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Die in der heutigen Türkei ausgegrabene Siedlung Çatalhöyük aus der Jungsteinzeit ist als archäologische

Stätte für Forscher der Göttinnenverehrung von Bedeutung. Die Siedlung Çatalhöyük scheint eines der
ersten urbanen Zentren gewesen zu sein, in der eine landwirtschaftlich geprägte Gesellschaft lebte, die
Handel trieb und so reich war, dass ihre Bürger Luxusgüter wie Spiegel besaßen. Umstritten ist die
Vermutung, dass es viele Schreine in der Siedlung gegeben habe, von der Chicago noch ausging, die sich
auf die Forschungen von James Mellaart bezog. Diese werden jedoch inzwischen durch Ian Hodder
ebenfalls als Wohnhäuser gedeutet. Auch bezieht sich Chicago auf die These von James Mellaart, der
Reliefs gefunden hat, auf denen Wesen mit gespreizten, jeweils in Kopfrichtung angewinkelten Armen
und Beinen und einem betonten Nabel dargestellt sind, über denen sich mehrere Putzlagen und
Bemalungen befanden. Kopf, Hände und Füße waren immer abgeschlagen. Mellaart deutete die
Darstellung als gebärende Göttin. Jedoch macht ein Fund eines Stempels aus Çatalhöyük, der einen
Bären in exakt dieser Körperhaltung zeigt deutlich, dass die Deutung nicht notwendig zutreffen muss.

Demnach hätten nach Judy Chicago viele Gelehrte und Archäologen die Ausgrabungsstätte genutzt, um
Theorien über eine frühe matriarchalische Gesellschaft aufzustellen, in der das primäre göttliche Wesen
die Fruchtbare Göttin war, ein Modell für nachfolgende Traditionen der Göttinnenverehrung.