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Originalarbeit

Interprofessionelle
Zusammenarbeit Pflegefachpersonen
http://econtent.hogrefe.com/doi/pdf/10.1024/1012-5302/a000531 - Thursday, March 02, 2017 1:05:49 AM - UZH Hauptbibliothek / Zentralbibliothek Zürich IP Address:144.200.17.42

und Ärzteschaft
Eine Triangulation quantitativer und qualitativer Daten
Marianne Schärli (MNS)1, Rita Müller (MNS)2, Jacqueline S. Martin (PhD, RN)3, Elisabeth
Spichiger (PhD, RN)4, Rebecca Spirig (Prof., PhD, RN)5
1
Fachführung Medizinbereich Trauma-Derma-Rheuma, UniversitätsSpital Zürich
2
Pflegeentwicklung, Kantonsspital Winterthur
3
Ressort Pflege / MTT Universitätsspital Basel
4
Bereich Fachentwicklung, Direktion Pflege / MTT, Inselspital Universitätsspital Bern und Institut für Pflegewissenschaft, Universität Basel
5
Direktion Pflege & MTTB, UniversitätsSpital Zürich und Institut für Pflegewissenschaft, Universität Basel

Zusammenfassung:
Hintergrund: Im klinischen Alltag stellt die interprofessionelle Zusammenarbeit zwischen Pflegefachpersonen und Ärzt(inn)en immer wieder
eine Herausforderung dar. Quantitative oder qualitative Studien haben das Ziel, Erkenntnisse zu einer verbesserten Zusammenarbeit aufzuzei-
gen. Diese Erkenntnisse sind jedoch aus methodischen Gründen oft begrenzt.
Ziel: Mittels Triangulation quantitativer und qualitativer Daten beschreibt diese Studie die interprofessionelle Zusammenarbeit aus Sicht der
Pflegefachpersonen.
Methode: Die Datenerhebung erfolgte in einem Mixed Methods-Design im Rahmen der interprofessionellen Sinergia DRG-Begleitforschung.
Zunächst erfolgte eine separate Analyse der quantitativen und qualitativen Daten. Durch die Triangulation entstand in vier Schritten eine „Me-
ta-Matrix“.
Ergebnisse: Die „Meta-Matrix“ bildet alle relevanten quantitativen und qualitativen Ergebnisse sowie ihre Zusammenhänge modellähnlich auf
einer Seite ab. Die Relevanz, die Einflussfaktoren sowie die Folgen der interprofessionellen Zusammenarbeit für Mitarbeitende, Patient(inn)en,
Angehörige und Systeme werden deutlich.
Schlussfolgerung: Die interprofessionelle Zusammenarbeit aus Sicht der Pflegefachpersonen in fünf Spitälern wird erstmals umfassend in ei-
ner „Meta-Matrix“ aufgezeigt. Die Folgen ungenügender Zusammenarbeit zwischen Pflegefachpersonen und Ärzt(inn)en sind beträchtlich,
weshalb in interprofessionelle Konzepte investiert werden muss. Aus der „Meta-Matrix“ ist ersichtlich, welche Faktoren für die interprofessio-
nelle Zusammenarbeit hinderlich bzw. förderlich sind.

Schlüsselwörter: Interprofessionelle Zusammenarbeit, Triangulation, Mixed Methods Research, Pflegefachpersonen, Ärzt(inn)en

Interprofessional collaboration from nurses and physicians – A triangulation of quantitative and qualitative data

Abstract:
Background: Interprofessional collaboration between nurses and physicians is a recurrent challenge in daily clinical practice. To ameliorate the
situation, quantitative or qualitative studies are conducted. However, the results of these studies have often been limited by the methods chosen.
Aim: To describe the synthesis of interprofessional collaboration from the nursing perspective by triangulating quantitative and qualitative data.
Method: Data triangulation was performed as a sub-project of the interprofessional Sinergia DRG Research program. Initially, quantitative and
qualitative data were analyzed separately in a mixed methods design. By means of triangulation a „meta-matrix“ resulted in a four-step process.
Results: The „meta-matrix“ displays all relevant quantitative and qualitative results as well as their interrelations on one page. Relevance, influ-
encing factors as well as consequences of interprofessional collaboration for patients, relatives and systems become visible.
Conclusion: For the first time, the interprofessional collaboration from the nursing perspective at five Swiss hospitals is shown in a „meta-ma-
trix“. The consequences of insufficient collaboration between nurses and physicians are considerable. This is why it's necessary to invest in inter-
professional concepts. In the „meta-matrix“ the factors which influence the interprofessional collaboration positively or negatively are visible.

Keywords: interprofessional relations, nurses, physicians, methods, research

Eine gut funktionierende interprofessionelle Zusammen- ven und einer qualitativen Studie der interprofessionellen
arbeit zwischen Pflegefachpersonen und Ärzt(inn)en im Zusammenarbeit für Akutspitäler in der Schweiz. Da in
klinischen Alltag ist zentral. Dieser Artikel beleuchtet die der deutschsprachigen Literatur nur wenige Publikationen
interprofessionelle Zusammenarbeit aus Sicht der Pflege- die Triangulation quantitativer und qualitativer Daten auf-
fachpersonen. Die Absicht der vertieften Analyse ist das zeigen, beschreiben wir in diesem Artikel exemplarisch
Zusammenfügen von Erkenntnissen aus einer quantitati- eine geeignete Vorgehensweise. Dafür nutzten wir Daten

© 2017 HogrefePflege (2017), 1–11


https://doi.org/10.1024/1012-5302/a000531
2 M. Schärli et al.: Interprofessionelle Zusammenarbeit – Eine Datentriangulation

Was ist (zu dieser Thematik) schon bekannt?


setzung für die Information und Schulung von Patient(inn)
Üblicherweise ist die Datengrundlage in Studien zu interprofessio- en und Angehörigen (Schildmann et al., 2006). Unkoordi-
neller Zusammenarbeit zwischen Pflegefachpersonen und nierte oder unterschiedliche Informationen können die
Ärzt(inn)en entweder quantitativ oder qualitativ. Empfänger(innen) verunsichern oder gar verängstigen.
Was ist neu? Fördernde Faktoren einer gelingenden interprofessio-
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Eine Triangulation quantitativer und qualitativer Daten ermöglicht nellen Zusammenarbeit sind regelmäßiger Austausch
eine umfassende Beschreibung aus Sicht der Pflegefachpersonen.
und ein respektvoller Umgang miteinander, der sich
Welche Konsequenzen haben die Ergebnisse für die Pflegepraxis? durch gegenseitiges Zuhören und Ernstnehmen aus-
Eine „Meta-Matrix“ visualisiert quantitative und qualitative Daten
zeichnet (Weller, Boyd & Cumin, 2014; Zwarenstein &
modellähnlich auf einen Blick.
Reeves, 2006). Pflegefachpersonen können die Zusam-
menarbeit durch eigene Beiträge fördern, indem sie ihre
der Studie „Monitoring des Einflusses der DRG-Finanzie- berufliche Kom­petenz einbringen und proaktives Ver­
rung auf Pflegekontextfaktoren in Schweizer Akutspitä- halten zeigen. Unsere Ergebnisse im Rahmen der DRG-
lern“ (DRG-Begleitforschung Pflege) aus dem Sinergia- Begleitforschung Pflege verdeutlichen, dass diese Ei­
Forschungsprojekt (The IDoC Group, 2015). genschaften erfahrenen Kolleg(inn)en zugeschrieben
werden, da sie aufgrund ihrer Berufsjahre über vertiefte
Kompetenzen verfügen und auf umfangreicheres Wis-
sen zurückgreifen können (Rettke, Frei, Horlacher,
Hintergrund Kleinknecht-Dolf, Spichiger & Spirig, 2015). Unterstüt-
zung durch Pflegefachpersonen mit mehreren Jahren Be-
Die Arbeitsumgebungsqualität von Pflegefachpersonen in rufserfahrung ermöglicht Berufsanfängern und Berufs-
Akutspitälern ist durch verschiedene Kontextfaktoren be- anfängerinnen, interprofessionelle Zusammenarbeit im
einflusst, welche pflegerische Tätigkeiten und somit pfle- Alltag als positiv zu erleben. Diese Erfahrungen zu Be-
gesensitive Patientenergebnisse beeinflussen. Beispiele ginn des Berufslebens prägen die spätere Laufbahn (Mc-
sind interprofessionelle Zusammenarbeit, Personalbeset- Grail, Morse, Glessner & Gardner, 2008).
zung, Ressourcen und Führung. Dabei ist die interprofes- Als hinderliche Faktoren gelten Zeitdruck, mangelnde
sionelle Zusammenarbeit mit Ärzt(inn)en ein zentraler explizite Beschreibung der Rollen und Aufgaben der Be-
Aspekt (Aiken & Patrician, 2000). Wird sie als gut emp- rufsangehörigen, geringe organisatorische Unterstützung,
funden, steigt die Arbeitszufriedenheit der Pflegefachper- das Fehlen klarer Führung, unterschiedliche Traditionen
sonen (Gagliardi, Dobrow & Wright, 2011; Gunnarsdóttir, und Berufswerte, differierende Ziele und Prioritäten sowie
Clarke, Rafferty & Nutbeam, 2009). Hierarchiestufen mit diskriminierenden Machtstrukturen
Je nach Perspektive und Einstellung der Nutzer(innen) (Martin, Ummenhofer, Manser & Spirig, 2010; Ashworth,
wird interprofessionelle Zusammenarbeit unterschiedlich 2000). Unzureichende interprofessionelle Zusammenar-
definiert (Gillioz, 1997). Zudem werden Begriffe wie „mul­ beit löst Stress und Frustration aus, was zu kritischen Zwi-
tidisziplinär“, „interdisziplinär“, „multiprofessionell“ und schenfällen wie Medikamenten- und Pflegefehlern führt.
„interprofessionell“ oftmals synonym genutzt. Wir orientie- Patient(inn)en können Schaden erleiden − sogar mit tödli-
ren uns an der Definition: Interprofessionelle Zusammenar- chen Folgen (Martin et al., 2010; Manser, 2009).
beit findet statt, „wenn mehrere Gesundheitsfachpersonen Der Pflegekontextfaktor „interprofessionelle Zusam-
mit unterschiedlichem beruflichen Hintergrund untereinan- menarbeit“ war Teil des konzeptuellen Modells der DRG-
der wie auch mit den Patientinnen und Patienten, deren An- Begleitforschung Pflege (Spirig, Spichiger, Martin, Frei,
gehörigen, Betreuenden sowie der Gemeinschaft zusam- Müller & Kleinknecht, 2014). Das Ziel dieser Studie ist,
menarbeiten, um die bestmögliche Versorgungsqualität zu den Pflegekontextfaktor „interprofessionelle Zusammen-
erreichen. Dies ermöglicht es den Gesundheitsfachperso- arbeit“ in fünf Schweizer Spitälern aus Sicht der Pflege-
nen, mit jeder Person zusammenzuarbeiten, deren Kompe- fachpersonen zu beschreiben. Um die im Mixed Methods-
tenzen die Erreichung der lokalen Gesundheitsziele erleich- Design angestrebte Synthese der Ergebnisse zu erreichen,
tern“ (BAG, 2013). analysierten wir die vorhandenen quantitativen und quali-
Positive Folgen einer guten interprofessionellen Zusam- tativen Daten vertieft mittels Triangulation. Nachfolgend
menarbeit auf Patientenergebnisse bzw. auf die Arbeitszu- beschreiben wir das methodische Vorgehen.
friedenheit haben u. a. Rosenstein (2002) sowie Rosenstein
und O'Daniel (2008) beschrieben. Die Autoren empfehlen,
interprofessionelle Zusammenarbeit systematisch zu för-
dern. Magnet Hospitals beschreiben die gute interprofessi- Methode
onelle Zusammenarbeit zwischen Pflegefachpersonen und
Ärzt(inn)en als positiven Arbeitsumgebungsfaktor (Cow- Design
den & Cummings, 2012). Durch eine optimierte Kommuni-
kation und Zusammenarbeit lässt sich die Pflegequalität Mixed Methods-Forschung eignet sich, um Phänomene
verbessern (Havens, Vasey, Gittell & Lin, 2010). Gute inter- mittels quantitativer und qualitativer Forschungsmetho-
professionelle Zusammenarbeit bildet auch die Voraus­ den vertieft zu untersuchen. Dabei ergänzen sich die bei-

Pflege (2017), 1–11 © 2017 Hogrefe


M. Schärli et al.: Interprofessionelle Zusammenarbeit – Eine Datentriangulation3

den Forschungsansätze und ermöglichen durch das Zu- konnte, wer zuvor an der quantitativen Querschnittstu-
sammenführen der Resultate ein vollständigeres Bild die beteiligt war und als Pflegefachperson mindestens
(Creswell & Plano Clark, 2011). Wir nutzten ein sequen- zwei Jahre Berufserfahrung auf derselben Abteilung bzw.
tiell-explanatorisches Mixed Methods-Design, um die in der Funktion als Abteilungsleiter(in) oder Pflegeex-
interprofessionelle Zusammenarbeit zwischen Pflege- perte / Pflegeexpertin hatte. Die für die Fokusgruppenin-
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fachpersonen und Ärzt(inn)en differenziert zu beschrei- terviews entwickelten Fragen zur interprofessionellen
ben. Zusammenarbeit der Pflegefachpersonen mit dem ärzt-
lichen Dienst basierten auf den quantitativen Resultaten
Rettke et al., 2015). Die Fragen lauteten: „Was kenn-
Quantitative Daten zeichnet eine gute Zusammenarbeit mit dem ärztlichen
Dienst?“, „Welche Faktoren sind hinderlich?“, „Welche
An der quantitativen Querschnittstudie mittels Online- Folgen hat eine gut bzw. nicht gut funktionierende Zu-
Befragung Ende 2011 beteiligten sich 2 266 Pflege­ sammenarbeit mit dem ärztlichen Dienst?“ Nach den
fachpersonen auf 204 Bettenabteilungen der fünf Akut­ ersten drei Interviewserien diskutierten wir die vorläufi-
spitäler. Dies entsprach einer Rücklaufquote von 46 % gen Resultate in einer Reflexionsgruppe mit erfahrenen
(Kleinknecht-Dolf, Spichiger, Frei, Müller, Martin & qualitativ Forschenden, um den Prozess der Daten-
­Spirig, 2015). Für die Befragung zur interprofessionellen sammlung und -analyse zu überprüfen. Dabei ließen
Zusammenarbeit setzten wir die deutsche Version des sich neue Themen generieren und ein zweiter Leitfaden
„Nursing Work Index Revised“ (NWI-R) ein, dessen psy- entstand, um diese Themen in einer vierten Serie zu ver-
chometrischen Eigenschaften im Rahmen der RICH-Stu- tiefen (Spirig et al., 2014). Die Frage zur interprofessio-
die untersucht wurden (Cronbachs Alpha 0,73 für die nellen Zusammenarbeit lautete: „Wie kommt es, dass in
Subskala interprofessionelle Zusammenarbeit) (Aiken & einer solchen Situation die Pflegefachperson XY ‚stopp‘
Patrician, 2000; Martin et al., 2010a; Schubert et al., sagen kann, die Pflegefachperson YZ jedoch nicht?“
2008; Kleinknecht-Dolf et al., 2015). Die Subskala zur Hierzu führten wir Interviews mit je einer Fokusgruppe
interprofessionellen Zusammenarbeit beinhaltet die fol- pro Spital durch (n = 36 Pflegefachpersonen). In den In-
genden drei Items: „Auf meiner Abteilung haben Pflege- terviews entstanden zusammenfassende Visualisierun-
personen und Ärztinnen / Ärzte einen respektvollen be- gen der Aussagen als Knowledge Maps (Pelz, Schmitt &
ruflichen Umgang miteinander“, „Pflegepersonen und Meis, 2004).
Ärztinnen / Ärzte arbeiten eng im Team zusammen“, Bei der Datenanalyse verglichen wir jedes Original-
„Zusammenarbeit und Austausch zwischen dem Pflege- Knowledge Map mit der entsprechenden Tonaufzeich-
personal und den Ärztinnen / Ärzten sind gut“. In Form nung des Fokusgruppeninterviews und ergänzten es, um
einer 4-Punkte Likert-Skala (1 = „stimme nicht zu“ bis Vollständigkeit zu gewährleisten. Anschließend werteten
4  =  „stimme zu“) beurteilten Pflegefachpersonen die wir diese Maps inhaltsanalytisch in Anlehnung an Mayring
Aussagen. Die erhobenen Daten werteten wir deskriptiv (2010) aus. Die synthetisierten Informationen der einzel-
durch Berechnung der Mittelwerte und Standardabwei- nen Knowledge Maps reduzierten wir schrittweise auf ihre
chungen aus. Die grafische Darstellung erfolgte in Form Kernaussagen (Rettke et al., 2015). Auf diese Weise ent-
von Säulendiagrammen bzw. Boxplots. Zur Datenanalyse stand ein finales Knowledge Map.
diente IBM SPSS Statistics 20.0.

Triangulation der quantitativen


Qualitative Daten und qualitativen Daten

Die qualitativen Daten zur interprofessionellen Zusam- Die Zusammenführung der Resultate aus verschiedenen
menarbeit stammten aus 20  Fokusgruppeninterviews Forschungsmethoden wird Triangulation genannt (Cres-
mit insgesamt 146  Teilnehmenden aus den fünf Spitä- well & Plano Clark, 2011). In unserem Fall handelte es
lern (Rettke et al., 2015). Die 20  Fokusgruppen in vier
Serien ermöglichten, die quantitativen Daten aus Sicht
der Teilnehmenden zu ­erklären und inhaltlich zu vertie-
fen. Mit Fokusgruppen­interviews kann die Vielfalt der
Meinungen und Einstellungen in der Gruppe erfasst wer-
den (Rettke et al., 2015). Pro Spital fanden je vier Fokus-
gruppeninterviews mit jeweils sechs bis zehn Personen
statt. Die freiwillige Teilnahme erfolgte mit Einverständ-
niserklärung in vertrauensvollem Rahmen mit zwei
außenstehenden Forscher(inn)en. Insgesamt engagier-
ten sich 38 Pflegefachpersonen in der ersten Interview-
serie, 37  Abteilungsleiter(innen) in der zweiten und
35 Pflegeexpert(inn)en in der dritten Serie. Teilnehmen Abbildung 1. Knowledge Map.

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4 M. Schärli et al.: Interprofessionelle Zusammenarbeit – Eine Datentriangulation

sich um quantitative und qualitative Untersuchungsda- Integrationsschritt 1


ten. Triangulation kommt häufig zum Einsatz, um Er- Die beiden letztgenannten Autorinnen entwickelten ein
gebnisse auf der Basis verschiedener Forschungsmetho- erstes Matrixgerüst. In je einer Spalte stellten sie die quan-
den zu validieren oder um ein Problem bzw. Phänomen titativen Ergebnisse sämtlicher Spitäler mit den drei Items
durch verschiedene Untersuchungsperspektiven besser zur interprofessionellen Zusammenarbeit dar, ergänzt
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zu verstehen (O'Cathain, Murphy & Nicholl, 2010). Als durch die qualitativen Ergebnisse des Spitals 1 und die Re-
Triangulationstechniken beschreiben O'Cathain et al. flexionsnotizen (siehe Tabelle 1).
(2010) die „Mixed Methods-Matrix“, „Following a th- Dabei ordneten sie die zusammengefassten Infor­
read“ und das „Triangulationsprotokoll“. Eine „Mixed mationen der Knowledge Maps (Interviewserie 1 – 3)
Methods-Matrix“ bietet eine integrierte Übersicht quan- farblich gekennzeichnet einem der drei Items aus der
­
titativer und qualitativer Daten zu einem Thema oder zu quantitativen Befragung zu (blau: Pflegefachpersonen,
einer Fragestellung. „Following a thread“ bedeutet, Ur- orange: Abteilungsleiter(innen), grün: Pflegeexpert(inn)
sprungsdaten nochmals systematisch zu sichten, nach- en). Schriftlich ausformulierte Differenzierungskriterien
dem keine Antwort auf eine Frage möglich war oder eine für die Unterscheidung der Items 2 und 3 ermöglichten
Hypothese unbestätigt blieb. Es gilt, „den Faden neu eine klare Zuordnung der Aussagen. Danach reduzierten
aufzunehmen“ und dies zu protokollieren. Ein „Triangu- sie die Aussagen inhaltsanalytisch (Mayring, 2010).
lationsprotokoll“ stellt die verschiedenen quantitativen
oder qualitativen Daten zu einer Fragestellung auf einer Integrationsschritt 2
­Seite dar, einschließlich einer Beurteilung hinsichtlich Die Ergänzung der Matrix durch Informationen aus den
der Übereinstimmung, der partiellen Übereinstimmung, Knowledge Maps der Spitäler 2 bis 5 erfolgte in einem wei-
der fehlenden Übereinstimmung bzw. der fehlenden Er- teren Integrationsschritt. Dabei arbeiteten die beiden
wähnung. Bei allen drei Techniken ist es wichtig, den letztgenannten Autorinnen neue, kontrastierende Ele-
Triangulationsprozess Schritt für Schritt nachvollziehen mente direkt in die Matrixspalte der reduzierten Kernaus-
zu können. sagen des Spitals 1 ein. Entsprechend den Empfehlungen
Für unsere Analyse erfolgte die Triangulation mittels von O'Cathain et al. (2010) erstellten sie Reflexionsnoti-
„Mixed Methods-Matrix“. Der Triangulationsprozess be- zen, um Auffälligkeiten und auftretende Fragen festzuhal-
gann nach der separaten Analyse der qualitativen und ten. Damit sich das Vorgehen jederzeit nachvollziehen
quantitativen Daten. In vier Integrationsschritten ent- lässt, notierten sie jeden Prozessschritt unterhalb der Mat-
stand die finale „Meta-Matrix“. rix (siehe Tabelle 2).

Einflussfaktoren
Werte und Haltung Kompetenzen Pflegefachpersonen und Ärztinnen/Ärzte Strukturen und Prozesse
ungleiche Werte (Person-/Teamebene, Grundhaltung, Auftreten) Person (Alter, Geschlecht, Ausbildung, Selbstsicherheit, Glaubwürdigkeit) Organisation (Rotation und Stellenpläne der Ärztinnen/Ärzte, klare
Kultur (Fachgebiet, Nationalität, Solidarität, Hierarchiestufe, Gender, unterschiedliche Sozialkompetenz (Teamfähigkeit, proaktives Verhalten, Kompetenzen/ Verantwortung, Kontinuität im Team, (fehlende)
Führungsstil, Altersunterschied, offenes Fehlermanagement, Kommunikation, Verhandlungsgeschick, Prioritätensetzung, stützende zeitliche Ressourcen)
Teamwork-Bewusstsein, Selbstreflexionsfähigkeit) Führung, Vorbilder, Beziehung) räumliche Strukturen (räumliche Nähe Pflegefachpersonen und
Wirtschaftliches Denken Fachkompetenz (Wissen, Können, Erfahrung, unterschiedliche Kompetenzen Ärztinnen/Ärzte)
nutzen) Arbeitsprozesse (Einführung, funktionierende Absprachen,
Informations-/Entscheidungsfluss, Prozesskenntnisse)

Tiefe Zustimmungswerte Ausprägungen Hohe Zustimmungswerte


Auf meiner Abteilung haben Pflegefachpersonen und Ärztinnen/Ärzte einen respektvollen beruflichen Umgang miteinander
ungleiche Werte gegenseitige(r) Respekt/Wertschätzung/Geduld
fehlende(r) gegenseitige(r) Respekt/Wertschätzung Respektvoller Umgang miteinander n=2266 ernst nehmen von Personen/Professionen/Expertise, Anliegen von
nicht ernst nehmen von Personen/Professionen 58,5% Pflegefachpersonen und Angehörigen
Schuldzuweisungen 32,5% kein Gesichtsverlust
wenig Menschlichkeit 1,3% 7,7% Menschlichkeit
Vorbild sein
unterstützend/nachsichtig sein gegenüber unerfahrenen
Stimme nicht zu Stimme eher Stimme eher zu Stimme zu Assistenzärztinnen/-ärzte
nicht zu

Pflegefachpersonen und Ärztinnen/Ärzte arbeiten eng im Team zusammen


nicht auf Augenhöhe im Team arbeiten (Machtspiele) arbeiten auf gleicher Augenhöhe, um gemeinsam gesetzte
gegenseitiges Misstrauen enge Zusammenarbeit im Team n=2266 Patient(inn)enziele gemeinsam zu verfolgen
autoritäres Verhalten der Ärztinnen/Ärzte gegenseitiges Vertrauen
sich nicht gegenseitig auf Fachkompetenz und Sorgfalt verlassen 53,0% partnerschaftliche Zusammenarbeit und Unterstützung trotz
fehlende Erfahrung und Entscheidungskompetenz von 21,5% 23,5% Verordnungsbefugnis der Ärztinnen/Ärzte
2,0%
Assistenzärztinnen/-ärzte sich gegenseitig auf Fachkompetenz/Sorgfalt verlassen
nicht einhalten von Spielregeln Verbindlichkeit/einhalten von Spielregeln,
kein Bewusstsein für Teamwork Stimme nicht zu Stimme eher Stimme eher zu Stimme zu gegenseitige Offenheit
nicht zu

Zusammenarbeit und Austausch zwischen dem Pflegepersonal und den Ärztinnen/Ärzte ist gut
schlechte Organisation der gemeinsamen Arbeitsprozesse (fehlende klare Strukturen für klare Verantwortungsbereiche und Verbindlichkeit
Ansprechperson, unklare Zuständigkeit/Visitenregelung, keine gute Zusammenarbeit und Austausch n=2265 (erreichbare Ansprechperson, klare Zuständigkeit, Visitenregelung,
interprofessionellen Fallbesprechungen) 59,0% interprofessionelle Fallbesprechungen)
kein Einblick in das Berufsprofil der anderen Berufsgruppe Transparenz dank guter Kommunikation
fehlende Transparenz wegen schlechter Kommunikation 26,3% Einblick in das Berufsprofil der anderen Berufsgruppe
12,2%
unterschiedliche Einschätzung der Situation 2,5% sich gegenseitig kennen
gemeinsame Einschätzung der Situation und planen der Behandlungen
Stimme nicht zu Stimme eher Stimme eher zu Stimme zu
nicht zu

Positive/negative Folgen
Mitarbeitende/Team Patient(inn)en und Angehörige Systeme
(schlechte/gute) Zusammenarbeitskultur im Team (nicht) informierte(r) Patient(in), (schlechte/gute) Angehörigenbetreuung (keine) reibungslose Abläufe, (schlecht/gut) organisierte Verlegungen
(kein) Stress, Missverständnis, Konflikt (un)genügendes Symptommanagement (fehlende/hohe) Effizienz, (keine) Verschwendung von Ressourcen,
(keine) Überzeit (schlechteres/besseres) Entlassungsmanagement (steigende/sinkende) Kosten
(sinkende/steigende) Arbeitszufriedenheit (keine) Verzögerungen im Patient(inn)enprozess Aufenthaltsdauer (steigt/sinkt), (verzögerte) Rehabilitation
Resignation/Motivation (nicht)optimale Versorgungsqualität (weniger) Rehospitalisationen
(höhere, tiefere) Personalfluktuation Patient(inn)ensicherheit und -zufriedenheit (sinkt/steigt)

Abbildung 2. Interprofessionelle Zusammenarbeit Pflegefachpersonen – Ärztinnen/Ärzte: Integration quantitative – qualitative Daten.

Pflege (2017), 1–11 © 2017 Hogrefe


M. Schärli et al.: Interprofessionelle Zusammenarbeit – Eine Datentriangulation5

Tabelle 1. Interprofessionelle Zusammenarbeit – Auszug Schritt 1

Fragebogenitem Quantitative Ergebnisse Spital 1 Reflexion


Auf meiner Abteilung Stimme nicht zu Ärztinnen / Ärzte akzeptieren Regeln Gute Zusammenarbeit, wenn die Patientin /
­haben Pflegepersonen 1.9 % und Strukturen der Abteilung; der Patient im Mittelpunkt steht und ein
und Ärztinnen / Ärzte Stimme eher nicht zu Wertschätzung: gegenseitiger Respekt; ­gemeinsames Ziel vorliegt;
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einen respektvollen 8.3 % Anliegen der Pflegenden (und Angehörigen) Umkehrschluss: Braucht es zwingend gute
­beruflichen Umgang Stimme eher zu werden ernst genommen; Zusammenarbeit, wenn die Patientin / der
­miteinander. 58.9 % Gegenseitiger Respekt und Wertschätzung Patient im Mittelpunkt steht und ein
Stimme zu sind personen- und fachgebietsabhängig; ­gemeinsames Ziel vorliegt?
30.9 % Fehlende gegenseitige Wertschätzung; Ungleichgewicht in der Zusammenarbeit: Pfle-
(Nicht) Ernstnehmen der Person und ge „gut organisiert“, Ärzte „schlecht organisiert“
­Profession; Die beschriebenen Folgen einer guten oder
(Keine) Wertschätzung; schlechten Zusammenarbeit können die
(Wenig) Menschlichkeit. quantitative Ausprägung illustrieren;
Negative Bewertung aufgrund eines Kriteriums
zieht definierte negative Folgen nach sich;
Fehlender Einblick beeinträchtigt die
­Zusammenarbeit.
Pflegepersonen und Stimme nicht zu Partnerschaftliche Zusammenarbeit trotz
­Ärztinnen / Ärzte 1.9 % Weisungsbefugnis versus autoritäres
­arbeiten eng im Team Stimme eher nicht zu ­Verhalten der Ärztinnen / Ärzte;
­zusammen. 21.3 % Teamkultur und Teamarbeit sollten sich
Stimme eher zu ­ergänzen;
53.5 % Kollegialität;
Kompetenz und Wissen;
Stimme zu Unterstützung holen, falls notwendig;
23.3 % Hierarchische Struktur ist entscheidend;
Zusammenarbeit ist sehr personen- und
fachgebietsabhängig;
(Nicht) Einhalten von Spielregeln
(Kein) Bewusstsein für Teamwork
(Schlechte) Organisation der jeweiligen
­Arbeitsprozesse;
Sich nicht verlassen können auf die jeweilige
Fachkompetenz;
Arbeiten auf Augenhöhe;
Gegenseitigkeit.
Zusammenarbeit und Stimme nicht zu Transparenz in beide Richtungen; Absprachen
Austausch zwischen 1.9% in beide Richtungen;
dem Pflegepersonal Stimme eher nicht zu Verbindlichkeit;
und Ärztinnen / Ärzten 26.6% Klare Strukturen zwischen Pflege und
sind gut. Stimme eher zu ­Ärztinnen / Ärzten = klare Verantwortung
59.2% Gemeinsam hilfreiche Strukturen ­schaffen:
Stimme zu Erreichbarkeit, (fehlende) definierte
12.3% ­Ansprechperson, (fehlende) Kommunikation,
regelmäßiger Austausch;
Verlässlichkeit, Abmachungen einhalten;
Zusammenarbeit ist sehr personen- und
fachgebietsabhängig;
Schlechte / gute Strukturen
Schlechte / gute Kommunikation = Transparenz;
(Fehlender) Einblick in das Berufsbild des
anderen;
Interdisziplinäre Fallbesprechungen;
Visitenregeln für Ärztinnen / Ärzte
und ­Pflegende.

Interview 1: Alle Aussagen, die wir einem der Items zuordnen konnten, trugen wir in die Matrix ein
Wir konnten keine Aussagen einer Quantifizierung eindeutig zuordnen.
Aussagen zu weiterführenden Fragen, die wir keinem Item zuordnen konnten, legten wir für eine spätere Entscheidung beiseite.
Interview 2: Beispiel „Fronten verhärten sich“: Faktoren, die über die Bewertung eines Items entscheiden.
Interview 3: Analog zu 1 und 2.
Interview 4: Beinhaltet einen weiterführenden Schritt in der Zusammenarbeit und kommt erst zum Zug, wenn die Folgen analysiert werden.
Nächster Schritt: Reduktion der Matrix „Spital 1“, dann Ergebnisse der anderen Spitäler ergänzen und kontrastieren.

Integrationsschritt 3 menarbeit. Diese Aussagen bündelten sie zunächst und


Die Erst- und Zweitautorin filterten alle Maps der ersten reduzierten bzw. verdichteten sie anschließend. Dem in-
bis dritten Interviewserie nach Aussagen zu beeinflussen- haltsanalytischen Prinzip folgend, entwickelten sie Kate-
den Faktoren und Folgen guter bzw. schlechter Zusam- gorien und modifizierten sie fortlaufend (siehe Tabelle 3).

© 2017 HogrefePflege (2017), 1–11


6 M. Schärli et al.: Interprofessionelle Zusammenarbeit – Eine Datentriangulation

Tabelle 2. Integrationsschritt 2

Items Quantitative Werte Alle fünf Spitäler Reflexion


Auf meiner Abteilung Stimme nicht zu (Fehlender) gegenseitiger Respekt; Gute Zusammenarbeit: wenn die ­Patientin / der
­haben Pflegepersonen 1.9 % (Fehlende) gegenseitige Wertschätzung; Patient im Mittelpunkt steht und ein gemein­
und Ärztinnen / Ärzte Stimme eher nicht zu Ungleiche Werte; sames Ziel vorliegt;
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­einen ­respektvollen 8.3 % Als Vorbild Respekt vorleben Umkehrschluss: braucht es zwingend gute
­beruflichen Umgang Stimme eher zu ­(Chefärztin  /­Chefarzt); ­Zusammenarbeit, wenn die ­Patientin / der
­miteinander. 58.9 % Ernstnehmen der Anliegen Pflegender ­Patient im Mittelpunkt steht und ein
Stimme zu und ­Angehöriger; ­gemeinsames Ziel vorliegt?
30.9 % (Nicht) Ernstnehmen der Personen; Ungleichgewicht in der Zusammenarbeit: P ­ flege „gut
Gesichtsverlust vermeiden; organisiert“, Ärztinnen / Ärzte „schlecht organisiert“?
(Nicht) Ernstnehmen der Profession; Die beschriebenen Folgen einer guten oder
(Wenig) Menschlichkeit; schlechten Zusammenarbeit können die
Schuldzuweisungen; ­quantitative Ausprägung illustrieren;
Pflegende sind unterstützend und Negative Bewertung aufgrund eines ­Kriteriums
­nachsichtig ­gegenüber unerfahrenen zieht definierte negative Folgen nach sich;
­Assistenzärztinnen / Assistenzärzten; Fehlender Einblick beeinträchtigt die
Gegenseitige Geduld; ­Zusammenarbeit;
Abhängigkeit von Personen (Haltung, Auftreten) Klare Strukturen = klare Verantwortung;
und Fachgebieten. Abhängigkeit von Person und Fachgebiet
quer über alle drei Items;
Neben den Folgen gibt es auch Gründe für die
Einschätzung der Items, die möglicherweise noch
einbezogen werden müssen (z. B. Zeitmangel / Ro-
tation der Ärztinnen /Ärzte [Interview 2]);
Gesichtsverlust vermeiden: Gesichts­erhaltende
Kommunikation.
Pflegepersonen und Stimme nicht zu (Nicht) auf Augenhöhe und Hand in Hand im
­Ärztinnen / Ärzte arbeiten 1.9 % Team arbeiten wegen Machtspielen;
eng im Team zusammen. Stimme eher nicht zu Vertrauen / Misstrauen der Pflegenden in
21.3 % ­Ärztinnen / Ärzte und umgekehrt;
Stimme eher zu Partnerschaftliche Zusammenarbeit trotz
53.5 % Weisungsbefugnis der Ärztinnen / Ärzte
Stimme zu ­(gegenseitige Unterstützung, Ärztinnen / Ärzte
23.3 % nehmen Pflegenden etwas Kleines ab);
Pflege sorgt für das Funktionieren;
Autoritäres Verhalten der Ärztinnen / Ärzte;
Sich nicht verlassen können auf Fachkompetenz
und Sorgfalt (Beispiel: jüngere Pflegende sind
weniger akzeptiert);
Fehlende Erfahrung und Entscheidungskom-
petenz der Assistenzärztinnen / Assistenzärzte;
Unterschiedliche Einschätzung der Situation
durch Ärztinnen / Ärzte und Pflegende;
(Schlechte) Organisation der gemeinsamen
Arbeitsprozesse
(Nicht) Einhalten von Spielregeln;
Abhängigkeit von Personen und Fachgebieten;
Kein Bewusstsein für Teamwork;
Verbindlichkeit;
Gegenseitige Offenheit.
Zusammenarbeit und Stimme nicht zu (Keine) gemeinsamen Strukturen schaffen
Austausch zwischen 1.9 % und verlässlich einhalten;
dem Pflegepersonal Stimme eher nicht zu (Fehlende) Ansprechperson ist (nicht) erreich-
und Ärztinnen / Ärzten 26.6 % bar und präsent, Zuständigkeit Visitenregeln,
sind gut. Stimme eher zu interdisziplinäre Fallbesprechungen);
59.2 % (Fehlende) Transparenz dank guter
Stimme zu ­(schlechter) Kommunikation;
12.3 % (Fehlender) Einblick in Berufsbild des anderen;
Abhängigkeit von Personen und Fachgebieten;
Klare Strukturen zwischen Pflege und
­Ärztinnen / Ärzten = klare Verantwortung.

Prozessnotizen: Reduktion der Aussagen aus den Knowledge Maps der Interviews 1 – 3.
Interviews 1 – 3 der Spitäler 1 bis 5 sind eingearbeitet: Vorgehen analog Schritte 1 – 3.

Zur Validierung des Prozesses prüften sie die Nach- Knowledge Maps. Unklarheiten diskutierten sie im Au-
vollziehbarkeit der Zuordnung, der Reduktion und torinnenteam und nahmen entsprechende Präzisierun-
der  Kategorienbildung. Dabei sichteten sie erneut die gen vor.

Pflege (2017), 1–11 © 2017 Hogrefe


M. Schärli et al.: Interprofessionelle Zusammenarbeit – Eine Datentriangulation7

Integrationsschritt 4 Pfeil stellt eine Verbindung zum letzten Matrix-Abschnitt


Die entstandene Matrix entwickelten die Autorinnen in ei- her. Darin sind die p ­ ositiven und negativen Folgen der
nem weiteren Integrationsschritt zu einer „Meta-Matrix“. interprofessionellen Zusammenarbeit aus dem qualitati-
Sie überprüften und integrierten die Resultate aus der ven Forschungsteil zusammengefasst dargestellt. Nach-
vierten Interviewserie. folgend beschreiben wir die Resultate der einzelnen Ab-
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schnitte im Detail.

Resultate der Triangulation Einflussfaktoren

Das Gesamtresultat der Triangulation quantitativer und Werte und Haltungen


qualitativer Daten ist eine aussagekräftige „Meta-Mat- Aus Sicht der Pflegefachpersonen beeinflussen unglei-
rix“ (siehe Abbildung 2). Sie zeigt, dass drei Hauptfakto- che Wertvorstellungen auf Personen- oder Teamebene
ren die interprofessionelle Zusammenarbeit zwischen sowie unterschiedliche Haltungen und anderes Auftre-
Pflegefachpersonen und Ärzt(inn)en aus Sicht der Pflege- ten die Qualität der Zusammenarbeit mit Ärzt(inn)en.
fachpersonen beeinflussen: die Werte und Haltungen, Eine wichtige Rolle spielt zudem die Kultur, die bei-
die Kompetenzen der Pflegefachpersonen und Ärzt(inn) spielsweise durch den Führungsstil, das Fachgebiet, die
en sowie die Strukturen und Prozesse. Diese Einflussfak- Hierarchiestufe oder die Nationalität geprägt ist. Zuneh-
toren sind im ersten Matrix-Abschnitt beschrieben und mend beeinflusst auch wirtschaftliches Denken die Zu-
entstammen den qualitativen Resultaten. Abhängig von sammenarbeit.
ihnen ist die im zweiten Abschnitt aufgeführte Beurtei-
lung der Pflegefachpersonen hinsichtlich eines respekt- Kompetenzen der Pflegefachpersonen und Ärzt(inn)en
vollen beruflichen Umgangs mit Ärzt(inn)en, der Team- Merkmale der Personen wie Alter, Geschlecht, Ausbil-
zusammenarbeit und des Austausches untereinander. dung, Selbstsicherheit und Glaubwürdigkeit wirken sich
Zur grafischen Veranschaulichung dient ein Pfeil, der den auf die Zusammenarbeit aus, ebenso unterschiedliche
ersten mit dem zweiten Abschnitt verbindet. In der mitt- ­Sozialkompetenz, beispielsweise hinsichtlich der Kommu-
leren Spalte sind die quantitativen Resultate der statisti- nikation, der Teamfähigkeit oder des Verhandlungsge-
schen Analyse als Balkendiagramm eingefügt. Die relati- schicks. Die Fachkompetenz der Pflegefachpersonen und
ve Skala der Zustimmungswerte verläuft von links nach Ärzt(inn)en zeigt sich aus Sicht der Pflegefachpersonen im
rechts zunehmend. Die linke Spalte enthält die qualitati- Wissen, im Können und in der Erfahrung. Für die inter-
ven Hauptaussagen der Pflegefachpersonen zu den tiefen professionelle Zusammenarbeit ist jedoch entscheidend,
Zustimmungswerten. Die rechte Spalte beinhaltet Aus­ ob sich die unterschiedlichen Kompetenzen der Beteilig-
sagen zu den hohen Zustimmungswerten. Ein weiterer ten im klinischen Alltag nutzen lassen.

Tabelle 3. Integrationsschritt 3

Item Zustimmungswert Fünf Spitäler Einflussfaktoren Folgen


Pflegepersonen und Stimme nicht zu (Nicht) auf Augenhöhe Hand in Hand Wissen, Können und Die Patientin bzw. der Patient
­Ärztinnen / Ärzte 1.9 % im Team arbeiten (wegen Machtspielen); (fehlende) Erfahrung; steht (nicht) mit gemeinsamen
­arbeiten eng im Team Stimme eher nicht zu Vertrauen / Misstrauen der Pflegenden Klare Kompetenzen; Zielen im Mittelpunkt;
zusammen. 21.3 % ­gegenüber Ärztinnen / Ärzte und umgekehrt; Kompetenzen nutzen; Informierte Patientin bzw.
Stimme eher zu Partnerschaftliche Zusammenarbeit trotz (Fehlende) ärztliche ­informierter Patient;
53.5 % Weisungsbefugnis der Ärztinnen / Ärzte ­Führung / Einführung / Patientensicherheit
Stimme zu ­(einander unterstützen, Ärztinnen / Ärzte Solidarität; sinkt / steigt;
23.3 % nehmen Pflegenden etwas Kleines ab); (Fehlende) Zeit; Optimale Versorgungsqualität;
Pflege sorgt dafür, dass alles funktioniert; (Fehlende) Kontinuität Besseres Entlassungsmanage-
Autoritäres Verhalten der Ärztinnen / Ärzte; im ­Betreuungsteam. ment;
Sich (nicht) verlassen können auf Aufenthaltsdauer steigt;
­Fachkompetenz und Sorgfalt (Beispiel: Verzögerte Rehabilitation;
­jüngere ­Pflegende sind weniger akzeptiert); Rehospitalisationen;
Fehlende Erfahrung und Entscheidungs- Patientenzufriedenheit
kompetenz der Assistenzärztinnen / sinkt / steigt;
Assistenzärzte; Patienten würden eher
Unterschiedliche Einschätzung der Situation ­wiederkommen;
durch Ärztinnen / Ärzte und Pflegende; Imageverlust;
(Schlechte) Organisation der gemeinsamen­ Besserer Umgang mit
Arbeitsprozesse; (Nicht) Einhalten der ­Angehörigen;
­Spielregeln; Ärger, Stress;
Abhängigkeit von Personen und (Ethische / moralische) Konflikte;
­Fachgebieten; (Schlechte / Gute) Zusammen­
Kein Bewusstsein für Teamwork; arbeitskultur im Team;
Verbindlichkeit; Überzeit .
Gegenseitige Offenheit.

© 2017 HogrefePflege (2017), 1–11


8 M. Schärli et al.: Interprofessionelle Zusammenarbeit – Eine Datentriangulation

Strukturen und Prozesse tenregeln und interprofessionelle Fallbesprechungen.


Organisationselemente wie Rotation und Stellenpläne der Transparenz dank guter Kommunikation sowie eine ge-
Ärzt(inn)en, klar definierte Verantwortungs- und Aufga- meinsame Einschätzung der Situation und Behandlungs-
benbereiche sowie bestehende bzw. fehlende Kontinuität planung sind wirkungsvolle Formen des Austauschs. Der
im Team sind weitere wichtige Einflussfaktoren. Die Einblick in das Profil der anderen Profession und gegen-
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räumliche Nähe bzw. Distanz zwischen Pflegefachperso- seitige Kenntnisse, z. B. über Arbeitsabläufe, sind wertvoll
nen und Ärzt(inn)en sowie förderliche oder hinderliche für die Zusammenarbeit. 28,8 % der Pflegefachpersonen
Prozesse wie die Einführung neuer Ärzt(inn)en oder erlebten dies nicht so. Eine unzureichende Organisation
(nicht) funktionierende Absprachen beeinflussen eben- der gemeinsamen Arbeitsprozesse, kein Einblick in das
falls die Zusammenarbeit. Profil der anderen Profession, fehlende Transparenz auf-
grund ungenügender Kommunikation und unterschiedli-
che Situationseinschätzungen sind Zeichen eines fehlen-
Ausprägungen der interprofessionellen den Austausches. Dadurch ergibt sich ein negativer
Zusammenarbeit Einfluss auf die Zusammenarbeit.

Respektvoller Umgang miteinander


32,5 % der Pflegefachpersonen bewerten ihren beruf­ Positive und negative Folgen
lichen Umgang mit Ärzt(inn)en als respektvoll, 58,5 % als
eher respektvoll (Mittelwerte aller Antworten (MW): 3,0; Mitarbeitende und Teams
Standardabweichung (SD): 0,57). Förderliche ­ Faktoren Eine gute bzw. schlechte interprofessionelle Zusammen-
sind gegenseitiger Respekt, Wertschätzung, Menschlich- arbeit wirkt sich aus Sicht der Pflegefachpersonen ent­
keit und Geduld, aber auch das Ernstnehmen von Perso- sprechend positiv oder negativ auf die Zusammenarbeits-
nen, Professionen, Expertisen und Anliegen von Pflege- kultur im Team aus, ebenso auf das Ausmaß des
fachpersonen und Angehörigen. Wichtig sind zudem Stresserlebens, der Missverständnisse und der Konflikte
Vorbilder. Auch Nachsicht mit neuen Assistenzärzt(inn) sowie auf Überzeit und Arbeitszufriedenheit, die Perso-
en und deren Unterstützung stellen bedeutsame Faktoren nalfluktuationsrate und das Vorhandensein von Resignati-
dar. Als hinderlich erweisen sich ungleiche Werte, man- on versus Motivation.
gelnder gegenseitiger Respekt und fehlende Wertschät-
zung. Schuldzuweisungen sowie das Nichternstnehmen Patient(inn)en und Angehörige
von Personen, Professionen, Expertisen kennzeichnen Die Folgen einer guten bzw. schlechten interprofessionel-
eine schlechte interprofessionelle Zusammenarbeit. len Zusammenarbeit für Patient(inn)en und Angehörige
zeigen sich an der Patientensicherheit bzw. -zufriedenheit
Enge Zusammenarbeit im Team sowie am Informationsstand der Patient(inn)en und Ange-
23,5 % der Pflegefachpersonen sagten aus, dass sie mit hörigen, an der Qualität der Versorgung und Angehörigen-
Ärzt(inn)en eng im Team zusammenarbeiten, 53 % stimm- betreuung, am Symptom- und Entlassungsmanagement
ten dem eher zu (MW: 2,98; SD: 0,73). Als unterstützenden und letztlich an Verzögerungen im Patientenprozess.
Faktor einer engen Teamkooperation nennen sie Arbeiten
auf Augenhöhe, um gemeinsam gesetzte Patientenziele zu Systeme
verfolgen, gegenseitiges Vertrauen, Offenheit, partner- Aus der Systemperspektive wirkt sich eine gute bzw.
schaftliche Zusammenarbeit trotz Verordnungsbefugnis schlechte interprofessionelle Zusammenarbeit positiv
der Ärzt(inn)en sowie das „Sich-Verlassen-Können“ auf die bzw. negativ auf Abläufe, Verlegungen, Effizienz, Ressour-
Fachkompetenz und die Sorgfalt in der Arbeit. 23,5 % der cenverbrauch, Kosten, Aufenthaltsdauer, Rehabilitations-
Befragten erlebten dies nicht so. Machtspiele, gegenseiti- zeit und die Anzahl der Rehospitalisationen aus.
ges Misstrauen, autoritäres Verhalten der Ärzt(inn)en, feh-
lendes „Sich-Verlassen-Können“ auf die Fachkompetenz
und die Sorgfalt in der Arbeit, aber auch mangelnde Erfah-
rung bzw. Entscheidungskompetenz der Assistenzärzt(inn) Diskussion
en, das Nichteinhalten von Spielregeln und mangelndes
Bewusstsein für Teamwork wirken sich negativ auf die in- Mit der vorliegenden Triangulation war es möglich, quan-
terprofessionelle Zusammenarbeit aus. titative und qualitative Daten der DRG-Begleitforschung
Pflege zur interprofessionellen Zusammenarbeit zwischen
Austausch und gute Zusammenarbeit Pflegefachpersonen und Ärzt(inn)en mit einer „Mixed
12,2 % der Pflegefachpersonen bewerteten die Zusam- Methods-Matrix“ nach O'Cathain et al. (2010) zu syntheti-
menarbeit und den Austausch zwischen Pflegepersonal sieren. Die Triangulation der Daten erfolgte in mehreren
und Ärzt(inn)en als gut, 59 % stimmten dem eher zu (MW: Integrationsschritten, die zu einer „Meta-Matrix“ führten.
2,81; SD: 0,67). Unterstützend wirken klare Zuständigkei- Diese Methode erwies sich als vorteilhaft: Unsere „Meta-
ten und Verantwortungsbereiche sowie Verbindlichkeit, Matrix“ bildet alle relevanten quantitativen und qualitati-
Erreichbarkeit der ärztlichen Ansprechperson, klare Visi- ven Ergebnisse sowie ihre Zusammenhänge auf einer Sei-

Pflege (2017), 1–11 © 2017 Hogrefe


M. Schärli et al.: Interprofessionelle Zusammenarbeit – Eine Datentriangulation9

te ab. In den Teilschritten war sowohl eine nochmalige ken. Auffallend ist die Bedeutung der Angehörigen, die
Analyse als auch eine Validierung möglich, insbesondere, mehrmals Erwähnung finden.
weil ein Team von Forscherinnen mitarbeitete. Der Trian- Die Folgen ungenügender Zusammenarbeit sind be-
gulationsprozess umfasste eine fortlaufende Reflexion trächtlich und erfordern Gegenmaßnahmen. Mit einer Zu-
und förderte die Plausibilität bzw. Glaubwürdigkeit der sammenarbeitsvereinbarung vorerst zwischen Pflegefach-
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Resultate, da im Zweifelsfall immer ein Rückgriff auf die personen und Ärzt(inn)en, aber danach erweitert mit
Rohdaten möglich war. Wendler (2001) hebt die Wichtig- anderen Professionen, könnte die geschichtlich entstan-
keit von Analysemeetings für die Validierung der Ergeb- dene, veraltete Form von Zusammenarbeit verabschiedet
nisse besonders hervor. In modellähnlicher Form lässt sich und eine effektive, patient(inn)enzentrierte Pflege erreicht
anhand der „Meta-Matrix“ auf einen Blick erkennen, wie werden (Reeves, van Soeren, MacMillan & Zwarenstein,
groß in den teilnehmenden Spitälern der Anteil der Pflege- 2013).
fachpersonen ist, der die interprofessionelle Zusammen-
arbeit hinsichtlich der befragten Items jeweils als gut oder
schlecht erlebt. Die Einflussfaktoren und Folgen sowie die
Relevanz der interprofessionellen Zusammenarbeit für Limitationen
Mitarbeitende, Patient(inn)en und Angehörige sowie für
die Systeme aus Sicht der Pflegefachpersonen werden da- Um ein vollständiges Bild der interprofessionellen Zusam-
durch deutlich. menarbeit zwischen Pflegefachpersonen, Ärzt(inn)en und
Die Ergebnisse dieser Arbeit zeigen erstmals detailliert anderen Professionen zu erhalten, müssten die Sichtwei-
die interprofessionelle Zusammenarbeit aus Sicht der sen der anderen Berufsgruppen ebenfalls untersucht wer-
Pflegefachpersonen aus fünf Schweizer Spitälern in einer den. Dies war aufgrund der Anlage der Gesamtstudie nicht
Matrix als Modell auf. Gleichzeitig bestätigen sie bisherige möglich, da die Fragen der Datenerhebung gezielt auf die
Studienresultate: Sämtliche förderliche (Zwarenstein & Zusammenarbeit von Pflegefachpersonen und Ärzteschaft
Reeves, 2006; Rettke et al., 2015) und hinderliche Ein- ausgerichtet waren. Als potenzieller Nachteil der Methode
flussfaktoren (Martin et al., 2010; Ashworth, 2000) sind ist das schrittweise Vorgehen der vier Autorinnen zu nen-
erwähnt. Dabei wird ersichtlich, dass Strukturen und Pro- nen. Bei unsorgfältiger Abstimmung oder mangelnder
zesse zwar wichtige Einflussgrößen sind, jedoch Haltun- Diskussion birgt es die Gefahr von Datenverlust oder In-
gen, Werte und Kompetenzen der Pflegefachpersonen terpretationsfehlern. Techniken wie die „Mixed Methods-
und Ärzt(inn)en ebenfalls zu zwei Drittel Einfluss haben. Matrix“ sind hilfreich für die Integration der Daten, erfor-
Unterschiedliche Persönlichkeiten verschiedener Kultu- dern jedoch Zeit und Expertise in der Umsetzung
ren mit ungleichen Werthaltungen, Denkweisen und (O'Cathain et al., 2010).
Kompetenzen begegnen sich und arbeiten gemeinsam
zielorientiert für Patient(inn)en. Die Wichtigkeit der Vor-
bildfunktion im Anstreben und Einfordern einer guten
Teamzusammenarbeit, insbesondere auch von Führungs- Schlussfolgerung
personen, finden sich in unserer Studie analog zur Litera-
tur bestätigt (Yeager, 2005; Firth-Cozens, 2001). Gute bzw. schlechte interprofessionelle Zusammenarbeit
Pflegefachpersonen bezeichnen die interprofessionelle zwischen Pflegefachpersonen und Ärzt(inn)en hat aus
Zusammenarbeit in den fünf Spitälern vor der DRG-Ein- Sicht der Pflegefachpersonen positive bzw. negative Folgen
führung mehrheitlich als gut. Doch ein Viertel der für Mitarbeitende, Patient(inn)en und Angehörige. Auch
­Pflegefachpersonen erlebte die Zusammenarbeit trotz ei- die Qualität und Wirtschaftlichkeit eines Betriebs ist durch
nes respektvollen Umgangs miteinander als nicht zufrie- die Qualität der Zusammenarbeit betroffen. Deshalb muss
denstellend. Kritisch sehen die befragten Pflegefachperso- vermehrt in interprofessionelle, theoriegeleitet entwickel-
nen die mangelnde Transparenz der Kommunikation, te Konzepte investiert werden (Suter et al., 2013). Auf einen
fehlende gemeinsame Austauschgefäße sowie mangelnde Blick sind in der „Meta-Matrix“ die relevanten Komponen-
Kenntnisse des jeweils anderen Berufsbildes. Bedingt ten einer guten oder schlechten interprofessionellen Zu-
durch DRG ist eine Verdichtung des Arbeitsvolumens in sammenarbeit zwischen Pflegefachpersonen und Ärzt(inn)
beiden Professionen zu erwarten. Somit wird die interpro- en in fünf Schweizer Spitälern sowie Ansatzpunkte zur Op-
fessionelle Zusammenarbeit vermutlich in den nächsten timierung ersichtlich. In einer Folgestudie wäre es erfor-
Jahren zusätzlich gefordert werden. derlich, die Sicht der Ärzt(inn)en und anderer Fachperso-
Die hier ermittelten Folgen entsprechen den Ergebnis- nen zu erheben und die Matrix zu ergänzen.
sen anderer Studien (Martin et al., 2010; Havens et al., Die Pflegefachpersonen haben keine Einschätzungsinst-
2010; Rosenstein & O'Daniel, 2008; Rosenstein, 2002): rumente erwähnt, die auf eine gezielte Förderung oder Eva-
Gute bzw. schlechte Zusammenarbeit hat nicht nur unmit- luation der interprofessionellen Zusammenarbeit in der di-
telbare Konsequenzen für die Mitarbeitenden und das rekten Praxis schließen lassen. Es ist bekannt, dass die
Team, sondern letztlich auch für Patient(inn)en und Ange- Förderung der Kommunikations- und Koordinationskompe-
hörige. Es ergeben sich auch Folgen für die Systeme, die tenzen bei Pflegefachpersonen und Ärzt(inn)en ein besseres
sich direkt auf die Qualität und Wirtschaftlichkeit auswir- gegenseitiges Rollenverständnis und einen förderlichen

© 2017 HogrefePflege (2017), 1–11


10 M. Schärli et al.: Interprofessionelle Zusammenarbeit – Eine Datentriangulation

Wissens- bzw. Meinungsaustausch bewirkt sowie zu einer Substanzieller Beitrag zur Erfassung, Analyse oder Inter-
guten Informationsqualität bei Patient(inn)en führt (An- pretation der Daten: RS, ES, RM, MS
thoine, Delmas, Coutherut & Moret, 2014). Zur Einschät- Manuskripterstellung: MS, RS, RM
zung der Kommunikation eignet sich beispielsweise die vali- Einschlägige kritische Überarbeitung des Manuskripts:
dierte Skala „Communication and Sharing Information“ RM, ES, JM
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(CSI) (Anthoine et al., 2014). Schmalenberg et al. (2005) Genehmigung der letzten Version des Manuskripts: RS,
beschreibt folgende acht Verhaltensweisen als zusammen- ES, JM, RM
arbeitsfördernd: „Erwartungen transparent machen“, Übernahme der Verantwortung für das gesamte Manu-
­„zuhören, ohne zu urteilen“, „offene Feed­backkultur“, „au- skript: MS, RS
tonome Pflegepraxis“, „Kompetenzer­wei­terung durch Fort-
bildung“, „Befähigung“ und „konstruktives Konfliktma-
nagement“. Die Themengruppe „Interprofessionalität“ des
Bundesamtes für Gesundheit (BAG, 2013) hat ein Konzept Literatur
für die interprofessionelle Ausbildung erarbeitet, das auf
Aiken, L. H.; Patrician, P. A. (2000). Measuring organizational traits
konkreten Beispielen basiert. Die Ergebnisse unserer Studie
of hospitals: the Revised Nursing 7 Work Index. Nursing Re-
zeigen, dass solche Fördermaßnahmen gestartet werden search, 49 (3), 146 – 153.
sollten, da ein Viertel der Pflegefachpersonen die Zusam- Anthoine, E.; Delmas, Ch.; Coutherut, J.; Moret, L. (2014). Develop-
menarbeit trotz eines wertschätzenden Umgangs miteinan- ment and psychometric testing of a scale assessing the sharing
of medical information and interprofessional communication:
der als nicht zufriedenstellend erlebte. Dies bestätigt der
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