den höheren Lagen der Elysischen Höhen entwickelt sich

2 14 2 15
die Oberstadt noch heute als besseres Wohnviertel. Anders am Südrande. auftreten als in anderen Stadtvierteln. Dazu gehören in erster Linie Kirchen,
Hier ist auf dem Bunker Hill, der unmittelbar über dem Geschäftszentrum Vereinshallen, Theater, und Begräbnisinstitute.
liegt, das ehemalige vornehme Wohnviertel zum Mietshaus- und Wohnhotel- Am Südwestrande der Innenstadt liegt in der Südwestvorstadt der Exposi-
viertel geworden, dessen Güte von Süden nach Norden abnimmt, um schließlich tion Park mit den Museen und dem Olympischen Stadion und nördlich davon
in ein Mietsstuben- und Ausländerviertel überzugehen. Seitdem man eine das Universitätsviertel der University of Southern California, die 1880
Reihe von Tunnels in ostwestlicher Richtung durch den Bunker Hill gebaut an dieser Stelle, die damals weit vor der Stadt lag, gegründet wurde. Eine
und die Anschlußstraßen nach Westen erniedrigt hat, wird heute die süd- Reihe stattlicher Universitätsgebäude und eine Bibliothek sind hier zum
liche Oberstadt auch westlich des Arroyo de los Reyes zum Angestellten- Teil im neuen mediterran-romanischen "Universitätsstil" der Nachkriegszeit
und Mietshausviertel etwas besseren Charakters. Der Grad der Veränderungen erbaut worden., Viel größer ist das neue Universitätsviertel der University
des ehemaligen Villenviertels nimmt nach Süden immer mehr zu, bis auf der of California at Los Angeles im Buenos Ayres-Hügelland. Noch qrei
Westlake-Terrasse die ehemalige Villa ganz zurücktritt. Hier drängt sich der weitere Hochschulen mit eigenem Gelände liegen im Bereiche der Stadt-
Hauptverkehr nach dem Westen zusammen. Mietshochhäuser, deren Zahl nach landschaft. Wenn man von der Pomona-Universität in Claremont absieht: die
Westen zunimmt, Wohnhotels und eine intensivere Geschäftsentwicklung an Loyola University auf dem Playa del Rey-Steilhang, das Occidental College
der 6. und 7. Straße kennzeichnen dieses Stadtviertel. Die Westlake-Terrasse am Rande der Highland-Höhen unweit Eagle Rock und das Pasadena In-
ist das Verbindungsstück zwischen dem Hochhauszentrum der Innenstadt stitute of Technology in Pasadena. Auch die bekannte Huntington Library,
und den neuen Geschäftszentren, die entlang dem Wilshire Boulevard in und die ebenfalls von Huntington gestiftete Bildergalerie liegen in eigenem
der westlichen Außenstadt entstanden sind. Die südlich anschließende Gelände, dem Parke des Huntington Estates' in San Marino.
Westvorstadt ist wieder weniger verändert. Sie hat ihren ursprünglichen Die gesamte Außenstadt, d. h. die Stadtlandschaft außerhalb der Innen-
Charakter vielerorts noch vollständig bewahrt. In der Außenstadt westlich stadt, ist in erster Linie Wohnstadt, aus der acht kleinere oder größere Hoch-
der Normandie Avenue bildet der Terrassenrand der Hollywood-Platte eine haus-Subzentren herausragen. Die Stadtlandschaft ist so ausgedehnt, daß sich
auffallend markante Scheide zwischen Westvorstadt und Südwestvorstadt. trotz der überragenden Bedeutung des Zentrums der Innenstadt auch in der
Oben liegen große Grundstücke, vornehme Villen, herrscht dünne Besiedlung, Außenstadt an vielen Punkten, zum Teil an Stellen alter Siedlungskerne Zonen
unten kleine Grundstücke, einfache Kleinhäuser, dichte Besiedlung, zum Teil auffallender Siedlungsverdichtung herausgebildet haben, die ich als Subzentren
Japanerviertel. Die Südwestvorstadt hat in ihrem altbebauten Teil in der bezeichne. Das Kennzeichen eines Subzentrums (subcenter) ist lokale An-
Innenstadt um die West Adams Street noch ihren alten vornehmen Charakter häufung von Geschäften, im vorgeschrittenen Stadium Hochhausentwicklung,
bewahrt, während sie in ihrem übrigen, in der Innenstadt gelegenen Teil also örtliche Citybildung. Man könnte das Subzentrum auch "City zweiter
zur Zone des Angestellten- und Arbeiter-Wohnviertels geworden ist mit den Ordnung" nennen. Der Begriff "City'<, der aus dem englischen, speziell
zu dieser Zone gehörigen Pensionen. Im allgemeinen nimmt die Güte von Londoner Sprachgebrauch in die deutsche stadtgeographische Nomeri.k1atur
I
Westen nach Osten und von Süden nach Norden ab. Die Grenze gegen das übernommen wurde, ruft bei amerikanischen Städten Uri.k1arheit hervor.
Hochhausgeschäftszentrum wird durch den breiten Gürtel des intermediären Was in England "City" genannt wird, heißt in Amerika "Downtown". Da-
Geschäftsviertels gebildet, in dem zweitklassige Geschäfte, Großhandel, gegen bezeichnet in Amerika das Wort "City" einen Bezirk mit selbständiger
leichte Industrie, Automobilzubehörläden, Garagen und Autoparks vorwiegen. städtischer Verwaltung und darf nicht daneben eine zweite Bedeutung er-
Ein- und zweistöckige Häuser herrschen vor, so daß der Schnitt im Aufriß halten. Denn nicht jedes städtische Subzentrum ("City" nach britischem
an der Grenze des Hochhausviertels fast ebenso markant ist wie im eigent- Sprachgebrauch) liegt in einer verwaltungsmäßig selbständigen Stadt ("City"
lichen Großhandels-und Lagerhausviertel, das sich nördlich an die Unter- nach amerikanischem Sprachgebrauch). Umgekehrt hat auch nicht jede Stadt
stadt anschließt. Charakteristisch für die Südwestvorstadt innerhalb der mit selbständiger Verwaltung (amerikanisch: "City") ein Geschäftszentrum
Innenstadt sind die halböffentlichen Gebäude, die hier in größerer Dichte oder -subzentrum. In der Stadtlandschaft von Los Angeles sind heute 38

216 2I7
"Cities" (nach amerikanischem Sprachgebrauch) enthalten. Manche von ihnen,
.
Kreuzung auf. An ihre Stelle treten zwei konkurrierende Bankfilialen.
wie die "City of Signal HilI" und die "City of Vernon", haben aber kein Damit werden die Geschäftseckhäuser zweistöckig, manchmal auch drei-
Subzentrum. Manche Subzentren dagegen wie West Hollywood und Altadena stöckig. In den Obergeschossen unterhalten Zahnärzte und Ärzte ihre Büros
sind noch heute keine "Cities". Das Beispiel von Pasadena zeigt, daß der und Sprechzimmer. Bald erscheint auch ein Kino in der Nähe. Dann ist
Begriff Subzentrum sich auch nicht mit dem Begriff "Siedlungskern" deckt, das "Neighborhood Business Center" fertig. In einer selbständigen Randstadt
solange diesem ein bestimmter genetischer Sinn zukommt (s. S. 97). kann sich daraus ihr Geschäftszentrum mit Hochhäusern an den Ecken
Außerhalb der Subzentren ist die Außenstadt meist weitständig gebaut, herausbilden. Im eingemeindeten Stadtgebiet von Los Angeles konnte solch
aufgelockert, hier und dort von unbebautem Gebirge, Höhen, brachliegen- ein Hochhauszentrum an der Kreuzung der beiden verkehrsreichen Straßen
dem oder landwirtschaftlich genutztem Flachland, Industrievierteln oder. der Westvorstadt,Wilshire Boulevard und La Brea Avenue, entstehen. Rings
Bohrturmwäldern unterbrochen. In der Innenstadt ansetzend legt sich über um das so entstehende lokale Geschäftsviertel tritt eine Bevölkerungsverdich-
die Auße~stadt ein Netz von Haupt- und Nebenverkehrsstraßen, die Ge- tung ein, die sich in dem Erscheinen von Mietshäusern und, bei Hochhaus-
schäftsstraßen in allen Stadien der Entwicklung darstellen. Bei dem raschen entwicklung des Geschäftsviertels, Mietshochhäusern ausdrückt. Die so
Wachstum der Stadt sind viele ehemalige Wohnstraßen zu Verkehrsstraßen automatisch vor sich gehende Entwicklung wird in neuen Stadtvierteln von
geworden und machen einen Prozeß der Umbildung zur Geschäftsstraße den städtischen Zonungskommissionen von vornherein festgelegt, so daß
durch. Die Umbildung beginntan der Kreuzung von zwei Verkehrsstraßen. nicht erst Wohnhäuser entlang den künftigen Geschäftsstraßen entstehen,
Wenn hier Wohnhäuser stehen, werden sie niedergerissen oder abtransportiert, sondern die Grundstücke brachliegen bleiben, bis die Besiedlung im Umkreis
und die vier Ecken werden bald von zwei konkurrierenden Tankstellen und . soweit fortgeschritten ist, daß sie eine Geschäftsentwicklung über die Ge-
zwei konkurrierenden Drug stores I) eingenommen. Manchmal tritt auch eine . schäftsecke hinaus rechtfertigt. Dann entstehen gleich zweckentsprechende
Lebensmittelverkaufshalle, Frühstücksbüfett, Tabakladen oder Maklerbüro Geschäftshäuser, und die geschäftliche Nutzung ehemaliger Wohnhäuser
an die Stelle der einen Tankstelle oder "Drogerie". Die seitlich anschließenden unterbleibt.
Wohnhäuser treten langsamer in den Prozeß der Umbildung ein. Vom Eckladen In Gebieten intensiven Durchgangsverkehrs wie in .Hollywood ist eine
aus fortschreitend erscheinen allmählich vor den Bungalows Schilder, die dem zonare Sonderung dadurch. eingetreten, daß die drei belebtesten Ostwest-
Vorüberfahrenden sagen, daß er hier Kanarienvögel, Antiquitäten oder Auto- Verkehrsstraßen verschiedenen Verkehrscharakter besitzen. Hollywood Boule-
reifen kaufen kann, daß hier ein Spiritistertprediger wohnt, ein Chiropraktiker vard, dessen Anwohnern es gelang, die Straßenbahn zu erhalten, die sonst
seinen Berufausübt, Musik- oderTanzunterricht erteilt wird, oder der Bewohner vielleicht durch Sunset Boulevard gegangen wäre, ist auf Fußgänger eingestellt,
des Bungalows sich auf das Zubereiten von Hühnergerichten besonders gut ist die Bummelstraße mit Cafes, Restaurants, vornehmen Detailgeschäften und
versteht. Mit Vorliebe baut man die alten Möbel, Autoreifen oder sonstigen den Banken. Sunset Boulevard, der die Hauptmasse des Durchgangs-Automobil-
Verkaufsgegenstände vor dem Hause auf. Allmählich werden diese Geschäfte, verkehrs durch Hollywood mich Westen hindurcheilen läßt, hat dagegen mehr
die vom Privathaus aus betrieben werden, gegen die Mitte des Straßen- Autoparks, Automobil-, Autovorschuß-, Reifen-, Zubehörgeschäfte, die Han-
abschnitts gedrängt. Denn von den Ecken her rücken jetzt einstöckige delskammer von Hollywood, Klubs, Kirchen und andere halböffentliche Ge-
aus Backstein errichtete Geschäftshäuser vor und ersetzen die Wohnhäuser. bäude. Am Santa Monica Boulevard, durch den die elektrische Schnellbahn
Da siedeln sich Zweigläden von Lebensmittelkettengeschäften an, Milch- fährt, hat sich außer einer Reihe von Filmgesellschaften die leichte Industrie
geschäfte, Barbiere, Radioläden, Schusterwerkstätten, Cafes, Schneiderläden, von Hollywood angesiedelt mit Werkstätten verschiedener Art, Zweigstellen
Eisenwarenläden, Restaurants, Bäckereien und Automobilzubehörgeschäfte. größerer Fabriken, Holzstapelplätzen und kleineren Fabriken, die Anschluß-
Ist die Geschäftsentwicklung einmal soweit fortgeschritten, dann suchen gleise an die elektrische Schnellbahn haben. Während der Nachtstunden
die Tankstellen eine vorläufig noch weniger von Geschäften umsiedelte besorgt die elektrische Bahn den Güterverkehr und bringt die Güterwagen
I) Erklärung s. S. 165 Anm. der Eisenbahn heran.

218 21 9
Die Wohnstraßen der Stadtlandschaft unterscheiden sich von den Wohn-
straßen europäischer Städte nicht nur durch die Bauweise der Häuser, son- wo der Fischereihafen liegt, ist die japanische Fischersiedlung East San Pedro
dern auch durch das Fehlen der Gartengitter. Die Straße macht einen breite- entstanden. Alle vier Hafensiedlungen beherbergen' auf ihrer dem Hafen
ren, freieren Eindruck, denn unwillkürlich bezieht man die Rasenfläche vor zugekehrten Seite Lagerhäuser, Holzstapelplätze und Tankanlagen. Dazu
den Häusern mit in das Straßenprofil ein. Dazu kommt, daß sich vielfach kommen zwei Yachtklubs, Regierungsbüros, ein paar Werften, Eisenbahn-
am Außenrande des Bürgersteigs ein zweiter baumbestandener Grünstreifen gelände und Industrieanlagen, in erster Linie leichte Industrie. Im Hafen-
entlang zieht. Der freiere Eindruck wird erhöht durch die geringe Höhe der gelände von San .Pedro steht die Baumwollpreßanlage von Los Angeles,
meisten Wohnhäuser. am Hafen von Wihnington die Anlage der Pacific Coast Borax Co~,
Am Strande von Santa Monica, Ocean Park, Venice, Manhattan Beach, an der Grenze von Wilmington und Long Beach die Zweigfabrik der Ford-
Hermosa Beach, Redondo Beach und Long Beach haben sich Strandver- Automobilgesellschaft und am Hafen von Long Beach die Seifenfabrik von
gnügungsviertel vor den landeinwärts auf höherem Gelände gelegenen Proctor & Gamble. San Pedro kann kaum mehr Industrien aufnehmen;
Geschäftsvierteln dieser Küstenstädte entwickelt. Der Vergnügungssteg mit der sein Hafengelände ist zu schmal. Neuerdings wird es darum verbreitert,
Achterbahn und die mannigfaltigen von Reklame übersäten Verkaufs-, Ver- indem man das Kliff zurückverlegt. Man hat .bereits das Straßennetz
gnügungs- und Büfettbuden geben diesen Vergnügungsvierteln ein buntes un- nördlich der Vierten Straße in die San Pedro-Terrasse eingeschnitten
ruhiges Gepräge. Ein großer Teil des Sonntagsverkehrs der Stadtlandschaft und auf Hafenniveau gebracht und dadurch eine ganz eigenartige
ergießt sich in diese Strandviertel. An diesen Tagen liegen die Menschen am künstliche Zeugenberglandschaft geschaffen. Wilmington hat mehr flaches
Strande dicht gedrängt. Die Strandstädte erfahren allsommerlich eine Be- für Industrieansiedlung geeignetes Land zur Verfügung. Das Gebiet
völkerungsvermehrung, da viele Bewohner der Stadt während "der Bade": zwischen Anaheim Street und Hafen ist für Industrien vorgesehen. In dem
saison in mietbarenBungalows am Strande wohnen. So sind Manhattan weiten vom Schachbrettstraßennetz durchquerten Brachland stehen hier und
Beach, Hermosa Beach und Seal Beach charakteristische Somme~ohnstädte.· dort ein paar Lagerhäuser und Gebäude der Leichtindustrie. Ebenso verstreut
Ganz aus dem Stadtbilde heraus fällt der Hafen, der 30 km vom Stadt- finden sich noch ein paar alte Rahmenhäuser aus der ersten Blütezeit Wil-
mittelpunkt entfernt liegt. Obwohl Los Angeles der Tonnage nach der zweite mingtons der 1 860er Jahre. Das Wohnviertel von Wilmington liegt, weitstän-
Hafen Nordamerikas ist, macht die Stadt den Eindruck einer Binnenstadt. dig gebaut, nördlich der Anaheim Street, der Haupt-Ostwest-Arterie von
Los Angeles hat nicht das Gepräge der typischen Hafenstädte wie San Fran- Long Beach und Wilmington. Zwischen Wilmington und Long Beach liegt
cisco, New Orleans oder New York. Die Siedlungen des Hafengeländes von noch völlig ungenutztes Brachland (alte Marsch und künstlich aufgefülltes
Los Angeles bilden eine Kleinlandschaft für sich. Die künstlich ausgebaute Land), während das Gelände um die beiden Stichkanäle von Long Beach
und begradigte Mündung des Los Angeles-Flusses trennt sie von den schon fast ganz von Industrieanlagen eingenommen wird. Terminal Island
Geschäfts-, Strand- und Wohnvierteln von Long Beach, die Dominguez- ist in seinem östlichen Teil noch vorwiegend Brachland. Der dem Haupthafen
Antiklinale von den Ausläufern der Südvorstadt von Los Angeles. Um den anliegende Streifen des westlichen Teils der Insel wird ganz von Holzstapel-
Hauptkanal des Hafens, von dem verschieden geformte Becken ausgehen, plätzen, Lagerhäusern und Tankanlagen eingenommen, während sich am
gruppie~en sich die vier Hafensiedh~ngen: San Pedro, Wilmington, Long seewärtsliegenden Fischereihafen die Fischkonservenfabriken auf engem
Beach westlich des Los Angeles-Flusses und Terminal Island mit East San Raum zusammendrängen.
Pedro. San Pedro ist Hafenarbeiterstadt, Wilmington Industriearbeiterstadt.
Auf Terminal Island hat der Badeort Brighton Beach, der um die Jahrhundert- VERKEHR, WIRTSCHAFT, HAFEN
wende gern besucht wurde, seinen Strand verloren, denn in dem Maße
.. "
In dem das Hafeninnere ausgebaggert wurde, ist auf der Seeseite der Insel
Die Eisenbahn tritt heute im Stadtlandschaftsbilde völlig zurück. Man
aufgefüllt worden (s. Fig. 11, S. 125). Am Südwestende von Terminal !sland, kann jahrelang im Südkalifornischen Becken leben und. im Berufe stehen,
ohne jemals
. eine Eisenbahn benutzen zu müssen. Die elektrische Schnellbahn
. ,
220
221
die sich rühmt, das ausgedehnteste elektrische Bahnnetz der Welt zu sein, dem Personenverkehr. Sie wird in den besseren Mietshausvierteln am stärksten
bedient das gesamte Südkalifornische Becken mit allen seinen Teilbeckem benutzt. Jeder Handwerker und Arbeiter dagegen besitzt ein AutomobiL
Dazu kommen die zahllosen Nah- und Fern-Omnibuslinien, Fracht- und Die Straßenbahn reicht im Westen, Süden und Osten nur wenig über die
Personenautomobile, so daß sowohl im Personen- wie im Frachtverkehr die Innenstadt hinaus, am weitesten im Südwesten bis Hawthorne und im Nord-
Eisenbahn überflüssig wird. Ihre eigentliche Bedeutung liegt heute nur noch osten bis Eagle Rock. Randlich wird sie durch Omnibuslinien ergänzt.
im Transkontinentalverkehr, in dem ihr allerdings auch der Omnibus und Außerdem gibt es in den Randstädten zahllose lokale Omnibuslinien. Am
das private Fracht- und Personenautomobil scharfe Konkurrenz machen. Ostrande des Geschäftszentrums der Innenstadt befindet sich der Autobahn-
Auf beiden Uferri des Los Angeles-Flusses in der Innenstadt haben die drei hof, von dem aus die Fernomnibusse in die randlichen Teile der Stadtland-
Eisenbahnen ihre Gleisanlagen und Rangiergelände. Ganz unscheinbar sind schaft und darüber hinaus auslaufen. Bei weitem das wichtigste Verkehrs-
die Bahnhöfe der Union Pacific und der Santa Fe-Eisenbahn. Die Southern mittel aber ist das privlilte Personenautomobil.
Pacific besitzt ein größeres Bahnhofsgebäude, das auch näher am Geschäfts- Wir hatten gesehen, daß das Automobil die weiträumige Bebauung der
zentrum gelegen ist. Südlich des Güterbahnhofs am Nordende der Industrie- Stadtlandschaft ermöglicht hat, ganz unabhängig von dem bestehenden Netz
stadt besitzt die Southern Pacific-Bahn keinen von der Straße abgetrennten von elektrischen Bahnen. In den Städten des Ostens der Vereinigten Staaten
Bahnkörper. Seltsam mutet es an, dem transkontinentalen ;,Sonnenuntergangs- kann man sich nicht in diesem Maße von den Bahnen unabhängig machen,
Expreß" mitten auf der Alameda Street zu begegnen, auf der er ganz langsam weil die kalten Wintermonate die Benutzung des Automobils einschränken.
durch die "China town" fährt und sein Kommen durch altmodisches Klingeln Daraus erhellt, daß di~ weitständige Bebauung von Los Angeles nicht nur
ankündigt. Die Santa Fe-Eisenbahn quert die Hauptgeschäftsstraße von an sich automobilbedingt ist, sondern mit auf das Klima zurückgeht, das
Pasadena in ihrem belebtesten Teile ohne Schranke. Vom Industriegelände die Automobilbenutzung während des ganzen Jahres uneingeschränkt ge-
der Innenstadt von Los Angeles aus zweigen die Bahnen durch die Korridore stattet. In der Reklame, die Los Angeles macht, um neue Bevölkerung heran-
und Pässe der Cahuenga-Kette nach Nordwesten und Nordosten auseinander. zuziehen, spielt auch dieses Argument eine wichtige Rolle. Der billige Benzin-
Zum Teil dieselben und noch andere Pässe benutzt die Elektrische Schnell- preis, ermöglicht durch die reiche Erdölproduktion, kommt noch dazu. So
~ahn1), um vom Geschäftszentrum aus die verschiedenen Teile der Inneren wird denn Los Angeles noch mehr als die übrigen Städte Nordamerikas von
Beckens zu erreichen. Sie fährt bis in die entlegenen Teile des San Bernardino- diesem Verkehrsmittel beherrscht. 1929 gab es allein in Los Angeles und
und des südöstlichen Los Angeles-Beckens, und in allen Küstenstädten von den 14 wichtigsten Randstädten 2353 Tankstellen, in San Francisco mit Oak-
Santa Monica bis Redondo Beach und von San Pedro bis Balboa begegnen wir land und den übrigen Randstädten dage,gen nur 770 (Lit. 103, Nr. 40.
denselben großen roten Wagen des Pacific Electric Railway-Systems. Ihre 1930/31). Im Los Angeles County kamen 1920 5,2 Menschen auf ein Auto-
Bahnlinien konvergieren zur Innenstadt hin, wo sie am West- und Ostrande mobil. 1930 nur noch 2,6 auf ein Auto 11). Die Zahlen lauten für die gesamten
des Geschäftszentrums an der Hill und Main Street in den Untergeschossen Vereinigten Staaten: 11,3 für 1921, 6 für 1926 und 5,3 für 1933. Damit
großer Biirohochhäuser ihre Endbahnhöfe haben. Der westliche dieser Bahn- kommt praktisch auf jede Familie in Los Angeles mindestens ein Wagen,
höfe nennt sich Subway Terminal, weil von ihm aus ein Teil der Oberstadt wenn nicht zwei. Jedes neuere Haus hat seine Garage. Wenn man bedenkt,
untertunnelt ist. Die Anlage einer Untergrundbahn wird sich in Los Angeles daß ein verhältnismäßig großer Teil der Menschen, seine Arbeitsstätte im
bei dem Vorsprung, den das Automobil besitzt, nicht mehr rentieren. Dazu Hochhauszentrum hat, kann man sich von der Verkehrsfülle des binnen-
bietet die Durchtunnelung des lockeren Alluvialmaterials über große Strecken städtischen Geschäftsviertels und von den Automobilmengen eine Vorstellung
hin technische Schwierigkeiten. Während die elektrische Schnellbahn bei machen, die auf den unbebauten Grundstücken in der Nähe des Zentrums
Nacht den Frachtverkehr zu den lokalen Industrievierteln der Vor- und während der Bürostunden parken I Während sechsmonatigen Begehungen
Randstädtebesorgt, dient die elektrische Straßenbahn ausschließlich habe ich kaum je einen Straßenabschnitt gesehen, auf dem nicht Automobile
1) S. S. 116 Anm. 1) Mitteilung des Auto-Clubs von Südkalifornien.

222 223
fuhren oder parkten. Selbst die University of California at Los Angeles ist erhellt, daß alle Industrien, die unmittelbar oder mittelbar die Bedürf-
nisse neuer Haushaltungen befriedigen oder von der Bautätigkeit abhängen,
ganz abseits von der elektrischen Bahn angelegt worden, obwohl ihre Stu-
und die sich im pazifischen Westen erstmalig niederlassen, Los Angeles als
denten in der ganzen Stadtlandschaft verteilt wohnen. Um die Universität
günstigsten Standort wählen müssen.
liegen riesige Autoparks: Von den annähernd 6000 Studenten kommt etwa
Die Möbelindustrie fand besonders gute Lebensmöglichkeit. 1929 be-
die Hälfte täglich im eigenen Wligen! Naturgemäß ist der sonntägliche
schäftigte sie 5904 Arbeiter (San Francisco-Oakland nur 1900) (Lit. 102).
Ausflugsverkehr zum Gebirgsfuß und zu den Seebädern, der früher ganz
In erster Linie absatz- und arbeitsorientiert ist vor allem auch die Beklei ..
von den elektrischen Schnellbahnen bewältigt wurde, völlig revolutioniert
dungsindustrie, die 19296945 Arbeiter beschäftigte. Die Bautätigkeit gibt
worden. Das Seebad Venice, das 1904 nach dem Vorbild Venedigs angelegt
der Zementindustrie des Hinterlandes und der lokalen Ziegeleiindu-
wurde, mußte seine Kanäle zuschütten und in' Straßen verwandeln, um
strie Bedeutung und macht das Bauholz zum wichtigsten Empfangsgut des
auch den Automobilisten anziehen zu können.
Hafens. Der Bautätigkeit von Los Angeles verdankt Bad Nauheim sein groß-
1931 gab es in Los Angeles County 843556 Automobile'), 128 Prozent der
artiges Herzforschungsinstitut, das aus einem Millionenvermächtnis des Holz-
gesamten Kraftwagenzahl Deutschlands! So ist es verständlich, daß nicht
großhändlers Kerckhoff aus Los Angeles erbaut und aufs modernste ein-
nur das Automobil selbst, sondern auch die Geschäfte, die vom Automobil
gerichtet werden konnte.
abhängen, die Geschäfts- und Verkehrsstraßen in allen Teilen der Stadt-
Die rapide Zunahme der Bohrtätigkeit und der Petroleumförderung seit
landschaft beherrschen. Tankstellen, Garagen, Automobilläden, Verkaufs-
dem Kriege hat nicht nur eine große Zahl Raffinerien entstehen lassen,
stellen gebrauchter Wagen, Geschäfte, die Reifen, Batterien, Automobil-
sondern vor allem auch eine Menge vielfach kleiner Unternehmen der
teile und -zubehör führen, oder Automechanikerwerkstätten treten überall
Metallindustrie ins Leben gerufen. Zu der Belieferungsindustrie der Bohr-
auf, wo ein paar Läden stehen. Vielfach schließen sie sogar andere Läden
tätigkeit gehören in erster Linie die Pumpen- und Röhrenfabriken.
völlig aus und beherrschen ganze Straßen wie die Figueroa Street.
Gießereien, Maschinenwerkstätten und Walzwerke haben einen
Das Automobil belebt naturgemäß auch die Industrie in hohem Maße.
Los Angeles wird zum Automobil- und Reifenfabrikationszentrum des ge;.. reichen lokalen Absatzmarkt. Die Metallindustrien beschäftigen weitaus die
samten Westens. Ford, Chrysler und andere Automobilfabriken haben meisten Arbeiter in Los Angeles. Das Roheisen wird vorzugsweise vom Osten
der Vereinigten Staaten bezogen, 1931132 wurde es zu annähernd 20 Prozent
sich bereits angesiedelt, daneben Zubehörindustrien. Die Zweigfabriken der
aus Vorderindien importiert.
vier größten amerikanischen Gummireifenfabriken mit 5100 Arbeitern
In der Druckereiindustrie sind 5715 Menschen beschäftigt, und in den
machen Los Angeles zu einem zweiten Akron; Dem Werte nach machte
Brot- und Zucker bäckerei - und Speiseeisfa briken arbeiten 6549 Leute.
Rohgummi 1928/29 bereits 22,9 Prozent des Importes aus, Kaffee als zweit-
Das Fehlen der Kohle bewirkt, daß die Industrien von Los Angeles
wichtigster Importartikel kam mit 8,8 Prozent in weitem Abstand dahinter.
rußfrei sind. Schlote, die Kennzeichen der Industriestädte, sind nur spär-
Es kommt hinzu, daß der' Rohgummi weniger als früher aus Südamerika,
sondern heute in erster Linie aus den Straits Settlements und Niederländisch- i
I
lich vorhanden. Billigen Brennstoff liefern Erdöl und Naturgas, Wasser-
kraft die dem Aquädukt angeschlossenen fünf Elektrizitätswerke, die den
Ostindien bezogen wird, so daß der Import über Kalifornien eine erhebliche f:

Zeitersparnis bedeutet. Vielfach entstehen Industrien da, wo See- und Land- I


I'
Höhenunterschied von 900 m zwischen Owens-Tal und San Fernando-
Ebene' ausnutzen. Die Röhrenleitung ist natürlich so angelegt, daß auf der
transport zusammentreffen. Daß in diesem Falle die Industrie sich nicht bei ri
350 km langen Strecke der Gesamtgradient in der Hauptsache auf einzelne
SanFrancisco angesiedelt hat, liegt in erster Linie an dem stärkeren lokalen "
"
Absatzmarkt von Los Angeles. ~ kurze Steilstrecken am Südende konzentriert ist, an denen die Kraftwerke
1 liegen. Diese sind aber nicht die einzigen Kraftlieferanten für Los Angeles.
Aus den Zahlen der Bevölkerungsvermehrung von 1920-1930 (Zunahme in i

Zu den städtischen Kraftwerken d~s Aquädukts kommen zwei große private


Südkalifornien 1,63 Millionen, in allen drei pazifischen Staaten 2,60 Millionen) 1\
I,'I
Gesellschaften, von .denen die eine, die Southern California Edison Company,
I) Mitteilung des Auto-Clubs von Südkalifornien.
i
!I 15 Wagner, Los Angeles
( 225
224
I
!I

I
fr
c
einen Teil der Kraft als Wasserkraft am Westhang der Sierra Nevada im markt innerhalb eines gegebenen Radius im Vergleich mit anderen Siedlungs-
Fresno County gewinnt, einen anderen Teil als Dampfkraft unter Verwendung zentren des Westens. In den 14 südkalifornischen Counties wohnten 1930
des Meereswassers am Hafen von Long Beach. Wesentlich ist, daß die Kraft 55,6 Prozent der Bevölkerung Kaliforniens und 38,5 Prozent der Bevölkerung
erheblich billiger ist als in allen anderen amerikanischen Industriestädten, der drei pazifischen Staaten. Dazu kommt noch, daß die Absatzmärkte der
außer Buffalo. Erst mit dem Anwachsen der Dauer der Kraftstoffbeanspru- atlantischen Küste von Los Angeles aus auf dem Wasserwege billiger beliefert
chung innerhalb gegebener Zeit vermögen einzelne andere Städte wie Port- werden können als vorn Mittleren Westen mit der Eisenbahn. Solche Indu-
land, Ore., San Francisco-Oakland und Pittsburg, Pa., billigeren Kraftstrom strien, die den Osten beliefern, siedeln sich natürlich lieber in Los Angeles
zu liefern (Lit. 678). an als in San Francisco oder den Städten des Nordwestens, die auf dem
An Bedeutung in der Gesamtindustrie des pazifischen Westens übertrifft Wasserwege weiter vom Osten entfernt sind. So ist die Industrie in erster
Los Angeles San Francisco, wie die Zensuszahlen zeigen. Linie absatz-, aber auch arbeits-, kraftstoff- und brennstofforientiert.
Eine weiter zunehmende Industrialisierung der Landschaft ist vorauszusehen.
Durch- Lohnemp-I Durch-
Einerseits. wird die Bautätigkeit abflauen, mehr noch die Ölproduktion und
sehn. Zahl fänger auf schn.Jah-
Bevölke- Zahl der Lohn- beides wird die Hafentonnage erheblich verringern. Schon um den Hafen in
Industriegebiet der Lohn- 1000 Men- reslohn
rung Betriebe empfän-
von empfän- sehen der eines seiner jetzigen Größe weiterhin voll nutzen zu können, muß die Handels-
193° 1929 ger 1929
ger pro Bevölke- Lohnemp-
kammer alles tun, um weitere Industrieunternehmer anzulocken. Diese
Betrieb rung fängers
werden dazu beitragen, den Wohncharakter der Stadt weiter einzuschränken.
Los Angeles. • . . • 2 208 492 49 08 I I 448o 23,3 5 1,8 $ 1535,- Die Filmindustrie, die über 8000 Arbeiter und über 7000 Angestellte
San Francisco-Oak-
beschäftigt, fällt aus dem Rahmen der übrigen Industrien heraus. Sie hat
land ........ - 1306 93 8 39°3 93797 24,2 71,8 $ 1472,-
ein anderes Gepräge. Abgesehen von den Riesengagen der Schauspieler stehen
Innerhalb der Stadtlandschaft tritt aber die Bedeutung der Industrie gegen- auch die Löhne und Gehälter im Durchschnitt weit über den Durchschnitts-
über der Wohnstadt zurück. Auf 1000 Menschen kamen 1929 in Lös löhnen und -gehältern, die in den übrigen Industrien gezahlt. werden. Bei
Angeles nur 52 Lohnempfänger, in San Francisc072. Die Handelskammer dem Fortschritt, den die Aufnahmetechnik gemacht hat, ist Los Angeles
betont in ihrer Reklame, die Zweigwerke der Industrien des Ostens kein zwingender Standort mehr für den Film. Die Aufnahmen werden im
nach Los Angeles ziehen soll, neben dem vorhandenen größeren lokalen allgemeinen draußen im freien Gelände gedreht, in Europa, auf See oder in
I
Absatzmarkt die billigeren Löhne, die die günstigeren Lebensbedingungen der Wüste, je nach der Szenerie, die der Film verlangt. Für die hoch-
!
möglich machen und das "open shop"-System von Los Angeles, d. h. das bezahlten Schauspieler treten dabei Ersatzmänner ein. Wo der eigentliche
Nichtgebundensein an Gewerkschaften. Bei genauer Berechnung sind aber Schauspieler erscheinen muß, wird seine Aufnahme später hineinmontiert.
doch die Löhne im Durchschnitt ebenso hoch, wenn nicht höher als in San So werden in erster Linie die Großaufnahmen auf dem Filmgrundstück
Francisco ($ 1535,- Durchschnittsjahreslohn in Los Angeles gegen $ 1472,- aufgenommen. Der Tonfilm, der in schalldichten Bühnenhallen gedreht
in San Francisco-Oakland). Der weitere Grund, der für Los Angeles als wird, ist in keiner Weise .an Klima und Tageslicht gebunden, es sei denn,
Standort sprechen soll, nämlich die bei dem milden Klima mögliche leichtere daß das Klima von Los Angeles leichtere Bauweise der Gebäude gestattet
und billigere Konstruktion der Fabrikgebäude wird wegfallen, wenn erdbeben- als im feuchteren und kälteren Klima und das Heizen der großen Hallen
sicher gebaut werden muß. Dazu kommt die Erdbebenversicherung. Schließ- vermieden wird.
lich wird als Grund angegeben, daß der Arbeiter bei dem angenehmeren Die Filmindustrie bleibt in Los Angeles in erster. Linie aus Beharrungsver-
Leben, das Südkalifornien ermöglicht, und den vielen Abwechslungen - mögen. Der Name Hollywood ist bekannt. Die Filmschauspieler lieben den
Seebäder, Gebirge -, die er haben kann, zufriedener ist. Es bleibt als wich- Wohnsitz. Man weiß, wo man im plötzlichen Bedarfsfall große Mengen Sta-
tigster Faktor der Industrieanziehung der erheblich größere lokale Absatz- tisten zusammenbekommt, und kennt die Wohnsitze der Ausländergruppen,

15*
227
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Japaner, Mexikaner, Russen u. a., innerhalb der Stadtlandschaft, Die Film- land. Überhaupt tritt der Güterempfang mit 5,9 Millionen Tonnen (1931)
belieferungsindustrien sind vorhanden, wie Kamera-, Scheinwerferwerk- gegen den Güterausgang mit 17,5 Millionen Tonnen in der Tonnage weit
stätten, Entwicklungslaboratorien, Kostümlager usw. Von den 52 Film- zurück, nicht dagegen im Werte. Darin übertrifft sogar der Gütereingang
gesellschaften kann eine einzelne nicht ihren Standort wechseln, denn die mit $ 672000000 (1931) den Ausgang, der sich im gleichen Jahre nur auf
Gesellschaften sind alle aufeinander angewiesen, indem sie sich bei der $ 448000000 belief. Das Mißverhältnis ist auf den überragenden Anteil zurück-
Mannigfaltigkeit der Bedürfnisse mit Fehlendem aushelfen. Einzelne Film- zuführen, den das Petroleum am Güterausgang hat. Der Hafen hat einen
gesellschaften vermieten vorübergehend ihr Aufnahmegelände ganZ oder stattlichen Personenverkehr. Als Ölbunkerhafen ist er wohl der bedeutendste
teilweise. Schließlich ist die Finanzierung des Films ein besonderer Zweig .derWelt.
des Bankgeschäfts, auf den einige Großbanken von Los Angeles eingestellt Im Eingap.gsverkehr kamen 1931 von der Pazifischen Küste der
sind. Einzelne Filme kosten bis zu einer und mehreren Millionen Dollar. Vereinigten Staaten 4 Millionen Tonnen, woran das Bauholz mit .I,t Mil-
Dafür muß sofort eine große Geldsumme aus dem Osten nach Los Angeles lionenTonnen als wichtigstes Empfangsgut beteiligt war. Von der atlanti-
gebracht werden, und die Bank überwacht selbst durch eigene Sachver- schen Küste kamen 1 Million Tonnen, vom Auslande 0,7 Millionen Tonnen.
ständige den Fortgang der Aufnahmen, um zu kontrollieren, ob der Film Nach dem ostiildischen Rohgummi kommep. als wichtigste Importgüter
Aussicht hat, sich bezahlt zu machen. Rohseide aus Japan, Kaffee in erster Linie und zu gleichen Teilen aus
Das Bankgeschäft ist ni~t nur auf die Filmfinanzierung, sondern auch Brasilien und Kolumbien, Kopra zumeist von den Philippinen, Bananen
auf das Beleihen von Aufteilungen spezialisiert. Das Grundstücksgeschäft von aus Zentralamerika, Zucker von den Philippinen und Kuba, Harthölzer
Los Angeles wird vom New Yorker Finanzzentrum aus beobachtet und je nach von den Philippinen, Eisen- und Stahlrohre in erster Linie aus Deutsch-
der Lage des .Geldmarktesbeliehen. Bei Geldfülle dehnen sich die Aufteilungs- . land und Zeitungspapier aus Kanada und Skandinavien.
kredite, undd.as Aufteilungsgeschäft belebt sich. Solch eine Kreditinflation Deutschland ist am Import vor allem mit Eisen- und Stahlwaren be-
war von 1927-1929 zu beobachten. Dann werden plötzlich die Kredite wieder teiligt, wie Röhren, Platten, Maschinen, Werkzeugen, Feilen, Nägeln, Stäben,
str,enger gefaßt und die Grundstückskäufer, die ihre Zahlungen nicht laufend Baustahl, Draht usw., ferner mit Chemikalien, Porzellan- und Steingut,
leisten können, verlieren Grundstücke und Anzahlungen. Spielzeug und einer Anzahl anderer Artikel in kleineren Mengen.
Bei der Weitläufigkeit der Stadtlandschaft finden wir das Ketten-Bank- Im Ausgangsverkehr gingen 19318,2 Millionen Tonnen nach der pazifischen
system in Südkalifornien besser entwickelt als in irgendeinem anderen Teile Küste der Vereinigten Staaten, 2,6 Mi11ionen Tonnen nach der atlantischen
des Landes. In allen Teilen der Landschaft, wo die Bevölkerung sich bis zu Küste und 6,4 Millionen Tonnen wurden nach allen Kontinenten außer
einem gewissen Grad verdichtet hat, treffen wir an den Hauptverkehrsecken Afrika exportiert. Benzin, Brennöl, Leuchtöl, Rohöl und Dieselöl stehen
die Filialen immer derselben wenigen Banken. Die von den Großbanken an der Spitze. Unter den Exportgütern folgt nach Erdöl und Erdöl-
herausgegebenen Stadtpläne, auf denen ihre Filialen markiert sind, zeigen so produkten in weitem Abstande Rohbaumwolle aus den Anbaugebieten
ohne weiteres die Lage sämtlicher bestehender und beginnender Geschäfts- des südlichen San Joaquin-Ta1es, des Salton Sink, aus Arizona, Neumexiko
zentren der Stadtlandschaft an. und dem westlichsten Texas. Die Baumwolle wird in großen Preßanlagen in
Trotz seines Umfangs hat das Bankgeschäft VOn' Los Angeles nur lokale San Pedro komprimiert. Sie geht zu mehr als 50 Prozent nach Japan. Deutsch-
Bedeutung. San Francisco hat seinen Vorrang als Finanzzentrum des Westens land und England sind die nächstbesten Baumwol1käufer. Erst nach größerem
von den Tagen des Goldfiebers bis heute bewahrt. Zwischenraum folgen die nächsten Exportgüter. Unter den südkalifornischen
Ähnlich ist es mit der Bedeutung des Hafens von Los Angeles als Emp- Agrumen stehen die Apfelsinen an erster Stelle. Fast zu 75 Prozent gehen
fangshafen.Denn etwa 85 Prozent des Imports bleibt in Los AngelesI). Jen;. sie nach England, ebenso die Grape fruits. Büchsensardinen sind ein
seits des Südkalifornischen Beckens liegt ein wenig aufnahmefahiges Hinter- ebenso wichtiger Exportartikel. Die Philippinen, Niederländisch Indien, Straits
I) Laut Angabe der Handelskammer. Settlements, Afrika, England und Frankreich sind die Hauptaufnahmeländer
dafür. Fast gleichbedeutend mit Agrumen und Sardinen ist die Ausfuhr Der zu erwartende Rückgang der Petroleumverschiffung muß, wie wir sahen,
von Borax, der im Großen Becken gewonnen und in einer großen Raf- durch Ansiedlung von Industrien, die den Hafen beleben, wettgemacht werden.
finerie in Wilmington raffiniert wird. Kalifornien liefert über 90 Prozent Das bedingt einen weiteren Ausbau des Hafens,derja dann mehr Laderaum.
des Weltbedarfs an natürlichem Borax, von dem Deutschland die größte als heute benötigen wird. So hat man große Pläne für den weiteren Hafen-
Menge abnimmt. England, Frankreich, Holland und Japan folgen in einigem ausbau ausgearbeitet. Einige Industrien haben sich schon im Hafengelände
Abstand. Der Autoreifenexport steht an Bedeutung nicht nach. So gehen niedergelassen. Für weitere Fabrikanlagen ist viel Platz in und um Wilmington
die Fertigfabrikate der Reifenindustrie von Los Angeles wieder in die Roh- bereitgestellt. Long Beach macht ebenso große Anstrengungen, um Indu-
gummilieferländer, Niederländisch - Indien und Straits Settlements, zurück. strien heranzuziehen, vielleicht mit mehr Erfolg.
Japan und die Philippinen kaufen die meisten Rdfen. Auch China ist zu Wir hatten früher gesehen, daß mit der Wandlung der Verkehrsmittel dne
nennen. Auf gleicher Stufe steht die Ausfuhr von Erdöl-Bohrmaschinen, Wandlung der Bedeutung der verschiedenen Teile des Hafens einhergeht.
Werkzeugen und Bedarfsartikeln des Petroleumbergbaus und Raffinerie- Zur Zeit der "carreta" lud man weit draußen in Alt-San Pedro, zur Zeit
maschinen, die naturgemäß in erster Linie von den Erdölförderländern gekauft des Wagens in Wilmington; denn der längere und beschwerlichere Fahrweg
werden. Ihrer Wichtigkeit nach sind die Hauptempfangsländer : Nieder- nach San Pedro würde die Frachtkosten unnötig steigern. Dagegen läßt die
ländisch Indien, Venezuela, Persien, Kolumbien, Argentinien, Japan, Eisenbahn, in deren Frachtsätzen kein Unterschied zwischen den verschie-
Vorderindien, Straits Settlements und Rumänien. England kauft nur Raf- denen Teilen des Hafens zu bestehen braucht, San Pedro wieder aufleben.
fineriemaschinen. Das Lastautomobil aber muß den um 8 km längeren Weg nach San Pedro in
Hinter den eben genannten fünf Warengattungen folgt der Export von der Frachtberechnung wieder berücksichtigen, und so ist Wilmington heute
Eisen- und Stahl trommeln, die zu annähernd 75 Prozent nach Australien wieder die bevorzugte Ladestelle. Dazu kommt noch, daß in Wilmington
und Neuseeland gehen. China und Japan stehen an per Spitze der kleineren Ab- sich Industrien ansiedeln können, für die in San Pedro kdn Platz mehr ist.
nehmer. Gleichbedeutend ist die Ausfuhr von Büchsenfrüchten, für die Ja, in jüngster Zeit, in der die Industrien sich immer mehr in der Laguna-
ebenso wie für die frischen Agrumen England der weitaus größte Aufnahme ... Ebene südöstlich von Los Angeles ansiedeln, und der Agrumenexport in
markt ist. Zuletzt sei noch die annähernd so große Chemikalienausfuhr erster Linie aus der östlichen 'Hälfte des Südkalifornischen Beckens beliefert
genannt, die zum weitaus größten Teile nach Japan geht. wird, liegt Long Beach noch besser erreichbar. Die Frachtautomobile, die
Unter den Produkten, die Deutschland von Los Angeles erhält, sind aus d,em Hinterlande über den Cajon- und San Gorgonio-Paß herankommen,
Borax, Rohbaumwolle, Apfelsinen, Benzin und Kupfer die wichtigsten. sparen 5 km gegenüber Wilmington und 13 km gegenüber San Pedro. Auch
Wenn man nicht die Tonnage, sondern den Wert ins Auge faßt, steht nicht werden sich die Industrien lieber in Long Beach a.nsiedeln als in den übrigen
nur im Import, sondern auch im heimischen Güterausgang und Export Teilen des Hafens, die zu Los Angeles gehören, denn am inneren Hafen 'von
der Hafen von Los Angeles hinter dem von San Francisco zurück. Auch Long Beach kann das Gelände käuflich erworben werden, während Los
hieraus erhellt wieder der überragende Anteil des Petroleums an der Schiffs- Angeles das Land in Wilmington, San Pedro und East San Pedro nur auf
fracht. Schon dieweite Entfernung des Hafens von der Innenstadt läßt seine dreißig Jahre verpachtet. Das städtische und staatliche Land am Außenhafen
Bedeutung innerhalb der Stadtlandschaft zurücktreten. Dazu kommt, daß die von Long Beach kaIln dagegen aufvierzigjahre verpachtet werden. Die Fabri-
Ölverschiffung, die ja mengenmäßig wdtaus den bedeutendsten Teil des ken können am Innenhafen von Long Beach ihre dgenen Schiffsladeplätze
Hafenbetriebs ausmacht, viel weniger Zeit und Raum in Anspruch nimmt als besitzen. Von den 23 Docks in Long Beach sind nur 6 städtisch. Dagegen sind
der übrige Ladeverkehr. Ein Tankschiff, das 75000 Faß (II5000 hl) Öl faßt, von den 101 Ladestellen im Hafen von Los Angeles 95 Prozent in städtischer
ist in 12-15 Stunden mit Laden fertig, während zum Aufnehmen von Misch- Hand (Lit. 664). Das muß natürlich die Industrien nach Long Beach ziehen.
gut ein Ioobo-Tonnen-Dampfer eine Woche braucht. So sieht man dem Aber auch die Kapitäne ziehen Long Beach vor, denn das Wasser im
Hafen nicht an, daß er mit New York auf dner Stufe steht. Hafen von Los Angeles ist vielfach vom Öle verunreinigt. Auch ist man in
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Long Beach gleich am modernen Seebad mit guten Hotels, Vergnügungs- Die meisten Fischer sind wohl Japaner, die in der Fischersiedlung wohnen,
stätten und Geschäften. In Wilmington ist man 6 km weiter davon entfernt, die sich in East San Pedro an die Konservenfabriken des Fischerhafens
und das Zentrum von Los Angeles liegt 30 km weit ab. anschließt. Auch Dalmatiner,Italiener, Portugiesen und Vertreter anderer
Schließlich mußte Los Angeles bei seinem großen Verwaltungsapparat Nationalitäten arbeiten als Fischer. Sie wohnen auf der Festlandseite, in
die Hafengebühren erhöhen, während das kleinere Long Beach mit den San Pedro.
alten niedrigeren Gebühren weiter auskommt. So herrscht ein scharfer Nicht nur dem Fischereigewerbe geben die Japaner das Gepräge, sondern
Konkurrenzkampf zwischen Los Angeles und Long Beach. Man könnte ihn auch der intensiven Landwirtschaft um Los Angeles.
beilegen, wenn, wie in Hamburg, ein einheitlicher Hafendistrikt geschaffen Die Landwirtschaft hat sich im Großstadtgebiet in Relikten erhalten.
wÜrde. Dagegen wehrt sich aber Los Angeles, weil dann erst recht die Kapitäne Der Getreide-, vorwiegend Gerstenanbau, beschränkt sich heute in der
Long Beach bevorzugen würden. Hauptsache auf die Sandböden des Inglewood-Redondo-Küstenvorlandes
Am südwestlichen Ende von Terminal Island hat sich seewärts der Fische- und auf Teile der westlichen San Fernando-Ebene.
reihafen mit der Fischkonservenindustrie entwickelt. Noch 1910 war Die Schweinezucht, die früher im Gebiet des heutigen Vernon betrieben
Terminal Island ein gern besuchter Badestrand mit guten Hotels ohne jegliche wurde, ist nach Watts, wo sie in den ärmlichen Kleingartenheimen möglich ist,
Industrie. Erst infolge der Eingemeindung imJahre 1909 begann langsam die und darüber hinaus nach Südosten verdrängt worden. Die Schweinefarmen sind
Industrialisierung. Dalmatiner und Italiener, die von San Pedro aus Fischerei ein wichtiger Faktor im Verbrauch städtischen Abfalls, der verfüttert wird.
betrieben, kamen auch nach Terminal Island herüber. Eine Fischeinmach- Auch die Meiereien befinden sich seit 20 Jahren in stetigem Rückzug
fabrik nach der anderen siedelte sich an. 1931 waren es ihrer sieben. Mit vor der intensiveren Landnutzung. Ursprünglich befanden sie sich am west-
noch drei in Long Beach und einer in Wilmington beschäftigten sie 1929 lichen Rande der Oberstadt und in der Westvorstadt, mußten dann in das
1910 Arbeiter (Lit.l02). Dazu kommen zahllose Fischer, die meist eigene Gebiet der heutigen Südvorstadt und in die südliche Los Angeles-Ebene
Boote besitzen und kontraktlich für die Fabriken fischen. weichen. Mit der Ausdehnung der Gemüsefarmen in dieser Richtung wurden
Als Fischereizentrum muß Los Angeles heute zusammen mit den bedeutend- sie nach Osten abgedrängt. So finden wir sie heute in der Hauptsache in der
sten Fischhäfen der Welt, Grimsby, Hull und anderen in England, Monterey Los Nietos-Ebene.
in Kalifornien und Boston, Mass., genannt werden (Lit. 666 und 675). Gemüsegärten wurden ursprünglich von Chinesen in Teilen der heutigen
Los Angeles hat Monterey, das als Frischfischmarkt bedeutender ist, als Südwest-Vorstadt angelegt, wo die städtischen Abwässer zu Bewässerungs-
Zentrum der Fischkonserven-, Räucher- und Verarbeitungsindustrie über- zwecken zur Verfügung standen. Von hier wurden sie nach Süden abgedrängt
flügelt. und werden heute so gut wie ausschließlich von Japanern bewirtschaftet.
Sardinen, verschiedene Arten des Thunfisches, der vorwiegend an der Sie beherrschen das Landschaftsbild der südlichen Los Angeles-Ebene,
mexikanischen Westküste gefischt wird, und Makrelen sind die wichtigsten soweit hier nicht städtische Entwicklung vorgreift. Über die Dominguez-
Büchsenfische (Lit.672). Von frischen Fischen sind außerdem Skipjack, Kette setzen sie sich bis in die Hafenebene und in- das Inglewood-Redondo-
Barracuda, Bonito und Rockfisch zu nennen. In Zeiten des Fischüberschusses Küstenvorland fort. In der südlichen Sawtelle-Ebene und der unteren Ballona-
bilden die Nebenprodukte, in erster Linie Fischdünger, der auch exportiert Niederung, wo vor allem Sellerie angebaut wird, ist der Gemüsebau ebenfalls
wird, das einträglichere Geschäft. landschaftsbestimmend. In der Laguna-Ebene findet er sich noch am Rande
Die reichen Fischgründe scheinen an das küstennahe aufquellende Tiefen': der Repetto-Höhen und vor allem südlich der Schienen der Union Pacific-
wasser gebunden zu sein. Den Thunfisch sucht man vor der mexikanischen Bahn. Die Industrie von Vernon dringt von Westen her gegen ihn vor. Loka-
und mittelamerikanischen Westküste bis in den Bereich der Gahlpagosinseln litätsnamen wie "Fruitland" und "Vegala" deuten auf seine ehemalige Ver-
(Lit. 670). Selbst aus den japanischen Gewässern wird er herbeigebracht breitung im heutigen Industrieviertel. Bei Glendale nimmt der Gemüseanbau
(Lit. 652, 1930, S. 22). Teile des Raumes zwischen Bahnlinie und Flußbett ein und verbreitert sich

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'K

westlich Burbank in die San Fernando-Ebene hinein. Auch hier ist er in


lI Böden am besten eignet. Bei ihr ist der Wasserverlust durch Verdunstung
japanischen Händen. auf ein Minimum beschränkt. Außerdem ist diese Methode für Gemüse und
Der Gemüsebau versorgt in erster Linie die Stadt, Mit dem Wachstum der Beerenobst die einzig mögliche. An Stelle der Hauptfurche wird vielfach eine
[,
Stadt vergrößert sich die Fläche des Gemüselandes und nimmt Besitz von l. hölzerne Rinne verwandt Init verschließbaren Löchern an entsprechenden
Getreide-, Frucht- und Brachland. Gemüsegärten bedeckten 1925 eine Fläche T' I
Stellen, aus denen das Wasser in die Seitenfurchen abfließt. Zuweilen werden
von 1300 ha, 1931 annähernd 2000 ha (Lit.708). I auch Zementrinnen verwandt, auch unterirdische Eisenröhren. Hier gibt
I
Anders der Obstbau und vor allem die Agrumenkulturen, die früher das es zwar keinen Verlust durch Verdunstung, doch werden die Auslaßlöcher
Stadtbild von Los Angeles, Pasadena, Alhambra, Glendale und Hollywood der Röhren vielfach durch hineinwachsende Wurzeln verstopft.
so hervorragend beherrschten. Der Agrumenanbau istin erster Linie für ferne In den vereinzelten Apfelsinenpflanzungen des westlichen San Gabriel-
Märkte bestimmt. Mit der Wandlung der Transportmittel ist er nicht mehr Beckens werden zum Teil an Stelle' der geraden Furchen um die Bäume
an die Nähe der städtischen Siedlung gebunden. Er ist heute auf die rand- mäandrierende Furchen gezogen. Auf diese Weise wird jedem Baum von
lichen Gebiete des Südkalifornischen Beckens beschränkt. Die höheren west- drei Seiten Wasser zugeführt, bei den geraden Furchen nur von zwei Seiten.
lichen und nordwestlichen Teile der San Fernando-Ebene beherrscht er, Gelegentlich wird noch die Beckenmethode angewandt, die für tonige Böden
ebenso Teile des östlichen San Gabriel-Beckens und randliche Gebiete im am besten geeignet ist. Das Wasser läuft von einer Längsfurche zwischen
südöstlichen Los Angeles-Becken. Das Hauptanbaugebiet ist indessen das San den Baumreihen in die Becken hinein und umgibt auf diese Weise den
Bernardino-Becken. Sofern die Agrumen naGh Übersee verschifft werd~n, Obstbaum völlig (s. S. 92). Schachbrett- und Borderverfahren kommen im
erreichen sie den Hafen unter Umgehung der Stadt, Nur noch diC1 finanzielle untersuchten Gebiet nicht zur Anwendung.
Abwicklung des Agrumengeschäfts liegt in Los Angeles. In Alhambra ist das Das mexikanische Überflutungsverfahren wurde noch in früher amerikani-
genossenschaftliche Apfelsinenverpackungshaus jüngst abgerissen worden und scher Zeit angewandt. Man leitete an bestimmten Tagen und zu festgesetzten
in Pasadena erfüllt es nur nOch in b~scheidenem Maße seinen ursprünglichen Stunden das Wasser der "zanjas" auf die vielfach leicht künstlich terrassierten
Zweck. Die Walnußpflanzungen von Walnut Park sind während der Nach- Grundstücke·an deren höchste Stelle und däIiunte nach Ablauf der bestimm-
kriegs-BooIns aufgeteilt worden und die Walnußhaine bei EI Monte werden ten Stundenzahl den Zufluß wieder ab. Ein "zanjero" hatte darüber zu wachen.
heute in sogenannte acre lots aufgeteilt. W~stlich Burbank in der San Fernando- He1,lte b\,!wässert man nur noch, die Luzerne im Überflutungsverfahren.
Ebene sind einzelne Walnußpflanzungen noch erhalten. Die vielfältigen Früchte und Gemüse, die in Südkalifornien angebaut
Die Landwirtschaft im Kleinen wird heute von der Handelskammer werden, machen Los Angeles zum zentralen Obst-, Gemüse- uhd Blumen-
energisch befürwortet. In der Zeit der Arbeitslosigkeit und der Halbzeitarbeit markt für den gesamten Südwesten der Vereinigten Staaten., Los Angeles
greift sie ein, indem sie städtische Aussiedlung in landwirtschaftlich nutzbare County selbst hat den größten Anteil an der Produktion Südkaliforniens. Von
Großgrundstücke am Stadtrande tatkräftig fördert. Das "small farm home den umliegenden neun südkalifornischen Counties folgt an erster Stelle das
movement" gibt dem Fortgang aufgelockerter Bebauung erneuten Impuls. Imperial County Init seinen wertvollen, ganz. auf künstliche Bewässerung ge-
Die Bewässerungskultur der Stadtlandschaft hat innerhalb eines Jahr- stellten Ernten, die zum großen Teil in die Jahreszeit fallen, in der die anderen
hunderts zweimal ihren Charakter geändert. Aus den bewässerten Wein- Liefergebiete aussetzen. Im Imperial Valley, mehr noch am anderen, nord-
gärten wurden Apfelsinengärten, die in den 70er Jahren auf das östliche westlichen Ende des Salton Sinks, im Coachella Valley, das zum Riverside
Flußufer übergriffen und auf der westlichen Überschwemmungsterrasse nach County gehört, kann die Dattel gedeihen.
Süden und Südwesten wanderten und zu Gemüsegärten wurden. Als solche . Die wichtigsten Obst- und Gemüseprodukte, welche die verschiedenen
wanderten sie in den beiden eingeschlagenen Richtungen weiter. Teile Südkaliforniens einschließlich San Luis Obispo und Kern County hervor-
Die Gemüse;;' und Beerenfarmen der Japaner werden ebenso wie ehedem bringen, sind Apfelsinen, Zitronen, Grape fruit, Avocados, Äpfel, Aprikosen,
die Apfelsinengärten.mit der Furchenmethode bewässert, die sich fUr poröse Pfirsiche, Birnen, Pflaumen, Trauben, Beerenobst, Oliven, Walnüsse,

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Mandeln, Lima- und andere Bohnen, Gurken, Melonen, Salat, Sellerie, Kohl, Auch die Touristenindustrie hat durch den Wandel des Verkehrsmittels
Spargel, Blumenkohl, Tomaten, Karotten, Erbsen, Kartoffeln und Zwiebeln. ein anderes Gesicht erhalten. Vor dem Kriege war es in erster Linie. der
Dazu kommen die Kunstgärtnereierzeugnisse, Zierpflanzen, Blumen, Knollen Wohlhabende, der sich die teure Eisenbahnreise hin und zurück quer durch
und Samen, die um Los Angeles, San Diego und Santa Barbara in erstaun- den Kontinent leisten konnte. Das Automobil hat es auch dem Manne mit
licher Mannigfaltigkeit gezüchtet werden. bescheideneren Mitteln ermöglicht, eine Fahrt nach dem Fernen Westen zu
Nicht nur die große Auswahl der Erzeugnisse macht Los Angeles zum unternehmen. Heute reisen mehr als 75 Prozent der Besucher im eigenen
Obst- und Gemüsezentrum des Südwestens, sondern auch die günstige Ver- Auto. Die übrigen benutzen Eisenbahn, Dampfschiff, Flugzeug und
kehrslage, die es mit der Wandlung der Transportmittel erhalten hat. Als Omnibus. Die wohlhabenden Touristen kamen zur Wintersaison. Früher
die Eisenbahn das einzige Verkehrsmittel war, konnte man von den Gebirgs- war der Sommer für die vielen Geschäftszweige, die auf den Touristenverkehr
straßen und vom Osten die mittel- und nordkalifornischen Zentren ebenso angewiesen sind, eine schlechte Zeit. Sie wurde noch verschärft dadurch, daß
leicht erreichen wie Südkalifornien. Denn nachdem die Eisenbahn einmal während der ruhigen Sommermonate viele Einheimische auf Reisen gingen.
gebaut war und die Schneeschutzanlagen da waren, bildeten die Schheepässe Als die Nachkriegsdepression des Ostens auch Südkalifornien berührte, er-
der Sierra Nevada kein Verkehrshindernis mehr. Erst nach dem Kriege, als kannte eine Gruppe führender Geschäftsleute von Los Angeles, daß auch der
das Automobil der Konkurrent der Eisenbahn wurde und man gute Auto- südkalifornische Sommer seine Vorzüge besitzt.
straßen quer durch den Kontinent baute, gewann· die Südroute wieder den So schlossen sich diese Kaufleute 1921 im "AlI-Year Club of Southern
Vorzug vor den Paßwegen der Sierra Nevada, den sie besessen hatte,ehe die California" zusammen, der im ganzen Lande für Südkalifornien als Ferien-
zentrale Eisenbahn 1869 eröffnet wurde. Hatten doch die Gilaroute und der ziel Reklame macht. In den führenden Zeitungen und Zeitschriften Amerikas
"spanish trail" von Santa Fe her alte Bedeutung, und war doch auch der von erscheinen wirkungsvolle Anzeigen, die in Wort und Bild über die Vorzüge
der Bundesregierung subventionierte Postwagendienst, der bis zum Bürger- des südkalifornischen Sommers aufklären. Die Reklame bringt gleich geschickt
krieg den Überlandreiseverkehr bewältigte, über Los Angeles und Yuma ausgearbeitete Reisepläne, die auf den üblichen auf 14 Tage beschränkten
gelegt worden. So zieht a~ch heute wieder das Frachtautomobil die schnee- Sommerurlaub zugeschnitten sind. Damit werden die Bedenken zerstreut,
freien Südrouten, die das ganze Jahr befahren werden können, vor. Außerdem die viele vor der langen Reisedauer haben.
sind die Pässe des Südens niedriger und besonders der Cajon-Paß und San Aber auch die Werbung, die auf den Wintertouristen zugeschnitten ist und
Gorgonio-Paß wegen ihres geringeren Gefälles für den Automobilverkehr viel sich an den Wohlhabenden richtet, wird gesteigert. Der spezifisch südkali-
geeigneter als die steileren Paßstraßen der Sierra Nevada. So gehen die Auto- fornischen Reklame hilft zudem noch die nationale Werbung "See America
frachten des Ostens, die der Eisenbahn immer mehr Konkurrenz machen, first", die doch schließlich manchen darauf aufmerksam werden läßt,daß
mit Vorliebe den südlichen Weg. nicht nur Europa, sondern auch das eigene Land eine "Riviera" besitzt.
Aus Arizona, Utah, sogar aus Idaho kommen Lastwagen mit Lebens- Aus Rundfragen, die der All-Year Club an Hotels und Apartmenthouses
mitteln nach Los Angeles. Sie bringen, was gerade in Südkalifornien fehlt, sendet, ergab sich 1931, daß mehr als 10 Prozent der Besucher über drei
und fahren mit Apfelsinenladungen zurück. Auch die beträchtlichen Butter- Monate blieben. Zählposten, die an den Haupteinfallsstraßen nach Südkali-
lieferungen Idahos kommen zum Teil im Frachtauto. Weitaus die meisten fornien an der Grenze aufgestellt wurden, stellten durch Beobachtung der
Frachtautomobile kommen natürlich aus den Hauptanbaugebieten Kalifor- Wagenmodelle und durch Befragen der Insassen fest, daß die große Mehr-
niens: Südkalifornien mit dem Salton Sink, von der mittelkalifornischen Küste zahl gut situierte Touristen waren. Die anderen, die mit der Absicht
und aus dem großen Binnental. Aus einem U Inkreis von 500 km kommt fast alles kamen, Arbeit zu finden, gaben zumeist an, daß sie auf unmittelbare An-
mit dem Frachtauto herein. Ja selbst aus Entfernungen bis zu 800 km fahren regung ihrer in Südkalifornien lebenden Verwandten oder Freunde kämen.
die Frachtwagen zum Markt von Los Angeles. 1931 kamen sämtliche Milch- und Die Zahl der Besucher geht alljährlich in die Hunderttausende, so
64 Prozent aller Frucht- und Gemüselieferungen mit dem Auto an (Lit. 708). daß der Fremdenverkehr für Los Angeles nayh Fabrikindustrie und

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.....
Petroleumverschiffung eine wichtige Verdienstquelle darstellt, deren Bedeu- Regenintensitäten. Im Winter 1925/26 fielen dann gleich 444 mm Regen,
tungnach 1921 bald wichtiger wurde als der Versand landwirtschaftlicher mehr als das Doppelte der beiden vorhergehenden Winter. Der April 1926
Erzeugnisse. brachte auf einmal eine Niederschlagsintensität, wie sie während der drei
Aber der Tourist bringt nicht nur dadurch wirtschaftlichen Gewinn, daß regsten Boom-Jahre nie erlebt worden war, In dem einen Monat gingen
er neues Geld nach Los Angeles trägt, Menschen in allen Geschäftszweigen größere Wassermengen nieder (191 mm) als in dem ganzen Winter 1923/24
Beschäftigung gibt, sein Geld noch obendrein in Südkalifornien investiert und im, Februar 1927 allein 228 mm. So standen plötzlich ganze Stadtviertel,
und Grundstücke kauft; - das Bedeutsame für den Fortgang der Entwicklung die in den Boom-Jahren erbaut worden waren, unter Wasser, besonders in der
ist, daß diese unzähligen Touristen bei ihrer Rückkehr nach dem Osten selbst Südvorstadt (s. Fig. 5, S. 32). Glendale, "the fastest growing city in the
Reklame für Los Angeles machen, die beste Reklame, die Südkalifornien world", lag mit einem Male einem durch den Verdugo Caiion tosenden
überhaupt besitzt. So wächst die Menge der Besucher stetig an. Wildbach im Wege, auf dessen Schuttkegel es sich ausgebreitet hatte. Nun
Die Touristen sind aber gerade auch entscheidend verantwortlich für die mußten Regenwasserkanäle in großem Maßstab angelegt werden. Südlich des
fortgesetzte Vermehrung der ansässigen Bevölkerung, denn es kehrt schät- alten Los Angeles setzte der Bau dieser Anlagen, der dem Stadt-Ingenieur
zungsweise jeder zehnte Tourist zuruck, um sich in Südkalifornien dauernd untersteht, mit dem ,~Main Street Storm Drain System" ein, das im September
niederzulassen. 1925 fertiggestellt wurde. Selbst Teile der Innenstadt hatten keine zureichen-
den Entwässerungskanäle und erhielten sie erst in den Jahren 1926-1930. In
der Außenstadt hinkt die Anlage zureichender Abzugsgräben und -kanäle
DIE WASSERFRAGEN
erst langsam der Bebauung nach. Eine Ahnung von den Dimensionen dieses
Mit dem. dritten Boom, dem größten, den Los Angeles erlebt hat, sind künstlichen unterirdischen Flußnetzes erhält man erst, wenn man dort, wo
dieWasserfragen, die der semiaride Charakter des Klimas mit sich bringt, das Tiefbauamt am Werke ist, die bereitgestellten Zementrohre oberirdisch
auf einmal in anderes Licht gerückt worden, denn es galt das unerwünschte liegen sieht. Mit einem Durchmesser von über Mannshöhe sind sie mehr als
Wasser der Unwetter abzuwehren, andererseits für den zunehmenden Mangel halb so hoch wie die kleinen Bungalows dahinter. Zum Teil ist der Quer-
an Grundwasser Abhilfe zu schaffen. Das stellte neue große Aufgaben. schnitt der Abzugskanäle so groß, daß Automobile in ihnen bequem fahren
In den altbebauten Teilen der Innenstadt war bis zu einem gewissen Grade könnten. Die unterirdischen Kanäle gehen in offene auszementierte Gräben
für Entwässerung gesorgt. Die Ausbreitung der Bebauung ging aber dann über und münden schließlich in die Trockenbetten der Flüsse selbst ein. Vor
so schlagartig vor sich, daß gar nicht lange überlegt wurde, ob man auf über- 'allem werden die gebirgsnahen Randstädte von solchen betonierten Graben-
schwemmungsgefährdetem Gelände aufteilte und baute, sofern es ,einiger.. anlagen durchzogen,
, r
die auszementierten Hohlwegen gleichen oder, wie
maßen ebenes oder hohes Land war. Was wußte schließlich der Spekulant in Glendale, wie Straßen anmuten, die in den Boden eingelassen sind.
und Neuling, der aus einem ganz anderen Klima kam, über, die Tücken Der Bau' der Entwässerungskanalsysteme hat annähernd hundert Millionen
der südkalifornischen Regenzeiten! War ihm doch Kalifornien als das Land Mark· gekostet. Da die heftigen Regengüsse, wenn überhaupt, meist nur ein-
ewigen Frühlings geschildert worden, in dem in der Tat selbst in den Winter- oder zweimal innerhalb der Regenzeit auftreten, erscheinen die gewaltigen
monaten die Sonne im Durchschnitt mehr als 7 Stunden am Tage scheintI) • Röhren- und Grabensysteme dem Fremden unverständlich. Trotz der kost-
Gerade in den Jahren 1922-1925, in denen der Bevölkerungszustrom und spieligen Anlagen sind aber noch heute bei niedergehendem Regenguß selbst
die Aufteilungs- und Bautätigkeit ihren Höhepunkt erreichten, blieben die die Straßen des Geschäftszentrums kaum zu überqueren. Die Straße wird zum
Niederschlagsmengen mit 243, 169 und 200 mm weit hinter dem Durchschnitt Fluß, der Kanalschacht zum Springbrunnen und der Verkehr stockt.
zurück, der während der 18 vorhergehenden Jahre 404 mm betragen hatte. Der County Flood Control (s. S. 28 und 33) liegt es ob, die Trockenbetten
Vor allem kam es in den drei Wintern zu keinen überdurchschnittlichen der Flüsse, die bei starkem Regen infolge der einmündenden Kanalsysteme
X) u. S. Weather Bureau, L. A., Cal., Record ror I897-I9I4. überlastet werden, zu regulieren und zu befestigen. Das ist bis heute erst zum

239
Teil geschehen. In den großen Torrenten der San Fernando-Ebene ist die Grundwasser verlorengeht. Der Devils Gate~Damm 'wurde in erster Linie
Seitenerosion besonders stark. Um ihr zu begegnen; hat man am Pacoima Wash erbaut, um den unteren Ä.rroyo Seco vor der zerstörenden Wirkung zu
unterhalb San Fernando eine neuartige Methode des Uferschutzes angewandt. schützen, welche die Geschwindigkeit der Unwetterwässer besitzt. Zum andern
Die Uferbänke des Trockenbettes sind künstlich abgeschrägt und mit Maschen- ermöglicht er das Einsickern des Arroyo Seco-Wassers in die Geröllfüllung des
draht, Erde und einem verfestigenden Bindemittel einheitlich überdeckt und natürIichenAltadena-Beckens. Ein Regulierdamm staut den Tujunga im
befestigt. Um ein Unterhöhlen dieser schrägen Uferwände zu verhüten, Gebirge selbst auf und ein weiterer, 114 m hoher den Pacoima. Das Wasser
schließt an sie am Rande des eigentlichen Geröllbettes ein biegsamer Platten- wird allmählich freigegeben, um den unterhalb im BaubefindIichen Sicker-
belag an, der aus einzelnen quadratischen Blöcken besteht. Dadurch, ~aß anlagen zugeführt .zu werden. Damit kommt es dem Grundwasser des San
diese Blöcke miteinander verbunden und nur an der Uferbank veranke:rt smd, Fermmdo-Beckens 'zugute. Eine Reihe weiterer Dämme ist im östlichen Teil
vermögen sie in dem Maße abzusinken, in dem sie unterhöhlt werden, so daß des San Gabriel-Gebirges noch im Bau.
die Unterhöhlung niemals die Uferbank erreichen kann. Der Belag bildet . Nicht nur des Schuttes und der Unwettergewässermuß man Herr werden,'
einfach eine Fortsetzung der Uferbank mit veränderlichem Neigungswinkel. sondern auch der städtischen Abwässer. Nach primitiven Anfängen reiehte
Die andere Aufgabe der County Flood Control besteht darin, die Schutt- die KanaIisa tion von Los Angeles in den I 880er Jahren zunächst bis vor den:
massen der Gebirgsbäche zurückzudämmen. Wir begegnen verschiedenen Südrand der Innenstadt, wo in 'der Gegend von Florence mit den Abwässern
Typen von Geröllschutzdämmen. Der einfachste Typ ist der "check dam". künstlich bewässert wurde (Lit. 71). Später wurde die städtische Kloake in
Er besteht aus rohbehauenen Blöcken, die in Reihen nebeneinander- und südwestlicher Richtung zum Meere hin durchgeführt und 1890 die erste
übereinandergelegt werden, von der Basis nach oben immer eine' Reihe Kotschleuse bei Hyperion zwischen Playa del Rey und Manhattan Beach
weniger. Damit erhält der Damm einen rechtwinkligen Quersch~tt, dessen in Betrieb genommen .. Von 1'900-1909 wurden erneut zwei an dem Kanal
rechter Winkel an der talaufwärts gerichteten Seite der Basis hegt. Das
liegende Gebiete von je 1000 ha mit den Abwässern wenigste:ns im Sommer
Ganze wird mit Drahtgeflecht überzogen. Im Haines Cafion oberhalb,
bewässert, das eine bei Inglewood, das andere, auf dem Luzerne und vielerlei
Tujunga liegen eine ganze' .Reihe solcher Schutzdämme in gewissen Gemüse angebaut wurde, in der Niederung vordem Südrand der Hollywood-
Abständen hintereinander. Der Raum hinter den Dämmen füllt sich rasch
Platte. Der Dung der Abwässer bewirkte, daß die Ernten besonders. reich
mit Geröll, so daß der Cafion ein treppenförnnges Längsprofil erhält. wurden. Die Luzerne konnte viermal in Abständen von 17 Tagen geschnitten
Vegetation siedelt sich an und verfestigt das System der Geröllstufen. werden. Mit Hilfe der AbW:ässer wurde ein Salzbodengebiet von etwa 60 ha
Am Ausgange des Haines Cafion hat eine größere Dammanlage ein mächtiges anbaufähig gemacht. Später verbot man es, Gemüseland mit Kloakenwasser
Geröllbecken aufgestaut, dessen Inhalt gleich von der Zerkleinerungsmaschine zu bewässern. 1907 und 1924 wurden zwei neue Abwässerkanäle nach Hy-
mit daran befestigtem Kran und Raupe gefördert und zur Betonfabrikation
perion gebaut, die heute nur einen Teil des Gesamtstadtgebietes abwässern.
vorbereitet wird. An Stelle der Serie kleiner Schutzdämme hat man im , Der Ausbau des Kanalisationssystems konnte natürlich auch nicht mit dem
Sunset Cafion im Verdugo-Gebirge oberhalb Burbank einen anderen Damm- raschen Aufteilungstempo Schritt halten. Die Entwicklung der "Wunder-
typ angewandt, einen Betondamm, der in Richtung des Talgefälles faßartig meile" , jener in kürzester Zeit entstandenen Hochhauszone am Wilshire
ausgebaucht ist. Hier wurde der Dammbau nötig, nachdem einer der in . :'. Boulevard, hat sich aus diesem Grunde um vier Jahre verzögert:
Südkalifornien häufigen Chaparral-Brände den Bodenschutz, den die Vege- Im San Gabriel-Becken haben sich Pasadena, South Pasadena, Alhambra
tation bildete, genommen hatte, und dadurch der Schuttransport gefährlich
und San Marino zum Bau einer modernen Kläranlage zusammengetan, in der
vermehrt wurde. "";:'. Dünger hergestellt wird, wobei man das überschüssige Wasser in die Regen.;;
Schließlich baut die County FloodControl vor und im Gebirge große wasser-Abzugsgräben leitet. Dagegen führt die Stadt San Fernando ihr
Abflußregulierdämme. Sie haben den Zweck, die plötzlich niedergehenden überschüssiges Kloakenwasser durch eine Versickerungsanlage dem Grund-
Wassermassen aufzuhalten, damit nicht alles oberflächlich abfließt und dem. wasser zu.

16 Wagner, Los Angeles


Die künstliche Auffüllung der Grundwasserbecken ist ein verhältnismäßig genötigt gesehen, auf selbständige Verwaltung zu verzichten und sich von
einfaches Hilfsmittel zur Sicherstellung der Wasserversorgung. Deshalb Los Angeles eingemeinden zu lassen. Da Los Angeles selbst mit Wasser-
schenken die Wasserbehörden dieser Frage heute viel Aufmerksamkeit. Der knappheit rechnen muß, wird die Stadt heute solche Eingemeindungen nur
Grundwasservorrat des Küstenvorlandes, des Los Angeles-Beckens und des noch vornehmen, wenn der betreffende Bezirk oder die Randstadt über
Pasadena-Beckens ist durch übermäßiges Pumpen bedenklich verringert ausreichende eigene Wasserversorgung verfügt.
worden. Von See her dringt Salzwasser ein und bedroht die Wasser- Über sämtliche höheren Teile des Stadtgebiets sind Wasserreservoire
verteilt, Betontanks oder große überdeckte Becken. Nur die größten als
Stauseen angelegten Becken wie' das Hollywoodreservoir im Santa Monica-
Gebirge sind' nicht überdeckt. Das Wasser aus dem Owens-Tal wird
in mehreren Stauseen an den Rändern der San Fernando-Ebene gespeichert.
Anstatt weite~e oberirdische Voiratsbecken zu bauen und um den beträcht~
lichen Verdunstungsverlust zu vermeiden, geht man neuerdings daran,das
überschüssige Wasser des Owens-Tales im Untergrunde des San FernaIido-
Beckens selbst zu speichern. Dafür ist seit 1931 auf dem unteren etwa 1,3 km
breiten Trockenbett des Tujunga eine Versickerungsanlage mit 25 Einzel-
becken geschaffen worden. Man lockert den Boden auf, ehe das Wasser in die
flachen Becken hineingelassen wird. Schon nach 14 Tagen ist die Aufnahme-
Höhenzüge und Gebirge
fähigkeit des Bodens infolge der Zuschlickung erschöpft, und er wird neu
Salzwasser -Jntrusion aufgerecht. Die nächsten städtischen Pumpen liegen so, daß das Sickerwasser
Grundwasserspiegel im sie nach etwa acht Monaten erreicht. Man berechnet, daß das Wasser etwa
Meeresniveau oder darunter 7 oder 8 Jahre brauchen wird, um den Ausgang des San Fernando-Beckens
Grundwasser vorrat durch
Überpumpen stark verringert am Griffith Park zu erreichen. Von der Versickerungsanlagedes städtischen
Wasserwerks unterscheidet sich die andere, welche die County Flood Control
Frühere artesische Gebiete
nordwestlich davon im Trockenbett des Pacoima anlegt, denn hier soll
~i-- - ' - - " T i..;o,p,--...;'...,f,.--2:;;p_T'/.c"--_....
,o.." Kilometer
o 5 10 16 2.0 Nl!ilen Arte\i~ches GrandwassermO fließendes trübeführendes Wasser zum Versickern gebracht werden. Einmal
will man das Unwetterwasser, das die unterhalb~gelegene Siedlung Van Nuys
Fig, 15, Der Rückgang des Grundwasservorrats von Los Angeles bisher bedrohte, soweit wie möglich versickern lassen, ehe es die Ortschaft
(Nach Sonderegger und Karten des Los Angeles County Flood Control District) erreicht. Zum andern soll das Wasser, das der regulierende Pacoima-
Staudamm im Gebirge 'zurückhält, langsam in das Trockenbett freigegeben
versorgung der Küstenstädte. Der letzte Rest des großen artesischen Ge- und auf diese Weise 9 km unterhalb des Dammes dem Untergrund zugeführt
bietes, das einst weite Teile der Los Nietos- und Los Angeles-Ebene werden. Diese Versickerungsanlage ähnelt einem System von Bewässerungs-
umfaßte und sich in die Hollywood-Platte fortsetzte, ist seit wenigen Jahren gräben. Aus dem Hauptbett nehmen zunächst zwei Seitenkanäle einen Teil
ganz verschwunden (s. Fig. 15). Die artesischen Brunnen mußten durch des Wassers auf. Mit der Abdachung des Schuttfächers verzweigen und
Pumpen ersetzt, die Röhren der Pumpen müssen immer weiter verlängert verästeln sich die Kanäle immer weiter. Dadurch wird das Wasser in kleine
werden, man verbraucht mehr Kraftstrom für das Pumpen, und die Be- Rinnsale verteilt und versickert leichter. Seitliche Uferdämme schützen die
wirtschaftung von Bewässerungskulturen wird immer kostspieliger, Um am benachbarten Felder. Überschüssiges Wasser fließt in einen Sammelgraben,
Wasser des Owens-Tales teilhaben zu können, haben sich manche Bezirke der unterhalb der Versickerungsanlage quer zu ihr verläuft, und wird auf

16*
243
diesem Wege de.m flauptbett wieder zugeführt. Von Zeit zu Zeit muß ein des Moti.o-Beckens, das bereits auf der Breite von San Francisco liegt, 'zu
Spülstrom durch das Grabensystem gejagt werden, der· den verstopfenden siehern. Auch Pasadena, das mit zum "Metropolitan Water District" gehört,
Schlick mitnimmt. kann nicht bis zur Fertigstellung des Aquädukts warten und baut sich des-
Wenn die Becken-Versickerungsanlage des städtischen Wasserwerks sich halb einstweilen einen Staudamm im San G~briel-Gebirge, dessen Kosten
bewährt, wird man noch mehr Owens River-Wasser als bisher im San Fer- viele Millionen betragen. Der "Metropolitan Water District,-;"Süll ihn später
nando-Becken speichern. Die künstlich bewässerte Fläche ist im Owens-Tal käufen, um einen Teil des Colorado-Wassers darin zu speichern.
innerhalb von zehn Jahren schon auf weniger als ein Viertel ihrer ursprüng- Wenn der zweite große Aquädukt fertiggestellt ist, wird die Wasser-
lichen Ausdehnung zurückgegangen. So wird das Wasser des Owens';Tales versorgung von Los Angeles IDit gleichen Winkel- und Entfernungsmaßen auf
für die Sicherstellung der städtischen Wasserversorgung bald nicht mehr aus" Deutschland übertragen so aussehen, wie wenn Köln den einen Teil seines
reichen. Deshalb hat sich Los Angelesentschlossen, einen' Anteil am Wassers aus der Gegendvon Emden, den anderen aus Leipzig pezöge. Man
Wasser des Coloradoflusses zu gewinnen, den der riesige, seit 1930 im Bau muß sich das dazwischenliegende Gebiet als Wüste vorstellen. Der Kosten-
befindliche Hoover-Damm an der Grenze zwischen Nevada und' Arizona überschlag für den Bau des Colorado-Aquädukts ergibt die phantastische
aufsta:uen·wird. Los Ange1es hat sich mit 14 weiteren Städten des Südkali- Summe von einer Milliarde Mark. Das ist rund 10 Prozent des ges~mten be-
fornischen Beckens zum ,;Metropolitan Water District" zusammengetan. steuerten Vermögens von Los Angeles und den 14 Trabantenstädten (Lit. 306
Dieser "District" wird der südkalifornische Großabnehmer des Colorado- S. 29). Trotzdem hat die Bevölkerung für 'die Finanzierung gestimmt, denn
I, das Wachstum von Los Angeles darf nicht zum Stillstand kommen.
Wassers sein. Ihm wird es obliegen, das Wasser anteilmäßig an die teil~
habenden Städte zu verteilen. Es ist schon fraglich, ob er die Aufnahme-
bewerbungen weiterer südkalifornischer Städte berücksichtigen kann.
Der neue Colorado-Aquädukt, für den verschiedene Projekte ausgearbeitet
wurden, wird erst 250 km südlich des Hoover-Dammes' am Parker-Damm
das Flußwasser aufnehmen und es durch die Colorado-Wüstedem südkali-
fornischen Becken zuführen. Die Wasserfernleitungwird 400 km lang. Auf
dieser Strecke sind 46 Tunnels mit einet Gesamtlänge von 175 km geplant
(Lit.302). Der Kraftanteil. von 36 Prozent, den man sich am Hoover-
Damm ebenfalls gesichert hat, wird teilweise dazu verwandt werden, das
Wasser über die ansteigenden Strecken des Aquädukts 450 m heraufZu-
pumpen. Neue Kraft wird auf abfallenden Steilstrecken wieder gewonnen
werden. Wenn man den Aquädukt unmittelbar vom Hoover-Damm aUs zum
Südkalifornischen Becken unter Ausnutzung größeren natürlichen Gefälles
bauen würde, müßten aktive Brüche an ungünstiger Stelle gequert werden.
Die Route wäre länger und der Anfangsanstieg größer (Lit. 272 S. 147 und 148).
So zieht man die südliche Route vor. Sie tritt nicht wie die nördliche durch
den Cajon-, sondern durch den San Gorgonio-Paß in das Südkalifornische
Becken ein.
Schon ehe der Colorado-Aquädukt vollendet ist, wird vielleicht Wasser-
knappheit eintreten. Deshalb denkt man in Los Angeles daran, vorher den.
Owens-Aquäduki noch weiter nach Norden zu verlängern und sich das Wasser

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Reformatoren ausgelöst worden? Hat nicht Kalvin von ihnen seine An-
regungen empfangen und Luthers Lehre zwar nicht im Dogma übernommen,
sie aber dem Sinne nach so recht für das praktische L~ben und den einzelnen
auf sich gestellten Menschen fortgestaltet ? Es ist bezei~hnend, daß nicht das
friedfertige "Luthertum" der Epigonen, sondern der kampfbereite kalvinische
SCHLUSS Geist den Organismus und die militärische Basis schuf, auf der allein sich ein
Preußen und damit ein Deutsches Reich entwickeln konnte. Preußens Aufstieg
Die Eigenart der Menschen, die in die Landschaft kamen, und die Ent- und das Werk seiner großen Könige wäre nicht möglich gewesen ohne die Kraft
wicklung der Verkehrsmittel bewirkten, daß Südkalifornien erst sehr spät er- des Handelns, die kalvinische Überzeugung dem ersten der großen Hohen-
schlossen wurde, daß es ein weiteres Jahrhundert dauerte, bis Los Angeles zollern, dem tief im Kalvinismus wurzelnden Großen Kurfürsten, zu geben ver-
als Stadt aufzublühen begann, und daß die städtische Siedlung sich in den mochte. So muß man sich in einer Zeit, in der der Protestantismus einer Er-
drei jüngsten Jahrzehnten über den weiten Raum, den sie heute beansprucht, neuerung bedarf, der Kraft erinnern, die dem echten Kalvinismus innewohnt,
ausdehnte. Edelmetalle, die die Spanier suchten, schienen nicht vorhanden zu dem in erster Linie das politische Deutschland so großen Dank schuldig ist.
sein, so daß diese lange Zeit an der Landschaft kein Interesse hatten. Von den Gewiß hat der kalvinische Puritanismus, da wo nicht mehr sein Wesen,
Missionaren abgesehen, kolonisierten sie nicht. Die extensive Viehwirtschaft des sondern nur noch seine Form erhalten blieb, auch in Los Angeles Auswüchse
Spaniers mußte der intensiveren Landschaftsnutzung und dem lebendigeren gezeitigt. Der all-lebendige amerikanische Geschäftsgeist, der sich aus der kaI ..
Wirtschaftsgeist des nordischen Bevölkerungselementes weichen, das schließ- vinisch-puritanischen Berufs- und Erfolgsauffassung herleitet, hat schließlich
lich eine fieberhafte Entwicklung einleitete. Mit den alten Verkehrsmitteln auch oft zu Übertreibungen geführt, und in Los Angeles finden wir manches
war die Landschaft schwer zu erreichen. Die nordwestlichen Seewinde hielten davon. Aber Negatives treffen wir überall, wo Menschen am Werke sind, um
die Schiffe fern, und die Wüsten des Innern versperrten den Zugang auf dem so mehr, je größer ihre Zahl und je größer ihre Kraftanstrengung. Wesent.,
Landwege. So konnte die Stadt erst dann anfangen sich zu entwickeln, als licher als das Negative erscheint uns das Positive, denn an ihm wollen wir lernen.
der Eis,enbahnbau den ariden Südwesten überwunden hatte und damit der Das Amerikanertum, in dem sich schon in Neu-England Geschäftstüchtig-
Wert des Landes stieg. Industrien konnten sich in größerem Maße erst zu keit auf Grund puritanischen Betätigungsdranges entwickeln konnte, kommt
einer Zeit ansiedeln, als ein Absatz- und Arbeitsmarkt vorhanden war, als die westlich der Alleghanies zu noch typischerer Entfaltung. Wer beweglich ist,
zentralamerikanische Landenge die Seeschiffahrt nicht mehr hinderte, die Bohr- wer Mut zu neuen Unternehmungen hat, wandert westwärts. Konservative
methoden so weit fortgeschritten waren, daß man die reichen Lagerstätten Elemente, die sich von Altem nicht freimachen können, bleiben zurück. Doch
flüssigen Brennstoffs zu erschließen vermochte, und Wasserdampf oder -gefälle das bewegliche und unternehmende Arnerikanertum schließt auch ein gut Teil
den elektrischen Kraftstoff liefern konnten. Erst die elektrische Schnellbahn Abenteurernaturen mit ein, die besonders der Bergbau des Westens anzieht.
und später das Automobil ermöglichten die weitläufige städtische Ausbreitung. Auch in Los Angeles erscheint das Abenteurerelement, tritt aber nur in Boom-
Aber die Überwindung der starken Hemmnisse, die nicht in den unzu- Zeiten stärker in Erscheinung. Das dauerndere Bewohnerelement stellt der
reichenden Verkehrsmitteln oder der rückständigen Technik, sondern im Cha- Tourist, der sich in Los Angeles ansiedelt. So sehr auch die modernen Ver-
rakter der Landschaft selbst begründet sind, ist nur aus der Eigenart und dem kehrsmittel ein Umsiedeln nach dem Fernen Westen erleichtern, werden doch
Geiste ihrer Bewohner, des besonderen Amerikanertyps von Los Angeles, zu nur die Beweglicheren ihren Wohnsitz um 3000 oder mehr Kilometer ver-
erklären. Im Amerikaner sind deutsche Arbeitsausdauer und puritanischer, legen. Sie kommen in der Absicht, sich vom Geschäftsleben zurückzuziehen.
aufs Praktische gerichteter Unternehmergeist gepaart. Der kalvinische, die So besteht der stetige Zuzug, den Los Angeles seit den 1870er Jahren emp-
Einzelinitiative fördernde Geist kommt im Puritanismus zu reinster Entfal- fängt, in erster Linie nicht aus armen, erst ihr Glück versuchenden Zuwan-
tung. Aber ist nicht Kalvins Wirken durch das Werk unserer großen deutschen derern, sondern aus bemittelten Menschen. Die Bewohnerschaft ist daher eine

247
Auslese nicht nur von Beweglichen, sondern zugleich von Erfolgreichen, - nicht Südkalifornien machen. Der aktive Geist der Bürgerschaft hat Los Angeles ge-
Menschen, die in Bequemlichkeit aufgewachsen sind und auch nicht solchen, schaffen, in der Erkenntnis, daß das Wohl des Einzelnen vom Aufblühen und
die nicht zum Ziele kamen. Es sind Menschen, die an anderer Stelle der Ver- der Bedeutung des Gemeinwesens abhängt. Schon in den 1890er Jahren hat
einigten Staaten berufliche Erfolge hatten, so daß sie es sich leisten können, an dieser Geist in einem Manne wie Wiggins seinen Exponenten gefunden.
der kalifornischen "Riviera" von ihren Zinsen zu leben. Das beschauliche Ge- Um den Lebensnerv, den Bevölkerungszustrom, zu erhalten, haben sich
nießen paßt aber nicht zum Amerikaner, erst recht nicht zu denen, die im Leben die Menschen angesichts gemeinsamer Gefahr zusammengetan. Gemeinsam
I' vermögen sie die größten naturbezwingenden Aufgaben zu lösen. Erst haben
erfolgreich waren und beweglich sind. So beginnen sie in Los Angeles bald, sich
wieder zu betätigen. Daß sie ihre neuen Unternehmungen mit erstaunlicher Ener- il sie sich - und Deutsche waren die ersten - im Kleinen zusammengeschlossen,
I1
gie durchführen, erklärt sich aus ihrer auf Erfolg gegründeten Berufserfahrung, I'·1 . Um die künstliche Bewässerung zu ermöglichen. Später haben sie sich zu
ihrem vorausblickenden Geschäftssinn, der auf Reklame reagiert, den Mitteln, Aktionen vereinigt, die Los Angeles im ganzen Lande bekannt machen sollten,
über die sie verfügen, und ihrem Wagemut. Das Unternehmenjedeseinzelnen von
1 auf daß die Landschaft aus ihrer Isolierung heraustrete und sie mehr Menschen
ihnen hängt vom Andauern der Bevölkerungsvermehrung ab. Sie haben alle das- und mehr Kapital anlocke. Dann haben sie die Erfahrungen des Fruchtbaus aus-
selbe Interesse am Wachstum von Los Angeles, und da ihre Zahl stets die der am getauscht und sich zu erfolgreicher gemeinsamer Werbe- und Verkaufsorgani-
Orte gebürtigen Einwohner beträchtlich übersteigt, reißen sie diese mit sich. sation zusammengetan. Als der Sättigungspunkt der Bevölkerungsaufnahme-
Solange dieses ungleiche Zahlenverhältnis von Zuwanderern zu Einheimischen fähigkeit nahte, einte man sich zu einem großen Projekt, um Trinkwasser für eine
besteht, kann sich keine Clique bilden, werden die maßgebenden Bewohner alle weitere Million Menschen 350 km weit über unerschlossenes Gelände herzuleiten.
nicht gegeneinander, sondern miteinander arbeiten. Das Farmerelement aus Die Gefahr, daß Los Angeles keinen Anteil am Seehandel haben würde, nach-
dem Mittleren Westen, das die Nachkriegszeit gebracht hat, arbeitet zwar wenig dem der Panamakanal vollendet ist, führte mit einem Schlage zur Durchführung
mit, stemmt sich aber auch nicht gegen die Entwicklung. Ihre zweite Generation des Hafenbaus an der sonst schiffahrtsfeindlichen Küste. Da weiterer Millionen-
wird den Geist von Los Angeles erfassen und mitgerissen werden. Dieser auf- zuwanderung erneut Wasserknappheit droht, sann man auf ein neues Wasser-
geschlossene, aktive, hilfsbereite Sinn öffnet dem Fremden, wie es der Verfasser leitungsprojekt, welch~s das frühere an Kühnheit noch übertrifft. Werden sich die
selbst überall erlebte, ohne langes Fragen Tür und Tor. Bürger von Los Angeles auch zur großzügigen Baurevision zusammenschließen,
Amerikanische Städte sind als traditionslos bezeichnet worden. Das ist richtig, um den Erdbeben, die die Landschaft bedrohen, ihre Gefahr zu nehmen?
sofern man Tradition als Festhalten an überliefertem Zustand oder festgefügter Gerade weil seine Entwicklung kurz und klar ist, zeigt das Beispiel von
Ordnung auffaßt. Für Los Angeles aber bedeutet Tradition Bewegung. Die pri- Los Angeles, daß die Bedeutung einer Stadt weniger durch die geographische
vate Handelskammer verkörpert diesen lebendigen tatkräftigen Geist der maß- Lage, die nur denAnsatzpunkt gibt, sondern in erster Linie durch die Menschen
gebenden Bürgerschaft, deren gemeinschaftliches Vorwärtsstreben von der bestimmtwird. Die Voraussetzungen für das Aufblühen der Stadt sind lebendige
Einzelinitiative gefördert wird. Initiative des Einzelnen, die auch die finanziellen Mittel schafft, und gemein-
Immer wieder finden sich Männer, die hinausgehen und zum Besten des samer Wagemut.
Gemeinwesens rastlos und erfolgreich werben, heute ebenso wie vor 40 Jahren. So sollte aus dieser Stadtgeographie nicht nur der Städtebauer, Statistiker
Der Initiative eines Einzelnen ist es zu danken, daß die Olympischen Spiele, die und Volkswirtschaftler Lehren ziehen, sondern jeder, der Mitglied eines städ-
man sich bisher nur in europäischen Hauptstädten oder NewYork, allenfalls noch tischen Gemeinwesens ist. Wenn der Einzelne an seiner Stelle größtmögliche
in Chicago denken konnte, 1932 in Los Angeles abgehalten wurden, so daß mit Energie und ideenreiche Initiative entfaltet, zugleich überall für seine Stadt
einemmal über Amerika hinaus die ganze Welt, die von der Bedeutung von wirbt, sich nicht abschließt, sondern mit der übrigen Bürgerschaft dauernd
Los Angeles wenig Ahnung besaß, auf die Stadt aufmerksam wurde, und die zusammensteht, dann kann es keinen Rückgang geben. Anders ist städtisches
Teilnehmer und Besucher, bei denen die Gastfreiheit und das Klima bleiben- Aufblühen auch in unserem deutschen Vaterlande nicht möglich. Diese
den Eindruck hinterließen, nunmehr in allen Teilen der Erde Reklame für Erkenntnis fordert uns alle zu tatkräftiger Begeisterung auf.

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wichtigsten Wassergesellschaften eingetragen, in einzelnen Fällen auch die Namen der den Photographen T. G. Norton und Geo. Weingarth, Pasadena.
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·73. Map ofCounty ofLos Angeles, Showing Areas Occupied byVarious Uses (Industrial
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reich sind alte und neue Aufnahmen derselben Teilgebiete der Stadtlandschaft.
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