Sie sind auf Seite 1von 1

Fragen zu Thorstein Veblens „Theorie der feinen Leute“

1. Welche Bedeutung und Funktion schreibt Veblen der Muße


und insbesondere dem demonstrativen Müßiggang zu? Was
kann man darunter verstehen, dass Veblen den
demonstrativen Müßiggang als eine kulturelle
Klasseninstitution begreift und was sagt diese Deutung über
das Verhältnis von Arbeit und Luxus in der modernen Kultur
aus? (Rekonstruktive Frage)
2. Was ist mit der Idee der stellvertretenden Muße gemeint
und inwiefern unterscheidet sie sich diese von der „echten“
Muße der herrschenden Klasse der feinen Leute? Welche
soziale Position und welche Funktion ist mit dieser
Stellvertretung angesprochen? Inwiefern erlaubt es die Figur der „stellvertretenden Muße“,
das Verhältnis von Arbeit und Luxus, von Werkinstinkt und symbolischer Vergeudung,
mit Blick auf modernen Gesellschaften kritisch zu beleuchten? (analytisch weiterführende
Frage).
3. Welche Bedeutung und Funktion kommt der Institution des Müßiggangs in unserer
gegenwärtigen Gesellschaft zu? Welche Bereiche des sozialen und kulturellen Lebens
werden damit angesprochen? Handelt es sich nach wie vor um einen Lebensstil des Luxus?
Hatte Veblen den Müßiggang noch als Ausdruck eines gesellschaftsschädigenden,
egoistischen Instinktes diskreditiert, stellt sich aus gegenwartsdiagnostischer Perspektive
die Frage, welches Versprechen der Müßiggang heute artikuliert ist und ob hierin nicht
auch gesellschafts- und kulturkritische Momente angesprochen werden?
(gegenwartsdiagnostisch kritische Frage)
1. Da das Angewiesensein auf produktive Arbeit ein Zeichen von Armut, Unwürdigkeit und Minderwertigkeit ist, gilt der demonstrative
Müßiggang (also Befreiung von
niedrigen Dienstag) als Symbol des Prestiges und der ehrvollen Lebensführung. Die meisten Mitglieder der oberen Klasse
haben also einen Widerwillen gegenüber
„vulgärer“ Arbeit, da diese mit „Unsauberkeit“ behaftet gilt. Man geht davon, aus, dass niedere produktive Arbeit nicht mit
einer hohen geistigen Ebene einhergehen
kann und dass ein Leben in Muße hingegen denjenigen adelt, der es lebt (53). Der demonstrative Müßiggang bezeichnet
daher das Verhalten der oberer Klasse,
jegliche nützliche Tätigkeit zu vermeiden um ihr Prestige zu zeigen und zu sichern. Die Muße gilt als verdienstvolles, adeliges
Merkmal für Reichtum und ist daher eine
zwingende Vorschrift der Reichen. Muße bedeutet aber kein Leben in Trägheit oder Ruhe, sondern einfach die nicht-produktive
Verwendung der Zeit, wie zum Beispiel
durch das Erlangen verschiedener Abzeichen und Orden, Kunstkenntnisse, Hausmusik, Mode, Möbel, Hundezucht oder gute
Manieren. Dies hat auch die Funktion um
zu beweisen, dass man reich genug ist um ein untätiges Leben zu führen.
2. Durch die zunehmende Vervielfachung und Differenzierung des Hauspersonals kam es auch zu einer zunehmenden Befreiung des Personals aus der produktiven
Arbeit. Der Wert der Diener entsteht weniger durch ihre eigentlichen Leistungen, als vielmehr durch ihre Zurschaustellung. Somit entsteht das höchste Prestige durch
das Zurschaustellen von Angestellten, die Müßiggang betreiben auf Kosten des Hausherrn: Die Dienerschaft als stellvertretende Muße. Die stellvertretende Muße ist
also dazu da um das finanzielle Prestige des Herrn durch ihren Müßiggang zu zeigen und erfüllt damit stellvertretend den Müßiggang der echten müßigen Klasse.
Außerdem ist ihre Funktion auch, den Geschmack und des Gefühl des Herrn im Richtigen zu beeinflussen um Verstöße zu verhindern (74). Der Unterschied
zwischen der echte müßigen Klasse und der stellvertretenden müßigen Klasse ist jedoch, dass die echte müßige Klasse wirklich die produktive Arbeit vermeidet und
damit sein Wohlergehen und seinen Lebensgenuss maximiert, während die Muße der stellvertretenden müßigen Klasse eine unfreiwillig auferlegte Last ist und nicht
deren Komfort dient, sondern zum Nutzen der echten müßigen Klasse fungiert. Die Muße des Dieners gehört nicht ihm selbst (72). Kritisch dabei ist, dass die „feinen
Leute“ neben ihrer eigenen Arbeitsverweigerung zusätzlich potentiell produktive Arbeitskräfte der Gesellschaft wegnehmen, nur um noch mehr zu protzen und das
Prestige noch mehr zu erhöhen.
- slow Living, Yoga bla
- Zeit ist Geld und Geld ist auch Zeit: taff-Beiträge: Frauen die bewusst reiche Millionäre heiraten, damit sie daraufhin ein Leben in Muße verbringen
können, nicht arbeiten
müssen usw.: Sugar Daddy Geschäft = Müßiggang auch ach Veblen, egoistisch und jain Gesellschaftsschädigend
- Auf der anderen Seite aber auch Muße als legitimer Luxus, den sich jeder nehmen kann und auch sollte: durch Work-Life-Balance, überall wird
für Achtsamkeit plädiert, in
Zeitschriften, Workshops etc.