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Fragen zu Werner Sombart Liebe, Luxus, Kapitalismus: Über die Entstehung der modernen

Welt aus dem Geiste der Verschwendung

1. Sombart stellt seiner Analyse eine Definition des Begriffs und des Wesens des Luxus als ein
„Relationsbegriff“ (S. 85) zugrunde? Was meint das und was setzt eine solche Definition
voraus? Welches Verständnis vom Notwendigen liegt der Sombartschen Definition des Luxus
zugrunde und zwischen welchen Typen unterschiedet er? (rekonstruktive Frage).

2. Wie lassen sich die Entwicklungen der Luxuskultur erklären und welchen Einfluss hatte die
aristokratische Luxuskultur auf die Entwicklungen hin zum Kapitalismus? (rekonstruktive
Frage)

3. Im welchem Verhältnis steht die feudale Kultur einer Lust auf konsumatorische
Verschwendung und Luxus zur protestantisch-unternehmerischen Ethos der
Arbeitsamkeit und der Askese? (sozialtheoretische Frage)

4. Wenn man mit Sombart davon ausgeht, dass der Luxus sich ursprünglich einer sinnlichen
Freude am Genuss verdankt und auf dem Nährboden von materiellen Reichtum und kultureller
Liberalität (etwa bzgl. Liebesangelegenheiten) gedeiht, dann stellt sich mit Blick auf die
Gegenwartsgesellschaft die Frage, inwiefern dann nicht gerade der Luxus auch eine zentrale
Analysekategorie für spätkapitalistische Gesellschaften sein müsste?
(gegenwartsdiagnostische Frage)

5. Aus Sombarts Perspektive ist das „Weibchen“ und ihr Luxusbegehren der Entfaltung der
Luxuskultur ursprünglich und folglich für die Entwicklung des frühkapitalistischen Strikuten
verantwortlich. Nehmen Sie zu dieser These kritisch Stellung, indem Sie auch darlegen, warum
Sombart zu diesem Schluss kommt. (kritische Frage)

1. Luxus ist laut Sombart jeder Aufwand, der über das Notwnedige hinaus geht. Der Luxusbegriff ist also relational, da er davon abhängt, was man als das „Notwendige“ betrachtet. Er unterscheidet einerseits
zwischen dem subjektiven und dem objektiven Notwendigen. Das objektive Notwendige beschreibt dabei die physiologische oder kulturelle Notdurft und variiert von Zeit zu Zeit. Sombart unterscheidet daher
auch zwischen einer absoluten und relativen Verfeinerung. Die absolute Verfeinerung sind daher fast alle Güter, weil sie über die Notdurft hinausgehen. Der Luxusbegriff Sombarts widmet sich allerdings eher
der relativen Verfeinerung, welches eine über das Durchschnittsmaß der Gesellschaft hinausgehende Verfeinerung darstellt.

2. Luxus entspringt aus der Freude zum sinnlichen Genuss und findet seinen Antrieb mehr oder weniger bewusst durch das Liebesempfinden. Überall, wo Reichtum und ein freies Liebesleben sich entwickelt,
wird auch Luxus herrschen. Nach Sombart hat das Luxusleben daher seinen Ursprung in den Fürstenhöfen. Am Beispiel von Avignon lässt sich erkennen, dass „weltlicher Pomp (…) zum Bedürfnis der
päpstlichen Regierung [wurde].“ (91) Hier wurde Luxus durch Feste, öffentliche Schaustellungen, Empfänge und feierliche Einzüge, bewusst zur Schau gestellt, aber auch Bauluxus und Kleiderluxus gelebt.
Wenn man allerdings einmal Luxus hat, will man ihn steigern. Ehrgeiz, Prunksucht, Protzerei und Machttrieb gelten hier als elementare menschliche Triebe, solange Luxus, freies Liebesleben und ein Streben
der sozialen Gruppen, sich gegenseitig zu beweisen, vorhanden ist. Diese Bedingungen waren in der aristokratischen Luxuskultur vorhanden, was nicht nur das Luxusstreben, sondern auch die Entwicklung
des Kapitalismus gestärkt hat. Von Ludwig XIV ging mit der Zeit sogar ein „Zwang zum Luxus“ (104) aus. Luxus und Wohlstand wurden seit 1720 mit der aristokratischen Luxuskultur immer weiter entwickelt.
Man häufte nun kein Kapital mehr an, sondern gab das Geld aus und betrieb Luxus durch Möbel, Bauten, Kleider,…
Besonders durch vier daraus resultierenden Entwicklungstendenzen des Luxus entsteht der moderne Kapitalismus: Durch die Tendenz der Verhäuslichung ist Luxus nun nicht mehr öffentlich sondern privat,
also jedermann strebt danach und will sich bestimmten Luxus zulegen. Die Tendenz zur Versachlichung zeigt, dass nun statt Dienerschaften eher konkrete Gegenstände als Luxusgut verwendet werden.
Dadurch kommt es zum Übergang vom unproduktiven zum produktiven Luxus. Die Tendenz der Versinnlichung und Verfeinerung zeigt zum einen, dass Luxus mehr für animalische Lebensformen genutzt wird
als für ideale Lebenswerte und zum anderen, dass die Güter immer mehr mit Arbeit vollgesaugt werden, bis sich „perfekt“ sind. Adam Smith kritisierte , dass durch diese luxuriöse Verschwendung so viele
unproduktive Hände beschäftigt werden, die eigentlich produktiv für die bürgerliche Gesellschaft sein könnten (115). Durch die Tendenz der Zusammendrängung wird weiterhin immer mehr Luxus in kurzer
Zeit produziert. Das zeigt, wie die kapitalistische Gesellschaft durch Luxusausgaben gestärkt wurde.

3. Luxus und Wohlstand ist durch das Ausgeben des Geldes gekennzeichnet, im Gegensatz durch den protestantisch-unternehmerischen Ethos der Arbeitsamkeit, welcher die bloße Kapitalakkumulation
um des Geldes Willen anstrebt. Geld hat in der puritanischen Askese einen hohen, beinah göttlichen Stellenwert, während in der Luxuskultur das Geld und der Geldeswert verachtet wird. Ausgabe und
Einnahme ins Verhältnis zu bringen gilt als bürgerliches Verhalten. Kalkulation und Rationalisierung sind hier also keine edlen Werte, sondern im Gegenteil eher verachtenswert. Der Geist der
Verschwendung ist also geprägt durch sofortiges Geldausgebn und nutzlose Verschwendung, hohe Verschuldung und Verachtung des Geldes. Der protestantisch-puritanische Ethos wirkt im Grunde genau
gegensätzlich durch eine Verehrung des Geldwertes, strenge Kalkulation, Streben nach dem gesellschaftlichen Nützlichkeitsprinzip.

5. Sombart beschreibt, dass Fürsten und Könige den Luxus zu großen Teilen der Frauen zuliebe geschaffen haben. Madame Pompadour, die Geliebte von Ludwig XIV gilt als eine Vertreterin des Geschmacks und der
Lebensgestaltung, ebenso wie Marie Antoinette, der letzten großen „Grande Cocotte“ mit ebenfalls hohen Luxusausgaben. Die Frau beeinflusst die Entwicklungstendenzen des Luxus nach Sombart mit: Die Frau hat ein
Interesse an privatem Luxus statt an öffentlichem Luxus, weshalb die Tendenz zur Verhäuslichung entsteht. Die Tendenz zur Versachlichung kommt dadurch, dass für Frauen Gefolgsleute und Dienerschaften unnütz
erscheinen und für sie konkrete Dinge, wie Kleidung, Wohnraum oder Schmuck besser geeignete Luxusgüter sind. Da die Frau laut Sombart durch Ungeduld geprägt ist und sich diese Ungeduld somit auf den verliebten
Mann auswirkt, kommt es weiterhin zur Tendenz der Zusammendrängung, welche besagt, dass viel Luxus in kurzer Zeit produziert wird und ein höheres Tempo an Luxusbedarf entsteht. Kritik: Nur Frau werden
Eigenschaften der Ungeduld und der Selbstdarstellung unterstellt.