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Aus mündlichen Überlieferungen und archäologischen Berichten stammen Informationen über die

Urgottheiten der Menschen. Zu diesen gehören Geschichten über die „Alte Frau“ der Aborigines in
Australien. Sie repräsentiert die ursprüngliche Vorstellung von einer Muttergöttin, die mit einer heiligen
weiblichen Kraft für die Erschaffung der Erde und all ihrer Flora und Fauna verantwortlich sei. Die
Erdgöttin war die universelle Seele der Fruchtbarkeit, sie nahm pflanzliche, tierische und menschliche
Materie in den Tod, um daraus neues Leben zu schaffen.

Die Göttin als göttliche Schöpferin spiegelte sich nach diesen Vorstellungen im Körper jeder Frau wider.
Die Zyklen der Natur fänden sich in den Zyklen des weiblichen Körpers und in überlieferten
Kunstwerken. In Höhlenzeichnungen oder Figurinen wurden stilisierte Bilder des weiblichen Körpers
dargestellt, die meistens nur einen Körperteil betonen, wie die Brüste, Genitalien oder das Gesäß.

Mit Beginn der Sesshaftigkeit und dem Ende des Nomadenlebens in der späten Altsteinzeit ging eine
Verschiebung weltanschaulicher Vorstellungen einher. Neben den Urgöttinnen entstanden weitere
Gottheiten.

Das Gedeck der Urgöttin auf der Tafel erinnert an die frühe Göttertradition, als Frauen die
Schöpferinnen allen Lebens auf der Erde waren. Der Teller der Urgöttin symbolisiert die Verbindung
zwischen dem weiblichen Körper und Mutter Erde. Er erinnert an Fleisch und auch an Fels und soll nach
Judy Chicago an die „Urvagina“, die ursprüngliche Quelle allen Lebens, erinnern.

Der Tischläufer erinnert an die Bedeutung der Frauenarbeit in der Altsteinzeit. Die Spirale, die um den
Initialen-Buchstaben „P“ des Namens „Primordial Goddess“ gewunden ist, soll frühe Körbe und Töpfe
darstellen, die unter Verwendung von Spiralformen hergestellt wurden. Als Symbol soll sie für die Göttin
und die heilige Weiblichkeit stehen. Auf dem Läufer befinden sich Kalbshäute, die frühe Kleidungsstücke
repräsentieren und mit Kaurischnecken geschmückt sind, welche ein altes Symbol der weiblichen
Fruchtbarkeit darstellen. Pelz, ein weiches, ansprechend taktiles Material, ist auch mit der Herstellung
von Kleidung und mit Frauen und Frauenarbeit verbunden.[1]