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Frühe Quantentheorie und Atommodelle

38.1 Die Planck’sche Quantenhypothese . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1265 38


38.2 Photonentheorie des Lichts und der photoelektrische Effekt . . . . . . 1268

38.3 Photonen und der Compton-Effekt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1272

ÜBERBLICK
38.4 Photonenwechselwirkungen; Paarerzeugung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1274

38.5 Welle-Teilchen-Dualismus; das Komplementaritätsprinzip . . . . . . . . 1276

38.6 Die Wellennatur der Materie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1276

38.7 Elektronenmikroskope . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1279

38.8 Frühe Atommodelle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1280

38.9 Atomspektren: Schlüssel zur Struktur des Atoms . . . . . . . . . . . . . . . 1282

38.10 Das Bohr’sche Atommodell . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1284

38.11 Die Anwendung der de Broglie’schen Hypothese auf Atome . . . . . . 1291

Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1292

Verständnisfragen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1293

Aufgaben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1295
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38 FRÜHE QUANTENTHEORIE UND ATOMMODELLE

Atome sind klein und mithilfe von sichtbarem Licht nicht auflösbar. Der Versuch,
die Struktur von Atomen zu verstehen, ist eine faszinierende Aufgabe. Ein Groß-
teil der Information über die Atome kommt aus der Analyse des Lichts, das von
den Atomen eines reinen Stoffes emittiert wird. Hier sind die Linienspektren ab-
gebildet, die von dünnen Gasen aus Wasserstoff (oben), Barium und Kalzium im
Bereich des sichtbaren Lichts emittiert werden. Ganz unten sehen wir das Son-
nenspektrum für sichtbares Licht, in dem dunkle Linien zu erkennen sind. Sie
weisen auf Absorption bei diesen Wellenlängen hin. Welche Informationen liefern
uns diese Spektren über den Aufbau der Atome? In diesem Kapitel werden wir
sehen, dass wir zu deren Verständnis eine vollkommen neue Theorie benötigen,
die Quantentheorie.
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38.1 Die Planck’sche Quantenhypothese

38. Frühe Quantentheorie


und Atommodelle
Der zweite Teil der Revolution, die die Welt der Physik zu Beginn des 20. Jahr-
hunderts erreichte, war die Quantentheorie (der erste Teil war Einsteins Relativi-
tätstheorie). Anders als die spezielle Relativitätstheorie brauchte die Revolution
der Quantentheorie nahezu drei Jahrzehnte, um sich voll zu entfalten, und viele
Wissenschaftler trugen zu ihrer Entwicklung bei. Die Entwicklung begann 1900
mit der Planck’schen Quantenhypothese und gipfelte Mitte der 1920er-Jahre in der
Theorie der Quantenmechanik von Schrödinger und Heisenberg, die so überaus
effektiv bei der Erklärung der Physik der Materie war.

38.1 Die Planck’sche Quantenhypothese


Das von heißen Körpern emittierte elektromagnetische Spektrum war Ende des
19. Jahrhunderts noch nicht ausreichend erklärt und verstanden. Wir haben in
Kapitel 19 gesehen, dass alle Körper Strahlung aussenden, deren Gesamtintensität
proportional zur vierten Potenz der Temperatur ist (T 4 ). Bei Temperaturen nahe
der Raumtemperatur bemerken wir diese elektromagnetische Strahlung aufgrund
ihrer geringen Intensität nicht. Bei höheren Temperaturen gibt es eine hinreichend
starke Infrarotstrahlung, so dass wir die Wärme spüren, wenn wir uns nahe ge-
nug an einem Körper befinden. Bei noch höheren Temperaturen (im Bereich von
1000 K) glühen die Körper sogar, wie beispielsweise der rotglühende Brenner eines
elektrischen Ofens oder das Heizelement in einem Toaster. Bei Temperaturen über
2000 K glühen die Körper gelb oder weiß, wie beispielsweise weißglühender Stahl
und der Draht in einer Glühlampe. Nimmt die Temperatur zu, verschiebt sich also
das Intensitätsmaximum der elektromagnetischen Strahlung, die von den Körpern
emittiert wird, zu immer höheren Frequenzen.
Das elektromagnetische Spektrum, das von einem heißen, dichten Körper aus-
gesendet wird, ist in  Abbildung 38.1 für den Fall eines idealisierten schwarzen Strahlung des
Körpers gezeigt. Ein schwarzer Körper ist ein Körper, der die gesamte einfallende schwarzen Körpers
Strahlung absorbiert (und somit schwarz erscheint, wenn er von außen beleuchtet
wird, weil keine Strahlung reflektiert wird). Die Strahlung, die ein solcher Körper
emittieren würde, wenn er heiß ist und leuchtet, wird als Strahlung des schwarzen
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Abbildung 38.1 Elektromagneti-


sches Spektrum eines schwarzen
Körpers bei zwei verschiedenen
Temperaturen.

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38 FRÜHE QUANTENTHEORIE UND ATOMMODELLE

Körpers bezeichnet. Diese Strahlung lässt sich am einfachsten behandeln und be-
schreibt näherungsweise die Strahlung vieler realer Körper. Wie man leicht sieht,
überdeckt die Strahlung einen kontinuierlichen Frequenzbereich. Ein solches kon-
tinuierliches Spektrum wird von jedem erwärmten Festkörper, jeder erwärmten
Flüssigkeit und sogar von dichten Gasen emittiert. Die Strahlungsintensität eines
Körpers mit einer Temperatur von 6000 K, was etwa der Oberflächentemperatur
der Sonne entspricht, besitzt ihr Maximum im sichtbaren Bereich des Spektrums.
Bei niedrigeren Temperaturen sinkt die Strahlungsintensität beträchtlich, und das
Maximum liegt bei größeren Wellenlängen. Somit erscheint der blaue Teil des
sichtbaren Spektrums (und der UV-Bereich) im Vergleich schwächer. (Deshalb er-
scheinen Körper bei etwa 1000 K rot.) Experimentell wurde festgestellt, dass die
Wellenlänge für das Maximum des Spektrums λP folgendermaßen mit der Tempe-
ratur T zusammenhängt:
λP T = 2,90 · 10−3 m·K . (38.1)
Diese Relation ist als Wien’sches Verschiebungsgesetz bekannt.

Beispiel 38.1 Die Oberflächentemperatur der Sonne

Es ist bekannt, dass die Sonne Licht emittiert, dessen Intensitätsmaximum im


Bereich des sichtbaren Spektrums bei etwa 500 nm liegt. Schätzen Sie daraus
die Oberflächentemperatur der Sonne ab.

Lösung
Aus dem Wien’schen Verschiebungsgesetz ergibt sich
2,90 · 10−3 m·K 2,90 · 10−3 m·K
T= = = 5800 K .
λP 500 · 10−9 m

Beispiel 38.2 Farbe eines Sterns

In welcher Farbe erscheint ein Stern mit einer Oberflächentemperatur von


32 500 K?
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Lösung
Aus dem Wien’schen Verschiebungsgesetz ergibt sich
2,90 · 10−3 m·K 2,90 · 10−3 m·K
λP = = = 89,2 nm .
T 3,25 · 104 K
Das Maximum befindet sich im UV-Bereich des Spektrums. Im sichtbaren
Bereich fällt die Kurve ab (siehe  Abbildung 38.1), so dass die kürzesten
Wellenlängen des sichtbaren Bereichs am stärksten wahrgenommen werden.
Deshalb wird der Stern blau (oder bläulich-weiß) erscheinen.

Ein Hauptproblem, dem die Wissenschaftler um 1890 gegenüber standen, war


die Erklärung des elektromagnetischen Spektrums eines schwarzen Körpers. Die
Maxwell’sche Theorie des Elektromagnetismus hatte vorausgesagt, dass oszillie-
rende elektrische Ladungen elektromagnetische Wellen aussenden und somit die
von einem heißen Körper emittierte Strahlung auf die Oszillationen der elektri-
schen Ladungen in den Molekülen des Materials zurückzuführen sein könnte.

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38.1 Die Planck’sche Quantenhypothese

Obwohl diese Annahme den Ursprung der Strahlung erklärt hätte, sagte sie das
beobachtete Spektrum des emittierten Lichtes nicht korrekt voraus. Zwei wichtige
Vorhersagen auf Grundlage klassischer Theorien stammten von W. Wien (aus dem
Jahr 1886) und von Lord Rayleigh (aus dem Jahr 1890). Letztere wurde später von
J. Jeans modifiziert und wird seitdem als Rayleigh-Jeans-Gesetz bezeichnet. Als
experimentelle Daten verfügbar waren, wurde klar, dass weder Wiens noch Ray-
leighs Vorhersagen im Einklang mit dem Experiment standen. Wiens Vorhersagen
waren bei kürzeren Wellenlängen korrekt, wichen aber bei größeren Wellenlängen
vom Experiment ab, während es beim Rayleigh-Jeans-Gesetz genau umgekehrt war
(siehe  Abbildung 38.2).
Der Durchbruch kam Ende 1900, als Max Planck (1858–1947) eine empirische
Formel vorschlug, die sehr gut zu den Daten passte:
Abbildung 38.2 Vergleich der Vorhersagen
8πhc 1 von Wien und Rayleigh-Jeans mit denen von
uλ (λ, T) = .
λ e
5 hc/λkT −1 Planck, die im Einklang mit dem Experiment
stehen.
uλ (λ, T) ist die spektrale Strahlungsenergiedichte in [Jm−4 ], d. h. die Strahlungs-
energie pro Volumen und Wellenlängenintervall, als Funktion der Wellenlänge λ
und der Temperatur T; k ist die Boltzmann-Konstante, c die Lichtgeschwindigkeit
und h eine neue Konstante, die inzwischen als Planck’sches Wirkungsquantum
bezeichnet wird. Planck schätzte den Wert von h ab, indem er die Kurve gemäß sei-
ner Formel für die Strahlung des schwarzen Körpers an die Daten des Experiments
anpasste. Der Wert von h auf vier Stellen gerundet ist
h = 6,626 · 10−34 J·s .
Planck suchte anschließend nach einer theoretischen Grundlage für seine Formel.
Er fand innerhalb von zwei Monaten heraus, dass er zu seiner Formel gelangen
konnte, indem er von der neuen und radikalen (obgleich zu dieser Zeit nicht
sonderlich anerkannten) Annahme ausging, dass die Energie nicht kontinuierlich
über die Oszillationen der Atome innerhalb der Moleküle verteilt ist, sondern aus
einer endlichen Anzahl von sehr kleinen diskreten Beträgen besteht. Jeder dieser
Beträge ist mit der Frequenz der Oszillation durch
Emin = hf
verknüpft. Plancks Annahme war, dass die Energie jeder molekularen Schwingung
nur ein ganzzahliges Vielfaches von hf sein kann:
E = nhf , n = 1, 2, 3, … . (38.2) Planck’sche Quantenhypothese
Diese Idee wird häufig als Planck’sche Quantenhypothese bezeichnet („Quant“
bedeutet soviel wie „diskreter Betrag“ im Gegensatz zu einem „kontinuierlichen
Betrag“), man schenkte ihr damals jedoch nur wenig Aufmerksamkeit. Es scheint
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tatsächlich so, als betrachtete Planck diese Idee eher als ein mathematisches Hilfs-
mittel, um die richtige Lösung für das Strahlungsspektrum eines schwarzen Kör-
pers zu erhalten, und nicht als eine Entdeckung, die mit denen von Newton ver-
gleichbar war. Planck suchte weiterhin nach einer klassischen Begründung für die
Einführung von h. Niemand erkannte, dass es sich hier um eine bedeutende und
radikale Neuerung handelte, bis sich ungefähr ab 1905 andere Wissenschaftler,
insbesondere Einstein, mit dem Thema beschäftigten.
Die Quantenhypothese, Gleichung 38.2, besagt, dass die Energie E eines Os-
zillators nur die diskreten Werte hf oder 2hf oder 3hf usw. annehmen kann. Es
kann keine Schwingungen geben, deren Energie zwischen diesen Werten liegt.
Das heißt, die Energie ist, anders als man über Jahrhunderte hinweg glaubte,
keine kontinuierliche Größe sondern quantisiert. Der kleinstmögliche Energie-
betrag (hf ) wird als Energiequant bezeichnet. Aus Kapitel 14 wissen wir, dass
die Energie einer Schwingung proportional zum Quadrat der Amplitude ist. Eine
andere Formulierung der Quantenhypothese wäre also, dass nicht jede beliebige
Schwingungsamplitude möglich ist. Die möglichen Werte der Amplitude hängen
von der Frequenz f ab.

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38 FRÜHE QUANTENTHEORIE UND ATOMMODELLE

Eine einfache Analogie kann beim Verständnis dieser Tatsache helfen. Man kann
auf einem Saiteninstrument, wie beispielsweise auf einer Violine oder auf einer
Gitarre, Frequenzen in einem kontinuierlichen Frequenzbereich spielen, indem
man die Finger entlang der Saite bewegt. Dagegen ist eine Flöte oder ein Piano
in dem Sinne „quantisiert“, dass lediglich bestimmte Frequenzen (Noten) darauf
gespielt werden können. Oder vergleichen Sie eine Rampe, auf der ein Kasten auf
beliebiger Höhe abgestellt werden kann, mit einer Treppe, auf der der Kasten nur
bestimmte diskrete Beträge von potentieller Energie besitzt (siehe Abbildung 38.3).

38.2 Photonentheorie des Lichts


und der photoelektrische Effekt
Im Jahre 1905, also im gleichen Jahr, in dem er die spezielle Relativitätstheorie
einführte, nahm Einstein eine kühne Verallgemeinerung der Quantenidee vor, in-
dem er eine neue Theorie des Lichts vorschlug. Planck hatte in seinen Arbeiten
behauptet, dass die Schwingungsenergie von Molekülen strahlender Körper mit
Abbildung 38.3 Rampenanalogie versus
Treppenanalogie. (a) Auf einer Rampe kann
der Energie E = nhf und ganzzahligem n quantisiert sei. Einstein argumentierte,
ein Kasten kontinuierliche Energiewerte dass sich deshalb bei der Emission von Licht durch einen molekularen Oszillator
annehmen. (b) Dagegen kann der Kasten auf die Schwingungsenergie des Moleküls von nhf um einen Betrag hf auf ein ande-
einer Treppe lediglich diskrete (quantisierte) res ganzzahliges Vielfaches von hf verringern muss, nämlich auf (n − 1)hf . Dann
Energiewerte besitzen.
sollte das Licht aufgrund der Energieerhaltung in Paketen oder Quanten emittiert
werden, jeweils mit einer Energie von

E = hf . (38.3)

•T Photoelektrischer Effekt Wieder ist h das Planck’sche Wirkungsquantum. Weil Licht letztlich immer von
einer Strahlungsquelle stammt, legt dies nahe, dass Licht in Form von winzigen
Lichtquanten übertragen wird und nicht in Form von Wellen. Heute spricht man
in diesem Zusammenhang von Photonen und der Teilcheneigenschaft von Licht.1
Einstein schlug ein Experiment zur Überprüfung der Photonentheorie des Lichts
vor: quantitative Messungen des photoelektrischen Effekts.
Photoelektrischer Effekt Der photoelektrische Effekt beschreibt das Phänomen, dass Elektronen von
einer metallischen Oberfläche emittiert werden, wenn Licht einfällt. (Der photo-
elektrische Effekt tritt auch bei anderen Stoffen auf, lässt sich bei Metallen aber
am einfachsten beobachten.) Der Effekt kann mithilfe der in Abbildung 38.4 ge-
zeigten Apparatur beobachtet werden. Eine metallische Elektrode P und eine klei-
nere Elektrode C befinden sich in einer Vakuumröhre, die insgesamt als Photo-
zelle bezeichnet wird. Die beiden Elektroden sind mit einem Amperemeter und
einer Spannungsquelle verbunden. Liegt die Photozelle im Dunkeln, zeigt das
Amperemeter null an, es fließt kein Strom. Erhöht man nun die Frequenz des ein-
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gestrahlten Lichts, stellt man fest, dass ab einer bestimmten Frequenz ein Strom
im Stromkreis fließt. Durch das eingestrahlte Licht wurden Elektronen aus der
Metalloberfläche P herausgeschlagen, die nun zum Kollektor C der Röhre fliegen.
Die Tatsache, dass Elektronen emittiert werden, wenn Licht auf ein Metall trifft,
ist mit der elektromagnetischen Wellentheorie des Lichts vereinbar: Das elektri-
sche Feld einer elektromagnetischen Welle übt eine Kraft auf ein Elektron im
Metall aus und kann dadurch einige Elektronen herausschlagen. Einstein wies
jedoch darauf hin, dass die Wellentheorie und die Photonentheorie des Lichts
sehr verschiedene Vorhersagen bezüglich der Details des photoelektrischen Ef-
fekts machen. Eine Größe, die mit der in  Abbildung 38.4 gezeigten Apparatur
gemessen werden kann, ist beispielsweise die maximale kinetische Energie (Ekin max )

Abbildung 38.4 Der photoelektrische Effekt. der emittierten Elektronen. Man verwendet dazu eine variable Spannungsquelle
und vertauscht die Anschlüsse, so dass die Elektrode C nun negativ und P positiv

1 Weil Licht sowohl Wellen- als auch Teilcheneigenschaften hat, sprechen wir vom Welle-
Teilchen-Dualismus. Die Welleneigenschaft beobachten wir beispielsweise bei Brechung,
Interferenz und Beugung des Lichts (Kapitel 33 und 35), die Teilcheneigenschaft beim
photoelektrischen Effekt und beim Compton-Effekt (dieses Kapitel).

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38.2 Photonentheorie des Lichts und der photoelektrische Effekt

geladen ist. Die von P emittierten Elektronen werden von der negativ geladenen
Elektrode abgestoßen. Wenn diese Gegenspannung jedoch hinreichend klein ist,
erreichen die schnellsten Elektronen immer noch C und es fließt Strom. Wird
die Gegenspannung erhöht, gelangt man zu einen Wert, an dem kein Strom mehr
fließt – kein Elektron hat eine hinreichend große kinetische Energie, um C zu er-
reichen. Dieser Wert wird als Bremspotential oder Bremsspannung V0 bezeichnet.
Aus der Energieerhaltung kann durch diese Messung Ekinmax bestimmt werden:

max
Ekin = eV0 .

Wir wollen nun die Details des photoelektrischen Effekts aus dem Blickwinkel
der Wellentheorie untersuchen und die Ergebnisse Einsteins Photonentheorie des
Lichts gegenüberstellen. Zunächst geht die Wellentheorie von monochromati-
schem Licht aus. Die beiden maßgeblichen Eigenschaften einer elektromagneti-
schen Welle sind ihre Intensität und ihre Frequenz (oder ihre Wellenlänge). Wenn
diese beiden Größen verändert werden, kommt die Wellentheorie zu folgenden
Vorhersagen: Vorhersagen der Wellentheorie

1 Wenn die Lichtintensität erhöht wird, sollte sich auch die Anzahl der her-
ausgeschlagenen Elektronen und deren maximale kinetische Energie erhö-
hen, weil die höhere Intensität einer größeren Amplitude des elektrischen
Feldes entspricht und das stärkere elektrische Feld Elektronen mit höherer
Geschwindigkeit herausschlagen sollte.

2 Die Frequenz des Lichts sollte sich nicht auf die kinetische Energie der her-
max
ausgeschlagenen Elektronen auswirken. Lediglich die Intensität sollte Ekin
beeinflussen.

Die Photonentheorie kommt zu vollkommen anderen Vorhersagen. Zunächst stel-


len wir fest, dass in einem monochromatischem Strahl alle Photonen die gleiche
Energie (= hf ) besitzen. Eine Erhöhung der Intensität des Lichtstrahls bedeutet
eine Erhöhung der Anzahl der Photonen im Strahl, was sich aber nicht auf die
Energie jedes Photons auswirkt, solange die Frequenz nicht geändert wird. Nach
Einsteins Theorie wird ein Elektron durch einen Stoß mit einem einzelnen Pho-
ton aus dem Metall herausgelöst. Bei diesem Prozess wird die gesamte Energie des
Photons auf das Elektron übertragen und das Photon hört auf zu existieren, es wird
absorbiert. Da die Elektronen im Metall durch Anziehungskräfte gebunden sind,
ist eine minimale Energie W0 erforderlich, um ein Elektron aus der Oberfläche
herauszulösen. Diese minimale Energie wird als Austrittsarbeit bezeichnet und
liegt für die meisten Metalle in der Größenordnung einiger Elektronenvolt. Wenn
die Frequenz f des einfallenden Lichts so niedrig ist, dass hf kleiner als W0 ist,
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dann besitzen die Photonen nicht genügend Energie, um überhaupt ein Elektron
herauszuschlagen. Gilt hf > W0 , dann werden Elektronen herausgeschlagen, wobei
die Energie bei diesem Prozess erhalten bleibt. Das heißt, die Energie des Photons
hf ist gleich der kinetischen Energie Ekin des Elektrons plus der notwendigen
Austrittsarbeit W :

hf = Ekin + W . (38.4a)

Die am schwächsten gebundenen Elektronen werden mit der größten kinetischen


max ) herausgelöst. In diesem Fall wird W in dieser Gleichung zur Aus-
Energie (Ekin
max :
trittsarbeit W0 und Ekin zu Ekin
max
hf = Ekin + W0 . (38.4b)
Für viele Elektronen wird die Energie zum Herauslösen größer als das Minimum
(W0 ) sein, wodurch die kinetische Energie solcher Elektronen geringer ist als das
Maximum.
Aus diesen Betrachtungen kommt die Photonentheorie zu folgenden Vorhersa-
gen:

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38 FRÜHE QUANTENTHEORIE UND ATOMMODELLE

Vorhersagen der Photonentheorie 1 Eine Erhöhung der Intensität des Lichtstrahls bedeutet, dass mehr Photonen
einfallen, so dass mehr Elektronen herausgelöst werden; da sich aber die Ener-
gie jedes Photons nicht ändert, wird auch die maximale kinetische Energie
der Elektronen durch eine Intensitätserhöhung nicht verändert.

2 Wenn die Frequenz des Lichts erhöht wird, wächst die kinetische Energie der
Elektronen linear gemäß Gleichung 38.4b. Es gilt
max
Ekin = hf − W0 .
Diese Beziehung ist in  Abbildung 38.5 dargestellt.
3 Wenn die Frequenz f niedriger als die „Grenzfrequenz“ f0 ist, bei der hf0 = W0
gilt, wird unabhängig von der Intensität der einfallenden Lichtwelle über-
haupt kein Elektron herausgeschlagen.
Abbildung 38.5 Der photoelektrische Diese Vorhersagen der Photonentheorie sind offensichtlich sehr verschieden von
Effekt: Die maximale kinetische Energie der
herausgeschlagenen Elektronen wächst linear denen der Wellentheorie. Von 1913 bis 1914 wurden von R.A. Millikan sorgfältige
mit der Frequenz des einfallenden Lichts. Experimente durchgeführt. Die Ergebnisse standen in vollkommenem Einklang
Im Falle f < f0 werden gar keine Elektronen mit Einsteins Photonentheorie.
emittiert. Ein anderer Aspekt des photoelektrischen Effekts bestätigte die Photonentheo-
rie ebenfalls. Wenn eine extrem geringe Lichtintensität verwendet wird, sagt die
Wellentheorie eine zeitliche Verzögerung der Emission des Elektrons voraus, die
sich daraus ergibt, dass ein Elektron zunächst genügend Energie zum Überwin-
den der Austrittsarbeit absorbieren muss. Die Photonentheorie sagt keine solche
Verzögerung voraus – es ist nur ein Photon (mit hinreichend hoher Frequenz) not-
wendig, um ein Elektron herauszuschlagen – und auch die Experimente ergaben
keine Verzögerung. Diese beiden Tatsachen bestätigten Einsteins Photonentheorie.

Beispiel 38.3 Energie des Photons

Berechnen Sie die Energie eines Photons aus blauem Licht mit λ = 450 nm.

Lösung
Wegen f = c/λ gilt
hc (6,63 · 10−34 J·s)(3,0 · 108 m/s)
E = hf = = = 4,4 · 10−19 J
λ (4,5 · 10−7 m)
oder (4,4 · 10−19 J)/(1,6 · 10−19 J/eV) = 2,7 eV.
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Beispiel 38.4 · Abschätzung Photonen aus einer Glühlampe

Schätzen Sie ab, wie viele Photonen eine Glühlampe mit 100 W pro Sekunde
im sichtbaren Bereich des Lichts emittiert.

Lösung
Gehen wir von einer durchschnittlichen Wellenlänge im Zentrum des sichtba-
ren Spektrums aus, also λ ≈ 500 nm. Die in einer Sekunde emittierte Energie
(= 100 J) ist durch E = nhf bestimmt. Dabei ist n die Anzahl der pro Sekunde
emittierten Photonen und f = c/λ. Folglich gilt
E Eλ (100 J)(500 · 10−9 m)
n= = = = 2,5 · 1020 .
hf hc (6,63 · 10−34 J·s)(3,0 · 108 m/s)

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38.2 Photonentheorie des Lichts und der photoelektrische Effekt

Damit überschätzen wir die Sache, weil ein Großteil der 100 J an elektrischer
Energie in Wärme anstatt in Licht umgewandelt wird. Wenn der Wirkungsgrad
der Glühlampe bei einem Prozent liegt, dann liegt die Zahl der emittierten
Photonen bei 1018 – noch immer eine sehr große Zahl.

Beispiel 38.5 Geschwindigkeit und Energie


eines Photoelektrons
Wie groß ist die maximale kinetische Energie und die Geschwindigkeit eines
Elektrons, das aus der Oberfläche eines Natriumkristalls mit der Austrittsarbeit
W0 = 2,28 eV herausgeschlagen wird, wenn Licht der Wellenlänge (a) 410 nm
oder (b) 550 nm einfällt?

Lösung
a Im Falle λ = 410 nm gilt
hc
hf = = 4,85 · 10−19 J oder 3,03 eV .
λ
Aus Gleichung 38.5 ergibt sich Ekin max = 3,03 eV − 2,28 eV = 0,75 eV oder

1,2 · 10 −19 J. Wegen Ekin = 2 mv mit m = 9,1 · 10−31 kg gilt


1 2


2Ekin
v= = 5,1 · 105 m/s .
m
Beachten Sie, dass wir für die kinetische Energie die nichtrelativistische
Gleichung verwendet haben. Wenn sich für v ein größerer Wert als ein
Zehntel der Lichtgeschwindigkeit ergeben hätte, dann würde der berech-
nete Wert mehr als ein Prozent vom korrekten Wert abweichen, und es
wäre besser, die Berechnung unter Verwendung der relativistischen Glei-
chung 37.10 zu wiederholen.

b Im Falle λ = 550 nm gilt hf = 3,61 · 10−19 J = 2,26 eV. Da diese Photo-


Bild
nenenergie geringer als die Austrittsarbeit ist, wird kein Elektron heraus- Tonspur
geschlagen.
Photozelle

Anwendungen des photoelektrischen Effekts


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Abgesehen davon, dass der photoelektrische Effekt eine wichtige historische Rolle kleine
Licht-
bei der Bestätigung der Photonentheorie des Lichts spielte, besitzt er auch viele
quelle
praktische Anwendungen. Diebstahlsicherungen und automatische Türöffner ver-
wenden häufig die Schaltung mit Photozelle aus  Abbildung 38.4. Wenn eine Per-
son den Lichtstrahl unterbricht, aktiviert der plötzliche Stromabfall einen Schal-
ter – meist in Form einer Magnetspule – der eine Alarmglocke in Gang setzt oder die
Tür öffnet. Wegen seiner Unsichtbarkeit wird in Alarmanlagen manchmal UV- oder Abbildung 38.6 Optische Tonspur eines
Films. Im Projektor passiert Licht aus einer
IR-Licht verwendet. Viele Rauchmelder benutzen den photoelektrischen Effekt, kleinen Quelle (die von der für das Bild
um winzige Rauchmengen zu erkennen, die den Lichtfluss unterbrechen und somit verschieden ist) die Tonspur des Films. Durch
den elektrischen Strom verändern. Photografische Lichtmesser machen ebenfalls die hellen und dunklen Bereiche der Tonspur
Gebrauch von dieser Schaltung. Photozellen werden auch in vielen anderen Gerä- wird die Intensität des durchgehenden
Lichts variiert, das die Photozelle erreicht.
ten verwendet, wie beispielsweise in Absorptionsspektrometern zur Messung der Deren Ausgangsstrom ist deshalb wie der
Lichtintensität. Zum Aufzeichnen des Tonsignals eines Films benutzt man einen Originalton moduliert. Der Ausgangsstrom
schmalen Bereich am Rand des Films, der entsprechend dem Ton unterschiedlich wird verstärkt und an die Lautsprecher
geschickt. Hochwertige Projektoren können
geschwärzt wird. Das durch den Film hindurchlaufende Licht wird durch diesen
Filme mit mehreren parallelen Tonspuren
Bereich „moduliert“ und das elektrische Ausgangssignal des Photozell-Detektors zeigen, die an verschiedene Lautsprecher im
folgt den Frequenzen der Tonspur (siehe  Abbildung 38.6). Bei vielen modernen Kinosaal gehen.

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38 FRÜHE QUANTENTHEORIE UND ATOMMODELLE

Anwendungen wurde die gewöhnliche Photozelle aus  Abbildung 38.4 durch


ein als Photodiode bezeichnetes Halbleiterbauelement ersetzt. Die Absorption ei-
nes Photons setzt in diesen Halbleitern ein gebundenes Elektron frei, wodurch
die Leitfähigkeit des Materials verändert und damit auch der Strom durch die
Photodiode modifiziert wird.

ANGEWANDTE PHYSIK
Beispiel 38.6 Photosynthese
Photosynthese

Bei der Photosynthese, dem Prozess, bei dem Pigmente wie Chlorophyll in
Pflanzen die Energie des Sonnenlichts einfangen, um aus CO2 Kohlenhy-
drate und O2 zu gewinnen, werden zur Umwandlung eines CO2 -Moleküls
in Kohlenhydrat und Sauerstoff etwa 9 Photonen benötigt. Wie effizient ist
der Prozess der Photosynthese unter der Annahme, dass Licht der Wellen-
länge λ = 670 nm einfällt (Chlorophyll absorbiert am stärksten im Bereich
von λ = 650 nm bis λ = 700 nm)? Die umgekehrte chemische Reaktion setzt
eine Energie von 4,9 eV pro CO2 -Molekül frei.

Lösung
Die Gesamtenergie von neun Photonen mit einer Energie von jeweils hf =
hc/λ beträgt (9)(6,6 · 10−34 J · s)(3,0 · 108 m/s)(6,7 · 10−7 m) = 2,7 · 10−18 J oder
17 eV. Der Prozess besitzt also eine Effizienz von (4,9 eV/17 eV) = 29 Prozent.

38.3 Photonen und der Compton-Effekt


Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Photonentheorie auch durch etliche
andere Experimente bestätigt. Eines davon bezog sich auf den nach seinem Ent-
decker, A.H. Compton (1892–1962), benannten Compton-Effekt (1923). Compton
streute kurzwelliges Licht (genauer Röntgenstrahlung) an verschiedenen Materia-
lien. Er stellte fest, dass das gestreute Licht eine etwas größere Wellenlänge besaß
als das einfallende Licht und dass die damit etwas geringere Frequenz ein Zei-
chen des Energieverlustes ist. Er zeigte, dass diese Feststellung auf Grundlage der
Photonentheorie des Lichts erklärt werden kann, indem man sich Photonen vor-
stellt, die mit den Elektronen des Materials zusammenstoßen (siehe Aufgabe 38.7).
Er wendete den Impuls- und den Energieerhaltungssatz auf solche Stöße an und
stellte fest, dass die sich daraus ergebenden Vorhersagen für die Energien der
gestreuten Photonen mit den experimentellen Resultaten im Einklang standen.
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Sehen wir uns den Compton-Effekt genauer an und versuchen wir, die Ver-
schiebung der Wellenlänge mithilfe der Photonentheorie des Licht und  Abbil-
dung 38.7 zu bestimmen. Zunächst sei darauf hingewiesen, dass das Photon in
der Tat ein relativistisches Teilchen ist – es bewegt sich mit Lichtgeschwindigkeit.
Deshalb müssen wir die relativistischen Gleichungen verwenden, wenn wir uns
mit seiner Masse, seiner Energie und seinem Impuls befassen.  Der Impuls eines
Teilchen mit der Ruhemasse m ist durch p = γ mv = mv/ 1 − v 2 /c2 gegeben. Da
für ein Photon v = c gilt, ist der Nenner null. Die Ruhemasse eines Photons muss
Abbildung 38.7 Der Compton-Effekt. Ein also null sein, weil sonst sein Impuls unendlich groß wäre. Natürlich befindet sich
einzelnes Photon der Wellenlänge λ trifft
ein Photon niemals in Ruhe. Der Impuls eines Photons ist nach Gleichung 37.13
auf ein Elektron im Material und schlägt
es aus dem Atom heraus. Das gestreute mit m = 0 durch E 2 = p2 c2 oder
Photon besitzt weniger Energie (weil es E
einen bestimmten Betrag an das Elektron p=
abgegeben hat) und somit eine größere c
Wellenlänge λ . In den Experimenten wurde gegeben. Wegen E = hf besteht zwischen dem Impuls und der Wellenlänge des
gestreute Röntgenstrahlung von genau der Photons die Beziehung
Wellenlänge gefunden, die sich aus der
Energie- und Impulserhaltung mithilfe der hf h
p= = . (38.5)
Photonentheorie ergibt. c λ

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38.3 Photonen und der Compton-Effekt

Wenn das einfallende Photon in  Abbildung 38.7 die Wellenlänge λ besitzt, dann
ist dessen Gesamtenergie und dessen Impuls
hc h
E = hf = und p = .
λ λ
Wie in  Abbildung 38.7 gezeigt, besitzt das gestreute Photon nach dem Stoß im
Winkel von φ eine Wellenlänge λ . Energie und Impuls des Photons sind
hc h
E = und p = .
λ λ
Das Elektron, das sich vor dem Stoß in Ruhe befindet, ist nach dem Stoß frei
beweglich und wird in einem Winkel von θ gestreut (siehe  Abbildung 38.7). Für
die kinetische Energie des Elektrons gilt (siehe Gleichung 37.10):

e
1
Ekin =  − 1 me c 2 ,
1 − v 2 /c2
wobei me die Ruhemasse des Elektrons ist und v dessen Geschwindigkeit. Der
Impuls des Elektrons ist
1
pe =  me v .
1 − v 2 /c2
Wir wenden den Energieerhaltungssatz auf den Stoß an (siehe  Abbildung 38.7):
E(einfallendes Photon) = E(gestreutes Photon) + E(Elektron)

hc hc 1
= +  − 1 me c 2 .
λ λ 1 − v 2 /c2
Außerdem wenden wir den Impulserhaltungssatz auf die x- und y-Komponenten
des Impulses an:
h h me v cos θ
= cos φ + 
λ λ 1 − v 2 /c2
h me v sin θ
0 = sin φ −  .
λ 1 − v 2 /c2
Wir können in diesen drei Gleichungen v und θ eliminieren (die eigentliche Rech-
nung überlassen wir Ihnen in Aufgabe 25) und erhalten eine Gleichung für die
Wellenlänge der gestreuten Photonen als Funktion des Streuwinkels φ:
h
λ = λ + (1 − cos φ) .
me c
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Für φ = 0 bleibt die Wellenlänge unverändert (es gibt keinen Stoß, wenn das
Photon gerade durchfliegt). In jedem anderen Winkel ist λ größer als λ. Die Wel-
lenlängendifferenz,
h
Δλ = λ − λ = (1 − cos φ) , (38.6)
me c
Abbildung 38.8 Strahlungsintensität der an
wird als Compton-Verschiebung bezeichnet. Die Größe h/me c mit der Dimension
Graphit (Kohlenstoff) gestreuten Photonen
einer Länge wird als Compton-Wellenlänge λC eines freien Elektrons bezeichnet: bei drei verschiedenen Winkeln. Die Werte
von λ erfüllen Gleichung 38.6. In (a), φ = 0◦ ,
h gilt λ = λ0 . In (b) und (c) wurden jeweils
λC = = 2,43 · 10−3 nm = 2,43 pm . (Elektron)
me c zwei Maxima beobachtet: (i) eines bei λ ,
das sich durch Compton-Streuung an fast
Aus Gleichung 38.6 geht hervor, dass λ vom Beobachtungswinkel φ abhängt. Die freien Elektronen (Valenzelektronen) des
1923 von Compton durchgeführten Messungen waren mit dieser Gleichung kon- Kohlenstoffs ergibt; (ii) ein zweites nahe
sistent. Sie bestätigten den Wert von λC und die φ-Abhängigkeit von λ (siehe λ0 . Dieses Maximum geht auf die Streuung
 Abbildung 38.8). Die Wellentheorie des Lichts sagt keine Wellenlängenverschie- an Elektronen zurück, die sehr stark an das
Atom gebunden sind, so dass die Masse
bung voraus: Eine einfallende elektromagnetische Welle der Frequenz f sollte in Gleichung 38.6 sehr groß (gleich der
Elektronen in Schwingungen derselben Frequenz versetzen, die ihrerseits wieder Atommasse) und Δλ dadurch sehr klein wird.

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38 FRÜHE QUANTENTHEORIE UND ATOMMODELLE

elektromagnetische Wellen eben dieser Frequenz f emittieren sollten (Kapitel 32).


Diese sollten nicht vom Winkel φ abhängen. Somit gehört der Compton-Effekt zu
den Experimenten, die die Teilcheneigenschaft und damit die Photonentheorie
des Lichts bestätigen.

Beispiel 38.7 Röntgenstreuung

Röntgenstrahlung der Wellenlänge 0,140 nm wird an einem Stück Graphit


(Kohlenstoff) gestreut. Wie groß ist die Wellenlänge der gestreuten Röntgen-
strahlung im Winkel von (a) 0◦ , (b) 90◦ und (c) 180◦ ?

Lösung
a Für φ = 0◦ ist cos φ = 1, und aus Gleichung 38.6 folgt λ = λ = 0,140 nm.
Dies ist vernünftig, weil es in diesem Fall keinen Stoß gibt und das Photon
ohne Wechselwirkung geradeaus durchfliegt.

b Für φ = 90◦ ist cos φ = 0, so dass


h 6,63 · 10−34 J·s
λ = λ + = 0,140 nm +
me c (9,11 · 10−31 kg)(3,00 · 108 m/s)
= 0,140 nm + 2,4 · 10−12 m = 0,142 nm
gilt, die Wellenlänge ist also um eine Compton-Wellenlänge größer
(= 0,0024 nm für ein Elektron).

c Für φ = 180◦ ist cos φ = −1. In diesem Fall (einem direkten frontalen
Stoß) wird das Photon rückwärts gestreut, es kehrt also in die Richtung
zurück, aus der es gekommen ist. Es gilt
h
λ = λ + 2 = 0,140 nm + 2(0,0024 nm) = 0,145 nm .
me c

Der Compton-Effekt wird zur Diagnose von Knochenerkrankungen wie Osteopo-


ANGEWANDTE PHYSIK rose eingesetzt. Gammastrahlung aus einer radioaktiven Quelle, die aus Photonen
noch geringerer Wellenlänge als Röntgenstrahlung besteht, wird am Knochen ge-
Messung der Knochendichte
streut. Die Gesamtintensität der gestreuten Strahlung ist proportional zur Elektro-
nendichte, die wiederum proportional zur Knochendichte ist. Veränderungen der
Knochendichte können auf beginnende Osteoporose hinweisen.
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38.4 Photonenwechselwirkungen; Paarerzeugung


Wenn Photonen Materie durchdringen, wechselwirken sie mit den Atomen und
Elektronen. Es gibt vier wesentliche Arten der Wechselwirkung, denen Photonen
unterliegen können:

Photonenwechselwirkungen 1 Ein Photon kann an einem Elektron (oder an einem Kern) gestreut werden
und bei diesem Prozess Energie verlieren; das ist der Compton-Effekt (siehe
 Abbildung 38.7). Beachten Sie aber, dass dieses Photon nicht abgebremst
wird. Es bewegt sich immer noch mit der Geschwindigkeit c, besitzt allerdings
eine geringere Frequenz.

2 Der photoelektrische Effekt: Ein Photon kann ein Elektron aus einem Atom
herausschlagen und bei diesem Prozess selbst absorbiert werden.

3 Das Photon kann ein Elektron in der Atomhülle in einen Zustand mit höherer
Energie versetzen, falls die Energie des Photons nicht dafür ausreicht, es

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38.4 Photonenwechselwirkungen; Paarerzeugung

ganz herauszuschlagen. Bei diesem Prozess wird das Photon absorbiert und
übergibt seine gesamte Energie dem Atom. Ein solches Atom befindet sich in
einem angeregten Zustand. Wir werden dies später detaillierter diskutieren.

4 Paarerzeugung: Ein Photon kann tatsächlich Materie erzeugen, zum Beispiel


durch die Erzeugung eines Elektron-Positron-Paares (siehe  Abbildung 38.9).
(Ein Positron besitzt dieselbe Masse wie ein Elektron, jedoch die entgegenge-
setzte Ladung +e.)

Der letzte Prozess wird Paarerzeugung genannt, weil das Photon während dieses Paarerzeugung
Prozesses verschwindet und dabei ein Elektron-Positron-Paar erzeugt. Dies ist ein
Beispiel für die Erzeugung von Ruhemasse aus der Energie eines Photons, eines
Teilchens mit Ruhemasse = 0. Dies geschieht nach der Einstein’schen Gleichung
E = mc2 . Es sei darauf hingewiesen, dass das Photon kein einzelnes Elektron er-
zeugen kann, weil dann die Ladung nicht erhalten wäre. Der Umkehrprozess der
Paarerzeugung tritt ebenfalls auf: Wenn ein Elektron mit einem Positron zusam-
menstößt, dann vernichten sich die beiden Teilchen gegenseitig, und ihre Energie,
also auch ihre Masse, erscheint in Form der elektromagnetischen Energie des Pho-
tons. Aufgrund dieses Prozesses hat ein Positron in der Natur gewöhnlich keine
lange Überlebensdauer. Abbildung 38.9 Paarerzeugung: Ein Photon
verschwindet und erzeugt ein Elektron-
Positron-Paar.

Beispiel 38.8 Paarerzeugung

Wie groß muss (a) die Energie eines Photons mindestens sein, das ein Elektron-
Positron-Paar erzeugen kann? (b) Wie groß ist die Wellenlänge dieses Photons?

Lösung
a Wegen E = mc2 muss die Energie des Photons gleich der erzeugten Masse
sein, das sind also zwei Elektronenmassen
E = 2(9,11 · 10−31 kg)(3,0 · 108 m/s)2 = 1,64 · 10−13 J = 1,02 MeV .
Ein Photon mit weniger Energie kann kein Elektron-Positron-Paar erzeu-
gen.

b Wegen E = hf = hc/λ ist die Wellenlänge eines Photons mit 1,02 MeV
hc (6,6 · 10−34 J·s)(3,0 · 108 m/s)
λ= = = 1,2 · 10−12 m ,
E (1,64 · 10−13 J)
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also 0,0012 nm. Solche Photonen liegen im Bereich der Gammastrahlen


(oder im Bereich der Röntgenstrahlen mit sehr kurzer Wellenlänge) des
elektromagnetischen Spektrums.

Die Paarerzeugung kommt im Vakuum nicht vor, weil dann Energie und Impuls
nicht gleichzeitig erhalten bleiben können. Im Beispiel 38.8 etwa ist die Energie
erhalten, es stand allerdings nur soviel Energie zur Verfügung wie zur Erzeugung
des Elektron-Positron-Paares im Ruhezustand notwendig, und somit fand keine
Impulsübertragung des ursprünglichen Impulses des Photons statt. Es lässt sich
tatsächlich zeigen, dass zusätzliche Energie in Form eines massebehafteten Kör-
pers, beispielsweise eines Atomkerns, an dem Konversionsprozess beteiligt sein
muss, um einen Teil des Impulses aufzunehmen.

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38 FRÜHE QUANTENTHEORIE UND ATOMMODELLE

• T Welle-Teilchen-Dualismus 38.5 Welle-Teilchen-Dualismus;


das Komplementaritätsprinzip
Der photoelektrische Effekt, der Compton-Effekt und andere Experimente haben
die Photonentheorie des Lichts auf eine solide experimentelle Basis gestellt. Was
ist aber mit den klassischen Experimenten zur Interferenz und Beugung (Kapitel 35
und 36), die zeigten, dass auch die Wellentheorie des Lichts auf einer soliden
experimentellen Basis steht?
Wir scheinen in einem Dilemma zu stecken. Einige Experimente ergeben, dass
sich Licht wie eine Welle verhält; andere zeigen, dass es mit einem Teilchen-
strom vergleichbar ist. Dieser fundamentale Dualismus ist mit den Konzepten
der klassischen Physik nicht erklärbar, die klassische Physik kennt nur „Welle
oder Teilchen“, nicht aber Welle- und Teilcheneigenschaft. Die besprochenen Ex-
Welle-Teilchen-Dualismus permimente haben die Physiker überzeugt, dass dieser Welle-Teilchen-Dualismus
akzeptiert und auf eine theoretische Grundlage gestellt werden muss. Offenbar
ist Licht ein komplexeres Phänomen als eine einfache Welle oder ein einfacher
Teilchenstrom.
Um die Situation zu klären, schlug der große dänische Physiker Niels Bohr
Komplementaritätsprinzip (1885–1962,  Abbildung 38.10) sein berühmtes Komplementaritätsprinzip vor.
Es besagt, dass wir zum Verständnis eines gegebenen Experiments entweder die
Wellentheorie oder die Photonentheorie anwenden müssen, jedoch nicht beide
gleichzeitig. Dennoch müssen wir uns sowohl des Wellencharakters als auch des
Teilchencharakters des Lichts bewusst sein, wenn wir an einem vollständigen
Verständnis des Lichts interessiert sind. Diese beiden Aspekte ergänzen sich also
gegenseitig.
Eine Veranschaulichung dieser Dualität ist nicht möglich. Wir können uns keine
Kombination aus Welle und Teilchen vorstellen. Stattdessen müssen wir erkennen,
dass die beiden Aspekte des Lichts wie zwei verschiedene „Gesichter“ sind, die
das Licht den Experimentatoren zeigt.
Ein Teil der Probleme hängt mit unserer Denkweise zusammen. Alle visuellen
Darstellungen (oder die Modelle) in unseren Köpfen basieren auf unserer alltägli-
chen Wahrnehmung. Wir wenden die Konzepte von Welle und Teilchen auf das
Licht an, weil wir in der makroskopischen Welt erfahren, dass Energie jeweils mit
einer dieser beiden Methoden von einem Ort zum anderen transportiert wird. Wir
Abbildung 38.10 Niels Bohr mit Enrico Fermi können nicht direkt erkennen, ob Licht eine Welle oder ein Teilchen ist – daher füh-
bei einem Spaziergang entlang der Via Appia ren wir Experimente durch. Um das Verhalten des Lichts in den Experimenten zu
vor den Toren Roms.
erklären, wenden wir entweder das Wellenmodell oder das Teilchenmodell an. Da-
bei handelt es sich allerdings um Abstraktionen des menschlichen Geistes. Wenn
wir begreifen wollen, was Licht wirklich „ist“ , dann suchen wir zunächst nach
einer Visualisierung. Es gibt jedoch keinen Grund, weshalb sich Licht den Model-
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len (oder Visualisierungen) aus der makroskopischen Welt unterwerfen sollte. Die
„wirkliche“ Natur des Lichts – wenn dies etwas bedeutet – ist nicht visualisierbar.
Am besten ist es, sich zu vergegenwärtigen, dass unser Wissen auf indirekte Expe-
rimente beschränkt ist und das Licht dabei, in unserer Alltagssprache und durch
Alltagsvorstellung ausgedrückt, sowohl Wellen- als auch Teilcheneigenschaften
offenbart.
Es sei erwähnt, dass die Einstein’sche Gleichung E = hf selbst die Teilchen-
und Welleneigenschaften eines Lichtstrahls miteinander verknüpft. In dieser Glei-
chung bezieht sich E auf die Energie eines Teilchens; auf der anderen Seite der
Gleichung steht die Frequenz der dazugehörigen Welle.


T Welleneigenschaften von Materie 38.6 Die Wellennatur der Materie
Im Jahre 1923 erweiterte Louis de Broglie (1892–1987) den Begriff des Welle-
Teilchen-Dualismus. Er erkannte die Symmetrie als wichtiges Prinzip in der Na-
tur. Wenn sich Licht manchmal wie eine Welle und manchmal wie ein Teilchen
verhält, so argumentierte er, dann sollten vielleicht umgekehrt auch die Dinge, die

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38.6 Die Wellennatur der Materie

wir in der Natur als Teilchen betrachten – wie Elektronen und andere materielle
Körper – Welleneigenschaften aufweisen. De Broglie schlug vor, dass die Wellen-
länge eines Masseteilchens genauso mit seinem Impuls verknüpft sein sollte wie
bei einem Photon, Gleichung 38.5, p = h/λ. Das heißt, die Wellenlänge λ eines
Teilchens mit dem linearen Impuls p ist durch durch

h
λ= (38.7) de-Broglie-Wellenlänge
p

gegeben. Diese wird manchmal als de-Broglie-Wellenlänge eines Teilchens be-


zeichnet.

Beispiel 38.9 Wellenlänge einer Kugel

Berechnen Sie die de-Broglie-Wellenlänge einer Kugel (0,20 kg), sie sich mit
einer Geschwindigkeit von 15 m/s bewegt. Diskutieren Sie das Ergebnis.

Lösung

h h (6,6 · 10−34 J·s)


λ= = = = 2,2 · 10−34 m .
p mv (0,20 kg)(15 m/s)

Das ist eine extrem kurze Wellenlänge. Selbst wenn die Geschwindigkeit klein
wäre, zum Beispiel 10−4 m/s, wäre die Wellenlänge etwa 10−29 m. Sie ist tatsäch-
lich so gering, dass sich die Wellenlänge eines makroskopischen Körpers einer
Messung oder einem Nachweis entzieht, denn die Welleneigenschaften, wie In-
terferenz und Beugung, sind nur dann maßgeblich, wenn die Abmessungen des
dabei verwendeten Körpers oder Spalts die Wellenlänge nicht wesentlich über-
steigen. Da es keine Körper oder Spalte gibt, die Wellen mit einer Wellenlänge
von 10−30 m beugen könnten, bleiben die Welleneigenschaften makroskopischer
Körper unentdeckt.
Anders verhält es sich dagegen mit Elementarteilchen wie dem Elektron. Da
m im Nenner von Gleichung 38.7 steht, führt eine sehr geringe Masse zu einer
größeren Wellenlänge.
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Beispiel 38.10 Wellenlänge eines Elektrons

Bestimmen Sie die Wellenlänge eines Elektrons, das durch eine Potentialdif-
ferenz von 100 V beschleunigt wurde.

Lösung
Wir gehen davon aus, dass die Geschwindigkeit des Elektrons viel kleiner als
c ist, so dass wir die nichtrelativistische Mechanik benutzen können. (Wenn
sich diese Annahme als falsch herausstellen sollte, müssten wir eine Neu-
berechnung mithilfe der relativistischen Gleichungen anstellen – siehe Ab-
schnitt 37.9 und 37.11.) Der Gewinn an kinetischer Energie ist gleich dem
Verlust an potentieller Energie, so dass 12 mv 2 = eV ist und

2 eV (2)(1,6 · 10−19 C)(100 V)
v= = = 5,9 · 106 m/s
m (9,1 · 10−31 kg)

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38 FRÜHE QUANTENTHEORIE UND ATOMMODELLE

gilt. Dann ist


h (6,6 · 10−34 J·s)
λ= = = 1,2 · 10−10 m
mv (9,1 · 10−31 kg)(5,9 · 106 m/s)
oder 0,12 nm.

Aus diesem Beispiel erkennen wir, dass Elektronen Wellenlängen im Bereich von
10−10 m haben können. Obwohl auch diese Wellenlänge klein ist, kann sie durch
Beugung der Elektronen an Kristallen gemessen werden: Kristalle sind regelmä-
ßige, räumlich periodische Anordnungen von Atomen. Sie bilden für die Elektro-
nen ein Beugungsgitter, so wie wir es bereits im Fall der Röntgenstrahlung (Ab-
schnitt 36.10) diskutiert haben. Der Atomabstand und die räumliche Periode des
Beugungsgitters liegen im Bereich von 10−10 m. C.J. Davisson und L.H. Germer
führten die entscheidenden Experimente durch; sie richteten einen Elektronen-
strahl auf eine Metalloberfläche (Kristall) und beobachteten Anfang 1927, dass
gestreute Elektronen nur in ganz bestimmten Raumrichtungen auftraten. Die ge-
streuten Elektronen wurden mittels eines Schirms sichtbar gemacht und erga-
ben ein Beugungsbild, das aus einzelnen Maxima (Peaks) besteht. Die Auswer-
tung des Beugungsbildes ergab Elektronenwellenlängen der gebeugten Elektro-
nen, die genau mit der von de Broglie vorhergesagten übereinstimmten (siehe
Gleichung 38.7). Im selben Jahr beobachtete auch G.P. Thomson (der Sohn von
J.J. Thomson, dem die Entdeckung der Teilchennatur von Elektronen zugeschrie-
ben wird, wie wir aus Abschnitt 27.7 wissen) die Beugung von Elektronen in
einem anderen Experiment (siehe  Abbildung 38.11). Es ist mit der Röntgen-
Abbildung 38.11 Elektronen-Beugungsbild beugung, Abschnitt 36.10, vergleichbar. Nachfolgende Experimente ergaben, dass
einer dünnen Aluminiumfolie, die aus einer auch Protonen, Neutronen und andere Elementarteilchen Welleneigenschaften be-
großen Zahl von unterschiedlich orientierten sitzen.
Kristallen besteht. Der durchgehende, nicht Somit lässt sich der Welle-Teilchen-Dualismus auf Teilchen mit Ruhemasse un-
gebeugte Elektronenstrahl befindet sich
in der Mitte des hellen Kreises. Gebeugte gleich null genau wie auf Licht anwenden. Auch das Komplementaritätsprinzip
Elektronen treten nur in ganz bestimmten ist auf Teilchen mit Ruhemasse ungleich null anwendbar. Wir müssen uns sowohl
Raumrichtungen auf, die in der Projektion der Wellen- als auch der Teilchenaspekte bewusst sein, wenn wir eine Vorstel-
Kreisringe ergeben. In diesem Beugungsbild
lung von Materie einschließlich der Elektronen haben wollen. Doch müssen wir
sind 4 vollständige Kreise erkennbar.
uns abermals vergegenwärtigen, dass eine Visualisierung eines „Welle-Teilchens“
unmöglich ist.
Wir können uns fragen: „Was ist ein Elektron?“ Bei frühen Experimenten von
Was ist ein Elektron? J.J. Thomson (Abschnitt 27.7) zeigte sich in einer Kathodenstrahlröhre eine Leucht-
spur, die sich bei Anwendung eines magnetischen Feldes verschob. Die Resultate
dieses und anderer Experimente konnten am besten interpretiert werden, wenn
man davon ausging, dass die Leuchtspur von winzigen, negativ geladenen Teil-
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chen herrührte, die wir heute als Elektronen bezeichnen. Tatsächlich hat bisher
niemand ein Elektron unmittelbar gesehen. Das Bild, das wir uns davon manch-
mal in Form einer winzigen Kugel mit negativer Ladung machen, ist lediglich
ein zweckmäßiges Abbild (das sich jedoch als ungenau erweist). Wiederum müs-
sen wir uns auf Experimente verlassen, von denen einige am besten mithilfe des
Teilchenmodells interpretiert werden können, andere dagegen mithilfe des Wel-
lenmodells. Immer handelt es sich aber um Bilder, die wir benutzen, um von der
makroskopischen Welt auf die mikroskopische Welt der Atome zu extrapolieren.
Es gibt keinen Grund, weshalb man erwarten sollte, dass diese Modelle die Realität
eines Elektrons auch nur in irgendeiner Weise widerspiegeln. Wir verwenden also
ein Welle- oder Teilchenmodell (je nach Situation), damit wir uns darüber verstän-
digen können, was passiert. Wir sollten allerdings nicht glauben, dass ein Elektron
eine Welle oder ein Teilchen ist. Stattdessen könnten wir sagen, dass ein Elektron
die Menge der von uns messbaren Eigenschaften verkörpert. Bertrand Russell hat
diesen Sachverhalt gut formuliert als er schrieb, dass ein Elektron nichts anderes
als eine „logische Konstruktion“ sei.

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38.7 Elektronenmikroskope

ANGEWANDTE PHYSIK
Beispiel 38.11 Elektronenbeugung Elektronenbeugung

Die Wellennatur von Elektronen offenbart sich in Experimenten, bei denen ein
Elektronenstrahl mit Atomen auf einer Festkörperoberfläche wechselwirkt.
Wenn man die Winkelverteilung der gebeugten Elektronen untersucht, kann
man indirekt die geometrische Anordnung der Atome bestimmen. Ein solches
Experiment haben wir vorhin erläutert, Davisson und Germer haben es als
erste durchgeführt. Angenommen, die Elektronen treffen senkrecht auf die
Festkörperoberfläche auf (siehe  Abbildung 38.12), und die Energie der Elek-
tronen ist so niedrig, Ekin = 100 eV, dass sie nur mit den Oberflächenatomen
wechselwirken. Wie groß ist der Abstand zwischen den Oberflächenatomen,
wenn der kleinste Winkel, bei dem ein Beugungsmaximum festgestellt wird,
24◦ ist?

Lösung
Wenn wir die Elektronen als Welle behandeln, müssen wir die Bedingungen
bestimmen, unter denen der Gangunterschied zwischen zwei Wellen, die an Abbildung 38.12 Beispiel 38.11.
benachbarten Atomen gebeugt werden, ein ganzzahliges Vielfaches der de-
Broglie-Wellenlänge ist, so dass konstruktive Interferenz auftritt. Der Gang-
unterschied beträgt d sin θ; für den kleinsten Wert von θ muss
d sin θ = λ
gelten. Die Wellenlänge λ ist jedoch mit der (nichtrelativistischen) kinetischen
Energie Ekin durch
p2 h2
Ekin = =
2me 2me λ2
verknüpft. Es gilt also
h (6,63 · 10−34 J·s)
λ= √ =  = 0,123 nm .
2me Ekin 2(9,11 · 10−13 kg)(100 eV)(1,6 · 10−19 J/eV)
Der Abstand zwischen den Oberflächenatomen ist
λ 0,123 nm
d= = = 0,30 nm .
sin θ sin 24◦
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38.7 Elektronenmikroskope
Die Vorstellung, dass Elektronen Welleneigenschaften besitzen, führte zur Ent-
wicklung des Elektronenmikroskops , das Bilder mit viel höherer Auflösung pro- ANGEWANDTE PHYSIK
duzieren kann als ein Lichtmikroskop. Das erste Elektronenmikroskop konstru-
Elektronenmikroskop
ierte und betrieb Ernst Ruska (1906–1988) in Berlin im Jahre 1931. Im Jahre 1986
erhielt er dafür den Nobelpreis. Die  Abbildungen 38.13 und  38.14 zeigen Dia-
gramme von zwei verschiedenen Arten, das Transmissionselektronenmikroskop,
in dem die Probe durchstrahlt wird, und das Rasterelektronenmikroskop, in dem
die Oberfläche einer Probe mit einem feinen Elektronenstrahl abgerastert wird und
die von der Oberfläche emittierten (Sekundär-) Elektronen als Messsignal verwen-
det werden. Bei beiden Mikroskoparten werden Spulen als (magnetische) Linsen
verwendet. Die fokussierende Wirkung ergibt sich durch die Lorentz-Kraft auf die
Elektronen, die diese Linsen (Spulen) durchlaufen.
Wie in Abschnitt 36.5 diskutiert, liegt das Auflösungsvermögen für Objektde-
tails im Bereich der Wellenlänge der zur Beobachtung verwendeten Strahlung.
Elektronen, die durch Spannungen der Größenordnung 105 V beschleunigt wer-

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38 FRÜHE QUANTENTHEORIE UND ATOMMODELLE

Abbildung 38.14 Raster-


elektronenmikroskop.
Die Ablenkspulen bewe-
gen den Elektronenstrahl
zeilenweise über die Pro-
benoberfläche. Die beim
Auftreffen des Strahls
auf der Probe erzeug-
ten Sekundärelektronen
werden aufgefangen und
ihre Intensität in einem
Graustufenbild auf einem
Bildschirm dargestellt.

den, besitzen Wellenlängen im Bereich von 0,004 nm. Die maximal erreichbare
Auflösung würde ebenfalls in diesem Bereich liegen. Die Abbildungsfehler der
magnetischen Linsen begrenzen das Auflösungsvermögen von Transmissionselek-
tronenmikroskopen in der Praxis jedoch auf höchstens 0,1 nm bis 0,5 nm. Diese
Auflösung ist 104 -mal höher als mit einem Lichtmikroskop und ermöglicht detail-
lierte Einblicke in die Nanowelt von anorganischen, organischen und biologischen
Abbildung 38.13 Transmissionselektronen- Materialien. Mit Transmissionselektronenmikroskopen können Atome in Kristal-
mikroskop. Die Linsen sind als magnetische len direkt sichtbar gemacht werden. Rasterelektronenmikroskope, die die Ober-
Linsen, das heißt Spulen, ausgeführt, die
die Elektronen ablenken und wie dargestellt fläche von Proben abbilden, haben ein geringeres Auflösungsvermögen, größer
fokussieren. als 1 nm. Elektronenmikroskope sind wegen ihres hohen Auflösungsvermögens
Schlüsselwerkzeuge der Nanotechnologie.

38.8 Frühe Atommodelle


Die Vorstellung, dass Materie aus Atomen besteht, wurde 1900 von den meisten
Wissenschaftlern akzeptiert. Mit der Entdeckung des Elektrons begannen die Wis-
senschaftler, den Aufbau der Atome zu erforschen und damit auch die Elektro-
nenzustände in einem Atom. Wir führen Sie nun an unser modernes Verständnis
vom Aufbau der Atome und die damit verbundene Quantentheorie heran.2
Ein typisches Atommodell aus den 1890er Jahren visualisierte das Atom als
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Kugel mit homogen verteilter positiver Ladung, in der sich kleine, negativ ge-
ladene Elektronen befinden, wie etwa Rosinen in einem Kuchen (siehe  Abbil-
dung 38.15). Bald nachdem J.J. Thomson im Jahre 1897 das Elektron entdeckt
hatte, gelangte er zu der Ansicht, dass sich die Elektronen in diesem Atommodell
bewegen müssten.
Um 1911 führten Ernest Rutherford (1871–1937) und seine Kollegen Experi-
mente durch, deren Resultate dem Thomson’schen Atommodell widersprachen.
Bei diesen Experimenten wurde ein Strom positiv geladener α-Teilchen auf eine
dünne Metallfolie, beispielsweise eine Goldfolie, gerichtet (siehe  Abbil-
dung 38.16a). (Diese neuentdeckten α-Teilchen werden von bestimmten radioak-
tiven Materialien emittiert und wurden bald als doppelt ionisierte Heliumatome
identifiziert – sie besitzen eine Ladung von +2e.) Vom Thomson’schen Atom-

2 Einige Leser mögen sagen: „Vermitteln Sie die heute bekannten Fakten und langweilen
Sie uns nicht mit dem historischen Hintergrund und den altmodischen Theorien.“ Eine
solche Herangehensweise würde den kreativen Aspekt der Wissenschaft ignorieren und
folglich einen falschen Eindruck davon liefern, wie sich Wissenschaft entwickelt. Darüber
Abbildung 38.15 Rosinenkuchenmodell des hinaus ist es nicht möglich, die heutige Sicht auf Atome angemessen zu verstehen, ohne
Atoms. Einblick in die Konzepte zu haben, die dazu führten.

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38.8 Frühe Atommodelle

Abbildung 38.16 (a) Versuchsaufbau für


das Rutherford’sche Experiment: Die vom
Radon emittierten α-Teilchen treffen auf
eine Metallfolie, und einige davon werden
rückwärts abgelenkt; (b) Rückstreuung der
α-Teilchen als Abstoßung von einem schweren,
positiv geladenen Kern.

modell ausgehend erwartete man, dass die α-Teilchen nicht signifikant abgelenkt
würden, weil die Elektronen so viel leichter als α-Teilchen sind und die α-Teilchen
in diesem Modell nicht auf eine massiv konzentrierte positive Ladung treffen soll-
ten, die sie stark abstoßen würde. Die experimentellen Resultate widersprachen
diesen Vorhersagen vollständig. Es stellte sich heraus, dass die meisten α-Teilchen
die Folie unbeeinflusst passierten, so als wenn die Folie im Wesentlichen aus dem
leeren Raum bestehen würde. Von den abgelenkten Teilchen wurden ein paar um
sehr große Winkel abgelenkt – einige sogar nahezu in entgegengesetzter Richtung.
Rutherford schlussfolgerte, dass dies nur passieren könne, wenn die positiv gela- Rutherford’sches planetarisches
denen α-Teilchen von einer massiven positiven Ladung abgestoßen würden, die Atommodell
sich auf einen sehr kleinen Raum konzentriert (siehe  Abbildung 38.16b). Er ent-
wickelte die Theorie, dass das Atom aus einem sehr kleinen aber massiven, positiv
geladenen Kern besteht, der über 99,9 Prozent der Masse des Atoms einschließt
und den die Elektronen in einiger Entfernung umkreisen. Die Elektronen würden
sich in Umlaufbahnen um den Kern befinden - im Wesentlichen wie die Planeten
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um die Sonne – weil sie sonst im Ruhezustand aufgrund der elektrischen Anzie-
hung auf den Kern stürzen würden (siehe  Abbildung 38.17). Aus Rutherfords
Experimenten ergab sich, dass der Kern einen Radius von etwa 10−15 bis 10−14 m
haben sollte. Aus der kinetischen Theorie und insbesondere aus Einsteins Ana-
lyse der Brown’schen Bewegung (siehe Abschnitt 17.1) wurde der Atomradius auf
etwa 10−10 m geschätzt. Somit würden sich die Elektronen in einer Entfernung
von etwa 10 000 bis 100 000 Kernradien befinden. (Wenn der Kern die Größe eines
Baseballs hätte, würde das Atom den Durchmesser einer Großstadt von einigen
Kilometern besitzen.) Das Atom bestünde also zum Großteil aus leerem Raum.
Rutherfords „planetarisches“ Atommodell (auch als Kernmodell des Atoms be-
zeichnet) war ein großer Schritt in die Richtung, wie wir heute das Atom sehen. Es Abbildung 38.17 Rutherford’sches Atom-
modell, nach dem die Elektronen einen
war jedoch kein vollkommenes Modell und wies einige größere Schwächen auf,
kleinen, positiv geladenen Kern umkreisen
wie wir später sehen werden. (nicht maßstabsgetreu). Das Atom besteht im
Wesentlichen aus dem leeren Raum.

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38 FRÜHE QUANTENTHEORIE UND ATOMMODELLE

38.9 Atomspektren: Schlüssel zur Struktur des Atoms


Wir haben in diesem Kapitel bereits gesehen, dass Festkörper bei einer bestimmten
Temperatur (genau wie Flüssigkeiten und dichte Gase) Licht in einem kontinuier-
lichen Wellenlängenspektrum emittieren. Man nimmt an, dass diese Strahlung
auf die Oszillationen der Atome und Moleküle zurückgeht, die weitgehend durch
die Wechselwirkung jedes Atoms oder Moleküls mit seinen Nachbarn gesteuert
werden.

Abbildung 38.18 Gasentladungsröhre: (a) sche-


matisch; (b) Foto einer wirklichen Gasent-
ladungsröhre für Wasserstoff.

Gase mit geringer Dichte können ebenfalls zur Lichtemission angeregt werden.
Dies geschieht durch intensives Erwärmen oder üblicherweise durch Anlegen ei-
ner hohen Spannung an eine „Entladungsröhre“, die das Gas bei niedrigem Druck
enthält (siehe  Abbildung 38.18). Die Strahlung von angeregten Gasen war bereits
im frühen 19. Jahrhundert beobachtet worden, jedoch fand man anstelle eines kon-
tinuierlichen Spektrums ein diskretes. Weil angeregte Gase nur Licht bestimmter
Wellenlängen emittieren, ergibt sich bei der Beobachtung dieses Lichts durch den
Spalt eines Spektrometers ein Linienspektrum und kein kontinuierliches Spek-
trum. Die Linienspektren einiger Elemente im sichtbaren Bereich sind hier in
 Abbildung 38.19 gezeigt, genau wie zu Beginn dieses Kapitels sowie im Kapi-
tel 35. Das Emissionsspektrum ist für das Atom oder Molekül charakteristisch und
kann als eine Art „Fingerabdruck“ zur Identifikation des Gases dienen.
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Abbildung 38.19
Emissionspektren
von (a) atomarem
Wasserstoff,
(b) Helium und
(c) Absorptions-
spektrum der
Sonne.

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38.9 Atomspektren: Schlüssel zur Struktur des Atoms

Wenn Licht mit einem kontinuierlichen Spektrum ein Gas passiert, dann sind,
wie wir auch in Kapitel 35 gesehen haben, dunkle Linien im entstehenden Spek-
trum bei den Wellenlängen zu beobachten, die zu den von diesem Gas emittierten
Linien gehören. Dieses wird als Absorptionsspektrum (siehe  Abbildung 38.19c)
bezeichnet. Es ergibt sich experimentell, dass Gase Licht derselben Frequenz absor-
bieren können, die sie selbst emittieren. Mithilfe von Filmen, die für ultraviolettes
Licht und Infrarotlicht empfindlich sind, wurde festgestellt, dass Gase genau wie
im sichtbaren Bereich auch in diesem Bereich Licht diskreter Frequenzen emittie-
ren und absorbieren.
Für unsere Zwecke reicht es aus zu wissen, dass Gase bei niedrigen Drücken
und niedriger Dichte Linienspektren emittieren (oder absorbieren). In solchen
Gasen sind die Atome im Mittel so weit voneinander entfernt, dass man annehmen
kann, dass das emittierte oder absorbierte Licht von isolierten Atomen stammt und
nicht mit den Wechselwirkungen zwischen den Atomen zusammenhängt, wie
bei Festkörpern, Flüssigkeiten und dichten Gasen. Somit sind die Linienspektren
Schlüssel zur Struktur der Atome: Jede Theorie dafür muss in der Lage sein zu
erklären, weshalb Atome lediglich Licht diskreter Wellenlänge emittieren, und sie
muss vorhersagen können, welche Wellenlängen dies genau sind.
Wasserstoff ist das einfachste Atom – es besitzt nur ein Elektron, das seinen
Kern umkreist. Es hat auch das einfachste Spektrum. Der Abstand zwischen den
Linien im Wasserstoffspektrum verringert sich auf reguläre Weise (siehe  Abbil-
dung 38.20). Tatsächlich zeigte J.J. Balmer (1825–1898) im Jahre 1885, dass die
Wellenlängen der vier Linien im sichtbaren Bereich des Wasserstoffspektrums (mit
λ gleich 656 nm, 486 nm, 434 nm und 410 nm) die folgende Gleichung erfüllen:
 
1 1 1
=R − , n = 3, 4, … , (38.8)
λ 22 n2
wobei n für die vier Linien die Werte 3,4,5,6 annimmt. R wird als Rydberg-
Konstante bezeichnet und besitzt den Wert R = 1,0974 · 107 m−1 . Später stellte
man fest, dass sich diese Balmer-Serie bis in den UV-Bereich fortsetzt und, wie
in  Abbildung 38.20 gezeigt, bei λ = 365 nm endet. Die Balmer-Formel, Glei-
chung 38.8, ist auch für diese Linien mit größeren ganzzahligen Werten von n
gültig. Die Linien in der Nähe von 365 nm liegen jedoch sehr dicht beieinan-
der und können nicht vollständig aufgelöst werden. Der Grenzwert der Folge bei
365 nm gehört also zu n = ∞ (so dass 1/n2 = 0 in Gleichung 38.8 gilt).
Die nachfolgenden Experimente an Wasserstoff zeigten, dass es ähnliche Se-
rien von Linien im UV- und IR-Bereich gibt, und jede Serie dasselbe Muster Abbildung 38.20 Balmer-Serie für Wasser-
wie die Balmer-Serie aufweist, jedoch bei unterschiedlichen Wellenlängen (siehe stofflinien.
 Abbildung 38.21). Jede dieser Serien erfüllt eine Gleichung derselben Form wie
Gleichung 38.8, wobei 1/22 durch 1/12 , 1/32 , 1/42 usw. zu ersetzen ist. Beispiels-
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weise enthält die Lyman-Serie Linien der Wellenlängen von 91 nm bis 122 nm (im
UV-Bereich) und erfüllt die Gleichung
 
1 1 1
=R − , n = 2, 3, … .
λ 12 n2

Abbildung 38.21 Linienspektrum von


atomarem Wasserstoff.
 JedeSerie erfüllt die
Gleichung 1λ = R 1 2 − 12 mit n = 1 für
n n
die Lyman-Serie, n = 2 für die Balmer-Serie
und n = 3 für die Paschen-Serie usw. n
nimmt alle ganzzahligen Werte von n = n +1
bis unendlich an. Die einzigen Linien im
sichtbaren Bereich des elektromagnetischen
Spektrums gehören zur Balmer-Serie.

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38 FRÜHE QUANTENTHEORIE UND ATOMMODELLE

Die Wellenlängen der Paschen-Serie (im IR-Bereich) erfüllen


 
1 1 1
=R − , n = 4, 5, … .
λ 32 n2
Mit dem Rutherford’schen Atommodell konnte man nicht erklären, weshalb Atome
Linienspektren emittieren. Außerdem gab es andere Schwierigkeiten. Nach dem
Rutherford’schen Atommodell umkreisen die Elektronen den Kern. Weil ihre Bahn
gekrümmt ist, sind die Elektronen beschleunigt. Deshalb sollten sie Licht aussen-
den wie jede andere beschleunigte elektrische Ladung auch (Kapitel 32). Aufgrund
der Energieerhaltung muss sich daher die Energie des Elektrons verringern. Man
würde erwarten, dass die Elektronen in Spiralbahnen auf den Kern stürzen. Da-
bei würde sich die Frequenz der Elektronen in kurzer Zeit verringern und somit
auch die Frequenz des emittierten Lichts. Die beiden wesentlichen Schwächen
des Rutherford’schen Atommodells sind also: (1) Es sagt die Emission von Licht in
einem kontinuierlichen Frequenzspektrum voraus, während sich im Experiment
Linienspektren zeigen; (2) es sagt voraus, dass Atome instabil sind – Elektronen
sollten auf Spiralbahnen schnell auf den Kern stürzen – obwohl wir wissen, dass
Atome im Allgemeinen stabil sind, weil die Materie um uns herum stabil ist.
Offensichtlich war das Rutherford’sche Atommodell nicht angemessen und aus-
reichend. Modifikationen waren notwendig. Es war Niels Bohr, der sie lieferte,
indem er eine wichtige Idee integrierte – die Quantenhypothese.

38.10 Das Bohr’sche Atommodell


Bohr hatte 1912 einige Monate in Rutherfords Labor studiert und war von der Gül-
tigkeit des Rutherford’schen planetaren Atommodells überzeugt. Er war jedoch der
Ansicht, dass es notwendig sei, die sich neu entwickelnde Quantentheorie in das
Rutherford’sche Modell zu integrieren, damit es die experimentellen Ergebnisse
erklärte. Die Arbeit von Planck und Einstein hatte gezeigt, dass sich die Energie
der oszillierenden elektrischen Ladungen in erwärmten Festkörpern – von einem
diskreten Energiezustand zu einem anderen – unter Emission eines Lichtquants
diskontinuierlich ändert. Bohr legte dar, dass vielleicht auch die Elektronen in
einem Atom nicht kontinuierlich Energie verlieren können, sondern dies in Form
von Quantensprüngen tun müssten. Im Zuge der Ausarbeitung dieser Theorie
im darauffolgenden Jahr postulierte Bohr, dass sich Elektronen auf Kreisbahnen
um den Kern bewegen, jedoch nur bestimmte Bahnen erlaubt sind. Er postulierte
weiter, dass ein Elektron auf jeder Bahn eine bestimmte Energie besitzt und sich
auf der Kreisbahn bewegt, ohne Energie abzustrahlen (auch wenn dies die klassi-
schen Vorstellungen verletzt, weil beschleunigte elektrische Ladungen demnach
elektromagnetische Wellen aussenden sollten, siehe Kapitel 32). Er bezeichnete
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Stationärer Zustand daher die möglichen Bahnen als stationäre Zustände. Es stellte die Hypothese
auf, dass Licht nur dann emittiert wird, wenn ein Elektron von einem stationären
Zustand in einen anderen Zustand mit niedrigerer Energie übergeht. Bei einem
solchen Sprung wird ein einzelnes Photon emittiert, dessen Energie aufgrund der
Energieerhaltung durch
hf = Eu − El (38.9)
gegeben ist, wobei sich Eu auf die Energie im energetisch höheren Zustand be-
zieht und El auf die Energie im energetisch niedrigeren Zustand (siehe  Abbil-
dung 38.22).
Bohr wollte die Energien dieser Bahnen bestimmen, weil dann das Spektrum
des emittierten Lichts mithilfe von Gleichung 38.9 vorhergesagt werden konnte.
Die Balmer-Serie gab ihm den gesuchten Schlüssel. Bohr fand schnell heraus, dass
seine Theorie zur Balmer-Formel passte, wenn er annahm, dass der Drehimpuls L
quantisiert und gleich einem ganzzahligen Vielfachen von h/2π ist. Wie wir in
Abbildung 38.22 Ein Atom emittiert ein
Photon (Energie = hf ), wenn sich seine Kapitel 10 gesehen haben, ist der Drehimpuls durch L = Jω gegeben, wobei J das
Energie von Eu auf El verringert. Trägheitsmoment und ω die Winkelgeschwindigkeit ist. Für ein einzelnes Teilchen

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38.10 Das Bohr’sche Atommodell

der Masse m, das sich mit der Geschwindigkeit v auf einem Kreis mit dem Radius r
bewegt, ist J = mr 2 und ω = v/r. Es gilt also L = Jω = (mr 2 )(v/r) = mvr. Die
Bohr’sche Quantenbedingung lautet
h
L = mvrn = n , n = 1, 2, 3, … , (38.10) Quantisierter Drehimpuls

wobei n eine ganze Zahl und rn der Radius der n-ten möglichen Bahn ist. Die
erlaubten Bahnen sind entsprechend ihrer Quantenzahl n mit 1, 2, 3, …, durch- Quantenzahl n
nummeriert.
Gleichung 38.10 stand jedoch bis dahin auf keiner soliden theoretischen Ba-
sis. Bohr hatte nach einer „Quantenbedingung“ gesucht, aber solche Ansätze wie
E = hf (wobei E die Energie des Elektrons auf der Kreisbahn ist) führten zu Ergeb-
nissen, die nicht im Einklang mit dem Experiment standen. Bohrs Begründung,
Gleichung 38.10 zu verwenden, bestand lediglich darin, dass sie die experimen-
tellen Ergebnisse erklärte. Wir werden uns nun ansehen, welche Vorhersagen die
Bohr’sche Theorie für die messbaren Wellenlängen des emittierten Lichts eines
Wasserstoffatoms macht.
Ein Elektron auf einer Kreisbahn mit dem Radius rn (siehe  Abbildung 38.23)
erfährt die Zentripetalbeschleunigung v 2 /rn , die sich aus der elektrischen Anzie-
hungskraft zwischen dem negativen Elektron und dem positiven Kern ergibt. Diese
Kraft ist durch das Coulomb-Gesetz
1 (Ze)(e)
F=
4π0 r 2 Abbildung 38.23 Die elektrische Kraft
(Coulomb-Gesetz) hält das negativ geladene
gegeben. Die Ladung des Kerns ist +Ze, wobei Z die Anzahl der positiven Ladun- Elektron auf einer Kreisbahn um den positiv
gen3 (also der Protonen) angibt. geladenen Kern.
Im zweiten Newton’schen Axiom, F = ma, ersetzen wir a = v 2 /rn und erhalten
F = ma
1 Ze2 mv 2
2
= .
4π0 rn rn
Wir lösen nach rn auf und ersetzen v durch Gleichung 38.10 (also v = nh/2πmrn ):
Ze2 Ze2 4π 2 mrn2
rn = 2
= .
4π0 mv 4π0 n2 h2
Wir lösen erneut nach rn auf (weil rn auf beiden Seiten auftritt, können wir es
einmal kürzen) und erhalten
n2 h2 0 n2
rn = = r1 (38.11)
πmZe2 Z
mit
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h2 0
r1 = . (38.12a)
πme2
Gleichung 38.11 gibt die Radien aller möglichen Kreisbahnen an. Die kleinste
ergibt sich für n = 1 und Z = 1 (Wasserstoff) und besitzt den Wert
(6,626 · 10−34 J·s)2 (8,85 · 10−12 C2 /N·m2 )
r1 =
(3.14)(9,11 · 10−31 kg)(1,602 · 10−19 C)2
oder

r1 = 0,529 · 10−10 m . (38.12b) Bohr’scher Radius

3 In unserer Herleitung führen wir Z ein, damit wir auch jedes andere („wasserstoffähnli-
che“) Atom mit einem Elektron, wie die Ionen He+ (Z = 2) und Li2+ (Z = 3), behandeln
können. In seinem neutralen Zustand besitzt Helium zwei Elektronen; wenn ein Elektron
verloren geht, besteht das verbleibende He+ -Ion aus einem Elektron, das sich um den
Kern mit der Ladung +2e bewegt. Analog dazu besitzt ein zweifach ionisiertes Lithium-
ion Li2+ ebenfalls nur ein einzelnes Elektron. In diesem Fall ist Z = 3.

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38 FRÜHE QUANTENTHEORIE UND ATOMMODELLE

Der Radius der kleinsten Kreisbahn im Wasserstoffatom, r1 , wird auch als Bohr’-
scher Radius bezeichnet. Gleichung 38.11 können wir entnehmen, dass die Radien
der größeren Bahnen mit n2 wachsen, es gilt also
r2 = 4r1 = 2,12 · 10−10 m ,
r3 = 9r1 = 4,76 · 10−10 m ,
..
.
rn = n2 r1 .
Die ersten vier Kreisbahnen sind in  Abbildung 38.24 dargestellt. Beachten Sie,
dass sich die Elektronen nach dem Bohr’schen Modell nur auf den durch Glei-
chung 38.11 vorgegebenen Bahnen aufhalten können. Dazwischen gibt es keine
erlaubten Bahnen.
Abbildung 38.24 Mögliche Kreisbahnen im
Bohr’schen Atommodell des Wasserstoffs; Auf jeder der erlaubten Bahnen besitzt das Elektron eine genau festgelegte Ener-
r1 = 0,529 · 10−10 m. gie, wie die folgende Rechnung zeigt. Die Gesamtenergie ergibt sich aus der Summe
der kinetischen und der potentiellen Energie. Die potentielle Energie des Elektrons
ist durch Epot = qV = −eV gegeben, wobei V das durch Gleichung 23.5 gegebene
Potential einer Punktladung +Ze ist: V = (1/4π0 )(Q/r) = (1/4π0 )(Ze/r). Somit
gilt
1 Ze2
Epot = −eV = − .
4π0 r
Die Gesamtenergie En eines Elektrons auf der n-ten Kreisbahn mit dem Radius rn
ist die Summe aus kinetischer und potentieller Energie:
1 1 Ze2
En = mv 2 − .
2 4π0 rn
Wenn wir v aus Gleichung 38.10 und rn aus Gleichung 38.11 in diese Gleichung
einsetzen, erhalten wir
 2 4  
Z e m 1
Energieniveaus En = − 2
, n = 1, 2, 3, … (38.13)
80 h 2 n2
oder
Z2
En = E1 , n = 1, 2, 3, … ,
n2
wobei E1 das niedrigste Energieniveau (n = 1) für Wasserstoff (Z = 1) ist. Der Wert
von E1 ist
me4
Grundzustand des Wasserstoffs E1 = − = −2,17 · 10−18 J = −13,6 eV ,
802 h2
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wobei wir von der Einheit Joule zu Elektronenvolt übergegangen sind, wie in der
Atomphysik üblich. Da im Nenner von Gleichung 38.13 nur noch n2 vorkommt,
sind die Energien der höheren Bahnen im Wasserstoff (Z = 1) durch
−13,6 eV
En =
n2
gegeben. Es gilt beispielsweise
−13,6 eV
E2 = = −3,40 eV ,
Angeregte Zustände 4
(die beiden ersten) −13,6 eV
E3 = = −1,51 eV .
9
Wir erkennen, dass nicht nur die Bahnradien quantisiert sind, sondern dies nach
Gleichung 38.13 auch für die Energien gilt. Das niedrigste Energieniveau oder der
niedrigste Zustand besitzt die Energie E1 und wird als Grundzustand bezeichnet.
Die höheren Zustände mit den Energien E2 , E3 usw. sind angeregte Zustände.
Auch wenn die Energien der größeren Bahnen einen kleineren numerischen
Wert besitzen, ist deren Energie größer, weil ihre Werte im negativen Bereich lie-
gen. Somit ist die Energie −3,4 eV höher als −13,6 eV. Die kernnächste Bahn (r1 )

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38.10 Das Bohr’sche Atommodell

Abbildung 38.25 Energie-Niveau-Diagramm


für ein Wasserstoffatom, aus dem der
Ursprung für die Spektrallinien der Lyman-,
Balmer- und Paschen-Serie ersichtlich wird.

hat die niedrigste Energie. Der Grund, weshalb die Energien negative Werte besit-
zen, liegt in der Definition der potentiellen Energie (Epot ). Die potentielle Energie
Epot = kq1 q2 /r zweier Punktladungen ist so definiert, dass sie null wird, wenn die
beiden Punktladungen unendlich weit voneinander entfernt sind. Für ein Elek-
tron mit dem Radius r = ∞, dass ohne kinetische Energie als rein freies Elektron
betrachtet werden kann, gilt E = 0, was dem Zustand n = ∞ in Gleichung 38.13
entspricht. Für ein freies Elektron mit kinetischer Energie gilt E > 0. Um ein
Elektron aus einem Atom herauszuschlagen, ist Energiezufuhr notwendig (ande-
renfalls wären Atome instabil). Weil für ein freies Elektron E ≥ 0 gilt, muss für ein
gebundenes Elektron E < 0 gelten. Es muss also Energie aufgebracht werden, um
die Energie eines gebundenen Elektrons von einem negativen Wert auf mindestens
null anzuheben, wenn man dieses Elektron aus dem Atom herauslösen will.
Die minimal notwendige Energie, um ein Elektron aus dem Grundzustand ei-
nes Atoms herauszulösen, wird als Bindungsenergie oder Ionisationsenergie be- Bindungsenergie
zeichnet. Der experimentelle Messwert für die Ionisationsenergie von Wasserstoff Ionisationsenergie
ist 13,6 eV, was exakt der Energie entspricht, die notwendig ist, um ein Elektron
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vom Grundzustand E1 = −13,6 eV in den freien Zustand mit der Energie E = 0 zu


versetzen.
Es ist sinnvoll, die verschiedenen möglichen Energien als horizontale Linien in
einem Energie-Niveau-Diagramm zu veranschaulichen.4  Abbildung 38.25 zeigt
ein solches Diagramm für Wasserstoff. Nach der Bohr’schen Theorie kann sich ein
Elektron in einem Wasserstoffatom in jedem dieser Zustände befinden. Es kann
sich jedoch nicht dazwischen, beispielsweise bei −9,0 eV befinden. Bei Raumtem- Emission von Linienspektren
peratur befinden sich nahezu alle Wasserstoffatome im Grundzustand (n = 1). Bei (Erklärung)
höheren Temperaturen oder bei einer elektrischen Entladung, wenn es viele Stöße
zwischen freien Elektronen und Atomen gibt, befinden sich viele Atome in ange-
regten Zuständen (n > 1). Aus einem angeregten Zustand kann das Elektron unter
Emission eines Photons in einen Zustand mit niedrigerer Energie übergehen. Damit
erklärt das Bohr’sche Atommodell die experimentell beobachteten Emissionsspek-
4 Beachten Sie, dass ein Elektron oberhalb der Grenze E = 0 frei ist und jede beliebige
Energie besitzen kann (also nicht quantisiert ist). Deshalb gibt es oberhalb E = 0 ein Kon-
tinuum von Energiezuständen, wie im Energie-Niveau-Diagramm von Abbildung 38.25 
dargestellt.

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38 FRÜHE QUANTENTHEORIE UND ATOMMODELLE

tren von Wasserstoff als Übergänge von Elektronenzuständen mit höherer Energie
zu Zuständen mit niedrigerer Energie. Die vertikalen Pfeile in  Abbildung 38.25
veranschaulichen die Übergänge, die den verschiedenen beobachteten Spektralli-
nien entsprechen. Beispielsweise führt der Übergang eines Elektrons vom Niveau
n = 3 zum Niveau n = 2 zur Linie bei 656 nm der Balmer-Serie. Der Sprung von
n = 4 zu n = 2 führt zur Linie bei 486 nm (siehe  Abbildung 38.25). Wir können
die Wellenlängen der emittierten Spektrallinien durch Kombination der Gleichun-
gen 38.9 und 38.13 vorhersagen. Wegen hf = hc/λ erhalten wir aus Gleichung 38.9
1 hf 1
= = (En − En )
λ hc hc
und mithilfe von Gleichung 38.13
 
1 Z 2 e4 m 1 1
= 2 3 − , (38.14)
λ 80 h c (n )2 (n)2

wobei n zum Zustand mit höherer Energie und n zum Zustand mit niedrigerer
Energie gehört. Diese theoretische Gleichung hat die gleiche Form wie die experi-
mentell abgeleitete Balmer-Formel, Gleichung 38.8, mit n = 2. Daraus erkennen
wir, dass die Linien der Balmer-Serie zu Übergängen oder „Sprüngen“ von Elek-
tronen zum zweiten Energieniveau gehören. Analog dazu gehört der Fall n = 1
zur Lyman-Serie und der Fall n = 3 zur Paschen-Serie (siehe  Abbildung 38.25).
Wenn der Wert der Konstanten (Z 2 e4 m/802 h3 c) in Gleichung 38.14 mit Z = 1
berechnet wird, so entspricht ihr Wert dem experimentell bestimmten Wert der
Rydberg-Konstante, R = 1,0974 · 107 m−1 in Gleichung 38.8, und steht somit im
Einklang mit dem Experiment (siehe Aufgabe 47).
Der große Erfolg der Bohr’schen Theorie besteht darin, dass sie erklärt, weshalb
Atome Linienspektren emittieren und dass sie die von Wasserstoff emittierten
Absorptionslinien Linien korrekt vorhersagt. Die Bohr’sche Theorie erklärt auch die Absorptions-
(Erklärung) spektren: Nur Photonen mit der passenden Wellenlänge können ein Elektron von
einem Niveau mit niedrigerer Energie auf eines mit höherer Energie bringen. Auf-
grund der Energieerhaltung können nur Photonen mit der passenden Energie (der
passenden Frequenz) absorbiert werden. Dies erklärt, wodurch in einem konti-
nuierliches Lichtspektrum, das ein Gas durchläuft, dunkle (Absorptions-)Linien
entstehen, die zu Emissionslinien gehören.
Die Bohr’sche Theorie ergibt auch die Stabilität der Atome. Sie begründet die
Stabilität durch folgende Vorschrift: Der Grundzustand des Elektrons ist der Zu-
stand mit der niedrigsten Energie, und es gibt kein niedrigeres Energieniveau, zu
dem das Elektron übergehen könnte, um mehr Energie abzugeben. Schließlich sagt
die Bohr’sche Theorie, wie wir uns bereits überzeugt haben, auch die Ionisations-
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energie von 13,6 eV korrekt vorher. Wasserstoff ist das Atom mit der einfachsten
Struktur. Die Bohr’sche Theorie konnte das Linienspektrum anderer, komplizier-
ter aufgebauter Atome nur unzureichend, das heißt mit großen Abweichungen,
erklären. Dazu kommen wir aber später.

Beispiel 38.12 Wellenlänge einer Lyman-Linie

Bestimmen Sie mithilfe von  Abbildung 38.25 die Wellenlänge der ersten
Lyman-Linie, die zum Übergang von n = 2 zu n = 1 gehört. In welchem
Bereich des elektromagnetischen Spektrums liegt diese Linie?

Lösung
In diesem Fall ist hf = E2 − E1 = 13,6 eV − 3,4 eV = 10,2 eV = 1,63 · 10−18 J.
Wegen λ = c/f gilt

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38.10 Das Bohr’sche Atommodell

c hc (6,63 · 10−34 J·s)(3,00 · 108 m/s)


λ= = = = 1,22 · 10−7 m ,
f E2 − E1 1,63 · 10−18 J
oder 122 nm, was im UV-Bereich liegt (siehe  Abbildung 38.21).

Beispiel 38.13 Wellenlänge einer Balmer-Linie

Bestimmen Sie mithilfe des Bohr’schen Modells die Wellenlänge des emittier-
ten Lichts, wenn in einem Wasserstoffatom ein Übergang vom Energieniveau
mit n = 6 zum Energieniveau mit n = 2 erfolgt.

Lösung
Wir können entweder Gleichung 38.14 oder die dazu äquivalente Gleichung
38.8 mit R = 1,0974 · 107 m−1 verwenden. Daraus ergibt sich
 
1 −1 1 1
7
= (1,097 · 10 m ) − = 2,44 · 106 m−1 .
λ 4 36
6
Es gilt λ = 1/(2,44 · 10 m−1 ) = 4,10 · 10−7 m oder 410 nm. Dies ist die vierte
Linie der Balmer-Serie, die im violetten Bereich liegt (siehe  Abbildung 38.20).

Beispiel 38.14 Wellenlänge einer Absorptionslinie

Bestimmen Sie mithilfe von  Abbildung 38.25 die größte Wellenlänge, die
ein Wasserstoffatom aus dem Grundzustand heraus absorbieren kann. Wie
groß wäre die nächstkleinere Wellenlänge?

Lösung
Ein maximales λ gehört zu einer minimalen Energie und damit zu einem Über-
gang vom Grundzustand zum ersten angeregten Zustand (siehe  Abbildung
38.25), für den sich eine Energie von 13,6 eV−3,4 eV = 10,2 eV ergibt. Die erfor-
derliche Wellenlänge ist 122 nm, wie wir bereits im Beispiel 38.12 gesehen ha-
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ben. Der nächstmögliche Übergang ist derjenige vom Grundzustand zum zwei-
ten angeregten Zustand, für den eine Energie von 13,6 eV − 1,5 eV = 12,1 eV
erforderlich ist. Die entsprechende Wellenlänge ist
c hc
λ= =
f E3 − E1
(6,63 · 10−34 J·s)(3,00 · 108 m/s)
= = 103 nm .
(12,1 eV)(1,60 · 10−19 J/eV)

Beispiel 38.15 Ionisationsenergie

Benutzen Sie das Bohr’sche Modell, um die Ionisationsenergie des He+ -Ions
zu bestimmen, die ein einzelnes Elektron besitzt. Berechnen Sie auch die

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38 FRÜHE QUANTENTHEORIE UND ATOMMODELLE

Wellenlänge, die zur minimalen Energie gehört, die ein Photon zur Ionisation
haben muss.

Lösung
Wir wollen die Energie bestimmen, die minimal erforderlich ist, um das Elek-
tron aus dem Grundzustand heraus in einen freien Zustand mit E = 0 zu
bringen. Der Grundzustand von He+ ist durch Gleichung 38.13 mit n = 1 und
Z = 2 gegeben. He hat die Kernladungszahl Z = 2. Wenn wir die Ionisati-
onsenergie entsprechend Gleichung 38.13 berechnen, ist E1 für He+ gleich
Z 2 = 22 = 4 mal E1 für Wasserstoff. Es gilt also
E1 = 4(−13,6 eV) = −54,4 eV .
Daher sind zur Ionisation des He+ -Ions 54,4 eV erforderlich, was mit dem Ex-
periment übereinstimmt. Das Photon mit der zur Ionisation minimal erforder-
lichen Energie hf = 54,4 eV hat also eine Wellenlänge von λ = c/f = hc/hf =
(6,63 · 10−34 J · s)(3,00 · 108 m/s)/(54,4 eV)(1,60 · 10−19 J/ev) = 22,8 nm. Wenn
das Atom ein Photon mit höherer Energie (also kürzerer Wellenlänge als
22,8 nm) absorbiert, dann wird das Atom ionisiert und das freigesetzte Elek-
tron besitzt selbst kinetische Energie.

Im letzten Beispiel haben wir erkannt, dass E1 für das He+ -Ion das Vierfache
der Ionistationsenergie des Wasserstoffatoms ist. Tatsächlich sieht das Energie-
Niveau-Diagramm für das He+ -Ion genau wie das für das Wasserstoffatom aus
(siehe  Abbildung 38.25), nur dass die numerischen Werte der Energieniveaus
viermal größer sind. Es sei jedoch nochmals darauf hingewiesen, dass wir von
dem He+ -Ion sprechen. Das He-Atom besitzt zwei Elektronen und sein Energie-
Niveau-Diagramm sieht vollkommen anders aus.

Beispiel 38.16 · Begriffsbildung Wasserstoff bei 20 ◦ C

Schätzen Sie die mittlere kinetische Energie von Wasserstoffatomen (oder


Molekülen) bei Raumtemperatur ab, und benutzen Sie das Ergebnis um zu
erklären, weshalb sich nahezu alle Wasserstoffatome bei Raumtemperatur im
Grundzustand befinden und somit kein Licht emittieren.

Lösung
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Nach der kinetischen Theorie (Kapitel 18) ist die kinetische Energie von Ato-
men und Molekülen in einem Gas durch Gleichung 18.4,
3
Ekin = kT ,
2
gegeben, wobei k = 1,38 · 10−23 J/K die Boltzmann-Konstante ist und T die
(absolute) Temperatur in Kelvin. Die Raumtemperatur liegt bei etwa T =
300 K, so dass
3
Ekin = (1,38 · 10−23 J/K)(300 K) = 6,2 · 10−21 J
2
gilt oder, in Elektronenvolt angegeben,
6,2 · 10−21 J
Ekin = = 0,04 eV .
1,6 · 10−19 J/eV
Die mittlere kinetische Energie ist also sehr klein, verglichen mit der Energie-
differenz zwischen dem Grundzustand und dem nächsthöheren Energieniveau
(13,6 eV − 3,4 eV = 10,2 eV). Alle Atome in angeregten Zuständen emittieren

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38.11 Die Anwendung der de Broglie’schen Hypothese auf Atome

Licht und fallen schließlich in den Grundzustand zurück. Befinden sie sich
einmal im Grundzustand, können sie durch Stöße mit anderen Atomen im
Mittel 0,04 eV aufnehmen. Ein kleiner Teil der Atome kann viel höhere Ener-
gien besitzen (siehe Abschnitt 18.2 über die Verteilung der molekularen Ge-
schwindigkeiten), aber selbst eine kinetische Energie, die 10 mal so groß wie
die mittlere Energie ist, reicht nicht ansatzweise dazu aus, Atome über den
Grundzustand anzuheben. Die Atome können in höhere Zustände gebracht
werden, wenn man das Gas auf sehr hohe Temperaturen erwärmt oder einen
Strom hochenergetischer Elektronen hindurch leitet, was bei einer Gasentla-
dungsröhre der Fall ist (siehe  Abbildung 38.18).

Wir sollten betonen, dass Bohr von einigen radikalen Annahmen ausging, die im
Widerspruch zu klassischen Ideen standen. Er nahm an, dass Elektronen auf festen
Bahnen kein Licht aussenden, auch wenn sie beschleunigt sind (sie bewegen sich
auf einer Kreisbahn). Er nannte diese Bahnen stationäre Zustände. Außerdem ging
er davon aus, dass der Drehimpuls quantisiert ist. Darüber hinaus war er jedoch
nicht in der Lage zu beschreiben, wie sich ein Elektron bewegt, wenn es von einem
Energieniveau zu einem anderen übergeht. Man konnte nicht erwarten, dass sich
die Elektronen wie makroskopische Körper verhalten, deren Bewegung durch die
Newton’sche Mechanik korrekt beschrieben wird. Bei Elektronenzuständen mit
hohen Quantenzahlen n sollten jedoch die Energien der Zustände eng beieinander
liegen und den Vorhersagen der klassischen Physik entsprechen. Dies ist das Kor- Korrespondenzprinzip
respondenzprinzip, das wir bereits im Zusammenhang mit der Relativitätstheorie
(Abschnitt 37.13) erwähnt haben. Die Bohr’sche Theorie des Wasserstoffatoms er-
füllt dieses Prinzip. Die Bahnradien und Energien sind beispielsweise für n = 1
und n = 2 sehr verschieden. Die Bahnen mit n = 100 000 000 und 100 000 001
haben dagegen sehr ähnliche Radien und Energien (siehe  Abbildung 38.25). In
der Tat sind Übergänge zwischen Bahnen mit solch makroskopischer Größe nicht
mehr wahrnehmbar. Es ergibt sich deshalb ein Kontinuum, genau wie wir es in
der Alltagswelt erwarten.
Schließlich sei noch bemerkt, dass Sie nicht davon ausgehen sollten, dass
die wohldefinierten Bahnen des Bohr’schen Modells tatsächlich existieren. Das
Bohr’sche Modell ist wirklich nur ein Modell, nicht die Realität. Einige Jahre spä-
ter wurde die Idee der Elektronenbahnen verworfen. Die Quantenmechanik erklärt
uns, dass ein Elektron in einem Atom ausgedehnt, also nicht als Massenpunkt oder
Punktladung lokalisiert, vorliegt.

38.11 Die Anwendung der de Broglie’schen


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Hypothese auf Atome


Bohrs Theorie hatte größtenteils einen ad hoc Charakter. Die Annahmen wurden so
ausgewählt, dass die Theorie mit dem Experiment übereinstimmt. Bohr konnte je-
doch weder eine Begründung dafür angeben, weshalb die Bahnen quantisiert sind,
noch wusste er, weshalb es einen stabilen Grundzustand geben sollte. Schließlich
lieferte de Broglie zehn Jahre später eine Erklärung.
In Abschnitt 38.6 haben wir erfahren, dass Louis de Broglie im Jahre 1923
die These aufstellte, dass auch Masseteilchen, wie Elektronen, Wellencharakter
besitzen, und dass dies einige Jahre später experimentell bestätigt wurde.
Eines von de Broglies ursprünglichen Argumenten für den Wellencharakter der
Elektronen war, dass diese Tatsache eine Erklärung für die Bohr’sche Theorie des
Wasserstoffatoms liefert. Nach de Broglie hätte ein Teilchen der Masse m, das
sich mit der nichtrelativistischen Geschwindigkeit v bewegt, eine Wellenlänge
(Gleichung 38.7) von
h Abbildung 38.26 Eine gewöhnliche stehende
λ= . Welle im Vergleich zu einer zirkularen
p stehenden Welle.

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38 FRÜHE QUANTENTHEORIE UND ATOMMODELLE

Er behauptete, dass jede Elektronenbahn in einem Atom in Wirklichkeit eine ste-


hende Welle ist. Wie wir in Kapitel 15 gesehen haben, werden beim Anschlagen
einer Violinen- oder Gitarrensaite eine Vielzahl von Schwingungen angeregt. Aber
nur spezielle – diejenigen mit Knoten an den Enden – werden verstärkt. Dies
sind die resonanten Moden der Saite. Schwingungen mit anderer Wellenlänge
interferieren aufgrund der Reflexion mit sich selbst, wodurch ihre Amplituden
schnell gedämpft werden bis sie schließlich verschwinden. Im Falle der Elektro-
nen, die sich nach der Bohr’schen Theorie auf Kreisbahnen bewegen, sollte die
Elektronenwelle nach de Broglies Argumentation eine stehende zirkulare Welle
sein, die sich selbst schließt (siehe  Abbildung 38.26). Anderenfalls findet, wie in
 Abbildung 38.27 gezeigt, destruktive Interferenz statt. Daher sind die einzigen
Abbildung 38.27 Wenn sich eine Welle nicht möglichen Wellen diejenigen, für die der Umfang der Kreisbahn ein ganzzahli-
ges Vielfaches der Wellenlänge ist (siehe  Abbildung 38.28). Der Umfang einer
selbst schließt (und somit destruktiv mit sich
selbst interferiert), stirbt sie schnell aus.
Bohr’schen Bahn mit dem Radius rn ist 2πrn , so dass
2πrn = nλ , n = 1, 2, 3, …
gilt. Wenn wir λ = h/mv einsetzen, erhalten wir 2πrn = nh/mv oder
nh
mvrn = .

Das ist die von Bohr ad hoc vorgeschlagene Quantenbedingung, Gleichung 38.10.
Aus dieser Gleichung wurden auch die diskreten Bahnen und Energieniveaus
Die quantisierten Bahnen beruhen auf abgeleitet. Somit haben wir eine Erklärung für die quantisierten Bahnen und Ener-
der Wellennatur des Elektrons giezustände im Bohr’schen Modell: Sie gehen auf die Wellennatur des Elektrons
zurück und darauf, dass nur resonante „stehende Wellen“ bestehen bleiben. Des-
halb ist der Welle-Teilchen-Dualismus gleichzeitig auch der Schlüssel zur Atom-
struktur.
Betrachten wir die zirkularen Elektronenwellen in  Abbildung 38.28. Es sei
darauf hingewiesen, dass wir uns nicht vorstellen dürfen, dass das Elektron einem
oszillierenden Wellenmuster folgt. Im Bohr’schen Modell des Wasserstoffatoms
wird das Elektron als ein Teilchen betrachtet, das sich auf einer Kreisbahn bewegt.
Die zirkulare Welle stellt dagegen die Amplitude der „Materiewelle“ des Elektrons
dar, und  Abbildung 38.28 zeigt der Anschaulichkeit halber die Wellenamplitude
über der zirkularen Teilchenbahn.
Die Bohr’sche Theorie lieferte für Wasserstoff und Ionen mit einem Elektron
eine gute Übereinstimmung mit dem Experiment. Sie erwies sich dagegen als
nicht erfolgreich, wenn es um Atome mit mehreren Elektronen ging. Die Bohr’sche
Theorie konnte nicht einmal das Linienspektrum des nächsteinfachen Atoms, des
Heliums, vorhersagen. Es konnte weder erklären, weshalb einige Emissionslinien
breiter als andere sind, noch begründen, weshalb einige Linien sogar in zwei oder
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mehr eng beieinander liegende Linien aufgespalten werden (die Feinstruktur).


Eine neue Theorie wurde benötigt, die in den 1920er Jahren entwickelt wurde.
Abbildung 38.28 Stehende zirkulare Wellen Diese neue und radikale Theorie ist die Quantenmechanik, die schließlich das
im Falle von zwei, drei und fünf Wellen- Problem der Atomstruktur löste. Sie vermittelt uns dabei jedoch eine ganz andere
längen auf dem Umfang; n, die Anzahl der
Wellenlängen, ist ebenfalls eine Quantenzahl.
Sicht auf das Atom: Die Vorstellung von Elektronen auf wohldefinierten Bah-
nen wurde durch die Vorstellung von im Raum ausgedehnten Elektronenwolken
ersetzt. Zudem hat diese neue Theorie der Quantenmechanik zu einer völlig ande-
ren Sichtweise auf die elementaren Mechanismen geführt, die den physikalischen
Prozessen zugrunde liegen.

Z U S A M M E N F A S S U N G

Die Quantentheorie besitzt ihren Ursprung in der Planck’- nur ganzzahlige (n) Vielfache von hf sein, wobei h das
schen Quantenhypothese, die besagt, dass molekulare Planck’sche Wirkungsquantum und f die natürliche
Schwingungen quantisiert sind: Ihre Energiewerte können Schwingungsfrequenz ist. Es gilt also E = nhf . Diese Hypo-

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Verständnisfragen

these erklärte das Strahlungsspektrum, das von (schwarzen) gen, massiven, positiv geladenen Kern besteht, der (in relativ
Körpern bei hohen Temperaturen emittiert wird. großer Entfernung) von den Elektronen umkreist wird.
Einstein stellte die Theorie auf, dass man sich Licht bei ei- Um die von den Atomen emittierten Linienspektren
nigen Experimenten als Quanten (Teilchen) vorstellen kann, und die Stabilität der Atome zu erklären, postulierte die
die emittiert oder absorbiert werden. Heute nennt man sie Bohr’sche Theorie, dass (1) die an ein Atom gebundenen
Photonen. Jedes Photon hat dabei die Energie Elektronen nur Bahnen mit quantisiertem Drehimpuls be-
setzen können, was zu diskreten Werten für die Bahnradien
E = hf . und die Energien führt; dass (2) ein Elektron in einem sol-
Zur experimentellen Überprüfung der Photonentheorie des chen stationären Zustand keine Strahlung emittiert; dass (3)
Lichts schlug er den photoelektrischen Effekt vor. Die Pho- ein Elektron beim Übergang von einem Zustand mit höhe-
tonentheorie sagt im Falle des photoelektrischen Effekts vor- rer Energie zu einem Zustand mit niedrigerer Energie ein
aus, dass jedes einfallende Photon auf ein Elektron im Mate- Photon emittiert, dessen Energie gleich der Energiedifferenz
rial trifft und dieses herausschlägt, wenn das Photon genug der beiden Zustände ist; dass (4) der Drehimpuls der an das
Energie besitzt. Die maximale Energie der herausgeschlage- Atom gebundenen Elektronen gemäß der Regel
nen Elektronen hängt linear von der Frequenz des einfal- nh
lenden Lichts ab. Die Photonentheorie wird auch durch den L=

Compton-Effekt bestätigt sowie durch die Beobachtung der
quantisiert ist, wobei die ganze Zahl n als Quantenzahl be-
Paarerzeugung eines Elektron-Positron-Paares.
zeichnet wird. Der Zustand mit n = 1 ist der Grundzu-
Der Welle-Teilchen-Dualismus bezieht sich auf die Vor-
stand eines Elektrons, der für ein Wasserstoffatom die Ener-
stellung, dass Licht und Materie (wie Elektronen) sowohl
gie E1 = −13,6 eV besitzt; größere Werte von n entsprechen
Wellen- als auch Teilcheneigenschaften besitzen. Die Wel-
angeregten Zuständen mit den Energien
lenlänge eines Körpers ist durch
13,6 eV
h En = − .
λ= n2
p
Die Elektronen eines Atoms werden zu diesen Zuständen
gegeben, wobei p der Impuls des Körpers ist. Das Kom- mit höherer Energie angeregt, indem das Atom mit anderen
plementaritätsprinzip besagt, dass wir uns sowohl die Atomen beziehungsweise Elektronen zusammenstößt oder
Teilchen- als auch die Welleneigenschaften des Lichts und ein Photon mit der passenden Frequenz absorbiert.
der Materie vergegenwärtigen müssen, um zu einem voll- De Broglies Hypothese, dass Elektronen (und andere Kör-
ständigen Verständnis zu gelangen. per) eine Wellenlänge λ = h/mv besitzen, lieferte eine Er-
Zu den ersten Atommodellen gehören das Rosinenku- klärung der von Bohr postulierten quantisierten Kreisbah-
chenmodell und das Rutherford’sche Atommodell. Das Ru- nen, indem sie den Welle-Teilchen-Dualismus einbezog: Die
therford’sche Modell, das zur Erklärung der Rückwärts- Kreisbahnen entsprechen zirkularen stehenden Wellen, bei
streuung von α-Teilchen an dünnen Metallfolien entwickelt denen der Umfang der Kreisbahn ein ganzzahliges Vielfa-
wurde, geht davon aus, dass ein Atom aus einem winzi- ches der Wellenlänge ist.

Z U S A M M E N F A S S U N G
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Verständnisfragen

1 Was können Sie über die Relativtemperatur von weiß- Hohlraum dargestellt werden. Erklären Sie weshalb?
lich-gelb, rot und blau erscheinenden Sternen sagen? (Hinweis: Die Pupille Ihres Auges ist in etwa ein sol-
cher Fall.)
2 Alle Körper strahlen Energie ab. Weshalb können wir
dann im Dunkeln nicht alle sehen? (Siehe auch Ab- 5 Dunkelkammern, in denen Schwarzweißfilme ent-
schnitt 19.10.) wickelt werden, sind manchmal durch eine rote Glüh-
lampe beleuchtet. Weshalb verwendet man rotes Licht?
3 Liefert eine Glühlampe bei 2500 K genauso weißes Wäre ein solche Lampe auch in einer Dunkelkammer
Licht wie die Sonne bei 6000 K? Erläutern Sie Ihre Ant- sinnvoll, in der Farbfilme entwickelt werden?
wort.
6 Ersetzt man das beim photoelektrischen Effekt verwen-
4 Ein idealer schwarzer Körper kann näherungsweise dete Metall durch ein anderes, steigt die Grenzwellen-
durch ein kleines Loch in einem sonst geschlossenen länge. Welches Metall hat die höhere Austrittsarbeit?

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38 FRÜHE QUANTENTHEORIE UND ATOMMODELLE

7 Erklären Sie, weshalb die Existenz einer Grenzfrequenz 20 Warum gibt das O2 -Gas in der uns umgebenden Luft
beim photoelektrischen Effekt eher für die Teilchen- kein Licht ab?
theorie als für die Wellentheorie des Lichts spricht.
21 Wie kann man feststellen, ob es in der Nähe der Son-
8 Anders als sichtbares Licht verursacht UV-Strahlung
nenoberfläche Sauerstoff gibt?
Sonnenbrand. Begründen Sie weshalb.

9 Ein Photon aus dem Röntgenbereich wird an einem 22 Wenn Licht mit einem breiten Spektrum durch ein Was-
Elektron gestreut. Ändert sich dabei dessen Wellen- serstoffgas bei Raumtemperatur hindurchläuft, werden
länge? Wenn ja, erhöht oder verringert sie sich? Absorptionslinien beobachtet, die zur Lyman-Serie ge-
hören. Weshalb beobachten wir keine Linien anderer
10 Sowohl beim photoelektrischen Effekt als auch beim Serien?
Compton-Effekt haben wir es mit einem Photon zu tun,
das mit einem Elektron zusammenstößt, wobei dieses
23 Erläutern Sie, wie die eng beieinander liegenden
Elektron aus dem Material herausgelöst wird. Worin
Energieniveaus des Wasserstoffs im oberen Teil von
besteht der Unterschied zwischen diesen beiden Pro-  Abbildung 38.25 mit den nah beieinander liegenden
Spektrallinien im oberen Teil von  Abbildung 38.20
zessen?

11 Zeigen Sie, dass die Einheit des Planck’schen Wir- zusammenhängen.


kungsquantums gleich der Einheit des Drehimpulses
ist. 24 Diskutieren Sie die Unterschiede zwischen dem Ru-
therford’schen und dem Bohr’schen Atommodell.
12 Betrachten Sie eine punktförmige Lichtquelle. Wie
würde sich die Intensität des Lichts mit der Entfer-
25 Kann die de-Broglie-Wellenlänge eines „Teilchens“
nung von der Lichtquelle verändern, wenn man (a) die
größer oder kleiner als dessen Abmessungen sein? Gibt
Wellentheorie, (b) die Photonentheorie (Teilchen) zu-
es einen unmittelbaren Zusammenhang?
grunde legt? Könnte man die beiden Theorien anhand
dessen unterscheiden?
26 Wie groß müsste h sein, damit sich die Quanten-
13 Erläutern Sie, wie der photoelektrische Schaltkreis aus effekte in der makroskopischen Alltagswelt bemerkbar
 Abbildung 38.4 (a) in einer Alarmanlage, (b) in einem machen?
Rauchmelder, (c) in einem photographischen Lichtmes-
ser und (d) in einem Spektrophotometer (siehe Ab- 27 Ist es sinnvoll, dass die potentielle Energie des Elek-
schnitt 36.8) eingesetzt werden könnte. trons in einem Wasserstoffatom in der Bohr’schen
Theorie negativ und betragsmäßig größer als die kineti-
14 Weshalb sprechen wir von Welleneigenschaften des
sche Energie ist? Was bedeutet das?
Lichts? Weshalb sprechen wir von Teilcheneigenschaf-
ten des Lichts?
28 Ein Heliumatom besitzt zwei Elektronen. Vermuten Sie,
15 Weshalb sprechen wir von Welleneigenschaften der dass sich die Elektronen im Vergleich zum Wasserstof-
Elektronen? Weshalb sprechen wir von Teilcheneigen- fatom im Mittel näher am Kern oder weiter davon ent-
schaften der Elektronen? fernt befinden? Begründen Sie Ihre Antwort.
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16 Worin besteht der Unterschied zwischen einem Photon


29 Weshalb enthält das Wasserstoffspektrum so viele Li-
und einem Elektron? Seien Sie präzise und fertigen Sie
nien, obwohl Wasserstoff doch nur ein Elektron besitzt?
eine Liste an!

17 Ein Elektron und ein Proton bewegen sich mit der glei- 30 Die Lyman-Serie ist heller als die Balmer-Serie, weil
chen Geschwindigkeit. Welches Teilchen besitzt die diese Serie auf den Übergang in den am häufigsten
kürzere Wellenlänge? vorkommenden Zustand des Wasserstoffatoms, den
Grundzustand, zurückgeht. Weshalb wurde dennoch
18 Was hält das Elektron im Rutherford’schen planetari-
die Balmer-Serie zuerst entdeckt?
schen Atommodell auf seiner Bahn?

19 Welche der folgenden Stoffe emittieren ein Linien- 31 Erklären Sie mithilfe der Impulserhaltung, weshalb die
spektrum: (a) Gase, (b) Flüssigkeiten, (c) Festkör- von Wasserstoffatomen emittierten Photonen etwas we-
per? Welche der Stoffe emittieren ein kontinuierliches niger Energie besitzen als von Gleichung 38.9 vorher-
Spektrum? gesagt.

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Aufgaben

Aufgaben zu 38.1 kompletter Lösungsweg

1 (I) Wie heiß ist ein Metall, wenn es beim Schweißen am 6 (II) Schätzen Sie ab, bei welcher Wellenlänge das In-
stärksten im Bereich von 440 nm strahlt? tensitätsmaximum des Lichts liegt, das von der Pupille
des menschlichen Auges (die näherungsweise einem
2 (I) (a) Wie hoch ist die Temperatur, wenn sich das Ma-
schwarzen Körper gleicht) bei normaler Körpertempe-
ximum des Spektrums eines schwarzen Körpers bei
ratur ausgeht.
25,0 nm befindet? (b) Bei welcher Wellenlänge liegt das
Maximum des Spektrums eines schwarzen Körpers mit
einer Temperatur von 2800 K? 7 (III) Das Planck’sche Strahlungsgesetz ist durch
3 (I) Ein HCl-Molekül schwingt mit einer Eigenfrequenz 8πhc 1
von 8,1 · 1013 Hz. Wie groß ist die Energiedifferenz (in uλ (λ, T) =
λ5 ehc/λkT − 1
Joule und Elektronenvolt) zwischen den möglichen Os-
zillationsenergien? gegeben, wobei uλ (λ, T) die abgestrahlte spektrale
Strahlungsenergiedichte als Funktion der Wellen-
4 (I) Schätzen Sie ab, bei welcher Wellenlänge das Inten- länge λ und der Temperatur T in Kelvin ist. (a) Zei-
sitätsmaximum für die Strahlung (a) von Eis bei 0 ◦ C, gen Sie, dass sich das Wien’sche Verschiebungsgesetz
(b) einer Flutlichtlampe bei 3300 K, (c) von Helium bei aus dieser Beziehung ergibt. (b) Bestimmten Sie den
4 K liegt, wenn Sie die Emission durch einen schwar- Wert von h aus dem im Text angegebenen experi-
zen Körper zugrunde legen? In welchem Bereich des mentellen Wert von λP T. (c) Leiten Sie das Stefan-
elektromagnetischen Spektrums liegt sie jeweils? Boltzmann’sche Gesetz (die T 4 -Abhängigkeit der abge-
5 (II) Die Stufen einer Treppe sind 20,0 cm hoch. Wie strahlten Leistung – Gleichung 19.15) her, indem Sie
hoch ist die potentielle Energie einer Person (58,0 kg) die Planck’sche Formel über alle Wellenlängen inte-
im Vergleich zum Boden, wenn sie mit beiden Füßen grieren; sie sollen also
auf (a) der ersten, (b) der zweiten, (c) der dritten, (d) der 
n-ten Stufe steht? (e) Um welchen Betrag ändert sich uλ (λ, T)dλ ∝ T 4
die Energie, wenn die Person von der 6. auf die 2. Stufe
steigt? zeigen.

Aufgaben zu 38.2 kompletter Lösungsweg

8 (I) Wie groß ist der Energiebereich in eV, den Photonen 13 (I) Wie groß kann die Wellenlänge von Licht maximal
des sichtbaren Spektrums mit einer Wellenlänge von sein, das Elektronen aus einem Metall mit der Austritts-
400 nm bis 750 nm abdecken? arbeit 3,10 eV herausschlagen soll?
9 (I) Wie groß ist die Energie der Photonen (in eV), die von 14 (II) Die Austrittsarbeiten von Natrium, Cäsium, Kupfer
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einer Radiostation auf der Frequenz 88,5 MHz emittiert und Eisen betragen 2,3 eV, 2,1 eV, 4,7 eV beziehungs-
werden? weise 4,5 eV. Aus welchem dieser Metalle kann sicht-
bares Licht keine Elektronen herausschlagen?
10 (I) Die Gammastrahlung, die typischerweise von einem
Kern beim radioaktiven Zerfall ausgesendet wird, be- 15 (II) Beim photoelektrischen Effekt wird beobachtet,
sitzt eine Energie von 300 keV. Wie hoch ist deren Wel- dass kein Strom fließt, solange die Wellenlänge nicht
lenlänge? Würde man eine signifikante Beugung dieses geringer als 570 nm ist. (a) Wie hoch ist die Austrittsar-
Lichts erwarten, wenn es einen makroskopischen Spalt, beit für dieses Material? (b) Wie hoch ist die Gegenspan-
beispielsweise einen Türspalt, passiert? nung, wenn Licht der Wellenlänge 400 nm verwendet
wird?
11 (I) Es sind etwa 0,1 eV notwendig, um die Wasserstoff-
brückenbindung in einem Protein aufzubrechen. Wie 16 (II) Wie hoch ist die maximale kinetische Energie der
hoch muss die Frequenz oder wie niedrig muss die Elektronen, die aus Barium (Austrittsarbeit 2,48 eV)
Wellenlänge eines Photons dazu mindestens sein? herausgeschlagen werden, wenn Licht mit einer Wel-
lenlänge von λ = 400 nm bis 750 nm einfällt?
12 (I) Wie groß muss die Frequenz von Licht mindestens
sein, das Elektronen aus einem Metall mit der Austritts- 17 (II) Wenn UV-Licht der Wellenlänge 255 nm auf eine
arbeit 4,3 · 10−19 J herausschlagen soll? Metalloberfläche fällt, dann ist die maximale Energie

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38 FRÜHE QUANTENTHEORIE UND ATOMMODELLE

der emittierten Elektronen 1,40 eV. Wie groß ist die Aus- ist die Energie (in eV und kcal/mol), um die chemi-
trittsarbeit für dieses Metall? sche Reaktion zur Veränderung des Films in Gang zu
setzen?
18 (II) Die Grenzwellenlänge für das Herausschlagen von
Elektronen aus einer gegebenen Oberfläche ist 350 nm.
Wie groß ist die maximale kinetische Energie der her- 20 (II) Wenn Licht der Wellenlänge 230 nm auf ein Metall
ausgeschlagenen Elektronen, wenn die Wellenlänge auf einfällt, kann der durch den photoelektrischen Schalt-
(a) 280 nm verringert, (b) 380 nm erhöht wird? kreis (siehe  Abbildung 38.4) fließende Strom durch
eine Gegenspannung von 1,64 V zum Erliegen gebracht
19 (II) Ein spezieller Film ist nur für Licht empfindlich, werden. Wie groß ist die Austrittsarbeit für dieses Ma-
dessen Wellenlänge geringer als 660 nm ist. Wie groß terial?

Aufgaben zu 38.3 kompletter Lösungsweg

21 (II) Die Größe h/mc mit der Dimension einer Länge einen korrekten Ausdruck? Wenn nicht, dann spezifi-
wird als Compton-Wellenlänge bezeichnet. Bestimmen zieren Sie die Größe, die die Genauigkeit einschränkt,
Sie die Compton-Wellenlänge eines (a) Elektrons, (b) ei- und ihren Wert, damit die Gleichung eine Genauigkeit
nes Protons. (c) Zeigen Sie folgende Behauptung: Wenn von 0,1 Prozent erreicht.
die Wellenlänge eines Photons gleich der Compton-
Wellenlänge des Teilchens ist, dann ist die Energie des 25 (III) Benutzen Sie die relativistischen Gleichungen
Photons gleich der Ruheenergie des Teilchens. für die Energie- und Impulserhaltung, um zu zeigen,
dass die Compton-Verschiebung der Wellenlänge beim
22 (II) Röntgenstrahlung der Wellenlänge λ = 0,120 nm Compton-Effekt (siehe  Abbildung 38.7) durch Glei-
wird an einem Graphitblock gestreut. Wie groß ist die chung 38.6 gegeben ist.
Verschiebung der Compton-Wellenlänge für Photonen,
die (relativ zum einfallenden Strahl) im Winkel von 26 (III) Ein Photon mit der Wellenlänge 0,100 nm trifft
(a) 45◦ , (b) 90◦ , (c) 180◦ beobachtet werden? beim Compton-Effekt frontal auf ein freies Elektron,
23 (II) Berechnen Sie für die Streuwinkel aus der vorher- das dadurch in Vorwärtsrichtung gestoßen wird. Das
gehenden Aufgabe (a) den relativen Energieverlust des Photon wird genau in die entgegengesetzte Rich-
Photons und (b) die dem gestreuten Elektron übertra- tung zurückgestoßen. Benutzen Sie die (relativistische)
gene Energie. Energie- und Impulserhaltung, um (a) die kinetische
Energie des Elektrons und (b) die Wellenlänge des zu-
24 (II) (a) Zeigen Sie, dass der relative Energieverlust der rückgestoßenen Photons zu bestimmten. (Hinweis: Ver-
gestreuten Photonen beim Compton-Effekt als Δλ/λ ge- wenden Sie Gleichung 38.5, aber nicht Gleichung 38.6.)
schrieben werden kann. (b) Handelt es sich dabei um

Aufgaben zu 38.4
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kompletter Lösungsweg

27 (I) Wie groß ist die kinetische Gesamtenergie eines Masse eines μ (Myons) ist die 207fache Elektronen-
Elektron-Positron-Paares, das durch ein Photon mit masse. Wie groß ist die Wellenlänge eines solchen
2,84 MeV erzeugt wird? Photons?

28 (II) Wie groß kann die Wellenlänge eines Photons ma-


30 (II) Ein Photon aus dem Röntgenbereich erzeugt ein
ximal sein, das ein Positron-Elektron-Paar erzeugen
Elektron-Positron-Paar, wobei jedes Teilchen eine ki-
kann? (Beide haben eine Masse von 1,67 · 10−27 kg.)
netische Energie von 345 keV besitzt. Wie groß war die
29 (II) Wie groß ist die minimal notwendige Energie ei- Energie und die Wellenlänge des Photons?
nes Photons zur Erzeugung eines μ+ -μ− -Paares? Die

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Aufgaben

Aufgaben zu 38.6 kompletter Lösungsweg

31 (I) Berechnen Sie die Wellenlänge einer Kugel (0,21 kg), 36 (II) Ein Elektron und ein Proton haben die gleiche nicht-
die sich mit 0,10 m/s bewegt. relativistische kinetische Energie. Zeigen Sie, dass das
Proton dann die kürzere Wellenlänge besitzt.
32 (I) Wie groß ist die Wellenlänge eines Neutrons (m =
1,67 · 10−27 kg), das sich mit der Geschwindigkeit 37 (II) Berechnen Sie das Verhältnis der kinetischen Ener-
5,5 · 104 m/s bewegt? gie eines Elektrons zu der eines Protons, wenn sie glei-
33 (I) Durch welche Potentialdifferenz (in Volt) muss ein che Wellenlängen besitzen. Gehen Sie von nichtrelati-
Elektron beschleunigt werden, damit es eine Wellen- vistischen Geschwindigkeiten aus.
länge von 0,28 nm erreicht? 38 (II) Wie groß ist die Wellenlänge eines O2 -Moleküls der
34 (II) Berechnen Sie die de-Broglie-Wellenlänge eines Luft bei Raumtemperatur? (Hinweis: Siehe Kapitel 18.)
Elektrons in ihrem Fernseher, das in der Bildröhre
39 (III) Ein Cadillac mit einer Masse von 2000 kg er-
durch 30 000 V beschleunigt wurde. Ist es als relativi-
reicht eine 10 m breite Autobahnbrücke. Mit welcher
stisch anzusehen? Wie groß ist dessen Wellenlänge im
Geschwindigkeit muss sich das Auto bewegen, damit
Vergleich zur Größe des Röhrenhalses von typischer-
seine Wellenlänge eine solche Größe erreicht, dass es
weise 5 cm? Müssen wir uns über Beugungserscheinun-
nach dem Durchfahren dieses „Einzelspaltes“ in ir-
gen Gedanken machen, die zu einem unscharfen Bild
gendeiner Weise „gebeugt“ wird? Wie groß ist die sich
auf dem Schirm führen?
aus dieser Bedingung ergebende Geschwindigkeit im
35 (II) Wie hoch ist die Wellenlänge eines Elektrons mit Vergleich zu gewöhnlichen Autobahngeschwindigkei-
der Energie (a) 10 eV, (b) 100 eV, (c) 1,0 keV? ten von 30 m/s?

Aufgaben zu 38.7 kompletter Lösungsweg

40 (II) Welche Spannung ist notwendig, damit ein Elektron 41 (II) Elektronen werden in einem Elektronenmikroskop
eine Wellenlänge von 0,10 nm erreicht? (Gehen Sie von durch 2250 V beschleunigt. Wie hoch ist die maximal
nichtrelativistischen Elektronen aus.) erreichbare Auflösung?

Aufgaben zu 38.9 und 38.10 kompletter Lösungsweg

42 (I) Entscheiden Sie, ob es sich bei den drei unten an- 45 Berechnen Sie die Ionisationsenergie von zweifach io-
gegebenen Übergängen vom Ausgangszustand n zum nisiertem Li2+ mit Z = 3 für den Grundzustand.
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Endzustand n um eine Absorption oder eine Emission


handelt? Welcher Zustand ist energetisch höher, der 46 (I) (a) Bestimmen Sie die Wellenlänge der zweiten Li-
Ausgangszustand oder der Endzustand des Atoms? Bei nie der Balmer-Serie (Übergang von n = 4 nach n = 2)
welchem dieser Übergänge hat das beteiligte Photon mithilfe von  Abbildung 38.25. Bestimmen sie ana-
die größte Energie? (a) n = 1, n = 3, (b) n = 6, n = 2, log dazu (b) die Wellenlänge der zweiten Linie der
(c) n = 4, n = 5. Lyman-Serie und (c) die Wellenlänge der dritten Linie
der Balmer-Serie.
43 (I) Wie viel Energie ist notwendig, um ein Elektron ei-
nes Wasserstoffatoms aus dem Grundzustand in den 47 (I) Bestimmen Sie die Rydberg-Konstante R aus der
Zustand mit n = 2 zu bringen? Bohr’schen Theorie (vergleichen Sie die Gleichun-
44 (I) Zu welchem Übergang gehört die drittlängste Wel- gen 38.8 und 38.14) und zeigen Sie, dass ihr Wert
lenlänge der Paschen-Serie (siehe  Abbildung 38.25). R = 1,0974 · 107 m−1 ist.

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38 FRÜHE QUANTENTHEORIE UND ATOMMODELLE

48 (II) Wie groß kann die Wellenlänge von Licht maximal 56 (II) Angenommen, ein Elektron wäre nicht durch die
sein, das ein Wasserstoffatom aus dem Grundzustand elektrische Kraft an ein Proton gebunden, sondern
heraus ionisiert? durch die Gravitation. Wie groß wären Radius und
Energie der ersten Bohr’schen Bahn?
49 (II) Wie groß muss die Wellenlänge eines Photons sein,
das ein Wasserstoffatom aus dem Grundzustand heraus 57 (II) Zeigen Sie, dass der Betrag der potentiellen Energie
ionisiert und dem freigesetzten Elektron eine kineti- eines Elektrons auf jeder Bohr’schen Bahn des Wasser-
sche Energie von 10,0 eV übergibt? stoffatoms doppelt so groß wie die kinetische Energie
ist.
50 (II) In der Sonne vollzieht sich im ionisiertem Helium
(He+ ) unter Photonenemission ein Übergang vom Zu- 58 (III) Korrespondenzprinzip: Zeigen Sie, dass bei großen
stand n = 6 zum Zustand n = 2. Können diese Photo- Quantenzahlen n die Differenz der Radien Δr zwischen
nen von den in der Sonne vorkommenden Wasserstof- zwei benachbarten Bahnen (mit den Quantenzahlen n
fatomen absorbiert werden? Wenn dem so ist, zwischen und n − 1) durch
welchen Energiezuständen vollzieht sich der Übergang 2rn
im Wasserstoffatom? Δr = rn − rn−1 ≈
n
51 (II) Konstruieren Sie das Energie-Niveau-Diagramm für gegeben ist, so dass in Übereinstimmung mit dem Kor-
das He+ -Ion (siehe  Abbildung 38.25). respondenzprinzip für n → ∞ auch Δr/rn → 0 gilt.
(Beachten Sie, dass man das Korrespondenzprinzip
52 (II) Konstruieren Sie das Energie-Niveau-Diagramm für entweder durch die Betrachtung von großen n (n → ∞)
doppelt ionisiertes Lithium, Li2+ . oder durch die Grenzwertbildung h → 0 überprüfen
kann. Ist dies äquivalent?)
53 (II) Wie groß ist die potentielle Energie und die ki-
netische Energie des Elektrons im Wasserstoffatom im 59 (III) (a) Zeigen Sie, dass bei sehr großen n die Fre-
Grundzustand? quenz des Lichts, das bei einem Elektronenübergang
vom Energieniveau n zum Energieniveau n − 1 emit-
54 (II) Ein angeregtes Wasserstoffatom könnte prinzipiell tiert wird, gleich
auch einen Radius von 1,00 mm aufweisen. Wie groß v
wäre n für eine Bohr’sche Bahn dieser Größe? Wie groß f =
2πrn
wäre deren Energie?
ist. (b) Zeigen Sie, dass es sich dabei gleichzeitig auch
55 (II) Ist die Verwendung nichtrelativistischer Gleichun- um die von der klassischen Theorie vorhergesagte Fre-
gen im Bohr’schen Atom angebracht? Berechnen Sie quenz handelt, wenn sich ein Elektron auf einer Kreis-
dazu die Geschwindigkeit des Elektrons v in Einhei- bahn mit dem Radius rn mit der Geschwindigkeit v
ten von c im Grundzustand des Wasserstoffatoms,
 und bewegt. (c) Erklären Sie, weshalb dies mit dem Korre-
berechnen Sie anschließend den Ausdruck 1 − v 2 /c2 . spondenzprinzip konsistent ist.

Allgemeine Aufgaben kompletter Lösungsweg


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60 Die Urknalltheorie behauptet, dass der Beginn des Uni- mum erster Ordnung wird bei θ = 38◦ beobachtet. Wie
versums von einen riesigen Photonenausbruch beglei- groß ist der Abstand zwischen den Ebenen des Beu-
tet war. Diese Photonen sind heute noch immer präsent gungsgitters? (Siehe Abschnitt 36.10.)
und bilden den so genannten kosmischen Mikrowellen-
Strahlungshintergrund. Das Universum strahlt wie ein 63 Zeigen Sie, dass die Energie E (in Elektronenvolt) ei-
schwarzer Körper bei einer Temperatur von etwa 2,7 K. nes Photons mit der Wellenlänge λ (in Meter) durch
Berechnen Sie die Wellenlänge des Intensitätsmaxi- folgende Gleichung gegeben ist:
mums dieser Strahlung.
E = 1,24 · 10−6 /λ .
61 Bei Raumtemperatur befinden sich nahezu alle Atome
eines Wasserstoffgases im Grundzustand. Wie groß
64 Eine Mikrowelle erzeugt elektromagnetische Strahlung
muss die Frequenz des Photons sein, damit der pho-
mit einer Wellenlänge von 12,2 cm und einer Leistung
toelektrische Effekt beobachtet werden kann?
von 760 W. Berechnen Sie die Anzahl der von der Mi-
62 Ein Strahl aus Elektronen mit 85 eV wird wie bei der krowelle pro Sekunde erzeugten Photonen.
Röntgenbeugung an einem Kristall gestreut. Das Maxi-

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Allgemeine Aufgaben

65 Das Sonnenlicht, das die Erdoberfläche erreicht, besitzt 76 Eine Kinderschaukel hat eine Eigenfrequenz von
eine Intensität von etwa 1000 W/m2 . Schätzen Sie ab, 0,75 Hz. (a) Wie groß ist der Abstand zwischen den
wie viele Photonen das pro Quadratmeter in einer Se- möglichen Energiewerten (in Joule)? (b) Welchen Wert
kunde sind. Verwenden Sie dazu eine mittlere Wellen- hat die Quantenzahl n, wenn die Schaukel am Umkehr-
länge von 550 nm. punkt einen Höhenunterschied von 45 cm überwunden
hat und (einschließlich Kind) eine Masse von 20 kg
66 Ein Strahl eines Rubinlasers (λ = 633 nm) trifft auf eine
besitzt. (c) Wie groß ist die relative Energieänderung,
schwarze Wand und wird vollständig absorbiert. Wie
wenn man Energieniveaus mit den Quantenzahlen n
viele Photonen treffen pro Sekunde auf die Wand, wenn
(soeben berechnet) und n+1 betrachtet? Wäre die Quan-
dadurch eine Gesamtkraft von F = 5,5 nN auf die Wand
tisierung in diesem Fall messbar?
ausgeübt wird?
67 Eine Taschenlampe mit 100 W strahlt 3,0 Prozent der 77 Elektronen, die durch eine Potentialdifferenz von
Eingangsenergie in Form von sichtbarem Licht (mitt- 12,3 V beschleunigt wurden, passieren ein Wasserstoff-
lere Wellenlänge 550 nm) gleichmäßig in alle Richtun- gas bei Raumtemperatur. Welche Wellenlänge besitzt
gen ab. Schätzen Sie ab, wie viele Photonen des sicht- das emittierte Licht?
baren Lichts pro Sekunde auf die Pupille (Durchmesser 78 Man kann Atome herstellen, bei denen ein Myon
4,0 mm) eines 1,0 km entfernten Beobachters treffen. (Masse = 207 Elektronenmassen) ein Elektron des
68 Ein Elektron und ein Positron stoßen frontal aufein- Atoms ersetzt. Berechnen Sie mithilfe der Bohr’schen
ander, vernichten sich gegenseitig und erzeugen zwei Theorie die Energie des Photons, das emittiert wird,
Photonen mit 0,90 MeV, die sich in entgegengesetzte wenn das Myon im myonischen 20882 Pb-Atom (Kern mit
Richtungen bewegen. Wie groß war die kinetische Ener- der Masse von 208 Protonenmassen und der Ladung
gie von Elektron und Positron? +82e) vom Zustand mit n = 2 zu einem Zustand mit
n = 1 übergeht.
69 Compton beobachtete in seinem ursprünglichen Expe-
riment gestreute Röntgenstrahlung, deren Wellenlänge 79 Bei einem speziellen photoelektrischen Experiment
von 0,0711 nm auf 0,0735 nm verschoben war. In wel- wird eine Gegenspannung von 2,10 Volt gemessen,
chem Winkel wurde diese Röntgenstrahlung gestreut? wenn ultraviolettes Licht mit der Wellenlänge 290 nm
auf ein Metall fällt. Wie groß wäre die Grenzspannung,
70 Durch welche Potentialdifferenz muss (a) ein Pro-
wenn anstelle des violetten Lichts blaues Licht mit der
ton (m = 1,67 · 10−27 kg) und (b) ein Elektron (m =
Wellenlänge 440 nm unter den sonst gleichen Vorgaben
9,11 · 10−31 kg) beschleunigt werden, damit es eine
verwendet würde?
Wellenlänge von λ = 5,0 · 10−12 m besitzt?
71 In einem von Rutherfords Experimenten (  Abbil- 80 In einer Röntgenröhre (siehe  Abbildung 36.25 und
dung 38.16) besitzen die α-Teilchen (Masse = die Diskussion in  Abschnitt 36.10) ist V die Hoch-
6,64 · 10−27 kg) eine kinetische Energie von 4,8 MeV. spannung zwischen dem Filament und dem Target.
Wie nahe können sie einem Goldkern (Ladung = 79e) Nachdem das Elektron durch diese Spannung be-
kommen? Vernachlässigen Sie die Rückstoßbewegung schleunigt wurde, trifft es auf das Target, wo es ab-
des Kerns. gebremst wird (durch positiv geladene Kerne). Bei die-
sem Prozess werden ein oder mehrere Röntgenquanten
72 Um welchen Bruchteil sinkt die Masse eines H-Atoms emittiert. (a) Zeigen Sie, dass für das Photon mit der
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bei einem Übergang vom Zustand n = 3 zum Zustand kürzesten Wellenlänge


n = 1?
hc
λ0 =
73 Bei welcher kinetischen Energie ist der Stoß zwischen eV
einem Elektron und einem Wasserstoffatom im Grund- gilt. (b) Wie groß ist die kürzeste Wellenlänge der emit-
zustand eindeutig elastisch? tierten Röntgenstrahlung, wenn die Elektronen auf den
74 Leiten Sie aus der Bohr’schen Theorie eine Gleichung Schirm einer 30 kV Fernsehbildröhre treffen?
für die Winkelgeschwindigkeit ω eines Elektrons in
81 Zeigen Sie, dass die Wellenlänge eines Teilchens mit
einem Wasserstoffatom und dessen Frequenz f ab.
der Masse m und der kinetischen Energie
Ekin durch
Bestimmen Sie die Werte (a) für den Grundzustand und
2 + 2mc2 E
die relativistische Gleichung λ = hc/ Ekin
(b) für den ersten angeregten Zustand (n = 2). kin
gegeben ist.
75 Berechnen Sie das Verhältnis aus Gravitationskraft und
elektrischer Kraft für das Elektron in einem Wasserstoff- 82 Wie groß ist die kinetische Energie und die Wellenlänge
atom. Kann die Gravitation gefahrlos vernachlässigt eines „thermischen“ Neutrons (das sich bei Raumtem-
werden? peratur im Gleichgewicht befindet – siehe Kapitel 18)?

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38 FRÜHE QUANTENTHEORIE UND ATOMMODELLE

83 Wie groß ist die theoretische Grenze für das Auflösungs- 85 Das menschliche Auge reagiert bereits auf Licht mit
vermögen eines Elektronenmikroskops, dessen Elektro- einer Energie von bis zu 10−18 J. Wie viele Photo-
nen durch 60 kV beschleunigt wurden? (Sie müssen die nen führen zu einem wahrnehmbaren Lichteindruck,
relativistischen Gleichungen benutzen.) wenn das Auge von Licht der Wellenlänge 550 nm ge-
troffen wird, bei der die visuelle Sensitivität maximal
84 Die Intensität des Sonnenlichts beträgt in Erdnähe etwa
ist?
1000 W/m2 . Stellen Sie sich ein Raumschiff mit einem
verspiegelten quadratischen Segel mit der Seitenlänge 86 Licht mit einer Wellenlänge von 300 nm trifft auf ein
1,0 km vor. Schätzen Sie ab, welchen Schub (in New- Metall mit der Austrittsarbeit 2,2 eV. Wir groß ist die
ton) dieses Raumschiff aufgrund der Stöße mit den kürzeste de-Broglie-Wellenlänge der auf diese Weise
Photonen der Sonne erfährt. (Hinweis: Nehmen Sie an, erzeugten Photoelektronen?
dass die Photonen ohne Änderung des Impulsbetrags
abprallen.)
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