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Stefan Hess

02-117-216

Der Kauf des Deutschordenshauses und der Herrschaft


Köniz durch den Stand Bern
vom September 1729 bis Mai 1730.

Bachelorarbeit in Schweizergeschichte vor 1800


bei Prof. Dr. André Holenstein, Bern im Juni 2007

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ 5
1.1 Zu dieser Arbeit _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ 5
1.2 Der Forschungsstand _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ 6
1.3 Der Hohe Deutsche Ritterorden in der Schweiz im späten 17.
und frühen 18. Jahrhundert _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ 7
1.3.1 Allgemeine Geschichte des Deutschen Ordens _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ 7
1.3.2 Der Deutsche Orden in der Schweiz _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ 8
1.3.3 Der Stand Bern _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ 9
1.4 Die Quellen _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ 11
1.4.1 Das Fach Köniz _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ 11
1.4.2 Die Ratsmanuale _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ 11
1.4.3 Das Seckelschreiberprotokoll _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ 11
1.4.4 „Acten über den Ankauf der Commenthurey von
Köniz 1729-1735“ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ 12
1.4.5 „Verhandlungen betr. Verpachtung der Vogtei Köniz usw.“ _ _ _ 12
1.4.6 Quellenkritik _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ 12

2. Der Verkauf des Hauses und der Herrschaft Köniz _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ 13


2.1 Prolog _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ 13
2.2 Kontaktaufnahme und Verhandlungen _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ 14
2.3 Einigung und Entwurf des Kaufbriefes _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ 15
2.4 Streitigkeiten _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ 18
2.5 Der Kauf _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ 23

3. Erkenntnisse und Schlussfolgerungen _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ 25


3.1 Der Stand Bern und der deutsche Orden _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _25
3.2 Der Stand Bern und die Familie Tillier _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ 27
3.3 Der Deutsche Orden und die Familie Tillier _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _28

4. Vergleich mit dem Kauf der Kommende Sumiswald _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ 29


4.1 Der Kauf der Kommende Sumiswald _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ 29
4.2 Köniz und Sumiswald im Vergleich _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ 31

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5. Fazit _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ 33

6. Abkürzungsverzeichnis _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ 35

7. Bibliographie _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ 35
7.1 Quellen _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ 35
7.1.1 Gedruckte Quellen _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ 35
7.1.2 Archivalische Quellen _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ 35
7.2 Literatur _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ 36
7.2.1 Monographien _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ 36
7.2.2 Sammelbände _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ 36
7.2.3 Beiträge in Sammelbänden _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ 37
7.2.4 Beiträge in Zeitschriften _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ 37
7.2.5 Lexikonartikel _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ 38
7.2.6 Internet _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ 38

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Abbildung 1:
Die Ballei Elsass-Burgund Mit Köniz, Bern, Sumiswald, Basel und Hitzkirch, die benachbarte
Ballei Franken und das Deutschmeistertum.1

1
Kreuz: 14.

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1. Einleitung
1.1 Zu dieser Arbeit
Die Beschäftigung mit den Kreuzzügen im Rahmen einer anderen schriftlichen
Arbeit, weckte mein Interesse an den Orden. Im weiteren Verlauf meines Studiums
fiel mir auf, dass in der Literatur, welche das 17. und 18. Jahrhundert betrifft, wenig
bis nie von den Ritterorden berichtet wird, obwohl diese ja durchaus noch bestanden.
Es mag sein, dass ich einfach nur die falschen Werke gelesen hatte, trotzdem wollte
ich der Sache nachgehen.
Ein zweiter Aspekt kam hinzu: Ich wollte endlich einmal eingehend mit Origi-
nalquellen arbeiten. Also machte ich mich auf die Suche nach Orden, welche noch
im 17. oder 18. Jahrhundert im Raum Bern anzureffen waren. Dabei stiess ich auf
den Deutschen Orden, genauer auf die Kommende Sumiswald und von da auf die
Kommende Köniz.
In mehreren Gesprächen mit gestandenen Historikern wurde mir eine Arbeit
über den Verkauf der Kommende Köniz an den Staat Bern nahegelegt, da man über
die genauen Umstände bisher noch wenig wisse.
Und so kam der dritte Aspekt der Gründe, die zu dieser Arbeit führten, hinzu:
Es wäre eine Arbeit, die (hoffentlich) einen wirklichen Erkenntnisgewinn mit sich
bringen würde.

Wie aus den gesichteten Publikationen hervorgeht, gibt es zum Deutschen Or-
den ab dem 16. Jahrhundert fast nur Einzelforschungen. Überblickswerke fehlen, wie
wir im folgenden Kapitel sehen werden. Auch die von mir vorgelegte Untersuchung
über den Verkauf der Kommende Köniz wird nicht mehr leisten können, als die Ab-
läufe der Verhandlungen des Deutschen Ordens und dem Stand Bern sowie die Bera-
tungen im Berner Rat zu rekonstruieren und einige vergleichende Aspekte der Ge-
schäfte von Sumiswald und Köniz zu untersuchen. Weshalb es zu diesen Verhand-
lungen gekommen ist, wird weiterhin im Dunkeln bleiben müssen. Dafür wird ein
ganz anderer Faktor erhellt: Während der Kaufverhandlungen kam es zu
Streitigkeiten zwischen dem Deutschen Orden und dem Vogt der Kommende Köniz,
Johan Rudolf Tillier. Dieser Streit um die Schlussrechnung hat den Berner Rat
ebenfalls beschäftigt und den Kaufhandel herausgezögert und bildet eine wichtige
Etappe des Handels.
Demzufolge werde ich also in dieser Arbeit, nach der Entwicklung des For-
schungsstandes, den Ablauf der Verhandlungen rekonstruieren. Dabei wird der Streit
zwischen der Familie Tillier und dem Deutschen Orden einen wesentlichen Platz
einnehmen. Im Anschluss an die Rekonstruktion der Abläufe werde ich versuchen,
Schlussfolgerungen zu ziehen für den Stand Bern, den Hohen Deutschen Ritterorden
als auch für die Familie Tillier. Ich betone bewusst den Versuchscharakter, da es auf
Grund des Forschungsstandes schwierig ist, die hier geschilderten Abläufe richtig in
den historischen Kontext einzubetten.
So hoffe ich nun, mit der vorliegenden Bachelorarbeit einen Beitrag zur Erfo-
schung des Deutschen Ordens im frühen 18. Jahrhundert leisten zu können. Auch
wenn dieser nur ein weiteres kleines Fragment in der Geschichte dieses Ordens, ins
Besondere seiner Geschichte in der Schweiz, sein kann.

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1.2 Der Forschungsstand
Über die Geschichte des Deutschen Ordens gibt es zwar relativ viel For-
schungsliteratur, allerdings in der Hauptsache zum 12. bis 15. Jahrhundert. In den
letzten zwanzig Jahren sind die späteren Jahrhunderte zwar ebenfalls vermehrt unter-
sucht worden, allerdings eher fragmentär. Im Zentrum der Interessen steht die Erfor-
schung des Ordens in Bezug auf das Deutsche Reich, bzw. Preussen. Am ausführ-
lichsten wurde wohl die Zeitspanne ab dem 16. Jahrhundert im Bezug auf die Hoch-
und Deutschmeister2 erforscht. Heraus kamen aber weniger die Lebensumstände im
Orden, als vielmehr die hierarchischen Strukturen und die Beziehungen des Ordens
zu den umliegenden Landesfürsten. Alles in allem ist also noch viel Forschungsarbeit
zu leisten, bis wir uns ein umfassendes Bild des Ordens vom 16. bis zum 20. Jahr-
hundert machen können. „Noch fehlen mehrere Kommendengeschichten in allen
zwischen Luther und Napoleon verbliebenen Balleien.“3
Zur Geschichte des Ordens in der Schweiz gibt es kein ausführliches Über-
blickswerk, da laut Häfliger 4 kaum Vorbereitungsarbeiten zu einer solchen Arbeit
vorhanden sind. Es ist zwar nicht wenig bekannt,5 doch auch in der Schweizer Or-
densgeschichte nimmt der Wissensstand ab dem 16. Jahrhundert rapide ab. Wir wis-
sen, was mit den entsprechenden Kommenden geschehen ist, aber eben nicht detail-
liert. So sind meistens die Rahmenereignisse bekannt, aber nicht die genauen Um-
stände, die zu diesen führten. Dies trifft meines Wissens auf die meisten Kommen-
den zu, nicht nur in der Schweiz.
Über die Kommende Köniz ist indessen etwas mehr bekannt. In den Bemer-
kungen zum Kaufbrief in den Rechtsquellen6 werden einige Stellen der Ratsmanuale
vom September 1729 bis Mai 1730 zitiert, welche den Verkauf erhellen sollen. Al-
lerdings werden die Zusammenhänge und Vorgänge nur unzulänglich erfasst, da nur
das Fach Köniz und einige Abschnitte aus den Ratsmanualen als Grundlagen beige-
zogen wurden. Die Mappe „Acten über den Ankauf der Commenthurey von Könitz“7
scheint nicht verwendet worden zu sein. Diesen Mangel hoffe ich mit der vorliegen-
den Arbeit beheben zu können.

1.3 Der Deutsche Orden in der Schweiz im späten 17. und frühen
18. Jahrhundert
1.3.1 Allgemeine Geschichte des Deutschen Ordens

1190 wurde während des dritten Kreuzzuges in Akkon ein Hospital für die Lü-
becker und Bremer Kreuzfahrer gegründet. Bereits ein Jahr später gewährte der Papst
der Spitalbruderschaft mit dem Namen „Ordo Fratrum Domus Hospitalis Sanctae
Mariae Teutonicorum in Jerusalem.“ Innert weniger als zehn Jahren wandelte sich
der Orden in einen geistliche Ritterorden, wie es sie in Form der Templer und Johan-

2
Ich verwende diese Bezeichnung der Einfachheit halber, und weil sie scheinbar auch in der
Forschungsliteratur für die spätere Ordensgeschichte Gang und Gäbe ist. Ausserdem sind in
der in dieser Arbeit betreffenden Zeitspanne die beiden Ämter in Personalunion ausgeübt
worden.
3
Demel, Orden: 269.
4
Häfliger, Orden.
5
Zum aktuellen Forschungsstand siehe: Baeriswyl, Orden.
6
SSRQ Bern: 761-765.
7
StAB BVII 293: 1729-1735.

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niter bereits gab. Vor allem auch Dank der Staufer etablierte und vergrösserte sich
der Orden rasch. Bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts vergrösserten sich Einfluss
und Besitz stetig, bis er schliesslich 1466 seine preussischen Gebiete an die polnische
Krone verlor. Der Orden war in Provinzen, sogenannten Balleien, organisiert, an
deren Spitzen die Landkomture standen. In einer solchen Ballei waren mehrere
Kommenden zusammengefasst, deren Vorsitzende als Komture bezeichnet wurden.
Unter einer Ballei ist kein zusammenhängendes Territorium von benachbarten
Kommenden zu verstehen, auch wenn es das gegeben haben mag. Vielmehr waren
die Kommenden, oder Häuser, relativ eigenständige Wirtschaftseinheiten. An der
Spitze der Ordenshierarchie stand der Hochmeister. Seit dem 16. Jahrhundert wurde
dieses Amt, durch die Konzentration des Ordens auf die Deutschen Gebiete, stets
vom Deutschmeister ausgeübt, was zu der Amtsbezeichnung „Hoch- und Deutsch-
meister“ führte.
Die Ordensmitglieder rekrutierten sich vorwiegend aus Angehörigen des niede-
ren Adels, welche dadurch an sozialem Prestige gewinnen konnten. Es gab sowohl
Ritter- als auch Priesterbrüder, welche je unterschiedliche Pflichten auszuüben hatten,
ansonsten aber gleichgestellt waren.
Da die meisten Ländereien des Ordens im deutschen Reich lagen, war er stark
von den Ereignissen der Reformation zu Beginn des 16. Jahrhunderts betroffen. Da-
bei scheint die Glaubenspaltung innerhalb des Ordens weniger ein Problem gewesen
zu sein, als in seinen Beziehungen nach aussen. Zentral war die Zugehörigkeit zum
Adel und zum Orden, nicht die jenige zur Konfession. So war der Deutsche Orden in
späteren Jahrhunderten offiziell tri-konfessionell, auch wenn der Hoch- und
Deutschmeister stets katholisch war. Das musste er auch bleiben, wollte er weiterhin
dem Papst unterstellt sein. Nachdem der Orden im 15. Jahrhundert an Einfluss verlo-
ren hatte, konnte er sich im 16. Jahrhundert erfolgreich reorganisieren. Priestersemi-
nare wurden gegründet, und im 17. Jahrhundert besann man sich schliesslich auch
wieder vermehrt auf die militärischen Pflichten. So mussten, um Ordensritter werden
zu können oder ein Amt als Ordensritter zu übernehmen, militärische Einsätze nach-
gewiesen werden. Immer öfters wurden in der Verwaltung auch Beamte eingesetzt,
die nicht Ordensbrüder waren (so zum Beispiel auch in der Kommende Köniz).
In der Barockzeit kam der Orden, wie auch andere Adlige, wieder zu mehr
Wohlstand. Heute noch sichtbares Zeichen davon ist das Bauwesen, welches wohl
gerade dadurch vergleichsweise gut erforscht ist. So hat für Biskup der Orden gerade
in dieser Hinsicht „wahre Perlen deutschen Barocks geschaffen“8. Auch in anderen
Publikationen wird die ausserordentliche Bautätigkeit herausgestrichen9; und Gubler
widmet ein ganzes Buch dem Architekten und Baumeister Bagnato, der vom Land-
komtur von Altshausen, Franz Ignaz Anthon von Reinach, verpflichtet worden war.10
Gemäss Seiler standen „Repräsentation und adelige Hofhaltung [..] in der Barockzeit
im Mittelpunkt des Ordenslebens“.11 Dabei standen die Ordensoberen in Konkurrenz
mit den anderen Landesfürsten des Reichs, wobei nach Gubler Altshausen nicht mit-
halten konnte, wovon die Schulden des Barons von Reinach bei seinem Tode zeugen
mögen.12 Ansonsten scheinen sich die Ordensritter nebst den Kämpfen gegen Türken
und Franzosen um die Verwaltung ihrer Güter gekümmert, viel gelesen und sich mit
Musik beschäftigt zu haben.13 Diese neuerliche „Blütezeit“ im 18. Jahrhundert ende-

8
Biskup, Wendepunkte: 15.
9
Petry, Meisteramt; Ziegler, Kreuz; Baeriswyl, Orden.
10
Gubler, Bauwesen.
11
Seiler, Orden: 127.
12
Gubler, Bauwesen: 13-15.
13
Ziegler, Kreuz: 198-200.

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te mit der französischen Revolution und dem späteren Sieg Napoleons über das
Deutsche Reich, und damit auch über den Deutschen Orden, welcher für dieses
Reich gekämpft hatte. 1809 wurde der Deutsche Orden durch Napoleon aufgelöst.
Nur die Besitztümer im Habsburgischen Reich blieben erhalten, und ein Teil der
Bruderschaft blieb bestehen. In den 1830er Jahren wurde der Orden neu organisiert
und offiziell zum „Deutschen Ritterorden“ umbenannt. Fortan residierte in Wien,
und es wurde Statuten gemäss stets ein Prinz aus habsburgischem Hochmeister ge-
wählt. Um 1925 unterzog sich der Orden einer neuerlichen Reorganisation und wur-
de wieder, wie in seinen Anfängen, zu einer karitativen Gemeinschaft, nun nur noch
mit Priesterbrüdern. Unter dem zu dieser Zeit erneut abgeänderten Namen, besteht
der „Deutsche Orden“ bis heute. Allerdings ist er seiner Form nach in keiner Weise
mehr mit dem Orden, wie er bis 1809 bestanden hat, vergleichbar.14

1.3.2 Der Deutsche Orden in der Schweiz

Die Besitztümer des Ordens in der Schweiz - Kommenden in Köniz, Sumis-


wald, Fräschels,15 Bern, Hitzkirch und Basel - gehörten allesamt zur Ordensballei
Elsass und Burgund. In der hier betrachteten Zeitspanne waren davon einzig Frä-
scheld und Bern aufgelöst worden. Die anderen Kommenden existierten zumindest
unter weltlicher Verwaltung weiter. Die Balleien Köniz, Sumiswald und Basel ge-
hörten nicht zu den Schwergewichten der Ballei. Seit der Reformationszeit musste
der Orden in allen drei Kommenden erhebliche Einschränkungen erdulden. Sumis-
wald und Köniz wurden durch den Stand Bern aufgelöst, mussten aber 1552 auf
Druck der Tagsatzung wieder zurückgegeben werden. Einzig das Haus Hitzkirch, im
katholischen Stand Luzern gelegen, verblieb vollständig in der Hand und unter der
Kontrolle des Ordens.16
Der Deutsche Orden, und insbesondere die Ballei Elsass-Burgund, hatte unter
dem Dreissigjährigen Krieg, aber auch den weiteren deutsch-französischen Konflik-
ten schwer zu leiden. Ein grosser Teil der Besitzungen lag im Grenzgebiet und wurde
immer wieder in Mitleidenschaft gezogen. Gerade die linksrheinischen Gebiete hat-
ten immer wieder grosse Probleme, einige Kommenden fielen gar endgültig an
Frankreich, dessen Regent Ludwig XIV. sie dem französischen Orden der Lazariter
zusprach. 1697, beim Friedensschluss von Rijswik, und 1714, bei demjenigen von
Baden, wurden die Besitzverhältnisse geklärt, der Orden erhielt etliche Besitztümer
zurück. 17 Endlich konnte die Ballei Elsass-Burgund den Wiederaufbau beginnen.
Die Folge war eine neuerliche „Blütezeit des Ordens“.18
Noch während den Krisenzeiten wurde bei einem Ordenskapitel 1671 über den
Verkauf der Häuser Sumiswald und Köniz debattiert. Die Ordensoberen beschlossen,
diese beiden Häuser, ebenso wie die Elsässische Kommende Kaysersberg, zu veräus-
sern. Der Erlöss sollte in passenden Neuerwerbungen angelegt werden.19
Über die weitere Entwicklung der Ballei Elsass und Burgund, und damit der
Eidgenössischen Kommenden, ist im Wesentlichen nicht mehr bekannt als über an-
dere Häuser des Ordens. Ihr Ende kam zwar bereits mit der französischen Revolution,

14
Baeriswyl, Orden: 569f; Boockmann, Orden: 232f.
15
Ob dies wirklich eine Ordenskommende war, ist umstritten.
16
Demel, Krone: 114-118.
17
Demel, Krone: 124-170.
18
Baeriswyl, Orden: 569.
19
Demel, Krone: 120.

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ansonsten „[widerspiegelt] die Entwicklung des Deutschen Ordens in der Schweiz in
grossen Zügen die Entwicklung des Gesamtordens.“20

1.3.3 Der Stand Bern

Ereignisgeschichtlich war für den Stand Bern das 17. Jahrhundert genauso tur-
bulent wie für alle übrigen europäischen Mächte auch. Die Glaubenskonflikte konn-
ten während des Dreissigjährigen Kriegs in der Eidgenossenschaft zunächst noch im
Zaum gehalten werden, 1655/56 brachen allerdings mit dem ersten Villmergerkrieg
doch noch bewaffnete Konfrontationen aus. Ursache war eine aufgeflogene kleine,
geheime reformierte Gemeinde im schwyzerischen Arth. Fünf Personen wurden we-
gen Vergehen gegen die Landesreligion zum Tode verurteilt, 37 konnten über den
Zugersee auf Zürcher Gebiet entkommen. Sämtliche Vermögen wurden von Schwy-
zer Staatsbehörden beschlagnahmt, und Zürich wurde aufgefordert, die Flüchtlinge
auszuliefern. Zürich weigerte sich und verlangte satt dessen die Herausgabe der
Vermögen. Nach kurzen und unfruchtbaren Vermittlungsversuchen kam es schliess-
lich zum Krieg zwischen den reformierten Ständen Zürich und Bern auf der einen,
den katholischen Orten Schwyz, Unterwalden, Uri, Zug und Luzern. Durch militä-
risch ungeschicktes Verhalten wurden die zahlenmässig weit überlegenen Reformier-
ten binnen eines Tages geschlagen. Wie schon im zweiten Kappeler Krieg mussten
sie sich auch diesmal die Bedingungen diktieren lassen. Allerdings entsprach ent-
sprach der neue, dritte, Landfriedensvertrag dem von Kappel.21
Die Stände Bern und Zürich warteten nur darauf, diese neuerliche Schmach zu
vergelten. Im April 1712 bekamen sie ihre Gelegenheit. Die reformierten Toggen-
burgen erhoben sich gegen den Abt von St. Gallen, der sie auf deren eigene Kosten
für einen Strassenbau zwischen Uznach (Schwyz) und St. Gallen verpflichten wollte.
Unverzüglich sagten Zürich und Bern den Aufständischen ihre Unterstützung zu, was
einer Kriegserklärung gleichkam. Erneut standen sich Bern und Zürich und die fünf
Innerschweizer Orte gegenüber. Diesmal taktierten die Reformierten geschickter und
gewannen am 25. Juli, wieder bei Villmergen, die Entscheidungsschlacht. Unter die-
sen Siegern fiel der Friedensvertrag weniger zurückhaltend aus: Die Innerschweizer
mussten viel Territorium hergeben, ebenso Anteile an Untertanengebieten. Die Herr-
schaft von Bern erstreckte sich nun vom Genfer bis zum Bodensee. Auch politisch
sahen sich die katholischen Orte für einige Zeit in die Defensive gedrängt. Anderer-
seits waren die konfessionellen Auseinandersetzungen für den Moment beiseite ge-
legt.22
Auf internationalem Parkett hatte die Eidgenossenschaft, wie beinahe alle eu-
ropäischen Staaten, Schwierigkeiten mit Frankreich zu lösen. Dabei kam Bern in
vielfacher Beziehung eine besondere Rolle zu. Auf der einen Seite wurde versucht,
die Bündnisse mit Frankreich einzuhalten, ohne sich jedoch in grössere Konflikte
hineinziehen zu lassen, auf der anderen Seite schickte Ludwig XIV. immer wieder
den Herzog von Savoyen gegen Genf und die Waadt. Innerhalb der Eidgenossen-
schaft war sich der Berner Rat der Loyalität der katholischen Orte nicht immer sicher.
So konnte nur versucht werden, irgendwie dem Druck zu widerstehen. Als 1689

20
Häfliger, Orden: 280.
21
Vischer et al, Kirchengeschichte: 180f; Feller, Geschichte: 9-38; Dürrenmatt, Geschichte:
279f.
22
Vischer et al, Kirchengeschichte: 180f; Feller, Geschichte: 9-38, 241-329, Dürrenmatt,
Geschichte: 279f.

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England und Holland, 1690 schliesslich auch noch Spanien und Savoyen gegen
Frankreich Partei ergriffen, liess die Angst vor der französischen Übermacht nach.23
In den 1690er Jahren nahm sich Bern vieler Hugenottischer Flüchtlinge an und
nach 1700 ebenfalls viele Oranier auf. Der reformierte Stand setzte sich für seine
Glaubensgenossen ein.
Die Jahre nach 1700 waren vor allem von Unzufriedenheit unter den Berner
Burgern geprägt. Dabei ging es um die Gängelung des grossen Rates durch den klei-
nen Rat, den Einfluss der mächtigen Patrizierfamilien bei der Ämterverteilung und
vor allem der Vogteienbesetzung. Da offen abgestimmt wurde, konnte jeder sehen,
wem wer verpflichtet war, eine freie Äusserung war kaum möglich. Nachdem offen
über die Verhältnisse geklagt und gestritten worden war, wurde 1712 die Besetzung
der Landvogteien per Los ermittelt, was sich schliesslich bewährte und beibehalten
wurde. 1718 wurde endlich auch die Verteilung der Ratssitze ein wenig angepasst,
wodurch einige Handwerke Zugang erhielten.24
Der grosse Rat war oberste Entscheidungsinstanz der Stadt und des Standes.
Auf Grund seiner 200 Mitglieder wurde er auch „Rat der 200“ genannt, wobei diese
Zahl oft über- oder unterschritten wurde. Daneben bestand der kleine Rat, welcher
die Geschäfte des grossen Rats vorbereitete. Zu diesem Rat hatten nur die mächtigs-
ten und einflussreichsten Familien Zugang. Das Gremium bestand aus etwa 27 Mit-
gliedern, darunter die zwei Schultheissen, die zwei Seckelmeister25 (der welsche und
der deutsche), die vier Venner26, der Zeugherr und der Salzdirektor27 oder –herr. Ein
weiteres Gremium war die Vennerkammer, welche sich aus den vier Vennern und
einem Seckelmeister zusammensetzte. Sie war für die Verwaltungssachen zuständig.
Die beiden Schultheisse hatten alternierend das Amt des Standesoberhauptes inne.
Jenem oblag die Vertretung nach innen und aussen, die Einberufung des Rates sowie
die Zuweisung von Gesuchstellern zu den entsprechenden Kommissionen.28
Das Verhältnis des mächtigen kleinen und des einzuberufenden grossen Rates
war über die Zeit grossen Schwankungen unterworfen. Immer wieder kam es, wie
um 1710, zu Spannungen.

Einfluss des Deutschen Ordens auf die Politik des Standes Bern im 17. und frü-
hen 18. Jahrhunderts sind nicht auszumachen. Die Käufe von Köniz und vor allem
derjenige von Sumiswald dürften nicht gerade die wichtigsten Beschäftigungen der
Räte gewesen sein, was im Falle Sumiswalds als Grund für das Nichteintreten auf
den Kauf gedeutet werden kann. Inwieweit die konfessionelle Orientierung bei den
Käufen eine Rolle gespielt hat, ob die Berner froh waren, die Katholiken los zu sein,
darüber kann nur spekuliert werden. Ich würde dem konfessionellen Element kein
grosses Gewicht beimessen, da beide Herrschaften unter weltlicher Verwaltung stan-
den und die Ausübung des katholischen Glaubens, bzw. ein katholischer Gottesdienst
durch Ordensmitglieder geregelt, das heisst verboten war. Es waren ja auch keine
Ordensmitglieder mehr in den Häusern, und seine Rechte konnte Bern auch in den
Ordensherrschaften durchsetzen und ausüben. Es gab also niemanden mehr zu ver-
treiben.

23
Feller, Geschichte: 39-106.
24
Feller, Geschichte: 330-334.
25
In etwa dem heutigen Finanzminister entsprechend. Eingehende Informationen zum Amt
des Deutsch-Seckelmeisters in: Leuenberger-Binggeli, Berner: 155-167.
26
Vertreter der einflussreichsten Zünfte.
27
Verantwortlich für den Salzhaushalt und das Salzhaus.
28
Feller, Geschichte: 106-130; Holenstein, Räte; Hörsch, Schultheiss; Dubler, Junker, Bern;
Capitani, Weck, Venner.

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1.4 Die Quellen
1.4.1 Das Fach Köniz

Hier sind vier Mappen vorhanden:


I) Der Recess vom 23. September 1729 zwischen Landkomtur Franz Ignatius
Anthon von Reinach und dem Berner Schultheiss von Erlach29 um das Deutschor-
denshaus Köniz „mit allen darvon abhangenden Einkünfte, Gebäüen, Güttern, Zins
und Zehnden, Rechten und Grechtigkeiten, wie auch daruf ligenden Beschwärden“.30
II) Die Ratification des vom Landkomtur und dem Schultheiss ausgehandelten
Kaufbriefes vom 3. November 1729, unterzeichnet vom Hoch- und Deutschmeister,
Erzbischof von Mainz.31
III) Ermächtigung des Landkomturs an Obervogt Siegmüller vom 16. Februar
1730 zur Übergabe der Herrschaft und der Dokumente des Hauses Köniz, sowie der
Entlassung des bisherigen Vogts und der Untertanen aus ihren Pflichten dem Orden
gegenüber.32
IV) Kaufurkunde vom 11. Mai 1730.33
Soweit ersichtlich, sind sämtliche in den anderen Quellen erwähnten Korres-
pondenzen zum Verkauf der Kommende Köniz von Seiten des Deutschen Ordens in
Original oder Abschrift vorhanden.

1.4.2 Die Ratsmanuale

In den Ratsmanualen der Stadt Bern, Nummer 123 bis Nummer 12634, welche
die Zeit vom 5. Juli 1729 bis zum 1. Juni 1730 umfassen, finden sich an 21 Daten
Einträge, welche im Zusammenhang mit dem Kauf des Hauses Köniz stehen. Im
Ratsmanual Nummer 12735 findet sich am 3. Juni 1730 der letzte Eintrag das Thema
betreffend. Insgesamt hat sich der kleine und/oder der grosse Rat vom September
1729 bis zum Juni 1730 22 Mal mit dem Kauf der Kommende Köniz befasst. Die
Einträge umfassen von einigen wenigen Zeilen bis zu sieben Seiten, zeugen also von
kurzen Erinnerungen an Aufträge sowie auch von längeren Debatten.

1.4.3 Das Seckelschreiberprotokoll

Im Seckelschreiberprotokoll des Michael Freüdenrych findet sich ein Eintrag


zu einem Vortrag, den er am 5. April 1730 vor dem grossen Rat gehalten hat. Thema
sind die Übergabe der Dokumente sowie die Streitigkeiten zur Schlussrechnung der
Kommende zwischen Vogt Tillier und dem Deutschen Orden.36

29
Hierbei dürfte es sich um Hieronymus von Erlach handeln (siehe entsprechenden Eintrag
im e-hls)
30
StAB Haus Köniz: 23.9.1729.
31
StAB Haus Köniz: 3.11.1729.
32
StAB Haus Köniz: 16.2.1730.
33
StAB Haus Köniz: 11.5.1730; SSRQ Bern: 761-765.
34
StAB AII 709-712.
35
StAB AII 713.
36
StAB AII 713: 3.6.1730-7.8.1730 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 127.

11/38
1.4.4 „Acten über den Ankauf der Commenthurey von Könitz 1729-1735“37

In dieser Mappe befinden sich 24 Dokumente zum Ankauf der Kommende Kö-
niz durch den Stand Bern. Es sind dies Korrespondenzen zwischen dem Stand Bern
und dem Deutschen Orden, sowie Aufträge des Rates an den Schultheiss oder den
Seckelmeister. Viele dieser Dokumente werden in den Ratsmanualen erwähnt und
zeigen die Vorbereitungen und Grundlagen einiger Diskussionen und Entscheidun-
gen im Rat.

1.4.5 „Verhandlungen betr. Verpachtung der Vogtei Köniz usw.“ 38

Diese Dokumente wurden verwendet, um die Vorgeschichte zu den Streitigkei-


ten der Familie Tillier mit dem Deutschen Orden zu untersuchen.
Im Fach Dt. Orden des Staatsarchivs Bern findet sich eine Akte mit Schriften des
„new-angenobmenen Herrn Vogt Tillier“ 39 der Kommende Köniz, welche einen
Zeitraum von 1720 bis 1728 abdecken, wobei die meisten Dokumente aus dem Jahr
1728 stammen. Sie wurden im Laufe der Zeit offenbar verschiedentlich geordnet und
umnummeriert. Da bei einigen die genauen Daten fehlen, ist zum Teil schwer
nachvollziehbar, wie sich das Dokument in den chronologischen Ablauf einreihen
lässt. Die Bezeichnung der lässt darauf schliessen, dass der Vogt der Kommende
seinen Verwaltungsauftrag in eine Pacht umwandeln wollte. Bei den meisten
Inhalten der Dokumente der Akte handelt es sich um Verwaltungsangelegenheiten,
die direkt nichts mit der Pacht und dem Verkauf der Kommende Könitz zu tun haben.

1.4.6 Quellenkritik

Quellenkritisch betrachtet bilden die vorhandenen Dokumente einen recht gut


belegbaren Erkenntnisgewinn. Dadurch, dass wir sowohl die Ratsmanuale als auch
die meisten effektiv getätigten Korrespondenzen haben, können die Ereignisse zwei-
fach belegt werden. Der Vortrag im Seckelschreiberprotokoll stützt zudem die be-
kannten Handlungen. Da nebst der eigentlichen Kaufurkunde auch der Entwurf dazu
erhalten ist, können auch hier Entwicklungen untersucht werden. Da die Familie Til-
lier mit dem Vater des Vogts der Kommende auch im kleinen Rat vertreten ist, und
dieser bei einigen Sitzungen nachweislich zugegen war, ist eine Parteilichkeit von
Seiten des Berner Rates nicht auszuschliessen, insbesondere wenn er als Schiedsrich-
ter im Streit um die Schlussrechnung auftritt. Allerdings ist auch zu bemerken, dass
gerade durch diese Ratsmitgliedschaft von allen drei betroffenen Seiten aus 40 die
Verhandlungen so zu sagen auf gleicher Augenhöhe stattfinden. Dies lässt auf eine
grosse Authentizität des Quellenmaterials schliessen.

37
StAB BVII 293.
38
StAB: Fach Dt. Orden Akten 1728. Fasc.15: 1728.
39
StAB Fach Dt. Orden Akten 1728 Fasc.15: 1728.Verhandlungen betr. Verpachtung der
Vogtei Köniz usw. – ohne Titel.
40
Stand Bern, Deutscher Orden, Familie Tillier

12/38
2. Der Verkauf des Hauses und der Herrschaft Köniz
2.1 Prolog41
Am 4. Mai 1720 beschwerte sich Vogt Tillier darüber, dass das von ihm dem
Orden zugesandte aktuelle Urbar mit dem Verzeichnis der zu leistenden Zehnden
und Zinsen zunächst nicht autorisiert, und dann auch noch verloren gegangen war.
So sei es ihm nicht möglich, die Rechte des Ordens wahrzunehmen. Er listete fünf
Gründe auf, weshalb dringend ein neues Verzeichnis erstellt und autorisiert werden
sollte. Des Weiteren schlug er Massnahmen vor, wie die verlorenen Einkünfte wieder
gutzumachen und ausserdem zu optimieren wären. Ausserdem mussten verschiedene
Reparaturen vorgenommen werden. Am Ende des Briefes42 wird ein Bewässerungs-
projekt erwähnt, dem einige Berner Burger nicht wohlgesinnt gegenüberstehen wür-
den, das aber eine deutliche Wertsteigerung mit sich bringen würde. Vogt Tillier
ersuchte um die Übernahme der Kosten durch den Deutschen Orden.43
Nach fünf Jahren, er hatte die Erlaubnis noch immer nicht bekommen, initiierte
Tillier das Bewässerungsprojekt schliesslich im Alleingang. Trotzdem erstattete der
Deutsche Orden ihm auf sein Ersuchen hin die Hälfte der Kosten, womit der Vogt
sich schliesslich zufrieden gab.44
Es scheint, als musste Vogt Tillier auf sämtliche Reparaturen, Zins- und Zehn-
derhebungen usw. drängen. Ausserdem stritt er um sein eigenes Einkommen, wovon
er einen Teil in Form von an den Oberamtmann zu zahlenden Zinsen hätte abgeben
müssen. Laut Vogt Tillier irrte sich aber Oberamtmann Schmid mehrmals und be-
rechnete zu viel, was ihm Freyherr von Reinach denn auch zugestand.45

In einem Schreiben an Freyherrn von Reinach vom 26. November 1728 ver-
suchte Vogt Tillier, die Nachfolge der Vogtei zu regeln. Er erbat die Zusicherung,
dass nach seinem Ableben sein ältester Sohn die Vogtei übernehmen könnte; oder
sollte der ebenfalls sterben einer seiner anderen Söhne. Er sei auch bereit monatlich
100 bis 150 Taler zu bezahlen, nebst den gängigen Abgaben. Dies läuft schliesslich
auf einen Pachtantrag hinaus. „Weilen Ihr hochwürd [Gnädiger Herr] bezeüget, dass
ihro eine Verpachtung aller Herrschafft Einkünften von Köniz angenehm wäre“,
dann sei in der Beilage ein Etât46 der letzten zehn Jahre, auf Grund dessen man die
Bezahlung aushandeln könne. 47 Freiherr von Reinach meinte daraufhin, dass man
eine solche Angelegenheit reiflich überlegen müsste, die Zeit hierzu aber zu kurz sei.

41
StAB Fach Dt. Orden Akten 1728 Fasc.15: 1728.Verhandlungen betr. Verpachtung der
Vogtei Köniz usw.
42
StAB Fach Dt. Orden Akten 1728 Fasc.15: 1728.Verhandlungen betr. Verpachtung der
Vogtei Köniz usw. – 4.5.1720.
43
Dieses Bewässerungsprojekt, bzw. dessen Kosten wird später ein Bestandteil der Streitig-
keiten zwischen Vogt Tillier und dem Orden sein.
44
StAB BVII 367: 7.2.1729 – 3. & 4.4.1730 – Seckelschreiberprotokoll; StAB AII 712:
21.3.1730-1.6.1730 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 126: 106; StAB BVII 293: 1729-1735 –
3. & 4.4.1730.
45
Vgl: StAB Fach Dt. Orden Akten 1728 Fasc.15: 1728.Verhandlungen betr. Verpachtung
der Vogtei Köniz usw. – Pro Memoria 1728.
46
StAB Fach Dt. Orden Akten 1728 Fasc.15: 1728.Verhandlungen betr. Verpachtung der
Vogtei Köniz usw. – Extract 1719-1728.
47
StAB Fach Dt. Orden Akten 1728 Fasc.15: 1728.Verhandlungen betr. Verpachtung der
Vogtei Köniz usw. –Memoriale.

13/38
„Mann“ sollte sich Gedanken machen und eine schriftliche Resolution einbringen.
Bis dahin bleibe alles beim Alten.48
Diese Gedanken machte sich Vogt Tillier und setzte einen Pachtvertrag auf.49
Dieser sollte „auf künftigen Jahr Georgy“ in Kraft treten, musste also noch im De-
zember 1728 geschrieben worden sein. Die Laufdauer sowie die Bezahlung der Pacht
wurden mit Lücken ausgelassen. Freiherr von Reinach scheint nie darauf geantwortet
zu haben.

2.2 Kontaktaufnahme
Am 7. September 1729 berichtete Schultheiss von Erlach zunächst im kleinen,
später auch im grossen Rat, dass der „Herr Baron von Rynach, nahmens des
teutschen Ritterordens, […] die Vogtey Köniz keuflich anerbiete.“50 Noch am selben
Tag wurde er beauftragt, mit dem Landkomtur von Altshausen in Kontakt zu treten
und Verhandlungen über den Kaufpreis zu beginnen. Er sollte einen Kauf auf Ratifi-
cation verabreden und zu gegebener Zeit dem Rat die Antwort des Landkomturs so-
wie seine eigene Meinung mitteilen. Dies geschah dann rund 14 Tage später auch.
Unterdessen waren mehrere Schreiben hin und hergegangen. Wie genau der
Kontakt zwischen Schultheiss von Erlach und Baron von Reinach von Statten ging,
ist aus den Quellen nicht ersichtlich. Klar ist lediglich, dass der Schultheiss die Fe-
derführung einer vom Rat ernannten Kommission hatte - welche aus von Erlach
selbst, dem Deutsch-Seckelmeister und einigen Vennern bestand - und die Schreiben
des Barons in dieselbe einbrachte. Sicher ist, dass der Landkomtur am 16. September
persönlich anwesend war, können wir doch lesen, dass er „ausgetretten“ und später
„wider in die Cammer berufen worden“ sei.51 Zudem wurde er am 21. September zu
einer Mahlzeit eingeladen.52 Zumindest in diesem Zeitraum war der Statthalter der
Ballei Elsass und Burgund also persönlich in Bern zugegen.

Von Erlach legte am 13. September der Kommission einen „Ohnpraeiudicirli-


che[n] Entwurf“ des Barons vor. Es handelte sich dabei um eine Auflistung aller Gü-
ter, der Zehnd- und Zinseinnahmen sowie auch der Ausgaben der Herrschaft Köniz.53
Eigentlich hatte Schultheiss von Erlach einen Kaufpreis erfahren wollen, welchen zu
nennen sich der Baron allerdings ausser Stande sah, da ihm „der [bernische] Landes-
brauch und Würdigung nicht bestens bekant [war].“54 Stattdessen reichte er also die
erwähnte Liste ein. Aus einem Gutachten des Seckelmeisters vom 16. September55
ist zu erfahren, dass die Kommission nun ihrerseits eine Evaluation des Wertes der
Herrschaft Köniz vornahm und ihre Schlussfolgerungen an Baron von Reinach sand-

48
Nebst dem Etât befand sich in der Beilage ein weiteres Schreiben (StAB Fach Dt. Orden
Akten 1728 Fasc.15: 1728.Verhandlungen betr. Verpachtung der Vogtei Köniz usw. – Pro
Memoriale 1728.), in dem verschiedene Verwaltungsangelegenheiten besprochen wurden.
49
StAB Fach Dt. Orden Akten 1728 Fasc.15: 1728.Verhandlungen betr. Verpachtung der
Vogtei Köniz usw. – Projekt. Verpachtung der Vogtei Köniz.
50
StAB BVII 293: 1729-1735 – 7. September 1729; StAB AII 709: 5.7.1729-29.9.1729 –
Ratsmanual der Stadt Bern No. 123: 343; StAB AII 709: 5.7.1729-29.9.1729 – Ratsmanual
der Stadt Bern No. 123: 346.
51
StAB BVII 293: 1729-1735 – 16. September 1729, Befinden und Gutachten.
52
StAB BVII 293: 1729-1735 – 23. September 1729; StAB AII 709: 5.7.1729-29.9.1729 -
Ratsmanual der Stadt Bern No. 123: 561-563.
53
StAB BVII 293: 1729-1735 – 13. September 1729.
54
StAB BVII 293: 1729-1735 – 16. September 1729, Befinden und Gutachten.
55
StAB BVII 293: 1729-1735 – 16. September 1729, Befinden und Gutachten.

14/38
ten (welches Schreiben nicht vorliegt). In seiner Antwort, die am selben Tag datiert
ist, schreibt der Landkomtur, dass durch die Kommission den Wert und die „An-
nehmlichkeit der güetter auf gar ein geringes herunder gesezt“56 habe. Durch die Nä-
he der Güter zur Stadt und die dadurch zum Kauf kostenlos hinzu gewonnene Wert-
steigerung der Stadtberner Güter, könne man bei diesem Geschäft nicht die landesüb-
lichen Preise ansetzen. Der Vergleich mit dem „Summiswaldl. Kauff“ sei in diesem
Falle ebenfalls nicht statthaft. Auch wenn man auf Seiten des deutschen Ordens ge-
glaubt habe, der Ankauf des Hauses Köniz käme dem Kanton Bern so gelegen, dass
er gerne einen grosszügigen Preis bezahlt hätte, werde man auch auf einen tieferen
Preis als den erwarteten eintreten, da man nicht viel Zeit verlieren wolle. Scheinbar
widerwillig setzte der Landkomtur den Preis auf 160 Species Thaler pro (Quadrat-
)Meter und verliess den Besprechungsraum. In seiner Abwesenheit befanden die
Kommissionsmitglieder diesen Betrag als zu hoch, und erklärten dem Baron, nach-
dem sie ihn wieder in den Raum gebeten hatten, dass wenn „er nicht um ein nahm-
hafftes absteigen werde, [es] aus dem Kauf nichts geben“ werde.57 Nach ihrer An-
sicht werfe die Herrschaft nicht soviel ab, und der Stand Bern würde niemals einen
solch hohen Preis bezahlen. Nach mehreren Verhandlungsschritten „hat Herr Land
Commenthur endlich noch 10000. Thlr. Fallen lassen, und die Kauf-Summ auf
130/m Specis Thaler in Lindau, ohne abzug und Zoll zu zahlen, seine resolution zu
seyn eröfnet.“58 Damit sah die Kommission ihre Aufgabe erfüllt, ein tatsächliches
Kaufangebot erhandelt zu haben, nämlich 10'000 Taler zuzüglich 130 pro Quadrat-
meter.
Nach weiteren Beratungen, Berechnungen und Abwägungen fand jedoch die
Mehrheit, dass „der hohe Stand [..] bis in 120/m Species Thaler darfür bezahlen
[könnte].“ 59 Mit diesem Vorschlag und dem Hinweis, dass die Entscheidung nun
beim Rat liege, endete das anschliessend verfasste Gutachten.60
Dieses wurde am 21. September dem grossen Rat vorgestellt.61 Die Ratsmit-
glieder beschlossen an diesem Tag, für die Herrschaft Köniz einen Preis von 100'000
Species Thalern zu bezahlen und beauftragte den Schultheiss, dies dem Baron
mitzuteilen.

2.3 Einigung und Entwurf des Kaufbriefes


Dessen Antwort fiel noch gleichen Tags klar aus: Er werde nicht unter 120'000
Taler gehen können. Selbst diese Summe hätte er nicht genannt, „wenn [Mein
hochgeehrter Herr] Schultheiss ihme nit so sehr zugesprochen“ hätte, teilte von
Erlach dem Rat mit.62 Baron von Reinach bestand also auf der genannten Summe.
Dafür kam der Baron dem Rat soweit entgegen, dass er sämtliche Einnahmen der
Vogtei seit „Georgy“ 63 1729 - nach Abzug der Ausgaben und Pensionen und nach
Angaben der von Vogt Tillier vorgelegten Rechnung - bereits Bern zuschrieb.64 Aus-

56
StAB BVII 293: 1729-1735 – 16. September 1729, „Ohnpreaiudicirliche Antworth“. Leider
liegt nicht das gesamte Schriftstück vor. Gerade die Kaufsumme ist nur aus dem oben ge-
nannten Gutachten rekonstruierbar.
57
StAB BVII 293: 1729-1735 – 16. September 1729, Befinden und Gutachten.
58
StAB BVII 293: 1729-1735 – 16. September 1729, Befinden und Gutachten.
59
StAB BVII 293: 1729-1735 – 16. September 1729, Befinden und Gutachten.
60
Es folgt noch ein Anhang in vier Punkten, welcher über die Besichtigungen der Herrschaft,
der Güter und der Waldungen Auskunft erteilt.
61 StAB AII 709: 5.7.1729-29.9.1729 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 123: 525-527.
62
StAB BVII 293: 1729-1735 – 21. September 1729.
63
Georgi = Georgstag = 23. April.

15/38
der von Vogt Tillier vorgelegten Rechnung - bereits Bern zuschrieb.64 Ausserdem
bedingte sich Bern heraus, dass sämtliche Dokumente, welche der Deutsche Orden
über das Haus Köniz besässe, an den Kanton übergeben werde. 65 Bei einem Stim-
menverhältnis von 110 zu 21 zu Gunsten des Kaufs und 104 zu 26 zu Gunsten eines
Kaufpreises von 120'000 Talern (gegenüber 100'000) einigte sich der grosse Rat
zwei Tage später. An den Schultheiss erging der Auftrag, dies dem Baron mitzuteilen.
Von Erlach erhielt aber auch noch eine zweite Anweisung: Er sollte dem Baron
und Freiherrn von Reinach bei einer Mahlzeit Gesellschaft leisten, wobei er zusätz-
lich einladen durfte, wen immer er wollte.66 Auch die Verpflegung, die der Baron
beim Falken einnahm, sollte ihm vergütet werden.
Vom Kaufangebot bis zur Einigung über dasselbe war nicht einmal ein Monat
vergangen. Der Orden wollte explizit keine Zeit mit den Verhandlungen verlieren.
Dies erklärt, dass der Baron innerhalb nur einer Verhandlungsrunde den Preis von
160 Talern pro Quadratmeter auf 120 Taler senkte. Andererseits scheint auch Bern
sehr viel an dem Kauf gelegen gewesen zu sein, oder sie hatten zumindest die Gunst
der Stunde erkannt. Weshalb hätte der Rat sonst so ohne weiteres das Angebot von
100'000 Talern auf 120'000 erhöhen sollen.
Im selben Tempo ging es weiter. Noch am selben Tag verfasste „ ihr hochwürd.
Herr Frantz Ignatius Anthoni, Freyherr von Rynach zu Ober Steinbrunnen, Statthal-
ter der Balley Elsass und Burgund“ den Rezess, der die Abmachungen offiziell fest-
hielt. Unterschrieben und besiegelt wurde das Schriftstück von ihm selbst und, im
Namen Berns, von Schultheiss von Erlach.67
Der Landkomtur sagte Namens des Deutschen Ordens unter Vorbehalt der
Hoch- und Deutschmeisterlichen Ratifikation zu, „dem hochloblichen Stand Bärn
das Haus Köniz mit allen darvon abhangenden Einkünften, Gebäüen, Güttern, Zinsen
und Zehnden, Rechten und Gerechtigkeiten, wie auch daruf ligenden Beschwärden,
worinn das eint und andere immer bestehen, und wie es Nahmen haben mag, an die
Hand [zu] geben und ab[zu]tretten; Desgleichen alle darzugehörige Urbaria, Docu-
menta und Schriften, sie befindind sich gleich zu Köniz, Altschhausen oder anderswo,
in Treüen [zu] übergeben.“68 Bern wurden also nicht nur alle Rechte der Herrschaft
Köniz abgetreten, sondern auch alle Pflichten und Klagen. Der Deutsche Orden sollte
nichts mehr mit seiner ehemaligen Vogtei zu tun haben.
Im Gegenzug versprach Bern, dem Deutschen Ritterorden die Summe von
120'000 Talern (oder 28'800 alten Species Dublonen), nach Abzug aller Zölle, Abga-
ben oder „sonstigen Auflagen“, nach Lindau zu liefern. Ausserdem sollten hängige
Klagen und Geschäfte übernommen werden, um „also den hochen Orden dessen völ-
lig zu entheben.“69
Bereits am 3. November, also rund zwei Wochen später, datiert die Ratifikation
des Rezesses durch Hoch- und Deutschmeisters Franz Ludwig von Mainz. 70 Sie
wurde aber nicht gleich abgesandt und dem Berner Rat eröffnet sondern erst über
einen Monat später, und zwar als Abschrift.

64
StAB AII 709: 5.7.1729-29.9.1729 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 123: 539-543.
65
StAB BVII 293: 1729-1735 – 23. September 1729; StAB AII 709: 5.7.1729-29.9.1729 -
Ratsmanual der Stadt Bern No. 123: 561-563.
66
StAB BVII 293: 1729-1735 – 23. September 1729; StAB AII 709: 5.7.1729-29.9.1729 -
Ratsmanual der Stadt Bern No. 123: 561-563.
67 StAB Haus Köniz, 23.9.1729 - Kaufsabrede der Stadt Bern um das Deutschordenshaus Köniz.
68
StAB Haus Köniz, 23.9.1729 - Kaufsabrede der Stadt Bern um das Deutschordenshaus
Köniz.
69
StAB Haus Köniz, 23.9.1729 - Kaufsabrede der Stadt Bern um das Deutschordenshaus
Köniz.
70 StAB Haus Köniz, 3.11.1729 – Ratifikation des Erzbischofs von Mainz.

16/38
Am 10. November informierte Baron von Reinach Schultheiss von Erlach, dass
der Rezess ratifiziert sei.71 Da er unterwegs und nicht in Altshausen, sondern in Mer-
gentheim war, hatte er diese aber auch noch nicht zu Gesicht bekommen. Trotzdem
wollte er von Erlach informieren und ihm zum Kauf gratulieren. Ausserdem versi-
cherte er, dass er wirklich ehrliche Absichten habe. Als Zeichen dessen verzichtete er
auf eine Vorauszahlung, das so genannte Schlüsselgeld. Er versicherte ihm zudem,
dass er sich, sobald er in Altshausen eingetroffen sei, sofort wieder um das Geschäft
kümmere.
Zwei Wochen später, am 23. November, informierte Freiherr von Reinach, nun
wohl endlich in Altshausen eingetroffen, den Hoch- und Deutschmeister darüber,
dass er die Kopie der Ratification erhalten habe.72 Er fragte nach, wann er diese an
Bern weitersenden dürfe, und erinnerte daran, dass dies doch möglichst bald gesche-
hen müsste, damit ein Kaufbrief aufgesetzt, die Schriften des Hauses Köniz sowie,
von Seiten Berns aus, das Geld bereitgemacht werden könne.

Mitte Dezember erhielt ein gewisser Commenthur Landtenberg eine Eilbot-


schaft seines Vorgesetzten - vermutlich des Barons von Reinach -, den Mitgesandten
Brief „per expressum“ weiter zu senden.73
Dabei kann es sich eigentlich nur um die Kopie der Ratifikation gehandelt ha-
ben, denn in einem Vortrag vom 19. Dezember74 berichtete der Berner Seckelmeister,
Schultheiss von Erlach habe am Vortag „durch Expressen von Herrn Lands Com-
menthür von Reinach, die Copeyliche Ratification umb den Kauff der Herrschaft
Könitz“ erhalten und der Kommission vorgelegt. Sie hätten die Ratification als gut
befunden, und wollten daran erinnern, dass nun die Kaufsumme bereitgemacht wer-
den könne.
Die Information des Rates erfolgte nur wenige Tage später, am 22.Dezember,
und leitete, nachdem Köniz zwei Monate lang kein Thema war, eine Zeit der intensi-
ven Beschäftigung der Ratsherren mit dem Kauf ein.75

Nebst der Information über die Ratifikation scheinen Schultheiss und Deutsch-
Seckelmeister an diesem Tag auch einen ersten Entwurf des Kaufbries kommuniziert
zu haben. Der Rat genehmigte ihn sogleich, wenn er auch noch einige wenige Ände-
rungen wünschte. So sollte festgeschrieben werden, dass von Seiten des Deutschen
Ordens bereits vor Bezahlung der Kaufsumme ein Inventar des „Hauses Könitz
sambt daharigen Dependenzen, wie auch aller dessen Documenta, Urbarien und
Schriften“ einzureichen. Zudem sollten sämtliche Schriften, die in Lindau gefunden
wurden bei Bezahlung im Original übergeben werden. Ausserdem sollte noch der
genaue Übergabeort, der Rat schlug Schaffhausen vor, mit dem Baron verabredet
werden, und das Geld sollte bereitgemacht werden.76
Salzdirektor Tillier, dessen Sohn der Vogt von Köniz war, wurde gebeten, so
bald als möglich ein Inventar besagter Gegenstände des Hauses Köniz zu verfassen,
damit alles vollständig eingefordert werden könne. Ausserdem wurde er gebeten, „zu
seiner Zeit“ auch die Schlussabrechnung abzufassen. Beides sollte er an den Schult-
heissen übergeben.77

71
StAB BVII 293: 1729-1735 – 10.11.1729.
72
StAB BVII 293: 1729-1735 – 23.11.1729. Leider nur in Fragmenten vorhanden.
73
StAB BVII 293: 1729-1735 – 17.12.1729.
74
StAB BVII 293: 1729-1735 – 19.12.1729.
75 StAB AII 710: 3.10.1729-11.1.1730 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 124.
76
StAB AII 710: 3.10.1729-11.1.1730 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 124: 364ff
77
StAB AII 710: 3.10.1729-11.1.1730 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 124: 366f.

17/38
Gerade mal zwei Tage nach der Ratsdebatte sandte Schultheiss von Erlach den
von ihm Aufgesetzten Kaufbrief78 zusammen mit einem Begleitschreiben79 an Frei-
herr von Reinach. In letzterem informierte er den Baron über die Ereignisse im Rat
und dessen Anliegen und bat ihn, selbst oder durch einen Vertreter, das von Tillier
verfasste Inventar des Hauses Köniz zu begutachten und zu übergeben. Sobald dies
geschehen sei, könne der Versand des Geldes vorbereitet werden. Ausserdem teilte er
ihm mit, dass der Rat bei der Bezahlung die Übergabe der Original-Ratifikation und
des –Kaufbriefs sowie aller zuvor inventarisierter Schriften, Urkunden und derglei-
chen erwarte. Gemäss seinem Auftrag ersuchte er den Landkomtur, den Kauf in
Schaffhausen und nicht in Altshausen durchführen zu können, da ersteres viel besser
gelegen sei.80
Der Kaufbrief selbst enthielt die bereits im Rezess vom 23. September erwähn-
ten Bedingungen, allerdings wurden sie nun viel detaillierter aufgeführt: Der Statt-
halter der Ballei Elsass-Burgund verkaufte die ihm anvertraute Kommende Köniz,
„es seye an Schloss und zugehörigen Gebäüen, an Pfenningen und Getreyd, Heüw,
Getreyd- Jung- Hanffzeenden, Mühlizinsen, Ackerum, Ehrtagwann, Matten, Ackeren,
Weiden, Widerzügigen und erkaufften Güteren, Gärten, Waldungen. Item, das Jus
patronatus Auf deren angehörigen Sechs Pfarreyen und was von diesen dependiert;
zu Summa alles was [er] zu gedachtem Könitz und unter selbigen Hauses Nahmen
Ordens wegen besessen und genossen habe, mit allen deren Nutzbarkeiten und Emo-
lumenten hingegen, auf gehabten Beschwärden Wie die alten Gebrauch nach vermog
Urbarien und Rechnungen zu Zeiten und Fählen abzuführen gewesen, darbey gar
nichts ausgenommen noch vorbehalten, […] getreüe und ohnhinterhaltene ausherge-
bung aller Urbarien, Documenten und Schrifften so darzu dienen und gehören, […]
des Hauses Könitz Einkünften seit Georgü dis Ein Tausend Sibenhundert Neun und
Zwanzigsten Jahrs, was Namlichen an Zinsen, Zeenden und anderen Gefällen nach
Abzug der Pensionen und Ordinarj Ausgaben, Kraft jetzigen Herrn Vogts ablegender
Rechnung überbleiben wird, […] und auch künftighin alle daharige Gefälle und Nut-
zungen, was Nahmens sie immer seyen“81
Über den Stand Bern stand, er habe 120'000 Taler à 30 Bernbatzen, was der
Summe von 28'800 alten Species Dublonen à 125 Bernbatzen entsprach, bezahlt, und
Freiherr von Reinach habe den „Kaufschilling […] ohne einichen Abschlag noch
Enthaltung zu völligem Vermögen bis auf den letsten Pfenning empfangen.“82
Mit diesem Entwurf waren sich die beiden Handelspartner also definitiv einig,
nur 15 Wochen nach der ersten Kontaktaufnahme bezüglich des Verkaufs der Kom-
mende.

2.4 Streitigkeiten
So einfach wie es schien sollte es aber doch nicht werden.
Bereits am 23. September liess Salzdirektor Tillier dem grossen Rat vortragen,
wie viel Geld und Mühe er einst beim Deutschen Orden investieren musste, um die
Verwaltung der Vogtei Köniz zugesprochen zu bekommen. Seit dieser Zeit habe er
versucht, seiner Familie diesen Besitz zu sichern, wobei er vom Orden immer wieder
vertröstet worden sei. Dabei habe dieser in keiner Weise erkennen lassen, dass er die

78
StAB BVII 293: 1729-1735 – 24.12.1729, Kaufbriefaufsatz.
79
StAB BVII 293: 1729-1735 – 24.12.1729, Schreiben an Herrn Freiherr von Reinach.
80
StAB BVII 293: 1729-1735 – 24.12.1729, Schreiben an Herrn Freiherr von Reinach.
81
StAB BVII 293: 1729-1735 – 24.12.1729, Kaufbriefaufsatz.
82
StAB BVII 293: 1729-1735 – 24.12.1729, Kaufbriefaufsatz.

18/38
Vogtei verkaufen wolle. Das sei ihm erst klar geworden, als der Landskommentur
Baron von Reinach nach Köniz gereist sei, um die Kommende dem Kanton Bern
zum Kauf anzubieten. Deshalb ersuche er in gehorsamem Respekt, „weilen er undt
die lieben seinigen vermittelst dises Verkauffs dannenhärigen Genooses verlürstig
worden, ihme […] seines dannenharigen Verlursts gnädigst zu ersetzen.“83 Er bat den
Rat darum, sein Anliegen und seine Vorstellungen diesbezüglich in Form eines Gut-
achtens anzuhören. Ausserdem hätte er in der Zeit, in der seiner Familie die Verwal-
tung der Herrschaft Köniz oblag, „allerhandt annotationen wegen dises Hauses Ein-
künften gemacht“, welche er zusammen mit den Schriften und Dokumenten der
Herrschaft einreichen könne. Beides wolle er tun, sobald die Ratifikation eingetrof-
fen sei.
Nachdem die Ratifikation eingetroffen und beraten worden war, trug der
Deutsch-Seckelmeister sein Gutachten bezüglich der Entschädigung der Familie Til-
lier vor.84 Dabei wurden, wie es scheint, zwei Vorschläge unterbreitet: Man entschä-
digte die Familie Tillier, indem ihr die Verwaltung der Herrschaft Köniz für einige
weitere Jahre übertragen wurde, oder man entschädigte sie mit Geld. Bevor die Rats-
herren aber über die Art der Entschädigung befanden, wurde zunächst darüber abge-
stimmt, ob eine solche der Familie überhaupt zugestanden werden sollte. Diese Frage
wurde mit 119 zu 38 Stimmen klar zu Gunsten der Tilliers entschieden. Zur Art der
Abfindung wurde weniger deutlich votiert. Hier stimmten 91 Ratsherren für die
Übertragung der Verwaltung auf einige Jahre, 64 für eine finanzielle Kompensation.
Nach weiteren Beratungen wurde entschieden, „dass [Mein hoher Herr] Saltzdirector
Tillier und sein Sohn folgender massen bedenket werden sollind, namblich:
Das ihnen als eine gnädige Entschädnuss gebühren solle das völlige einkom-
men pro Anno 1729 so [Meinen gnädigen Herren] mit und neben dem Ambt Könitz
erkaufft und was nach abzug der pensionen und ausgaben übrig bleiben wirt: Dannen
das völlige einkommen von Annis 1730 und 1731 worgegen aber [Mein hoher Herr]
Saltzdirector Tillier und sein Sohn auf die Ordinarjpensionen, ausgaben und
beschwärden neben den nohkomdigen geringen reparationscösten sowohl im Schloss
als Pfrundheüsern bis uff St: Galli85 1732 zu ertragen, und also die herbstfrondinsten
jetsgedeübhen[?] Jahres also die letste Ausrichten sollen, das Amt uff Ostrenen 1732
besetzt, und der neüwe Ambtsman uff St: Galli besitz nemmen solle; also jedemnach
und in verstand, dass [Mein hoher Herr] Saltzdirector und sein Sohn in Anno 1732
auf den Daominialgüeteren wachsende für sich behalten sollen, aussert dem heüw,
embd und einsamblenden stroh, als wobher alles erben des zu Herbst gewohntem
gebrauch nach ansäyendes undt bedüngenden Ackren, sambt dem auw, so übrig blei-
ben möchte, ihren nachfahren ohne entgelt und ambtskauf lediglich überlassen, wie
nicht weniger von denen in Anno 1732 eingehenden Zinsen und Zehnden nichts zu
beziehen, sondern ihrem Nachfahr zu überlassen haben sollen, dessen sie [Meinen
hohen Herren] zu ihrem verhalt nachrichtlich verständiget werden.“ 86 Ausserdem
mussten während dieser Zeitspanne die Waldungen gut besorgt und das bereits ge-
fällte Holz gut gelagert werden. Auch andere Verpflichtungen des Vogts wurden im
Rat noch aufgeworfen, worüber man aber an diesem Tag nicht auch noch befinden
wollte und dies Vertagte.

83
StAB AII 709: 5.7.1729-29.9.1729 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 123: 560.
84
StAB AII 710: 3.10.1729-11.1.1730 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 124: 370ff.
85
laut Heiligenlexikon der 16. Oktober.
86
StAB AII 710: 3.10.1729-11.1.1730 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 124: 371f.

19/38
In einem Schreiben vom 5. Januar 173087 äusserte Baron von Reinach gegen-
über dem Hoch- und Deutschmeister den Verdacht, dass Vogt Tillier intrigieren und
dadurch den Verkauf der Kommende verzögern könnte. So hätte er ihm die letzte
Rechnung noch immer nicht eingesandt. Beiliegend sandte er die Kopie eines Be-
fehls an Tillier,88 die Rechnung genau und pflichtmässig zu beenden. Darin ermahnte
er den Vogt, er stehe noch immer in den Pflichten des Ordens, bis er aus denselben
entlassen werde. Und dies geschehe erst, wenn die Rechnung sowie die Dokumente
und Schriften dem Kanton Bern übergeben worden seien. Gegenüber dem Deutsch-
meister versicherte der Baron, er wolle mit Tillier zu einem raschen Ende kommen.
Sollte dieser aber in anderen Dingen eine berechtigte Forderung stellen, würde er
ihm die Verzögerung mit gleicher Münze heimzahlen.
Mehr als einen Monat später, nämlich am 16. Februar, erging eine Vollmacht
des Landkomturs an Obervogt Siegmüller,89 an seiner statt nach Köniz zu reisen und
sämtliche Dokumente und Schriften, welche im Haus Köniz lagerten, an Bern auszu-
händigen. Zusätzlich sollte er den Vogt und sämtliche Untertanen aus den Pflichten
des Ordens entlassen und mit Tillier alle Unklarheiten aus der Welt schaffen. Dazu
erteilte er ihm sämtliche Kompetenzen.
Die Antwort des könizer Vogts folgte am 9. März.90 Er werde die Dokumente
und alles andere ausliefern sobald der Kaufbrief eingetroffen sei. Eine Kopie der
Ratifikation des Hoch- und Deutschmeisters sei zwar vorhanden, aber alles solle so
wie beim Kauf der Herrschaft Sumiswald geschehen. „Solcher Concern werden parat
seyn und mit bezahlung der Kaufsumma auch originaliter usgeliferet werden.“

Schliesslich wurde der (kleine) Berner Rat in den Zwist involviert. Am 22. De-
zember des Vorjahres hatte der Rat gefordert, dass die Dokumente, welche sich im
Haus Könitz befanden vom Landkomtur oder einem Stellvertreter desselben vor Be-
zahlung der Kaufsumme an den Kanton Bern übergeben werden sollten. Zu diesem
Zweck war Obervogt Siegmüller angereist. Dieser konnte nun aber seinen Auftrag
nicht ausführen, da Salzdirektor Tillier und sein Sohn nicht zur Herausgabe der Do-
kumente und der Schlussrechnung bereit waren. Unter diesen Umständen war der
Handel blockiert. Am 20. März wurde der Fall im kleinen Rat behandelt.91 Salzdirek-
tor Tillier, selbst Mitglied dieses Rates, brachte seinen Standpunkt vor, wonach sich
Obervogt Siegmüller allerdings nicht im Stande sah, darauf zu antworten, da er das
Aufgebot des Rates erst am Abend des Vortags erhalten hatte und sich nicht vorbe-
reiten konnte. Stattdessen ersuchte er um einen weiteren Termin, welcher ihm ge-
währt wurde. Das Gschäft sollte am kommenden Mittwoch erneut behandelt werden.
Dem Deutsch-Seckelmeister wurde es anheimgestellt, in dieser Sache Massnahmen
zu ergreifen.92
Als an diesem Mittwoch, dem 22. März, Oberamtmann Siegmüller seinen Ge-
genbericht eingereicht hatte, verlangte Salzdirektor Tillier, dass er eine Abschrift des
Berichts bekomme, worin der (kleine) Rat einwilligte.93 Das Geschäft wurde somit
wieder nicht verhandelt.

87
StAB BVII 293: 1729-1735 – 5.1.1730, „Hochwohlgebohrner, hochgeehrter Herr“; StAB
BVII 293: 1729-1735 – 5.1.1730, „Bey Beschluss“.
88
StAB BVII 293: 1729-1735 – 5.1.1730, Copia Concepts.
89
StAB Haus Köniz, 16.2.1730 – Gewalt für Obervogt Siegmüller.
90
StAB BVII 293: 1729-1735 – 9.3.1730.
91
StAB AII 711: 12.1.1730-20.3.1730 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 125: 513f.
92
StAB BVII 293: 1729-1735 – 20.3.1730.
93
StAB AII 712: 21.3.1730-1.6.1730 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 126: 11f.

20/38
Der nächste Versuch wurde am Montag darauf, dem 27. März, unternommen.94
Da allerdings nur Salzdirektor Tillier anwesend war, konnte wieder nicht verhandelt
werden. Der Salzdirektor erhielt den Auftrag, Obervogt Siegmüller wissen zu lassen,
wann dieser anwesend sein solle.
Am Dienstag kam endlich Bewegung in die Sache, wenn auch nur wenig.95
Beide Streitparteien waren anwesend, und der Rat beschloss: Wenn sich die Parteien
bis am Mittwoch nicht einigen könnten, würde man sie nochmals anhören, die Sache
untersuchen und dann handeln. Gleichzeitig wurde die beim Kauf eingesetzte Kom-
mission unter der Leitung von Schultheiss von Erlach beauftragt, allenfalls am Don-
nerstag die Streitparteien zu verhören und in der Sache zu entscheiden. Damit sie
sich bereits vorbereiten konnten, wurden allen Mitgliedern die bisher eingereichten
Schriften zugestellt.96
Das Verhör scheint stattgefunden zu haben, denn am Donnerstag, 30. März
brachte der Schultheiss die Angelegenheit vor den grossen Rat.97 Zunächst führte er
die beiden gegensätzlichen Positionen aus: Obervogt Siegmüller verlangte, dass dem
Vogt Tillier sämtliche geforderten, bzw. geschuldeten Dokumente abgenommen
würden, wozu die Ratsbeschlüsse vom 12. Dezember und vom 17. März die nötige
Grundlage lieferten. Salzdirektor Tillier und sein Sohn dagegen weigerten sich, die
Dokumente auszuhändigen, „eher und bevor seine abrechnung und anforderung an
den hochen teütschen Orden liquidiert, und in Richtigkeit gebracht seyn werde.“98
Nachdem die beiden Streithähne auch noch persönlich zu Wort gekommen waren
und der Rat die Sache diskutiert hatte, erging folgender Beschluss: „das Salzdirector
Tillier und Vogt von Köniz die samtlichendas Haus Köniz ansehende Documenta,
Urbaria und Schriften von nun an extradieren solle, damit selbige [Meinen gnädigen
Herren] in conformitet der hochoberkeitl: erkantnuss vom 22. Dec: letsthin überge-
ben und zugestellt werden könnind. Anlangend aber die streitige Abrechnung, deren
Liquidation [Meine Herren] Salzdirector und Vogt verlangen, so habend [Meine
gnädigen Herren] und [Oberen Rät] und [Burger] sie [Meinen hochgeehrten] und
[gnädigen Herrn] verordnen wollen, mit fründlichen Ansinnen, nach erfolgter Über-
gaab der Documenten des Hauses Köniz beydseytige Ehrenparteyen hierüber mit
beförderung anzuhören, und trachten […] einen fründlich Vergleich zu vermitlen,
gehet solches an, wohl und guth, sonsten ihre erkantnus darüber auszufellen, und den
partheyen zu eröfnen.“99 Sollte eine Einigung nicht gelingen, müssten beide wieder
vor dem Rat erscheinen. Der würde in diesem Fall Schultheiss und Deutsch-
Seckelmeister anhören, welche die ganzen Verhandlungen begleiten sollten. Als Ul-
timatum wurde der 5. April genannt.100
An diesem 5. April berichtete also Deutsch-Seckelmeister Steiger über die
Fortschritte der Einigung. 101 Über die Dokumente, Urbarien und Schriften waren
bereits vor dem Streit durch Salzdirektor und Vogt Tillier Inventare angelegt worden,
zum Teil schon vor mehreren Jahren. Nun wurden diese mitsamt den Originalen von
Obervogt Siegmüller an den Kanton Bern übergeben, bzw. an den neuen Verwalter

94
StAB AII 712: 21.3.1730-1.6.1730 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 126: 40.
95
StAB AII 712: 21.3.1730-1.6.1730 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 126: 52.
96
StAB AII 712: 21.3.1730-1.6.1730 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 126: 52f.
97
StAB AII 712: 21.3.1730-1.6.1730 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 126: 72-75; StAB BVII
293: 1729-1735 – 30.3.1730.
98
StAB AII 712: 21.3.1730-1.6.1730 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 126: 73.
99
StAB AII 712: 21.3.1730-1.6.1730 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 126: 74f.
100
StAB AII 712: 21.3.1730-1.6.1730 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 126: 75.
18
StAB BVII 367: 7.2.1729 – 3. & 4.4.1730 – Seckelschreiberprotokoll; StAB AII 712:
21.3.1730-1.6.1730 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 126: 106; StAB BVII 293: 1729-1735 –
3. & 4.4.1730.

21/38
der Herrschaft Köniz – Vogt Tillier. Der zweite Streitpunkt, die ausstehende Rech-
nung,102 war schwieriger zu lösen. Zwei Nachmittage lang verhandelte Steiger mit
Vogt und Obervogt sowie deren Anwälten. Doch nur in einem Punkt der Rechnung
war eine Einigung zu Stande gekommen. Weitere vier Punkte waren ungelöst geblie-
ben.
1. Tilliers wollten nicht auf ihre Pensionen und Benefizien, welche schon ihre
Vorfahren erhalten hatten und die offenbar in einem Brief garantiert worden
waren, verzichten. Da der Brief nichts über die Art dieser Entrichtungen
aussage, könne auch nicht daraus geschlossen werden, dass die Ansprüche
nach einem Verkauf weiter bestünden, lautete ein Argument. Eine anderes
besagte, dass dieser „Bestallungsbrief“ nicht ohne Grund und zudem an ei-
nen Burger ausgestellt worden sei, was den Anspruch legitimiere.
2. Bei Einführung einer Wässerung der Vogtei im Jahr 1725103 habe die Fami-
lie Tillier nur die Hälfte der Kosten vom Orden zurückerstattet bekommen
und könne nun Anspruch auf die weite Hälfe erheben. Die Gegenseite ar-
gumentierte, dass der Orden grosszügigerweise die Hälfte erstattet habe,
obwohl die Wässerung ohne Erlaubnis eingerichtet worden sei.
3. Die Rechnung enthielt einen Artikel, in dem der Vogt einen Betrag für die
Wertsteigerung der Güter durch seine Arbeit, sowie für seine Treue dem
Orden gegenüber eingesetzt hatte. Darüber konnte Obervogt Siegüller we-
gen fehlender Kompetenzen nicht verhandeln.
4. Als letzte streitbare Forderung hatte Tillier die Kosten, die seine Familie für
Reisen und Diskretionen, welche sie für den Verbleib der Vogteiverwaltung
in seiner Familie ausgegeben hatte, angeführt und zurückverlangt. Auch
über diesen Punkt konnte der Obervogt nicht verhandeln, meinte aber, sol-
che Angelegenheiten gehörten nicht in diese Rechnung. Die könnten direkt
mit dem Orden verhandelt werden und hätten mit dem Verkauf an Bern gar
nichts zu tun.

Über sämtliche Streitigkeiten musste der Rat nun befinden, was er auch Punkt
für Punkt tat:
Dass die Dokumente, Schriften, und Urbarien im Prinzip von Vogt Tillier an
sich selbst übergeben worden waren, liessen die Ratsherren zwar auf sich beruhen,
sie verordneten aber, dass die zugehörigen Inventare an die Staatskanzlei übergeben
und dort gelagert werden mussten.104

102
Bei dieser Rechnung handelte es sich um diejenige von 1729. Die Netto-Einnahmen,
welche ab dem 23. April erzielt worden waren, sollten gemäss Kaufrezess bereits an den
Kanton Bern gehen. Es ist anzunehmen, dass Vogt Tillier die Rechnung des ganzen Jahres
an den Orden einreichte, welcher die offenen Beträge beglich und die restlichen Einnahmen
(seit 23.4.) an Bern auszahlte. Stellte Tillier mehr Beträge in Rechnung, kam es sowohl den
Orden als auch den Kanton teurer. Ausserdem sollten keine Forderungen, welche das (Ar-
beits-)Verhältnis des Vogtes und des Ordens betrafen, in dieser Rechnung aufgeführt sein,
sofern sie nicht direkt mit der Verwaltung in Zusammenhang standen. Leider befindet sich
die Rechnung nicht im Quellenkorpus, weshalb die hier angefügten Aussagen nicht verifiziert
werden konnten.
103
Vgl. Kapitel 2.1.
104
StAB AII 712: 21.3.1730-1.6.1730 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 126: 106.

22/38
Die Einigung im einen Punkt der Rechnung änderten sie dahingehend ab, dass
der Orden dem Vogt noch mehr Kosten zurückerstatten musste.
Zu obigen ungelösten Punkten ergingen folgende Beschlüsse:105
0. Obervogt Siegmüller machte den Vorschlag, die Familie Tillier mit dem
einmaligen Geldbetrag von 140 Dublonen (oder 2333 Taler) zu entschädi-
gen, was vom Rat angenommen wurde.
1. Da im Brief keine Regelung vorhanden war, wurde der Betrag aus der
Rechnung entfernt.
2. Da Salzdirektor Tillier sich 1725 mit dem bezahlten Betrag abgefunden hät-
te, könne er jetzt nicht mehr fordern.
3. Von Rechtswegen gäbe es keinen Grund, einen solchen Betrag zu fordern,
weshalb er aus der Rechnung entfernt werden müsse. Vogt Tillier sei es
freigestellt den Betrag direkt dem Deutschen Orden zu verrechnen.
4. Auch diese Forderung wurde verworfen.

Damit waren sämtliche Streitigkeiten geregelt und dem Handel stand endlich
nichts mehr im Weg.

2.5 Der Kauf


Bereits in seinem Schreiben vom 5. Januar 1730106 meldete Baron von Reinach
an seinen Vorgesetzten, Erzbischof von Mainz, dass Bern die Ratifikation als „wohl-
eingericht“ befunden und ihm einen Entwurf des Kaufbriefs zur Besiegelung und
Unterschrift zugesandt hatte. Obwohl er selbst anderer Geschäfte wegen zur Zeit
unterwegs sei, wolle er dafür sorgen, dass der Verkauf des Hauses Köniz voran-
komme. Er werde Aufträge an seine Beamten erteilen, so dass keine allzu grosse
Verzögerungen zu erwarten seien. Er selbst hoffte, auf seiner Reise in der Lage zu
sein „ewer Excell: [seine] aufwarthung machen, und über onsre sachen mündtlich
besterchen zue können.“ 107 Er glaubte, dass der Verkauf trotz seiner anderen Ge-
schäfte rasch zum Abschluss kommen könnte.
Die Ermächtigung an Obervogt Siegmüller, welcher ja nach Köniz reisen und
die sich vor Ort befindenden Dokumente übergeben sollte, datiert allerdings erst
mehr als einen Monat später, nämlich am 16. Februar. Und erst noch einmal einen
Monat später Beginnen die Diskussionen zwischen Vogt Tillier und Obervogt Sieg-
müller. So rasch wie im Dezember des Vorjahres kam das Geschäft also nicht voran.

Nachdem der grosse Rat am 5. April die Streitigkeiten entschieden hatte, ging
einen Tag darauf ein Schrieben des Deutschen Ordens ein, 108 dass noch mehrere
Rechte und Gerechtigkeiten, die zum Haus Köniz gehörten, „entdeckt“ worden seien
und man diese, wie im Entwurf des Kaufbriefs vorgesehen, an Bern übertragen woll-
te. Auch wenn nach Abschluss des Handels noch weitere auftauchten, würde man sie
übertragen. Allerdings wollte der Orden explizit festgehalten haben, dass er in kei-

105
StAB AII 712: 21.3.1730-1.6.1730 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 126: 106-110. Die
Punkte im Ratsmanual entsprechen nicht den Punkten in den anderen beiden Quellen
(Fussnote 18). Ich habe die Zählung der beiden ersten Dokumente beibehalten und beim
Manual einen Punk 0 eingesetzt.
106
StAB BVII 293: 1729-1735 – 5.1.1730, „Hochwohlgebohrner, hochgeehrter Herr“; StAB
BVII 293: 1729-1735 – 5.1.1730, „Bey Beschluss“.
107
StAB BVII 293: 1729-1735 – 5.1.1730, „Hochwohlgebohrner, hochgeehrter Herr“.
108
StAB BVII 293: 1729-1735 – 6.4.1730.

23/38
nem dieser nachträglich entdeckten Rechte noch in die Pflicht genommen werden
könnte. Vielmehr würden auch diese mit der Bezahlung der Kaufsumme in den Be-
sitz des Kantons übergehen, wenn auch noch „unentdeckt.“ Der Orden wollte nichts
mehr mit seiner ehemaligen Vogtei zu tun haben müssen.
Am 21. April erteilte der grosse Rat Deutsch-Seckelmeister Steiger den Auftrag,
die Summe aus dem Schatzgewölbe zu erheben, so dass der Kauf getätigt werden
könne. 109 Eine Woche später wurde der Deutsche Orden darüber informiert, dass
Vogt Tillier gemäss dem Rats-Entschluss vom 5. April die Verwaltung der Vogtei
Köniz übernehmen werde.110 Am 22. Mai konnte schliesslich im kleinen Rat berich-
tet werden, Landskommentur von Reinach habe diese Angelegenheit zur Kenntnis
genommen. 111 Damit scheinen die Streitigkeiten zwischen dem Hohen Deutschen
Ritterorden und der Familie Tillier endgültig aus der Welt geschafft gewesen zu sein.
Unterdessen hatte der Deutsch-Seckelmeister am 9. Mai vor dem kleinen Rat
Bedenken geäussert, die Verwaltung der Herrschaft Köniz an den „jungen Tillier“ zu
übertragen. Dieser würde zwar das Amt schon bestehen, Steiger hielt ihn aber nicht
für die „adequat[e]“ Wahl. Aus diesem Grund beauftragte ihn der Rat, den Eid, wel-
chen der Verwalter zu leisten hatte, zu formulieren.112

Nachdem die Delegierten von der Reise nach Altshausen zurückgekehrt waren,
berichteten sie am 31. Mai dem grossen Rat, wie alles von Statten gegangen war.113
Deutsch-Seckelschreiber Freudenreich erzählte, welche Gratifikationen sie von Sei-
ten des Deutschen Ordens als Diskretionen erhalten hatten. „Namblichen
1. habe melter Ordre [Meinem hochgeehrten Herrn Schultheiss] von Erlach
ein Pferdt sambt gantzer harnachure zusambt roht scharlachenen, mit gold
brodierten und goldenen franches besetzten pistoletsäcken und housse, zu-
sichern lassen; dagegen aber Ihr [gnädiger Herr Schultheiss] von Erlach aus
genugsammen habenden gründen demjenigen bedienten, so solches ihme
überbracht 32 louisdor zustellen lassen.
2. So habe Sekelschriber alhero nahmens bemelten ordres überbracht an
[Meinen gnädigen Herrn Venner] von Mühlenen ein paquet von fünfzig
louisdor.
3. An [Meinen gnädigen Herrn Venner] Willading ein paquet von fünfzig
louisdor.
4. An [Meinen gnädigen Herrn Venner] von Werth ein paquet von fünfzig
louisdor.
5. Ihme Sekelschriber, habe man entrichtet Sechszig louisdor.
6. Für Buchhalter Rychner 30 louisdor.
7. Herrn Cassier Kilchberger 16 louisdor.
Denen bedienten so [Herr] Freüdenrych bey sich gehabt, habe man auch
etwas geringes zukommen lassen.“114

Die Frage, ob die Delegierten diese Zuwendungen behalten dürften oder nicht,
wurde zu Gunsten der Reisenden entschieden. Sie durften sämtliche Geschenke als
ihr Eigen betrachten.
109
StAB AII 712: 21.3.1730-1.6.1730 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 126: 191.
110
StAB AII 712: 21.3.1730-1.6.1730 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 126: 289.
111
StAB AII 712: 21.3.1730-1.6.1730 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 126: 421f.
112
StAB AII 712: 21.3.1730-1.6.1730 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 126: 346; StAB AII
713: 3.6.1730-7.8.1730 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 127: 19.
113
StAB AII 712: 21.3.1730-1.6.1730 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 126: 497f.
114
StAB AII 712: 21.3.1730-1.6.1730 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 126: 498; in Auszü-
gen auch in: SSRQ Bern, Stadtrechte: 765.

24/38
Selbstverständlich brachten die Delegierten nicht nur Gratifikationen nach
Hause zurück, sondern auch den Kaufbrief um die Herrschaft Köniz, datiert vom 11.
Mai 1730, unterschrieben und besiegelt von Landkomtur Franz Ignatius Anthoni von
Reinach.115 Der Verkauf sei „Um dess hohen Ordens besseren Nutzens Willen“ ge-
schehen. Verkauft wurde die Kommende Köniz, „bey und in der Souverainitaet von
Bern gelegen, es seye an Schloss und zugehörigen Gebäüen, an Jurisdictionen, Rech-
ten und Gerechtigkeiten, ewigen Grund-, Bboden-, und Jahrzeitzinsen an Pfenningen
und Getreyd, Heüw, Getreyd-, Junge-, Hanffzeenden, Mühljzinsen, Ackerum, Ehr-
tagwann, Matten, Ackeren, widerzügigen und erkaufften Güteren, Gärten, Waldun-
gen etc, item das Jus Patronatus, in summa alles was [Landkomtur von Reinach] zu
gedachtem Könitz und unter selbigen Hauses Nahmen, Ordens wegen besessen und
genossen [hat], mit allen deren Nutzbarkeiten und Emolumenten, hingegen auch ge-
habten Beschwärden, wie die altem Gebrauch nach vermog Urbarien und Rechnun-
gen zu Zeiten und Fählen abzuführen gewesen, darbey gar nichts ausgenommen noch
vorbehalten.“ Dafür bezahlte der Stand Bern 120'000 Taler zu je 30 Bernbatzen, was,
wie bereits erwähnt, 28'800 Dublonen zu je 125 Bernbatzen entsprach. Dazu erhielt
Bern noch sämtliche „Urbarien, Documenten und Schrifften, so darzu dienen und
gehören, sonderlich aber […] gegenwärtigen Kauff-Brieff[..] und zugehörigen
Ratificationen“ aber auch noch „des Hauses Könitz einkünfften seit Georgii des
[Jahres 1729] was namlichen an Zinsen, Zeenden und anderen Gefällen nach Abzug
der Pensionen und Ordinarj Ausgaben, Kraft jetzigen Herren Vogts ablegender
Rechnung überbleiben wird.“ Dem folgt das Versprechen, „fahls heüt oder morgen
mehrere als die überlieferte Rechte und Gerechtigkeiten entdeckt und zu Hand
gebracht werden möchten, dass selbige gleichfahls dem loblichen Stand Bern
zudienen und zu dem End zugestelt werden sollen.“ 116 Damit war die Herrschaft
Köniz in den Besitz des Standes und der Stadt Bern übergegangen.
Und als der „junge Tillier“ am 3. Juni seinen Eid als neuer Vogt leistete, hatte
auch die Familie Tillier ihr Ziel erreicht. Sie blieb, vorerst, im Besitz der Herrschaft
Köniz.

3. Erkenntnisse und Schlussfolgerungen


3.1 Der Stand Bern und der Deutsche Orden
Seit 1552 war das Verhältnis zwischen dem Stand Bern und dem Hohen Deut-
sche Ritterorden geregelt. Der Orden machte nicht von seinem Recht gebrauch, nach
einigen Jahren einen Vogt zu ernennen, der nicht Berner war. Das ist einerseits damit
zu erklären, dass man keinen erneuten Zwist heraufbeschwören wollte. Andererseits
dürfte auch eine Rolle gespielt haben, dass Köniz eine kleine, abgelegene und wirt-
schaftlich eher unbedeutende Kommende, bzw. Schaffnerei unter weltlicher Verwal-
tung war. Eine Verwaltung unter einem Bruder des katholischen Ordens hätte im
reformierten Bern wohl auch absolut keinen Sinn gemacht.
Auch Bern hatte sich offenbar mit dem Arrangement abgefunden. 1698 konnte
er bereits die Kommende Sumiswald kaufen, wenn auch damals grössere Widerstän-
de innerhalb des Rats auftraten. Insbesondere über der Frage, ob und wie der bisheri-

115
StAB Haus Köniz, 11.5.1730 – Kaufurkunde; SSRQ Bern, Stadtrechte: 761-763.
116
StAB Haus Köniz, 11.5.1730 – Kaufurkunde.

25/38
ge Vogt, der kein Ratsmitglied war, entschädigt werden sollte, wäre das Geschäft
beinahe gescheitert.117

Im Falle von Köniz, nur gerade 30 Jahre später, war das anders. Ausgenommen
dasjenige von Ratsherr Tillier ist nirgends ein Argument gegen den Kauf verzeichnet.
Die Abstimmung vom 22. September 1729 ist mit 110 zu 21 Stimmen absolut klar zu
Gunsten des Kaufes ausgefallen.118

Mögliche Gründe könnten sein:


• Köniz grenzte direkt an die Stadt Bern.
• Köniz stand finanziell gut da und würde wohl auch weiterhin einiges ein-
bringen. Weshalb sollten am 22. September sonst 104 Ratsherren mit dem
höheren Kaufpreis einverstanden gewesen sein.119
• Köniz war der letzte „ausländische“ Besitz innerhalb des Kantons Bern.
• Köniz war die letzte Kommende des Deutschen Ordens in Bern, nicht wie
Sumiswald zuvor.
• Auch ein konfessionelles Element mag bei einigen Ratsherren mitgespielt
haben.

Von Seiten des Deutschen Ordens scheint ein gewisser Druck bestanden zu ha-
ben. Bereits im Falle von Sumiswald war es der Orden, der auf Bern zugegangen war
und die Kommende, wie es scheint, richtiggehend loswerden wollte. Auch im hier
untersuchten Fall von Köniz ist immer wieder zu lesen, dass der Orden den Handel
rasch abwickeln wollte. So wollte Baron von Reinach keine Zeit mit Verhandlungen
verlieren.120 Seine Antworten an Schultheiss von Erlach folgten jeweils verhältnis-
mässig schnell. Als er sich im Januar auf Reisen befand, bedauerte er den Zeitverlust
ausdrücklich gegenüber dem Hoch- und Deutschmeister.121 Der Orden, oder zumin-
dest der Baron, scheint relativ schnell Geld benötigt zu haben. Wozu ist allerdings
nicht erkennbar.
Interessant scheint mir, dass der grosse Rat den Streit zwischen der Familie Til-
lier und dem Orden zwar nicht allzu schnell, aber meines Erachtens doch recht un-
parteiisch regelte. So mussten beide Seiten Zugeständnisse machen, beide bekamen
aber auch etwas dafür. Leider ist nicht ersichtlich, ob Salzdirektor Tillier, der selbst
Mitglied des kleinen Rates war, bei den Diskussionen um Köniz in den Ausstand
treten musste oder nicht. Ausserdem sind in den Ratsmanualen nicht bei allen Sit-
zungen die Namen der Anwesenden vermerkt, so dass nicht überprüft werden kann
bei welchen Beratungen Tillier anwesend war und bei welchen nicht.

Deutlich sichtbar wird in vielen Quellen, wie viel Wert Bern auf die Dokumen-
te des Deutschen Ordens betreffend die Vogtei Köniz legt. Alles musste offenbar gut
belegt und legitimiert sein. Jede mögliche Einkommensquelle wurde im Entwurf des
Kaufbriefes aufgezählt.122 Im Kaufbrief selbst, wurde es durch „etc“ abgekürzt und
in zusammenfassende Formulierungen gepackt, wie zum Beispiel: „in summa alles

117
Häusler, Emmental: 129f..
118
StAB AII 709: 5.7.1729-29.9.1729 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 123: 541.
119
StAB AII 709: 5.7.1729-29.9.1729 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 123: 541.
120
StAB BVII 293: 1729-1735 – 16.9.1729, „Ohnpraejudicirliche Antworth“.
121
StAB BVII 293: 1729-1735 – 5.1.1730, „Hochwohlgebohrner, hochgeehrter Herr“.
122
StAB BVII 293: 1729-1735 – 24.12.1729.

26/38
was […]besessen und genossen [..], mit allen deren Nutzbarkeiten und Emolumen-
ten.“123
Dagegen legte der Deutsche Orden sehr viel Wert darauf, dass auch sämtliche
„Beschwärden“, Rechte und Gerechtigkeiten ausdrücklich an Bern übergingen. Ja
sogar bisher „unentdeckte“ sollten auf keinen Fall auf den Orden zurückfallen.124
Dazu wurde eigens eine eigentliche Ergänzung zum Kaufbrief verfasst.125 Der Orden
machte damit sämtliche Hintertüren für zukünftige Klagen gegen sich dicht.
Vom Kauf profitierten schliesslich sowohl der Orden als auch der Stand Bern.
Die eine Seite kam zu Geld, die andere mindestens zu einer neuen, vermutlich ein-
träglichen Herrschaft.

3.2 Der Stand Bern und die Familie Tillier


Die Familie Tillier war eine angesehene Berner Ratsfamilie. 1719 trat J.R. Til-
lier das Amt des Vogtes der Kommende Köniz an, welches er 1729 an seinen Sohn
Johan Rudolf weitergab. Er selbst hatte ab da noch das Amt des Salzdirektors inne
und war Mitglied des kleinen Rates. Sowohl er wie auch sein Sohn, der neue Vogt
von Köniz, spielten während des Kaufs eine wesentliche, verzögernde Rolle. Wel-
chen Einfluss Salzdirektor Tillier auf die übrigen Ratsmitglieder ausübte, kann nicht
eruiert werden. Jedenfalls konnte er den Kauf, bzw. den Verkauf nicht abwenden.
Obwohl er offenbar über viel Einfluss zu verfügte, schaffte er es nicht, oder
zumindest nur sehr kurz, Rat und Orden gegeneinander auszuspielen. Baron von
Reinach teilte er mit, er werde die Dokumente erst nach Bezahlung der Kaufsumme
herausgeben. Also hätte Bern aktiv werden müssen. Dagegen machte er gegenüber
dem Rat geltend, er müsse zuerst die Rechnung mit dem Orden sauber zu Ende brin-
gen, bevor er die Dokumente ausliefern könnte. Danach wäre es der Orden, der hätte
aktiv werden müssen. Seine List trug keine Früchte.126 Bemerkenswerterweise war es
der Rat, welcher Tillier Ultimaten stellte und ihn sowohl zur Herausgabe der Doku-
mente als auch zur Einigung in der Rechnungsfrage zwang.127
Bereits kurz nach Eröffnung des Verkauf-Angebots von Seiten des Deutschen
Ordens reagierte der vermutlich wirklich erstaunte Salzdirektor und trat vor den Rat,
um Gehör zu finden.128 Als der Kauf nach Eintreffen der Ratifikation des Deutschen
Ordens beschlossene Sache war, trat er erneut vor den grossen Rat und ersuchte um
eine Entschädigung für seine künftigen Ausfälle. Diese wurde ihm mit 119 zu 38
Stimmen zugesprochen, und zwar in Form der weiteren Verwaltung der Vogtei Kö-
niz bis zum Jahre 1732, mitsamt den Einkünften, welche sie in dieser Zeit erzielte.129
Als Salzdirektor Tillier Ende März mit den Forderungen an den Orden vor den
Rat trat, könnte er den Bogen doch etwas überspannt haben. Zunächst schien seine
Verzögerungstaktik erfolgreich zu sein, wenn man bedenkt, wie oft das Geschäft im
Rat vorgesehen und dann doch nicht verhandelt wurde. Plötzlich wurden allerdings
zunächst das Ultimatum vom 29. März und schliesslich dasjenige vom 4. April fest-
gesetzt. Der Rat wollte wohl doch endlich den Handel mit dem Orden über die Büh-

123
StAB Haus Köniz, 11.5.1730 – Kaufurkunde.
124
StAB Haus Köniz, 11.5.1730 – Kaufurkunde.
125
StAB BVII 293: 1729-1735 – 6.4.1730.
126
StAB AII 712: 21.3.1730-1.6.1730 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 126: 72-75; StAB
BVII 293: 1729-1735 – 30.3.1730.
127
StAB AII 712: 21.3.1730-1.6.1730 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 126: 106-110.
128
StAB AII 709: 5.7.1729-29.9.1729 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 123: 558-561.
129
StAB AII 710: 3.10.1729-11.1.1730 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 124: 371f.

27/38
ne bringen. Im Folgenden sprach sich denn der Rat durchaus in manchen Punkten zu
Gunsten des Ordens (und vor allem sich selbst) aus und damit zu Ungunsten der Fa-
milie Tillier.130
Dazu kam, dass Deutsch-Seckelmeister Steiger in Johan Rudolf Tillier nicht
den geeigneten Vogt für Köniz sah,131 was wohl ebenfalls gegen eine übermässige
Macht der Familie Tillier im Berner Rat spricht.
Zusammenfassend kann wohl gesagt werden, dass die Familie Tillier zwar eine
einflussreiche und angesehene Berner Patrizierfamilie, der Rat jedoch vorwiegend
auf die Interessen der Stadt und des Standes bedacht war. So entschied er zwar in der
Frage einer Entschädigung zu Gunsten der Tilliers, sobald es aber um den eigentliche
Kauf ging zu Gunsten des Standes.

3.3 Der Deutsche Orden und die Familie Tillier


Der Streit der Familie Tillier war mit grösster Wahrscheinlichkeit bereits vor
1729 ausgebrochen. Den Quellen ist zu entnehmen, dass J.R. Tillier bereits um 1719
an die Vogtei zu gelangen viel Reisen und auch einiges an Geld investieren muss-
te.132 Während seiner Verwaltungstätigkeit musste er sich des Öfteren sein Einkom-
men erstreiten, 133 er verlangte vom Orden aktuelle Inventare und legte mögliche
Verbesserungsvorschläge vor. 134 Er engagierte sich für seine Vogtei – oder er lag
dem Statthalter der Ballei Elsass-Burgund immer wieder mit Kleinigkeiten einer
kleinen Kommende in den Ohren, je nach Betrachtungsweise. Dazu würde passen,
dass auf sein Ersuchen, eine Bewässerungsanlage zu bauen135 offenbar nie eine Ant-
wort eintraf, worauf er sie dann 1725 schliesslich auf eigene Rechnung bauen liess.
Der Orden erstattete ihm daraufhin auch nicht sämtliche Kosten, sondern nur die
Hälfte.136 Es scheint also bereits seit 1720 ein gespanntes Verhältnis geherrscht zu
haben.
Als Tillier 1728 anlässlich eines Aufenthalts in Altshausen seine Nachfolge re-
geln wollte, ging Baron von Reinach noch halbwegs darauf ein.137 Bezüglich einer
Verpachtung wollte er sich allerdings nicht festlegen. Auf seinen Entwurf eines
Pachtvertrages scheint der Baron gar nicht eingegangen zu sein. Und das war im
Winter 1728/29. Wenigstens konnte Tillier die Vogtei an seinen Sohn Johan Rudolf
vermachen.
Es erstaunt nicht, wenn der Salzdirektor überrascht und wütend reagierte, als er
nur gerade ein halbes Jahr nach seinem Vertragsentwurf erfuhr, dass die Kommende

130
StAB AII 712: 21.3.1730-1.6.1730 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 126: 106-110.
131 131
StAB AII 712: 21.3.1730-1.6.1730 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 126: 346.
132
StAB AII 709: 5.7.1729-29.9.1729 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 123: 558-561; StAB
AII 710: 3.10.1729-11.1.1730 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 124: 370ff; StAB BVII 367:
7.2.1729 – 3. & 4.4.1730 – Seckelschreiberprotokoll; StAB AII 712: 21.3.1730-1.6.1730 -
Ratsmanual der Stadt Bern No. 126: 106; StAB BVII 293: 1729-1735 – 3. & 4.4.1730.
133
StAB Fach Dt. Orden Akten 1728 Fasc.15: 1728.Verhandlungen betr. Verpachtung der
Vogtei Köniz usw. – Pro Memoriale 1728.
134
StAB Fach Dt. Orden Akten 1728 Fasc.15: 1728.Verhandlungen betr. Verpachtung der
Vogtei Köniz usw. – 4.5.1720.
135
StAB Fach Dt. Orden Akten 1728 Fasc.15: 1728.Verhandlungen betr. Verpachtung der
Vogtei Köniz usw. – 4.5.1720.
136
StAB BVII 367: 7.2.1729 – 3. & 4.4.1730 – Seckelschreiberprotokoll; StAB AII 712:
21.3.1730-1.6.1730 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 126: 106; StAB BVII 293: 1729-1735 –
3. & 4.4.1730.
137
StAB Fach Dt. Orden Akten 1728 Fasc.15: 1728.Verhandlungen betr. Verpachtung der
Vogtei Köniz usw. – 26.9.1728, Memoriale.

28/38
verkauft werden sollte. Nun war klar, weshalb Baron von Reinach nicht auf den Vor-
schlag eingegangen war.
An einen Verkauf musste also bereits im Herbst 1728 gedacht worden sein, was
die rasche Abwicklung seitens des Ordens wohl auch erst ermöglichte. Der Hoch-
und Deutschmeister war vermutlich längst informiert worden, das Geschäft bestens
abgesprochen. Als Bern der Verkauf angetragen wurde, waren die preislichen
Rahmenbedingungen für den Orden mit ziemlicher Sicherheit längst abgeklärt.
Die Verzögerungstaktik Tilliers muss wohl als Versuch gewertet werden, das
Beste aus der Situation zu machen und soviel herauszuschlagen, wie noch möglich
war. Dazu brauchte er Zeit, wovon er sich allerdings nicht allzu viel zu verschaffen
vermochte. Immerhin brachte er es geschickt zu Stande, dass sein Sohn einstweilen
Verwalter bleiben konnte und die Herrschaft damit in Familienhand blieb. Bis zum
Jahr 1732 würde sich daran erst mal nichts ändern.138

Inwieweit sich der Streit nach Ende Mai 1730 noch auf den Deutschen Orden
oder die Familie Tillier auswirkte ist unklar. Für die Tilliers war die ganze Angele-
genheit aber mit Sicherheit wesentlich einschneidender als für den Orden. Letzterer
hatte nur eine weitere Kommende abgestossen und war zudem gut vorbereitet. Für
die Familie kam der Verkauf überraschend und dürfte ziemlich substanziell auf ihr
Vermögen eingewirkt haben, auch wenn sie diesbezüglich noch einen Puffer einrich-
ten konnten.

4. Vergleich mit dem Kauf der Kommende Sumiswald


4.1 Der Kauf der Kommende Sumiswald
Bereits seit 1430 hatte Bern begonnen, seine Ansprüche in der Landschaft
Emmental auszuweiten, insbesondere mit Hilfe von Niedergerichts-Käufen. Auch
wenn die Landeshoheit damals noch lange nicht in greifbarer Nähe lag, wurde sie
doch mit Hilfe dieser Rechte angestrebt. Ab dem späten 15. Jahrhundert begann Bern
damit, die verschiedenen nicht-bernischen Herrschaften des Emmentals aufzukaufen,
was ihr nicht zuletzt Dank der ihr durch die reformatorischen Beschlüsse zugefalle-
nen Ländereien ermöglicht wurde. Erst mit diesen Ländereien aufgehobener Kloster
verfügte Bern überhaupt über grössere Besitztümer in dieser Region. Zwar musste
der Kanton 1552 die Herrschaft Sumiswald wieder an den Deustchen Orden zurück-
geben, allerdings wurde ab diesem Zeitpunkt von Seiten des Ordens stets ein bern-
burgischer Vogt mit der Verwaltung betraut (zunächst als Bestandteil der Vereinba-
rungen bei Rückgabe der Kommende).139 Ausserdem verfügte Bern über Gerichts-
barkeiten, die auch in der Herrschaft Sumiswald ihre Gültigkeit hatten.140
Sumiswald bildete den Abschluss des Bestrebens, die Ländereien des Oberem-
mentals aufzukaufen. Nach dem Kauf dieser Herrschaft verfügte Bern in dieser Re-
gion über die alleinige, oder zumindest höchste, Regierungsgewalt.141
Dabei war es nur eine Frage der Zeit gewesen, bis Bern diese Herrschaft zum
Kauf angetragen worden war. Der Deusche Orden konnte seine Rechtsansprüche
gegenüber den bernischen kaum mehr durchsetzen.142 Aber auch die Abgeschieden-
138
StAB AII 710: 3.10.1729-11.1.1730 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 124: 370ff.
139
Dubler, Einleitung: XXXVII.
140
Beariswyl, Sumiswald: 789.
141
Dubler, Einleitung: XXXV.
142
Beariswyl, Sumiswald: 789; Dubler, Einleitung: XXXVIIIf.

29/38
heit und die geringe Bedeutung der Kommende für den Orden dürfte die Verkaufs-
pläne angeregt haben. Ausserdem brauchte der Orden Geld, um eine weitere deut-
sche Herrschaft zu kaufen.
Der erste Versuch, die Kommende zu veräussern, wurde 1673 unternommen.
Dieses Ansinnen lehnte der Berner Rat aus verschiedenen Gründen ab:
• Man verfüge nicht über die Mittel.
• Der Kauf würde nichts einbringen, man müsste im Gegenteil sogar investie-
ren.
• Land- und Untertanengewinn seinen zu gering, schliesslich habe man ja be-
reits die Rechte über die Gerichtsbarkeiten.
• Die Verwaltung liege ja bereits in bernischen Händen.143

Für den Kauf hatten sich nur einige wenige ausgesprochen, mit der Begründung,
man sollte versuchen, die fremden Ländereien aufzukaufen.
Der zweite Versuch erfolgte erst fast 25 Jahre später. Im Herbst 1697 wurde der
Verkauf erneut angetragen, das Angebot betrug 322'000 Pfund (= 80'500 Taler144).
Auch diesmal liess sich der Berner Rat Zeit, umso mehr, nachdem am 15. Januar
1698 ein Schreiben mit der Bitte um rasche Antwort eingetroffen war. Zwei Wochen
später beschloss der Rat, einen Delegierten Zwecks Verhandlungen nach Altshausen
zu senden. Dieser handelte mit dem Landkomtur einen Summe von 36'000 Talern (=
144'000 Pfund) aus, sehr viel weniger als der Orden ursprünglich angesetzt hatte. Am
30. März stimmte der Rat dem Kauf zu und informierte den Landkomtur, dass ein
Vertrag sofort nach Eintreffen der Hoch- und Deutschmeisterlichen Ratifikation auch
von Bern ratifiziert würde.145
Allerdings tauchte auch in Sumiswald noch ein Problem auf, welches den Han-
del beinahe zum platzen gebracht hätte: Die Entschädigung des amtierenden Vogts
war nicht geregelt. Dieser hatte vom früheren Landkomtur einen Bestallungsbrief
erhalten, der ihm die Verwaltung der Vogtei bis an sein Lebensende zusicherte. Vik-
tor von Büren, der dieses Amt und den Brief innehatte, war zwar ein Berner Burger,
hatte aber keinen Sitz im Rat. Der Landkomtur liess durchblicken, dass ihm ein sol-
cher als Entschädigung angemessen erscheine. Dieser Vorschlag wurde allerdings
vom Rat mit grossem Mehr verworfen, und es kam sogar zur Abstimmung darüber,
ob der Kauf überhaupt getätigt werden sollte. Die Weiterverfolgung wurde nur Dank
des Stichentscheides des Schultheissen gutgeheissen. Schliesslich wurde eine gang-
bare Entschädigung gefunden: Viktor von Büren blieb Vogt von Sumiswald, musste
allerdings die Pfarrgehälter ausrichten, die Gebäude auf eigene Kosten in Stand hal-
ten und Zinsen berappen.146
Am 11. Juli 1698 wurde schliesslich der Kaufbrief ausgestellt. Der Landkomtur
verkaufte „die commenden zu Sumiswald, […] es seye an schloss und zugehörigen
gebäüwen, an jurisdictionen, rechten und gerechtigkeiten, äcker, matten, mühlin,
garten, wayden, alpfahrten, waldungen, bodenzinsen, zehnden, ehr-tagwan, in sum-
ma alles was [er] […] besessen und genossen habe, mit allen denen nutzbarkei-
ten.“147 Dafür bezahlte der Stand Bern 36'000 Taler „franco“ in Schaffhausen.

143
Häusler, Emmental: 125f.
144
Dubler, Einleitung: LX. 1 Taler = 30 Batzen; 1 Pfund = 7.5 Batzen.
145
Häusler, Emmental: 125-129.
146
Häusler, Emmental: 129f.
147
SSRQ Bern, Rechte: 759.

30/38
4.2 Köniz und Sumiswald im Vergleich
Ein Vergleich zweier Ereignisse erscheint mir insofern problematisch, als vor-
wiegend strukturelle, allgemeine Faktoren verglichen werden können. Welche ein-
zelnen Einwirkungen Entscheidungen beeinflussten, wird nur schwer bis gar nicht zu
ermitteln sein. Handelt eine Körperschaft, sind zum Vornherein Beschränkungen
auferlegt, die kaum zu durchbrechen sind. Schliesslich muss der Einfluss von Indivi-
duen beinahe gänzlich im Dunkeln bleiben, es sei denn, sie hätten sozusagen einen
„Spot-Light-Auftritt.“ Aber selbst in diesen Fällen sehen wir nur die beleuchtete Sei-
te. Allenfalls ist noch ein Schatten auszumachen, doch nie sehen wir hinter die Per-
son.
Auch das Datenmaterial stellt uns vor Probleme. Man kann trotz intensiver
Bemühungen vieles übersehen haben. Es kann ein Ungleichgewicht bei den zu ver-
gleichenden Objekten vorliegen. Die Auswahl der zu vergleichenden Bereiche tut ihr
Übriges, um die Schwierigkeiten eines Vergleichs zu komplettieren.
Trotzdem sind gerade auch aus Vergleichen wichtige Erkenntnisse zu ziehen.
Der eigene Gegenstand kann besser abgegrenzt werden und dadurch vielleicht schär-
fere Konturen gewinnen, es lassen sich klarere Aussagen treffen. Ausserdem können
uns auch strukturelle und allgemeine Vergleiche weiterbringen. Sofern uns bewusst
ist, was wir vor uns haben, nämlich eine Auswahl von Möglichkeiten, können wir
Erkenntnisse und Wissen generieren.

Sowohl 1673, bzw. 1697 und 1729 war der hohe Deutsche Ritterorden der Ini-
tiator des Geschäftes. Bei Sumiswald und noch vielmehr bei Köniz handelte es sich
um vom Kerngebiet des Ordens abgelegene Herrschaften, deren Einflusssphäre mas-
siv eingeschränkt waren. In beiden Fällen war ein ordensfremder Verwalter als Vogt
eingesetzt und beide erzielten im Vergleich mit anderen Kommenden relativ be-
scheidene Einkünfte. Beide Häuser scheinen nicht nur geografisch, sondern auch von
den Interessen der Landkomture her an der Peripherie gelegen zu haben. Bei beiden
Kommenden dürften die Nachteile die Vorteile überwogen haben.
In Sumiswald scheint klar gewesen zu sein, weshalb der Verkauf ins Auge ge-
fasst wurde. Man wollte eine deutsche Herrschaft kaufen und brauchte Geld. Also
wurde versucht, die kleine, wenig einträgliche und dem eigenen Einfluss sowieso
entzogene Emmentaler Herrschaft zu verkaufen. Der damalige Landkomtur nahm
wohl an, dass Bern noch immer auf Landgewinn im Oberemmental aus war und sich
nicht zweimal fragen liess, ob es diesen Flecken auch noch möchte. Bern liess sich
zweimal fragen. Und beide Male hatte es der Rat überhaupt nicht eilig, in den Besitz
der Herrschaft zu gelangen. Vermutlich sahen viele Ratsmitglieder auch 1698 nicht
ein, welche Vorteile der Landkauf bringen sollte, wenn das Gebiet faktisch sowieso
regiert wurde. Weshalb hätte sonst sobald ein Problem auftauchte der halbe Rat ge-
gen das Geschäft sein sollen? Wahrscheinlich wurde der Kauf als Gelegenheit, nicht
aber als Notwendigkeit betrachtet.
Weshalb sollte aber bei Köniz, von welchem ja dieselben Argumente vorge-
bracht werden könnten, ein solcher Unterschied gemacht werden? Hier lief alles viel
schneller ab, es scheint, als wollte man sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen.
Nach nicht einmal einem Monat hatte man sich bereits über den Kaufbreis und das
‚Kauf-Paket’ geeinigt. Natürlich, es war der Orden, welcher das Tempo vorlegte,
aber im Gegensatz zu 1697 nahm der Rat die Geschwindigkeit an und hielt mit. Ende
Dezember 1729 war der Handel im Prinzip bereits unter Dach und Fach. Hier eine
eindeutige Ursache zu benennen ist meines Erachtens nicht möglich. Der Schultheiss
war ein anderer als vor 30 Jahren, Ratsmitglieder hatten gewechselt, ebenso der

31/38
Landkomtur. Ausserdem war die Schatzkammer weniger leer, es musste nicht gross
um den Kaufpreis gefeilscht werden und die unterschiedlichen Güter wurden nicht
auf die Goldwaage gelegt. Köniz lag weniger abgelegen als Sumiswald, grenzte im
Gegenteil direkt an die Stadt Bern und lag damit als fremdes Territorium sozusagen
im Vorgarten der Burger. Kurz: Köniz war wichtiger für die Ratsherren und beque-
mer zu haben als Sumiswald.
Für den Orden scheint sich dagegen kein grosser Unterschied bemerkbar zu
machen. Auch diesmal brauchte er Geld, auch diese Kommende lag weit weg vom
Kerngebiet und auch sie war wirtschaftlich nicht die entscheidendste der Ballei. Al-
lerdings konnte wohl für diese mehr Geld verlangt werden als für die von Bern rela-
tiv weit entfernte Herrschaft Sumiswald. 84'000 Taler mehr, um genau zu sein. Das
ist, selbst wenn der Taler an Kaufkraft verloren haben sollte, ein gewaltiger Mehr-
wert. Umsomehr als der Verkauf auch für den Orden nicht allzu kompliziert und ein-
schneidend gewesen sein dürfte.
In beiden Fällen wurde der amtierende Vogt zum Problem, bzw. dessen Ent-
schädigung. Ein gravierender Unterschied sticht jedoch deutlich hervor: Während der
Sumiswaldner Handel beinahe geplatzt wäre, war der Könizer Kauf dadurch nie ge-
fährdet. Ich denke, dass dabei vor allem die Mitgliedschaft oder eben Nicht-
Mitgliedschaft im Berner Rat ausschlaggebend war. Bei Viktor von Büren kommt
verschärfend hinzu, dass er gerade durch den Handel einen Sitz im Rat erkaufen
wollte. Er gehörte damit nicht nur nicht zum Kreis der Ratsherren, er wollte auch
noch illegitimer Weise in diesen Kreis eindringen. Dagegen war Vogt Tillier durch
seinen Vater bestens im Rat, ja sogar im kleinen Rat, vertreten.
Dass von Büren vom damaligen Landkomtur unterstützt wurde, sich Tillier da-
gegen Baron von Reinach entgegenstellte, scheint keinem von beiden genützt oder
geschadet zu haben. Es war in beiden Fällen der Berner Rat, der über die Entschädi-
gung zu befinden hatte. Ausser im Falle der Ratsmitgliedschaft entschied der Rat,
soweit ersichtlich, bei beiden nach ungefähr denselben Kriterien. Beide Vögte hatten
einen Bestallungsbrief vorzuweisen. Während Viktor von Büren die Herrschaft aus-
drücklich bis an sein Lebensende zugedacht war, fehlte bei Tillier eine klare Aussage
bezüglich der Pensionen und Benefizien. Dementsprechend entschied der Rat 1698
für den einen Vogt, 1729 gegen den anderen.148 Inwieweit die Verzögerungstaktik
Tilliers erfolgreich gewesen wäre, wenn er keiner Ratsfamilie angehört hätte, ist auf
Grund der vorliegenden Quellen nicht zu beurteilen.
Interessant ist, dass der Rat in beiden Fällen eine ähnliche Lösung gegangen ist:
Der verbleib des amtierenden Vogtes auf seiner Herrschaft. Dies erscheint als gängi-
ges Muster. Allerdings wäre auch hier interessant zu sehen, wie es von Büren ergan-
gen wäre, hätte er keinen so klaren Bestallungsbrief in Händen gehabt. Ich vermute,
dass er das Amt hätte aufgeben müssen und er nicht gerade grosszügig entschädigt
worden wäre. Denn im Gegensatz zu Vogt Tillier, welcher zwar keinen solchen Brief
vorlegen konnte, dafür aber einer Ratsfamilie angehörte, musste er für den Verbleib
auf der Herrschaft Zinsen und Gehälter zahlen.

Ein Vergleich bezüglich der einzelnen Akteure wäre äusserst interessant. Es


könnte durchaus sein, dass die Beziehung von Schultheiss von Erlach zu Baron von
Reinach mit ein Grund für die rasche Abwicklung des Handels war. Es kann zwar
nicht gesagt werden, dass die beiden sich in irgendeiner Weise nahe standen, in den
Briefen begegneten sie sich allerdings äusserst respektvoll und dabei gar nicht über

148
StAB BVII 367: 7.2.1729 – 3. & 4.4.1730 – Seckelschreiberprotokoll; StAB AII 712:
21.3.1730-1.6.1730 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 126: 106; StAB BVII 293: 1729-1735 –
3. & 4.4.1730.

32/38
die Massen förmlich. Man könnte von einer Art Sympathie sprechen, die allerdings
mit Bedacht die Formen wahrte. Greifbarer ist allerdings der Umstand, dass 1728
von Beginn weg eine Kommission und ein klarer Ansprechpartner für den Handel
eingesetzt wurde, was mir bei Sumiswald nicht der Fall zu sein scheint. Im Gegen-
satz zu seinem Vorgänger, hatte Landkomtur Baron von Reinach demnach stets mit
derselben Person zu tun, nämlich Schultheiss von Erlach. Dies dürfte den Kommuni-
kationsfluss deutlich vereinfacht haben. Beim Sumiswaldner Handel dagegen war
meines Wissens keine einzelne Person federführend. Der Unterhändler, der nach
Althausen gesandt wurde, war ja nur für eine bestimmte Fase Ansprechsperson.

Wenn schliesslich noch die Kaufbriefe verglichen werden, springt sofort die
unterschiedliche Länge ins Auge: Der Kaufbrief von Sumiswald ist viel kürzer und
weniger Detail reich gehalten als derjenige von Köniz. Derjenige von 1730 führt viel
mehr auf, das Bern gekauft hat, insbesondere an Zinsen und Zehnden. Dieser Um-
stand ist vermutlich einfach dadurch erklärbar, dass es auch mehr zu kaufen gab, dass
sozusagen das Paket grösser war. Entscheidender scheint mir, dass auch der Orden,
insbesondere in der Zusatzschrift vom 6. April, viel ausdrücklicher darauf eingeht,
dass er mit beglichener Bezahlung sämtliche Ansprüche auf die Herrschaft Köniz
verliert – und umgekehrt. In sämtlichen vorbereitenden Schriftstücken wird explizit
darauf hingewiesen, dass der Stand Bern auch nicht nur die Rechte und Gerechtigkei-
ten sondern auch „Beschwärden“ der Vogtei übernimmt. Selbst diejenigen, welche
noch „entdeckt“ werden würden. Der Deutsche Orden wollte von sämtlichen Belan-
gen seiner ehemaligen Kommende befreit sein. Dies lässt auf schlechte Erfahrungen
innerhalb der vergangenen dreissig Jahre schliessen, wenn diese auch nichts mit Su-
miswald zu tun haben müssen.
Insgesamt kann gesagt werden, dass für den Berner Rat der Handel von
1729/30 noch unkomplizierter von Statten ging als derjenige von 1697/98, wenn man
einmal davon absieht, dass er zusätzlich noch als Richter zwischen dem Orden und
der Familie Tillier fungieren musste.

5. Fazit
Mit dem Verkauf des Ordenshauses Köniz ist der Deutsche Orden auf dem
Weg fortgeschritten, den er bereits 1671 vorgezeichnet hatte: Abstossung abgelege-
ner, wirtschaftlich kleiner Kommenden, zum Zweck des Eerwerbs neuer Ländereien
in den Stammlanden. Inwiefern und wann sich die Ziele im Lauf der Zeit geändert
haben, und das Geld für den Aus- und Neubau der Residenzen verwendet wurde,
lässt sich nicht feststellen.
Das Tempo der Verhandlungen um Köniz war erstaunlich. Beide Seiten schie-
nen keine Zeit verlieren zu wollen. Von Seiten des Ordens dürften die Verkaufspläne
bereits im Dezember 1728 konkrete Formen angenommen haben. Bern dagegen, und
insbesondere Schultheiss von Erlach, packten die Gelegenheit beim Schopfe. Dass
auch der Berner Rat in dem Geschäft vorwärts machen wollte, scheint klar u werden,
wenn man bedenkt, wie rasch plötzlich die Streitigkeiten zwischen Tillier und dem
Orden geregelt wurden. Auch die rasche Aufsetzung des Kaufbriefes im Dezember
1729 weist darauf hin.
Die Verhandlungen um das Deutschordenshaus Köniz waren knapp drei Wo-
chen nach Einleitung durch den Deutschen Orden mit Ausstellung des Rezesses vom
23. September 1729 eigentlich bereits abgeschlossen. Was den Handel in die Länge
zog waren, nebst den üblichen Zeitverlusten bei Briefsendungen, zum einen die Rei-

33/38
setätigkeit des Barons von Reinach, und zum anderen ganz klar die Verzögerungs-
versuche von Vater und Sohn Tillier. Alles in allem ist der Kauf aber trotz der Fami-
lie Tillier für beide Seiten unkompliziert und schnell über die Bühne gegangen.
Es lässt sich erkennen, dass der Rat den Könizer Handel professioneller, das
heisst besser organisiert angegangen ist als noch 30 Jahre zuvor. Der Ausbau der
Bürokratie und die Rationalisierung der Verwaltung könnten Grund dafür sein.
Erstaunlich ist, dass Ratswürden und das hohe Amt des Salzdirektors kein Ga-
rant für die bedingungslose Unterstützung des Rates in Streitfragen war. In der
Rechnungs-Angelegenheit sind die Ratsentscheidungen nicht einseitig zu Gunsten
eines seiner Mitglieder ausgefallen. Im Gegenteil, der Rat hat Salzdirektor Tillier
ganz klar zur Herausgabe der Dokumente und zum Verfassen der Schlussrechnung
gedrängt, um nicht zu sagen gezwungen. Was dabei ausschlaggebend war, ist nicht
festzustellen. Ganz bestimmt hätte sich aber der Rat selbst geschadet, hätte er den
Streit noch lange gewähren lassen, Denn wer konnte ihm garantieren, dass der Orden
durch die Unannehmlichkeiten nicht vom Geschäft zurücktreten würde?

Die entscheidenden Akteure des Handels waren bestimmt Schultheiss von Er-
lach, Salzdirektor Tillier, Vogt Tillier, Landkomtur Baron von Reinach, Obervogt
Siegmüller und gegen Ende des Kaufs Deutsch Seckelmeister Steiger, welcher sein
Unbehagen bezüglich Vogt Tillier aussprach.
Die einzelnen Abläufe des Geschäfts waren durch die relativ gute Quellenlage
schlüssig rekonstruierbar, womit ein weiters kleines Stück der Geschichte des Deut-
schen Ordens, aber auch des Kantons Bern erhellt worden ist. Allerdings wäre noch
mehr Licht von Nöten, gerade hinsichtlich der wirtschaftlichen Umstände, die den
Orden zum Verkauf veranlasste. Aber auch die Motive des Standes Bern, den Kauf
so rasch zu tätigen bleiben unklar.
Bezüglich der Vergleichbarkeit von Sumiswald und Köniz wäre es sehr interes-
sant, die Zusammensetzung des Berner Rates in den Jahren 1697/98 und 1729/30 zu
vergleichen, um zu sehen, ob die unterschiedliche Stimmung im Rat mit der unter-
schiedlichen Besetzung desselben zu tun hatte. In dieselbe Richtung ginge eine nähe-
re Betrachtung der genannten Hauptakteure und ihrer Beziehungen zueinander. Es
müsste versucht werden, auch den Individuen näher zu kommen, welche an einem
oder gar an beiden Geschäften Teil hatten.
Was der Kauf dem Stand Bern genützt hat ist schwer zu sagen. Sicher brachte
der Erwerb einer wirtschaftliche Vorteile, zumal sie so nahe der Stadt gelegen war.
Ausserdem hatte man endlich keinen fremden Herrschaften mehr im nächsten Um-
feld. Leider wurden aber die Beziehungen des Ordens und Bern nach der Rückerstat-
tung der Kommenden 1552 nicht oder nur unzureichend untersucht. Spielte die Be-
ziehung in irgendeiner Form eine Rolle? Müssen die fremden Herrschaften als Dorn
im Berner Auge betrachtet werden? Wie sehr spielte Konfession des Ordens mit?
Was waren die direkten Vorteile des Kaufs, bzw. der Käufe? Rund um das hier re-
konstruierte Ereignis bleiben noch so einige Fragen.

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6. Abkürzungsverzeichnis
BZGH: Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde
e-HLS: elektronisches Historisches Lexikon der Schweiz
StAB: Staatsarchiv Bern
SSRQ: Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen
ZBL: Zeitschrift des Bernischen Lehrervereins

7. Bibliographie
7.1 Quellen
7.1.1 Ungedruckte Quellen

StAB AII 709: 5.7.1729-29.9.1729 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 123.
StAB AII 710: 3.10.1729-11.1.1730 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 124.
StAB AII 711: 12.1.1730-20.3.1730 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 125.
StAB AII 712: 21.3.1730-1.6.1730 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 126.
StAB AII 713: 3.6.1730-7.8.1730 - Ratsmanual der Stadt Bern No. 127.
StAB BVII 293: 1729-1735 - „Acten über den Ankauf der Commenthurey von Kö-
nitz“.
StAB BVII 367: 7.2.1729 - 3. & 4.4.1730 – Seckelschreiberprotokoll.
StAB Fach Dt. Orden Akten 1728 Fasc.15: 1728. Verhandlungen betr. Verpachtung
der Vogtei Köniz usw.
StAB Haus Köniz, 11.5.1730 - Kaufurkunde.
StAB Haus Köniz, 16.2.1730 - Gewalt für Obervogt Siegmüller.
StAB Haus Köniz, 23.9.1729 - Kaufsabrede der Stadt Bern um das Deutschordens-
haus Köniz.
StAB Haus Köniz, 3.11.1729 - Ratifikation des Erzbischofs von Mainz.

7.1.2 Gedruckte Quellen

SSRQ Bern, Stadtrechte, IV 2., Bearbeitet und herausgegeben von Rennefahrt, Her-
mann, Aarau 1956: 761-765 - Kaufbrief und Bemerkungen um den Kauf der Herr-
schaft Köniz.
SSRQ Bern, Rechte: 759-760 – Kaufbrief und Bemerkungen um den Kauf der Herr-
schaft Sumiswald.

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7.2 Literatur
7.2.1 Monographien

Boockmann, Hartmut, Der Deutsche Orden. Zwölf Kapitel aus seiner Geschichte,
München 1999.
Demel, Bernhard, Der Deutsche Orden im Spiegel seiner Besitzungen und Bezie-
hungen in Europa (Europäische Hochschulschriften, Reihe III, Bd. 961), Frankfurt
am Main 2004.
Dürrenmatt, Peter, Schweizer Geschichte, Zürich 1963.
Feller, Richard, Geschichte Berns, Bd. III. Glaubenskämpfe und Aufklärung 1653 bis
1790, Bern 1955.
Gubler, Hans Martin, Johan Caspar Bagnato 1696-1757 und das Bauwesen des Deut-
schen Ordens in der Ballei Elsass-Burgund im 18. Jahrhundert. Ein Barockarchitekt
im Spannungsfeld von Auftraggeber, Bauorganisation und künstlerischem Anspruch,
Sigmaringen 1985.
Haberkern, Eugen, Wallach, Joseph Friedrich, Hilfswörterbuch für Historiker. Mit-
telalter und Neuzeit (9. Aufl.), Tübingen/Basel 2001.
Häusler, Fritz, Das Emmental im Staate Bern bis 1789. Die altbernische Landesver-
waltung in den Ämtern Burgdorf, Trachselwald, Signau, Brandis und Sumiswald,
Bern 1958-1968.
Ziegler, Uwe, Kreuz und Schwert. Die Geschichte des Deutschen Ordens, Köln 2003.

7.2.2 Sammelbände

Arnold, Udo (Hrsg.), Beiträge zur Geschichte des Deutschen Ordens, Bd.1 (Quellen
und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens, Bd. 36), Marburg 1986.
Arnold, Udo (Hrsg.), Von Akkon bis Wien. Studien zur Deutschordensgeschichte
vom 13. bis zum 20. Jahrhundert (Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen
Ordens, Bd. 20), Marburg 1978.
Brommer, Hermann, Der Deutsche Orden und die Ballei Elsass-Burgund. Die Frei-
burger Vorträge zur 800-Jahr-Feier des Deutschen Ordens, Bühl/Baden 1996.
Burgen kirchlicher Bauherren, hg. von der Wartburg-Gesellschaft zur Erforschung
von Burgen und Schlössern (Forschungen zu Burgen und Schlössern, Bd. 6), Mün-
chen 2001.
Geschichte der Schweiz und der Schweizer, Basel 1986.
Helvetia Sacra IV/7, Die Orden mit Augustinerregel. Die Johaniter, die Templer, der
Deutsche Orden, die Lazariter und Lazariterinnen, die Pauliner und Serviten in der
Schweiz, Basel 2006.
Kreuz und Schwert. Der Deutsche Orden in Südwestdeutschland, in der Schweiz und
im Elsass, Ausstellungskatalog Schloss Mainau 1991, Mainau 1991.
SSRQ Bern, Rechte der Landschaft, VIII, Bearbeitet von Anne-Marie Dubler, Aarau
1991.

36/38
Vischer, Lukas, Schenker, Lukas, Dellsperger, Rudolf (Hgg.), Ökumenische Kir-
chengeschichte der Schweiz, Basel/Freiburg 1994.
Wieser, P. Klemens O.T. (Hrsg.), Acht Jahrhunderte Deutscher Orden in Einzeldar-
stellungen (Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens, Bd. 1), Bad
Godesberg 1967.

7.2.3 Beiträge in Sammelbänden

Baeriswyl, Armand, Der Deutsche Orden, in: Helvetia: 559-587.


Baeriswyl, Armand, Die Deutschordenskommende in Köniz bei Bern. Mit einigen
Überlegungen zu Form und Funktion von Konventsanlagen im Deutschen Reich, in:
Burgen: 193-203.
Baeriswyl, Armand, Köniz, in: Helvetia: 754-779.
Baeriswyl, Armand, Sumiswald, in: Helvetia: 781-803.
Biskup, Marian, Wendepunkte der Deutschordensgeschichte, in: Arnold, Beiträge: 1-
18.
Capitani, François de, Beharren und Umsturz, in: Geschichte: 447-525.
Demel, Bernhard, Der Deutsche Orden und die Krone Frankreichs in den Jahren
1648-1789, in: Brommer, Orden: 97-188.
Demel, Bernhard, Der Deutsche Orden zwischen Bauernkrieg (1525) und Napoleon
(1809). Ein Beitrag zur neuzeitlichen Ordensgeschichte, in: Arnold, Akkon: 177-207.
Dubler, Anne-Marie: Einleitung, in: SSRQ Bern, Rechte: XXXI-LX.
Häfliger, Bruno, Der Deutsche Orden in der Schweiz, in: Brommer, Orden: 271-290.
Hartmann, Helmut, Hochmeister, Deutschmeister, Landkomtur, Komtur, Hauskom-
tur, Ritter, Priester – Ämter und Lebensweise der Deutschordenangehörigen (bis et-
wa 1809), in: Brommer, Orden: 73-96.
Petry, Ludwig, Das Meisteramt (1694-1732) in der Würdenkette Franz Ludwigs von
Pfalz-Neuburg (1664-1732). Zwischenbilanz für ein Forschungsanliegen, in: Wieser,
Jahrhunderte: 429-440.
Seiler, Alois, Der Deutsche Orden 1525-1809, in: Kreuz: 126-128.

7.2.4 Beiträge in Zeitschriften

Leuenberger-Binggeli, Jolanda, Die Berner Deutsch-Seckelmeister und ihre Standes-


rechnung, in: BZGH 1999: 153-186.
Schmocker Hans, Alte Schriften lesen, in: ZBL 78, 8.12.1988.

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7.2.5 Lexikon-Artikel

Braun-Bucher, Barbara, Artikel „Erlach, Hieronymus von“, in: e-HLS.


Braun-Bucher, Barbara, Artikel „Freudenreich“, in: e-HLS.
Capitani, François de, Weck, Hérvé de, Artikel „Venner“, in: e-HLS.
Dubler, Anne-Marie, Junker Beat, Artikel „Bern (Kanton)“, in: e-HLS.
Holenstein, André, Artikel „Räte“, in: e-HLS.
Holenstein, André, Artikel „Vogteien“, in: e-HLS.
Hörsch, Waltraud, Artikel „Landvogt“, in: e-HLS.
Hörsch, Waltraud, Artikel „Schultheiss“, in: e-HLS.

7.2.6 Internet

http://www.hls-dhs-dss.ch/index.php, e-HLS (20.5.2007)


http://www.heiligenlexikon.de/BiographienG/Gallus.html, (4.6.2007)

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